Chronische Nierenerkrankung, Dialyse und Nierentransplantation · Kapitel 12 von 21

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Was sich überhaupt als Dosis-Wirkung auswerten lässt

Echte Dosis-Wirkungs-Beziehungen im pharmakologischen Sinn gibt es in dieser Literatur kaum. Für die Nierenfunktion als „Dosis“ der Schädigung liegen nur Stadienvergleiche vor (eine Studie mit Samenanalyse [s113]), für die Dialyse nur Korrelationen mit der Dialysedauer, und für Immunsuppressiva beruhen die Aussagen auf zwei Ciclosporin-Dosisgruppen [s172, s156], Korrelationen mit Talspiegeln [s185] und einzelnen Tierversuchen. Die folgenden Tabellen stellen zusammen, was berichtet wurde; sie ersetzen keine Metaanalyse, und die Werte sind nicht zwischen Studien vergleichbar (verschiedene Labore, Einheiten und Grenzwerte).

Nierenfunktion und CKD-Stadium

StudieKollektivBefund nach Stadium oder NierenfunktionEinschränkung
Lehtihet und Hylander 2015 [s113]66 Männer, Stadium 1 bis 5, 18 bis 50 Jahrenegativer linearer Trend mit höherem Stadium für Volumen (P < 0,05), progressive Motilität (P < 0,01), Konzentration (P < 0,01), Gesamtzahl (P < 0,01), Zink (P < 0,01), Fruktose (P < 0,01)keine Kontrollen, Querschnitt, kleine Zahl je Stadium
Afşar 2013 [s120]109 Patienten, Stadium 3 bis 5Gesamttestosteron 8,32 ± 4,35 (Stadium 3), 6,71 ± 3,12 (4), 4,22 ± 1,28 (5) ng/ml; 3 gegen 5 und 4 gegen 5 p < 0,0001, 3 gegen 4 p = 0,094Einheit wie im Abstract gedruckt; Geschlecht nicht ausdrücklich genannt
Aydemir et al. 2020 [s71]105 Männer, Stadium 3 (n = 55), 4 (n = 33), 5 (n = 17)Hypogonadismus 17,1 % (Gesamttestosteron) beziehungsweise 20,9 % (freies Testosteron), kein Unterschied zwischen den Stadienkleine Stichprobe; widerspricht [s140, s120]
Yılmaz et al. 2011 [s140]239 Männer, Stadium 1 bis 5Gesamt- und freies Testosteron fielen parallel zur abnehmenden Nierenfunktionkein Fertilitätsbezug
David et al. 2026 [s01]120 Männer, Stadium 1 bis 5, 65 Jahrein Stadium 4 und 5 nur 27,8 % eugonadal gegenüber 79,6 % bei passenden Kontrollen; insgesamt 56,7 % Hypogonadismus gegenüber 13,3 %ältere Population, keine Samenanalyse
Parasher und Ranjan 2022 [s53]28 Männer, Stadium 3/4 gegenüber 5Testosteron 94,45 ± 44,23 gegenüber 72,86 ± 13,90 ng/dl (P < 0,001); LH 7,56 gegenüber 17,16 mIU/ml; FSH 15,87 gegenüber 26,45 mIU/mlAlter 40,37 gegenüber 63,34 Jahre; Absolutwerte weit unter denen anderer Studien
Oueslati et al. 2020 [s79]48 Männer, mild bis EndstadiumHypogonadismus bei 22 (46 %); Gonadotropine meist normalkein Stadienvergleich im Abstract
Abdel Hamid et al. 2018 [s90]59 Männer mit CKD, 21 KontrollenAMH positiv mit eGFR korreliert; AMH und Vitamin D bei Patienten erniedrigtauch Korrelation mit Alter, Harnstoff, Kreatinin

Für den Zusammenhang zwischen Nierenfunktion und Spermienqualität steht damit nur [s113] mit Samenanalysen über mehrere Stadien zur Verfügung; die Hormonstudien sind uneinheitlich (Abfall mit dem Stadium in [s140, s120, s53], kein Stadienunterschied in [s71]). Die große Bevölkerungskohorte zum Kreatinin gesunder Männer zeigt keinen Dosis-Wirkungs-Verlauf im Sinne einer Nierenkrankheit, sondern eine umgekehrt U-förmige Kurve:

Serumkreatinin des Mannes (Dezil)Adjustiertes HR der Fekundität (95-%-KI)Anmerkung
1. Dezil (höchstens 64,89 µmol/l)0,92 (0,91 bis 0,92)um 8 % vermindert
2. Dezil (64,90 bis 69,99)0,95 (0,95 bis 0,96)um 5 % vermindert
3. Dezil (70,00 bis 73,99)0,98 (0,97 bis 0,99)um 2 % vermindert
Referenz (78,00 bis 81,49)1
10. Dezil (mindestens 101,00)0,99 (0,98 bis 0,99)um 1 % vermindert

Die Daten stammen von 4 023 204 Paaren, ohne Nierenkranke und ohne Samenanalyse; „keine Unterlegenheit“ bestand für Kreatinin zwischen 81,66 und 104,90 µmol/l, bei Männern über 40 Jahren war der Effekt ausgeprägter [s34]. Die Effekte sind sehr klein, und das niedrigste Dezil ist am stärksten betroffen; die Studie sagt nichts über Dialyse oder Transplantation.

Dialysedauer und Zeit vor der Transplantation

StudieKollektivZusammenhang mit der Dauer
Zachoval et al. 2013 [s127]74 Männer (Hämodialyse), 41 KontrollenDialysedauer negativ korreliert mit Testosteron, Konzentration, Gesamt- und progressiver Motilität und Morphologie
Eid et al. 1996 [s185]34 Transplantierte, 31 NichttransplantierteHämodialysezeit invers mit Anteil beweglicher Spermien und ALH (p < 0,05)
Sawanishi und Ohsako 1982 [s217]Beobachtungen 1968 bis 1981je länger die konservative Phase vor der Dialyse, desto ausgeprägter Azoo- bis Oligozoospermie
Yajima et al. 1989 [s205]15 Männer unter HämodialyseLH und FSH stiegen mit der Dauer, Testosteron fiel; sonographisches Hodenvolumen nahm zu
Hasegawa et al. 1985 [s211]25 Männer unter HämodialyseLH und FSH stiegen mit der Dauer; Testosteron besserte sich mit der Dauer, DHT fiel weiter
Ahmed et al. 2018 [s91]118 Männer unter Hämodialyse (4,58 ± 3,03 Jahre)kein Zusammenhang zwischen Dauer und IIEF-5 oder Hormonspiegeln; erektile Dysfunktion 79,7 % (bis 5 Jahre), 76,5 % (5 bis 10 Jahre), 80,0 % (über 10 Jahre) [s91]
Soliman et al. 2022 [s54]56 Kinder unter HämodialyseHormonspiegel negativ mit Krankheits- und Dialysedauer assoziiert
Sirisopana et al. 2026 [s08]28 Männer vor LebendspendeVerbesserung des IIEF-5 vor allem bei Dialysedauer von ein bis drei Jahren (p = 0,019)
Esen et al. 2009 [s150]46 Männer nach TransplantationHämodialysedauer vor Transplantation bei erektiler Dysfunktion 19,9 ± 5,5 gegenüber 13,8 ± 2,6 Monate (p < 0,05)
De Celis und Pedrón-Nuevo 1999 [s178]55 Männer nach TransplantationDialysedauer unterschied später fertile von infertilen Patienten

Die Befunde sind gegenläufig: Mehrere Studien finden Verschlechterungen mit der Dauer [s127, s185, s217, s205], eine große hormonelle Reihe findet keinen Zusammenhang [s91], und die Abnahme des Testosterons kann mit dem Alter überlagert sein [s113].

Zeit seit der Transplantation: Erholung

ZeitpunktBefundStudie
1 MonatHypogonadismus 36 % (25 Transplantierte, 53 % Männer)Balcázar-Hernández et al. [s38]
1 MonatTestosteron fiel im ersten Monat (acht Transplantierte, unter Prednisolon 25 bis 35 mg/Tag), normalisierte sich allmählichNonomura [s216]
3 Monatefreies Testosteron 7,33 ng/dl; Anteil Eugonadaler 62 %; Inhibin B 83,72 pg/ml (Tiefpunkt)David et al. [s01]
4 MonateSpermiendichte, Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie signifikant verbessert (P < 0,05)Wang et al. [s148]
6 MonateIIEF-5 21,1 ± 4,5; bioverfügbares Testosteron höher, LH niedrigerSirisopana et al. [s08]
6 MonateLH 6,7 IU/l (weiter über Spendern), FSH 11,3 IU/l, Testosteron 398 ng/dl (unter Spendern), Inhibin B 93,6 pg/ml, bei fast der Hälfte unter 80 pg/mlHamdi et al. [s116]
12 Monatefreies Testosteron 8,43 ng/dl; Anteil Eugonadaler 72 %; Inhibin B 133,00 pg/ml (teilweise Erholung)David et al. [s01]
12 MonateHypogonadismus 8 %; Rückbildung bei allen MännernBalcázar-Hernández et al. [s38]
bis 2 JahreFertilitätsindex 5,53 (8,30) gegenüber 13,02 (14,26) bei Gesunden (P < 0,01)Xu et al., Gruppe A [s152]
über 2 JahreFertilitätsindex 9,27 (22,49), nicht signifikant unter Gesunden (P > 0,05)Xu et al., Gruppe B [s152]
1 bis 10 JahreNormozoospermie bei 47,3 %; 26 von 55 zeugten KinderDe Celis und Pedrón-Nuevo [s178]

Die Metaanalyse fasst zusammen: Gegenüber Dialyse höhere Dichte (SMD 1,58; 0,02 bis 3,15) und Beweglichkeit (SMD 3,26; 0,73 bis 5,79), aber weiterhin niedriger als bei Gesunden (Dichte SMD −0,75; −1,42 bis −0,07; Beweglichkeit SMD −0,50; −0,80 bis −0,20) [s69]. Die Sertoli-Marker erholen sich dagegen langsamer: Inhibin B war nach zwölf Monaten noch unter dem Ausgangswert vor der Transplantation von 190,10 pg/ml [s01]. Bei den Hangzhou-Daten ist zu beachten, dass die Gruppen nach Zeit und Ciclosporin-Dosis eingeteilt wurden (Dosis 4,1 bis 6, 2,1 bis 4 und 1,3 bis 2 mg/kg/Tag bei unter 6, 6 bis 24 und über 24 Monaten), sodass Erholungszeit und Dosis nicht zu trennen sind [s156]; dort unterschieden sich Beweglichkeit und Kopfdeformität nur zwischen der frühesten und der spätesten Gruppe (P < 0,05).

Arzneimittel: Dosis, Dauer, Befund, Rückbildung

WirkstoffDosis und Dauer (soweit berichtet)BefundRückbildungQuelle
Sirolimusgesamter Zeitraum nach Transplantation (Männer 20 bis 40 Jahre)Gesamtzahl 28,6 ± 31,2 gegenüber 292,2 ± 271,2 × 10^6; bewegliche Spermien 22,2 % gegenüber 41,0 %; gezeugte Schwangerschaften 5,9 gegenüber 92,9 je 1000 Patientenjahrebei 6 beendeten Fällen nur 3 deutlich gebessert[s157]
Sirolimus5 bis 12 Monate bis zur Oligo- oder Azoospermie (4 Männer)Infertilitätalle vier erholten sich nach Absetzen und wurden fertil[s141]
SirolimusFallberichtAzoospermie5 Monate nach Wechsel auf Tacrolimus 8 × 10^6/ml[s161]
Sirolimus, Everolimus (Maus)30 Tage; Dosis etwa sechsfach unter klinischer Krebsdosis senkte nur Hodengewicht, Hoden/Körper-Verhältnis und TubulusdurchmesserAbnahme von Hoden-, Körper- und Samenbläschengewicht, Nebenhoden-Spermienzahl, differenzierender Spermatogonienje nach Parameter unterschiedlich, alle Gruppen konnten Nachwuchs zeugen[s77]
Valganciclovirmittlere Expositionsdauer 118 ± 63 Tage; Zeit bis Behandlungsende 164 Tage (Kohorte A)Differenz der Konzentrationsänderung 43,82 × 10^6/ml (−72,48 bis −15,16); 25 % gegenüber 7 % von normal zu abweichend; 18 Patienten unter 100 Tagennach 6 Monaten Differenz −2,09 (−44,18 bis 40,00); die von normal abweichenden erholten sich alle; Azoospermie bei keinem von 8 erholt[s78]
ValganciclovirFallberichtAzoospermie 2 Monate nach EndeKonzentration 43,3 × 10^6/ml nach weiteren 9 Monaten[s19]
Valganciclovir, Tacrolimus, MycophenolatFallbericht (Lebertransplantation)Azoospermie12 Wochen wenige bewegliche, nach weiteren 14 Wochen 10,1, nach 24 Wochen 70 Millionen/ml[s05]
Ciclosporin1,5 bis 3,0 gegenüber 3,1 bis 5,5 mg/kg/TagHauptparameter nicht verschieden von Freiwilligen; nur normale Morphologie zwischen Dosisgruppen verschieden (P < 0,05)nicht untersucht[s172]
CiclosporinTalspiegelKonzentration und VSL invers mit Talspiegel (p < 0,05)nicht untersucht[s185]
Ciclosporin (Maus)10 mg/kg, 10 und 50 TageSpermienzahl, Hyperaktivierung, Akrosomintegrität und Testosteron vermindert, ohne Verlust der Fertilität bei Verpaarungalles kehrte 50 Tage nach Ende zurück[s45]
Ciclosporin (Ejakulat)Dosis 3,7 bis 5,0 mg/kgEjakulat 27 bis 165 ng/ml, Vollblut 51 bis 133 ng/ml, r = 0,68keine Spermienqualitätsdaten[s203]
Tacrolimus gegenüber CiclosporinSchemata mit Mycophenolatmofetil beziehungsweise Azathioprin, je mit PrednisonAnomalierate 67,8 % gegenüber 80,1 %; progressive Beweglichkeit 46,4 % gegenüber 33,3 %nicht untersucht[s163]
Tacrolimus plus MycophenolsäureInhibin B sank nach Transplantationsignifikant niedrigeres Inhibin Bteilweise Erholung nur in [s01][s116]
Mycophenolat (Vaterschaft)bei 77 % der 404 Schwangerschaften zur Zeugungkeine Häufung von Fehlbildungen gegenüber der Allgemeinbevölkerungnicht anwendbar[s72]
Mycophenolat (Vaterschaft)225 Nachkommen unter MPA, 14 ohneFehlgeburten 9,8 %, Fehlbildungen 4 %, keine MPA-Embryopathienicht anwendbar[s62]
Methotrexatimmunsuppressive Dosisvorübergehende EffekteRückkehr zu Referenzwerten innerhalb von 3 Monaten[s58]
Prednisolon25 bis 35 mg/Tag, 8 TransplantierteLH fiel, FSH stieg auf ein VielfachesUrsache der FSH-Spitze unerklärt[s216]
Ciclosporin, Sirolimus, Tacrolimus (Ratte)Langzeitgabe in therapeutisch äquivalenten DosenCiclosporin und Sirolimus: schwere Spermatogenesestörung; Tacrolimus: leichte Minderung der Spermienzahl ohne Histologieschadennicht untersucht[s123]
Calcineurinhemmer plus Diltiazem (Ratte)Diltiazem erhöhte die Blutspiegelniedrigste Spermienzahl bei Ciclosporin plus Diltiazemnicht untersucht[s85]
Hochphosphat-Kost (Maus)2 % gegenüber 0,6 % PhosphorVerstärkung der Hodenschäden im CKD-Modellnicht untersucht[s82]

Eine echte Dosis-Wirkungs-Kurve beim Menschen liegt für keinen dieser Wirkstoffe vor. Am nächsten kommen die Ciclosporin-Talspiegel-Korrelation [s185], die zwei Dosisgruppen [s172], die Expositionsdauer unter Valganciclovir (18 Patienten unter 100 Tagen, mittlere Dauer 118 ± 63 Tage [s78]) und das Maus-Ergebnis, dass eine Sirolimus- oder Everolimus-Dosis weit unter der Krebsdosis bereits Hodengewicht und Tubulusdurchmesser senkte [s77].

Subgruppen

SubgruppeBefundQuelleEinschränkung
AlterTestosteron bei über 45-Jährigen unter Hämodialyse signifikant niedriger als bei jüngeren[s167]ungleiche Gruppengrößen (24 gegenüber 50)
Androgenmangel bei Männern mit Typ-1-Diabetes unter Hämodialyse: unter 40 Jahren 5,0 %, ab 40 Jahren 86,9 %[s149, s158]43 Männer, Diabetes und Nierenversagen vermischt
Hypogonadismus mit höherem Alter verbunden[s37]Abstract ohne Zahlen
Potenz nach Transplantation 88,6 %, 75,9 %, 63,6 % (jung, mittel, älter); potent nach Erkrankungsbeginn 28,6 %, 13,8 %, 9,1 %[s171]retrospektive Befragung, 86 Männer
von neun impotenten Fällen wurden sechs, die vor dem 40. Lebensjahr transplantiert worden waren, potent[s181]kleine Basis
erektile Dysfunktion bei unter 50-Jährigen von 83,8 % auf 22,6 % nach Transplantation, bei Älteren von 100 % auf 86,5 %[s48]68 Patienten, Sexualfunktion
Fekundität: Effekt bei Männern über 40 Jahren ausgeprägter (Kreatinin)[s34]Allgemeinbevölkerung
Alter bei TransplantationTransplantation vor dem 14. Lebensjahr: Spermienzahl 15,5 ± 15,7 gegenüber 82,3 ± 64,2 Millionen/ml bei Transplantation danach[s151]8 Männer, mit Urämiedauer und Medikamentendauer verbunden
DiabetesTyp-2-Diabetes OR 3,96 (P = 0,02) und diabetische Nephropathie OR 4,26 (P = 0,01) als Risikofaktoren des Hypogonadismus[s79]48 Männer
Diabetes OR 3,80 für erektile Dysfunktion nach Transplantation[s18]Sexualfunktion
Sexualstörung korreliert mit diabetischer Mikroangiopathie (r = +0,48)[s198]160 Männer mit Diabetes
DialyseformGesamt- und freies Testosteron unter Peritonealdialyse höher (p = 0,01, p = 0,05), OR 4,659 (1,477 bis 14,704)[s73]71 gegenüber 24 Patienten, Selektion
Hämodialyse und Peritonealdialyse nicht unterschieden[s173]Sexualfunktion, Fallzahl nicht genannt
IIEF 55 gegenüber 40 (p = 0,058), nicht signifikant[s81]31 gegenüber 20
SpenderartVerbesserung nicht abhängig von Lebend- oder Leichenspende[s60]45 Patienten
erektile Dysfunktion 42,9 % gegenüber 55,6 % (Lebend gegen Verstorbene), nicht signifikant[s150]46 Männer
ImmunsuppressionSirolimus: Spermien und Vaterschaft vermindert; Tacrolimus gegenüber Ciclosporin günstiger[s157, s163]siehe Arzneimitteltabelle
GrunderkrankungADPKD: 20 von 22 mit abnormen Spermienparametern [s154], 68,2 % [s41], 37 von 46 mit niedriger Samenqualität [s94], 5 von 23 verheirateten Männern infertil [s106]Selektion, kleine Gruppen
Cystinose: Azoospermie bei der Mehrzahl, obstruktiv[s64]Mausmodell widersprüchlich [s128]
Fabry: 82,4 % mit mindestens einer abnormen Kategorie[s89]17 Teilnehmer
Lupusnephritis: kein bedeutsamer Unterschied zu Nierenpatienten ohne Lupus[s193]8 Männer
Kinder und JugendlicheTestosteron bei Jungen unter Hämodialyse signifikant erniedrigt[s54]56 Kinder
37 von 43 männlichen Jugendlichen (86,0 %) erlebten nach Transplantation die Spermarche[s23]keine Samenanalyse
als Kinder dialysiert: niedriges Testosteron, hohes LH, alle mit Pubertätszeichen[s210]8 Patienten
GeschlechtCKD-Risiko bei genetisch höherem bioverfügbarem Testosteron nur bei Männern[s83]Mendelsche Randomisierung, Richtung Testosteron zu CKD

Reversibilität

Auslöser oder ZustandBeobachtungQuelleGewicht
Urämie bei TransplantationSpermiendichte und Beweglichkeit steigen (SMD 1,58; 3,26), bleiben aber unter Gesunden (−0,75; −0,50)[s69]Metaanalyse, 5 Studien, heterogen
Fertilitätsindex nach über 2 Jahren nicht mehr signifikant unter Gesunden (P > 0,05)[s152]Querschnitt, n = 18
Beweglichkeit 76,15 % gegenüber 39,27 % vor der Transplantation[s164]30 Männer, ohne Kontrolle
CFTR-positive Spermien 9 % (Urämie), 29 % (Transplantierte), 51 % (Gesunde)[s134]Querschnitt verschiedener Männer
Leydig-Achse erholt sich rasch, Sertoli-Marker Inhibin B erst nach Absinken teilweise[s01, s116]zwei Kohorten
bei Transplantation vor dem 14. Lebensjahr nur ein Mann mit normalen Parametern in Gruppe II, einer mit Azoospermie in Gruppe I[s151]8 Männer
Bereits entstandene morphologische Gonadenschäden durch Transplantation nicht ganz rückgängig zu machen[s49]narrative Übersicht
Akutes obstruktives NierenversagenUmkehr der Azoospermie 4 Monate nach Normalisierung der Nierenfunktion[s153]Fallbericht
CKD mit Azoospermie3 Monate nach Transplantation wieder Spermienbildung[s21]Fallbericht
Sirolimus4 von 4 erholten sich nach Absetzen [s141]; nur 3 von 6 deutlich gebessert [s157][s157, s141]widersprüchliche Beobachtungsdaten
ValganciclovirErholung 6 Monate nach Behandlungsende bei den von normal abweichenden; keine bei den Azoospermen[s78]nicht randomisiert
Ciclosporin (Maus)alles 50 Tage nach Ende zurück[s45]Tier
MethotrexatRückkehr innerhalb von 3 Monaten[s58]Überblick
Hypogonadismus nach Transplantation36 % nach 1 Monat, 8 % nach 12 Monaten[s38]25 Patienten
ADPKD, Cystinose, NPHP4genetisch bedingt; Behandlung der Infertilität über ICSI und Spermiengewinnung beschrieben[s114, s10, s51]keine Rückbildung der Anlage
Schwangerschaft nach Transplantation17 % Vaterschaftsrate; 27 % der Väter mit assistierter Reproduktion[s72]Befragung
53 von 62 versuchenden Paaren (Männer zeugten 54 Kinder)[s155]zuvor Unverheiratete

Als Gesamteindruck lässt sich nur sagen: Die Leydig-Zellachse und die Sexualfunktion erholen sich nach Transplantation in den meisten Studien rasch; die Samenparameter bessern sich im Vergleich zur Dialyse, erreichen aber in der Metaanalyse das Niveau Gesunder nicht; die Sertoli-Marker verhalten sich uneinheitlich; für Sirolimus und Valganciclovir gibt es Berichte mit Rückbildung, aber auch Fälle ohne vollständige Erholung. Eine Gewissheit über das Ausmaß und die Dauer der Rückbildung ist mit der vorliegenden Literatur nicht möglich.

Grenzen der Auswertung

Alle Tabellen fassen Studien mit unterschiedlichen Methoden zusammen. Hormonwerte stammen aus Immunoassays, Radioimmunoassays und Massenspektrometrie mit verschiedenen Grenzwerten (zum Beispiel Testosteronmangel unter 10 nmol/l [s137, s144], unter 12 nmol/l [s158], unter 8,0 nmol/l [s101]); die Einheiten sind in einigen Abstracts offensichtlich fehlerhaft gedruckt ([s215], [s178], [s56], [s32]). Mittelwerte mit Standardabweichung bei Spermienzahlen sind bei schiefen Verteilungen nur begrenzt aussagekräftig; in mehreren Studien ist das Streuungsmaß im Abstract nicht bezeichnet ([s152], [s135], [s151]). Die Hangzhou-Arbeiten sind nicht unabhängig voneinander [s168, s172, s156, s152, s135, s134, s155, s119]. Kontrollierte Interventionsstudien mit Spermienendpunkt fehlen bis auf [s215] und [s40]. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; die berichteten Behandlungsergebnisse sind Ergebnisse der jeweiligen Studien.

Alle Kapitel und Anhänge (25)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Chronische Nierenerkrankung vor der Dialyse bis Dialyse: historische japanische Hormonstudien (1982 bis 1998)
  6. Dialyse: Sexualfunktion und erektile Dysfunktion (Randbereich) bis Immunsuppressiva, antivirale Mittel und Zytostatika: Beobachtungsstudien
  7. Vaterschaft, Nachkommen und Befragungen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Wie dieses Kapitel zu lesen ist bis Hormonachse bei CKD und Dialyse
  9. Nierentransplantation: Hormone im Verlauf bis Bevölkerungsbasierte und genetische Studien
  10. Tierversuche und Was in der Studienlage fehlt
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Koreanisch
  14. Russisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  21. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  22. Diagramme
  23. Quellen s01–s114
  24. Quellen s115–s219
  25. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle