Kortison, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton · Kapitel 19 von 20

Glossar

Abstinenzzeit. Zeitraum ohne Samenerguss vor der Samenprobe. Sie beeinflusst Volumen, Konzentration, Vitalität und Beweglichkeit und muss bei Vergleichen berücksichtigt werden [s78].

Akrosom, Akrosomreaktion. Kappenartiges Bläschen am Spermienkopf; die Akrosomreaktion ist ein Schritt der Befruchtungsfähigkeit [s45].

Antispermien-Antikörper (ASA). Antikörper gegen Spermien, die an Spermien im Samen oder im Blut nachweisbar sein können. Sie sind der Hauptgrund, warum Glukokortikoide bei männlicher Infertilität geprüft wurden [s73, s132].

Apoptose, Apoptoseindex. Programmierter Zelltod; der Apoptoseindex gibt den Anteil absterbender Zellen an, zum Beispiel unter den Keimzellen im Hoden [s110].

Asthenozoospermie. Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat [s125].

Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat. Bei der nichtobstruktiven Form ist die Spermienbildung im Hoden gestört [s26].

Blut-Hoden-Schranke. Struktur zwischen Sertoli-Zellen, die das Keimepithel vom Blut abschirmt; ihre Proteine (zum Beispiel Connexin-43) wurden in Tierstudien untersucht [s12, s43].

Calcineurin-Inhibitor. Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Ciclosporin, die nach einer Transplantation gegeben werden [s123].

Cimetidin, Ranitidin, Famotidin, Nizatidin. Wirkstoffe der H2-Blocker, die die Magensäure vermindern; sie gelten pharmakologisch ebenfalls als Antihistaminika, sind aber nicht die Mittel gegen Allergie [s99].

Crossover-Studie. Studie, in der jede Person nacheinander beide Behandlungen (zum Beispiel Wirkstoff und Placebo) erhält. Voraussetzung ist, dass die Wirkung zwischen den Phasen abklingt [s154].

Dechallenge, Rechallenge. In der Pharmakovigilanz das Verschwinden einer Meldung nach Absetzen beziehungsweise ihr Wiederauftreten bei erneuter Gabe [s08].

EudraVigilance. Europäische Datenbank für Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen [s08].

FAERS. Das Meldesystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen der US-Arzneimittelbehörde FDA (FDA Adverse Event Reporting System). Es enthält Spontanmeldungen ohne Nenner [s02].

Flagellum. Die Geißel (das Bewegungsorgan) der Spermien; Brüche oder Anomalien des Flagellums wurden in Tierstudien beschrieben [s151, s80].

FSH, LH. Follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon aus der Hirnanhangdrüse; LH regt die Testosteronbildung der Leydig-Zellen an, FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen [s04].

Glukokortikoid. Wirkstoffgruppe, zu der Kortison, Hydrocortison, Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason gehören. Die Arzneimittel ahmen das körpereigene Cortisol nach [s33].

Glukokortikoidrezeptor (GR, NR3C1). Bindungsstelle der Glukokortikoide in Zellen, auch in Hodenzellen und Spermien [s95, s45].

H1- und H2-Rezeptor-Antagonist. H1-Blocker (zum Beispiel Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin) gelten als Allergiemittel; H2-Blocker hemmen die Magensäure [s125, s99].

Hodenbiopsie, Hodenhistologie. Gewebeuntersuchung des Hodens, die zeigt, ob Spermatogenese stattfindet [s26, s20].

Hyalinisierung. Narbenähnliche Gewebeveränderung der Samenkanälchen, in der Histologie bei Transfrauen beschrieben [s74].

ICSI, IVF, IUI. Verfahren der assistierten Reproduktion: Injektion eines einzelnen Spermiums in die Eizelle (ICSI), Befruchtung im Labor (IVF) und Einbringen aufbereiteter Spermien in die Gebärmutter (intrauterine Insemination, IUI) [s122].

Isotretinoin. 13-cis-Retinsäure, ein Vitamin-A-Abkömmling zur Behandlung schwerer Akne [s14].

Johnsen-Score. Punktesystem, das die Reife der Spermienbildung in einem Hodenschnitt beurteilt [s38].

Kapazitation. Reifungsschritt der Spermien im weiblichen Genitaltrakt, der die Befruchtungsfähigkeit herstellt [s45].

Konfidenzintervall (KI). Bereich, in dem der wahre Wert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit liegt, meist 95 %. Ein breites Intervall zeigt eine unsichere Schätzung an [s56].

Leydig-Zellen. Zellen im Hoden, die Testosteron bilden [s84].

Mastzellen. Immunzellen, die Histamin speichern und freisetzen; sie kommen auch im Hoden und Nebenhoden vor [s31, s127].

Mendelsche Randomisierung. Statistisches Verfahren, das genetische Varianten als Zufallsinstrument nutzt, um Ursache und Wirkung zwischen einer Veranlagung und einem Ergebnis abzuschätzen [s17, s36].

MAR-Test. Gemischte Antiglobulinreaktion, ein Test auf Antikörper an Spermien; ein hoher Wert bedeutet einen hohen Anteil antikörperbeladener Spermien [s122].

Morphologie (normale Formen). Anteil der Spermien mit normaler Form. Der Anteil normal geformter Spermien lag in der Studie [s51] bei rund 9 %.

Oligozoospermie, Oligoasthenozoospermie. Verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration und Beweglichkeit zugleich [s89].

Pharmakovigilanz. Überwachung der Arzneimittelsicherheit durch Auswertung von Nebenwirkungsmeldungen [s08].

PRR, ROR. Proportional Reporting Ratio und Reporting Odds Ratio, Maße für die Disproportionalität in Meldedatenbanken. Sie vergleichen den Anteil eines Ereignisses bei einem Arzneimittel mit dem Anteil bei allen anderen Meldungen; sie sind keine Risikozahlen [s02, s27].

Preprint. Wissenschaftliche Arbeit vor der Begutachtung durch Fachleute (Peer-Review) [s04].

Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extrem niedrige oder hohe Messwerte liegen bei der Wiederholung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung. Er kann Besserungen in unkontrollierten Studien vortäuschen [s89, s75].

Retinsäure. Wirksame Form des Vitamins A; sie ist für Differenzierung der Spermatogonien und Beginn der Meiose notwendig [s14, s49].

Sertoli-Zellen. Stützzellen im Hoden, die die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden [s68, s30].

Spermatogenese. Gesamter Vorgang der Spermienbildung im Hoden [s20].

Spironolacton. Aldosteronantagonist mit antiandrogener Wirkung (Blockade des Androgenrezeptors), der unter anderem bei Herzerkrankungen und in der Dermatologie eingesetzt wird [s180, s27].

Surrogatparameter, Ersatzzielgröße. Messwert, der stellvertretend für das eigentliche Ziel steht, hier Samenparameter statt Schwangerschaft oder Geburt [s40].

Vitalität. Anteil lebender Spermien im Ejakulat, meist durch Färbung bestimmt [s51].

WHO-Referenzwerte. Von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Richtwerte für Samenparameter [s78].

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Aufbau und Lesehinweise bis Spironolacton
  6. Glukokortikoide bis Erkrankungen als Störgröße: Asthma und Autoimmunerkrankungen
  7. Auswertungen über mehrere Wirkstoffe: Querschnitt, Meldedaten, Verordnungsdaten und Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Wie dieses Kapitel gelesen werden sollte bis Spironolacton
  9. Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)
  10. Antihistaminika
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Chinesisch
  14. Japanisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle