Kortison, Antihistaminika, Isotretinoin und Spironolacton · Kapitel 17 von 20

Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken, die in den Quellen und Befundberichten ausdrücklich benannt sind. Sie sind Forschungsfragen und keine Handlungsaufforderungen.

Isotretinoin

  1. Welche Dauerwirkung hat Isotretinoin bei Gesunden? Die dänische Studie fand bei Männern, die vor mindestens zwei Jahren aufgehört hatten, weiterhin leicht niedrigere Mediane und hormonelle Verschiebungen (FSH 2,2 gegenüber 2,6 IE/l), ohne dass der Unterschied der Samenparameter signifikant war [s04]; die Vorher-Nachher-Studien sahen nach einem Jahr [s150] beziehungsweise nach drei Monaten [s166] wieder die Ausgangswerte. Offen ist, ob die Querschnittsbefunde in einer begutachteten, längsschnittlichen Studie mit Kontrollgruppe bestätigt werden. Randomisierte placebokontrollierte Studien bei gesunden Männern fehlen.
  2. Warum unterscheiden sich Tier und Mensch? Offen ist, ob die Befunde an Ratte, Maus und Wüstenrennmaus [s50, s61, s140] durch Dosis, Dauer und Methode erklärbar sind oder auf einen echten Artunterschied hindeuten, und ob Dosis-Wirkungs-Reihen mit menschlichen Expositionsspiegeln vergleichbar angelegt werden können.
  3. Wie verändert sich die Morphologie? Der Anteil normal geformter Spermien war in zwei Studien niedriger [s51, s166]; ob das klinisch relevant ist und ob es unabhängig vom Medikament auftritt, ist nicht geklärt (die Autoren von [s166] halten es wegen der kurzen Halbwertszeit für möglicherweise unabhängig vom Medikament).
  4. Welche Männer sprechen bei Infertilität an? 11 von 30 Männern (37 %) hatten nach Isotretinoin ejakulierte motile Spermien; nach Histologie lagen die Raten bei 0 von 2, 3 von 14, 3 von 6 und 3 von 5 Männern, ohne signifikanten Unterschied [s26]. Offen sind placebokontrollierte Studien, Vorhersagefaktoren und der Beitrag spontaner Rückbildung.
  5. Was bedeuten die Meldesignale für die Sexualfunktion? Die Signale für erektile Dysfunktion und verminderte Libido [s02] sind mit Messungen der Sexualfunktion in kontrollierten Studien nicht überprüft; zugleich fehlt ein Nenner.

Glukokortikoide

  1. Wirkt Kortison bei Antispermien-Antikörpern? Alle randomisierten Studien stammen aus den Jahren 1978 bis 2017 und sind klein; ein moderner multizentrischer Vergleich mit definierten Antikörpernachweisen, Dosen und der Geburt als Endpunkt fehlt. Offen ist auch der Vergleich mit direkter ICSI [s122, s97].
  2. Welche Rolle hat die Dosis? Die randomisierte Studie nach Vasektomie-Rückverlagerung deutet eine Dosisabhängigkeit an (5 mg gegenüber 20 mg), mit Gruppen von 23 und 14 Männern [s33]; ob der Befund bestätigt wird und worüber die Wirkung auf die Schwangerschaft läuft, wenn die Spermienkonzentration gleich bleibt, ist offen.
  3. Was bewirkt eine übliche Langzeittherapie im gesunden Hoden? Es fehlt eine Studie mit Kontrollgruppe zur Samenqualität unter üblicher Langzeittherapie, zum Beispiel bei Asthma oder Rheuma [s92, s48]. Offen ist, wie weit niedrigere Testosteronwerte unter Langzeitprednison [s92] die Spermatogenese beeinflussen.
  4. Wie lässt sich Medikament von Krankheit trennen? Gebraucht werden Studien an Männern mit Asthma, Lupus, Psoriasis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Rheuma, die Medikation, Schwere und Krankheitsaktivität getrennt auswerten [s56, s19, s48].
  5. Ist der Tierbefund auf den Menschen übertragbar? Die vorgeburtlichen Befunde bei Ratte und Maus [s11, s54, s43, s18] sind nicht an menschlichen Söhnen geprüft; in [s43] stützt eine menschliche Teilstudie nur eine Korrelation von Epigenom-Markern mit dem Testosteron im fetalen Blut. Dazu gehört die Frage, ob andere Gruppen die Befunde replizieren, und welche Rolle ein Glukokortikoidmangel spielt [s108].
  6. Welche Rolle spielt Entzündung? Der Gegensatz zwischen Schaden im gesunden und Nutzen im entzündeten Gewebe [s110, s106, s12, s05] lässt sich nur mit Studien klären, die beide Bedingungen im selben Modell prüfen.

Antihistaminika

  1. Wirken moderne H1-Blocker auf die Spermien gesunder Männer? Für Cetirizin, Loratadin, Desloratadin, Bilastin und andere gibt es keine kontrollierte Studie; menschliche Daten sind zwei berichtete Fälle und eine nicht randomisierte Studie, die den Beitrag einzelner Wirkstoffe nicht aufschlüsselt [s125, s121]. Offen ist, welche Wirkstoffe, Dosen und Zeiträume gemeint sind.
  2. Welche Rolle spielen Histamin und Mastzellen im Hoden? Mastzellen und Histamin sind biologisch relevant [s31, s127], aber ob eine Hemmung nützt oder schadet, ist widersprüchlich [s160, s126, s135].
  3. Welche H2-Blocker sind unauffällig? Das Gefälle (Cimetidin eher nachteilig, Famotidin unauffällig) beruht auf kleinen älteren Studien und In-vitro-Experimenten [s158, s172, s79, s99]; moderne vergleichende klinische Studien fehlen.

Spironolacton

  1. Wirkung bei Männern ohne Östrogen. Es fehlt eine kontrollierte Samenanalyse-Studie an Männern unter Spironolacton [s20, s74]. Offen ist, ob die Befunde aus Hodenpräparaten mit Östrogen etwas über Männer ohne Östrogen aussagen und wie sich Spironolacton als Einzelsubstanz verhält.
  2. Einordnung der Meldesignale. Die Signale zu Asthenospermie und Oligospermie beruhen auf drei bis vier Meldungen je Begriff [s27]; ob sie sich mit klinischen Daten bestätigen lassen, ist offen.

Methodische Fragen

  1. Welche Endpunkte sollen künftige Studien messen? Schwangerschaft und Geburt als Endpunkt, standardisierte Abstinenzzeit und Wiederholungsproben, Konfidenzintervalle und Angabe der Gruppengröße im Abstract, Registrierung der Studie (wie bei [s33]).
  2. Wie lassen sich Meldedaten mit einem Nenner verbinden? Verknüpfung von Meldedaten mit Verordnungsregistern; die vorhandene Registerauswertung zur väterlichen Medikation misst Fertilitätsfolgen nicht [s44].
  3. Wie gut sind nicht englische Datenbanken erschlossen? Ob chinesische, koreanische, russische, türkische, arabische, spanische und portugiesische Primärliteratur weitere einschlägige Studien enthält, die hier nicht erreichbar waren, ist offen.
Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Aufbau und Lesehinweise bis Spironolacton
  6. Glukokortikoide bis Erkrankungen als Störgröße: Asthma und Autoimmunerkrankungen
  7. Auswertungen über mehrere Wirkstoffe: Querschnitt, Meldedaten, Verordnungsdaten und Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Wie dieses Kapitel gelesen werden sollte bis Spironolacton
  9. Glukokortikoide (Kortison und verwandte Wirkstoffe)
  10. Antihistaminika
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Chinesisch
  14. Japanisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle