# Glukokortikoide (Kortison), Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton und die Spermienqualität und Fertilität

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/kortison-akne-allergie.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 63.077 Wörter, 182 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage ist uneinheitlich und überwiegend dünn. Für Isotretinoin zeigen kleine Vorher-Nachher-Studien unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen, eine große dänische Kohorte (Preprint) nicht signifikant niedrigere Werte. Bei Kortison widersprechen sich die Studien, Schäden stammen meist aus Tierversuchen. Zu Antihistaminika gibt es kaum Daten, zu Spironolacton keine kontrollierte Samenanalyse beim Mann. Die Gewissheit ist insgesamt gering; eine Therapieempfehlung folgt daraus nicht.

## Häufige Fragen

### Beeinträchtigt Isotretinoin die Spermienqualität?

Bei Männern mit Akne zeigten kleine Vorher-Nachher-Studien unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen; eine Metaanalyse fand einen kleinen Anstieg der Konzentration um 1,77 Mio./ml. In zwei Studien lag der Anteil normal geformter Spermien am Ende niedriger. Kontrollgruppen fehlen, die Gewissheit ist gering. Eine große dänische Kohorte (Preprint) fand nicht signifikant niedrigere Gesamtspermienzahlen.

### Erholen sich die Spermien nach dem Ende einer Isotretinoin-Behandlung?

In einer deutschen Studie waren ein Jahr nach Therapieende alle Werte wieder auf dem Ausgangswert. In der dänischen Kohorte (Preprint, noch ohne Begutachtung) blieben bei früheren Anwendern hormonelle Verschiebungen bestehen, die Samenunterschiede waren nicht signifikant. Die Daten stammen aus verschiedenen Studienformen und lassen sich nur bedingt vergleichen.

### Schadet Kortison den Spermien?

Beim Menschen gibt es keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie. Schäden sind vor allem aus Tierversuchen mit hohen Dosen bekannt; die Dosen lassen sich nicht auf Männer übertragen. Im Tiermodell können Glukokortikoide auch schützen. Die Befunde sind widersprüchlich, die Gewissheit für den Menschen ist sehr gering.

### Hilft Kortison bei Antispermien-Antikörpern?

Die Studien widersprechen einander. Einige fanden Vorteile, andere keine. Die Untersuchungen sind klein und stammen überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996. Nach Vasektomie-Rückverlagerung lag die Schwangerschaftsrate unter hochdosiertem Prednison (20 mg) bei 17 Prozent, ohne Prednison bei 65 Prozent. Das gilt nur für diese besondere Situation.

### Können Antihistaminika die Spermienqualität verändern?

Für gängige H1-Blocker gegen Allergien gibt es beim Menschen nur zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie mit Selektion. Dort ging das Absetzen oder Wechseln mit besserer Samenqualität einher. Bei H2-Blockern schnitt Cimetidin eher ungünstig ab, Famotidin unauffällig. Die Gewissheit ist sehr gering.

### Was ist über Spironolacton und Spermien bekannt?

Eine kontrollierte Samenanalyse beim Mann fehlt. Die beste menschliche Information stammt aus Hodenpräparaten von Transfrauen unter Östrogen: Aktive Spermatogenese fand sich bei 53,3 Prozent unter Spironolacton, bei 8,7 Prozent unter Cyproteronacetat. Das gilt nicht für Männer ohne Östrogen. Beschrieben ist die Blockade des Androgenrezeptors.

### Können Asthma oder Allergie selbst die Spermienzahl beeinflussen?

Möglich. In einer Querschnittsstudie mit 6.177 jungen Männern war selbstberichtetes Asthma mit niedrigerer Gesamtspermienzahl verbunden, ohne Bezug zu einem Medikament. Die Grunderkrankung ist daher eine mögliche Störgröße, die sich vom Arzneimitteleffekt schwer trennen lässt. Genetische Studien kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen.

### Wie sicher ist die Studienlage insgesamt?

Gering. Für keine der vier Wirkstoffgruppen gibt es eine ausreichend große Studie mit Kontrollgruppe an gesunden Männern. Viele Studien sind klein, einarmig oder Tierversuche; Meldedaten sagen nichts über Häufigkeiten. Samenwerte sind zudem nur Ersatzmaße für Fruchtbarkeit. Die Leitlinie AUA/ASRM bewertet die Daten zu Arzneimitteln als Risikofaktoren insgesamt als niedrig.

*Stand 4. Oktober 2026*

## Kurzfassung

Diese Studie fragt, was die veröffentlichte Forschung über vier häufig verordnete Wirkstoffgruppen und die Qualität der Spermien sowie die Zeugungsfähigkeit des Mannes aussagt: Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe), Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton. Es wurde in zwölf Sprachen gesucht; ausgewertet wurden 182 Quellen, überwiegend über ihre Zusammenfassungen (Abstracts). Die Studie gibt keine Therapieempfehlung. Sie beschreibt, was gemessen wurde und wo die Aussagekraft endet.

Das Gesamtbild ist uneinheitlich, und für keine der vier Gruppen liegt eine Studie vor, die die Frage „Schadet das Mittel den Spermien gesunder Männer bei üblicher Anwendung?“ mit einer Kontrollgruppe und ausreichender Größe beantwortet. Wo Daten fehlen, wird das ausdrücklich gesagt.

**Isotretinoin** ist die am besten untersuchte Gruppe. Eine Metaanalyse von sechs klinischen Studien mit 225 Männern fand bei Akne-Patienten mit normaler Ausgangsfertilität (drei Kohorten, n = 167) einen kleinen Anstieg der Spermienkonzentration um 1,77 Mio./ml und der Vitalität um 3,74 Prozentpunkte; die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz stufen die Autoren als gering bis moderat ein [s14]. Eine türkische Vorher-Nachher-Studie mit 46 Männern sah nach sechs Monaten höhere Zahlen, aber einen etwas geringeren Anteil normal geformter Spermien (9,37 auf 8,70 %) [s51]. Eine dänische Kohorte (Preprint, noch ohne Begutachtung) mit 322 Anwendern und 4.065 Nichtanwendern fand nicht signifikant niedrigere Gesamtspermienzahlen (Median 125 gegen 145 Mio.), aber Verschiebungen von Hormonen [s04]. Tierversuche sind widersprüchlich. Meldedaten zeigen Signale vor allem für Libido und Erektionsstörungen, nicht für gemessene Spermienqualität [s02]. Bei bereits unfruchtbaren Männern wird Isotretinoin als Versuchsbehandlung geprüft: In einer Serie von 30 Männern mit Azoospermie oder Kryptozoospermie erschienen bei 11 (37 %) ejakulierte bewegliche Spermien [s26].

**Spironolacton**: Eine kontrollierte Samenanalyse-Studie am Menschen fehlt in den abgerufenen Quellen. Die beste menschliche Information stammt aus Hodenhistologien bei Transfrauen unter Östrogen: Aktive Spermatogenese fand sich bei 53,3 % unter Spironolacton, aber nur bei 8,7 % unter Cyproteronacetat [s20]. Der Wirkmechanismus (Blockade des Androgenrezeptors) ist beschrieben [s180]; Meldedaten enthalten nur Einzelfälle mit Spermienbezug [s27].

**Glukokortikoide**: Die Literatur teilt sich in Behandlungsstudien (Antispermien-Antikörper, Zustand nach Vasektomie-Rückverlagerung, Nebennierenerkrankungen) und Studien zur möglichen Schädigung, die fast ausschließlich Tierversuche sind. Die Behandlungsstudien bei Antispermien-Antikörpern widersprechen einander. Die jüngste randomisierte Studie fand nach Vasektomie-Rückverlagerung bei hohem Prednison (20 mg) eine Schwangerschaftsrate von 17 % gegen 65 % ohne Prednison [s33]. In Tierversuchen mit hohen Dosen sinken Spermienqualität und Testosteron, vorgeburtliche Exposition schädigt die Söhne; Glukokortikoide können im Tiermodell aber auch schützen.

**Antihistaminika**: Für die gängigen H1-Blocker gegen Allergien gibt es beim Menschen nur zwei berichtete Fälle [s125] und eine nicht randomisierte Studie, in der diese Wirkstoffe die häufigste Medikation unter 165 untersuchten Männern waren; Absetzen oder Wechsel ging dort mit besserer Samenqualität einher (93 gegen 12 %) [s121]. Für H2-Blocker (Magensäurehemmer) besteht ein Gefälle: Cimetidin eher ungünstig, Famotidin unauffällig [s99].

Die Grunderkrankung (Allergie, Asthma, Rheuma, Akne selbst) ist eine mögliche Störgröße: Asthma war in einer Querschnittsstudie mit 6.177 Männern mit niedrigerer Gesamtspermienzahl verbunden [s56], ganz ohne Medikament-Bezug. Samenparameter sind zudem nur Ersatzmaße für Fruchtbarkeit. Die Leitlinie AUA/ASRM bewertet die Daten zu Arzneimitteln als Risikofaktoren insgesamt als niedrig [s40].

## Das Wichtigste in Kürze

**So werden die Befunde eingestuft.** Die Evidenzstärke richtet sich nach dem Studiendesign: A = randomisierte kontrollierte Studie oder Metaanalyse solcher Studien; B = kontrollierte, nicht randomisierte Studie oder große Querschnitts- beziehungsweise Kohortenstudie; C = einarmige Vorher-Nachher-Studie oder Fallserie; D = Fallbericht oder Auswertung spontaner Nebenwirkungsmeldungen; E = Tierversuch oder Laborversuch. Die Gewissheit (hoch, mittel, gering, sehr gering) sagt, wie belastbar die jeweilige Aussage für erwachsene Männer bei üblicher Anwendung ist. Beides sind Einstufungen dieser Studie, keine Angaben der Quellen.

1. **Isotretinoin bei Akne, Spermiogramm unter Standarddosis.** Mehrere kleine Vorher-Nachher-Studien zeigen unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen [s51, s100, s166, s150]; in zwei Studien lag der Anteil normal geformter Spermien am Ende niedriger [s51, s166]. Ein Jahr nach Therapieende waren in einer Studie alle Werte wieder auf dem Ausgangswert [s150]. Evidenzstärke C (Metaanalyse einarmiger Studien [s14]), Gewissheit gering, weil Kontrollgruppen fehlen.

2. **Isotretinoin, große dänische Kohorte.** Anwender gegen Nichtanwender: nicht signifikant niedrigere Spermienzahlen, aber niedrigeres FSH, höherer Inhibin-B-FSH-Quotient und höheres Östradiol; bei früheren Anwendern blieben die Verschiebungen bestehen [s04]. Evidenzstärke B, Gewissheit gering, weil es ein Preprint ohne Begutachtung ist und die Samenunterschiede nicht signifikant waren.

3. **Isotretinoin als Versuchsbehandlung bei Unfruchtbarkeit.** Bei Oligoasthenozoospermie stieg die mediane Konzentration von 2,5 auf 3,8 Mio./ml (n = 19, einarmig) [s89]; bei Azoospermie oder Kryptozoospermie fanden sich bei 11 von 30 Männern bewegliche ejakulierte Spermien [s26]. Evidenzstärke C, Gewissheit gering. Das sind Behandlungsstudien an Männern mit bestehender Störung, keine Sicherheitsstudien für Gesunde.

4. **Isotretinoin, Meldedaten.** In der US-Meldedatenbank FAERS fallen erektile Dysfunktion (PRR 4,47; 195 Meldungen), verminderte Libido und Libidoverlust auf [s02]; die Meldungen sagen nichts über Häufigkeit oder Ursache. Evidenzstärke D, Gewissheit sehr gering.

5. **Spironolacton.** Keine kontrollierte Samenanalyse beim Mann gefunden. Hodenhistologien bei Transfrauen unter Östrogen zeigen aktive Spermatogenese bei 53,3 % (Spironolacton) gegen 8,7 % (Cyproteronacetat) [s20]; die Aussage gilt nicht für Männer ohne Östrogen. Evidenzstärke B für diesen Vergleich, Gewissheit für Spironolacton als Einzelsubstanz sehr gering. Mechanistisch ist die Androgenrezeptor-Blockade beschrieben [s180].

6. **Glukokortikoide bei Antispermien-Antikörpern.** Randomisierte oder kontrollierte Studien widersprechen einander: Vorteile bei Hendry 1990, Omu 1996 und Taiyeb 2017 [s154, s142, s97], keine bei Haas 1987, Bals-Pratsch 1992, De Almeida 1985 und Grigoriou 1996 [s157, s149, s162, s141]. Evidenzstärke A bis B, Gewissheit gering; die Studien sind klein und stammen überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996.

7. **Prednison nach Vasektomie-Rückverlagerung (iPRED).** Schwangerschaftsrate nach 12 Monaten: Kontrolle 65 %, niedrig dosiert 67 %, hoch dosiert (20 mg) 17 %, nach Bedarf 38 %; zwei Arme wurden vorzeitig beendet [s33]. Evidenzstärke A, Gewissheit mittel für diese besondere Situation: Es gab 73 Männer mit Jahresdaten in sehr kleinen Gruppen.

8. **Glukokortikoide im Tierversuch.** Hohe Dosen oder Stressmodelle senken Spermienqualität und Testosteron [s39, s07, s13, s23]; Exposition in Trächtigkeit oder Neugeborenenphase schädigt die Nachkommen [s11, s18, s43]; im Konservierungsmedium und nach Hodentorsion wirkten Glukokortikoide dagegen schützend [s53, s110]. Evidenzstärke E, Gewissheit für den Menschen sehr gering.

9. **Antihistaminika.** Für H1-Blocker (Cetirizin, Fexofenadin) zwei berichtete Fälle mit Rückbildung nach Absetzen [s125] und eine nicht randomisierte Studie mit Selektion (Besserung 93 gegen 12 %, Konzeption 85 gegen 10 %) [s121]. Evidenzstärke B bis D, Gewissheit sehr gering. Für H2-Blocker zeigt Cimetidin eher Nachteile, Famotidin keine [s99, s158]. Gewissheit gering.

10. **Grunderkrankung als Störgröße.** Selbstberichtetes Asthma war mit niedrigerer Gesamtspermienzahl verbunden (adjustierter Koeffizient −0,18; 95-%-Konfidenzintervall −0,33 bis −0,04) [s56]; genetische Studien kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen [s17, s36]. Evidenzstärke B, Gewissheit gering.

11. **Übergeordnete Bewertung.** Die Leitlinie AUA/ASRM stuft die Evidenz zu Arzneimitteln als Risikofaktoren als niedrig ein; die vier Wirkstoffgruppen kommen im abgerufenen Text nicht vor [s40]. Ein Umbrella-Review und eine große Pharmakovigilanzstudie nennen keine der vier Gruppen unter den bestätigten Risikofaktoren beziehungsweise Risikoarzneimitteln für männliche Infertilität [s19, s08]. Das ist kein Entwarnungsbeleg: Beide Arbeiten stützen sich auf vorhandene Studien beziehungsweise Spontanmeldungen und können Lücken nicht schließen.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

**Fragestellung und Abgrenzung.** Untersucht wird, ob Glukokortikoide (systemisch angewendetes Kortison und verwandte Wirkstoffe wie Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason), Antihistaminika (vor allem H1-Blocker gegen Allergien, daneben H2-Blocker und Mastzellblocker), Isotretinoin und Spironolacton mit veränderter Spermienqualität oder Fertilität beim Mann verbunden sind. Die Studie berichtet, was Untersuchungen gemessen haben. Sie gibt keine Therapieempfehlung, bewertet keine Behandlung im Einzelfall und ersetzt keine ärztliche Beratung.

**Drei Rechercheabschnitte, zwölf Sprachen.** Die Literatur wurde in drei Gruppen recherchiert, jeweils mit Suchbegriffen in den Landessprachen und auf Englisch. Gruppe a: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch. Gruppe b: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch. Gruppe c: Russisch, Arabisch, Türkisch. Jede Gruppe schrieb einen eigenen Befundbericht; Stand aller drei Recherchen ist der 4. Oktober 2026. Danach wurden die Quellen zusammengeführt: Eine Arbeit, die in zwei Gruppen auftauchte (zum Beispiel die türkische Isotretinoin-Studie von Gurel 2023 [s51], in den Gruppen a und c gefunden), trägt nur eine Kennung. Insgesamt führt die Quellenliste 182 Arbeiten mit den Kennungen s01 bis s182, geordnet nach Erscheinungsjahr absteigend und innerhalb eines Jahres nach Verfasser. Zitiert wird durchgehend in der Form [s05] oder [s05, s12].

Von den 182 Quellen stammen 78 aus den Jahren 2020 bis 2026, 42 aus 2010 bis 2019, 18 aus 2000 bis 2009, 16 aus den 1990er-Jahren und 28 aus der Zeit vor 1990. In der Quellenliste tragen 139 Arbeiten die Sprachraum-Kennzeichnung Englisch, 27 Chinesisch, 14 Arabisch, 12 Türkisch, 8 Japanisch, 5 Deutsch, 4 Russisch, 2 Koreanisch, 2 Französisch sowie je eine Hongkong-Chinesisch und Spanisch (Mehrfachnennungen sind möglich). Die Zuordnung beruht auf der Herkunft der Autoren oder der Publikationssprache. Fast alle Arbeiten aus der Türkei, dem arabischen Raum, China und Japan sind auf Englisch in internationalen Zeitschriften erschienen; muttersprachliche Primärliteratur war nur in Einzelfällen erreichbar, etwa deutsche [s166, s150, s164], französische [s180, s148] oder russische Arbeiten [s103, s155, s152].

**Suchwege.** Die Webseite von PubMed war für die Recherche gesperrt. Gesucht wurde deshalb über die REST-Schnittstelle von Europe PMC und über die E-utilities der US-amerikanischen National Library of Medicine; mit efetch ließen sich vollständige Abstracts abrufen. Als Suchbegriffe dienten die Wirkstoffnamen (Isotretinoin, Spironolacton, Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon, Dexamethason, Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin, Cimetidin, Ranitidin, Famotidin, Ketotifen und weitere) in Kombination mit Begriffen wie Sperma, Samenflüssigkeit, Spermatogenese, Hoden und männliche Fertilität sowie deren Entsprechungen in den Landessprachen. Ergänzend wurden Leitlinienseiten (AUA/ASRM, EAU, ESHRE, AWMF) und nationale Datenbanken versucht. Die Leitlinien AUA/ASRM und EAU waren als Webtext erreichbar und wurden per Textsuche ausgewertet [s40, s06].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Nicht jede Datenbank ließ sich abfragen, und das begrenzt die Reichweite der Studie. Erreichbar und ausgewertet waren Europe PMC, die E-utilities, TR Dizin (türkisch, über eine öffentliche Schnittstelle), CiNii Research (japanisch; die strenge UND-Verknüpfung der Suchwörter führte bei Mehrwortabfragen oft zu null Treffern) und in Teilen J-STAGE (Artikelseiten alter Kongressabstracts enthielten nur Titel, Autoren und Schlagwörter). Das französische Archiv HAL lieferte zu Isotretinoin, Spironolacton und Antihistaminika keine Treffer mit Fertilitätsbezug. Nicht oder nur eingeschränkt nutzbar waren die chinesischen Datenbanken CNKI und Wanfang, die koreanischen Datenbanken KCI, KoreaMed, DBpia, RISS und KISTI Scholar, die Portale SciELO (nur Metadaten), LILACS und Dialnet, das französische Cairn, die russischen Dienste CyberLeninka (jede Anfrage lieferte null Treffer) und eLIBRARY.ru (Anmeldung nötig), das türkische DergiPark (Bot-Prüfung, nicht umgangen) und die Arab World Research Source. Die AWMF-Seite ist eine Single-Page-Anwendung, deren Such-Schnittstelle nur eine leere Hülle lieferte; eine AWMF-Leitlinie wurde deshalb nicht geprüft. Die Folge ist eine Lücke, kein Beleg für das Fehlen weiterer Arbeiten: Chinesisch-, koreanisch-, russisch- und arabischsprachige Originalliteratur ohne Eintrag in PubMed ist mit dieser Methode kaum erfasst; der Bericht der Gruppe b nennt diese Lücke ausdrücklich erheblich.

**Überwiegend Abstracts.** Der größte Teil der Zahlen in dieser Studie stammt aus Abstracts, die über PubMed beziehungsweise Europe PMC abgerufen wurden. Volltexte wurden nur für eine kleine Teilmenge ausgewertet. In Gruppe a waren es sechs Arbeiten, darunter die dänische Isotretinoin-Studie (Preprint-Seite) [s04], die Studie zu Prednison nach Vasovasostomie [s47], die Hodenhistologie bei Transfrauen mit Spironolacton [s74] und die dänische Asthma-Studie [s56], zusätzlich die Webtexte der zwei Leitlinien [s40, s06]. In Gruppe b waren es zehn Arbeiten, unter anderem die Pharmakovigilanzstudien [s08, s35, s27], der Umbrella-Review [s19], die Übersicht zur Retinsäure [s49] und die Mausstudien zu neonatalem Corticosteron [s68, s30]. In Gruppe c waren es acht Arbeiten, unter anderem [s51, s07, s39, s38, s60, s48]. In Gruppe b lag bei 37 von 38 Quellen ein Abstract über PubMed oder Europe PMC vor; bei einer Quelle, einem Förderbericht von Chihara, nur die Projektbeschreibung über CiNii Research [s81]. Wo ein Abstract keine Zahlen enthält, steht auch in dieser Studie keine; das gilt besonders für Tierstudien. Konfidenzintervalle, Gruppengrößen und genaue Dosierungen fehlen in Abstracts häufig. Stärken und Schwächen einzelner Arbeiten stammen teils von den Autoren der Arbeit selbst, teils aus der Einschätzung der Recherche; im Text ist beides gekennzeichnet, soweit es unterscheidbar ist. Die Ergebnisse können sich ändern, wenn Volltexte ausgewertet werden.

**Quellen außerhalb der Quellenliste.** Für die WHO-Referenzwerte im Abschnitt Hintergrund wurden zwei Arbeiten ergänzend über Europe PMC abgerufen, die nicht in der Quellenliste stehen: die Übersicht von Boitrelle et al. 2021 zur 6. Auflage des WHO-Handbuchs (PMID 34947899, Zeitschrift Life) und die Datenzusammenstellung von Campbell et al. 2021 (PMID 33528873, Zeitschrift Andrology). Sie sind die einzigen Quellen dieser Studie außerhalb der Quellenliste und werden im Text mit Verfasser und Jahr genannt. Alle übrigen Zahlen stammen aus den drei Befundberichten und den dort ausgewerteten Arbeiten der Quellenliste.

**Zahlen und Begriffe.** Alle Zahlenangaben stammen aus den abgerufenen Texten und wurden nicht aus dem Gedächtnis ergänzt. Unstimmigkeiten in den Originalen werden benannt, nicht geglättet; ein Beispiel ist die Fallzahl bei Gurel 2023, wo der Methodenteil 13 Abbrecher und einen wegen Azoospermie ausgeschlossenen Mann beschreibt, die Tabellen aber 46 Männer führen [s51]. Englische und deutsche Originaltitel bleiben im Original; bei Titeln in anderen Sprachen steht die deutsche Übersetzung in Klammern. Für den Schwimmfaden der Spermien wird der Fachbegriff Flagellum (Geißel) verwendet. „n“ bedeutet Zahl der Teilnehmer oder Tiere, „KI“ Konfidenzintervall, „PRR“ Proportional Reporting Ratio, „ROR“ Reporting Odds Ratio.

**Grenzen insgesamt.** Erstens sind Samenparameter Ersatzzielgrößen; die entscheidende Größe, nämlich die Zeit bis zur Schwangerschaft oder die Geburt, wird nur selten gemessen. Zweitens sind die meisten menschlichen Studien klein, einarmig oder retrospektiv; die meisten Tierstudien verwenden Dosen, Zeitfenster (Trächtigkeit, Neugeborenenphase) und Gabewege, die sich nicht auf erwachsene Männer bei üblicher Anwendung übertragen lassen. Drittens erfassen Meldedatenbanken (FAERS, EudraVigilance) spontane Verdachtsmeldungen ohne Nenner und ohne Kontrollgruppe; Signale daraus sind keine Risikozahlen. Viertens beeinflussen Alter, Rauchen, Abstinenzzeit und Grunderkrankung die Messwerte, und in vielen Studien sind diese Größen nicht kontrolliert. Fünftens kann die Vollständigkeit der Literatur nicht garantiert werden. Sechstens lässt sich aus keiner der Quellen eine Aussage über den Einzelfall ableiten.

## Hintergrund

### Die vier Wirkstoffgruppen und wofür sie angewendet werden

**Glukokortikoide** sind Abkömmlinge des körpereigenen Nebennierenhormons Cortisol (bei Nagetieren heißt das entsprechende Hormon Corticosteron). Als Arzneimittel dienen Kortison, Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon, Betamethason und Dexamethason der Entzündungshemmung und der Dämpfung des Immunsystems. Die Quellen dieser Studie zeigen das Spektrum der Anwendungen: rheumatoide Arthritis [s48, s152], Asthma und Allergie [s56], chronisch-entzündliche Darmerkrankungen [s77, s101], Lupus [s78], die Unterdrückung der Abstoßung nach Nierentransplantation [s123], Sarkoidose [s109, s133] und das angeborene adrenogenitale Syndrom, bei dem Glukokortikoide einen Hormonmangel ausgleichen [s55, s120, s118, s88]. Daneben werden sie bei der Fertilitätsbehandlung selbst versucht, etwa bei Antispermien-Antikörpern [s157, s154] und nach der Wiederherstellung der Samenleiter [s33]. In den US-Versicherungsdaten von McEwen 2024 stand das inhalative Glukokortikoid Fluticason mit 2,70 % unter den am häufigsten an Väter in den 90 Tagen vor der Empfängnis ausgegebenen Arzneimitteln; Fertilitätsfolgen wurden in dieser Arbeit nicht gemessen [s44].

**Isotretinoin** (13-cis-Retinsäure) ist ein Abkömmling des Vitamins A und wird gegen schwere Akne eingesetzt [s04, s14]. In Dänemark lösten im Jahr 2024 11.345 Männer ein Isotretinoin-Rezept ein, am häufigsten im Alter von 18 bis 24 Jahren (14,54 pro 1.000) [s04]; in den US-Versicherungsdaten hatten 0,02 % der Väter in den 90 Tagen vor der Empfängnis ein Rezept [s44]. Die Anwendung fällt also in ein Lebensalter, in dem viele Männer ihre Fruchtbarkeit noch nicht prüfen lassen, und die Frage nach Spätfolgen ist deshalb für die Betroffenen relevant.

**Spironolacton** ist ein Aldosteronantagonist und gehört damit zu den Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten; nach der ATC-Systematik wird es zu den Herz-Kreislauf-Mitteln gerechnet. Es bindet jedoch nicht nur am Mineralokortikoidrezeptor, sondern auch an Rezeptoren für Geschlechtshormone, was als Ursache von Nebenwirkungen wie Gynäkomastie beschrieben wird [s27, s180]. Bei Transfrauen wird es zusammen mit Östrogen als Antiandrogen verwendet [s20, s74]. In den Auswertungen von Meldedaten fällt es vor allem mit Gynäkomastie auf (295 Fälle, ROR 19,90) [s27].

**Antihistaminika** bilden drei Untergruppen, die in der Literatur oft vermischt werden. H1-Blocker (Cetirizin, Fexofenadin, Loratadin, Desloratadin und andere) werden gegen Allergien eingenommen [s125, s121]. H2-Blocker (Cimetidin, Ranitidin, Famotidin) senken die Magensäure und werden pharmakologisch ebenfalls zu den Antihistaminika gezählt, haben aber mit Allergie nichts zu tun [s99, s172, s170]. Mastzellblocker mit antihistaminischer Wirkung (Ketotifen, Ebastin, Fexofenadin) wurden gerade umgekehrt als Behandlung bei Unfruchtbarkeit geprüft [s160, s137, s135, s126, s113, s117]. Wo diese Studie „Antihistaminika“ ohne Zusatz schreibt, ist dies ausdrücklich so gemeint; in den Einzelkapiteln wird unterschieden.

### Biologie: Was im Hoden geschieht und wo die Wirkstoffe angreifen könnten

Die Spermienbildung (Spermatogenese) findet in den Samenkanälchen des Hodens statt. Dort stützen und ernähren Sertoli-Zellen die Keimzellen; die Blut-Hoden-Schranke, deren Bestandteile Connexin-43 und Occludin sind, trennt das innere Milieu der Samenkanälchen vom Blut [s12, s43]. Im Zwischengewebe bilden die Leydig-Zellen Testosteron. Gesteuert wird der Hoden von der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse: Das luteinisierende Hormon (LH) regt die Testosteronbildung an, das follikelstimulierende Hormon (FSH) wirkt auf die Sertoli-Zellen, und Inhibin B aus den Sertoli-Zellen und Testosteron wirken rückkoppelnd auf die Hirnanhangsdrüse. Messgrößen dieser Achse (FSH, LH, Testosteron, Inhibin B, SHBG) kommen in mehreren Quellen vor, etwa in der dänischen Isotretinoin-Kohorte [s04], bei der Spironolacton-Gabe an Jungen mit verzögerter Pubertät [s181] und in den Studien zu Cimetidin [s172]. Nach der Samenbildung reifen die Spermien im Nebenhoden; dort wurden Veränderungen bei Spironolacton [s173] und bei Glukokortikoiden [s62] gemessen.

**Retinsäure.** Die aktive Form des Vitamins A ist für die Differenzierung der Spermatogonien und den Beginn der Meiose notwendig; Vitamin-A-Mangel stoppt die Spermatogenese, und dieser Stopp ist durch Retinsäure umkehrbar. Zugleich beschreibt die Übersicht von Zhao 2024, dass hohe Dosen die Fortpflanzung beeinträchtigen können [s49, s14]. Dieser doppelte Befund (Mangel schadet, Überschuss schadet) ist der Hintergrund der gegensätzlichen Fragen, die an Isotretinoin gestellt werden: als mögliches Gift für die Spermatogenese und als mögliche Behandlung. Ein Bindeglied zu den Behandlungsversuchen ist die Pilotstudie von Nya-Ngatchou 2013: Bei Männern mit auffälligem Ejakulat betrug die mediane 13-cis-Retinsäure im Hodengewebe 0,14 pmol/g, bei Männern mit normalem Ejakulat 0,26 pmol/g (p = 0,04; n = 24, davon 7 mit auffälligem Ejakulat) [s112]. Im Reportergentest der dänischen Studie hemmte Isotretinoin die durch Retinsäure ausgelöste Aktivierung des Rezeptors RARα, was als möglicher Mechanismus einer Wirkung auf die Meiose diskutiert wird [s04].

**Glukokortikoidrezeptor.** Der Rezeptor ist im menschlichen Hoden in peritubulären Zellen, einem Teil der Leydig-Zellen, schwach in Sertoli-Zellen und in Spermatogonien nachweisbar, nicht aber in Spermatiden; bei 893 Männern war die Genvariante BclI mit besserer Samenqualität verbunden (hypothesengenerierend) [s95]. Auch reife Spermien tragen eine Rezeptor-Isoform; in vitro erhöhte Dexamethason ihr Überleben, die Beweglichkeit und die Akrosomreaktion, bei Männern mit Varikozele war die Isoform vermindert [s45]. Hydrocortison veränderte in vitro das intrazelluläre Kalzium [s57]. Mäuse ohne das Gen für das Glukokortikoid-induzierte Leucin-Zipper-Protein (GILZ) sind unfruchtbar, mit Hodendysplasie und fehlenden postmeiotischen Keimzellen [s115, s116]; das zeigt eine Rolle von Glukokortikoid-Signalwegen für die Spermatogenese, ist aber keine Aussage über eine Arzneimitteltherapie. Im Tiermodell kann auch ein Mangel schaden: Nach Entfernung der Nebennieren sanken bei Ratten Hoden-Spermienzahl und Spermienproduktion bereits nach 2 Tagen [s108]. Die Wirkrichtung von Glukokortikoiden ist also kontextabhängig; chronisch erhöhtes körpereigenes Corticosteron ging in Stressmodellen mit Spermatogenesestörungen einher [s21, s32, s72], während bei 696 Männern keine Assoziation zwischen Haarcortisol und Hodenfunktion gefunden wurde [s69].

**Androgenwirkung.** Spironolacton hemmt die Androgenbindung am Rezeptor, ohne die 5-alpha-Reduktase der Prostata zu verändern [s180]. Bei hoher Dosis senkte es im Hundeversuch Testosteron und Östradiol im Plasma (nur bei 100 mg/kg, nicht bei 5 bis 10 mg/kg) [s176], und in vitro hemmte es die Testosteronsynthese von Rattenhodenzellen [s156]. Bei Jungen mit verzögerter Pubertät stieg unter 5 mg/kg/Tag der LH-Wert im Mittel um 60 %, was zu einer Unterbrechung der negativen Rückkopplung passt [s181]. Ob diese Mechanismen bei üblichen Dosen am erwachsenen Mann die Spermien messbar verändern, wurde direkt nicht untersucht.

**Histamin und Mastzellen.** Mastzellen kommen im Hoden und im Nebenhoden vor. In einer Mausstudie mit Bisphenol A (keinem Antihistaminikum) führte übermäßige Mastzellaktivierung mit Histaminbildung zu geringerer Expression steroidogener Enzyme und niedrigerem Testosteron [s31]. An menschlichen Spermien verminderte Histamin in vitro dosis- und zeitabhängig die Vitalität über einen Kalziumanstieg, und eine Vorbehandlung mit H1-Blockern (Chlorpheniramin, Promethazin, Diphenhydramin) verhinderte dies, während der H2-Blocker Famotidin nicht schützte [s131]. Das ist ein Laborbefund und spricht dafür, dass H1-Rezeptoren auf Spermien eine Rolle spielen können, nicht dafür, dass H1-Blocker den Spermien schaden.

**Antispermien-Antikörper (ASA).** Das Immunsystem kann Antikörper gegen Spermien bilden. Als Prävalenz bei infertilen Männern werden 2,6 bis 6,6 % [s73] und, je nach Zentrum, 9 bis 36 % [s132] angegeben; die Spannweite zeigt, wie sehr die Zahlen von Nachweisverfahren und Patientenauswahl abhängen. Zum Nachweis dienen unter anderem der MAR-Test (Mixed Antiglobulin Reaction; in einer türkischen Analyse galt ein Wert über 15 % als hoch [s122]), der Immunobead-Test, der Postkoitaltest und der Hemizona-Assay [s129]. Die AUA/ASRM-Leitlinie 2024 rät, ASA-Tests nicht in die Erstabklärung der männlichen Infertilität aufzunehmen (Expertenmeinung) [s40]. Das ordnet die Glukokortikoid-Studien zu ASA, die überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996 stammen, als überwiegend historisch ein.

**Die Grunderkrankung.** In nahezu allen Anwendungsgebieten der vier Wirkstoffgruppen ist die behandelte Krankheit selbst ein möglicher Einfluss auf die Spermien. Selbstberichtetes Asthma war in der dänischen Studie mit 6.177 jungen Männern mit niedrigerer Gesamtspermienzahl verbunden [s56]; im Rattenmodell senkte allergisches Asthma Spermienkonzentration und Beweglichkeit [s64]; bei Adjuvans-Arthritis fielen im Tiermodell Testosteron und Spermienparameter [s05, s12]; bei Lupus, Varikozele und anderen Erkrankungen werden Zusammenhänge diskutiert [s19, s155, s78]. Studien, die Krankheit und Medikament sauber trennen, sind selten. Wo eine Studie nur Behandelte mit Unbehandelten verschiedener Krankheit vergleicht, bleibt diese Störgröße bestehen.

### Begriffe und Messgrößen

**Zustandsbezeichnungen.** Oligozoospermie bedeutet eine zu geringe Spermienzahl im Ejakulat, Asthenozoospermie eine verminderte Beweglichkeit, Teratozoospermie einen erhöhten Anteil abnorm geformter Spermien; die Kombination heißt Oligoasthenozoospermie (so in den Studien zu Isotretinoin [s89] und Ketotifen [s160]). Azoospermie heißt, dass im Ejakulat keine Spermien gefunden werden, Kryptozoospermie, dass sie nur in sehr geringer Zahl und zeitweise vorkommen; beide Begriffe spielen bei den Behandlungsversuchen mit Isotretinoin eine Rolle [s26]. Von nichtobstruktiver Azoospermie spricht man, wenn die Spermienbildung selbst gestört ist und nicht ein Verschluss der Samenwege; dann kann eine Hodenoperation zur Spermiengewinnung (Mikrodissektions-TESE) für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) nötig sein [s03, s25]. Zu den Histologiebefunden zählen das Sertoli-Zell-Syndrom (nur Stützzellen im Samenkanälchen), der frühe und der späte Reifungsarrest (die Keimzellentwicklung bleibt in einer frühen oder späten Phase stehen) und gemischte Befunde [s26]. Die Begriffe sind Beschreibungen und keine Diagnosen: Die 6. Auflage des WHO-Handbuchs verwendet nach der Darstellung von Boitrelle et al. 2021 die Begriffe Normozoospermie, Asthenozoospermie, Nekrozoospermie und Teratozoospermie nicht mehr.

**Spermiogramm.** Die Standarduntersuchung umfasst das Ejakulatvolumen, die Spermienkonzentration (Millionen pro Milliliter), die Gesamtzahl pro Ejakulat, die Beweglichkeit (gesamt und progressiv, das heißt vorwärts gerichtet), die Vitalität (Anteil lebender Spermien, meist über einen Farbtest) und die Morphologie (Anteil normal geformter Spermien). Als Beispiel für die Einzelwerte, die in den Studien dieser Studie vorkommen, dient die türkische Vorher-Nachher-Studie zu Isotretinoin [s51]: Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, progressive Motilität, Vitalität und normale Morphologie. Ergänzend kommen vor: der hypoosmotische Schwelltest (HOS-Test, ein Test auf die Unversehrtheit der Spermienmembran) [s142], der Hamster-Oozyten-Penetrationstest [s97], die DNA-Fragmentierung der Spermien [s22], Kreatinkinase-Aktivität im Seminalplasma [s63] und beim Tier die Akrosinaktivität [s136], die tägliche Spermienproduktion [s09] und der Johnsen-Score der Hodenhistologie [s38]. Zu den Spermienanomalien zählen in den Tierstudien Brüche am Flagellum (der Geißel der Spermien) [s151, s80]. Die Morphologie hängt stark von der Beurteilung ab: Der Anteil normal geformter Spermien liegt in den menschlichen Studien dieser Studie meist bei wenigen Prozent bis etwa zehn Prozent [s51, s56].

**Hormonelle Messgrößen.** FSH, LH, Gesamt-Testosteron, Östradiol, Inhibin B und das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) kennzeichnen die Funktion der Hoden-Achse [s04, s100, s89]. Die dänische Isotretinoin-Studie wertete zusätzlich den Quotienten aus Inhibin B und FSH aus [s04].

**Abstinenzzeit und Messschwankung.** Wie stark ein einzelnes Spermiogramm von den Umständen abhängt, zeigt der Fallbericht von Waters 2020: Bei einem Mann mit Lupus unter Prednisolon und einem Immunsuppressivum, der vorher Cyclophosphamid erhalten hatte, ergaben drei Proben nach 2, 4 und 7 Tagen Karenz eine Vitalität von 84, 63 und 33 %, eine Beweglichkeit von 28, 18 und 15 % und ein Volumen von 0,5, 0,7 und 1,0 ml; nur die Probe nach 4 Tagen hatte eine ausreichende Konzentration (37,3 Mio./ml) [s78]. Der Fall untersucht die Abstinenzzeit und nicht das Glukokortikoid; er zeigt aber, dass kleine Unterschiede zwischen zwei Messungen allein durch die Probengewinnung entstehen können. Das ist bei den meisten hier besprochenen Studien zu beachten, weil Vorher-Nachher-Unterschiede von wenigen Prozentpunkten häufig sind.

**Fertilität als eigentliche Zielgröße.** Samenparameter sind Ersatzmaße. Die Zielgröße für die Frage „Beeinträchtigt das Mittel die Zeugungsfähigkeit?“ ist die Schwangerschaft oder Geburt, am besten die Zeit bis dahin. Sie wird in den Studien dieser Studie nur ausnahmsweise erhoben, etwa nach Vasektomie-Rückverlagerung [s33], bei Antispermien-Antikörpern [s154, s142, s141, s97] oder in den Behandlungsstudien mit Isotretinoin bei Unfruchtbarkeit [s89, s26]. Die Aussage in den Kurzfassungen der Studien, ein Mittel „beeinflusse“ die Spermienqualität, ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer Aussage über die Fruchtbarkeit des Mannes oder des Paares.

**Meldedaten und ihre Kennzahlen.** Pharmakovigilanzstudien werten spontane Meldungen über vermutete Nebenwirkungen aus (die US-Datenbank FAERS, die europäische Datenbank EudraVigilance). Die Kennzahlen PRR und ROR vergleichen den Anteil eines Ereignisses unter den Meldungen zu einem Arzneimittel mit dem Anteil unter allen anderen Meldungen; sie sind Verhältniszahlen von Meldungen und keine Risikoziffern, weil die Zahl der Behandelten (der Nenner) fehlt. Eine Dechallenge-Analyse prüft, ob das gemeldete Ereignis nach dem Absetzen verschwand, eine Rechallenge-Analyse, ob es bei erneuter Gabe wiederkam [s08]. Bei sehr seltenen Ereignissen und Fallzahlen von 3 bis 7 entstehen extrem hohe Zahlen, die kein Effektmaß sind [s27, s29].

### WHO-Referenzwerte 2021

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht seit 1980 ein Handbuch zur Untersuchung des menschlichen Ejakulats; die 6. Auflage erschien im Juli 2021 (Boitrelle et al. 2021, PMID 34947899). Die folgenden Werte sind den beiden außerhalb der Quellenliste abgerufenen Arbeiten entnommen, die in der Methodik genannt sind. Die Tabelle gibt die untere 5. Perzentile (mit 95-%-Konfidenzintervall) von Männern an, deren Partnerinnen innerhalb eines Jahres ungeschützten Verkehrs auf natürlichem Weg schwanger wurden (Tabelle 2 bei Boitrelle et al. 2021); die Konzentration nennt die Datenzusammenstellung von Campbell et al. 2021 (PMID 33528873).

| Messgröße | WHO 2010 (5. Auflage) | WHO 2021 (6. Auflage) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Gesamtzahl der Spermien (Mio. pro Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normalformen (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |
| Spermienkonzentration (Mio./ml) | nicht in dieser Tabelle | 16 (Campbell et al. 2021) |

Campbell et al. 2021 stützen sich auf Daten von mehr als 3.500 Männern aus zwölf Ländern auf fünf Kontinenten; ihre 5. Perzentilen für Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie lauten 16 Mio./ml, 30 % progressive Beweglichkeit (42 % Gesamtbeweglichkeit) und 4 % Normalformen. Sie betonen, dass diese Werte keine scharfen Grenzen zwischen fruchtbaren und weniger fruchtbaren Männern darstellen.

Drei Hinweise sind für die Lektüre der folgenden Kapitel wichtig. Erstens ist die 5. Perzentile ein Wert, den fünf Prozent der Männer in einer Gruppe fruchtbarer Väter unterschreiten; ein Wert darunter ist weder ein Beweis für Unfruchtbarkeit, noch ein Wert darüber ein Beweis für Fruchtbarkeit. Boitrelle et al. berichten, dass die 6. Auflage selbst die Idee fester Referenzgrenzen aufgibt und stattdessen „Entscheidungsgrenzen“ (decision limits) vorschlägt, für die aber weder für Basisparameter noch für erweiterte Parameter Werte genannt werden; die Autoren der Übersicht halten es für möglich, dass die Praxis weiter die 5. Perzentilen verwendet. Zweitens stammen die Studien dieser Studie aus fünf Jahrzehnten (die ältesten aus den 1970er und 1980er Jahren); Untersuchungsverfahren und Bezugswerte waren damals andere, sodass Vergleiche über die Jahrzehnte nur grob möglich sind. Drittens liegen die Mittelwerte und Mediane vieler Studien dieser Studie weit über diesen unteren Grenzen: Die Konzentration lag in der türkischen Isotretinoin-Studie vor und nach der Behandlung bei 21,02 und 22,85 Mio./ml, in der dänischen Querschnittsstudie bei Männern mit Asthma im Median bei 42 und ohne Asthma bei 46 Mio./ml [s51, s56]. Dagegen lag die mediane Konzentration der unfruchtbaren Männer in der Pilotstudie zu Isotretinoin zu Beginn bei 2,5 Mio./ml, und als Einschlusskriterium galt dort eine Konzentration unter 15 Mio./ml [s89]. Ein Vergleich von Medianen und Mittelwerten mit einer 5. Perzentile ist ohnehin nur eine grobe Orientierung. Es gilt auch: Infertilität wird nach Boitrelle et al. definiert als die Unfähigkeit, innerhalb eines Jahres bei regelmäßigem ungeschütztem Verkehr eine Schwangerschaft zu erreichen; ein männlicher Faktor sei dabei in 20 % der Fälle allein verantwortlich und in weiteren 30 % mitbeteiligt.

### Zur Geschichte der Forschungsfrage

Die Quellenliste erlaubt es, den Gang der Forschung an den Erscheinungsjahren nachzuzeichnen. Das Bild ist eine Rekonstruktion aus den 182 gefundenen Arbeiten und keine vollständige Wissenschaftsgeschichte; frühere Arbeiten ohne Abstract (etwa die klassische Studie zu Spironolacton, Gynäkomastie und Samenanomalien von 1977) sind hier nicht erfasst.

**Die 1970er Jahre: Antiandrogene und die ersten Behandlungsversuche.** Die früheste Arbeit der Liste (1975) ist ein Rattenversuch zu Cyproheptadin, einem Antihistaminikum, das bei alten Ratten die Spermatogenese anregte [s182]. 1976 erschienen drei Arbeiten zu Spironolacton: eine Mausstudie zu antiandrogener Wirkung [s179], eine französische Übersicht zu den sexuellen Nebenwirkungen und ihren Mechanismen [s180] und die Studie an sieben Jungen mit verzögerter Pubertät, bei denen LH und FSH anstiegen [s181]; 1978 folgte der Hundeversuch [s176]. Parallel entstand die Frage, ob Kortison einem unfruchtbaren Mann helfen kann: 1978 verglich eine randomisierte Studie niedrig dosiertes Kortison mit Schilddrüsenhormon bei 38 Männern mit idiopathischer Infertilität [s177], 1977 untersuchte eine dänische Studie Samenproben bei Psoriasis unter topischen Kortikosteroiden und Methotrexat [s178]. Die Fragerichtung war damals überwiegend therapeutisch: Kann ein Hormonpräparat die Samenqualität bessern?

**1981 bis 1996: Kortikosteroide bei Antispermien-Antikörpern.** Fast zwei Jahrzehnte lang bestimmte die immunologische Unfruchtbarkeit die Forschung zu Glukokortikoiden. 1981 erschienen eine Serie mit Dexamethason [s174] und die Ergebnisse hochdosierter intermittierender Steroidtherapie bei 45 Männern [s175], 1982 die Studie mit Methylprednisolon und Betamethason [s171], 1983 eine kontrollierte Studie mit Prednison [s167], 1985 eine kleine randomisierte Studie [s162], 1986 die Serie mit 76 Männern [s159], 1987 die placebokontrollierte Studie mit Methylprednisolon, die keinen Vorteil zeigte [s157]. Es folgten die doppelblinden Crossover-Studien von 1990 und 1992 mit entgegengesetztem Ergebnis [s154, s149], der Fallbericht zum polyglandulären Autoimmunsyndrom 1991 [s153] und die Studien von 1994 bis 1996 [s147, s144, s141, s142, s143]. 1993 zog eine französische Übersicht den Schluss, Kortikosteroide dürften bei immunologischer Infertilität nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]. In der Quellenliste folgt danach bis 2017 keine weitere kontrollierte Studie; dann erschien eine größere randomisierte Studie (241 Männer) mit Prednisolon vor IVF oder ICSI [s97]. Im selben Zeitraum rückte die assistierte Reproduktion in den Vordergrund; die Übersicht von Shibahara 2005 beschreibt eine befundabhängige Strategie mit ICSI, zeitgesteuertem Verkehr oder Insemination [s129], und die türkische Analyse von 2007 empfahl, bei hohem MAR-Wert direkt die ICSI zu erwägen (Einschätzung der Autoren) [s122].

**1982 bis 1991: H2-Blocker und die Frage nach unerwünschten Wirkungen.** Mit der Verbreitung der Magensäurehemmer entstanden mehrere kleine Humanstudien: Cimetidin 1982 [s172], Ranitidin gegen Placebo 1983 [s170], die Langzeitbeobachtung unter Cimetidin 1985 [s161] und der Vergleich von Nizatidin, Cimetidin und Placebo 1987 [s158]; 1991 kam ein Mausversuch zu Cimetidin und Ranitidin hinzu [s151]. Hier wandelte sich die Fragestellung von der Therapie zur Sicherheit: Hat das Arzneimittel, das eine andere Krankheit behandelt, Nebenwirkungen auf Hormone und Spermien?

**1985 bis 1999: Isotretinoin.** Zu Isotretinoin erschienen zunächst deutschsprachige Arbeiten: 1985 die Studie an 20 Freiwilligen mit Acne conglobata [s166] und der Rattenversuch mit hoher Dosis ohne Veränderung der Spermatogenese [s164], 1992 die Untersuchung von Höting mit einjähriger Nachbeobachtung [s150], 1999 ein Versuch an Wüstenrennmäusen mit Stillstand der Spermatogenese und Rückbildung nach dem Absetzen [s140]. Gleichzeitig erschienen deutsche Übersichten zu Arzneimittelwirkungen auf die männliche Fertilität [s165, s169]. Die deutschsprachigen Ergebnisse (unveränderte Dichte bei Gesunden, Rückkehr zum Ausgangswert) decken sich mit den neueren kleinen Vorher-Nachher-Studien.

**1986 bis 2013: Mastzellblocker als Hoffnung.** In einer eigenen Linie wurden Ketotifen, Ebastin und Fexofenadin zur Behandlung von Oligo- und Asthenozoospermie geprüft: 1986 [s160], 2000 [s137], 2002 [s135], 2006 [s126], 2011 [s117] und 2013 [s113]. Die Befunde reichen von eindeutiger Besserung in unkontrollierten Studien bis zu keinem Nutzen bei Fexofenadin.

**2004 bis 2013: Grundlagen und erste Warnhinweise zu H1-Blockern.** 2004 zeigte ein Laborversuch eine Rolle der H1-Rezeptoren auf Spermien [s131]. 2006 und 2008 berichtete die japanische Saitama-Gruppe zunächst über zwei Männer mit Asthenozoospermie unter Fexofenadin und Cetirizin [s125] und dann über die Serie, in der H1-Blocker die häufigste Medikation unter den Männern mit arzneimittelbedingt eingeschränkter Samenqualität waren [s121]; beide Arbeiten stammen aus einer Abteilung und wurden nicht unabhängig wiederholt. Parallel erforschte man die Rolle von Glukokortikoid-Signalwegen im Hoden (GILZ-Mäuse 2012 [s115, s116]) und die Retinsäure im menschlichen Hoden (2013) [s112]. Übersichten ordneten das Feld: die Dermatologie 2013 [s111], zu H2-Blockern 2016 [s99], zu Hauterkrankungen und männlicher Fertilität 2016 [s98], zu häufig verordneten Arzneimitteln 2015 [s104] und 2017 [s96], zu FDA-Informationen 2017 [s91] sowie zu Immunsuppressiva und weiteren Arzneimitteln [s92, s93].

**Seit 2011: Klinische Isotretinoin-Studien und Tierversuche.** Erst in den 2010er Jahren folgten moderne Studien am Menschen: die türkische Studie mit 81 Männern 2016 [s100], die Pilotstudie von Amory 2017 zu niedrig dosiertem Isotretinoin bei Oligoasthenozoospermie [s89] und die türkische Beobachtungsstudie von 2023 [s51]; Tierversuche (2011 bis 2024) blieben widersprüchlich [s119, s61, s50, s42]. Zu Glukokortikoiden entstanden in dieser Zeit viele Tierversuche mit Dexamethason als Stressmodell [s76, s82, s23, s39, s07, s13] und die Arbeiten der Wuhan-Gruppe zur vorgeburtlichen Exposition [s86, s67, s54, s43, s28, s11]; 2021 begann mit Hodenhistologien bei Transfrauen die direkte menschliche Datenlage zu Spironolacton [s74, s20].

**2020 bis 2026: Randomisierung, Meldedaten und Zusammenfassung.** Zu Glukokortikoiden nach Vasektomie-Rückverlagerung folgte auf die retrospektive Kohorte von 2020 [s75] und die kleine Serie von 2024 [s47] 2025 die randomisierte iPRED-Studie [s33]. Die Pharmakovigilanz übernahm die Rolle des Frühwarnsystems: 2025 erschienen zwei Auswertungen zu Spironolacton [s27, s29] und eine zur väterlichen Exposition [s35], 2026 die Auswertungen zu Isotretinoin [s02] und zu männlicher Infertilität insgesamt [s08]. 2024 stellte die Leitlinie von AUA/ASRM fest, dass die Evidenz zu Arzneimitteln als Risikofaktoren niedrig ist [s40]. 2026 erschienen die Metaanalyse zu Isotretinoin [s14], die Übersicht zur Isotretinoin-Behandlung der schweren männlichen Unfruchtbarkeit [s03] und die dänische Kohorte im Preprint [s04]. Am Ende steht damit eine Forschungslandschaft, in der die Frage „Schadet es?“ und die Frage „Hilft es?“ nebeneinander stehen, oft für dasselbe Arzneimittel (Isotretinoin, Glukokortikoide), und in der die großen kontrollierten Studien zur Sicherheit bei gesunden Männern fehlen.

**Warum die Frage schwer zu beantworten ist.** Aus diesem Gang lassen sich vier Gründe ableiten, die in allen folgenden Kapiteln wiederkehren. Erstens betreffen die meisten Quellen Männer mit einer bestehenden Störung (Antikörper, Azoospermie, Nebennierenerkrankung); Rückschlüsse auf Gesunde sind nicht zulässig. Zweitens fehlen Kontrollgruppen: Bei Isotretinoin ist die Mehrzahl der menschlichen Studien eine einarmige Vorher-Nachher-Studie, und bei Glukokortikoiden gibt es keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie, etwa bei Asthma oder Rheuma. Drittens ist die Grunderkrankung selbst ein möglicher Einfluss auf die Spermien (siehe oben), und die Behandlung erfolgt oft mit mehreren Arzneimitteln zugleich [s123, s78]. Viertens stammen die meisten Befunde zu Schäden aus Tierversuchen, deren Dosen, Zeitfenster und Gabewege sich nicht auf erwachsene Männer bei üblicher Anwendung übertragen lassen.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

### Abgrenzung dieses Kapitels

Dieses Kapitel behandelt zwei Gruppen von Arbeiten: zusammenfassende Arbeiten (Metaanalysen, systematische und narrative Übersichten, Leitlinien) und Beobachtungsstudien am Menschen. Als Beobachtungsstudie gilt hier jede Humanstudie ohne randomisierten und ohne placebokontrollierten Vergleichsarm. Dazu zählen Kohorten, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien, Registerauswertungen, Meldedatenanalysen, Mendelsche Randomisierungen sowie einarmige und nicht randomisierte Vorher-Nachher-Studien. Randomisierte oder placebokontrollierte Studien, Tierversuche, Laborversuche mit Spermien oder Gewebe und Einzelfallberichte gehören nicht in dieses Kapitel.

Querverweis auf die hier nicht behandelten Arbeiten, damit keine Lücke entsteht. Randomisierte oder placebokontrollierte Humanstudien: [s33], [s94], [s97], [s113], [s117], [s141], [s143], [s144], [s149], [s154], [s157], [s158], [s162], [s170], [s177]. Einzelfallberichte und kleine Fallberichte: [s15], [s25], [s55], [s70], [s78], [s83], [s88], [s109], [s118], [s120], [s125], [s133], [s153]. Tierversuche und In-vitro-Arbeiten (darunter [s01], [s05], [s07], [s09], [s11], [s12], [s13], [s18], [s21] bis [s23], [s28], [s30] bis [s32], [s34], [s37] bis [s39], [s42], [s43], [s45], [s50], [s52] bis [s54], [s57] bis [s64], [s67], [s68], [s72], [s76], [s79] bis [s82], [s84] bis [s87] und weitere) sind Gegenstand anderer Kapitel. Hinweis zur Zuordnung: Omu 1996 [s142] ist in PubMed als randomisierte kontrollierte Studie indiziert, wird hier aber behandelt, weil der Abstract die Zuteilung zur Kontrollgruppe nicht beschreibt. Wo eine dieser Arbeiten zur Einordnung einer hier besprochenen Studie unerlässlich ist, wird sie kurz genannt, ohne sie ausführlich zu besprechen.

Zur Lesart der Zahlen: Alle Zahlen stammen aus den abgerufenen Abstracts, frei zugänglichen Volltexten oder Webtexten, die in der Quellenliste geführt sind. Wo eine Quelle keine Zahl nennt, steht hier keine. „KI“ bedeutet 95-%-Konfidenzintervall, „n“ die Zahl der Teilnehmer, Meldungen oder Tiere. Einschätzungen der Verfasser dieser Studie sind als solche gekennzeichnet und von den Aussagen der Originalautoren getrennt. Dieses Kapitel enthält keine Therapieempfehlung.

### Überblick: Was die zusammenfassenden Arbeiten zu den vier Wirkstoffgruppen sagen

Vorab eine Übersicht darüber, welche der hier besprochenen zusammenfassenden Arbeiten die vier Wirkstoffgruppen überhaupt ausdrücklich nennen. Die Angaben beruhen auf den abgerufenen Abstracts beziehungsweise Webtexten. „Nicht genannt“ bedeutet: im abgerufenen Text nicht gefunden, nicht: in der Arbeit sicher abwesend, sofern nur der Abstract vorlag.

| Arbeit | Art | Glukokortikoide | Antihistaminika | Isotretinoin | Spironolacton |
|---|---|---|---|---|---|
| Panunzio 2026 [s14] | Metaanalyse | nicht genannt | nicht genannt | ausschließlicher Gegenstand | nicht genannt |
| Jebli 2026 [s10] | systematische Übersicht | im Abstract nicht genannt | im Abstract nicht genannt | im Abstract nicht genannt | im Abstract nicht genannt |
| Wang 2026 [s19] | Umbrella-Review | im Volltext nicht gefunden | im Volltext nicht gefunden | im Volltext nicht gefunden | im Volltext nicht gefunden |
| Hui 2022 [s66] | Übersicht, 234 Studien | im Abstract nicht einzeln genannt | im Abstract nicht einzeln genannt | im Abstract nicht einzeln genannt | im Abstract nicht einzeln genannt |
| Millsop 2013 [s111] | Übersicht | negative Effekte in Einzelberichten | negative Effekte in Einzelberichten | orale Retinoide: nach Aussage der Autoren kein zu erwartender Einfluss auf die Fertilität | negative Effekte in Einzelberichten |
| Abdel-Naser 2016 [s98] | Übersicht | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | als Antiandrogen genannt |
| Drobnis 2017 [s92] | Kapitel | ausführlich | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Drobnis 2017 [s93] | Kapitel | nicht genannt | H2-Blocker (Cimetidin) | Retinoide aufgeführt | nicht genannt |
| Brannigan 2024 [s40] | Leitlinie | im Webtext nicht gefunden | im Webtext nicht gefunden | im Webtext nicht gefunden | im Webtext nicht gefunden |
| EAU 2026 [s06] | Leitlinie | nur in Ursachentabellen | im Webtext nicht gefunden | im Webtext nicht gefunden | nur in Ursachentabelle |

Die Tabelle zeigt vor allem eines: Die großen übergreifenden Arbeiten und die beiden Leitlinien nennen die vier Wirkstoffgruppen kaum. Die Evidenz zu den vier Gruppen steckt in Einzelstudien und in wenigen spezialisierten Übersichten.

### Die einzige quantitative Metaanalyse

**Panunzio 2026 [s14], Italien und Spanien, systematische Übersicht mit Metaanalyse.** Originaltitel: *Could isotretinoin be a new therapeutic frontier for male infertility? A systematic review and meta-analysis*, Int Urol Nephrol 2026. Es ist die einzige Metaanalyse im gesamten Material, und sie betrifft ausschließlich Isotretinoin.

*Methodik.* Die Suche lief in MEDLINE/PubMed, Scopus und Web of Science von Beginn der Datenbanken bis November 2025, nach den PRISMA-Regeln. Gesucht wurden Originalarbeiten zu Isotretinoin und Samenparametern, Fortpflanzungshormonen, Sexualfunktion oder Fertilitätsergebnissen. Die Ergebnisse wurden erzählend zusammengefasst; eine Metaanalyse mit Modell zufälliger Effekte (Random-Effects) erfolgte nur für Samenparameter, bei denen Mittelwerte und Standardabweichungen vorlagen.

*Population.* Eingeschlossen wurden sechs klinische Studien mit zusammen 225 Männern. Drei Kohorten betrafen Dermatologie-Patienten mit normaler Ausgangsfertilität (zusammen n = 167), die Standardschemata gegen Akne erhielten. Drei Kohorten betrafen Infertilitätspatienten (zusammen n = 58), die niedrig dosiertes Isotretinoin wegen Oligoasthenozoospermie, Kryptozoospermie oder nichtobstruktiver Azoospermie bekamen.

*Ergebnisse.* In den Dermatologie-Kohorten ergab die Metaanalyse kleine, aber statistisch signifikante Anstiege. Die Spermienkonzentration stieg im Mittel um 1,77 Mio./ml (Mittelwertdifferenz, p = 0,028), die Vitalität um 3,74 Prozentpunkte (p = 0,009). Für die progressive Motilität (+4,12 %) und die normale Morphologie (+1,13 %) fanden sich positive, aber nicht signifikante Trends. In den Infertilitäts-Kohorten stieg die Konzentration um etwa 1,3 Mio./ml und die progressive Motilität um 3 %; die normale Morphologie blieb bei Oligoasthenozoospermie stabil. Bei 37 bis 44 % der azoospermen oder kryptozoospermen Männer traten erstmals Spermien im Ejakulat auf; in drei Studien kam es zu Schwangerschaften, spontan und mit assistierter Reproduktion. Keine der Studien berichtete eine eingeschränkte Fertilität oder eine neu aufgetretene sexuelle Funktionsstörung. Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als niedrig bis moderat und schließen, die derzeitigen klinischen Daten stützten keinen Fortpflanzungsschaden durch Isotretinoin.

*Konfidenzintervalle und Heterogenität.* Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße (I², Q-Test) sind im Abstract nicht angegeben. Eine frei zugängliche Volltextfassung war in Europe PMC nicht verfügbar; die Zahlen aus den Forest-Plots konnten deshalb nicht geprüft werden. Auch die Namen der sechs eingeschlossenen Studien stehen nicht im Abstract. Ob die türkischen Kohorten [s51] und [s100] enthalten sind, ist daher nicht belegt. Aus den Teilnehmerzahlen allein lässt sich das nicht erschließen.

*Stärken.* Systematische Suche in drei Datenbanken, PRISMA-Berichtsweise, getrennte Auswertung gesunder Männer und Infertilitätspatienten, Angabe der Vertrauenswürdigkeit der Evidenz.

*Schwächen.* Sehr wenige Studien, nach dem Abstract überwiegend einarmige Vorher-Nachher-Kohorten ohne Kontrollgruppe; keine Vergleichsgruppe ohne Isotretinoin, daher sind Spontanschwankung der Samenwerte, Abstinenzzeit und Regression zur Mitte nicht ausgeschlossen (Einschätzung der Verfasser). Kleine Effekte der Größenordnung von 1,8 Mio./ml liegen im Bereich der üblichen Messschwankung eines einzelnen Spermiogramms (Einschätzung der Verfasser). Die Schlussformel „keine Hinweise auf Schaden“ stützt sich auf das Fehlen berichteter Schäden in sehr kleinen Studien und ist kein Beleg für Unbedenklichkeit; Die Meldedatenanalyse [s02] und die dänische Querschnittsstudie [s04] (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien) nennt der Abstract nicht; beide wurden zeitlich nach dem Suchende der Metaanalyse (November 2025) veröffentlicht beziehungsweise als Preprint eingestellt.

*Einordnung.* Die Metaanalyse beantwortet die Frage „verbessert oder verschlechtert Isotretinoin die Samenparameter bei einarmigen Studien?“ und ist die beste verfügbare Zusammenfassung dieser kleinen Literatur. Sie ist keine Aussage zu Langzeitfolgen, Fertilität im Sinne von Schwangerschaften gesunder Männer oder zur Vaterschaftsrate.

### Systematische Übersichten und der Umbrella-Review

**Jebli 2026 [s10], Frankreich (Marseille), aktualisierte systematische Übersicht.** Originaltitel: *The Impact of Common Medications on Male Fertility: An Updated Systematic Review*, Andrology 2026. Die Arbeit aktualisiert die Übersicht derselben Marseiller Gruppe von 2017 [s96]. Methodik: PRISMA 2020; eingeschlossen wurden nur Originalstudien von 2016 bis 2025 an Männern, die nichtzytotoxische Arzneimittel erhielten und bei denen Spermatogenese, Samenparameter oder Fortpflanzungshormone gemessen wurden. Die Daten wurden beschreibend zusammengefasst und nach Arzneimittelklasse und Einzelsubstanz geordnet. Von 16.310 gefundenen Arbeiten wurden 184 eingeschlossen. Der Abstract nennt als schädlich beschriebene Wirkstoffe, die bereits in der Übersicht von 2017 enthalten waren: Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Sertralin, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane. Neu mit gutem bis hohem Evidenzniveau für schädliche Wirkungen auf männliche Hormone oder Fertilität kamen Duloxetin, Thiopurine, Dutasterid, Valganciclovir, Efavirenz, Valproat und Hydroxycarbamid hinzu. Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton stehen im Abstract nicht. Konfidenzintervalle oder Effektgrößen enthält der Abstract nicht, weil die Synthese ausdrücklich beschreibend ist. *Stärken:* große Zahl ausgewerteter Studien, feste Zeitspanne, PRISMA, Bewertung nach Evidenzstufen. *Schwächen:* keine quantitative Zusammenfassung; im Abstract fehlt die Angabe, wie viele der 184 Studien die vier hier untersuchten Gruppen betreffen; der Volltext wurde nicht ausgewertet. *Einordnung:* Dass die vier Gruppen im Abstract unter den Substanzen mit guter oder hoher Evidenz für Schäden fehlen, ist keine Entwarnung, sondern heißt nur, dass sie dort nicht aufgeführt sind (Einschätzung der Verfasser).

**Semet 2017 [s96], Frankreich (Marseille), systematische Übersicht (Vorgängerarbeit zu [s10]).** Originaltitel: *The impact of drugs on male fertility: a review*, Andrology 2017. Die Arbeit fasst die negativen Wirkungen und Assoziationen nichtzytotoxischer Arzneimittel auf die männliche Fertilität zusammen. Nach den Autoren sind die Wirkungen auf Spermatogenese, Spermienreifung oder Sexualfunktion in den meisten Fällen nach Absetzen des Arzneimittels umkehrbar. Als Substanzen mit sehr gutem oder gutem Evidenzgrad für schädliche Wirkungen werden Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane ausführlich behandelt. Bei Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil und Methotrexat wird eine mögliche Unumkehrbarkeit der Auswirkungen auf Samenparameter oder Spermien-DNA erwähnt. Die vier Wirkstoffgruppen dieser Studie stehen im Abstract nicht. Zahlen enthält der Abstract nicht.

**Wang 2026 [s19], China (Chengdu), Umbrella-Review.** Originaltitel: *Current risk factors for male infertility and semen parameters: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses*, Asian J Androl 2026. Methodik: Suche in Web of Science, MEDLINE und Embase von Januar 2000 bis Februar 2025; Endpunkte waren Infertilität, Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Spermiengesamtzahl, Morphologie, Motilität und progressive Motilität. Eingeschlossen wurden 43 Arbeiten mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen, die einzeln nach GRADE bewertet wurden: 136 (54,6 %) mit „sehr niedriger“, 59 (23,7 %) mit „niedriger“ und 54 (21,7 %) mit „moderater“ Vertrauenswürdigkeit. Als Faktoren, die das Risiko abnormer Samenparameter erhöhen können, nennt der Abstract Typ-1-Diabetes, metabolisches Syndrom, Hyperthyreose, systemischen Lupus erythematodes, chronische Prostatitis und Leukozytospermie. Mit verminderter Samenqualität assoziiert seien Adipositas, Schlafstörungen, Rauchen, Schadstoffe (Schwefelkohlenstoff, Organophosphate, Blei), die Einnahme von Sulfasalazin, Mesalazin und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern sowie einige Virusinfektionen. Regelmäßige Bewegung, Nüsse und eine gesunde Ernährung könnten diesen Prozess umkehren. Eine Stichwortsuche im frei zugänglichen Volltext nach Glukokortikoid, Prednison, Dexamethason, Kortikoid, Spironolacton, Isotretinoin, Retinoid, Antihistaminikum, Cetirizin und Loratadin ergab je null Treffer. Die Autoren räumen ein, dass bei einigen der Faktoren die Kausalität nicht geprüft ist. *Stärken:* höchste Ebene der üblichen Evidenzhierarchie, GRADE-Bewertung jeder einzelnen Effektgröße, lange Suchperiode. *Schwächen:* Ein Umbrella-Review kann nur bewerten, was in eingeschlossenen Metaanalysen steht; für die vier Wirkstoffgruppen lagen offenbar keine Metaanalysen vor (Schluss aus der Volltextsuche; die Arbeit sagt das nicht ausdrücklich). 78,3 % der Effektgrößen sind mit „sehr niedrig“ oder „niedrig“ bewertet. *Einordnung:* Für die vier Gruppen liefert diese Arbeit keine bewertete Effektgröße. Der systemische Lupus erythematodes als Erkrankung erscheint als möglicher Risikofaktor; das ist für die Beurteilung von Glukokortikoid-Studien bei Lupus-Patienten als Störgröße relevant (Einschätzung der Verfasser).

**Hui 2022 [s66], Singapur, Übersicht über 234 Studien.** Originaltitel: *Review of dermatologic medications and impact on male fertility, sexual dysfunction and teratogenicity*, Andrology 2022. Methodik: PubMed-Suche mit MeSH-Begriffen von Beginn bis 22. April 2021, bezogen auf die häufigsten Arzneimittel des größten dermatologischen Spezialzentrums für ambulante Patienten in Singapur; eine zweite Suche ergänzte häufige nichtdermatologische Arzneimittel; zusätzlich dienten Online-Arzneimittelinformationen und die zehnte Auflage von „Drugs in Pregnancy and Lactation“. Ergebnis laut Abstract: 234 Studien, 131 Arzneimittel; 34 Arzneimittel wurden mit männlicher Infertilität und sexueller Funktionsstörung in Verbindung gebracht, 16 mit Bedenken zur Teratogenität. Der Abstract nennt keine Einzelsubstanzen und keine Effektgrößen; eine Aussage zu Isotretinoin, Spironolacton, Glukokortikoiden oder Antihistaminika lässt sich daraus nicht ableiten. *Stärken:* Ausrichtung auf die dermatologische Praxis, große Zahl bewerteter Wirkstoffe. *Schwächen:* nur eine Datenbank, Mischung aus Studien und Arzneimittelinformationen, keine formale Bewertung der Studienqualität im Abstract, keine Trennung nach Evidenzstärke. Die Substanzliste im Volltext wurde nicht ausgewertet.

**Jafari 2021 [s71], Iran, systematische Übersicht iranischer Studien.** Originaltitel: *The factors affecting male infertility: A systematic review*, Int J Reprod Biomed 2021. Gegenstand sind Faktoren, die in der iranischen männlichen Bevölkerung mit Infertilität zusammenhängen. Suche in PubMed, Google Scholar, SID und Scopus, Englisch und Persisch, ohne Zeitgrenze bis April 2020. Von 691 Arbeiten wurden 14 mit zusammen 26.324 infertilen Männern eingeschlossen. Zu den genannten Faktoren zählen Samenanomalien, Varikozele und Hodenerkrankungen, Rauchen, Hitzeexposition, Adipositas, anabole Steroide, Antidepressiva, die Einnahme von Ranitidin und Cimetidin, Alkohol, chronische Erkrankungen und genetische Faktoren; am häufigsten fanden sich Samen- und Varikozelenbefunde. *Stärken:* Bündelung regionaler Literatur, auch persischsprachiger Quellen. *Schwächen:* keine Effektgrößen im Abstract; die Studiendesigns der 14 Arbeiten sind im Abstract nicht angegeben; Ranitidin und Cimetidin werden als Faktoren aufgelistet, ohne dass der Abstract Ausmaß, Vergleichsgruppe oder Störgrößen nennt. Mögliche Störgröße ist die Grunderkrankung, für die die Substanzen genommen wurden (Einschätzung der Verfasser). *Einordnung:* ein Hinweis auf eine Assoziation in der Literatur einer Region, kein Nachweis einer Wirkung.

**Samplaski 2015 [s104], USA, Übersichtsarbeit.** Originaltitel: *Adverse effects of common medications on male fertility*, Nat Rev Urol 2015. Narrative Übersicht über häufig verwendete Arzneimittel, überwiegend aus der Urologie: Testosteron, 5α-Reduktase-Hemmer (Beeinträchtigung von Sexualfunktion, Ejakulatvolumen und Samenparametern je nach Dosis und Dauer), Alphablocker, Phosphodiesterasehemmer, Antihypertensiva, Psychopharmaka, Antibiotika, Chemotherapeutika. Nach den Autoren sind viele Wirkungen meist reversibel, schlüssige Belege am Menschen aber häufig begrenzt. Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton werden im Abstract nicht genannt. Keine Zahlen im Abstract; die Suchstrategie ist im Abstract nicht beschrieben.

**Ding 2017 [s91], China (Nantong, Nanjing) und weitere Länder, Auswertung von FDA-Arzneimittelinformationen.** Originaltitel: *FDA-approved medications that impair human spermatogenesis*, Oncotarget 2017. Methodik: Die Autoren durchsuchten DailyMed, die offizielle Seite der Beipackinformationen zugelassener Arzneimittel der US-Behörde FDA, nach Einzelwirkstoffen, die die Spermatogenese beeinflussen können. Ergebnis: 65 Arzneimittelinformationen verschiedener Klassen wiesen auf ein Potenzial hin, Spermienbildung oder -reifung zu beeinflussen; am häufigsten waren hormonelle Wirkstoffe, danach Antineoplastika. Der Abstract hält fest, dass mehrere Entzündungshemmer in den Informationen als spermatogenesebeeinflussend geführt werden, was von der begutachteten Literatur nicht gestützt werde. Mehrere Substanzen seien in den Informationen als spermientoxisch angegeben, ohne dass dies in der begutachteten Literatur berichtet sei. *Stärken:* systematischer Blick auf die Informationsquelle, die in der Praxis oft zuerst gelesen wird. *Schwächen:* Arzneimittelinformationen sind keine Studien; Details der Wirkungen auf die Spermatogenese fehlen laut Autoren weitgehend. Eine Zuordnung zu den vier Gruppen nennt der Abstract nicht.

### Leitlinien

**AUA/ASRM 2024 [s40], USA, Leitlinie mit systematischer Übersicht zu Risikofaktoren.** Brannigan et al., *Updates to male infertility: AUA/ASRM guideline (2024)*; veröffentlicht 2020, 2024 geändert; Volltext als Webtext abgerufen. Die Leitlinie hält fest, dass Risikofaktoren (Lebensstil, Medikamente, Umwelt, Beruf) angesprochen werden dürfen, die Datenlage bei den meisten Faktoren aber begrenzt ist (bedingte Empfehlung, Evidenzgrad C). Für die Arzneimittel der Tabelle 8 liegt nur niedrige Evidenz vor; keines außer Finasterid (dosisabhängig geringeres Ejakulatvolumen) zeigte eine signifikante Wirkung. Anabole Steroide und exogenes Testosteron unterdrücken bei Anwendung die Spermatogenese. Stress sei bei niedriger Evidenz mit einer kleinen Abnahme der progressiven Motilität verbunden. Antispermien-Antikörper-Tests nimmt die Leitlinie als Expertenmeinung nicht in die Erstabklärung auf. Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide kommen im abgerufenen Text nicht vor. *Einordnung:* Die Leitlinie bewertet Medikamente als Risikofaktoren niedrig, weil Störgrößen häufig nicht kontrolliert sind und meist Samenparameter statt Schwangerschaften als Ersatzzielgröße dienen. Ein Fehlen im Text ist keine Aussage über Unbedenklichkeit.

**EAU 2026 [s06], Europa, Leitlinie Sexuelle und Reproduktive Gesundheit.** Webtext (rund 2,3 MB) des Kapitels Hypogonadismus und männliche Infertilität, am 04.10.2026 abgerufen und per Textsuche ausgewertet. Spironolacton erscheint in den Ursachentabellen des Hypogonadismus-Kapitels unter Androgenresistenz und verminderter Testosteronwirkung als steroidales Antiandrogen mit Androgenrezeptor-Blockade (zusammen mit Cyproteronacetat). Glukokortikoide erscheinen in den Ursachentabellen als Cushing-Syndrom, als Medikamentengruppe neben Opiaten und GnRH-Analoga unter den Ursachen hypogonadotroper Störungen und unter den Arzneimitteln, die das sexualhormonbindende Globulin senken. Aussagen zur Samenqualität unter Glukokortikoiden enthält der Text nicht. Isotretinoin und Antihistaminika kommen nicht vor. *Einordnung:* Es handelt sich um Auflistungen von Ursachen, nicht um Aussagen über Spermienzahlen oder Fertilität.

### Übersichten zu Isotretinoin und Retinsäure

**Amory, Jessup, Turek 2026 [s03], USA (Seattle, San Francisco), Übersichtsarbeit.** Originaltitel: *Isotretinoin for the treatment of severe male infertility*, Curr Opin Urol 2026. Die Arbeit stammt von der Gruppe, die die zugrunde liegenden Pilotstudien [s89] und [s26] durchgeführt hat; eine mögliche Befangenheit ist deshalb nicht auszuschließen (Einschätzung der Verfasser). Rationale: Männer mit Azoospermie müssen sich derzeit einem Hodeneingriff zur Spermiengewinnung für ICSI unterziehen, der nur in etwa 50 % erfolgreich ist. Pilotstudien legen nahe, dass Isotretinoin über 3 bis 6 Monate bei bis zu einem Viertel der Männer mit Azoospermie zu zuverlässig ejakulierten Spermien führen kann. Je nach Histologie zeigten 25 bis 40 % der Männer mit Reifungsarrest eine Besserung, Männer mit reinem Sertoli-Zell-Syndrom offenbar nicht. In einer Fallserie bei Kryptozoospermie wurde bei etwa der Hälfte der Männer eine Spermienproduktion erreicht, die ICSI mit ejakuliertem Samen erlaubt. Die Autoren sehen größere Studien als notwendig an. Der Abstract enthält keine Konfidenzintervalle. Die Übersicht ist eine Behandlungsübersicht bei Infertilität, keine Sicherheitsübersicht für gesunde Männer.

**Zhao 2024 [s49], China (Peking), Übersichtsarbeit zur Retinsäure.** Originaltitel: *The Role of Retinoic Acid in Spermatogenesis and Its Application in Male Reproduction*, Cells 2024. Retinsäure, ein aktiver Metabolit des Vitamin A, ist nach den Autoren für die Differenzierung der Spermatogonien, die Meiose und die Bildung reifer Spermien entscheidend; Vitamin-A-Mangel stoppt die Spermatogenese, was Retinsäure umkehren kann; Retinsäure kann bei manchen Männern mit Fortpflanzungsstörungen die Fertilität wiederherstellen, wirkt aber nicht universell, und hohe Dosen könnten die Fortpflanzung beeinträchtigen. Im frei zugänglichen Volltext wird 13-cis-Retinsäure nur als eines der Isomere aufgeführt; der Wirkstoff Isotretinoin wird im Text nicht namentlich genannt. Zu hohen Dosen nennt der Text Hodendegeneration oder Beeinträchtigung der Spermatogenese bei Mäusen, Eidechsen und Hunden und nach übermäßiger Behandlung eine beeinträchtigte Hodenentwicklung mit verminderter Keimzellzahl bei Feten. *Einordnung:* biologischer Hintergrund (Mangel wie Überschuss gelten als schädlich), keine Aussage über Isotretinoin in therapeutischer Dosierung beim Mann.

**Millsop 2013 [s111], USA (Davis), Übersicht zu Dermatologika.** Originaltitel: *Dermatological medication effects on male fertility*, Dermatol Ther 2013. Methodik: Suche nur in MEDLINE und nur in englischer Sprache mit Begriffen zu männlicher Infertilität, Spermatogenese, Fertilität, Arzneimittelwirkungen und Dermatologie. Methotrexat und Finasterid führten zu schwerer Oligospermie und reversibler Infertilität; Ketoconazol beeinträchtigte Spermienmotilität und Testosteronbildung. Einzelne Fallberichte und eine begrenzte Zahl von Studien zeigten negative Effekte von Tetrazyklinen, Erythromycin, Chloroquin, Glukokortikoiden, Spironolacton und Antihistaminika auf die Fertilität. Die Autoren halten fest, Patienten könnten beruhigt werden, dass orale Retinoide, Ciclosporin, Azathioprin und TNF-α-Hemmer die Fertilität nicht beeinflussen dürften. Das ist eine Aussage der Autoren, die sich auf die Datenlage bis 2013 stützt; die später erschienenen Studien zu Isotretinoin [s04], [s02] sind darin naturgemäß nicht enthalten. *Stärken:* gezielter Blick auf die Dermatologie. *Schwächen:* nur eine Datenbank, nur Englisch, im Abstract keine Zahlen, keine Angabe, welche Fallberichte und Studien zu Glukokortikoiden, Spironolacton und Antihistaminika gemeint sind.

**Abdel-Naser 2016 [s98], Ägypten und Deutschland, Übersichtsarbeit.** Originaltitel: *Male fertility and skin diseases*, Rev Endocr Metab Disord 2016. Der Abstract behandelt Hauterkrankungen, die die männliche Fertilität beeinflussen (Genodermatosen mit Kryptorchismus und Hypogonadismus, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Sarkoidose, Zinkmangel, Malignome), und nennt Therapeutika von Hauterkrankungen, die für ihre Wirkung auf die männliche Fertilität berüchtigt seien, besonders zytotoxische Wirkstoffe (Methotrexat), Bestrahlung und Antiandrogene (Spironolacton, Finasterid). Zahlen enthält der Abstract nicht; welche Daten die Aussage zu Spironolacton tragen, ist daraus nicht zu erkennen.

### Übersichten zu Glukokortikoiden, Immunsuppressiva und Antispermien-Antikörpern

**Drobnis und Nangia 2017 [s92], USA, Buchkapitel „Immunosuppressants and Male Reproduction“.** Originaltitel: *Immunosuppressants and Male Reproduction*, Adv Exp Med Biol 2017. Es ist die ausführlichste Übersicht zu Glukokortikoiden im Material. Der Abstract hält fest: Eine lang dauernde Immunsuppression kommt gelegentlich bei infertilen Männern mit chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder nach Organ- oder Stammzelltransplantation vor; chronische Entzündung wirkt sich negativ auf Fortpflanzungsparameter aus, sodass eine Immunsuppression Verbesserungen bringen kann. Kortikosteroide wurden bei Antispermien-Antikörpern und sogar als empirische Behandlung der männlichen Infertilität eingesetzt; die Studien dazu ergaben gemischte Ergebnisse bei Samenqualität und Fertilität, nämlich Besserung, keine Änderung und negative Wirkungen. In „einer erheblichen Zahl“ von Beobachtungsstudien lag bei Patienten unter Langzeit-Prednison wegen chronischer Entzündung das Testosteron niedriger als bei Unbehandelten; randomisierte Studien dazu wurden nicht durchgeführt. Ähnliche Testosteronabnahmen werden bei Männern berichtet, die zur Vermeidung einer Transplantatabstoßung Kortikosteroide erhielten, doch waren die meisten mit mehreren Immunsuppressiva behandelt, die zu diesem Effekt beigetragen haben können. Eine große Zahl von Studien an gesunden Männern unter Kortikosteroiden zeigte Störungen der Fortpflanzungshormone, andere Studien keinen Effekt. In Versuchen an Affen, Ratten (bei menschenäquivalenter Dosis), Rindern, Schafen und Pferden zeigten sich endokrine Störungen, darunter niedriges Testosteron unter Dexamethason. Bei den zytostatischen Immunsuppressiva erhielt Cyclophosphamid die meiste Aufmerksamkeit (teils deutlich erniedrigte Spermienzahlen); Methotrexat kann beim Menschen die Spermienzahl senken; für Ciclosporin, Sirolimus und Everolimus gibt es Hinweise auf endokrine Störung und Beeinträchtigung der Samenqualität. Die Autoren halten gut geplante Studien für den Menschen für fehlend. *Stärken:* breite Übersicht über Klassen, Trennung von Behandlungs- und Schädigungsstudien. *Schwächen:* narratives Vorgehen, Abstract ohne Zahlen und ohne Suchstrategie; ein Teil der Aussagen beruht auf Beobachtungsstudien, in denen Grunderkrankung und Begleitmedikation nicht zu trennen sind. Wichtig für die Einordnung: Das Kapitel betrifft ausdrücklich Hormonwerte (Testosteron) und nicht nur Samenparameter; ein niedrigeres Testosteron unter Langzeitprednison ist nicht gleichbedeutend mit einer verminderten Spermienqualität.

**Kaltsas 2024 [s41], Griechenland, Übersicht empirischer Therapien.** Originaltitel: *Empirical Treatments for Male Infertility: A Focus on Lifestyle Modifications and Medicines*, Diseases 2024. Die Arbeit prüft Lebensstiländerungen und Medikamente (selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren, Gonadotropine, Aromatasehemmer, Phosphodiesterase-5-Hemmer, Antioxidanzien, Dopaminagonisten, Kallikrein, Indometacin, niedrig dosierte Kortikosteroide, Alphablocker, Stickstoffmonoxid-Spender) bei Männern mit Infertilität. Für niedrig dosierte Kortikosteroide und Alphablocker nennt der Abstract „variable Ergebnisse“. Die Gesamtbotschaft der Autoren, empirische Therapien verbesserten die Spermienqualität „signifikant“, wird durch den Hinweis relativiert, dass umfangreiche randomisierte Studien nötig seien. Zahlen enthält der Abstract nicht; die Suchmethode ist nur als „gründliche Literaturdurchsicht“ beschrieben. *Einordnung:* Behandlungsübersicht, keine Sicherheitsaussage; für Kortikosteroide weist sie auf uneinheitliche Ergebnisse hin.

**Yessirkepov 2024 [s48], Kasachstan und Türkei, narrative Übersicht zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.** Originaltitel: *Uncovering the link between inflammatory rheumatic diseases and male reproductive health: a perspective on male infertility and sexual dysfunction*, Rheumatol Int 2024. Der Abstract betont, dass Forschung speziell zur männlichen Infertilität bei diesen Erkrankungen „spärlich“ ist, und behandelt Sexualfunktion, Samenmerkmale und Hormonhaushalt sowie Antirheumatika nach Klassen. Im abgerufenen Volltext heißt es zu systemischen Kortikosteroiden: In einer zitierten Untersuchung (Martens et al.) hatten Männer mit rheumatoider Arthritis ohne Steroide normales Testosteron bei deutlich erhöhten FSH- und LH-Werten, die Steroidgruppe zusätzlich erniedrigtes Testosteron. Hochdosierte Kortikosteroide könnten die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse stören und Testosteron senken; es gebe aber nicht genug Daten, um einen Einfluss auf die männliche Fertilität zu belegen. Zitiert wird außerdem eine Beobachtung (Miedany et al.), dass intramuskuläre Methylprednisolon-Injektionen bei Männern mit rheumatoider Arthritis mit erektiler Dysfunktion verbunden waren. *Stärken:* Überblick über Rheuma-Arzneimittel. *Schwächen:* kein systematisches Vorgehen im abgerufenen Text, keine Effektgrößen, die Hormonbefunde stammen aus zitierten Primärarbeiten, die nicht selbst geprüft wurden.

**Entzündliche Darmerkrankungen: Shin 2016 [s101] und Park 2020 [s77].** *Shin und Okada 2016 [s101], Japan (Saitama):* *Infertility in men with inflammatory bowel disease*, World J Gastrointest Pharmacol Ther 2016; Literaturübersicht auf Basis einer PubMed-Suche mit den Begriffen „IBD AND male infertility“, „Crohn's disease AND male infertility“ und „ulcerative colitis AND male infertility“. Aktive Entzündung, Mangelernährung, Alkohol, Rauchen, Medikamente und Operationen können bei Männern mit CED Unfruchtbarkeit verursachen. Von den CED-Medikamenten verringere Sulfasalazin reversibel die männliche Fertilität; andere Medikamente scheinen sie nicht wesentlich zu beeinflussen, wobei kleine Studien einige Nebenwirkungen nahelegten; es gebe nur begrenzte Daten zu Fertilität und Schwangerschaftsausgängen. *Park und Kim 2020 [s77], Korea (Busan):* *Sexual Dysfunction and Fertility Problems in Men with Inflammatory Bowel Disease*, World J Mens Health 2020; Literaturübersicht zu Sexualfunktionsskalen und Ursachen von Sexualstörung und Infertilität, mit Sulfasalazin als belegtem Einflussfaktor sowie Rauchen, Alkohol und Essgewohnheiten. Beide Abstracts nennen Glukokortikoide nicht gesondert; ob die Volltexte sie behandeln, wurde nicht geprüft. Die Arbeiten stützen nur, dass Glukokortikoide in den Abstracts nicht als hervorstechender Fertilitätsfaktor bei CED genannt werden, im Unterschied zu Sulfasalazin; quantifiziert wird das nicht.

**Antispermien-Antikörper: Gupta 2022 [s65], Silva 2021 [s73], Shibahara 2005 [s129], Naz 2004 [s132], Francavilla 1999 [s139], de Almeida 1993 [s148].** Diese sechs Arbeiten sind die Übersichtsliteratur zu dem Anwendungsgebiet, in dem Glukokortikoide bei männlicher Infertilität am häufigsten untersucht wurden.

*Gupta 2022 [s65], USA (Cleveland) mit weltweiter Autorengruppe.* Originaltitel: *Antisperm Antibody Testing: A Comprehensive Review of Its Role in the Management of Immunological Male Infertility and Results of a Global Survey of Clinical Practices*, World J Mens Health 2022. Umfassende Übersicht zu Ursachen der Antikörperbildung, klinischen Indikationen des Tests (Mixed-Antiglobulin-Reaktion, Immunobead-Test; im WHO-Handbuch, 5. Auflage, beschrieben und in der 6. Auflage unter den erweiterten Samentests geführt), Laborverfahren, Qualitätskontrolle, verfügbaren Behandlungen und Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zur Praxis. Der Abstract nennt keine Zahlen und keine Einzelergebnisse der Umfrage und keine Aussage zu Kortikosteroiden. Spermienagglutination reicht nicht zur Diagnose einer immunologischen Infertilität aus, Antikörper können auch ohne Agglutination vorliegen.

*Silva 2021 [s73], Portugal (Coimbra).* Originaltitel: *The impact of antisperm antibodies on human male reproductive function: an update*, Reproduction 2021. Die Prävalenz immunologischer Infertilität beträgt 2,6 bis 6,6 % unter infertilen Männern. Die Autoren sammelten Humanstudien des letzten Jahrzehnts, nennen die Störung der Blut-Hoden- und Blut-Nebenhoden-Schranke als Hauptfaktor und die Spermienmotilität als am häufigsten beeinträchtigten Parameter. Entwicklung von Behandlungen sei begrenzt, „am vielversprechendsten“ seien Kortikosteroide. Sie beklagen widersprüchliche Ergebnisse, fehlenden Konsens über Schwellenwerte und fehlende multizentrische Studien mit großen Kohorten. Zahlen zu den Kortikosteroidstudien enthält der Abstract nicht; auch fehlt die Angabe, welche Studien diese Aussage tragen (Einschätzung der Verfasser: Die Einschränkung auf „Studien der letzten zehn Jahre“ am Menschen lässt vermuten, dass die klassischen Kortikosteroid-Studien der 1980er und 1990er Jahre nur indirekt eingehen).

*Shibahara 2005 [s129], Japan (Jichi Medical School).* Originaltitel: *Diagnosis and treatment of immunologically infertile males with antisperm antibodies*, Reprod Med Biol 2005. Der Abstract beschreibt eine befundabhängige Strategie: Diagnose mit direktem Immunobead-Test, Postkoitaltest und Hemizona-Assay; bei auffälligem Hemizona-Index erscheine ICSI als Primärbehandlung vernünftig, bei normalem Index könnten zeitgesteuerter Verkehr oder intrauterine Insemination gewählt werden, je nach Postkoitaltest. Die Behandlungsstrategie ähnele der bei Oligo- oder Asthenozoospermie. Kortikosteroide nennt der Abstract nicht. Die Arbeit ordnet die Antikörperbehandlung in der assistierten Reproduktion ein, nicht in der medikamentösen Immunsuppression.

*Naz 2004 [s132], USA (Ohio).* Originaltitel: *Modalities for treatment of antisperm antibody mediated infertility: novel perspectives*, Am J Reprod Immunol 2004. Die Häufigkeit von Antispermien-Antikörpern bei infertilen Paaren beträgt 9 bis 36 %, je nach berichtendem Zentrum; frühere Behauptungen zu ihrer Rolle seien wohl überbetont worden, was zu Verwirrung und Unterschätzung geführt habe. Genannte Verfahren: Immunsuppression mit Kortikosteroiden oder Ciclosporin, assistierte Reproduktion und Laborverfahren (Spermienwaschen, Immunobeads). Die meisten Techniken hätten Nebenwirkungen, seien invasiv und teuer, wenig wirksam oder widersprüchlich in den Ergebnissen. Zahlen zu einzelnen Studien enthält der Abstract nicht.

*Francavilla 1999 [s139], Italien (L'Aquila).* Originaltitel: *Naturally-occurring antisperm antibodies in men: interference with fertility and implications for treatment*, Front Biosci 1999. Die Beeinträchtigung der Fertilität hängt vom Grad der Spermienautoimmunisierung ab; der am besten belegte Mechanismus ist die gestörte Penetration des Zervikalschleims. Intrauterine Insemination sei bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad wirksam, vor allem in Kombination mit Kortikosteroid und Überstimulation; bei hohem Grad sei die Wirksamkeit umstritten. ICSI habe Befruchtungsraten wie bei anderen Indikationen oder höher. Zahlen enthält der Abstract nicht.

*de Almeida 1993 [s148], Frankreich (Le Kremlin-Bicêtre).* Originaltitel: *Les stérilités masculines d'origine immunologique et leurs traitements* (Männliche Unfruchtbarkeit immunologischer Ursache und ihre Behandlung), Rev Prat 1993. Antikörper gegen Spermienoberflächenantigene können für 3 bis 20 % der idiopathischen männlichen Infertilitätsfälle verantwortlich sein; eine inverse Korrelation zwischen Antikörpertiter und Konzeptionsrate sei gezeigt worden und rechtfertige bei hohen Titern einen Behandlungsansatz. Die Autorin hält fest, dass Kortikosteroide nicht eingesetzt werden dürften, weil die Ergebnisse die beobachteten Nebenwirkungen nicht rechtfertigten; intrauterine Insemination und In-vitro-Fertilisation könnten einem Teil der Paare helfen. Dies ist die einzige Übersicht im Material mit einer ausdrücklich ablehnenden Aussage zu Kortikosteroiden bei Antikörper-Infertilität. Zahlen zu den zugrunde liegenden Studien enthält der Abstract nicht.

*Einordnung der sechs Arbeiten.* Die Übersichten gelangen zu uneinheitlichen Urteilen: Kortikosteroide gelten in [s73] als die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen, in [s139] als Ergänzung der Insemination bei niedrigem bis mittlerem Antikörpergrad, in [s132] als eine von mehreren Techniken mit häufig geringer Wirksamkeit oder widersprüchlichen Ergebnissen, in [s148] als nicht gerechtfertigt, und [s129] behandelt sie gar nicht. Dieses Muster entspricht dem der Primärstudien (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien und Querverweis auf die randomisierten Studien). Die AUA/ASRM-Leitlinie [s40] nimmt Antispermien-Antikörper-Tests nicht in die Erstabklärung auf.

### Übersichten zu Antihistaminika (H2-Blocker) und zu Spironolacton

**Banihani 2016 [s99], Jordanien (Irbid), systematische Mini-Übersicht.** Originaltitel: *Histamine-2 Receptor Antagonists and Semen Quality*, Basic Clin Pharmacol Toxicol 2016. Die Arbeit fasst die Wirkung von Cimetidin, Ranitidin, Nizatidin und Famotidin auf die Samenqualität zusammen, besonders auf die Spermienfunktion. Ergebnis: Cimetidin scheine die Samenqualität ungünstig zu beeinflussen; für Ranitidin und Nizatidin seien die Befunde kontrovers; Famotidin scheine die Samenqualität nicht zu ändern. Die Autoren verlangen weitere klinische Studien mit direktem Vergleich der Substanzen und Klärung, ob Effekte unabhängig vom H2-Rezeptor eine Rolle spielen. *Schwächen:* Mini-Übersicht, im Abstract keine quantitative Zusammenfassung und keine Zahl der eingeschlossenen Studien. Die Arbeit betrifft H2-Blocker (Magensäurehemmer), nicht die H1-Antihistaminika gegen Allergie.

**Drobnis und Nangia 2017 [s93], USA, Buchkapitel „Miscellaneous Drugs and Male Reproduction“.** Originaltitel: *Miscellaneous Drugs and Male Reproduction*, Adv Exp Med Biol 2017. Der Abstract nennt den H2-Blocker Cimetidin wegen weiter Verbreitung und freier Erhältlichkeit als am besorgniserregendsten; als kompetitiver Antagonist am Androgenrezeptor könne er die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und die Samenqualität beeinflussen. Das Kapitel überprüft die Studien zu dieser und anderen H2-Blockern an Männern und Versuchstieren und behandelt außerdem unter anderem Retinoide, Metformin, Mifepriston und Statine. Zahlen enthält der Abstract nicht; zu Retinoiden steht im Abstract keine Aussage über Richtung oder Stärke einer Wirkung.

**Corvol 1976 [s180], Frankreich, Übersichts- und Mechanismusarbeit zu Spironolacton.** Originaltitel: *Effets sexuels secondaires des spirolactone. Mécanismes possibles de l'action antiandrogène* (Sexuelle Nebenwirkungen der Spirolactone. Mögliche Mechanismen ihrer antiandrogenen Wirkung), Nouv Presse Med 1976. Spirolactone (Spironolacton, Kaliumcanrenoat) können beim Mann Gynäkomastie, bei der Frau Zyklusstörungen hervorrufen. Der antiandrogene Mechanismus wurde an Mensch und Ratte untersucht. Eine akute intravenöse Gabe von Kaliumcanrenoat senkte beim Menschen das Plasma-Testosteron ohne Änderung der Gonadotropine, möglicherweise durch gestörte Hodensteroidogenese. Auf Ebene der Zielzellen hemmen Spirolactone die Androgenbindung an den Rezeptor, ohne die 5α-Reduktase der Prostata zu verändern. Zahlen enthält der Abstract nicht. Die Arbeit betrifft Hormonwirkungen und Nebenwirkungen, nicht Spermienparameter.

### Ältere deutschsprachige Übersichten

**Schill und Przybilla 1985 [s165], Deutschland, Übersicht.** Originaltitel: *Arzneimittel-Nebenwirkungen auf die männliche Fertilität*, Z Hautkr 1985. Nebenwirkungen von Arzneimitteln auf die männliche Fertilität kämen häufiger vor als erwartet und würden meist erst im Rahmen der andrologischen Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch erkannt. Die Autoren unterscheiden mögliche Angriffspunkte (Spermatogenese, Spermienreifung im Nebenhoden, Spermientransport, Spermienstoffwechsel und -beweglichkeit, Samenverflüssigung, Kapazitation, Akrosomreaktion, Eipenetration). Als antispermatogen wirkend führen sie Zytostatika, Immunsuppressiva, Psychopharmaka und Antibiotika auf, als indirekt über die Achse von Hypothalamus, Hypophyse und Gonaden wirkend Hormone (Östrogene, Gestagene, Androgene, Anabolika, Antiandrogene). Einzelne der vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen werden im Abstract nicht benannt; „Immunsuppressiva“ und „Antiandrogene“ sind Klassen, zu denen Glukokortikoide beziehungsweise Spironolacton nach heutiger Systematik gehören können, was der Abstract nicht ausführt. Zahlen enthält er nicht.

**Krause 1983 [s169], Deutschland, Übersicht.** Originaltitel: *Wirkungen von Medikamenten und Umseltgiften [sic, so im PubMed-Eintrag] auf die menschliche Spermatogenese*, Derm Beruf Umwelt 1983. Nach einer kurzen Beschreibung der Dynamik der Spermatogenese werden drei Wirkungsarten erörtert: direkt zytotoxisch, peripher endokrin (Androgenhemmung) und zentral endokrin (Gonadotropinhemmung). Zytostatika seien für das Keimepithel am gefährlichsten; bei Behandlungsdauer von über sechs Monaten sei der Schaden unumkehrbar, nach kürzeren Zeiten sei das Risiko chromosomaler Veränderungen in der Regenerationsphase erhöht. Auch Retinoide, Sulfasalazin und Schwermetalle wirkten überwiegend zytotoxisch. Hormone in pharmakologischen Dosen übten endokrine Wirkungen aus; Östrogene, Gestagene und Antiandrogene wirkten ähnlich, und selbst exogenes Testosteron hemme die Spermatogenese. Diese Aussage zu Retinoiden ist die älteste im Material, die Retinoide als überwiegend zytotoxisch für das Keimepithel einordnet; sie steht im Gegensatz zu den späteren Vorher-Nachher-Studien [s166], [s150] und zur Metaanalyse [s14], die unter Standarddosis keine Abnahme der Spermiendichte fanden. Der Abstract nennt keine Studien und keine Zahlen; auf welcher Datengrundlage die Einordnung der Retinoide 1983 beruhte, ist daraus nicht erkennbar.

### Zusammenschau der Übersichtsliteratur

1. Es gibt genau eine Metaanalyse, und sie betrifft nur Isotretinoin [s14]. Sie fasst sechs kleine, überwiegend einarmige klinische Studien zusammen; Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße sind im Abstract nicht berichtet.
2. Die beiden großen übergreifenden Übersichten zur Wirkung von Arzneimitteln [s10], [s96] und der Umbrella-Review [s19] führen die vier Wirkstoffgruppen nicht unter ihren belegten Risikosubstanzen. Das ist für die Gruppen kein Entlastungsbeweis, weil Abstracts nur die Hauptbefunde nennen und der Umbrella-Review nur vorhandene Metaanalysen auswerten kann.
3. Für Glukokortikoide zeichnen die Übersichten ein zweigeteiltes Bild: Als Behandlung bei Antispermien-Antikörpern sind die Urteile uneinheitlich bis ablehnend [s73], [s132], [s139], [s148]; als Dauertherapie bei chronischer Entzündung berichten Übersichten niedrigere Testosteronwerte aus Beobachtungsstudien, mit dem Vorbehalt, dass randomisierte Studien fehlen und Begleitmedikation störend wirkt [s92], [s48].
4. Für Antihistaminika betreffen die Übersichten H2-Blocker (Cimetidin eher nachteilig, Famotidin unauffällig) [s99], [s93]; für die allergiebezogenen H1-Blocker enthält keine Übersicht eine eigene Zusammenfassung.
5. Für Spironolacton liegen nur Nennungen als Antiandrogen und ein Mechanismus-Artikel vor [s98], [s06], [s180], [s111]; keine Übersicht quantifiziert eine Wirkung auf Spermienparameter.
6. Die Leitlinien [s40], [s06] bewerten Medikamente als Risikofaktoren mit niedriger Evidenz und führen die vier Gruppen nur in Ursachentabellen (EAU) oder gar nicht (AUA/ASRM).

## Studienlage: Beobachtungsstudien

### Aufbau und Lesehinweise

Die Beobachtungsstudien sind nach Wirkstoffgruppe geordnet. Innerhalb jeder Gruppe wird unterschieden, ob das Arzneimittel aus einem anderen Grund als Unfruchtbarkeit gegeben wurde (Akne, Magengeschwür, Organtransplantation, geschlechtsangleichende Hormontherapie; die Samenwerte sind dann ein Sicherheitsmaß) oder ob es zur Behandlung einer Unfruchtbarkeit eingesetzt wurde. Diese Trennung ist wichtig, weil beide Arten von Studien Gegensätzliches beantworten: Die einen fragen, ob ein Arzneimittel schadet, die anderen, ob es bei bereits bestehender Störung nützt. Die Reihenfolge der Abschnitte: Isotretinoin, Spironolacton, Glukokortikoide, Antihistaminika, Erkrankungen als Störgröße (Asthma, Autoimmunerkrankungen), Auswertungen über mehrere Wirkstoffe, Zusammenschau.

Gemeinsame Grenzen aller Studien dieses Kapitels: Es gibt keine Randomisierung. Die Erkrankung, für die das Arzneimittel genommen wird, kann selbst die Spermien beeinflussen. Samenparameter sind eine Ersatzzielgröße; Schwangerschaft und Geburt eines gesunden Kindes sind die eigentlichen Endpunkte und werden nur selten gemessen. Ein einzelnes Spermiogramm schwankt von Probe zu Probe erheblich (Abstinenzzeit, Jahreszeit, Krankheit), wie auch die Autoren mehrerer Studien selbst anmerken.

### Isotretinoin

#### Isotretinoin bei Akne (Sicherheitsendpunkt Samenparameter)

**Vogt und Ewers 1985 [s166], deutschsprachige Arbeit (Hautarzt), Vorher-Nachher-Studie.** Originaltitel: *13-cis-Retinsäure und Spermatogenese. Spermatologische und impulszytophotometrische Untersuchungen*. Population: 20 männliche Freiwillige mit schwerer Acne conglobata. Exposition: 12 Wochen lang oral 1 mg Isotretinoin (13-cis-Retinsäure) pro Kilogramm Körpergewicht. Methodik: Untersuchung des Ejakulats vor der Behandlung, nach der Behandlung und 12 Wochen nach Behandlungsende; die DNA der Spermien wurde per Impulszytophotometrie bestimmt. Ergebnisse: Bei den sonst gesunden Patienten blieb die Spermiendichte unverändert. Bei Patienten mit früheren Gonadendefekten (einseitiger Kryptorchismus, Hypogonadismus, Varikozele) stieg die Spermienzahl am Therapieende signifikant (p < 0,05); drei Monate später zeigte sich eine gegenläufige Tendenz der Dichte. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war am Therapieende leicht, zwölf Wochen nach Therapieende signifikant erniedrigt (p < 0,05). Die Autoren halten diesen späten Befund wegen der kurzen Eliminationshalbwertszeit von 13-cis-Retinsäure für möglicherweise unabhängig vom Medikament. Die DNA-Zytophotometrie zeigte keine signifikanten Veränderungen. Aus dem Ergebnis der Zytophotometrie folgern die Autoren, kontrazeptive Maßnahmen beim Mann seien unter der Behandlung nicht zwingend nötig; das ist eine Aussage der Autoren, keine Empfehlung dieses Berichts. *Stärken:* Messung vor, nach und zwölf Wochen nach der Behandlung, damit eine Verlaufsdarstellung; DNA-Messung als zusätzlicher Endpunkt. *Schwächen:* 20 Teilnehmer, keine Kontrollgruppe, die Untergruppe mit Vorschädigung ist im Abstract nicht beziffert, keine Zahlenwerte oder Konfidenzintervalle im Abstract.

**Höting, Schütte, Schirren 1992 [s150], Deutschland (Hautklinik Hamburg-Eppendorf), Vorher-Nachher-Studie.** Originaltitel: *Isotretinoinbehandlung der Acne conglobata. Andrologische Verlaufsuntersuchungen*, Fortschr Med 1992. Population: 20 Patienten (21,4 ± 4,3 Jahre) mit ausgedehnter Acne conglobata an Gesicht, Brust und Rücken. Exposition: sechs Monate lang 1 mg/kg/Tag Isotretinoin (mittlere Tagesdosis 72,7 ± 9,8 mg). Methodik: Spermiogramme im Abstand von zwei Monaten während der Behandlung. Ergebnisse: Die Akne heilte in allen Fällen vollständig ab; außer den Zeichen der Schleimhaut- und Hauttrockenheit wurden keine Nebenwirkungen beobachtet, die Laborwerte blieben im Normbereich. Ab dem vierten Behandlungsmonat stieg die mittlere Spermiendichte statistisch signifikant, bei unveränderter Morphologie und Motilität. Ein Jahr nach Behandlungsende lagen alle gemessenen Spermiogramm-Parameter wieder auf den Ausgangswerten. Ein Rezidiv der Akne trat bei 13 nachbeobachteten Patienten innerhalb eines Jahres nicht auf. Die Autoren fanden keine Hinweise auf einen negativen Einfluss der sechsmonatigen Behandlung auf die Spermatogenese. *Stärken:* engmaschige Verlaufsmessung, Nachbeobachtung nach Therapieende. *Schwächen:* einarmig, klein, im Abstract kein Zahlenwert der Dichte und keine Streuungsmaße; der Anstieg der Dichte lag laut Abstract im Verlauf und verschwand nach Behandlungsende, ohne dass eine Erklärung genannt wird.

**Çinar 2016 [s100], Türkei (Kayseri, Ankara), klinische Studie, Vorher-Nachher.** Originaltitel: *The effect of systemic isotretinoin on male fertility*, Cutan Ocul Toxicol 2016. Population: 81 Männer über 18 Jahre mit schwerer oder therapieresistenter Akne. Exposition: Gesamtdosis von 120 mg/kg systemischem Isotretinoin über sechs Monate. Endpunkte: Spermiogramm sowie Gesamttestosteron, FSH und LH vor und nach der Studie. Ergebnisse laut Abstract: Alle Spermiogramm-Parameter veränderten sich positiv (p < 0,05); die Hormonspiegel änderten sich nicht signifikant. Die Autoren folgern, dass die positive Wirkung nicht über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse verläuft, sondern auf regenerativen und proliferativen Wirkungen auf den Hoden beruhen könnte. Der Abstract nennt keine Zahlenwerte, keine Effektgrößen und keine Konfidenzintervalle; in der Arbeit von Gurel [s51] wird sie so zitiert, dass sie eine Abnahme der normalen Morphologie beschrieben habe; dieser Befund steht im abgerufenen Abstract nicht und konnte nicht geprüft werden. *Stärken:* größere Fallzahl als die anderen Vorher-Nachher-Studien, Hormonmessung. *Schwächen:* keine Kontrollgruppe, keine Zahlen; „alle Parameter positiv verändert“ bei p < 0,05 lässt Größe der Veränderung und klinische Bedeutung offen; die Aussage „positiver Effekt auf die männliche Fertilität“ geht über das hinaus, was Samenparameter belegen können (Einschätzung der Verfasser).

**Gurel 2023 [s51], Türkei (Afyonkarahisar), prospektive Beobachtungsstudie, Vorher-Nachher.** Originaltitel: *Effect of systemic isotretinoin therapy on semen parameters*, Ann Med 2023. Zeitraum: 1. Februar 2021 bis 1. Juni 2022. Population: Männer über 18 Jahre mit Akne vulgaris, die systemisches Isotretinoin erhalten sollten. Ausgeschlossen waren unter anderem Tabak- und Alkoholkonsum, systemische Erkrankungen, frühere Hodenoperation oder bekannte Infertilität. Exposition: 0,5 bis 1,0 mg/kg oral bis zu einer kumulativen Dosis von 120 mg/kg. Methodik: Spermiogramm vor der Behandlung und nach sechs Monaten, ausgewertet von einer Person, die nicht wusste, ob die Probe vor oder nach der Therapie stammte; Hoden-Doppler-Ultraschall auf Varikozele. Teilnehmer: Abstract und Tabellen nennen 46 Männer; im Text werden zusätzlich 13 Abbrecher und ein Mann mit Azoospermie im ersten Spermiogramm als ausgeschlossen genannt, wie sich die Zahl 46 dazu verhält, ist in der Arbeit nicht eindeutig erklärt. Mittleres Alter 22,76 ± 5,02 Jahre, mittlerer Body-Mass-Index 23,64 ± 3,76. Varikozele fand sich bei 6 Männern (13 %) klinisch und bei weiteren 6 (13 %) subklinisch.

Ergebnisse (Mittelwert ± Standardabweichung, vorher gegen nachher, gepaarter Test):

| Parameter | vorher | nachher | p |
|---|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 2,45 ± 1,30 | 3,16 ± 1,63 | 0,002 |
| Spermienkonzentration (Mio./ml) | 21,02 ± 2,10 | 22,85 ± 2,32 | 0,001 |
| Gesamtzahl (Mio.) | 51,45 ± 28,30 | 73,87 ± 44,18 | < 0,001 |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 35,67 ± 8,71 | 38,46 ± 6,68 | 0,008 |
| Vitalität (%) | 72,22 ± 17,67 | 78,22 ± 13,92 | 0,003 |
| Normalformen (%) | 9,37 ± 0,77 | 8,70 ± 0,99 | < 0,001 (Verschlechterung) |

In der Untergruppe mit klinischer oder subklinischer Varikozele (12 Männer, gegen 34 ohne) war der Anstieg der Konzentration größer (von 20,00 ± 1,95 auf 25,25 ± 0,87 Mio./ml gegen 21,38 ± 2,06 auf 22,00 ± 2,06 Mio./ml; p < 0,001). Bei Ejakulatvolumen, Gesamtzahl, Beweglichkeit und Vitalität unterschied sich die Veränderung zwischen den Untergruppen nicht signifikant (p-Werte 0,34; 0,51; 0,188 und 0,179; für die Gesamtzahl in Tabelle 2 p = 0,051). Die Abnahme der Normalformen unterschied sich zwischen den Gruppen nicht (p = 0,744). Der mittlere Normalform-Anteil von rund 9 % lag vorher wie nachher in einem Bereich, den die Autoren nicht als fertilitätsrelevant einstufen. Als mögliche Erklärung nennen sie in Bezug auf Literatur, Isotretinoin könne den oxidativen Stress im Hoden, etwa bei Varikozele, senken; das belegt die Arbeit selbst nicht.

*Stärken:* Vorher-Nachher-Messung an denselben Männern zu festen Zeitpunkten, verblindete Auswertung, Ausschluss wichtiger Störfaktoren (Rauchen, Alkohol, Systemerkrankungen), Varikozelen-Diagnostik per Ultraschall. *Schwächen:* ein Zentrum, keine Kontrollgruppe ohne Isotretinoin, hohe Abbruchquote (13 Abbrecher laut Text), unklare Teilnehmerzahl, kleine Varikozelen-Untergruppe, Abstinenzzeit und Spontanschwankung als Einflussgrößen nicht ausgeschlossen; die Autoren nennen selbst Einzelzentrum und geringe Fallzahl wegen der Pandemie. Auffällig sind die sehr kleinen Standardabweichungen der Konzentration (± 2,10 bei einem Mittelwert von 21,02 Mio./ml), während die Gesamtzahl eine Standardabweichung von 28,30 hat (Einschätzung der Verfasser). Der Anstieg des Ejakulatvolumens um 0,71 ml in sechs Monaten ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass Abstinenzzeit oder Probenentnahme sich zwischen den Proben unterschieden haben könnten (Einschätzung der Verfasser; die Arbeit macht dazu im abgerufenen Text keine Angabe).

**Bendix 2026 [s04], Dänemark, Danish Young Men Study (Kohorte, Querschnittsvergleich), Preprint.** Originaltitel: *Isotretinoin use is associated with persistent alterations in male reproductive function*, medRxiv 2026 (nicht begutachtet, nicht durch Peer-Review geprüft). Die Studie kombiniert drei Methoden: einen Kohortenvergleich, Versuche an kultiviertem menschlichem Hodengewebe und einen Reportergentest.

*Kohortenteil.* Population: Männer aus der Danish Young Men Study (Medianalter 19 Jahre; Untersuchung an einem bestimmten Untersuchungstag, Samenanalyse und Hormonbestimmung). Verglichen wurden 322 Isotretinoin-Anwender (Anwendung zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem Untersuchungstag) mit 4.065 Nichtanwendern. Als weitere Vergleichsgruppe dienten Männer mit anderer Aknemedikation. Mediane Samenparameter, Anwender gegen Nichtanwender: Konzentration 41 gegen 45 Mio./ml, Gesamtzahl 125 gegen 145 Mio., Gesamtzahl progressiv motiler Spermien 74 gegen 88 Mio.; die Unterschiede waren nicht signifikant. Bei Anwendern anderer Aknemedikation lagen die Werte bei 45 Mio./ml, 141 Mio. und 90 Mio. (wie bei Nichtanwendern). Männer, die am Untersuchungstag Isotretinoin einnahmen: 41 Mio./ml, 115 Mio., 68 Mio.; Männer, die mindestens zwei Jahre zuvor aufgehört hatten: 39 Mio./ml, 119 Mio., 74 Mio.; auch dort keine signifikanten Unterschiede. Hormone, Anwender gegen Nichtanwender: FSH niedriger (2,4 gegen 2,6 IE/l), Inhibin-B/FSH-Quotient höher (81 gegen 69), Östradiol höher (85 gegen 81 pmol/l, signifikant); LH, Testosteron und das Sexualhormon-bindende Globulin zeigten keine Tendenz. Bei früheren Anwendern waren FSH 2,2 gegen 2,6 IE/l, der Quotient 83 gegen 69 und Östradiol 85 gegen 81 pmol/l. Bei Männern, die erst mindestens ein Jahr nach dem Untersuchungstag mit Isotretinoin begannen, fanden sich diese Abweichungen nicht.

*Ex-vivo-Teil.* Menschliches Hodengewebe wurde 96 Stunden lang Isotretinoin ausgesetzt (Hormonmessungen n = 8; Proliferation und Apoptose an Gewebe von 4 Spendern). Testosteron war in fast allen Ansätzen erhöht, Dihydrotestosteron erniedrigt, Östradiol unverändert, Inhibin B bei 25 µM Isotretinoin niedriger; Keimzellproliferation und Apoptose blieben im Wesentlichen unverändert.

*Reportergentest.* Isotretinoin hemmte die Retinsäure-induzierte Aktivierung des Retinsäure-Rezeptors alpha (EC50 der Retinsäure 7,65 µM gegen 2,92 µM ohne Vorbehandlung mit 12 nM Isotretinoin), also kompetitiv.

*Schlussfolgerung der Autoren:* Isotretinoin könne die männliche Fortpflanzungsfunktion beeinflussen, möglicherweise anhaltend; randomisierte Studien seien nötig. *Stärken:* sehr große, populationsbasierte Kohorte mit standardisierter Untersuchung am selben Tag; Vergleichsgruppe mit anderer Aknemedikation; die fehlende Abweichung bei später beginnenden Männern spricht dafür, dass nicht allein die Akne die Hormonverschiebung erklärt (Einschätzung der Verfasser); drei Methoden. *Schwächen:* Preprint ohne Begutachtung; Querschnitt, daher keine Aussage über die Zeit vor der Behandlung; die Samenunterschiede sind nicht signifikant, die Hormonunterschiede klein in absoluten Zahlen (zum Beispiel 4 pmol/l bei Östradiol); Konfidenzintervalle und genaue p-Werte stehen im abgerufenen Abstract nicht; Dosis, Dauer und Zeit seit der Behandlung sind im Abstract nicht aufgeschlüsselt; Akneschweregrad als mögliche Störgröße; die Gewebekultur bildet die Meiose nicht ab (Einschätzung der Autoren). Die Aussage „anhaltend“ stützt sich auf Querschnittsvergleiche früherer Anwender, nicht auf wiederholte Messungen an denselben Männern.

*Einordnung.* Dieses ist die größte Studie zu Isotretinoin und Samenparametern im Material. Sie widerspricht den kleinen Vorher-Nachher-Studien nicht unmittelbar, weil sie keine Veränderung am einzelnen Mann misst, sondern Gruppen vergleicht; sie deutet bei der Spermienzahl in die entgegengesetzte Richtung (nicht signifikant niedriger) und bei den Hormonen auf eine Verschiebung des FSH-Inhibin-Gefüges. Der Gegensatz ist nicht aufgelöst.

**Song 2026 [s16], China (Guangzhou), retrospektive Kohortenstudie.** Originaltitel: *Association of baseline peripheral sex hormone profiles and metabolic parameters with recurrence after oral isotretinoin treatment in patients with severe acne*, Front Endocrinol 2026. Population: 351 Patienten (185 Männer, 166 Frauen) mit schwerer Akne, die von April 2021 bis April 2025 orales Isotretinoin erhielten. Endpunkt: Rezidiv nach Absetzen. Methodik: Einteilung in Rezidiv- und Nichtrezidiv-Gruppe, uni- und multivariable logistische Regression, Vorhersagemodell mit ROC-Analyse, Kalibrierung und Bootstrap-Validierung. Ergebnisse: Bei einer medianen Nachbeobachtung von 20,0 Monaten erlitten 91 Patienten (25,9 %) ein Rezidiv. Unabhängig mit dem Rezidiv verbunden waren eine längere Krankheitsdauer, eine niedrigere kumulative Isotretinoin-Dosis, ein höherer freier Androgenindex, höheres DHEA-Sulfat, niedrigeres Sexualhormon-bindendes Globulin, höhere HOMA-IR, höhere Triglyzeride und niedrigeres HDL-Cholesterin. Das kombinierte Modell erreichte eine Fläche unter der ROC-Kurve von 0,824 (Sensitivität 76,9 %, Spezifität 76,2 %), nach Bootstrap-Korrektur 0,812. Die Studie berichtet im Abstract weder Ejakulat noch Spermienparameter noch Fertilität; sie ist für die Frage der Spermienqualität nicht aussagekräftig. Sie ist hier aufgeführt, weil sie die einzige chinesische Kohorte zu Isotretinoin ist und belegt, dass dort Basis-Sexualhormone, aber offenbar keine Samenanalysen erhoben beziehungsweise berichtet wurden (soweit der Abstract Auskunft gibt). Die Autoren bezeichnen das Modell als explorativ; Odds Ratios und Konfidenzintervalle der Einzelfaktoren stehen nicht im Abstract.

**Nya-Ngatchou 2013 [s112], USA (Seattle), Pilot-Beobachtungsstudie mit Hodenbiopsie.** Originaltitel: *Intratesticular 13-cis retinoic acid is lower in men with abnormal semen analyses: a pilot study*, Andrology 2013. Die Studie untersucht nicht die Einnahme von Isotretinoin, sondern die körpereigene 13-cis-Retinsäure im Hoden. Population: 24 Männer, die eine Operation am Hodensack oder Penis benötigten; jeder lieferte zwei Blut- und Samenproben vor der Operation, während der Operation wurde eine Hodenbiopsie entnommen. Serum- und Gewebespiegel von all-trans- und 13-cis-Retinsäure wurden per Massenspektrometrie, die Fortpflanzungshormone per Radioimmunoassay bestimmt. Sieben Männer hatten ein nach mindestens einem WHO-Kriterium auffälliges Ejakulat, 17 ein normales. Ergebnis: Die mediane intratestikuläre 13-cis-Retinsäure betrug bei auffälligem Ejakulat 0,14 pmol/g Gewebe (25. bis 75. Perzentile 0,08 bis 0,25), bei normalem Ejakulat 0,26 pmol/g (0,18 bis 0,38); p = 0,04. All-trans-Retinsäure im Hoden und die Serumhormone unterschieden sich nicht. Als Ursache nennen die Autoren eine verminderte Biosynthese oder einen erhöhten Abbau im Hoden. *Stärken:* direkte Messung im Gewebe, genaue Analytik. *Schwächen:* nur 7 Männer mit auffälligem Ejakulat, Querschnitt, Operationspatienten statt unselektierter Männer, keine Infertilitätspatienten. *Einordnung:* Dies ist die biologische Rationale der Behandlungsversuche bei Infertilität [s89], [s26], [s03]; die Studie sagt nichts darüber, was eine Einnahme von Isotretinoin im Hoden bewirkt.

#### Isotretinoin bei Meldungen zu unerwünschten Wirkungen

**Altınöz Güney und Koç 2026 [s02], Türkei, Pharmakovigilanzanalyse der US-Meldedatenbank FAERS.** Originaltitel: *Isotretinoin-related adverse sexual and reproductive outcomes: a real-world pharmacovigilance study of the FDA Adverse Event Reporting System (FAERS)*, Cutan Ocul Toxicol 2026. Methodik: Daten aus dem FAERS Public Dashboard und OpenVigil 2.1 vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2024; OpenVigil entfernt identische Meldungen automatisch. Gesucht wurde in vier Organklassen des MedDRA-Wörterbuchs (Fortpflanzungssystem und Brust, Psychiatrie, Untersuchungen, Haut); Ereignisse mit weniger als 3 Meldungen wurden ausgeschlossen. Eingeschlossen wurden 92 bevorzugte Begriffe und 1300 Fälle; die Disproportionalitätsanalyse (Proportional Reporting Ratio PRR und Reporting Odds Ratio ROR mit 95-%-Konfidenzintervall, Signifikanz nach den Kriterien von Evans) bezog sich auf 1151 Meldungen, in denen Isotretinoin der Hauptverdacht war. Ergebnisse: Von 53.017 Isotretinoin-Meldungen betrafen 1300 Fortpflanzung und Sexualität; 59,7 % betrafen Frauen und 58,3 % Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. 34 Ereignisse zeigten ein statistisch signifikantes Signal. Die drei häufigsten:

| Ereignis | Meldungen | PRR (95-%-KI) | ROR (95-%-KI) |
|---|---|---|---|
| Erektile Dysfunktion | 195 | 4,47 (3,88 bis 5,14) | 4,49 (3,90 bis 5,17) |
| Verminderte Libido | 76 | 3,63 (2,89 bis 4,54) | 3,63 (2,90 bis 4,55) |
| Libidoverlust | 64 | 4,56 (3,57 bis 5,84) | 4,57 (3,57 bis 5,85) |

Weitere signifikante Begriffe betrafen unter anderem „infertility“, „testicular pain“, „varicocele“, „testicular torsion“, „prostatitis“, „male sexual dysfunction“ und „spermatozoa abnormal“; für diese nennt der Abstract keine Zahlen. Die Autoren betonen selbst Untererfassung, Meldeverzerrung und fehlende Kausalität. *Stärken:* lange Beobachtungsspanne, Entfernung von Doppelmeldungen, Hauptverdacht-Analyse. *Schwächen:* Spontanmeldungen ohne Nenner (die Zahl der Behandelten ist unbekannt), keine Kontrollgruppe, Mehrfachmeldungen und Meldeverzerrung möglich, 59,7 % der Meldungen betreffen Frauen. Ein ROR oder PRR ist eine Verhältniszahl von Meldeanteilen und keine Häufigkeit oder ein Risiko. Die Befunde betreffen überwiegend die Sexualfunktion (Erektion, Libido), nicht die Spermienqualität; zu gemessenen Spermienwerten sagt die Studie nichts.

Zu Isotretinoin enthalten außerdem die Auswertungen von Gong 2026 [s08] (im Volltext kein Treffer für Isotretinoin), Zeng 2025 [s35] (ein Signal zu „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung“) und McEwen 2024 [s44] (0,02 % der Väter, die im 90-Tage-Zeitraum vor der Empfängnis Isotretinoin einlösten) Angaben; sie werden im Abschnitt zu Auswertungen über mehrere Wirkstoffe besprochen.

#### Isotretinoin als Versuchsbehandlung bei infertilen Männern (einarmige Studien)

**Amory 2017 [s89], USA (Seattle), einarmige Pilotstudie.** Originaltitel: *Isotretinoin administration improves sperm production in men with infertility from oligoasthenozoospermia: a pilot study*, Andrology 2017. Population: 19 infertile Männer (21 bis 60 Jahre) mit Infertilität über 12 Monate und einer Spermienkonzentration unter 15 Mio./ml. Exposition: Isotretinoin 20 mg zweimal täglich über 20 Wochen, Kontrollen alle 4 Wochen. Ergebnisse: mediane Konzentration (25. und 75. Perzentile) 2,5 (0,1 bis 5,9) Mio./ml zu Beginn und 3,8 (2,1 bis 13,0) Mio./ml am Ende (p = 0,006); Motilität unverändert, Morphologie mit Trend (p = 0,056). Sechs Schwangerschaften (drei spontan, drei nach ICSI), fünf Geburten; vier Geburten, darunter alle drei spontanen Schwangerschaften, bei Männern mit gebesserter Spermienzahl. Die Behandlung war gut verträglich. *Stärken:* strukturierte Verlaufskontrolle, Schwangerschaften als Endpunkt. *Schwächen:* einarmig, ohne Placebo, 19 Teilnehmer; die Ausgangswerte lagen so niedrig, dass Regression zur Mitte und natürliche Schwankung eine Rolle spielen können (Einschätzung der Verfasser); Schwangerschaften nach ICSI sind kein Beleg für eine Wirkung des Medikaments. Der Anstieg des Medians um 1,3 Mio./ml entspricht der Größe, die auch die Metaanalyse [s14] für die Infertilitäts-Kohorten angibt.

