Vorbemerkung zur Lesart
Fast alle humanen Studien zu ASA sind Beobachtungsstudien: Querschnittsanalysen, Fall-Kontroll-Studien, Kohorten und Fallserien, überwiegend retrospektiv, überwiegend aus einem einzelnen Zentrum und überwiegend mit kleinen Stichproben. Sie erlauben Aussagen über Häufigkeiten und Zusammenhänge, aber nur eingeschränkt über Ursache und Wirkung. Die Vergleichbarkeit leidet unter drei Dingen. Erstens unter dem Untersuchungsmaterial und dem Test: Spermiengebundene Antikörper im Ejakulat (gemischte Antiglobulinreaktion, MAR; direkter Immunobead-Test, D-IBT), Antikörper im Samenplasma oder Serum (indirekter Immunobead-Test, ELISA, Agglutinationstests, Immunfluoreszenz) und funktionelle Tests (Spermienimmobilisationstest, SIT) messen Verschiedenes. Zweitens unter den Grenzwerten (10 %, 20 %, 40 %, 50 %, 80 % oder 100 % antikörperbeladene bewegliche Spermien im Ejakulat; 60 oder 65 Einheiten pro Milliliter im Serum). Drittens unter der Auswahl: Wer getestet wird, ist in andrologischen Ambulanzen selektiert. Die in den Studien berichteten Raten reichen deshalb von wenigen Prozent bis zu zwei Dritteln. Studien an der Allgemeinbevölkerung wurden bei der Recherche nicht gefunden.
Die Arbeiten werden im Folgenden nach Fragestellung geordnet: Häufigkeit und Samenparameter, Varikozele, Infektion und Entzündung, Trauma, Eingriffe und Obstruktion, systemische und genetische Faktoren, Zusammenhang mit Fertilität und assistierter Reproduktion, Studien an Frauen und Paaren, diagnostische Vergleichsstudien, Hodenentzündung beim Menschen und schließlich Beobachtungsstudien an Tieren. Behandlungsstudien (Kortikosteroide, Insemination, Heilkräuter, Nahrungsergänzungsmittel) und tierexperimentelle Modelle werden in anderen Kapiteln der Gesamtstudie behandelt; sie werden hier nur erwähnt, wo sie für das Verständnis einer Beobachtung nötig sind.
Häufigkeit von ASA und Zusammenhang mit Samenparametern
Barbonetti und Kollegen 2019: mehr als 10 000 Männer in Italien [s88]
Barbonetti, Castellini, D'Andrea, Cordeschi, Santucci, Francavilla und Francavilla (L'Aquila) werteten retrospektiv die Daten von 12 296 aufeinanderfolgenden Männern aus, die eine universitäre andrologische Ambulanz zur Abklärung ihres Fertilitätspotenzials aufgesucht hatten. Der IgG-MAR-Test war integraler Bestandteil der Samenanalyse aller Ejakulate; positive Proben (≥ 10 %) wurden zusätzlich auf IgA-ASA getestet. Nach Ausschluss von Azoospermie und schwerer Oligoasthenozoospermie blieben 10 025 Männer. Die Prävalenz eines positiven IgG-MAR-Tests betrug 4 %, 3,4 % und 2 % bei Grenzwerten von 10 %, 50 % und 100 %.
Die zu 100 % positiven Tests zeigten eine höhere Konsistenz über die Zeit, häufiger ein gemischtes Bindungsmuster (Kopf und Flagellum) und häufiger gleichzeitig IgA-ASA; sie waren mit einer niedrigeren medianen Gesamtspermienzahl und progressiven Motilität verbunden als Proben mit geringerer Positivität oder negative Proben. Im Postkoitaltest (PCT), der bei 120 Paaren mit ASA beim Mann durchgeführt wurde, war die 100-%-Positivität der einzige unabhängige Bestimmungsfaktor für einen negativen PCT, unabhängig von Samen- und Zervixschleimqualität. Die Autoren folgern, die Grenze von 50 %, die die WHO als klinisch relevant vorschlägt, schließe Patienten ein, bei denen die Spermienautoimmunisierung nur zusammen mit anderen Ursachen zur Infertilität beiträgt, während ein zu 100 % positiver Test der alleinige Bestimmungsfaktor der Paarinfertilität sein könne.
Stärken: die größte bisher berichtete Serie, ein einheitlicher Test, ein klinisch relevanter Zielparameter (PCT, über den die Autoren die Zervixschleimpenetration als Hauptmechanismus der ASA-Wirkung erfassen). Schwächen: retrospektives Design, ausschließlich Surrogatendpunkte, Selektion durch den Ausschluss schwerer Fälle (der MAR-Test ist bei sehr geringer Beweglichkeit nicht auswertbar), nur ein Testsystem. Wichtig ist die Prävalenzabstufung: Nur etwa 2 von 100 Männern einer andrologischen Ambulanz haben einen vollständig positiven MAR-Test.
Silva und Kollegen 2025: zehn Jahre Retrospektive [s30]
Silva, Schubert, Kliesch, Schlatt, Ramalho-Santos und Amaral werteten retrospektiv eine Kohorte von 2727 Männern aus, deren ASA per MAR-Test bestimmt wurden. Die Männer wurden in vier Gruppen eingeteilt: ohne ASA, ASA 10 bis 49 %, ASA ≥ 50 % und ASA 10 bis 100 %. Die Prävalenz betrug 1,4 %. Im Vergleich zur Gruppe ohne ASA hatten Patienten mit ≥ 50 % ASA einen höheren Anteil an Agglutinaten und Leukozyten im Ejakulat und ein höheres Hodenvolumen. Bei 10 bis 49 % und 10 bis 100 % ASA waren FSH und Fruktose niedriger, Östradiol und α-Glukosidase höher; auch das Hodenvolumen war höher. Die Gruppe mit 10 bis 49 % ASA hatte mehr Agglutination, Rundzellen und Leukozyten als die Gruppe ohne ASA; ähnliche Ergebnisse zeigte die Gruppe mit 10 bis 100 % ASA. Rauchen war in der Gruppe ≥ 50 % häufiger als in der Gruppe 10 bis 49 %, wobei die Chance auf ASA auf pathologischem Niveau etwa doppelt so hoch war. Die Autoren sehen in Agglutination und beeinträchtigter Motilität die aussagekräftigsten Zeichen von ASA und empfehlen für die klinische Handhabung, sie zu berücksichtigen; sie sind nach eigener Angabe die ersten, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen und ASA auf pathologischem Niveau berichten, und weisen auf möglichen klinischen Bedeutungswert von höherem Hodenvolumen und niedrigerem FSH bei ASA hin.
Stärken: eine große, gut charakterisierte Kohorte. Schwächen: retrospektives Design, zahlreiche Gruppenvergleiche ohne berichtete Korrektur für Mehrfachtests, im Abstract keine Effektmaße mit Konfidenzintervall für die Einzelparameter; Mechanismen für die ungewöhnlichen Befunde (höheres Hodenvolumen, niedrigeres FSH) bleiben offen, und der Rauch-Befund beruht auf dem Vergleich zweier Positivgruppen, nicht auf einem Vergleich mit Männern ohne ASA. Die Prävalenz von 1,4 % liegt am unteren Ende der berichteten Spannen.
Zhang und Kollegen 2026: Positivrate und Embryokultur in Shijiazhuang [s15]
In einer retrospektiven Einzelzentrumsanalyse (Urologia Internationalis) wurden 8 265 Ejakulatproben mit der gemischten Antiglobulinreaktion auf ASA untersucht; 934 IVF/ICSI-Zyklen gingen in den Vergleich der Embryokulturergebnisse ein. Die ASA-Positivität im Samen betrug etwa 1,03 %. ASA schwächten nach Angabe der Autoren die Normalbefruchtungsrate bei IVF. Bei ICSI gab es mit einem Schwellenwert von 10 % keinen statistischen Unterschied; mit einem Schwellenwert von 50 % senkten ASA die Normalbefruchtungsrate und die Rate guter Embryonen an Tag 3 signifikant. Der Abstract nennt für diese Vergleiche keine Zahlen, Effektgrößen oder p-Werte. Stärke: die große Gesamtstichprobe für die Prävalenz. Schwächen: retrospektiv, Einzelzentrum, kleine Untergruppen bei den Zyklen, und die Autoren selbst nennen die Notfall-ICSI („rescue ICSI“) als mögliche Ursache schlechter Ergebnisse; fehlende Zahlen im Abstract verhindern eine Einordnung der Effektgröße.
Šmelev und Kollegen 2024: Kemerowo, Russland [s48]
Šmelev, Trishkin und Mitarbeiter (Zentrum für Familiengesundheit und Reproduktion „Krasnaja Gorka“, Kemerowo; Zeitschrift Medicina v Kuzbasse; Originaltitel Иммунологический фактор бесплодия у мужчин Кемеровской области, deutsch: Immunologischer Faktor der Unfruchtbarkeit bei Männern des Gebiets Kemerowo) führten eine retrospektive Querschnittsstudie mit MAR-Tests bei 1 827 Männern mit Infertilität (5. Januar 2018 bis 30. Dezember 2021) durch. Verwendet wurde der direkte MAR-IgG-Test (SpermMar), positiv ab mehr als 40 % agglutinierten Spermien; ausgeschlossen waren Azoospermie und Erkrankungen der männlichen Fortpflanzungsorgane. Ein positiver MAR-Test fand sich bei 116 von 1 827 Männern (6,35 %).
In einem Vergleich von 102 Patienten (51 mit normalem MAR, Mittel 6,98 ± 6,58; 51 mit erhöhtem MAR, Mittel 68,31 ± 22,06) bestand kein signifikanter Unterschied im Spermiogramm: Volumen 3,61 ± 1,61 gegenüber 3,35 ± 1,69 ml (p = 0,43), Konzentration 65,38 ± 43,18 gegenüber 64,24 ± 47,04 Mio. (p = 0,89), Gesamtbeweglichkeit 62,68 ± 10,24 gegenüber 60,96 ± 13,89 % (p = 0,47), progressive Beweglichkeit 32,88 ± 13,51 gegenüber 31,25 ± 17,34 % (p = 0,59), Morphologie 5,17 ± 1,49 gegenüber 5,76 ± 2,56 % (p = 0,16) und Vitalität 73,96 ± 9,78 gegenüber 74,03 ± 12,54 % (p = 0,97). Im Vergleich der sehr hohen Gruppe (MAR 90 bis 100 %, n = 20; Mittel 96,90 ± 3,49) mit der Gruppe MAR < 40 % (n = 51) zeigten sich signifikante Unterschiede bei der Konzentration (65,38 ± 43,18 gegenüber 38,65 ± 23,30 Mio.; p = 0,019) und der progressiven Beweglichkeit (32,88 ± 13,51 gegenüber 20,80 ± 13,02 %; p = 0,002); die Gesamtbeweglichkeit war grenzwertig (62,68 ± 10,24 gegenüber 54,50 ± 17,38 %; p = 0,051). Die Autoren sehen die Rate als gleich hoch oder etwas höher als in der Literatur (2,6 % bis 12,9 % je nach Schwelle) und geben an, keine vergleichbaren Daten anderer Regionen der Russischen Föderation gefunden zu haben.
Stärken: die große Stichprobe, ein Standardtest, die offene Berichterstattung auch nicht signifikanter Vergleiche. Schwächen: retrospektiv, Zentrum mit selektiver Klientel, keine Kontrollgruppe fertiler Männer, keine Fertilitätsendpunkte, nicht begründete Auswahl der 102 Patienten, keine Konfidenzintervalle. Der Befund passt zu dem aus Italien [s88]: Erst bei sehr hohen Positivitätsgraden zeigen sich messbare Unterschiede der Samenparameter, während ein positiver Test allein im Mittel keinen wesentlichen Unterschied macht.
Lotti und Kollegen 2018: Nebenhoden statt Hoden [s95]
Lotti, Baldi, Corona, Lombardo, Maseroli, Degl'Innocenti, Bartoli und Maggi führten eine Querschnittsanalyse mit 109 fertilen Männern und 699 aufeinanderfolgenden Männern aus Paaren mit Kinderwunsch und Infertilität durch (September 2012 bis September 2017). Alle erhielten am selben Tag eine vollständige körperliche, endokrine, skrotale und transrektale Ultraschalluntersuchung und eine Samenanalyse einschließlich seminalem Interleukin-8. Bei 181 der 699 Männer (Alter 38,6 ± 6,6 Jahre) war der MAR-Test auswertbar, bei allen 109 fertilen Männern (Alter 36,6 ± 5,2). Von den 181 Männern infertiler Paare hatten 20 (11 %) einen positiven MAR-Test, davon 12 (6,6 %) mit ≥ 50 %, dem pathologischen Grenzwert der WHO. Bei den fertilen Männern waren vier (3,7 %) positiv, davon einer (0,9 %) mit ≥ 50 %; die MAR-Positivität war bei Männern infertiler Paare häufiger (p < 0,05).
Eine positive MAR war mit Ultraschallabweichungen des Nebenhodens verbunden (mittlere Größe von Nebenhodenkörper und -kauda; jeweils p < 0,0001), bei Infertilen auch mit abnormer Echotextur, mit Epididymitis in der Vorgeschichte und hohem seminalem Interleukin-8; der LH-Spiegel korrelierte positiv (bereinigtes r = 0,232; p < 0,0001). Zusammenhänge mit herkömmlichen Spermienparametern bestanden nicht. Die Autoren schließen auf klinische und sonografische Zeichen chronischer Nebenhodenentzündung, nicht auf Hodenschäden, und folgern, bei positivem MAR solle der Nebenhoden und nicht nur der Hoden untersucht werden; die Daten stützten eine Rolle der ASA bei Paarinfertilität unabhängig von der konventionellen Samenanalyse.
Stärken: die erstmalig systematische Untersuchung des gesamten männlichen Genitaltrakts mit Ultraschall, eine fertile Vergleichsgruppe. Schwächen: Querschnitt (keine Kausalaussage), Selektionsbias, weil der MAR-Test bei schwerer Oligoasthenozoospermie technisch nicht auswertbar ist (nur 181 von 699 Männern), geringe Zahl positiver Fälle (20 und 4), nur ein Testsystem (SpermMAR IgG).
Božedomov und Kollegen 2015: infertile Normozoospermie [s118]
Božedomov, Nikolaeva und Mitarbeiter (Moskau; Journal of Reproductive Immunology) führten eine multizentrische Querschnitts-Fall-Kontroll-Studie (in PubMed zusätzlich als „Clinical Trial“ geführt) durch: 1 060 infertile Männer mit normaler Spermienzahl, -beweglichkeit und -morphologie (Normozoospermie) und 107 fertile Männer. Untersucht wurden klinischer Befund, Spermiogramm, ASA per MAR-Test, computergestützte Spermienanalyse, Akrosomreaktion per Durchflusszytometrie, DNA-Fragmentierung per Spermienchromatin-Dispersionstest und reaktive Sauerstoffspezies (ROS) per Luminol-Chemilumineszenz.
Ergebnisse: 2 % der fertilen Männer hatten MAR-IgG ≥ 50 %, alle Männer mit MAR-IgG über 12 % waren Ausreißer; bei den infertilen Männern hatten 16 % MAR-IgG ≥ 50 % (p < 0,0001). Zwischen Infertilitätsdauer und MAR-IgG bestand eine direkte Korrelation (R = 0,3; p < 0,0001). ASA-positive infertile Männer hatten 2,1-fach häufiger Störungen der Akrosomreaktion (p < 0,02), überwiegend eine gestörte Induzierbarkeit; Zeichen der Hyperaktivierung nahmen proportional zum ASA-Spiegel zu (p < 0,001). Die DNA-Fragmentierung war 1,6-fach (gegenüber Fertilen; p < 0,001) und 1,3-fach (gegenüber ASA-negativen Patienten; p < 0,05) häufiger. Die ROS-Bildung gewaschener ASA-positiver Spermien war 3,7-fach höher als bei fertilen Männern (p < 0,00001) und hing vom ASA-Spiegel ab (R = 0,5; p < 0,0001); im nativen Ejakulat war die Korrelation schwach (R = 0,2; p < 0,001). Die Autoren schließen, autoimmune Reaktionen gegen Spermien seien bei Normozoospermie mit verminderter Fertilität verbunden, vermittelt über Störungen von Akrosomreaktion und Kapazitation sowie DNA-Fragmentierung, und oxidativer Stress gehöre zur Pathogenese.
Stärken: die große Stichprobe, die Beschränkung auf normozoosperme Männer (kein Störeinfluss durch schlechte Basisqualität) und mehrere Funktionsparameter. Schwächen: Querschnittsdesign, vergleichsweise kleine fertile Kontrollgruppe, nicht genannte Gruppengrößen der ASA-positiven und -negativen Untergruppen, Korrelationen mittlerer Stärke (R = 0,2 bis 0,5). Der Befund, dass bei 16 % der infertilen Normozoospermen ein hoher MAR-Wert vorliegt, liegt deutlich über den Raten der ungefilterten Ambulanzserien (2 bis 6 %), was für Unterschiede in Auswahl und Test spricht.
Weitere Prävalenzstudien aus verschiedenen Ländern
Garcia und Kollegen 2007, São Paulo [s178]. Direkter und indirekter MAR bei infertilen und fertilen Männern: 18,18 % der infertilen Männer waren ASA-positiv, bei den Fertilen kein Fall. ASA waren mit erhöhter Leukozytenzahl und einem niedrigeren Ergebnis im hypoosmotischen Schwelltest verbunden. Stärke: fertile Kontrollen. Schwäche: Die Stichprobengröße wird im Abstract nicht beziffert.
Kamieniczna und Kollegen 2003, Polen [s200]. Pilotstudie: indirekter Immunobead-Test im Serum von 194 Frauen und 186 Männern, im Zervixschleim von 155 Frauen, direkter IBT in 202 Samenproben. Positiv waren 4,1 % der Frauenseren, 7 % der Männerseren, 3,2 % der Zervixschleimproben und 10,4 % der Samenproben mit Antikörperbeladung; in den Kontrollen gab es keinen positiven Fall. Es handelt sich um die erste Häufigkeitsangabe für Polen mit Pilotcharakter.
Shibahara und Kollegen 2002 und 2003, Japan [s210, s206]. Der D-IBT an 275 Ejakulatproben ergab Anteile der Immunglobulinklassen von IgG 2,5 %, IgA 1,8 % und IgM 0,4 %; insgesamt hatten 9 Männer (3,3 %) ASA auf der Spermienoberfläche; der direkte SIT war bei 4 von 6 getesteten Fällen (66,7 %) positiv; die Autoren folgern, spermiengebundene Antikörper seien heterogen, was die Kontroverse um ihre Rolle erkläre [s210]. In der Folgearbeit [s206] wurden 509 Ejakulatproben mit D-IBT getestet; 18 Männer (3,54 %) hatten ASA. Bei 15 war die Befruchtungsfähigkeit beurteilbar; 4 (26,7 %) erfüllten die Kriterien nicht (IVF-Befruchtungsrate mindestens 50 %, Hemizona-Index mindestens 50 % oder Schwangerschaft ohne assistierte Reproduktion). Spermienimmobilisierende Antikörper auf der Oberfläche hatten keinen Einfluss auf die Befruchtung; bei 4 von 7 Patienten (57,1 %) mit mindestens 80 % immunobead-gebundenen Spermien war die Befruchtungsfähigkeit gehemmt, bei keinem von 8 mit weniger als 80 % (p = 0,01). Stärken: funktionelle Endpunkte (Hemizona-Assay). Schwächen: Einschluss nach Fertilitätskriterien, sehr kleine Gruppen (7 und 8), keine Konfidenzintervalle.
Takahashi und Kollegen 1992, Tokio [s268]. Der D-IBT bei 290 infertilen Männern ergab IgG-Immunobead-Bindung an mehr als 50 % der beweglichen Spermien bei 21 (7,2 %), IgA bei 10 (3,4 %). Bei allen Männern mit nachgewiesener Fertilität lag die Bindungsrate unter 60 % (IgG) beziehungsweise 40 % (IgA). Antikörper am Kopf mit einer Bindungsrate unter 40 % wurden nicht als Ursache angesehen. Es bestand kein Zusammenhang mit klassischer Samenanalyse, LH, FSH, Prolaktin oder dem Penetrationstest (PENETRAK). Die japanische Originalfassung wurde nicht eingesehen; der Titel liegt nur in der englischen Übersetzung des PubMed-Eintrags vor.
Liu und Kollegen 2003, Jilin [s203]. ASA und Akrosinaktivität: 3 432 infertile Männer, 65 fertile Freiwillige. Die ASA-Positivrate betrug 10,20 % bei 3 432 Infertilen und 9,37 % bei 2 882 Männern mit Akrosinbestimmung. Die Akrosinaktivität war bei Infertilen niedriger als bei Fertilen (p < 0,001), unterschied sich aber nicht zwischen ASA-positiven und -negativen Infertilen (p > 0,05); die Autoren schließen, ASA beeinflussten die Akrosinaktivität nicht. Stärke: sehr große Stichprobe. Schwäche: Nachweismethode und Schwellenwerte werden im Abstract nicht genannt.
Khatoon und Kollegen 2012, Zentralindien [s145]. Querschnitt an 109 Paaren mit Serum-ASA im Varelisa-ELISA: 30,27 % der infertilen Männer und 33,03 % der Frauen waren positiv (nicht signifikant verschieden), bei 15,59 % der Paare beide Partner. Die Rate ist im Vergleich zu europäischen Studien auffällig hoch; Schwächen sind ausschließlich Serumproben, keine Kontrollgruppe und die Abhängigkeit vom Testsystem.
Dündar und Ekerbiçer 1997, Türkei [s230]. Fall-Kontroll-Studie mit ELISA: Hohe ASA-Titer fanden sich bei 13,6 % der Männer und 18,1 % der Frauen aus infertilen Paaren, jeweils signifikant mehr als bei fertilen Paaren (p < 0,01); kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern (p > 0,05). Der englische Abstract nennt die Männerrate wegen eines Zeichenerkennungsfehlers fehlerhaft („1Ş.6 %“); die türkische Fassung nennt 13,6 %, die hier verwendet wird. Gruppengrößen stehen nicht im Abstract (Originaltitel İnfertilitede anti-sperm antikor pozitifliği oranının araştırılması, deutsch: Untersuchung der Häufigkeit der Antispermien-Antikörper-Positivität bei Infertilität).
Omu und Kollegen, Kuwait, 1996 bis 1999 [s235, s229, s238, s222]. Die Kuwaiter Gruppe veröffentlichte mehrere Studien zu einer überlappenden Kohorte. In der zentralen Arbeit [s235] fanden sich bei 250 infertilen Paaren und 100 Wöchnerinnen als Kontrollen (zirkulierende ASA per Immunfluoreszenz) ASA bei 18,8 % der Männer, 17,6 % der Frauen und 4 % der Kontrollfrauen (p < 0,02). Bei Männern waren Rauchen (33,9 %), frühere sexuell übertragbare Erkrankung (33,3 %), Operation am Genitaltrakt (28,6 %), Trauma (27,3 %) und ungeklärte Infertilität (18,5 %) mit ASA verbunden; bei den Frauen von Männern mit ASA 38,3 %, bei Endometriose 21,4 % und bei Schilddrüsenfehlfunktion 16,7 %; bei den 27 Paaren (10,8 %) mit ungeklärter Infertilität 22,2 %. Hohes FSH beim Mann und niedriges Progesteron bei der Frau waren mit ASA verbunden. Die Vergleichsstudie [s229] an 250 infertilen Paaren und 102 fertilen Kontrollen fand ASA bei 18,8 % der infertilen Männer und 17,7 % der Frauen gegenüber 3,9 % der fertilen Frauen (p < 0,01); unter 23 ABO-Kombinationen bestand kein Zusammenhang mit Infertilität, außer einem Überwiegen von B+/O+-Paaren bei den Fertilen (p < 0,03); 76,8 % der Männer waren Sekretoren, ohne Assoziation mit ASA. Die HLA-Typisierung [s238] (49 Paare mit ASA, 15 Kontrollpaare; Terasaki-Lymphozytotoxizität) ergab bei Frauen mit ASA häufiger HLA-Klasse-II-Haplotypen DR4, DR6 und DQW3, bei Männern DR6 und DQ7; gemeinsame Haplotypen DR4, DR6 und DQ7 waren bei Paaren häufiger, DQW3 seltener (ohne p-Werte im Abstract). Die Studie zu ungeklärter Infertilität [s222] (52 Paare, 8,7 % von 600 aufeinanderfolgenden Besuchern; 15 infertile und 9 fertile Paare als Vergleich) fand ASA bei 22 % gegenüber 13 % und 0 % (Männer) beziehungsweise 18,5 % gegenüber 13 % und 0 % (Frauen); HLA-Klasse-I B6, B52, Cw7 und Klasse-II DR4, DR6 waren bei ungeklärter Infertilität häufiger, mit Homozygotie für B6 und DR4 bei Paaren mit gleichzeitiger ASA. Einschränkungen aller vier: überlappende Population (daher keine unabhängigen Bestätigungen), kleine Vergleichsgruppen (15 Kontrollpaare in [s238], 9 fertile Paare in [s222]), fehlende Mehrfachtestkorrektur, keine Konfidenzintervalle. Zusammen zeigen sie eine ASA-Häufigkeit von etwa 18 bis 19 % bei Männern aus infertilen Paaren in Kuwait, weit über den europäischen Ambulanzserien.
Eruwhu und Kollegen 2025, Edo State, Nigeria [s20]. Untersucht wurden 96 Personen, die im Latex-Agglutinationstest ASA-positiv waren (28 Männer, 68 Frauen); die Antikörperklassen wurden per ELISA bestimmt. Männer hatten seltener IgA (27,8 %; p < 0,01) und IgM (26,1 %; p < 0,05) als Frauen (72,2 % und 73,9 %); IgG unterschied sich nicht (p = 0,251). IgA war die häufigste Klasse. Schwächen: Auswahl nur Latex-positiver Personen, daher keine Prävalenzschätzung, Chi-Quadrat-Test ohne Adjustierung.
Yasin und Kollegen 2016, Nablus, Palästina [s114]. Querschnitt an 42 Paaren mit unerklärter Infertilität, Serum-IgG-ASA per ELISA: Prävalenz 14,3 % (6 von 42 Paaren), davon 9,5 % bei Männern (4) und 4,8 % bei Frauen (2). Es zeigte sich kein Zusammenhang mit früherer Varikozelenoperation (p = 0,64), Leistenbruchoperation (p = 0,56) oder Orchitis (p = 0,26); Trauma, Vasovasostomie und weitere Faktoren kamen in der Stichprobe nicht vor. ASA beeinflussten das IVF/ICSI-Ergebnis nicht (p = 0,54). Mit sechs Positiven ist die Studie nicht aussagekräftig; die Autoren fordern größere Stichproben.
Mirkurbanova 2026, Fergana, Usbekistan [s17]. Die Autorin bezeichnet die Studie (2022 bis 2024, Klinik des Ferganaer Instituts für öffentliche Gesundheit und Privatklinik „UROMED“; Originaltitel Диагностическая значимость МАР-теста в лечении и профилактике иммунологической инфертильности у мужчин в условиях Ферганской долины, deutsch: Diagnostische Bedeutung des MAR-Tests bei Behandlung und Prophylaxe der immunologischen Infertilität bei Männern im Ferganatal) als prospektive Kohortenstudie mit 56 infertilen Männern (30 bis 45 Jahre, Mittel 36,4 ± 4,7). Der direkte MAR-Test auf IgG und IgA galt als positiv bei mehr als 50 % beweglicher Spermien. 37 von 56 (66,1 %) waren positiv; davon hatten 24 (64,9 %) IgG und IgA, 9 (24,3 %) isoliert IgG, 4 (10,8 %) isoliert IgA; 19 waren negativ. MAR-positive Männer hatten niedrigere Konzentration (18,4 ± 6,2; 22,1 ± 7,4; 20,3 ± 5,9 gegenüber 38,6 ± 9,1 Mio./ml bei MAR-negativen), progressive Beweglichkeit (24,3 ± 8,1; 28,7 ± 9,4; 27,5 ± 7,2 gegenüber 44,2 ± 10,3 %) und normale Formen (3,1 ± 1,2; 3,8 ± 1,4; 3,4 ± 1,1 gegenüber 5,2 ± 1,8 %), jeweils p < 0,05. Eine Varikozele in der Vorgeschichte war in den MAR-positiven Gruppen häufiger (58,3 %, 55,6 %, 50,0 % gegenüber 42,1 %), ohne Signifikanz (p = 0,41). Die Zahl MAR-positiver Fälle stieg von 14 (2022) über 19 (2023) auf 23 (2024). Die Rate von 66,1 % liegt weit über allen anderen hier gefundenen Raten (6,35 % in Kemerowo [s48]; 16 % bei infertilen Normozoospermen [s118]). Die Autorin führt dies auf Umweltfaktoren, sexuell übertragbare Infektionen und Orchoepididymitiden zurück, ohne diese gemessen zu haben. Es gibt keine Kontrollgruppe und keine Angabe zur Rekrutierung (Überweisungs-Selektion wahrscheinlich); die Tabellenfußnote nennt irrtümlich einen „Vergleich mit MAR-positiven Gruppen“ statt MAR-negativen. Die Daten sind als niedrig belastbar einzustufen; die zeitliche Zunahme bildet nach Angabe der Autorin steigende Inanspruchnahme ab, nicht Inzidenz.
Alkireidmi und Kollegen 2025, Dschidda, Saudi-Arabien [s18]. Eine Fall-Kontroll-Studie (laut Abstract an zwei Zentren, prospektiv) mit 133 Samenproben und anschließender In-silico-Modellierung. Die Altersverteilung der infertilen Männer: unter 30 Jahre 21 %, 31 bis 40 Jahre 50 %, 41 bis 50 Jahre 24 %, über 50 Jahre 5 %; Beweglichkeitsgrade A 8,45 %, B 11,1 %, C 15,8 %, D 59,8 %; abnormale Spermien 43,85 % bis 46,33 %. Molekulares Docking von IgA mit IZUMO1, Alpha-2A-Adrenozeptor und FGFR2 ergab kumulative Längen von 25,354, 39,049 und 41,999 Å. Die Autoren folgern, IgA vermindere die Beweglichkeit und verursache nach COVID-19-Impfung oder -Infektion immunogene Infertilität. Bewertung: Im Abstract wird weder ein Antikörperbefund an den 133 Proben noch ein Vergleich Geimpfter und Ungeimpfter berichtet; ein Docking-Modell belegt keine Wirkung im Körper. Die Schlussfolgerung ist durch die berichteten Daten nicht gedeckt.
Maucher und Kollegen 1975, Deutschland [s286], und Meisel und Kollegen 1994 [s253]. Die älteste deutschsprachige Arbeit (Immunfluoreszenztechnik; Archiv für dermatologische Forschung) fand Antikörper gegen Spermien in den Seren von 6 von 35 Partnerinnen und 5 von 35 Partnern von Paaren mit unerklärter Infertilität, 8 von 40 Prostituierten und 8 von 18 Männern nach Orchitis und Vasoresektion; bei 20 fertilen Frauen, 25 fertilen Männern und 20 Jungfrauen waren die Seren negativ. Der Antigenort war überwiegend das Flagellum, an zweiter Stelle das Äquatorialsegment; vorwiegend IgG, dann IgA. Methodik und Gruppengrößen sind für heutige Maßstäbe klein; auffällig ist der hohe Anteil nach Orchitis (8 von 18). Die Studie von Meisel, Römer und Lober 1994 (Zentralblatt für Gynäkologie; Titel „Spermienantikörper – ein geeigneter Parameter für die Fertilitätsdiagnostik?“) fand keine signifikante Erhöhung der Serumantikörper bei infertilen Frauen und ihren Partnern; die Werte entsprachen denen von Schwangeren oder Frauen im Klimakterium; die Bestimmung trage nicht zu einer besseren Diagnostik bei. Der Abstract nennt keine Fallzahlen.