Antispermien-Antikörper und immunologische Infertilität · Kapitel 11 von 23 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Kohorten und Beobachtungsstudien am Menschen

ASA und Fertilität: Postkoitaltest, natürliche Konzeption, Insemination

  • Barbonetti und Kollegen 2019 (Prevalence of anti-sperm antibodies and relationship of degree of sperm auto-immunization to semen parameters and post-coital test outcome: a retrospective analysis of over 10 000 men) [s88]. 12 296 aufeinanderfolgende Männer einer andrologischen Ambulanz, IgG-MAR bei allen Ejakulaten, positive Proben (≥ 10 %) zusätzlich auf IgA. Nach Ausschluss von Azoospermie und schwerer Oligoasthenozoospermie blieben 10 025 Männer; die Prävalenz positiver IgG-MAR-Tests betrug 4 %, 3,4 % und 2 % bei Grenzwerten von 10 %, 50 % und 100 %. Die 100-%-positiven Tests waren über die Zeit konsistenter, häufiger mit gemischtem Bindungsmuster (Kopf und Flagellum) und gleichzeitigem IgA verbunden und hatten eine niedrigere mediane Gesamtspermienzahl und progressive Motilität. Im Postkoitaltest (120 Paare mit ASA beim Mann) war die 100-%-Positivität der einzige unabhängige Bestimmungsfaktor eines negativen PCT. Schwächen: retrospektiv, Surrogatendpunkte, Selektion durch Ausschluss schwerer Fälle (MAR bei sehr geringer Beweglichkeit nicht auswertbar).
  • Barbonetti und Kollegen 2020 (Relationship between natural and intrauterine insemination-assisted live births and the degree of sperm autoimmunisation) [s79]. Retrospektive Kohorte von 108 Männern mit ≥ 50 % positivem IgG-MAR, 84 telefonisch erreicht (77,8 %), davon 44 mit 100 % und 40 mit 50 bis 99 % Positivität. Natürliche Lebendgeburtenrate pro Paar 4,5 % gegen 30,0 % (p = 0,00001). Zwischen den Gruppen unterschied sich nur das PCT-Ergebnis; ein besserer PCT war mit natürlichen Lebendgeburten verbunden (6,3 %, 21,7 %, 46,2 %; p = 0,0005 für den Trend), einziger unabhängiger negativer Prädiktor war der Grad der Spermienautoimmunisierung. Bei 38 von 44 Paaren mit 100 % wurde eine IUI als Erstbehandlung durchgeführt, mit 14 Lebendgeburten (36,8 %); bei geringerer Positivität lag die Lebendgeburtenrate nach IUI (26,9 %) ähnlich wie die natürliche (30,0 %). Schwächen: retrospektiv, 22 % nicht erreicht, mögliche Selektion zwischen natürlichen und IUI-Geburten; die Autoren nennen unkontrollierte Variablen als Einschränkung.
  • Silva und Kollegen 2025 (Prevalence and impact of antisperm antibodies on semen quality and male reproductive health aspects: A 10-years retrospective study) [s30]. 2727 Männer, MAR-Test, vier Gruppen. Prävalenz 1,4 %. Bei ≥ 50 % ASA waren Agglutinate, Leukozyten und Hodenvolumen höher; bei 10 bis 49 % und 10 bis 100 % waren FSH und Fruktose niedriger, Östradiol und α-Glukosidase höher; Rauchen war in der ≥ 50-%-Gruppe häufiger als in der 10- bis 49-%-Gruppe, die Chance auf pathologische ASA-Spiegel etwa doppelt so hoch. Schwächen: retrospektiv, mehrere Gruppenvergleiche ohne berichtete Korrektur, im Abstract keine Effektmaße mit KI.
  • Zhang und Kollegen 2026 (The Positive Rate of Antisperm Antibody and Its Impact on in vitro Fertilization/Intracytoplasmic Sperm Injection Embryo Culture) [s15]. 8265 Samenproben im MAR-Test, positive Rate etwa 1,03 %; 934 IVF/ICSI-Zyklen. ASA verminderten die Normalbefruchtungsrate in IVF-Zyklen. In ICSI-Zyklen gab es bei einem Grenzwert von 10 % keinen Unterschied; bei 50 % waren Normalbefruchtungsrate und Rate guter Day-3-Embryonen signifikant niedriger. Die Autoren vermuten, dass ein hoher Anteil von Rescue-ICSI-Zyklen das Ergebnis mitbestimmt. Der Abstract nennt keine Zahlen zu Befruchtungsraten.
  • Lotti und Kollegen 2018 (Epididymal more than testicular abnormalities are associated with the occurrence of antisperm antibodies as evaluated by the MAR test) [s95]. 109 fertile Männer und 699 Männer aus infertilen Paaren; MAR auswertbar bei 181 der Letzteren. Positiv waren 20 von 181 (11 %), davon 12 (6,6 %) mit ≥ 50 %; bei den Fertilen vier von 109 (3,7 %), davon einer (0,9 %) mit ≥ 50 % (p < 0,05). Positive MAR war mit Ultraschallabweichungen des Nebenhodens verbunden (Größe von Körper und Kauda, jeweils p < 0,0001), bei Infertilen auch mit abnormer Echotextur, Epididymitis in der Vorgeschichte und hohem Interleukin-8 im Samen; der LH-Spiegel korrelierte positiv (bereinigtes r = 0,232, p < 0,0001). Zusammenhänge mit Spermienparametern bestanden nicht. Schwächen: Querschnitt, MAR bei schwerer Oligoasthenozoospermie nicht auswertbar.
  • Bozhedomov (Božedomov) und Kollegen 2015 (Functional deficit of sperm and fertility impairment in men with antisperm antibodies) [s118]. Multizentrische Querschnitts-Fall-Kontroll-Studie: 1060 infertile Männer mit normaler Samenanalyse (Normozoospermie) und 107 fertile Männer. 2 % der fertilen Männer hatten MAR-IgG ≥ 50 %, bei den infertilen 16 % (p < 0,0001). Zwischen Infertilitätsdauer und MAR-IgG bestand eine direkte Korrelation (R = 0,3). ASA-positive infertile Männer hatten 2,1-fach häufiger Störungen der Akrosomreaktion (p < 0,02), die DNA-Fragmentierung war 1,6-fach (gegen Fertile) und 1,3-fach (gegen ASA-negative Patienten) häufiger, die ROS-Bildung gewaschener ASA-positiver Spermien war 3,7-fach höher als bei Fertilen (p < 0,00001) und hing vom ASA-Spiegel ab (R = 0,5). Stärke: ausschließlich normozoosperme Männer, dadurch kein Störeinfluss durch schlechte Basisqualität. Schwächen: Querschnitt, kleine fertile Kontrollgruppe, Untergruppengrößen im Abstract nicht genannt, Korrelationen mittlerer Stärke.
  • Bozhedomov und Kollegen 2014 (Male fertility and varicocoele: role of immune factors) [s127]. 1639 Männer aus infertilen Paaren und 90 Fertile. Die Prävalenz der Varikozelen-assoziierten immunologischen Infertilität liegt bei etwa 15 % und hängt weder vom Grad der Venenerweiterung noch von primärer oder sekundärer Infertilität ab. Die Varikozele ist nach den Autoren keine unmittelbare Ursache, aber ein Kofaktor; das OR für immunologische Infertilität nach Hodentrauma verdoppelt sich bei Varikozele. Die ROS-Produktion bei ASA-positiven Varikozele-Patienten war 2,8-fach höher als bei ASA-negativen und 3,5-fach höher als bei Fertilen; keine Korrelation zwischen Varikozelengrad und ROS. Der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle oder genauen p-Werte.
  • Bozhedomov und Kollegen 2012 (Originaltitel russisch, deutsch: Ätiopathogenese autoimmuner Reaktionen gegen Spermien) [s148]. 536 Männer aus infertilen Paaren und 82 fertile Kontrollen (Frauen in der 8. bis 16. Schwangerschaftswoche). Zwischen MAR-IgG und Skrotaltrauma in der Vorgeschichte besteht eine direkte Korrelation (Gamma = 0,47; p = 0,00003). Absolutes Risiko, ASA zu finden: nach subklinischem Trauma 59 %, nach traumatischer Orchitis 78 %, nach infektiöser Orchitis 63 %. Bei Männern mit immunologischer Infertilität (MAR-IgG > 50 %) lag ein subklinisches Skrotaltrauma in 35 % vor, bei Männern ohne ASA in 19 % (OR 1,84; p < 0,001); Orchitis in der Vorgeschichte 12 % gegen 3 % (OR 4,0; p < 0,001); Varikozelenoperation in der Vorgeschichte OR 1,1 (p < 0,05). Der Varikozelengrad korrelierte nicht mit MAR-IgG/IgA. Wenn ein Trauma bei Varikozele auftritt, entsteht immunologische Infertilität 1,4-fach und Orchitis 4,1-fach häufiger als bei Trauma ohne Varikozele. Chlamydien: ASA in 29 %; die Korrelation verschwand, wenn Männer mit Orchitis, Trauma und/oder Varikozelenoperation ausgeschlossen wurden (Kofaktor). Kryptorchismus mit Orchidopexie, Mumps, Nebenhodenentzündung, Leistenbruchoperation und weitere Faktoren hatten keinen signifikanten Einfluss; in der Gruppe ohne diese Faktoren war die ASA-Häufigkeit ebenfalls 41 % (idiopathisch). Das multivariate Modell erklärte 45 % der Varianz, war aber laut Autoren statistisch unbefriedigend. Schwächen: Querschnitts-Assoziationen, teils sehr kleine Untergruppen, viele Vergleiche ohne Mehrfachtestkorrektur, keine Konfidenzintervalle.
  • Šmelev und Kollegen 2024 (Originaltitel russisch, deutsch: Immunologischer Faktor der Unfruchtbarkeit bei Männern des Gebiets Kemerowo) [s48]. 1827 Männer, direkter MAR-IgG-Test (positiv > 40 %): 116 positiv (6,35 %). Im Vergleich von je 51 Patienten mit normalem und erhöhtem MAR kein signifikanter Unterschied im Spermiogramm; in der sehr hohen Gruppe (MAR 90 bis 100 %, n = 20) gegen MAR < 40 % (n = 51) niedrigere Konzentration (65,38 ± 43,18 gegen 38,65 ± 23,30 Mio., p = 0,019) und progressive Beweglichkeit (32,88 ± 13,51 gegen 20,80 ± 13,02 %, p = 0,002). Stärke: große Stichprobe, offene Berichterstattung auch nicht signifikanter Vergleiche. Schwächen: retrospektiv, selektive Klientel, keine fertile Kontrollgruppe, Auswahl der 102 Vergleichspatienten nicht begründet.
  • Mirkurbanova 2026 (Originaltitel russisch, deutsch: Diagnostische Bedeutung des MAR-Tests bei Behandlung und Prophylaxe der immunologischen Infertilität bei Männern) [s17]. 56 infertile Männer in Fergana, Usbekistan; 37 (66,1 %) MAR-positiv (> 50 %). MAR-positive Männer hatten niedrigere Konzentration, progressive Beweglichkeit und normale Formen (p < 0,05). Ohne Kontrollgruppe, Rekrutierung nicht angegeben (Überweisungsselektion wahrscheinlich), Fußnote mit Beschriftungsfehler; die Rate liegt weit über allen anderen gefundenen Raten, die Daten sind niedrig belastbar.
  • Liu und Kollegen 2003 (Originaltitel chinesisch) [s203]. 3432 infertile Männer, ASA-Positivrate 10,20 %; Akrosinaktivität bei Infertilen niedriger als bei 65 fertilen Freiwilligen (p < 0,001), aber kein Unterschied zwischen ASA-positiven und -negativen Infertilen (p > 0,05). Nachweismethode und Schwellenwerte im Abstract nicht genannt.
  • Bei und Kollegen 2017 (Hepatitis B; Originaltitel chinesisch) [s99]. 3124 infertile Männer: Immuninfertilität (Immunobead-Test) bei 20,3 % der HBV-positiven gegen 3,3 % der HBV-negativen Männer (p < 0,01); normale Morphologie 3,9 gegen 6,3 % (p < 0,05); die HBV-DNA im Serum korrelierte mit der im Samenplasma (rs = 0,86). Zwischen Gruppen verschiedener HBV-DNA-Menge im Samenplasma gab es keinen Unterschied der Immuninfertilitätsrate. Querschnitt in einer Klinikpopulation, keine Adjustierung im Abstract.
  • Zhang und Kollegen 2018 (Ureaplasma; Originaltitel chinesisch) [s97]. 662 infertile Männer und 25 fertile Kontrollen. Ureaplasma-urealyticum-Positivrate 52,87 % gegen 16,00 % (p < 0,05). Kein signifikanter Unterschied zwischen UU-positiven und -negativen Männern bei der Gesamt-ASA-Rate (43,4 gegen 36,5 %) und bei den meisten Antikörperklassen; nur Serum-IgA unterschied sich (23,6 gegen 17,0 %; p < 0,05). Kleine Kontrollgruppe, viele Einzeltests ohne Korrektur.
  • Hussein und Kollegen 2017 (Hepatitis C) [s101]: 30 HCV-infizierte Männer und 30 Gesunde; IgG- und IgA-ASA im Ejakulat signifikant höher, freies Testosteron, Konzentration und Motilität niedriger; Korrelationen mit der Viruslast nicht signifikant. Kleine Gruppen, Effektgrößen im Abstract nicht angegeben.
  • Piroozmand und Kollegen 2020 (HPV) [s83]: 96 infertile Männer; HPV-DNA 17,4 %, ASA 15,2 %; HPV-Positive hatten niedrigere Spermienparameter, ASA-Positive niedrigere Motilität (p = 0,002), HPV-Infizierte häufiger ASA. Keine Kontrollgruppe, keine Adjustierung. Kim und Kollegen 2026 [s06]: 67 gesunde Männer, HPV-DNA bei 10 (14,9 %); ASA und DNA-Fragmentierung bei HPV-Positiven höher, aber nicht signifikant.
  • Liu und Kollegen 2017 (Schlaf) [s102]: 981 gesunde Männer, nach Schlafdauer und Zubettgehzeit eingeteilt; bei Kurzschläfern niedrigere Spermienzahl, Überlebensrate und Motilität (p < 0,01) und mehr ASA-Positive (p < 0,05). Der Abstract nennt keine Zahlen zu den ASA-Anteilen; die Deutung einer ASA-vermittelten Wirkung geht über das Beobachtungsdesign hinaus.
  • Weitere Querschnittsstudien zur Häufigkeit (jeweils kleine bis mittlere Stichproben, unterschiedliche Tests): Kamieniczna und Kollegen 2003, Polen [s200] (10,4 % der Samenproben mit Antikörperbeladung, keine in den Kontrollen); Garcia und Kollegen 2007, São Paulo [s178] (18,18 % der infertilen Männer, bei Fertilen kein Fall); Yasin und Kollegen 2016, Palästina [s114] (6 von 42 Paaren, Männer 9,5 %); Khatoon und Kollegen 2012, Indien [s145] (30,27 % der infertilen Männer, 33,03 % der Frauen); Eruwhu und Kollegen 2025, Nigeria [s20] (nur Latex-positive Personen, daher keine Prävalenzschätzung); Shibahara und Kollegen 2002 [s210] (275 Proben, 3,3 % mit ASA) und 2003 [s206] (509 Proben, 3,54 %); Takahashi und Kollegen 1992 [s268] (290 Männer, IgG > 50 % bei 7,2 %); Dündar und Ekerbiçer 1997, Türkei [s230] (13,6 % der Männer, 18,1 % der Frauen); Xu und Kollegen 2020 [s84] (Biochip, 20,92 % bei 368 Patienten gegen 1,72 % bei 116 Spendern). Die Spanne von etwa 1 % bis über 30 % ist wesentlich eine Folge unterschiedlicher Tests, Grenzwerte, Materialien und Auswahlkriterien.

ASA und assistierte Reproduktion

  • Lu und Kollegen 2019 (Success rates of in vitro fertilization versus intracytoplasmic sperm injection in men with serum anti-sperm antibodies: a consecutive cohort study) [s89]. 554 aufeinanderfolgende infertile Paare (399 IVF, 155 ICSI), Serum-ASA des Mannes. In der IVF-Gruppe waren bei positivem Serum-ASA niedriger: Befruchtungsrate 41,7 % gegen 54,8 % (p = 0,03), gute Embryonen 18,9 % gegen 35,2 %, Schwangerschaftsrate 38,5 % gegen 59,4 % und Lebendgeburtenrate 25,8 % gegen 42,5 % (jeweils „P = 0,00“ laut Abstract). Nach Adjustierung für das FSH der Frau und das Alter: Schwangerschaft OR 0,630 (0,425 bis 0,932; p = 0,021), Lebendgeburt OR 1,409 (1,084 bis 1,831; p = 0,010). Die beiden Odds Ratios weisen in entgegengesetzte Richtungen; der Abstract spricht nur von „ASA positivity/negativity“ und löst die Kodierung nicht auf. Dieser Widerspruch bleibt hier ungeklärt. Bei ICSI waren die Ergebnisse in beiden Gruppen ähnlich; bei ASA-positiven Männern lag die Lebendgeburtenrate bei IVF bei 25,8 % und bei ICSI bei 47,4 % (p = 0,07, nicht signifikant). Schwächen: Serum- statt Spermienoberflächen-ASA, nicht randomisierte Wahl von IVF oder ICSI, kleine ICSI-Gruppe.
  • El-Sherbiny und Kollegen 2021 (The prognostic value of seminal anti-sperm antibodies screening in men prepared for ICSI: a call to change the current antibody-directed viewpoint of sperm autoimmunity) [s67]. 184 nicht azoosperme infertile Männer, ASA im Samenplasma per ELISA. ASA-Positivität war mit niedrigerer Spermienzahl (p = 0,012), Motilität (p = 0,006) und Morphologie (p = 0,011) verbunden, aber nicht mit Befruchtung (56,3 % gegen 66,7 %; p = 0,091), Rate guter Embryonen (91,4 % gegen 89,9 %; p = 0,520) oder Schwangerschaft (31,4 % gegen 32,2 %; p = 0,98). Fazit der Autoren: Die routinemäßige ASA-Testung vor ICSI habe keinen zusätzlichen prognostischen Wert. Schwächen: Einzelzentrum, Samenplasma-ELISA statt spermiengebundener Antikörper, begrenzte Power für Schwangerschaftsunterschiede.
  • Nagy und Kollegen 1995 (Results of 55 intracytoplasmic sperm injection cycles in the treatment of male-immunological infertility) [s245]. Männer mit ≥ 80 % ASA-beladenen Spermien (MAR), 37 Patienten. Mittlere Normalbefruchtungsrate 75,7 % gegen 69,2 % in 1767 ICSI-Zyklen mit MAR-negativem Samen; Embryoentwicklung vergleichbar, mehr schlechte Embryonen; 53 von 55 mit Embryotransfer, Fruchtsack bei 14 (26,4 %). Befruchtung, Embryonen und Schwangerschaft waren unabhängig vom ASA-Anteil, Antikörpertyp und Bindungsort. Historische Kontrolle, keine Randomisierung.
  • Jun und Kollegen 1997 (Efficacy of intracytoplasmic sperm injection (ICSI) treatment in the immunological infertile patients) [s231]. Retrospektiv, 60 Zyklen von 44 Patienten. Befruchtungsrate bei ICSI 60,3 % und Halb-ICSI 60,7 % gegen 42,6 % bei konventioneller IVF (p < 0,01); in der männlichen Immuninfertilitätsgruppe 60,7 % (ICSI) und 66,7 % (Halb-ICSI) gegen 27,4 % (IVF; p < 0,01); klinische Schwangerschaftsrate 54,5 %, 33,3 % und 25,0 % ohne p-Wert. Zyklen statt Paare als Analyseeinheit, kleine Zahlen.
  • Vujisić und Kollegen 2005 (Antisperm antibodies in semen, sera and follicular fluids of infertile patients: relation to reproductive outcome after in vitro fertilization) [s192]. 52 Paare; Samen-MAR-IgG < 20 % bei 38, > 20 % bei 14 Paaren. Befruchtungsrate 73,2 % gegen 71,5 %, Schwangerschaft 28,9 % gegen 28,57 %, nicht signifikant verschieden; ASA in Serum und Follikelflüssigkeit waren ebenfalls nicht mit dem Ergebnis verbunden.
  • Frauenseitige ASA und IVF. Nakagawa und Kollegen 1999 [s221] fanden bei 20 Frauen mit spermienimmobilisierenden Antikörpern niedrigere Befruchtungsrate (57,6 % gegen 72,4 % bei tubarer Infertilität) und niedrigeren Embryoscore, aber eine höhere Implantationsrate (23,6 % gegen 8,6 %, 9,5 % und 7,6 % in den Vergleichsgruppen); die Deutung einer erhöhten uterinen Rezeptivität bleibt Hypothese. Tian und Kollegen 1999 [s223] (150 IVF-Zyklen bei Tubenverschluss): Teilungsrate 64,2 ± 32,1 % bei 44 Zyklen ASA-seropositiver Frauen gegen 84,8 ± 18,7 % bei 106 seronegativen (p < 0,05), klinische Schwangerschaftsrate 31,8 % gegen 20,8 % (p > 0,05). Pocernikov und Kollegen 2019 [s91] (Originaltitel russisch, deutsch: Erhöhter Gehalt antispermaler Antikörper als Prädiktor eines ungünstigen Schwangerschaftsausgangs nach IVF; Frauen mit Fehlgeburtsanamnese, Gruppen 17 und 28 Paare, im Text auch mit „46 Frauen“ angegeben): termingerechte Geburt 41 % gegen 82,3 % (p < 0,05), früher Abort 35,3 % gegen 7,1 %; OR für Schwangerschaftsverlust 6,57 (1,67 bis 25,78). Sehr kleine, stark selektierte Stichprobe; die Autoren bewerben im Diskussionsteil ein Präparat (nicht übernommen).

Vasektomie-Umkehr und Samenwegsobstruktion

  • Abouelgreed und Kollegen 2024 (Effects of antisperm antibodies post vasectomy reversal on pregnancy rates) [s36]. Retrospektive Aktenanalyse mit Telefonbefragung, 145 Patienten (Mai 2015 bis April 2023; medianes Alter 43 Jahre, mediane Obstruktionsdauer 7,7 Jahre, 80 % beidseitige Vasovasostomie). 60 Männer (41,4 %) mit niedrigen (< 50 %), 85 (58,6 %) mit hohen (≥ 50 %) ASA-Werten. Telefonisch erreicht wurden nur 48: Von 19 Männern mit niedrigen ASA erreichten 13 (68,4 %) eine Schwangerschaft, davon sechs spontan; von 29 mit hohen ASA 21 (72,4 %), davon elf spontan; Fisher-Test p = 0,2. Kein signifikanter Zusammenhang zwischen ASA-Höhe und Schwangerschaft oder Konzeptionsweg. Schwächen: nur 48 von 145 erreicht, kleine Untergruppen, keine Adjustierung (Alter der Partnerin).
  • Hinz und Kollegen 2010 (Effect of obesity on sex hormone levels, antisperm antibodies, and fertility after vasectomy reversal) [s160]. 500 Patienten, ein Operateur. Durchgängigkeit 93,2 %, 91,9 % und 93,3 % bei Normalgewichtigen, Übergewichtigen und Adipösen; Schwangerschaften 63,9 %, 60,2 % und 55,6 % (p = 0,672). Der BMI korrelierte mit niedrigerem Testosteron und dem Vorliegen von IgA-ASA (p = 0,006); in der logistischen Regression war nur das Alter der Partnerin unabhängiger Prädiktor der Schwangerschaft (p = 0,039). ASA nur Nebenbefund.
  • Lu und Kollegen 2006 (Originaltitel chinesisch, deutsch: Beziehung zwischen Veränderungen der Serum-ASA vor und nach Vasovasostomie und Schwangerschaftsrate) [s185]. 88 Männer, Kontrollen nach 3, 6, 12 und 24 Monaten. Die ASA-Positivrate unterschied sich nicht zwischen den drei Sterilisationsmethoden, nicht vor und nach der Operation und nicht nach Wiederauftreten von Spermien; Positivrate, Intensität und Typ beeinflussten die Schwangerschaft nicht; die Schwangerschaftsrate war bei einer Spermienkonzentration über 20 × 10⁶/ml deutlich höher. Der Abstract nennt keine Zahlenwerte.
  • Lee, Kim und Kim 1987 (Sperm auto-immunity associated with vasectomy, vasovasostomy and epididymovasostomy in Korean males) [s279]. Serum-Agglutinine (Titer mindestens 1:32) bei 3 % der normospermen Kontrollen und 27 % der vasektomierten Männer; vor der Vasovasostomie 35 %, zwölf Monate nach erfolgreicher Reanastomose 29 %; kein Unterschied zwischen erfolgreicher und erfolgloser Vasovasostomie. Antikörper bei 20 % der Männer mit Schwangerschaft und 43 % derjenigen mit fortbestehender Infertilität bei durchgängiger Reanastomose. Nach Epididymovasostomie 0 % positiv bei Durchgängigkeit und 17 % bei Misserfolg; die vier Männer mit Schwangerschaft waren alle antikörpernegativ. Agglutinationsmuster: 56 % Flagellum-zu-Flagellum, 30 % Kopf-zu-Kopf, 14 % gemischt. Fallzahlen im Abstract nicht angegeben, älteres Verfahren.
  • Matson und Kollegen 1989 (The incidence and influence upon fertility of antisperm antibodies in seminal fluid following vasectomy reversal) [s276]. Präoperativ ASA (IgA oder IgG) bei 9 von 27 Männern (33,3 %); postoperativ Anstieg bei Männern mit Spermien im Ejakulat (27 von 45, 60 %), nicht bei Männern ohne Spermien (4 von 10, 40 %). Nach mindestens einem Jahr Konzeptionsraten bei Durchgängigkeit ohne ASA 12 von 18 (66,7 %), mit nur IgA zwei von drei, mit IgG nur eine von neun (11,1 %; p < 0,05) und mit IgA plus IgG drei von 15 (20,0 %; p < 0,01).
  • Parslow und Kollegen 1983 (The effects of sperm antibodies on fertility after vasectomy reversal) [s284]. 130 Männer; Serumagglutinine bei 79 %, Samenplasma-ASA 9,5 % vor und 29,5 % nach der Operation; Schwangerschaften bei 44,6 %, signifikant weniger bei präoperativem Serumtiter von 512 oder mehr; perioperative Steroide brachten in einer randomisierten Teilstudie keinen Nutzen. Newton 1988 [s277]: zwölf Männer nach Vasovasostomie, agglutinierende Antikörper (MAR) bei 58 % (50 % bei Männern mit Schwangerschaft, 75 % ohne), kein signifikanter Unterschied der Antikörperbindung zwischen fertilen und infertilen Männern. Die drei alten Studien unterscheiden sich in Testmethode, Probenmaterial und Grenzwerten; das kann die widersprüchlichen Ergebnisse erklären.
  • Carbone und Kollegen 1998 (Partial obstruction, not antisperm antibodies, causing infertility after vasovasostomy) [s226]. 412 Patienten mit indirektem IBT, 95 mit > 20 % Bindung, davon 49 mit normaler Partnerin; mittlere Nachbeobachtung 33,8 Monate. 14 Männer mit Verdacht auf Teilobstruktion wurden mikrochirurgisch erneut rekonstruiert: sieben (50 %) Schwangerschaften gegen fünf von 29 (17,2 %) bei assistierter Reproduktion (p = 0,025); sechs Männer ohne Obstruktionszeichen blieben ohne Therapie und ohne Schwangerschaft. Folgerung der Autoren: ASA seien in dieser Konstellation kein wesentlicher Faktor. Retrospektiv, Diagnose der Teilobstruktion beruht auf Palpation und Spermienparametern.
  • Lee und Kollegen 2009 (Value of serum antisperm antibodies in diagnosing obstructive azoospermia) [s167]. 484 infertile Männer, davon 272 mit operativ gesicherter Obstruktion. Fläche unter der ROC-Kurve für IgG 0,92, IgA 0,85, IgM 0,67; für IgG gegen das Flagellum 0,92, gegen den Kopf 0,87, gegen das Mittelstück 0,79. IgG: Sensitivität 85 %, Spezifität 97 %; IgA: Spezifität 99 %, positiver Vorhersagewert 99 %. Die Kontrollgruppe waren nichtazoosperme Infertile (Spektrumeffekt), retrospektiv.
  • Matsuda und Kollegen 1993 [s259]: 13 Patienten mit Samenleiterverschluss nach kindlicher Leistenbruchoperation; indirekter IBT bei 7 (54 %) IgG-positiv und 2 (15 %) IgA-positiv. Somolinos und Kollegen 2007 [s180]: 137 Samenproben nach Vasektomie, 24 % mit Leukospermie, ASA bei 4,3 % der 23 getesteten Proben.

Operationen und Verletzungen am Hoden und Leistenbereich

  • Negri und Kollegen 2022 (Influence of inguinal hernia repair on sperm autoimmunity: The largest single center experience) [s59]. 2258 infertile Männer, 191 nach Leistenhernienoperation. ASA-Positivität nach andrologischen Eingriffen 3,48-fach (KI 1,70 bis 7,10; p < 0,001), nach Hernienkorrektur 2,45-fach (1,01 bis 5,99) häufiger als in der unselektierten infertilen Population. Retrospektiv, kein Zeitbezug zwischen Operation und Test, keine fertile Referenz. Krnić und Kollegen 2016 [s112]: 50 Patienten, je 25 mit elektiver und inkarzerierter Hernie, nach Netzimplantation signifikanter ASA-Anstieg im späten Verlauf, alle Endwerte im Referenzbereich, ebenso Widerstands- und Pulsatilitätsindex der Hodendurchblutung.
  • Fu und Kollegen 2006 (Hodentorsion; Originaltitel chinesisch, deutsch: Durch Hodentorsion induzierte Antispermien-Antikörper und ihr Einfluss auf die Hodenfunktion) [s183]. Zehn Patienten, geschädigter Hoden entfernt; die ASA stiegen nach der Operation deutlich und blieben mindestens 26 Wochen erhöht, Inhibin B war in Woche 3 am niedrigsten und normalisierte sich bis Woche 12. Kein Kontrollkollektiv, Zahlenwerte im Abstract nicht angegeben. Arap und Kollegen 2007 [s177]: 24 Patienten nach Torsion, 20 fertile Kontrollen; kein signifikanter Unterschied der ASA, aber Trend zu höheren Werten. Nagasawa und Kollegen 2022 [s63] (Fallbericht, n = 1): primärer Hypogonadismus nach Hodentorsion mit autoimmunem polyglandulärem Syndrom Typ 4; legt einen autoimmunen Mechanismus nahe, belegt ihn nicht allgemein.
  • Testikuläre Spermiengewinnung. Hu und Kollegen 2017 (Originaltitel chinesisch) [s100] randomisierten 210 Azoospermiepatienten auf TESE (n = 50), TESA (n = 56), testikuläre Feinnadelaspiration (n = 64) oder Mikro-TESE (n = 40). Die IgM-ASA-Positivrate stieg nach einem Monat bei TESE von 0,00 % auf 14,00 % (p < 0,05) und bei Mikro-TESE von 2,50 % auf 15,00 % (p < 0,05); Testosteron fiel in diesen beiden Gruppen, Inhibin B in allen vier. Nur IgM berichtet, Nachbeobachtung drei Monate. Dagegen fanden Öztürk und Kollegen 2011 [s154] bei 37 Paaren mit nichtobstruktiver Azoospermie nach Mikro-TESE weder bei Männern noch bei Partnerinnen relevante Serum-ASA (Kontrollen vor sowie nach 3 und 12 Monaten), und Komori und Kollegen 2004 [s195] sahen bei 13 Patienten nach konventioneller und 12 nach Mikro-TESE über ein Jahr keine neue ASA-Bildung und keinen signifikanten Testosteronabfall.
  • Kryptorchismus, Mikrolithiasis, Biopsie. Jiang und Zhu 2013: 48 infertile Männer nach Orchidopexie und 20 Kontrollen, kein Mann erfüllte das WHO-Kriterium für ASA-vermittelte Infertilität [s135]; 22 Männer mit Mikrolithiasis ohne signifikante ASA [s136]. Patel und Kollegen 2005 [s190]: 112 Männer nach Hodenbiopsie im Kindesalter, bei 57 direkter Immunobead-Test ohne Befund. Domagala und Kollegen 2006 [s182]: 3,95 % ASA bei 76 präpubertären Jungen mit Hodenfunktionsstörung. Kurpisz und Kollegen 2011 [s152] (60 Jungen mit Kryptorchismus, 60 Kontrollen): Allelfrequenzen von HLA-DRB1/DQB1 unterschieden sich nicht zwischen Kryptorchiden und Kontrollen, schwache Unterschiede (DRB1*04, korrigiertes p = 0,0475; DQB1*06, p = 0,0385) zwischen Kryptorchiden mit und ohne ASA. Paoli und Kollegen 2009 [s168]: 190 Patienten mit Hodentumor einen Monat nach Orchiektomie, ASA bei 11 (5,8 %).
  • Klinefelter-Syndrom und systemische Autoimmunerkrankungen. Sengül und Kollegen 1996 [s239]: bei 5 von 18 Klinefelter-Patienten (27,7 %) ASA-Werte über der oberen Normgrenze (p < 0,01), sehr kleine Gruppen. Shiraishi und Kollegen 2009 [s170]: 5 von 70 Männern mit systemischen Autoimmunerkrankungen (7,1 %) gegen keiner von 80 Kontrollen (p = 0,020); keiner der fünf hatte spermienimmobilisierende Antikörper.

Varikozele und Varikozelenoperation

  • Božedomov und Kollegen 2014 (The role of the antisperm antibodies in male infertility assessment after microsurgical varicocelectomy) [s126]. 99 Patienten, mikrochirurgisch operiert; 66 ASA-negativ, 33 mit MAR-IgG ≥ 10 %. Nach drei Monaten stieg bei den anfangs ASA-negativen die Zahl progressiv beweglicher Spermien 2,5-fach (p < 0,001); 16 % entwickelten nach der Operation ASA (maximal MAR-IgG 12 %). Bei anfangs ASA-positiven sank der ASA-Spiegel nur in der Hälfte der Fälle (16 von 33; p > 0,05). Schwangerschaftsrate im ersten Jahr 39 % (25 von 65) bei ASA-negativen gegen 14 % (4 von 28) bei ASA-positiven (p < 0,05). Die Autoren folgern, die antispermale Immunantwort mindere den Erfolg der Operation. Schwächen: Teile retrospektiv, keine Kontrollgruppe ohne Operation, Schwangerschaften nur für 93 von 99.
  • Bonyadi und Kollegen 2013 (Effects of Varicocelectomy on Anti-sperm Antibody in Patients with Varicocele) [s132]. 90 Patienten, ASA im Samen 13,7 % vorher, 15,7 % nachher (p = 0,881); im Serum 13,6 % vorher, 21,7 % nachher (p = 0,033). Keine Kontrollgruppe, Test und Schwelle nicht angegeben.
  • Djaladat und Kollegen 2006 (Varicocele and antisperm antibody: fact or fiction?) [s181]. 81 Männer vor und sechs Monate nach mikrochirurgischer Operation; vor der Operation 21 (26 %) mit niedriger Positivität (10 bis 40 %); nach sechs Monaten sank der Titer bei 15, stieg bei 3 und sank bei weiteren 3. Von 60 anfangs ASA-negativen Patienten zeigten 48 einen Anstieg mindestens eines ASA-Typs, ohne signifikanten Einfluss auf die Samenparameter.
  • Al-Adl und Kollegen 2014 (The influence of antisperm antibodies, intratesticular haemodynamics and the surgical approach to varicocelectomy on seminal variables) [s125]. 82 Männer, ASA vor der Operation bei 17 (21 %); die Gesamtzahl beweglicher Spermien besserte sich bei 52 (63 %). ASA-Positivität, Zugang und Seite waren keine Prädiktoren, Doppler-Parameter, FSH, Testosteron und Hodenvolumen schon. Das steht im Gegensatz zu [s126]; Endpunkte und Methodik unterscheiden sich.
  • Cetinkaya und Kollegen 1994 [s251]: 25 Männer mit negativen ASA vor der Operation, danach vier (16 %) positiv. Al-Daghistani und Kollegen 2010 [s158]: ASA bei 18 Männern mit Varikozele (26,47 %), 20 ohne (38,46 %) und 16 Fertilen (32,0 %), also keine höhere Rate bei Varikozele; die Prozentwerte passen rechnerisch nicht zu den Gruppengrößen (18 von 66 wären 27,3 %). Isitmangil und Kollegen 1999 [s219]: Methodenvergleich bei 30 Männern mit Varikozele, 15 (50 %) positiv.
  • Jugendliche. Pičugova und Kollegen 2020 [s86] (Originaltitel russisch): 92 Jugendliche mit linksseitiger Varikozele und 20 ohne; Serum-ASA stiegen von 14 bis 17 Jahren in beiden Gruppen (Varikozele 10,76, 23,96, 27,63 und 29,25 E/ml; Vergleichsgruppe 13,82, 28,74, 29,09 und 26,77 E/ml); bei keinem Untersuchten über dem zulässigen Wert; im Ejakulat mit 17 Jahren bei 6 (6,5 %) Überschreitung. Die Prozentangaben im Text sind rechnerisch nicht ganz stimmig (3 von 20 sind 15 %, nicht 11,1 %). Kanevskaja und Kollegen 2010 [s163] (Originaltitel russisch): 75 Jugendliche mit Varikozele Grad III; bei 34 Serum-ASA vor und nach der Operation; kein Unterschied zur Vergleichsgruppe, kein signifikanter Anstieg nach der Operation; Inhibin B stieg nach sechs Monaten (p = 0,02), FSH sank (p = 0,04). Kurze Nachbeobachtung, Serum-ASA.

Entzündung, Prostatitis, Orchitis und Infektion beim Menschen

  • Belyj und Konšin 2013 (Originaltitel russisch, deutsch: Besonderheiten der Spermatogenesestörungen nach akuter Epididymoorchitis) [s144]. 40 Männer mit akuter Epididymoorchitis (17 mit intraskrotaler Hypertension), 20 gesunde Männer. MAR-Test 30 Tage nach Genesung 31,6 ± 2,4 % (ohne Hypertension), 58,4 ± 3,6 % (mit Hypertension), 13,3 ± 1,9 % (Kontrolle); nach 105 Tagen 20,2 ± 2,1 % gegen 59,4 ± 4,9 %. Progressive Beweglichkeit nach 30 Tagen 45,6 % ohne und 24,2 % mit Hypertension, nach 105 Tagen 58,2 % gegen 26,2 %. Schwächen: Zahlenabweichungen (31,1 % im Text gegen rechnerisch 39,1 %), identische Normozoospermie-Zahlen nach 30 und 105 Tagen, ungewöhnlich hoher MAR der „gesunden“ Kontrollen, nur zwei Zeitpunkte, keine Fertilitätsendpunkte.
  • Tobokalova und Kollegen 2014 (Originaltitel russisch, deutsch: Folgen einer durchgemachten Mumps-Orchitis bei Erwachsenen) [s130]. 57 Patienten nach Mumps mit Hodenbeteiligung; Hodenatrophie bei 29,8 %, die Zahl der Atrophien nahm im zweiten Jahr zu, vor allem durch beidseitige Atrophie, was die Autoren als Hinweis auf einen autoimmunen Prozess deuten (ohne ASA zu messen). Samenanalyse 2 bis 3 Jahre nach Mumps-Orchitis (n = 27): Spermienzahl 47,9 ± 4,8 gegen „Norm“ 75,5 ± 3,5 pro ml; Spermaagglutination positiv. Kein Antikörpernachweis, Vergleich mit Literaturnormwerten.
  • Marconi und Kollegen 2008 [s175]: 133 Männer, darunter 79 mit symptomatischen nichtakuten entzündlichen oder infektiösen Erkrankungen; klinisch relevante Positivität 2,5 % (IgG) und 1,3 % (IgA) in der Entzündungsgruppe, kein signifikanter Unterschied zu den Kontrollen. Das spricht gegen einen ASA-Anstieg durch chronische Samenwegsentzündung, die Fallzahl ist klein. Kaleli und Kollegen 2000 [s213]: 219 infertile Männer; Leukozytospermie war mit positiver Akrosomreaktion und höherer Konzentration assoziiert, ein ASA-Ergebnis wird im Abstract nicht berichtet.
  • Amarilla und Kollegen 2024 (Impaired Spermatogenesis in Infertile Patients with Orchitis and Experimental Autoimmune Orchitis in Rats) [s38]. Hodenbiopsien von 38 Patienten (idiopathische nichtobstruktive Azoospermie mit milder oder schwerer Hypospermatogenese, obstruktive Azoospermie als Kontrolle, Sertoli-Zell-Only-Syndrom, je neun bis elf). Bei schwerer Hypospermatogenese waren CD45-positive Zellen in der Tubuluswand und im Lumen vermehrt, assoziiert mit mehr apoptotischen meiotischen Keimzellen und weniger Spermatogonien; Sertoli-Zellen zeigten ein unreifes Profil. Verglichen wurde mit EAO-Ratten. Humangewebe, aber kleine Gruppen im Querschnitt.
  • Xu und Kollegen 2006 (Orchitis: a complication of severe acute respiratory syndrome (SARS)) [s187]. Autopsiehoden von sechs an SARS Verstorbenen: ausgedehnte Keimzellzerstörung, verdickte Basalmembran, vermehrte CD3-positive T-Lymphozyten und CD68-positive Makrophagen (p < 0,05), keine Virussequenzen in situ, reichlich IgG im Samenepithel. n = 6, schwere Allgemeinerkrankung als Störgröße. Akaberi-Nasrabadi und Kollegen 2024 [s37]: Obduktionshoden nach COVID-19 mit Vimentin-Expression, Infiltration durch CD68-, CD38- und CD138-positive Zellen und ausgedehnter IgG-Ablagerung; Fallzahl im Abstract nicht genannt. Zhang und Kollegen 2025 [s34]: 781 infertile Männer nach COVID-19, Spermienparameter im ersten Monat gesunken, im dritten Monat wieder gebessert; kein ASA-Endpunkt. Alkireidmi und Kollegen 2025 [s18]: 133 Samenproben und molekulares Docking; die Schlussfolgerung (IgA mindere die Beweglichkeit, immunogene Infertilität nach COVID-19-Impfung) ist durch die berichteten Daten nicht gedeckt, weil der Abstract weder einen Antikörperbefund an den Proben noch einen Vergleich Geimpfter und Ungeimpfter nennt.
  • Granulomatöse Orchitis, Brucellose. Liang und Kollegen 2021 [s69] (Fallbericht, 38-jähriger Mann, Orchiektomie) und Sakuma und Den 2001 [s212] (Zusammenstellung von 20 in Japan berichteten Fällen; Alter 29 bis 79 Jahre; präoperative Diagnose gelang nie, Antibiotika meist unwirksam): klinisch-pathologische Fallsammlungen ohne Immunbefund. Khodadadi und Kollegen 2023 [s50]: 50 Patienten mit Brucellen-Epididymoorchitis, Nachbeobachtung sechs Monate ohne Therapieversagen; keine Daten zu ASA oder Fertilität.
  • Prostatitis. Neben der Metaanalyse [s111] ist die Studie von Al'-Šukri [s117, s116] (siehe oben) die einzige Intervention mit ASA-Endpunkt.

Immunbefunde im Samen und Blut (Querschnitt)

  • Shi und Kollegen 2014 (Interleukin-6 und sICAM-1; Originaltitel chinesisch) [s129]. 123 Männer mit Verdacht auf Infertilität (Immuninfertilität n = 41, andere Infertilität n = 37 und n = 45) und 31 fertile Kontrollen. IL-6 im Samenplasma: 37,92 ± 17,01 ng/l (Immuninfertilität) gegen 22,23, 18,75 und 9,47 ng/l (Kontrolle); sICAM-1: 89,15 ± 41,82 gegen 67,81, 53,25 und 19,46 ng/ml. Alle gegen Kontrolle p < 0,01; bei Leukozyten-positiven Immuninfertilen höher. Querschnitt, keine Aussage zu Ursache und Wirkung.
  • Wei und Kollegen 2015 [s122] (Li-Volksgruppe, 136 Personen): sMICA und sMICB im Serum bei ASA-Positiven niedriger (sMICA 5,56 gegen 22,00 pg/ml; sMICB 16,13 gegen 36,51 pg/ml; p < 0,01), Spearman-Korrelation mit ASA −0,475 und −0,381. Die Autoren sehen einen begrenzten klinischen Wert der Serum-ASA. Liu und Kollegen 1993 [s258]: bei 28 infertilen Männern mit ASA erniedrigte CD3-, CD4- und CD8-Anteile, erhöhte B-Zellen (keine Zahlen im Abstract). Ni und Kollegen 2000 [s215]: sIL-2R im Serum höher, Na+/K+-ATPase im Samen niedriger (ohne Zahlen). Zamani und Kollegen 2015 [s123]: PD-1-Polymorphismus, 61 Männer gegen 84 Kontrollen; G/A 38,2 % gegen 32,7 % (OR 1,21; p = 0,35), signifikante Unterschiede bei G/G (p = 0,042), A/A (p = 0,00001) und Allelfrequenzen (p = 0,0012); der p-Wert bei A/A wirkt bei dieser Fallzahl ungewöhnlich, keine Replikation. Omu und Kollegen 1996 bis 1999 (Kuwait, überlappende Populationen) [s235, s238, s229, s222]: ASA-Inzidenz 18,8 % bei Männern und 17,6 % bei Frauen gegen 4 % bei Kontrollfrauen; HLA-Klasse-II-Haplotypen (DR4, DR6, DQ7) bei ASA häufiger, kleine Kontrollgruppen.
Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Überblick über die Evidenzlage auf der Ebene der Zusammenfassungen bis Erzählende Übersichtsarbeiten zu Klinik, Diagnostik und Behandlungsstand
  5. Übersichten zur Immunologie von Hoden und Nebenhoden
  6. Vorbemerkung zur Lesart und Häufigkeit von ASA und Zusammenhang mit Samenparametern
  7. Varikozele und ASA und Infektion, Entzündung und Prostatitis
  8. Trauma, Operationen, Samenwegsobstruktion und Kindheit bis Studien an Frauen und Paaren
  9. Diagnostische Vergleichs- und Methodenstudien am Menschen bis Zusammenfassende Einordnung der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Standards bis Randomisierte und kontrollierte Studien zu Behandlungsansätzen (nur Wiedergabe)
  11. Kohorten und Beobachtungsstudien am Menschen
  12. Tierversuche und Veterinärstudien
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s143
  26. Quellen s144–s287
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle