Dieser Abschnitt bespricht jede gefundene Beobachtungsstudie am Menschen einzeln: Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien, Kohorten, Vorher-Nachher-Studien, Befragungen, Fallserien und unkontrollierte Behandlungsbeobachtungen. Die Gliederung folgt dem Krankheitsabschnitt (CKD ohne Dialyse, Dialyse, Transplantation) und innerhalb davon dem Endpunkt (Samenparameter, Hormone, Vaterschaft, Sexualfunktion). Randomisierte Studien, Tierversuche, Einzelfallberichte und Leitlinien stehen an anderer Stelle der Gesamtstudie.
Vorab die Lage in wenigen Sätzen. Das Feld ist klein, alt und überwiegend aus Einzelzentren: Die meisten Studien haben weniger als 150 Teilnehmer, viele weniger als 50. Studien mit direktem Spermienendpunkt sind selten; die größeren Datensätze betreffen Hormone, Sexualfunktion und Befragungen. Ein großer Teil der chinesischen Humandaten stammt aus einer einzigen Arbeitsgruppe in Hangzhou (Xu und Mitarbeiter, 2003 bis 2014) [s168, s172, s156, s152, s135, s134, s155, s119, s171]; diese Arbeiten beruhen sehr wahrscheinlich teilweise auf überlappenden Patientengruppen und zählen nicht als unabhängige Bestätigungen. Alle Studien haben dieselben ungelösten Störgrößen: Urämie, Dialyseverfahren, Immunsuppression, Anämie, Diabetes, Alter und Depression lassen sich in den kleinen Querschnittsstudien nicht trennen. Die meisten Zahlen stammen aus Abstracts; Volltexte wurden nur für wenige Studien gelesen (PATeRNAL [s72], David [s01], Hamdi [s116], McLeroth [s78], Parasher [s53], Sirisopana [s08], Devjaltovskaja [s84], Pavlov [s101]). Wo Abstracts Gruppengrößen, Streuungsmaße oder Konfidenzintervalle nicht nennen, steht das ausdrücklich im Text.
Chronische Nierenerkrankung vor der Dialyse
Lehtihet und Hylander 2015: Semen quality in men with chronic kidney disease and its correlation with chronic kidney disease stages [s113]. Querschnittsstudie an 66 Männern im Alter von 18 bis 50 Jahren mit CKD der Stadien 1 bis 5. Gemessen wurden Samenparameter, Marker der akzessorischen Drüsen und Hormone. Mit höherem CKD-Stadium zeigte sich ein signifikanter negativer linearer Trend für Samenvolumen (P < 0,05), progressive Beweglichkeit (P < 0,01), nichtprogressive Beweglichkeit (P < 0,001), Spermienkonzentration (P < 0,01), Gesamtspermienzahl (P < 0,01), zytoplasmatische Tröpfchen (P < 0,01), Teratozoospermie-Index (P < 0,05), α-Glukosidase (P < 0,05), Zink (P < 0,01) und Fruktose (P < 0,01). Der Body-Mass-Index hatte keinen signifikanten Einfluss auf Volumen, Spermienzahl, Konzentration und Morphologie; das Alter war mit niedrigerer Konzentration (P < 0,05), weniger Normalformen (P < 0,01) und niedrigerem Testosteron (P < 0,05) verbunden. Die Autoren folgern, das CKD-Stadium sei ein Faktor für die Zahl der im Nebenhoden verfügbaren Spermien, teilweise unabhängig vom altersbedingten Testosteronabfall. Stärken: Die Studie schließt die Stadien vor der Dialyse ein und misst Samenparameter direkt; sie ist die größte Spermienstudie zu CKD-Stadien im Material. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kleine Zahl je Stadium, Querschnitt, daher keine zeitliche Aussage; die Trendtests geben die Richtung, aber keine Effektgrößen oder Konfidenzintervalle.
Yılmaz et al. 2011 (Ankara) [s140]. Querschnitt mit Nachbeobachtung an 239 Männern mit CKD der Stadien 1 bis 5 (mittleres Alter 52 ± 12 Jahre), veröffentlicht im Clinical Journal of the American Society of Nephrology. Gesamt- und freies Testosteron fielen parallel zur abnehmenden Nierenfunktion; beide trugen unabhängig zur Erklärung der flussvermittelten Dilatation (Endothelfunktion) bei. Bei einem mittleren Follow-up von 31 Monaten (8 bis 35) traten 22 tödliche und 50 nichttödliche kardiovaskuläre Ereignisse auf; das Risiko sank um 22 % pro nmol/l Gesamttestosteron nach Adjustierung für Alter, Nierenfunktion, Diabetes, kardiovaskuläre Vorgeschichte, CRP, Albumin und Endothelfunktion; Gleiches gelte für freies Testosteron. Schwächen: kurzes Follow-up, wenige Ereignisse, im Abstract kein Konfidenzintervall, kein Fertilitätsbezug. Die Studie zeigt vor allem, dass der Testosteronabfall mit dem Nierenfunktionsverlust fortschreitet.
Afşar 2013 (Konya) [s120]. Querschnitt an 109 Patienten mit CKD der Stadien 3 bis 5. Gesamttestosteron in den Stadien 3, 4 und 5: 8,32 ± 4,35, 6,71 ± 3,12 und 4,22 ± 1,28 ng/ml (p < 0,0001); die Unterschiede bestanden zwischen Stadium 3 und 5 sowie 4 und 5 (jeweils p < 0,0001), nicht zwischen 3 und 4 (p = 0,094). In der linearen Regression war Testosteron unabhängig mit dem Kognitionswert (b 0,170; 95-%-KI 0,047 bis 0,293; p = 0,008) und dem Depressionsscore (b −0,750; −1,283 bis −0,216; p = 0,006) verbunden, nicht mit dem Schlaf. Die Einheit ist im Abstract mit ng/ml angegeben und wird wie gedruckt wiedergegeben. Schwächen: Querschnitt, keine Fertilitätsdaten, das Geschlecht der Teilnehmer ist im Abstract nicht ausdrücklich genannt.
Aydemir et al. 2020 (Konya) [s71]. Querschnitt an 105 Männern mit prädialytischer CKD (Stadium 3: 55 [52,4 %], Stadium 4: 33 [31,4 %], Stadium 5: 17 [16,2 %]). Nach dem Gesamttestosteron hatten 18 (17,1 %), nach dem freien Testosteron 22 (20,9 %) einen Hypogonadismus. Zwischen den Stadien gab es keinen Unterschied. Patienten mit Hypogonadismus hatten ein höheres CRP (nach Gesamttestosteron p = 0,004; nach freiem Testosteron p = 0,017) und, nach Gesamttestosteron, ein höheres HDL-Cholesterin (p = 0,005). Schwächen: kleine Stichprobe; das Fehlen eines Stadienunterschieds steht im Gegensatz zu Yılmaz [s140] und Afşar [s120]; die Autoren fordern größere Studien. Die Prävalenz von 17 % bis 21 % liegt weit unter den 66 % bei Hämodialyse in der Studie von Güngör [s144]; das kann auf einen Dialyse- oder Stadieneffekt hindeuten, wurde aber nicht direkt verglichen.
