Wie dieses Kapitel zu lesen ist
Die Literatur zur männlichen Fruchtbarkeit bei chronischer Nierenerkrankung (CKD), unter Dialyse und nach Nierentransplantation ist klein, überwiegend alt und methodisch schwach. Die Mehrzahl der Humanstudien sind Querschnittsvergleiche mit weniger als 100 Teilnehmern; kontrollierte Interventionsstudien mit Spermienendpunkt gibt es praktisch nicht. Die größten Datensätze betreffen Hormone, Sexualfunktion und Befragungen zur Vaterschaft, nicht die Samenanalyse. Dieses Kapitel stellt die Arbeiten deshalb einzeln dar und benennt bei jeder, was sie messen und was nicht. Zahlen stammen, soweit nicht anders vermerkt, aus den Abstracts; Volltexte wurden nur bei wenigen Arbeiten gelesen (PATeRNAL [s72], David et al. [s01], Hamdi et al. [s116], McLeroth et al. [s78], Parasher und Ranjan [s53], Sirisopana et al. [s08], die russischen Arbeiten [s101] bis [s84] sowie die Webfassungen der EAU- und AUA-Leitlinien [s25, s24]). Eine formale Qualitätsbewertung mit einem Bias-Werkzeug wurde nicht vorgenommen; die Einschätzungen zu Stärken und Schwächen beruhen auf Studiendesign und Abstract.
Zwei Vorbehalte gelten durchgehend. Erstens lassen sich in fast allen Studien die Einflüsse der Urämie, der Dialyse, der Grunderkrankung, des Alters, des Diabetes, der Anämie und der Medikamente nicht trennen. Zweitens stammt ein großer Teil der chinesischen Humandaten zur Samenqualität aus einer einzigen Arbeitsgruppe in Hangzhou [s168, s172, s156, s152, s135, s134, s155, s119]; diese Arbeiten aus den Jahren 2003 bis 2014 beruhen vermutlich teilweise auf überlappenden Patientenkollektiven und sind keine unabhängigen Bestätigungen füreinander. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Wo Studien Behandlungen prüfen oder Autoren Empfehlungen aussprechen, wird das als Ergebnis beziehungsweise als Meinung der Autoren berichtet.
Leitlinien
EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health, Kapitel 11 „Male Infertility“ [s25]. Die Webfassung (nach Angabe der Seite die auf dem EAU-Kongress Paris 2024 vorgestellte Edition) wurde am 4. Oktober 2026 im Volltext auf die Begriffe Niere, Nierenversagen, Dialyse und Transplantation durchsucht. Das Kapitel enthält keine Aussage zu CKD, Dialyse oder Nierentransplantation. Treffer betreffen nur Nierenanomalien bei einseitiger oder beidseitiger Samenleiterabwesenheit; dort werden ein Abdomen-Ultraschall und die Prüfung auf CFTR-Mutationen empfohlen. In Tabelle 11.1 (Ursachen männlicher Infertilität) erscheint „General/systemic disease“ mit 2,2 % bei den unselektierten und 0,5 % bei den azoospermen Patienten; die Tabelle ist mit „10,469 patients“ überschrieben, die Spaltenköpfe nennen jedoch n = 12 945 und n = 1446, eine Inkonsistenz in der Quelle. Die Anamnese solle Komorbiditäten einschließlich systemischer Erkrankungen (Beispiele der Leitlinie: Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, metabolisches Syndrom) und gonadotoxische Medikamente erfassen. Immunsuppressiva, Sirolimus, Cyclophosphamid, Mycophenolat und Ganciclovir kommen im Kapitel nicht vor. In den Nachbarkapiteln derselben Leitlinie sind chronisches Nierenversagen und CKD als Risiko- und Begleitfaktoren der erektilen Dysfunktion aufgeführt, ebenso die Nierentransplantation als Anlass für eine penile Duplexsonographie; im Kapitel Hypogonadismus erscheint die Dialyse nur als Messverfahren für freies Testosteron, die Niere nur als Nierenschädigung, die als Nebenwirkung in einer Studie zur Testosterontherapie vorkam.
AUA/ASRM-Leitlinie Diagnosis and Treatment of Infertility in Men (2020, Aktualisierung 2024) [s24]. Die Webfassung (abgerufen am 4. Oktober 2026) enthält keine Aussage zu CKD, Dialyse oder Nierentransplantation; die Wörter Dialyse und Immunsuppressiva kommen im Text nicht vor. Einziger Berührungspunkt ist Empfehlung 25 (Expertenmeinung): Bei Vasaagenesie solle eine Nieren-Sonographie zur Erkennung renaler Anomalien erfolgen. Im Literaturverzeichnis erscheint eine Studie zur Samenqualität bei jungen Krebs- und Systemerkrankten.
ESHRE [s13]. Die Leitlinienübersicht der ESHRE (abgerufen am 4. Oktober 2026) listet unter anderem Ovarian Stimulation 2025, Fertility preservation in boys 2025, Unexplained infertility 2023, MAR & viral disease 2021 und Female Fertility preservation 2020. Eine ESHRE-Leitlinie zur männlichen Infertilität oder zu Nierenerkrankungen ist nicht aufgeführt, und die Seite enthält die Wörter kidney, renal, dialysis und transplant nicht. Berührungspunkt ist die ESHRE-Empfehlung zur Fertilitätsprotektion durch Hodengewebe-Kryokonservierung bei Kindern unter gonadotoxischer Therapie (Mitchell et al. 2025, 44 Empfehlungen); der Abstract nennt Nierenkrankheiten nicht.
AWMF und Cochrane. Das Leitlinienregister der AWMF lieferte per Abruf nur das Gerüst einer Einzelseitenanwendung ohne Suchergebnisse; ob eine AWMF-Leitlinie zum Thema existiert, konnte weder festgestellt noch ausgeschlossen werden. Die Cochrane Library lieferte nur eine JavaScript-Hülle. Über Europe PMC fand sich keine Cochrane-Übersicht zur männlichen Fertilität bei Nierenkrankheit; die einzige einschlägige ist die Übersicht zu Interventionen bei sexueller Dysfunktion bei CKD (Vecchio et al. 2010 [s147]), die Sexualfunktion und nicht Fertilität betrifft (Einzelheiten im Abschnitt zu Interventionen).
Weitere Hinweise. Aus dem russischen, türkischen, arabischen, chinesischen, japanischen und koreanischen Sprachraum wurde in den Recherchen keine Leitlinie zum Thema gefunden. Eine Befragung italienischer Transplantationszentren (Pellegrini et al. 2026 [a100]; 29 von 41 Zentren antworteten, 70,7 %) ergab, dass 20 % die Gonadenfunktion in der Anamnese nicht ansprachen und 35 % die Häufigkeit von Menstruationsstörungen oder erektiler Dysfunktion bei ihren Empfängern nicht kannten; die Autoren beschreiben die aktuellen Leitlinien als vage in den Empfehlungen zur endokrinen Nachsorge Nierentransplantierter. Das ist keine Fertilitätsstudie, aber ein Hinweis auf ungleiche Beachtung des Themas. Fazit: Keine der drei geprüften internationalen Leitlinien (EAU, AUA/ASRM, ESHRE) enthält eine Aussage zur Fertilität bei CKD, Dialyse oder Nierentransplantation; die Leitlinienlücke ist selbst ein Befund.
Systematische Übersichten und Metaanalysen
Zhang et al. 2021 [s69]. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (MEDLINE, PubMed, Web of Science bis März 2021), fünf Studien. Die Spermiendichte war nach Transplantation höher als unter Dialyse (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, 1,58; 95-%-Konfidenzintervall 0,02 bis 3,15), ebenso die Beweglichkeit (SMD 3,26; 0,73 bis 5,79). Gegenüber gesunden Männern lagen Dichte (SMD −0,75; −1,42 bis −0,07) und Beweglichkeit (SMD −0,50; −0,80 bis −0,20) der Transplantierten niedriger. Die Autoren schließen, die Transplantation verbessere die Samenqualität, die jedoch unter der Gesunder bleibe. Schwächen: nur fünf Studien, sehr breite Konfidenzintervalle (die Untergrenze des ersten reicht fast bis null), SMD über 3 sprechen für erhebliche Heterogenität (im Abstract nicht berichtet), die Suche umfasste nach Angabe des Abstracts keine chinesischen oder japanischen Datenbanken, und es gibt keine Aussage zu Schwangerschaften.
Hazir et al. 2026 [s03]. Systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA, Web of Science, MEDLINE und Embase für 1975 bis Dezember 2024, nur englischsprachig, Ausschluss von Übersichten, Fallberichten und Serien bis vier Patienten. Von 2939 Treffern wurden 23 Studien mit 738 Patienten eingeschlossen. Die meisten Studien berichteten einen signifikanten Testosteronanstieg nach 3, 6 und 12 Monaten; LH und Prolaktin folgten parallel. LH fiel signifikant nach 1 und 12 Monaten, Prolaktin zu allen Zeitpunkten von 1 bis 12 Monaten; FSH schwankte und war zu keinem Zeitpunkt signifikant verändert. Hodenbiopsiebefunde und alle Gruppen von Spermienparametern besserten sich. Die Autoren fordern eine internationale prospektive Datenbank. Schwächen: keine Metaanalyse im Abstract, uneinheitliche Methoden (von den Autoren genannt), keine Effektgrößen im Abstract.
Jensen et al. 2021 [s58]. Systematischer Überblick (PRISMA, englischsprachig) zu immunsuppressiven Wirkstoffen und Spermien: 102 Studien (25 am Menschen, 77 im Tier). Für Methotrexat in immunsuppressiver Dosis zeigten Humanstudien vorübergehende Effekte, die innerhalb von 3 Monaten zu Referenzwerten zurückkehrten; für Ganciclovir und Mycophenolatmofetil seien die Daten begrenzt und uneindeutig, spermatotoxische und genotoxische Wirkungen könnten nicht ausgeschlossen werden.
Vecchio et al. 2010, Cochrane-Übersicht [s147]. 15 Studien mit 352 Patienten zu Interventionen bei sexueller Dysfunktion in der CKD (nur eine Studie mit Frauen). PDE-5-Hemmer erhöhten den IIEF-5-Gesamtwert (2 Studien, 101 Patienten, mittlere Differenz 10,65; 95-%-KI 5,34 bis 15,96). Zink im Dialysat erhöhte das Testosteron nicht signifikant (2 Studien, 22 Patienten, MD 0,21 ng/ml; KI −2,14 bis 2,55), orales Zink dagegen schon (1 Studie, 20 Patienten, SMD 1,62; KI 0,58 bis 2,66); LH und FSH unterschieden sich unter Zink nicht. Zu Vitamin E, Bromocriptin und Dihydroxycholecalciferol gab es nur spärliche Daten. Die Übersicht betrifft Sexualfunktion, nicht Fertilität.
Metaanalysen zu Sexualfunktion und Hormonen (Randbereich). Kang et al. 2020 [s76] (neun Artikel; Transplantierte gegen Dialysepatienten oder Patienten vor der Transplantation): Prävalenz der erektilen Dysfunktion OR 0,49 (0,28 bis 0,86), Erektionsfunktion SMD 0,53 (0,12 bis 0,94), sexuelles Verlangen SMD 1,19 (0,11 bis 2,27); Testosteron SMD 1,20 (0,86 bis 1,54), Prolaktin −1,46 (−2,22 bis −0,69), LH −0,97 (−1,39 bis −0,55). Die Suche umfasste vier westliche Datenbanken ohne chinesische. Miron et al. 2023 [a101]: 28 Kohortenstudien, 2252 Teilnehmer, „13 % Verbesserung“ der erektilen Dysfunktion nach Transplantation (Maß und Konfidenzintervall im Abstract nicht genannt); Fertilität wurde nicht untersucht. Liu et al. 2025 [s18]: 28 Studien, 3520 Transplantierte, Suche auch in CNKI, Wanfang, VIP und CBM; gepoolte Prävalenz erektiler Dysfunktion 53,0 % (48,0 bis 57,9), Diabetes OR 3,80, Alter über 50 Jahre OR 7,22 mit extrem breitem Intervall (1,0273 bis 50,7553). Li et al. 2022 [s50]: neun Kohortenstudien, 5331 CKD-Patienten; pro 1-SD-Abnahme des Gesamttestosterons stiegen Gesamtmortalität (HR 1,27; 1,16 bis 1,38), kardiovaskuläre Mortalität (HR 2,00; 1,39 bis 2,86), kardiovaskuläre Ereignisse (HR 1,20; 1,04 bis 1,39) und Infektionsereignisse (HR 1,41; 1,08 bis 1,84). Das betrifft die Prognose, nicht die Fertilität.
Narrative und systematisch angelegte Übersichten. Neuzillet et al. 2016 [s105] (französischsprachig; Medline und Embase, 383 Artikel gefunden, 51 eingeschlossen): Die Prävalenz des Hypogonadismus bei CKD wird mit 24 % bis 66 % angegeben und sinke nach Transplantation nur teilweise; Hypogonadismus sei ein unabhängiger Risikofaktor für Mortalität. Der Abstract nennt den Befund „hypogonadotrop“, während die Primärstudien meist erhöhte Gonadotropine zeigen [s127, s116], die Begriffsverwendung ist uneinheitlich. Kleinclauss et al. 2016 [s104] (französischsprachig; 706 Treffer, 76 Artikel): Erektile Dysfunktion sei bei CKD häufig, die Transplantation bessere in der Regel Sexualität und Fertilität. Lundy und Vij 2019 [s87]: Subfertilität oder Infertilität im Nierenversagen durch Hypogonadismus, erektile Dysfunktion und direkte Beeinträchtigung der Spermatogenese mit spätem Reifungsstopp; die Transplantation behebe einen Teil der Defekte. Kuczera et al. 2022 [s49]: Die Prävalenz gestörter Fertilität nehme mit dem Grad der Nierenfunktionsstörung zu und sei im CKD-Stadium 5 am höchsten; bereits entstandene morphologische Gonadenschäden seien durch die Transplantation nicht ganz rückgängig zu machen. Szymusik et al. 2020 [s80]: etwa 20 % bis 30 % der Organtransplantierten seien im reproduktiven Alter, die geschätzte Infertilitätsrate sei etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung. Elahi et al. 2026 [s02]: Infertilität nach Transplantation sei multifaktoriell, Daten zur assistierten Reproduktion stammten überwiegend aus Fallberichten. Delesalle et al. 2015 [s111] (französischsprachig): Spermienparameter und Hormonfunktion besserten sich innerhalb von 2 Jahren, Spermienveränderungen könnten unter Immunsuppressiva bestehen bleiben; nur 7 Autoren hätten assistierte Reproduktion bei Nierentransplantierten beschrieben. Atallah et al. 2015 [s108, s107] (französischsprachig, Libanon): Hyperprolaktinämie bei 100 % bei chronischem Nierenversagen, 60 % unter Dialyse, 35 % nach Transplantation, ohne Quelle und Kollektiv. Zu Hormonen und Mechanismen äußern sich Palmer und Clegg 2017 [s100] (hypothalamisch-hypophysäre Störungen schon vor der Dialyse), Iglesias et al. 2012 [s130] (Testosteronmangel bei 26 % bis 66 %), Deebel et al. 2025 [s12], Gou et al. 2025 [s14] (zentrale Suppression und periphere Gonadenresistenz), Bilha et al. 2023 [s39] (Fertilität trotz rascher Hormonerholung nicht vollständig wiederhergestellt) und Zitzmann 2024 [s36]; sie liefern wenig Spermiendaten, ihre Aussagen zur Testosterontherapie werden hier nicht wiedergegeben. Aus dem türkischen, russischen und arabischen Raum stammen weitere narrative Übersichten ohne Zahlen: Ateş 2010 [s143] (nach Transplantation komme Testosteron in den Normbereich, bei etwa der Hälfte der Hämodialysepatienten kämen spermatogene Anomalien vor, ohne Beleg), İlbey et al. 2024 [s35] (nur begrenzte Information zur Wirkung der Immunsuppressiva auf die männliche Fertilität), Tjuzikov 2012 [s136] (Hypogonadismus bei 47 bis 67 % der Hämodialysepatienten; die Übersicht gibt die türkische Kohorte von Yilmaz et al. abweichend vom Originalabstract wieder), Markova et al. 2024 [s30], Güngör et al. 2017 [s98], Mahmoud und Borgi 2021 [s61], Ermolenko et al. 1987 [s208] und El-Assmy 2012 [s129] (Prävalenz erektiler Dysfunktion unter Hämodialyse 20 bis 87,7 %); Kinugasa et al. 1997 [s182] (japanisch, Übersicht zum hypergonadotropen Hypogonadismus). Die Übersichten stützen sich weitgehend auf dieselben Primärstudien und sind keine unabhängige Bestätigung.
CKD und Dialyse: Samenanalysen beim Menschen
Lehtihet und Hylander 2015 [s113]. Querschnitt an 66 Männern (18 bis 50 Jahre) mit CKD-Stadium 1 bis 5; Samenparameter, Marker akzessorischer Drüsen und Hormone. Mit höherem Stadium fand sich ein signifikanter negativer linearer Trend für Samenvolumen (P < 0,05), progressive Motilität (P < 0,01), nichtprogressive Motilität (P < 0,001), Spermienkonzentration (P < 0,01), Gesamtspermienzahl (P < 0,01), zytoplasmatische Tröpfchen (P < 0,01), Teratozoospermie-Index (P < 0,05), α-Glukosidase (P < 0,05), Zink (P < 0,01) und Fruktose (P < 0,01). Der Body-Mass-Index hatte keinen signifikanten Einfluss auf Volumen, Zahl, Konzentration und Morphologie; das Alter war mit niedrigerer Konzentration (P < 0,05), weniger Normalformen (P < 0,01) und niedrigerem Testosteron (P < 0,05) verbunden. Stärke: Die Studie bezieht die Stadien vor der Dialyse ein und misst Samenparameter direkt. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kleine Zahl pro Stadium, Querschnitt. Die Autoren folgern, das CKD-Stadium sei ein Faktor für die Zahl der im Nebenhoden verfügbaren Spermien, teilweise unabhängig vom altersbedingten Testosteronabfall.
Zachoval et al. 2013 [s127]. 74 Männer auf der Transplantationswarteliste (Hämodialyse) und 41 Kontrollen. Die Patienten hatten niedrigeres mittleres Testosteron und signifikant höhere Werte für SHBG, LH, FSH und Prolaktin sowie signifikant niedrigeres Ejakulatvolumen, niedrigere Gesamtspermienzahl, Konzentration, Gesamt- und progressive Motilität und Morphologie. Testosteron korrelierte positiv mit Gesamtmotilität und Morphologie und negativ mit Prolaktin; die Dialysedauer korrelierte negativ mit Testosteron, Konzentration, Gesamt- und progressiver Motilität und Morphologie. Schwächen: Der Abstract nennt keine Effektgrößen oder P-Werte der einzelnen Vergleiche; Auswahl der Kontrollen und Störgrößen sind nicht beschrieben.
Xu et al. 2004 [s168] („[Changes of semen quality in uremia patients]“, Veränderungen der Samenqualität bei Urämiepatienten; Zhonghua nan ke xue). 24 Männer mit Urämie vor Nierentransplantation gegen 12 gesunde Freiwillige. Bei den Urämiepatienten: Ejakulatvolumen (2,5 ± 0,4) ml, Beweglichkeit (13,4 ± 3,9) %, Überlebensrate (25,4 ± 5,6) %, Dichte (20,6 ± 4,5) × 10^6/ml, normale Morphologie (16,8 ± 2,1) %. Alle Werte lagen laut Abstract signifikant unter der Kontrollgruppe (P < 0,01); die Kontrollwerte selbst nennt der Abstract nicht. Schwächen: kleine Zahlen, Alter und Auswahl der Kontrollen unklar, keine Adjustierung.
Xu et al. 2012 [s135] (Cell Biochemistry and Biophysics). 53 Männer im Endstadium der Urämie, Samenproben durch Masturbation; Vergleich mit fertilen und infertilen Männern über einen Fertilitätsindex (FI = Spermiendichte × Motilität × Normalformenrate, je 10 000). Drei Patienten konnten keine Probe abgeben, in vier Proben fanden sich keine Spermien. Bei den übrigen 46 waren Motilität, Überlebensrate, Dichte und Normalformenrate signifikant niedriger als bei den Kontrollen. FI der Urämiker 0,68 (2,08), fertile Männer 7,7 (13,51), infertile 4,13 (5,77); die Klammerwerte sind im Abstract nicht erläutert. Schwächen: Größe und Rekrutierung der Kontrollen nicht angegeben, mögliche Überlappung mit [s168] und [s152], keine Angaben zu Dialyseform und Dauer.
Xu et al. 2009 [s152] (Andrologia). 40 Urämiepatienten, 40 Nierentransplantierte (Gruppe A höchstens 2 Jahre nach Transplantation, n = 22; Gruppe B mehr als 2 Jahre, n = 18) und 40 gesunde fertile Männer. FI der Kontrollen 13,02 (14,26), Gruppe A 5,53 (8,30), Gruppe B 9,27 (22,49), Urämiepatienten 0,23 (0,76). Beide Transplantiertengruppen lagen signifikant über den Urämiepatienten (P < 0,01); Gruppe A lag unter den Kontrollen (P < 0,01), Gruppe B nicht signifikant (P > 0,05). Die Autoren schließen, der FI sei zwei Jahre nach Transplantation nahe an den gesunder Männer zurückgekehrt. Schwächen: Querschnittsvergleich verschiedener Personen statt Längsschnitt, sehr große Streuung (Klammerwerte übersteigen teils die Mittelwerte, das Streuungsmaß ist nicht benannt), der Nicht-Unterschied von Gruppe B kann bei n = 18 auch fehlende Teststärke sein.
Xu HM et al. 2012 [s134] (Human Reproduction; CFTR-Protein in Spermien). 21 urämische Patienten, 15 Nierentransplantierte, 32 gesunde und 33 infertile Männer; Samenanalyse, FSH, LH und Testosteron per Radioimmunoassay, Anteil CFTR-positiver Spermien. Nur (9 ± 5,9) % der Spermien urämischer Patienten exprimierten CFTR, weniger als bei Transplantierten ((29 ± 14,3) %), infertilen Männern ((42 ± 20,7) %) und gesunden Männern ((51 ± 20,5) %; jeweils P < 0,001). Transplantierte hatten signifikant weniger CFTR-positive Spermien als infertile (P < 0,05) und gesunde Männer (P < 0,01). Das LH der Urämiepatienten lag über dem aller anderen Gruppen, das FSH nur über dem der infertilen und gesunden; im Testosteron gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den vier Gruppen. Die Autoren deuten die CFTR-Expression als umkehrbaren Befund und möglichen Marker der Fertilität urämischer Männer. Schwächen: kleine Gruppen, Querschnitt (die Umkehrbarkeit wird aus dem Vergleich verschiedener Männer abgeleitet), Marker nicht an Schwangerschaftsraten validiert.
Yamamoto, Tachibana, Tazaki 1989 [s206] (Tagungszusammenfassung, Japan; „慢性血液透析患者の妊孕性におよぼす血清中および精漿中亜鉛濃度の検討“, Untersuchung der Zinkkonzentration in Serum und Seminalplasma und der Fertilität chronischer Hämodialysepatienten). 24 männliche Hämodialysepatienten (24 bis 49 Jahre, Dialysedauer 10 Monate bis 12 Jahre 1 Monat) gegen 23 gesunde Kontrollen. In der Dialysegruppe fanden sich verminderte Ejakulatmenge, verminderte Spermienkonzentration bis hin zur Azoospermie, geringere Beweglichkeit und höhere Rate fehlgebildeter Spermien. Das Serumzink war signifikant niedriger, die Rate fehlgebildeter Spermien korrelierte negativ mit dem Serumzink; das Seminalplasma-Zink unterschied sich nicht von den Kontrollen. Nur Kurzzusammenfassung ohne Effektgrößen.
Sawanishi und Ohsako 1982 [s217] (Kyoto; „腎不全患者の内分泌異常特に男子透析患者の性機能障害“, Endokrine Anomalien bei Niereninsuffizienz, insbesondere Sexualfunktionsstörung männlicher Dialysepatienten). Zusammenfassung eigener Beobachtungen über 1968 bis 1981. Fragebögen (viermal): 36,9 % ohne Interesse an Sexualaktivität, 72,9 % mit vermindertem sexuellem Verlangen nach Dialysebeginn, 28,4 % mit erhaltenem Sexualleben. Histologisch fanden sich Hodenatrophie, hyaline Entartung der Tubuli, Verdickung der Basalmembran, schwere Spermatogenesestörung, vermehrtes interstitielles Bindegewebe und scheinbare Leydig-Zell-Hyperplasie, die die Autoren eher als Teilbild einer chronisch zehrenden Erkrankung denn als nierenspezifisch ansehen. In der Samenanalyse überwogen Azoo- bis Oligozoospermie; je länger die konservative Phase vor der Dialyse, desto ausgeprägter. Endokrin fielen Hyperprolaktinämie, niedriges LH und niedriges Testosteron auf. Schwächen: Fallzahlen im Abstract nicht angegeben, deskriptiv, unkontrolliert, historische Dialysebedingungen.
Kukhtevich und Kollegen, Moskau (1985 bis 1995) [s188, s212, s193, s201, s204, s207]. Eine russische Serie kleiner Studien einer Arbeitsgruppe, zum Teil ohne Kontrollgruppe und ohne Statistik im Abstract. Kukhtevich et al. 1985 [s212]: 12 Männer und 9 Frauen mit CKD verschiedener Stadien, 20 gesunde Kontrollen; Zeichen des Hypogonadismus und erhöhtes Prolaktin; unter Parlodel (2,5 bis 7,5 mg/Tag für 1 bis 6,5 Monate) hob sich bei 10 Männern die Potenz, bei 5 Männern normalisierte sich die Spermienzusammensetzung, das Prolaktin sank. Kukhtevich et al. 1994 [s193]: 8 Männer mit Lupusnephritis, verglichen mit 13 Männern mit urämischem Hypogonadismus und 10 Männern mit zytostatikainduzierter Azoospermie; kein bedeutsamer Unterschied zwischen Männern mit und ohne Lupus, bei 5 Patienten wurden die Auffälligkeiten durch Parlodel und Zinksulfat korrigiert. Kukhtevich et al. 1989 [s204]: 10 Jugendliche (10 bis 18 Jahre) mit Nephropathie und Entwicklungsverzögerung, 8 davon mit Immunsuppressiva vorbehandelt; im Spermiogramm hatten 3 von 4 untersuchten Patienten eine Pathospermie, nach Parlodel und/oder Zinkacetat über 1,5 bis 23 Monate besserten sich die Spermiogramme bei 3 von 4. Kukhtevich et al. 1988 [s207]: 31 urämische Männer (16 Hämodialyse, 10 eiweißarme Diät, 5 Transplantat); die Autoren schließen, Zinkacetat sei bei Hypogonadismus Jugendlicher mit Nephropathien wirksam, ohne Zahlen im Abstract. Zu den beiden Serien mit Immunsuppression siehe den Abschnitt zu Arzneimitteln. Gemeinsame Schwächen: Gruppen von 8 bis 12 Männern, Vermischung von Urämie und Medikation, keine Kontrolle für die Behandlung.
Bozzini et al. 2013 [s121]. 22 früher dialysierte Männer, im Median mit 19 Jahren (Bereich 9 bis 30) transplantiert. Bei 17 fanden sich Nebenhodenverkalkungen (bei zwei zusätzlich Hodenverkalkungen), bei weiteren drei isolierte Hodenverkalkungen. Von 13 untersuchten Samenproben zeigten 12 Auffälligkeiten (5 Azoospermie, 7 Oligozoospermie, mit morphologischen Anomalien). Die Autoren raten zu Spermiogramm und Kryokonservierung vor Eintritt der terminalen Niereninsuffizienz. Schwächen: nur 13 Samenproben, Auswahl nicht beschrieben, keine Kontrollgruppe.
Fallberichte zur Nierenfunktion als Ursache oder Folge. Eldar et al. 2008 [s153]: hochgonadotrope Azoospermie bei akutem obstruktivem Nierenversagen durch beidseitige Nierensteine; vier Monate nach Normalisierung der Nierenfunktion kehrte die Azoospermie um. Kaiyal et al. 2025 [s17]: 29-jähriger Mann mit nichtobstruktiver Azoospermie, bei dem erst erhöhtes Kreatinin zur Diagnose eines terminalen Nierenversagens (fokal-segmentale Glomerulosklerose) führte; nach Hämodialyse und Transplantation Kryptozoospermie. Nguyen et al. 2025 [s21]: 32-jähriger Mann mit CKD durch chronische Glomerulonephritis und nichtobstruktiver Azoospermie (zwei Samenanalysen), der sich für eine Transplantation statt sofortiger chirurgischer Spermiengewinnung entschied; drei Monate danach normalisierte Nierenfunktion, teilweise Erholung der Hormone, die Samenanalyse bestätigte wieder Spermienbildung, eine Spontanschwangerschaft endete in der siebten Woche mit einer Fehlgeburt. Liu et al. 2019 [s86]: Ein Mann im Endstadium zeugte nach ICSI ein Kind; die Autoren diskutieren Fortpflanzungsrecht und ethische Fragen. Yağcı et al. 2016 [s102]: 28-jähriger infertiler Hämodialysepatient mit zufällig gefundener Verkalkung des Nebenhodenkopfes, Oligo- und Asthenospermie; die Autoren diskutieren eine Verbindung über den Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel. Alle Fälle sind hypothesengenerierend und belegen weder Häufigkeit noch Kausalität.
Hoden, Nebenhoden und Sertoli-Zell-Marker bei Nierenversagen
Hekimoğlu et al. 2017 [s99]. Scherwellen-Elastografie: 28 Männer unter Dialyse dreimal pro Woche und 25 gesunde Freiwillige. Die Dialysegruppe hatte kleinere Hodenvolumina (rechts, links, Mittel; p < 0,001) und eine höhere Steifigkeit des Parenchyms (p < 0,001). Keine Hormon- oder Spermadaten; der Befund passt zu einer Gewebeschädigung, belegt sie aber nicht für die Spermienbildung.
Güvel et al. 2004 [s166]. 23 Männer unter Hämodialyse (mittleres Alter 51,4 ± 12,1 Jahre) und 22 Kontrollen mit Typ-2-Diabetes und normaler Nierenfunktion. Kalzifikation der Tunica albuginea der Schwellkörper bei 15 (65 %), des Nebenhodens bei 16 (70 %; 14 beidseitig); Verkalkung von Nebenhoden und/oder Tunica bei 20 (87 %), beider Strukturen bei 10 (43 %); beide Raten unterschieden sich signifikant von den Kontrollen (p < 0,001). Kein Zusammenhang mit Alter, Dialysedauer, Phosphat, Parathormon, Kalzium-Phosphat-Produkt oder erektiler Dysfunktion. Es wurde keine Spermaanalyse durchgeführt; die Bedeutung der Nebenhodenverkalkung für Spermientransport und Fruchtbarkeit bleibt offen.
Yajima et al. 1989 [s205] (Showa-Universität; „男子慢性血液透析患者における性ホルモン環境と睾丸容量の変化について“, Veränderungen von Sexualhormonmilieu und Hodenvolumen bei männlichen chronischen Hämodialysepatienten). 15 Hämodialysepatienten gegen 23 Kontrollen: LH und FSH signifikant höher, Testosteron und das mit dem Orchidometer gemessene Hodenvolumen signifikant niedriger. Mit der Dialysedauer stiegen LH und FSH und das Testosteron fiel; das sonographisch gemessene Hodenvolumen nahm dagegen mit der Dauer zu, was die Autoren als Zunahme interstitiellen Ödems und Bindegewebes deuten. Hodenvolumen allein ist demnach bei Dialysepatienten kein verlässlicher Maßstab der Spermatogenese (n = 15).
Kawanishi et al. 1987 [s209] (japanisch; „透析患者の勃起機能と精巣機能“, Erektionsfunktion und Hodenfunktion von Dialysepatienten). Serum-Testosteron signifikant niedrig, Speicheltestosteron mit großer Streuung und Tendenz zu höheren Werten als bei Kontrollen; LH und FSH erhöht; Prolaktin bei unter 50-Jährigen signifikant (p < 0,05) höher, aber im Normbereich; Hodenvolumen signifikant niedriger (p < 0,01); SHBG im Normbereich. Die Autoren schließen, das freie Testosteron sei nicht niedriger als bei Kontrollen, und sehen keinen Beleg, die Erektionsstörung einer Hodenfunktionsstörung zuzuschreiben. Fallzahl im Abstract nicht genannt.
Abdel Hamid et al. 2018 [s90]. 59 männliche CKD-Patienten verschiedener Stadien und 21 gesunde Teilnehmer. Anti-Müller-Hormon (AMH, ein Sertoli-Zell-Marker) und 25-Hydroxy-Vitamin-D waren bei den Patienten signifikant erniedrigt. AMH korrelierte positiv mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate, Testosteron und 25-Hydroxy-Vitamin-D und negativ mit Alter, Harnstoff, Kreatinin, FSH, LH und Prolaktin; Vitamin D und LH erklärten 65,9 % der Variabilität von AMH. Die Autoren deuten dies als möglichen Hinweis auf eine Sertoli-Zell-Funktionsstörung. Einschränkung: AMH korreliert im selben Datensatz auch mit Alter, Harnstoff und Kreatinin, die Zuordnung zur Hodenfunktion ist nicht eindeutig; keine Samenanalyse.
Hormonachse bei CKD und Dialyse
Diese Studien messen keine Spermien. Sie sind aufgenommen, weil Testosteron, LH und FSH die Spermatogenese steuern und weil sie den größten Teil der Daten stellen. Eine Aussage zur Fertilität lässt sich nur indirekt ableiten.
David et al. 2026 [s01]. Fall-Kontroll-Studie mit Längsschnittteil. 120 Männer mit CKD-Stadium 1 bis 5 (Alter 65 Jahre, BMI 26,8) wurden 1:1 mit 120 nierengesunden Kontrollen gleichen Alters und BMI verglichen. Testosteron wurde mit Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie gemessen, LH, FSH und Inhibin B mit Immunoassay; T/LH galt als Näherung der Leydig-, Inhibin B/FSH als Näherung der Sertoli-Zellfunktion. Mediane CKD gegenüber Kontrollen: Gesamt-Testosteron 426,00 gegenüber 541,00 ng/dl, Inhibin B 112,70 gegenüber 181,10 pg/ml, LH 9,10 gegenüber 5,35 IU/l, FSH 7,80 gegenüber 5,60 IU/l, T/LH 1,75 gegenüber 3,99 nmol/IU, Inhibin B/FSH 14,40 gegenüber 32,24 ng/IU (jeweils P < 0,0001, FSH P = 0,0003; Prolaktin und SHBG ohne Unterschied). Hypogonadismus (alle Kategorien) bei 56,7 % (n = 68) der CKD-Patienten gegenüber 13,3 % (n = 16) der Kontrollen; in den Stadien 4 und 5 waren nur 27,8 % (n = 15) eugonadal, bei den passenden Kontrollen 79,6 % (n = 43). Die Autoren bezeichnen die männliche CKD als Zustand vorzeitiger testikulärer Alterung. Stärken: moderne Testosteronmessung, Matching. Schwächen: ältere Population, keine Samenanalyse, Medianwerte mit Interquartilbereich. Der Längsschnittteil folgt unten.
Carrero et al. 2011 [s137]. 260 Männer mit terminalem Nierenversagen (Median 59 Jahre), Beobachtung über 36 Monate. Testosteronmangel (< 10 nmol/l) bei 44 %, Insuffizienz (10 bis 14 nmol/l) bei 33 %, normal (> 14 nmol/l) bei nur 23 %. Testosteron korrelierte invers mit CRP, IL-6 und Fibrinogen, auch nach Korrektur für Alter und SHBG. Testosteronmangel war unabhängig mit kardiovaskulärer Komorbidität (OR 2,51; 95-%-KI 1,32 bis 4,76) und Tod (OR 2,00; 1,01 bis 3,97) assoziiert. Der Endpunkt ist Mortalität, nicht Fertilität; der Zusammenhang kann durch Krankheitsschwere erklärt sein.
Güngör et al. 2010 [s144]. 420 männliche Hämodialysepatienten, Gesamttestosteron per ELISA: Mittelwert 8,69 ± 4,10 nmol/l (0,17 bis 27,40); 66 % hatten einen Testosteronmangel (unter 10 nmol/l). Von den Patienten starben bei 32 Monaten Nachbeobachtung 104 (24,8 %). Überlebensrate im niedrigsten Testosterondrittel (unter 6,8 nmol/l) 64 % gegenüber 81 % im höchsten Drittel (über 10,1 nmol/l; p = 0,004); pro 1 nmol/l höherem Testosteron lag die Sterblichkeit um 7 % niedriger (HR 0,93; 0,89 bis 0,98). Für die Fertilität nur als Prävalenzangabe nutzbar.
Yılmaz et al. 2011 [s140], Afşar 2013 [s120], Aydemir et al. 2020 [s71]. Drei türkische Querschnitte zu Patienten ohne Dialyse. Yılmaz et al.: 239 Männer mit CKD-Stadium 1 bis 5 (52 ± 12 Jahre); Gesamt- und freies Testosteron fielen parallel zur abnehmenden Nierenfunktion; bei 31 Monaten Nachbeobachtung traten 22 tödliche und 50 nichttödliche kardiovaskuläre Ereignisse auf, das Risiko sank um 22 % pro nmol/l Gesamttestosteron. Afşar: 109 Patienten der Stadien 3 bis 5; Gesamttestosteron in Stadium 3, 4 und 5: 8,32 ± 4,35, 6,71 ± 3,12 und 4,22 ± 1,28 ng/ml (p < 0,0001; Stadium 3 gegen 5 und 4 gegen 5 jeweils p < 0,0001, 3 gegen 4 p = 0,094; Einheit wie im Abstract gedruckt, Geschlecht im Abstract nicht ausdrücklich genannt). Aydemir et al.: 105 Männer (Stadium 3: 55, Stadium 4: 33, Stadium 5: 17); Hypogonadismus nach Gesamttestosteron bei 18 (17,1 %), nach freiem Testosteron bei 22 (20,9 %), kein Unterschied zwischen den Stadien; Patienten mit Hypogonadismus hatten höheres CRP. Das Fehlen eines Stadienunterschieds bei Aydemir steht im Gegensatz zu Yılmaz und Afşar.
Oueslati et al. 2020 [s79]. 48 Männer mit CKD (53,31 ± 10,22 Jahre; Nierenfunktion mild bei 9, mäßig bei 14, schwer bei 4, Endstadium bei 21). Hypogonadismus (Testosteron < 10 nmol/l oder 10 bis 14 nmol/l) bei 22 (46 %); in dieser Gruppe waren die Gonadotropine in 21 Fällen normal und nur in einem erhöht, Hyperprolaktinämie bei 6. Typ-2-Diabetes (OR 3,96; P = 0,02) und diabetische Nephropathie (OR 4,26; P = 0,01) waren die einzigen Risikofaktoren.
Parasher und Ranjan 2022 [s53]. Leserbrief, 50 CKD-Patienten (28 Männer; 52,27 ± 14,56 Jahre); bei 24 der 28 Männer lag das Testosteron unter der Norm. Männer mit CKD-Stadium 3/4 gegenüber Stadium 5: Testosteron 94,45 ± 44,23 gegenüber 72,86 ± 13,90 ng/dl (P < 0,001), LH 7,56 ± 1,42 gegenüber 17,16 ± 3,57 mIU/ml (P = 0,01), FSH 15,87 ± 6,65 gegenüber 26,45 ± 8,62 mIU/ml (P = 0,04). Die Absolutwerte des Testosterons liegen weit unter denen anderer Studien, die Messmethode ist nicht beschrieben; die Altersgruppen der Stadien unterscheiden sich stark (40,37 gegenüber 63,34 Jahre), was die Stadienvergleiche konfundiert.
Ahmed et al. 2018 [s91]. 118 Männer unter Hämodialyse (48,97 ± 14,68 Jahre, Dialysedauer 4,58 ± 3,03 Jahre). Erektile Dysfunktion bei 78,8 % (31,2 % schwer), vergleichbar in allen Dialysedauer-Kategorien (bis 5 Jahre 79,7 %, 5 bis 10 Jahre 76,5 %, über 10 Jahre 80,0 %). Abnorm waren FSH bei 5,1 %, LH bei 1,6 %, Testosteron bei 18,6 %, Prolaktin bei 90,7 % und Östradiol bei 0,0 %; kein Zusammenhang zwischen Dialysedauer und IIEF-5 oder Hormonen. Ati et al. 2023 [s37]: Querschnitt an männlichen Hämodialysepatienten in Tunesien (die Fallzahl ist im Abstract uneindeutig, „one hundred and ten: 55“); FSH, LH und Prolaktin erhöht, Testosteron erniedrigt, Hypogonadismus mit höherem Alter, Anämie und fehlender Erythropoetinbehandlung verbunden.
Lan et al. 2026 [s04]. 69 Hämodialysepatienten und 20 altersgleiche Kontrollen. Kisspeptin im Serum war stark erhöht (Median 30,35 gegenüber 9,02 ng/ml; P < 0,001). Bei urämischen Männern sagte Kisspeptin das Testosteron nach Adjustierung für Alter, CRP und Diabetes voraus (β = −0,045; P = 0,046). Eine Mediationsanalyse stützte, dass der Zusammenhang mit erektiler Dysfunktion über Testosteron läuft (indirekter Effekt P = 0,046, direkter Effekt P = 0,081); die Fläche unter der Kurve für mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion war 0,734 (0,596 bis 0,872). Exploratorisch, Querschnitt, p-Werte knapp unter 0,05.
Dialyseform, Dialysesitzung und Alter. Gök Oğuz et al. 2020 [s73]: 95 Männer, 71 unter Hämodialyse und 24 unter Peritonealdialyse; Gesamt- und freies Testosteron waren in der PD-Gruppe höher (p = 0,01 beziehungsweise 0,05), SHBG, FSH, LH und Prolaktin unterschieden sich nicht; in der Regression war PD mit günstigeren Testosteronwerten verbunden (OR 4,659; 95-%-KI 1,477 bis 14,704). Die Wahl der Dialyseform erfolgt nach klinischen Faktoren (Selektionsverzerrung), das Konfidenzintervall ist weit. Sobki et al. 2004 [s167]: 24 Männer unter 45 und 50 über 45 Jahren unter Hämodialyse; Gesamt- und freies Testosteron waren bei den über 45-Jährigen signifikant niedriger als bei den jüngeren, FSH und LH in beiden Gruppen gegenüber altersgleichen Kontrollen erhöht. de Vries et al. 1984 [s213]: Plasma-Testosteron, Dihydrotestosteron und Speichel-Testosteron waren unter Hämodialyse signifikant niedriger als bei Kontrollen, SHBG normal, vor und nach einer sechsstündigen Dialyse unterschieden sich die Werte nicht. Mustafa et al. 2025 [s20]: 60 männliche Hämodialysepatienten (54,02 ± 13,40 Jahre); das Gesamttestosteron stieg nach der Sitzung von 3,13 ± 1,44 auf 4,17 ± 2,04 ng/ml (r = 0,78; p = 0,001), der Hämatokrit von 32,31 ± 3,90 auf 35,27 ± 4,89 %; die Autoren deuten dies als Hämokonzentration, da die Hochflussmembran Testosteron nicht filtere. Das ist ein Messartefakt-Hinweis, kein Beleg für eine Besserung der Gonadenfunktion. Gürlek Demirci et al. 2018 [s93] fanden bei 144 stabilen männlichen Nierentransplantierten ein mittleres Testosteron von 588,0 (55,5) ng/dl; das Streuungsmaß ist für 144 Personen auffallend klein und möglicherweise ein Standardfehler.
Dynamische Tests und Kinder. Tokgöz et al. 2001 [s176]: 10 anämische Männer unter CAPD und 11 Kontrollen; das basale LH war vor Behandlung signifikant höher als bei Kontrollen (p < 0,001), freies Testosteron stieg unter Erythropoetin (p < 0,05); die Autoren schließen auf normale Testosteronspiegel mit erhöhtem basalem LH und überschießender Reaktion auf LH-RH, also einen Defekt auf Ebene von Hypothalamus und Hypophyse. Nonomura 1982 [s216]: 20 Hämodialysepatienten (25 bis 45 Jahre) mit verminderter Libido bei zehn, nur einer zeugte während der Hämodialyse ein Kind; bei weiteren 20 waren FSH und LH signifikant höher (p < 0,05) und Testosteron signifikant niedriger (p < 0,005) als bei Gesunden; die Autoren deuten ein primäres Hodenversagen plus hypothalamisch-hypophysäre Störung. Fujisawa et al. 1985 [s210]: acht Patienten (16 bis 21 Jahre), die als Kinder an die Hämodialyse kamen: niedriges Testosteron, hohes LH, verminderte Antwort im hCG-Test, alle zeigten klinische Pubertätszeichen. Hasegawa et al. 1985 [s211]: 25 Hämodialysepatienten, Testosteron und Dihydrotestosteron niedriger, Androstendion höher als bei Gesunden. Soliman et al. 2022 [s54]: 56 Kinder unter Hämodialyse und 60 gesunde Kinder; freies und Gesamt-Testosteron bei Jungen signifikant erniedrigt, negativ mit Krankheits- und Dialysedauer assoziiert. Yu et al. 2025 [s23]: 101 pädiatrische Transplantierte; von 43 männlichen Jugendlichen (13 Jahre und älter) erlebten 37 (86,0 %) die Spermarche, bei präpubertär Transplantierten im Mittel mit 14,5 Jahren. Die Spermarche ist ein Marker für den Beginn der Samenbildung, kein Beleg für spätere Fruchtbarkeit. Korovina et al. 1990 [s202]: 28 Kinder mit Glomerulonephritis und 45 Kontrollkinder; die Veränderungen der Hypophysen- und Gonadenhormone folgten dem Schweregrad der Erkrankung. Chernyshova et al. 1991 [s198]: 160 Männer mit Diabetes; die Sexualstörung korrelierte mit der diabetischen Mikroangiopathie (r = +0,48), Entstehen und Fortschreiten der diabetischen Nephropathie gingen mit Anstieg von LH und FSH und Abfall des Testosterons einher. Lepetukhin et al. 2008 und 2010 [s158, s149]: 43 Männer mit Typ-1-Diabetes unter Hämodialyse; Gesamttestosteron in der jüngeren Gruppe (unter 40 Jahren, n = 20) 21,2 ± 6,6, in der älteren (n = 23) 9,8 ± 3,9 nmol/l; Androgenmangel (Testosteron < 12 nmol/l) bei 48,8 % insgesamt, 5,0 % in der jüngeren und 86,9 % in der älteren Gruppe; der Testosteronabfall ging nicht mit einem signifikanten LH-Anstieg über die Norm einher. [s158] ist die frühere Mitteilung derselben Kohorte, nicht unabhängig.
Weitere japanische Hormon- und Sexualstudien. Kawanishi und Imagawa 1984 [s214] (acht Hämodialysepatienten, keine Korrelation der Tumeszenz mit Hormonen; bei n = 8 nicht aussagekräftig); Kokado et al. 1998 [s181] (57 Transplantierte, bei 42 Hormone; Hormonprofile der Transplantierten näherten sich denen Gesunder stark an (Testosteron 390 ± 110 ng/dl), die Koitusfrequenz besserte sich dennoch nicht signifikant; von neun impotenten Fällen wurden sechs, die vor dem 40. Lebensjahr transplantiert worden waren, nach der Transplantation potent); Suzuki et al. 1995 [s191, s190] (205 Hämodialysepatienten gegen 3462 gesunde Männer: verminderte Libido bei 33,7 %, verminderte Potenz bei 44,4 %; ohne Geschlechtsverkehr in den Altersgruppen 30 bis 39, 40 bis 49, 50 bis 59 und 60 bis 69 Jahre 12,9 % gegenüber 3,5 %, 22,4 % gegenüber 3,0 %, 52,2 % gegenüber 7,5 % und 89,3 % gegenüber 18,0 %; als Ursachen der Tumeszenzstörung entfielen 30,7 % der Varianz auf die neurologische, 11,6 % auf die endokrine und 4,2 % auf die vaskuläre Störung). Sexualfunktionsfragebögen aus China, Korea und den arabischen Ländern (u. a. [s171, s170, s173, s162, s133, s55, s28, s33, s74, s138, s175, s174, s126, s59, s81, s150, s124, s48, s146, s103, s75, s56]) messen Erektion und Zufriedenheit, nicht Spermien; die Prävalenz erektiler Dysfunktion unter Hämodialyse liegt darin in den Einzelstudien zwischen 73,3 % und 86,0 % (zum Beispiel 80,7 % bei 187 Männern [s174], 83 % bei 106 Hämodialysepatienten gegenüber 67,5 % bei 40 Transplantierten [s124]; die Übersicht [s129] nennt eine Spanne von 20 bis 87,7 %), nach Transplantation je nach Studie zwischen 34,8 % und 67,5 %. Ein Zusammenhang mit der Fertilität lässt sich daraus nicht ableiten.