**Jessup, Amory, Turek 2025 [s26], USA (Beverly Hills, Seattle), prospektive einarmige Fallserie.** Originaltitel: *Treatment with isotretinoin can improve de novo sperm production in nonobstructive azoospermia or cryptozoospermia*, J Assist Reprod Genet 2025. Population: 31 Männer begannen, 30 beendeten die Behandlung (ein Abbruch wegen Angst); mittleres Alter 37,9 Jahre (± 4,7); 26 Männer (87 %) azoosperm, 4 (13 %) intermittierend kryptozoosperm; 24 von 26 (92 %) hatten zuvor Hodeneingriffe; bei 23 von 30 lag eine idiopathische Infertilität vor. Exposition: Isotretinoin 20 mg zweimal täglich über 3 bis 9 Monate. Endpunkt: verlässlich vorhandene bewegliche ejakulierte Spermien für IVF/ICSI. Ergebnisse: 11 von 30 (37 %) erreichten den Endpunkt; bei Azoospermie 7 von 26 (27 %), bei Kryptozoospermie 4 von 4; die mittlere Gesamtzahl motiler Spermien bei den Ansprechern betrug 48.000; die meisten reagierten innerhalb von 3 Monaten. Nach Hodenhistologie (nicht signifikant, Fisher p = 0,275): Sertoli-Zell-Syndrom 0 von 2, gemischte Histologie 3 von 14 (21 %), früher Reifungsarrest 3 von 6 (50 %), später Reifungsarrest 3 von 5 (60 %). Bei 7 Azoospermen ohne ejakulierte Spermien, die unter Isotretinoin erneut operiert wurden, fanden sich bei 6 genug Spermien für alle Eizellen; die Operationsdauer sank von im Mittel 105 auf 63 Minuten. Neun IVF/ICSI-Zyklen mit ejakuliertem Samen bei 6 vollständigen Ansprechern führten bisher zu einer Lebendgeburt, ohne Spontanschwangerschaft. Nebenwirkungen: trockene Haut und Lippen bei 30 von 30, Ausschlag bei 4 (13 %), Reizbarkeit bei 14 (47 %), veränderte Cholesterinwerte bei 5 (17 %); Triglyzeride im Mittel von 115 auf 129 mg/dl (p = 0,04); Testosteron (444 gegen 463 ng/dl, p = 0,34) und FSH (17,5 gegen 18,6 IE/l, p = 0,37) nicht signifikant verändert. *Stärken:* konsekutive Patienten, harter Endpunkt (bewegliche ejakulierte Spermien), Histologie. *Schwächen:* einarmig, Selektion durch frühere Eingriffe, sehr kleine Histologiegruppen, eine spontane Wiederkehr von Spermien bei intermittierender Kryptozoospermie ist nicht auszuschließen. Dies sind Behandlungsstudien an Männern mit schwerer Infertilität und keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer; sie beantworten die Frage nach dem Schaden bei Aknepatienten nicht.

### Spironolacton

Eine Beobachtungsstudie mit Spermiogramm an Männern unter Spironolacton als alleinigem Arzneimittel liegt im Material nicht vor. Die menschlichen Daten stammen aus Hodenhistologien bei Transfrauen (Spironolacton zusammen mit Östrogen), aus einer Hormonstudie an Jungen mit verzögerter Pubertät und aus Auswertungen von Spontanmeldungen.

**Wilk Goldsher 2026 [s20], Kanada (Toronto), retrospektive Einzelzentrumskohorte.** Originaltitel: *Impact of gender-affirming hormone therapy on spermatogenesis: analysis of testicular histological specimens*, Hum Reprod 2026. Frage: Wie beeinflusst das Schema der geschlechtsangleichenden Hormontherapie die Spermatogenese im Hoden? Population: 287 trans und geschlechtsdiverse Personen mit bei Geburt männlichem Geschlecht, die nach Hormontherapie zwischen November 2017 und Januar 2024 eine Orchiektomie erhielten; 573 Hodenpräparate wurden histologisch beurteilt. Exposition: Alle erhielten Östrogen (287, 100 %); ein Antiandrogen bekamen 259 (90,2 %), nämlich Cyproteronacetat bei 127 (44,3 %) und Spironolacton bei 110 (38,3 %); Progesteron erhielten 73 (25,4 %). Aus diesen Angaben ergibt sich rechnerisch, dass 28 Personen kein Antiandrogen erhielten; für diese Gruppe nennt der Abstract keine Zahlen. Das mittlere Alter bei der Operation betrug 33,9 Jahre (SD 11,7; Spanne 18,4 bis 80,6), die mittlere Therapiedauer 3,8 Jahre (SD 3,0; Spanne 1 bis 28). Methodik: Histologische Beurteilung des Spermatogenesestadiums, multivariable Regression für unabhängige Vorhersager einer gestörten Spermienreifung. Ergebnisse: Aktive Spermatogenese hatten nur 8,7 % unter Cyproteronacetat gegen 53,3 % unter Spironolacton (p < 0,001). Progesteron hatte einen unabhängigen negativen Effekt (p = 0,005). Höheres Alter war mit gestörter Spermatogenese verbunden (mittleres Alter 41,4 Jahre, SD 12,8, bei Hodenversagen im Endstadium gegen 33,4 Jahre, SD 11,2, bei vollständiger Reifung; p = 0,002); die Therapiedauer unterschied sich nicht zwischen den Gruppen (p = 0,22). Die Autoren schließen, Cyproteronacetat und Progesteron beeinträchtigten die Spermatogenese deutlich, Spironolacton im Vergleich zu keinem Antiandrogen nicht. Odds Ratios, Konfidenzintervalle und Zahlen der Gruppe ohne Antiandrogen stehen im Abstract nicht.

*Stärken:* mit 287 Personen die größte histologische Studie zu Spironolacton; die Histologie ist ein direkter Befund am Gewebe; multivariable Auswertung mit Alter. *Schwächen (von den Autoren genannt):* retrospektives Design, keine unbehandelte Kontrollgruppe, Variabilität von Dauer, Therapietreue und Schema, Histologie beweist keine funktionelle Fertilität. Zusätzlich: Spironolacton wurde nie allein gegeben, sondern immer mit Östrogen, das die Spermatogenese über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse stark unterdrückt; dass unter Spironolacton plus Östrogen häufiger aktive Spermatogenese bestand als unter Cyproteronacetat plus Östrogen, sagt daher nichts über Spironolacton als Einzelsubstanz und nichts über Männer ohne Östrogen (Einschätzung der Verfasser). Die Aussage „Spironolacton beeinträchtigt nicht“ gilt in dieser Studie nur im Vergleich mit der kleinen Gruppe ohne Antiandrogen und ist im Abstract nicht beziffert. Dosierungen nennt der Abstract ebenfalls nicht.

**Sinha, Mei, Ferrando 2021 [s74], USA (Cleveland), retrospektive Kohorte.** Originaltitel: *The effect of estrogen therapy on spermatogenesis in transgender women*, F S Rep 2021. Population: 85 Transfrauen, die zwischen Dezember 2015 und März 2020 eine Orchiektomie (85,9 % zugleich Vaginoplastik) erhielten und eine Hormontherapie mit Östrogen und Spironolacton hatten. Gruppen nach Therapiedauer: 0 bis 36, 37 bis 60 und mehr als 60 Monate. Das mittlere Alter betrug 39 ± 16 Jahre, der Body-Mass-Index 28,4 ± 5,4 kg/m²; Hodengewicht und -volumen im Mittel 60,1 ± 24,9 g und 65,5 ± 41,1 cm³. Ergebnisse: Spermatogenese war in 28,2 % (n = 24) der Präparate nachweisbar, aktiv in 8,2 % (n = 7); Hyalinisierung bestand in 28,2 % (n = 24), Vernarbung in 20,0 % (n = 17), Atrophie in 25,9 % (n = 22). Zwischen den Dauergruppen gab es keine Unterschiede der Pathologieparameter. Bei über 40-Jährigen (n = 37) fanden sich häufiger Hyalinisierung (43,2 % gegen 16,7 %) und Atrophie (40,5 % gegen 14,6 %) als bei höchstens 40-Jährigen (n = 48). Die Autoren schließen, die Dauer der Hormontherapie sei nicht mit Unterschieden der Pathologie verbunden, und bei einigen Patientinnen könne noch Spermatogenese bestehen. *Stärken:* direkter Gewebebefund. *Schwächen:* keine Kontrollgruppe, keine Dosisangaben, kein Vergleich Spironolacton gegen kein Spironolacton, deskriptive Statistik ohne Konfidenzintervalle. Die Studie kann den Effekt von Spironolacton nicht von dem des Östrogens trennen. Die Zahlen 28,2 % (Spermatogenese vorhanden) und 8,2 % (aktiv) unterscheiden sich von den 53,3 % aktiver Spermatogenese unter Spironolacton in [s20]; Unterschiede in Stichprobe, Einschlusskriterien und Beurteilungsmaßstab der Histologie könnten dazu beitragen, sind in den Abstracts aber nicht aufgeklärt (Einschätzung der Verfasser).

**Santen 1976 [s181], Interventionsstudie bei Jungen mit verzögerter Pubertät.** Originaltitel: *Spironolactone stimulation of gonadotropin secretion in boys with delayed adolescence*, J Clin Endocrinol Metab 1976. Die Studie fällt nach der hier verwendeten Regel unter die Beobachtungsstudien, weil sie einarmig war; sie untersucht Hormone, keine Spermien. Population: 7 Jungen mit verzögerter Pubertät, außerdem 2 Patienten mit Kallmann-Syndrom und 2 weitere mit verzögerter Pubertät für niedrigere Dosis. Exposition: 5 mg/kg/Tag Spironolacton für eine Woche. Ergebnisse: signifikanter mittlerer Anstieg des LH im Serum um 60 % (p < 0,01); bei allen 7 Jungen ein absoluter LH-Anstieg, statistisch bedeutsam bei 5 von 7; FSH im Mittel um 60 % erhöht bei variabler Antwort; bei 2 Patienten mit Kallmann-Syndrom kein Anstieg der Gonadotropine; 3 mg/kg/Tag löste bei 2 weiteren Jungen keine LH- oder FSH-Anstiege aus; Progesteron und 17α-Hydroxyprogesteron stiegen stärker als LH und FSH, was auf eine Hemmung von Enzymen der Nebenniere oder des Hodens hinweisen könne. Die Autoren deuten dies als Unterbrechung der negativen Rückkopplung durch die antiandrogene Wirkung. *Einordnung:* Dosis (5 mg/kg/Tag) und Population (vorpubertäre Jungen) liegen weit entfernt von der üblichen Anwendung beim Erwachsenen; die Arbeit belegt eine hormonelle, antiandrogene Wirkung des Spironolactons, keine Veränderung von Spermienzahl oder Fertilität.

**Pharmakovigilanz zu Spironolacton.** *Ji 2025 [s27], China (Guangzhou), FAERS 2004 bis 2024, Vergleich der Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten.* Originaltitel: *Comparative safety profiles of spironolactone, eplerenone, and finerenone: a pharmacovigilance study based on FAERS data from 2004 to 2024*, Front Pharmacol 2025. Methodik: retrospektive beschreibende Analyse mit vier Disproportionalitätsverfahren (ROR, PRR, BCPNN, MGPS). Meldungen: 8.625 zu Spironolacton, 2.045 zu Eplerenon, 1.391 zu Finerenon. Häufigste Meldungen zu Spironolacton: Hyperkaliämie (1.333 Fälle, ROR 93,73) und akutes Nierenversagen (1.110 Fälle, ROR 13,11). Spironolacton fiel durch seltene hormonbezogene Ereignisse auf („male endometriosis“, ROR 13.978,20; „5-alpha-reductase deficiency“, ROR 1.663,95); der Abstract hält fest, Spironolacton habe die höchste Inzidenz sexueller und angeborener Anomalien unter den drei Wirkstoffen. Aus dem Volltext: 837 Meldungen (8,01 %) mit 34 bevorzugten Begriffen zeigten sexualhormonbezogene positive Signale; am häufigsten waren Gynäkomastie (295 Fälle, ROR 19,90; 95-%-KI 17,74 bis 22,33), Brustschmerz (110 Fälle, ROR 22,60; 18,72 bis 27,00) und Brustspannen (62 Fälle, ROR 17,49; 13,62 bis 22,46); die stärksten Signale waren „male endometriosis“ (ROR 13.978,2), Fehlen sekundärer Geschlechtsmerkmale (ROR 748,72) und weibliche sexuelle Erregungsstörung (ROR 210,21). Für Eplerenon: 67 Fälle (3,21 %), 7 Begriffe; Gynäkomastie 26 Fälle (ROR 8,11; 5,52 bis 11,92), erektile Dysfunktion 13 Fälle (ROR 5,36; 3,11 bis 9,24), Brustschmerz 11 Fälle (ROR 10,48; 5,80 bis 18,95). Für Finerenon wurden keine sexualhormonbezogenen Ereignisse gemeldet. Spermienbezogene Begriffe (Tabelle 4 der Arbeit, Top 30 nach Signalstärke, Spalte Spironolacton): Asthenospermie n = 4, ROR 135,37 (untere Grenze des 95-%-KI 49,17); Oligospermie n = 4, ROR 87,77 (untere Grenze 32,24); abnorme Spermatogenese n = 3, ROR 76,79 (untere Grenze 24,24); obere Grenzen nennt die Tabelle nicht.

*Lin 2025 [s29], China (Putian), FAERS 2004 Q1 bis 2024 Q3.* Originaltitel: *Analyzing real-world adverse events of spironolactone with the FAERS database*, PLoS One 2025. 8.566 Meldungen zu Spironolacton, 2.409 bevorzugte Begriffe und 25 Organklassen mit auffälliger Disproportionalität. Seltene Ereignisse: „endometriosis male“ (n = 7; ROR 13.615,84), „5-alpha-reductase deficiency“ (n = 5; ROR 1.620,81), angeborene bulbospinale Muskelatrophie (n = 6; ROR 402,42) und Double-hit-Lymphom (n = 5; ROR 243,12). Der Abstract nennt keine Spermien- oder Fertilitätsbegriffe; der Volltext wurde nicht durchsucht.

*Gong 2026 [s08], Dechallenge-Analyse (Methodik siehe Abschnitt zu Auswertungen über mehrere Wirkstoffe).* Unter den 12 Arzneimitteln mit positivem Dechallenge-Signal (Verschwinden der Meldung männlicher Infertilität nach Absetzen) steht Spironolacton mit n = 3 Fällen: ROR 10,72 (95-%-KI 3,42 bis 33,56), PRR 10,71 (3,42 bis 33,50), χ² 25,98, IC 3,40 (IC025 0,18), EBGM 10,55 (EB05 3,37). Zum Vergleich in derselben Tabelle: Finasterid n = 45, ROR 106,29 (75,90 bis 148,84); Testosteron n = 15, ROR 39,13 (23,06 bis 66,39); Minocyclin n = 3, ROR 23,62 (7,54 bis 73,99). Spironolacton gehört nicht zu den 19 durch beide Datenbanken bestätigten Hochrisiko-Arzneimitteln.

*Einordnung der Meldedaten.* Spontanmeldesysteme erfassen Verdachtsmeldungen ohne Nenner, ohne Kontrollgruppe und mit Mehrfachmeldungen und Meldeverzerrung. Der ROR vergleicht den Anteil eines Ereignisses unter den Meldungen zu einem Arzneimittel mit dem Anteil unter allen anderen Meldungen; er ist kein Risikomaß. Extrem hohe ROR-Werte bei sehr seltenen Begriffen und Fallzahlen von 3 bis 7 sind für diese Methodik typisch und kein Effektmaß; Begriffe wie „male endometriosis“ sind MedDRA-Bezeichnungen und kein Hinweis auf eine tatsächliche Erkrankung (Einschätzung der Verfasser). Dass Spironolacton mit Gynäkomastie auffällt, deckt sich mit der in [s27] genannten nichtselektiven Bindung an Geschlechtshormonrezeptoren und mit der Mechanismus-Übersicht [s180]; für Spermien lässt sich aus drei bis vier Meldungen je Begriff nichts Verlässliches ableiten. Die drei Arbeiten stammen aus drei verschiedenen chinesischen Einrichtungen, nutzen aber dieselbe amerikanische Datenbank und sind daher keine unabhängige Bestätigung.

### Glukokortikoide

#### Glukokortikoide als Begleitumstand: Erkrankung, Transplantation, körpereigenes Cortisol

**Cao 2006 [s123], China (Hefei), Querschnittsvergleich bei Nierentransplantierten.** PubMed-Titel (englische Übersetzung; der chinesische Originaltitel wurde nicht abgerufen): *Effects of different immunodepressants on the sperm parameters of kidney transplant recipients* (deutsch: Wirkungen verschiedener Immunsuppressiva auf die Spermienparameter von Nierentransplantierten); chinesischsprachig erschienen in Zhonghua Nan Ke Xue 2006. Alle Angaben stammen aus dem englischen Abstract; der chinesische Volltext war nicht abrufbar. Population: 15 gesunde fertile Männer (Kontrollen) und 37 Nierentransplantierte. 20 Patienten erhielten Tacrolimus (FK506) mit Mycophenolat-Mofetil und Prednison, 17 Ciclosporin A mit Azathioprin und Prednison. Methodik: sterile Gewinnung des Ejakulats, computergestützte Spermienanalyse (CASA) von Vitalität, Beweglichkeitsparametern (progressive Beweglichkeit, geradlinige Geschwindigkeit VSL, Kurvengeschwindigkeit VCL, Durchschnittsbahngeschwindigkeit VAP) und Morphologie. Ergebnisse (Mittelwert ± Standardabweichung; Tacrolimus-Gruppe, Ciclosporin-Gruppe, Kontrollen):

| Parameter | Tacrolimus + MMF + Prednison (n = 20) | Ciclosporin + Azathioprin + Prednison (n = 17) | Kontrollen (n = 15) | Unterschied |
|---|---|---|---|---|
| Vitalität (%) | 81,7 ± 5,7 | 79,4 ± 6,8 | 83,8 ± 6,0 | nicht signifikant (p > 0,05) |
| VCL | 24,1 ± 8,6 | 23,9 ± 4,4 | 24,8 ± 4,2 | nicht signifikant |
| VAP | 19,7 ± 6,6 | 18,6 ± 2,9 | 21,0 ± 4,0 | nicht signifikant |
| Anteil abnormer Spermien (%) | 67,8 ± 5,7 | 80,1 ± 5,6 | nicht im Abstract | Tacrolimus niedriger als Ciclosporin (p < 0,05) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 46,4 ± 8,1 | 33,3 ± 6,4 | nicht im Abstract | Tacrolimus höher (p < 0,05) |
| VSL | 15,4 ± 4,6 | 10,2 ± 2,4 | nicht im Abstract | Tacrolimus höher (p < 0,05) |

Die Einheiten der Geschwindigkeitswerte sind im Abstract uneinheitlich angegeben (teils mit Prozentzeichen) und werden hier nicht umgedeutet. Die Autoren schließen, Tacrolimus mit Mycophenolat könne helfen, Beweglichkeit und Morphologie der Spermien bei Transplantierten wiederherzustellen. *Bedeutung für die Fragestellung:* Alle 37 Patienten erhielten Prednison; verglichen wurden Calcineurin-Inhibitor-Schemata, nicht Glukokortikoide. Die Studie kann daher weder einen Prednison-Effekt belegen noch ausschließen. Die Kontrollgruppe war gesund, es gab keinen Vergleich mit Nierenkranken ohne Prednison. *Stärken:* objektive CASA-Messung, drei Vergleichsgruppen. *Schwächen:* kleine Gruppen, Querschnitt, keine Dosisangaben zu Prednison, Zuteilungsmodus zu den Schemata nicht angegeben, keine Adjustierung im Abstract, Grunderkrankung und Dialysezeit nicht berücksichtigt (zumindest nicht im Abstract), keine absoluten Kontrollwerte für Beweglichkeit und Morphologie im Abstract.

**Grunnet 1977 [s178], Dänemark, Vergleichsstudie bei Psoriasis.** Originaltitel: *Studies of human semen in topical corticosteroid-treated and in methotrexate-treated psoriatics*, Dermatologica 1977. Population: Ejakulate von zehn Männern mit schwerer Psoriasis unter lokalen Kortikosteroiden und von zehn ähnlichen Patienten, die 1 bis 9 Jahre Methotrexat erhalten hatten. Ergebnis: Ein ungünstiger Effekt auf die Samenqualität unter Methotrexat ließ sich nicht zeigen; die Samenanalyse war in der Methotrexat-Gruppe häufiger normal (p = 0,04); es wurden keine spezifischen Spermienanomalien gefunden. Auffällig viele Ejakulate beider Gruppen hatten eine verminderte Samenqualität, was die Autoren auf Psoriasisherde im Genitaltrakt zurückführen. *Einordnung:* Die Studie war auf Methotrexat ausgerichtet; die Gruppe unter lokalen Kortikosteroiden diente als Vergleich. Zur Frage, ob ein lokal angewendetes Kortikosteroid die Samenqualität beeinflusst, trägt sie nichts bei, weil eine unbehandelte Vergleichsgruppe fehlt; gezeigt wird nur, dass die Samenqualität bei schwerer Psoriasis unabhängig vom Arzneimittel häufig vermindert war. Fallzahl 10 je Gruppe, kein Konfidenzintervall.

**Kukhtevich 1991 [s152], Sowjetunion/Russland, Vergleichsstudie bei Patienten unter Immunsuppressiva.** Originaltitel (russisch, in der Umschrift von PubMed): *Patospermiia u bol'nykh glomerulonefritom i revmatoidnym artritom, lechivshikhsia immunodepressantami: vozmozhnosti korrektsii tsinkom i parlodelom* (deutsch: Pathospermie bei Patienten mit Glomerulonephritis und rheumatoider Arthritis unter Immunsuppressiva: Möglichkeiten der Korrektur mit Zink und Parlodel; englischer PubMed-Titel: *Pathospermia in patients with glomerulonephritis and rheumatoid arthritis treated by immunodepressants: the possibilities of its correction with zinc and parlodel*); erschienen in Terapevticheskii arkhiv 1991. Population: zwei Gruppen von Patienten im Alter von 16,5 bis 31 Jahren mit Pathospermie unter Immunsuppressiva wegen Glomerulonephritis (Gruppe I) oder rheumatoider Arthritis (Gruppe II). Fünf von sechs Patienten der Gruppe I und alle der Gruppe II hatten Azoospermie. Behandlung: Zink (30 bis 90 mg elementares Zink täglich) und Parlodel (2,5 mg/Tag) über 2 bis 23 Monate. Ergebnis: Die Spermatogenese besserte oder normalisierte sich bei je 2 Patienten der Gruppen I und II. Von 8 Patienten, die nicht ansprachen, erhielten 7 Glukokortikoide und Zytostatika; unter den vier Ansprechern waren es nur 2, die Zytostatika bekamen. Die Autoren diskutieren die gonadotoxische Dosis der Zytostatika. *Einordnung:* Die Studie trennt nicht zwischen Glukokortikoid- und Zytostatikawirkung und ist nur ein schwacher Hinweis; die Fallzahl ist sehr klein (8 nicht ansprechende, 4 ansprechende Patienten), die Gruppengröße der Gruppe II ist im Abstract nicht angegeben, Zahlenwerte der Samenparameter fehlen. Das Muster, dass Nichtansprecher häufiger Glukokortikoide plus Zytostatika erhielten, lässt sich aus dem Abstract nicht als Wirkung der Glukokortikoide interpretieren (Einschätzung der Verfasser).

**Mazo 1989 [s155], Sowjetunion/Russland, klinisch-physiologische Querschnittsstudie bei Varikozele.** Originaltitel (russisch, in der Umschrift von PubMed): *Rol' narusheniĭ mineralogliukokortikoidnoĭ funktsii nadpochechnikov v razvitii besplodiia u bol'nykh s levostoronnim varikotsele* (deutsch: Die Rolle von Störungen der Mineralokortikoid-Funktion der Nebennieren bei der Entstehung der Infertilität bei Patienten mit linksseitiger Varikozele; englischer PubMed-Titel: *The role of disorders of mineralocorticoid function of the adrenal glands in the development of infertility in patients with left-side varicocele*); erschienen in Urologiia i nefrologiia 1989. Es geht um körpereigenes Cortisol, nicht um Kortison als Arzneimittel. Population: 55 Patienten mit linksseitiger Varikozele. Methodik: Phlebographie, Druckmessung, Orchidometrie, Ejakulatuntersuchung, Bestimmung von Mineralo- und Glukokortikoiden im Blut vor und nach ACTH-Gabe, Messungen in Venen und Renin. Ergebnis: eine Tendenz zur Hypersynthese von Aldosteron und Cortisol; eine Korrelation zwischen dem Cortisolspiegel im peripheren Blut und dem Anteil von Spermien mit abnormer Kopfstruktur; die Autoren folgern einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Nebennierenfunktionsstörung und Infertilität bei Varikozele. Korrelationskoeffizienten und p-Werte stehen im Abstract nicht; eine Kausalität lässt sich aus einer Korrelation nicht ableiten (Einschätzung der Verfasser).

**Nordkap 2017 [s95], Dänemark (Kopenhagen), Kohorte (Querschnitt) mit Gewebeuntersuchung.** Originaltitel: *Possible involvement of the glucocorticoid receptor (NR3C1) and selected NR3C1 gene variants in regulation of human testicular function*, Andrology 2017. Fragestellung: Kann Cortisol direkt über Rezeptoren im Hoden wirken, und können Varianten des Glukokortikoidrezeptor-Gens (NR3C1) den Effekt verändern? Methodik: Immunhistochemie des Glukokortikoidrezeptors in menschlichem Hodengewebe (Erwachsene und fetal, n = 20) und Auswertung öffentlicher Datensätze; parallel Samenanalyse und Hormonprofil bei 893 Männern aus der Allgemeinbevölkerung mit drei Genvarianten (BclI, 9β, Tth111I). Ergebnisse: Im Hoden Erwachsener wurde der Rezeptor in peritubulären Zellen, einem Teil der Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen (schwach) und Spermatogonien nachgewiesen, nicht in Spermatiden; im fetalen Hoden war die Reaktion in Sertoli-Zellen deutlich stärker. Die Variante BclI war mit der Samenqualität „überdominant“ verbunden: Heterozygote hatten bessere Samenparameter als beide Homozygoten-Konstellationen, am stärksten bei der Motilität; dies wurde von höherem Inhibin B und Inhibin-B/FSH-Quotienten sowie niedrigerem FSH gestützt. 9β und Tth111I waren nicht mit Samenparametern verbunden. Die Autoren bezeichnen die Studie als Entdeckungsstudie zur Hypothesenbildung und stellen fest, dass die klinische Bedeutung der Befunde begrenzt sei. *Einordnung:* Die Studie zeigt, dass der Hoden Glukokortikoid-Rezeptoren trägt, und erklärt, warum eine direkte Wirkung biologisch möglich ist; sie misst keine Arzneimittelexposition. Effektgrößen und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract; bei mehreren geprüften Varianten ist ein Zufallsbefund nicht auszuschließen (Einschätzung der Verfasser).

**Nordkap 2022 [s69], Dänemark (Kopenhagen), Querschnittsstudie mit Haarcortisol.** Originaltitel: *Hair cortisol, glucocorticoid gene receptor polymorphisms, stress, and testicular function*, Psychoneuroendocrinology 2022. Population: 696 Männer aus der Allgemeinbevölkerung. Methodik: Cortisol in Kopfhaaren (HCC) als möglicher objektiver Marker psychischer Belastung, Serumhormone, Samenparameter und drei NR3C1-Polymorphismen (BclI rs41423247, Tth111I rs10052957, 9β rs6198). Ergebnis: Das Haarcortisol war nicht mit der Hodenfunktion verbunden, und die Adjustierung für die Polymorphismen änderte nichts. HCC nahm mit der Zahl der Tth111I-Nebenallele (T) signifikant zu und mit der Zahl der 9β-Nebenallele (G) signifikant ab. Die Autoren vermuten, dass negative Fortpflanzungswirkungen von Stress nicht direkt über Cortisol vermittelt sein könnten, da auch kein Zusammenhang zwischen HCC und selbstberichtetem Stress gefunden wurde. *Stärken:* objektiver Marker, große Stichprobe, standardisierte Untersuchung. *Schwächen:* Querschnitt; körpereigenes Cortisol ist nicht mit einer Arzneimitteldosis gleichzusetzen; Effektgrößen und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract. *Einordnung:* Zusammen mit [s95] bildet diese Arbeit die einzige humane epidemiologische Prüfung der Hypothese, dass Cortisol selbst die Hodenfunktion verändert; sie stützt sie in ihrer einfachsten Form nicht, schließt aber Wirkungen therapeutisch hoher Dosen nicht aus.

**Wang 2024 [s46], China (Shanghai), retrospektive Ultraschallstudie bei kongenitaler Nebennierenhyperplasie.** Originaltitel: *Infertility risk assessment with ultrasound in congenital adrenal hyperplasia male patients*, Sci Rep 2024. Hintergrund laut Abstract: Der Nebennierenrest-Tumor des Hodens (TART) ist bei dieser Erkrankung eine häufige Komplikation mit gonadaler Dysfunktion und Infertilität; frühe hormonelle Intervention wirke vorbeugend, „ein Übermaß an Glukokortikoid“ berge aber Risiken. Methodik: Graustufen- und Power-Doppler-Ultraschall der Hodenläsionen (Ausdehnung, Echogenität, Durchblutung), Bildung eines Läsions-Scores und Korrelation mit Spermiogrammen. Population: 49 Spermiogramme von 35 Patienten. Ergebnisse: Der Score korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration (rs = −0,83; P < 0,001) und der progressiven Beweglichkeit (rs = −0,56; P < 0,001). Die Flächen unter der ROC-Kurve betrugen 0,94 für Oligospermie und 0,72 für Asthenozoospermie. Ein Grenzwert von 6 ergab für Oligospermie eine Sensitivität von 75,00 % bei einer Spezifität von 93,94 %, für Asthenozoospermie 53,85 % und 100,00 %. *Bedeutung für die Fragestellung:* Der Abstract nennt keine Glukokortikoid-Dosis; die Studie sagt nichts über Glukokortikoide bei Gesunden, zeigt aber, dass bei dieser Erkrankung die Spermienqualität eng mit dem Hodenbefund zusammenhängt. *Schwächen:* retrospektiv, eine Klinik, 49 Proben stammen von nur 35 Patienten (Mehrfachproben je Patient, mögliche Abhängigkeit der Messungen, im Abstract nicht berücksichtigt), keine Konfidenzintervalle der Korrelationen.

#### Glukokortikoide als Behandlung bei Infertilität

**Machen 2020 [s75], USA (Milwaukee), retrospektive Kohorte (Aktenauswertung).** Originaltitel: *Prednisone after vasectomy reversal may improve semen parameters: one institution's experience*, Can J Urol 2020. Population: Männer, bei denen von 1. Januar 2008 bis 30. September 2018 wegen vermuteter Anastomosenobstruktion nach Vasektomie-Rückverlagerung Prednison eingesetzt wurde (Beurteilung nach unzureichenden oder sinkenden Samenparametern und Untersuchungsbefund); 89 Patienten. Exposition: ein Kurs bestand aus zwei Wochen 20 mg oral täglich, danach zwei Wochen 10 mg. Ergebnisse: Die Gesamtzahl motiler Spermien stieg in der Gesamtgruppe um 10,5 Mio. (p < 0,0002); nach beidseitiger Vasovasostomie um 13,4 Mio. (p < 0,0012), nach Vasovasostomie mit Vasoepididymostomie um 6,2 Mio. (p < 0,014). Patienten mit durchgängiger Anastomose zum Zeitpunkt der Behandlung zeigten häufiger eine Besserung (76,9 % gegen 33,3 %, p < 0,003). Die Autoren halten Prednison für sicher und möglicherweise wirksam, weitere Studien seien nötig. *Stärken:* für diese Fragestellung vergleichsweise große Kohorte, definierter Kurs. *Schwächen:* keine Kontrollgruppe, Auswahl der Patienten nach Verlauf (sinkende Parameter), daher Regression zur Mitte erwartbar; Konfidenzintervalle und Ausgangswerte stehen nicht im Abstract; ein Anstieg motiler Spermien nach einer Operation kann auch ohne Medikament eintreten, weil sich Anastomosen im Verlauf von selbst öffnen können (Einschätzung der Verfasser).

**White 2024 [s47], USA (Miami), retrospektive Fallserie.** Originaltitel: *Low-dose prednisone is an effective rescue for deteriorating semen parameters following vasovasostomy*, Int Braz J Urol 2024. Population: Männer der Universität Miami mit Kode für beidseitige Vasovasostomie von Januar 2016 bis April 2023 und einem Rückgang der Samenparameter um mindestens 50 % (Konzentration, Motilität, Gesamtzahl motiler Spermien), die sechs Wochen niedrig dosiertes Prednison erhielten (5 mg laut Volltext); Mann-Whitney-Test. Ergebnis: 8 Patienten; bei allen stieg die Gesamtzahl motiler Spermien (TMSC) mit einer medianen Verbesserung von 6 Mio. und einer medianen relativen Verbesserung von 433 % (241 bis 800 laut Volltext); Konzentration und Motilität verbesserten sich (nach dem Volltext Konzentration von 0,65 auf 6 Mio./ml, Motilität von 11 auf 33 %); keine Nebenwirkungen während der Behandlung. Die TMSC-Mediane vor und nach Prednison werden im Volltext mit 0,15 (Klammerangabe 0 bis 1,3) und 6 (1,1 bis 10,5) Mio. angegeben; die Art des Streuungsmaßes ist nicht benannt. *Stärken:* definierter Kurs, Nebenwirkungen erfasst. *Schwächen:* nur 8 Männer, keine Kontrollgruppe, Auswahl nach Verschlechterung (Regression zur Mitte), keine Konfidenzintervalle. Der Titel „effektive Rettung“ geht über das hinaus, was acht unkontrollierte Fälle belegen können (Einschätzung der Verfasser).

*Gegenüberstellung mit der randomisierten Studie.* Zum selben Anwendungsgebiet liegt mit Trost 2025 [s33] eine randomisierte Studie vor (hier nicht besprochen; siehe Querverweis). Sie fand nach Vasektomie-Rückverlagerung bei 75 Männern nach 12 Monaten Schwangerschaftsraten von 65 % (Kontrolle ohne Prednison, n = 25), 67 % (niedrig dosiert, n = 23), 17 % (hoch dosiert mit 20 mg, n = 14) und 38 % (nach Bedarf, n = 11) und keine Unterschiede der Spermienkonzentration. Die beiden Beobachtungsstudien [s75], [s47] berichten Zahlenanstiege, die randomisierte Studie weder einen Zahlenvorteil noch, bei niedriger Dosis, einen Schwangerschaftsvorteil. Der Kontrast zeigt, wie anfällig unkontrollierte Vorher-Nachher-Vergleiche für Verzerrungen sind (Einschätzung der Verfasser).

**Zagarskikh 2016 [s103], Russland (Irkutsk, Sankt Petersburg), klinische Studie.** PubMed-Titel (englische Übersetzung; der russische Originaltitel wurde nicht abgerufen): *The application of glucocorticoid hormones for correction of spermatogenesis in males with endocrine-dependent forms of infertility* (deutsch: Die Anwendung von Glukokortikoidhormonen zur Korrektur der Spermatogenese bei Männern mit endokrin bedingten Formen der Unfruchtbarkeit); russischsprachig erschienen in Klin Lab Diagn 2016. Population: zwei Altersgruppen, 45 Männer von 21 bis 35 Jahren und 30 Männer von 36 bis 45 Jahren, mit andrologischer Untersuchung, Ultraschall von Hodensack und Prostata, Ejakulatanalyse und Hormonanalyse. Behandlung: Dexamethason in Dosen von 0,25 bis 1,5 mg/Tag, abhängig vom Ausmaß der hormonellen Veränderungen. Ergebnis laut Abstract: Bei Männern mit Nebennieren-Hyperandrogenismus normalisierte die Glukokortikoid-Gabe die Spermiogramm-Indizes und die Nebennierenhormone, mit höherer Konzentration aktiver Spermien, längerer Vitalität und größerer Aktivität der Spermatogenese, ohne Nebenwirkungen und ohne nennenswerte Gegenanzeigen. *Schwächen:* keine Kontrollgruppe erkennbar, keine Zahlenwerte, Mittelwerte oder p-Werte im Abstract, Population mit spezieller Ursache (Nebennieren-Hyperandrogenismus), die Aussage „keine Nebenwirkungen“ ist ohne Messmethode und Nachbeobachtungsdauer wenig belastbar. Die Ergebnisse gelten für eine endokrine Spezialindikation.

**Ulcova-Gallová 2000 [s138], Tschechien (Pilsen), klinische Beobachtungsstudie bei immunologischer Infertilität.** Originaltitel: *Effect of corticosteroids on sperm antibody concentration in different biological fluids and on pregnancy outcome in immunologic infertility*, Zentralbl Gynakol 2000. Population: in 14 Jahren wurden 696 infertile Paare (Frauen 23 bis 42 Jahre, Männer 26 bis 52 Jahre) mit zuvor ungeklärter Infertilität auf spermagglutinierende Antikörper getestet (Tray-Agglutinationstest, direkte und indirekte Mixed-Antiglobulin-Reaktion). Behandlung: orale absteigende Dosen von Prednison oder Dexamethason über drei Monate bei Antikörpern in Serum oder Seminalplasma, bei einem Patienten Plasmapherese, bei Antikörpern im Zervikalschleim Hydrocortison lokal an der Ektozervix. Ergebnisse: Serum-IgG-Agglutinine verschwanden bei 3 von 11 Männern und 4 von 15 Frauen vollständig; Serum-IgM-Antikörper blieben bestehen. Im Seminalplasma wurden IgG-Agglutinine bei 57,8 % und IgA bei 38,9 % der Patienten stark beeinflusst. Bei lokaler Hydrocortison-Anwendung sanken IgG- und IgA-Agglutinine im Zervikalschleim in 61,3 % (IgG 50,7 %, IgA 65,9 %); IgM-Spiegel wurden nicht beeinflusst. Die Autoren halten die Therapie für „vielversprechend“ und kombinieren sie häufig mit In-vitro-Fertilisation. Schwangerschaftszahlen enthält der Abstract nicht, obwohl der Titel „Schwangerschaftsergebnis“ nennt. *Schwächen:* keine Kontrollgruppe, keine Schwangerschaftsraten im Abstract, Behandlungsgruppen und ihre Größen nicht aufgeschlüsselt, die Auswertungseinheit (Männer, Frauen, Proben) wechselt.

**Aliyeva 2007 [s122], Türkei (Izmir), retrospektive Analyse.** Originaltitel: *Yüksek mikst antiglobulin reaksiyon değerinin infertil erkek hastaların tedavisinde kullanılan yardımcı üreme yöntemlerinin başarısı üzerine etkisi* (Der Einfluss eines hohen MAR-Wertes auf den Erfolg der assistierten Reproduktion bei infertilen Männern), Turk J Urol 2007. Population: 69 infertile Männer mit hohem MAR-Wert (Mixed Antiglobulin Reaction, über 15 %; mittlerer MAR-Wert 84 ± 0,2 %), behandelt im Kinderwunschzentrum der Ege-Universität 1995 bis 2005 laut türkischem Abstract, 1997 bis 2005 laut englischem Abstract (die beiden Abstracts nennen unterschiedliche Zeiträume); mittleres Alter 35,5 ± 3,9 Jahre. Insgesamt 87 Behandlungen der assistierten Reproduktion (65 intrauterine Inseminationen, 18 ICSI, 4 IVF). 21 Männer (30,4 %) hatten vor der Behandlung drei Monate lang Kortikosteroide erhalten. Schwangerschaften bei 15 Paaren: 5 nach IUI (6,1 %), 9 nach ICSI (50 %), 1 nach IVF (25 %). Von den 15 erfolgreichen Behandlungen hatten nur 6 vorher Kortikosteroide erhalten (42,86 % laut englischem, 40 % laut türkischem Abstract; entsprechend 28,5 % der Kortikosteroid-Gruppe). Der Anteil rauchender Männer war bei Paaren mit Schwangerschaft 53 % (türkischer Text 53,3 %), bei Paaren ohne Schwangerschaft 80 % (p < 0,05). Die Kortikosteroid-Vorbehandlung beeinflusste das Ergebnis der assistierten Reproduktion nicht (p > 0,05). Die Autoren schließen, auch bei hohem MAR-Wert seien Schwangerschaftsraten bis zu 22 % erreichbar; eine Kortikosteroid-Vorbehandlung zeigte keinen günstigen Einfluss, und sie schlagen direkte ICSI vor (Einschätzung der Autoren). *Stärken:* klinischer Endpunkt, Auswertung des Rauchens. *Schwächen:* retrospektiv, nicht randomisiert, keine Angaben zu Dosis und Präparat, kleine Gruppen, Verzerrung durch Indikation möglich (wer Kortikosteroide bekam, wurde nicht zufällig bestimmt), im Abstract keine Spermienparameter. Die Studie sagt nichts über Kortison bei Männern ohne hohe Antikörperwerte; die Abstracts weisen kleine Unstimmigkeiten bei Prozentangaben auf. Die Ergebnisse der beiden Behandlungsarten sind nicht direkt vergleichbar, weil ICSI und IUI an unterschiedlich ausgewählten Paaren eingesetzt wurden (Einschätzung der Verfasser).

**Nicht randomisierte Behandlungsstudien bei Antispermien-Antikörpern (1981 bis 1996).** Diese acht Studien stammen aus der Zeit vor der heutigen Routine der ICSI. Sie sind klein, nicht randomisiert, teils ohne, teils mit unbehandelter Vergleichsgruppe, und verwenden unterschiedliche Antikörper-Nachweise, Dosierungen und Endpunkte. Länder sind nur dort genannt, wo die Abstracts sie erkennen lassen (Omu: Kuwait; Sharma: Großbritannien; Curtis: Großbritannien).

| Studie | Population und Behandlung | Befunde laut Abstract |
|---|---|---|
| Hendry 1981 [s175], *The results of intermittent high dose steroid therapy for male infertility due to antisperm antibodies* | 45 Männer, 2 bis 10 (im Mittel 5,3) Jahre infertil, Serum-Spermagglutinationstiter über 32; Methylprednisolon 32 mg dreimal täglich an 7 Tagen im Zyklus der Frau (meist Tage 21 bis 28) | 14 Partnerinnen (31 %) schwanger, stets mit deutlichem Abfall des Immobilisierungstiters; bei 3 von 54 Behandelten (6 %) vorübergehend schwere, bei 14 (26 %) leichte Nebenwirkungen |
| De Almeida und Jouannet 1981 [s174], *Dexamethasone therapy of infertile men with sperm autoantibodies* | 14 Männer, Dexamethasonacetat 2 oder 3 mg/Tag über 13 beziehungsweise 9 Wochen | Serum-Spermientoxizität und seminale Agglutinine fielen bei 67 % und 58 % unter die Nachweisgrenze; zwei oligozoosperme Männer mit deutlichem Zahlenanstieg; 3 Paare schwanger |
| Hargreave und Elton 1982 [s171], *Treatment with intermittent high dose methylprednisolone or intermittent betamethasone for antisperm antibodies* | 34 Männer: 15 Methylprednisolon, 7 Betamethason nach erfolglosem Methylprednisolon, 12 Betamethason; keine Randomisierung | 13 Schwangerschaften in 12 Monaten, gegenüber der erwarteten Rate signifikant erhöht; keine Schwangerschaft bei den 7 Männern mit Betamethason nach erfolglosem Methylprednisolon; 63 % Nebenwirkungen, mit Betamethason geringer; kein Zusammenhang zwischen Titerabfall und Schwangerschaft |
| Alexander 1983 [s167], *Pregnancy rates in patients treated for antisperm antibodies with prednisone* | 24 Behandelte (5 Frauen, 19 Männer) gegen 26 unbehandelte Kontrollen (1 Frau, 25 Männer) | bei Männern keine Änderung von Spermienzahl, Motilität und normalen Formen; weniger immobilisierende (p ≤ 0,039) und agglutinierende (p ≤ 0,001) Antikörper; Schwangerschaften bei 11 Behandelten (45 %) gegen 3 Kontrollen (12 %), p ≤ 0,025; von den 5 behandelten Frauen konzipierten 4 |
| Hendry 1986 [s159], *Cyclic prednisolone therapy for male infertility associated with autoantibodies to spermatozoa* | 76 Männer; Prednisolon 40 mg/Tag, bei nicht fallendem Titer bis 80 mg, Tage 1 bis 10 des Zyklus der Partnerin, bis zu 9 Zyklen | 25 Partnerinnen (33 %) schwanger, mehr als doppelt so viele wie ohne Behandlung erwartet; keine schweren Komplikationen, bei der Hälfte vorübergehende leichte Nebenwirkungen |
| Curtis 1994 [s147], *Effect of low-dose prednisolone on sperm fertilizing capacity in subfertile men with circulating antisperm antibodies* | Großbritannien (London); 36 Männer, Prednisolon 5 mg dreimal täglich über 3 Monate, Hamster-Oozyten-Penetrationstest; 17 Unbehandelte als Vergleich | Spermiendichte, normale Morphologie und Penetrationstest stiegen (p < 0,001), Antikörpertiter fiel (p < 0,0001); 6 Schwangerschaften (17 %) gegen 3 (18 %) bei den Unbehandelten; keine signifikante Verbesserung der Schwangerschaftsrate |
| Sharma 1995 [s145], *Oral steroid therapy for subfertile males with antisperm antibodies in the semen: prediction of the responders* | Großbritannien (Sheffield); 48 Paare, Männer mit mindestens 20 % beweglichen Spermien mit gebundenen Antikörpern; Prednisolon 40 mg/Tag an Tagen 1 bis 10, 5 mg an Tagen 11 und 12 des Zyklus der Partnerin über 9 Monate | 12 Paare schwanger, kumulative Konzeptionsrate 30,2 %; hohe IgG-Konzentration am Anfang sagte Schwangerschaft voraus (p = 0,006; Sensitivität 33 %, Spezifität 93 %, korrekt klassifiziert 75 %, falsch positiv 33 %, falsch negativ 24 %); Motilität stieg in beiden Gruppen; Gesamt-Antikörper in beiden Gruppen unterdrückt |
| Omu 1996 [s142], *Effect of low dose continuous corticosteroid therapy in men with antisperm antibodies on spermatozoal quality and conception rate* | Kuwait; 40 Männer mit 5 mg Prednisolon täglich über 3 bis 6 Monate, 37 Männer mit Antikörpern als Kontrollgruppe (Zuteilung im Abstract nicht beschrieben); Nachbeobachtung 12 bis 18 Monate | signifikante Besserung von Beweglichkeit und hypoosmotischem Schwellungstest (13 beziehungsweise 15 %; im Abstract mit „P < 0,01, P > 0,05“ angegeben, was in sich nicht stimmig ist); Schwangerschaftsrate 20 % gegen 5 % (p < 0,01); keine Nebenwirkungen berichtet |

*Einordnung der Antikörper-Studien.* Die unkontrollierten Serien berichten Schwangerschaftsraten von 31 bis 33 % pro Behandlungsserie [s175], [s159] und 30,2 % kumulativ [s145], was die Autoren mit der erwarteten Rate ohne Behandlung vergleichen. Von den Studien mit Vergleichsgruppe fanden Alexander [s167] und Omu [s142] mehr Schwangerschaften unter Kortikosteroid, Curtis [s147] keinen Unterschied (17 % gegen 18 %). Der Vergleich mit einer „erwarteten Rate“ statt mit einer gleichzeitig beobachteten Kontrollgruppe ist anfällig für Verzerrungen; die Übersichten urteilen entsprechend uneinheitlich [s73], [s132], [s139], [s148] (siehe Abschnitt Metaanalysen und Übersichten). Die Nebenwirkungen unter hochdosierten Schemata (Methylprednisolon 96 mg/Tag) sind in diesen Studien häufig (26 % mild und 6 % vorübergehend schwer bei [s175]; 63 % bei [s171]). Mit einer Beobachtung von „besser“ lässt sich keine Aussage zur Sicherheit für gesunde Männer treffen: Alle Studien betreffen Männer mit einer bestehenden Störung.

### Antihistaminika

Für die allergiebezogenen H1-Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin und andere) liegt im Material nur eine einzige Beobachtungsstudie mit Vergleichsgruppe vor, die zudem nicht auf diese Substanzen zugeschnitten ist [s121]. Die übrigen Beobachtungsstudien betreffen Substanzen mit mastzellstabilisierender Wirkung, die als Behandlung bei Infertilität geprüft wurden, und H2-Blocker (Magensäurehemmer).

#### H1-Antihistaminika

**Hayashi, Miyata, Yamada 2008 [s121], Japan (Saitama), retrospektive klinische Studie mit Interventions- und Kontrollgruppe.** Originaltitel: *The impact of commonly prescribed drugs on male fertility*, Hum Fertil 2008. Fragestellung: Wie wirken häufig verordnete Arzneimittel auf die männliche Fertilität, wenn Patienten mit eingeschränkter Samenqualität die Medikation absetzen oder wechseln? Population: Von 1.768 infertilen Männern nahmen 201 Medikamente bei beeinträchtigter Samenqualität, ohne Samenwegsverschluss, ohne spermatogenetische Störung und ohne hypogonadotropen Hypogonadismus. Von diesen 201 hatten 165 keine Hodenerkrankung in der Vorgeschichte und keine Auffälligkeit in den Untersuchungen. Unter den 165 waren H1-Rezeptor-Antagonisten das am häufigsten eingenommene Medikament, gefolgt von Antiepileptika und Antibiotika. Gruppen: Interventionsgruppe (73 Patienten), die das Arzneimittel absetzen oder wechseln konnte, und Kontrollgruppe (92 Patienten), bei der dies nicht möglich war. Ergebnisse: Verbesserungsrate der Samenqualität 93 % gegen 12 %, Konzeptionsrate 85 % gegen 10 %. Nach dem Wechsel der Therapie betrug die Zeit bis zur Konzeption 7,3 Monate; sie war bei Asthenozoospermie signifikant kürzer als bei Oligozoospermie (p-Wert im Abstract nicht genannt). Die Autoren sehen die potenzielle Fertilitätsgefahr häufig verordneter Arzneimittel und ihre Umkehrbarkeit bestätigt und meinen, arzneimittelbedingte Asthenozoospermie heile schneller als Oligozoospermie.

*Stärken:* für eine Fertilitätsklinik große Ausgangsgesamtheit (1.768), klare Ausschlusskriterien (Obstruktion, Hypogonadismus, Hodenerkrankungen), Vergleichsgruppe, harter Endpunkt Konzeption, Hinweis auf Rückbildung nach Absetzen. *Schwächen:* Die Gruppenzuteilung folgte der Möglichkeit, das Medikament abzusetzen, nicht dem Zufall; wer absetzen konnte, unterscheidet sich vermutlich systematisch von denen, die es nicht konnten (Schwere der Grunderkrankung, Therapietreue, Motivation; Einschätzung der Verfasser). Der Abstract nennt weder, welche Antihistaminika und wie viele Patienten welche Wirkstoffe nahmen, noch wie sich die Gruppen in Alter, Dauer der Subfertilität oder Partnerfaktoren unterschieden, noch Konfidenzintervalle, noch eine Adjustierung. Eine Besserungsrate von 93 % gegen 12 % ist so groß, dass Selektionseffekte nicht auszuschließen sind. Weil nur Männer einer Infertilitätsambulanz eingeschlossen sind, sagt die Studie nichts über das Risiko bei Männern ohne Fertilitätsproblem. *Einordnung:* Der Befund besagt, dass H1-Rezeptor-Antagonisten in dieser Untergruppe die häufigste Medikation waren, nicht, wie oft sie Ursache der Samenstörung waren, und er sagt nichts über Cetirizin, Loratadin oder andere einzelne Wirkstoffe. Aus derselben Abteilung stammt der Fallbericht [s125] mit zwei Männern unter Fexofenadin beziehungsweise Cetirizin und einer Spermienbeweglichkeit unter 10 %, bei denen sich die Funktionsstörung nach Absetzen vollständig zurückbildete (hier nicht ausführlich besprochen; siehe Querverweis).

#### Mastzellblocker als Therapieversuch bei infertilen Männern (einarmige Studien)

In diesen Studien wurden Substanzen mit mastzellstabilisierender Wirkung (Ketotifen, Ebastin, Fexofenadin) als Behandlung geprüft, also in der Gegenrichtung zur Frage nach Schäden. Randomisierte Studien dazu ([s113], [s117]) sind hier nicht besprochen.

**Schill, Schneider, Ring 1986 [s160], klinische Studie (Land im Abstract nicht angegeben).** Originaltitel: *The use of ketotifen, a mast cell blocker, for treatment of oligo- and asthenozoospermia*, Andrologia 1986. Behandlung idiopathischer Oligo- und Asthenozoospermie mit Ketotifen führte laut Abstract zu einer „sehr mäßigen, aber statistisch signifikanten“ Verbesserung von Spermienzahl und -motilität; die Schwangerschaftsrate lag im Bereich spontaner Konzeptionen. Fallzahl, Dosis, Dauer und Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. Die Autoren sehen weitere Forschung zur Beziehung zwischen Mastzellvermehrung und Störung der Blut-Hoden-Schranke als erforderlich an.

**Matsuki 2000 [s137], Japan (Yamagata), einarmige Studie.** Originaltitel: *The use of ebastine, a mast cell blocker, for treatment of oligozoospermia*, Arch Androl 2000. 15 Männer mit idiopathischer Oligozoospermie erhielten 3 Monate lang 10 mg Ebastin pro Tag. Bei 9 (66,7 %) zeigte sich eine eindeutige Besserung der Samenqualität; die Frauen von 3 Patienten (20 %) wurden innerhalb von 6 Monaten schwanger. Die Autoren sehen eine signifikante Besserung. *Schwächen:* 15 Männer, keine Kontrollgruppe, Kriterium der „eindeutigen Besserung“ und Zahlenwerte stehen nicht im Abstract; bei idiopathischer Oligozoospermie sind spontane Schwankungen und Schwangerschaften ohne Behandlung häufig (Einschätzung der Verfasser).

**Cayan, Apa, Akbay 2002 [s135], Türkei (Mersin), einarmige klinische Studie.** Originaltitel: *Effect of fexofenadine, a mast cell blocker, in infertile men with significantly increased testicular mast cells*, Asian J Androl 2002. Population: 16 türkische Männer mit idiopathischer Azoospermie oder Oligozoospermie, bei denen eine Hodenbiopsie mit Tryptase-Färbung der Mastzellen erfolgte; Einteilung nach Mastzellindex (Mastzellen pro Samenkanälchen): 9 Männer mit Index von mindestens 1, 7 darunter. Exposition: Fexofenadin 180 mg/Tag oral über 4 bis 9 Monate. Ergebnis: kein statistisch signifikanter Unterschied der Gesamtzahl motiler Spermien (TMC) zwischen vorher und nachher in beiden Gruppen (p ≥ 0,05); niemand sprach deutlich an, und es gab keine Spontanschwangerschaft. Die Autoren sehen keinen Nutzen von Fexofenadin bei diesen Männern. *Stärken:* Gewebediagnostik, gruppenweise Auswertung nach Mastzellindex. *Schwächen:* kleine Gruppen (9 und 7), keine Kontrollgruppe, Schlussfolgerung nur für Männer mit stark vermehrten Hoden-Mastzellen; Zahlenwerte der Gesamtzahl motiler Spermien vor und nach der Behandlung nennt der Abstract nicht, und ob es Verschlechterungen im Einzelfall gab, ist daraus nicht zu erkennen.

**Oliva und Multigner 2006 [s126], Argentinien (Rosario), offene unkontrollierte Studie.** Originaltitel: *Ketotifen improves sperm motility and sperm morphology in male patients with leukocytospermia and unexplained infertility*, Fertil Steril 2006. Population: 55 Männer mit Leukozytospermie und ungeklärter Infertilität. Exposition: Ketotifen (ein „antihistaminartiges Medikament mit mastzellstabilisierender Wirkung“) täglich über 12 Wochen. Ergebnisse: Nach 4 Wochen war die Leukozytenzahl stark vermindert, begleitet von signifikant besserer Spermienmotilität; nach 8 Wochen waren die normal geformten Spermien signifikant vermehrt; die Änderungen hielten mindestens 4 Wochen nach Therapieende an. *Schwächen:* offen, unkontrolliert, keine Zahlenwerte im Abstract; ein Rückgang der Leukozytenzahl ohne Kontrolle kann auch spontan eintreten (Einschätzung der Verfasser).

*Einordnung.* Drei einarmige Studien berichten Besserungen [s160], [s137], [s126], die einzige Fexofenadin-Studie keine [s135]. Das sind Behandlungsstudien an Männern mit bestehender Störung; sie sagen nichts darüber, ob gesunde Männer unter Antihistaminika Spermienschäden entwickeln. Die Ergebnisse der drei positiven Studien widersprechen dem Fexofenadin-Befund nicht unbedingt, weil Substanzen, Zielgruppen und Endpunkte verschieden sind (Einschätzung der Verfasser).

#### H2-Blocker (Magensäurehemmer)

**Wang 1982 [s172], Studie an Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwür (Land im Abstract nicht angegeben).** Originaltitel: *Effect of cimetidine on gonadal function in man*, Br J Clin Pharmacol 1982. Population: 11 Männer mit chronischem Zwölffingerdarmgeschwür. Exposition: Cimetidin 1.000 mg/Tag über 3 Monate, danach 400 mg zur Nacht über weitere 3 Monate. Ergebnisse: Das Testosteron war unter Therapie gegenüber den Zeiträumen davor und danach erhöht; das LH blieb unverändert, das FSH stieg; bei 5 von 11 Patienten stieg das Prolaktin. Die mittlere Spermienzahl war unter Cimetidin niedriger als nach dem Absetzen; Motilität und Morphologie blieben unbeeinflusst. *Stärken:* Messung vor, unter und nach Absetzen am selben Mann. *Schwächen:* 11 Patienten, kein Placeboarm, Magengeschwür als mögliche Störgröße, keine Zahlenwerte und keine Konfidenzintervalle im Abstract. Der Befund eines höheren Testosterons bei niedrigerer Spermienzahl passt zu einer Blockade am Androgenrezeptor mit kompensatorischem Hormonanstieg, wie sie [s93] beschreibt (Einschätzung der Verfasser).

**Bianchi Porro 1985 [s161], klinische Beobachtungsstudie (Land im Abstract nicht angegeben).** Originaltitel: *Long-term treatment with cimetidine does not essentially affect the hypothalamic-pituitary-gonadal axis in man*, Hepatogastroenterology 1985. Population: 9 Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwür, die 400 mg Cimetidin zur Nacht erhielten (5 über 18 Monate, 3 über 24 Monate, 1 über 36 Monate); alle waren vermutlich fertil, da sie höchstens drei Jahre vor Beginn der Behandlung ein Kind gezeugt hatten. Methodik: zwei Samenanalysen, FSH, LH und Prolaktin basal und 20, 30 und 60 Minuten nach Injektion von GnRH und TRH, Vergleich mit Kontrollgruppe. Ergebnis: Bis auf einen Mann mit leichter Oligoasthenozoospermie hatten alle normale Spermienzahlen und Motilität; die Hormonspiegel entsprachen denen der Kontrollgruppe; Cimetidin hatte laut Autoren keinen Effekt auf Sexualaktivität, Samenqualität oder die Hypophysensekretion. *Stärken:* Langzeitbehandlung, Funktionstests der Achse. *Schwächen:* 9 Patienten, keine Messung vor Behandlungsbeginn, Fertilität der Ausgangslage nur aus der Vaterschaft in den letzten drei Jahren geschlossen, Dosis 400 mg liegt unter der in [s172] zunächst verwendeten Tagesdosis von 1.000 mg (Einschätzung der Verfasser: ein Dosiseffekt wäre denkbar, ist aber nicht belegt).

**Mahboubi 2014 [s107], Iran (Schiras), Fall-Kontroll-Studie.** Originaltitel: *A case-control study of the factors affecting male infertility*, Turk J Med Sci 2014. Population: Männer einer Infertilitätsklinik; verglichen wurden 161 fertile mit 108 infertilen Männern (der Abstract spricht an anderer Stelle von 268 Männern, die Summe der Gruppen ergibt 269); mittleres Alter fertil 37,5 ± 7 und infertil 36,3 ± 10 Jahre. Erfasste Faktoren: Rauchen, Arzneimitteleinnahme, Hernie, Varikozele, Beruf, Body-Mass-Index; Auswertung mit logistischer Regression und t-Test. Ergebnis: Ein statistisch signifikanter Zusammenhang bestand zwischen männlicher Infertilität und Hernie, Varikozele, Einnahme von Ranitidin, Beruf und Body-Mass-Index. Je zusätzlicher Zigarette pro Tag sank die Motilität um 1 %, je zusätzlichem Rauchjahr gingen 800.000 Spermien verloren. Varikozele und Hernie waren die häufigsten Risikofaktoren. Effektgrößen (Odds Ratios, Konfidenzintervalle) für Ranitidin nennt der Abstract nicht. *Schwächen:* Befragungsdaten, die Indikation für Ranitidin (Magenbeschwerden) ist eine mögliche Störgröße, die Art der Arzneimittelerfassung (Dosis, Dauer) ist nicht beschrieben, die Zahl der Ranitidin-Anwender ist nicht angegeben (Einschätzung der Verfasser). Zusammen mit [s71] bildet diese Arbeit die Grundlage der Nennung von Ranitidin als iranischer Risikofaktor; sie beantwortet nicht, ob die Substanz oder die Grunderkrankung die Ursache ist.

*Einordnung.* Beobachtungsstudien zu H2-Blockern zeigen für Cimetidin eine niedrigere Spermienzahl unter Therapie in einer kleinen Serie [s172] und keine wesentliche Beeinträchtigung bei Langzeitgabe in einer anderen [s161]; die Übersichten sehen Cimetidin als nachteilig und Famotidin als unauffällig [s99], [s93]. Die Ergebnisse zu Ranitidin stammen aus einer Fall-Kontroll-Studie ohne Effektgrößen im Abstract [s107]. Die placebokontrollierten Studien zu Ranitidin und Nizatidin ([s170], [s158]) sind hier nicht besprochen.

### Erkrankungen als Störgröße: Asthma und Autoimmunerkrankungen

Antihistaminika und Glukokortikoide werden meist wegen einer allergischen oder entzündlichen Erkrankung genommen. Studien, die die Erkrankung selbst untersuchen, sind deshalb für die Deutung der Arzneimittelstudien wichtig. Sie messen keine Arzneimittelexposition.

**Pedersen 2023 [s56], Dänemark (Kopenhagen), Querschnittsstudie.** Originaltitel: *Self-Reported Asthma Is Associated with Reduced Sperm Count-A Cross-Sectional Study of More than 6000 Young Men from the General Population*, Life (Basel) 2023. Population: 6.177 junge Männer (Medianalter 19 Jahre) aus der Allgemeinbevölkerung (2001 bis 2020), die einen Fragebogen zu ärztlich diagnostiziertem Asthma und Allergie ausfüllten, körperlich untersucht wurden, eine Samenprobe abgaben und Blut spenden ließen. 656 (10,6 %) gaben an, jemals ein Asthma diagnostiziert bekommen zu haben. Methodik: multiple lineare Regression; geprüft wurde auch, ob eine selbstberichtete Allergie die Assoziation verändert. Ergebnisse (Median, Asthma gegen kein Asthma): Volumen 3,1 gegen 3,2 ml, Motilität 61 gegen 62 %, Morphologie 6,5 gegen 6,5 %, Konzentration 42 gegen 46 Mio./ml, Gesamtzahl 133 gegen 145 Mio. Adjustierte Regressionskoeffizienten (kubikwurzel-transformierte Skala): Gesamtzahl −0,18 (95-%-KI −0,33 bis −0,04), Konzentration −0,09 (−0,18 bis 0,01), Ejakulatvolumen −0,03 (−0,06 bis 0,01). Hormone ohne signifikante Unterschiede (zum Beispiel FSH +2,61 %, KI −2,61 bis 7,61). Die Assoziation mit der Gesamtzahl war bei Asthma mit Allergie (β −0,27; KI −0,55 bis 0,02) und ohne Allergie (β −0,27; KI −0,52 bis −0,02) ähnlich; der Ausschluss von 33 Männern mit regelmäßiger Asthmamedikation änderte nichts. Die Autoren fassen zusammen: Asthma war durchgehend mit schlechterer Hodenfunktion verbunden, aber nur wenige Schätzer waren statistisch signifikant. *Stärken:* sehr große, nicht nach Hodenfunktion ausgewählte Stichprobe, standardisierte Untersuchung, Adjustierung. *Schwächen (von den Autoren genannt):* Querschnitt, selbstberichtete Diagnose ohne Angabe von Schwere und Zeitpunkt, keine Entzündungsmarker, mögliche gemeinsame Ursachen (mütterliches Rauchen, Luftverschmutzung), Asthmamedikation wegen n = 33 nicht gesondert auswertbar. *Einordnung:* Die Unterschiede der Mediane sind klein; die Studie betrifft die Krankheit, nicht Antihistaminika oder Kortison, und zeigt, dass bei Arzneimittelstudien die Grunderkrankung eine Störgröße sein kann. Dass der Ausschluss der Männer mit Asthmamedikation nichts änderte, spricht gegen eine reine Medikationswirkung, kann bei nur 33 Männern aber nicht belastbar bewertet werden (Einschätzung der Verfasser).

**Sun 2026 [s17], China (Zhengzhou), Mendelsche Randomisierung (zweiseitig), 12 Autoimmunerkrankungen.** Originaltitel: *Association between autoimmune diseases and male reproductive health: A mendelian randomization study*, Sci Prog 2026. Methodik: europäische GWAS-Zusammenfassungsdaten; zwölf häufige Autoimmunerkrankungen als Exposition, erektile Dysfunktion, abnorme Spermatozoen und Sexualhormone als Ergebnis; Hauptverfahren inverse Varianzgewichtung, mehrere Sensitivitätsanalysen. Ergebnisse: Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (OR 1,101; 95-%-KI 1,016 bis 1,194; P = 0,019) und Morbus Crohn (OR 1,086; 1,012 bis 1,165; P = 0,022) waren mit einem erhöhten Risiko für erektile Dysfunktion assoziiert. Asthma war positiv kausal mit abnormen Spermatozoen assoziiert (OR 1,270; 1,045 bis 1,545; P = 0,017) und negativ mit Gesamttestosteron (β −0,042; −0,057 bis −0,027; P < 0,001). Die Sensitivitätsanalysen stützten die Befunde zu erektiler Dysfunktion und abnormen Spermatozoen. Für die anderen Autoimmunerkrankungen berichtet der Abstract keine Zusammenhänge mit Spermien. *Stärken:* genetische Instrumente verringern Verzerrung durch Störgrößen und umgekehrte Verursachung. *Schwächen:* Heterogenitätsmaße und Pleiotropie-Tests stehen nicht im Abstract; die Konfidenzintervalle liegen nahe der Eins (untere Grenze 1,045 bei Asthma); europäische Daten, nicht chinesische; mehrfaches Testen über zwölf Erkrankungen und drei Ergebnisgruppen (Einschätzung der Verfasser); „abnorme Spermatozoen“ ist ein grober Endpunkt.

**Zhang 2025 [s36], China (Nanjing), Mendelsche Randomisierung (Zwei-Stichproben), Kinderasthma.** Originaltitel: *Exploring the Association between Childhood Asthma and Abnormal Spermatozoa: An Analysis Using Mendelian Randomization*, Iran J Public Health 2025. Methodik: Zwei-Stichproben-MR mit 16 Einzelnukleotid-Polymorphismen als Instrumenten; europäische GWAS-Daten; Verfahren: inverse Varianzgewichtung, gewichteter Median, MR-Egger, Simple Mode und Weighted Mode; Leave-one-out-Analyse und Heterogenitätstest. Ergebnis: Kinderasthma war nach inverser Varianzgewichtung kein unabhängiger Risikofaktor für abnorme Spermienbildung (P = 0,14); die anderen Verfahren zeigten dasselbe; keine horizontale Pleiotropie. *Einordnung:* Die beiden MR-Studien widersprechen sich teilweise (Asthma allgemein: Zusammenhang; Kinderasthma: keiner). Beide messen genetische Veranlagung, nicht Arzneimittelexposition. Odds Ratio und Konfidenzintervall der Kinderasthma-Analyse stehen nicht im Abstract. Die Asthma-Studien zusammen sind ein Hinweis, dass Erkrankung und nicht nur Behandlung eine Rolle spielen könnten; beweisen können sie das nicht.

### Auswertungen über mehrere Wirkstoffe: Querschnitt, Meldedaten, Verordnungsdaten

**Horst 2025 [s24], Niederlande (Zwolle), retrospektive Querschnittsstudie.** Originaltitel: *Medication, age and abstinence days associated with low semen quality: A cross-sectional study in more than 7000 men visiting the centre for reproductive medicine*, PLoS One 2025. Population: Männer über 18 Jahre mit dokumentierter Samenanalyse in einer Kinderwunschklinik; 722 Männer mit und 6.716 ohne Medikation. Ausgeschlossen waren unvollständige Samenanalysen, Azoospermie, Samenanalysen nach Vasektomie sowie Abstinenzzeiten unter 2 oder über 7 Tage. Primärer Endpunkt: der zusammengesetzte Endpunkt „niedrige Samenqualität“ nach WHO. Auf Ebene einzelner Wirkstoffe (ATC-7) fanden sich bei einer Grenze von p < 0,100 (Grenzfälle) Assoziationen für Metformin, Metoprolol und Lisinopril, die nach Adjustierung für Alter und Abstinenzzeit bestehen blieben. Die vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen nennt der Abstract nicht. Die Autoren nennen als Einschränkungen selbstberichtete Exposition, die Probengewinnung durch die Patienten selbst, unbekannten Zeitpunkt des Medikamentenbeginns im Verhältnis zum Auftreten niedriger Samenqualität und die Untrennbarkeit von Medikament und Erkrankung; sie bezeichnen die Studie als hypothesengenerierend. *Stärken:* große Zahl, standardisierte Endpunkte, Adjustierung. *Schwächen:* p < 0,100 als Schwelle erhöht die Zahl falsch positiver Befunde bei vielen geprüften Wirkstoffen; Effektgrößen und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract; bei einzelnen Wirkstoffen sind die Gruppen klein. *Einordnung:* Auch eine Nullaussage zu den vier Gruppen wäre aus dieser Studie nicht ableitbar, weil Einzelwirkstoffe vermutlich selten waren (Einschätzung der Verfasser; die Häufigkeit der vier Gruppen im Datensatz nennt der Abstract nicht).

**Gong 2026 [s08], China (Peking), Pharmakovigilanzstudie mit FAERS und EudraVigilance.** Originaltitel: *Drug-induced male infertility: a real-world study using FAERS and EudraVigilance databases*, Front Pharmacol 2026. Methodik: FAERS (Quartal 1 2004 bis Quartal 2 2025) und EudraVigilance (Januar 2002 bis Oktober 2025); Meldungen zu männlicher Reproduktionstoxizität nach dem MedDRA-Wörterbuch; Signalerkennung mit ROR, PRR, IC und EBGM; Kreisvalidierung zwischen den Datenbanken, Dechallenge- und Rechallenge-Analysen. Ergebnisse: 1.955 FAERS-Fälle und 1.384 EudraVigilance-Fälle; medianes Alter 35 Jahre; 36,93 % Männer im reproduktiven Alter (18 bis 44 Jahre); mediane Zeit bis zum Ereignis 132 Tage (Zeitangaben nur bei 20,4 % der Fälle). In FAERS erfüllten 35 Arzneimittel die Kriterien (1.205 Fälle), in EudraVigilance 61 (1.116 Fälle); 19 Arzneimittel wurden in beiden bestätigt: Bleomycin, Carbamazepin, Choriongonadotropin, Citalopram, Doxorubicin, Dutasterid, Etoposid, Finasterid, Hydroxycarbamid, Leuprorelin, Medroxyprogesteron, Minoxidil, Paroxetin, Sulfasalazin, Tamsulosin, Testosteron, Triptorelin, Valproinsäure und Vinblastin. Weder ein Glukokortikoid noch ein Antihistaminikum noch Isotretinoin noch Spironolacton gehört zu diesen 19. Finasterid erfüllte als einziges Dechallenge- und Rechallenge-Kriterium (Dechallenge n = 45; Rechallenge n = 5, ROR 40,95; 15,34 bis 109,35).

Gruppensignale nach ATC-Klasse (nur FAERS; ROR mit 95-%-KI; Gruppen enthalten sehr viele Wirkstoffe):

| ATC-Klasse | n | ROR (95-%-KI) |
|---|---|---|
| Urogenitalsystem und Sexualhormone | 851 | 9,76 (8,95 bis 10,64) |
| Dermatika | 627 | 3,56 (3,24 bis 3,90) |
| Systemische Hormonpräparate ohne Sexualhormone und Insulin | 143 | 1,83 (1,54 bis 2,17) |
| Nervensystem | 443 | 1,00 (0,90 bis 1,11) |
| Muskel-Skelett-System | 82 | 0,89 (0,72 bis 1,11) |
| Herz-Kreislauf | 188 | 0,76 (0,65 bis 0,88) |
| Antineoplastika und Immunmodulatoren | 573 | 0,67 (0,61 bis 0,74) |
| Atmungssystem | 47 | 0,28 (0,21 bis 0,37) |

Nach der ATC-Systematik gehören systemisch angewendete Kortikosteroide zur Klasse „Systemische Hormonpräparate“, systemische Antihistaminika zur Klasse „Atmungssystem“, Isotretinoin zu „Dermatika“ und Spironolacton zu „Herz-Kreislauf“; die Arbeit schlüsselt dies nicht auf. Die Klassen enthalten viele andere Wirkstoffe, sodass aus einem Gruppensignal keine Aussage über einen Einzelwirkstoff folgt. Das Dermatika-Signal wird im Text mit Minoxidil in Verbindung gebracht; Isotretinoin wird im Volltext nicht genannt. Unter den Dechallenge-positiven Arzneimitteln steht auch Minocyclin (n = 3; ROR 23,62; 7,54 bis 73,99), ein bei Akne verwendetes Antibiotikum, sowie Spironolacton (siehe Abschnitt Spironolacton). *Stärken:* zwei unabhängige Datenbanken, Kreisvalidierung, Dechallenge- und Rechallenge-Prüfung, getrennte Auswertung nach Meldergruppen (Verbraucher und Fachpersonal identifizierten gemeinsam 13 Hochrisiko-Arzneimittel). *Schwächen:* Spontanmeldesysteme ohne Nenner, Meldeverzerrung, hoher Anteil durch Verbraucher gemeldeter Alopezie-Mittel, Zeitangaben nur bei etwa einem Fünftel der Fälle; die Meldungen beschreiben „männliche Infertilität oder Spermienauffälligkeiten“ als MedDRA-Begriffe, nicht gemessene Spermienparameter. Dechallenge und Rechallenge adressieren die Kausalität nur teilweise und liefern für die meisten Arzneimittel sehr kleine Fallzahlen.

**Zeng 2025 [s35], China (Xiamen), Meldedatenanalyse zu väterlicher Arzneimittelexposition.** Originaltitel: *Safety concerns of paternal drug exposure on fertility, pregnancy and offspring: An analysis based on the FDA adverse event reporting system*, Andrology 2025. Methodik: FAERS 2010 bis 2022, Disproportionalitätsanalysen für Arzneimittel-Ereignis-Paare mit väterlicher Exposition auf verschiedenen Hierarchieebenen. Ergebnisse: Von 16.180.533 Meldungen betrafen 3.210 eine väterliche Exposition (7.808 Ereignisse); Hauptquellen waren Arzneimittel gegen rheumatoide Arthritis, Krebs und Infektionen. 115 Signale zur reproduktiven Gesundheit; besonders deutlich Diazepam und „zu klein für das Gestationsalter“ sowie Finasterid und Kryptorchismus (jeweils ROR über 800, n > 10). Spontanaborte traten gehäuft bei Biologika auf; Immunsuppressiva waren mit den meisten angeborenen Anomalien verbunden (stärkste Signale Belatacept mit Skelettdysplasie und Tacrolimus mit Klumpfuß). „Nur Mycophenolsäure, Östrogen und Imatinib“ hatten Signale zur männlichen Fertilität. Im frei zugänglichen Volltext kommen Glukokortikoide (Suche nach Prednison, Dexamethason, Kortikoid, Steroid, Cortisol, Hydrocortison, Methylprednisolon: keine Treffer), Antihistaminika (Antihistaminikum, Cetirizin, Loratadin: keine Treffer) und Spironolacton (keine Treffer) nicht vor. Isotretinoin wird einmal genannt: Auf der Ebene der standardisierten MedDRA-Abfragen hätten Isotretinoin und Cladribin signifikante Signale für „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung“ gezeigt; für das Retinoid Acitretin fand sich das höchste Signal für Genotoxizität (ROR 195,3). Das Isotretinoin-Signal betrifft demnach eine Schwangerschaft der Partnerin trotz Verhütung und ist kein Spermien- oder Fertilitätsbefund; Fallzahl und Konfidenzintervall nennt der Text nicht. *Einordnung:* Das heißt nur, dass in dieser Meldedatenbank für diese Wirkstoffe keine auffälligen väterlich-exponierten Signale zur Fertilität berichtet werden; die Zahl der vaterexponierten Meldungen (3.210 von mehr als 16 Millionen) ist klein, sodass die Datenlage für die meisten Wirkstoffe schwach sein dürfte (der Abstract spricht von knappen Sicherheitsdaten über väterliche Exposition).

**McEwen 2024 [s44], USA (Boston), beschreibende Registerstudie mit Versicherungsdaten.** Originaltitel: *Patterns of paternal medication dispensation around the time of conception*, Paediatr Perinat Epidemiol 2024. Methodik: MarketScan-Datenbank privat Versicherter in den USA 2011 bis 2020; Schwangerschaften identifiziert, Empfängniszeitpunkt geschätzt, Verknüpfung mit dem Vater über Familienversicherungsdaten; beschrieben wurden die ausgegebenen verschreibungspflichtigen Arzneimittel des Vaters in den 90 Tagen vor der Empfängnis. Ergebnisse: Von 4.437.550 Schwangerschaften waren 51,6 % einem Vater zugeordnet; 1.413.762 erfüllten die Einschlusskriterien. Häufigste Klassen: Psychopharmaka (8,66 %), Antibiotika (7,21 %), Analgetika (6,82 %). Häufigste Einzelarzneimittel: Amoxicillin (3,75 %), Azithromycin (3,15 %), Fluticason (2,70 %) und Acetaminophen/Hydrocodon (2,70 %). Mycophenolat (0,04 %), Methotrexat (0,03 %) und Isotretinoin (0,02 %) wurden an Väter ausgegeben. Mehr als ein Drittel der Väter löste mindestens ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ein. *Einordnung:* Die Studie ist rein beschreibend und misst keine Fertilitätsfolgen. Sie zeigt aber, wie häufig Fluticason (ein Glukokortikoid) bei Vätern vor der Empfängnis ausgegeben wird (2,70 %) und wie selten Isotretinoin (0,02 %). Ausgabe in der Apotheke bedeutet nicht Einnahme, und der Weg der Anwendung (inhalativ, nasal oder anders) ist im Abstract nicht angegeben (Einschätzung der Verfasser).

### Zusammenschau der Beobachtungsstudien

**Isotretinoin: die Studien im Vergleich.**

| Studie | Design und Population | Dosis und Dauer | Ergebnis Spermienkonzentration | Weitere Befunde |
|---|---|---|---|---|
| Vogt 1985 [s166] | Vorher-Nachher, 20 Freiwillige | 1 mg/kg, 12 Wochen | bei Gesunden unverändert | bei Vorschädigung Anstieg, drei Monate später gegenläufig; Normalformen zwölf Wochen nach Ende signifikant erniedrigt |
| Höting 1992 [s150] | Vorher-Nachher, 20 Patienten | 1 mg/kg, 6 Monate | Anstieg ab dem 4. Monat (signifikant) | nach 1 Jahr alle Parameter wieder auf Ausgangswert |
| Çinar 2016 [s100] | Vorher-Nachher, 81 Männer | 120 mg/kg gesamt, 6 Monate | alle Parameter „positiv“ (p < 0,05) | Hormone unverändert |
| Gurel 2023 [s51] | Vorher-Nachher, 46 Männer | 0,5 bis 1,0 mg/kg bis 120 mg/kg, 6 Monate | 21,02 auf 22,85 Mio./ml (p = 0,001) | Gesamtzahl 51,45 auf 73,87 Mio.; Normalformen 9,37 auf 8,70 % |
| Bendix 2026 [s04] | Querschnitt, 322 Anwender gegen 4.065 Nichtanwender (Preprint) | nicht aufgeschlüsselt | Median 41 gegen 45 Mio./ml (nicht signifikant) | FSH niedriger, Inhibin-B/FSH höher, Östradiol höher |
| Metaanalyse Panunzio 2026 [s14] | 3 dermatologische Kohorten, n = 167 | Standardschemata | Mittelwertdifferenz +1,77 Mio./ml (p = 0,028) | Vitalität +3,74 % (p = 0,009) |

Die Vorher-Nachher-Studien der Dermatologie zeigen übereinstimmend keine Abnahme der Spermiendichte unter Standarddosis, in zwei Studien einen Anstieg [s150], [s51] und in einer Studie eine Rückkehr zum Ausgangswert nach Therapieende [s150]. Zwei Studien berichten niedrigere Normalformen [s166], [s51]. Die große dänische Querschnittsstudie [s04] findet bei der Spermienzahl nicht signifikant niedrigere Werte und Hormonverschiebungen. Der Gegensatz zwischen „unverändert oder höher“ in den Vorher-Nachher-Studien und „nicht signifikant niedriger“ im Querschnitt ist nicht aufgelöst; die Studien unterscheiden sich in Design (Verlauf am Einzelnen gegen Gruppenvergleich), Fallzahl, Expositionsdefinition und Zeitpunkt der Messung (während der Behandlung gegen Jahre danach). Die Meldedatensignale [s02] betreffen vor allem die Sexualfunktion. Die Ergebnisse bei Infertilität [s89], [s26] sind Behandlungsstudien und keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer.

**Spironolacton.** Aus den Beobachtungsstudien lässt sich nur ableiten, dass unter Spironolacton plus Östrogen häufiger noch aktive Spermatogenese bestand als unter Cyproteronacetat plus Östrogen [s20] und dass nach durchschnittlich mehreren Jahren Hormontherapie in einem Teil der Präparate noch Spermatogenese nachweisbar war [s74]. Die Hormonstudie [s181] und die Meldedaten [s27], [s29], [s08] belegen die antiandrogene Wirkung beziehungsweise Meldungen zu Gynäkomastie, nicht aber eine Veränderung der Spermienzahl. Eine Beobachtungsstudie mit Spermiogramm bei Männern unter Spironolacton ohne Östrogen liegt nicht vor.

**Glukokortikoide.** Es gibt keine Beobachtungsstudie, die die Samenqualität unter üblicher Langzeitgabe (zum Beispiel bei Asthma oder Rheuma) mit einer Gruppe ohne Glukokortikoid vergleicht. Die vorhandenen Humanstudien betreffen ausgewählte Erkrankungen und Indikationen: Antispermien-Antikörper, Zustand nach Vasektomie-Rückverlagerung, Nebennieren-Hyperandrogenismus, Nebennierenhyperplasie, Transplantation. Sie liefern keine einheitliche Antwort: Einarmige Studien melden Besserungen [s75], [s47], [s103], [s175], [s159], [s145]; Studien mit Vergleichsgruppe uneinheitliche Ergebnisse [s167], [s142], [s147], [s122]; und die randomisierte Studie [s33] fand bei höherer Dosis weniger Schwangerschaften. Die Studien zu körpereigenem Cortisol [s69], [s95] liefern keinen einfachen Hinweis auf eine Wirkung von Cortisol auf Spermienparameter; der Hoden trägt aber Glukokortikoid-Rezeptoren [s95].

**Antihistaminika.** Für moderne H1-Blocker gibt es keine kontrollierte Beobachtungsstudie. Die Hayashi-Studie [s121] nennt H1-Blocker als häufigste Medikation in einer Gruppe, bei der Absetzen oder Wechsel mit besserer Samenqualität einherging, mit den genannten Selektionsrisiken. Mastzellblocker wurden als Therapie geprüft, mit uneinheitlichen Ergebnissen [s160], [s137], [s135], [s126]. Für H2-Blocker gibt es für Cimetidin Hinweise auf eine niedrigere Spermienzahl in einer kleinen Serie [s172], aber auch eine gegenteilige Beobachtung bei Langzeitgabe [s161].

**Störgrößen und Evidenzgrad.** Die Erkrankung selbst kann die Spermien beeinflussen (Asthma [s56], [s17]; Lupus [s19]; Psoriasis [s178]); die Studien zu Arzneimitteln können diesen Anteil meist nicht abtrennen. Meldedatenbanken [s02], [s08], [s27], [s29], [s35] sind Signaldetektoren ohne Nenner. Die Leitlinie AUA/ASRM stuft die Evidenz für Medikamente als Risikofaktoren insgesamt niedrig ein [s40]. Keine der besprochenen Studien erlaubt eine Aussage über den Einzelfall.

**Was fehlt.** Eine prospektive Kohorte mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter Langzeit-Glukokortikoiden; eine Beobachtungsstudie mit Spermiogramm zu Spironolacton ohne Östrogen; eine kontrollierte Studie zu Cetirizin, Loratadin, Desloratadin oder Bilastin; eine Studie zu Isotretinoin mit Kontrollgruppe ohne Isotretinoin, Messungen am selben Mann vor, während und nach der Therapie und Schwangerschaften als Endpunkt (die dänische Preprint-Studie [s04] ist die größte, aber ein Querschnitt).

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Wie dieses Kapitel gelesen werden sollte

Dieses Kapitel geht die Arbeiten einzeln durch, die für die vier Wirkstoffgruppen (Isotretinoin, Spironolacton, Glukokortikoide, Antihistaminika) kontrollierte oder unkontrollierte Studien am Menschen, Leitlinien oder Tierversuche zur Spermienqualität und Fertilität vorgelegt haben. Pharmakovigilanzdaten, Laborversuche mit menschlichen Spermien und Studien zu den Grunderkrankungen werden nur dort herangezogen, wo sie für die Einordnung einer klinischen Studie oder eines Tierversuchs nötig sind. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung. Wo die Autoren einer Studie eine Schlussfolgerung ziehen, ist sie als Aussage der Autoren gekennzeichnet; Einschätzungen der Verfasser dieses Kapitels sind als solche benannt.

Drei Vorbemerkungen bestimmen, wie die Zahlen zu lesen sind. Erstens ist die Spermienqualität in fast allen Arbeiten eine Ersatzzielgröße: Konzentration, Beweglichkeit und Form eines einzelnen Ejakulats sagen nur begrenzt etwas über die Fähigkeit zur Zeugung aus. Die AUA/ASRM-Leitlinie von 2024 bewertet die Evidenz zu Arzneimitteln als Risikofaktoren der männlichen Infertilität insgesamt als niedrig, unter anderem weil Störgrößen häufig nicht kontrolliert sind und meist Samenparameter statt Schwangerschaften gemessen werden [s40]. Zweitens sind die Wirkstoffgruppen in zwei grundverschiedenen Fragestellungen untersucht worden: als mögliche Ursache einer Schädigung (überwiegend Tierversuche, Meldedaten, wenige Kohorten) und als Behandlung einer bestehenden Störung (zum Beispiel Antispermien-Antikörper, Azoospermie, Nebennierenerkrankung). Beide Literaturen dürfen nicht vermischt werden. Drittens ist die Grunderkrankung selbst ein Störfaktor: Akne, Allergie, Asthma, Rheuma oder Hormonstörungen können die Spermien beeinflussen, ohne dass ein Medikament beteiligt ist.

Zitiert wird mit den Kennungen der Gesamtstudie. Fallzahlen (n) bedeuten Teilnehmer oder Tiere, KI steht für Konfidenzintervall. Wo eine Quelle keine Zahl nennt, steht hier keine.

### Was die Leitlinien und systematischen Übersichten aussagen

Keine der abgerufenen Leitlinien trifft eine Aussage zur Spermienqualität unter einer der vier Wirkstoffgruppen. Das ist der erste und wichtigste Befund dieses Abschnitts.

**AUA/ASRM-Leitlinie 2024 (Brannigan et al.) [s40].** Die Leitlinie enthält eine systematische Übersicht zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität. Ihre bedingte Empfehlung (Evidenzgrad C) lautet, dass Kliniker Lebensstil-, Medikamenten-, Umwelt- und Berufsfaktoren mit den Patienten besprechen dürfen, weil die Daten bei den meisten Faktoren begrenzt sind. Für die in Tabelle 8 der Leitlinie aufgeführten Arzneimittel gilt niedrige Evidenz; außer Finasterid (dosisabhängig geringeres Ejakulatvolumen) hatte nach dem abgerufenen Text keines eine signifikante Wirkung. Anabole Steroide und exogenes Testosteron unterdrücken bei Anwendung die Spermatogenese. Psychischer Stress ist bei niedriger Evidenz mit einer kleinen Abnahme der progressiven Motilität verbunden. Zum Thema Antispermien-Antikörper rät die Leitlinie als Expertenmeinung, den Test nicht in die Erstabklärung aufzunehmen; das ordnet die unten besprochenen Kortison-Studien bei Antikörpern, die überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996 stammen, als überwiegend historisch ein. Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide kommen im abgerufenen Leitlinientext nicht als spermienrelevante Substanzen vor.

**EAU-Leitlinie zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit 2026 [s06].** Im abgerufenen Webtext (rund 2,3 Megabyte, per Textsuche ausgewertet) erscheinen die Wirkstoffe nur in den Ursachentabellen des Hypogonadismus-Kapitels. Spironolacton und Cyproteronacetat werden dort als steroidale Antiandrogene geführt, deren medikamentöse Androgenrezeptor-Blockade zu Androgenresistenz und verminderter Testosteronwirkung beiträgt. Glukokortikoide erscheinen als Cushing-Syndrom, als Medikamentengruppe neben Opiaten und GnRH-Analoga unter den Ursachen hypogonadotroper Störungen und unter den Arzneimitteln, die das sexualhormonbindende Globulin senken. Aussagen zu Samenparametern oder Fertilität unter diesen Substanzen enthält der Text nicht; Isotretinoin und Antihistaminika kommen nicht vor. Die Auflistung beschreibt Mechanismen und Ursachen, nicht die Häufigkeit eines Schadens.

**Systematische und umfassende Übersichten.** Jebli et al. 2026 durchsuchten 16.310 Treffer und werteten 184 Studien aus den Jahren 2016 bis 2025 zu häufig verordneten Arzneimitteln aus [s10]. Semet et al. 2017 legten die Vorläuferarbeit derselben Marseiller Gruppe vor [s96]. Als schädlich werden unter anderem Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, GnRH-Analoga und Sartane genannt, bei Jebli zusätzlich Duloxetin, Thiopurine, Dutasterid, Valganciclovir, Efavirenz, Valproat und Hydroxyurea. Die vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen stehen in den Abstracts nicht. Der Umbrella-Review von Wang QH et al. 2026 wertete 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen aus; nach GRADE waren 136 (54,6 %) sehr niedrig, 59 (23,7 %) niedrig und 54 (21,7 %) moderat eingestuft [s19]. Unter den Arzneimitteln nennt er Sulfasalazin, Mesalazin und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; Glukokortikoide, Spironolacton, Isotretinoin und Antihistaminika kommen im Volltext nicht vor (Stichwortsuche der Recherche ohne Treffer). Hui et al. 2022 überblickten 234 Studien zu 131 Arzneimitteln; 34 wurden mit männlicher Infertilität und sexueller Funktionsstörung verbunden, im Abstract werden die Einzelsubstanzen nicht genannt [s66]. Dass diese Übersichten die vier Gruppen nicht nennen, ist kein Entwarnungsbeleg. Es bedeutet, dass in den ausgewerteten Studien dazu keine bewertbaren Effektgrößen vorlagen.

**Registerdaten als Kontext.** In US-Versicherungsdaten (n = 1.413.762) stand Fluticason unter den häufigsten Medikamenten, die Vätern in den 90 Tagen vor der Empfängnis ausgegeben wurden (2,70 %); Isotretinoin lag bei 0,02 % der Väter. Fertilitätsfolgen wurden nicht gemessen [s44]. In einer Querschnittsstudie an 7.438 Männern mit Samenanalyse (722 mit, 6.716 ohne Medikation) nennt der Abstract Metformin, Metoprolol und Lisinopril als (Grenz-)Assoziationen, keine der vier Gruppen; die Autoren bezeichnen die Arbeit als hypothesengenerierend und können Medikament und Krankheit nicht trennen [s24].

**Übersichten zu Hautmitteln.** Millsop et al. 2013 fanden bei Methotrexat und Finasterid eine schwere, reversible Oligospermie, bei Ketoconazol eine Beeinträchtigung von Motilität und Testosteronbildung und für Glukokortikoide, Spironolacton und Antihistaminika nur einzelne Fallberichte und wenige Studien mit negativen Effekten; die Autoren schrieben, Patienten könnten beruhigt werden, dass orale Retinoide, Ciclosporin, Azathioprin und TNF-alpha-Hemmer die Fertilität nicht beeinflussen sollten (Suche nur in MEDLINE und nur auf Englisch) [s111]. Abdel-Naser und Zouboulis 2016 nennen Spironolacton und Finasterid als Antiandrogene mit möglichem Einfluss auf die männliche Fertilität [s98]. Zwei deutschsprachige Übersichten (Krause 1983, Schill 1985) rechnen Retinoide zu den überwiegend zytotoxisch wirkenden Stoffen für das Keimepithel beziehungsweise führen Antiandrogene unter den hormonellen Einflüssen auf; ihre Abstracts enthalten keine Zahlen [s165, s169]. Samplaski und Nangia 2015 sind eine Übersichtsarbeit ohne eigene Datenerhebung zu Arzneimitteln und männlicher Fertilität [s104]. Ein Fallbericht mit Literaturübersicht zu einem 20-jährigen Mann mit isolierter Dysurie unter Isotretinoin enthält im Abstract keine Angaben zu Spermien oder Fertilität und trägt zur Fragestellung nichts bei [s70].

### Isotretinoin

#### Zusammenfassende Arbeiten

**Panunzio et al. 2026, systematische Übersicht mit Metaanalyse [s14].** Eingeschlossen wurden sechs klinische Studien mit 225 Männern (Suche in MEDLINE/PubMed, Scopus und Web of Science bis November 2025, PRISMA). Drei Kohorten betrafen Dermatologie-Patienten mit normaler Ausgangsfertilität (n = 167), drei Kohorten Männer mit Infertilität unter niedrig dosiertem Isotretinoin (n = 58). Die Metaanalyse mit Random-Effects-Modell lief nur für Parameter mit verfügbaren Mittelwerten und Standardabweichungen. In den Dermatologie-Kohorten stieg die Spermienkonzentration im Mittel um 1,77 Mio./ml (p = 0,028) und die Vitalität um 3,74 % (p = 0,009); progressive Motilität (+4,12 %) und normale Morphologie (+1,13 %) zeigten nicht signifikante Trends. In den Infertilitäts-Kohorten stieg die Konzentration um etwa 1,3 Mio./ml und die progressive Motilität um 3 %, die Morphologie blieb bei Oligoasthenozoospermie stabil; bei 37 bis 44 % der Männer mit Azoospermie oder Kryptozoospermie traten erstmals Spermien auf, Schwangerschaften wurden in drei Studien berichtet (spontan und mit assistierter Reproduktion). Keine der Studien berichtete eine eingeschränkte Fertilität oder eine neu aufgetretene sexuelle Funktionsstörung. Die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als gering bis moderat ein. Stärken: systematische Suche, getrennte Betrachtung der Populationen. Schwächen: sehr wenige, überwiegend einarmige Vorher-Nachher-Studien; der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle und nicht, welche sechs Studien eingeschlossen wurden. Einschätzung der Verfasser dieses Kapitels: Die kleinen Anstiege liegen in einer Größenordnung, die bei dieser Studienart auch durch Messschwankung, Abstinenzzeit und Probenverlauf erklärbar wäre.

**Amory, Jessup und Turek 2026, Übersichtsarbeit [s03].** Die Autoren begründen das Interesse an Isotretinoin als Behandlung der Azoospermie: Der Hodeneingriff zur Spermiengewinnung für ICSI sei nur in etwa 50 % erfolgreich, Pilotstudien legten nahe, dass Isotretinoin über 3 bis 6 Monate bei bis zu einem Viertel der Männer mit Azoospermie zu zuverlässig ejakulierten Spermien führen könne. Je nach Histologie sprächen 25 bis 40 % der Männer mit Reifungsarrest an, Männer mit reinem Sertoli-Zell-Syndrom offenbar nicht; bei Kryptozoospermie in einer Fallserie etwa die Hälfte. Größere Studien seien nötig. Die Arbeit stammt von der Gruppe, die die Pilotstudien durchgeführt hat (mögliche Befangenheit; Einschätzung).

#### Studien an Akne-Patienten mit normaler Ausgangsfertilität

**Gurel et al. 2023, Türkei, prospektive Beobachtungsstudie [s51].** Männer vor systemischer Isotretinoin-Therapie wegen Akne, 0,5 bis 1,0 mg/kg/Tag bis zu einer kumulativen Dosis von 120 mg/kg. Ausgeschlossen waren unter anderem Rauchen und Alkoholkonsum, Systemerkrankungen, frühere Hodenoperation und diagnostizierte Infertilität. Die Samenanalyse erfolgte vor und nach sechs Monaten und wurde von einer Person ausgewertet, die den Zeitpunkt der Probe nicht kannte; zusätzlich wurde per Ultraschall auf Varikozele untersucht. Mittleres Alter 22,76 Jahre (SD 5,02). Als eingeschlossen werden 46 Männer genannt, im Methodenteil werden zugleich 13 Abbrecher und ein Mann mit Azoospermie als ausgeschlossen beschrieben, während die Tabellen n = 46 führen; die Arbeit erklärt das Verhältnis nicht (Unstimmigkeit im Original). Ergebnisse (Mittelwert und SD, vorher gegen nachher, gepaarter Test):

| Parameter | Vorher | Nachher | p |
|---|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 2,45 (1,30) | 3,16 (1,63) | 0,002 |
| Konzentration (Mio./ml) | 21,02 (2,10) | 22,85 (2,32) | 0,001 |
| Gesamtzahl (Mio.) | 51,45 (28,30) | 73,87 (44,18) | < 0,001 |
| Progressive Motilität (%) | 35,67 (8,71) | 38,46 (6,68) | 0,008 |
| Vitalität (%) | 72,22 (17,67) | 78,22 (13,92) | 0,003 |
| Normale Morphologie (%) | 9,37 (0,77) | 8,70 (0,99) | < 0,001 |

Die Morphologie wurde schlechter, alle anderen Parameter besser. Zwölf Männer (26 %) hatten eine klinische oder subklinische Varikozele (laut Volltext 6 klinisch und 6 subklinisch); bei ihnen stieg die Konzentration stärker (20,00 auf 25,25 gegen 21,38 auf 22,00 Mio./ml, p < 0,001), bei den übrigen Parametern und bei der Verschlechterung der Normalformen (p = 0,744) unterschieden sich die Gruppen nicht. Stärken: Vorher-Nachher am selben Mann, verblindete Auswertung, Ausschluss wichtiger Störfaktoren. Schwächen: keine Kontrollgruppe, ein Zentrum, Spontanschwankung und Abstinenzzeit nicht ausgeschlossen, die Unstimmigkeit der Fallzahl und eine ungewöhnlich kleine Standardabweichung der Konzentration (2,10 bei einem Mittelwert von 21,02, während die Gesamtzahl eine Standardabweichung von 28,30 hat; Einschätzung). Die Autoren nennen selbst die kleine Fallzahl (pandemiebedingt) und das Einzelzentrum.

**Çinar et al. 2016, Türkei, klinische Studie [s100].** 81 Männer über 18 Jahre mit schwerer oder therapieresistenter Akne erhielten über sechs Monate eine Gesamtdosis von 120 mg/kg systemisches Isotretinoin; Spermiogramm sowie Gesamt-Testosteron, FSH und LH wurden vorher und nachher gemessen. Der Abstract berichtet, alle Spermiogramm-Parameter hätten sich positiv verändert (p < 0,05), die Hormonspiegel nicht signifikant; die Autoren schließen, der Effekt laufe nicht über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Weitere Zahlen nennt der Abstract nicht. Gurel et al. berichten, Çinar et al. hätten eine Abnahme der Normalformen beschrieben; das steht nicht im Abstract von Çinar und ist nur über diese Zitierung bekannt. Schwäche: keine Kontrollgruppe erkennbar.

**Vogt und Ewers 1985, Deutschland, Vorher-Nachher-Studie [s166].** 20 männliche Freiwillige mit schwerer Acne conglobata erhielten 12 Wochen lang 1 mg Isotretinoin pro kg Körpergewicht oral, mit Untersuchung vor, nach und 12 Wochen nach der Behandlung einschließlich Impulszytophotometrie der Spermien-DNA. Bei sonst gesunden Patienten blieb die Spermiendichte unverändert; bei Patienten mit früheren Gonadendefekten (einseitiger Kryptorchismus, Hypogonadismus, Varikozele) stieg die Spermienzahl am Therapieende signifikant (p < 0,05) und kehrte drei Monate später zum Ausgangswert zurück. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war am Therapieende leicht, 12 Wochen nach Therapieende signifikant erniedrigt (p < 0,05); die Autoren halten das wegen der kurzen Halbwertszeit für möglicherweise unabhängig vom Medikament. Die DNA-Zytophotometrie zeigte keine signifikanten Veränderungen. Die Autoren schlossen, kontrazeptive Maßnahmen für den Mann seien während der Behandlung nicht zwingend; das ist eine Aussage der Quelle. Der deutsche Originaltitel wurde nicht abgerufen, nur der englische PubMed-Titel.

**Höting, Schütte und Schirren 1992, Deutschland, einarmige Studie mit Nachbeobachtung [s150].** 20 Patienten (21,4 ± 4,3 Jahre) mit ausgedehnter Acne conglobata erhielten sechs Monate lang 1 mg/kg/Tag (mittlere Tagesdosis 72,7 ± 9,8 mg); Spermiogramme im Zweimonatsabstand. Ab dem vierten Behandlungsmonat stieg die mittlere Spermiendichte signifikant an, bei unveränderter Morphologie und Motilität. Ein Jahr nach Therapieende lagen alle gemessenen Parameter wieder auf den Ausgangswerten. Hinweise auf einen negativen Einfluss auf die Spermatogenese fanden sich nicht; 13 Patienten wurden ein Jahr nachbeobachtet, ohne Akne-Rückfall. Schwächen: einarmig, klein.

**Bendix et al. 2026, Dänische Junge-Männer-Studie, Preprint [s04].** Nicht von Fachleuten begutachtet. Querschnittsvergleich in einer populationsbasierten Kohorte (Medianalter 19 Jahre): 322 Männer, die zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem Untersuchungstag Isotretinoin eingenommen hatten, gegen 4.065 Nichtanwender. Mediane Samenparameter, Anwender gegen Nichtanwender: Konzentration 41 gegen 45 Mio./ml, Gesamtzahl 125 gegen 145 Mio., Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien 74 gegen 88 Mio.; die Unterschiede waren nicht signifikant. Anwender anderer Aknemedikation hatten 45 Mio./ml, 141 Mio. und 90 Mio., also Werte wie Nichtanwender. Männer, die am Untersuchungstag Isotretinoin einnahmen, kamen auf 41 Mio./ml, 115 Mio. und 68 Mio.; Männer, die mindestens zwei Jahre zuvor aufgehört hatten, auf 39 Mio./ml, 119 Mio. und 74 Mio.; ebenfalls nicht signifikant. Bei den Hormonen war FSH niedriger (2,4 gegen 2,6 IE/l), der Inhibin-B/FSH-Quotient höher (81 gegen 69) und Östradiol höher (85 gegen 81 pmol/l, signifikant); LH, Testosteron und SHBG zeigten keine Tendenz. Bei früheren Anwendern lagen FSH bei 2,2 gegen 2,6 IE/l, der Quotient bei 83 gegen 69 und Östradiol bei 85 gegen 81 pmol/l. Bei Männern, die erst mindestens ein Jahr nach dem Untersuchungstag mit Isotretinoin begannen, fanden sich diese Abweichungen nicht. Der Ex-vivo-Teil (menschliches Hodengewebe über 96 Stunden; Hormone n = 8, Proliferation und Apoptose Gewebe von 4 Spendern) zeigte erhöhtes Testosteron in fast allen Ansätzen, erniedrigtes Dihydrotestosteron, unverändertes Östradiol, bei 25 µM Isotretinoin niedrigeres Inhibin B und im Wesentlichen unveränderte Keimzellproliferation und Apoptose. Im Reportergentest hemmte Isotretinoin die Retinsäure-induzierte Aktivierung des Retinsäurerezeptors alpha (EC50 der Retinsäure 7,65 µM gegen 2,92 µM ohne Vorbehandlung mit 12 nM Isotretinoin). Stärken: große populationsbasierte Kohorte mit standardisierter Untersuchung, drei Methoden. Schwächen: Preprint, Querschnittsdesign, Samenunterschiede nicht signifikant, Gewebekultur ohne Meiose (Einschätzung der Autoren), mögliche Störgrößen durch den Aknegrad. Die Autoren schließen, Isotretinoin könne die männliche Fortpflanzungsfunktion beeinflussen, möglicherweise anhaltend; randomisierte Studien seien nötig. Der Gegensatz zu den kleinen Vorher-Nachher-Studien ist nicht aufgelöst; die Studien unterscheiden sich in Design, Fallzahl und Expositionsdefinition.

**Nya-Ngatchou et al. 2013, Hodenbiopsie-Pilotstudie [s112].** 24 Männer mit Skrotal- oder Penisoperation, 7 mit mindestens einem WHO-Kriterium verletzenden Samenanalysen, 17 mit normalen. Bei auffälligem Ejakulat betrug die mediane intratestikuläre 13-cis-Retinsäure 0,14 (0,08 bis 0,25) pmol/g Gewebe gegen 0,26 (0,18 bis 0,38) pmol/g bei normalem Ejakulat (p = 0,04); all-trans-Retinsäure und Serumhormone unterschieden sich nicht. Das ist die biologische Grundlage der Behandlungsversuche bei Infertilität. Schwäche: nur 7 Männer in der Vergleichsgruppe, Querschnitt.

#### Isotretinoin als Versuchsbehandlung bei infertilen Männern

Diese Studien beantworten eine andere Frage als die Akne-Studien: Sie prüfen, ob niedrig dosiertes Isotretinoin bei einer bestehenden Störung hilft. Sie sind keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer.

**Amory et al. 2017, USA, einarmige Pilotstudie [s89].** 19 infertile Männer (21 bis 60 Jahre, Infertilität über 12 Monate, Spermienkonzentration unter 15 Mio./ml) erhielten 20 Wochen lang zweimal täglich 20 mg Isotretinoin, mit Kontrollen alle vier Wochen. Die mediane Konzentration (25. bis 75. Perzentile) lag zu Beginn bei 2,5 (0,1 bis 5,9) Mio./ml, am Ende bei 3,8 (2,1 bis 13,0) Mio./ml (p = 0,006). Die Motilität blieb unverändert, die Morphologie zeigte einen Trend (p = 0,056). Es gab sechs Schwangerschaften (drei spontan, drei nach ICSI) und fünf Geburten; vier Geburten, darunter alle drei spontanen Schwangerschaften, betrafen Männer mit gebesserter Spermienzahl. Die Behandlung war gut verträglich. Schwächen: einarmig, ohne Placebo, klein; die Ausgangswerte lagen so niedrig, dass Regression zur Mitte und natürliche Schwankung eine Rolle spielen können (Einschätzung).

**Jessup, Amory und Turek 2025, USA, prospektive Serie [s26].** 31 Männer begannen, 30 beendeten die Behandlung (ein Abbruch wegen Angst); mittleres Alter 37,9 Jahre (± 4,7). Sie erhielten 3 bis 9 Monate lang zweimal täglich 20 mg Isotretinoin; 26 Männer (87 %) waren azoosperm, 4 (13 %) intermittierend kryptozoosperm, 24 von 26 (92 %) hatten zuvor Hodeneingriffe, bei 23 von 30 lag eine idiopathische Infertilität vor. Endpunkt waren verlässliche motile ejakulierte Spermien für IVF oder ICSI. Das erreichten 11 von 30 (37 %): 7 von 26 (27 %) bei Azoospermie und 4 von 4 bei Kryptozoospermie; die mittlere Gesamtzahl motiler Spermien bei den Ansprechern betrug 48.000, die meisten reagierten innerhalb von drei Monaten. Nach Histologie (nicht signifikant, Fisher p = 0,275): Sertoli-Zell-Syndrom 0 von 2, gemischte Histologie 3 von 14 (21 %), früher Reifungsarrest 3 von 6 (50 %), später Reifungsarrest 3 von 5 (60 %). Bei 7 Azoospermen ohne ejakulierte Spermien, die unter Isotretinoin erneut operiert wurden, fanden sich bei 6 genug Spermien für alle Eizellen, die Operationsdauer sank von im Mittel 105 auf 63 Minuten. Neun IVF/ICSI-Zyklen mit ejakuliertem Samen bei 6 vollständigen Ansprechern führten bisher zu einer Lebendgeburt, eine Spontanschwangerschaft gab es nicht. Nebenwirkungen: trockene Haut und Lippen bei 30 von 30, Ausschlag bei 4 (13 %), Reizbarkeit bei 14 (47 %), veränderte Cholesterinwerte bei 5 (17 %); die Triglyzeride stiegen im Mittel von 115 auf 129 mg/dl (p = 0,04), Testosteron (444 gegen 463 ng/dl, p = 0,34) und FSH (17,5 gegen 18,6 IE/l, p = 0,37) änderten sich nicht signifikant. Stärken: konsekutive Patienten, harter Endpunkt, Histologie. Schwächen: einarmig, Selektion durch frühere Eingriffe, sehr kleine Histologiegruppen, Spontanrekonstitution bei Kryptozoospermie nicht ausgeschlossen.

**Jaber et al. 2025, Fallbericht [s25].** Ein Mann mit nichtobstruktiver Azoospermie und spätem Reifungsarrest, bei dem eine mikrochirurgische Hodenspermienextraktion erfolglos geblieben war, nahm sechs Monate lang Isotretinoin; danach kam es zur natürlichen Konzeption. Ursächlichkeit ist aus einem Fall nicht belegbar.

#### Meldedaten (nur zur Einordnung)

**Altınöz Güney und Koç 2026, FAERS [s02].** Von 53.017 Isotretinoin-Berichten (2004 bis 2024) betrafen 1.300 Fortpflanzungs- und Sexualstörungen (59,7 % Frauen); 34 Ereignisse zeigten ein signifikantes Signal. Erektile Dysfunktion: PRR 4,47 (95-%-KI 3,88 bis 5,14), ROR 4,49 (3,90 bis 5,17), 195 Meldungen; verminderte Libido: PRR 3,63 (2,89 bis 4,54), 76 Meldungen; Libidoverlust: PRR 4,56 (3,57 bis 5,84), 64 Meldungen. Unter den signifikanten Signalen stehen auch Infertilität, Varikozele, Hodenschmerz und die Meldung auffälliger Spermien. Die Autoren nennen selbst Untererfassung, Berichtsverzerrung und fehlende Kausalität. Die Signale betreffen überwiegend Sexualfunktion, nicht gemessene Spermienqualität; ein Spontanmeldesystem erlaubt keine Häufigkeitsangabe. In einer FAERS-Auswertung zu väterlicher Arzneimittelexposition (16.180.533 Meldungen, davon 3.210 mit väterlicher Exposition) erschien Isotretinoin nur mit einem Signal zu Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung, nicht zur Fertilität; für männliche Fertilität zeigten dort nur Mycophenolsäure, Östrogen und Imatinib Signale [s35]. Die Fallzahl für Isotretinoin nennt der Volltext nicht. In der chinesischen Auswertung von Gong et al. zu arzneimittelinduzierter männlicher Infertilität (1.955 Fälle aus FAERS, 1.384 aus EudraVigilance) gehört Isotretinoin nicht zu den 19 in beiden Datenbanken bestätigten Arzneimitteln [s08].

Eine retrospektive Kohorte aus China (351 Patienten mit schwerer Akne, davon 185 Männer, orales Isotretinoin, mediane Nachbeobachtung 20,0 Monate, 91 Rezidive = 25,9 %) untersuchte Rezidivfaktoren; sie erfasste Basis-Sexualhormone, im Abstract aber weder Ejakulat noch Fertilität und trägt daher nichts zur Fragestellung bei [s16].

#### Tierversuche zu Isotretinoin

Die Tierdaten sind widersprüchlich. Dosen (mg/kg) und Behandlungsdauern sind nicht mit der menschlichen Standarddosis (0,5 bis 1 mg/kg/Tag beziehungsweise 20 mg zweimal täglich) vergleichbar; eine Übertragbarkeit lässt sich aus den Abstracts nicht ableiten.

- **Cirakoglu et al. 2023, Ratte [s50].** Je 6 Tiere in vier Gruppen; Isotretinoin 7,5 oder 30 mg/kg/Tag über vier Wochen, danach vier Wochen Nachbeobachtung. Spermienzahl, Motilität, Vitalität, Tubulusdurchmesser und Keimepitheldicke waren in den Isotretinoin-Gruppen verringert, der Apoptoseindex erhöht; Testosteron unterschied sich nicht. Zahlen nennt der Abstract nicht.
- **Khalil et al. 2024, Ratte [s42].** Sieben aufeinanderfolgende Tage per Magensonde in verschiedenen Dosen; Spermienmenge und -qualität deutlich beeinträchtigt, FSH, LH und Testosteron nicht signifikant verändert. Die Autoren werten das Medikament als reproduktionstoxisch; Fallzahl und Zahlen stehen nicht im Abstract.
- **Al-Shahed et al. 2022, Ratte [s61].** 30 Tiere in drei Gruppen (Tabelle n = 6 je Gruppe); 1,0 mg/kg/Tag Isotretinoin über 21 Tage. Testosteron 1,54 ± 0,3 (Kontrolle), 0,6 ± 0,2 (Isotretinoin) und 1,1 ± 0,1 ng/ml (Isotretinoin plus Omega-3, 400 mg/kg/Tag); LH 2,77 ± 0,5, 6,9 ± 2,2 und 4,31 ± 0,9 ng/ml; Malondialdehyd 8,15 ± 0,9, 28,11 ± 1,2 und 13,54 ± 0,9 nmol/g. Histologisch unregelmäßige Tubuli, verminderte Durchmesser und Keimepithelhöhe, verdickte Basalmembran, weniger PCNA-positive Zellen; unter Omega-3 näherten sich die Befunde der Kontrolle. Die Autoren geben an, die Dosis entspreche der mittleren therapeutischen Humandosis (Angabe der Autoren, nicht überprüft). Kein Spermiogramm.
- **Gencoglan und Tosun 2011, Ratte [s119].** 42 Tiere (18 + 18 + 6), 1 und 2 mg/ml/Tag über 21 Tage; Cyclin-D1- und E2F-positive Zellen nahmen in der niedrigen Gruppe nicht signifikant, in der höheren signifikant ab, p53-positive Zellen nahmen nach 21 Tagen in beiden Gruppen signifikant zu. Die Dosis ist nicht pro Körpergewicht angegeben.
- **Kühlwein und Schütte 1985, Ratte [s164].** 30 Wistar-Ratten bekamen 8 Wochen lang 40 mg/kg/Tag 13-cis-Retinsäure (eine toxische Dosis), 15 wurden sofort, 15 nach weiteren 8 Wochen untersucht; 20 Kontrolltiere. Alle 30 behandelten Tiere zeigten wie die Kontrollen eine normale Spermatogenese (Lichtmikroskopie). Das ist der einzige Nullbefund bei hoher Dosis und steht im Gegensatz zu den neueren Rattenstudien.
- **Sadek et al. 1999, Wüstenrennmaus [s140].** Sechs Wochen 13-cis-Retinsäure führten zu nahezu vollständigem Stillstand der Spermatogenese und Veränderungen der Leydig-Zellen; Retinolacetat verursachte lichtmikroskopisch keine Unterschiede; die Veränderungen bildeten sich 12 Wochen nach Absetzen zurück.

Laborversuche mit menschlichen Spermien: Álzate Aristizábal und Cardona Maya setzten Proben von 17 Männern vier Konzentrationen aus (22 nM, 660 nM, 66.000 nM, 660.000 nM). Die drei niedrigeren beeinflussten Motilität, Vitalität und DNA-Fragmentierung nicht signifikant, die höchste führte zu 100 % unbeweglichen und nicht lebensfähigen Spermien und mehr DNA-Fragmentierung; die Autoren halten die klinisch erreichten Konzentrationen für deutlich niedriger als die toxische [s22].

**Zwischenbilanz Isotretinoin.** Am Mann mit normaler Ausgangsfertilität zeigen die vier kleinen Vorher-Nachher-Studien [s51, s100, s166, s150] unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen; zwei berichten eine niedrigere normale Morphologie [s51, s166], bei Höting waren nach einem Jahr die Ausgangswerte erreicht [s150]. Die größte Studie, ein Preprint, findet nicht signifikant niedrigere Zahlen und Hormonverschiebungen [s04]. Eine randomisierte placebokontrollierte Studie bei gesunden Männern existiert nicht. Die Tierversuche zeigen in vier Rattenstudien Veränderungen unterschiedlicher Art [s50, s42, s61, s119] und in einer Rattenstudie keine [s164].

### Spironolacton

Eine kontrollierte Samenanalyse-Studie an Männern unter Spironolacton war mit Abstract nicht auffindbar. Die klassische Arbeit von Caminos-Torres, Ma und Snyder 1977 (Gynäkomastie und Samenanomalien bei gesunden Männern) ist in PubMed nachgewiesen, hat dort aber keinen Abstract und wurde nicht ausgewertet. Die vorhandenen Befunde stammen aus Hodenhistologien bei Transfrauen (Spironolacton zusammen mit Östrogen), Mechanismusarbeiten, Tierversuchen mit teils sehr hohen Dosen und Meldedaten. Auch im chinesischen, japanischen, koreanischen, russischen, arabischen und türkischen Sprachraum wurde keine Studie mit Spermiogramm gefunden.

#### Studien am Menschen

**Wilk Goldsher et al. 2026, Kanada, retrospektive Einzelzentrumskohorte [s20].** 287 trans und geschlechtsdiverse Personen erhielten nach geschlechtsangleichender Hormontherapie eine Orchiektomie (November 2017 bis Januar 2024); 573 Hodenpräparate wurden histologisch beurteilt. Alle erhielten Östrogen; ein Antiandrogen bekamen 259 (90,2 %): Cyproteronacetat bei 127 (44,3 %), Spironolacton bei 110 (38,3 %); Progesteron bei 73 (25,4 %). Mittleres Alter bei der Operation 33,9 Jahre (SD 11,7), mittlere Therapiedauer 3,8 Jahre (SD 3,0). Aktive Spermatogenese zeigten nur 8,7 % der Präparate unter Cyproteronacetat gegen 53,3 % unter Spironolacton (p < 0,001); Progesteron hatte einen unabhängigen negativen Effekt (p = 0,005). Höheres Alter war mit gestörter Spermatogenese verbunden (mittleres Alter 41,4 Jahre bei Hodenversagen im Endstadium gegen 33,4 Jahre bei vollständiger Reifung, p = 0,002); die Therapiedauer unterschied sich nicht (p = 0,22). Nach Angabe der Autoren beeinträchtigte Spironolacton die Spermatogenese im Vergleich zu keinem Antiandrogen nicht. Schwächen (von den Autoren genannt): retrospektiv, keine unbehandelte Kontrollgruppe, Variabilität von Dauer, Therapietreue und Regimen, Histologie beweist keine funktionelle Fertilität. Hinzu kommt, dass Spironolacton hier nie allein, sondern mit Östrogen gegeben wurde; eine Aussage über Spironolacton als Einzelsubstanz ist daher nicht möglich (Einschätzung).

**Sinha et al. 2021, USA, retrospektive Kohorte [s74].** 85 Transfrauen mit Orchiektomie (Dezember 2015 bis März 2020), Hormontherapie mit Östrogen und Spironolacton; Gruppen nach Therapiedauer (0 bis 36, 37 bis 60, mehr als 60 Monate). Mittleres Alter 39 ± 16 Jahre, BMI 28,4 ± 5,4. Spermatogenese war in 28,2 % (n = 24) der Präparate vorhanden, aktiv in 8,2 % (n = 7); Hyalinisierung 28,2 % (n = 24), Vernarbung 20,0 % (n = 17), Atrophie 25,9 % (n = 22). Zwischen den Dauergruppen gab es keine Unterschiede der Pathologieparameter. Bei über 40-Jährigen (n = 37) fanden sich häufiger Hyalinisierung (43,2 % gegen 16,7 %) und Atrophie (40,5 % gegen 14,6 %) als bei höchstens 40-Jährigen (n = 48). Schwächen: keine Kontrollgruppe, keine Dosisangaben, kein Vergleich mit Männern ohne Spironolacton.

**Santen et al. 1976, Interventionsstudie bei Jungen [s181].** 7 Jungen mit verzögerter Pubertät erhielten eine Woche lang 5 mg/kg/Tag Spironolacton: mittlerer LH-Anstieg um 60 % (p < 0,01), bei allen 7 ein absoluter LH-Anstieg (statistisch bei 5 von 7), FSH im Mittel +60 % mit variabler Reaktion; 3 mg/kg/Tag löste bei zwei Jungen keinen Anstieg aus; Progesteron und 17-Hydroxyprogesteron stiegen stärker als LH und FSH. Das passt zu einer Unterbrechung der negativen Rückkopplung durch Antiandrogenwirkung. Keine Samenanalyse.

**Corvol et al. 1976, französischsprachige Übersicht und Mechanismusarbeit [s180].** Spirolactone (Spironolacton, Kaliumcanrenoat) können beim Mann eine Gynäkomastie bewirken. Akute intravenöse Gabe von Kaliumcanrenoat senkte beim Menschen das Plasma-Testosteron ohne Änderung der Gonadotropine (möglicherweise gestörte Hodensteroidogenese); an den Zielzellen hemmen Spirolactone die Androgenbindung an den Rezeptor, ohne die 5-alpha-Reduktase der Prostata zu verändern.

#### Meldedaten (nur zur Einordnung)

Drei Auswertungen der amerikanischen Meldedatenbank FAERS stammen aus verschiedenen chinesischen Einrichtungen, nutzen aber dieselben Daten und sind keine unabhängige Bestätigung. Ji et al. 2025 verglichen 8.625 Meldungen zu Spironolacton mit 2.045 zu Eplerenon und 1.391 zu Finerenon [s27]: 837 Spironolacton-Meldungen (8,01 %) zeigten sexualhormonbezogene Signale; am häufigsten Gynäkomastie (295 Fälle, ROR 19,90; 95-%-KI 17,74 bis 22,33), Brustschmerz (110 Fälle, ROR 22,60) und Brustspannen (62 Fälle, ROR 17,49). Spermienbezogene Begriffe: Asthenospermie n = 4, ROR 135,37 (untere KI-Grenze 49,17), Oligospermie n = 4, ROR 87,77 (untere Grenze 32,24), abnorme Spermatogenese n = 3, ROR 76,79 (untere Grenze 24,24); obere Grenzen nennt die Tabelle nicht. Lin et al. 2025 werteten 8.566 Spironolacton-Meldungen aus; der Abstract nennt keine Spermien- oder Fertilitätsbegriffe [s29]. Gong et al. 2026 führen Spironolacton unter 12 Arzneimitteln mit positivem Dechallenge-Signal (n = 3 Fälle, ROR 10,72; 95-%-KI 3,42 bis 33,56); es gehört nicht zu den 19 in beiden Datenbanken bestätigten Arzneimitteln [s08]. Fallzahlen von 3 bis 7 und extreme ROR-Werte bei sehr seltenen Begriffen sind für diese Methodik typisch und kein Effektmaß; für Spermien lässt sich aus drei bis vier Meldungen nichts Verlässliches ableiten.

#### Tierversuche und Laborbefunde zu Spironolacton

- **Hund, Menard et al. 1978 [s176].** Plasma-Testosteron und -Östradiol waren 60 bis 75 % niedriger nur bei 100 mg/kg, nicht bei 5 bis 10 mg/kg; Cortisol im Nebennierenvenenblut war 50 bis 65 % niedriger.
- **Ratte, Wong und Lee 1982 [s173].** 10 mg/kg über 4 bis 17 Tage senkten Kalium (18 %) und Spermienkonzentration (21,5 %) in der Flüssigkeit der Cauda epididymidis; Beginn der Motilität und Fertilität blieben unbeeinflusst.
- **Ratte, Jenkins et al. 1983 [s168].** Natrium in der Caput-Flüssigkeit stieg nach 14 Tagen von 102,5 ± 4,4 auf 128,0 ± 6,8 mmol/l (p < 0,01).
- **Ratte, pränatale Exposition, Jaussan et al. 1985 [s163].** 10 oder 20 mg an Trächtigkeitstag 14 bis 20 führten zu dosisabhängig geringerem Gewicht von Prostata und Samenblasen und niedrigerem Prolaktin (6,8 ± 1,0 gegen 15,8 ± 2,8 ng/ml) bei normalem LH, FSH, Testosteron und Dihydrotestosteron.
- **Ratte, Singh et al. 2005 [s130].** 100 mg/kg über 7 bis 21 Tage verminderten die alkalische und erhöhten die saure Phosphatase im Hoden.
- **Ratte, Varikozelenmodell [s105, s114].** Je 24 Tiere, 20 mg/kg/Tag; die Spermatogenese war beeinträchtigt, was die Autoren der Angiogenesehemmung und nicht der antiandrogenen Wirkung zuschreiben; sehr kleine Gruppen.
- **Maus, Broulik et al. 1976 [s179].** 1,5 mg über 21 Tage verminderten das Gewicht von Samenblasen und Nieren.
- **Ratte und In vitro, Nishino et al. 1988 [s156].** Spironolacton hemmte in vitro die hCG-stimulierte Testosteronsynthese von Rattenhodenzellen und war in kastrierten Ratten deutlich stärker antiandrogen als neue Aldosteronantagonisten.

**Zwischenbilanz Spironolacton.** Der Wirkmechanismus (Androgenrezeptor-Blockade, Hemmung der Hodensteroidogenese bei hoher Dosis) ist beschrieben. Ob dies bei üblichen Dosen zu messbaren Veränderungen von Spermienzahl und Fertilität führt, ist an Männern nicht direkt untersucht. Die direkten menschlichen Gewebestudien, vor allem der Vergleich der Antiandrogene [s20] (daneben eine Kohorte nur unter Spironolacton plus Östrogen [s74]), sprechen dafür, dass unter Spironolacton plus Östrogen häufiger noch aktive Spermatogenese vorliegt als unter Cyproteronacetat plus Östrogen; sie sagen nichts über Männer ohne Östrogen.

### Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)

Die Literatur teilt sich in Behandlungsstudien (Antispermien-Antikörper, Zustand nach Vasektomie-Rückverlagerung, Anhangsdrüsenentzündung, Nebennierenhyperplasie, Sarkoidose) und Studien zur schädigenden Wirkung (fast ausschließlich Tierversuche). In den Behandlungsstudien sollte das Medikament eine bestehende Störung bessern; aus ihnen folgt keine Aussage über gesunde Männer.

#### Randomisierte und kontrollierte Studien bei Antispermien-Antikörpern

- **Haas und Manganiello 1987, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert [s157].** 43 Männer mit spermaassoziierten Immunglobulinen erhielten Methylprednisolon 96 mg/Tag in drei Dosen über 7 Tage mit zwei Tagen Ausschleichen, dreimal im Abstand von etwa einem Monat, oder Placebo. Kein günstiger Effekt auf Samenparameter, Antikörper-Assays (spermagebundenes IgA, Plasma-IgG) oder spätere Fertilität; signifikante Wirkung nur auf spermagebundenes IgG.
- **Hendry et al. 1990, Großbritannien, doppelblinde Crossover-Studie [s154].** 43 Männer mit zirkulierenden Antikörpern; Prednisolon 20 mg zweimal täglich an den Tagen 1 bis 10 des Zyklus der Partnerin und 5 mg an den Tagen 11 und 12, gegen Placebo, je neun Monate. Neun Schwangerschaften unter Prednisolon, zwei unter Placebo (davon nur eine bei tatsächlicher Placeboeinnahme); 60 % der Prednisolon-Gruppe hatten leichte Nebenwirkungen.
- **Bals-Pratsch et al. 1992, Deutschland, doppelblinde Crossover-Studie [s149].** 20 Männer; Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10 oder Placebo, drei Zyklen. Keine Schwangerschaft unter Prednisolon oder Placebo; im Postkoitaltest bei 8 von 12 Männern wenig Besserung, Antikörpertiter bei 7 von 16 gesunken; Nebenwirkungen bei 8 Männern (7 unter Verum, 1 unter Placebo), in zwei Fällen Behandlungsabbruch; fünf Partnerinnen wurden später nach Insemination (3) oder IVF (2) schwanger.
- **De Almeida et al. 1985, randomisiert, doppelblind [s162].** 10 Männer; Prednisolon 1 mg/kg/Tag über neun Tage in drei Zyklen gegen Placebo: kein signifikanter Effekt auf Fertilität, Serum-Antikörper oder Samenmerkmale; leichter Rückgang des Titers seminaler Antikörper.
- **Lähteenmäki et al. 1995, Finnland, randomisiert mit Crossover [s144].** 46 Paare; intrauterine Insemination (IUI, bis zu dreimal) gegen Verkehr zum Eisprung mit zyklischem Prednisolon 20 mg beim Mann; 40 Paare beendeten die Studie oder wurden schwanger. IUI führte zu 9 Schwangerschaften, Prednisolon zu 1 (p = 0,04). Es fand sich keine Beziehung zwischen Antikörperspiegel, Spermienzahl oder -motilität und Schwangerschaft.
- **Omu et al. 1996, Kuwait, kontrollierte Studie [s142].** 40 Männer erhielten drei bis sechs Monate lang täglich 5 mg Prednisolon, 37 Männer mit Antikörpern bildeten die Kontrollgruppe; Nachbeobachtung 12 bis 18 Monate. Der Abstract berichtet eine signifikante Besserung von Motilität und hypoosmotischem Schwellungstest (um 13 beziehungsweise 15 %; die Signifikanzangabe lautet im Abstract „P < 0,01, P > 0,05" und ist in sich nicht stimmig) und eine Schwangerschaftsrate von 20 % gegen 5 % (p < 0,01); Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. In PubMed ist die Studie als randomisiert indexiert, der Abstract beschreibt die Zuteilung aber nicht; Verblindung, Gruppengrößen der Schwangerschaften und Konfidenzintervalle fehlen.
- **Grigoriou et al. 1996, Griechenland, randomisierte Crossover-Studie [s141].** 36 Paare; Kortikosteroid plus IUI gegen IUI allein. Fünf Schwangerschaften in 77 Zyklen mit Kortikosteroid gegen sieben mit IUI allein; Schwangerschaftsrate pro Zyklus 6,5 % gegen 9,21 %, pro Paar 16,13 % gegen 21,2 %; kein signifikanter Unterschied (p > 10 %).
- **Räsänen et al. 1996, Finnland, placebokontrolliert [s143].** 20 Männer; Prednisolon 20 mg/Tag (n = 10) oder Placebo (n = 10) über drei Wochen. Die durchflusszytometrisch gemessenen Antikörperspiegel unterschieden sich nach der Behandlung nicht; bei zwei Männern der Prednisolon-Gruppe fiel der Anteil antikörperpositiver Spermien deutlich.
- **Taiyeb et al. 2017, Irak, randomisiert [s97].** 241 Männer mit Antikörpern, drei Zyklen zu je 21 Tagen mit oder ohne Prednisolon; danach Hamster-Oozyten-Penetrationstest zur Einteilung für IVF oder ICSI. Behandelte hatten bessere Motilität und progressive Motilität (p < 0,001); Befruchtung (p = 0,04), Embryoteilung (p = 0,01), chemische (p = 0,02) und klinische Schwangerschaften (p = 0,04) waren bei konventioneller IVF höher, bei ICSI nicht. Absolute Zahlen nennt der Abstract nicht.
- **Uehling 1978, randomisiert, idiopathische Infertilität [s177].** 38 Männer; niedrig dosiertes Kortison gegen niedrig dosiertes Schilddrüsenhormon. Schwangerschaft nach 7 von 33 Kortison-Zyklen gegen 4 von 30 Schilddrüsen-Zyklen (p = 0,5); mittlere Spermienzahl vor Behandlung 12,3 Mio./ml, danach 13 (Kortison) gegen 11,2 (Schilddrüse) Mio./ml (p = 0,4); Motilität 45 % gegen 43 % und 44 % (p = 0,7). Schwangerschaften hingen stärker mit den Ausgangszahlen zusammen als mit der Behandlungsart.

**Zwischenfazit.** Hendry 1990 [s154], Omu 1996 [s142] und Taiyeb 2017 [s97] fanden Vorteile; Haas 1987 [s157], Bals-Pratsch 1992 [s149], De Almeida 1985 [s162] und Grigoriou 1996 [s141] keine; Lähteenmäki 1995 [s144] fand einen Vorteil der Insemination gegenüber Prednisolon. Die Studien sind klein (10 bis 46 Paare, Ausnahme Taiyeb) mit uneinheitlichen Dosierungen, Antikörpernachweisen und Endpunkten. Die Übersichten urteilen entsprechend uneinheitlich: Silva et al. 2021 nennen Kortikosteroide die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen (Antikörper-Prävalenz 2,6 bis 6,6 % bei infertilen Männern) [s73]; Naz 2004 nennt die Verfahren teils nebenwirkungsreich, teuer, wenig wirksam oder widersprüchlich (Häufigkeit 9 bis 36 % je nach Zentrum) [s132]; Francavilla et al. 1999 beschreiben IUI als wirksam bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad, vor allem mit Kortikosteroid und Superovulation [s139]; de Almeida 1993 (französisch) schließt, Kortikosteroide dürften nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]; Shibahara et al. 2005 beschreiben eine befundabhängige Strategie (ICSI, zeitgesteuerter Verkehr oder IUI), ohne im Abstract Glukokortikoide zu nennen [s129]; Gupta et al. 2022 berichten über eine weltweite Umfrage zur Praxis [s65].

#### Nicht kontrollierte und retrospektive Studien bei Antikörpern

- **Hendry et al. 1981 [s175].** 45 Männer, Methylprednisolon 32 mg dreimal täglich je sieben Tage im Zyklus der Frau; 14 Partnerinnen (31 %) schwanger, stets mit deutlichem Abfall des Immobilisierungstiters; 3 von 54 Behandlungen (6 %) mit vorübergehend schweren, 14 (26 %) mit leichten Nebenwirkungen.
- **Hargreave und Elton 1982 [s171].** 34 Männer, Methylprednisolon oder Betamethason; 13 Schwangerschaften in 12 Monaten, gegenüber der erwarteten Rate signifikant erhöht; 63 % Nebenwirkungen; kein Zusammenhang zwischen Titerabfall und Schwangerschaft.
- **De Almeida und Jouannet 1981 [s174].** 14 Männer, Dexamethason 2 oder 3 mg/Tag über 13 oder 9 Wochen; Serum-Spermientoxizität und seminale Agglutinine fielen bei 67 und 58 % unter die Nachweisgrenze; bei zwei oligozoospermen Männern deutlicher Zahlenanstieg; Schwangerschaften bei drei Paaren.
- **Alexander et al. 1983, nicht randomisierte Kontrollstudie [s167].** 24 Behandelte (5 Frauen, 19 Männer) gegen 26 unbehandelte Kontrollen, Prednison; bei Männern keine Änderung von Spermienzahl, Motilität und normalen Formen, aber weniger immobilisierende (p ≤ 0,039) und agglutinierende (p ≤ 0,001) Antikörper; 11 Behandelte (45 %) gegen 3 Kontrollen (12 %) schwanger (p ≤ 0,025).
- **Hendry et al. 1986 [s159].** 76 Männer, Prednisolon 40 bis 80 mg an den Tagen 1 bis 10, bis zu neun Zyklen; 25 Partnerinnen (33 %) schwanger, mehr als doppelt so viele wie ohne Behandlung erwartet; die Hälfte mit leichten Nebenwirkungen.
- **Curtis et al. 1994, mit unbehandelter Vergleichsgruppe [s147].** 36 Männer, Prednisolon 5 mg dreimal täglich über drei Monate; Spermiendichte, normale Morphologie und Penetrationstest stiegen (p < 0,001), der Antikörpertiter fiel (p < 0,0001); 6 Schwangerschaften (17 %) gegen 3 (18 %) bei 17 Unbehandelten, also keine signifikante Verbesserung der Schwangerschaftsrate.
- **Sharma et al. 1995 [s145].** 48 Paare, Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10, dann 5 mg, über neun Monate; 12 Paare schwanger, kumulative Konzeptionsrate 30,2 %; hohe IgG-Konzentrationen am Anfang sagten Schwangerschaft voraus (p = 0,006, Sensitivität 33 %, Spezifität 93 %).
- **Ulcova-Gallová et al. 2000 [s138].** 696 Paare; orales Prednison oder Dexamethason über drei Monate; Serum-IgG-Agglutinine verschwanden bei 3 von 11 Männern und 4 von 15 Frauen, im Seminalplasma wurde IgG bei 57,8 % und IgA bei 38,9 % stark beeinflusst; keine Schwangerschaftszahlen im Abstract.
- **Aliyeva et al. 2007, Türkei, retrospektiv [s122].** 69 infertile Männer mit hohem MAR-Wert (Mittel 84 ± 0,2 %), 87 Behandlungen der assistierten Reproduktion (65 IUI, 18 ICSI, 4 IVF); 21 Männer (30,4 %) hatten vorher drei Monate lang Kortikosteroide erhalten. Schwangerschaften bei 15 Paaren: 5 nach IUI (6,1 %), 9 nach ICSI (50 %), 1 nach IVF (25 %). Von den 15 erfolgreichen Behandlungen hatten nur 6 vorher Kortikosteroide erhalten (42,86 % im englischen, 40 % im türkischen Abstract), entsprechend 28,5 % der Kortikosteroid-Gruppe; die Vorbehandlung beeinflusste das Ergebnis nicht (p > 0,05). Der Anteil rauchender Männer war bei Paaren mit Schwangerschaft 53 %, ohne Schwangerschaft 80 % (p < 0,05). Die Autoren schlagen direkte ICSI vor (Einschätzung der Autoren). Schwächen: retrospektiv, keine Angabe zu Dosis und Präparat, Verzerrung durch Indikation möglich.
- **Tsatsoulis und Shalet 1991, Fallbericht [s153].** Polyglanduläres Autoimmunsyndrom; Spermienzahl stieg unter Prednisolon von 4,5 auf 12 Mio./ml, Motilität von 0 auf 40 %; Schwangerschaft nach dem vierten Zyklus; drei Monate nach Therapieende war die Motilität wieder niedrig.
- **Zagarskikh et al. 2016, Russland [s103].** 45 Männer (21 bis 35 Jahre) und 30 Männer (36 bis 45 Jahre), Dexamethason 0,25 bis 1,5 mg/Tag; bei Hyperandrogenismus der Nebennieren nach Angabe der Autoren Besserung von Spermiogramm und Nebennierenhormonen, ohne Nebenwirkungen. Der Abstract nennt weder Vergleichsgruppe noch Zahlen.

#### Nach Vasektomie-Rückverlagerung und bei Anhangsdrüsenentzündung

**Trost et al. 2025, iPRED-Studie, USA, randomisierte kontrollierte Studie [s33].** Männer nach Vasektomie-Rückverlagerung wurden im Verhältnis 1:1:1:1 auf vier Gruppen verteilt: Kontrolle ohne Prednison; Prednison hoch (20-mg-Ausschleichschema jeden zweiten Monat über drei Monate); Prednison nach Bedarf (bis zu drei Kurse bei sinkenden oder fehlenden Spermien); Prednison niedrig (5 mg täglich jede zweite Woche über sechs Monate). Die Gruppen „hoch" und „nach Bedarf" wurden vorzeitig beendet, weil Zwischenergebnisse niedrigere Schwangerschaftsraten zeigten. 75 Männer wurden eingeschlossen, 73 hatten Jahresdaten (Kontrolle 25, hoch 14, nach Bedarf 11, niedrig 23). Schwangerschaftsraten nach 12 Monaten: Kontrolle 65 %, niedrig 67 %, hoch 17 %, nach Bedarf 38 %. Die Durchgängigkeit nach 12 Monaten betrug insgesamt 99 % ohne signifikante Gruppenunterschiede; auch die medianen Spermienkonzentrationen unterschieden sich nicht (Monatsmediane 3 bis 42, Gesamtmediane der Gruppen 5 bis 16). Schlussfolgerung der Autoren: Hochdosiertes (20 mg) Prednison senke die Schwangerschaftsrate unabhängig von der Spermienkonzentration, dosisabhängig und noch Monate nach dem Absetzen; Dosen von 5 bis 20 mg beeinflussten die Spermienkonzentration nicht. Stärken: Randomisierung, Registrierung (NCT04788823), Schwangerschaft als harter Endpunkt. Schwächen: kleine Gruppen, vorzeitiger Abbruch zweier Arme, keine Konfidenzintervalle im Abstract, Verblindung im Abstract nicht genannt.

**Machen et al. 2020, USA, retrospektive Kohorte [s75].** 89 Männer, bei denen wegen vermuteter Anastomosenobstruktion Prednison eingesetzt wurde (zwei Wochen 20 mg, dann zwei Wochen 10 mg täglich). Die Gesamtzahl motiler Spermien stieg im Mittel um 10,5 Mio. (p < 0,0002); nach bilateraler Vasovasostomie um 13,4 Mio. (p < 0,0012), nach Vasovasostomie mit Vasoepididymostomie um 6,2 Mio. (p < 0,014); bei durchgängigen Anastomosen kam es häufiger zur Besserung (76,9 % gegen 33,3 %, p < 0,003). Schwächen: keine Kontrollgruppe, Auswahl nach Verlauf, Regression zur Mitte.

**White et al. 2024, USA, retrospektive Fallserie [s47].** 8 Männer mit mindestens 50 % Rückgang der Samenparameter nach Vasovasostomie (Einschluss 2016 bis 2023) erhielten sechs Wochen lang 5 mg Prednison. Die mediane Gesamtzahl motiler Spermien stieg von 0,15 (0 bis 1,3) auf 6 (1,1 bis 10,5) Mio.; relative Besserung im Median 433 % (241 bis 800); Konzentration 0,65 auf 6 Mio./ml; Motilität 11 auf 33 %; keine Nebenwirkungen berichtet. Schwächen: nur 8 Männer, keine Kontrollgruppe.

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen den Beobachtungsstudien [s75, s47] mit Zahlenanstiegen und der randomisierten Studie [s33], die keinen Zahlenvorteil und bei höherer Dosis weniger Schwangerschaften fand. Unkontrollierte Vorher-Nachher-Vergleiche sind für solche Verzerrungen anfällig (Einschätzung).

**Milardi et al. 2017, Italien, randomisierte multizentrische Studie [s94].** 90 infertile Männer mit Oligozoospermie, normalem Hodenvolumen und normalem FSH, mit Ultraschallzeichen einer Anhangsdrüsenentzündung bei negativer Mikrobiologie; drei Gruppen mit Prednison 5, 12,5 oder 25 mg täglich über einen Monat. Bei 5 mg stieg die Gesamtspermienzahl signifikant; bei 12,5 mg Konzentration, Gesamtzahl und Motilität; bei 25 mg alle Parameter außer dem Volumen. Der Abstract nennt keine Größenordnungen der Änderungen. Schwächen aus dem Design: laut Abstract keine Placebo- oder Unbehandelten-Gruppe, kein Schwangerschaftsendpunkt, nur ein Monat Behandlung; die Autoren sprechen von einer ausgewählten Population.

#### Kongenitale Nebennierenhyperplasie, Sarkoidose, Rheuma und Autoimmunerkrankungen

Bei der kongenitalen Nebennierenhyperplasie ersetzt Glukokortikoid den fehlenden Nebennierenhormon-Ausgleich und unterdrückt das ACTH. Hier steht der Ausgleich einer Hormonerkrankung im Mittelpunkt, nicht die Wirkung des Kortisons auf gesunde Hoden.

- **Onishi et al. 2023, Fallbericht [s55].** 26 Jahre, 21-Hydroxylase-Mangel, hypogonadotroper Hypogonadismus und schwere Oligozoospermie; der Wechsel von Hydrocortison auf Dexamethason normalisierte Gonadotropine und Samenbefund; ICSI führte zu einer Lebendgeburt.
- **Mouritsen et al. 2010, Fallbericht [s120].** 30 Jahre, bilaterale testikuläre Nebennierenrest-Tumoren; Hydrocortison 10 mg einmal täglich wurde auf 10 mg dreimal täglich plus Dexamethason 0,1 mg einmal täglich umgestellt; die Spermienkonzentration stieg von 0,1 auf 98 Mio./ml, die Gesamtzahl von 0,64 auf 392 Mio., motile Spermien von 0,23 auf 258,72 Mio., normal geformte von 0,01 auf 19,6 Mio.; Tumorrückbildung.
- **Devoto et al. 2011, spanischsprachiger Fallbericht [s118].** 29-jähriger Mann mit Azoospermie und 21-Hydroxylase-Mangel; Betamethason führte zu normaler Hodenentwicklung und Normalisierung der Spermienzahl; zweimal Spontanvaterschaft.
- **Tanaka et al. 2018, Japan, zwei Patienten [s88].** Angeborenes adrenogenitales Syndrom mit Nebennierenrestgewebe im Hoden; unter oraler Glukokortikoid-Gabe besserte sich bei einem Patienten das Spermiogramm von Oligoasthenozoospermie zu Normozoospermie, beim anderen, ursprünglich azoospermen, traten Spermien im Ejakulat auf. Zahlen zu Konzentration oder Dosis nennt der Abstract nicht; erfolgreiche Einzelfälle werden eher veröffentlicht.
- **Wang Z et al. 2024, China, retrospektive Ultraschallstudie [s46].** 35 AGS-Patienten, 49 Spermiogramme. Der Läsions-Score im Ultraschall korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration (rs = −0,83; p < 0,001) und mit der progressiven Beweglichkeit (rs = −0,56; p < 0,001); die Fläche unter der ROC-Kurve betrug 0,94 für Oligospermie und 0,72 für Asthenozoospermie. Daten zur Glukokortikoid-Dosis nennt der Abstract nicht.
- **Canguven et al. 2013, Fallbericht [s109].** Nebenhoden-Sarkoidose mit schwerer Oligospermie: Eine sechsmonatige Kortikosteroidbehandlung in abnehmender Dosis löste das Granulom auf, die Spermienzahl stieg in den Normbereich.
- **Rees et al. 2004, Fallbericht [s133].** Hodensarkoidose mit Azoospermie: Hochdosierte Kortikosteroide senkten FSH und LH, erhöhten Testosteron und erlaubten Spermien-Banking.
- **Salama et al. 2019, Fallbericht [s83].** Ein 23-jähriger Mann mit kontrollierter Adult-onset-Still-Krankheit unter Prednisolon, Methotrexat, Folsäure und Vitamin D3 hatte normale Fortpflanzungshormone und Samenparameter.
- **Grunnet et al. 1977, Dänemark [s178].** Zehn Männer mit schwerer Psoriasis unter topischen Kortikosteroiden gegen zehn unter Methotrexat über ein bis neun Jahre: kein ungünstiger Effekt unter Methotrexat; die Samenanalyse war in der Methotrexat-Gruppe häufiger normal (p = 0,04); auffallend viele Ejakulate beider Gruppen hatten verminderte Qualität, was die Autoren auf Psoriasisherde im Genitaltrakt zurückführen.
- **Cao et al. 2006, China, Querschnittsvergleich [s123].** 15 gesunde fertile Männer und 37 Nierentransplantierte, die alle Prednison erhielten, 20 unter Tacrolimus (FK506) mit Mycophenolat-Mofetil, 17 unter Ciclosporin A mit Azathioprin. Vitalität 81,7 ± 5,7 %, 79,4 ± 6,8 % und 83,8 ± 6,0 % (FK506, Ciclosporin, Kontrolle; p > 0,05). Der Anteil abnormer Spermien (67,8 ± 5,7 % gegen 80,1 ± 5,6 %) war in der FK506-Gruppe niedriger, die progressive Beweglichkeit (46,4 ± 8,1 % gegen 33,3 ± 6,4 %) höher als in der Ciclosporin-Gruppe (p < 0,05). Alle 37 Patienten erhielten Prednison; die Studie vergleicht Calcineurin-Inhibitor-Schemata und kann einen Prednison-Effekt weder belegen noch ausschließen. Der englische Abstract ist die einzige abgerufene Fassung des chinesischsprachigen Artikels.
- **Waters et al. 2020, Hongkong, Fallbericht [s78].** Ein 33-jähriger Mann mit systemischem Lupus erythematodes unter Prednisolon und einem Immunsuppressivum (zuvor Cyclophosphamid, letzte Dosis im April 2016). Drei Spermiogramme nach 2, 4 und 7 Tagen Karenz: Volumen 0,5, 0,7 und 1,0 ml; Vitalität 84 %, 63 % und 33 %; Beweglichkeit 28 %, 18 % und 15 %; nur die Probe nach vier Tagen hatte eine ausreichende Konzentration (37,3 Mio./ml). Die Studie untersucht die Karenzzeit, nicht Prednisolon; der Prednisolon-Anteil lässt sich nicht herauslösen, Cyclophosphamid gilt als gonadotoxisch.
- **Kukhtevich et al. 1991, Sowjetunion [s152].** Pathospermie unter Immunsuppressiva bei Glomerulonephritis (Gruppe I) und rheumatoider Arthritis (Gruppe II); fünf von sechs Patienten der Gruppe I und alle der Gruppe II waren azoosperm. Unter Zink und Bromocriptin besserte oder normalisierte sich die Spermatogenese bei je zwei Patienten beider Gruppen; von den acht Nichtansprechern erhielten sieben Glukokortikoide und Zytostatika, von den vier Ansprechern zwei Zytostatika. Die Studie trennt Glukokortikoid- und Zytostatika-Wirkung nicht und ist ein schwacher Hinweis.
- **Mazo et al. 1989, Sowjetunion [s155].** 55 Patienten mit linksseitiger Varikozele; der Abstract berichtet eine Tendenz zur Hypersynthese von Aldosteron und Cortisol und eine Korrelation zwischen dem Cortisolspiegel im peripheren Blut und dem Anteil von Spermien mit abnormer Kopfstruktur. Es geht um endogenes Cortisol; Korrelationskoeffizienten stehen nicht im Abstract, und eine Ursächlichkeit ist aus einer Korrelation nicht ableitbar (Einschätzung).

Zusammenfassende Arbeiten: Kaltsas et al. 2024 berichten, niedrig dosierte Kortikosteroide zeigten als empirische Therapie variable Ergebnisse [s41]. Drobnis und Nangia 2017 beschreiben gemischte Ergebnisse bei Antikörpern und empirischer Behandlung (Besserung, keine Änderung, negative Effekte); bei Langzeitprednison wegen chronischer Entzündung war in vielen Beobachtungsstudien das Testosteron niedriger als bei Unbehandelten, randomisierte Studien fehlen; Dexamethason senkte in Affen-, Ratten-, Rinder-, Schaf- und Pferdeversuchen das Testosteron [s92]. Ding et al. 2017 halten fest, dass FDA-Beipackinformationen mehrere Entzündungshemmer als spermatogenesebeeinflussend nennen, was die begutachtete Literatur nicht stütze [s91]. Yessirkepov et al. 2024 zitieren eine Studie an Männern mit rheumatoider Arthritis, in der die Steroidgruppe zusätzlich zu erhöhten FSH- und LH-Werten ein erniedrigtes Testosteron hatte; hochdosierte Kortikosteroide könnten die Achse stören, es gebe jedoch nicht genug Daten für einen Einfluss auf die Fertilität [s48]. Für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen betonen zwei Übersichten Sulfasalazin als fertilitätsbeeinflussend und nennen Glukokortikoide in den Abstracts nicht einzeln [s101, s77].

#### Tierversuche zur schädigenden Wirkung bei erwachsenen Tieren

- **Katze, Andrews et al. 2022 [s62].** 16 Tiere, Prednisolon 1 mg/kg/Tag über 50 Tage: mehr morphologisch abnorme Spermien im Caput (72,5 % gegen 59,6 %, p < 0,001) und in der Cauda des Nebenhodens (56,7 % gegen 35,8 %, p < 0,001); Motilität und Testosteron unverändert; weniger Sertoli-Zellen pro Tubulus (17,1 ± 0,9 gegen 19,7 ± 0,8, p = 0,04) bei mehr apoptotischen Sertoli-Zellen (0,25 ± 0,02 gegen 0,10 ± 0,02, p < 0,001).
- **Maus, Chaimontri et al. 2025 [s23].** Dexamethason 4 mg/kg über 21 Tage (Stressmodell): geringere Spermienqualität, vor allem progressive Motilität, Hodenschäden, mehr Caspase 3 und 9.
- **Maus, Sadeghzadeh et al. 2019 [s82].** Dexamethason 7 mg/kg/Tag über 7 Tage: mehr Malondialdehyd und Leydig-Zell-Apoptose, weniger Motilität, tägliche Spermienproduktion und Serum-Testosteron; Vitamin C (100 mg/kg/Tag) verhinderte die Schäden weitgehend.
- **Maus, Abouzaripour et al. 2024 [s38].** 40 Mäuse in vier Gruppen; Dexamethason 5 mg/kg intraperitoneal über 7 Tage. Anteil normaler Tubuli 81,93 ± 0,82 (Kochsalz), 46,32 ± 0,94 (Dexamethason), 60,54 ± 1,91 (mit Nigella-sativa-Öl) und 83,97 ± 0,73 % (Nigella allein); die Zuordnung ist wegen einer verschobenen Tabelle im Volltext nicht vollständig gesichert. Johnsen-Score unter Dexamethason geringer (p < 0,05), Embryobildung nach In-vitro-Fertilisation niedriger (p < 0,05). Die Studie testet eine Schutzsubstanz; Dexamethason ist die Schadensgruppe.
- **Maus, Ren et al. 2021 [s72].** Corticosteron im Trinkwasser über vier Wochen: deutlich höheres Serum-Corticosteron, signifikant niedrigeres Testosteron, geringere Spermienzahl, mehr Teratozoospermie, mehrkernige Riesenzellen, apoptotische Keimzellen; in Sertoli-Zellen verminderte Phagozytose und gestörter Laktatstoffwechsel, ein Inhibitor der Pyruvat-Dehydrogenase-Kinase 4 stellte die Phagozytose wieder her. Dosis und Gruppengrößen stehen nicht im Abstract; das Modell gleicht eher einem Stressmodell als einer Therapie.
- **Maus, Chihara (Niigata) 2019, Projektbericht [s81].** Dexamethason 1 mg/kg von Tag 1 bis Tag 5; Hodengewebe 14, 35 und 60 Tage danach; Kontrolle ohne Medikament. Kein Unterschied der Samenbefunde, keine signifikant andere Blastozystenrate nach In-vitro-Fertilisation an Tag 60, keine signifikanten Unterschiede der Färbung des Glukokortikoidrezeptors und von BCL2. Das ist einer der wenigen Nullbefunde, mit funktioneller Prüfung; Schwächen: Projektbericht ohne Begutachtung, keine Gruppengrößen oder Statistik, kurze Gabe, eine Dosis.
- **Ratte, Silva et al. 2014 [s108].** Die Entfernung der Nebennieren senkte Hoden-Spermienzahl und tägliche Spermienproduktion schon nach zwei Tagen; Dexamethason 5 µg/kg über sechs Tage verhinderte den Zahlenverlust, aber nicht die Hodenschäden. Ein Mangel an Glukokortikoiden kann in diesem Modell also ebenfalls schaden.
- **Ratte, Aziz et al. 2024 [s39].** 40 Ratten in acht Gruppen (n = 5 je Gruppe laut Tabelle); Dexamethason 7 mg/kg subkutan dreimal wöchentlich über einen Monat. Kontrolle gegen Dexamethason: Testosteron 2,62 ± 0,061 gegen 1,05 ± 0,029 ng/ml (p < 0,01); individuelle Beweglichkeit 84,60 ± 1,72 gegen 55,60 ± 1,36 %; Konzentration 14,20 ± 0,86 gegen 4,40 ± 0,51 Mio./ml; Spermienanomalien 10,00 ± 0,71 gegen 30,80 ± 1,28 %; Endkörpergewicht 272,00 ± 16,85 gegen 176,00 ± 4,00 g. Nano-Propolis und konventionelles Ginseng hoben die Veränderungen weitgehend auf. Starker Gewichtsverlust: Der Effekt kann zum Teil Folge der Allgemeinbelastung sein (Einschätzung).
- **Ratte, Öztürk et al. 2026 [s13].** 35 Wistar-Ratten in fünf Gruppen zu je sieben; Dexamethason 7 mg/kg/Tag intraperitoneal über 7 Tage. Beeinträchtigt waren Spermienbeweglichkeit, -konzentration und Kapazitation, der Gesamt-Antioxidationsstatus sank, der Gesamt-Oxidationsstatus stieg, histologisch zeigten sich vermehrte Kollagenablagerung und verminderte spermatogene Aktivität; reduziertes Glutathion schwächte die Veränderungen ab. Zahlen stehen nicht im Abstract.
- **Ratte, Sur et al. 2023 [s59].** 32 Ratten in vier Gruppen zu je acht; Methylprednisolon 60 mg/kg intraperitoneal als Einmalgabe an Tag 7. Futteraufnahme −24,14 %; im Hoden erhöhte Bcl-2 und TNF-alpha, vermindertes Caspase-3 (p < 0,001). Die Richtung der Spermienkonzentrationsänderung nennt der Abstract nicht; sehr hohe Einmaldosis mit allgemeiner Toxizität, Fokus auf einer Schutzsubstanz, daher nur als schwacher Hinweis.
- **Ratte, Arthritis-Modelle [s05, s12].** Bei Adjuvans-Arthritis fielen Hodengewichte, Tubulusdurchmesser und Testosteron; Prednisolon allein oder mit INSL3 brachte bei arthritischen Ratten teilweise Besserung (Coskun et al. 2026, 7 Gruppen, Gruppengröße nicht im Abstract) [s05]. Bei Mäusen (36 Tiere, sechs Gruppen, Prednisolon 10 mg/kg intraperitoneal) senkte Prednisolon Entzündungsmarker, kehrte aber die strukturellen Hodenschäden nicht um (Kaya et al. 2026) [s12]. Erkrankung und Medikament sind hier nicht trennbar.
- **Ratte, Modell der Antikörperbildung, Zaki et al. 2023 [s60].** 72 Ratten in sechs Gruppen zu je zwölf nach Hodenpunktion; Dexamethason 2,25 mg/kg intramuskulär zweimal wöchentlich über drei Wochen senkte den Antikörperindex in keiner Woche signifikant gegenüber der Positivkontrolle, während Azathioprin (20 mg/kg) ihn in Woche 2 und 4 signifikant senkte (p ≤ 0,001); histologisch multifokale Rupturen und schwere Schäden in vielen Samenkanälchen unter Dexamethason. Ein Rückschluss auf die Humanstudie von Omu [s142] ist wegen verschiedener Modelle, Substanzen und Dosen nicht möglich.
- **Kaninchenbock, El-Azzazi et al. 2026 [s07].** 16 Kaninchenböcke (vier je Gruppe); Dexamethason 1, 2 oder 3 mg/kg intramuskulär über sieben Tage, danach zwei Wochen Erholung. Dosisabhängig verringert waren Gewichtszunahme, Testosteron, Sexualverhalten und Samenqualität; Spermienausstoß pro Milliliter und pro Ejakulat war in allen drei Gruppen signifikant vermindert (p ≤ 0,05). In der Erholungsphase näherte sich die 1-mg/kg-Gruppe dem Kontrollniveau, die Gruppen mit 2 und 3 mg/kg blieben signifikant darunter. Die Autoren verstehen Dexamethason ausdrücklich als Stressmodell.
- **Schafbock, Ozer Kaya et al. 2020 [s76] und Gür et al. 2005 [s128].** Dexamethason 0,25 mg/kg senkte bei 10 Böcken Ejakulatvolumen, Dichte und Motilität und erhöhte abnorme Spermien [s76]; ähnlich bei 14 Böcken (Konzentration p < 0,01, Volumen p < 0,05) [s128]. Tsantarliotou et al. 2002: Die Akrosinaktivität sank an den Tagen 7 bis 28 nach 3 mg/kg bei niedrigerem Testosteron [s136].
- **Bulle, Barth et al. 1994 [s146].** 8 Bullen (20 mg/Tag über sieben Tage; Studie mit 20 Tieren): Testosteron fiel und Spermiendefekte stiegen, ähnlich wie nach Skrotalisolierung, mit Erholung nach sechs Wochen.
- **Hund, Hatamoto et al. 2006 [s124].** 18 Hunde, 0,01 mg/kg/Tag über sieben Tage: das Ejakulatvolumen sank und die Lipidperoxidation im Seminalplasma stieg.
- **Maus, väterliche Exposition, Short et al. 2016 [s102].** Erhöhte väterliche Corticosteron-Exposition über vier Wochen veränderte die kleinen RNA im Sperma (miR-98, miR-144, miR-190b erhöht) und das Angstverhalten der Nachkommen.

#### Tierversuche zur vorgeburtlichen und frühen Exposition

Alle diese Arbeiten betreffen Nachkommen behandelter Muttertiere oder Neugeborene, nicht erwachsene Männer, die selbst Glukokortikoide einnehmen. Die Modelle bilden die in der Geburtshilfe übliche vorgeburtliche Glukokortikoid-Gabe nach; dass die Wirkung auf den Menschen übertragbar ist, zeigen sie nicht. Die sieben Arbeiten der Wuhan-Gruppe nutzen dasselbe Grundmodell; eine unabhängige Replikation durch andere Gruppen fehlt in den abgerufenen Quellen.

| Arbeit | Tier, Dosis, Zeitfenster | Wichtigste Befunde laut Abstract |
|---|---|---|
| Liu M et al. 2018 [s86] | Ratte; 0,2 und 0,8 mg/kg/Tag, Trächtigkeitstag 9 bis 20; Zellversuch mit 20, 100, 500 nM | Abnorme Hodenmorphologie vom Tag 20 der Trächtigkeit bis zur 12. Lebenswoche; Serum- und intratestikuläres Testosteron und StAR vermindert; im fetalen Hoden GR und HDAC7 erhöht |
| Liu Y et al. 2022 [s67] | Ratte; 0,2 mg/kg/Tag, Tag 9 bis 20; F1 bis F3 | Beim F1-Fetus Testosteron und StAR erniedrigt, gleichgerichtete Veränderungen in F1- und F3-Hoden; Wirkung über den Glukokortikoidrezeptor |
| Liu Y et al. 2023 [s54] | Ratte; 0,1; 0,2; 0,4 mg/kg/Tag, Tag 9 bis 20; F1 und F2 | F1 nach der Geburt geringere Spermienzahl und Beweglichkeit, höhere Missbildungsrate; F2-Feten geringere Körperlänge und Gewicht |
| Liu Y et al. 2024 [s43] | Ratte; 0,1; 0,2; 0,4 mg/kg/Tag subkutan, Tag 9 bis 20; Woche 12 und 28 | Spermienqualität signifikant vermindert, Blut-Hoden-Schranke gestört; in menschlichen Proben Korrelation der Epigenom-Marker mit dem Testosteron im fetalen Blut |
| Kong et al. 2025 [s28] | Maus; 0,2; 0,4; 0,8 mg/kg/Tag, Tag 14 bis 15 oder 16 bis 17 | Beeinträchtigung der Sertoli-Zell-Funktion, besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe; Leydig-Zellen und Spermatogonien nicht signifikant verändert |
| Jin et al. 2026 [s11] | Ratte; 0,4 mg/kg zweimal täglich, Trächtigkeitstag 18 bis 19 | Subfertilität der männlichen Nachkommen, Blockade des autophagischen Flusses in Spermatogonien; Rettung durch ML-SA1 oder CTSL-Überexpression |
| Wang KW et al. 2026 [s18] | Maus; Prednison per Schlundsonde, Tag 0 bis 17 | Verminderte Spermienzahl und Subfertilität erwachsener Nachkommen, Hemmung der Spermatogonien-Proliferation, E2f1 herunterreguliert |

Zu Liu Y 2024 [s43]: Die menschliche Teilstudie stützt nur eine Korrelation zwischen Epigenom-Markern und fetalem Testosteron, keine Wirkung auf Spermien. Dosis und Zahlenwerte stehen bei den meisten Abstracts nicht. Jaussan et al. fanden für Spironolacton ein verwandtes pränatales Muster (siehe oben) [s163]. Wang KW et al. bezeichnen Prednison als weit verbreitetes synthetisches Glukokortikoid und aufkommenden Umweltschadstoff; die Aussage, dass Prednison beim Menschen die Spermien der Söhne schädigt, ist aus der Studie nicht ableitbar [s18].

Neonatale Exposition, Miyaso et al. 2022 [s68]: ICR-Mäuse erhielten vom 1. bis 10. Lebenstag subkutan Corticosteron (0,36; 3,6 und 36 mg/kg). Am Lebenstag 10 sank der Durchmesser der Samenkanälchen in der niedrigen und hohen Dosisgruppe (91,76 ± 1,76 Kontrolle; 77,95 ± 1,55 niedrig, p < 0,001; 94,31 ± 1,61 mittel; 79,81 ± 1,69 µm hoch, p < 0,001) und die Höhe des Keimepithels (41,19 ± 0,74; 35,49 ± 0,91, p < 0,001; 44,23 ± 1,08, p < 0,01; 36,2 ± 0,81 µm, p < 0,001); die Zahl der Sertoli-Zellen war an Tag 10 und 16 in der niedrigen und mittleren Dosisgruppe signifikant erniedrigt. Am Lebenstag 70 (nur niedrige Dosis untersucht) waren Hodengewicht, Sertoli-Zell-Zahl und Spermienzahl signifikant geringer. Ein mit der Dosis steigender Effekt liegt nicht vor; die Spermienzahl wurde nur an einer Dosisgruppe und nur grafisch berichtet. Die Folgestudie Miyaso et al. 2025 [s30] (Corticosteron 0,36 mg/kg und/oder der Glukokortikoidrezeptor-Antagonist RU 486 0,0006 mg/kg, Tag 1 bis 10; 12 Proben je Gruppe) fand am Tag 10 weniger Sertoli-Zellen und mehr p27-positive Sertoli-Zellen in der Corticosteron-Gruppe; RU 486 hob diesen Effekt auf, verringerte aber allein unerwartet die Sertoli-Zell-Zahl. Corticosteron ist das körpereigene Nagetier-Glukokortikoid und nicht Prednison oder Dexamethason.

#### Zellkulturen und endogene Glukokortikoide

Zhang et al. 2019 [s84]: In einer Hodenkanälchenkultur nach chemischer Leydig-Zell-Beseitigung hemmte Dexamethason (0 bis 100 nM) die Differenzierung der Stammzellen der Leydig-Linie zu testosteronbildenden Zellen über den Glukokortikoidrezeptor und senkte konzentrationsabhängig das Testosteron im Medium. Zwei Arbeiten zu chronischem Stress (Zwangsschwimmen bei Ratten, Restraint-Stress bei Mäusen) beschreiben Spermatogenesestörungen bei erhöhtem körpereigenem Corticosteron; in diesen Modellen verändert Stress viele Größen gleichzeitig, sodass die Einzelwirkung nicht isoliert ist [s21, s32].

#### Das Gegenstück: Glukokortikoide im Konservierungsmedium und nach Hodentorsion

Die folgenden Befunde zeigen eine gegenläufige Richtung, wenn ein Glukokortikoid eingesetzt wird, um Entzündungsreaktionen zu dämpfen. Sie beziehen sich auf Tierspermien in vitro beziehungsweise auf Rattenhoden nach Torsion, nicht auf Menschen; ein Rückschluss auf systemisch eingenommene Glukokortikoide beim Mann ist unzulässig.

- **Methylprednisolon im Eber-Medium, Li Y et al. 2023 [s53].** Beste Konzentration 2 × 10⁻⁷ mol/ml; Beweglichkeit am Tag 5 bei 17 °C 57,33 ± 1,56 % gegen 46,87 ± 1,74 % der Kontrolle; höhere Konzentrationen (4 und 6 × 10⁻⁷) hatten am Tag 5 nicht mehr den vollen Effekt.
- **Dexamethason im Eber-Medium, Li JC et al. 2023 [s52].** 1 × 10⁻⁶ mol/ml erhielt am besten; höhere Konzeptionsrate bei Sauen und größere Wurfgröße berichtet; Zahlen nicht im Abstract.
- **Dexamethason plus Azithromycin im Ziegenspermien-Medium, Xu et al. 2025 [s34].** 20 µg/ml Dexamethason bei 30 µg/ml Azithromycin war optimal; Beweglichkeit, Membran- und Akrosomintegrität verbesserten sich.
- **Hodentorsion bei der Ratte, Li HC et al. 2013 und 2014 [s110, s106].** 80 Ratten in vier Gruppen zu je 20 (2013) und 100 Ratten in vier Gruppen zu je 25 (2014). Apoptoseindex im torquierten Hoden 2013: Normaltemperatur plus Kochsalz 31,12 ± 4,68; Hypothermie plus Kochsalz 16,58 ± 6,22 (p < 0,05); Hypothermie plus Dexamethason 8,60 ± 1,15 (p < 0,01); Normaltemperatur plus Dexamethason 13,52 ± 3,06 (p < 0,01) [s110]. 2014: 33,13 ± 3,21 %; 17,12 ± 5,23 %; Dexamethason bei Normaltemperatur 14,13 ± 2,03 %; Kombination 9,05 ± 1,03 % [s106]. Der Beitrag des Dexamethasons allein ergibt sich nur aus dem Gruppenvergleich; zur Verblindung der Auswertenden fehlen Angaben.

**Zwischenbilanz Glukokortikoide.** Am Menschen existiert keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie (zum Beispiel Asthma, Rheuma). Die menschlichen Behandlungsstudien betreffen ausgewählte Erkrankungen und zeigen kein einheitliches Bild; die jüngste randomisierte Studie fand bei höherer Prednisondosis niedrigere Schwangerschaftsraten [s33]. Die Tierversuche mit erwachsenen Tieren zeigen bei hohen Dosen einheitlich Beeinträchtigungen, sind aber teils nicht von allgemeiner Belastung zu trennen; die vorgeburtlichen und neonatalen Modelle betreffen Nachkommen. Die Wirkrichtung hängt vom Kontext ab (Entzündung und Ischämie gegenüber Dauer-Exposition).

### Antihistaminika

Zu modernen H1-Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin) liegen am Menschen nur zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie vor; ein Laborbefund zeigt sogar eine Schutzwirkung von H1-Blockern gegen Histaminschäden an Spermien. Die meiste Literatur betrifft H2-Blocker (Magensäurehemmer) und mastzellstabilisierende Substanzen. Die abgerufenen Leitlinientexte von AUA und EAU enthalten keine Aussage zu Antihistaminika [s40, s06]. In keinem der nicht englischsprachigen Sprachräume (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch, Türkisch) wurde eine Studie gefunden, die ein Allergie-Antihistaminikum selbst auf Spermien prüft; die japanischen Arbeiten stammen aus einer einzigen Abteilung.

#### H1-Rezeptor-Antagonisten

**Hayashi et al. 2006, Japan, zwei berichtete Fälle [s125].** Ein 44-Jähriger unter Fexofenadin und ein 35-Jähriger unter Cetirizin wegen Heuschnupfens; die Partnerinnen waren unauffällig, beide Männer hatten eine Spermienmotilität unter 10 % (Asthenozoospermie). Nach Absetzen der Antihistaminika kam es zu einer vollständigen Rückbildung der Spermienfunktionsstörung. Die Autoren sprechen von möglichen Fertilitätsgefahren der H1-Antagonisten. Der Abstract nennt weder die Beweglichkeit nach dem Absetzen noch eine Schwangerschaft. Aussagekraft: zwei Fälle ohne Vergleichsarm; Heuschnupfen selbst, Jahreszeit oder Begleitumstände sind nicht auszuschließen.

**Hayashi, Miyata und Yamada 2008, Japan, retrospektive klinische Studie [s121].** Von 1.768 infertilen Männern nahmen 201 Medikamente bei beeinträchtigter Samenqualität ohne Samenwegsverschluss, Spermatogenesestörung oder hypogonadotropen Hypogonadismus; 165 davon hatten keine Hodenvorgeschichte und keine auffälligen Untersuchungsbefunde. Unter diesen waren H1-Rezeptor-Antagonisten die häufigste Medikation, gefolgt von Antiepileptika und Antibiotika. Die Interventionsgruppe (n = 73) konnte das Medikament absetzen oder wechseln, die Kontrollgruppe (n = 92) nicht. Besserungsrate der Samenqualität 93 % gegen 12 %, Konzeptionsrate 85 % gegen 10 %; die Zeit bis zur Konzeption nach dem Wechsel betrug 7,3 Monate und war bei Asthenozoospermie kürzer als bei Oligozoospermie (Abstract ohne p-Wert). Stärken: für eine Fertilitätsklinik große Ausgangsgesamtheit, klare Ausschlusskriterien, Vergleichsgruppe, harter Endpunkt Konzeption. Schwächen: Die Gruppenzuteilung folgte der Möglichkeit zum Absetzen, nicht dem Zufall; wer absetzen konnte, unterscheidet sich vermutlich systematisch (Schwere der Grunderkrankung, Compliance, Motivation); keine Verblindung, keine Adjustierung im Abstract; der Abstract gibt weder den Anteil der H1-Blocker je Gruppe noch Konfidenzintervalle an, und die Grunderkrankung bleibt eine Störgröße. Der Befund sagt, dass H1-Blocker zu den häufigsten Medikamenten bei dieser Untergruppe zählten, nicht, wie oft sie Ursache der Samenstörung waren; Zahlen zu Glukokortikoiden nennt der Abstract nicht. Beide Arbeiten stammen aus derselben Abteilung.

**Gupta et al. 2004, Indien, In-vitro-Experiment [s131].** Histamin verminderte in menschlichen Ejakulaten dosis- und zeitabhängig die Spermienvitalität bei steigendem intrazellulärem Kalzium; eine Vorbehandlung mit sehr niedrigen Dosen von Chlorpheniramin, Promethazin oder Diphenhydramin verhinderte Kalziumanstieg und spermizide Wirkung; der H2-Blocker Famotidin schützte nicht. Die Autoren folgern, Histamin wirke über H1-Rezeptoren der Spermien. Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

**H1-Blocker als Schutzsubstanz im Tierversuch.** In diesen Arbeiten ist das Antihistaminikum nicht der Prüfgegenstand; sie sagen nichts darüber, ob der Wirkstoff bei gesunden Tieren neutral ist.
- **Alshehre et al. 2026, Ratte [s01].** Vier Gruppen (Kontrolle, Desloratadin allein, Vancomycin, Vancomycin plus Desloratadin); Desloratadin kehrte die durch Vancomycin ausgelösten Veränderungen (Testosteron niedriger, FSH und LH höher, Beweglichkeit vermindert, mehr abnorme und tote Spermien, Degeneration der Samenkanälchen) laut Abstract um. Für die Desloratadin-Gruppe allein nennt der Abstract keine Spermienwerte.
- **Abdel-Aziz et al. 2024, Ratte [s37].** 24 Ratten in vier Gruppen; Rupatadin (6 mg/kg/Tag oral über 14 Tage) kehrte im Hodentorsionsmodell die Senkung von Testosteron und Glutathion und die Erhöhung von Malondialdehyd, HIF-1, STAT-3, IL-6, Histamin und PAF um. Die Gruppe mit Rupatadin allein wird im Abstract nicht gesondert beziffert.
- **Shaaban et al. 2023, Ratte [s58].** Desloratadin (5 und 10 mg/kg oral über 10 Tage) senkte laut Abstract Marker von Entzündung und oxidativem Stress in Niere und Hoden nach Cisplatin; keine Fertilitätsparameter im Abstract.
- **Park et al. 2025, Maus [s31].** Die Studie prüft keinen Antihistaminika-Wirkstoff; sie zeigt, dass Bisphenol A (30 Mäuse je Gruppe) die Mastzellaktivierung und Histaminbildung im Hoden steigert, mit niedrigerem Testosteron und geringerer Spermienkonzentration und -beweglichkeit. Das belegt die biologische Relevanz von Histamin im Hodengewebe, nicht eine Wirkung von Arzneimitteln.

#### Mastzellblocker und H1-nahe Substanzen als Behandlungsversuch bei infertilen Männern

Hier wurden antihistaminikaähnliche Substanzen als Therapie geprüft, also in der Gegenrichtung zur Frage nach Schäden.
- **Cayan et al. 2002, Türkei, einarmige klinische Studie [s135].** 16 Männer mit idiopathischer Azoospermie oder Oligozoospermie und Hodenbiopsie (Tryptase-gefärbte Mastzellen); 9 hatten einen Mastzellindex von mindestens 1, 7 darunter. Fexofenadin 180 mg/Tag über 4 bis 9 Monate. Kein signifikanter Unterschied der Gesamtzahl motiler Spermien vor und nach der Behandlung in beiden Gruppen, keine Spontanschwangerschaft. Die Autoren sehen keinen Nutzen.
- **Matsuki et al. 2000, Japan, einarmige klinische Studie [s137].** 15 Männer mit idiopathischer Oligozoospermie, Ebastin 10 mg/Tag über drei Monate: bei 9 (66,7 %) eindeutige Besserung der Samenqualität, bei den Frauen von 3 Patienten (20 %) Schwangerschaft innerhalb von sechs Monaten.
- **Schill et al. 1986, Ketotifen [s160].** Bei Oligo- und Asthenozoospermie sehr mäßige, aber statistisch signifikante Besserung von Zahl und Motilität; die Schwangerschaftsrate lag im Bereich spontaner Konzeptionen.
- **Oliva und Multigner 2006, Argentinien, offene unkontrollierte Studie [s126].** 55 Männer mit Leukozytospermie und ungeklärter Infertilität, 12 Wochen Ketotifen: Leukozytenzahl nach vier Wochen stark vermindert, Motilität signifikant gebessert, normal geformte Spermien nach acht Wochen signifikant vermehrt; die Änderungen hielten mindestens vier Wochen nach Therapieende an.
- **Saharkhiz et al. 2013, Iran, randomisierte prospektive Studie [s113].** 40 Paare mit asthenozoospermischer Infertilität in ART-Zyklen; Ketotifen 1 mg zweimal täglich über zwei Monate (20 Männer) gegen keine Behandlung (20 Männer). Motilität stieg von 16,7 auf 21,4 % (p < 0,001); Schwangerschaftsrate 12,5 % bei den Paaren der Behandelten.
- **Azadi et al. 2011, Iran, randomisierte kontrollierte Studie [s117].** 103 Männer nach Varikozelen-Operation (Kontrolle 52, Behandlung 51); Ketotifen nach der Operation. Nach drei Monaten bessere Samenparameter und Chromatinintegrität (nicht aber DNA-Integrität); kumulative Schwangerschaftsrate nach neun Monaten 41,17 % gegen 21,15 %.

Unkontrollierte Studien und zwei kleine randomisierte Studien zeigen Besserungen, die einzige Fexofenadin-Studie keine. Das sind Behandlungsstudien; sie sagen nichts darüber, ob gesunde Männer unter Antihistaminika Spermienschäden entwickeln.

#### H2-Rezeptor-Antagonisten

- **Wang et al. 1982, Klinische Beobachtungsstudie [s172].** 11 Männer mit Zwölffingerdarmgeschwür; Cimetidin 1.000 mg/Tag über drei Monate, danach 400 mg zur Nacht über drei Monate. Testosteron und FSH unter Therapie erhöht, LH unverändert, Prolaktin bei 5 von 11 erhöht; die mittlere Spermienzahl war unter Cimetidin niedriger als nach dem Absetzen; Motilität und Morphologie unverändert.
- **Wang et al. 1983, Ranitidin gegen Placebo [s170].** 20 Männer; Ranitidin (n = 11) 150 mg zweimal täglich über drei Monate, dann 150 mg zur Nacht über neun Monate, gegen Placebo (n = 9): keine Änderung von Hormonen, Spermienkonzentration, Motilität oder Morphologie.
- **Bianchi Porro et al. 1985, Cimetidin [s161].** 9 Patienten unter Cimetidin 400 mg zur Nacht über 18 bis 36 Monate, alle zuvor vermutlich fertil; bis auf einen Mann mit leichter Oligoasthenozoospermie normale Spermienzahl und Motilität; Hormone wie bei Kontrollen.
- **Van Thiel et al. 1987, USA, kontrollierte Studie [s158].** Nizatidin und Cimetidin gegen Placebo über sechs Wochen: Spermienkonzentration unverändert unter Placebo und Nizatidin, signifikant erniedrigt unter Cimetidin (p < 0,05).
- **Banihani und Al-Natsheh 2022, Jordanien, In vitro [s63].** Proben von 31 Männern; Ranitidin 0,1 bis 1,2 µg/ml: Gesamt- und progressive Motilität sowie Vitalität waren bei 0,6 bis 1,2 µg/ml signifikant vermindert (p < 0,05), die Kreatinkinase-Aktivität erhöht. **Banihani 2019 [s79]:** Famotidin 0,1, 1 und 10 mM an 49 Proben: kein signifikanter Effekt auf Motilität (gesamt p = 0,8420, progressiv p = 0,9594), Vitalität (p = 0,6471) oder DNA-Integrität. **Gupta et al. 2003 [s134]:** Cimetidin, Ranitidin und Famotidin verminderten dosis- und zeitabhängig die Vitalität menschlicher Spermien, mit Kalziumanstieg. Die Abstracts vergleichen die Konzentrationen nicht mit Blutspiegeln.
- **Übersichten und Befragungsstudien.** Banihani 2016: Cimetidin scheint die Samenqualität ungünstig zu beeinflussen; für Ranitidin und Nizatidin uneinheitlich; Famotidin scheint sie nicht zu ändern [s99]. Drobnis und Nangia 2017 halten Cimetidin wegen kompetitiver Androgenrezeptor-Blockade für die bedenklichste Substanz [s93]. Jafari et al. 2021, eine systematische Übersicht iranischer Studien (14 Studien, 26.324 infertile Männer), nennt unter den mit männlicher Infertilität verbundenen Faktoren die Einnahme von Ranitidin und Cimetidin [s71]. Mahboubi et al. 2014 fanden in einer Fall-Kontroll-Studie (161 fertile gegen 108 infertile Männer) einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Ranitidin-Einnahme und männlicher Infertilität, ohne Effektgrößen im Abstract [s107]. Beide Studien beruhen auf Befragung beziehungsweise Sekundärdaten; die Indikation (Magenbeschwerden) ist eine mögliche Störgröße (Einschätzung).

**Tierversuche zu H2-Blockern.**
- **Maus, Gill et al. 1991 [s151].** Cimetidin 100 und 30 mg/kg führte zu Degeneration von Hodenelementen und Spermienveränderungen (unter anderem Brüche am Flagellum), Ranitidin nicht.
- **Ratte, Liu X et al. 2018 [s87].** Cimetidin 20, 40 oder 120 mg/kg/Tag über neun Wochen; bei 120 mg/kg niedrigere Spermiengeschwindigkeiten, höheres LH und Testosteron, Hodenläsionen.
- **Ratte, Beltrame et al. 2017 und 2019 [s90, s80].** Cimetidin 100 mg/kg über 52 Tage: niedrigeres Testosteron, geringere Motilität, Flagellum-Anomalien, mehr DNA-Fragmentierung, Fertilitätspotenzial unbeeinflusst; Vitamin B12 verhinderte die Schäden.
- **Ratte, Elsaed et al. 2018 [s85].** 24 Ratten (4 x 6), Cimetidin 50 mg/kg täglich über 52 Tage: ausgeprägte Atrophie der Samenkanälchen, unregelmäßige Sertoli-Zellen mit basaler Vakuolisierung und verdickter Basalmembran; Vitamin B12 schützte weitgehend; keine Spermiogramm-Werte im Abstract.
- **Maus, Jaafar et al. 2026 [s09].** 64 Mäuse, Cimetidin 20 mg/kg über 38 Tage störte laut Autoren Hodenaufbau und Spermatogenese; Anthocyan schützte dosisabhängig (ED50 45,7 gegen 57,9 mg/kg); Werte der Cimetidin-Gruppe allein sind im Abstract nicht beziffert.
- **Ratte, Sinha RB et al. 2006 [s127].** H2-Blocker über zwei Wochen: weniger Nebenhoden-Mastzellen, niedrigeres Testosteron, geringere Spermienzahl und Motilität, mehr abnorme Spermien.
- **Ratte, Cyproheptadin, Sarkar et al. 1975 [s182].** 5 mg/kg/Tag über 48 Tage stimulierte bei alten Ratten die Spermatogenese.

Das Bild für H2-Blocker deutet ein Gefälle an (Cimetidin eher nachteilig, Ranitidin uneinheitlich, Famotidin unauffällig), gestützt auf kleine klinische Studien, In-vitro-Versuche und Tierversuche mit hohen Dosen. Da Cimetidin andere Mechanismen hat als die gängigen Allergie-Antihistaminika, lassen sich diese Befunde nicht auf H1-Blocker übertragen.

#### Allergie, Asthma und Atopie als Krankheit (nicht als Medikament)

**Pedersen et al. 2023, Dänemark, Querschnittsstudie [s56].** 6.177 junge Männer (Medianalter 19 Jahre) aus der Allgemeinbevölkerung, 2001 bis 2020; 656 (10,6 %) gaben ärztlich diagnostiziertes Asthma an. Mediane Samenparameter, Asthma gegen kein Asthma: Volumen 3,1 gegen 3,2 ml, Motilität 61 gegen 62 %, Morphologie 6,5 gegen 6,5 %, Konzentration 42 gegen 46 Mio./ml, Gesamtzahl 133 gegen 145 Mio. Adjustierter Koeffizient für die Gesamtzahl −0,18 (95-%-KI −0,33 bis −0,04; kubikwurzel-transformierte Skala), für die Konzentration −0,09 (−0,18 bis 0,01). Hormone ohne signifikante Unterschiede. Die Assoziation mit der Gesamtzahl war mit Allergie (β −0,27; −0,55 bis 0,02) und ohne Allergie (−0,27; −0,52 bis −0,02) ähnlich; der Ausschluss von 33 Männern mit regelmäßiger Asthmamedikation änderte nichts. Schwächen (von den Autoren genannt): Querschnitt, selbstberichtete Diagnose ohne Schwere und Zeitpunkt, keine Entzündungsmarker, mögliche gemeinsame Ursachen, Asthmamedikation wegen n = 33 nicht gesondert auswertbar. Die Daten betreffen die Krankheit, nicht Antihistaminika oder Kortison.

**Mendelsche Randomisierung [s17, s36].** Sun et al. 2026 (zwölf Autoimmunerkrankungen, europäische GWAS-Daten): Asthma war positiv kausal mit abnormen Spermatozoen assoziiert (OR 1,270; 95-%-KI 1,045 bis 1,545; p = 0,017) und negativ mit Gesamttestosteron (β −0,042; 95-%-KI −0,057 bis −0,027; p < 0,001) [s17]. Zhang et al. 2025 (Kinderasthma, 16 genetische Instrumente) fanden dagegen keinen unabhängigen Risikofaktor (p = 0,14) [s36]. Beide Studien messen genetische Veranlagung, nicht Arzneimittelexposition, und widersprechen sich teilweise.

**Feng et al. 2022, Ratte, Asthmamodell [s64].** Allergisches Asthma durch Ovalbumin-Injektion: Spermienkonzentration und Motilität waren signifikant niedriger (p < 0,05), Interleukin 6, p-STAT3 und HIF-1α im Hoden höher; die Autoren sehen einen HIF-1-vermittelten Weg zur Spermienapoptose.

**Seminara et al. 2026, Fallbericht [s15].** Ein 38-jähriger Mann mit schwerer atopischer Dermatitis, früher Orchidopexie und primärer Infertilität hatte unter dem JAK1-Hemmer Abrocitinib (200 mg/Tag) eine Azoospermie; drei Monate nach dem Absetzen betrug die Spermienkonzentration 50 Mio./ml. Der Wirkstoff ist weder Antihistaminikum noch Kortison; die Ursächlichkeit ist nicht belegt.

Diese Arbeiten zeigen, dass bei Arzneimittelstudien die Grunderkrankung eine Störgröße sein kann; sie erlauben keine Aussage über die Wirkstoffe selbst.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

Dieser Abschnitt ordnet die in der Studienlage genannten Wirkwege in drei Stufen. Als **bewiesen** gilt hier ein Mechanismus, der an menschlichem Gewebe oder menschlichen Zellen oder in mehreren unabhängigen Experimenten gezeigt wurde und dessen Existenz nicht umstritten ist. Bewiesen heißt ausdrücklich nicht, dass er bei üblichen Dosen zu einer messbaren Veränderung der Spermienqualität führt. Als **plausibel** gilt ein Weg, der in Tierversuchen oder Zellmodellen wiederholt, aber überwiegend nur an Tieren beschrieben wurde und biologisch zu den Befunden passt. Als **spekulativ** gilt, was sich auf einzelne Studien, Meldesignale, Fallberichte oder Übertragungen zwischen Modellen stützt. Die Einstufung ist eine Einschätzung der Verfasser dieses Kapitels; sie ersetzt kein formales Bewertungsverfahren.

### Isotretinoin

**Bewiesen.** Retinsäure, der aktive Vitamin-A-Metabolit, ist für die Differenzierung der Spermatogonien und den Beginn der Meiose notwendig [s14, s49]. Vitamin-A-Mangel stoppt die Spermatogenese, durch Retinsäure ist das umkehrbar; nach der Übersicht von Zhao et al. kann Retinsäure bei manchen Männern mit Fortpflanzungsstörungen die Fertilität wiederherstellen, wirkt aber nicht universell, und hohe Dosen könnten die Fortpflanzung beeinträchtigen [s49]. Im Volltext derselben Übersicht werden Hodendegeneration oder gestörte Spermatogenese bei übermäßiger Retinsäure-Dosis bei Mäusen, Eidechsen und Hunden und eine beeinträchtigte Hodenentwicklung bei Feten nach übermäßiger Behandlung genannt; der Wirkstoff Isotretinoin wird in dem Text nicht namentlich genannt. Am Menschen ist gezeigt, dass die intratestikuläre Konzentration von 13-cis-Retinsäure bei Männern mit auffälligem Ejakulat niedriger war als bei Männern mit normalem Ejakulat (0,14 gegen 0,26 pmol/g, p = 0,04; allerdings nur 7 Männer in der Vergleichsgruppe) [s112]. Das liefert die biologische Begründung der Behandlungsversuche bei Azoospermie [s03, s89, s26]; es belegt keine Wirkung bei gesunden Männern. In menschlichen Spermien in vitro blieben Motilität, Vitalität und DNA-Fragmentierung bei 22 nM bis 66.000 nM unverändert und waren erst bei 660.000 nM aufgehoben [s22]. Im Reportergen-Experiment hemmte Isotretinoin in vitro die Retinsäure-induzierte Aktivierung des Retinsäurerezeptors alpha, und im menschlichen Hodengewebe ex vivo stiegen Testosteron und sank Dihydrotestosteron, bei im Wesentlichen unveränderter Keimzellproliferation und Apoptose [s04]. Diese Laborbefunde sind belegt, aber in 96-Stunden-Gewebekultur ohne Meiose gewonnen.

**Plausibel.** In Ratten verminderte Isotretinoin Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Tubulusdurchmesser und Keimepitheldicke bei erhöhtem Apoptoseindex [s50], beeinträchtigte Menge und Qualität der Spermien [s42], senkte Testosteron bei erhöhtem LH und erhöhte Malondialdehyd mit verminderter Superoxiddismutase (oxidativer Stress) [s61] und veränderte Zellzyklusproteine (Cyclin D1, E2F, p53) [s119]. Die Wüstenrennmaus zeigte einen nahezu vollständigen Stillstand der Spermatogenese, der sich 12 Wochen nach Absetzen zurückbildete [s140]. Ein hochdosierter Rattenversuch fand dagegen lichtmikroskopisch keine Veränderung [s164]. Die Mehrzahl der Tierstudien spricht also für eine reproduktionstoxische Wirkung bei hohen Dosen; wegen der Dosisunterschiede ist unklar, was das für die menschliche Standarddosis bedeutet. Auf der Hormonebene fanden Bendix et al. bei früheren und aktuellen Anwendern ein niedrigeres FSH, einen höheren Inhibin-B/FSH-Quotienten und höheres Östradiol, ein Muster, das mit einer veränderten Sertoli-Zell-Funktion vereinbar wäre (Deutung der Verfasser; Preprint, Querschnitt) [s04]. Çinar et al. und Jessup et al. fanden keine signifikante Änderung von Testosteron, FSH oder LH [s100, s26].

**Spekulativ.** Die Aussage, Isotretinoin senke bei Männern mit Varikozele den oxidativen Stress und verbessere dadurch die Spermien, ist eine Hypothese der türkischen Autoren, die sich auf Literatur stützt und von der Studie selbst nicht belegt wird [s51]; die Beobachtung, dass sich die Konzentration bei Varikozele stärker besserte, betraf 12 Männer. Die Meldesignale für erektile Dysfunktion und Libidoverlust [s02] betreffen Sexualfunktion, nicht Spermien, und können durch Meldeverhalten entstehen. Ob Isotretinoin die Fortpflanzungsfunktion anhaltend verändert, wie die Autoren des Preprints vermuten, ist nicht belegt [s04]. Die in Tierversuchen genutzte Gabe über 21 Tage bis acht Wochen und die Dosen in mg/kg sind mit der menschlichen Therapie nicht vergleichbar.

### Spironolacton

**Bewiesen.** Spironolacton und seine Abkömmlinge hemmen die Androgenbindung an den Rezeptor der Zielzelle [s180]; die Androgenrezeptor-Blockade durch steroidale Antiandrogene ist in der EAU-Leitlinie als Ursache verminderter Testosteronwirkung aufgeführt [s06]. Beim Menschen können Spirolactone eine Gynäkomastie bewirken, und akute intravenöse Gabe von Kaliumcanrenoat senkte das Plasma-Testosteron ohne Änderung der Gonadotropine [s180]. Bei Jungen mit verzögerter Pubertät stiegen unter 5 mg/kg/Tag über eine Woche LH und FSH um im Mittel 60 %, vereinbar mit einer Unterbrechung der negativen Rückkopplung [s181]. Im Hodenzellversuch hemmte Spironolacton die hCG-stimulierte Testosteronsynthese, und in kastrierten Ratten war es deutlich stärker antiandrogen als neue Aldosteronantagonisten [s156]. Beim Hund waren Plasma-Testosteron und -Östradiol nur bei 100 mg/kg, nicht bei 5 bis 10 mg/kg um 60 bis 75 % niedriger [s176]. Der Befund ist ein Dosisbefund: Die Hemmung der Steroidsynthese wurde nur bei sehr hoher Dosis gezeigt.

**Plausibel.** Bei Ratten veränderte Spironolacton die Elektrolyte der Nebenhodenflüssigkeit (Kalium −18 %, Spermienkonzentration der Cauda −21,5 %, Natrium der Caput-Flüssigkeit von 102,5 auf 128,0 mmol/l) [s173, s168]. Bei pränataler Exposition waren Prostata- und Samenblasengewicht dosisabhängig geringer, ohne Änderung von LH, FSH, Testosteron und Dihydrotestosteron [s163]. Die Hodenhistologie bei Transfrauen zeigt unter Spironolacton plus Östrogen in 53,3 % der Präparate aktive Spermatogenese, unter Cyproteronacetat plus Östrogen in 8,7 % [s20]; das macht eine direkte, starke Spermatogenese-Hemmung durch Spironolacton in dieser Kombination weniger wahrscheinlich als beim Cyproteronacetat, trennt aber nicht den Anteil des Östrogens.

**Spekulativ.** Die Aussage, Spironolacton verschlechtere bei üblichen Dosen Spermienzahl oder Fertilität, ist am Menschen nicht untersucht. Die Meldedaten mit drei bis vier Fällen je spermienbezogenem Begriff [s27, s08] begründen sie nicht. Die in zwei Rattenstudien beobachtete Beeinträchtigung der Spermatogenese im Varikozelenmodell schreiben die Autoren der Angiogenesehemmung zu, nicht der antiandrogenen Wirkung [s105, s114].

### Glukokortikoide

**Bewiesen.** Der Glukokortikoidrezeptor kommt im menschlichen Hoden in peritubulären Zellen, einem Teil der Leydig-Zellen, schwach in Sertoli-Zellen und in Spermatogonien vor, nicht in Spermatiden [s95]. Menschliche Spermien tragen die Rezeptor-Isoform GR-D3, bei Varikozelenpatienten vermindert; Dexamethason erhöhte in vitro Überleben, Motilität, Kapazitation und Akrosomreaktion, und Mifepriston bestätigte die Rezeptorvermittlung [s45]. Hydrocortison erhöhte in vitro schwach das intrazelluläre Kalzium und hemmte bei höheren Konzentrationen die Progesteronantwort [s57]. In der Kultur von Rattenhodenkanälchen hemmte Dexamethason (0 bis 100 nM) die Differenzierung von Leydig-Stammzellen über den Glukokortikoidrezeptor [s84], und in Leydig-Zell-Versuchen verminderte es Testosteron und StAR [s86, s67]. Mäuse ohne das glukokortikoid-induzierte Leucin-Zipper-Gen waren unfruchtbar (Hodendysplasie, fehlende postmeiotische Keimzellen), was die Rolle eines Gens betrifft, nicht eine Arzneimitteltherapie [s116, s115]. Eine Variante des Rezeptorgens (BclI) war bei 893 Männern überdominant mit besserer Samenqualität verbunden (hypothesengenerierend); bei 696 Männern bestand keine Assoziation zwischen Haarcortisol und Hodenfunktion [s95, s69]. Gesichert ist demnach, dass der Hoden und die Spermien glukokortikoid-reaktiv sind. Welche Richtung die Wirkung hat, hängt von Zelltyp, Dosis und Zeitpunkt ab.

**Plausibel.** *Hormonachse.* Langzeitprednison war in vielen Beobachtungsstudien mit niedrigerem Testosteron verbunden, und Dexamethason senkte in Affen-, Ratten-, Rinder-, Schaf- und Pferdeversuchen das Testosteron; randomisierte Studien fehlen [s92]. Hohe Dosen in Ratte, Kaninchen, Schaf, Bulle und Hund senkten Testosteron und Samenqualität (Tabellenwerte siehe Studienlage) [s39, s07, s76, s128, s136, s146, s124]. Dabei ist oft nicht trennbar, was Hormonwirkung und was allgemeine Belastung ist: Die Ratten von Aziz et al. verloren deutlich an Gewicht (Endgewicht 176,00 gegen 272,00 g) [s39], und die Autoren der Kaninchenstudie verstehen Dexamethason als Stressmodell [s07]. *Oxidativer Stress und Apoptose.* Mehrere Studien fanden erhöhte Marker oxidativen Stresses (Malondialdehyd, Gesamt-Oxidationsstatus), Leydig-Zell-Apoptose und vermehrte Caspasen, die sich durch Antioxidantien wie Vitamin C, Glutathion oder Nigella-sativa-Öl abschwächen ließen [s82, s13, s23, s38]. Das stützt einen Weg über oxidative Schäden; es ist aber ein Befund unter hochdosierter Behandlung. *Sertoli-Zellen und Blut-Hoden-Schranke.* Corticosteron in der Neugeborenenphase der Maus verringerte die Sertoli-Zell-Zahl und erhöhte p27-positive Zellen, vom Rezeptor-Antagonisten RU 486 aufgehoben [s68, s30]; bei erwachsenen Mäusen verminderte erhöhtes Corticosteron die Phagozytose und den Laktatstoffwechsel der Sertoli-Zellen [s72]. *Vorgeburtliche Programmierung.* Die Wuhan-Gruppe beschreibt für Dexamethason in der Trächtigkeit mehrere epigenetische Wege: erhöhte HDAC7 mit verminderter Histon-Acetylierung im StAR-Promotor [s86, s67], Rekrutierung von P300 an den TBX2-Promotor mit Absenkung von CX43 [s54], KDM1B mit veränderter H3K9me2 am FSTL3-Promotor [s43], aktivierten Notch- und gehemmten Wnt-Weg in Sertoli-Zellen [s28] und eine Blockade des autophagischen Flusses in Spermatogonien über den HDAC6-Cathepsin-L-Weg [s11]; für Prednison beschrieben Wang et al. eine erhöhte m6A-Modifikation von E2f1 [s18]. Mehrere Wege aus derselben Gruppe mit demselben Grundmodell sind in sich stimmig, aber nicht unabhängig repliziert. *Väterliche Weitergabe.* Erhöhte väterliche Corticosteron-Exposition veränderte die kleinen RNA im Sperma und das Angstverhalten der Nachkommen bei Mäusen [s102]. *Gegenläufige Wirkung bei Entzündung.* Dexamethason und Methylprednisolon dämpfen im Konservierungsmedium Neutrophilen-Chemotaxis und -Phagozytose und verbesserten Beweglichkeit, Membran- und Akrosomintegrität von Eber- und Ziegenspermien [s53, s52, s34]; nach Hodentorsion senkte Dexamethason den Apoptoseindex der Keimzellen [s110, s106]. In Arthritis-Modellen dämpfte Prednisolon Entzündungsmarker, kehrte aber strukturelle Hodenschäden nicht um [s05, s12]. Ein Mangel an Glukokortikoiden kann ebenfalls schaden: Nach Nebennierenentfernung sank die Spermienzahl der Ratte, und niedrig dosiertes Dexamethason verhinderte den Zahlenverlust, nicht aber die Hodenschäden [s108]. Das Gesamtbild ist kontextabhängig und nicht zu einer einzelnen Wirkrichtung verdichtbar.

**Spekulativ.** Die Übertragung der Tierbefunde auf Männer unter üblicher Dosierung ist offen: Dosen bis 7 mg/kg täglich, einmalig 60 mg/kg Methylprednisolon oder Trächtigkeitsexposition haben mit der menschlichen Therapie wenig gemein [s39, s13, s59]. Stress-Modelle (Zwangsschwimmen, Restraint-Stress, Corticosteron im Trinkwasser) verändern viele Größen gleichzeitig; die Einzelwirkung des Corticosterons ist nicht isoliert, und es sind körpereigene Hormone, nicht Arzneimittel [s21, s32, s72]. In der Studie von Liu Y 2024 verknüpft nur eine Korrelation Epigenom-Marker menschlicher Proben mit dem Testosteron im fetalen Blut, nicht mit Spermien [s43]. Die mehrgenerationale Weitergabe bis F3 ist ein Befund an Ratten [s67]. Ob die positiven Befunde bei Antikörpern auf einer Immunsuppression beruhen, ist uneinheitlich: In der randomisierten Studie von Haas sank nur spermagebundenes IgG, ohne günstigen Effekt auf Samenparameter und Fertilität [s157], im Rattenmodell senkte Dexamethason den Antikörperindex nicht signifikant [s60]. Auch die niedrigere Schwangerschaftsrate bei 20 mg Prednison nach Vasektomie-Rückverlagerung unabhängig von der Spermienkonzentration [s33] hat keinen belegten Mechanismus.

### Antihistaminika

**Bewiesen.** Histamin vermindert in menschlichen Ejakulaten dosis- und zeitabhängig die Spermienvitalität bei steigendem intrazellulärem Kalzium; sehr niedrige Dosen von Chlorpheniramin, Promethazin oder Diphenhydramin verhinderten dies, der H2-Blocker Famotidin nicht, sodass Histamin über H1-Rezeptoren der Spermien wirken dürfte [s131]. Die Wirkung ist also für den Schutz belegt, nicht für eine Schädigung durch H1-Blocker. Cimetidin, Ranitidin und Famotidin verminderten in vitro dosis- und zeitabhängig die Vitalität menschlicher Spermien mit Kalziumanstieg [s134]; Ranitidin verminderte Motilität und Vitalität erst bei 0,6 bis 1,2 µg/ml und erhöhte die Kreatinkinase-Aktivität [s63]; Famotidin zeigte bei 49 Proben keinen signifikanten Effekt [s79]. Cimetidin gilt wegen kompetitiver Androgenrezeptor-Blockade als bedenklichste H2-Substanz [s93]; die klinischen Studien stützen das teilweise (niedrigere Spermienzahl unter Cimetidin, nicht unter Nizatidin oder Ranitidin [s172, s158, s170]).

**Plausibel.** Mastzellen und Histamin sind im Hodengewebe biologisch aktiv: Bisphenol A steigerte bei Mäusen Mastzellaktivierung und Histaminbildung mit niedrigerem Testosteron und geringerer Spermienkonzentration und -beweglichkeit [s31]. Mastzellstabilisierende Substanzen verbesserten in einzelnen Studien Samenparameter oder senkten bei Leukozytospermie die Leukozyten [s126, s113, s117, s137, s160], während die einzige Fexofenadin-Studie keinen Nutzen fand [s135]. In Tierversuchen schützten H1-Blocker vor Hodenschäden durch andere Auslöser, indem sie Entzündungs- und Oxidationsmarker senkten [s01, s37, s58]. Bei den H2-Blockern fanden Tierversuche mit Cimetidin über 38 bis 63 Tage und 20 bis 120 mg/kg Atrophie der Samenkanälchen, geringere Motilität, Flagellum-Anomalien und mehr DNA-Fragmentierung, die sich durch Vitamin B12 oder Anthocyan abschwächen ließen [s151, s87, s90, s80, s85, s09, s127].

**Spekulativ.** Dass moderne H1-Blocker bei Männern die Spermienfunktion beeinträchtigen, stützt sich auf zwei berichtete Fälle mit Rückbildung nach dem Absetzen [s125] und eine nicht randomisierte Serie, in der H1-Blocker die häufigste Medikation waren, ohne Aufschlüsselung auf Wirkstoffe [s121]. Für Cetirizin, Loratadin, Desloratadin, Bilastin und andere gibt es keine kontrollierte Studie. Allergie selbst ist eine Störgröße: Im Rattenmodell des allergischen Asthmas waren Spermienkonzentration und Motilität niedriger bei höherem IL-6 und HIF-1α im Hoden [s64], bei jungen Männern war selbstberichtetes Asthma mit einer niedrigeren Gesamtzahl verbunden, unabhängig von Allergie [s56], und die Mendelsche Randomisierung ergab für Asthma einen Hinweis auf abnorme Spermatozoen und niedrigeres Testosteron [s17], für Kinderasthma keinen [s36]. Welchen Anteil Krankheit und Medikament haben, ist ungeklärt.

### Übersicht der Einstufung

| Wirkstoffgruppe | Bewiesen (Mechanismus existiert) | Plausibel (Tierversuche, konsistent) | Spekulativ (Einzelbefunde, Übertragung) |
|---|---|---|---|
| Isotretinoin | Retinsäure nötig für Spermatogonien und Meiose [s14, s49]; weniger 13-cis-Retinsäure im Hoden bei auffälligem Ejakulat [s112] | Hodenschäden bei Ratten in hoher Dosis [s50, s42, s61, s119], aber Nullbefund [s164] | Oxidativer-Stress-Hypothese bei Varikozele [s51]; anhaltende Wirkung [s04]; Meldesignale [s02] |
| Spironolacton | Androgenrezeptor-Blockade, Gynäkomastie, Hemmung der Testosteronsynthese bei hoher Dosis [s180, s156, s176, s181] | Veränderte Nebenhodenflüssigkeit [s173, s168]; pränatal kleinere Anhangsdrüsen [s163] | Spermienwirkung bei üblicher Dosis; Meldedaten [s27, s29, s08] |
| Glukokortikoide | Glukokortikoidrezeptor in Hoden und Spermien [s95, s45]; Hemmung der Leydig-Differenzierung in vitro [s84] | Hohe Dosen senken Testosteron und Samenqualität im Tier [s39, s13, s07]; neonatale und pränatale Programmierung [s68, s43, s11, s18] | Übertragung auf Männer; Stressmodelle [s21, s32, s72]; Immunsuppression bei Antikörpern |
| Antihistaminika | Histamin wirkt über H1-Rezeptoren auf Spermien, H1-Blocker schützen in vitro [s131]; Cimetidin blockiert den Androgenrezeptor [s93] | Cimetidin-Schäden im Tier [s151, s87, s85]; Schutzwirkung von H1-Blockern [s01, s37] | Schädigung durch H1-Blocker beim Mann [s125, s121]; Asthma-Daten [s17, s64] |

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Dieser Abschnitt stellt zusammen, was die Studien über Dosis, Dauer, Untergruppen und Rückbildung berichten. Leere oder fehlende Angaben sind als „nicht angegeben" gekennzeichnet; sie wurden nicht ergänzt. Eine Umrechnung der Tierdosen in menschliche Äquivalenzdosen wird nicht vorgenommen, weil keine der abgerufenen Quellen sie liefert.

### Zu welchen Dosen es Daten gibt

Für keine der vier Wirkstoffgruppen liegt am Menschen eine Studie vor, die die Spermienqualität systematisch über eine Dosisreihe untersucht und dabei Placebo oder Unbehandelte mitführt, mit einer Ausnahme: die randomisierte Prednison-Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung [s33] und, ohne Kontrollgruppe, die Prednison-Studie bei Anhangsdrüsenentzündung [s94]. Bei Isotretinoin sind zwei Dosisbereiche untersucht (Akne-Standarddosis und niedrig dosierte Behandlung bei Infertilität), jeweils ohne Dosisvergleich innerhalb der Studie. Bei Spironolacton und Antihistaminika stammen Dosisreihen aus Tierversuchen und Laborversuchen.

#### Tabelle 1: Isotretinoin am Menschen

| Studie | Dosis und Dauer | n | Population | Befund (Mittelwerte, wenn nicht anders angegeben) |
|---|---|---|---|---|
| Vogt und Ewers 1985 [s166] | 1 mg/kg/Tag, 12 Wochen | 20 | Acne conglobata | Dichte unverändert bei Gesunden; Anstieg bei Vorschäden, nach 3 Monaten zurück; Normalformen am Ende leicht, nach 12 Wochen signifikant niedriger (p < 0,05) |
| Höting et al. 1992 [s150] | 1 mg/kg/Tag (mittlere Tagesdosis 72,7 mg), 6 Monate | 20 | Acne conglobata | Dichte ab Monat 4 signifikant höher; Morphologie und Motilität unverändert; nach 1 Jahr Ausgangswerte |
| Çinar et al. 2016 [s100] | Gesamtdosis 120 mg/kg über 6 Monate | 81 | Schwere Akne | Alle Parameter positiv (p < 0,05); Hormone unverändert; Zahlen nicht angegeben |
| Gurel et al. 2023 [s51] | 0,5 bis 1,0 mg/kg/Tag bis 120 mg/kg, 6 Monate | 46 | Akne | Konzentration 21,02 auf 22,85 Mio./ml; Normalformen 9,37 auf 8,70 % |
| Bendix et al. 2026 [s04] | nicht angegeben (zu irgendeinem Zeitpunkt, Querschnitt) | 322 gegen 4.065 | Junge Männer, Medianalter 19 | Konzentration 41 gegen 45 Mio./ml (nicht signifikant); FSH niedriger, Östradiol höher |
| Amory et al. 2017 [s89] | 20 mg zweimal täglich, 20 Wochen | 19 | Infertil, unter 15 Mio./ml | Median 2,5 auf 3,8 Mio./ml (p = 0,006); 6 Schwangerschaften |
| Jessup et al. 2025 [s26] | 20 mg zweimal täglich, 3 bis 9 Monate | 30 | Azoospermie 26, Kryptozoospermie 4 | Motile ejakulierte Spermien bei 11 von 30 (37 %) |

Die Standarddosis bei Akne und die niedrig dosierte Behandlung bei Infertilität liegen nach den Studienangaben in unterschiedlichen Dosisformen vor (mg/kg gegen feste Tagesdosis), sodass ein direkter Dosisvergleich nicht möglich ist. Die Endpunkte der beiden Gruppen unterscheiden sich ebenfalls (Verbesserung der Konzentration bei Gesunden gegen erstmaliges Auftreten ejakulierter Spermien bei Azoospermie). Zwei Studien berichten Dosen als kumulative Gesamtdosis (120 mg/kg), eine als mittlere Tagesdosis; eine Dosis-Wirkungs-Beziehung innerhalb einer Studie wurde bei Isotretinoin am Menschen nicht untersucht.

#### Tabelle 2: Prednison und andere Glukokortikoide am Menschen

| Studie | Dosis | Dauer | n | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Trost et al. 2025 [s33] | Kontrolle 0 mg; niedrig 5 mg/Tag jede zweite Woche; hoch 20-mg-Ausschleichschema jeden zweiten Monat; nach Bedarf bis zu drei Kurse | 3 bis 6 Monate | 73 mit Jahresdaten | Schwangerschaft nach 12 Monaten: 65 % (Kontrolle), 67 % (niedrig), 17 % (hoch), 38 % (nach Bedarf); Konzentration ohne Gruppenunterschied |
| Milardi et al. 2017 [s94] | Prednison 5, 12,5, 25 mg/Tag | 1 Monat | 90 | 5 mg: Gesamtzahl signifikant höher; 12,5 mg: Konzentration, Gesamtzahl, Motilität; 25 mg: alle Parameter außer Volumen; Größenordnungen nicht angegeben |
| Machen et al. 2020 [s75] | Prednison 20 mg, dann 10 mg täglich | je 2 Wochen | 89 | Gesamtzahl motiler Spermien im Mittel +10,5 Mio. |
| White et al. 2024 [s47] | Prednison 5 mg | 6 Wochen | 8 | Mediane Gesamtzahl motiler Spermien 0,15 auf 6 Mio. |
| Omu et al. 1996 [s142] | Prednisolon 5 mg täglich | 3 bis 6 Monate | 40 gegen 37 | Schwangerschaft 20 % gegen 5 % |
| Curtis et al. 1994 [s147] | Prednisolon 5 mg dreimal täglich | 3 Monate | 36 gegen 17 | Schwangerschaft 17 % gegen 18 % |
| Räsänen et al. 1996 [s143] | Prednisolon 20 mg täglich | 3 Wochen | 10 gegen 10 | Antikörperspiegel unverändert |
| Hendry et al. 1990 [s154] | Prednisolon 20 mg zweimal täglich, Tage 1 bis 10 | je 9 Monate | 43 | 9 Schwangerschaften gegen 2 unter Placebo |
| Bals-Pratsch et al. 1992 [s149] | Prednisolon 40 mg/Tag, Tage 1 bis 10 | 3 Zyklen | 20 | Keine Schwangerschaft in beiden Armen |
| De Almeida et al. 1985 [s162] | Prednisolon 1 mg/kg/Tag | 9 Tage in 3 Zyklen | 10 | Kein signifikanter Effekt |
| Haas und Manganiello 1987 [s157] | Methylprednisolon 96 mg/Tag | 7 Tage plus Ausschleichen, 3 Zyklen | 43 | Kein günstiger Effekt auf Samenparameter und Fertilität |
| Hendry et al. 1986 [s159] | Prednisolon 40 bis 80 mg | Tage 1 bis 10, bis 9 Zyklen | 76 | 33 % Schwangerschaften, mehr als doppelt so viele wie ohne Behandlung erwartet |
| Taiyeb et al. 2017 [s97] | Prednisolon, Dosis nicht angegeben | 3 Zyklen zu 21 Tagen | 241 | Motilität besser (p < 0,001); Schwangerschaft bei IVF höher, bei ICSI nicht |

Die Tabelle zeigt, dass die Dosen von 5 mg täglich bis 96 mg täglich reichen und die Studien in Zielgröße, Population und Dauer nicht vergleichbar sind. Der einzige Dosisvergleich mit Schwangerschaft als Endpunkt ist die iPRED-Studie [s33]: Dort war die Schwangerschaftsrate unter der niedrigen Dosis (67 %) ähnlich der Kontrolle (65 %) und unter der hohen Dosis niedriger (17 %); der Arm „nach Bedarf" lag dazwischen (38 %). Die Autoren sprechen von einer dosisabhängigen Wirkung, die unabhängig von der Spermienkonzentration sei und Monate nach dem Absetzen anhalte. Zu beachten sind die kleinen Gruppen (11 bis 25 Männer), der vorzeitige Abbruch zweier Arme und fehlende Konfidenzintervalle im Abstract. In Milardi et al. steigen die erfassten Parameter mit der Dosis in der Zahl der signifikant veränderten Größen (5 mg: eine, 12,5 mg: drei, 25 mg: alle außer Volumen), ohne dass der Abstract Effektgrößen nennt; ohne Kontrollgruppe und mit einem Monat Dauer lässt sich daraus keine Dosisabhängigkeit der Wirkung ableiten. Auffällig ist der Gegensatz: Dieselbe Substanzklasse zeigt in der einen Studie bei 5 bis 20 mg keinen Einfluss auf die Konzentration [s33] und in der anderen bei 5 bis 25 mg Anstiege [s94]; Populationen und Design sind verschieden (Zustand nach Vasektomie-Rückverlagerung gegen Oligozoospermie mit Anhangsdrüsenentzündung).

#### Tabelle 3: Dosisreihen aus Tier-, Labor- und Pubertätsstudien

| Studie | Tier | Dosen | Dauer | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Cirakoglu et al. 2023 [s50] | Ratte, Isotretinoin | 7,5 und 30 mg/kg/Tag | 4 Wochen plus 4 Wochen Nachbeobachtung | In beiden Gruppen Spermienzahl, Motilität und Vitalität vermindert; Zahlen nicht angegeben |
| Gencoglan und Tosun 2011 [s119] | Ratte, Isotretinoin | 1 und 2 mg/ml/Tag | 21 Tage | Zellzyklusmarker bei niedriger Dosis nicht signifikant, bei höherer signifikant verändert; p53 in beiden erhöht |
| El-Azzazi et al. 2026 [s07] | Kaninchenbock, Dexamethason | 1, 2, 3 mg/kg | 7 Tage plus 2 Wochen Erholung | Dosisabhängig weniger Testosteron und Samenqualität; Spermienausstoß in allen Gruppen vermindert |
| Liu Y et al. 2023 und 2024 [s54, s43] | Ratte, pränatales Dexamethason | 0,1; 0,2; 0,4 mg/kg/Tag | Tag 9 bis 20 | Spermienqualität in F1 vermindert; KDM1B dosisabhängig erhöht |
| Liu M et al. 2018 [s86] | Ratte, pränatales Dexamethason | 0,2 und 0,8 mg/kg/Tag | Tag 9 bis 20 | Abnorme Hodenmorphologie, weniger Testosteron und StAR |
| Kong et al. 2025 [s28] | Maus, pränatales Dexamethason | 0,2; 0,4; 0,8 mg/kg/Tag | Tag 14 bis 15 oder 16 bis 17 | Sertoli-Zell-Funktion besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe beeinträchtigt |
| Miyaso et al. 2022 [s68] | Maus, neonatales Corticosteron | 0,36; 3,6; 36 mg/kg | Tag 1 bis 10 | Sertoli-Zellen nur in niedriger und mittlerer Dosis vermindert; Durchmesser der Kanälchen am Tag 10 in niedriger und hoher Dosis geringer |
| Menard et al. 1978 [s176] | Hund, Spironolacton | 5 bis 10 und 100 mg/kg | nicht angegeben | Testosteron und Östradiol 60 bis 75 % niedriger nur bei 100 mg/kg |
| Santen et al. 1976 [s181] | Jungen (Mensch), Spironolacton | 3 und 5 mg/kg/Tag | 1 Woche | LH-Anstieg bei 5 mg/kg; bei 3 mg/kg bei zwei Jungen kein Anstieg |
| Liu X et al. 2018 [s87] | Ratte, Cimetidin | 20, 40, 120 mg/kg/Tag | 9 Wochen | Niedrigere Spermiengeschwindigkeiten und Hodenläsionen bei 120 mg/kg |
| Gill et al. 1991 [s151] | Maus, Cimetidin | 30 und 100 mg/kg | nicht angegeben | Hodendegeneration und Spermienveränderungen; Ranitidin nicht |
| Banihani und Al-Natsheh 2022 [s63] | Menschliche Spermien in vitro, Ranitidin | 0,1 bis 1,2 µg/ml | akut | Motilität und Vitalität erst bei 0,6 bis 1,2 µg/ml vermindert |
| Álzate Aristizábal und Cardona Maya 2025 [s22] | Menschliche Spermien in vitro, Isotretinoin | 22 nM bis 660.000 nM | bis 5 Stunden | Wirkung nur bei 660.000 nM |

Das Muster ist in einigen Reihen schwellenartig (Spironolacton beim Hund erst bei 100 mg/kg [s176], Ranitidin in vitro erst ab 0,6 µg/ml [s63], Isotretinoin in vitro nur in der höchsten Konzentration [s22], Cimetidin bei der Ratte erst bei 120 mg/kg [s87]), in anderen dosisabhängig steigend (Dexamethason beim Kaninchenbock [s07], KDM1B bei pränatalem Dexamethason [s43]) und in einer nicht gleichsinnig: Bei neonatalem Corticosteron waren die Sertoli-Zellen in der niedrigen und mittleren, nicht in der hohen Dosis signifikant vermindert, und am Tag 70 wurde nur die niedrige Dosis untersucht, sodass ein Dosisvergleich dort nicht möglich ist [s68]. Bei Dexamethason in der Trächtigkeit zeigten sich bei 0,2 mg/kg/Tag, der einzigen Dosis einer Studie, Veränderungen [s67]; in den Dosisreihen von 0,1 bis 0,4 mg/kg/Tag nennt der Abstract nicht, welche Dosis welchen Befund auslöste [s54, s43]. Dagegen fand der Projektbericht aus Niigata bei 1 mg/kg über fünf Tage keine Wirkung auf Samenbefunde und Blastozystenrate der Maus [s81]. Die Tierversuche mit hohen Dosen (Dexamethason 5 bis 7 mg/kg [s39, s13, s38, s82], Methylprednisolon 60 mg/kg [s59]) zeigen Beeinträchtigungen, sind aber nicht von einer allgemeinen Belastung zu trennen.

### Dosis und Wirkung bei Behandlungsversuchen und bei Antihistaminika

Bei den Behandlungsversuchen mit Mastzellblockern gab es keine Dosisreihen. Verwendet wurden Fexofenadin 180 mg/Tag [s135], Ebastin 10 mg/Tag [s137], Ketotifen 1 mg zweimal täglich [s113]; die Studien mit Wirkung waren unkontrolliert oder klein. Bei den H2-Blockern verglichen klinische Studien verschiedene Wirkstoffe in jeweils einer Dosis: Cimetidin 1.000 mg/Tag [s172], Ranitidin 150 mg zweimal täglich [s170], Cimetidin 400 mg zur Nacht [s161], Nizatidin und Cimetidin über sechs Wochen [s158]; eine niedrigere Spermienzahl zeigte sich unter Cimetidin, nicht unter Ranitidin oder Nizatidin. Für H1-Blocker nennen die Fallberichte keine Dosen [s125], und die Serie von Hayashi gibt keine Aufschlüsselung nach Wirkstoff und Dauer an [s121].

### Subgruppen

#### Tabelle 4: Befunde in Untergruppen

| Merkmal | Studie | Befund |
|---|---|---|
| Varikozele (Isotretinoin) | Gurel et al. 2023 [s51] | 12 von 46 Männern (26 %): Konzentration 20,00 auf 25,25 gegen 21,38 auf 22,00 Mio./ml bei den übrigen (p < 0,001); übrige Parameter ohne Gruppenunterschied |
| Frühere Gonadendefekte (Isotretinoin) | Vogt und Ewers 1985 [s166] | Spermienzahl stieg am Therapieende signifikant und kehrte nach 3 Monaten zurück; bei sonst Gesunden unverändert |
| Hodenhistologie (Isotretinoin bei Azoospermie) | Jessup et al. 2025 [s26] | Sertoli-Zell-Syndrom 0 von 2, gemischt 3 von 14, früher Reifungsarrest 3 von 6, später Reifungsarrest 3 von 5 (Fisher p = 0,275) |
| Hodenhistologie (Isotretinoin, Übersicht) | Amory et al. 2026 [s03] | 25 bis 40 % bei Reifungsarrest, offenbar nicht bei reinem Sertoli-Zell-Syndrom |
| Azoospermie gegen Kryptozoospermie | Jessup et al. 2025 [s26] | 7 von 26 gegen 4 von 4 |
| Alter (Spironolacton plus Östrogen) | Sinha et al. 2021 [s74] | Über 40 Jahre: Hyalinisierung 43,2 % gegen 16,7 %, Atrophie 40,5 % gegen 14,6 %; Therapiedauer ohne Unterschied |
| Alter und Dauer (Antiandrogene plus Östrogen) | Wilk Goldsher et al. 2026 [s20] | Mittleres Alter 41,4 gegen 33,4 Jahre bei Endstadium gegen vollständige Reifung (p = 0,002); Therapiedauer p = 0,22 |
| Antiandrogen-Art | Wilk Goldsher et al. 2026 [s20] | Aktive Spermatogenese 8,7 % (Cyproteronacetat) gegen 53,3 % (Spironolacton); Progesteron zusätzlich negativ (p = 0,005) |
| Asthenozoospermie gegen Oligozoospermie (Medikamentenwechsel) | Hayashi et al. 2008 [s121] | Zeit bis zur Konzeption nach Wechsel 7,3 Monate, bei Asthenozoospermie kürzer |
| Anastomosenart nach Vasektomie-Umkehr (Prednison) | Machen et al. 2020 [s75] | Gesamtzahl motiler Spermien +13,4 Mio. nach bilateraler Vasovasostomie, +6,2 Mio. mit Vasoepididymostomie; Besserung bei durchgängigen Anastomosen 76,9 % gegen 33,3 % |
| Ausgangs-Antikörperspiegel (Prednisolon) | Sharma et al. 1995 [s145] | Hohe IgG-Konzentration am Anfang sagte Schwangerschaft voraus (p = 0,006; Sensitivität 33 %, Spezifität 93 %) |
| Ausgangsspermienzahl (Kortison gegen Schilddrüsenhormon) | Uehling 1978 [s177] | Schwangerschaften hingen stärker mit den Ausgangszahlen zusammen als mit der Behandlungsart |
| Verfahren der assistierten Reproduktion (Prednisolon bei Antikörpern) | Taiyeb et al. 2017 [s97] | Vorteile bei IVF, nicht bei ICSI |
| Verfahren (hoher MAR-Wert) | Aliyeva et al. 2007 [s122] | Schwangerschaft 6,1 % nach IUI, 50 % nach ICSI, 25 % nach IVF; Rauchen 53 % gegen 80 % bei Paaren mit gegen ohne Schwangerschaft |
| Allergie gegen keine Allergie (Asthma) | Pedersen et al. 2023 [s56] | β für Gesamtzahl −0,27 mit Allergie, −0,27 ohne Allergie; ähnlich |
| Zeitpunkt der Exposition (pränatal) | Kong et al. 2025 [s28] | Sertoli-Zell-Funktion besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe beeinträchtigt |
| Karenzzeit (Lupus unter Prednisolon) | Waters et al. 2020 [s78] | Vitalität 84 %, 63 %, 33 % nach 2, 4, 7 Tagen; nur die Probe nach 4 Tagen mit ausreichender Konzentration |

Die Subgruppenbefunde sind überwiegend nicht vorab festgelegt und statistisch nicht gegen Mehrfachvergleiche abgesichert; mehrere sind auf sehr kleine Gruppen gestützt (Histologiegruppen mit 2 bis 14 Männern [s26], Varikozele mit 12 Männern [s51]). Sie sind hypothesengenerierend. Zwei Muster wiederholen sich: Bei Männern mit bereits eingeschränkter Spermatogenese (Vorschäden, Varikozele, Reifungsarrest, Oligozoospermie) zeigen die Behandlungsstudien eher Anstiege als bei Gesunden [s166, s51, s26, s89], und bei den Antiandrogen-Kohorten ist höheres Alter, nicht die Therapiedauer, mit gestörter Spermatogenese verbunden [s20, s74]. Letzteres schließt eine Wirkung der Therapie nicht aus; die Studien führen keine Kontrollgruppe ohne Hormontherapie (Einschätzung).

### Reversibilität

#### Tabelle 5: Rückbildung und Nachwirkung

| Studie | Substanz, Modell | Befund nach Absetzen |
|---|---|---|
| Höting et al. 1992 [s150] | Isotretinoin, Mensch | Nach 1 Jahr alle Parameter auf Ausgangswerten (der Anstieg unter Therapie bildete sich zurück) |
| Vogt und Ewers 1985 [s166] | Isotretinoin, Mensch | Spermienzahl-Anstieg bei Vorschäden nach 3 Monaten zurück; Normalformen 12 Wochen nach Ende signifikant erniedrigt (p < 0,05) |
| Bendix et al. 2026 [s04] | Isotretinoin, Mensch (Preprint) | Männer, die mindestens 2 Jahre zuvor aufgehört hatten: Konzentration 39 gegen 45 Mio./ml (nicht signifikant); FSH 2,2 gegen 2,6 IE/l, Östradiol 85 gegen 81 pmol/l |
| Cirakoglu et al. 2023 [s50] | Isotretinoin, Ratte | Nach 4 Wochen Nachbeobachtung (Untersuchung in Woche 8) in den Isotretinoin-Gruppen noch vermindert |
| Sadek et al. 1999 [s140] | Isotretinoin, Wüstenrennmaus | Veränderungen 12 Wochen nach Absetzen zurückgebildet |
| Kühlwein und Schütte 1985 [s164] | Isotretinoin, Ratte | Nach 8 weiteren Wochen normale Spermatogenese (auch sofort nach Therapie normal) |
| Jessup et al. 2025 [s26] | Isotretinoin, Azoospermie | Ansprechen meist innerhalb von 3 Monaten; Dauer nach Absetzen nicht angegeben |
| Trost et al. 2025 [s33] | Prednison, Mensch | Wirkung auf Schwangerschaft nach den Autoren dosisabhängig und noch Monate nach dem Absetzen |
| Tsatsoulis und Shalet 1991 [s153] | Prednisolon, Fallbericht | 3 Monate nach Therapieende wieder niedrige Motilität |
| El-Azzazi et al. 2026 [s07] | Dexamethason, Kaninchenbock | Nach 2 Wochen Erholung: 1 mg/kg nähert sich der Kontrolle, 2 und 3 mg/kg signifikant darunter |
| Barth et al. 1994 [s146] | Dexamethason, Bulle | Erholung nach 6 Wochen |
| Wang KW et al. 2026 [s18], Liu M et al. 2018 [s86] | Prednison beziehungsweise Dexamethason, pränatal | Veränderungen von der Fetalzeit bis ins Erwachsenenalter (12 Wochen) |
| Liu Y et al. 2024 [s43] | Dexamethason, pränatal | Spermienqualität in Woche 12 und 28 vermindert |
| Liu Y et al. 2022 [s67] | Dexamethason, pränatal | Gleichgerichtete Veränderungen in F1- und F3-Hoden |
| Miyaso et al. 2022 [s68] | Corticosteron, neonatal | Am Tag 70 (niedrige Dosis) Hodengewicht, Sertoli-Zahl und Spermienzahl signifikant geringer |
| Hayashi et al. 2006 [s125] | H1-Blocker, Fallbericht | Vollständige Rückbildung nach Absetzen |
| Hayashi et al. 2008 [s121] | Medikamentenwechsel, Mensch | 93 % Besserung, 85 % Konzeption; 7,3 Monate bis zur Konzeption |
| Wang et al. 1982 [s172] | Cimetidin, Mensch | Mittlere Spermienzahl unter Cimetidin niedriger als nach dem Absetzen |
| Oliva und Multigner 2006 [s126] | Ketotifen, Mensch | Änderungen hielten mindestens 4 Wochen nach Therapieende an |
| Gong et al. 2026 [s08] | Spironolacton, Meldedaten | Positives Dechallenge-Signal bei 3 Fällen (ROR 10,72) |

Der Gesamteindruck: Für Isotretinoin am Menschen sprechen die beiden Studien mit Nachbeobachtung für eine Rückkehr zu den Ausgangswerten nach drei Monaten bis einem Jahr [s150, s166], mit einer unklaren Ausnahme (verminderte Normalformen 12 Wochen nach Therapieende, die die Autoren für möglicherweise unabhängig vom Medikament halten) [s166]; der Preprint beschreibt dagegen Hormonabweichungen noch bei Männern, die vor mindestens zwei Jahren aufgehört hatten, ohne signifikanten Unterschied der Spermienzahl [s04]. Bei den Glukokortikoiden ist die Wirkung auf die Schwangerschaftsrate nach Vasektomie-Rückverlagerung nach Angabe der Autoren noch Monate nach dem Absetzen nachweisbar [s33]; in den Tierversuchen mit Erwachsenen zeigt sich teilweise Erholung [s07, s146], bei vorgeburtlicher und neonataler Exposition dagegen Fortbestehen bis ins Erwachsenenalter oder in Folgegenerationen [s86, s43, s67, s68]. Hier ist zu bedenken, dass diese Modelle eine Programmierung der Entwicklung betreffen und mit der Behandlung eines erwachsenen Mannes nicht vergleichbar sind. Bei den Antihistaminika beruht die Annahme der Reversibilität auf zwei berichteten Fällen und einer nicht randomisierten Serie [s125, s121]; die Fälle mit Besserung nach Absetzen sind diejenigen, die zur Beobachtung gelangten, sodass Berichtsverzerrung wahrscheinlich ist.

### Was sich aus den Zahlen nicht ableiten lässt

Aus den vorliegenden Studien lässt sich weder eine sichere Dosis noch ein Schwellenwert für die menschliche Spermienqualität angeben. Die Dosisbereiche der Tierversuche sind nicht auf Männer umrechenbar; die menschlichen Studien sind klein, überwiegend ohne Kontrollgruppe und messen Ersatzzielgrößen. Die zuverlässigste menschliche Dosis-Wirkungs-Aussage stammt aus einer einzigen randomisierten Studie mit 73 Männern [s33], und sie betrifft Männer nach einem Eingriff, nicht gesunde Männer. Für Isotretinoin, Spironolacton und moderne Antihistaminika existiert keine Studie, in der bei Männern Dosisstufen verglichen wurden. Eine Aussage über den Einzelfall erlaubt keine der Quellen.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Dieses Kapitel geht die Literatur nach Sprachräumen durch. Es fragt für jeden Raum, welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften es gibt, was regional auffällt, welche Datenbanken erreichbar waren und wo die Literatur so dünn ist, dass sich nichts Eigenes sagen lässt. Es enthält keine Therapieempfehlung. Es berichtet, was die Studien gemessen haben, und benennt, wo ihre Aussagekraft endet.

Drei Lesehinweise vorab. Erstens beruht die Zuordnung einer Arbeit zu einem Sprachraum auf der Herkunft der Autoren und auf der Publikationssprache; in der Quellenliste kann eine Arbeit mehreren Räumen zugeordnet sein, zum Beispiel eine türkische Studie in englischer Sprache. Zweitens ist die Publikationssprache vieler Arbeiten Englisch, auch wenn sie aus der Türkei, Ägypten, Japan, China oder Brasilien stammen; die Sprachräume bilden also eher Forschungsstandorte als eigene Literaturen ab. Drittens wurden in allen Räumen nur Quellen aufgenommen, deren Abstract oder gleichwertiger Text tatsächlich abgerufen wurde. Wo nur der Titel erreichbar war, steht das ausdrücklich dabei, und die Arbeit ist nicht als Beleg gezählt. Zitiert wird mit den Kennungen der Quellenliste, zum Beispiel [s14]. Bei Originaltiteln in anderen Sprachen als Englisch und Deutsch folgt die deutsche Übersetzung in Klammern; bei deutschsprachigen Arbeiten führt die Datenbank PubMed teils nur einen englischen Titel, was jeweils vermerkt ist.

### Englisch

**Gewicht der Sprache.** Englisch ist die Sprache der Fachzeitschriften, in denen fast alle hier ausgewerteten Studien erschienen sind. In der Quellenliste tragen 139 von 182 Arbeiten die Kennung Englisch; mehrfach vergebene Kennungen sind dabei möglich. Das gilt auch für die Arbeiten aus der Türkei, dem Iran, Ägypten, Japan, Indien, Brasilien und Kolumbien, die in englischsprachigen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Wer also „die englische Literatur" meint, meint in dieser Studie im Kern „die internationale Literatur". Eigene Kohorten und Register des englischsprachigen Raums im engeren Sinn gibt es nur wenige; die meisten Belege sind Beobachtungsstudien einzelner Zentren, kleine Behandlungsstudien und Tierversuche.

**Leitlinien.** Die wichtigste englischsprachige Leitlinie ist die der American Urological Association und der American Society for Reproductive Medicine zur männlichen Infertilität von 2024 [s40]. Sie hält fest, dass Risikofaktoren aus Lebensstil, Medikamenten, Umwelt und Beruf angesprochen werden dürfen, dass die Daten bei den meisten Faktoren aber begrenzt sind (bedingte Empfehlung, Evidenzgrad C). Für die Arzneimittel ihrer Tabelle 8 bewertet sie die Evidenz als niedrig; keines außer Finasterid hatte eine signifikante Wirkung, und für Finasterid wird eine dosisabhängige Verminderung des Ejakulatvolumens genannt. Anabole Steroide und exogenes Testosteron unterdrücken bei Anwendung die Spermatogenese. Im abgerufenen Webtext kommen Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide nicht vor; Stress wird bei niedriger Evidenz mit einer kleinen Abnahme der progressiven Motilität in Verbindung gebracht. Zugleich rät die Leitlinie, Tests auf Antispermien-Antikörper nicht in die Erstabklärung aufzunehmen (Expertenmeinung); das ordnet die Glukokortikoid-Studien zu diesen Antikörpern als überwiegend historisch ein [s40]. Die Leitlinie der European Association of Urology zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit [s06], deren Webtext von rund 2,3 MB per Textsuche ausgewertet wurde, nennt Glukokortikoide nur in den Ursachentabellen des Hypogonadismus-Kapitels: als Cushing-Syndrom, als Medikamentengruppe neben Opiaten und GnRH-Analoga unter den Ursachen hypogonadotroper Störungen und unter den Arzneimitteln, die das sexualhormonbindende Globulin senken. Die Blockade des Androgenrezeptors durch steroidale Antiandrogene, Cyproteronacetat und Spironolacton wird unter Androgenresistenz aufgeführt. Das sind Ursachenlisten, keine Aussagen über Spermienzahlen; Isotretinoin und Antihistaminika erscheinen in dem Text nicht [s06].

**Übersichten und Metaanalysen.** Die zentrale Zusammenfassung zu Isotretinoin ist die systematische Übersicht mit Metaanalyse von Panunzio und Mitarbeitern 2026 [s14]: sechs klinische Studien mit 225 Männern, davon drei Kohorten mit Hautpatienten und normaler Ausgangsfertilität (n = 167) und drei Kohorten mit Infertilitätspatienten unter niedrig dosiertem Isotretinoin (n = 58). In den Dermatologie-Kohorten stieg die Spermienkonzentration im Mittel um 1,77 Mio./ml (p = 0,028) und die Vitalität um 3,74 % (p = 0,009); für progressive Motilität (+4,12 %) und normale Morphologie (+1,13 %) fanden sich nicht signifikante Trends. Keine der Studien berichtete eingeschränkte Fertilität oder eine neu aufgetretene sexuelle Funktionsstörung; die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als gering bis moderat ein [s14]. Eine begleitende Übersicht der Gruppe, die die Pilotstudien zu Isotretinoin bei Azoospermie durchgeführt hat, nennt Besserungen bei 25 bis 40 % der Männer mit Reifungsarrest und betont, dass größere Studien nötig sind [s03]; dass die Autoren die Pilotstudien selbst durchgeführt haben, ist beim Lesen mitzudenken. Breitere Übersichten sind die systematische Arbeit von Jebli und Mitarbeitern 2026 mit 16.310 Treffern und 184 eingeschlossenen Studien aus den Jahren 2016 bis 2025 [s10], die Übersicht von Semet 2017 [s96] und die Zusammenfassung von Samplaski und Nangia 2015 [s104]. In den Abstracts von [s10] und [s96] stehen unter den schädlichen Wirkstoffen unter anderem Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide und GnRH-Analoga; die vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen stehen dort nicht. Die dermatologischen Übersichten [s111, s98, s66] stützen sich nach ihren Abstracts auf einzelne Fallberichte und wenige Studien; die Übersicht von Hui 2022 wertete 234 Studien zu 131 Arzneimitteln aus, von denen 34 mit männlicher Infertilität und sexueller Funktionsstörung verbunden wurden, ohne dass der Abstract Einzelsubstanzen nennt [s66]. Eine Untersuchung der Beipackinformationen der FDA findet mehrere Entzündungshemmer als spermatogenesebeeinflussend aufgeführt, was die begutachtete Literatur nach dem Abstract nicht stützt [s91].

**Kohorten und Register.** Die größte populationsbasierte Quelle zu Isotretinoin ist die Danish Young Men Study; sie stammt aus Dänemark und wird hier wegen der Publikationssprache im englischen Raum geführt. In dieser Querschnittsstudie (Medianalter 19 Jahre) wurden 322 Isotretinoin-Anwender mit 4.065 Nichtanwendern verglichen; die Samenparameter lagen bei Anwendern nicht signifikant niedriger (Konzentration 41 gegen 45 Mio./ml, Gesamtzahl 125 gegen 145 Mio.), während FSH niedriger, der Inhibin-B/FSH-Quotient höher und das Östradiol höher lagen. Die Arbeit ist ein nicht begutachteter Preprint; ihr Ex-vivo-Teil an menschlichem Hodengewebe und ein Reportergentest ergänzen den Befund [s04]. Aus derselben Kopenhagener Abteilung (Rigshospitalet, Abteilung für Wachstum und Fortpflanzung) stammt eine Auswertung von 6.177 jungen Männern, von denen 656 (10,6 %) ärztlich diagnostiziertes Asthma angaben: Der adjustierte Koeffizient für die Gesamtzahl der Spermien betrug −0,18 (95-%-KI −0,33 bis −0,04), für die Konzentration −0,09 (−0,18 bis 0,01); die Daten betreffen die Erkrankung, nicht die Medikamente [s56]. Zwei weitere Arbeiten derselben Abteilung fanden bei 696 Männern keinen Zusammenhang zwischen Haarcortisol und Hodenfunktion [s69] und bei 893 Männern einen Zusammenhang der Glukokortikoidrezeptor-Variante BclI mit besserer Samenqualität, den die Autoren als hypothesengenerierend bezeichnen [s95]. Die zweite große Datenquelle ist eine beschreibende Auswertung US-amerikanischer Versicherungsdaten (Arbeitsgruppe an der Harvard T.H. Chan School of Public Health) zu Medikamenten, die Väter rund um die Empfängnis erhielten: 0,02 % der Väter lösten in den 90 Tagen vor der Empfängnis Isotretinoin ein, Fluticason gehörte mit 2,70 % zu den häufigsten Medikamenten; Fertilitätsfolgen wurden nicht gemessen [s44]. Eine retrospektive Querschnittsstudie aus einer niederländischen Einrichtung (Isala, Zwolle) mit 7.438 Männern (722 mit Medikation, 6.716 ohne) nennt im Abstract Metformin, Metoprolol und Lisinopril, nicht die vier hier untersuchten Gruppen, und versteht sich selbst als hypothesengenerierend [s24]. Ein eigenes Register, das Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin oder Spironolacton mit Samenparametern verknüpft, wurde in keinem englischsprachigen Land gefunden.

**Klinische Studien aus den USA und Kanada.** Die einarmige Pilotstudie von Amory 2017 behandelte 19 infertile Männer mit Isotretinoin (20 mg zweimal täglich über 20 Wochen): Die mediane Konzentration stieg von 2,5 auf 3,8 Mio./ml (p = 0,006), es gab sechs Schwangerschaften, drei davon spontan [s89]. Die Serie von Jessup 2025 mit 30 Männern, überwiegend azoosperm, fand bei 11 von 30 (37 %) verlässliche ejakulierte motile Spermien [s26]; ein Fallbericht beschreibt eine Spontanschwangerschaft nach erfolgloser Hodenextraktion und sechs Monaten Isotretinoin [s25]. Das sind Behandlungsstudien an infertilen Männern und keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer. Für Glukokortikoide ist die randomisierte iPRED-Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung der aktuellste kontrollierte Beleg: 75 Männer in vier Gruppen, Schwangerschaftsraten nach 12 Monaten in der Kontrollgruppe 65 %, bei niedrig dosiertem Prednison 67 %, bei hochdosiertem 17 % und bei Prednison nach Bedarf 38 %; zwei Arme wurden vorzeitig beendet [s33]. Zwei retrospektive Auswertungen zeigten nach Prednison einen Anstieg der motilen Spermien (89 Männer: +10,5 Mio. [s75]; 8 Männer: Median 0,15 auf 6 Mio. [s47]), ohne Kontrollgruppe. Aus Kanada stammt die größte Hodenhistologie unter Spironolacton: Von 287 trans und geschlechtsdiversen Personen unter Östrogen hatten bei Cyproteronacetat 8,7 %, bei Spironolacton 53,3 % noch aktive Spermatogenese; Spironolacton wurde dabei nie allein gegeben [s20]. Eine US-Kohorte mit 85 Transfrauen unter Östrogen und Spironolacton fand in 8,2 % der Präparate aktive Spermatogenese [s74].

**Klassische Behandlungsstudien zu Antispermien-Antikörpern.** Der englischsprachige Raum trägt die gesamte kontrollierte ältere Literatur zu Glukokortikoiden bei Antispermien-Antikörpern: die placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Methylprednisolon an 43 Männern, die keinen günstigen Effekt auf Samenparameter fand [s157]; die britische Crossover-Studie mit Prednisolon (neun Schwangerschaften unter Prednisolon, zwei unter Placebo) [s154]; die deutsche Crossover-Studie mit 20 Männern ohne Schwangerschaft in beiden Phasen [s149]; die finnische Studie, in der die intrauterine Insemination der Prednisolon-Behandlung überlegen war (9 gegen 1 Schwangerschaften, p = 0,04) [s144]; und die griechische Crossover-Studie, die keinen Vorteil des Kortikosteroids zur Insemination fand [s141]. Die irakische Studie mit 241 Männern fand bessere Motilität und bei konventioneller IVF höhere Schwangerschaftsraten [s97]. Die Studien sind klein, uneinheitlich dosiert und überwiegend aus den Jahren 1978 bis 1996; zusammenfassend sprechen die Übersichten uneinheitlich [s73, s132, s139, s65].

**Fachzeitschriften.** Die hier ausgewerteten englischsprachigen Arbeiten erschienen unter anderem in Andrology, Fertility and Sterility, Human Reproduction, Human Fertility, International Journal of Andrology, Journal of Urology, Cutaneous and Ocular Toxicology, World Journal of Men's Health, Asian Journal of Andrology und Theriogenology (für Tierstudien). Die Titel der Zeitschriften zeigen, dass die Literatur über mehrere Fachgebiete verstreut ist: Fortpflanzungsmedizin und Andrologie, Dermatologie und Toxikologie, Veterinärmedizin. Eine eigene Zeitschrift oder Datenbank, die diese Fragestellung bündelt, gibt es nicht.

**Erreichbarkeit.** Die Webseite von PubMed war gesperrt. Erreichbar waren die Europe-PMC-Schnittstelle (auch Preprints und Volltexte offener Arbeiten) und die E-utilities der NCBI, über die die vollständigen Abstracts geholt wurden. Volltexte wurden für [s26, s51, s74, s47, s56] ausgewertet, für [s04] die Preprint-Seite. Die Webtexte der AUA/ASRM- und der EAU-Leitlinie waren erreichbar. Eine einschlägige Cochrane-Übersicht wurde nicht aufgenommen: Die Seite antwortete, die Trefferlisten waren aber nicht auswertbar; die gefundene Cochrane-Übersicht zu Spironolacton bei Hirsutismus und Akne betrifft Frauen. Die Seite der ESHRE war erreichbar, lieferte aber keinen extrahierbaren Leitlinientext zur männlichen Infertilität.

**Lücken.** Keine randomisierte placebokontrollierte Studie bei gesunden Männern unter Isotretinoin, keine kontrollierte Samenanalyse-Studie unter Spironolacton, keine kontrollierte Studie zu Cetirizin, Loratadin, Desloratadin oder Bilastin und keine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie mit Glukokortikoiden bei Asthma oder Rheuma. Die einzige große Querschnittsstudie zu Isotretinoin ist ein Preprint [s04].

### Deutsch

**Umfang.** Die deutschsprachige Literatur ist in dieser Studie mit fünf Arbeiten vertreten, und alle stammen aus den Jahren 1983 bis 1992. Drei davon betreffen Isotretinoin [s166, s150, s164], zwei sind Übersichten zu Arzneimittelwirkungen auf die männliche Fertilität [s165, s169]. Neuere deutschsprachige Originalarbeiten zu den vier Wirkstoffgruppen und zur Samenqualität wurden in den erreichbaren Datenbanken nicht gefunden. Das ist ein Befund der Suche und kein Beweis, dass es sie nicht gibt: Die Datenbank PubMed führt für die älteren Arbeiten nur englische Titel, und der deutsche Originaltitel wurde in keinem Fall abgerufen.

**Isotretinoin beim Menschen.** Vogt und Ewers (1985), erschienen im Hautarzt, untersuchten 20 männliche Freiwillige mit schwerer Acne conglobata, die zwölf Wochen lang 1 mg Isotretinoin pro Kilogramm Körpergewicht erhielten; untersucht wurde vor der Behandlung, nach der Behandlung und zwölf Wochen nach dem Ende, einschließlich Impulszytophotometrie der Spermien-DNA. Die PubMed-Titelzeile lautet „13-cis-Retinoic acid and spermatogenesis. Spermatological and impulse cytophotometric studies". Bei sonst gesunden Patienten blieb die Spermiendichte unverändert; bei Patienten mit früheren Gonadendefekten (einseitiger Kryptorchismus, Hypogonadismus, Varikozele) stieg die Spermienzahl am Therapieende signifikant (p < 0,05) und kehrte drei Monate später zum Ausgangswert zurück. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war am Therapieende leicht und zwölf Wochen nach dem Ende signifikant erniedrigt (p < 0,05); die Autoren halten das wegen der kurzen Halbwertszeit des Wirkstoffs für möglicherweise unabhängig vom Medikament. Die DNA-Messung zeigte keine signifikanten Veränderungen. Die Autoren schließen, kontrazeptive Maßnahmen für den Mann seien während der Behandlung nicht zwingend; das ist eine Aussage der Quelle und keine Empfehlung dieser Studie [s166]. Höting, Schütte und Schirren (1992), erschienen in Fortschritte der Medizin (Fortschr Med), behandelten 20 Patienten (21,4 ± 4,3 Jahre) mit ausgedehnter Acne conglobata sechs Monate lang mit 1 mg/kg/Tag (mittlere Tagesdosis 72,7 ± 9,8 mg). Ab dem vierten Behandlungsmonat stieg die mittlere Spermiendichte statistisch signifikant, bei unveränderter Morphologie und Motilität; ein Jahr nach Therapieende lagen alle gemessenen Parameter wieder auf den Ausgangswerten. Es wurden keine Hinweise auf einen negativen Einfluss auf die Spermatogenese gefunden; 13 Patienten wurden ein Jahr nachbeobachtet, ohne Akne-Rückfall [s150]. Beide Studien sind einarmig und klein. Sie sind die frühesten Verlaufsbeobachtungen mit Nachbeobachtung nach dem Absetzen in dieser Studie, und ihre Richtung (unveränderte Dichte bei Gesunden, Anstieg bei Vorschädigung, Rückkehr zum Ausgangswert) deckt sich mit den neueren türkischen Vorher-Nachher-Studien [s51, s100], die im Abschnitt zum türkischen Raum stehen. Wie viel davon Messschwankung und Abstinenzzeit widerspiegelt, lässt sich aus den Abstracts nicht entscheiden.

**Tierversuch und Übersichten.** Kühlwein und Schütte (1985), erschienen in der Zeitschrift Z Hautkr, gaben 30 Wistar-Ratten acht Wochen lang 40 mg/kg/Tag 13-cis-Retinsäure, eine toxische Dosis; 15 Tiere wurden sofort, 15 nach weiteren acht Wochen untersucht, dazu 20 Kontrolltiere. Alle 30 behandelten Tiere zeigten wie die Kontrollen lichtmikroskopisch eine normale Spermatogenese [s164]. Das steht im Gegensatz zu mehreren neueren Rattenstudien mit Schädigung [s50, s42, s61, s119] und zeigt, wie stark der Befund von Methode, Dosis und Beobachtungsdauer abhängt; hier wurde nur Lichtmikroskopie eingesetzt. Zwei Übersichten, Schill und Przybilla 1985 [s165] und Krause 1983 [s169], deren Abstracts keine Zahlen enthalten, rechnen nach diesen Abstracts Retinoide zu den überwiegend zytotoxisch wirkenden Stoffen für das Keimepithel beziehungsweise führen Antiandrogene unter den hormonellen Einflüssen auf. Daraus lassen sich keine Häufigkeiten ableiten.

**Zwei Behandlungsstudien mit Bezug zum deutschen Sprachraum.** Bals-Pratsch und Mitarbeiter (1992) führten in Deutschland eine doppelblinde Crossover-Studie mit 20 Männern durch (Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10 oder Placebo, drei Zyklen): keine Schwangerschaft unter Prednisolon oder Placebo, im Postkoitaltest bei 8 von 12 Männern wenig Besserung, Antikörpertiter bei 7 von 16 gesunken, Nebenwirkungen bei 8 Männern (7 unter Verum, 1 unter Placebo); fünf Partnerinnen wurden später nach Insemination (3) oder IVF (2) schwanger. Die Studie erschien in Human Reproduction und ist damit englischsprachig [s149]. Ulcova-Gallová und Mitarbeiter (2000; Universität Pilsen, Tschechien) werteten in der Zeitschrift Zentralbl Gynakol (die Sprache des Volltexts wurde nicht geprüft) 696 Paare aus, die drei Monate lang orales Prednison oder Dexamethason erhielten: Serum-IgG-Agglutinine verschwanden bei 3 von 11 Männern und 4 von 15 Frauen, im Seminalplasma wurde IgG bei 57,8 % und IgA bei 38,9 % stark beeinflusst; Schwangerschaftszahlen nennt der Abstract nicht [s138].

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Eine AWMF-Leitlinie zu den vier Wirkstoffgruppen wurde nicht geprüft, weil das AWMF-Leitlinienregister eine Single-Page-Anwendung ist, deren Such-Schnittstelle nur die leere Hülle lieferte; deshalb kann hier weder gesagt werden, dass es eine einschlägige deutsche Leitlinie gibt, noch dass es keine gibt. Ein deutsches Register mit Samenparametern unter diesen Arzneimitteln wurde nicht gefunden. Die internationalen Leitlinien [s40, s06] gelten auch für den deutschen Sprachraum; sie sind im englischen Abschnitt beschrieben. Der Zugang zu den deutschsprachigen Arbeiten bestand nur über PubMed-Einträge (Europe PMC, E-utilities), nicht über die Volltexte der Zeitschriften.

### Französisch

Die französischsprachige Literatur zu dieser Frage besteht in den abgerufenen Quellen aus zwei Arbeiten, und beide sind Übersichts- beziehungsweise Mechanismusarbeiten ohne eigene Kohorte.

**Corvol und Mitarbeiter 1976** (Nouv Presse Med; PubMed-Titel: „Sexual side-effects of spironolactones. Possible mechanisms of their anti-androgen action", deutsch: Sexuelle Nebenwirkungen der Spirolactone, mögliche Mechanismen ihrer antiandrogenen Wirkung) beschreiben, dass Spirolactone (Spironolacton, Kaliumcanrenoat) beim Mann eine Gynäkomastie bewirken können. Die akute intravenöse Gabe von Kaliumcanrenoat senkte beim Menschen das Plasma-Testosteron ohne Änderung der Gonadotropine, was auf eine gestörte Steroidbildung im Hoden hindeuten kann; an den Zielzellen hemmen Spirolactone die Androgenbindung am Rezeptor, ohne die 5-alpha-Reduktase der Prostata zu verändern [s180]. Es ist die älteste Arbeit zu Spironolacton und Hoden in dieser Studie. Sie macht keine Aussage über Spermienzahlen.

**De Almeida 1993** (Rev Prat; PubMed-Titel „Male infertility of immunologic origin and its treatment", deutsch: Männliche Unfruchtbarkeit immunologischer Ursache und ihre Behandlung) ist eine Übersicht, die ausdrücklich schließt, Kortikosteroide dürften bei immunologischer Infertilität nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]. Unter demselben Autorennamen stehen zwei englischsprachige Studien: eine unkontrollierte Dexamethason-Studie an 14 Männern mit Spermien-Autoantikörpern, in der Serum-Spermientoxizität und seminale Agglutinine bei 67 beziehungsweise 58 % unter die Nachweisgrenze fielen und drei Paare schwanger wurden [s174], und eine randomisierte Doppelblindstudie an 10 Männern mit Prednisolon (1 mg/kg/Tag über 9 Tage in drei Zyklen), die keinen signifikanten Effekt auf Fertilität, Serum-Antikörper oder Samenmerkmale zeigte [s162]. Ob es sich um dieselbe Person handelt, lässt sich aus den Quelldaten nicht prüfen; die Übereinstimmung beruht nur auf dem Namen. Die Übersicht von 1993 ist damit die klarste Absage an Kortikosteroide in dieser Literaturgruppe; sie ist über dreißig Jahre alt und stützt sich auf Studien, die noch älter sind.

**Einordnung.** Die neuere französische Beteiligung läuft über englischsprachige Arbeiten: Die beiden Übersichten zu häufig verordneten Arzneimitteln [s10, s96] stammen nach den Recherchenotizen aus einer Marseiller Arbeitsgruppe; ihre Abstracts nennen Spironolacton, Isotretinoin, Antihistaminika und Glukokortikoide nicht unter den Wirkstoffen mit guter Evidenz für Schäden. Die Datenbank HAL (offenes französisches Publikationsarchiv) war über die Schnittstelle erreichbar und lieferte für Isotretinoin, Spironolacton und Antihistaminika mit Sperma- oder Fertilitätsbegriffen (englisch und französisch) null Treffer, zu Glukokortikoiden zwei bis vier Treffer und zu Retinsäure und Spermatogenese 14 Treffer aus der Grundlagenforschung; fertilitätsbezogene Befunde zu den vier Wirkstoffgruppen waren darunter nicht. Die Plattform Cairn antwortete mit HTTP 403 und einer Skript-Prüfung und war nicht nutzbar. Eigene französische Leitlinien wurden nicht gefunden; ob sie existieren, ist damit nicht beantwortet. Die französischsprachige Literatur ist in dieser Studie also dünn und alt: Beide Arbeiten stammen aus den Jahren 1976 und 1993.

### Italienisch

**Keine Quelle in italienischer Sprache.** In den abgerufenen Quellen gibt es keine Arbeit, die auf Italienisch erschienen ist. Ein italienisches Andrologie-Buchkapitel (Springer Italia, 2010) war in Europe PMC erreichbar, enthielt dort aber nur Zusammenfassung und Literaturverzeichnis und ist nicht als Quelle geführt. Die Startseite der Società Italiana di Andrologia war erreichbar; Leitlinientexte zu den vier Wirkstoffgruppen waren dort nicht auffindbar.

**Italienische Arbeitsgruppen, englische Sprache.** Italien trägt dennoch mehrere Arbeiten bei, die auf Englisch veröffentlicht wurden. Die systematische Übersicht mit Metaanalyse zu Isotretinoin von Panunzio und Mitarbeitern 2026 (Autorenaffiliation: Zentrum für assistierte Reproduktion am Vito-Fazzi-Krankenhaus in Lecce) ist die umfassendste Zusammenfassung der Humanstudien; sie schloss sechs klinische Studien mit 225 Männern ein und fand bei Hautpatienten kleine Anstiege von Konzentration (+1,77 Mio./ml) und Vitalität (+3,74 %), ohne berichtete Einschränkung der Fertilität [s14]. Milardi und Mitarbeiter (2017) führten eine randomisierte multizentrische Studie mit 90 infertilen Männern durch, die eine Oligozoospermie, normales Hodenvolumen, normales FSH und Ultraschallzeichen einer Anhangsdrüsenentzündung bei negativer Mikrobiologie hatten; in drei Gruppen erhielten sie einen Monat lang Prednison in einer Tagesdosis von 5, 12,5 oder 25 mg. Bei 5 mg stieg die Gesamtspermienzahl signifikant, bei 12,5 mg stiegen Konzentration, Gesamtzahl und Motilität, bei 25 mg alle Parameter außer dem Volumen. Der Abstract nennt weder eine Placebo- oder Unbehandelten-Gruppe noch einen Schwangerschaftsendpunkt; die Autoren sprechen nur von einer ausgewählten Population [s94]. Francavilla und Mitarbeiter (1999) beschrieben in einer Übersicht die intrauterine Insemination als wirksam bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad, vor allem mit Kortikosteroid und Superovulation [s139]. Rago und Mitarbeiter (2024) fanden die Glukokortikoidrezeptor-Isoform GR-D3 in menschlichen Spermien, vermindert bei Varikozelenpatienten; Dexamethason erhöhte in vitro Überleben, Motilität, Kapazitation und Akrosomreaktion in gesunden und Varikozelen-Proben, Mifepriston bestätigte die Rezeptorvermittlung. Das ist ein Laborbefund und keine Behandlungsstudie [s45]. Seminara und Mitarbeiter (2026, endokrinologische Einheit in Catanzaro) berichteten über einen 38-jährigen Mann mit schwerer atopischer Dermatitis, früher Orchidopexie und primärer Infertilität, der unter dem JAK1-Hemmer Abrocitinib (200 mg/Tag) azoosperm war (FSH 12,3 mIE/ml) und drei Monate nach dem Absetzen 50 Mio./ml und ein FSH von 8,6 mIE/ml hatte, bei steigendem Inhibin B (58 auf 135 pg/ml). Das ist weder ein Antihistaminikum noch ein Glukokortikoid, und die Ursächlichkeit ist nicht belegt [s15].

**Zeitschriften.** In der Zeitschrift Arch Ital Urol Androl erschienen zwei der hier ausgewerteten Arbeiten, beide englischsprachig und beide nicht von italienischen Autoren: die Rattenstudie zu Isotretinoin aus der Türkei [s50] und die In-vitro-Studie an menschlichen Spermien aus Kolumbien [s22]. Der italienische Raum tritt hier also eher als Publikationsort denn als Forschungsstandort auf. Eigene italienische Kohorten oder Register mit Samenparametern unter den vier Wirkstoffgruppen wurden nicht gefunden.

### Portugiesisch

**Keine Studie in portugiesischer Sprache.** Zu den vier Wirkstoffgruppen wurde in den erreichbaren Datenbanken keine Studie gefunden, die auf Portugiesisch erschienen ist. Die portugiesischsprachige Fachliteratur ist hier ohnehin schlecht zu erreichen: Die Suchseite von SciELO antwortete mit HTTP 403, nur die Metadaten-Schnittstelle ohne Volltextsuche war erreichbar; LILACS und die Virtuelle Gesundheitsbibliothek lieferten eine Schutzseite mit Skript-Prüfung, die Programmierschnittstelle verlangte einen Schlüssel (HTTP 401). Die Recherche stützte sich daher auf Europe PMC und PubMed, wo nur wenige Zeitschriften der Region mit Abstract erschlossen sind. Dass in SciELO oder LILACS einschlägige Arbeiten liegen, ist nicht ausgeschlossen; es ist eine Lücke der Recherche und kein Beleg ihrer Abwesenheit.

**Arbeitsgruppen aus Brasilien und Portugal, englische Sprache.** Gruppen aus Brasilien und Portugal haben auf Englisch veröffentlicht. Silva und Mitarbeiter (2021, Reproduction) fassen die Wirkung von Antispermien-Antikörpern auf die männliche Fortpflanzungsfunktion zusammen, nennen eine Prävalenz von 2,6 bis 6,6 % bei infertilen Männern und bezeichnen Kortikosteroide als die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen [s73]. Zwei Tierstudien zu Glukokortikoiden stammen aus dem Raum: Silva und Mitarbeiter (2014, Andrology) untersuchten an Ratten die Entfernung der Nebennieren und Dexamethason; die Entfernung senkte die Hoden-Spermienzahl und die tägliche Spermienproduktion schon nach zwei Tagen, Dexamethason (5 µg/kg über 6 Tage) verhinderte den Zahlenverlust, aber nicht die Hodenschäden. Ein Mangel an Glukokortikoiden kann in diesem Modell also ebenfalls schaden [s108]. Hatamoto und Mitarbeiter (2006, Theriogenology) gaben Hunden Dexamethason (0,01 mg/kg/Tag über 7 Tage, um Stress nachzuahmen) zusammen mit Vitamin E; das Ejakulatvolumen sank, und die Lipidperoxidation im Seminalplasma stieg [s124]. Zwei Arbeiten zum H2-Blocker Cimetidin an der Ratte (Beltrame und Mitarbeiter 2017 und 2019, Asian J Androl und Front Endocrinol) berichten für 100 mg/kg über 52 Tage niedrigeres Testosteron, geringere Motilität, Anomalien des Flagellums und mehr DNA-Fragmentierung bei unbeeinflusstem Fertilitätspotenzial; Vitamin B12 verhinderte die Schäden [s90, s80].

**Fachzeitschriften mit brasilianischem Namen.** Zwei Arbeiten der Studie erschienen in Zeitschriften mit brasilianischem Namen, beide auf Englisch: die Mausstudie zu Dexamethason als Stressmodell in Braz J Biol [s23] (4 mg/kg über 21 Tage, geringere Spermienqualität, vor allem der progressiven Motilität, Hodenschäden und mehr Caspase 3 und 9) und die kleine Fallserie zu niedrig dosiertem Prednison nach Vasovasostomie in Int Braz J Urol [s47] (8 Männer; Median der Gesamtzahl motiler Spermien 0,15 auf 6 Mio.; keine Kontrollgruppe). Die Fallserie [s47] stammt aus den USA und steht im englischen Abschnitt; die Mausstudie [s23] stammt laut Affiliation aus Thailand. Beide werden hier nur als Beispiele für den Publikationsort geführt.

**Einordnung.** Der portugiesische Sprachraum liefert in dieser Studie keine eigenen Kohorten, Register oder Leitlinien. Die Beiträge sind Tier- und Übersichtsarbeiten.

### Spanisch

**Eine Quelle in spanischer Sprache.** Aus dem spanischen Sprachraum wurde eine einzige Arbeit in der Landessprache gefunden: Devoto und Madariaga (2011, Rev Med Chil), ein Fallbericht („Congenital adrenal hyperplasia causing male infertility. Report of one case", deutsch: Kongenitale Nebennierenhyperplasie als Ursache männlicher Unfruchtbarkeit, Bericht über einen Fall; der spanische Originaltitel wurde nicht abgerufen). Ein 29-jähriger Mann mit Azoospermie und 21-Hydroxylase-Mangel erhielt Betamethason; es kam zu normaler Hodenentwicklung und normaler Spermienzahl, später zweimal zu einer Spontanvaterschaft [s118]. Das ist der Ausgleich einer Hormonerkrankung und keine Wirkung des Glukokortikoids auf gesunde Hoden, und es ist ein Einzelfall.

**Arbeiten aus Lateinamerika, englische Sprache.** Mehrere Gruppen aus Lateinamerika haben auf Englisch veröffentlicht. Álzate Aristizábal und Cardona Maya (2025, Universität von Antioquia, Kolumbien) setzten Proben von 17 Männern Isotretinoin in vier Konzentrationen aus (22 nM, 660 nM, 66.000 nM, 660.000 nM) und maßen Motilität und Vitalität bis fünf Stunden und die DNA-Fragmentierung nach zwei Stunden. Die drei niedrigeren Konzentrationen beeinflussten die Parameter nicht signifikant; die höchste führte zu 100 % unbeweglichen und nicht lebensfähigen Spermien und zu mehr DNA-Fragmentierung. Die Autoren halten die klinisch erreichten Konzentrationen für deutlich niedriger als die toxische [s22]. Sánchez González und Mitarbeiter (2023, Querétaro, Mexiko) fanden, dass Hydrocortison das intrazelluläre Kalzium menschlicher Spermien schwach erhöhte und bei höheren Konzentrationen die Progesteronantwort hemmte; Angstsymptome waren mit der Samenqualität negativ korreliert [s57]. Oliva und Multigner (2006, Rosario, Argentinien) behandelten in einer offenen unkontrollierten Studie 55 Männer mit Leukozytospermie und ungeklärter Infertilität zwölf Wochen mit Ketotifen, einem Mastzellblocker: Die Leukozytenzahl sank nach vier Wochen stark, die Motilität besserte sich signifikant, und die Zahl normal geformter Spermien stieg nach acht Wochen signifikant; die Änderungen hielten mindestens vier Wochen nach dem Ende an [s126]. Auch das ist eine Behandlungsstudie, die nichts darüber sagt, ob gesunde Männer unter Antihistaminika Spermienschäden entwickeln.

**Spironolacton im Varikozelenmodell.** Zwei Rattenstudien zu Spironolacton im Varikozelenmodell erschienen in Actas Urol Esp [s105] und in Urology [s114] (je 24 Tiere, 20 mg/kg/Tag, eingesetzt als Angiogenesehemmer). Die Spermatogenese war beeinträchtigt, was die Autoren der Angiogenesehemmung und nicht der antiandrogenen Wirkung zuschreiben; die Gruppen sind sehr klein. Eine Aussage über Spironolacton in der Therapie des Mannes folgt daraus nicht.

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Eigene spanischsprachige Leitlinien oder Register zu den vier Wirkstoffgruppen wurden nicht gefunden. Die spanischsprachigen Datenbanken waren nur eingeschränkt nutzbar: Dialnet antwortete mit HTTP 200, zwischenzeitlich mit 503, lieferte aber keine Trefferliste; SciELO und LILACS waren wie im portugiesischen Abschnitt beschrieben nicht auswertbar. Für den spanischen Raum stützt sich die Recherche daher auf Europe PMC und PubMed. Die Aussage, die spanischsprachige Literatur sei dünn, gilt für das, was in diesen Datenbanken erreichbar ist.

### Chinesisch

**Lage.** Aus China (einschließlich Hongkong) stammen in dieser Studie 28 Arbeiten, mehr als aus jedem anderen Raum außer dem englischsprachigen. Fast alle sind auf Englisch in internationalen Zeitschriften erschienen. Für keine der vier Wirkstoffgruppen wurde in diesem Raum eine kontrollierte Studie am Menschen gefunden, die Spermienparameter oder Fertilität als Hauptfrage untersucht. Das Gewicht liegt auf drei Gebieten: Tierversuche zu Glukokortikoiden, Auswertungen von Meldedatenbanken und genetische Studien zu Allergie und Asthma. Diese Schwerpunkte sagen mehr über die Forschungsmethoden des Raums als über Patienten in China: Die Meldedaten stammen aus der US-amerikanischen Datenbank FAERS und teils aus der europäischen EudraVigilance, die genetischen Daten aus europäischen Kohorten.

**Meldedatenbanken.** Gong und Mitarbeiter 2026 (Front Pharmacol; Xiyuan-Krankenhaus, Peking) werteten FAERS (bis zum zweiten Quartal 2025) und EudraVigilance (Januar 2002 bis Oktober 2025) zu arzneimittelbedingter männlicher Infertilität aus: 1955 FAERS-Fälle und 1384 Fälle aus EudraVigilance; 19 Arzneimittel wurden in beiden Datenbanken bestätigt. Weder ein Glukokortikoid noch ein Antihistaminikum noch Isotretinoin noch Spironolacton gehört zu diesen 19. Spironolacton steht unter den zwölf Arzneimitteln mit positivem Dechallenge-Signal (Verschwinden der Meldung nach dem Absetzen), mit nur drei Fällen (ROR 10,72; 95-%-KI 3,42 bis 33,56). Die Gruppensignale nach ATC-Klasse sind erhöht für „Dermatika" (ROR 3,56) und systemische Hormonpräparate (ROR 1,83) und erniedrigt für Atemwegsmittel (ROR 0,28); weil diese Klassen viele andere Wirkstoffe enthalten, folgt daraus nichts für einzelne Substanzen [s08]. Ji und Mitarbeiter 2025 (Front Pharmacol; Guangzhou) verglichen in FAERS 8625 Meldungen zu Spironolacton mit Eplerenon und Finerenon; 837 Meldungen (8,01 %) zeigten sexualhormonbezogene Signale, am häufigsten Gynäkomastie (295 Fälle, ROR 19,90; 95-%-KI 17,74 bis 22,33). Unter den spermienbezogenen Begriffen standen Asthenospermie (n = 4, ROR 135,37), Oligospermie (n = 4, ROR 87,77) und abnorme Spermatogenese (n = 3, ROR 76,79) [s27]. Lin und Mitarbeiter 2025 (PLoS One) fanden in 8566 Spironolacton-Meldungen vor allem seltene Ereignisse; der Abstract nennt keine Spermien- oder Fertilitätsbegriffe [s29]. Alle drei Arbeiten nutzen dieselbe Datenbank und sind keine unabhängige Bestätigung; Meldedaten haben keinen Nenner, keine Kontrollgruppe, Mehrfachmeldungen und Meldeverzerrung, und ein ROR ist keine Risikoziffer. Bei Fallzahlen von drei bis sieben sind sehr hohe ROR-Werte typisch für die Methode und kein Effektmaß. Zeng und Mitarbeiter 2025 (Andrology; Xiamen) werteten 3210 Meldungen mit väterlicher Exposition aus 16.180.533 FAERS-Meldungen aus; im frei zugänglichen Volltext kommen Glukokortikoide, Antihistaminika und Spironolacton nicht vor, Isotretinoin nur mit einem Signal für „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung", also nicht mit einem Fertilitätsbefund [s35].

**Genetik und Umbrella-Review.** Zwei Studien mit Mendelscher Randomisierung prüfen Asthma und Spermienabnormitäten: Sun und Mitarbeiter 2026 fanden für Asthma einen positiven Zusammenhang mit abnormen Spermatozoen (OR 1,270; 95-%-KI 1,045 bis 1,545; P = 0,017) und einen negativen mit Gesamttestosteron (β −0,042) [s17]; Zhang und Mitarbeiter 2025 fanden für Kinderasthma keinen unabhängigen Zusammenhang (P = 0,14; 16 Einzelnukleotid-Polymorphismen) [s36]. Beide Studien messen genetische Veranlagung statt Arzneimittelexposition und stützen sich auf europäische Daten. Der Umbrella-Review von Wang und Mitarbeitern 2026 (Asian J Androl; West-China-Krankenhaus) bewertete 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen; nach GRADE waren 136 (54,6 %) sehr niedrig, 59 (23,7 %) niedrig und 54 (21,7 %) moderat. Glukokortikoide, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton kommen im Volltext nicht vor [s19].

**Glukokortikoide im Tierversuch.** Der größte Block ist die Arbeit der Pharmakologie der Wuhan University zu vorgeburtlicher Dexamethason-Exposition bei Ratten und Mäusen. Das Modell soll die in der Geburtshilfe übliche vorgeburtliche Glukokortikoid-Gabe nachbilden. Die Arbeiten betreffen verschiedene Zielgrößen: Testosteronsynthese über StAR und Histon-Acetylierung bei 0,2 und 0,8 mg/kg/Tag an den Trächtigkeitstagen 9 bis 20 [s86]; Mehrgenerationen-Befunde über miR-466b-3p und HDAC7 [s67]; geringere Spermienzahl und Beweglichkeit der erwachsenen Söhne bei 0,1, 0,2 und 0,4 mg/kg/Tag, mit niedrigerem CX43 und TBX2-Veränderungen [s54]; Blut-Hoden-Schranke und KDM1B-Signalweg in Woche 12 und 28, mit einer Teilstudie an menschlichen Proben, die nur eine Korrelation von Epigenom-Markern mit fetalem Testosteron zeigt [s43]; Sertoli-Zell-Funktion bei der Maus (0,2, 0,4, 0,8 mg/kg/Tag, Tag 14 bis 15 oder 16 bis 17), besonders bei später Gabe, hoher Dosis und mehrfacher Gabe [s28]; und eine Blockade des autophagischen Flusses in Spermatogonien (0,4 mg/kg zweimal täglich, Tag 18 bis 19) mit Rettung durch ML-SA1 oder CTSL-Überexpression [s11]. Hinzu kommt aus Hefei die einzige Arbeit mit Prednison: Trächtige Mäuse erhielten Prednison von Tag 0 bis 17; die Nachkommen hatten eine geringere Spermienzahl und Subfertilität, verbunden mit herunterreguliertem E2f1 und erhöhter m6A-Modifikation. Die Autoren bezeichnen Prednison als aufkommenden Umweltschadstoff [s18]. Aus Nanjing stammt ein Hypercortisolismus-Modell: Corticosteron im Trinkwasser über vier Wochen senkte bei erwachsenen Mäusen Testosteron und Spermienzahl, mit gestörter Phagozytose und gestörtem Laktatstoffwechsel der Sertoli-Zellen [s72]. Aus Shanghai: Dexamethason (0 bis 100 nM) hemmte in der Hodenkanälchenkultur die Differenzierung von Stammzellen der Leydig-Linie [s84]. Chronischer Stress ist Thema zweier Arbeiten mit körpereigenem Corticosteron [s21, s32]. Alle Wuhan-Arbeiten kommen von einer Gruppe mit demselben Grundmodell; unabhängige Replikation fehlt in den Quellen. Die Abstracts nennen praktisch keine Effektstärken, Konfidenzintervalle oder p-Werte, die Dosen sind nicht mit Humandosen vergleichbar, und das Ergebnis betrifft Nachkommen behandelter Muttertiere, nicht Männer, die selbst Glukokortikoide einnehmen.

**Das Gegenstück: Glukokortikoide als Schutz.** Chinesische Gruppen zeigen auch die Gegenrichtung. Methylprednisolon im Eber-Konservierungsmedium (Konzentration 2 × 10⁻⁷ mol/mL) hielt die Beweglichkeit am fünften Tag bei 57,33 % gegenüber 46,87 % in der Kontrolle [s53]; Dexamethason hemmte Chemotaxis und Phagozytose der Neutrophilen im Eber-Medium und verbesserte bei 1 × 10⁻⁶ mol/mL die Konservierung [s52]; Dexamethason mit Azithromycin verbesserte Ziegenspermien bei 4 °C [s34]. Nach Hodentorsion bei der Ratte senkte Hypothermie mit Dexamethason den Apoptoseindex im torquierten Hoden von 31,12 auf 8,60 [s110] beziehungsweise von 33,13 % auf 9,05 % [s106]. Das sind Tierspermien in vitro und Tierversuche mit Kombinationsbehandlung; sie zeigen, dass die Wirkrichtung vom Kontext abhängt (Entzündung und Ischämie gegen Dauerexposition in der Entwicklung), und erlauben keinen Rückschluss auf Männer.

**Menschen.** Cao und Mitarbeiter 2006 (Zhonghua Nan Ke Xue, National Journal of Andrology; chinesischer Volltext nicht abrufbar, nur englischer Abstract; Titel „[Effects of different immunodepressants on the sperm parameters of kidney transplant recipients]", deutsch: Wirkungen verschiedener Immunsuppressiva auf die Spermienparameter von Nierentransplantierten) verglichen 15 gesunde Männer mit 37 Nierentransplantierten, von denen 20 Tacrolimus (mit Mycophenolat-Mofetil) und 17 Ciclosporin A (mit Azathioprin) erhielten; alle 37 nahmen Prednison. Die Vitalität unterschied sich nicht (81,7, 79,4 und 83,8 %), die Rate abnormer Spermien (67,8 gegen 80,1 %) und die progressive Beweglichkeit (46,4 gegen 33,3 %) unterschieden sich zwischen den Calcineurin-Inhibitor-Gruppen. Die Studie vergleicht Calcineurin-Inhibitoren, nicht Glukokortikoide, und kann einen Prednison-Effekt weder belegen noch ausschließen [s123]. Wang und Mitarbeiter 2024 (Shanghai) fanden bei 35 Männern mit adrenogenitalem Syndrom (49 Spermiogramme) eine negative Korrelation des Ultraschall-Läsions-Scores mit Spermienkonzentration (rs = −0,83) und progressiver Beweglichkeit (rs = −0,56); Daten zur Glukokortikoid-Dosis nennt der Abstract nicht [s46]. Aus Hongkong stammt ein Fallbericht zu einem 33-jährigen Mann mit Lupus unter Prednisolon, der die Karenzzeit untersucht; früher erhaltenes Cyclophosphamid ist als gonadotoxisch beschrieben, der Prednisolon-Anteil lässt sich nicht herauslösen [s78]. Für Isotretinoin gibt es aus dem Raum keine Studie mit Spermienendpunkt: Eine Kohorte aus Guangzhou mit 351 Patienten (185 Männer) untersuchte Rezidivfaktoren nach Isotretinoin (25,9 % Rezidive bei median 20,0 Monaten Nachbeobachtung) und berichtet im Abstract weder Ejakulat noch Fertilität [s16]; eine Übersicht zur Retinsäure liefert nur Hintergrund [s49]. Zu Antihistaminika wurde nichts aus China gefunden.

**Datenbanken und Lücken.** Die chinesischen Datenbanken waren großteils nicht nutzbar: CNKI hatte keine Verbindung (curl-Code 000), Wanfang lieferte eine per JavaScript aufgebaute Seite ohne Trefferliste im Quelltext, bei CQVIP wurde nur die Startseite erreicht und keine Suche durchgeführt. Europe PMC indexiert keine chinesischen Volltexte; chinesische Suchbegriffe lieferten fast nur unspezifische Treffer. Chinesischsprachige Originalarbeiten ohne PubMed-Eintrag sind damit nicht erfasst, und diese Lücke ist erheblich. Bei den Trefferlisten zur Behandlung immunologischer Infertilität fielen Studien zur traditionellen chinesischen Medizin auf (nur als Titel gesehen, nicht als Quelle geführt); das ist eine Beobachtung zu Titeln und kein belegter Befund. Eine taiwanische Kohortenstudie zu väterlicher DMARD-Exposition wurde gesehen, aber nicht aufgenommen, weil ihr Abstract keine der vier Wirkstoffgruppen nennt.

### Japanisch

**Lage.** Aus Japan stammen acht Arbeiten, überwiegend auf Englisch. Der klinisch wichtigste Beitrag ist ein Design, das in den anderen Räumen fehlt: Hayashi und Mitarbeiter am Saitama Medical Center untersuchten, ob sich eine arzneimittelbedingte Störung der Samenqualität bessert, wenn das Medikament abgesetzt oder gewechselt wird.

**Antihistaminika.** Hayashi und Mitarbeiter 2006 (Int J Urol) berichteten über zwei Männer mit Heuschnupfen, 44 und 35 Jahre alt, unter Fexofenadin beziehungsweise Cetirizin; die Ehefrauen waren unauffällig, beide Männer hatten eine Spermienbeweglichkeit unter 10 %. Nach dem Absetzen der Antihistaminika kam es zu einer vollständigen Umkehr der Störung. Die Aussagekraft ist die von zwei Fällen: Zufall, Jahreszeit, die Allergie selbst und Begleitumstände sind nicht auszuschließen [s125]. Hayashi, Miyata und Yamada 2008 (Hum Fertil) werteten 1768 infertile Männer aus: 201 nahmen Medikamente bei beeinträchtigter Samenqualität ohne Samenwegsverschluss, Spermatogenesestörung oder hypogonadotropen Hypogonadismus; bei 165 davon ohne Hodenvorgeschichte waren H1-Rezeptor-Antagonisten das häufigste Medikament, gefolgt von Antiepileptika und Antibiotika. In der Interventionsgruppe (73 Männer, Medikament abgesetzt oder gewechselt) lag die Besserungsrate der Samenqualität bei 93 % und die Konzeptionsrate bei 85 %, in der Kontrollgruppe (92 Männer, Medikament nicht absetzbar) bei 12 % und 10 %; bis zur Konzeption vergingen nach dem Wechsel 7,3 Monate. Die Zuteilung folgte der Möglichkeit, das Medikament abzusetzen, und nicht dem Zufall; wer absetzen konnte, unterscheidet sich vermutlich systematisch von dem, der es nicht konnte. Der Abstract nennt weder den Anteil der H1-Blocker je Gruppe noch Konfidenzintervalle, und die Grunderkrankung bleibt als Störgröße. Die Studie sagt, dass H1-Blocker in dieser Untergruppe zu den häufigsten Medikamenten zählten, nicht, wie oft sie die Ursache waren [s121]. Beide Arbeiten stammen aus derselben Abteilung und sind in den abgerufenen Quellen die einzigen menschlichen Daten zu modernen H1-Blockern; Replikation durch andere Gruppen fehlt.

**Glukokortikoide.** Tanaka und Mitarbeiter 2018 (Reprod Med Biol; Kobe) berichteten über zwei Patienten mit adrenogenitalem Syndrom und Hodentumoren aus Nebennierengewebe: Bei einem besserte sich das Spermiogramm unter oraler Glukokortikoid-Gabe von Oligoasthenozoospermie zu Normozoospermie, beim anderen, ursprünglich azoosperm, traten Spermien im Ejakulat auf; Zahlen nennt der Abstract nicht [s88]. Shibahara und Mitarbeiter 2005 (Reprod Med Biol; Jichi Medical School) ordnen die Behandlung bei Antispermien-Antikörpern ein: Bei auffälligem Hemizona-Index erscheine ICSI als primäre Behandlung vernünftig, bei normalem Index kämen zeitgesteuerter Verkehr oder intrauterine Insemination in Frage; der Abstract erwähnt Glukokortikoide nicht [s129]. Ein Projektbericht der Niigata University (KAKENHI 16K20178; Titel „ステイロド投与がNR3C1発現上昇無精子症の造精機能に与える影響", deutsch: Wirkung einer Steroidgabe auf die Spermatogenese bei Azoospermie mit erhöhter NR3C1-Expression) gab Mäusen Dexamethason 1 mg/kg von Tag 1 bis 5 und fand keinen Unterschied der Samenbefunde, der Blastozystenrate nach In-vitro-Fertilisation am Tag 60 und der Immunfärbung von NR3C1 und BCL2. Es ist ein Projektbericht und keine begutachtete Veröffentlichung; Gruppengrößen, Zahlen und Statistik fehlen im abgerufenen Text [s81]. Miyaso und Mitarbeiter 2022 gaben neugeborenen Mäusen vom 1. bis 10. Lebenstag Corticosteron (0,36, 3,6 und 36 mg/kg). Der Durchmesser der Samenkanälchen betrug am Lebenstag 10 bei Kontrolle, niedriger, mittlerer und hoher Dosis 91,76, 77,95, 94,31 und 79,81 µm; die Zahl der Sertoli-Zellen war bei niedriger und mittlerer, nicht aber bei hoher Dosis signifikant erniedrigt, am Tag 70 bei der niedrigen Dosis zusammen mit niedrigerer Spermienzahl (Zahlen nur in Abbildungen) [s68]. Die Folgestudie 2025 (0,36 mg/kg, mit dem Glukokortikoidrezeptor-Antagonisten RU 486) fand eine verminderte Sertoli-Zell-Zahl am Tag 10, die RU 486 aufhob; RU 486 allein verringerte unerwartet die Sertoli-Zell-Zahl [s30]. Die Neugeborenenphase der Maus entspricht nicht einer Therapie beim erwachsenen Mann, Corticosteron ist das körpereigene Glukokortikoid der Nager, und das nicht gleichsinnige Dosismuster erschwert die Deutung. Eine Übersicht zu Infertilität bei Männern mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung aus Saitama nennt Sulfasalazin als fertilitätsmindernd und die übrigen Medikamente nicht wesentlich beeinflussend; Glukokortikoide werden im Abstract nicht einzeln genannt [s101].

**Isotretinoin und Spironolacton.** Aus dem japanischen Raum wurde keine Studie zu Isotretinoin oder Spironolacton mit Spermienendpunkt gefunden.

**Datenbanken.** Die japanischen Datenbanken waren teilweise nutzbar. Die Suchseite von J-STAGE lieferte serverseitig erzeugte Trefferzahlen (zum Beispiel 1.888 für „ステロイド 精子", 52 für „副腎皮質ステロイド 造精機能", 16 für „抗ヒスタミン薬 男性不妊", 68 für „イソトレチノイン" und 135 für „スピロノラクトン 精子"); die Trefferlisten bestanden überwiegend aus Kongress- und Zeitschriftenverzeichnissen, und Artikelseiten alter Kongressabstracts enthielten nur Titel, Autoren und Schlagwörter. Die Web-Schnittstelle von J-STAGE antwortete mit dem Fehlercode ERR_001. CiNii Research war über eine offene Schnittstelle erreichbar, verknüpft Suchwörter aber streng mit UND, sodass Mehrwortabfragen oft null Treffer liefern; nur ein Treffer (der KAKEN-Projektbericht [s81]) hatte einen abrufbaren Ergebnistext. Die Nationalbibliothek-Suche (NDL Search) war nicht erreichbar. Nur als Titel abrufbar und deshalb nicht als Quelle geführt waren ein Kongressabstract von 2007 zur arzneimittelbedingten Spermatogenesestörung aus der Saitama-Gruppe, ein Kongressabstract von 2001 zum Einfluss von Dexamethason auf die Apoptose von Rattenkeimzellen und ein Fallbericht von 1980 („ステロイド療法により妊娠に成功した抗精子抗体保有不妊症男子の1例", deutsch: Ein Fall eines unfruchtbaren Mannes mit Antispermien-Antikörpern, bei dem eine Schwangerschaft durch Steroidtherapie gelang). Die frühe japanische Literatur von 1980 bis 2000 ist damit nur über Metadaten erschließbar.

### Koreanisch

**Sehr dünne Lage.** Aus Korea wurden nur zwei Arbeiten aufgenommen, und keine untersucht eine der vier Wirkstoffgruppen am Menschen. Park und Kim 2020 (World J Mens Health; Haeundae Paik Hospital, Busan) ist eine Übersicht zu sexueller Dysfunktion und Fertilitätsproblemen bei Männern mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung; der Abstract hebt Sulfasalazin hervor, daneben Rauchen, Alkohol, Essgewohnheiten und die Proktokolektomie mit ileoanalem Pouch, und nennt Glukokortikoide nicht einzeln [s77]. Park und Mitarbeiter 2025 (Ecotoxicol Environ Saf; Chung-Ang University) untersuchten an Mäusen Bisphenol A, nicht Antihistaminika: Kontrolle, 5 mg/kg und 50 mg/kg über sechs Wochen, je 30 Tiere. In der höheren Gruppe stieg die von Mastzell-Tryptase vermittelte Rezeptoraktivierung, die Keimzellapoptose nahm zu, Spermienkonzentration und Beweglichkeit sanken; Bisphenol A führte zu übermäßiger Mastzellaktivierung und Histaminbildung mit geringerer Expression steroidogener Enzyme und niedrigerem Testosteron. Das zeigt lediglich, dass Histamin und Mastzellen im Hodengewebe biologisch relevant sein können; ein Rückschluss auf Antihistaminika ist nicht möglich [s31].

**Zeitschriften.** Zwei weitere Arbeiten der Studie erschienen in World J Mens Health (die Übersicht zu Antispermien-Antikörpern mit weltweiter Umfrage [s65]) und in Korean J Urol (ein Fallbericht, in dem eine sechsmonatige Kortikosteroidbehandlung bei Nebenhoden-Sarkoidose den Granulomherd auflöste und die Spermienzahl in den Normbereich stieg [s109]). Die Herkunft der Autoren dieser beiden Arbeiten ist aus den Quellendaten nicht belegt; sie werden hier nur als Publikationsorte genannt.

**Datenbanken.** Die koreanischen Datenbanken waren in dieser Recherche nicht abfragbar: Die Startseite von KCI antwortete, die Such-URL lieferte aber eine Liste ohne Bezug zum Suchwort; bei KoreaMed lieferten die Such-URL-Varianten keine Trefferliste; DBpia und KISTI Scholar waren nicht erreichbar, RISS leitete auf eine Anmeldung um. Die Lücke ist deshalb eine Recherchelücke und nicht der Beleg, dass nichts existiert. Eine eigenständige koreanische Evidenz zu den Fragestellungen konnte nicht gefunden werden.

### Russisch

**Lage.** Aus dem russischsprachigen Raum wurden drei Arbeiten aufgenommen, alle mit englischem Abstract in PubMed beziehungsweise Europe PMC: zwei aus der Sowjetzeit (1989, 1991) und eine aus dem Jahr 2016. Alle drei betreffen Glukokortikoide oder Cortisol; zu Isotretinoin, Antihistaminika und Spironolacton wurde in russischen Quellen nichts gefunden. Die russischen Originaltitel und die Volltexte wurden nicht abgerufen; die Titel liegen in Europe PMC nur in englischer Übersetzung vor, die hier mit deutscher Übersetzung wiedergegeben wird. Hinzu kommt eine Übersicht aus Kasachstan und der Türkei [s48].

**Die Arbeiten.** Zagarskikh und Mitarbeiter 2016 (Klin Lab Diagn; Sankt Petersburg und Irkutsk; Titel „The application of glucocorticoid hormones for correction of spermatogenesis in males with endocrine-dependent forms of infertility", deutsch: Die Anwendung von Glukokortikoidhormonen zur Korrektur der Spermatogenese bei Männern mit endokrin bedingten Formen der Unfruchtbarkeit) beschreiben Dexamethason in Tagesdosen von 0,25 bis 1,5 mg, je nach Ausmaß der hormonellen Veränderungen, bei Männern in zwei Altersgruppen (21 bis 35 Jahre, n = 45; 36 bis 45 Jahre, n = 30). Bei Männern mit Hyperandrogenismus der Nebennieren habe die Glukokortikoid-Gabe Spermiogramm und Nebennierenhormone gebessert, ohne Nebenwirkungen. Der Abstract nennt weder eine Vergleichsgruppe noch Zahlen; die Aussage „keine Nebenwirkungen" ist ohne Messmethode und Nachbeobachtungsdauer wenig belastbar, und die Population hat eine spezielle Ursache [s103]. Kukhtevich und Mitarbeiter 1991 (Terapevticheskii arkhiv; Titel „Pathospermia in patients with glomerulonephritis and rheumatoid arthritis treated by immunodepressants: the possibilities of its correction with zinc and parlodel", deutsch: Pathospermie bei Patienten mit Glomerulonephritis und rheumatoider Arthritis unter Immunsuppressiva, Möglichkeiten der Korrektur mit Zink und Parlodel) untersuchten zwei Gruppen von Patienten (16,5 bis 31 Jahre) mit Pathospermie unter Immunsuppressiva. Fünf von sechs Patienten der Glomerulonephritis-Gruppe und alle der Rheuma-Gruppe waren azoosperm. Unter Zink (30 bis 90 mg täglich) und Parlodel (2,5 mg/Tag) über 2 bis 23 Monate besserte oder normalisierte sich die Spermatogenese bei je zwei Patienten pro Gruppe; von den acht Nichtansprechenden erhielten sieben Glukokortikoide und Zytostatika, von den vier Ansprechenden nur zwei Zytostatika. Die Studie trennt Glukokortikoid- und Zytostatika-Wirkung nicht und ist mit acht refraktären und vier ansprechenden Patienten ein sehr schwacher Hinweis [s152]. Mazo und Mitarbeiter 1989 (Urologiia i nefrologiia; Titel „The role of disorders of mineralocorticoid function of the adrenal glands in the development of infertility in patients with left-side varicocele", deutsch: Die Rolle von Störungen der Mineralokortikoid-Funktion der Nebennieren bei der Entstehung der Infertilität bei Patienten mit linksseitiger Varikozele) untersuchten 55 Patienten mit linksseitiger Varikozele; der Abstract berichtet eine Tendenz zur Hypersynthese von Aldosteron und Cortisol und eine Korrelation zwischen dem Cortisolspiegel im peripheren Blut und dem Anteil von Spermien mit abnormer Kopfstruktur; die Autoren folgern einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Nebennierenfunktionsstörung und Infertilität bei Varikozele. Es geht um körpereigenes Cortisol, nicht um Kortison als Medikament; Korrelationskoeffizienten und p-Werte stehen nicht im Abstract, und „ursächlich" ist aus einer Korrelation nicht ableitbar [s155]. Die Übersicht von Yessirkepov und Mitarbeitern 2024 (Rheumatol Int; Kasachstan und Türkei) zitiert für Männer mit rheumatoider Arthritis eine Studie, in der Patienten ohne Steroide normales Testosteron bei erhöhten FSH- und LH-Werten hatten und die Steroidgruppe zusätzlich erniedrigtes Testosteron; hochdosierte Kortikosteroide könnten die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse stören, es gebe jedoch nicht genug Daten für einen Einfluss auf die männliche Fertilität. Die Übersicht ist narrativ, ohne eigene Suchstrategie und ohne eigene Primärdaten [s48].

**Muster.** Die russische Beteiligung betrifft endokrine Pathogenese (Nebennierenandrogene, Cortisol), nicht Arzneimittelsicherheit bei gesunden Männern. Die Beobachtungen sind unkontrolliert und im Abstract ohne Zahlen [s103], die Gruppen sehr klein [s152]. Die russischsprachige Literatur zur männlichen Infertilität insgesamt ist groß: In der Suche nach russischsprachigen Arbeiten erschienen 126 Treffer, von den 50 eingesehenen Titeln betrafen die meisten Antioxidantien, Varikozele und Nahrungsergänzung; weitere Arbeiten zu den vier Wirkstoffen waren unter den eingesehenen Titeln nicht. Ein Treffer der kyrillischen Suche nach „Glukokortikoide" betraf Nebennieren-Steroidprofile bei sekundärer Amenorrhö und damit keine Spermien.

**Datenbanken.** Die muttersprachlichen Datenbanken waren nicht nutzbar. CyberLeninka antwortete, lieferte aber für jede Anfrage null Treffer, auch für allgemeine Begriffe wie „мужское бесплодие"; vermutlich blockiert die Seite automatisierte Abfragen, und die Ergebnisse wurden nicht verwendet. Bei eLIBRARY.ru erschien eine Fehlerseite („unzureichende Rechte oder abgelaufene Sitzung"); eine Anmeldung wurde nicht versucht. Europe PMC lieferte für russische Suchbegriffe praktisch keine Treffer; gefunden wurde nur über den Filter für russische Sprache und über englische Titel in eckigen Klammern. Es ist wahrscheinlich, dass in CyberLeninka und eLIBRARY.ru weitere einschlägige Arbeiten liegen; das ist eine Lücke der Recherche und kein Beleg für ihr Fehlen. Leitlinien oder Register des russischen Raums wurden nicht gefunden.

### Arabisch

**Lage.** Aus dem arabischen Raum (Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Vereinigte Arabische Emirate) tragen 14 Arbeiten die Kennung. Sie sind durchweg auf Englisch erschienen; arabischsprachige Primärliteratur wurde nicht gefunden (arabische Suchbegriffe lieferten in Europe PMC keine Treffer, und der Filter für arabische Sprache fand nur einen Eintrag von 1959 ohne Bezug). Das Bild ist durch ein Muster geprägt: Das Medikament dient in den Tierversuchen als Schadensmodell, und getestet wird ein Gegenmittel, meist ein Pflanzenstoff.

**Menschen.** Aus Kuwait stammt die älteste Humanstudie zu niedrig dosiertem Prednisolon: Omu und Mitarbeiter 1996 gaben 40 Männern mit Antispermien-Antikörpern 3 bis 6 Monate lang täglich 5 mg Prednisolon, 37 Männer mit Antikörpern bildeten die Kontrollgruppe; die Motilität und der hypoosmotische Schwellungstest besserten sich, die Schwangerschaftsrate lag bei 20 % gegenüber 5 % (p < 0,01), Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Der Abstract beschreibt die Zuteilung nicht, die Signifikanzangabe zum Schwellungstest ist in sich widersprüchlich, Konfidenzintervalle fehlen, und die Studie sagt nichts über Männer ohne Antikörper [s142]. Die H2-Blocker-Frage hat ein jordanischer Autor mehrfach an menschlichem Ejakulat untersucht, in vitro: Ranitidin an Proben von 31 Männern (0,1 bis 1,2 µg/ml) verminderte bei 0,6 bis 1,2 µg/ml Gesamt- und progressive Motilität sowie Vitalität (p < 0,05) und erhöhte die Kreatinkinase-Aktivität [s63]; Famotidin an 49 Proben (0,1, 1 und 10 mM) hatte keinen signifikanten Effekt auf Motilität (gesamt p = 0,8420, progressiv p = 0,9594), Vitalität (p = 0,6471) oder DNA-Integrität [s79]; eine Mini-Übersicht kam zu dem Schluss, Cimetidin scheine die Samenqualität ungünstig zu beeinflussen, bei Ranitidin und Nizatidin seien die Befunde uneinheitlich, Famotidin scheine sie nicht zu ändern [s99]. Das sind In-vitro-Studien mit Einzelkonzentrationen; der Abstract vergleicht sie nicht mit tatsächlich erreichten Spiegeln. Zu den modernen H1-Blockern für Allergien gibt es aus dem arabischen Raum keine Studie, die ihre Wirkung auf die Spermienqualität selbst prüft.

**Tierversuche mit Isotretinoin.** Khalil und Mitarbeiter 2024 (Jordanien; Curr Drug Discov Technol) gaben Ratten sieben Tage lang Isotretinoin in wechselnden Dosen; Spermienmenge und -qualität waren deutlich beeinträchtigt, die Geschlechtshormone nicht wesentlich verändert [s42]. Al-Shahed und Mitarbeiter 2022 (Ägypten; J Cell Mol Med) gaben 30 Ratten 1,0 mg/kg/Tag, teils mit Omega-3: Testosteron 1,54 (Kontrolle), 0,6 (Isotretinoin) und 1,1 ng/ml (mit Omega-3); LH 2,77, 6,9 und 4,31 ng/ml; Malondialdehyd 8,15, 28,11 und 13,54 nmol/g. Histologisch fanden sich unter Isotretinoin unregelmäßige Tubuli und verminderte Keimepithelhöhe; Spermiogramm-Parameter wurden nicht erhoben, die Gruppen sind klein (n = 6 laut Tabelle) [s61].

**Tierversuche mit Glukokortikoiden.** Aziz und Mitarbeiter 2024 (Ägypten; Mol Biol Rep) setzten 40 Ratten in acht Gruppen mit Dexamethason (7 mg/kg subkutan dreimal wöchentlich über einen Monat) unter anderem mit Propolis und Ginseng zusammen: Testosteron 2,62 (Kontrolle) gegen 1,05 ng/ml, individuelle Beweglichkeit 84,60 gegen 55,60 %, Spermienkonzentration 14,20 gegen 4,40 Mio./ml, Spermienanomalien 10,00 gegen 30,80 %; das Endkörpergewicht fiel von 272,00 auf 176,00 g, sodass ein Teil des Effekts Folge der Allgemeinbelastung sein kann (Einschätzung) [s39]. El-Azzazi und Mitarbeiter 2026 (Ägypten; BMC Vet Res) gaben 16 Kaninchenböcken (4 Gruppen zu je 4) Dexamethason 1, 2 oder 3 mg/kg intramuskulär über sieben Tage: dosisabhängig verminderte Gewichtszunahme, Testosteron, Sexualverhalten und Samenqualität, nach zwei Wochen teilweise Erholung bei 1 mg/kg, nicht bei 2 und 3 mg/kg; die Studie versteht Dexamethason ausdrücklich als Stressmodell [s07]. Zaki und Mitarbeiter 2023 (Ägypten und Saudi-Arabien; Vet World) verglichen an 72 Ratten in einem Antispermien-Antikörper-Modell vier Therapien: Der Antikörper-Index sank unter Azathioprin in Woche 2 und 4 signifikant (p ≤ 0,001), unter Dexamethason (2,25 mg/kg intramuskulär zweimal wöchentlich über 3 Wochen) in keiner Woche; histologisch zeigten die Dexamethason-Tiere multifokale Rupturen und schwere Schäden in vielen Samenkanälchen. Ein Rückschluss auf die Humanstudie aus Kuwait ist wegen anderen Modells, anderer Substanz und anderer Dosis nicht möglich [s60]. Eine Studie aus dem Iran (Nachbarregion, außerhalb der drei Räume) gab 40 Mäusen Dexamethason 5 mg/kg über 7 Tage; der Anteil normaler Tubuli fiel auf 46,32 gegenüber 81,93 % bei Sham-Tieren und stieg mit Nigella-sativa-Öl auf 60,54 % (Tabelle im abgerufenen Text spaltenweise verschoben, Zuordnung nicht vollständig gesichert) [s38].

**H1-Antihistaminika nur als Schutzsubstanz.** Drei Arbeiten geben ein H1-Antihistaminikum gegen einen anderen Hodenschaden: Desloratadin gegen Vancomycin-bedingte Hodentoxizität bei Ratten (Mekka) [s01], Rupatadin gegen Ischämie und Reperfusion im Hodentorsionsmodell (Minia) [s37], Desloratadin (5 und 10 mg/kg über 10 Tage) gegen Cisplatin-bedingte Nieren- und Hodenschädigung (Mansoura) [s58]. Sie zeigen, dass der Wirkstoff in diesen Modellen entzündliche und oxidative Marker senkte; ob er bei gesunden Tieren neutral ist, geht aus den Abstracts nicht hervor, und Spermienwerte der Gruppe mit Desloratadin oder Rupatadin allein werden nicht beziffert.

**H2-Blocker im Tierversuch.** Cimetidin (50 mg/kg über 52 Tage, 24 Ratten) führte zu ausgeprägter Atrophie der Samenkanälchen und ultrastrukturell veränderten Sertoli-Zellen, Vitamin B12 schützte weitgehend [s85]; ein irakisches Mausmodell mit Cimetidin (20 mg/kg über 38 Tage, 64 Tiere) zeigte Hodenschäden, gemildert durch Zwiebel-Anthocyan [s09]. Beide geben für die Cimetidin-Gruppe allein keine Spermiogrammwerte im Abstract an.

**Weitere Arbeiten aus der Region.** In der Quellenliste steht eine Studie aus dem Irak, die nur dem englischen Raum zugeordnet ist: Taiyeb und Mitarbeiter 2017 behandelten 241 Männer mit Antispermien-Antikörpern in drei Zyklen mit oder ohne Prednisolon; Behandelte hatten bessere Motilität (p < 0,001), und bei konventioneller IVF waren Befruchtung (p = 0,04) und klinische Schwangerschaft (p = 0,04) höher, bei ICSI nicht; absolute Zahlen nennt der Abstract nicht [s97]. Zur Ranitidin-Frage liegen zwei Arbeiten vor: eine systematische Übersicht iranischer Studien mit 26.324 infertilen Männern, die Ranitidin und Cimetidin unter den Faktoren nennt [s71], und eine Fall-Kontroll-Studie (Turk J Med Sci) mit 161 fertilen und 108 infertilen Männern, die einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Ranitidin-Einnahme und männlicher Infertilität fand; ihre Herkunft ist in den Quellendaten nicht belegt [s107]. Beide beruhen auf Befragung beziehungsweise Sekundärdaten, die Indikation (Magenbeschwerden) ist eine mögliche Störgröße. Zwei randomisierte Studien aus dem Iran prüften Ketotifen bei Asthenozoospermie (40 Paare; Motilität von 16,7 auf 21,4 %, p < 0,001) [s113] und nach Varikozelenoperation (103 Männer; kumulative Schwangerschaftsrate nach neun Monaten 41,17 % gegen 21,15 %) [s117]; das sind Behandlungsstudien mit einem Mastzellblocker.

**Datenbanken.** Arabische Datenbanken waren nicht nutzbar: Arab World Research Source (Mandumah) leitete weiter, ohne Inhalt zu liefern, vermutlich wegen einer Anmeldung. Die muttersprachliche Literatur wurde daher nicht erfasst; Leitlinien oder Register des arabischen Raums wurden nicht gefunden.

### Türkisch

**Lage.** 12 Arbeiten der Quellenliste tragen die Kennung Türkisch, fast alle auf Englisch in internationalen Zeitschriften. Isotretinoin ist der einzige Wirkstoff mit Humankohorten aus der Türkei; die Dermatologie ist der treibende Fachbereich. Bei den Glukokortikoiden dominieren Tierversuche, dazu kommt eine retrospektive Auswertung aus Izmir. Typisch ist, dass viele Arbeiten Schutzstoffe testen (Naringin, Glutathion, Traubenkern-Extrakt, INSL3) und das Medikament als Auslöser des Schadens verwenden.

**Isotretinoin beim Menschen.** Gurel und Mitarbeiter 2023 (Ann Med; Afyonkarahisar) führten eine prospektive Beobachtungsstudie bei Männern über 18 Jahre mit Akne durch (0,5 bis 1,0 mg/kg bis 120 mg/kg kumulativ). Ausgeschlossen waren unter anderem Männer mit Tabak- und Alkoholkonsum, systemischen Erkrankungen, früherer Hodenoperation oder diagnostizierter Infertilität; das Spermiogramm wurde vor und nach sechs Monaten von einer Person ausgewertet, die nicht wusste, ob die Probe vor oder nach der Therapie stammte. Teilnehmer laut Abstract und Tabelle: 46 Männer (mittleres Alter 22,76 Jahre); im Text werden zugleich 13 Abbrecher und ein Mann mit Azoospermie als ausgeschlossen genannt, wie sich das zur Zahl 46 verhält, ist nicht erklärt. Ergebnisse (vorher gegen nachher): Volumen 2,45 gegen 3,16 ml (p = 0,002), Konzentration 21,02 gegen 22,85 Mio./ml (p = 0,001), Gesamtzahl 51,45 gegen 73,87 Mio. (p < 0,001), progressive Motilität 35,67 gegen 38,46 % (p = 0,008), Vitalität 72,22 gegen 78,22 % (p = 0,003) und normale Morphologie 9,37 gegen 8,70 % (p < 0,001), also eine Verschlechterung. Bei den 12 Männern mit klinischer oder subklinischer Varikozele stieg die Konzentration stärker (20,00 auf 25,25 gegen 21,38 auf 22,00 Mio./ml, p < 0,001). Schwächen: ein Zentrum, keine Kontrollgruppe ohne Isotretinoin, hohe Abbruchzahl, unklare Fallzahl, kleine Varikozelen-Gruppe und ungewöhnlich kleine Standardabweichungen (zum Beispiel ± 2,10 bei einer Konzentration von 21,02 Mio./ml); die Autoren nennen selbst Einzelzentrum und geringe Fallzahl wegen der Pandemie [s51]. Çinar und Mitarbeiter 2016 (Cutan Ocul Toxicol; Ankara) behandelten 81 Männer mit schwerer oder therapieresistenter Akne sechs Monate lang mit einer Gesamtdosis von 120 mg/kg: Alle Spermiogramm-Parameter veränderten sich laut Abstract positiv (p < 0,05), die Hormone (Gesamt-Testosteron, FSH, LH) nicht signifikant; die Autoren schließen, der Effekt laufe nicht über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Einzelwerte stehen im Abstract nicht; der Morphologie-Befund, den Gurel und Mitarbeiter dieser Arbeit zuschreiben, ist im Abstract nicht zu prüfen [s100]. Eine Hypothese der türkischen Autoren lautet, Isotretinoin könne oxidativen Stress im Hoden, etwa bei Varikozele, senken; die Arbeit belegt das nicht selbst. Zwischen diesen Humanstudien (neutral bis positive Spermiogramm-Veränderungen) und den Tierversuchen (überwiegend Schädigung) besteht ein offener Widerspruch, den die Abstracts nicht auflösen.

**Isotretinoin: Meldedaten, Tierversuche, Randbefund.** Altınöz Güney und Koç 2026 (Cutan Ocul Toxicol; Giresun, Afyonkarahisar) analysierten die US-Datenbank FAERS (2004 bis 2024): 53.017 Isotretinoin-Meldungen, davon 1300 zu Fortpflanzung und Sexualität (59,7 % betrafen Frauen) und 34 Ereignisse mit signifikantem Signal; erektile Dysfunktion PRR 4,47 (95-%-KI 3,88 bis 5,14), 195 Meldungen; verminderte Libido PRR 3,63 (2,89 bis 4,54), 76 Meldungen; Libidoverlust PRR 4,56 (3,57 bis 5,84), 64 Meldungen. Signifikant waren auch Infertilität, Varikozele, Hodenschmerz und die Meldung auffälliger Spermien. Die Autoren nennen Untererfassung, Berichtsverzerrung und fehlende Kausalität; die Studie betrifft Meldungen und keine gemessene Spermienqualität [s02]. Gencoglan und Tosun 2011 (Manisa; 42 Ratten, 1 und 2 mg/ml/Tag über 21 Tage) fanden in der höheren Gruppe signifikant weniger Cyclin-D1- und E2F-positive Zellen und in beiden Gruppen mehr p53-positive Zellen; die Dosis ist nicht pro Körpergewicht angegeben [s119]. Cirakoglu und Mitarbeiter 2023 (Samsun, Ordu; 24 Ratten, 7,5 oder 30 mg/kg/Tag über vier Wochen mit vier Wochen Nachbeobachtung) fanden verminderte Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Tubulusdurchmesser und Keimepitheldicke, höheren Apoptoseindex und unveränderte Testosteronwerte [s50]. Ein Fallbericht aus Erzincan zu Dysurie unter Isotretinoin enthält keine Angaben zu Spermien oder Fertilität [s70].

**Glukokortikoide.** Aliyeva und Mitarbeiter 2007 (Türk Üroloji Dergisi, Izmir; Titel „Yüksek mikst antiglobulin reaksiyon değerinin infertil erkek hastaların tedavisinde kullanılan yardımcı üreme yöntemlerinin başarısı üzerine etkisi", deutsch: Der Einfluss eines hohen MAR-Wertes auf den Erfolg der assistierten Reproduktion bei infertilen Männern) werteten retrospektiv 69 infertile Männer mit hohem MAR-Wert aus: 87 Behandlungen (65 intrauterine Inseminationen, 18 ICSI, 4 IVF), 21 Männer (30,4 %) hatten vorher drei Monate Kortikosteroide erhalten. Schwangerschaften traten bei 15 Paaren ein (nach IUI 6,1 %, nach ICSI 50 %, nach IVF 25 %); die Kortikosteroid-Vorbehandlung beeinflusste das Ergebnis nicht (p > 0,05), der Anteil rauchender Männer war bei Paaren mit Schwangerschaft 53 % gegen 80 % ohne (p < 0,05). Die beiden Abstracts (türkisch, englisch) nennen leicht abweichende Prozentangaben (42,86 gegen 40 %; 53 gegen 53,3 %) und unterschiedliche Zeiträume; die Studie ist retrospektiv, ohne Angabe zu Dosis und Präparat, und sagt nichts über Männer ohne hohe Antikörperwerte [s122]. Die Tierversuche aus Adana, Aksaray und Balıkesir verwenden Glukokortikoide meist in hohen Dosen: Öztürk und Mitarbeiter 2026 (Aksaray; 35 Ratten, Dexamethason 7 mg/kg/Tag über 7 Tage) fanden verminderte Spermienbeweglichkeit, -konzentration und Kapazitation, niedrigeren Gesamt-Antioxidationsstatus und histopathologische Veränderungen in Niere und Hoden, gemildert durch Glutathion [s13]; Sur und Mitarbeiter 2023 (Balıkesir; 32 Ratten, Methylprednisolon 60 mg/kg als Einmalgabe) berichteten allgemeine Toxizität, wobei die Richtung der Spermienkonzentration im Abstract nicht angegeben ist [s59]. In den Rheuma-Modellen aus Adana mit Adjuvans-Arthritis führte die Erkrankung zu Hodendegeneration und niedrigerem Testosteron; Prednisolon senkte Entzündungsmarker, kehrte aber die strukturellen Hodenschäden nicht um (Mäuse; Prednisolon 10 mg/kg intraperitoneal) [s12], und bei Ratten brachte Prednisolon oder INSL3 allein eine teilweise, die Kombination eine breitere Besserung [s05]. Das Gewicht liegt dort auf der Erkrankung und dem Schutzstoff; der Effekt von Prednisolon bei gesunden Tieren wird nicht beziffert.

**Antihistaminika.** Aus der Türkei stammt die einzige Fexofenadin-Studie am Menschen: Cayan und Mitarbeiter 2002 (Asian J Androl) gaben 16 Männern mit idiopathischer Azoospermie oder Oligozoospermie Fexofenadin 180 mg/Tag über 4 bis 9 Monate; alle hatten eine Hodenbiopsie, 9 einen Mastzellindex von mindestens 1, 7 darunter. Es gab in keiner der beiden Gruppen einen signifikanten Unterschied der Gesamtzahl motiler Spermien vor und nach Behandlung und keine Spontanschwangerschaft [s135]. Das ist eine Behandlungsstudie mit einem Mastzellblocker und keine Sicherheitsstudie. Eine Suche in TR Dizin ergab keine einschlägige Arbeit zu Antihistaminika und Spermien („antihistaminik sperm": null Treffer). Zu Spironolacton wurde in türkischen Quellen keine Studie gefunden.

**Datenbanken.** Die Schnittstelle von TR Dizin (JSON) war erreichbar; Titel, Abstracts und Autoren waren abrufbar, Volltexte nicht. Die Suche nach „izotretinoin" ergab 157 Treffer, unter den eingesehenen Titeln keinen mit Bezug zu Spermien oder Fertilität; „izotretinoin sperm" ergab null Treffer. DergiPark verlangte eine Bestätigung „Sie sind ein Mensch" (Bot-Prüfung), die nicht umgangen wurde, und war nicht nutzbar. Es ist wahrscheinlich, dass dort weitere Arbeiten liegen; das ist eine Lücke der Recherche. Eine türkische Leitlinie oder ein Register zu den vier Wirkstoffgruppen wurde nicht gefunden.

Zum Abschluss, nicht nur für die Türkei: **Über alle zwölf Räume hinweg** zeigt sich dasselbe Bild: Die Literatur ist dünn, ungleich verteilt und überwiegend auf Englisch; eigene Kohorten und Register gibt es nur in wenigen Räumen (Dänemark, USA, Kanada, Japan, Türkei), und sie betreffen vor allem Isotretinoin. Für Glukokortikoide dominieren Tierversuche und kleine Behandlungsstudien bei Sonderindikationen; für Antihistaminika gibt es aus allen Räumen nur zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie zu modernen H1-Blockern, für Spironolacton keine kontrollierte Samenanalyse-Studie. Wo die muttersprachlichen Datenbanken (CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, CyberLeninka, eLIBRARY.ru, DergiPark, Mandumah, SciELO, LILACS) nicht erreichbar waren, ist die Lücke eine Lücke der Recherche und kein Beleg dafür, dass nichts existiert.

# Kapitel 05: Widersprüche, Grenzen der Evidenz, offene Fragen, Einordnung und Quellen

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zu Glukokortikoiden (Kortison und verwandte Wirkstoffe), Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton im Zusammenhang mit Spermienqualität und Fertilität ist nicht nur dünn, sondern auch in sich uneinheitlich. Fast jede Wirkstoffgruppe hat Studien, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Dieser Abschnitt stellt die wichtigsten Gegensätze nebeneinander und nennt, was sie nach Lage der Quellen erklären könnte. Erklärungsvorschläge, die nicht ausdrücklich von den Autoren der Studien stammen, sind als Einschätzung gekennzeichnet; sie sind Hypothesen und keine Befunde. Alle Zahlen stammen aus den Abstracts oder frei zugänglichen Volltexten der zitierten Arbeiten.

### Isotretinoin: unauffällige oder leicht höhere Spermienzahlen beim Menschen, Schädigung im Tierversuch

**Der Gegensatz.** Bei Männern mit Akne unter üblicher Dosierung (0,5 bis 1,0 mg/kg/Tag, kumulativ bis 120 mg/kg) zeigen kleine Vorher-Nachher-Studien unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen. In der türkischen Studie mit 46 Männern stieg die Konzentration von 21,02 auf 22,85 Mio./ml und die Gesamtzahl von 51,45 auf 73,87 Mio. pro Ejakulat, der Anteil normal geformter Spermien sank dagegen von 9,37 auf 8,70 % [s51]. Eine deutsche Studie mit 20 Freiwilligen fand bei sonst gesunden Männern unveränderte Spermiendichte; bei Männern mit früheren Gonadendefekten stieg die Zahl am Therapieende und kehrte drei Monate später zum Ausgangswert zurück [s166]. Eine zweite deutsche Studie (20 Patienten, sechs Monate) sah ab dem vierten Behandlungsmonat einen Anstieg der Dichte und ein Jahr nach Therapieende wieder die Ausgangswerte [s150]. Die Metaanalyse über die dermatologischen Kohorten (n = 167) ergab eine mittlere Konzentrationsdifferenz von +1,77 Mio./ml (p = 0,028) und +3,74 % bei der Vitalität (p = 0,009) bei niedriger bis moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz [s14].

Dem stehen mehrere Tierstudien mit Schädigung gegenüber. Bei Ratten waren nach 7,5 oder 30 mg/kg/Tag über vier Wochen Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Tubulusdurchmesser und Keimepitheldicke vermindert, der Apoptoseindex erhöht, und das trotz vier Wochen Nachbeobachtung [s50]. Eine ägyptische Rattenstudie mit 1,0 mg/kg/Tag über 21 Tage fand ein Serum-Testosteron von 0,6 gegenüber 1,54 ng/ml in der Kontrollgruppe und ein LH von 6,9 gegenüber 2,77 ng/ml [s61]. Bei der Wüstenrennmaus führten sechs Wochen 13-cis-Retinsäure zu nahezu vollständigem Stillstand der Spermatogenese, der sich zwölf Wochen nach dem Absetzen zurückbildete [s140]. Dagegen zeigten 30 Ratten nach acht Wochen mit 40 mg/kg/Tag, einer toxischen Dosis, lichtmikroskopisch eine normale Spermatogenese [s164].

Auch innerhalb der Humandaten gibt es Spannungen. Die dänische Querschnittsstudie (Preprint, ohne Peer-Review) fand bei 322 Isotretinoin-Anwendern gegenüber 4.065 Nichtanwendern eine mediane Gesamtspermienzahl von 125 gegenüber 145 Mio., nicht signifikant. Bei den Männern, die Isotretinoin mindestens zwei Jahre zuvor beendet hatten, lag der Median bei 119 Mio.; in der Gesamtgruppe der Anwender war Östradiol signifikant höher (85 gegenüber 81 pmol/l) [s04]. Beide Befunde sind mit der vollständigen Rückkehr zum Ausgangswert nach einem Jahr in [s150] nur bedingt vergleichbar, weil Design und Messzeitpunkte verschieden sind. Zum Hormonstatus: Bei Ratten fiel das Testosteron [s61], bei Männern blieben Testosteron und FSH in der Behandlungsserie nahezu unverändert (Testosteron 444 gegenüber 463 ng/dl, p = 0,34; [s26]); in der dänischen Studie fehlte bei Testosteron und LH jede Tendenz, bei FSH und Inhibin-B/FSH-Quotient zeigten sich kleine Verschiebungen [s04].

**Mögliche Erklärungen.**
- *Dosis und Dauer.* Die Tierstudien verwenden zum Teil Dosen von 7,5 bis 40 mg/kg/Tag [s50, s164] oder extrem hohe Konzentrationen im Reagenzglas: In der In-vitro-Studie mit Proben von 17 Männern blieb die Vitalität bei 22 nM, 660 nM und 66.000 nM unbeeinflusst, bei 660.000 nM waren alle Spermien unbeweglich und nicht lebensfähig [s22]. Die Autoren halten die klinisch erreichten Konzentrationen für deutlich niedriger. Die Dosis in [s61] entspricht nach Angabe der Autoren der mittleren therapeutischen Humandosis; diese Angabe wurde nicht überprüft, und die Behandlung dauerte nur 21 Tage.
- *Untersuchungsmethode.* Die einzige Tierstudie ohne Befund [s164] beruhte allein auf Lichtmikroskopie; die Studien mit Befund nutzten zusätzlich Elektronenmikroskopie, Biochemie oder Zählung der Samenzellen [s50, s61]. Feine Veränderungen können dem Lichtmikroskop entgehen (Einschätzung).
- *Ausgangslage.* Bei Männern mit früheren Gonadendefekten stieg die Zahl, bei Gesunden nicht [s166]. Bei Varikozele stieg die Konzentration stärker (20,00 auf 25,25 gegenüber 21,38 auf 22,00 Mio./ml) [s51]. Die türkischen Autoren vermuten, Isotretinoin könne oxidativen Stress im Hoden senken; das belegt ihre Arbeit nicht selbst.
- *Retinsäure als Zweischneidiges.* Retinsäure ist für Differenzierung der Spermatogonien und Beginn der Meiose notwendig [s14, s49]; Männer mit auffälligem Ejakulat hatten im Hodengewebe weniger 13-cis-Retinsäure (median 0,14 gegenüber 0,26 pmol/g; p = 0,04; sieben gegenüber 17 Männer) [s112]. Zugleich werden hohe Dosen als schädlich beschrieben [s49]. Beides zusammen ist mit einer Dosis-Wirkungs-Beziehung vereinbar, bei der sowohl Mangel als auch Überschuss ungünstig sind. Das ist eine Hypothese; ein Dosis-Wirkungs-Verlauf beim Menschen wurde nicht gemessen.
- *Messschwankung und Regression zur Mitte.* Die Effekte bei Gesunden sind klein, es gibt keine Kontrollgruppe, und Abstinenzzeit und Probenverlauf wurden nicht gesondert kontrolliert; in der Behandlungsserie bei infertilen Männern lagen die Ausgangswerte so niedrig (Median 2,5 Mio./ml), dass natürliche Schwankung eine Rolle spielen kann [s89] (Einschätzung).
- *Expositionsdefinition.* [s04] vergleicht eine heterogene Gruppe von Männern, die zu irgendeinem Zeitpunkt Isotretinoin angewendet hatten, mit Nichtanwendern, ohne Dosis und Dauer wie in den Vorher-Nachher-Studien zu kontrollieren; mögliche Störgrößen sind der Aknegrad und die Zeit seit der Behandlung.

**Ein weiterer scheinbarer Widerspruch: Meldesignal gegen Messung.** Die Auswertung der US-Meldedatenbank FAERS fand für Isotretinoin Signale für erektile Dysfunktion (PRR 4,47; 95-%-KI 3,88 bis 5,14; 195 Meldungen), verminderte Libido (PRR 3,63; 76 Meldungen) und Libidoverlust (PRR 4,56; 64 Meldungen), dazu auch Infertilität und „spermatozoa abnormal" [s02]. In der Metaanalyse berichtete keine der sechs Studien eine neu aufgetretene sexuelle Funktionsstörung oder eingeschränkte Fertilität [s14]. Beide Aussagen sind vereinbar: Die Studien messen Samenparameter, die Meldungen betreffen vor allem Sexualfunktion und kommen von einer ungezählten, nicht kontrollierten Population. Eine Meldedatenbank kann keine Häufigkeit angeben [s02]. Auffällig ist zudem, dass in zwei weiteren Meldedatenbank-Auswertungen Isotretinoin nicht als Fertilitätsrisiko erscheint: In [s08] erfüllt es nicht die Kriterien für die 19 in beiden Datenbanken bestätigten Arzneimittel, und in [s35] zeigt es nur ein Signal für „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung", kein Spermien- oder Fertilitätssignal. Die Datenbanken unterscheiden sich in Zeitraum, Ereignisdefinition und Fragestellung, sodass ein Widerspruch im strengen Sinn nicht vorliegt.

### Glukokortikoide bei Antispermien-Antikörpern: Nutzen in einigen, kein Nutzen in anderen Studien

Zu den Glukokortikoiden bei Antispermien-Antikörpern (ASA) gibt es eine ganze Reihe randomisierter oder kontrollierter Studien, die zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Die folgende Tabelle stellt sie zusammen; die Schwangerschaftsraten haben je nach Studie unterschiedliche Bezugsgrößen (je Mann, je Paar, je Zyklus).

| Quelle | Design und Dosis | Teilnehmer | Befund laut Abstract |
|---|---|---|---|
| Haas 1987 [s157] | randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert; Methylprednisolon 96 mg/Tag über 7 Tage, dreimal | 43 Männer | kein günstiger Effekt auf Samenparameter, Antikörper-Assays oder Fertilität |
| Hendry 1990 [s154] | doppelblinde Crossover-Studie; Prednisolon 20 mg zweimal täglich an den Zyklustagen 1 bis 10 | 43 Männer | 9 Schwangerschaften unter Prednisolon, 2 unter Placebo (nur eine bei tatsächlicher Placeboeinnahme) |
| Bals-Pratsch 1992 [s149] | doppelblinde Crossover-Studie; Prednisolon 40 mg/Tag an den Tagen 1 bis 10 | 20 Männer | keine Schwangerschaft unter Prednisolon oder Placebo; Nebenwirkungen bei 8 Männern |
| De Almeida 1985 [s162] | randomisiert, doppelblind; Prednisolon 1 mg/kg/Tag über 9 Tage | 10 Männer | kein signifikanter Effekt auf Fertilität, Serum-Antikörper oder Samenmerkmale |
| Lähteenmäki 1995 [s144] | randomisiert, Crossover; Intrauterine Insemination gegen zyklisches Prednisolon 20 mg | 46 Paare | IUI 9 Schwangerschaften gegen 1 unter Prednisolon (p = 0,04) |
| Omu 1996 [s142] | kontrolliert; Prednisolon 5 mg täglich über 3 bis 6 Monate | 40 behandelte, 37 Kontrollen | Schwangerschaftsrate 20 % gegen 5 % (p < 0,01) |
| Grigoriou 1996 [s141] | randomisierte Crossover-Studie; Kortikosteroid plus IUI gegen IUI allein | 36 Paare | pro Paar 16,13 % gegen 21,2 %, nicht signifikant |
| Curtis 1994 [s147] | Prednisolon 5 mg dreimal täglich über 3 Monate, unbehandelte Vergleichsgruppe | 36 behandelt, 17 unbehandelt | 6 Schwangerschaften (17 %) gegen 3 (18 %) |
| Alexander 1983 [s167] | kontrolliert, nicht randomisiert; Prednison | 24 Behandelte (5 Frauen, 19 Männer), 26 Kontrollen | 11 Behandelte (45 %) gegen 3 Kontrollen (12 %) schwanger (p ≤ 0,025) |
| Taiyeb 2017 [s97] | randomisiert; Prednisolon, drei Zyklen zu je 21 Tage, danach IVF oder ICSI | 241 Männer | bessere Motilität; Befruchtung, Embryoteilung und Schwangerschaft bei IVF höher, bei ICSI nicht |
| Aliyeva 2007 [s122] | retrospektiv; Kortikosteroid-Vorbehandlung über drei Monate bei 21 von 69 Männern | 69 Männer mit hohem MAR-Wert | Vorbehandlung beeinflusste das Ergebnis der assistierten Reproduktion nicht (p > 0,05) |
| Uehling 1978 [s177] | randomisiert; niedrig dosiertes Kortison gegen Schilddrüsenhormon | 38 Männer | Schwangerschaft nach 7 von 33 gegen 4 von 30 Zyklen (p = 0,5) |

Die Übersichten spiegeln diese Uneinheitlichkeit. Eine Übersicht von 2021 nennt Kortikosteroide die vielversprechendste unter wenigen Behandlungen [s73]; eine französischsprachige Übersicht von 1993 schließt dagegen, Kortikosteroide dürften nicht verwendet werden, weil die Ergebnisse die Nebenwirkungen nicht rechtfertigten [s148]. Eine Übersicht von 2004 beschreibt die Verfahren als teils nebenwirkungsreich, teuer, wenig wirksam oder widersprüchlich [s132]; eine Übersicht von 1999 sieht die IUI vor allem mit Kortikosteroid und Superovulation als wirksam bei niedrigem bis mittlerem Autoimmungrad [s139]. Die AUA/ASRM-Leitlinie rät, ASA-Tests nicht in die Erstabklärung der männlichen Infertilität aufzunehmen (Expertenmeinung) [s40].

**Mögliche Erklärungen.**
- *Sehr unterschiedliche Dosierungen.* Sie reichen von 5 mg Prednisolon täglich [s142] bis zu 96 mg Methylprednisolon täglich über sieben Tage [s157]; dazwischen liegen zyklische Stoßschemata an den Tagen 1 bis 10 des Zyklus der Partnerin [s154, s149]. Ob ein Schema wirkt, lässt sich aus den verstreuten Studien nicht ableiten.
- *Unterschiedliche Endpunkte.* Manche Studien messen Antikörperspiegel, andere Samenparameter, andere Schwangerschaft; die Antikörpertiter sanken teils, ohne dass Schwangerschaften folgten (kein Zusammenhang zwischen Titerabfall und Schwangerschaft in [s171]; Titerabfall mit Schwangerschaft in [s175]).
- *Kleine Studien.* Zehn bis 46 Männer oder Paare sind keine ausreichende Größe für seltene Ereignisse wie Schwangerschaften; Unterschiede von wenigen Fällen (9 gegen 2 [s154]; 9 gegen 1 [s144]) kippen mit einzelnen Ereignissen.
- *Studienaufbau.* Crossover-Studien setzen voraus, dass der Effekt zwischen den Phasen verschwindet; in [s154] fiel eine der beiden Schwangerschaften unter Placebo nicht in die Zeit tatsächlicher Placeboeinnahme. Die Zuteilung zur Kontrollgruppe ist in [s142] im Abstract nicht beschrieben; in [s122] sind die Gruppen nicht randomisiert.
- *Unterschiedliche Nachweisverfahren und Bezugsgrößen.* Die Schwangerschaftsrate ist mal je Behandeltem, einschließlich fünf Frauen [s167], mal je Paar [s141], mal je Zyklus [s141] angegeben; ein direkter Zahlenvergleich der Prozentwerte führt in die Irre.
- *Zeitgeschichte.* Der größte Teil der Studien stammt von 1978 bis 1996; sie folgen älteren Nachweisverfahren und einer Zeit, in der intrazytoplasmatische Spermieninjektion und moderne assistierte Reproduktion noch nicht verfügbar waren. Die Studie mit der größten Fallzahl fand Vorteile nur bei der konventionellen IVF und nicht bei ICSI [s97]; die türkische Auswertung fand bei ICSI die höchste Erfolgsrate (50 %, gegenüber 6,1 % nach IUI und 25 % nach IVF) und keinen Einfluss der Vorbehandlung [s122]. Das deutet darauf hin, dass das gewählte Verfahren der assistierten Reproduktion die Frage verschieben kann (Einschätzung).

### Nach Vasektomie-Rückverlagerung: Besserung in Beobachtungsstudien, Verschlechterung in der randomisierten Studie

Unkontrollierte Studien sahen Anstiege der Spermienzahlen unter Prednison. In einer Aktenauswertung bei 89 Männern mit vermuteter Anastomosenobstruktion stieg die Gesamtzahl motiler Spermien im Mittel um 10,5 Mio. [s75]; bei acht Männern mit mindestens 50 % Rückgang der Samenparameter stieg der Median der Gesamtzahl motiler Spermien unter 6 Wochen 5 mg Prednison von 0,15 auf 6 Mio. [s47]. Die randomisierte vierarmige Studie (75 Männer) fand dagegen keine Unterschiede der Spermienkonzentration und nach 12 Monaten Schwangerschaftsraten von 65 % in der Kontrollgruppe (n = 25), 67 % bei 5 mg (n = 23), 38 % bei Gabe nach Bedarf (n = 11) und 17 % bei 20 mg (n = 14); die Arme „hoch" und „nach Bedarf" wurden vorzeitig beendet, weil Zwischenergebnisse niedrigere Schwangerschaftsraten zeigten [s33].

Plausible Erklärungen sind die fehlende Kontrollgruppe in [s75] und [s47], die Auswahl der Männer nach dem Verlauf (sinkende Werte) und die Regression zur Mitte: Wer wegen fallender Werte behandelt wird, hat danach häufig auch ohne Behandlung bessere Werte (Einschätzung, im Befundbericht ebenso formuliert). Hinzu kommt der Endpunkt: Die Zahl motiler Spermien ist ein Ersatzzielwert, die Schwangerschaft das eigentliche Ziel. Zu beachten ist ferner, dass die Arme mit den schlechtesten Raten mit 14 und 11 Männern sehr klein waren, es keine Konfidenzintervalle im Abstract gibt und die Autoren selbst schließen, hochdosiertes Prednison senke die Schwangerschaftsrate unabhängig von der Spermienkonzentration [s33].

### Glukokortikoide: Schaden im gesunden Tier, Besserung im kranken oder gestressten Gewebe

Die Tierversuche zu Glukokortikoiden zeigen kein einheitliches Bild. Auf der einen Seite stehen Schädigungsbefunde. Dexamethason 7 mg/kg dreimal wöchentlich über einen Monat senkte bei Ratten die Spermienkonzentration von 14,2 auf 4,4 Mio./ml, die Beweglichkeit von 84,6 auf 55,6 % und das Testosteron von 2,62 auf 1,05 ng/ml, und die Spermienanomalien stiegen von 10,0 auf 30,8 % [s39]. Ähnliche Befunde berichten Studien bei Ratte, Maus, Kaninchen, Schafbock, Bulle und Hund [s13, s07, s38, s82, s23, s76, s128, s146, s124]; prenatale Exposition führte bei den erwachsenen Söhnen zu geringerer Spermienzahl und Beweglichkeit und höherer Fehlbildungsrate [s54, s43, s86, s67, s11]. In der Katze verschlechterte Prednisolon 1 mg/kg/Tag über 50 Tage den Anteil morphologisch abnormer Spermien im Nebenhoden (Cauda 56,7 gegenüber 35,8 %) [s62].

Auf der anderen Seite stehen Nullbefunde und Schutzbefunde. Bei Mäusen ergab Dexamethason 1 mg/kg an fünf Tagen keinen Unterschied in den Samenbefunden und keinen Unterschied der Blastozystenrate in der In-vitro-Fertilisation; das ist ein Projektbericht ohne Zahlen und ohne Peer-Review [s81]. Nach Hodentorsion senkte Dexamethason bei Ratten den Apoptoseindex der Keimzellen (Normaltemperatur: 31,12 mit Kochsalz gegen 13,52 mit Dexamethason; [s110]; in der Folgestudie 33,13 gegen 14,13 %; [s106]). Im Verdünnungsmedium für Eberspermien verbesserte Methylprednisolon die Beweglichkeit nach fünf Tagen von 46,87 auf 57,33 % [s53]; Dexamethason im Medium für Eber- und Ziegenspermien zeigte ähnliche Effekte [s52, s34]. Bei Mäusen mit Adjuvans-Arthritis senkte Prednisolon zwar Entzündungsmarker, kehrte aber die strukturellen Hodenschäden nicht um [s12], während bei Ratten mit demselben Modell Prednisolon allein oder INSL3 allein eine teilweise Besserung brachte [s05]. In menschlichen Spermien erhöhte Dexamethason im Labor Überleben, Motilität, Kapazitation und Akrosomreaktion [s45]. Beim adrenalektomierten Tier führte sogar der Glukokortikoidmangel zu sinkender Hodenspermienzahl, die niedrig dosiertes Dexamethason (5 µg/kg) verhinderte, ohne die Hodenschäden zu verhindern [s108].

Beim Menschen sind die Befunde ebenso doppeldeutig. Bei Fallberichten zur kongenitalen Nebennierenhyperplasie besserte sich die Samenqualität unter Glukokortikoid-Umstellung: etwa die Spermienkonzentration von 0,1 auf 98 Mio./ml unter Dexamethason und Hydrocortison [s120], dazu weitere Einzelfälle [s55, s118, s88]; bei Sarkoidose des Nebenhodens beziehungsweise des Hodens besserten sich Befunde unter hochdosierten Kortikosteroiden (zwei Fallberichte) [s109, s133]. In der Beobachtungsliteratur zur Langzeittherapie wegen chronischer Entzündung war dagegen das Testosteron in vielen Studien niedriger als bei Unbehandelten, ohne dass randomisierte Studien existieren [s92, s48].

**Mögliche Erklärungen.**
- *Kontext der Wirkung.* Glukokortikoide dämpfen Entzündung. Wo Entzündung den Hoden schädigt (Torsion, Arthritis, Nebennierenerkrankung, Konservierungsmedium mit Neutrophilen), kann das Medikament nützen; im gesunden Gewebe kann Dauerexposition die Steroidsynthese stören. Die chinesischen Medium-Studien betonen selbst, dass das Glukokortikoid dort als Entzündungshemmer auf Neutrophile wirkt und nicht über Hormonrezeptoren des Hodens; Rückschlüsse auf systemisch eingenommenes Glukokortikoid sind unzulässig (Einschätzung des Befundberichts).
- *Dosis.* Die Schädigungsstudien verwenden meist mg/kg-Dosen (1 bis 7 mg/kg Dexamethason [s07, s13, s39], 4 mg/kg [s23], 60 mg/kg Methylprednisolon einmalig [s59]); die Studie mit 5 µg/kg (Mangelmodell) verhinderte den Zahlenverlust [s108]. Eine Umrechnung auf menschliche Dosen ist nicht möglich.
- *Stress als Störgröße.* Mehrere Studien setzen Dexamethason ausdrücklich als Stressmodell ein [s07, s23]. In [s39] wog die Dexamethason-Gruppe am Ende 176 gegenüber 272 g in der Kontrollgruppe; der Effekt auf die Spermien kann teilweise Folge der Allgemeinbelastung sein (Einschätzung).
- *Zeitfenster.* Vorgeburtliche und neonatale Exposition [s54, s68, s11] wirkt in einer Entwicklungsphase, die mit einer Therapie beim erwachsenen Mann nichts zu tun hat.
- *Nicht gleichsinnige Dosismuster.* Bei neugeborenen Mäusen mit Corticosteron war der Samenkanälchendurchmesser an Lebenstag 10 bei niedriger (77,95 µm) und hoher Dosis (79,81 µm) geringer als in der Kontrolle (91,76 µm), bei mittlerer Dosis (94,31 µm) nicht [s68]. Ein einfacher Dosis-Wirkungs-Zusammenhang liegt dort nicht vor.
- *Grunderkrankung statt Medikament.* Bei den Fallberichten zur Nebennierenhyperplasie ersetzt das Glukokortikoid einen fehlenden Nebennierenhormon-Ausgleich; die Nebennierenrest-Tumoren im Hoden hängen eng mit der Spermienqualität zusammen (Korrelation des Ultraschall-Scores mit der Konzentration rs = −0,83, mit der progressiven Beweglichkeit rs = −0,56) [s46]. Das beantwortet nicht die Frage, was Kortison im gesunden Hoden tut.

### Antihistaminika: Schadenshinweis, Schutzbefund und Behandlungsversuch zugleich

**H1-Blocker.** Zwei japanische Fallberichte beschreiben Männer unter Fexofenadin beziehungsweise Cetirizin mit einer Beweglichkeit unter 10 %, die nach Absetzen vollständig zurückging [s125]. Eine retrospektive Serie derselben Abteilung fand unter 165 Männern ohne Hodenvorgeschichte H1-Antagonisten als häufigste Medikation; wer das Medikament absetzen oder wechseln konnte (n = 73), zeigte eine Besserung der Samenqualität in 93 % und eine Konzeption in 85 %, gegenüber 12 % und 10 % bei denen, die es nicht konnten (n = 92) [s121]. Andererseits verhinderte im Labor eine Vorbehandlung mit sehr niedrigen Dosen von Chlorpheniramin, Promethazin oder Diphenhydramin die spermizide Wirkung von Histamin auf menschliche Spermien [s131]. In Rattenmodellen anderer Hodenschäden senkten Desloratadin und Rupatadin Entzündungs- und Oxidationsmarker [s01, s37, s58]. Mastzellstabilisierende Substanzen wie Ketotifen und Ebastin besserten in kleinen Studien Samenparameter oder Schwangerschaftsraten [s160, s126, s113, s117, s137], Fexofenadin dagegen bei 16 Männern nicht [s135].

**Mögliche Erklärungen.**
- *Verschiedene Fragen.* Die Studien beantworten nicht dieselbe Frage. Fallberichte und Serie fragen, ob Absetzen die Samenqualität bessert; die Laborstudie fragt, ob ein H1-Blocker Histamin-Schäden verhindert; die Rattenmodelle fragen, ob ein H1-Blocker ein anderes Gift abmildert; die Ketotifen-Studien fragen, ob Mastzellhemmung bei Infertilität hilft. Keine davon prüft, ob ein H1-Blocker bei gesunden Männern die Spermienqualität verschlechtert.
- *Auswahl in der Serie.* Die Gruppenzuteilung folgte der Möglichkeit abzusetzen, nicht dem Zufall; der Abstract schlüsselt weder die Wirkstoffe noch die Unterschiede der Gruppen auf [s121]. Eine Besserung von 93 % gegen 12 % ist so groß, dass Selektionseffekte nicht ausgeschlossen werden können. Heuschnupfen selbst, Jahreszeit und Begleitumstände bleiben in den Fallberichten Störgrößen [s125].
- *Zwei Richtungen bei den Mastzellen.* Die Rolle des Histamins ist ambivalent: Im Mausmodell führte Bisphenol A zu übermäßiger Mastzellaktivierung und Histaminbildung mit sinkendem Testosteron [s31]; bei der Ratte verminderten H2-Blocker die Zahl der Nebenhoden-Mastzellen und waren mit schlechterer Spermienqualität verbunden [s127]. Cyproheptadin stimulierte bei alten Ratten die Spermatogenese [s182]. Ob zu viel oder zu wenig Mastzellaktivität schadet, ist nicht geklärt.

**H2-Blocker.** Hier sind die Unterschiede zwischen den Wirkstoffen am deutlichsten. Cimetidin wurde in einer kontrollierten Studie über sechs Wochen mit einer signifikant niedrigeren Spermienkonzentration verbunden (p < 0,05), Nizatidin und Placebo nicht [s158]; elf Männer mit Zwölffingerdarmgeschwür hatten unter Cimetidin eine niedrigere mittlere Spermienzahl als nach dem Absetzen [s172], während Ranitidin gegen Placebo bei 20 Männern keine Änderung von Hormonen oder Spermienkonzentration brachte [s170]; neun Patienten unter Langzeit-Cimetidin hatten bis auf einen Mann normale Zahlen [s161]. Im Labor verminderte Ranitidin bei 0,6 bis 1,2 µg/ml Beweglichkeit und Vitalität (31 Proben) [s63], Famotidin dagegen bei 0,1 bis 10 mM keine der gemessenen Eigenschaften (49 Proben) [s79], während eine ältere Arbeit für Cimetidin, Ranitidin und Famotidin eine dosis- und zeitabhängige Abnahme der Vitalität beschreibt [s134]. Eine Fall-Kontroll-Studie fand einen Zusammenhang zwischen Ranitidin-Einnahme und männlicher Infertilität [s107].

Mögliche Erklärungen: Cimetidin blockiert zusätzlich Androgenrezeptoren [s93]; die Substanzen sind pharmakologisch nicht austauschbar. Die Laborbefunde sind nicht auf Blutspiegel bezogen: Die Konzentrationen in [s79] liegen im Millimolbereich, die in [s63] im Mikrogrammbereich; die widersprüchlichen Famotidin-Befunde [s79, s134] lassen sich ohne Zahlen im Abstract von [s134] nicht abgleichen. Die Befragungs- und Fall-Kontroll-Befunde [s107, s71] leiden darunter, dass die Indikation (Magenbeschwerden) selbst eine Störgröße sein kann (Einschätzung des Befundberichts).

### Spironolacton: Erhalt der Spermatogenese in Hodenpräparaten, Signale in Meldedaten, Lücke bei Männern

Die einzigen direkten menschlichen Daten stammen aus Hodenpräparaten von trans Personen unter Östrogen. Dort fand sich aktive Spermatogenese in 53,3 % der Präparate unter Spironolacton gegenüber 8,7 % unter Cyproteronacetat (p < 0,001) [s20]; in einer zweiten Kohorte von 85 Transfrauen unter Östrogen und Spironolacton war die Spermatogenese in 28,2 % der Präparate vorhanden und nur in 8,2 % aktiv [s74]. Die FAERS-Auswertungen zeigen für Spironolacton einzelne spermienbezogene Begriffe mit sehr kleinen Fallzahlen (Asthenospermie n = 4, ROR 135,37; Oligospermie n = 4, ROR 87,77; abnorme Spermatogenese n = 3, ROR 76,79; jeweils nur die untere Grenze des Konfidenzintervalls angegeben) [s27]; in [s08] erscheint es unter den Dechallenge-Signalen (n = 3; ROR 10,72), gehört aber nicht zu den 19 in beiden Datenbanken bestätigten Hochrisiko-Arzneimitteln. Die beiden großen systematischen Übersichten zu häufig verordneten Arzneimitteln nennen Spironolacton in ihren Abstracts nicht unter den Substanzen mit guter Evidenz für Schäden [s10, s96]; die EAU-Leitlinie führt es dagegen unter den Ursachen einer medikamentös bedingten Androgenrezeptor-Blockade auf [s06].

Die Erklärung liegt im Aufbau der Studien: Die beiden Kohorten [s20, s74] haben keine unbehandelte Vergleichsgruppe, keine Dosisangaben (in [s74]) und geben Spironolacton nie allein, sondern immer mit Östrogen. Der Vergleich Spironolacton gegen Cyproteronacetat sagt etwas über die relative Wirkung unter Östrogen, nicht über die Wirkung auf Männer ohne Östrogen. Die FAERS-Zahlen beruhen auf drei bis vier Meldungen je Begriff; extrem hohe ROR-Werte bei sehr seltenen Begriffen sind typisch für diese Methodik und kein Effektmaß. Die drei chinesischen Spironolacton-Arbeiten [s08, s27, s29] nutzen dieselbe amerikanische Datenbank und sind keine unabhängige Bestätigung. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass beim Hund Testosteron und Östradiol nur bei 100 mg/kg, nicht bei 5 bis 10 mg/kg um 60 bis 75 % sanken [s176], und dass bei der Ratte 10 mg/kg Kalium und Spermienkonzentration in der Flüssigkeit der Cauda epididymidis senkten, Motilitätsbeginn und Fertilität aber unbeeinflusst blieben [s173]. Der Wirkmechanismus (Androgenrezeptor-Blockade) ist beschrieben [s180], seine Relevanz für Spermienzahl und Fertilität bei üblichen Dosen am Mann wurde nicht direkt untersucht.

### Erkrankung oder Medikament? Asthma, Rheuma, Lupus und Transplantation

Mehrere scheinbare Medikamenteneffekte lassen sich nicht von der Krankheit trennen. Bei 6.177 jungen Männern war selbstberichtetes Asthma mit einer niedrigeren Gesamtspermienzahl verbunden (Median 133 gegenüber 145 Mio.; adjustierter Koeffizient −0,18; 95-%-KI −0,33 bis −0,04), unabhängig vom Allergiestatus (β −0,27 mit und −0,27 ohne Allergie); die Asthmamedikation war wegen n = 33 nicht gesondert auswertbar [s56]. Im Rattenmodell senkte allergisches Asthma Spermienkonzentration und Motilität [s64]. Eine Mendelsche Randomisierung fand für Asthma einen Zusammenhang mit abnormen Spermatozoen (OR 1,270; 95-%-KI 1,045 bis 1,545; p = 0,017) und mit niedrigerem Gesamttestosteron [s17], eine andere für Kinderasthma keinen unabhängigen Risikofaktor (p = 0,14) [s36]. Die beiden genetischen Studien widersprechen sich teilweise; beide nutzen europäische Daten und messen Veranlagung, nicht Arzneimittelexposition. Bei Nierentransplantierten unter Prednison hing die Spermienqualität vom Calcineurin-Inhibitor-Schema ab (abnorme Spermien 67,8 % unter Tacrolimus-Schema gegenüber 80,1 % unter Ciclosporin-Schema), während alle Prednison erhielten und die Vitalität sich nicht von gesunden Kontrollen unterschied [s123]. Beim Lupus-Fallbericht war die Karenzzeit entscheidend (Vitalität 84, 63 und 33 % bei 2, 4 und 7 Tagen), und ein gonadotoxisches Cyclophosphamid war Teil der Vorgeschichte [s78]. Bei zwei kleinen russischen Patientengruppen unter Immunsuppressiva erhielten sieben der acht Patienten, deren Spermatogenese sich unter Zink und Parlodel nicht besserte, Glukokortikoide und Zytostatika; beide Wirkungen ließen sich nicht trennen [s152].

Was daraus folgt: Studien mit Medikament und Krankheit zugleich zeigen, dass die Krankheit mitwirken kann, aber sie trennen die beiden nicht. Ein Medikamenteneffekt ist in keiner dieser Studien isoliert nachgewiesen.

### Kleinere Unstimmigkeiten innerhalb einzelner Quellen

Einige Widersprüche liegen in den Quellen selbst. In [s51] werden 13 Abbrecher und ein Mann mit Azoospermie als ausgeschlossen beschrieben, während die Tabellen n = 46 führen; die Standardabweichung der Konzentration (2,10 bei einem Mittelwert von 21,02) ist ungewöhnlich klein im Vergleich zu der der Gesamtzahl (28,30). In [s142] steht für denselben Befund „P < 0,01, P > 0,05". In [s122] unterscheiden sich der englische und der türkische Abstract bei Prozentangaben (42,86 gegenüber 40 %; 53 gegenüber 53,3 %) und beim Behandlungszeitraum. Der Abstract von [s100] nennt keine Morphologiedaten, obwohl [s51] diese Arbeit so zitiert, dass sie eine verschlechterte Morphologie berichtet; das lässt sich anhand des Abstracts nicht prüfen. Solche Abweichungen verändern das Gesamtbild nicht, mahnen aber, einzelne Zahlen nicht überzubewerten.

### Meldesysteme, Übersichten und Leitlinien: der unterschiedliche Maßstab

Die Auswertung von FAERS und EudraVigilance zu männlicher Infertilität (1955 und 1384 Fälle) benennt 19 in beiden Datenbanken bestätigte Arzneimittel; keines der vier hier untersuchten Wirkstoffgruppen gehört dazu [s08]. Auf Ebene der ATC-Klassen ist die Gruppe „Dermatika" erhöht (ROR 3,56; 95-%-KI 3,24 bis 3,90; n = 627), die der systemischen Hormonpräparate leicht (ROR 1,83), die der Atemwegsmittel niedrig (ROR 0,28); das Dermatika-Signal wird im Text mit Minoxidil in Verbindung gebracht, nicht mit Isotretinoin [s08]. Die Auswertung zur väterlichen Exposition fand 115 Signale zur reproduktiven Gesundheit; Glukokortikoide, Antihistaminika und Spironolacton kommen im Volltext nicht vor [s35]. Der Umbrella-Review mit 43 Studien und 67 Risikofaktoren nennt für die vier Wirkstoffgruppen keine bewerteten Effektgrößen [s19]. Die AUA/ASRM-Leitlinie bewertet die Daten zu Medikamenten insgesamt niedrig [s40]. Eine Übersicht stellte dagegen fest, dass Beipackinformationen der FDA mehrere Entzündungshemmer als spermatogenesebeeinflussend nennen, was die begutachtete Literatur nicht stützt [s91]. Eine ältere dermatologische Übersicht nennt Einzelfallberichte und wenige Studien mit negativen Effekten für Glukokortikoide, Spironolacton und Antihistaminika [s111].

Der Gegensatz ist nur scheinbar: Fehlende Signale in Meldedatenbanken sind kein Entwarnungsbeleg, weil dort nur Verdachtsmeldungen stehen und Spermienparameter selten gemeldet werden; fehlende Effektgrößen im Umbrella-Review bedeuten, dass keine Metaanalysen existieren, nicht dass keine Wirkung besteht. Umgekehrt sind Beipackzettel-Hinweise und Einzelfallberichte keine Belege für eine Häufigkeit.

## Limitationen der Evidenz

### Mengengerüst und Studientypen

Nach dem Designfeld in der Quellenliste gruppiert (grobe Einteilung, einzelne Studien lassen sich mehreren Kategorien zuordnen), setzen sich die 182 Quellen ungefähr so zusammen: 63 Tierversuche oder Tierexperimente, 28 Übersichtsarbeiten, Metaanalysen oder Umbrella-Reviews, 15 Fallberichte oder Fallserien, 15 Studien, die im Designfeld als randomisiert bezeichnet sind, 12 Laborstudien mit Zellen oder Spermien, 5 Pharmakovigilanzstudien, 2 Studien mit Mendelscher Randomisierung und 2 Leitlinien; die übrigen 40 sind klinische Beobachtungs-, Vorher-Nachher-, Kohorten-, Fall-Kontroll- oder einarmige Studien. 44 Quellen stammen aus der Zeit vor dem Jahr 2000, 78 aus den Jahren 2020 bis 2026. Eine große, randomisierte, placebokontrollierte Studie mit Fertilität als Endpunkt fehlt für jede der vier Wirkstoffgruppen. Die größte randomisierte Studie zu Glukokortikoiden hat 241 Männer [s97]; die jüngste randomisierte Studie hat 75 [s33]; die größte Beobachtungsstudie zu Isotretinoin hat 4.387 Teilnehmer, ist aber ein Preprint [s04].

### Ersatzzielgrößen statt Fertilität

Die meisten Studien messen Samenparameter (Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität), nicht die Fähigkeit, ein Kind zu zeugen. Die Leitlinie AUA/ASRM weist darauf hin, dass Samenparameter meist als Ersatzzielgröße dienen und Störgrößen häufig nicht kontrolliert sind [s40]. Samenparameter schwanken von Probe zu Probe; die Abstinenzzeit allein verändert Volumen, Vitalität und Beweglichkeit erheblich, wie die Messreihe im Lupus-Fallbericht zeigt (Vitalität 84, 63 und 33 % nach 2, 4 und 7 Tagen) [s78]. Die Hodenhistologie bei trans Personen beweist keine funktionelle Fertilität [s20]. Härtere Endpunkte wie Schwangerschaft oder Geburt gibt es nur in einem Teil der Studien (Glukokortikoide bei ASA und nach Vasektomie-Rückverlagerung, Isotretinoin bei Infertilität, Ketotifen), und dort sind die Fallzahlen klein.

### Kleine Fallzahlen, fehlende Vergleichsgruppen und fehlende Konfidenzintervalle

Viele Studien haben 8 bis 50 Teilnehmer: acht Männer [s47], zehn [s162], elf [s172], neun [s161], 14 [s174], 16 [s135], 19 [s89], 20 [s150, s166, s149]. Die Isotretinoin-Studien an Gesunden sind Vorher-Nachher-Studien ohne unbehandelte Kontrollgruppe [s51, s100, s150, s166]; die Behandlungsserien bei infertilen Männern sind einarmig [s89, s26]. Die Abstracts nennen häufig keine Konfidenzintervalle, in vielen Tierstudien keine Zahlenwerte und keine Gruppengrößen (zum Beispiel [s50, s13, s05, s12, s11, s28, s54]). Bei der Metaanalyse zu Isotretinoin fehlen im Abstract die Konfidenzintervalle, und sie umfasst nur sechs überwiegend einarmige Studien [s14]. Die Autoren des Umbrella-Reviews bewerteten von 249 Effektgrößen 136 (54,6 %) als „sehr niedrig" und 59 (23,7 %) als „niedrig" nach GRADE [s19].

### Dosis, Dauer und Exposition

Menschliche Standarddosis und Tierdosis lassen sich nicht umrechnen. Die Tierstudien zu Glukokortikoiden verwenden meist Dosen im Bereich von 1 bis 7 mg/kg Dexamethason oder 60 mg/kg Methylprednisolon (einmalig) [s07, s13, s39, s59]; für Spironolacton wurden 100 mg/kg eingesetzt [s130, s176], für Isotretinoin 7,5 bis 40 mg/kg [s50, s164]. Bei den Humanstudien streuen die Dosierungen ebenfalls stark (Prednisolon 5 bis 80 mg, Methylprednisolon bis 96 mg) [s142, s157, s159]. Dauer und Zeitpunkt der Exposition (Vorgeburtsphase, Neugeborenenphase, Erwachsenenalter, einzelne Tage bis Monate) unterscheiden sich so, dass die Studien nicht addierbar sind. In der dänischen Studie ist die Isotretinoin-Exposition als „zu irgendeinem Zeitpunkt angewendet" definiert [s04]. In der Studie zu Antihistaminika beim Menschen sind Wirkstoff, Dosis und Dauer nicht aufgeschlüsselt [s121].

### Störgrößen und Indikation

Die Grunderkrankung ist in nahezu jeder Studie eine Störgröße. Asthma ist mit niedrigerer Gesamtspermienzahl verbunden, ohne dass die Medikation getrennt wurde [s56]; Lupus, Rheuma, Psoriasis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind selbst mit Spermienauffälligkeiten beschrieben [s19, s48, s178, s101, s77]; bei Magenbeschwerden kann die Indikation selbst eine Rolle spielen [s107]. Die Probanden sind überwiegend ausgewählt: infertile Männer [s121, s89], Männer mit Antikörpern [s142], Männer nach Vasektomie-Rückverlagerung [s33, s75]. Aussagen über Männer ohne Fertilitätsproblem sind aus diesen Gruppen nicht zulässig; eine Studie in einer Infertilitätsambulanz sagt nichts über das Risiko bei Männern ohne Fertilitätsproblem [s121]. Mehrfachmedikation (Prednison zusammen mit Calcineurin-Inhibitoren [s123], Cyclophosphamid [s78], Zytostatika [s152], Methotrexat [s83]) verhindert die Zuordnung zu einzelnen Substanzen. Weitere Einflussgrößen sind Rauchen und Alter: In [s122] war der Anteil rauchender Männer bei Paaren mit Schwangerschaft 53 %, bei Paaren ohne Schwangerschaft 80 % (p < 0,05); höheres Alter war in [s20] mit gestörter Spermatogenese verbunden (mittleres Alter 41,4 gegenüber 33,4 Jahre).

### Übertragbarkeit der Tier- und Laborbefunde

63 der 182 Quellen sind Tierversuche; hinzu kommen 12 Labor- oder Zellstudien. Die Tierstudien sind zu einem großen Teil Schädigungs- oder Schutzstudien: In vielen türkischen und ägyptischen Arbeiten dient das Medikament als Auslöser eines Schadens, und eine Schutzsubstanz (Propolis, Ginseng, Glutathion, Traubenkernextrakt, Nigella sativa, Anthocyan, Vitamin B12) wird geprüft [s39, s13, s59, s38, s09, s85]; das Medikament ist dort Mittel zum Zweck, und die Gruppen sind klein (fünf bis zehn Tiere). Dexamethason wird als Stressmodell verwendet [s07]. Die Wuhan-Arbeiten zur vorgeburtlichen Dexamethason-Exposition und die Neugeborenenstudien an Mäusen betreffen Entwicklungsfenster, die für einen erwachsenen Mann keine Entsprechung haben [s54, s68, s11, s18]. Die In-vitro-Studien an Spermien arbeiten mit Konzentrationen, die nicht mit Blutspiegeln verglichen wurden [s79, s63]. Die Medium-Studien an Eber- und Ziegenspermien betreffen die Konservierung von Tierspermien [s53, s52, s34].

### Meldedatenbanken

Die fünf Pharmakovigilanzstudien (FAERS, EudraVigilance) erfassen spontane Verdachtsmeldungen ohne Nenner, ohne Kontrollgruppe und mit Meldeverzerrung. Der ROR ist keine Risikoziffer; Signale können durch Meldeverhalten entstehen [s02, s08]. In [s08] sind Zeitangaben nur bei 20,4 % der Fälle vorhanden, und ein hoher Anteil der Meldungen kommt von Verbrauchern, vor allem zu Alopezie-Mitteln. Extrem hohe ROR-Werte bei Fallzahlen von 3 bis 7 sind typisch für die Methode [s27, s29]. Die Studien [s08, s27, s29] nutzen dieselbe amerikanische Datenbank und sind keine unabhängige Bestätigung. Auswertungen väterlicher Exposition haben nur einen kleinen Anteil der Meldungen (3.210 von 16.180.533) [s35].

### Unabhängigkeit, Befangenheit und Veröffentlichungsverzerrung

Viele Befunde stammen von wenigen Arbeitsgruppen. Die sechs Wuhan-Arbeiten zur vorgeburtlichen Dexamethason-Exposition kommen aus einer Gruppe und nutzen dasselbe Grundmodell; eine unabhängige Replikation fehlt in den Quellen [s11, s54, s43, s28, s67, s86]. Die Antihistaminika-Daten aus Japan stammen aus einer Abteilung [s121, s125]. Die Pilotstudien zu Isotretinoin bei Infertilität und die zugehörige Übersicht stammen von derselben Gruppe [s03, s26, s89]; die Autoren der Übersicht haben die Studien selbst durchgeführt (mögliche Befangenheit; Einschätzung). Die Isotretinoin-Auswertung aus Dänemark ist ein Preprint ohne Begutachtung [s04]. Erfolgreiche Einzelfälle werden eher veröffentlicht als erfolglose (Berichtsverzerrung bei Fallberichten, zum Beispiel [s88, s125, s25]); Nullbefunde wie der Projektbericht [s81] erscheinen nur in grauer Literatur. Eine Fehlanzeige in einer Datenbank oder einer Übersicht ist daher kein Beleg für ein fehlendes Risiko.

### Abstracts statt Volltexte, Sprache und Recherche

Für die meisten Quellen lag nur der Abstract vor; Volltexte wurden nur für wenige Arbeiten ausgewertet (je nach Sprachgruppe sechs bis zehn). Damit fehlen oft Gruppengrößen, Zahlen und Methodendetails. Die PubMed-Webseite war gesperrt; gesucht wurde über Europe PMC und die NCBI-E-utilities. Chinesische (CNKI, Wanfang), koreanische (KCI, KoreaMed, DBpia), russische (CyberLeninka, eLIBRARY.ru) und türkische (DergiPark) Datenbanken waren nicht oder nur eingeschränkt nutzbar, ebenso spanische, portugiesische und französische (SciELO, LILACS, Cairn, Dialnet). Eine AWMF-Leitlinie war nicht auffindbar. Der Befundbericht zum chinesischen, japanischen und koreanischen Sprachraum nennt die Lücke ausdrücklich erheblich: Chinesisch- und koreanischsprachige Originalarbeiten ohne PubMed-Eintrag sind nicht erfasst. Die meisten Arbeiten aus der Türkei, Ägypten, dem Iran, Japan, China und Südamerika erschienen auf Englisch. Von den nicht englischen Quellen wurde oft nur der von PubMed geführte englische Titel abgerufen, nicht der Originaltitel. Ob Studien existieren, die hier nicht gefunden wurden, kann diese Recherche nicht beantworten; mehrere Arbeiten, unter anderem Caminos-Torres 1977 zu Spironolacton, waren nur als Titel nachweisbar und wurden nicht aufgenommen.

### Unstimmigkeiten und Qualitätsmängel in einzelnen Arbeiten

Zu den Mängeln einzelner Arbeiten zählen die Unstimmigkeit der Fallzahl in [s51], der widersprüchliche p-Wert und die fehlende Beschreibung der Zuteilung in [s142], abweichende Prozentangaben in [s122], die nicht sauber lesbare Tabelle in [s38] und uneinheitlich angegebene Geschwindigkeitseinheiten in [s123]. In [s59] fehlt im Abstract die Richtung der Änderung der Spermienkonzentration. Bei den Vorher-Nachher-Studien fehlt eine Placebokontrolle; verblindet war nur die Auswertung des Spermiogramms in [s51].

### Was die Evidenz insgesamt trägt

Die Evidenz trägt für jede der vier Wirkstoffgruppen nur eine Aussage über Studienlage und Mechanismus, nicht über Häufigkeit oder Risiko im Einzelfall. Sie trägt: (1) dass bei gesunden Männern unter üblicher Isotretinoin-Dosis in kleinen unkontrollierten Studien keine Verschlechterung der Spermienzahl gefunden wurde und der Anteil normal geformter Spermien in zwei Studien niedriger war [s51, s166]; (2) dass Glukokortikoide bei Antikörpern gegen Spermien in randomisierten Studien uneinheitlich wirkten und in der jüngsten randomisierten Studie bei höherer Dosis mit niedrigerer Schwangerschaftsrate einhergingen [s33]; (3) dass es für moderne H1-Blocker nur zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie am Menschen gibt [s125, s121]; (4) dass Spironolacton direkt am Mann nicht untersucht ist. Sie trägt nicht: eine Aussage über die Häufigkeit eines Schadens, eine Aussage über den Einzelfall oder eine Therapieentscheidung.

## Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken, die in den Quellen und Befundberichten ausdrücklich benannt sind. Sie sind Forschungsfragen und keine Handlungsaufforderungen.

### Isotretinoin

1. **Welche Dauerwirkung hat Isotretinoin bei Gesunden?** Die dänische Studie fand bei Männern, die vor mindestens zwei Jahren aufgehört hatten, weiterhin leicht niedrigere Mediane und hormonelle Verschiebungen (FSH 2,2 gegenüber 2,6 IE/l), ohne dass der Unterschied der Samenparameter signifikant war [s04]; die Vorher-Nachher-Studien sahen nach einem Jahr [s150] beziehungsweise nach drei Monaten [s166] wieder die Ausgangswerte. Offen ist, ob die Querschnittsbefunde in einer begutachteten, längsschnittlichen Studie mit Kontrollgruppe bestätigt werden. Randomisierte placebokontrollierte Studien bei gesunden Männern fehlen.
2. **Warum unterscheiden sich Tier und Mensch?** Offen ist, ob die Befunde an Ratte, Maus und Wüstenrennmaus [s50, s61, s140] durch Dosis, Dauer und Methode erklärbar sind oder auf einen echten Artunterschied hindeuten, und ob Dosis-Wirkungs-Reihen mit menschlichen Expositionsspiegeln vergleichbar angelegt werden können.
3. **Wie verändert sich die Morphologie?** Der Anteil normal geformter Spermien war in zwei Studien niedriger [s51, s166]; ob das klinisch relevant ist und ob es unabhängig vom Medikament auftritt, ist nicht geklärt (die Autoren von [s166] halten es wegen der kurzen Halbwertszeit für möglicherweise unabhängig vom Medikament).
4. **Welche Männer sprechen bei Infertilität an?** 11 von 30 Männern (37 %) hatten nach Isotretinoin ejakulierte motile Spermien; nach Histologie lagen die Raten bei 0 von 2, 3 von 14, 3 von 6 und 3 von 5 Männern, ohne signifikanten Unterschied [s26]. Offen sind placebokontrollierte Studien, Vorhersagefaktoren und der Beitrag spontaner Rückbildung.
5. **Was bedeuten die Meldesignale für die Sexualfunktion?** Die Signale für erektile Dysfunktion und verminderte Libido [s02] sind mit Messungen der Sexualfunktion in kontrollierten Studien nicht überprüft; zugleich fehlt ein Nenner.

### Glukokortikoide

6. **Wirkt Kortison bei Antispermien-Antikörpern?** Alle randomisierten Studien stammen aus den Jahren 1978 bis 2017 und sind klein; ein moderner multizentrischer Vergleich mit definierten Antikörpernachweisen, Dosen und der Geburt als Endpunkt fehlt. Offen ist auch der Vergleich mit direkter ICSI [s122, s97].
7. **Welche Rolle hat die Dosis?** Die randomisierte Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung deutet eine Dosisabhängigkeit an (5 mg gegenüber 20 mg), mit Gruppen von 23 und 14 Männern [s33]; ob der Befund bestätigt wird und worüber die Wirkung auf die Schwangerschaft läuft, wenn die Spermienkonzentration gleich bleibt, ist offen.
8. **Was bewirkt eine übliche Langzeittherapie im gesunden Hoden?** Es fehlt eine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie, zum Beispiel bei Asthma oder Rheuma [s92, s48]. Offen ist, wie weit niedrigere Testosteronwerte unter Langzeitprednison [s92] die Spermatogenese beeinflussen.
9. **Wie lässt sich Medikament von Krankheit trennen?** Gebraucht werden Studien an Männern mit Asthma, Lupus, Psoriasis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Rheuma, die Medikation, Schwere und Krankheitsaktivität getrennt auswerten [s56, s19, s48].
10. **Ist der Tierbefund auf den Menschen übertragbar?** Die vorgeburtlichen Befunde bei Ratte und Maus [s11, s54, s43, s18] sind nicht an menschlichen Söhnen geprüft; in [s43] stützt eine menschliche Teilstudie nur eine Korrelation von Epigenom-Markern mit dem Testosteron im fetalen Blut. Dazu gehört die Frage, ob andere Gruppen die Befunde replizieren, und welche Rolle ein Glukokortikoidmangel spielt [s108].
11. **Welche Rolle spielt Entzündung?** Der Gegensatz zwischen Schaden im gesunden und Nutzen im entzündeten Gewebe [s110, s106, s12, s05] lässt sich nur mit Studien klären, die beide Bedingungen im selben Modell prüfen.

### Antihistaminika

12. **Wirken moderne H1-Blocker auf die Spermien gesunder Männer?** Für Cetirizin, Loratadin, Desloratadin, Bilastin und andere gibt es keine kontrollierte Studie; menschliche Daten sind zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie, die den Beitrag einzelner Wirkstoffe nicht aufschlüsselt [s125, s121]. Offen ist, welche Wirkstoffe, Dosen und Zeiträume gemeint sind.
13. **Welche Rolle spielen Histamin und Mastzellen im Hoden?** Mastzellen und Histamin sind biologisch relevant [s31, s127], aber ob eine Hemmung nützt oder schadet, ist widersprüchlich [s160, s126, s135].
14. **Welche H2-Blocker sind unauffällig?** Das Gefälle (Cimetidin eher nachteilig, Famotidin unauffällig) beruht auf kleinen älteren Studien und In-vitro-Experimenten [s158, s172, s79, s99]; moderne vergleichende klinische Studien fehlen.

### Spironolacton

15. **Wirkung bei Männern ohne Östrogen.** Es fehlt eine kontrollierte Samenanalyse-Studie an Männern unter Spironolacton [s20, s74]. Offen ist, ob die Befunde aus Hodenpräparaten mit Östrogen etwas über Männer ohne Östrogen aussagen und wie sich Spironolacton als Einzelsubstanz verhält.
16. **Einordnung der Meldesignale.** Die Signale zu Asthenospermie und Oligospermie beruhen auf drei bis vier Meldungen je Begriff [s27]; ob sie sich mit klinischen Daten bestätigen lassen, ist offen.

### Methodische Fragen

17. **Welche Endpunkte sollen künftige Studien messen?** Schwangerschaft und Geburt als Endpunkt, standardisierte Abstinenzzeit und Wiederholungsproben, Konfidenzintervalle und Angabe der Gruppengröße im Abstract, Registrierung der Studie (wie bei [s33]).
18. **Wie lassen sich Meldedaten mit einem Nenner verbinden?** Verknüpfung von Meldedaten mit Verordnungsregistern; die vorhandene Registerauswertung zur väterlichen Medikation misst Fertilitätsfolgen nicht [s44].
19. **Wie gut sind nicht englische Datenbanken erschlossen?** Ob chinesische, koreanische, russische, türkische, arabische, spanische und portugiesische Primärliteratur weitere einschlägige Studien enthält, die hier nicht erreichbar waren, ist offen.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ordnet ein, was die Literatur aussagt und was nicht. Er enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt weder eine Diagnose noch ärztliche Beratung. Wer ein Medikament einnimmt, setzt es nicht auf Grund dieses Textes ab oder um; Fragen zur Medikation und zum Kinderwunsch gehören in das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

### Was die Quellen aussagen

- **Isotretinoin.** Am besten untersucht ist Isotretinoin. Bei Männern mit Akne unter Standarddosis zeigen kleine Vorher-Nachher-Studien unveränderte oder leicht höhere Spermienzahlen und in zwei Studien einen geringeren Anteil normal geformter Spermien [s51, s166, s150, s100, s14]; eine große dänische Studie (Preprint) findet nicht signifikant niedrigere Mediane und Hormonverschiebungen [s04]. Die Meldedaten betreffen vor allem die Sexualfunktion [s02]. Die Autoren der Studie von 1985 schlossen, kontrazeptive Maßnahmen für den Mann seien während der Behandlung nicht zwingend [s166]; das ist die Aussage der Studie und wird hier nicht als Empfehlung übernommen. Die Frage der Schwangerschaft der Partnerin und der Embryotoxizität liegt außerhalb dieses Kapitels; in der Meldedatenbank zur väterlichen Exposition erscheint Isotretinoin lediglich mit einem Signal für „Schwangerschaft trotz Empfängnisverhütung" [s35].
- **Glukokortikoide.** Die Literatur teilt sich in Behandlungsstudien (Antikörper gegen Spermien, nach Vasektomie-Rückverlagerung, Nebennierenerkrankung, Sarkoidose) und Studien zur schädigenden Wirkung (überwiegend Tierversuche mit hohen Dosen oder Entwicklungsfenstern). Aus den Behandlungsstudien folgt nichts über gesunde Männer; aus den Tierversuchen folgt nichts über übliche Dosen beim Mann. Die jüngste randomisierte Studie fand bei höherer Prednisondosis niedrigere Schwangerschaftsraten [s33]. Wo Glukokortikoide eine Erkrankung behandeln (etwa Nebennierenhyperplasie), ist die Wirkung auf die Spermien von der Grunderkrankung nicht zu trennen [s120, s46].
- **Antihistaminika.** Für Allergiemedikamente (H1-Blocker) gibt es kaum menschliche Daten: zwei berichtete Fälle [s125] und eine nicht randomisierte Serie ohne Aufschlüsselung der Wirkstoffe [s121]. Ein Laborbefund zeigt sogar Schutz vor Histaminschäden [s131]. Die umfangreichere Literatur betrifft H2-Blocker (Magensäurehemmer), bei denen Cimetidin eher nachteilig erscheint [s158, s172, s99] und Famotidin unauffällig [s79].
- **Spironolacton.** Am Mann direkt untersucht ist es nicht. Die Mechanismusdaten (Androgenrezeptor-Blockade, Gynäkomastie) sind beschrieben [s180, s27]; aus Hodenpräparaten bei trans Personen unter Östrogen lässt sich keine Aussage über Männer ohne Östrogen ableiten [s20].

### Was die Quellen nicht aussagen

Keine der Studien erlaubt eine Aussage über den Einzelfall. Keine misst, wie wahrscheinlich ein Schaden für eine bestimmte Person ist. Die Leitlinien AUA/ASRM und EAU enthalten zu den vier Wirkstoffgruppen keine oder nur ursachenbezogene Aussagen: Die AUA/ASRM-Leitlinie nennt in dem abgerufenen Text weder Spironolacton noch Isotretinoin, Antihistaminika oder Glukokortikoide und bewertet die Evidenz zu Medikamenten als niedrig [s40]; die EAU-Leitlinie führt Spironolacton und Cyproteronacetat bei der Androgenrezeptor-Blockade, Glukokortikoide beim Cushing-Syndrom und unter den Arzneimitteln auf, die das SHBG senken, ohne Aussage zur Samenqualität [s06]. Eine AWMF-Leitlinie war nicht auffindbar.

### Häufige Fehlschlüsse beim Lesen solcher Studien

- **„Im Tierversuch geschädigt, also beim Menschen geschädigt."** Dosen, Dauer, Zeitfenster und Tierart machen den Schluss unzulässig; die Studien selbst weisen auf die eingeschränkte Übertragbarkeit hin [s61, s39, s07].
- **„Kein Signal in der Meldedatenbank, also unbedenklich."** Meldedatenbanken erfassen Verdachtsfälle; Spermienparameter werden selten gemeldet [s08, s35].
- **„Verbesserung nach dem Medikament, also Wirkung des Medikaments."** Ohne Kontrollgruppe erklären Messschwankung und Regression zur Mitte kleine Veränderungen ebenso [s14, s75, s47]. Das zeigt der Vergleich zwischen den Beobachtungsstudien und der randomisierten Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung [s33].
- **„Ein hoher ROR bedeutet ein hohes Risiko."** Der ROR vergleicht Meldeanteile, er ist keine Risikoziffer; hohe Werte bei drei oder vier Meldungen sind kein Effektmaß [s27].
- **„Die Krankheit spielt keine Rolle."** Asthma, Lupus, Rheuma und andere Erkrankungen sind selbst mit Spermien- oder Hormonbefunden assoziiert [s56, s17, s78].
- **„Eine Studie, die eine Besserung zeigt, belegt Sicherheit."** Behandlungsstudien bei infertilen Männern sind keine Sicherheitsstudien für gesunde Männer [s26, s89].
- **„Eine Zahl aus einem Abstract ist gesichert."** Abstracts nennen oft keine Gruppengröße und keine Konfidenzintervalle; einzelne Zahlen enthalten Unstimmigkeiten [s51, s142, s122].

### Zusammenfassende Einordnung

Für keine der vier Wirkstoffgruppen belegt die vorliegende Literatur einen Zusammenhang zwischen üblicher Anwendung und verminderter Fertilität beim Mann, und für keine schließt sie einen solchen aus. Das Bild ist am deutlichsten für Isotretinoin (kleine, überwiegend unauffällige Humanstudien bei Widersprüchen im Tierversuch), am lückenhaftesten für Spironolacton (keine direkte Untersuchung am Mann) und für moderne H1-Blocker (zwei berichtete Fälle). Für Glukokortikoide hängt die Aussage vom Kontext ab: Wirkung auf einen kranken Hoden, hohe Dosis im Tierversuch, Entwicklungsfenster und Spezialindikation unterscheiden sich so stark, dass sie nicht zu einer gemeinsamen Aussage verdichtet werden dürfen. Die Qualität der Evidenz wird in der Leitlinie AUA/ASRM insgesamt als niedrig eingestuft [s40].

## Glossar

**Abstinenzzeit.** Zeitraum ohne Samenerguss vor der Samenprobe. Sie beeinflusst Volumen, Konzentration, Vitalität und Beweglichkeit und muss bei Vergleichen berücksichtigt werden [s78].

**Akrosom, Akrosomreaktion.** Kappenartiges Bläschen am Spermienkopf; die Akrosomreaktion ist ein Schritt der Befruchtungsfähigkeit [s45].

**Antispermien-Antikörper (ASA).** Antikörper gegen Spermien, die an Spermien im Samen oder im Blut nachweisbar sein können. Sie sind der Hauptgrund, warum Glukokortikoide bei männlicher Infertilität geprüft wurden [s73, s132].

**Apoptose, Apoptoseindex.** Programmierter Zelltod; der Apoptoseindex gibt den Anteil absterbender Zellen an, zum Beispiel unter den Keimzellen im Hoden [s110].

**Asthenozoospermie.** Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat [s125].

**Azoospermie.** Fehlen von Spermien im Ejakulat. Bei der nichtobstruktiven Form ist die Spermienbildung im Hoden gestört [s26].

**Blut-Hoden-Schranke.** Struktur zwischen Sertoli-Zellen, die das Keimepithel vom Blut abschirmt; ihre Proteine (zum Beispiel Connexin-43) wurden in Tierstudien untersucht [s12, s43].

**Calcineurin-Inhibitor.** Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Ciclosporin, die nach einer Transplantation gegeben werden [s123].

**Cimetidin, Ranitidin, Famotidin, Nizatidin.** Wirkstoffe der H2-Blocker, die die Magensäure vermindern; sie gelten pharmakologisch ebenfalls als Antihistaminika, sind aber nicht die Mittel gegen Allergie [s99].

**Crossover-Studie.** Studie, in der jede Person nacheinander beide Behandlungen (zum Beispiel Wirkstoff und Placebo) erhält. Voraussetzung ist, dass die Wirkung zwischen den Phasen abklingt [s154].

**Dechallenge, Rechallenge.** In der Pharmakovigilanz das Verschwinden einer Meldung nach Absetzen beziehungsweise ihr Wiederauftreten bei erneuter Gabe [s08].

**EudraVigilance.** Europäische Datenbank für Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen [s08].

**FAERS.** Das Meldesystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen der US-Arzneimittelbehörde FDA (FDA Adverse Event Reporting System). Es enthält Spontanmeldungen ohne Nenner [s02].

**Flagellum.** Die Geißel (das Bewegungsorgan) der Spermien; Brüche oder Anomalien des Flagellums wurden in Tierstudien beschrieben [s151, s80].

**FSH, LH.** Follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon aus der Hirnanhangdrüse; LH regt die Testosteronbildung der Leydig-Zellen an, FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen [s04].

**Glukokortikoid.** Wirkstoffgruppe, zu der Kortison, Hydrocortison, Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason gehören. Die Arzneimittel ahmen das körpereigene Cortisol nach [s33].

**Glukokortikoidrezeptor (GR, NR3C1).** Bindungsstelle der Glukokortikoide in Zellen, auch in Hodenzellen und Spermien [s95, s45].

**H1- und H2-Rezeptor-Antagonist.** H1-Blocker (zum Beispiel Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin) gelten als Allergiemittel; H2-Blocker hemmen die Magensäure [s125, s99].

**Hodenbiopsie, Hodenhistologie.** Gewebeuntersuchung des Hodens, die zeigt, ob Spermatogenese stattfindet [s26, s20].

**Hyalinisierung.** Narbenähnliche Gewebeveränderung der Samenkanälchen, in der Histologie bei Transfrauen beschrieben [s74].

**ICSI, IVF, IUI.** Verfahren der assistierten Reproduktion: Injektion eines einzelnen Spermiums in die Eizelle (ICSI), Befruchtung im Labor (IVF) und Einbringen aufbereiteter Spermien in die Gebärmutter (intrauterine Insemination, IUI) [s122].

**Isotretinoin.** 13-cis-Retinsäure, ein Vitamin-A-Abkömmling zur Behandlung schwerer Akne [s14].

**Johnsen-Score.** Punktesystem, das die Reife der Spermienbildung in einem Hodenschnitt beurteilt [s38].

**Kapazitation.** Reifungsschritt der Spermien im weiblichen Genitaltrakt, der die Befruchtungsfähigkeit herstellt [s45].

**Konfidenzintervall (KI).** Bereich, in dem der wahre Wert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit liegt, meist 95 %. Ein breites Intervall zeigt eine unsichere Schätzung an [s56].

**Leydig-Zellen.** Zellen im Hoden, die Testosteron bilden [s84].

**Mastzellen.** Immunzellen, die Histamin speichern und freisetzen; sie kommen auch im Hoden und Nebenhoden vor [s31, s127].

**Mendelsche Randomisierung.** Statistisches Verfahren, das genetische Varianten als Zufallsinstrument nutzt, um Ursache und Wirkung zwischen einer Veranlagung und einem Ergebnis abzuschätzen [s17, s36].

**MAR-Test.** Gemischte Antiglobulinreaktion, ein Test auf Antikörper an Spermien; ein hoher Wert bedeutet einen hohen Anteil antikörperbeladener Spermien [s122].

**Morphologie (normale Formen).** Anteil der Spermien mit normaler Form. Der Anteil normal geformter Spermien lag in der Studie [s51] bei rund 9 %.

**Oligozoospermie, Oligoasthenozoospermie.** Verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration und Beweglichkeit zugleich [s89].

**Pharmakovigilanz.** Überwachung der Arzneimittelsicherheit durch Auswertung von Nebenwirkungsmeldungen [s08].

**PRR, ROR.** Proportional Reporting Ratio und Reporting Odds Ratio, Maße für die Disproportionalität in Meldedatenbanken. Sie vergleichen den Anteil eines Ereignisses bei einem Arzneimittel mit dem Anteil bei allen anderen Meldungen; sie sind keine Risikozahlen [s02, s27].

**Preprint.** Wissenschaftliche Arbeit vor der Begutachtung durch Fachleute (Peer-Review) [s04].

**Regression zur Mitte.** Statistischer Effekt: Extrem niedrige oder hohe Messwerte liegen bei der Wiederholung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung. Er kann Besserungen in unkontrollierten Studien vortäuschen [s89, s75].

**Retinsäure.** Wirksame Form des Vitamins A; sie ist für Differenzierung der Spermatogonien und Beginn der Meiose notwendig [s14, s49].

**Sertoli-Zellen.** Stützzellen im Hoden, die die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden [s68, s30].

**Spermatogenese.** Gesamter Vorgang der Spermienbildung im Hoden [s20].

**Spironolacton.** Aldosteronantagonist mit antiandrogener Wirkung (Blockade des Androgenrezeptors), der unter anderem bei Herzerkrankungen und in der Dermatologie eingesetzt wird [s180, s27].

**Surrogatparameter, Ersatzzielgröße.** Messwert, der stellvertretend für das eigentliche Ziel steht, hier Samenparameter statt Schwangerschaft oder Geburt [s40].

**Vitalität.** Anteil lebender Spermien im Ejakulat, meist durch Färbung bestimmt [s51].

**WHO-Referenzwerte.** Von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Richtwerte für Samenparameter [s78].

## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste aller 182 Quellen aus synthese.json, nach Erscheinungsjahr absteigend. Titel in anderer Sprache als Englisch oder Deutsch stehen mit deutscher Übersetzung in Klammern. Bei den deutschsprachigen Arbeiten s150, s164, s165, s166 und s169 wurde nur der englische PubMed-Titel abgerufen, nicht der deutsche Originaltitel. Bei s106, s110 und s123 (chinesische Originale) ist der englische PubMed-Titel angegeben. Wo keine PMID oder keine DOI existiert oder abgerufen wurde, steht der Hinweis „ohne PMID" beziehungsweise „ohne DOI".

- [s01] Alshehre SM, Qusty NF, Bokhari BT, Rajab BS, Alghamdi S, Khan A, Saati AA, Taha M (2026): Targeting oxidative stress, inflammation, and apoptosis: The protective role of desloratadine against vancomycin-induced testicular toxicity via the SIRT1/Nrf2/NF-κB axis. Tissue & cell. PMID 42061022; DOI 10.1016/j.tice.2026.103546.
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