Oueslati et al. 2020 (Tunesien, La Tunisie Médicale) [s79]. Querschnitt an 48 Männern mit chronischer Niereninsuffizienz (mittleres Alter 53,31 ± 10,22 Jahre; Nierenfunktion mild bei 9, mäßig bei 14, schwer bei 4, Endstadium bei 21; 19 mit extrarenalem Reinigungsverfahren). Hypogonadismus (Testosteron unter 10 nmol/l oder 10 bis 14 nmol/l) fand sich bei 22 Patienten (46 %); in dieser Gruppe waren die Gonadotropine in 21 Fällen normal und nur in einem erhöht, eine Hyperprolaktinämie bestand bei 6. Typ-2-Diabetes (OR 3,96; P = 0,02) und diabetische Nephropathie (OR 4,26; P = 0,01) waren die einzigen Risikofaktoren. Stärken: Einbezug aller Stadien, Risikofaktoranalyse. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kleine Zahl, Konfidenzintervalle der Odds Ratios im Abstract nicht angegeben. Die Studie widerspricht dem Bild erhöhter Gonadotropine bei Hypogonadismus (das typisch für einen primären Hodendefekt wäre) und passt eher zu einer zentralen Komponente; Diabetes als Störgröße erschwert die Deutung.
Parasher und Ranjan 2022 (Leserbrief) [s53]. 50 CKD-Patienten, davon 28 Männer (mittleres Alter 52,27 ± 14,56 Jahre). Bei 24 der 28 Männer lag das Testosteron unter der Norm. Männer mit CKD-Stadium 3/4 gegenüber Stadium 5: Testosteron 94,45 ± 44,23 gegenüber 72,86 ± 13,90 ng/dl (P < 0,001), LH 7,56 ± 1,42 gegenüber 17,16 ± 3,57 mIU/ml (P = 0,01), FSH 15,87 ± 6,65 gegenüber 26,45 ± 8,62 mIU/ml (P = 0,04). Gonadale Dysfunktion nahm laut Autoren mit dem Stadium zu (34 von 50 betroffen; P = 0,02). Schwächen: Die Absolutwerte des Testosterons liegen weit unter denen anderer Studien, und die Messmethode ist nicht beschrieben; die Altersgruppen der Stadien unterscheiden sich stark (40,37 gegenüber 63,34 Jahre; P = 0,02), was die Stadienvergleiche überlagert; ein Leserbrief ist nicht in demselben Maß geprüft wie eine Originalarbeit.
Abdel Hamid et al. 2018: Anti-Müller-Hormon und 25-Hydroxy-Vitamin-D (Kairo, Andrologia) [s90]. Querschnitt an 59 männlichen CKD-Patienten verschiedener Stadien und 21 gesunden Teilnehmern. Anti-Müller-Hormon (AMH) und 25-Hydroxy-Vitamin-D waren bei den Patienten signifikant erniedrigt. AMH korrelierte positiv mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate, dem Testosteron und dem 25-Hydroxy-Vitamin-D und negativ mit Alter, Harnstoff, Kreatinin, FSH, LH und Prolaktin. Vitamin D und LH erklärten in einem multiplen linearen Modell 65,9 % der Variabilität von AMH. Die Autoren deuten dies als möglichen Hinweis auf eine Funktionsstörung der Sertoli-Zellen. Stärken: AMH ist ein Marker der Sertoli-Zellen und damit näher an der Spermatogenese als das Testosteron. Schwächen: Querschnitt, kleine Gruppen, keine Samenanalyse, im Abstract keine Effektgrößen; AMH korreliert im selben Datensatz auch mit Alter, Harnstoff und Kreatinin, sodass die Zuordnung zur Hodenfunktion nicht eindeutig ist.
Tjuzikov und Martov 2012 (Urologija, Russland): solitäre Niere bei Männern [s132]. Pilotstudie im Querschnitt. Laut Abstract besteht bei Männern eine hohe Prävalenz von Erkrankungen der solitären Niere (82,7 %); diese gehen oft mit systemischen Stoffwechselstörungen (Adipositas, Dyslipidämie, Androgenmangel) einher, und die glomeruläre Filtrationsrate der Männer mit solitärer Niere hängt vom Gesamttestosteron im Blut ab. Schwächen: Stichprobengröße im Abstract nicht genannt, Pilotcharakter, keine Konfidenzintervalle, die Richtung des Zusammenhangs bleibt offen.
Xuan et al. 2024: Kreatinin des Mannes und Paar-Fekundität (China, Human Reproduction) [s34]. Bevölkerungsbasierte Kohorte aus dem chinesischen nationalen kostenlosen Vorsorgeprojekt: 4 023 204 Paare, die zwischen 2015 und 2017 eine Schwangerschaft planten und alle drei Monate bis zur Schwangerschaft oder bis zu einem Jahr nachverfolgt wurden. 2 756 538 Paare (68,52 %) konzipierten. Das mediane Serumkreatinin der Männer betrug 81,50 µmol/l. Gegenüber der Referenzgruppe (78,00 bis 81,49 µmol/l) war die Fekundität im ersten Dezil (höchstens 64,89 µmol/l) um 8 % (adjustiertes HR 0,92; 95-%-KI 0,91 bis 0,92), im zweiten (64,90 bis 69,99) um 5 % (0,95; 0,95 bis 0,96), im dritten (70,00 bis 73,99) um 2 % (0,98; 0,97 bis 0,99) und im zehnten Dezil (mindestens 101,00) um 1 % (0,99; 0,98 bis 0,99) vermindert. Es zeigte sich ein umgekehrt U-förmiger Zusammenhang; keine Unterlegenheit bestand im Bereich 81,66 bis 104,90 µmol/l (P für Nichtlinearität < 0,001). Bei Männern über 40 Jahren war der Effekt ausgeprägter. Stärken: sehr große Stichprobe. Schwächen (von den Autoren genannt): Die Zeit der Schwangerschaftsvorbereitung vor Einschluss wurde nicht erfasst, es gibt keine Daten zu Samenqualität, Sexualhäufigkeit und psychischen Faktoren, und es fehlen direkte Maße für Muskelmasse oder Nierenfunktion. Zu ergänzen ist, dass es sich nicht um Nierenkranke handelt, die Effekte sehr klein sind und das niedrigste Kreatinin-Dezil den stärksten Effekt zeigt, was eher für Muskelmasse und allgemeine Gesundheit als für die Nierenfunktion spricht. Die Studie belegt daher keinen Fertilitätseffekt der Niereninsuffizienz.
Dialyse: Samenparameter und Hodenbefunde
Xu et al. 2004: Veränderungen der Samenqualität bei Urämiepatienten (Zhonghua Nan Ke Xue) [s168]. Querschnittsvergleich von 24 Männern mit Urämie vor Nierentransplantation mit 12 gesunden Freiwilligen. Bei den Urämiepatienten betrugen das Ejakulatvolumen (2,5 ± 0,4) ml, die Beweglichkeit (13,4 ± 3,9) %, die Überlebensrate (25,4 ± 5,6) %, die Dichte (20,6 ± 4,5) × 10^6/ml und der Anteil morphologisch normaler Spermien (16,8 ± 2,1) %. Alle Werte lagen laut Abstract signifikant unter der Kontrollgruppe (P < 0,01); die Kontrollwerte selbst nennt der Abstract nicht. Die Autoren schließen auf deutlich verminderte Samenqualität und schwer beeinträchtigte Spermatogenese. Stärken: Vergleichsgruppe, mehrere Parameter. Schwächen: kleine Zahlen; Kontrollwerte und Alter nicht angegeben; Auswahl der Kontrollen unklar; keine Adjustierung für Alter, Komorbidität, Diabetes und Medikamente.
Xu et al. 2012: Urämie, Samenqualität und Reproduktionsfunktion (Cell Biochemistry and Biophysics) [s135]. 53 Männer im Endstadium der Urämie gaben Samenproben durch Masturbation ab; verglichen wurde mit fertilen und infertilen Männern über einen Fertilitätsindex (FI = Spermiendichte × Beweglichkeit × Normalformenrate, je in 10 000). Drei Patienten konnten keine Probe abgeben, in vier Proben fanden sich keine Spermien. Bei den übrigen 46 Patienten waren Beweglichkeit, Überlebensrate, Dichte und Normalformenrate signifikant niedriger als bei den Kontrollen. Der FI betrug bei Urämie 0,68 (2,08), bei fertilen Männern 7,7 (13,51) und bei infertilen Männern 4,13 (5,77). Die Klammerwerte sind im Abstract nicht erläutert, das Streuungsmaß bleibt unbestimmt. Die Autoren schließen, Urämie verursache einen deutlichen Rückgang von Spermienqualität und Reproduktionsfunktion. Schwächen: Größe und Rekrutierung der Kontrollgruppen sind nicht angegeben; die Auswahl der Patienten ist nicht näher beschrieben; keine Angaben zu Dialyseform und Dauer; keine Kontrolle von Störgrößen; mögliche Überlappung mit [s168] und [s152]; ausschließlich Querschnittsdaten. Bemerkenswert ist, dass der FI der Urämiepatienten sogar unter dem der infertilen Männer lag.
Zachoval et al. 2013: Dynamics of fertility in patients on waiting list for kidney transplantation (Bratislavske lekarske listy) [s127]. 74 Männer auf der Transplantationswarteliste (Hämodialyse) und 41 Kontrollen. Die Patienten hatten ein niedrigeres mittleres Testosteron und signifikant höhere Werte für SHBG, LH, FSH und Prolaktin sowie ein signifikant niedrigeres Ejakulatvolumen, eine niedrigere Gesamtspermienzahl, Konzentration, Gesamt- und progressive Beweglichkeit und Morphologie als die Kontrollen. Testosteron korrelierte positiv mit Gesamtbeweglichkeit und Morphologie und negativ mit Prolaktin; die Dialysedauer korrelierte negativ mit Testosteron, Spermienkonzentration, Gesamt- und progressiver Beweglichkeit und Morphologie. Stärken: Samenanalyse und Hormone am selben Kollektiv, Kontrollgruppe. Schwächen: Der Abstract nennt keine Effektgrößen oder P-Werte der einzelnen Vergleiche; Auswahl der Kontrollen, Alter und Komorbidität sind nicht beschrieben.
Xu HM et al. 2012: CFTR-Protein in Spermien urämischer Männer (Human Reproduction) [s134]. Querschnittsvergleich von 21 urämischen Patienten, 15 Nierentransplantierten, 32 gesunden und 33 infertilen Männern; Samenanalyse, FSH, LH und Testosteron per Radioimmunoassay, Anteil CFTR-positiver Spermien. Nur (9 ± 5,9) % der Spermien urämischer Patienten exprimierten CFTR, weniger als bei Transplantierten ((29 ± 14,3) %; P < 0,001), infertilen Männern ((42 ± 20,7) %; P < 0,001) und gesunden Männern ((51 ± 20,5) %; P < 0,001). Transplantierte hatten signifikant weniger CFTR-positive Spermien als infertile (P < 0,05) und gesunde Männer (P < 0,01). Das LH der Urämiepatienten lag über dem aller anderen Gruppen, das FSH nur über dem der infertilen und gesunden Männer; im Testosteron bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den vier Gruppen. Die Autoren deuten die CFTR-Expression als umkehrbaren Befund und möglichen Marker der Fertilität urämischer Männer. Stärken: vier Vergleichsgruppen, Hormonmessung, Veröffentlichung in einer reichweitenstarken Fachzeitschrift. Schwächen: kleine Gruppen; Querschnitt (die Umkehrbarkeit wird aus dem Vergleich verschiedener Männer abgeleitet, nicht aus Verlaufsdaten); der Marker ist nicht an Schwangerschaftsraten geprüft; mögliche Überlappung mit der Gruppe um Xu.
Yamamoto, Tachibana und Tazaki 1989: Zink und Fertilität bei Hämodialyse (Japan, Tagungszusammenfassung) [s206]. Originaltitel: 慢性血液透析患者の妊孕性におよぼす血清中および精漿中亜鉛濃度の検討 (Untersuchung der Zinkkonzentration in Serum und Seminalplasma und der Fertilität chronischer Hämodialysepatienten). Es handelt sich um eine Kurzzusammenfassung in einem Sammelband der Japanischen Urologischen Gesellschaft. 24 männliche Hämodialysepatienten (24 bis 49 Jahre, Dialysedauer 10 Monate bis 12 Jahre 1 Monat) wurden mit 23 gesunden Kontrollen verglichen. In der Dialysegruppe fanden sich verminderte Ejakulatmenge, verminderte Spermienkonzentration bis hin zur Azoospermie, geringere Beweglichkeit und eine höhere Rate fehlgebildeter Spermien. Das Serumzink war signifikant niedriger, die Rate fehlgebildeter Spermien korrelierte negativ mit dem Serumzink, das Seminalplasma-Zink unterschied sich nicht von den Kontrollen. Ein Zusammenhang zwischen Spermienkonzentration und Dialysedauer wird erwähnt; die Art der Korrelation ist im abgerufenen Text nicht lesbar. Schwächen: nur Zusammenfassung ohne Zahlen zu Effektgrößen oder p-Werten, kein begutachteter Volltext.
Sawanishi und Ohsako 1982: Sexualfunktionsstörung männlicher Dialysepatienten (Kyoto) [s217]. Originaltitel: 腎不全患者の内分泌異常特に男子透析患者の性機能障害 (Endokrine Anomalien bei Niereninsuffizienz, insbesondere Sexualfunktionsstörung männlicher Dialysepatienten). Es ist die Zusammenfassung eigener Beobachtungen über 1968 bis 1981. Fragebogenerhebungen (viermal durchgeführt) ergaben: 36,9 % ohne Interesse an Sexualaktivität, 72,9 % mit vermindertem sexuellem Verlangen nach Beginn der Dialyse, 28,4 % mit erhaltenem Sexualleben; als Ursache des Libidoverlusts nannten 32 % Impotenz, 67 % verminderte Potenz. Histologisch fanden sich Hodenatrophie, hyaline Entartung der Tubuli, Verdickung der Basalmembran, schwere Spermatogenesestörung, vermehrtes interstitielles Bindegewebe und eine scheinbare Leydig-Zell-Hyperplasie, die die Autoren eher als Teilbild einer chronisch zehrenden Erkrankung denn als nierenspezifisch ansehen. In der Samenanalyse überwogen Azoo- bis Oligozoospermie; je länger die konservative Phase vor der Dialyse, desto ausgeprägter. Endokrin fielen Hyperprolaktinämie, niedriges LH und niedriges Testosteron auf; das Prolaktin betrug in der Gruppe mit normalem Prolaktin 23,7 ± 7,34 mIE/ml gegenüber 91,6 ± 24,5 mIE/ml in der Hyperprolaktin-Gruppe, das Testosteron 286 ± 86 ng/dl gegenüber 227 ± 87 ng/dl (so im japanischen Abstract; einzelne weitere Zahlen im abgerufenen Text sind durch die Texterkennung entstellt und werden nicht wiedergegeben). Die Autoren empfehlen einen frühen Dialysebeginn bei jungen Männern; das ist ihre Schlussfolgerung und keine Empfehlung dieser Studie. Stärken: seltene Verbindung von Histologie, Samenanalyse, Hormonen und Befragung. Schwächen: Fallzahlen im Abstract nicht angegeben, deskriptiv, unkontrolliert, historische Dialysebedingungen.
Güvel et al. 2004: Verkalkungen von Nebenhoden und Tunica albuginea unter Hämodialyse (Adana, Journal of Andrology) [s166]. Querschnitt mit Kontrollgruppe: 23 Männer mit Nierenversagen im Endstadium unter Hämodialyse (mittleres Alter 51,4 ± 12,1 Jahre) und 22 Kontrollen mit Typ-2-Diabetes und normaler Nierenfunktion. Eine Verkalkung der Tunica albuginea der Schwellkörper fand sich bei 15 (65 %), des Nebenhodens bei 16 (70 %; 14 beidseitig, 2 einseitig); Nebenhoden und/oder Tunica waren bei 20 (87 %), beide Strukturen bei 10 (43 %) verkalkt. Die Raten unterschieden sich signifikant von den Kontrollen (p < 0,001 für beide). Es bestand kein Zusammenhang mit Alter, Dialysedauer, erhöhtem Phosphat, erhöhtem Parathormon, erhöhtem Kalzium-Phosphat-Produkt oder erektiler Dysfunktion (jeweils p > 0,05). Stärken: Die Kontrollgruppe mit Diabetes bildet die Gefäßerkrankung der Patienten nach. Schwächen: kleine Stichprobe; es wurde keine Samenanalyse durchgeführt, sodass die Bedeutung der Nebenhodenverkalkung für Spermientransport und Fruchtbarkeit offen bleibt.
Hekimoğlu et al. 2017: Scherwellen-Elastografie der Hoden bei Hämodialyse (Ankara, Eurasian Journal of Medicine) [s99]. Fall-Kontroll-Querschnitt mit 28 Männern unter Dialyse dreimal pro Woche und 25 gesunden Freiwilligen. Die Dialysegruppe hatte kleinere rechte, linke und mittlere Hodenvolumina (p < 0,001) und eine höhere Steifigkeit des Hodenparenchyms rechts, links und im Mittel (p < 0,001). Schwächen: keine Mittelwerte im Abstract, keine Hormon- oder Samendaten; Hodengröße und Steifigkeit sind nur indirekte Zeichen der Hodenfunktion. Der Befund passt zu einer Schädigung des Hodengewebes, belegt sie aber nicht für die Spermienbildung. Die Studie liegt auch als TR-Dizin-Datensatz vor und wird nur einmal gezählt.
Yajima et al. 1989: Hodenvolumen und Sexualhormone bei männlichen Hämodialysepatienten (Showa-Universität) [s205]. Originaltitel: 男子慢性血液透析患者における性ホルモン環境と睾丸容量の変化について. 15 männliche Hämodialysepatienten wurden mit 23 Kontrollen mit normalem Harnstoff-Stickstoff und Kreatinin verglichen. LH und FSH waren signifikant höher, Testosteron und das mit dem Orchidometer gemessene Hodenvolumen signifikant niedriger. Mit der Dialysedauer stiegen LH und FSH, das Testosteron fiel; das sonografisch gemessene Hodenvolumen nahm dagegen mit der Dauer zu. Die Autoren deuten dies als Zunahme interstitiellen Ödems und Bindegewebes bei klarer Verminderung der Hodenfunktion. Die ungewöhnliche Beobachtung beruht nur auf 15 Patienten; sie zeigt, dass das Hodenvolumen allein bei Dialysepatienten kein verlässlicher Maßstab der Spermatogenese ist.
Dialyse: Hormonachse
Die Studien dieses Abschnitts messen keine Spermien. Sie sind aufgenommen, weil Testosteron, LH, FSH und Prolaktin die Spermatogenese steuern und weil sie den größten Teil der Daten stellen. Eine Aussage zur Fertilität lässt sich nur indirekt ableiten. Methodisch fällt auf, dass die Prävalenz des Testosteronmangels je nach Grenzwert, Messmethode (Immunoassay oder Massenspektrometrie), Alter, Diabetes und Messzeitpunkt zwischen 17 % und 66 % schwankt.
Carrero et al. 2011: Testosteronmangel bei terminalem Nierenversagen [s137]. 260 Männer mit terminalem Nierenversagen (Median 59 Jahre), Beobachtung über 36 Monate. Ein Testosteronmangel (unter 10 nmol/l) bestand bei 44 %, eine Insuffizienz (10 bis 14 nmol/l) bei 33 %, ein normaler Wert (über 14 nmol/l) nur bei 23 %. Testosteron korrelierte invers mit CRP, IL-6 und Fibrinogen, auch nach Korrektur für Alter und SHBG. Der Testosteronmangel war unabhängig mit kardiovaskulärer Komorbidität (OR 2,51; 95-%-KI 1,32 bis 4,76) und mit Tod (OR 2,00; 95-%-KI 1,01 bis 3,97) verbunden. Stärken: große Fallzahl für das Feld, Ereignisdaten. Schwächen: Der Endpunkt ist Mortalität, nicht Fertilität; der Zusammenhang kann durch Krankheitsschwere erklärt sein (umgekehrte Kausalität). Die Studie ist die Grundlage der Aussage, nur etwa jeder vierte Mann im Endstadium habe ein normales Testosteron.
Güngör et al. 2010: Testosteron und Sterblichkeit bei männlichen Hämodialysepatienten (Izmir, Clinical Journal of the American Society of Nephrology) [s144]. Prospektive Kohorte von 420 männlichen Hämodialysepatienten (Stichprobe März 2005); das Gesamttestosteron wurde per ELISA bestimmt. Das mittlere Testosteron betrug 8,69 ± 4,10 nmol/l (Spanne 0,17 bis 27,40); 66 % hatten einen Testosteronmangel (unter 10 nmol/l). Bei 32 Monaten Nachbeobachtung starben im Mittel 104 (24,8 %). Die Überlebensrate lag im niedrigsten Testosterondrittel (unter 6,8 nmol/l) bei 64 % gegenüber 81 % im höchsten Drittel (über 10,1 nmol/l; p = 0,004). Pro 1 nmol/l höherem Testosteron war die Sterblichkeit um 7 % niedriger (HR 0,93; 95-%-KI 0,89 bis 0,98; p = 0,01), abhängig von Alter und anderen Risikofaktoren in adjustierten Analysen. Stärken: große Stichprobe, Nachbeobachtung, Konfidenzintervall. Schwächen: ein Messzeitpunkt; ELISA statt Massenspektrometrie; die Verbindung zum Überleben ist weitgehend altersabhängig; für die Fertilität nur als Prävalenzangabe des Mangels nutzbar.
Sobki et al. 2004: Alter und hypophysär-gonadale Antwort bei Hämodialyse (Riad, Saudi Journal of Kidney Diseases and Transplantation) [s167]. Querschnitt mit Vergleich nach Altersgruppen: 24 Männer unter 45 Jahren und 50 Männer über 45 Jahren unter regelmäßiger Hämodialyse sowie altersgleiche Gesunde. Gesamt- und freies Testosteron waren bei Patienten über 45 Jahren signifikant niedriger als bei den jüngeren; FSH und LH waren in beiden Gruppen gegenüber altersgleichen Kontrollen signifikant erhöht; FSH, LH und SHBG unterschieden sich zwischen den beiden Patientengruppen nicht signifikant. Die Autoren schließen, die Störungen seien bei Männern über 45 Jahren möglicherweise stärker. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract, ungleiche Gruppengrößen, der Altersunterschied überlagert den Dialyseeffekt.
Ati et al. 2023: Hypogonadismus unter Hämodialyse (Tunesien, Pan African Medical Journal) [s37]. Querschnitt mit Daten von Januar bis Dezember 2017 an männlichen Hämodialysepatienten; der Abstract gibt die Zahl missverständlich als „one hundred and ten: 55 male hemodialysis patients“ an, sodass unklar ist, ob 55 Patienten oder 110 Personen untersucht wurden. FSH, LH und Prolaktin waren in der Dialysegruppe hoch, Testosteron niedrig; Hypogonadismus war mit höherem Alter, Anämie und fehlender Erythropoetin-Behandlung verbunden; erektile Dysfunktion war häufig, der Erektionsscore niedrig, und das Testosteron war bei Patienten mit erektiler Dysfunktion signifikant niedriger. Stärken: erste Prävalenzdaten dieser Art aus Tunesien. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen, die Stichprobengröße ist unklar.
Ahmed et al. 2018: Erektionsfunktion und Gonadenhormone nach Hämodialysedauer (Kairo, Andrologia) [s91]. Querschnitt an 118 Männern mit Nierenversagen im Endstadium unter chronischer Hämodialyse (mittleres Alter 48,97 ± 14,68 Jahre, mittlere Dialysedauer 4,58 ± 3,03 Jahre). Die Prävalenz erektiler Dysfunktion betrug 78,8 % (davon 31,2 % schwer); sie war in den Kategorien der Dialysedauer vergleichbar (bis 5 Jahre 79,7 %, 5 bis 10 Jahre 76,5 %, über 10 Jahre 80,0 %). Abnorm waren FSH bei 5,1 %, LH bei 1,6 %, Testosteron bei 18,6 %, Prolaktin bei 90,7 % und Östradiol bei 0,0 %. Es gab keinen Zusammenhang zwischen Dialysedauer und IIEF-5 oder Hormonspiegeln (der Abstract nennt dazu „p < 0,05“, offensichtlich ein Schreibfehler für p > 0,05). Stärken: Hormonprofil in einer Stichprobe von über 100 Männern. Schwächen: Querschnitt, keine Kontrollgruppe; der Befund eines nur bei 18,6 % abnormen Testosterons bei zugleich 90,7 % abnormem Prolaktin unterscheidet sich von anderen Reihen.
Elbardisi et al. 2021: Endokrine Beiträge zur Sexualstörung bei fortgeschrittener CKD (Doha, Andrologia) [s57]. Prospektive Studie mit Behandlungsbeobachtung an 102 Patienten (75 unter Hämodialyse [73,53 %], 13 unter Peritonealdialyse [12,75 %], 14 [13,73 %] nur medikamentös behandelt). 90 (88,24 %) hatten vorzeitigen Samenerguss, 85 (83,33 %) erektile Dysfunktion jeden Grades; die Häufigkeit von Hypogonadismus und Hyperprolaktinämie betrug zusammen 34,4 %. Bei den mit Cabergolin (0,5 mg einmal pro Woche über 6 Monate) behandelten Patienten (n = 26) stieg das LH signifikant (p = 0,003) und das Prolaktin sank (p = 0,003); Testosteron sowie erektile Dysfunktion und vorzeitiger Samenerguss besserten sich nicht signifikant. Die Autoren folgern, die Behandlung der Hyperprolaktinämie sei zur Korrektur des Prolaktins wirksam, bessere aber die erektile Dysfunktion nicht. Hier wird ein Ergebnis berichtet, keine Behandlung empfohlen. Stärken: Prüfung einer hormonellen Intervention mit negativem Ergebnis; vorzeitiger Samenerguss wurde erhoben. Schwächen: keine Kontrollgruppe, 26 behandelte Patienten, keine Spermienparameter; die Zahl 34,4 % fasst zwei Zustände zusammen.
Tokgöz et al. 2001: Erythropoetin und Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse bei CAPD (Kayseri, Peritoneal Dialysis International) [s176]. Prospektive Einzelzentrumsstudie an 10 anämischen Männern mit chronischer Niereninsuffizienz unter CAPD und 11 gesunden altersgleichen Kontrollen. Methodik: basale Hormone, LH-RH-Stimulationstest (100 µg) und hCG-Test (2000 IE, zweimal im Abstand von 48 Stunden) vor und nach Erythropoetin. Das FSH war leicht höher als bei Gesunden, ohne Signifikanz (p = 0,85 vor, p = 0,70 nach Erythropoetin). Das basale LH war vor der Behandlung signifikant höher als bei Kontrollen (p < 0,001) und sank unter Erythropoetin (p < 0,05); die Flächen unter der LH-Kurve waren vor und nach Behandlung höher als bei Kontrollen (p < 0,05). Das Wachstumshormon war erhöht (p < 0,001) mit paradoxer Reaktion. Das freie Testosteron stieg unter Erythropoetin signifikant (p < 0,05). Die Autoren schließen, anämische urämische Männer unter CAPD hätten normale Testosteronspiegel mit normaler Reaktion auf hCG, aber erhöhtes basales LH mit überschießender Reaktion auf LH-RH, was auf einen Defekt auf Ebene von Hypothalamus und Hypophyse hinweise; die Besserung der Anämie stelle einige Auffälligkeiten teilweise wieder her. Stärken: dynamische Tests, die über Einzelwerte hinausgehen. Schwächen: 10 Patienten; das normale Testosteron steht im Kontrast zu den meisten anderen Studien; der Abstract nennt keine absoluten Werte.
Gök Oğuz et al. 2020: Dialyseverfahren und Sexualhormone (Türkei, Journal of Health Sciences and Medicine) [s73]. Querschnitt an 95 erwachsenen Männern, 71 unter Hämodialyse und 24 unter Peritonealdialyse, mit ähnlichem Alter und ähnlicher Dialysedauer. Gesamt- und freies Testosteron waren in der Peritonealdialysegruppe höher (p = 0,01 beziehungsweise p = 0,05). SHBG, FSH, LH und Prolaktin unterschieden sich nicht (p = 0,353, 0,858, 0,410 und 0,410; die zweimalige Angabe von 0,410 steht so im Abstract). Mehr Patienten der Peritonealdialysegruppe (p = 0,033) und mit normalem Testosteron (p = 0,027) konnten die Aktivitäten des täglichen Lebens selbständig ausführen. In der binären Regression war die Peritonealdialyse mit günstigeren Testosteronwerten verbunden (OR 4,659; 95-%-KI 1,477 bis 14,704). Ein niedriges Gesamttestosteron war als unter 3 ng/ml definiert. Stärken: Regressionsanalyse mit Konfidenzintervall. Schwächen: 71 gegen 24 Patienten, Querschnitt; die Dialyseform wird nach klinischen Faktoren gewählt, sodass Gesundheitszustand eine Störgröße ist; das sehr weite Konfidenzintervall zeigt die Unsicherheit; die Autoren führen den Unterschied auch auf das körperliche und geistige Wohlbefinden unter Peritonealdialyse zurück. Der Befund ist der einzige direkte Vergleich der beiden Dialyseformen im Material und kein Beleg, dass eine Form die Spermatogenese verbessert.
Lepetukhin et al. 2008 [s158] und 2010 [s149] (Sacharnyj Diabet, russischsprachig): Androgenmangel bei Typ-1-Diabetes unter Hämodialyse. Prospektive Studie über 6 Monate mit Behandlungs- und Kontrollgruppen; die Mitteilung von 2008 ist die frühere Veröffentlichung derselben Kohorte und daher nicht unabhängig. Population: 43 Männer mit Typ-1-Diabetes und diabetischer Nephropathie unter programmierter Hämodialyse; Gruppe 1 (n = 20) jünger als 40 Jahre (34,0 ± 3,9 Jahre), Gruppe 2 (n = 23) 40 Jahre und älter (47,3 ± 3,5 Jahre). Das Gesamttestosteron betrug in Gruppe 1 21,2 ± 6,6 nmol/l und in Gruppe 2 9,8 ± 3,9 nmol/l. Ein Androgenmangel (Testosteron unter 12 nmol/l, nach der Mitteilung von 2008) wurde in der Gesamtgruppe bei 48,8 % (21 von 43) festgestellt, in Gruppe 1 bei 5,0 %, in Gruppe 2 bei 86,9 %. Der Testosteronabfall ging nicht mit einem signifikanten Anstieg des LH über die Norm einher (p > 0,05); das Testosteron fiel also ohne deutliche LH-Antwort. Das glykierte Hämoglobin änderte sich in 6 Monaten nicht. Unter kombinierter Behandlung mit Epoetin beta und einer Testosteron-Estermischung stieg das Hämoglobin in der älteren Behandlungsgruppe auf 113,5 ± 6,3 g/l (p = 0,009), in der jüngeren blieb es bei 118,2 ± 6,7 g/l (p = 0,79); der Bedarf an Epoetin sank in den Behandlungsgruppen um 32,1 % (p = 0,007) und 41,1 % (p = 0,001). Die Autoren schließen, der Testosteronabfall sei altersabhängig und ein unabhängiger Risikofaktor für Anämie. Stärken: Altersstratifizierung, getrennte Behandlungs- und Kontrollgruppen. Schwächen: nur 43 Männer, Untergruppen mit 6 bis 14 Männern, Mischung von Diabetes und Nierenversagen, Zielgröße ist die Anämie, nicht die Fertilität. Ein Widerspruch in der Veröffentlichung von 2010: Der russische Text nennt die Gabe einmal alle drei Wochen, der englische „thrice weekly“.
Chernyshova et al. 1991: diabetische Nephropathie und gonadale Funktion (Urologija i Nefrologija, russisch) [s198]. Querschnitt an 160 Männern mit Diabetes Typ 1 und 2. Häufigkeit und Schwere der Sexualstörung korrelierten nicht mit Alter, Diabetestyp oder Dauer, wohl aber mit dem Schweregrad der diabetischen Mikroangiopathie (r = +0,48) und dem Stand der Stoffwechselkompensation (r = +0,36). Entstehung und Fortschreiten der diabetischen Nephropathie gingen mit einem Anstieg von LH und FSH, einem Abfall des Testosterons und einem Östrogen-Androgen-Ungleichgewicht einher. Schwächen: Nierenfunktion und Diabetesfolgen sind nicht zu trennen; keine Spermienangaben im Abstract; keine Konfidenzintervalle.
Mustafa et al. 2025: Testosteron vor und nach Dialyse (Nablus, Palästina, International Urology and Nephrology) [s20]. Vorher-Nachher-Studie an einer Dialysesitzung mit 60 männlichen Patienten mit Nierenversagen im Endstadium (mittleres Alter 54,02 ± 13,40 Jahre) unter Hochflussdialyse (dreimal pro Woche, vier Stunden). Das Gesamttestosteron stieg nach der Dialyse von 3,13 ± 1,44 auf 4,17 ± 2,04 ng/ml (r = 0,78; p = 0,001), der Hämatokrit von 32,31 ± 3,90 auf 35,27 ± 4,89 % (r = 0,754; p = 0,001); die prozentuale Änderung betrug 35 ± 0,33 % beziehungsweise 9 ± 0,1 %, mit Korrelation der Änderungen (r = 0,277; p = 0,032). Die Autoren schließen, die Hochflussmembran filtere Testosteron nicht, der Anstieg sei wahrscheinlich eine Hämokonzentration; viele Patienten hätten niedrige oder grenzwertige Werte, sodass eine Androgenergänzung nützlich sein könne (Meinung der Autoren, hier nur zitiert). Stärken: methodisch einfach, klare Fragestellung zur Messung. Schwächen: ein einziger Messzeitpunkt vor und nach der Sitzung. Da Hämokonzentration die plausible Erklärung ist, sind Testosteronwerte vor und nach Dialyse nicht vergleichbar; in der Mehrzahl der anderen Studien ist der Messzeitpunkt nicht angegeben.
de Vries, Gooren und Oe 1984: Testosteron bei Hämodialyse [s213]. Plasma-Testosteron, Dihydrotestosteron und Speichel-Testosteron waren bei Hämodialysepatienten signifikant niedriger als bei Kontrollen; der 5α-DHT/T-Quotient war erniedrigt, das SHBG normal. Vor und nach einer sechsstündigen Dialyse unterschieden sich die Messwerte nicht. Die Autoren schließen, die Hämodialyse sei für die Gonadenfunktion nicht erkennbar von Nutzen. Eine Gruppengröße nennt der Abstract nicht. Der Befund steht im Gegensatz zu Mustafa [s20], die einen Anstieg fanden; die Autoren der jüngeren Studie deuten ihn als Hämokonzentration. Ein niederländischer Leserbrief mit dem Titel „Hemodialysis does not lower circulating testosterone concentrations“ (Hendriks et al. 2024) war nur als Titel erfassbar und fließt nicht ein.
Lan et al. 2026: Hyperkisspeptinemia and hypothalamic-pituitary-gonadal axis uncoupling in hemodialysis patients (Shanghai) [s04]. Querschnitt an 69 Patienten unter Erhaltungshämodialyse und 20 altersgleichen gesunden Kontrollen; Patienten mit aktiver Entzündung oder primärer Gonadenerkrankung wurden ausgeschlossen. Das Serum-Kisspeptin war massiv erhöht (Median 30,35 gegenüber 9,02 ng/ml; P < 0,001). Bei urämischen Frauen blieben trotz ausgeprägtem Östrogenmangel die kompensatorischen Gonadotropin-Anstiege aus (FSH P = 0,138; LH P = 0,149). Bei urämischen Männern sagte Kisspeptin nach Adjustierung für Alter, CRP und Diabetes ein niedrigeres Testosteron voraus (β = −0,045; P = 0,046). Eine Mediationsanalyse zeigte ein Muster mit testosteronvermitteltem Effekt auf die Erektionsfunktion (indirekter Effekt P = 0,046; direkter Effekt P = 0,081); Kisspeptin sagte mäßige bis schwere erektile Dysfunktion mit einer Fläche unter der Kurve von 0,734 (95-%-KI 0,596 bis 0,872) voraus. Die Autoren sprechen von einer klinisch nahegelegten zentralen Desensibilisierung. Schwächen: Querschnitt, daher keine Kausalität; die Mediationsaussage beruht auf einem p-Wert knapp unter 0,05 (0,046) und einem nicht signifikanten direkten Effekt (0,081); die gemischtgeschlechtliche Teilanalyse betrifft für Männer nur einen Teil der 69 Patienten; die Studie ist ein exploratorischer Befund ohne Spermiendaten.
Soliman et al. 2022: sexuelle Reife von Kindern unter Hämodialyse (Ägypten und Saudi-Arabien, Medicine) [s54]. Multizentrischer Querschnitt an 56 Kindern mit CKD Stadium 5 unter Hämodialyse (dreimal pro Woche, 4 Stunden) und 60 gesunden Kindern. Gewicht und Größe der Patienten waren deutlich niedriger; freies und Gesamt-Testosteron bei Jungen waren signifikant erniedrigt, ebenso das Östradiol bei Mädchen. Tanner-Stadien und Testosteron beziehungsweise Östradiol zeigten positive Zusammenhänge; die Hormonspiegel waren negativ mit Krankheits- und Dialysedauer assoziiert. Die Autoren bringen die niedrigen Spiegel mit der verzögerten Pubertät in Verbindung. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract; Geschlechter nur teilweise getrennt dargestellt; kein Spermienendpunkt, doch ist die Pubertätsentwicklung die Voraussetzung für spätere Fertilität.
Dialyse: historische japanische Hormonstudien (1982 bis 1998)
Die Studien dieses Abschnitts stammen aus der Zeit vor der routinemäßigen Erythropoetinbehandlung, vor moderner Dialyseeffizienz und vor heutiger Immunsuppression; ihre Zahlen sind historische Befunde. Meist umfassen sie 8 bis 25 Patienten.
Nonomura 1982: Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse bei Urämie und nach Transplantation (Hokkaido-Universität) [s216]. Originaltitel: 慢性腎不全及び腎移植後における男子性腺機能の検討, englischer Abstract: „The hypothalamo-pituitary-gonadal axis in male uremic patients on chronic hemodialysis and after renal transplantation“. Von 20 Hämodialysepatienten (25 bis 45 Jahre) hatten zehn eine verminderte Libido, keiner war impotent, nur einer zeugte während der regelmäßigen Hämodialyse ein Kind. Bei weiteren 20 Hämodialysepatienten (20 bis 39 Jahre) waren FSH und LH signifikant höher (p < 0,05) und Testosteron signifikant niedriger (p < 0,005) als bei gesunden Männern (20 bis 49 Jahre); einzelne Patienten wichen vom Muster ab (sehr niedriges Testosteron ohne erhöhtes LH). Bei drei Patienten blieb die Gonadotropin-Antwort auf synthetisches LH-RH verlängert erhöht. Die Autoren deuten dies als primäres Hodenversagen plus hypothalamisch-hypophysäre Störung. Bei 8 Transplantierten (17 bis 34 Jahre) fiel das LH innerhalb von drei Monaten deutlich ab, während das FSH auf ein Vielfaches des Vorwertes stieg (in der Phase unter Prednisolon 25 bis 35 mg/Tag); das Testosteron fiel im ersten Monat und normalisierte sich allmählich. Bei zwei Nephritis-Patienten mit normaler Nierenfunktion unter 60 mg/Tag Prednisolon veränderte das Prednisolon die Gonadotropine. Schwächen: sehr kleine Gruppen, unterschiedliche Teilkollektive, keine Samenanalyse; die FSH-Spitze nach Transplantation bleibt nach Angabe der Autoren unerklärt (Prednisolon, Operationsstress oder Erholung der Achse).
Kawanishi und Imagawa 1984: Penile Tumeszenz und Hypophysen-Gonaden-Funktion [s214]. Originaltitel: 透析患者のsexual potencyと下垂体・性腺機能. Acht männliche Hämodialysepatienten (25 bis 64 Jahre) wurden mit audiovisueller sexueller Stimulation und Messung der Tumeszenz untersucht. Zwei zeigten eine normale, drei eine geringe, drei keine Reaktion; die Tumeszenz korrelierte nicht mit Testosteron, LH, FSH, Prolaktin, Serotonin oder Zink. Bei n = 8 sind fehlende Korrelationen nicht aussagekräftig.
Fujisawa et al. 1985: Gonadenfunktion bei Beginn der Dialyse im Kindesalter [s210]. Originaltitel: 小児期に透析導入された慢性腎不全患者の性腺機能. Acht Patienten (16 bis 21 Jahre), die als Kinder an die Hämodialyse kamen. Niedriges Testosteron, hohes LH und eine verminderte Antwort im hCG-Test sprechen für Gonadendysfunktion; eine verzögerte und verlängerte Antwort im LH-RH-Test deutet auf eine verminderte metabolische Clearance von LH; bei zwei Patienten mit niedrigem Testosteron und hohem LH wurde eine hypothalamische Funktionsstörung vermutet; die Hypophysenfunktion war normal; der LH-Mittelwert der weiblichen Patienten war höher als der der männlichen. Alle Patienten zeigten klinische Zeichen der Pubertät trotz der Hormonstörung. Schwächen: acht Patienten, beide Geschlechter gemischt, keine Kontrollgruppe im Abstract.
Hasegawa et al. 1985: DHT, Testosteron, Androstendion und Zink [s211]. Originaltitel: 男性慢性血液透析患者における性腺機能障害. Bei 25 männlichen Hämodialysepatienten waren Testosteron und Dihydrotestosteron signifikant niedriger und Androstendion höher als bei Gesunden. LH und FSH stiegen mit der Dialysedauer; das Testosteron besserte sich mit der Dauer, während das DHT weiter abfiel. Zink zeigte keine Beziehung zur Testosteron-Umwandlung. Die Autoren sehen neben dem Testosteron auch das DHT beteiligt und vermuten eine Störung der Umwandlung von Androstendion zu Testosteron. Schwächen: Querschnitt, Gruppengröße der Kontrollen nicht angegeben, Hormonmessung mit damaligen Radioimmunoassays.
Kawanishi et al. 1987: Erektionsfunktion und Hodenfunktion [s209]. Originaltitel: 透析患者の勃起機能と精巣機能. Das Serum-Testosteron der Dialysepatienten war signifikant niedrig, das Speicheltestosteron zeigte eine große Streuung und eine Tendenz zu höheren Werten als bei Kontrollen; LH und FSH waren erhöht; Prolaktin lag bei unter 50-Jährigen signifikant (p < 0,05) höher, aber im Normbereich; das Hodenvolumen war signifikant (p < 0,01) niedriger. Das Sexualhormon-bindende Globulin lag im Normbereich und stand in linearer Beziehung zum Gesamttestosteron (y = 13,0x − 30,8). Die Autoren schließen, das biologisch aktive freie Testosteron sei nicht niedriger als bei Kontrollen, und sehen keinen Beleg, die Erektionsstörung einer Hodenfunktionsstörung zuzuschreiben. Schwächen: Fallzahl im Abstract nicht genannt; freies Testosteron nur indirekt über Speichel und SHBG erschlossen.
Kuwahara et al. 1995: Erythropoetin, Erektion und Hypophysen-Gonaden-Funktion (Fujisaki-Krankenhaus) [s189]. Originaltitel: 男子血液透析患者の勃起機能障害に対するエリスロポエチン(rHuEPO)投与の有効性並びに下垂体性腺機能に及ぼす影響について. 18 männliche Hämodialysepatienten (22 bis 58 Jahre, Mittel 45,3), 16 mit chronischer Glomerulonephritis, 2 mit diabetischer Nephropathie; rHuEPO 1500 E dreimal wöchentlich bis zu einem Hämatokrit von mindestens 25 %. Eine subjektive Besserung der Erektion berichteten 13 (72 %), eine objektive Besserung in der nächtlichen Tumeszenzmessung zeigten 10 (56 %). Das Prolaktin sank, FSH, LH, Zink und HS-PTH blieben unverändert. Unkontrollierte Beobachtung, daher nicht kausal interpretierbar; kein Fertilitätsendpunkt.
Kokot et al. 1991: Erythropoetin und endokrine Funktion (Terapevticheskij Archiv; Autoren aus Polen) [s200]. Vorher-Nachher-Vergleich an 11 Hämodialysepatienten mit Urämie unter dreimonatiger Erythropoetin-Behandlung. Die Ausgangswerte von Somatotropin, Prolaktin, FSH und LH sanken; Testosteron stieg nicht signifikant. Schwächen: 11 Patienten, keine Kontrolle, keine Werte im Abstract, Geschlecht nicht aufgeschlüsselt. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit Tokgöz [s176] und Yeksan [s197].
Yeksan et al. 1992: Erythropoetin und Hormone bei Hämodialyse (Konya, International Journal of Artificial Organs) [s197]. Vorher-Nachher-Vergleich mit Kontrollgruppe an 24 Hämodialysepatienten beider Geschlechter und 20 Dialysepatienten als Kontrollen. Nach 4 Monaten sank das Prolaktin bei Männern von 36,8 ± 7,8 auf 22,9 ± 6,3 ng/ml und bei Frauen von 78,3 ± 13,3 auf 37,4 ± 10,4 ng/ml; FT3 und FT4 stiegen; bei 8 Männern besserte sich die Sexualfunktion, bei 4 Frauen setzte die Menstruation wieder ein; in der Kontrollgruppe gab es keine Änderung. Der gedruckte FT4-Wert „0,084 ng/dl“ ist offensichtlich ein Druckfehler und wird nicht weiter verwendet. Schwächen: Männer und Frauen vermischt; FSH, LH und freies Testosteron werden im Abstract nur genannt, Werte fehlen.
Sobh et al. 1992: Erythropoetin bei männlichen Dialysepatienten (Mansoura) [s195]. Sechs männliche Dialysepatienten, 5 schlossen ab. Erythropoetin hob den Hämatokrit in 3 Monaten von 19,3 ± 4,5 auf 31,2 ± 5,5 und die Verkehrshäufigkeit von 1,3 ± 0,5 auf 2,3 ± 0,8 pro Monat (p = 0,014); der Penis-Arm-Index und die Wirkung von Papaverin änderten sich nicht signifikant. Schwächen: nur 5 auswertbare Patienten, keine Kontrolle; das Ergebnis betrifft die Sexualfunktion, nicht die Spermien.
Inoue-Studie und weitere randomisierte Arbeiten. Die randomisierte Pilotstudie zu Testosteron bei Hämodialysepatienten [s95] sowie die randomisierten Studien zu Zink, Vitamin E und Vitamin D [s215, s196, s40] sind Interventionsstudien und werden an anderer Stelle der Gesamtstudie besprochen.