Fragestellung und Aufbau der Gesamtstudie
Die Studie ist als Folge von Kapiteln angelegt. Dieses erste Kapitel liefert die Zusammenfassung, die Methodik und den Hintergrund; die folgenden Kapitel behandeln die Themen im Einzelnen. Leitfragen der Gesamtstudie sind: Wie häufig sind Antispermien-Antikörper bei Männern, und wie wird ihr Nachweis definiert? Welche Auslöser und Risikofaktoren sind belegt? Beeinträchtigen ASA die Fruchtbarkeit, und wenn ja, auf welchem Weg? Welche Rolle spielen Entzündungen des Hodens und der Nebenhoden sowie Autoimmunität gegen Keimzellen? Was weiß man über Behandlungsstudien, ohne daraus Empfehlungen abzuleiten? Und wie unterscheidet sich der Stand der Literatur in verschiedenen Sprachräumen?
Wie recherchiert wurde
Die Recherche lief in drei Gruppen nach Sprachräumen, die jeweils einen eigenen Rechercheprozess durchliefen:
- Gruppe a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch). Gesucht wurde in Europe PMC (24 Suchläufe) und über die E-utilities der US-amerikanischen National Library of Medicine. Die 24 Läufe lieferten 816 eindeutige Datensätze, davon 759 mit Abstract; nach einem Titelfilter blieben 212 Datensätze mit längerem Abstract, aus denen 113 Arbeiten ausgewählt wurden. Hinzu kamen zwölf Quellen außerhalb von PubMed: die Webfassungen der Leitlinien von AUA/ASRM und EAU, fünf Dokumente aus dem französischen Archiv HAL und fünf aus der spanischsprachigen Datenbank Dialnet. Insgesamt umfasst die Gruppe 126 Einträge.
- Gruppe b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch). Gesucht wurde über Europe PMC, die Programmierschnittstelle von J-STAGE (Japan) und die offene Schnittstelle von CiNii Research; die Suchbegriffe waren unter anderem die chinesischen und japanischen Wörter für „Antispermien-Antikörper“, „Hodenentzündung“ und „immunologische Unfruchtbarkeit“. Aufgenommen wurden 120 Quellen.
- Gruppe c (Russisch, Arabisch, Türkisch). Gesucht wurde in Europe PMC (428 unterschiedliche Datensätze in der ersten Suchrunde), im russischen Verzeichnis CyberLeninka (202 Datensätze aus zehn Abfragen) und im türkischen Index TR Dizin (152 Datensätze aus 14 Abfragen), jeweils mit muttersprachlichen und englischen Begriffen, getrennt nach Herkunftsland der Autoren. Das ergab 74 Einträge. Die russischen Volltexte der CyberLeninka-Arbeiten wurden gelesen, bei den übrigen Quellen lag das Abstract vor.
Die drei Teilberichte enthalten zusammen 320 Einträge. Nach dem Zusammenführen von Dubletten (gleiche PubMed-Nummer, gleiche DOI oder gleicher Titel) bleiben 287 Quellen. Sie sind nach Jahr absteigend und danach nach Erstautor durchnummeriert (s01 bis s287); alle Zitate dieser Studie beziehen sich auf diese Nummern.
Die Quellenliste ordnet jede Quelle einem oder mehreren Sprachräumen zu (Mehrfachzuordnung möglich). Danach entfallen auf Englisch 243, Chinesisch 67, Japanisch 49, Russisch 19, Türkisch 7, Spanisch 6, Koreanisch 4, Französisch 4, Deutsch 2 und je eine auf Italienisch, Polnisch und Kirgisisch. Der zeitliche Schwerpunkt liegt in den Jahren ab 2010: 2 Quellen stammen aus den 1970er-Jahren, 11 aus den 1980er-, 57 aus den 1990er-, 52 aus den 2000er-, 79 aus den 2010er- und 86 aus den 2020er-Jahren; allein aus den Jahren 2024 bis 2026 sind es 48. Von den 287 Quellen haben 232 eine PubMed-Nummer.
Wie mit Zahlen umgegangen wurde
Alle Zahlen in dieser Studie stammen aus den Abstracts beziehungsweise Webtexten, die für die Teilberichte tatsächlich abgerufen wurden. Für dieses Kapitel wurden zusätzlich die Abstracts mehrerer zentraler Übersichtsarbeiten und Leitliniendokumente erneut über Europe PMC abgerufen und mit den Teilberichten abgeglichen [s01, s12, s14, s16, s39, s56, s74]. Die Zahlen der übrigen Studien wurden aus den Teilberichten übernommen, die sie ihrerseits den Abstracts entnommen haben; sie wurden hier nicht einzeln neu geprüft. Wo ein Abstract keine Fallzahl, kein Konfidenzintervall oder keinen p-Wert nennt, wird das ausdrücklich vermerkt und nichts ergänzt. Wo Zahlen in den Quellen in sich widersprüchlich sind (zum Beispiel Prozentangaben, die nicht zur Gruppengröße passen), steht der Widerspruch im Text, und die Zahl wird als unsicher geführt.
Für die WHO-Referenzwerte (siehe Hintergrund) wurden drei weitere Arbeiten abgerufen, die nicht zur Quellenliste gehören, weil sie keine ASA-Studien sind: Campbell und Kollegen 2021 (Andrology, PubMed-Nummer 33528873), Boitrelle und Kollegen 2021 (Life, 34947899) und Paffoni und Kollegen 2022 (Human Reproduction, 35849333). Sie werden im Text mit Autor, Jahr und PubMed-Nummer genannt, nicht mit einer Kennung der Quellenliste.
Originaltitel nicht englischer und nicht deutscher Arbeiten stehen im Original oder in der englischen Fassung des Datensatzes, mit deutscher Übersetzung in Klammern, wo sie im Text auftauchen.
Wie Evidenzstärke und Gewissheit hier verwendet werden
Die Kernbefunde tragen zwei Angaben. Die Evidenzstärke richtet sich nach der Studienart: hoch für große, gut kontrollierte Studien mit klarem Endpunkt (in diesem Feld praktisch nicht vorhanden), mäßig für Metaanalysen und große einheitliche Serien, niedrig für kleine oder retrospektive Beobachtungsstudien und für Expertenmeinung, sehr niedrig für Fallserien, Kongressabstracts, unkontrollierte Behandlungsbeobachtungen und Übertragungen aus dem Tierversuch. Die Gewissheit drückt aus, wie sicher die Aussage trotz dieser Grenzen ist: Sie sinkt bei widersprüchlichen Ergebnissen, breiten Konfidenzintervallen, uneinheitlichen Testverfahren, Interessenkonflikten und Hinweisen auf Zahlenfehler, und sie steigt, wenn mehrere unabhängige Quellen übereinstimmen. Es ist eine qualitative Einschätzung auf der Grundlage der Abstracts, kein GRADE-Verfahren und keine formale Bewertung des Verzerrungsrisikos.
Grenzen
- Abstracts statt Volltexte. Die Auswertung stützt sich überwiegend auf Abstracts. Tabellen, Nebenanalysen, Angaben zur Verblindung und das Verzerrungsrisiko sind dort oft nicht zu erkennen. Aussagen über Stärken und Schwächen von Studien beruhen auf Studienart und Abstract.
- Nicht erreichbare Datenbanken. Die Webseite von PubMed war laut Arbeitsauftrag gesperrt und wurde nicht verwendet; Europe PMC und die E-utilities liefern die PubMed-Datensätze. Nicht auswertbar waren unter anderem die Suchseite der Cochrane Library (über PubMed wurde keine einschlägige Cochrane-Übersicht zu ASA gefunden), das Register der AWMF, ESHRE-Leitlinienseiten, SciELO, LILACS, Cairn, CNKI, Wanfang, KCI, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark und die arabischen Indizes Mandumah und ASJP. Entsprechend sind chinesische, koreanische, portugiesische und arabische Originalliteratur nur indirekt erfasst (etwa über Metaanalysen, die chinesische Datenbanken auswerteten [s07, s42, s64]); für den arabischen Raum liegt ausschließlich englischsprachige PubMed-Literatur vor.
- Dünne Sprachräume. Aus dem Portugiesischen fand sich keine Arbeit, aus dem Deutschen nur zwei Arbeiten mit Abstract [s286, s253], aus dem Koreanischen vier. Das kann an der Literatur oder an der Erreichbarkeit liegen; beides lässt sich hier nicht trennen.
- Abhängigkeiten zwischen Quellen. Einige Quellen beschreiben dieselben Kohorten oder Versuchsreihen und sind keine unabhängigen Belege: die beiden Prostatilen-Arbeiten [s116, s117], die beiden Frauenstudien aus Tscheljabinsk [s164, s165], die kuwaitischen Studien [s222, s229, s235, s237, s238] und zwei Teile einer Kaninchenreihe [s197, s198].
- Interessenkonflikte. Bei vier russischen Arbeiten ist eine Beteiligung von Herstellern erkennbar [s91, s107, s116, s117]; ihre Ergebnisse werden nicht als Wirksamkeitsbeleg gewertet.
- Uneinheitliche Messverfahren. MAR-Test, Immunobead-Test, ELISA, Immunfluoreszenz, Durchflusszytometrie und weitere Verfahren messen Unterschiedliches (Spermienoberfläche, Samenplasma, Serum) mit verschiedenen Grenzwerten. Häufigkeiten verschiedener Studien sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
- Keine Therapieempfehlung. Die Studie gibt Ergebnisse von Behandlungsstudien und Schlussfolgerungen ihrer Autoren wieder. Sie bewertet Studien, empfiehlt aber keine Behandlung und ersetzt keine ärztliche Beratung.