Die Angaben zu Evidenzstärke und Gewissheit sind eine qualitative Einschätzung dieser Studie (Erklärung im Abschnitt zur Methodik), keine formale GRADE-Bewertung.
- ASA sind bei infertilen Männern meist selten, aber je nach Test sehr unterschiedlich häufig. Große Serien: 1,03 Prozent bei 8265 Proben [s15], 1,4 Prozent bei 2727 Männern [s30], 4,0, 3,4 und 2,0 Prozent bei Grenzwerten von 10, 50 und 100 Prozent (10 025 Männer) [s88], 6,35 Prozent bei 1827 Männern [s48]. Übersichtsarbeiten nennen 5 bis 12 Prozent [s12] und 2,6 bis 6,6 Prozent [s74]. Eine usbekische Serie mit 56 Männern berichtet 66,1 Prozent und ist methodisch kaum belastbar [s17]. Evidenzstärke: mäßig (große, aber retrospektive Einzelzentrumsserien). Gewissheit: niedrig bis mäßig für jede einzelne Zahl, hoch dafür, dass die Zahl vom Verfahren abhängt.
- Es fehlen einheitliche Grenzwerte und Normbereiche. Die EAU nennt für MAR- und Immunobead-Test keine evidenzbasierten Referenzwerte und rät jedem Labor zu eigenen Normbereichen [s04]. Studien verwenden Grenzwerte von 10, 20, 40, 50 und 100 Prozent [s88, s137, s48]. Eine japanische Studie hält 20 Prozent für passender als den vielfach genannten Wert von 50 Prozent [s137]. Evidenzstärke: hoch für die Aussage über den Mangel (übereinstimmend in Leitlinie und Übersichten). Gewissheit: hoch.
- Leitlinien raten von der Routinetestung ab. AUA/ASRM: ASA-Testung nicht in der Erstabklärung; Evidenzstufe Expertenmeinung [s78]. Der Überblick von 2026 spricht von einer Entwicklung von der Routine zu einem gezielten Auswahlinstrument [s12]. Die Abstracts der WHO-Leitlinie von 2025 und des Leitlinienvergleichs nennen ASA nicht [s14, s01]. Evidenzstärke: niedrig (Expertenmeinung). Gewissheit: mäßig.
- ASA hängen nicht durchgängig mit der klassischen Samenanalyse zusammen. Eine Metaanalyse fand niedrigere Konzentration und Beweglichkeit bei ASA-positiven Männern, mit unplausibel großen Beträgen der Effektmaße [s119]; mehrere Kohorten fanden keine Unterschiede [s48, s95]. Eine Moskauer Serie zeigt bei 1060 infertilen Männern mit normalen Standardwerten gestörte Akrosomreaktion, mehr DNA-Fragmentierung und höhere Bildung reaktiver Sauerstoffspezies bei ASA [s118]. Evidenzstärke: niedrig bis mäßig. Gewissheit: niedrig (uneinheitlich).
- Sehr hohe Beladung der Spermien mit Antikörpern ist klinisch relevanter als niedrige. In einer italienischen Serie war die Lebendgeburtenrate bei natürlicher Zeugung 4,5 Prozent (100 Prozent IgG-MAR-positiv) gegenüber 30,0 Prozent (50 bis 99 Prozent) [s79]; die vollständige Positivität war der einzige unabhängige Bestimmungsfaktor eines negativen Postkoitaltests [s88]. Der einzige fest etablierte Wirkweg ist nach einer älteren Übersicht die Störung der Penetration des Zervixschleims [s266]. Evidenzstärke: niedrig bis mäßig (retrospektiv). Gewissheit: mäßig.
- Ob ASA die Ergebnisse von IVF und ICSI mindern, ist widersprüchlich. Metaanalyse (16 Studien): kein Zusammenhang, OR 1,08 (0,85 bis 1,38) [s157]. Prospektive ICSI-Studie mit 184 Männern: keine Unterschiede bei Befruchtung und Schwangerschaft [s67]. Dagegen niedrigere Befruchtungsraten bei IVF in neueren Serien [s89, s15]. Evidenzstärke: mäßig (Metaanalyse, aber heterogene Grenzwerte). Gewissheit: niedrig.
- Gesicherte Auslöser sind selten, gut belegt sind Obstruktion und Verletzung. Vasektomie und Umkehr sind der am häufigsten untersuchte und deutlichste Faktor [s22]; Serum-ASA sagen eine operativ gesicherte Obstruktion mit hoher Genauigkeit voraus (Fläche unter der Kurve 0,92 für IgG) [s167]. Für Prostatitis liegt eine Metaanalyse vor (OR 3,26; 1,86 bis 5,71) [s111]. Skrotaltrauma und Orchitis erhöhten in einer großen Moskauer Erhebung die Chance (OR 1,84 beziehungsweise 4,0), doch in 41 Prozent der Fälle blieb kein Faktor erkennbar [s148]. Evidenzstärke: niedrig bis mäßig. Gewissheit: mäßig für Vasektomie und Obstruktion, niedrig für die übrigen.
- Varikozele: Assoziation, aber unsichere Kausalität. Metaanalyse mit erhöhter ASA-Positivität (MAR: OR 4,34; 1,09 bis 17,28) mit sehr breiten Intervallen [s21]; eine jordanische Studie fand keine höhere Rate [s158]. Nach Varikozelenoperation sank die Positivität in einer Metaanalyse von Vorher-nachher-Studien (RR 0,42; 0,35 bis 0,52) [s07], ohne Kontrollgruppe; zwei iranische und eine russische Studie fanden dagegen neue ASA nach dem Eingriff [s132, s181, s126]. Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: niedrig.
- Die Hodenentzündung als Ursache beim Menschen ist dünn belegt, im Tier gut. Beim Menschen gibt es kleine Biopsiestudien [s38], Fallserien [s286] und eine randomisierte Studie mit 24 Patienten mit akuter Orchitis [s248]. Im Tiermodell löst Immunisierung mit Keimzellen reproduzierbar eine Autoimmunorchitis aus, in einem Mausmodell mit bis zu 100 Prozent Häufigkeit [s271]. Evidenzstärke: sehr niedrig am Menschen, mäßig bis hoch im Tiermodell (für den Mechanismus). Gewissheit: niedrig für die Übertragung auf den Menschen [s16].
- Die Mechanismen werden zunehmend aufgeklärt, überwiegend an Tieren. Beteiligt sind regulatorische T-Zellen [s19, s151], Th17-Zellen [s33, s90, s09], Toll-ähnliche Rezeptoren [s121], Gasdermin D in Makrophagen [s43] und Neutrophile, die mit Hilfe von ASA Spermien durch Trogozytose beseitigen [s03]. Evidenzstärke: niedrig für den Menschen. Gewissheit: niedrig.
- Behandlungsstudien sind klein und widersprüchlich. Kortikosteroide: kein Effekt bei 10 Männern [s282], ein Nutzen bei 241 Männern in einer Untergruppe der IVF-Zyklen [s106], keine Schwangerschaften bei 20 Männern [s264]. Chinesische Metaanalysen berichten Effekte wie OR 6,35 [s42] aus kleinen, kaum verblindeten Studien [s64]. Die Studie gibt dies nur wieder, ohne Empfehlung. Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: sehr niedrig.
- Die Literatur ist lückenhaft, sprachlich ungleich verteilt, teils alt und überwiegend klein. Von den 287 Quellen stammen 165 (57 Prozent) aus dem Jahr 2010 oder später (79 aus den 2010er-Jahren, 86 aus den 2020er-Jahren), 70 aus der Zeit bis 1999; verblindete, placebokontrollierte Studien von hoher Qualität fehlen; im deutschen Sprachraum gibt es nur zwei Arbeiten mit Abstract [s286, s253]. Evidenzstärke: nicht anwendbar. Gewissheit: hoch.