Antispermien-Antikörper und immunologische Infertilität · Kapitel 8 von 23 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Trauma, Operationen, Samenwegsobstruktion und Kindheit bis Studien an Frauen und Paaren

Trauma, Operationen, Samenwegsobstruktion und Kindheit

Negri und Kollegen 2022: Leistenhernienoperation [s59]

Negri und Mitarbeiter analysierten retrospektiv 2 258 infertile Männer mit MAR-Test aus den Jahren 2000 bis 2020; 191 hatten eine Leistenhernienoperation hinter sich. Die ASA-Positivität war nach andrologischen Eingriffen 3,48-fach (95-%-KI 1,70 bis 7,10; p < 0,001) und nach Hernienkorrektur 2,45-fach (1,01 bis 5,99; p < 0,05) häufiger als in der unselektierten infertilen Population. Stärke: große Einzelzentrumsserie. Schwächen: retrospektiv, kein Zeitbezug zwischen Operation und Test, Referenz ist keine fertile Gruppe; das untere Konfidenzintervall von 1,01 für die Hernienkorrektur liegt knapp an der Grenze. Die prospektive Studie von Krnić und Kollegen 2016 [s112] (50 Patienten, je 25 mit elektiver und mit inkarzerierter Hernie) fand nach Netzimplantation zwar einen signifikanten ASA-Anstieg im späten postoperativen Verlauf, aber alle Endwerte blieben im Referenzbereich, ebenso Widerstands- und Pulsatilitätsindex der Hodendurchblutung. Eine japanische Serie von Matsuda und Kollegen 1993 [s259] untersuchte 13 Patienten mit Samenleiterverschluss nach kindlicher Leistenbruchoperation: Im indirekten IBT waren 7 (54 %) für IgG-ASA und 2 (15 %) für IgA-ASA positiv, alle negativ für IgM; es gab keinen Unterschied zwischen Männern mit und ohne mögliche Nebenhodenobstruktion; die Autoren schließen, ein relevanter Anteil habe Serum-ASA trotz fehlender Spermiengranulome (n = 13).

Hodentumor, Torsion, Biopsie und Mikrolithiasis

Paoli und Kollegen 2009, Hodentumoren [s168]. 190 Patienten einen Monat nach Orchiektomie, vor Chemo- oder Strahlentherapie. ASA im Gelatine-Agglutinationstest bei 11 (5,8 %); im indirekten IBT waren drei dieser elf nur für IgG positiv (22 %, 24 %, 40 %); bei vier zeigte sich keine Spermienbindung, bei drei nur IgG mit Bindung ausschließlich am Flagellum (28 %, 21 %, 38 %), bei den übrigen vier war der direkte IBT nicht durchführbar. Die Autoren schließen, Hodenkrebs sei wohl keine wesentliche Ursache der Spermienautoimmunisierung. Stärke: für diese Frage große Serie. Schwäche: Kontrollkollektiv im Abstract nicht angegeben.

Arap und Kollegen 2007, Hodentorsion [s177]. 24 Patienten nach Torsion (15 Orchiektomie, 9 Orchidopexie) und 20 fertile Kontrollen: Hormone im Normbereich, Spermienzahl und Morphologie gegenüber Kontrollen erniedrigt, kein signifikanter Unterschied der ASA-Spiegel zwischen den Gruppen, aber ein Trend zu höheren Werten nach Torsion unabhängig vom Schicksal des Hodens; keine Korrelation mit Alter bei Torsion, Ischämiezeit, Spermienparametern oder Therapie. Schwäche: kleine Gruppen.

Fu und Kollegen 2006, Nanjing [s183]. Zehn Patienten (Alter 16 bis 45 Jahre, im Mittel 19,6) mit akuter einseitiger Hodentorsion (links 9, rechts 1; Krankheitsdauer 3 bis 6 Tage, Mittel 4,7), bei denen der geschädigte Hoden entfernt wurde. Serum-ASA (IgG, IgM, IgA) und Inhibin B wurden vor und nach der Operation bestimmt, ebenso FSH, LH und Testosteron. Nach der Operation stiegen die ASA-Spiegel deutlich und blieben mindestens 26 Wochen erhöht; Inhibin B war in Woche 3 am niedrigsten und normalisierte sich bis Woche 12. Die Autoren schließen, Hodenverletzung löse langanhaltend erhöhte ASA aus. Schwäche: n = 10, kein Kontrollkollektiv, Zahlenwerte im Abstract nicht angegeben; die Entfernung des Organs verändert die Verhältnisse zusätzlich zur Torsion. Das steht im Gegensatz zur Studie von Arap und Kollegen [s177], in der kein signifikanter Gruppenunterschied bestand.

Nagasawa und Kollegen 2022, Japan [s63]. Fallbericht (Reproductive Immunology and Biology; Originaltitel 精巣捻転後の原発性精巣機能低下症: その発症に自己免疫学的機序の関与が強く示唆された症例, deutsch: Primäre Hodenunterfunktion nach Hodentorsion: ein Fall, bei dem ein autoimmuner Mechanismus stark nahegelegt wird): 30-jähriger Mann mit wiederholter linker Hodentorsion; etwa einen Monat nach Orchidopexie trat eine Nebennierenrindeninsuffizienz auf; Diagnose autoimmunes polyglanduläres Syndrom Typ 4; keine Keimzellen in der TESE, keine Erholung der Spermatogenese unter Testosteron. Ein Fallbericht (n = 1) legt einen autoimmunen Mechanismus nahe, belegt ihn nicht allgemein.

Patel und Kollegen 2005, Hodenbiopsie bei Kryptorchismus [s190]. 112 Männer nach Orchidopexie mit beidseitiger Biopsie im Kindesalter (mittleres Alter 8,6 Jahre), Untersuchung im mittleren Alter von 19,6 Jahren; bei 57 wurde der direkte Immunobead-Test durchgeführt: Kein Ejakulat zeigte Bead-Spermien-Komplexe, es lagen also keine direkten ASA vor. Mikrolithiasis fand sich bei 4 von 26 schwarzen (15,4 %) und 4 von 86 weißen Patienten (4,7 %). Die Autoren sehen keinen Hinweis auf zusätzlichen Hodenschaden durch die Biopsie. Schwächen: ASA nur bei der Hälfte untersucht, keine Kontrollgruppe.

Jiang und Zhu 2013, Mikrolithiasis [s136] und Kryptorchismus [s135]. 22 infertile Männer mit zufällig festgestellter Mikrolithiasis des Hodens wurden im direkten IBT untersucht; keiner zeigte signifikante ASA, die Spermienparameter waren relativ abnorm [s136]. Der Schluss, Mikrolithiasis erhöhe das ASA-Risiko nicht, beruht auf einer Fallserie ohne Kontrollgruppe (n = 22). Die zweite Studie [s135] untersuchte 48 infertile Männer mit Kryptorchismus in der Vorgeschichte (einseitig n = 30, beidseitig n = 18) nach Orchidopexie vor der Pubertät und 20 gesunde, altersgleiche fertile Kontrollen: Kein infertiler Mann erfüllte das WHO-Kriterium für ASA-vermittelte Infertilität; Spermienkonzentration und Beweglichkeit waren erniedrigt, die abnorme Morphologie erhöht. Die Autoren schließen, Hitzeexposition des Hodens in der Präpubertät sei kein Risikofaktor für die ASA-Bildung, die schlechte Spermienqualität sei ursächlich. Stärke: Kontrollgruppe. Schwächen: kleine Gruppen, keine Zahlen im Abstract.

Kryptorchismus bei Kindern und Jugendlichen

Domagala und Kollegen 2006 [s182]. Im indirekten IBT wurden die Seren von 76 Jungen mit Hodenfunktionsstörung (überwiegend Kryptorchismus) und zehn gesunden Jungen untersucht; ASA fanden sich bei 3,95 %. Die Autoren sehen darin ein mögliches Zeichen individueller Neigung zu Autoimmunreaktionen. Kamieniczna und Kollegen 2010 [s161] (Ginekologia polska; Originaltitel Wykorzystanie cytometrii przepływowej do oceny występowania przeciwciał przeciwplemnikowych w surowicy od niepłodnych osób dorosłych i chłopców przed pokwitaniem z wadami w drogach rozrodczych, deutsch: Anwendung der Durchflusszytometrie zur Bewertung des Vorkommens von Antispermien-Antikörpern im Serum infertiler Erwachsener und präpubertärer Jungen mit Fehlbildungen der Fortpflanzungswege) fanden bei Erwachsenen keinen signifikanten Unterschied zu Gesunden; bei den Jungen bestanden signifikante Unterschiede für alle Antikörperisotypen, wobei die Durchflusszytometrie bei den Jungen besser trennte als der IBT; die Korrelation von IBT und Durchflusszytometrie für IgG war nur bei infertilen Erwachsenen signifikant (r = 0,507; p = 0,012).

Kurpisz und Kollegen 2011, HLA und Kryptorchismus [s152]. 60 präpubertäre ukrainische Jungen mit Kryptorchismus und 60 gesunde Jungen: indirekter IBT und HLA-DRB1/DQB1-Typisierung. Die Allelfrequenzen unterschieden sich nicht zwischen Kryptorchiden und Kontrollen; schwache Unterschiede (DRB1*04, korrigiertes p = 0,0475; DQB1*06, p = 0,0385) bestanden zwischen Kryptorchiden mit und ohne ASA. Der familiäre Kryptorchismus mit Infertilität war stark mit HLA-DRB1*11 verbunden (korrigiertes p = 0,0006). Die Autoren sehen die ASA-Neigung nur schwach mit HLA-Klasse II verknüpft und fordern größere Stichproben.

Vasektomie, Vasektomie-Umkehr und Obstruktion

Lee und Kollegen 2009: Serum-ASA zur Diagnose einer obstruktiven Azoospermie [s167]. 484 infertile Männer, davon 272 mit operativ gesicherter Obstruktion von Vas oder Nebenhoden und 212 mit Infertilität ohne Azoospermie. Obstruktive Männer hatten höhere ASA. Die Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) betrug für IgG 0,92, für IgA 0,85 und für IgM 0,67; für IgG gegen das Flagellum 0,92, gegen den Kopf 0,87 und gegen das Mittelstück 0,79. IgG: Sensitivität 85 %, Spezifität 97 %; IgA: Spezifität 99 %, positiver Vorhersagewert 99 %, positives Likelihood-Verhältnis 70,0. Die Autoren schließen, Serum-ASA seien besonders nach Vasektomie genau in der Vorhersage einer Obstruktion. Stärken: große Serie, chirurgisch gesicherter Goldstandard. Schwächen: Die Kontrollgruppe waren nichtazoosperme Infertile (Spektrumeffekt), retrospektiv.

Abouelgreed und Kollegen 2024: ASA und Schwangerschaft nach Vasektomie-Umkehr, Kairo [s36]. Retrospektive Aktenanalyse mit Telefonbefragung bei 145 Patienten (Mai 2015 bis April 2023; medianes Alter 43 Jahre, mediane Obstruktionsdauer 7,7 Jahre, Partnerinnen median 29 Jahre; 80 % beidseitige Vasovasostomie). 60 Männer (41,4 %) hatten niedrige (< 50 %), 85 (58,6 %) hohe (≥ 50 %) ASA-Werte im ersten postoperativen Ejakulat. Telefonisch erreicht wurden nur 48: Von 19 Männern mit niedrigen ASA erreichten 13 (68,4 %) eine Schwangerschaft, davon sechs (31,6 %) spontan; von 29 mit hohen ASA 21 (72,4 %), davon elf (38 %) spontan; Fisher-Test p = 0,2. Es bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen ASA-Höhe und Schwangerschaft oder Konzeptionsweg. Stärken: klinisch relevante Fragestellung, Bezug zur AUA-Leitlinie. Schwächen: retrospektiv, nur ein Drittel (48 von 145) für das Ergebnis erreicht (Selektionsverzerrung), kleine Untergruppen, keine Adjustierung (zum Beispiel für das Alter der Partnerin oder die Obstruktionsdauer), ASA nur einmal gemessen.

Hinz und Kollegen 2010: Adipositas [s160]. 500 Patienten nach Vasektomie-Umkehr durch einen Operateur (Durchgängigkeit bei 315, Schwangerschaften bei 334 auswertbar). Die Durchgängigkeit betrug 93,2 %, 91,9 % und 93,3 % bei Normalgewichtigen, Übergewichtigen und Adipösen (p = 0,931), die Schwangerschaftsrate 63,9 %, 60,2 % und 55,6 % (p = 0,672). Der BMI korrelierte mit niedrigerem Testosteron (p < 0,001), mit dem Alter (p = 0,007) und mit dem Vorliegen von IgA-ASA (p = 0,006). In der logistischen Regression war nur das Alter der Partnerin ein unabhängiger Prädiktor der Schwangerschaft (p = 0,039). Stärke: große Einzeloperateur-Serie. Schwäche: ASA nur Nebenbefund.

Lu und Kollegen 2006: Serum-ASA und Vasovasostomie [s185]. 88 Männer, Vasovasostomie zwei Jahre nach Sterilisation (Titel in PubMed „The relationship between changes of serum antisperm antibodies before and post vasovasostomy and pregnancy rate“, deutsch: Zusammenhang zwischen Veränderungen der Serum-ASA vor und nach Vasovasostomie und der Schwangerschaftsrate); Kontrollen nach 3, 6, 12 und 24 Monaten. Die ASA-Positivrate unterschied sich nicht zwischen den drei Sterilisationsmethoden, nicht vor und nach der Operation und nicht nach Wiederauftreten von Spermien; Positivrate, Intensität (Anteil bead-beladener motiler Spermien) und Typ beeinflussten die Schwangerschaft nicht; die Schwangerschaftsrate war bei einer Spermienkonzentration über 20 × 10⁶/ml deutlich höher. Die Autoren schließen, Serum-ASA sänken durch die Vasovasostomie nicht und hätten keinen Einfluss auf die Schwangerschaft. Der Abstract nennt keine Zahlenwerte oder p-Werte.

Lee, Kim und Kim 1987, Seoul [s279]. Die älteste koreanische Arbeit (Clinical Reproduction and Fertility): Serum-ASA wurden mit Gelatine-Agglutinations- und Tray-Agglutinationstest bei koreanischen Männern vor und nach Vasektomie, Vasovasostomie, Epididymovasostomie und bei Kontrollen mit normalem Ejakulat bestimmt. Spermienagglutinierende Antikörper im Serum (Titer mindestens 1:32) lagen bei 3 % der normospermen Kontrollen und 27 % der vasektomierten Männer vor; im zeitlichen Verlauf nach Vasektomie gab es keine signifikante Änderung, und es bestand kein Unterschied mit oder ohne Spermiengranulom. Vor der Vasovasostomie waren 35 %, 12 Monate nach erfolgreicher Reanastomose 29 % positiv; kein Unterschied zwischen erfolgreicher und erfolgloser Vasovasostomie. Antikörper hatten 20 % der Männer, die eine Schwangerschaft erzielten, und 43 % derjenigen mit fortbestehender Infertilität bei durchgängiger Reanastomose. Bei pathologischer Nebenhodenobstruktion waren 5 %, nach durchgängiger Epididymovasostomie 0 %, nach erfolgloser 17 % positiv; die vier Männer mit Schwangerschaft nach Epididymovasostomie waren alle antikörpernegativ. Agglutinationsmuster: 56 % Flagellum-zu-Flagellum, 30 % Kopf-zu-Kopf, 14 % gemischt. Schwächen: Fallzahlen im Abstract nicht angegeben, keine Konfidenzintervalle, älteres Verfahren (Agglutination, nicht IBT).

Carbone und Kollegen 1998: teilweise Obstruktion statt ASA [s226]. 412 Patienten mit indirektem IBT; 95 mit mehr als 20 % Bindung, davon 49 mit normaler Partnerin, gruppiert nach Vorgeschichte: Vasovasostomie (20), Varikozele (9), Kryptorchismus (8), Epididymoorchitis (12); mittlere Nachbeobachtung 33,8 Monate. Nach Vasektomie und Umkehr waren Spermienkonzentration (p = 0,002) und Beweglichkeit (p < 0,001) niedriger, die IBT-Bindung insgesamt (p < 0,001) sowie IgA (p = 0,008) geringer. 14 Männer mit Verdacht auf Teilobstruktion wurden mikrochirurgisch erneut rekonstruiert: sieben (50 %) Schwangerschaften gegenüber fünf von 29 (17,2 %) bei assistierter Reproduktion (p = 0,025); sechs Männer ohne Obstruktionszeichen blieben ohne Therapie und ohne Schwangerschaft. Die Autoren folgern, ASA seien in dieser Konstellation kein wesentlicher Faktor. Schwächen: retrospektiv, die Diagnose Teilobstruktion beruht auf Palpation und Spermienparametern, kleine Gruppen, keine Randomisierung.

Matson, Parslow, Newton: ältere Kohorten nach Vasovasostomie [s276, s284, s277]. Matson und Kollegen 1989 untersuchten Samenplasma (indirekter IBT) vor und nach Vasovasostomie: präoperativ ASA (IgA oder IgG) bei 9 von 27 Männern (33,3 %); postoperativ ein signifikanter Anstieg bei Männern mit Spermien im Ejakulat (27 von 45, 60 %), nicht bei Männern ohne Spermien (4 von 10, 40 %). Nach mindestens einem Jahr waren die Konzeptionsraten bei Männern mit Durchgängigkeit ohne ASA 12 von 18 (66,7 %), mit nur IgA zwei von drei (66,7 %), aber mit IgG nur eine von neun (11,1 %; p < 0,05) und mit IgA plus IgG drei von 15 (20,0 %; p < 0,01). Parslow und Kollegen 1983 bestimmten ASA bei 130 Männern vor und nach der Umkehr: Serumagglutinine bei 79 %, Samenplasma-ASA 9,5 % vor und 29,5 % nach der Operation; Schwangerschaften bei 44,6 %; signifikant weniger bei präoperativem Serumtiter von 512 oder mehr, kein Rückgang unter diesem Titer; perioperative Steroide brachten in einer randomisierten Studie keinen Nutzen. Dagegen fanden Newton und Kollegen 1988 bei 12 Männern nach Vasovasostomie agglutinierende Antikörper (MAR) bei 58 % (50 % bei Männern mit Schwangerschaft, 75 % ohne) und keinen signifikanten Unterschied der Antikörperbindung zwischen fertilen und infertilen Männern. Alle drei Studien sind alt, klein bis mittelgroß und unterscheiden sich in Testmethode, Probenmaterial und Grenzwerten, was die widersprüchlichen Ergebnisse erklären kann.

Spermiengewinnung aus dem Hoden und ASA

Hu und Kollegen 2017, Wenzhou [s100]. Randomisierte kontrollierte Studie mit 210 Männern mit Azoospermie: testikuläre Spermienextraktion (TESE, n = 50), testikuläre Spermienaspiration (TESA, n = 56), testikuläre Feinnadelaspiration (TEFNA, n = 64) und Mikro-TESE (n = 40; Titel in PubMed „Impacts of different procedures of testicular sperm retrieval on testicular function and antisperm antibodies in azoospermia patients“, deutsch: Auswirkungen verschiedener Verfahren der testikulären Spermiengewinnung auf Hodenfunktion und ASA). Gemessen wurden Inhibin B, FSH, Testosteron und die ASA-Positivrate (IgM) vor sowie 1 und 3 Monate nach der Operation. FSH blieb unverändert (zum Beispiel TESE 8,51 ± 4,34 gegenüber 8,76 ± 3,07 und 7,24 ± 3,32 IU/l). Die ASA-IgM-Positivrate stieg nach 1 Monat nach TESE von 0,00 auf 14,00 % (p < 0,05) und nach Mikro-TESE von 2,50 auf 15,00 % (p < 0,05); Testosteron fiel in diesen beiden Gruppen (16,52 ± 6,25 auf 9,25 ± 5,76 nmol/l beziehungsweise 14,16 ± 5,45 auf 8,23 ± 4,12). Inhibin B fiel in allen vier Gruppen deutlich (zum Beispiel TESE 70,56 ± 23,17 auf 42,63 ± 15,34 und 44,05 ± 18,47 pg/ml; p < 0,05), ohne Unterschied zwischen den Gruppen. Stärke: Randomisierung, vier Verfahren im Vergleich. Schwächen: Nur IgM-ASA berichtet, Nachbeobachtung nur drei Monate, keine Konfidenzintervalle.

Öztürk und Kollegen 2011 [s154] und Komori und Kollegen 2004 [s195]. Öztürk, Özdemir und Mitarbeiter (Ankara; Clinical and Investigative Medicine) untersuchten prospektiv 37 Paare (alle Männer mit nicht obstruktiver Azoospermie, Mikro-TESE): Serum-ASA bei allen 74 Personen vor der TESE sowie nach 3 und 12 Monaten. Hodenvolumen, FSH und Testosteron unterschieden sich vorher und nachher nicht; weder bei den Männern noch bei den Partnerinnen traten signifikante ASA-Werte auf. Die Autoren schließen, die TESE verursache keine ASA. Einschränkungen: kleine Stichprobe, Test und Schwelle im Abstract nicht angegeben, Serum-ASA statt spermiengebundener ASA. Komori und Mitarbeiter (Osaka; International Journal of Andrology) verfolgten ein Jahr lang 13 Patienten nach konventioneller Mehrfach-TESE und 12 nach Mikro-TESE bei nichtobstruktiver Azoospermie: Gesamt- und freies Testosteron wurden vor der Operation und nach 1, 6 und 12 Monaten bestimmt, Serum-ASA vor und nach 12 Monaten. Es zeigte sich kein signifikanter Testosteronabfall in beiden Gruppen und kein Unterschied zwischen den Gruppen (Gesamttestosteron p = 0,2477; freies Testosteron p = 0,3098), und es entstanden keine neuen ASA. Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu Hu und Kollegen [s100]; in Betracht kommen Unterschiede der Populationen, der Messzeitpunkte (1 Monat gegenüber 3, 6 und 12 Monaten) und der ASA-Klassen (nur IgM bei Hu).

Rückenmarkverletzung und Klinefelter-Syndrom

Beretta und Kollegen 1993 [s257]. Querschnittslähmung (Originaltitel Anticorpi antispermatozoo nelle dispermie di pazienti mielolesi, deutsch: Antispermatozoen-Antikörper bei Dispermie von Patienten mit Rückenmarkverletzung): Bei 29 anejakulatorischen Männern fanden sich ASA bei 12 % der 16 Patienten ohne Harnwegsinfektion und bei 38 % der 13 Patienten mit Infektion. Die Stichprobe ist klein, der Abstract nennt wenige Angaben. Die Autoren überlegen, ein Rückstau von Spermien erhöhe den Druck im Genitaltrakt und könne eine Autoimmunreaktion auslösen wie bei Vasektomie.

Sengül und Kollegen 1996, Ankara [s239]. Fall-Kontroll-Studie: Serum-ASA per ELISA bei 18 Männern mit Klinefelter-Syndrom (20 bis 22 Jahre) und 18 gleichaltrigen Gesunden. Bei 5 Patienten (27,7 %) lagen die Werte über der oberen Normgrenze von 150 mU/100 µl (p < 0,01). Einschränkungen: sehr kleine Gruppen, im Abstract keine Angabe zur Zahl positiver Kontrollen.

Systemische, genetische und Lebensstilfaktoren

Shiraishi und Kollegen 2009, Systemische Autoimmunerkrankungen [s170]. Untersucht wurden die Seren von 70 Männern mit systemischen Autoimmunerkrankungen und 80 gesunden Kontrollen im indirekten Immunobead-Test (Jichi-Universität; American Journal of Reproductive Immunology). Fünf von 70 waren positiv (7,1 %), von den Kontrollen keiner (p = 0,020); keiner der fünf hatte spermienimmobilisierende Antikörper. Die Autoren schließen, systemische Autoimmunerkrankungen könnten ein Risikofaktor für ASA beim Mann sein. Schwächen: sehr wenige Positive (n = 5), kein Konfidenzintervall, gemischte Erkrankungen.

Han und Kollegen 2010, Alzheimer-Krankheit [s159]. Randthema: 86 ältere Personen (46 mit Alzheimer-Krankheit, 20 mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, 20 ohne kognitive Störung); ASA wurden mit neuropsychologischer Untersuchung verglichen, ausgehend von der Hypothese, ASA nach Vasektomie könnten die primär progressive Aphasie begünstigen. Es gab keine signifikanten Unterschiede der ASA-Verteilung nach kognitivem Status oder Sprachfunktion. Kleine Gruppen; keine Zahlen im Abstract.

Liu und Kollegen 2017, Schlaf und ASA, Harbin [s102]. Die Studie (Medical Science Monitor) schloss 981 gesunde chinesische Männer ein, eingeteilt nach Schlafdauer (unter 6,0 Stunden, 7,0 bis 8,0 Stunden, über 9,0 Stunden) und Zubettgehzeit (20 bis 22 Uhr, nach 22 Uhr, nach Mitternacht). Spermienzahl und Überlebensrate waren bei Kurzschläfern niedriger (alle p < 0,01), ebenso die Motilität (p < 0,01); der Anteil ASA-positiver Teilnehmer war bei Kurzschläfern in jeder Gruppe erhöht (alle p < 0,05). Die Autoren schließen, kurze und lange Schlafdauer sowie späte Zubettgehzeit beeinträchtigten die Spermienqualität zum Teil über vermehrte ASA-Bildung im Ejakulat. Die Studie ist als randomisiert verschlagwortet, die Zuteilung betraf nach dem Abstract aber „research-set bedtimes“; methodisch ist eine Gruppenbildung nach Schlafverhalten eher ein Beobachtungsdesign. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen zu den ASA-Anteilen, und die Aussage zur Verursachung durch ASA geht über das Design hinaus.

Šabanova 2022, Acetaldehyd und Ethanol [s61, s62]. Zwei studentische Kurzbeiträge (FORCIPE, Sankt Petersburg; Originaltitel Влияние ацетальдегида на возникновение аутоиммунного бесплодия у мужчин, deutsch: Einfluss von Acetaldehyd auf das Entstehen autoimmuner Unfruchtbarkeit bei Männern, und Влияние этанола на развитие мужского и иммунологического бесплодия, deutsch: Einfluss von Ethanol auf die Entwicklung männlicher und immunologischer Unfruchtbarkeit) beruhen beide auf nur zehn Männern (26 bis 43 Jahre) mit positivem MAR-Test: fünf mit MAR 10 bis 50 % (15, 12, 10, 11, 12 %), die alle höchstens zweimal jährlich Alkohol tranken, und fünf mit MAR 50 bis 100 % (60, 85, 100, 98, 98 %), von denen mit Ausnahme eines 26-Jährigen alle regelmäßig Spirituosen tranken. Aus diesen zehn Fällen leiten die Autorinnen ab, Acetaldehyd schädige Phospholipide des Kapillarendothels und die Blut-Hoden-Schranke und führe zu ASA. Bewertung: Die Zahl ist zu klein, es gibt keine Kontrollgruppe, keine Alkoholquantifizierung über Selbstangabe hinaus und keine Adjustierung; die mechanistische Schlussfolgerung folgt nicht aus den Daten. Die Beiträge werden aufgeführt, weil sie öffentlich zugänglich sind; sie tragen nichts zur Beweislage bei.

Zamani und Kollegen 2015, PD-1-Polymorphismus, Teheran [s123]. Genetische Fall-Kontroll-Studie mit 61 Männern mit ASA-bedingter Infertilität und 84 gesunden Kontrollen (PCR-RFLP). Der G/A-Genotyp betrug 38,2 % gegenüber 32,7 % (OR 1,21; p = 0,35); G/G (p = 0,042) und A/A (p = 0,00001) sowie die Allelfrequenzen (p = 0,0012) unterschieden sich. Einschränkungen: keine Konfidenzintervalle für G/G und A/A im Abstract; ein p-Wert von 0,00001 bei 145 Probanden ist ungewöhnlich (geringe Zellbesetzung möglich), keine Replikation, keine Korrektur für Mehrfachtests.

Zangbar und Kollegen 2016, Antikörperziele bei Azoospermie, Schiras [s115]. Fall-Kontroll-Studie mit 27 Männern mit obstruktiver Azoospermie und 27 fertilen Kontrollen: zweidimensionale Gelelektrophorese des Spermienproteoms, Western-Blot mit den Seren, Massenspektrometrie (MALDI-TOF/TOF) und RT-PCR. Als mögliche Antikörperziele wurden Tektin-2 und Triosephosphat-Isomerase identifiziert, beide auch auf RNA-Ebene bestätigt. Einschränkungen: kleine Stichprobe, Identifikation von Zielen ohne funktionelle Prüfung, keine Zahlen zur Häufigkeit im Abstract.

Fu und Kollegen 2016, Anti-GAPDHS und Anti-ACTL7a als Biomarker [s109, s110]. Zur Gruppe um das Staatliche Schlüssellabor für Medizinische Molekularbiologie, China, gehören zwei Biomarkerstudien. In der ersten [s109] wurden die Seren von 175 immuninfertilen und 237 fertilen Personen im Tray-Agglutinationstest (TAT) geprüft; die infertilen Seren wurden nach TAT-Titer geteilt (Titer bis 1:8, n = 58; Titer über 1:8, n = 117). Die Anti-GAPDHS-Konzentrationen waren in der immuninfertilen Gruppe signifikant höher und stiegen mit dem Grad der Spermienagglutination; bei infertilen Männern waren sie signifikant höher als bei infertilen Frauen, und bei primärer höher als bei sekundärer Infertilität. Der Abstract nennt keine Konzentrationen, AUC-Werte oder p-Werte. In der zweiten Studie [s110] wurde ein ELISA für Anti-ACTL7a-Antikörper an 267 fertilen und 193 infertilen Seren (aus TAT-positiven Seren) entwickelt. Die Konzentration war bei infertilen Seren signifikant höher (p < 0,0001) und bei TAT-Titer ≥ 16 noch höher. Für männliche Seren erreichte der ELISA eine AUC von 0,9899; mit einem hohen Schwellenwert (ROC-Kurve) lag der positive prädiktive Wert bei 100 % bei einer Falsch-Positiv-Rate von null. Stärke: ROC-Analyse. Schwächen: Die infertile Gruppe wurde aus TAT-positiven Seren zusammengestellt (Zirkularität), der Schwellenwert stammt aus denselben Daten (Optimismus), und ein positiver prädiktiver Wert von 100 % hängt von der Prävalenz in der gewählten Stichprobe ab; für beide Studien ist keine Validierung an einer unabhängigen Kohorte erkennbar, und der TAT als Referenzstandard ist selbst kein geprüfter Beweis klinisch relevanter Immuninfertilität.

ASA, Fertilität und assistierte Reproduktion

Lu und Kollegen 2019: IVF gegenüber ICSI bei Serum-ASA, Jinan [s89]

Lu, Li, Wang, Yang, Xu, Huang, Liu, Cai und Chen (Asian Journal of Andrology) untersuchten in einer konsekutiven Kohortenstudie 554 infertile Paare (IVF n = 399, ICSI n = 155) nach dem Serum-ASA-Status des Mannes. Die Autoren verweisen eingangs darauf, dass ASA bei 5 bis 15 % der infertilen, aber nur bei 1 bis 2 % der fertilen Männer nachgewiesen würden. In der IVF-Gruppe waren bei positivem Serum-ASA niedriger: die Befruchtungsrate 41,7 % gegenüber 54,8 % (p = 0,03), die Rate guter Embryonen 18,9 % gegenüber 35,2 %, die Schwangerschaftsrate 38,5 % gegenüber 59,4 % und die Lebendgeburtenrate 25,8 % gegenüber 42,5 % (jeweils p = 0,00 laut Abstract). Nach Adjustierung für das follikelstimulierende Hormon der Frau und das Alter des Paares: Schwangerschaft OR 0,630 (95-%-KI 0,425 bis 0,932; p = 0,021), Lebendgeburt OR 1,409 (1,084 bis 1,831; p = 0,010). Bei ICSI waren die Ergebnisse in beiden Gruppen ähnlich; bei ASA-positiven Männern lag die Lebendgeburtenrate bei IVF bei 25,8 % und bei ICSI bei 47,4 % (p = 0,07, nicht signifikant). Die beiden adjustierten ORs zeigen in entgegengesetzte Richtungen (0,630 und 1,409); die Kodierung („ASA-Positivität/-Negativität“) wird im Abstract nicht aufgelöst und die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt interpretierbar. Stärken: Adjustierung, zwei Befruchtungsverfahren im Vergleich. Schwächen: nicht randomisierte Wahl von IVF und ICSI, kleine ICSI-Gruppe, Serum- statt Spermienoberflächen-ASA. Die Arbeit steht im Gegensatz zur Metaanalyse [s157], die für direkte Samen-ASA keinen Zusammenhang fand; ein Teil des Widerspruchs dürfte durch das Untersuchungsmaterial (Serum gegenüber Samen) zu erklären sein.

El-Sherbiny und Kollegen 2021: ELISA vor ICSI, Kairo [s67]

In dieser prospektiven Vergleichsstudie (Therapeutic Advances in Urology) wurden 184 nichtazoosperme infertile Männer vor ICSI auf ASA im Samenplasma per ELISA untersucht. ASA-Positivität war mit schlechterer Spermienzahl (p = 0,012), Beweglichkeit (p = 0,006) und Morphologie (p = 0,011) verbunden, aber nicht mit der Befruchtung (Median 56,3 % gegenüber 66,7 %; p = 0,091), dem Anteil der Paare mit Embryonen der Güte A (91,4 % gegenüber 89,9 %; p = 0,520) oder der Schwangerschaft (31,4 % gegenüber 32,2 %; p = 0,98). Die Autoren folgern, die routinemäßige ASA-Testung vor ICSI habe keinen zusätzlichen prognostischen Wert. Stärke: prospektiv. Schwächen: Einzelzentrum, Samenplasma-ELISA (misst nicht spermiengebundene Antikörper), für Schwangerschaftsunterschiede nicht ausreichend gepowert, Endpunkt Schwangerschaft statt Lebendgeburt, Gruppengrößen und Konfidenzintervalle im Abstract nicht genannt.

Weitere Studien zu ASA und Behandlungsergebnis

Nagy und Kollegen 1995 [s245]. 55 ICSI-Zyklen bei Männern mit ≥ 80 % ASA-beladenen Spermien (MAR), 37 Patienten. Die mittlere Normalbefruchtungsrate betrug 75,7 % und war damit höher als in 1 767 ICSI-Zyklen mit MAR-negativem Samen (69,2 %); die Embryoentwicklung war vergleichbar, mit mehr schlechten Embryonen; 53 von 55 Zyklen führten zu einem Embryotransfer, ein Fruchtsack fand sich bei 14 (26,4 %). Befruchtung, Embryonen und Schwangerschaft waren unabhängig vom ASA-Anteil, Antikörpertyp und Bindungsort. Schwäche: keine Randomisierung, historische Kontrolle.

Vujisić und Kollegen 2005 [s192]. Samen, Serum und Follikelflüssigkeit bei 52 Paaren: Samen-MAR-IgG < 20 % bei 38, > 20 % bei 14 Paaren; Befruchtungsrate 73,2 % gegenüber 71,5 %, Schwangerschaft 28,9 % gegenüber 28,57 %, nicht signifikant verschieden. ASA im Serum und in der Follikelflüssigkeit waren ebenfalls nicht mit dem IVF-Ergebnis verbunden (bei guter Spermienqualität). Kleine Stichprobe.

Barbonetti und Kollegen 2020: natürliche Lebendgeburten und IUI [s79]. In einer retrospektiven Kohorte von 108 Männern mit ≥ 50 % positivem IgG-MAR (Paare in Behandlung März 1994 bis September 2017) wurden 84 Männer (77,8 %) telefonisch erreicht, davon 44 mit 100 % Positivität und 40 mit 50 bis 99 %. Die natürliche Lebendgeburtenrate pro Paar betrug 4,5 % gegenüber 30,0 % (p = 0,00001). Von den klinischen Variablen unterschied sich nur das PCT-Ergebnis (schlecht in der 100-%-Gruppe). Bessere PCT-Ergebnisse (negativ, subnormal, gut) waren mit natürlichen Lebendgeburten assoziiert (6,3 %, 21,7 % und 46,2 %; p = 0,0005 für den Trend); der einzige unabhängige negative Prädiktor war der Grad der Spermienautoimmunisierung. Bei den 100-%-Positiven wurde bei 38 von 44 Paaren eine IUI als Erstbehandlung durchgeführt, mit 14 Lebendgeburten (36,8 %); bei geringerer Positivität war die Lebendgeburtenrate nach IUI (26,9 %) ähnlich der natürlichen (30,0 %). Stärken: klinische Endpunkte, getrennte Betrachtung nach Positivitätsgrad. Schwächen: retrospektiv, 22 % nicht erreicht, mögliche Selektionsverzerrung zwischen natürlichen und IUI-Geburten, unkontrollierte Variablen im Verlauf. Die Studie ist eine der Grundlagen der Aussage, dass ein vollständig positiver MAR-Test mit sehr geringer natürlicher Fertilität einhergeht.

Xu und Kollegen 2020: Protein-Biochip, Serum-ASA und natürliche Schwangerschaft [s84]. Neue Protein-Biochip-Methode zum Nachweis von Serum-ASA an Serumproben von 368 Patienten mit Infertilität und 116 gesunden Spendern. Die Positivrate betrug 20,92 % (77 von 368) bei Patienten gegenüber 1,72 % (2 von 116) bei Kontrollen; der Biochip war mit einem ELISA vereinbar. In der Nachbeobachtung betrug die natürliche Schwangerschaftsrate 6,5 % bei ASA-positiven und 18,9 % bei ASA-negativen Patienten (laut Abstract signifikanter Zusammenhang; Fallzahlen der Nachbeobachtung und p-Wert fehlen). Stärke: Methodenvalidierung mit Vergleichsmethode. Schwächen: Der Biochip wird als Eigenentwicklung validiert; Fallzahl und Verlustquote der Nachbeobachtung sind im Abstract nicht genannt; Alter und Geschlecht der Patienten sind nicht aufgeschlüsselt.

Počernikov und Kollegen 2019: ASA und Schwangerschaftsverlust nach IVF, Iwanowo [s91]. Prospektive Kohortenstudie (Andrologija i genital'naja chirurgija; Originaltitel Повышенное содержание антиспермальных антител как предиктор неблагоприятного исхода беременности после применения вспомогательных репродуктивных технологий, deutsch: Erhöhter Gehalt antispermaler Antikörper als Prädiktor eines ungünstigen Schwangerschaftsausgangs nach assistierten Reproduktionstechnologien). Paare, bei denen die Frau (mit habituellen Fehlgeburten in der Vorgeschichte und innerhalb des letzten Jahres entstandener sekundärer Infertilität, tubar-peritonealer Faktor) 2013 eine IVF erhielt; vor der IVF wurden MAR-Test und Spermiogramm des Partners bestimmt. Genannt werden 46 Frauen, die Gruppen umfassen n = 17 (MAR ≥ 10 % für IgG und/oder IgA) und n = 28 (< 10 %), also 45 Paare (Abweichung im Text). Ausgeschlossen waren sexuell übertragbare Infektionen, Endometriose, endokrine und genetische Erkrankungen der Frau sowie Teratozoospermie und Leukospermie des Mannes. Der mittlere Anteil IgA-beladener Spermien betrug in Gruppe 1 31,35 ± 5,19 %, IgG 28,47 ± 4,69 %; in Gruppe 2 1,2 ± 0,3 % und 1,4 ± 0,4 %. Das Spermiogramm unterschied sich nicht (Normozoospermie 78 % gegenüber 75 %; p > 0,05). Die Schwangerschaft endete mit termingerechter Geburt in 41 % (Gruppe 1) gegenüber 82,3 % (Gruppe 2; p < 0,05); früher Abort oder verhaltener Abort bis 12 Wochen 35,3 % gegenüber 7,1 % (p < 0,05); später Abort in Woche 19 bis 20: 12 % gegenüber 3,5 % (p < 0,05). Bei Fehlgeburten war der mittlere IgG-Anteil höher als bei termingerechten Geburten (38,2 ± 5,8 % gegenüber 14,5 ± 3,9 %; p < 0,05); die Korrelation zwischen IgG-Anteil und Schwangerschaftsverlust betrug r = 0,36. Das Odds Ratio für Schwangerschaftsverlust bei ASA lag bei 6,57 (95-%-KI 1,67 bis 25,78). Stärken: Endpunkt Geburt statt nur Spermiogramm, Konfidenzintervall angegeben, Ausschluss wichtiger Störgrößen. Schwächen: sehr kleine Stichprobe (breites Konfidenzintervall), widersprüchliche Gruppengrößen (45 gegenüber 46), stark selektionierte Frauen mit Fehlgeburtsanamnese, Fehlgeburtsursachen der Frau nicht systematisch geprüft; im Diskussionsteil bewerben die Autoren ein bestimmtes Präparat (Interessenkonflikt möglich; diese Bewertung wird hier nicht übernommen). Bemerkenswert ist der Befund, dass bei ASA > 10 % die Normozoospermie häufig ist (bei IgA > 50 % in 100 %), was die Autoren als „paradox“ bezeichnen.

Jun und Kollegen 1997, Seoul [s231]. Retrospektive Vergleichsstudie an 60 Zyklen von 44 immunologisch infertilen Patienten (Samsung Cheil Hospital; American Journal of Reproductive Immunology). Die Befruchtungsrate bei ICSI (60,3 %) und Halb-ICSI (60,7 %) war signifikant höher (p < 0,01) als bei konventioneller IVF (42,6 %). In der männlichen Immuninfertilitätsgruppe betrug die Befruchtungsrate bei ICSI 60,7 % und bei Halb-ICSI 66,7 % gegenüber 27,4 % bei IVF (p < 0,01); die klinische Schwangerschaftsrate lag bei ICSI bei 54,5 %, bei Halb-ICSI bei 33,3 % und bei IVF bei 25,0 %. Die Autoren halten ICSI für ein wirksames Verfahren (Schlussfolgerung der Autoren). Schwächen: retrospektiv, kleine Zahl, keine Konfidenzintervalle, Zyklen statt Paare als Analyseeinheit, Schwangerschaftsraten ohne p-Wert.

Studien an Frauen mit ASA und IVF [s221, s223]. Nakagawa und Kollegen 1999 (Tokushima; Fertility and Sterility) verglichen retrospektiv vier Gruppen: 20 Frauen mit spermienimmobilisierenden Antikörpern, 169 mit tubarer Infertilität, 129 mit männlichem Faktor, 72 mit ungeklärter Ursache. In der Antikörpergruppe waren Befruchtungsrate (57,6 % gegenüber 72,4 % bei tubarer Infertilität) und Embryoscore (5,4 ± 1,9 gegenüber 6,2 ± 1,9) signifikant niedriger, die Implantationsrate dagegen höher (23,6 % gegenüber 8,6 % tubar, 9,5 % männlicher Faktor, 7,6 % ungeklärt). Mit steigendem mütterlichem Alter sank die Implantationsrate in den anderen Gruppen, nicht aber in der Antikörpergruppe; die Autoren vermuten, die immunologische Reaktion gegen Spermien könne die uterine Rezeptivität erhöhen (Hypothese). Schwächen: nur 20 Frauen in der Antikörpergruppe, retrospektiv. Tian und Kollegen 1999 (Chinese Medical Journal) werteten 150 IVF-ET-Zyklen bei Frauen mit beidseitigem Tubenverschluss aus (Serum-ASA und Anti-Kardiolipin-Antikörper im ELISA): Die Teilungsrate betrug 64,2 ± 32,1 % in 44 Zyklen ASA-seropositiver Frauen gegenüber 84,8 ± 18,7 % in 106 Zyklen seronegativer (p < 0,05); die klinische Schwangerschaftsrate lag bei 31,8 % (ASA positiv) gegenüber 20,8 % (negativ; p > 0,05), bei gleichen Abortraten; bei Anti-Kardiolipin-positiven Frauen lag sie bei 9,5 % (21 Zyklen) gegenüber 26,3 % (129 Zyklen; p < 0,05). Stärke: einheitliche Indikation (Tubenfaktor). Schwäche: Zyklen als Analyseeinheit.

Studien an Frauen und Paaren

Die folgenden Arbeiten betreffen ASA bei Frauen oder bei Paaren. Sie sind für die männliche Autoimmunität nur mittelbar relevant, ergänzen aber das Bild der Häufigkeiten und Risikofaktoren.

Maindo Alongo und Kollegen 2025: Fall-Kontroll-Studie, Kisangani [s26]. 144 Frauen mit unerklärter Infertilität und 144 fertile Kontrollen. Unabhängige Risikofaktoren waren unter anderem Vaginose (adjustierte OR 8,91; 95-%-KI 4,83 bis 16,44) und positive ASA (adjustierte OR 14,9; 8,18 bis 27,13); der Phi-Koeffizient betrug für ASA 0,50 und für Vaginose 0,38. Die Autoren betonen, Kausalität sei nicht ableitbar. Schwächen: Die Kontrollen stammen aus der Wochenbettambulanz (bereits Mütter), es wurden viele Faktoren untersucht, und mehrere Variablen haben sehr breite Intervalle.

Mahdi und Kollegen 2011, Bagdad [s153]. 45 infertile Frauen und 30 fertile Kontrollen: ASA im Zervikovaginalsekret bei 62,2 % und im Serum bei 64,4 % der Infertilen gegenüber jeweils 3,3 % der Kontrollen (p < 0,001); Serum-IgG und -IgA waren höher (16,2 gegenüber 7 g/l und 3,25 gegenüber 1,2 g/l). Die Raten sind weit höher als in den meisten übrigen Quellen; mögliche Gründe (Auswahl, Methode, Schwellenwerte) werden im Abstract nicht erklärt; kleine Stichprobe.

Siam und Hefzy 2011, El-Minya [s155]. Retrospektive Fall-Kontroll-Studie bei 90 Frauen mit unerklärter primärer oder sekundärer Infertilität und 80 gesunden Frauen: Chlamydia trachomatis per PCR 2,4 % gegenüber 1,6 % (p = 0,66); Anti-C.-trachomatis-IgG 39 % gegenüber 19 % (im Abstract „P = 0,87“, was zur Aussage „signifikant höher“ nicht passt); ASA bei infertilen Frauen 20 % gegenüber 5 % (p = 0,04). Es bestand keine Korrelation zwischen aktueller oder früherer Chlamydieninfektion und ASA.

Khikmatova und Kollegen 2020, Buchara [s80]. Fall-Kontroll-Studie bei Frauen (Klinicheskaia Laboratornaia Diagnostika; Titel in PubMed „Determination of antispermal IgE antibodies in women with infertility and chronic inflammatory pelvic diseases“, deutsch: Bestimmung antispermaler IgE-Antikörper bei Frauen mit Infertilität und chronischen entzündlichen Beckenerkrankungen): spezifisches IgE gegen Spermienantigene (modifizierter ELISA) bei 40 Frauen mit entzündlich bedingter Infertilität und 16 gesunden Frauen. Spezifische IgE-ASA im Serum fanden sich bei 7 von 40 (17,5 %); der Höchstwert war vierfach höher als der Höchstwert der fertilen Frauen; keine Korrelation mit Gesamt-IgE. Frauen mit positiven IgE-ASA klagten über Brennen und Jucken unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr und litten doppelt so häufig an chronisch rezidivierender Vaginaldysbiose. Der Befund betrifft die Allergie gegen Sperma bei der Partnerin und nicht die männliche Autoimmunität. Schwächen: kleine Gruppen, keine Konfidenzintervalle, Kausalität offen.

Unigovskaja und Kollegen 2010, Tscheljabinsk [s164, s165]. Fall-Kontroll-Studie bei 131 Frauen (108 mit Infertilität, davon 74 mit hohem Serum-ASA > 65 E/ml, im Mittel 88,03, und 34 mit niedrigem, im Mittel 12,97; 23 fertile Kontrollen). Im Vergleich hoch gegenüber niedrig waren extragenitale Erkrankungen (71,6 % gegenüber 35,3 %; p = 0,001), akute Atemwegsinfektionen (23,0 % gegenüber 2,9 %; p = 0,011), Genitalinfektionen (75,7 % gegenüber 38,2 %), Ureaplasma (55,4 % gegenüber 23,5 %; p = 0,003) und mäßig aktive chronische Endometritis (21,6 % gegenüber 2,9 %; p = 0,011) häufiger, termingerechte Geburten in der Vorgeschichte seltener (11,7 % gegenüber 47,4 %; p = 0,002). In der Folgearbeit zur selben Kohorte [s165] hatten Frauen mit hohem ASA höhere Serumimmunglobuline und mehr aktivierte Lymphozyten: CD25 0,18 (0,15 bis 0,28) × 10⁹/l gegenüber 0,16 (0,13 bis 0,22; p = 0,015), CD4 0,65 (0,49 bis 0,85) gegenüber 0,53 (0,39 bis 0,65; p = 0,046), HLA-DR 0,33 (0,21 bis 0,49) gegenüber 0,25 (0,21 bis 0,34; p = 0,028), Lymphozyten 1,55 gegenüber 1,41 × 10⁹/l (p = 0,037); sFas war höher (74,51 gegenüber 54,37 pg/ml; p = 0,041). Die Autoren sehen eine polyklonale Aktivierung der humoralen und zellulären Immunität. Schwächen: Querschnitt, viele Vergleiche, Selektion in einem Zentrum; die ASA-Erhöhung kann Teil einer allgemeinen Antikörperüberproduktion sein, was auch die Autoren erwägen. Beide Arbeiten beschreiben dieselbe Kohorte und sind nicht unabhängig.

Mertoglu und Kollegen 2021, Türkei [s66]. Pilotstudie an 90 Frauen mit Laparoskopie: primäre Infertilität (n = 30), sekundäre Infertilität (n = 28) und Kontrollgruppe (n = 32); IgG-ASA per qualitativem ELISA im Serum und in der Peritonealspülflüssigkeit. Die Serum-ASA-Positivität war bei primärer Infertilität gegenüber sekundärer und Kontrollen signifikant (p < 0,05); in der Peritonealflüssigkeit kein Unterschied (p > 0,05). Einschränkungen: Pilotcharakter, Positivraten im Abstract nicht genannt, qualitativer Test.

Wang und Kollegen 2013, Verkehr während der Menstruation [s142]. Prospektive Studie (Archives of Gynecology and Obstetrics) an 27 infertilen Frauen, die Verkehr während der Menstruation praktizierten, und 30 altersgleichen infertilen Frauen ohne diese Praxis, im indirekten IBT. Keine Frau hatte einen signifikanten ASA-Spiegel; ASA-subpositiv waren 6 von 27 (22,2 %) in der Fallgruppe und 1 von 30 (3,3 %) in der Kontrollgruppe (p < 0,05). Von den 6 subpositiven Frauen wurden 3 in den folgenden 2 Jahren nach sechsmonatiger Kondomtherapie schwanger. Die Autoren schließen, Spermienexposition während der Menstruation sei ein Risikofaktor. Schwächen: Subpositivität ohne klinische ASA-Positivität, sehr kleine Zahlen, Selbstauskunft zu Verhaltensweisen.

Vural und Kollegen 1999 [s224], Bahraminejad und Kollegen 1991 [s270], Al-Hussein und Kollegen 2002 [s207]. Vural und Mitarbeiter (Kocaeli; Advances in Contraception) verglichen prospektiv 62 Trägerinnen einer Kupferspirale mit 42 Kontrollfrauen ohne Kontrazeption: Nach 6 Monaten waren ASA bei 12 von 58 (20,7 %) gegenüber 12 von 40 (30,0 %) positiv (p > 0,05); die Kupferspirale ändere die Immunität gegen Spermien im Serum nicht wesentlich. Bahraminejad und Mitarbeiter (Izmir; Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica) fanden mit ELISA im Serum von 109 Prostituierten und 40 Kontrollen ASA bei 43,1 % gegenüber 5 % (p < 0,01); bei 27 Frauen ohne Verhütung, die innerhalb von durchschnittlich 9,3 Jahren infertil wurden, lag die ASA-Positivität bei 61,3 % (die Prozentzahl passt rechnerisch nicht zu 27 Frauen; der Nenner ist nicht erläutert); nur 53 von 109 Frauen füllten den Fragebogen aus; die Autoren erklären die Befunde durch wiederholte Exposition gegenüber Spermienantigenen und/oder Mikroorganismen (Vermutung; Selektion, keine Adjustierung für Infektionen). Al-Hussein und Mitarbeiter (Riad; American Journal of Reproductive Immunology) untersuchten 24 Frauen mit Fehlgeburten in der Vorgeschichte, deren Ehemänner und 6 Kontrollpaare per Durchflusszytometrie-Kreuzprobe auf IgG und IgM gegen drei paternale Antigene (T-Zellen, B-Zellen, Samenzellen): In der Gruppe der Frauen mit Fehlgeburten waren IgG und IgM erhöht, aber ohne signifikanten Unterschied zu Frauen mit gesunden Schwangerschaften; die Autoren schließen, mütterliche antipaternale Antikörper spielten bei habituellen Aborten keine wesentliche Rolle (nur 6 Kontrollpaare, keine Zahlen im Abstract).

Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Überblick über die Evidenzlage auf der Ebene der Zusammenfassungen bis Erzählende Übersichtsarbeiten zu Klinik, Diagnostik und Behandlungsstand
  5. Übersichten zur Immunologie von Hoden und Nebenhoden
  6. Vorbemerkung zur Lesart und Häufigkeit von ASA und Zusammenhang mit Samenparametern
  7. Varikozele und ASA und Infektion, Entzündung und Prostatitis
  8. Trauma, Operationen, Samenwegsobstruktion und Kindheit bis Studien an Frauen und Paaren
  9. Diagnostische Vergleichs- und Methodenstudien am Menschen bis Zusammenfassende Einordnung der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Standards bis Randomisierte und kontrollierte Studien zu Behandlungsansätzen (nur Wiedergabe)
  11. Kohorten und Beobachtungsstudien am Menschen
  12. Tierversuche und Veterinärstudien
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s143
  26. Quellen s144–s287
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle