Dieses Kapitel geht die Literatur nach Sprachräumen durch. Es fragt für jeden Raum, welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften es gibt, was regional auffällt, welche Datenbanken erreichbar waren und wo die Literatur so dünn ist, dass sich nichts Eigenes sagen lässt. Es enthält keine Therapieempfehlung. Es berichtet, was die Studien gemessen haben, und benennt, wo ihre Aussagekraft endet.
Drei Lesehinweise vorab. Erstens beruht die Zuordnung einer Arbeit zu einem Sprachraum auf der Herkunft der Autoren und auf der Publikationssprache; in der Quellenliste kann eine Arbeit mehreren Räumen zugeordnet sein, zum Beispiel eine türkische Studie in englischer Sprache. Zweitens ist die Publikationssprache vieler Arbeiten Englisch, auch wenn sie aus der Türkei, Ägypten, Japan, China oder Brasilien stammen; die Sprachräume bilden also eher Forschungsstandorte als eigene Literaturen ab. Drittens wurden in allen Räumen nur Quellen aufgenommen, deren Abstract oder gleichwertiger Text tatsächlich abgerufen wurde. Wo nur der Titel erreichbar war, steht das ausdrücklich dabei, und die Arbeit ist nicht als Beleg gezählt. Zitiert wird mit den Kennungen der Quellenliste, zum Beispiel [s14]. Bei Originaltiteln in anderen Sprachen als Englisch und Deutsch folgt die deutsche Übersetzung in Klammern; bei deutschsprachigen Arbeiten führt die Datenbank PubMed teils nur einen englischen Titel, was jeweils vermerkt ist.
Englisch
Gewicht der Sprache. Englisch ist die Sprache der Fachzeitschriften, in denen fast alle hier ausgewerteten Studien erschienen sind. In der Quellenliste tragen 139 von 182 Arbeiten die Kennung Englisch; mehrfach vergebene Kennungen sind dabei möglich. Das gilt auch für die Arbeiten aus der Türkei, dem Iran, Ägypten, Japan, Indien, Brasilien und Kolumbien, die in englischsprachigen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Wer also „die englische Literatur" meint, meint in dieser Studie im Kern „die internationale Literatur". Eigene Kohorten und Register des englischsprachigen Raums im engeren Sinn gibt es nur wenige; die meisten Belege sind Beobachtungsstudien einzelner Zentren, kleine Behandlungsstudien und Tierversuche.
Leitlinien. Die wichtigste englischsprachige Leitlinie ist die der American Urological Association und der American Society for Reproductive Medicine zur männlichen Infertilität von 2024 [s40]. Sie hält fest, dass Risikofaktoren aus Lebensstil, Medikamenten, Umwelt und Beruf angesprochen werden dürfen, dass die Daten bei den meisten Faktoren aber begrenzt sind (bedingte Empfehlung, Evidenzgrad C). Für die Arzneimittel ihrer Tabelle 8 bewertet sie die Evidenz als niedrig; keines außer Finasterid hatte eine signifikante Wirkung, und für Finasterid wird eine dosisabhängige Verminderung des Ejakulatvolumens genannt. Anabole Steroide und exogenes Testosteron unterdrücken bei Anwendung die Spermatogenese. Im abgerufenen Webtext kommen Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide nicht vor; Stress wird bei niedriger Evidenz mit einer kleinen Abnahme der progressiven Motilität in Verbindung gebracht. Zugleich rät die Leitlinie, Tests auf Antispermien-Antikörper nicht in die Erstabklärung aufzunehmen (Expertenmeinung); das ordnet die Glukokortikoid-Studien zu diesen Antikörpern als überwiegend historisch ein [s40]. Die Leitlinie der European Association of Urology zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit [s06], deren Webtext von rund 2,3 MB per Textsuche ausgewertet wurde, nennt Glukokortikoide nur in den Ursachentabellen des Hypogonadismus-Kapitels: als Cushing-Syndrom, als Medikamentengruppe neben Opiaten und GnRH-Analoga unter den Ursachen hypogonadotroper Störungen und unter den Arzneimitteln, die das sexualhormonbindende Globulin senken. Die Blockade des Androgenrezeptors durch steroidale Antiandrogene, Cyproteronacetat und Spironolacton wird unter Androgenresistenz aufgeführt. Das sind Ursachenlisten, keine Aussagen über Spermienzahlen; Isotretinoin und Antihistaminika erscheinen in dem Text nicht [s06].
Übersichten und Metaanalysen. Die zentrale Zusammenfassung zu Isotretinoin ist die systematische Übersicht mit Metaanalyse von Panunzio und Mitarbeitern 2026 [s14]: sechs klinische Studien mit 225 Männern, davon drei Kohorten mit Hautpatienten und normaler Ausgangsfertilität (n = 167) und drei Kohorten mit Infertilitätspatienten unter niedrig dosiertem Isotretinoin (n = 58). In den Dermatologie-Kohorten stieg die Spermienkonzentration im Mittel um 1,77 Mio./ml (p = 0,028) und die Vitalität um 3,74 % (p = 0,009); für progressive Motilität (+4,12 %) und normale Morphologie (+1,13 %) fanden sich nicht signifikante Trends. Keine der Studien berichtete eingeschränkte Fertilität oder eine neu aufgetretene sexuelle Funktionsstörung; die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als gering bis moderat ein [s14]. Eine begleitende Übersicht der Gruppe, die die Pilotstudien zu Isotretinoin bei Azoospermie durchgeführt hat, nennt Besserungen bei 25 bis 40 % der Männer mit Reifungsarrest und betont, dass größere Studien nötig sind [s03]; dass die Autoren die Pilotstudien selbst durchgeführt haben, ist beim Lesen mitzudenken. Breitere Übersichten sind die systematische Arbeit von Jebli und Mitarbeitern 2026 mit 16.310 Treffern und 184 eingeschlossenen Studien aus den Jahren 2016 bis 2025 [s10], die Übersicht von Semet 2017 [s96] und die Zusammenfassung von Samplaski und Nangia 2015 [s104]. In den Abstracts von [s10] und [s96] stehen unter den schädlichen Wirkstoffen unter anderem Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide und GnRH-Analoga; die vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen stehen dort nicht. Die dermatologischen Übersichten [s111, s98, s66] stützen sich nach ihren Abstracts auf einzelne Fallberichte und wenige Studien; die Übersicht von Hui 2022 wertete 234 Studien zu 131 Arzneimitteln aus, von denen 34 mit männlicher Infertilität und sexueller Funktionsstörung verbunden wurden, ohne dass der Abstract Einzelsubstanzen nennt [s66]. Eine Untersuchung der Beipackinformationen der FDA findet mehrere Entzündungshemmer als spermatogenesebeeinflussend aufgeführt, was die begutachtete Literatur nach dem Abstract nicht stützt [s91].
Kohorten und Register. Die größte populationsbasierte Quelle zu Isotretinoin ist die Danish Young Men Study; sie stammt aus Dänemark und wird hier wegen der Publikationssprache im englischen Raum geführt. In dieser Querschnittsstudie (Medianalter 19 Jahre) wurden 322 Isotretinoin-Anwender mit 4.065 Nichtanwendern verglichen; die Samenparameter lagen bei Anwendern nicht signifikant niedriger (Konzentration 41 gegen 45 Mio./ml, Gesamtzahl 125 gegen 145 Mio.), während FSH niedriger, der Inhibin-B/FSH-Quotient höher und das Östradiol höher lagen. Die Arbeit ist ein nicht begutachteter Preprint; ihr Ex-vivo-Teil an menschlichem Hodengewebe und ein Reportergentest ergänzen den Befund [s04]. Aus derselben Kopenhagener Abteilung (Rigshospitalet, Abteilung für Wachstum und Fortpflanzung) stammt eine Auswertung von 6.177 jungen Männern, von denen 656 (10,6 %) ärztlich diagnostiziertes Asthma angaben: Der adjustierte Koeffizient für die Gesamtzahl der Spermien betrug −0,18 (95-%-KI −0,33 bis −0,04), für die Konzentration −0,09 (−0,18 bis 0,01); die Daten betreffen die Erkrankung, nicht die Medikamente [s56]. Zwei weitere Arbeiten derselben Abteilung fanden bei 696 Männern keinen Zusammenhang zwischen Haarcortisol und Hodenfunktion [s69] und bei 893 Männern einen Zusammenhang der Glukokortikoidrezeptor-Variante BclI mit besserer Samenqualität, den die Autoren als hypothesengenerierend bezeichnen [s95]. Die zweite große Datenquelle ist eine beschreibende Auswertung US-amerikanischer Versicherungsdaten (Arbeitsgruppe an der Harvard T.H. Chan School of Public Health) zu Medikamenten, die Väter rund um die Empfängnis erhielten: 0,02 % der Väter lösten in den 90 Tagen vor der Empfängnis Isotretinoin ein, Fluticason gehörte mit 2,70 % zu den häufigsten Medikamenten; Fertilitätsfolgen wurden nicht gemessen [s44]. Eine retrospektive Querschnittsstudie aus einer niederländischen Einrichtung (Isala, Zwolle) mit 7.438 Männern (722 mit Medikation, 6.716 ohne) nennt im Abstract Metformin, Metoprolol und Lisinopril, nicht die vier hier untersuchten Gruppen, und versteht sich selbst als hypothesengenerierend [s24]. Ein eigenes Register, das Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin oder Spironolacton mit Samenparametern verknüpft, wurde in keinem englischsprachigen Land gefunden.
Klinische Studien aus den USA und Kanada. Die einarmige Pilotstudie von Amory 2017 behandelte 19 infertile Männer mit Isotretinoin (20 mg zweimal täglich über 20 Wochen): Die mediane Konzentration stieg von 2,5 auf 3,8 Mio./ml (p = 0,006), es gab sechs Schwangerschaften, drei davon spontan [s89]. Die Serie von Jessup 2025 mit 30 Männern, überwiegend azoosperm, fand bei 11 von 30 (37 %) verlässliche ejakulierte motile Spermien [s26]; ein Fallbericht beschreibt eine Spontanschwangerschaft nach erfolgloser Hodenextraktion und sechs Monaten Isotretinoin [s25]. Das sind Behandlungsstudien an infertilen Männern und keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer. Für Glukokortikoide ist die randomisierte iPRED-Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung der aktuellste kontrollierte Beleg: 75 Männer in vier Gruppen, Schwangerschaftsraten nach 12 Monaten in der Kontrollgruppe 65 %, bei niedrig dosiertem Prednison 67 %, bei hochdosiertem 17 % und bei Prednison nach Bedarf 38 %; zwei Arme wurden vorzeitig beendet [s33]. Zwei retrospektive Auswertungen zeigten nach Prednison einen Anstieg der motilen Spermien (89 Männer: +10,5 Mio. [s75]; 8 Männer: Median 0,15 auf 6 Mio. [s47]), ohne Kontrollgruppe. Aus Kanada stammt die größte Hodenhistologie unter Spironolacton: Von 287 trans und geschlechtsdiversen Personen unter Östrogen hatten bei Cyproteronacetat 8,7 %, bei Spironolacton 53,3 % noch aktive Spermatogenese; Spironolacton wurde dabei nie allein gegeben [s20]. Eine US-Kohorte mit 85 Transfrauen unter Östrogen und Spironolacton fand in 8,2 % der Präparate aktive Spermatogenese [s74].
Klassische Behandlungsstudien zu Antispermien-Antikörpern. Der englischsprachige Raum trägt die gesamte kontrollierte ältere Literatur zu Glukokortikoiden bei Antispermien-Antikörpern: die placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Methylprednisolon an 43 Männern, die keinen günstigen Effekt auf Samenparameter fand [s157]; die britische Crossover-Studie mit Prednisolon (neun Schwangerschaften unter Prednisolon, zwei unter Placebo) [s154]; die deutsche Crossover-Studie mit 20 Männern ohne Schwangerschaft in beiden Phasen [s149]; die finnische Studie, in der die intrauterine Insemination der Prednisolon-Behandlung überlegen war (9 gegen 1 Schwangerschaften, p = 0,04) [s144]; und die griechische Crossover-Studie, die keinen Vorteil des Kortikosteroids zur Insemination fand [s141]. Die irakische Studie mit 241 Männern fand bessere Motilität und bei konventioneller IVF höhere Schwangerschaftsraten [s97]. Die Studien sind klein, uneinheitlich dosiert und überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996; zusammenfassend sprechen die Übersichten uneinheitlich [s73, s132, s139, s65].
Fachzeitschriften. Die hier ausgewerteten englischsprachigen Arbeiten erschienen unter anderem in Andrology, Fertility and Sterility, Human Reproduction, Human Fertility, International Journal of Andrology, Journal of Urology, Cutaneous and Ocular Toxicology, World Journal of Men's Health, Asian Journal of Andrology und Theriogenology (für Tierstudien). Die Titel der Zeitschriften zeigen, dass die Literatur über mehrere Fachgebiete verstreut ist: Fortpflanzungsmedizin und Andrologie, Dermatologie und Toxikologie, Veterinärmedizin. Eine eigene Zeitschrift oder Datenbank, die diese Fragestellung bündelt, gibt es nicht.
Erreichbarkeit. Die Webseite von PubMed war gesperrt. Erreichbar waren die Europe-PMC-Schnittstelle (auch Preprints und Volltexte offener Arbeiten) und die E-utilities der NCBI, über die die vollständigen Abstracts geholt wurden. Volltexte wurden für [s26, s51, s74, s47, s56] ausgewertet, für [s04] die Preprint-Seite. Die Webtexte der AUA/ASRM- und der EAU-Leitlinie waren erreichbar. Eine einschlägige Cochrane-Übersicht wurde nicht aufgenommen: Die Seite antwortete, die Trefferlisten waren aber nicht auswertbar; die gefundene Cochrane-Übersicht zu Spironolacton bei Hirsutismus und Akne betrifft Frauen. Die Seite der ESHRE war erreichbar, lieferte aber keinen extrahierbaren Leitlinientext zur männlichen Infertilität.
Lücken. Keine randomisierte placebokontrollierte Studie bei gesunden Männern unter Isotretinoin, keine kontrollierte Samenanalyse-Studie unter Spironolacton, keine kontrollierte Studie zu Cetirizin, Loratadin, Desloratadin oder Bilastin und keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie mit Glukokortikoiden bei Asthma oder Rheuma. Die einzige große Querschnittsstudie zu Isotretinoin ist ein Preprint [s04].
Deutsch
Umfang. Die deutschsprachige Literatur ist in dieser Studie mit fünf Arbeiten vertreten, und alle stammen aus den Jahren 1983 bis 1992. Drei davon betreffen Isotretinoin [s166, s150, s164], zwei sind Übersichten zu Arzneimittelwirkungen auf die männliche Fertilität [s165, s169]. Neuere deutschsprachige Originalarbeiten zu den vier Wirkstoffgruppen und zur Samenqualität wurden in den erreichbaren Datenbanken nicht gefunden. Das ist ein Befund der Suche und kein Beweis, dass es sie nicht gibt: Die Datenbank PubMed führt für die älteren Arbeiten nur englische Titel, und der deutsche Originaltitel wurde in keinem Fall abgerufen.
Isotretinoin beim Menschen. Vogt und Ewers (1985), erschienen im Hautarzt, untersuchten 20 männliche Freiwillige mit schwerer Acne conglobata, die zwölf Wochen lang 1 mg Isotretinoin pro Kilogramm Körpergewicht erhielten; untersucht wurde vor der Behandlung, nach der Behandlung und zwölf Wochen nach dem Ende, einschließlich Impulszytophotometrie der Spermien-DNA. Die PubMed-Titelzeile lautet „13-cis-Retinoic acid and spermatogenesis. Spermatological and impulse cytophotometric studies". Bei sonst gesunden Patienten blieb die Spermiendichte unverändert; bei Patienten mit früheren Gonadendefekten (einseitiger Kryptorchismus, Hypogonadismus, Varikozele) stieg die Spermienzahl am Therapieende signifikant (p < 0,05) und kehrte drei Monate später zum Ausgangswert zurück. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war am Therapieende leicht und zwölf Wochen nach dem Ende signifikant erniedrigt (p < 0,05); die Autoren halten das wegen der kurzen Halbwertszeit des Wirkstoffs für möglicherweise unabhängig vom Medikament. Die DNA-Messung zeigte keine signifikanten Veränderungen. Die Autoren schließen, kontrazeptive Maßnahmen für den Mann seien während der Behandlung nicht zwingend; das ist eine Aussage der Quelle und keine Empfehlung dieser Studie [s166]. Höting, Schütte und Schirren (1992), erschienen in Fortschritte der Medizin (Fortschr Med), behandelten 20 Patienten (21,4 ± 4,3 Jahre) mit ausgedehnter Acne conglobata sechs Monate lang mit 1 mg/kg/Tag (mittlere Tagesdosis 72,7 ± 9,8 mg). Ab dem vierten Behandlungsmonat stieg die mittlere Spermiendichte statistisch signifikant, bei unveränderter Morphologie und Motilität; ein Jahr nach Therapieende lagen alle gemessenen Parameter wieder auf den Ausgangswerten. Es wurden keine Hinweise auf einen negativen Einfluss auf die Spermatogenese gefunden; 13 Patienten wurden ein Jahr nachbeobachtet, ohne Akne-Rückfall [s150]. Beide Studien sind einarmig und klein. Sie sind die frühesten Verlaufsbeobachtungen mit Nachbeobachtung nach dem Absetzen in dieser Studie, und ihre Richtung (unveränderte Dichte bei Gesunden, Anstieg bei Vorschädigung, Rückkehr zum Ausgangswert) deckt sich mit den neueren türkischen Vorher-Nachher-Studien [s51, s100], die im Abschnitt zum türkischen Raum stehen. Wie viel davon Messschwankung und Abstinenzzeit widerspiegelt, lässt sich aus den Abstracts nicht entscheiden.
Tierversuch und Übersichten. Kühlwein und Schütte (1985), erschienen in der Zeitschrift Z Hautkr, gaben 30 Wistar-Ratten acht Wochen lang 40 mg/kg/Tag 13-cis-Retinsäure, eine toxische Dosis; 15 Tiere wurden sofort, 15 nach weiteren acht Wochen untersucht, dazu 20 Kontrolltiere. Alle 30 behandelten Tiere zeigten wie die Kontrollen lichtmikroskopisch eine normale Spermatogenese [s164]. Das steht im Gegensatz zu mehreren neueren Rattenstudien mit Schädigung [s50, s42, s61, s119] und zeigt, wie stark der Befund von Methode, Dosis und Beobachtungsdauer abhängt; hier wurde nur Lichtmikroskopie eingesetzt. Zwei Übersichten, Schill und Przybilla 1985 [s165] und Krause 1983 [s169], deren Abstracts keine Zahlen enthalten, rechnen nach diesen Abstracts Retinoide zu den überwiegend zytotoxisch wirkenden Stoffen für das Keimepithel beziehungsweise führen Antiandrogene unter den hormonellen Einflüssen auf. Daraus lassen sich keine Häufigkeiten ableiten.
Zwei Behandlungsstudien mit Bezug zum deutschen Sprachraum. Bals-Pratsch und Mitarbeiter (1992) führten in Deutschland eine doppelblinde Crossover-Studie mit 20 Männern durch (Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10 oder Placebo, drei Zyklen): keine Schwangerschaft unter Prednisolon oder Placebo, im Postkoitaltest bei 8 von 12 Männern wenig Besserung, Antikörpertiter bei 7 von 16 gesunken, Nebenwirkungen bei 8 Männern (7 unter Verum, 1 unter Placebo); fünf Partnerinnen wurden später nach Insemination (3) oder IVF (2) schwanger. Die Studie erschien in Human Reproduction und ist damit englischsprachig [s149]. Ulcova-Gallová und Mitarbeiter (2000; Universität Pilsen, Tschechien) werteten in der Zeitschrift Zentralbl Gynakol (die Sprache des Volltexts wurde nicht geprüft) 696 Paare aus, die drei Monate lang orales Prednison oder Dexamethason erhielten: Serum-IgG-Agglutinine verschwanden bei 3 von 11 Männern und 4 von 15 Frauen, im Seminalplasma wurde IgG bei 57,8 % und IgA bei 38,9 % stark beeinflusst; Schwangerschaftszahlen nennt der Abstract nicht [s138].
Leitlinien, Register, Datenbanken. Eine AWMF-Leitlinie zu den vier Wirkstoffgruppen wurde nicht geprüft, weil das AWMF-Leitlinienregister eine Single-Page-Anwendung ist, deren Such-Schnittstelle nur die leere Hülle lieferte; deshalb kann hier weder gesagt werden, dass es eine einschlägige deutsche Leitlinie gibt, noch dass es keine gibt. Ein deutsches Register mit Samenparametern unter diesen Arzneimitteln wurde nicht gefunden. Die internationalen Leitlinien [s40, s06] gelten auch für den deutschen Sprachraum; sie sind im englischen Abschnitt beschrieben. Der Zugang zu den deutschsprachigen Arbeiten bestand nur über PubMed-Einträge (Europe PMC, E-utilities), nicht über die Volltexte der Zeitschriften.
Französisch
Die französischsprachige Literatur zu dieser Frage besteht in den abgerufenen Quellen aus zwei Arbeiten, und beide sind Übersichts- beziehungsweise Mechanismusarbeiten ohne eigene Kohorte.
Corvol und Mitarbeiter 1976 (Nouv Presse Med; PubMed-Titel: „Sexual side-effects of spironolactones. Possible mechanisms of their anti-androgen action", deutsch: Sexuelle Nebenwirkungen der Spirolactone, mögliche Mechanismen ihrer antiandrogenen Wirkung) beschreiben, dass Spirolactone (Spironolacton, Kaliumcanrenoat) beim Mann eine Gynäkomastie bewirken können. Die akute intravenöse Gabe von Kaliumcanrenoat senkte beim Menschen das Plasma-Testosteron ohne Änderung der Gonadotropine, was auf eine gestörte Steroidbildung im Hoden hindeuten kann; an den Zielzellen hemmen Spirolactone die Androgenbindung am Rezeptor, ohne die 5-alpha-Reduktase der Prostata zu verändern [s180]. Es ist die älteste Arbeit zu Spironolacton und Hoden in dieser Studie. Sie macht keine Aussage über Spermienzahlen.
De Almeida 1993 (Rev Prat; PubMed-Titel „Male infertility of immunologic origin and its treatment", deutsch: Männliche Unfruchtbarkeit immunologischer Ursache und ihre Behandlung) ist eine Übersicht, die ausdrücklich schließt, Kortikosteroide dürften bei immunologischer Infertilität nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]. Unter demselben Autorennamen stehen zwei englischsprachige Studien: eine unkontrollierte Dexamethason-Studie an 14 Männern mit Spermien-Autoantikörpern, in der Serum-Spermientoxizität und seminale Agglutinine bei 67 beziehungsweise 58 % unter die Nachweisgrenze fielen und drei Paare schwanger wurden [s174], und eine randomisierte Doppelblindstudie an 10 Männern mit Prednisolon (1 mg/kg/Tag über 9 Tage in drei Zyklen), die keinen signifikanten Effekt auf Fertilität, Serum-Antikörper oder Samenmerkmale zeigte [s162]. Ob es sich um dieselbe Person handelt, lässt sich aus den Quelldaten nicht prüfen; die Übereinstimmung beruht nur auf dem Namen. Die Übersicht von 1993 ist damit die klarste Absage an Kortikosteroide in dieser Literaturgruppe; sie ist über dreißig Jahre alt und stützt sich auf Studien, die noch älter sind.
Einordnung. Die neuere französische Beteiligung läuft über englischsprachige Arbeiten: Die beiden Übersichten zu häufig verordneten Arzneimitteln [s10, s96] stammen nach den Recherchenotizen aus einer Marseiller Arbeitsgruppe; ihre Abstracts nennen Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide nicht unter den Wirkstoffen mit guter Evidenz für Schäden. Die Datenbank HAL (offenes französisches Publikationsarchiv) war über die Schnittstelle erreichbar und lieferte für Isotretinoin, Spironolacton und Antihistaminika mit Sperma- oder Fertilitätsbegriffen (englisch und französisch) null Treffer, zu Glukokortikoiden zwei bis vier Treffer und zu Retinsäure und Spermatogenese 14 Treffer aus der Grundlagenforschung; fertilitätsbezogene Befunde zu den vier Wirkstoffgruppen waren darunter nicht. Die Plattform Cairn antwortete mit HTTP 403 und einer Skript-Prüfung und war nicht nutzbar. Eigene französische Leitlinien wurden nicht gefunden; ob sie existieren, ist damit nicht beantwortet. Die französischsprachige Literatur ist in dieser Studie also dünn und alt: Beide Arbeiten stammen aus den Jahren 1976 und 1993.
Italienisch
Keine Quelle in italienischer Sprache. In den abgerufenen Quellen gibt es keine Arbeit, die auf Italienisch erschienen ist. Ein italienisches Andrologie-Buchkapitel (Springer Italia, 2010) war in Europe PMC erreichbar, enthielt dort aber nur Zusammenfassung und Literaturverzeichnis und ist nicht als Quelle geführt. Die Startseite der Società Italiana di Andrologia war erreichbar; Leitlinientexte zu den vier Wirkstoffgruppen waren dort nicht auffindbar.
Italienische Arbeitsgruppen, englische Sprache. Italien trägt dennoch mehrere Arbeiten bei, die auf Englisch veröffentlicht wurden. Die systematische Übersicht mit Metaanalyse zu Isotretinoin von Panunzio und Mitarbeitern 2026 (Autorenaffiliation: Zentrum für assistierte Reproduktion am Vito-Fazzi-Krankenhaus in Lecce) ist die umfassendste Zusammenfassung der Humanstudien; sie schloss sechs klinische Studien mit 225 Männern ein und fand bei Hautpatienten kleine Anstiege von Konzentration (+1,77 Mio./ml) und Vitalität (+3,74 %), ohne berichtete Einschränkung der Fertilität [s14]. Milardi und Mitarbeiter (2017) führten eine randomisierte multizentrische Studie mit 90 infertilen Männern durch, die eine Oligozoospermie, normales Hodenvolumen, normales FSH und Ultraschallzeichen einer Anhangsdrüsenentzündung bei negativer Mikrobiologie hatten; in drei Gruppen erhielten sie einen Monat lang Prednison in einer Tagesdosis von 5, 12,5 oder 25 mg. Bei 5 mg stieg die Gesamtspermienzahl signifikant, bei 12,5 mg stiegen Konzentration, Gesamtzahl und Motilität, bei 25 mg alle Parameter außer dem Volumen. Der Abstract nennt weder eine Placebo- oder Unbehandelten-Gruppe noch einen Schwangerschaftsendpunkt; die Autoren sprechen nur von einer ausgewählten Population [s94]. Francavilla und Mitarbeiter (1999) beschrieben in einer Übersicht die intrauterine Insemination als wirksam bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad, vor allem mit Kortikosteroid und Superovulation [s139]. Rago und Mitarbeiter (2024) fanden die Glukokortikoidrezeptor-Isoform GR-D3 in menschlichen Spermien, vermindert bei Varikozelenpatienten; Dexamethason erhöhte in vitro Überleben, Motilität, Kapazitation und Akrosomreaktion in gesunden und Varikozelen-Proben, Mifepriston bestätigte die Rezeptorvermittlung. Das ist ein Laborbefund und keine Behandlungsstudie [s45]. Seminara und Mitarbeiter (2026, endokrinologische Einheit in Catanzaro) berichteten über einen 38-jährigen Mann mit schwerer atopischer Dermatitis, früher Orchidopexie und primärer Infertilität, der unter dem JAK1-Hemmer Abrocitinib (200 mg/Tag) azoosperm war (FSH 12,3 mIE/ml) und drei Monate nach dem Absetzen 50 Mio./ml und ein FSH von 8,6 mIE/ml hatte, bei steigendem Inhibin B (58 auf 135 pg/ml). Das ist weder ein Antihistaminikum noch ein Glukokortikoid, und die Ursächlichkeit ist nicht belegt [s15].
Zeitschriften. In der Zeitschrift Arch Ital Urol Androl erschienen zwei der hier ausgewerteten Arbeiten, beide englischsprachig und beide nicht von italienischen Autoren: die Rattenstudie zu Isotretinoin aus der Türkei [s50] und die In-vitro-Studie an menschlichen Spermien aus Kolumbien [s22]. Der italienische Raum tritt hier also eher als Publikationsort denn als Forschungsstandort auf. Eigene italienische Kohorten oder Register mit Samenparametern unter den vier Wirkstoffgruppen wurden nicht gefunden.
Portugiesisch
Keine Studie in portugiesischer Sprache. Zu den vier Wirkstoffgruppen wurde in den erreichbaren Datenbanken keine Studie gefunden, die auf Portugiesisch erschienen ist. Die portugiesischsprachige Fachliteratur ist hier ohnehin schlecht zu erreichen: Die Suchseite von SciELO antwortete mit HTTP 403, nur die Metadaten-Schnittstelle ohne Volltextsuche war erreichbar; LILACS und die Virtuelle Gesundheitsbibliothek lieferten eine Schutzseite mit Skript-Prüfung, die Programmierschnittstelle verlangte einen Schlüssel (HTTP 401). Die Recherche stützte sich daher auf Europe PMC und PubMed, wo nur wenige Zeitschriften der Region mit Abstract erschlossen sind. Dass in SciELO oder LILACS einschlägige Arbeiten liegen, ist nicht ausgeschlossen; es ist eine Lücke der Recherche und kein Beleg ihrer Abwesenheit.
Arbeitsgruppen aus Brasilien und Portugal, englische Sprache. Gruppen aus Brasilien und Portugal haben auf Englisch veröffentlicht. Silva und Mitarbeiter (2021, Reproduction) fassen die Wirkung von Antispermien-Antikörpern auf die männliche Fortpflanzungsfunktion zusammen, nennen eine Prävalenz von 2,6 bis 6,6 % bei infertilen Männern und bezeichnen Kortikosteroide als die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen [s73]. Zwei Tierstudien zu Glukokortikoiden stammen aus dem Raum: Silva und Mitarbeiter (2014, Andrology) untersuchten an Ratten die Entfernung der Nebennieren und Dexamethason; die Entfernung senkte die Hoden-Spermienzahl und die tägliche Spermienproduktion schon nach zwei Tagen, Dexamethason (5 µg/kg über 6 Tage) verhinderte den Zahlenverlust, aber nicht die Hodenschäden. Ein Mangel an Glukokortikoiden kann in diesem Modell also ebenfalls schaden [s108]. Hatamoto und Mitarbeiter (2006, Theriogenology) gaben Hunden Dexamethason (0,01 mg/kg/Tag über 7 Tage, um Stress nachzuahmen) zusammen mit Vitamin E; das Ejakulatvolumen sank, und die Lipidperoxidation im Seminalplasma stieg [s124]. Zwei Arbeiten zum H2-Blocker Cimetidin an der Ratte (Beltrame und Mitarbeiter 2017 und 2019, Asian J Androl und Front Endocrinol) berichten für 100 mg/kg über 52 Tage niedrigeres Testosteron, geringere Motilität, Anomalien des Flagellums und mehr DNA-Fragmentierung bei unbeeinflusstem Fertilitätspotenzial; Vitamin B12 verhinderte die Schäden [s90, s80].
Fachzeitschriften mit brasilianischem Namen. Zwei Arbeiten der Studie erschienen in Zeitschriften mit brasilianischem Namen, beide auf Englisch: die Mausstudie zu Dexamethason als Stressmodell in Braz J Biol [s23] (4 mg/kg über 21 Tage, geringere Spermienqualität, vor allem der progressiven Motilität, Hodenschäden und mehr Caspase 3 und 9) und die kleine Fallserie zu niedrig dosiertem Prednison nach Vasovasostomie in Int Braz J Urol [s47] (8 Männer; Median der Gesamtzahl motiler Spermien 0,15 auf 6 Mio.; keine Kontrollgruppe). Die Fallserie [s47] stammt aus den USA und steht im englischen Abschnitt; die Mausstudie [s23] stammt laut Affiliation aus Thailand. Beide werden hier nur als Beispiele für den Publikationsort geführt.
Einordnung. Der portugiesische Sprachraum liefert in dieser Studie keine eigenen Kohorten, Register oder Leitlinien. Die Beiträge sind Tier- und Übersichtsarbeiten.
Spanisch
Eine Quelle in spanischer Sprache. Aus dem spanischen Sprachraum wurde eine einzige Arbeit in der Landessprache gefunden: Devoto und Madariaga (2011, Rev Med Chil), ein Fallbericht („Congenital adrenal hyperplasia causing male infertility. Report of one case", deutsch: Kongenitale Nebennierenhyperplasie als Ursache männlicher Unfruchtbarkeit, Bericht über einen Fall; der spanische Originaltitel wurde nicht abgerufen). Ein 29-jähriger Mann mit Azoospermie und 21-Hydroxylase-Mangel erhielt Betamethason; es kam zu normaler Hodenentwicklung und normaler Spermienzahl, später zweimal zu einer Spontanvaterschaft [s118]. Das ist der Ausgleich einer Hormonerkrankung und keine Wirkung des Glukokortikoids auf gesunde Hoden, und es ist ein Einzelfall.
Arbeiten aus Lateinamerika, englische Sprache. Mehrere Gruppen aus Lateinamerika haben auf Englisch veröffentlicht. Álzate Aristizábal und Cardona Maya (2025, Universität von Antioquia, Kolumbien) setzten Proben von 17 Männern Isotretinoin in vier Konzentrationen aus (22 nM, 660 nM, 66.000 nM, 660.000 nM) und maßen Motilität und Vitalität bis fünf Stunden und die DNA-Fragmentierung nach zwei Stunden. Die drei niedrigeren Konzentrationen beeinflussten die Parameter nicht signifikant; die höchste führte zu 100 % unbeweglichen und nicht lebensfähigen Spermien und zu mehr DNA-Fragmentierung. Die Autoren halten die klinisch erreichten Konzentrationen für deutlich niedriger als die toxische [s22]. Sánchez González und Mitarbeiter (2023, Querétaro, Mexiko) fanden, dass Hydrocortison das intrazelluläre Kalzium menschlicher Spermien schwach erhöhte und bei höheren Konzentrationen die Progesteronantwort hemmte; Angstsymptome waren mit der Samenqualität negativ korreliert [s57]. Oliva und Multigner (2006, Rosario, Argentinien) behandelten in einer offenen unkontrollierten Studie 55 Männer mit Leukozytospermie und ungeklärter Infertilität zwölf Wochen mit Ketotifen, einem Mastzellblocker: Die Leukozytenzahl sank nach vier Wochen stark, die Motilität besserte sich signifikant, und die Zahl normal geformter Spermien stieg nach acht Wochen signifikant; die Änderungen hielten mindestens vier Wochen nach dem Ende an [s126]. Auch das ist eine Behandlungsstudie, die nichts darüber sagt, ob gesunde Männer unter Antihistaminika Spermienschäden entwickeln.
Spironolacton im Varikozelenmodell. Zwei Rattenstudien zu Spironolacton im Varikozelenmodell erschienen in Actas Urol Esp [s105] und in Urology [s114] (je 24 Tiere, 20 mg/kg/Tag, eingesetzt als Angiogenesehemmer). Die Spermatogenese war beeinträchtigt, was die Autoren der Angiogenesehemmung und nicht der antiandrogenen Wirkung zuschreiben; die Gruppen sind sehr klein. Eine Aussage über Spironolacton in der Therapie des Mannes folgt daraus nicht.
Leitlinien, Register, Datenbanken. Eigene spanischsprachige Leitlinien oder Register zu den vier Wirkstoffgruppen wurden nicht gefunden. Die spanischsprachigen Datenbanken waren nur eingeschränkt nutzbar: Dialnet antwortete mit HTTP 200, zwischenzeitlich mit 503, lieferte aber keine Trefferliste; SciELO und LILACS waren wie im portugiesischen Abschnitt beschrieben nicht auswertbar. Für den spanischen Raum stützt sich die Recherche daher auf Europe PMC und PubMed. Die Aussage, die spanischsprachige Literatur sei dünn, gilt für das, was in diesen Datenbanken erreichbar ist.
Chinesisch
Lage. Aus China (einschließlich Hongkong) stammen in dieser Studie 28 Arbeiten, mehr als aus jedem anderen Raum außer dem englischsprachigen. Fast alle sind auf Englisch in internationalen Zeitschriften erschienen. Für keine der vier Wirkstoffgruppen wurde in diesem Raum eine kontrollierte Studie am Menschen gefunden, die Spermienparameter oder Fertilität als Hauptfrage untersucht. Das Gewicht liegt auf drei Gebieten: Tierversuche zu Glukokortikoiden, Auswertungen von Meldedatenbanken und genetische Studien zu Allergie und Asthma. Diese Schwerpunkte sagen mehr über die Forschungsmethoden des Raums als über Patienten in China: Die Meldedaten stammen aus der US-amerikanischen Datenbank FAERS und teils aus der europäischen EudraVigilance, die genetischen Daten aus europäischen Kohorten.
Meldedatenbanken. Gong und Mitarbeiter 2026 (Front Pharmacol; Xiyuan-Krankenhaus, Peking) werteten FAERS (bis zum zweiten Quartal 2025) und EudraVigilance (Januar 2002 bis Oktober 2025) zu arzneimittelbedingter männlicher Infertilität aus: 1955 FAERS-Fälle und 1384 Fälle aus EudraVigilance; 19 Arzneimittel wurden in beiden Datenbanken bestätigt. Weder ein Glukokortikoid noch ein Antihistaminikum noch Isotretinoin noch Spironolacton gehört zu diesen 19. Spironolacton steht unter den zwölf Arzneimitteln mit positivem Dechallenge-Signal (Verschwinden der Meldung nach dem Absetzen), mit nur drei Fällen (ROR 10,72; 95-%-KI 3,42 bis 33,56). Die Gruppensignale nach ATC-Klasse sind erhöht für „Dermatika" (ROR 3,56) und systemische Hormonpräparate (ROR 1,83) und erniedrigt für Atemwegsmittel (ROR 0,28); weil diese Klassen viele andere Wirkstoffe enthalten, folgt daraus nichts für einzelne Substanzen [s08]. Ji und Mitarbeiter 2025 (Front Pharmacol; Guangzhou) verglichen in FAERS 8625 Meldungen zu Spironolacton mit Eplerenon und Finerenon; 837 Meldungen (8,01 %) zeigten sexualhormonbezogene Signale, am häufigsten Gynäkomastie (295 Fälle, ROR 19,90; 95-%-KI 17,74 bis 22,33). Unter den spermienbezogenen Begriffen standen Asthenospermie (n = 4, ROR 135,37), Oligospermie (n = 4, ROR 87,77) und abnorme Spermatogenese (n = 3, ROR 76,79) [s27]. Lin und Mitarbeiter 2025 (PLoS One) fanden in 8566 Spironolacton-Meldungen vor allem seltene Ereignisse; der Abstract nennt keine Spermien- oder Fertilitätsbegriffe [s29]. Alle drei Arbeiten nutzen dieselbe Datenbank und sind keine unabhängige Bestätigung; Meldedaten haben keinen Nenner, keine Kontrollgruppe, Mehrfachmeldungen und Meldeverzerrung, und ein ROR ist keine Risikoziffer. Bei Fallzahlen von drei bis sieben sind sehr hohe ROR-Werte typisch für die Methode und kein Effektmaß. Zeng und Mitarbeiter 2025 (Andrology; Xiamen) werteten 3210 Meldungen mit väterlicher Exposition aus 16.180.533 FAERS-Meldungen aus; im frei zugänglichen Volltext kommen Glukokortikoide, Antihistaminika und Spironolacton nicht vor, Isotretinoin nur mit einem Signal für „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung", also nicht mit einem Fertilitätsbefund [s35].
Genetik und Umbrella-Review. Zwei Studien mit Mendelscher Randomisierung prüfen Asthma und Spermienabnormitäten: Sun und Mitarbeiter 2026 fanden für Asthma einen positiven Zusammenhang mit abnormen Spermatozoen (OR 1,270; 95-%-KI 1,045 bis 1,545; P = 0,017) und einen negativen mit Gesamttestosteron (β −0,042) [s17]; Zhang und Mitarbeiter 2025 fanden für Kinderasthma keinen unabhängigen Zusammenhang (P = 0,14; 16 Einzelnukleotid-Polymorphismen) [s36]. Beide Studien messen genetische Veranlagung statt Arzneimittelexposition und stützen sich auf europäische Daten. Der Umbrella-Review von Wang und Mitarbeitern 2026 (Asian J Androl; West-China-Krankenhaus) bewertete 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen; nach GRADE waren 136 (54,6 %) sehr niedrig, 59 (23,7 %) niedrig und 54 (21,7 %) moderat. Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton kommen im Volltext nicht vor [s19].
Glukokortikoide im Tierversuch. Der größte Block ist die Arbeit der Pharmakologie der Wuhan University zu vorgeburtlicher Dexamethason-Exposition bei Ratten und Mäusen. Das Modell soll die in der Geburtshilfe übliche vorgeburtliche Glukokortikoid-Gabe nachbilden. Die Arbeiten betreffen verschiedene Zielgrößen: Testosteronsynthese über StAR und Histon-Acetylierung bei 0,2 und 0,8 mg/kg/Tag an den Trächtigkeitstagen 9 bis 20 [s86]; Mehrgenerationen-Befunde über miR-466b-3p und HDAC7 [s67]; geringere Spermienzahl und Beweglichkeit der erwachsenen Söhne bei 0,1, 0,2 und 0,4 mg/kg/Tag, mit niedrigerem CX43 und TBX2-Veränderungen [s54]; Blut-Hoden-Schranke und KDM1B-Signalweg in Woche 12 und 28, mit einer Teilstudie an menschlichen Proben, die nur eine Korrelation von Epigenom-Markern mit fetalem Testosteron zeigt [s43]; Sertoli-Zell-Funktion bei der Maus (0,2, 0,4, 0,8 mg/kg/Tag, Tag 14 bis 15 oder 16 bis 17), besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe [s28]; und eine Blockade des autophagischen Flusses in Spermatogonien (0,4 mg/kg zweimal täglich, Tag 18 bis 19) mit Rettung durch ML-SA1 oder CTSL-Überexpression [s11]. Hinzu kommt aus Hefei die einzige Arbeit mit Prednison: Trächtige Mäuse erhielten Prednison von Tag 0 bis 17; die Nachkommen hatten eine geringere Spermienzahl und Subfertilität, verbunden mit herunterreguliertem E2f1 und erhöhter m6A-Modifikation. Die Autoren bezeichnen Prednison als aufkommenden Umweltschadstoff [s18]. Aus Nanjing stammt ein Hypercortisolismus-Modell: Corticosteron im Trinkwasser über vier Wochen senkte bei erwachsenen Mäusen Testosteron und Spermienzahl, mit gestörter Phagozytose und gestörtem Laktatstoffwechsel der Sertoli-Zellen [s72]. Aus Shanghai: Dexamethason (0 bis 100 nM) hemmte in der Hodenkanälchenkultur die Differenzierung von Stammzellen der Leydig-Linie [s84]. Chronischer Stress ist Thema zweier Arbeiten mit körpereigenem Corticosteron [s21, s32]. Alle Wuhan-Arbeiten kommen von einer Gruppe mit demselben Grundmodell; unabhängige Replikation fehlt in den Quellen. Die Abstracts nennen praktisch keine Effektstärken, Konfidenzintervalle oder p-Werte, die Dosen sind nicht mit Humandosen vergleichbar, und das Ergebnis betrifft Nachkommen behandelter Muttertiere, nicht Männer, die selbst Glukokortikoide einnehmen.
Das Gegenstück: Glukokortikoide als Schutz. Chinesische Gruppen zeigen auch die Gegenrichtung. Methylprednisolon im Eber-Konservierungsmedium (Konzentration 2 × 10⁻⁷ mol/mL) hielt die Beweglichkeit am fünften Tag bei 57,33 % gegenüber 46,87 % in der Kontrolle [s53]; Dexamethason hemmte Chemotaxis und Phagozytose der Neutrophilen im Eber-Medium und verbesserte bei 1 × 10⁻⁶ mol/mL die Konservierung [s52]; Dexamethason mit Azithromycin verbesserte Ziegenspermien bei 4 °C [s34]. Nach Hodentorsion bei der Ratte senkte Hypothermie mit Dexamethason den Apoptoseindex im torquierten Hoden von 31,12 auf 8,60 [s110] beziehungsweise von 33,13 % auf 9,05 % [s106]. Das sind Tierspermien in vitro und Tierversuche mit Kombinationsbehandlung; sie zeigen, dass die Wirkrichtung vom Kontext abhängt (Entzündung und Ischämie gegen Dauerexposition in der Entwicklung), und erlauben keinen Rückschluss auf Männer.
Menschen. Cao und Mitarbeiter 2006 (Zhonghua Nan Ke Xue, National Journal of Andrology; chinesischer Volltext nicht abrufbar, nur englischer Abstract; Titel „[Effects of different immunodepressants on the sperm parameters of kidney transplant recipients]", deutsch: Wirkungen verschiedener Immunsuppressiva auf die Spermienparameter von Nierentransplantierten) verglichen 15 gesunde Männer mit 37 Nierentransplantierten, von denen 20 Tacrolimus (mit Mycophenolat-Mofetil) und 17 Ciclosporin A (mit Azathioprin) erhielten; alle 37 nahmen Prednison. Die Vitalität unterschied sich nicht (81,7, 79,4 und 83,8 %), die Rate abnormer Spermien (67,8 gegen 80,1 %) und die progressive Beweglichkeit (46,4 gegen 33,3 %) unterschieden sich zwischen den Calcineurin-Inhibitor-Gruppen. Die Studie vergleicht Calcineurin-Inhibitoren, nicht Glukokortikoide, und kann einen Prednison-Effekt weder belegen noch ausschließen [s123]. Wang und Mitarbeiter 2024 (Shanghai) fanden bei 35 Männern mit adrenogenitalem Syndrom (49 Spermiogramme) eine negative Korrelation des Ultraschall-Läsions-Scores mit Spermienkonzentration (rs = −0,83) und progressiver Beweglichkeit (rs = −0,56); Daten zur Glukokortikoid-Dosis nennt der Abstract nicht [s46]. Aus Hongkong stammt ein Fallbericht zu einem 33-jährigen Mann mit Lupus unter Prednisolon, der die Karenzzeit untersucht; früher erhaltenes Cyclophosphamid ist als gonadotoxisch beschrieben, der Prednisolon-Anteil lässt sich nicht herauslösen [s78]. Für Isotretinoin gibt es aus dem Raum keine Studie mit Spermienendpunkt: Eine Kohorte aus Guangzhou mit 351 Patienten (185 Männer) untersuchte Rezidivfaktoren nach Isotretinoin (25,9 % Rezidive bei median 20,0 Monaten Nachbeobachtung) und berichtet im Abstract weder Ejakulat noch Fertilität [s16]; eine Übersicht zur Retinsäure liefert nur Hintergrund [s49]. Zu Antihistaminika wurde nichts aus China gefunden.
Datenbanken und Lücken. Die chinesischen Datenbanken waren großteils nicht nutzbar: CNKI hatte keine Verbindung (curl-Code 000), Wanfang lieferte eine per JavaScript aufgebaute Seite ohne Trefferliste im Quelltext, bei CQVIP wurde nur die Startseite erreicht und keine Suche durchgeführt. Europe PMC indexiert keine chinesischen Volltexte; chinesische Suchbegriffe lieferten fast nur unspezifische Treffer. Chinesischsprachige Originalarbeiten ohne PubMed-Eintrag sind damit nicht erfasst, und diese Lücke ist erheblich. Bei den Trefferlisten zur Behandlung immunologischer Infertilität fielen Studien zur traditionellen chinesischen Medizin auf (nur als Titel gesehen, nicht als Quelle geführt); das ist eine Beobachtung zu Titeln und kein belegter Befund. Eine taiwanische Kohortenstudie zu väterlicher DMARD-Exposition wurde gesehen, aber nicht aufgenommen, weil ihr Abstract keine der vier Wirkstoffgruppen nennt.