Antispermien-Antikörper und immunologische Infertilität · Kapitel 4 von 23 · Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Überblick über die Evidenzlage auf der Ebene der Zusammenfassungen bis Erzählende Übersichtsarbeiten zu Klinik, Diagnostik und Behandlungsstand

Überblick über die Evidenzlage auf der Ebene der Zusammenfassungen

Die Literatur zu Antispermien-Antikörpern (ASA), immunologischer Infertilität und autoimmuner Hodenentzündung ist ungewöhnlich breit, aber auf der Ebene belastbarer Zusammenfassungen schmal. Für den Menschen liegen fünf quantitative Metaanalysen vor, die ASA selbst zum Gegenstand haben: zum Zusammenhang mit der Schwangerschaft nach IVF oder ICSI [s157], zu Spermienparametern [s119], zur chronischen Prostatitis [s111], zur Varikozele [s21] und zur Veränderung der ASA-Positivität nach Varikozelenoperation [s07]. Hinzu kommt eine große systematische Übersicht ohne gepoolte Effekte zu den Ursachen der ASA-Bildung [s22]. Zwei weitere Metaanalysen betreffen nicht die Ursache oder Diagnostik, sondern die Behandlung der Immuninfertilität mit Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) [s42, s64]; sie werden hier nur wiedergegeben und bewertet, nicht als Handlungsgrundlage verstanden. Zwei Studien mit Mendelscher Randomisierung [s24, s13] berühren das Thema über genetische Instrumente, ohne ASA zu messen.

Eine Cochrane-Übersicht zu ASA wurde bei der Recherche nicht gefunden. Die dazu durchgeführte PubMed-Suche mit Zeitschriftenfilter lieferte 40 Treffer, von denen keiner einschlägig war; vorhanden sind nur Übersichten zu Antioxidanzien, zu ICSI gegenüber IVF und Ähnlichem. Eine deutschsprachige, abrufbare AWMF-Leitlinie zum Thema konnte über das Register nicht eingesehen werden; in PubMed existieren zwei deutschsprachige Einträge ohne Abstract (Krause 2005 und 2008, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft), die deshalb nicht als Quelle verwendet wurden. Aus dem chinesischen Sprachraum fehlt eine eigene Leitlinie; ein Protokoll zu einer geplanten Übersicht stellt ausdrücklich fest, dass es keine einheitliche diagnostische Norm für immunologische Infertilität gebe [s68].

Gemeinsame Schwächen fast aller Zusammenfassungen sind die kleine Zahl eingeschlossener Studien, die uneinheitlichen Nachweismethoden (gemischte Antiglobulinreaktion, Immunobead-Test, ELISA, Agglutinationstests), die uneinheitlichen Grenzwerte (10 %, 20 %, 40 %, 50 % oder 100 % positive Spermien) und der Umstand, dass es sich fast durchweg um Beobachtungsstudien handelt. Wo die Abstracts keine Heterogenitätsmaße (I²) nennen, wird das im Folgenden ausdrücklich vermerkt und nichts ergänzt.

Quantitative Metaanalysen zu ASA beim Menschen

Zini und Kollegen 2011: ASA und Schwangerschaft nach IVF und ICSI [s157]

Die Arbeit von Zini, Fahmy, Belzile, Ciampi, Al-Hathal und Kotb ist die einzige Metaanalyse, die die Frage beantwortet, ob direkte ASA im Samen mit der Schwangerschaftsrate nach IVF oder ICSI zusammenhängen. Die Autoren führten eine systematische Medline-Suche nach Volltexten zu direkten Samen-ASA und Schwangerschaft nach IVF oder ICSI durch. Drei Prüfer sichteten die Arbeiten unabhängig voneinander; die Auswahl der Studien erfolgte anschließend in einer Gruppendiskussion. Eingeschlossen wurden 16 Studien, davon 10 zu IVF und 6 zu ICSI. Die Studiencharakteristika einschließlich der ASA-Grenzwerte waren nach Angabe der Autoren heterogen.

Das kombinierte Odds Ratio (OR) für das Ausbleiben einer Schwangerschaft bei positivem Samen-ASA betrug für IVF 1,22 (95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,84 bis 1,77) und für ICSI 1,00 (95-%-KI 0,72 bis 1,38). Über beide Verfahren zusammen ergab sich ein OR von 1,08 (95-%-KI 0,85 bis 1,38). Alle Intervalle schließen die 1 deutlich ein; die Punktschätzer liegen für ICSI genau bei 1 und für beide Verfahren zusammen nur wenig darüber. Die Autoren folgern, Samen-ASA seien nicht mit den Schwangerschaftsraten nach IVF oder ICSI verbunden, beide Verfahren blieben für Paare mit Samen-ASA gangbare Optionen; zusätzliche, gut geplante prospektive Studien mit geeigneten ASA-Grenzwerten seien nötig.

Zu den Stärken gehören der klare Bezug auf direkte Samen-ASA, die getrennte Auswertung nach Verfahren und das dokumentierte Vorgehen mit drei unabhängigen Prüfern. Schwächen sind die ausschließliche Suche in Medline, die dokumentierte Heterogenität der Grenzwerte und der Umstand, dass das Ergebnis nur für Schwangerschaft als Endpunkt gilt, nicht für Befruchtungsrate, Embryoqualität oder Lebendgeburt. Für die Einordnung ist wichtig, dass das Konfidenzintervall der IVF-Schätzung (0,84 bis 1,77) einen mäßigen Nachteil bei positivem ASA nicht ausschließt; die Studie belegt also nicht die Abwesenheit eines Effekts, sondern das Fehlen eines nachweisbaren Effekts bei den verfügbaren Daten. Die Arbeit steht im Gegensatz zu einzelnen Kohorten, in denen ASA mit niedrigerer Befruchtung verbunden waren, etwa einer chinesischen Kohorte mit Serum-ASA [s89] und einer neueren Analyse von Samenproben [s15]; beide werden im Abschnitt zu den Beobachtungsstudien besprochen.

Cui und Kollegen 2015: ASA und Spermienparameter [s119]

Cui, Han, Shang und Mitarbeiter (Urologie, Xinqiao-Krankenhaus, Dritte Militärmedizinische Universität) führten eine systematische Übersicht mit Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien durch. Durchsucht wurden PubMed, EMBASE, Science Direct, CNKI (chinesische Datenbank) und die Cochrane Library bis Oktober 2014. Die Auswertung erfolgte mit Review Manager; für die standardisierten Mittelwertdifferenzen (SMD) wurde ein Modell mit zufälligen oder festen Effekten verwendet. Eingeschlossen wurden acht Studien mit 238 ASA-positiven infertilen Männern und 929 ASA-negativen Kontrollen.

Die Spermienkonzentration war bei ASA-positiven Männern signifikant niedriger (SMD −23,64; 95-%-KI −43,47 bis −3,81), ebenso die Motilität der Klassen a+b (SMD −16,40; 95-%-KI −27,92 bis −4,88). Die Verflüssigungszeit des Ejakulats war signifikant länger (SMD 4,19; 95-%-KI 1,72 bis 6,66). Kein signifikanter Effekt zeigte sich auf Volumen, Vitalität, progressive Motilität sowie normale und abnorme Morphologie. Die Autoren schließen auf einen negativen Effekt von ASA auf Konzentration, Motilität a+b und Verflüssigung.

Die Einordnung muss vorsichtig sein. Die Beträge der SMD von −23,64 und −16,40 sind für standardisierte Mittelwertdifferenzen ungewöhnlich groß; üblich sind Werte im Bereich von etwa 0 bis 2. Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Messskalen oder Einheiten ohne Standardisierung gepoolt wurden oder dass es sich um nichtstandardisierte Mittelwertdifferenzen handelt. Das Abstract erklärt dies nicht, ohne Volltext lässt es sich nicht klären, und es mindert die Belastbarkeit der Effektgrößen; die Richtung der Befunde (niedrigere Konzentration und Motilität) ist davon weniger betroffen. Weitere Schwächen sind die geringe Studienzahl, die kleine Gruppe ASA-positiver Männer (238), die fehlende Angabe der ASA-Nachweismethoden im Abstract und der Fall-Kontroll-Charakter, der keine Aussage über Ursache und Wirkung zulässt: Auch umgekehrt könnten Spermienschäden oder Entzündungen sowohl die Samenqualität verschlechtern als auch die ASA-Bildung begünstigen. Eine Stärke ist die Einbeziehung der Datenbank CNKI und damit chinesischsprachiger Studien. Die Befunde sind weitgehend mit der Beobachtung vereinbar, dass Motilität der am häufigsten veränderte Parameter bei ASA ist [s74].

Jiang und Kollegen 2016: ASA und chronische Prostatitis [s111]

Jiang, Cui, Du, Lu, Yang, Li, Zhang und Bai (Xi'an Jiaotong-Universität) untersuchten in einer systematischen Übersicht mit Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien, ob ASA bei Männern mit chronischer Prostatitis häufiger sind als bei gesunden Kontrollen. Durchsucht wurden PubMed, EMBASE, Science Direct, Medline und die Cochrane Library bis Oktober 2015; die Auswertung erfolgte mit Review Manager und Stata. Eingeschlossen wurden sechs Studien mit 721 Fällen chronischer Prostatitis und 160 Kontrollen.

Das gepoolte OR für ASA-Positivität bei chronischer Prostatitis gegenüber Kontrollen betrug 3,26 (95-%-KI 1,86 bis 5,71). Für Patienten der NIH-Kategorie III (chronisches Beckenschmerzsyndrom) gegenüber Kontrollen lag das OR bei 2,46 (95-%-KI 1,10 bis 5,51). Für die NIH-Kategorie II (chronisch bakterielle Prostatitis) fand sich kein signifikanter Zusammenhang. Die Autoren folgern, die ASA-Positivrate sei bei chronischer Prostatitis signifikant höher, und sehen darin einen negativen Einfluss der Prostatitis auf die männliche Reproduktionsfunktion; größere Studien seien nötig.

Stärken sind die Unterscheidung nach NIH-Kategorien und die Nutzung von zwei Statistikprogrammen. Schwächen sind die sehr ungleichen Gruppengrößen (721 gegenüber 160), die geringe Zahl von nur sechs Studien und das Fehlen von Angaben zu Heterogenität und Publikationsbias im Abstract. Der Fall-Kontroll-Charakter erlaubt keinen Kausalschluss. Auffällig ist, dass der Zusammenhang gerade für die Kategorie III besteht, also für das Syndrom ohne gesicherten Bakteriennachweis, während er für die bakterielle Kategorie II nicht nachweisbar war; ob dies ein Zufallsbefund aus kleinen Gruppen oder ein echter Unterschied ist, lässt sich aus dem Abstract nicht beurteilen. Eine einzelne Vergleichsstudie der Behandlung der abakteriellen Prostatitis mit zwei Präparaten fand ASA im Ejakulat bei 87,8 % und 81,6 % der Männer [s117]; dort fehlt jedoch eine Kontrollgruppe ohne Prostatitis, und sie wird im Abschnitt zu den Beobachtungsstudien eingeordnet.

Falcone und Kollegen 2025: ASA bei Varikozele [s21]

Falcone, Bocu, Keskin und weitere Autoren (federführend Turin, mit Koautoren unter anderem aus der Türkei) führten eine systematische Übersicht mit Metaanalyse nach der MOOSE-Leitlinie durch. Verglichen wurde die Häufigkeit von ASA im Ejakulat oder Serum bei Männern mit Varikozele gegenüber Männern ohne Varikozele. Die Literatursuche erfolgte in Scopus und PubMed nach einem PECO-Schema mit Festlegung des Studiendesigns (Population, Exposition, Vergleich, Ergebnis). Von 151 gesichteten Abstracts erfüllten sechs Artikel die Einschlusskriterien. Die Ergebnisse wurden nach Nachweismethode getrennt als OR berichtet:

  • Mit der gemischten Antiglobulinreaktion (MAR) im Ejakulat waren 61 von 153 Männern mit Varikozele (39,8 %) positiv, gegenüber 22 von 129 Kontrollen (17 %); OR 4,34 (95-%-KI 1,09 bis 17,28; p = 0,04).
  • Mit direktem oder indirektem Immunobead-Test waren es 30 von 60 (50 %) gegenüber 16 von 104 (15,4 %); OR 3,57 (95-%-KI 0,81 bis 15,68; p = 0,09), also nicht signifikant.
  • Mit ELISA im Serum waren 33 von 89 (37,1 %) gegenüber 9 von 57 (15,8 %) positiv; OR 7,87 (95-%-KI 2,39 bis 25,89; p < 0,01).

Die Autoren folgern, ASA-Positivität sei bei Varikozele per MAR und ELISA signifikant höher, was auf eine immunologische Pathologie bei infertilen Männern mit Varikozele hindeuten könne und Folgen für die Betreuung dieser Patienten haben könne.

Die Einordnung betont die Grenzen: Es gingen nur sechs kleine Studien in die Analyse ein, die Konfidenzintervalle sind außergewöhnlich breit (Obergrenzen von 15,68 bis 25,89, Untergrenzen nahe 1 oder darunter), Heterogenitätsmaße nennt das Abstract nicht, und die zugrunde liegenden Beobachtungsstudien unterscheiden sich in Kontrollgruppen und Grenzwerten. Es wurden nur zwei Datenbanken durchsucht. Die Aussage ist eine Assoziation, keine Ursache. Hinzu kommt, dass einzelne Primärstudien dem Befund widersprechen: Eine jordanische Studie fand ASA bei 26,47 % der Männer mit Varikozele, bei 38,46 % ohne Varikozele und bei 32,0 % der Fertilen [s158]; eine russische Serie mit 1639 Männern sieht die Varikozele nicht als unmittelbare Ursache, sondern als Kofaktor, der das Risiko erhöht [s127]. Die Details stehen im Abschnitt zu den Beobachtungsstudien.

Li und Kollegen 2026: Varikozelenoperation und ASA-Positivität [s07]

Li, Chen, Gao und Zhong (Shandong, China) wählten ein anderes Design: Sie fassten Vorher-nachher-Studien zusammen, die die ASA-Positivität bei Männern mit klinischer Varikozele vor und nach einer Operation berichteten. Durchsucht wurden PubMed, Web of Science, Embase, Cochrane Library sowie die chinesischen Datenbanken CNKI, VIP, Wanfang und SinoMed bis zum 30. April 2026. Die gepoolten Risikoverhältnisse (RR) wurden mit einem Modell mit zufälligen Effekten berechnet; es gab Untergruppenanalysen nach Operationstechnik, Sensitivitätsanalysen und eine Prüfung auf Publikationsbias.

Einbezogen wurden zehn Studien mit 13 Vergleichen und 722 Patienten. Die Operation war mit einer niedrigeren ASA-Positivitätsrate gegenüber dem Zustand vor der Operation verbunden: gepooltes RR 0,42 (95-%-KI 0,35 bis 0,52; p < 0,00001). Die Untergruppe mit mikrochirurgischer Technik hatte das niedrigste RR (0,32); der Unterschied zwischen den Untergruppen war signifikant (p = 0,01). Sensitivitätsanalysen ohne rückgerechnete Daten und ohne Studien mit sechsmonatiger Nachbeobachtung ergaben RR von 0,43 und 0,40. Drei Studien, die kontinuierliche ASA-Werte berichteten, wurden wegen extremer Heterogenität (I² = 98 %) nicht gepoolt, sondern erzählerisch dargestellt.

Die Autoren folgern, dass die Reparatur mit verminderter ASA-Positivität einhergehe und die Befunde über die Sensitivitätsanalysen hinweg stabil seien, halten den klinischen Nutzen der ASA-Testung für Operationsentscheidungen aber für ungeklärt. Aus methodischer Sicht ist das Vorher-nachher-Design ohne Kontrollgruppe die zentrale Schwäche: Spontanverlauf, Regression zur Mitte (extrem positive Erstwerte werden bei Wiederholung zufällig niedriger) und Messschwankungen der ASA-Tests sind nicht kontrolliert. Teilweise wurden Daten rückgerechnet. Die Aussage, die Operation vermindere ASA, ist damit eine Assoziation im zeitlichen Verlauf. Interessant ist der Widerspruch zur Primärliteratur: Mehrere der im Abschnitt zu den Beobachtungsstudien besprochenen Einzelstudien fanden nach der Operation keinen Rückgang oder sogar einen Anstieg, etwa eine iranische Studie mit Anstieg der Serum-ASA von 13,6 % auf 21,7 % [s132], eine weitere mit neu aufgetretenen ASA bei 48 von 60 anfangs negativen Patienten [s181] und eine russische Studie, in der der ASA-Spiegel bei anfangs positiven Patienten nur in der Hälfte der Fälle sank [s126]. Die gepoolte Schätzung und die Einzelstudien widersprechen sich somit teilweise; die extreme Heterogenität der kontinuierlichen Werte (I² = 98 %) spricht dafür, dass die Befunde stark von Testverfahren, Zeitpunkten und Population abhängen.

Systematische Übersicht ohne gepoolte Effekte

Haratian und Kollegen 2025: Ursachen und assoziierte Zustände der ASA-Bildung [s22]

Haratian, Faegh, Mehrpoor, Doustmohammadi, Rezaeinasab und MomeniAmjadi (iranische Autoren) führten im Dezember 2024 eine systematische Literaturübersicht zu möglichen Ursachen der ASA-Bildung bei infertilen Männern durch. Die PubMed-Suche ergab 2215 Treffer; 1857 wurden nach Titel und Abstract ausgeschlossen, 358 Volltexte geprüft und 51 Studien eingeschlossen. Diese umfassten 23 108 Patienten, davon 22 702 infertile und 406 fertile Kontrollen.

Am häufigsten untersucht wurden Infektionen, allen voran Chlamydia trachomatis (neun Studien). Es folgten die Vasektomie und die Umkehr der Vasektomie (neun Studien), die Varikozele (sieben), der Kryptorchismus (fünf), Leistenhernien- und andere Genitaloperationen (fünf), die HPV-Infektion (vier) und die bakterielle Besiedlung des Samens (vier). Weitere untersuchte Faktoren waren Adeno-assoziierte Viren, Mumps, kongenitale Abwesenheit der Samenleiter, testikuläre Mikrolithiasis, testikuläre Spermienextraktion, Hodentorsion und Hodentrauma. Die Vasektomie war der am häufigsten untersuchte Faktor und zeigte die deutlichste Korrelation mit ASA. Zusammenhänge wurden außerdem bei psychogener Anejakulation, Prostatitis und Morbus Buerger gesehen; bei einigen Faktoren bleiben die Befunde widersprüchlich. Die Autoren gliedern die Ursachen in infektiöse, autoimmune, entzündliche und anatomische Zustände und fordern Studien mit größeren Populationen.

Die Stärke ist die breite Fragestellung mit transparentem Auswahlprozess. Schwächen sind die ausschließliche Suche in einer Datenbank (PubMed), das Fehlen eines gepoolten Effekts (die Übersicht beschreibt Häufigkeiten von Faktoren, nicht Effektgrößen), die Vermischung sehr unterschiedlicher Nachweismethoden und das stark unausgewogene Verhältnis von infertilen (22 702) zu fertilen Männern (406): Für die meisten Faktoren fehlt eine Vergleichsgruppe gesunder Männer. Dass die Vasektomie als „am deutlichsten korreliert“ bezeichnet wird, deckt sich mit der Annahme eines Schrankenbruchs; die Übersicht liefert dafür aber keine Risikoschätzer.

Metaanalysen zur Behandlung mit Traditioneller Chinesischer Medizin (nur Wiedergabe)

Beide folgenden Arbeiten sind Zusammenfassungen von Behandlungsstudien. Sie werden hier berichtet, weil sie neben den diagnostisch-epidemiologischen Arbeiten die einzigen Metaanalysen zur Immuninfertilität sind. Eine Behandlungsempfehlung wird daraus nicht abgeleitet.

Fan und Kollegen 2024: TCM bei männlicher Immuninfertilität [s42]

Fan, Ma, Ding, Yang, Wen, Zhao, Chen und Qin (Kunming, China; erschienen in Zhonghua Nan Ke Xue, dem Nationalen Journal der Andrologie) werteten randomisierte kontrollierte Studien zur Behandlung der männlichen Immuninfertilität mit TCM aus. Durchsucht wurden WanFang, die Chinesische Biomedizinische Literaturdatenbank, die Cochrane Library, Weipu, PubMed und CNKI; die Auswertung erfolgte mit RevMan 5.4, einschließlich Qualitätsbewertung der Studien und Prüfung auf Publikationsbias. Eingeschlossen wurden 25 randomisierte Studien mit 2 563 Fällen. Verglichen wurde TCM mit alleiniger westlicher Medizin.

Die Ergebnisse sprachen durchgehend zugunsten der TCM: Gesamtwirksamkeitsrate OR 6,35 (95-%-KI 4,96 bis 8,13; p < 0,000 01); Negativierung der ASA im Samenplasma OR 4,52 (2,72 bis 7,51); Negativierung der Serum-ASA OR 2,98 (2,23 bis 3,96); Schwangerschaftsrate OR 3,53 (2,68 bis 4,63); Nebenwirkungen OR 0,06 (0,01 bis 0,23). Bei den kontinuierlichen Größen betrugen die mittleren Differenzen für die Spermienkonzentration 15,56 (11,32 bis 19,79), für die Motilität Grad a 3,85 (1,91 bis 5,79), für Grad a+b 13,77 (7,06 bis 20,48) und für die Vitalität 10,32 (6,78 bis 13,86). Der Anteil abnormer Formen unterschied sich nicht signifikant (mittlere Differenz −7,53; −15,50 bis 0,44; p = 0,06). Die Autoren folgern, TCM habe eine eindeutige Wirksamkeit bei hoher Sicherheit.

Die Einordnung fällt zurückhaltend aus. Die Effektgrößen sind außergewöhnlich groß (ein OR von 6,35 für die Gesamtwirksamkeit, ein OR von 0,06 für Nebenwirkungen), das Verzerrungsrisiko der zugrunde liegenden Studien wird im Abstract nicht beziffert, Heterogenitätsmaße fehlen, und die Vergleichsbehandlung „westliche Medizin“ ist uneinheitlich. Die Gesamtwirksamkeitsrate ist ein zusammengesetzter Endpunkt mit studienabhängigen Kriterien. Publikationsbias ist bei Studien aus nur einem Sprachraum ein bekanntes Risiko. Die einzeln in der Studienlage referierten TCM-Primärstudien sind überwiegend nicht erkennbar verblindet und nutzen häufig Prednison als Vergleich [s186, s184, s188].

Bai und Kollegen 2021: TCM nach dem Konzept „Nierenschwäche und Blutstase“ [s64]

Bai, Chen, Jiang, Qian, Han, Lu, Wang und Sun (Chengdu, China) untersuchten in einer systematischen Übersicht mit Metaanalyse die TCM-Therapie der „Nierenstärkung und Aktivierung des Blutkreislaufs“ bei Immuninfertilität. Durchsucht wurden sechs Datenbanken (Cochrane Library, PubMed, EMBASE, CNKI, Wanfang, VIP) von Beginn bis Januar 2021. Primäre Zielgrößen waren die Gesamtwirksamkeit und die Schwangerschaftsrate; sekundär wurden die Negativierungsrate von Antikörpern im Serum und Nebenwirkungen betrachtet. Heterogenität wurde mit Chi-Quadrat und I² geprüft, bei geringer Heterogenität wurde ein Modell mit festen Effekten verwendet. Eingeschlossen wurden 13 randomisierte Studien mit 1 298 Patienten. Die Studie fasst Männer und Frauen mit „Immuninfertilität“ zusammen und ist daher nicht rein männerspezifisch.

Die Ergebnisse: Gesamtwirksamkeit RR 1,38 (95-%-KI 1,30 bis 1,47; I² = 0 %); Schwangerschaftsrate RR 2,04 (1,73 bis 2,40; I² = 30 %); Negativierung von Antispermien-Antikörpern (AsAb) RR 1,42 (1,12 bis 1,79; I² = 62 %); Anti-Endometrium-Antikörper RR 1,21 (1,04 bis 1,41; I² = 0 %). Für die Nebenwirkungen nennt der Abstract ein RR von 0,24 mit dem Intervall 1,73 bis 2,40 und I² = 55 %; dieses Intervall ist offenkundig vom Schwangerschaftswert übernommen worden und schließt den Punktwert nicht ein, es handelt sich um einen Druck- oder Abstractfehler. Für Anti-Ovar-Antikörper und Anti-Kardiolipin-Antikörper zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die Autoren halten die Therapie für wirksam und sicher, räumen aber selbst ein, dass die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien unbefriedigend war und hochwertigere multizentrische Studien nötig sind. Hervorzuheben ist, dass die Studie mehrere Antikörperarten und beide Geschlechter mischt, was die Übertragbarkeit auf die männliche Immuninfertilität einschränkt, und dass die Heterogenität bei der ASA-Negativierung mit I² = 62 % mäßig bis erheblich ist.

Jiang und Kollegen 2021: Protokoll einer geplanten Übersicht [s68]

Jiang und Mitarbeiter (Chengdu) veröffentlichten in Medicine (Baltimore) das Protokoll einer systematischen Übersicht und Metaanalyse zu chinesischen Kräuterarzneien bei Immuninfertilität; Ergebnisse enthält es nicht. Als Ausgangsannahme nennt das Protokoll, 10 bis 20 % der Infertilität seien immunologisch bedingt, und es stellt fest, dass es keine einheitliche diagnostische Norm für immunologische Infertilität gebe. Geplant waren Cochrane, PubMed, CB, EMBASE, VIP, CNKI und Wanfang. Für die Evidenz selbst ist das Dokument ohne Wert, als Beleg für den Diskussionsstand in China jedoch aufschlussreich.

Studien mit Mendelscher Randomisierung

Liang und Kollegen 2025: Immunzellen und männliche Infertilität [s24]

Liang, Hu, Pang, Sha, Lv, Wu, Du, Hao, Yao und Liu (Xi'an) nutzten Daten zur männlichen Infertilität aus der finnischen Datenbank FinnGen und Daten zu Immunzell-Untergruppen aus dem GWAS-Katalog. Verwendet wurden mehrere MR-Methoden (inverse Varianzgewichtung, gewichteter Median, gewichteter Modus, MR-Egger, einfacher Modus), eine umgekehrte MR zur Prüfung umgekehrter Kausalität sowie Sensitivitätsanalysen (Cochrans Q-Test für Heterogenität, MR-Egger-Regression für Pleiotropie, MR-PRESSO zum Ausschluss pleiotroper Ausreißer). Ergebnis: 23 Immunphänotypen waren kausal mit männlicher Infertilität verbunden, davon sechs schützend und 17 Risikofaktoren; eine umgekehrte Kausalität fand sich nicht. Effektgrößen nennt der Abstract nicht. Das genetische Design verringert Störgrößen; Schwächen sind der breite, nicht ASA-spezifische Endpunkt „männliche Infertilität“, die fehlenden Zahlen im Abstract und die Beschränkung auf genetische Instrumente, deren Annahmen (insbesondere fehlende Pleiotropie) nur begrenzt prüfbar sind.

Sun und Kollegen 2026: Autoimmunerkrankungen und männliche Fortpflanzungsgesundheit [s13]

Sun, Liu, Yuan, Jia und Yang untersuchten zwölf häufige Autoimmunerkrankungen als Exposition und erektile Dysfunktion (ED), abnorme Spermien und Sexualhormone als Zielgrößen. Die Instrumente stammten aus europäischen GWAS; Hauptmethode war die inverse Varianzgewichtung, ergänzt durch Sensitivitätsanalysen. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (IBD) und Morbus Crohn waren mit einem erhöhten ED-Risiko verbunden (IBD: OR 1,101; 95-%-KI 1,016 bis 1,194; p = 0,019; Morbus Crohn: OR 1,086; 95-%-KI 1,012 bis 1,165; p = 0,022). Asthma war positiv mit abnormen Spermien assoziiert (OR 1,270; 95-%-KI 1,045 bis 1,545; p = 0,017) und negativ mit dem Gesamttestosteron (β −0,042; 95-%-KI −0,057 bis −0,027; p < 0,001). Sensitivitätsanalysen stützten die Befunde zu ED und abnormen Spermien. ASA werden nicht genannt; die Studie ist nur als genetischer Hinweis auf Autoimmunität und männliche Reproduktion relevant, mit sehr kleinen Effektgrößen und mehrfachen Vergleichen über zwölf Expositionen.

Leitlinien und Leitliniendokumente als Zusammenfassungen des Wissensstands

Diese Dokumente enthalten keine eigenen Daten zu ASA, fassen aber die Auffassung der Fachgesellschaften zusammen. Wiedergegeben werden nur ihre Aussagen, keine eigenen Empfehlungen.

AUA/ASRM-Leitlinie, Webfassung [s78], mit den beiden PubMed-Teilen [s71, s72]. Die Seite nennt „Published 2020“ und „Amended 2024“. Statement 19 lautet wörtlich: „Clinicians should not perform antisperm antibody (ASA) testing in the initial evaluation of male infertility“; die Evidenzstufe ist Expert Opinion. Als mögliche Auslöser nennt der Diskussionstext Trauma, Mumpsorchitis, Hodenmalignom, Samenwegsobstruktion und Vasektomie. ASA können ohne Spermienagglutination vorliegen, und Agglutination kann andere Ursachen haben (genannt wird E. coli im Ejakulat). IgA und IgG seien die vorherrschenden Klassen im Ejakulat, IgM sei selten. Der MAR-Test liefere weniger Information als der Immunobead-Test, der Klasse und Lokalisation (Kopf, Mittelstück, Flagellum, ganze Zelle) angebe; beide Tests könnten voneinander abweichen. Nach Vasektomie-Umkehr oder Vasoepididymostomie seien ASA bekannt, es habe aber „no significant associations between levels of ASA and pregnancy outcomes“ gegeben; die Interpretation sei wegen fehlender Standardisierung und Normbereiche schwierig. Ein Serum-ASA bei Azoospermie mit passender Anamnese könne eine Obstruktion bestätigen helfen. Für ASA ergebe ICSI höhere Schwangerschaftsraten pro Zyklus als IUI mit Spermienaufbereitung zur Ablösung der Antikörper. Die Aussagen beruhen laut Text auf Expertenmeinung und uneinheitlicher Datenlage. Die beiden PubMed-Abstracts der Leitlinie [s71, s72] nennen ASA nicht; sie beschreiben nur die Recherche (PubMed, Embase, Medline von Januar 2000 bis Mai 2019, Evidenzstufen A bis C).

EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility, Ausgabe 2026 [s04]. Der abgerufene Kapiteltext führt immunologische Faktoren unter den Ursachen männlicher Infertilität auf; unter den erweiterten Untersuchungen werden „sperm antibodies“ neben Leukozyten, Entzündungsmarkern und DNA-Fragmentation genannt. In der Tabelle der Referenzwerte steht für MAR-Test und Immunobead-Test jeweils: keine evidenzbasierten Referenzwerte; jedes Labor solle eigene Normbereiche an fertilen Männern festlegen. Im Abschnitt Infektionen heißt es: „Mycoplasma spp. can cause decreased motility and development of anti-sperm antibodies.“ Ein eigenes Kapitel zu immunologischer Infertilität oder ASA-Behandlung wurde auf der abgerufenen Seite nicht gefunden.

WHO-Leitlinie zur Infertilität [s14] und Vergleichsartikel [s01]. Die WHO-Leitlinie (Entwicklungsgruppe 30 Mitglieder, externe Prüfgruppe ebenfalls 30, GRADE-Methodik) formuliert 40 Empfehlungen und sechs Good-Practice-Aussagen. Für Männer betreffen die im Abstract genannten Empfehlungen die Wiederholung von Samenuntersuchungen, die Varikozele und die unerklärte Infertilität; zu Antioxidanzien wurde keine Empfehlung ausgesprochen. ASA oder Immunologie nennt der Abstract nicht. Der Vergleichsartikel von Achermann, Pereira und Esteves [s01] beschreibt AUA/ASRM und EAU als spezialistenorientiert, ESHRE und NICE als paarorientiert mit geringem männerspezifischem Anteil. Beide Texte sind für die Fragestellung nur indirekt aussagekräftig. Gleiches gilt für die italienische, an NICE angepasste Leitlinie der Società Italiana della Riproduzione Umana [s45]: Der Abstract beschreibt den Adaptationsprozess (AGREE II, interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus fünf Fachgesellschaften) und macht keine Aussage zu ASA; vermerkt wird nur, dass Italien bis dahin keine nationale Infertilitätsleitlinie hatte.

Erzählende Übersichtsarbeiten zu Klinik, Diagnostik und Behandlungsstand

Die erzählenden Übersichten bringen keine neuen Primärdaten; sie sind für die Einordnung wichtig, weil sie zeigen, wie die Fachwelt den Stand beurteilt. Sie werden hier jeweils mit ihren Kernaussagen und ihren methodischen Grenzen wiedergegeben. Eine dokumentierte Suchstrategie nennen nur wenige von ihnen.

Silva, Ramalho-Santos und Amaral 2021 [s74]. Die Übersicht fasst die in den vorangegangenen zehn Jahren am Menschen gewonnenen Daten zusammen. Genannt wird eine Prävalenz von 2,6 bis 6,6 % bei infertilen Männern. Als Hauptursache gelte eine Störung der Blut-Hoden- und der Blut-Nebenhoden-Schranke; die Spermienmotilität sei der am häufigsten veränderte Parameter; gut definierte Risikofaktoren seien wenige, ASA-Ziele (Proteine der Spermien-Ei-Interaktion) begännen erst offenzulegen; Kortikosteroide seien die „vielversprechendste“ Behandlungsoption, die Entwicklung von Therapien sei jedoch begrenzt. Die Autoren sehen die widersprüchlichen Ergebnisse sowohl in der Komplexität der Mechanismen als auch in den technischen Nachweisverfahren und im Fehlen eines Konsenses über Grenzwerte begründet, und sie fordern die ASA-Bestimmung in jeder Routinesamenanalyse nach WHO-Empfehlung sowie multizentrische Studien mit großen Kohorten. Das Ziel einheitlicher Daten durch Routinetestung steht in einem Spannungsverhältnis zu den Leitlinienaussagen, die Routinetestung nicht vorsehen [s78, s12].

Gupta und Kollegen 2022 [s56]. Eine große internationale Autorengruppe (Gupta, Sharma, Agarwal und viele weitere) legte eine umfassende Übersicht mit weltweiter Umfrage zur klinischen Praxis vor. Der Abstract hält fest: Die ASA-Testung (MAR und Immunobead-Test) ist im WHO-Handbuch (5. Auflage) beschrieben und in der 6. Auflage unter den erweiterten Samenuntersuchungen aufgeführt; Spermienagglutination reiche für die Diagnose nicht aus, könne aber auf ASA hinweisen, und ASA könnten auch ohne Agglutination vorliegen. Die Übersicht behandelt Ursachen, Indikationen der Testung, Therapieoptionen, Laborverfahren mit Qualitätskontrolle und klinische Szenarien. Die Ergebnisse der Umfrage stehen nicht im Abstract und konnten hier nicht ausgewertet werden.

Mukherjee und Gopalakrishnan 2024 [s44]. Die Übersicht bezeichnet ASA als bedeutende Ursache der Immuninfertilität. Die genaue Ursache der ASA-bedingten Infertilität sei unklar; Studien zur Wirkung auf Spermienparameter seien uneinheitlich. Abgedeckt werden postulierte Entstehungsmechanismen, Nachweisverfahren und verfügbare Behandlungen. Der Abstract folgt im Wortlaut weitgehend dem der Übersicht von Gupta und Kollegen [s56], was auf eine enge inhaltliche Anlehnung hindeutet.

Mass Lindenbaum, Kuribayashi und Lundy 2026 [s12]. Die in Fertility and Sterility erschienene Übersicht („views and reviews“) beziffert den Anteil der Männer mit ASA unter den infertilen Männern auf 5 bis 12 %. Die ASA-Bildung folge meist einer Störung der Blut-Hoden-Schranke durch Trauma, Obstruktion oder Entzündung; die Antikörper gehörten überwiegend den Klassen IgG und IgA an und behinderten Motilität, Zervixschleimpenetration und Gametenwechselwirkung. Im Zeitalter der ICSI habe sich die Rolle der Testung von der Routine zu einem gezielten Auswahlinstrument gewandelt; aktuelle Leitlinien rieten von universeller Testung ab und behielten sie Grauzonen-Situationen wie unerklärter Infertilität oder isolierter Asthenozoospermie vor. Die historische systemische Immunsuppression gelte als weitgehend verlassen. Nach Autorenaussage machen hohe Autoimmunisierungsgrade (> 80 %) die IUI wirkungslos und erforderten ICSI. Dies sind Aussagen der Autoren, gestützt durch Verweise auf die Primärliteratur (etwa [s79, s88]), nicht durch eigene Daten.

Kicińska, Maksym und Szewczyk 2025 [s23]. Breite Übersicht zu immunologischen Ursachen der Infertilität, die auch Implantation, Schwangerschaftsverlust, Progesteronwirkung, Endometriose, Lymphozytensubpopulationen, Zytokinprofile (Th1/Th2) sowie lokale und systemische Infektionen abdeckt. Zu ASA äußert sie sich nur am Rande. Die Arbeit ist für die männliche Autoimmunität wenig ergiebig, ordnet aber den immunologischen Faktor in erweiterte diagnostische Pfade ein.

Chereshnev, Pichugova und Kollegen 2021 [s65]. Die Übersicht (Jekaterinburg) beschreibt die Pathogenese der autoimmunen männlichen Infertilität. Antispermien-Autoantikörper können Spermien immobilisieren, wirken zytotoxisch, beeinträchtigen die Spermatogenese, verursachen Agglutination und verändern Motilität und Akrosomreaktion. Das Konzept der Blut-Hoden-Schranke werde derzeit neu gefasst, mit Betonung informationeller parakriner und juxtakriner Effekte statt rein anatomischer Trennung. Die Varikozelenoperation könne die Schranke verändern und die ASA-Bildung fördern; zur Rolle der ASA bei varikozelebedingter Infertilität gebe es widersprüchliche Daten. Infektion und Entzündung förderten die ASA-Bildung über „Gefahrenkonzept“-Mechanismen und molekulare Mimikry, systemische Faktoren wie Hyperprolaktinämie, Hypoandrogenismus und Hypothyreose ebenfalls. Der diagnostische Wert verschiedener ASA sei nicht klar zugeordnet, Grenzwerte seien weder im Serum noch im Ejakulat festgelegt. Zugleich heißt es im Abstract, die Infertilitätsdiagnostik erfordere eine ASA-Prüfung, was im Gegensatz zu den Leitlinienaussagen steht. Schwächen: keine Angabe einer Suchstrategie, keine quantitative Synthese.

Shibahara-Gruppe: Übersichten aus Japan [s73, s60, s191, s169, s141]. Shibahara, Wakimoto, Fukui und Hasegawa 2021 [s73] behandeln ASA bei Frauen mit reproduktivem Versagen einschließlich wiederholter Fehlgeburten: Spermienimmobilisierende Antikörper im Serum infertiler Frauen hemmten die Spermienmigration im weiblichen Genitaltrakt; die Wirksamkeit von Verkehr zum richtigen Zeitpunkt oder von IUI sei begrenzt; der Zusammenhang mit wiederholten Fehlgeburten werde kontrovers beurteilt (erhöhte Fehlgeburtsraten bei Frauen mit ASA nach einigen Autoren, kein Zusammenhang nach anderen). Shibahara und Kollegen 2022 [s60] („Sex difference in anti-sperm antibodies“) beschreiben, dass ASA bei Frauen per Spermienimmobilisationstest (SIT) im Serum, bei Männern meist per direktem Immunobead-Test (D-IBT) nachgewiesen werden; die IVF-Befruchtungsrate sinke signifikant, wenn Spermien mit mehr ASA beladen sind; bei Frauen mit anhaltend hohem SI50-Titer sei eine Schwangerschaft nach Autorenangabe nur über IVF möglich; bei Frauen trete die Antikörperbildung wahrscheinlich bei bestimmten HLA-Merkmalen nach Spermienexposition auf, die Risikofaktoren beim Mann seien weiter umstritten. Shibahara, Shiraishi und Suzuki 2005 [s191] beschreiben die Diagnostik beim Mann mit D-IBT, Postkoitaltest und Hemizona-Assay als Entscheidungsgrundlage und räumen ein, es gebe Stimmen, die die routinemäßige Testung nicht immer für nötig hielten. Shibahara und Kollegen 2009 [s169] befassen sich mit Frauen mit spermienimmobilisierenden Antikörpern (Handhabung der Gameten, HLA-Haplotypen, kontrazeptive Impfstoffe). Shibahara und Koriyama 2013 [s141] stellen als Methodenkapitel direkte und indirekte Tests dar: Der SIT bei Frauen sei wegen der Komplementabhängigkeit spezifischer, die direkten Tests beim Mann seien wegen unspezifischer Reaktionen Screeningtests. Die Behandlungsstrategien dieser Gruppe sind Positionen der Autoren und werden hier nicht als Empfehlung weitergegeben; sie stützen sich zum Teil auf eigene kleine Studien [s206, s210].

Chen, Hasegawa, Wakimoto und Shibahara 2024 [s39]. Als Übersicht mit dokumentierter Suchstrategie (PubMed, Januar 2013 bis Dezember 2023, Suchbegriffe „anti-sperm antibody“, „sperm antigen“, „immune infertility“) fasst sie ein Jahrzehnt der Forschung zu ASA-Antigenen zusammen: Identifikation durch Proteomik, Gen-Ausschaltung und Immuninformatik, Biomarker der Fertilität, verbesserte Nachweismethoden und die Entwicklung von Impfstoffen zur Immunkontrazeption. Die Autoren betonen den Bedarf an standardisierten Nachweismethoden und einem molekularen Ansatz.

Lu, Huang und Lu 2008 [s174]. Die Übersicht „Antisperm immunity and infertility“ (Nanjing) hält fest, dass das Wesen eines „echten“ ASA nach drei Jahrzehnten Forschung noch unzureichend verstanden sei; es gebe Dutzende Spermienantigene, aber kein einzelnes dominantes Zielantigen. Chronische Infektion, Vasektomie und Vasovasostomie, Schwermetalle, Hodenkrebs und Torsion könnten ASA induzieren; verminderte Motilität, gestörte Zervixschleimpenetration, Blockade der Akrosomreaktion und der Spermien-Ei-Interaktion kämen als Folgen in Betracht. Die Behandlung ASA-assoziierter Infertilität sei „almost empiric and largely unproven“, wie die Autoren schreiben.

Weitere Übersichten aus China und Japan [s196, s194, s205, s228]. Li, Du und Yang 2004 [s196] geben an, Immunfaktoren machten 5 bis 15 % der männlichen Infertilität aus, und beschreiben, dass Spermienantigene sich in Molekulargewicht, Struktur und Lokalisation unterscheiden und ASA die Spermienfunktion direkt und indirekt beeinflussen. Chen und Huang 2004 [s194] stellen sechs jüngst gefundene Zielantigene dar. Ou und Zhuang 2003 [s205] („Wirkung von ASA auf die assistierte Reproduktion“) behandeln Entstehung durch Schrankenstörung, Hemmung der Spermien-Ei-Fusion und der Embryonalentwicklung sowie Therapien, ohne Zahlen im Abstract. Kamada und Kollegen 1998 [s228] halten in ihrer Übersicht zu Samenanalyse und ASA fest, keiner der Standardparameter sei ein verlässlicher Prädiktor des IVF-Erfolgs; der Spermien-Zona-Test sei die beste Methode; bei immunologisch infertilen Männern solle bei spezifischem Nachweis der In-vivo-Exposition ICSI verwendet werden (Aussage der Autoren).

Übersichten zu Risikofaktoren und Impfstoffansätzen [s76, s54, s87]. Tennakoon 2021 [s76] („Possible Risk Associations for the Formation of Antisperm Antibodies: A Review“) kommt zu dem Ergebnis, die zusammengetragenen Befunde belegten Zusammenhänge „nicht stark“; es fehlten gut geplante Fall-Kontroll-Studien. Divya und Kollegen 2022 [s54] bestätigen, dass die Verbindung von Infektionen, Varikozele, Kryptorchismus und Homosexualität mit ASA zwar behauptet wird, in mehreren Studien aber umstritten bleibt. Die Übersicht von A S V und Kollegen 2019 [s87] nennt ASA bei 9 bis 12 % der Infertilen aus verschiedenen Ursachen, gibt einen Ausblick auf kontrazeptive Impfstoffe, hält die ASA-Bildung durch Schleimhauttrauma oder oralen und analen Verkehr für denkbar und verweist darauf, dass die Impfstoffansätze noch nicht klinisch validiert sind. Für die Aussage zu sexuellen Praktiken führt der Abstract keinen Beleg an.

Spanisch-, französisch- und türkischsprachige Übersichten [s140, s139, s134, s40, s113, s283, s273, s128, s287, s247, s189, s51]. Restrepo und Cardona Maya 2013 [s140, spanische Fassung s139] werteten die Literatur von 45 Jahren in Spanisch und Englisch aus (PubMed, Medline, SciELO, Bücher, graue Literatur): ASA im Blut, Samen oder in Zervixsekreten störten die Spermienfunktion und damit die Befruchtung. Díaz-García und Flores-Medina 2013 [s134] berichten, dass Mykoplasmen (Mycoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum und parvum, M. genitalium) lebende bewegliche Spermien adhärieren und invadieren und durch Membranschäden Autoantigene freilegen können, mit der Möglichkeit einer Autoimmunantwort; das stützt die Randbemerkung der EAU-Leitlinie [s04]. Chenafi-Adham und Kollegen 2024 [s40] („Impact of Human Papillomavirus (HPV) on Male and Female Fertility“) beschreiben, dass HPV die Bildung von Antispermien-Antikörpern induzieren kann. De Muylder und Lord 1984 [s283] (Originaltitel „La stérilité d'origine immunologique“, deutsch: Die Sterilität immunologischen Ursprungs) halten fest, ASA bei Frau, Mann oder beiden könnten bei einer kleinen Zahl von Paaren die Ursache nichtorganischer Infertilität sein; Diagnose über Postkoitaltest und Labortests; beim Mann bestehe ein Zusammenhang zwischen hohen Samenspiegeln und Infertilität; Behandlungen seien vorgeschlagen, es fehlten prospektive Studien. Martínez Gómez 1990 [s273] (Infertilidad inmunológica, deutsch: Immunologische Infertilität) gibt an, bis zu 30 % der unerklärten Infertilitäten hätten einen immunologischen Ursprung, und betont den In-vitro-Zervixschleim-Penetrationstest; die Dissertation von Brazdova 2014 [s128] nennt denselben Anteil von bis zu 30 % für Auto- und Isoimmunisierung in berichteten Infertilitätsfällen und beschreibt IgG4 als wichtigste Unterklasse gegen Spermienproteine und IgG1 gegen Samenplasmaproteine, ohne klinische Endpunkte. Gonzales Enders 1971 [s287] (Estudios sobre los mecanismos inmunológicos de la infertilidad, deutsch: Studien zu den immunologischen Mechanismen der Infertilität) beschreibt als frühen spanischsprachigen Beleg, dass bei Kaninchen antiseminale Antikörper erzeugbar seien, die Infertilität verursachen. Namlı Kalem und Açar Eser 2016 [s113] (Kontraseptif Aşılar, deutsch: Kontrazeptive Impfstoffe) unterscheiden drei Gruppen von Impfstoffen (GnRH-, FSH- und LH-basierte; Antispermien- und Zona-pellucida-Impfstoffe; hCG-Impfstoffe) und halten fest, hCG-Impfstoffe hätten Phase 1 und 2 erreicht, die Anwendung beim Menschen sei kurzfristig nicht in Sicht. Gürbulak und Yıldız 2005 [s189] (Erkeklerde immunolojik infertiliteye genel bir bakış, deutsch: Ein Überblick über immunologische Infertilität bei Männern) betrifft trotz des Titels die Tierzucht; Liman und Fidan 2023 [s51] (Memeli Testisinde Kan-Testis Bariyeri'nin Bileşenleri ve Üreme ile İlişkileri, deutsch: Bestandteile der Blut-Hoden-Schranke im Säugetierhoden und ihre Beziehung zur Fortpflanzung) sehen die Schranke als Schutz vor Autoimmunreaktionen gegen differenzierte Keimzellen, ohne Patientendaten. Verpillat und Kollegen 1995 [s247] (Auto-anticorps antispermatozoïdes et fertilité, deutsch: Antispermatozoen-Autoantikörper und Fertilität) liegt nur mit Titel vor und konnte hier nicht inhaltlich ausgewertet werden.

Kremer 1992 [s266]. Die Übersicht zur Interaktion von Spermien und Zervixschleim hält fest, Antispermien-IgA auf Spermien oder im Zervixschleim könne Penetration und Migration schwer behindern; diese Störung sei der „einzige fest etablierte Effekt“ der Antikörper, erkennbar am schlechten Postkoitaltest. Der Nachweis gelinge über Kontakttest, Agglutinationstest, MAR oder IgA-Immunobead-Test.

Russischsprachige Übersichten [s85, s211, s98]. Ibišev, Mamedov und Magomedov 2020 [s85] (Иммунологические аспекты мужского бесплодия: обзор литературы 2016–2020 годов, deutsch: Immunologische Aspekte der männlichen Unfruchtbarkeit: Literaturübersicht 2016 bis 2020) werteten zehn Quellen aus (Suche in Scopus, Web of Science, PubMed, eLIBRARY; Auswahl nach „praktischer Bedeutung“ und Impact-Faktor). Referiert wird unter anderem, dass nur die chronische Obstruktion als gesicherter ASA-Risikofaktor gelte und der Nebenhoden der wahrscheinlichste Bildungsort sei, sowie eine Studie zu Antikörpern gegen das prostataspezifische Antigen bei 74 Männern (ASA-positiv n = 25; Hyperviskosität ASA-negativ n = 25; gesund n = 24; Antikörper gegen PSA in der gesunden Gruppe bei keiner Methode, in der Hyperviskositätsgruppe bei 28 %). Die Autoren schließen, die Mechanismen der immunologischen Infertilität seien unzureichend geklärt. Schwächen: nur zehn Quellen, keine systematische Methodik. Nikolaeva und Kollegen 2001 [s211] argumentieren in einer Übersicht („unlösbares Problem oder aussichtsreiche Forschungsrichtung“), widersprüchliche Befunde zur ASA-Wirkung auf die Befruchtung könnten aus ungeeigneten experimentellen Ansätzen herrühren; die Bindung von ASA an lebende Spermien könne mit Aggregation der Oberflächenkomplexe, metabolischer Aktivierung und Akrosomreaktion verbunden sein. Jarovoj, Chromov und Kareva 2018 [s98] (Посттравматический орхит: патогенез, тактика лечения, прогноз, deutsch: Posttraumatische Orchitis: Pathogenese, Vorgehen, Prognose) unterscheiden bei der posttraumatischen Orchitis drei Verlaufsvarianten (nichtinfektiös, infektiös, Mischformen) und enthalten laut Abstract keine Zahlen zur ASA-Bildung.

Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Überblick über die Evidenzlage auf der Ebene der Zusammenfassungen bis Erzählende Übersichtsarbeiten zu Klinik, Diagnostik und Behandlungsstand
  5. Übersichten zur Immunologie von Hoden und Nebenhoden
  6. Vorbemerkung zur Lesart und Häufigkeit von ASA und Zusammenhang mit Samenparametern
  7. Varikozele und ASA und Infektion, Entzündung und Prostatitis
  8. Trauma, Operationen, Samenwegsobstruktion und Kindheit bis Studien an Frauen und Paaren
  9. Diagnostische Vergleichs- und Methodenstudien am Menschen bis Zusammenfassende Einordnung der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Standards bis Randomisierte und kontrollierte Studien zu Behandlungsansätzen (nur Wiedergabe)
  11. Kohorten und Beobachtungsstudien am Menschen
  12. Tierversuche und Veterinärstudien
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s143
  26. Quellen s144–s287
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle