Kortison, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton · Kapitel 2 von 20

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Abgrenzung. Untersucht wird, ob Glukokortikoide (systemisch angewendetes Kortison und verwandte Wirkstoffe wie Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason), Antihistaminika (vor allem H1-Blocker gegen Allergien, daneben H2-Blocker und Mastzellblocker), Isotretinoin und Spironolacton mit veränderter Spermienqualität oder Fertilität beim Mann verbunden sind. Die Studie berichtet, was Untersuchungen gemessen haben. Sie gibt keine Therapieempfehlung, bewertet keine Behandlung im Einzelfall und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Drei Rechercheabschnitte, zwölf Sprachen. Die Literatur wurde in drei Gruppen recherchiert, jeweils mit Suchbegriffen in den Landessprachen und auf Englisch. Gruppe a: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch. Gruppe b: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch. Gruppe c: Russisch, Arabisch, Türkisch. Jede Gruppe schrieb einen eigenen Befundbericht; Stand aller drei Recherchen ist der 4. Oktober 2026. Danach wurden die Quellen zusammengeführt: Eine Arbeit, die in zwei Gruppen auftauchte (zum Beispiel die türkische Isotretinoin-Studie von Gurel 2023 [s51], in den Gruppen a und c gefunden), trägt nur eine Kennung. Insgesamt führt die Quellenliste 182 Arbeiten mit den Kennungen s01 bis s182, geordnet nach Erscheinungsjahr absteigend und innerhalb eines Jahres nach Verfasser. Zitiert wird durchgehend in der Form [s05] oder [s05, s12].

Von den 182 Quellen stammen 78 aus den Jahren 2020 bis 2026, 42 aus 2010 bis 2019, 18 aus 2000 bis 2009, 16 aus den 1990er-Jahren und 28 aus der Zeit vor 1990. In der Quellenliste tragen 139 Arbeiten die Sprachraum-Kennzeichnung Englisch, 27 Chinesisch, 14 Arabisch, 12 Türkisch, 8 Japanisch, 5 Deutsch, 4 Russisch, 2 Koreanisch, 2 Französisch sowie je eine Hongkong-Chinesisch und Spanisch (Mehrfachnennungen sind möglich). Die Zuordnung beruht auf der Herkunft der Autoren oder der Publikationssprache. Fast alle Arbeiten aus der Türkei, dem arabischen Raum, China und Japan sind auf Englisch in internationalen Zeitschriften erschienen; muttersprachliche Primärliteratur war nur in Einzelfällen erreichbar, etwa deutsche [s166, s150, s164], französische [s180, s148] oder russische Arbeiten [s103, s155, s152].

Suchwege. Die Webseite von PubMed war für die Recherche gesperrt. Gesucht wurde deshalb über die REST-Schnittstelle von Europe PMC und über die E-utilities der US-amerikanischen National Library of Medicine; mit efetch ließen sich vollständige Abstracts abrufen. Als Suchbegriffe dienten die Wirkstoffnamen (Isotretinoin, Spironolacton, Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon, Dexamethason, Cetirizin, Loratadin, Fexofenadin, Cimetidin, Ranitidin, Famotidin, Ketotifen und weitere) in Kombination mit Begriffen wie Sperma, Samenflüssigkeit, Spermatogenese, Hoden und männliche Fertilität sowie deren Entsprechungen in den Landessprachen. Ergänzend wurden Leitlinienseiten (AUA/ASRM, EAU, ESHRE, AWMF) und nationale Datenbanken versucht. Die Leitlinien AUA/ASRM und EAU waren als Webtext erreichbar und wurden per Textsuche ausgewertet [s40, s06].

Erreichbarkeit der Datenbanken. Nicht jede Datenbank ließ sich abfragen, und das begrenzt die Reichweite der Studie. Erreichbar und ausgewertet waren Europe PMC, die E-utilities, TR Dizin (türkisch, über eine öffentliche Schnittstelle), CiNii Research (japanisch; die strenge UND-Verknüpfung der Suchwörter führte bei Mehrwortabfragen oft zu null Treffern) und in Teilen J-STAGE (Artikelseiten alter Kongressabstracts enthielten nur Titel, Autoren und Schlagwörter). Das französische Archiv HAL lieferte zu Isotretinoin, Spironolacton und Antihistaminika keine Treffer mit Fertilitätsbezug. Nicht oder nur eingeschränkt nutzbar waren die chinesischen Datenbanken CNKI und Wanfang, die koreanischen Datenbanken KCI, KoreaMed, DBpia, RISS und KISTI Scholar, die Portale SciELO (nur Metadaten), LILACS und Dialnet, das französische Cairn, die russischen Dienste CyberLeninka (jede Anfrage lieferte null Treffer) und eLIBRARY.ru (Anmeldung nötig), das türkische DergiPark (Bot-Prüfung, nicht umgangen) und die Arab World Research Source. Die AWMF-Seite ist eine Single-Page-Anwendung, deren Such-Schnittstelle nur eine leere Hülle lieferte; eine AWMF-Leitlinie wurde deshalb nicht geprüft. Die Folge ist eine Lücke, kein Beleg für das Fehlen weiterer Arbeiten: Chinesisch-, koreanisch-, russisch- und arabischsprachige Originalliteratur ohne Eintrag in PubMed ist mit dieser Methode kaum erfasst; der Bericht der Gruppe b nennt diese Lücke ausdrücklich erheblich.

Überwiegend Abstracts. Der größte Teil der Zahlen in dieser Studie stammt aus Abstracts, die über PubMed beziehungsweise Europe PMC abgerufen wurden. Volltexte wurden nur für eine kleine Teilmenge ausgewertet. In Gruppe a waren es sechs Arbeiten, darunter die dänische Isotretinoin-Studie (Preprint-Seite) [s04], die Studie zu Prednison nach Vasovasostomie [s47], die Hodenhistologie bei Transfrauen mit Spironolacton [s74] und die dänische Asthma-Studie [s56], zusätzlich die Webtexte der zwei Leitlinien [s40, s06]. In Gruppe b waren es zehn Arbeiten, unter anderem die Pharmakovigilanzstudien [s08, s35, s27], der Umbrella-Review [s19], die Übersicht zur Retinsäure [s49] und die Mausstudien zu neonatalem Corticosteron [s68, s30]. In Gruppe c waren es acht Arbeiten, unter anderem [s51, s07, s39, s38, s60, s48]. In Gruppe b lag bei 37 von 38 Quellen ein Abstract über PubMed oder Europe PMC vor; bei einer Quelle, einem Förderbericht von Chihara, nur die Projektbeschreibung über CiNii Research [s81]. Wo ein Abstract keine Zahlen enthält, steht auch in dieser Studie keine; das gilt besonders für Tierstudien. Konfidenzintervalle, Gruppengrößen und genaue Dosierungen fehlen in Abstracts häufig. Stärken und Schwächen einzelner Arbeiten stammen teils von den Autoren der Arbeit selbst, teils aus der Einschätzung der Recherche; im Text ist beides gekennzeichnet, soweit es unterscheidbar ist. Die Ergebnisse können sich ändern, wenn Volltexte ausgewertet werden.

Quellen außerhalb der Quellenliste. Für die WHO-Referenzwerte im Abschnitt Hintergrund wurden zwei Arbeiten ergänzend über Europe PMC abgerufen, die nicht in der Quellenliste stehen: die Übersicht von Boitrelle et al. 2021 zur 6. Auflage des WHO-Handbuchs (PMID 34947899, Zeitschrift Life) und die Datenzusammenstellung von Campbell et al. 2021 (PMID 33528873, Zeitschrift Andrology). Sie sind die einzigen Quellen dieser Studie außerhalb der Quellenliste und werden im Text mit Verfasser und Jahr genannt. Alle übrigen Zahlen stammen aus den drei Befundberichten und den dort ausgewerteten Arbeiten der Quellenliste.

Zahlen und Begriffe. Alle Zahlenangaben stammen aus den abgerufenen Texten und wurden nicht aus dem Gedächtnis ergänzt. Unstimmigkeiten in den Originalen werden benannt, nicht geglättet; ein Beispiel ist die Fallzahl bei Gurel 2023, wo der Methodenteil 13 Abbrecher und einen wegen Azoospermie ausgeschlossenen Mann beschreibt, die Tabellen aber 46 Männer führen [s51]. Englische und deutsche Originaltitel bleiben im Original; bei Titeln in anderen Sprachen steht die deutsche Übersetzung in Klammern. Für den Schwimmfaden der Spermien wird der Fachbegriff Flagellum (Geißel) verwendet. „n“ bedeutet Zahl der Teilnehmer oder Tiere, „KI“ Konfidenzintervall, „PRR“ Proportional Reporting Ratio, „ROR“ Reporting Odds Ratio.

Grenzen insgesamt. Erstens sind Samenparameter Ersatzzielgrößen; die entscheidende Größe, nämlich die Zeit bis zur Schwangerschaft oder die Geburt, wird nur selten gemessen. Zweitens sind die meisten menschlichen Studien klein, einarmig oder retrospektiv; die meisten Tierstudien verwenden Dosen, Zeitfenster (Trächtigkeit, Neugeborenenphase) und Gabewege, die sich nicht auf erwachsene Männer bei üblicher Anwendung übertragen lassen. Drittens erfassen Meldedatenbanken (FAERS, EudraVigilance) spontane Verdachtsmeldungen ohne Nenner und ohne Kontrollgruppe; Signale daraus sind keine Risikozahlen. Viertens beeinflussen Alter, Rauchen, Abstinenzzeit und Grunderkrankung die Messwerte, und in vielen Studien sind diese Größen nicht kontrolliert. Fünftens kann die Vollständigkeit der Literatur nicht garantiert werden. Sechstens lässt sich aus keiner der Quellen eine Aussage über den Einzelfall ableiten.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Aufbau und Lesehinweise bis Spironolacton
  6. Glukokortikoide bis Erkrankungen als Störgröße: Asthma und Autoimmunerkrankungen
  7. Auswertungen über mehrere Wirkstoffe: Querschnitt, Meldedaten, Verordnungsdaten und Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Wie dieses Kapitel gelesen werden sollte bis Spironolacton
  9. Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)
  10. Antihistaminika
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Chinesisch
  14. Japanisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle