Diagnostische Vergleichs- und Methodenstudien am Menschen
Auch Methodenstudien sind Beobachtungsstudien; ihre Aussagen sind für die Einordnung der Positivraten wichtig, weil sie zeigen, wie stark die Befunde vom Test abhängen. Eine Behandlungsempfehlung geht damit nicht einher.
Koriyama und Kollegen 2013: Grenzwert des direkten Immunobead-Tests [s137]. 26 D-IBT-positive und 140 D-IBT-negative Männer, mit dem Postkoitaltest (PCT) als Vergleichsgröße. Der Anteil abnormer PCT unterschied sich signifikant zwischen Werten unter und ab 20 % (p = 0,02), aber nicht zwischen unter und ab 50 % (p = 0,084). Die Autoren halten 20 % (ursprünglich nach Bronson und Mitarbeitern) für geeigneter als den WHO-Grenzwert von 50 % und sehen den D-IBT als Screeningtest. Schwächen: kleine Gruppe positiver Männer, ein Zentrum, keine Konfidenzintervalle. Das passt zur Aussage der italienischen Studie, die für den 50-%-Grenzwert gemischte Befunde beschreibt [s88].
Takahashi und Kollegen 1992: indirekter IBT und SIT [s269]. Vergleich bei 75 infertilen Patienten: 23 waren im IBT positiv, davon 14 auch im SIT; 52 im IBT negative waren auch im SIT negativ. IBT-gebundene IgG-Perlen fanden sich bei 14 SIT-positiven; bei 12 von 14 am Kopf und am Endstück des Flagellums, bei 2 nur am Endstück des Flagellums. Die Autoren schließen, der IBT erkenne ASA leichter als der SIT und könne als Screening dienen; spermienimmobilisierende Antikörper gehörten eher zur IgG- als zur IgA-Klasse.
Kipersztok und Kollegen 2003: Schnelltest [s202]. 53 Samenproben (9 ASA-positiv, 44 negativ): ASA-positive Proben hatten niedrigere Konzentration, Motilität und motile Gesamtfraktion. Mit einem Schwellenwert ≥ 12 % im Schnelltest waren Sensitivität, Spezifität sowie positiver und negativer Vorhersagewert gegenüber dem Standard-IBT (≥ 20 %) jeweils 100 %; der Schnelltest kostete 16 % des Standardtests und brauchte 20 % der Zeit. Schwäche: sehr kleine Probenzahl, die 100 % sind unsicher.
Solís und Kollegen 2000: neuer Testkit, Rosario [s217]. 645 Samenproben von Infertilitätspatienten und 30 fertile Kontrollen: TAC II gegenüber MAR-Screen mit einer Sensitivität von 87 %, Spezifität von 100 %, einem positiven Vorhersagewert von 100 % und einem negativen von 98 % (Originaltitel Ventajas de un nuevo kit para la determinación de auto anticuerpos antiespermáticos, deutsch: Vorteile eines neuen Kits zur Bestimmung von Spermien-Autoantikörpern). Stärke: große Probenzahl. Schwächen: Hersteller-nahe Validierung durch die Entwickler (im Abstract „developed and validated by our staff“), Vergleich nur mit einem Referenztest.
Balcı und Kollegen 2003, Gaziantep [s199]. Methodenvergleich ELISA gegen indirekte Immunfluoreszenz (IFA): 71 infertile Patienten (46 Männer, 25 Frauen) und Kontrollen (19 Männer, 8 Frauen mit Kind im letzten Jahr). Die ASA-Raten in der infertilen Gruppe betrugen 23,9 % (ELISA) und 28,2 % (IFA), in der Kontrollgruppe 11 % und 7,4 %; keine seropositive Kontrollfrau; kein Unterschied in der Sensitivität (p > 0,05). Einschränkungen: Männer und Frauen werden zusammengefasst, die ELISA-Rate von 11 % bei fertilen Kontrollen ist hoch (Spezifität begrenzt), keine Konfidenzintervalle.
Lin, Su und Lee 1994, Kaohsiung [s252], Saji und Kollegen 1988, Osaka [s278], Okada und Kollegen 1993, Kobe [s261]. Lin und Mitarbeiter verglichen ELISA und SIT zum ASA-Nachweis im Serum von 158 infertilen Frauen (Kontrollen: 10 Schwangere und Unverheiratete): Die Inzidenz betrug im ELISA 13,9 % und im SIT 10,1 % (Unterschied nicht signifikant), am höchsten bei ungeklärter Infertilität; von 16 SIT-positiven Fällen waren 15 (93,8 %) auch im ELISA positiv; der positive prädiktive Wert gegenüber dem PCT lag beim ELISA bei 54,5 %, beim SIT bei 87,5 % (p < 0,05). Saji und Mitarbeiter fanden mit einem kommerziellen ELISA-Kit bei 83 infertilen Frauen und 29 Kontrollen 24 % und 10 % positiv, im SIT 15 % und keine Kontrolle; die Verfahren erfassten unterschiedliche, teils überlappende Antikörperspektren; das Vorhandensein und die Zahl motiler Spermien im Zervixschleim beim PCT standen mit dem SIT-Ergebnis in Zusammenhang, nicht mit dem ELISA. Okada und Mitarbeiter entwickelten einen Festphasenassay (IgG, IgM, IgA gleichzeitig): An 53 Seren (13 positiv, 40 negativ für Spermienagglutinationsantikörper) betrug die falsch-negativ-Rate 0 % und die falsch-positiv-Rate 32 %; die Autoren sehen den Test als Erstscreening, biologische Tests müssten zur Bestätigung folgen. Schwäche der letzten: Die 32 % falsch-positiven Befunde begrenzen die Spezifität.
Wakimoto und Kollegen 2021 [s77] sowie Methodenarbeiten aus Japan [s281, s280, s274]. Wakimoto und Mitarbeiter (Hyogo) verglichen den SIT mit CASA unter Verwendung frisch gewonnener und eingefrorener-aufgetauter Spermien an 50 Serumproben; beide Präparationen reagierten gegenüber Serum mit spermienimmobilisierenden Antikörpern ähnlich; kryokonservierte Spermien seien verwendbar, wenn frische nicht verfügbar sind (keine Zahlenwerte im Abstract). Sawai und Mitarbeiter 1987 [s281] entwickelten einen Mikro-SIT; bei mindestens zwei Stunden Reaktionszeit stimmten Original- und Mikromethode im Screening überein, und die Antikörpertiter in SI50-Einheiten entsprachen einander bei Originalmethode nach einer Stunde und Mikromethode nach zwei Stunden. Tsukui und Mitarbeiter 1987 [s280] stellten fest: Die Beweglichkeit eingefrorener Spermien sank über 3 Monate von 90 auf 30 %; 27 Seren wurden fünfmal getestet, 24 als negativ und 3 als positiv beurteilt, sowohl mit frischen als auch mit bis zu 3 Monate eingefrorenen Spermien. Tatsumi 1990 [s274] untersuchte die Immunglobulinklassen spermienimmobilisierender Antikörper im Serum infertiler Frauen: Von 14 Patientinnen hatten 2 überwiegend IgM- und die übrigen überwiegend IgG-Antikörper; von 8 Patientinnen mit IgG-Dominanz hatten 6 IgG1, eine IgG2, eine gleichmäßig IgG1, IgG2 und IgG3; die immobilisierende Aktivität stieg bei den meisten nach Entfernung der IgG4-Fraktion, und gereinigtes IgG4 senkte sie signifikant (die Autoren sehen darin einen möglichen Ansatz für künftige Therapien; das ist eine Hypothese). Die Studien sind früh und sauber, aber klein, ohne Statistik im Abstract und ohne klinischen Endpunkt.
Lu und Zha 2000, Nanjing [s214]. Laborbefund: Humanes Samenplasma hemmt einen ELISA zum Nachweis von ASA in vitro; die mittlere Hemmrate bei 75 Männern betrug 61,5 ± 23,1 %; in der normalen Spermiengruppe (n = 29) 71,14 ± 18,25 %, in der abnormen Gruppe (n = 46) 55,43 ± 23,98 %. Praktische Bedeutung: Seminalplasma kann ASA-Messungen im Samen verfälschen. Schwäche: Die Aussage zur „Spermienqualität“ ist interpretativ.
Nikolaeva und Kollegen, Moskau [s216, s234, s260]. Die Gruppe untersuchte ASA-Nachweis per Durchflusszytometrie an lebenden Spermien. Die Methodenstudie von 1993 [s260] verglich einen Durchflusszytometrie-Test (Maus-Anti-Human-IgG-Antikörper, FACScan) mit direktem und indirektem MAR-Test an 76 Ejakulatproben und 20 Serumproben infertiler Patienten: Für IgG im Ejakulat bestand eine hoch signifikante Korrelation zwischen direktem MAR und FCM-Test; 6 von 12 IgG-positiven Proben zeigten zusätzlich IgA, eine MAR-negative Probe war im FCM-Test IgM-positiv; auch im Serum korrelierten FCM-Test und indirekter MAR hoch signifikant (vorläufige Studie, keine Effektgrößen im Abstract). Die Studie von 1997 [s234] (Fertility and Sterility) untersuchte, ob Seren und Peritonealflüssigkeiten fertiler und infertiler Frauen die Bindung von IgG-ASA aus dem Serum eines infertilen Mannes an lebende Spermien verändern: Der Zusatz von Seren fertiler oder infertiler Frauen mit Endometriose oder Beckenverwachsungen hemmte die Bindung signifikant (Abstract ohne Fallzahlen oder Effektgrößen; Wirkung nur in vitro). Die Arbeit von 2000 [s216] (Human Reproduction) zeigte, dass niedrige Temperatur, Cytochalasin B, Überschuss oder Mangel an primärem und/oder sekundärem Antikörper sowie Paraformaldehyd-Fixierung die Aggregation („Patching/Capping“) und das Abstoßen von Antigen-Antikörper-Komplexen von der Spermienoberfläche hemmen und die gemessene ASA-Menge dramatisch erhöhen können; dies wurde jedoch nur in einer Minderheit der positiven Proben beobachtet und war mit Samen verschiedener Spender schlecht reproduzierbar. Die Autoren schließen, die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Komplexe bei der Handhabung abgestoßen werden, begrenze die Verwendung des indirekten Durchflusszytometrietests zur quantitativen ASA-Bestimmung.
Ahangari und Kollegen 2008, Iran [s173]. Ein auf Kollagengel (Tissue Engineering) basierter Test mit „künstlichen Spermienanaloga“ sei laut Abstract spezifischer und empfindlicher als ein konventioneller ASA-Test mit geringer Intra- und Interassay-Variation (als Hintergrund wird ASA bei 9 bis 36 % infertiler Paare genannt). Der Abstract enthält keine Zahlen; die Behauptung ist daher nicht überprüfbar.
Hodenentzündung und Orchitis beim Menschen
Studien zur eigentlichen autoimmunen Hodenentzündung (Autoimmunorchitis) beim Menschen fehlen weitgehend. In den hier ausgewerteten Sprachräumen fand sich keine Studie am Menschen mit der direkten Fragestellung Autoimmunorchitis und Hodenbiopsie; die einzigen histologischen Beobachtungen mit Hinweis auf Immunbeteiligung sind Obduktionsbefunde nach Virusinfektionen und eine Biopsiestudie bei Azoospermie.
Amarilla und Kollegen 2024: Biopsien bei Azoospermie [s38]. Testisbiopsien von Patienten mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie und Hypospermatogenese (mild n = 9, schwer n = 11), von Patienten mit obstruktiver Azoospermie (Kontrolle, n = 9) und mit Sertoli-Zell-Only-Syndrom (n = 9). In schwerer Hypospermatogenese waren CD45-positive Zellen in der Tubuluswand und im Lumen vermehrt, assoziiert mit mehr apoptotischen meiotischen Keimzellen und weniger Spermatogonien; Sertoli-Zellen zeigten ein unreifes Profil (AMH), und im Sertoli-Zell-Only-Syndrom stiegen Sertoli-Zellzahl und Ki67-positive Sertoli-Zellen mit hohem FSH und CD45-positiven Zellen. Verglichen wurde mit EAO-Ratten, bei denen Orchitis Spermienzahl, Vitalität und Motilität senkte. Stärke: Humangewebe. Schwächen: kleine Gruppen, Querschnitt; die Studie belegt eine Immunzellvermehrung, nicht deren Spezifität gegen Spermien.
Xu und Kollegen 2006: SARS-Orchitis [s187]. Autopsiehoden von 6 an SARS Verstorbenen (Biology of Reproduction; Peking): ausgedehnte Keimzellzerstörung, kaum oder keine Spermien in den Samenkanälchen, verdickte Basalmembran, Leukozyteninfiltration; CD3-positive T-Lymphozyten und CD68-positive Makrophagen im Interstitium signifikant vermehrt (p < 0,05); keine SARS-Virussequenzen in situ; reichlich IgG-Ablagerung im Samenepithel als Hinweis auf eine Immunreaktion. Stärke: seltene Pathologiedaten. Schwächen: n = 6, schwere Allgemeinerkrankung als Störgröße.
Akaberi-Nasrabadi und Kollegen 2024: COVID-19-Hoden [s37]. Fall-Kontroll-Studie an Hodenproben aus Obduktionen (Shahid-Beheshti-Universität): COVID-19-Verstorbene gegenüber Verstorbenen durch Unfälle. Gefunden wurden eine deutliche Vimentin-Expression, Infiltration durch CD68+-, CD38+- und CD138+-Immunzellen, ausgedehnte IgG-Ablagerung und verminderte Inhibin-Expression (p = 0,001) sowie niedrigere Ki67- und PCNA-Expression. Das ist ein histologischer Hinweis auf Immunbeteiligung (IgG) bei virusassoziierter Orchitis. Einschränkungen: Fallzahl im Abstract nicht genannt, schwer Erkrankte, Obduktionsmaterial, Assoziation, keine funktionellen Endpunkte.
Zhang und Kollegen 2025: Samenqualität nach COVID-19, Peking [s34]. 781 infertile Männer nach COVID-19 (MedComm), Samen- und Blutproben zu verschiedenen Zeitpunkten: SARS-CoV-2-RNA im Samen war nicht nachweisbar; im ersten Monat nach COVID-19 sanken Gesamtspermienzahl, Konzentration, Vitalität, Motilität und Anteil normaler Formen signifikant gegenüber dem Zustand vor COVID-19, im dritten Monat kehrte sich das um; proinflammatorische Zytokine im Samenplasma waren im dritten Monat niedriger als im ersten; Vitalität und Motilität korrelierten negativ mit Körpertemperaturen über 38 Grad. Ein ASA-Endpunkt fehlt; die Studie wurde wegen der Immunfaktoren aufgenommen.
Belyj und Konšin 2013: Epididymoorchitis und intraskrotaler Druck, Uljanowsk [s144]. Prospektive Vergleichsstudie (Vestnik novych medicinskich technologij; Originaltitel Особенности нарушений сперматогенеза после перенесенного острого эпидидимоорхита, deutsch: Besonderheiten der Spermatogenesestörungen nach akuter Epididymoorchitis) bei 40 Männern mit akuter Epididymoorchitis (alle operativ behandelt, intraskrotaler Druck intraoperativ gemessen), davon 17 mit intraskrotaler Hypertension (ISG) und 23 ohne, sowie 20 gesunden Männern (20 bis 50 Jahre, Mittel 27,4). Spermiogramm 30 und 105 Tage nach Genesung, MAR-Test, Agglutination. Normozoospermie nach 30 Tagen hatten 9 Patienten ohne ISG (im Text als 31,1 % angegeben; rechnerisch 9 von 23 = 39,1 %), 3 Patienten mit ISG (17,6 %) und 11 Kontrollen (55 %). Die Konzentration nach 30 Tagen betrug 12,27 ± 0,56 (ohne ISG) gegenüber 7,43 ± 0,76 Mio./ml (mit ISG; p < 0,001), nach 105 Tagen 14,40 ± 0,48 gegenüber 7,32 ± 0,61 (p < 0,001). Progressiv bewegliche Spermien nach 30 Tagen: 24,2 ± 4,8 % (mit ISG), 45,6 ± 6,3 % (ohne ISG; p < 0,01), 66,1 ± 5,7 % (Kontrolle; p < 0,02); nach 105 Tagen ohne ISG 58,2 ± 5,4 %, mit ISG 26,2 ± 2,9 % (keine Besserung). Die Agglutination (Punkte) betrug nach 30 Tagen 1,6 ± 0,2 (ohne ISG), 2,4 ± 0,3 (mit ISG; p < 0,05) und 0,30 ± 0,01 (Kontrolle), nach 105 Tagen 0,6 ± 0,1 und 2,3 ± 0,2. Im MAR-Test fanden sich nach 30 Tagen 31,6 ± 2,4 % (ohne ISG), 58,4 ± 3,6 % (mit ISG) und 13,3 ± 1,9 % (Kontrolle), nach 105 Tagen 20,2 ± 2,1 % (p < 0,01; ohne ISG) und 59,4 ± 4,9 % (mit ISG). Die Autoren schließen, dass bei intraskrotaler Hypertension nach Epididymoorchitis Spermatogenese und MAR-Wert gestört bleiben, und sehen darin eine erhöhte Wahrscheinlichkeit autoimmuner Infertilität. Stärke: direkte Verknüpfung von Entzündung, Druckmessung und ASA-Verlauf, Kontrollgruppe. Schwächen: kleine Gruppen, interne Zahlenabweichungen (31,1 % gegenüber 39,1 %; identische Normozoospermie-Zahlen nach 30 und 105 Tagen), ein mittlerer MAR der Kontrollgruppe von 13,3 % (für „gesunde“ Männer ungewöhnlich hoch), nur zwei Zeitpunkte, keine Konfidenzintervalle, keine Fertilitätsendpunkte; die empfohlene Therapie wird hier nicht wiedergegeben.
Tobokalova und Kollegen 2014: Mumps-Orchitis, Kirgisistan [s130]. Katamnestische Beobachtungsstudie (Medicina Kyrgyzstana; Originaltitel Последствия перенесенного паротитного орхита у взрослых, deutsch: Folgen einer durchgemachten Mumps-Orchitis bei Erwachsenen). Es wurden 57 Patienten (15 bis 26 Jahre) nach Mumps mit Hodenbeteiligung nach 6 bis 8 und 12 bis 24 Monaten klinisch und per Ultraschall kontrolliert. Eine Hodenbeteiligung zusammen mit anderen Drüsen und dem Zentralnervensystem bestand bei 61 von 144 Jungen (42,4 %) und 195 von 260 Männern (75 %; p < 0,001). Bei 42 von 57 (73,7 %) fanden sich nach 6 bis 8 Monaten keine klinischen Veränderungen; eine Hodenatrophie bestand bei 29,8 % (einseitig 15,8 %, beidseitig 14,0 %), überwiegend Grad I (14 von 17). Am Ende des zweiten Jahres nahm die Zahl der Atrophien zu (p < 0,05), vor allem durch beidseitige Atrophie, was die Autoren als Hinweis auf einen autoimmunen Prozess im postklinischen Verlauf deuten (ohne ASA zu messen); Atrophie Grad II 16,6 % gegenüber 5,3 % (p < 0,01), Grad III bei zwei Männern. Die Samenanalyse 2 bis 3 Jahre nach Mumps-Orchitis (n = 27) ergab eine Spermienzahl von 47,9 ± 4,8 gegenüber „Norm“ 75,5 ± 3,5 pro ml (p < 0,01), bewegliche Formen 41,5 ± 3,1 % gegenüber 73,5 ± 1,8 % und normale Morphologie 49,7 ± 2,3 % gegenüber 75,8 ± 1,1 %; die Spermaagglutination war „positiv“. Im Ultraschall (n = 29 gegenüber Kontrollen n = 17) betrug das Volumen des betroffenen Hodens 9,1 ± 1,12 gegenüber 13,4 ± 0,43 cm³ (p < 0,01). Schwächen: kein Antikörpernachweis, Vergleich mit Literatur-„Normwerten“ statt mitgeführter Kontrollen für das Spermiogramm, unklare Rekrutierung; „autoimmun“ ist nur eine Vermutung. Wert: seltene Daten aus Zentralasien.
Khodadadi und Kollegen 2023: Brucellen-Epididymoorchitis [s50]. Fallserie mit 50 Patienten (Januar 2018 bis Juni 2021), behandelt mit Kombinationen aus Gentamicin, Doxycyclin (7 Patienten) und zusätzlich Rifampicin (43 Patienten), Nachbeobachtung 6 Monate ohne Therapieversagen oder Komplikationen; Krankenhausaufenthalt 7,56 ± 3,45 (3 bis 23) beziehungsweise 10,14 ± 1,77 (8 bis 13) Tage. Ein ASA-Endpunkt fehlt; die Arbeit betrifft eine infektiöse Ursache der Hodenentzündung, die laut Autoren in Endemiegebieten in die Differenzialdiagnose gehört. Daten zu Autoimmunität oder Fertilität gibt es dort nicht.
Granulomatöse Orchitis und Autopsiedaten [s69, s212, s149]. Liang und Kollegen 2021 [s69] berichten einen Fall granulomatöser Orchitis (38-jähriger Mann, Hodenmasse von etwa 17 mm im MRT, radikale Orchiektomie); die Autoren geben an, Antibiotika und Steroide seien bei konservativer Therapie nach heutiger Ansicht unwirksam; ein immunologischer Befund im engeren Sinn fehlt. Sakuma und Den 2001 [s212] (Originaltitel 肉芽腫性精巣炎の1例 本邦報告20例の集計, deutsch: Ein Fall granulomatöser Orchitis; Zusammenstellung von 20 in Japan berichteten Fällen) fassen Alter 29 bis 79 Jahre (Mittel 55), Lokalisation links 7, rechts 9, beidseitig 4 zusammen; Ultraschall zeigt hypoechogene Herde, die präoperative Diagnose gelang nie, weil die Erkrankung einem Hodentumor ähnelt. Zu den historischen Autopsiedaten von Hatakeyama (397 Autopsien) siehe oben [s149].
Vicari und Kollegen 1995: GnRH-Agonist bei akuter Orchitis [s248]. Diese randomisierte Studie gehört thematisch zu den Behandlungsstudien; sie wird hier wegen ihrer ASA-Beobachtung genannt: 24 Patienten mit akuter postpubertärer Orchitis/Epididymoorchitis wurden auf konventionelle Therapie mit (n = 13) oder ohne (n = 11) langwirksamen GnRH-Agonisten über drei Monate randomisiert; sieben Mumpspatienten dienten als Zusatzkontrolle. In der konventionellen Gruppe zeigten drei von elf Patienten Hodenatrophie und persistierende ASA-Positivität, in der Kombinationsgruppe keiner von 13; Spermienzahlen nach 3 bis 6 Monaten waren höher. Schwächen: kleine Zahl, Verblindung im Abstract nicht erkennbar. Wegen der kleinen Zahl ist die Beobachtung nur als Hinweis auf eine Verbindung zwischen Orchitis, Atrophie und persistierenden ASA zu lesen.
Beobachtungsstudien an Tieren (Veterinärmedizin)
Die Veterinärmedizin liefert Beobachtungen zur natürlichen Autoimmunität gegen Spermien bei Hund, Rind und Wildtier. Sie belegen, dass das Phänomen nicht auf den Menschen beschränkt ist, lassen sich aber nur mit Vorsicht übertragen.
Ferrer und Kollegen 2026, Hunde [s05]. Querschnittsstudie an 67 Hunden mit Durchflusszytometrie (Theriogenology): IgA- und IgG-gebundene Spermien waren bei zuchtuntauglichen Hunden höher (p = 0,037 und 0,031); 14,9 % (10 von 67) waren IgA-positiv. ASA-positive Ejakulate hatten niedrigere Konzentration (p = 0,029), Gesamtzahl motiler Spermien (p = 0,021) und Neutrophile (p = 0,028) sowie schlechtere Kühllagerbarkeit (p < 0,05 nach 24 und 48 Stunden); ASA fanden sich bei 17,9 % der unbefriedigenden Zuchttiere gegenüber 0 % der befriedigenden. Die Autoren sehen Ähnlichkeit mit der Autoimmunorchitis.
Goericke-Pesch und Kollegen 2022, Hunde [s55] sowie Rehder und Kollegen 2025 [s28, s29]. Bei zehn azoospermen Hunden war die Azoospermie in neun Fällen nichtobstruktiv; drei Hunde zeigten lokale, sechs generalisierte Immunzellinfiltrate, einer eine chronische immunvermittelte Orchitis; zwei hatten Antischilddrüsen-Antikörper [s55]. Rehder und Mitarbeiter untersuchten 15 Hoden mit chronischer asymptomatischer Orchitis und zehn Kontrollen: Überexpression von bFGF (p < 0,0001), GDNF (p = 0,0036), WNT5A (p = 0,0066) und CXCL12 (p = 0,0003) sowie Reduktion von BMP4 (p = 0,0041) und LDHC (p = 0,0003) [s28]; weniger Sertoli-Zellen, teilweise unreif [s29]. Der Titel der Arbeit von 2022 bezeichnet die chronische immunvermittelte Orchitis als Hauptursache erworbener nichtobstruktiver Azoospermie beim Hund; aus den zehn untersuchten Tieren lässt sich diese Verallgemeinerung nur eingeschränkt stützen.
Rinder [s02, s105, s81, s94, s57]. Ahuja und Kollegen 2026 [s02] untersuchten 58 Kreuzungskühe: MAR-IgG/IgA im Östrus bei Konzeption waren niedriger als im ersten Östrus; die AUC betrug 0,799 (IgG) und 0,806 (IgA) für die Unterscheidung konzeptiver von nichtkonzeptiven Zyklen; es gibt Hinweise auf molekulare Mimikry zwischen Spermien- und Bakterienproteinen. Srivastava und Kollegen 2017 [s105] verglichen Spermienimmobilisations-, Agglutinations- und Immunoperoxidase-Test bei Kühen mit wiederholtem Umrindern; der Immobilisationstest erkannte 61 %. Kuntareddi und Kollegen 2020 [s81] fanden ASA-reaktive Spermien bei niedrig- und mittelfertilen Bullen häufiger (p < 0,05), mit negativem Zusammenhang zur Konzeptionsrate (p < 0,01). Gupta und Kollegen 2022 [s57] fanden bei zwei Bullen (je 12 gute und schlechte Ejakulate) Östradiol (p < 0,05), oxidativen Stress und ASA bei schlechter Qualität höher (p < 0,01). Yavaş und Kollegen 2018 [s94] (Originaltitel Döl Tutmayan İneklerde İmmunolojik İnfertilitenin Araştırılması, deutsch: Untersuchung der immunologischen Infertilität bei Kühen, die trotz wiederholter Besamung nicht trächtig wurden) fanden an 50 Kühen mit mindestens dreimaliger Besamung ASA im Serum bei 14,33 % der Tiere (der Wert lässt sich bei 50 Tieren nicht als Anzahl ausdrücken; vermutlich ein Mittelwert oder eine Rundungsfolge, im Abstract nicht erklärt); die Studie hat keine Kontrollgruppe. Die kleinen Fallzahlen und das Fehlen von Kontrollen schränken alle diese Studien ein.
Kawase und Jimbo 2018, Sikahirsche [s96]. Aus 529 Kotproben von Sikahirschen in japanischen Städten wurden Schleimhautantikörper extrahiert und per ELISA auf Reaktivität gegen Hirschspermienproteine geprüft. Zwei Extrakte enthielten IgA mit hoher Reaktivität (Molekulargewicht über 100 kDa). Mittels zweidimensionaler Elektrophorese, Immunoblot und LC-MS/MS wurden drei Hauptantigene identifiziert: alpha-Enolase, Phosphoglyceratkinase 2 und Akrosin-bindendes Protein; die Antikörper kreuzreagierten mit rekombinantem menschlichem Akrosin-bindendem Protein. Nach Angabe der Autoren ist dies der erste Nachweis spontan gebildeter spermienreaktiver Antikörper bei Wildtieren. Schwächen: nur 2 von 529 Proben positiv; Kot-IgA sagt nichts über Fertilität aus.
Zusammenfassende Einordnung der Beobachtungsstudien
Aus den Beobachtungsstudien lassen sich mit unterschiedlicher Sicherheit folgende Muster ableiten; sie sind Beschreibungen der Studienlage, keine Handlungsempfehlungen.
- Häufigkeit. In andrologischen Ambulanzserien mit MAR-Test liegt die Prävalenz im niedrigen einstelligen Prozentbereich (1,03 % [s15], 1,4 % [s30], 2 bis 4 % je nach Grenzwert [s88], 6,35 % [s48]); in speziell ausgewählten oder mit anderen Methoden untersuchten Kollektiven liegen die Raten höher (16 % bei infertilen Normozoospermen [s118], etwa 18 bis 19 % in Kuwait [s235, s229], 66,1 % in Fergana [s17]). Die Spanne spiegelt Auswahl, Test und Grenzwert wider und nicht ohne Weiteres reale Unterschiede.
- Auslöser. Am besten gestützt sind Zustände mit Schrankenstörung oder Obstruktion: Vasektomie und Umkehr [s22, s167, s279], Hodentrauma und Orchitis [s148], Operationen im Leistenbereich [s59]. Für Varikozele sprechen die Metaanalysen [s21, s07], die Einzelstudien teils dagegen [s158, s132, s181]. Für Prostatitis liegt eine Metaanalyse vor [s111], die Einzelstudie mit Entzündungsgruppe widerspricht [s175]. Für Infektionen (Chlamydien, Ureaplasmen, HBV, HCV, HPV) sind die Befunde uneinheitlich und überwiegend schwach [s97, s99, s101, s83]. Bei 41 % der Männer mit ASA wurde in der ausführlichsten Risikofaktorenanalyse keiner der untersuchten Faktoren gefunden [s148].
- Wirkung auf Samenparameter. Motilität ist am häufigsten betroffen [s119, s83, s125, s17], wobei die großen Serien nur bei sehr hohen Positivitätsgraden Unterschiede fanden [s88, s48].
- Wirkung auf Fertilität. Der entscheidende Endpunkt (Schwangerschaft, Lebendgeburt) ist nur bei hohem Positivitätsgrad klar beeinträchtigt [s79, s88]; nach IVF/ICSI sprechen Metaanalyse und mehrere Kohorten gegen einen Effekt [s157, s67, s245, s192], andere Kohorten dafür [s89, s15, s231]; nach Vasektomie-Umkehr sind die Befunde uneinheitlich [s36, s185, s276, s277].
- Hodenentzündung. Beim Menschen gibt es keine Studie, die eine Autoimmunorchitis mit Spermien-Autoantikörpern direkt belegt; die vorhandenen Daten sind Biopsie- und Obduktionsbefunde mit Immunzellvermehrung und IgG-Ablagerung [s38, s187, s37] sowie Verlaufsbeobachtungen nach Orchitis [s144, s130].
- Qualität und Unabhängigkeit. Mehrere Studien sind keine unabhängigen Bestätigungen (Kuwait [s235, s229, s238, s222]; [s164, s165]; [s117, s116]), mehrere enthalten Zahlenwidersprüche (vermerkt), einige sind durch Herstellerbeteiligung belastet [s107, s91, s117, s116], und die Aussagen vieler Arbeiten beruhen nur auf Abstracts. Wo der Abstract keine Zahlen nennt, wurde nichts ergänzt.