Kortison, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton · Kapitel 9 von 20 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)

Die Literatur teilt sich in Behandlungsstudien (Antispermien-Antikörper, Zustand nach Vasektomie-Rückverlagerung, Anhangsdrüsenentzündung, Nebennierenhyperplasie, Sarkoidose) und Studien zur schädigenden Wirkung (fast ausschließlich Tierversuche). In den Behandlungsstudien sollte das Medikament eine bestehende Störung bessern; aus ihnen folgt keine Aussage über gesunde Männer.

Randomisierte und kontrollierte Studien bei Antispermien-Antikörpern

  • Haas und Manganiello 1987, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert [s157]. 43 Männer mit spermaassoziierten Immunglobulinen erhielten Methylprednisolon 96 mg/Tag in drei Dosen über 7 Tage mit zwei Tagen Ausschleichen, dreimal im Abstand von etwa einem Monat, oder Placebo. Kein günstiger Effekt auf Samenparameter, Antikörper-Assays (spermagebundenes IgA, Plasma-IgG) oder spätere Fertilität; signifikante Wirkung nur auf spermagebundenes IgG.
  • Hendry et al. 1990, Großbritannien, doppelblinde Crossover-Studie [s154]. 43 Männer mit zirkulierenden Antikörpern; Prednisolon 20 mg zweimal täglich an den Tagen 1 bis 10 des Zyklus der Partnerin und 5 mg an den Tagen 11 und 12, gegen Placebo, je neun Monate. Neun Schwangerschaften unter Prednisolon, zwei unter Placebo (davon nur eine bei tatsächlicher Placeboeinnahme); 60 % der Prednisolon-Gruppe hatten leichte Nebenwirkungen.
  • Bals-Pratsch et al. 1992, Deutschland, doppelblinde Crossover-Studie [s149]. 20 Männer; Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10 oder Placebo, drei Zyklen. Keine Schwangerschaft unter Prednisolon oder Placebo; im Postkoitaltest bei 8 von 12 Männern wenig Besserung, Antikörpertiter bei 7 von 16 gesunken; Nebenwirkungen bei 8 Männern (7 unter Verum, 1 unter Placebo), in zwei Fällen Behandlungsabbruch; fünf Partnerinnen wurden später nach Insemination (3) oder IVF (2) schwanger.
  • De Almeida et al. 1985, randomisiert, doppelblind [s162]. 10 Männer; Prednisolon 1 mg/kg/Tag über neun Tage in drei Zyklen gegen Placebo: kein signifikanter Effekt auf Fertilität, Serum-Antikörper oder Samenmerkmale; leichter Rückgang des Titers seminaler Antikörper.
  • Lähteenmäki et al. 1995, Finnland, randomisiert mit Crossover [s144]. 46 Paare; intrauterine Insemination (IUI, bis zu dreimal) gegen Verkehr zum Eisprung mit zyklischem Prednisolon 20 mg beim Mann; 40 Paare beendeten die Studie oder wurden schwanger. IUI führte zu 9 Schwangerschaften, Prednisolon zu 1 (p = 0,04). Es fand sich keine Beziehung zwischen Antikörperspiegel, Spermienzahl oder -motilität und Schwangerschaft.
  • Omu et al. 1996, Kuwait, kontrollierte Studie [s142]. 40 Männer erhielten drei bis sechs Monate lang täglich 5 mg Prednisolon, 37 Männer mit Antikörpern bildeten die Kontrollgruppe; Nachbeobachtung 12 bis 18 Monate. Der Abstract berichtet eine signifikante Besserung von Motilität und hypoosmotischem Schwellungstest (um 13 beziehungsweise 15 %; die Signifikanzangabe lautet im Abstract „P < 0,01, P > 0,05" und ist in sich nicht stimmig) und eine Schwangerschaftsrate von 20 % gegen 5 % (p < 0,01); Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. In PubMed ist die Studie als randomisiert indexiert, der Abstract beschreibt die Zuteilung aber nicht; Verblindung, Gruppengrößen der Schwangerschaften und Konfidenzintervalle fehlen.
  • Grigoriou et al. 1996, Griechenland, randomisierte Crossover-Studie [s141]. 36 Paare; Kortikosteroid plus IUI gegen IUI allein. Fünf Schwangerschaften in 77 Zyklen mit Kortikosteroid gegen sieben mit IUI allein; Schwangerschaftsrate pro Zyklus 6,5 % gegen 9,21 %, pro Paar 16,13 % gegen 21,2 %; kein signifikanter Unterschied (p > 10 %).
  • Räsänen et al. 1996, Finnland, placebokontrolliert [s143]. 20 Männer; Prednisolon 20 mg/Tag (n = 10) oder Placebo (n = 10) über drei Wochen. Die durchflusszytometrisch gemessenen Antikörperspiegel unterschieden sich nach der Behandlung nicht; bei zwei Männern der Prednisolon-Gruppe fiel der Anteil antikörperpositiver Spermien deutlich.
  • Taiyeb et al. 2017, Irak, randomisiert [s97]. 241 Männer mit Antikörpern, drei Zyklen zu je 21 Tagen mit oder ohne Prednisolon; danach Hamster-Oozyten-Penetrationstest zur Einteilung für IVF oder ICSI. Behandelte hatten bessere Motilität und progressive Motilität (p < 0,001); Befruchtung (p = 0,04), Embryoteilung (p = 0,01), chemische (p = 0,02) und klinische Schwangerschaften (p = 0,04) waren bei konventioneller IVF höher, bei ICSI nicht. Absolute Zahlen nennt der Abstract nicht.
  • Uehling 1978, randomisiert, idiopathische Infertilität [s177]. 38 Männer; niedrig dosiertes Kortison gegen niedrig dosiertes Schilddrüsenhormon. Schwangerschaft nach 7 von 33 Kortison-Zyklen gegen 4 von 30 Schilddrüsen-Zyklen (p = 0,5); mittlere Spermienzahl vor Behandlung 12,3 Mio./ml, danach 13 (Kortison) gegen 11,2 (Schilddrüse) Mio./ml (p = 0,4); Motilität 45 % gegen 43 % und 44 % (p = 0,7). Schwangerschaften hingen stärker mit den Ausgangszahlen zusammen als mit der Behandlungsart.

Zwischenfazit. Hendry 1990 [s154], Omu 1996 [s142] und Taiyeb 2017 [s97] fanden Vorteile; Haas 1987 [s157], Bals-Pratsch 1992 [s149], De Almeida 1985 [s162] und Grigoriou 1996 [s141] keine; Lähteenmäki 1995 [s144] fand einen Vorteil der Insemination gegenüber Prednisolon. Die Studien sind klein (10 bis 46 Paare, Ausnahme Taiyeb) mit uneinheitlichen Dosierungen, Antikörpernachweisen und Endpunkten. Die Übersichten urteilen entsprechend uneinheitlich: Silva et al. 2021 nennen Kortikosteroide die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen (Antikörper-Prävalenz 2,6 bis 6,6 % bei infertilen Männern) [s73]; Naz 2004 nennt die Verfahren teils nebenwirkungsreich, teuer, wenig wirksam oder widersprüchlich (Häufigkeit 9 bis 36 % je nach Zentrum) [s132]; Francavilla et al. 1999 beschreiben IUI als wirksam bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad, vor allem mit Kortikosteroid und Superovulation [s139]; de Almeida 1993 (französisch) schließt, Kortikosteroide dürften nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]; Shibahara et al. 2005 beschreiben eine befundabhängige Strategie (ICSI, zeitgesteuerter Verkehr oder IUI), ohne im Abstract Glukokortikoide zu nennen [s129]; Gupta et al. 2022 berichten über eine weltweite Umfrage zur Praxis [s65].

Nicht kontrollierte und retrospektive Studien bei Antikörpern

  • Hendry et al. 1981 [s175]. 45 Männer, Methylprednisolon 32 mg dreimal täglich je sieben Tage im Zyklus der Frau; 14 Partnerinnen (31 %) schwanger, stets mit deutlichem Abfall des Immobilisierungstiters; 3 von 54 Behandlungen (6 %) mit vorübergehend schweren, 14 (26 %) mit leichten Nebenwirkungen.
  • Hargreave und Elton 1982 [s171]. 34 Männer, Methylprednisolon oder Betamethason; 13 Schwangerschaften in 12 Monaten, gegenüber der erwarteten Rate signifikant erhöht; 63 % Nebenwirkungen; kein Zusammenhang zwischen Titerabfall und Schwangerschaft.
  • De Almeida und Jouannet 1981 [s174]. 14 Männer, Dexamethason 2 oder 3 mg/Tag über 13 oder 9 Wochen; Serum-Spermientoxizität und seminale Agglutinine fielen bei 67 und 58 % unter die Nachweisgrenze; bei zwei oligozoospermen Männern deutlicher Zahlenanstieg; Schwangerschaften bei drei Paaren.
  • Alexander et al. 1983, nicht randomisierte Kontrollstudie [s167]. 24 Behandelte (5 Frauen, 19 Männer) gegen 26 unbehandelte Kontrollen, Prednison; bei Männern keine Änderung von Spermienzahl, Motilität und normalen Formen, aber weniger immobilisierende (p ≤ 0,039) und agglutinierende (p ≤ 0,001) Antikörper; 11 Behandelte (45 %) gegen 3 Kontrollen (12 %) schwanger (p ≤ 0,025).
  • Hendry et al. 1986 [s159]. 76 Männer, Prednisolon 40 bis 80 mg an den Tagen 1 bis 10, bis zu neun Zyklen; 25 Partnerinnen (33 %) schwanger, mehr als doppelt so viele wie ohne Behandlung erwartet; die Hälfte mit leichten Nebenwirkungen.
  • Curtis et al. 1994, mit unbehandelter Vergleichsgruppe [s147]. 36 Männer, Prednisolon 5 mg dreimal täglich über drei Monate; Spermiendichte, normale Morphologie und Penetrationstest stiegen (p < 0,001), der Antikörpertiter fiel (p < 0,0001); 6 Schwangerschaften (17 %) gegen 3 (18 %) bei 17 Unbehandelten, also keine signifikante Verbesserung der Schwangerschaftsrate.
  • Sharma et al. 1995 [s145]. 48 Paare, Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10, dann 5 mg, über neun Monate; 12 Paare schwanger, kumulative Konzeptionsrate 30,2 %; hohe IgG-Konzentrationen am Anfang sagten Schwangerschaft voraus (p = 0,006, Sensitivität 33 %, Spezifität 93 %).
  • Ulcova-Gallová et al. 2000 [s138]. 696 Paare; orales Prednison oder Dexamethason über drei Monate; Serum-IgG-Agglutinine verschwanden bei 3 von 11 Männern und 4 von 15 Frauen, im Seminalplasma wurde IgG bei 57,8 % und IgA bei 38,9 % stark beeinflusst; keine Schwangerschaftszahlen im Abstract.
  • Aliyeva et al. 2007, Türkei, retrospektiv [s122]. 69 infertile Männer mit hohem MAR-Wert (Mittel 84 ± 0,2 %), 87 Behandlungen der assistierten Reproduktion (65 IUI, 18 ICSI, 4 IVF); 21 Männer (30,4 %) hatten vorher drei Monate lang Kortikosteroide erhalten. Schwangerschaften bei 15 Paaren: 5 nach IUI (6,1 %), 9 nach ICSI (50 %), 1 nach IVF (25 %). Von den 15 erfolgreichen Behandlungen hatten nur 6 vorher Kortikosteroide erhalten (42,86 % im englischen, 40 % im türkischen Abstract), entsprechend 28,5 % der Kortikosteroid-Gruppe; die Vorbehandlung beeinflusste das Ergebnis nicht (p > 0,05). Der Anteil rauchender Männer war bei Paaren mit Schwangerschaft 53 %, ohne Schwangerschaft 80 % (p < 0,05). Die Autoren schlagen direkte ICSI vor (Einschätzung der Autoren). Schwächen: retrospektiv, keine Angabe zu Dosis und Präparat, Verzerrung durch Indikation möglich.
  • Tsatsoulis und Shalet 1991, Fallbericht [s153]. Polyglanduläres Autoimmunsyndrom; Spermienzahl stieg unter Prednisolon von 4,5 auf 12 Mio./ml, Motilität von 0 auf 40 %; Schwangerschaft nach dem vierten Zyklus; drei Monate nach Therapieende war die Motilität wieder niedrig.
  • Zagarskikh et al. 2016, Russland [s103]. 45 Männer (21 bis 35 Jahre) und 30 Männer (36 bis 45 Jahre), Dexamethason 0,25 bis 1,5 mg/Tag; bei Hyperandrogenismus der Nebennieren nach Angabe der Autoren Besserung von Spermiogramm und Nebennierenhormonen, ohne Nebenwirkungen. Der Abstract nennt weder Vergleichsgruppe noch Zahlen.

Nach Vasektomie-Rückverlagerung und bei Anhangsdrüsenentzündung

Trost et al. 2025, iPRED-Studie, USA, randomisierte kontrollierte Studie [s33]. Männer nach Vasektomie-Rückverlagerung wurden im Verhältnis 1:1:1:1 auf vier Gruppen verteilt: Kontrolle ohne Prednison; Prednison hoch (20-mg-Ausschleichschema jeden zweiten Monat über drei Monate); Prednison nach Bedarf (bis zu drei Kurse bei sinkenden oder fehlenden Spermien); Prednison niedrig (5 mg täglich jede zweite Woche über sechs Monate). Die Gruppen „hoch" und „nach Bedarf" wurden vorzeitig beendet, weil Zwischenergebnisse niedrigere Schwangerschaftsraten zeigten. 75 Männer wurden eingeschlossen, 73 hatten Jahresdaten (Kontrolle 25, hoch 14, nach Bedarf 11, niedrig 23). Schwangerschaftsraten nach 12 Monaten: Kontrolle 65 %, niedrig 67 %, hoch 17 %, nach Bedarf 38 %. Die Durchgängigkeit nach 12 Monaten betrug insgesamt 99 % ohne signifikante Gruppenunterschiede; auch die medianen Spermienkonzentrationen unterschieden sich nicht (Monatsmediane 3 bis 42, Gesamtmediane der Gruppen 5 bis 16). Schlussfolgerung der Autoren: Hochdosiertes (20 mg) Prednison senke die Schwangerschaftsrate unabhängig von der Spermienkonzentration, dosisabhängig und noch Monate nach dem Absetzen; Dosen von 5 bis 20 mg beeinflussten die Spermienkonzentration nicht. Stärken: Randomisierung, Registrierung (NCT04788823), Schwangerschaft als harter Endpunkt. Schwächen: kleine Gruppen, vorzeitiger Abbruch zweier Arme, keine Konfidenzintervalle im Abstract, Verblindung im Abstract nicht genannt.

Machen et al. 2020, USA, retrospektive Kohorte [s75]. 89 Männer, bei denen wegen vermuteter Anastomosenobstruktion Prednison eingesetzt wurde (zwei Wochen 20 mg, dann zwei Wochen 10 mg täglich). Die Gesamtzahl motiler Spermien stieg im Mittel um 10,5 Mio. (p < 0,0002); nach bilateraler Vasovasostomie um 13,4 Mio. (p < 0,0012), nach Vasovasostomie mit Vasoepididymostomie um 6,2 Mio. (p < 0,014); bei durchgängigen Anastomosen kam es häufiger zur Besserung (76,9 % gegen 33,3 %, p < 0,003). Schwächen: keine Kontrollgruppe, Auswahl nach Verlauf, Regression zur Mitte.

White et al. 2024, USA, retrospektive Fallserie [s47]. 8 Männer mit mindestens 50 % Rückgang der Samenparameter nach Vasovasostomie (Einschluss 2016 bis 2023) erhielten sechs Wochen lang 5 mg Prednison. Die mediane Gesamtzahl motiler Spermien stieg von 0,15 (0 bis 1,3) auf 6 (1,1 bis 10,5) Mio.; relative Besserung im Median 433 % (241 bis 800); Konzentration 0,65 auf 6 Mio./ml; Motilität 11 auf 33 %; keine Nebenwirkungen berichtet. Schwächen: nur 8 Männer, keine Kontrollgruppe.

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen den Beobachtungsstudien [s75, s47] mit Zahlenanstiegen und der randomisierten Studie [s33], die keinen Zahlenvorteil und bei höherer Dosis weniger Schwangerschaften fand. Unkontrollierte Vorher-Nachher-Vergleiche sind für solche Verzerrungen anfällig (Einschätzung).

Milardi et al. 2017, Italien, randomisierte multizentrische Studie [s94]. 90 infertile Männer mit Oligozoospermie, normalem Hodenvolumen und normalem FSH, mit Ultraschallzeichen einer Anhangsdrüsenentzündung bei negativer Mikrobiologie; drei Gruppen mit Prednison 5, 12,5 oder 25 mg täglich über einen Monat. Bei 5 mg stieg die Gesamtspermienzahl signifikant; bei 12,5 mg Konzentration, Gesamtzahl und Motilität; bei 25 mg alle Parameter außer dem Volumen. Der Abstract nennt keine Größenordnungen der Änderungen. Schwächen aus dem Design: laut Abstract keine Placebo- oder Unbehandelten-Gruppe, kein Schwangerschaftsendpunkt, nur ein Monat Behandlung; die Autoren sprechen von einer ausgewählten Population.

Kongenitale Nebennierenhyperplasie, Sarkoidose, Rheuma und Autoimmunerkrankungen

Bei der kongenitalen Nebennierenhyperplasie ersetzt Glukokortikoid den fehlenden Nebennierenhormon-Ausgleich und unterdrückt das ACTH. Hier steht der Ausgleich einer Hormonerkrankung im Mittelpunkt, nicht die Wirkung des Kortisons auf gesunde Hoden.

  • Onishi et al. 2023, Fallbericht [s55]. 26 Jahre, 21-Hydroxylase-Mangel, hypogonadotroper Hypogonadismus und schwere Oligozoospermie; der Wechsel von Hydrocortison auf Dexamethason normalisierte Gonadotropine und Samenbefund; ICSI führte zu einer Lebendgeburt.
  • Mouritsen et al. 2010, Fallbericht [s120]. 30 Jahre, bilaterale testikuläre Nebennierenrest-Tumoren; Hydrocortison 10 mg einmal täglich wurde auf 10 mg dreimal täglich plus Dexamethason 0,1 mg einmal täglich umgestellt; die Spermienkonzentration stieg von 0,1 auf 98 Mio./ml, die Gesamtzahl von 0,64 auf 392 Mio., motile Spermien von 0,23 auf 258,72 Mio., normal geformte von 0,01 auf 19,6 Mio.; Tumorrückbildung.
  • Devoto et al. 2011, spanischsprachiger Fallbericht [s118]. 29-jähriger Mann mit Azoospermie und 21-Hydroxylase-Mangel; Betamethason führte zu normaler Hodenentwicklung und Normalisierung der Spermienzahl; zweimal Spontanvaterschaft.
  • Tanaka et al. 2018, Japan, zwei Patienten [s88]. Angeborenes adrenogenitales Syndrom mit Nebennierenrestgewebe im Hoden; unter oraler Glukokortikoid-Gabe besserte sich bei einem Patienten das Spermiogramm von Oligoasthenozoospermie zu Normozoospermie, beim anderen, ursprünglich azoospermen, traten Spermien im Ejakulat auf. Zahlen zu Konzentration oder Dosis nennt der Abstract nicht; erfolgreiche Einzelfälle werden eher veröffentlicht.
  • Wang Z et al. 2024, China, retrospektive Ultraschallstudie [s46]. 35 AGS-Patienten, 49 Spermiogramme. Der Läsions-Score im Ultraschall korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration (rs = −0,83; p < 0,001) und mit der progressiven Beweglichkeit (rs = −0,56; p < 0,001); die Fläche unter der ROC-Kurve betrug 0,94 für Oligospermie und 0,72 für Asthenozoospermie. Daten zur Glukokortikoid-Dosis nennt der Abstract nicht.
  • Canguven et al. 2013, Fallbericht [s109]. Nebenhoden-Sarkoidose mit schwerer Oligospermie: Eine sechsmonatige Kortikosteroidbehandlung in abnehmender Dosis löste das Granulom auf, die Spermienzahl stieg in den Normbereich.
  • Rees et al. 2004, Fallbericht [s133]. Hodensarkoidose mit Azoospermie: Hochdosierte Kortikosteroide senkten FSH und LH, erhöhten Testosteron und erlaubten Spermien-Banking.
  • Salama et al. 2019, Fallbericht [s83]. Ein 23-jähriger Mann mit kontrollierter Adult-onset-Still-Krankheit unter Prednisolon, Methotrexat, Folsäure und Vitamin D3 hatte normale Fortpflanzungshormone und Samenparameter.
  • Grunnet et al. 1977, Dänemark [s178]. Zehn Männer mit schwerer Psoriasis unter topischen Kortikosteroiden gegen zehn unter Methotrexat über ein bis neun Jahre: kein ungünstiger Effekt unter Methotrexat; die Samenanalyse war in der Methotrexat-Gruppe häufiger normal (p = 0,04); auffallend viele Ejakulate beider Gruppen hatten verminderte Qualität, was die Autoren auf Psoriasisherde im Genitaltrakt zurückführen.
  • Cao et al. 2006, China, Querschnittsvergleich [s123]. 15 gesunde fertile Männer und 37 Nierentransplantierte, die alle Prednison erhielten, 20 unter Tacrolimus (FK506) mit Mycophenolat-Mofetil, 17 unter Ciclosporin A mit Azathioprin. Vitalität 81,7 ± 5,7 %, 79,4 ± 6,8 % und 83,8 ± 6,0 % (FK506, Ciclosporin, Kontrolle; p > 0,05). Der Anteil abnormer Spermien (67,8 ± 5,7 % gegen 80,1 ± 5,6 %) war in der FK506-Gruppe niedriger, die progressive Beweglichkeit (46,4 ± 8,1 % gegen 33,3 ± 6,4 %) höher als in der Ciclosporin-Gruppe (p < 0,05). Alle 37 Patienten erhielten Prednison; die Studie vergleicht Calcineurin-Inhibitor-Schemata und kann einen Prednison-Effekt weder belegen noch ausschließen. Der englische Abstract ist die einzige abgerufene Fassung des chinesischsprachigen Artikels.
  • Waters et al. 2020, Hongkong, Fallbericht [s78]. Ein 33-jähriger Mann mit systemischem Lupus erythematodes unter Prednisolon und einem Immunsuppressivum (zuvor Cyclophosphamid, letzte Dosis im April 2016). Drei Spermiogramme nach 2, 4 und 7 Tagen Karenz: Volumen 0,5, 0,7 und 1,0 ml; Vitalität 84 %, 63 % und 33 %; Beweglichkeit 28 %, 18 % und 15 %; nur die Probe nach vier Tagen hatte eine ausreichende Konzentration (37,3 Mio./ml). Die Studie untersucht die Karenzzeit, nicht Prednisolon; der Prednisolon-Anteil lässt sich nicht herauslösen, Cyclophosphamid gilt als gonadotoxisch.
  • Kukhtevich et al. 1991, Sowjetunion [s152]. Pathospermie unter Immunsuppressiva bei Glomerulonephritis (Gruppe I) und rheumatoider Arthritis (Gruppe II); fünf von sechs Patienten der Gruppe I und alle der Gruppe II waren azoosperm. Unter Zink und Bromocriptin besserte oder normalisierte sich die Spermatogenese bei je zwei Patienten beider Gruppen; von den acht Nichtansprechern erhielten sieben Glukokortikoide und Zytostatika, von den vier Ansprechern zwei Zytostatika. Die Studie trennt Glukokortikoid- und Zytostatika-Wirkung nicht und ist ein schwacher Hinweis.
  • Mazo et al. 1989, Sowjetunion [s155]. 55 Patienten mit linksseitiger Varikozele; der Abstract berichtet eine Tendenz zur Hypersynthese von Aldosteron und Cortisol und eine Korrelation zwischen dem Cortisolspiegel im peripheren Blut und dem Anteil von Spermien mit abnormer Kopfstruktur. Es geht um endogenes Cortisol; Korrelationskoeffizienten stehen nicht im Abstract, und eine Ursächlichkeit ist aus einer Korrelation nicht ableitbar (Einschätzung).

Zusammenfassende Arbeiten: Kaltsas et al. 2024 berichten, niedrig dosierte Kortikosteroide zeigten als empirische Therapie variable Ergebnisse [s41]. Drobnis und Nangia 2017 beschreiben gemischte Ergebnisse bei Antikörpern und empirischer Behandlung (Besserung, keine Änderung, negative Effekte); bei Langzeitprednison wegen chronischer Entzündung war in vielen Beobachtungsstudien das Testosteron niedriger als bei Unbehandelten, randomisierte Studien fehlen; Dexamethason senkte in Affen-, Ratten-, Rinder-, Schaf- und Pferdeversuchen das Testosteron [s92]. Ding et al. 2017 halten fest, dass FDA-Beipackinformationen mehrere Entzündungshemmer als spermatogenesebeeinflussend nennen, was die begutachtete Literatur nicht stütze [s91]. Yessirkepov et al. 2024 zitieren eine Studie an Männern mit rheumatoider Arthritis, in der die Steroidgruppe zusätzlich zu erhöhten FSH- und LH-Werten ein erniedrigtes Testosteron hatte; hochdosierte Kortikosteroide könnten die Achse stören, es gebe jedoch nicht genug Daten für einen Einfluss auf die Fertilität [s48]. Für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen betonen zwei Übersichten Sulfasalazin als fertilitätsbeeinflussend und nennen Glukokortikoide in den Abstracts nicht einzeln [s101, s77].

Tierversuche zur schädigenden Wirkung bei erwachsenen Tieren

  • Katze, Andrews et al. 2022 [s62]. 16 Tiere, Prednisolon 1 mg/kg/Tag über 50 Tage: mehr morphologisch abnorme Spermien im Caput (72,5 % gegen 59,6 %, p < 0,001) und in der Cauda des Nebenhodens (56,7 % gegen 35,8 %, p < 0,001); Motilität und Testosteron unverändert; weniger Sertoli-Zellen pro Tubulus (17,1 ± 0,9 gegen 19,7 ± 0,8, p = 0,04) bei mehr apoptotischen Sertoli-Zellen (0,25 ± 0,02 gegen 0,10 ± 0,02, p < 0,001).
  • Maus, Chaimontri et al. 2025 [s23]. Dexamethason 4 mg/kg über 21 Tage (Stressmodell): geringere Spermienqualität, vor allem progressive Motilität, Hodenschäden, mehr Caspase 3 und 9.
  • Maus, Sadeghzadeh et al. 2019 [s82]. Dexamethason 7 mg/kg/Tag über 7 Tage: mehr Malondialdehyd und Leydig-Zell-Apoptose, weniger Motilität, tägliche Spermienproduktion und Serum-Testosteron; Vitamin C (100 mg/kg/Tag) verhinderte die Schäden weitgehend.
  • Maus, Abouzaripour et al. 2024 [s38]. 40 Mäuse in vier Gruppen; Dexamethason 5 mg/kg intraperitoneal über 7 Tage. Anteil normaler Tubuli 81,93 ± 0,82 (Kochsalz), 46,32 ± 0,94 (Dexamethason), 60,54 ± 1,91 (mit Nigella-sativa-Öl) und 83,97 ± 0,73 % (Nigella allein); die Zuordnung ist wegen einer verschobenen Tabelle im Volltext nicht vollständig gesichert. Johnsen-Score unter Dexamethason geringer (p < 0,05), Embryobildung nach In-vitro-Fertilisation niedriger (p < 0,05). Die Studie testet eine Schutzsubstanz; Dexamethason ist die Schadensgruppe.
  • Maus, Ren et al. 2021 [s72]. Corticosteron im Trinkwasser über vier Wochen: deutlich höheres Serum-Corticosteron, signifikant niedrigeres Testosteron, geringere Spermienzahl, mehr Teratozoospermie, mehrkernige Riesenzellen, apoptotische Keimzellen; in Sertoli-Zellen verminderte Phagozytose und gestörter Laktatstoffwechsel, ein Inhibitor der Pyruvat-Dehydrogenase-Kinase 4 stellte die Phagozytose wieder her. Dosis und Gruppengrößen stehen nicht im Abstract; das Modell gleicht eher einem Stressmodell als einer Therapie.
  • Maus, Chihara (Niigata) 2019, Projektbericht [s81]. Dexamethason 1 mg/kg von Tag 1 bis Tag 5; Hodengewebe 14, 35 und 60 Tage danach; Kontrolle ohne Medikament. Kein Unterschied der Samenbefunde, keine signifikant andere Blastozystenrate nach In-vitro-Fertilisation an Tag 60, keine signifikanten Unterschiede der Färbung des Glukokortikoidrezeptors und von BCL2. Das ist einer der wenigen Nullbefunde, mit funktioneller Prüfung; Schwächen: Projektbericht ohne Begutachtung, keine Gruppengrößen oder Statistik, kurze Gabe, eine Dosis.
  • Ratte, Silva et al. 2014 [s108]. Die Entfernung der Nebennieren senkte Hoden-Spermienzahl und tägliche Spermienproduktion schon nach zwei Tagen; Dexamethason 5 µg/kg über sechs Tage verhinderte den Zahlenverlust, aber nicht die Hodenschäden. Ein Mangel an Glukokortikoiden kann in diesem Modell also ebenfalls schaden.
  • Ratte, Aziz et al. 2024 [s39]. 40 Ratten in acht Gruppen (n = 5 je Gruppe laut Tabelle); Dexamethason 7 mg/kg subkutan dreimal wöchentlich über einen Monat. Kontrolle gegen Dexamethason: Testosteron 2,62 ± 0,061 gegen 1,05 ± 0,029 ng/ml (p < 0,01); individuelle Beweglichkeit 84,60 ± 1,72 gegen 55,60 ± 1,36 %; Konzentration 14,20 ± 0,86 gegen 4,40 ± 0,51 Mio./ml; Spermienanomalien 10,00 ± 0,71 gegen 30,80 ± 1,28 %; Endkörpergewicht 272,00 ± 16,85 gegen 176,00 ± 4,00 g. Nano-Propolis und konventionelles Ginseng hoben die Veränderungen weitgehend auf. Starker Gewichtsverlust: Der Effekt kann zum Teil Folge der Allgemeinbelastung sein (Einschätzung).
  • Ratte, Öztürk et al. 2026 [s13]. 35 Wistar-Ratten in fünf Gruppen zu je sieben; Dexamethason 7 mg/kg/Tag intraperitoneal über 7 Tage. Beeinträchtigt waren Spermienbeweglichkeit, -konzentration und Kapazitation, der Gesamt-Antioxidationsstatus sank, der Gesamt-Oxidationsstatus stieg, histologisch zeigten sich vermehrte Kollagenablagerung und verminderte spermatogene Aktivität; reduziertes Glutathion schwächte die Veränderungen ab. Zahlen stehen nicht im Abstract.
  • Ratte, Sur et al. 2023 [s59]. 32 Ratten in vier Gruppen zu je acht; Methylprednisolon 60 mg/kg intraperitoneal als Einmalgabe an Tag 7. Futteraufnahme −24,14 %; im Hoden erhöhte Bcl-2 und TNF-alpha, vermindertes Caspase-3 (p < 0,001). Die Richtung der Spermienkonzentrationsänderung nennt der Abstract nicht; sehr hohe Einmaldosis mit allgemeiner Toxizität, Fokus auf einer Schutzsubstanz, daher nur als schwacher Hinweis.
  • Ratte, Arthritis-Modelle [s05, s12]. Bei Adjuvans-Arthritis fielen Hodengewichte, Tubulusdurchmesser und Testosteron; Prednisolon allein oder mit INSL3 brachte bei arthritischen Ratten teilweise Besserung (Coskun et al. 2026, 7 Gruppen, Gruppengröße nicht im Abstract) [s05]. Bei Mäusen (36 Tiere, sechs Gruppen, Prednisolon 10 mg/kg intraperitoneal) senkte Prednisolon Entzündungsmarker, kehrte aber die strukturellen Hodenschäden nicht um (Kaya et al. 2026) [s12]. Erkrankung und Medikament sind hier nicht trennbar.
  • Ratte, Modell der Antikörperbildung, Zaki et al. 2023 [s60]. 72 Ratten in sechs Gruppen zu je zwölf nach Hodenpunktion; Dexamethason 2,25 mg/kg intramuskulär zweimal wöchentlich über drei Wochen senkte den Antikörperindex in keiner Woche signifikant gegenüber der Positivkontrolle, während Azathioprin (20 mg/kg) ihn in Woche 2 und 4 signifikant senkte (p ≤ 0,001); histologisch multifokale Rupturen und schwere Schäden in vielen Samenkanälchen unter Dexamethason. Ein Rückschluss auf die Humanstudie von Omu [s142] ist wegen verschiedener Modelle, Substanzen und Dosen nicht möglich.
  • Kaninchenbock, El-Azzazi et al. 2026 [s07]. 16 Kaninchenböcke (vier je Gruppe); Dexamethason 1, 2 oder 3 mg/kg intramuskulär über sieben Tage, danach zwei Wochen Erholung. Dosisabhängig verringert waren Gewichtszunahme, Testosteron, Sexualverhalten und Samenqualität; Spermienausstoß pro Milliliter und pro Ejakulat war in allen drei Gruppen signifikant vermindert (p ≤ 0,05). In der Erholungsphase näherte sich die 1-mg/kg-Gruppe dem Kontrollniveau, die Gruppen mit 2 und 3 mg/kg blieben signifikant darunter. Die Autoren verstehen Dexamethason ausdrücklich als Stressmodell.
  • Schafbock, Ozer Kaya et al. 2020 [s76] und Gür et al. 2005 [s128]. Dexamethason 0,25 mg/kg senkte bei 10 Böcken Ejakulatvolumen, Dichte und Motilität und erhöhte abnorme Spermien [s76]; ähnlich bei 14 Böcken (Konzentration p < 0,01, Volumen p < 0,05) [s128]. Tsantarliotou et al. 2002: Die Akrosinaktivität sank an den Tagen 7 bis 28 nach 3 mg/kg bei niedrigerem Testosteron [s136].
  • Bulle, Barth et al. 1994 [s146]. 8 Bullen (20 mg/Tag über sieben Tage; Studie mit 20 Tieren): Testosteron fiel und Spermiendefekte stiegen, ähnlich wie nach Skrotalisolierung, mit Erholung nach sechs Wochen.
  • Hund, Hatamoto et al. 2006 [s124]. 18 Hunde, 0,01 mg/kg/Tag über sieben Tage: das Ejakulatvolumen sank und die Lipidperoxidation im Seminalplasma stieg.
  • Maus, väterliche Exposition, Short et al. 2016 [s102]. Erhöhte väterliche Corticosteron-Exposition über vier Wochen veränderte die kleinen RNA im Sperma (miR-98, miR-144, miR-190b erhöht) und das Angstverhalten der Nachkommen.

Tierversuche zur vorgeburtlichen und frühen Exposition

Alle diese Arbeiten betreffen Nachkommen behandelter Muttertiere oder Neugeborene, nicht erwachsene Männer, die selbst Glukokortikoide einnehmen. Die Modelle bilden die in der Geburtshilfe übliche vorgeburtliche Glukokortikoid-Gabe nach; dass die Wirkung auf den Menschen übertragbar ist, zeigen sie nicht. Die sieben Arbeiten der Wuhan-Gruppe nutzen dasselbe Grundmodell; eine unabhängige Replikation durch andere Gruppen fehlt in den abgerufenen Quellen.

ArbeitTier, Dosis, ZeitfensterWichtigste Befunde laut Abstract
Liu M et al. 2018 [s86]Ratte; 0,2 und 0,8 mg/kg/Tag, Trächtigkeitstag 9 bis 20; Zellversuch mit 20, 100, 500 nMAbnorme Hodenmorphologie vom Tag 20 der Trächtigkeit bis zur 12. Lebenswoche; Serum- und intratestikuläres Testosteron und StAR vermindert; im fetalen Hoden GR und HDAC7 erhöht
Liu Y et al. 2022 [s67]Ratte; 0,2 mg/kg/Tag, Tag 9 bis 20; F1 bis F3Beim F1-Fetus Testosteron und StAR erniedrigt, gleichgerichtete Veränderungen in F1- und F3-Hoden; Wirkung über den Glukokortikoidrezeptor
Liu Y et al. 2023 [s54]Ratte; 0,1; 0,2; 0,4 mg/kg/Tag, Tag 9 bis 20; F1 und F2F1 nach der Geburt geringere Spermienzahl und Beweglichkeit, höhere Missbildungsrate; F2-Feten geringere Körperlänge und Gewicht
Liu Y et al. 2024 [s43]Ratte; 0,1; 0,2; 0,4 mg/kg/Tag subkutan, Tag 9 bis 20; Woche 12 und 28Spermienqualität signifikant vermindert, Blut-Hoden-Schranke gestört; in menschlichen Proben Korrelation der Epigenom-Marker mit dem Testosteron im fetalen Blut
Kong et al. 2025 [s28]Maus; 0,2; 0,4; 0,8 mg/kg/Tag, Tag 14 bis 15 oder 16 bis 17Beeinträchtigung der Sertoli-Zell-Funktion, besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe; Leydig-Zellen und Spermatogonien nicht signifikant verändert
Jin et al. 2026 [s11]Ratte; 0,4 mg/kg zweimal täglich, Trächtigkeitstag 18 bis 19Subfertilität der männlichen Nachkommen, Blockade des autophagischen Flusses in Spermatogonien; Rettung durch ML-SA1 oder CTSL-Überexpression
Wang KW et al. 2026 [s18]Maus; Prednison per Schlundsonde, Tag 0 bis 17Verminderte Spermienzahl und Subfertilität erwachsener Nachkommen, Hemmung der Spermatogonien-Proliferation, E2f1 herunterreguliert

Zu Liu Y 2024 [s43]: Die menschliche Teilstudie stützt nur eine Korrelation zwischen Epigenom-Markern und fetalem Testosteron, keine Wirkung auf Spermien. Dosis und Zahlenwerte stehen bei den meisten Abstracts nicht. Jaussan et al. fanden für Spironolacton ein verwandtes pränatales Muster (siehe oben) [s163]. Wang KW et al. bezeichnen Prednison als weit verbreitetes synthetisches Glukokortikoid und aufkommenden Umweltschadstoff; die Aussage, dass Prednison beim Menschen die Spermien der Söhne schädigt, ist aus der Studie nicht ableitbar [s18].

Neonatale Exposition, Miyaso et al. 2022 [s68]: ICR-Mäuse erhielten vom 1. bis 10. Lebenstag subkutan Corticosteron (0,36; 3,6 und 36 mg/kg). Am Lebenstag 10 sank der Durchmesser der Samenkanälchen in der niedrigen und hohen Dosisgruppe (91,76 ± 1,76 Kontrolle; 77,95 ± 1,55 niedrig, p < 0,001; 94,31 ± 1,61 mittel; 79,81 ± 1,69 µm hoch, p < 0,001) und die Höhe des Keimepithels (41,19 ± 0,74; 35,49 ± 0,91, p < 0,001; 44,23 ± 1,08, p < 0,01; 36,2 ± 0,81 µm, p < 0,001); die Zahl der Sertoli-Zellen war an Tag 10 und 16 in der niedrigen und mittleren Dosisgruppe signifikant erniedrigt. Am Lebenstag 70 (nur niedrige Dosis untersucht) waren Hodengewicht, Sertoli-Zell-Zahl und Spermienzahl signifikant geringer. Ein mit der Dosis steigender Effekt liegt nicht vor; die Spermienzahl wurde nur an einer Dosisgruppe und nur grafisch berichtet. Die Folgestudie Miyaso et al. 2025 [s30] (Corticosteron 0,36 mg/kg und/oder der Glukokortikoidrezeptor-Antagonist RU 486 0,0006 mg/kg, Tag 1 bis 10; 12 Proben je Gruppe) fand am Tag 10 weniger Sertoli-Zellen und mehr p27-positive Sertoli-Zellen in der Corticosteron-Gruppe; RU 486 hob diesen Effekt auf, verringerte aber allein unerwartet die Sertoli-Zell-Zahl. Corticosteron ist das körpereigene Nagetier-Glukokortikoid und nicht Prednison oder Dexamethason.

Zellkulturen und endogene Glukokortikoide

Zhang et al. 2019 [s84]: In einer Hodenkanälchenkultur nach chemischer Leydig-Zell-Beseitigung hemmte Dexamethason (0 bis 100 nM) die Differenzierung der Stammzellen der Leydig-Linie zu testosteronbildenden Zellen über den Glukokortikoidrezeptor und senkte konzentrationsabhängig das Testosteron im Medium. Zwei Arbeiten zu chronischem Stress (Zwangsschwimmen bei Ratten, Restraint-Stress bei Mäusen) beschreiben Spermatogenesestörungen bei erhöhtem körpereigenem Corticosteron; in diesen Modellen verändert Stress viele Größen gleichzeitig, sodass die Einzelwirkung nicht isoliert ist [s21, s32].

Das Gegenstück: Glukokortikoide im Konservierungsmedium und nach Hodentorsion

Die folgenden Befunde zeigen eine gegenläufige Richtung, wenn ein Glukokortikoid eingesetzt wird, um Entzündungsreaktionen zu dämpfen. Sie beziehen sich auf Tierspermien in vitro beziehungsweise auf Rattenhoden nach Torsion, nicht auf Menschen; ein Rückschluss auf systemisch eingenommene Glukokortikoide beim Mann ist unzulässig.

  • Methylprednisolon im Eber-Medium, Li Y et al. 2023 [s53]. Beste Konzentration 2 × 10⁻⁷ mol/ml; Beweglichkeit am Tag 5 bei 17 °C 57,33 ± 1,56 % gegen 46,87 ± 1,74 % der Kontrolle; höhere Konzentrationen (4 und 6 × 10⁻⁷) hatten am Tag 5 nicht mehr den vollen Effekt.
  • Dexamethason im Eber-Medium, Li JC et al. 2023 [s52]. 1 × 10⁻⁶ mol/ml erhielt am besten; höhere Konzeptionsrate bei Sauen und größere Wurfgröße berichtet; Zahlen nicht im Abstract.
  • Dexamethason plus Azithromycin im Ziegenspermien-Medium, Xu et al. 2025 [s34]. 20 µg/ml Dexamethason bei 30 µg/ml Azithromycin war optimal; Beweglichkeit, Membran- und Akrosomintegrität verbesserten sich.
  • Hodentorsion bei der Ratte, Li HC et al. 2013 und 2014 [s110, s106]. 80 Ratten in vier Gruppen zu je 20 (2013) und 100 Ratten in vier Gruppen zu je 25 (2014). Apoptoseindex im torquierten Hoden 2013: Normaltemperatur plus Kochsalz 31,12 ± 4,68; Hypothermie plus Kochsalz 16,58 ± 6,22 (p < 0,05); Hypothermie plus Dexamethason 8,60 ± 1,15 (p < 0,01); Normaltemperatur plus Dexamethason 13,52 ± 3,06 (p < 0,01) [s110]. 2014: 33,13 ± 3,21 %; 17,12 ± 5,23 %; Dexamethason bei Normaltemperatur 14,13 ± 2,03 %; Kombination 9,05 ± 1,03 % [s106]. Der Beitrag des Dexamethasons allein ergibt sich nur aus dem Gruppenvergleich; zur Verblindung der Auswertenden fehlen Angaben.

Zwischenbilanz Glukokortikoide. Am Menschen existiert keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie (zum Beispiel Asthma, Rheuma). Die menschlichen Behandlungsstudien betreffen ausgewählte Erkrankungen und zeigen kein einheitliches Bild; die jüngste randomisierte Studie fand bei höherer Prednisondosis niedrigere Schwangerschaftsraten [s33]. Die Tierversuche mit erwachsenen Tieren zeigen bei hohen Dosen einheitlich Beeinträchtigungen, sind aber teils nicht von allgemeiner Belastung zu trennen; die vorgeburtlichen und neonatalen Modelle betreffen Nachkommen. Die Wirkrichtung hängt vom Kontext ab (Entzündung und Ischämie gegenüber Dauer-Exposition).

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Aufbau und Lesehinweise bis Spironolacton
  6. Glukokortikoide bis Erkrankungen als Störgröße: Asthma und Autoimmunerkrankungen
  7. Auswertungen über mehrere Wirkstoffe: Querschnitt, Meldedaten, Verordnungsdaten und Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Wie dieses Kapitel gelesen werden sollte bis Spironolacton
  9. Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)
  10. Antihistaminika
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Chinesisch
  14. Japanisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle