Myo-Inositol, Astaxanthin, NAC, Melatonin und weitere Antioxidantien · Kapitel 13 von 24

Mechanismen und biologische Plausibilität

Dieser Abschnitt trennt, was in den abgerufenen Quellen belegt, was plausibel und was spekulativ ist. „Belegt“ heißt hier: im jeweiligen Modell (Mensch, Tier, Zelle) durch Messung oder genetische Eingriffe gezeigt. Es heißt nicht, dass eine Einnahme den Spermienbefund oder die Geburtenrate verbessert; dieser Schritt ist für keinen der genannten Stoffe belegt. Alle Angaben stammen aus Abstracts; Mechanismen werden dort oft nur als Deutung der Autoren formuliert, und das ist an den Stellen vermerkt.

Belegt (im Modell gezeigt)

1. Oxidativer Stress und Spermienbefund hängen zusammen. Männer mit schlechter Samenqualität haben im Mittel höhere Marker oxidativer Schäden und niedrigere antioxidative Kapazität. Beispiele: Die totale antioxidative Kapazität im Samenplasma war in allen Gruppen infertiler Männer außer bei Normozoospermie niedriger als bei 28 Fertilen (19,82 ± 6,33 U; P < 0,01) [s383], auch bei 113 Infertilen mit normaler Spermiendichte (14,37 ± 8,45 gegen 19,82 ± 6,33 U) [s375]; bei 433 Männern im IVF-Programm hatten jene mit hohem Fragmentationsindex (≥ 30 %) mehr MDA (2,28 ± 0,26 gegen 0,95 ± 0,18 nmol/l), weniger TAC (10,2 ± 3,5 gegen 33,2 ± 7,9 U/l), geringere progressive Motilität und niedrigere Befruchtungsrate (58,9 ± 30,0 gegen 77,2 ± 25,0 %) [s272]; MDA bei Oligoasthenospermie 2,25 ± 0,88 gegen 1,52 ± 0,75 nM [s373]; Koca [s388]: 1,78 ± 0,23 gegen 2,02 ± 0,16 mmol/l; ROS bei Infertilen höher (P < 0,01) [s399]; mehr TUNEL-positive Spermien und mehr Nitrotyrosin [s310]; nach Varikozelenoperation sanken MDA, H₂O₂ und NO und stiegen SOD, Katalase, Glutathionperoxidase [s402]; nach Venenligatur stieg die seminale antioxidative Kapazität [s323]. Der Anteil infertiler Männer mit erhöhten ROS wird mit 30 bis 80 % angegeben [s213]. Einschränkung: Alle diese Arbeiten sind Querschnitt- oder Beobachtungsstudien; sie zeigen Assoziation, nicht Ursache [s383, s375, s272]. Es gibt auch Gegenbefunde: Menevse [s128] fand bei je 30 Männern keinen Unterschied bei MDA und Glutathion, Hsieh [s373] keinen Unterschied der Glutathionperoxidase.

2. Die selenabhängige Glutathionperoxidase PHGPx ist für Spermien strukturell nötig. Bei Männern: verminderte PHGPx in den Spermien infertiler Männer (93,2 ± 60,1 gegen 187,5 ± 55,3 Einheiten/mg; Korrelation mit der Vorwärtsmotilität r = 0,45) [s395]; PHGPx-Ausfall bei etwa 10 % von 73 infertilen Männern und bei keinem von 31 fertilen [s400]; verminderte Expression bei 30 % infertiler Männer mit Oligoasthenozoospermie [s351]. Im Tier: Hodenspezifische Knockout-Mäuse waren alle unfruchtbar, mit weniger Spermien, geringerer Vorwärtsmotilität, niedrigerem mitochondrialem Membranpotenzial und einer haarnadelartigen Biegung des Flagellums im Mittelstück [s351]. Das belegt die Rolle des Enzyms, nicht den Nutzen von Glutathion- oder Selenzufuhr. Passend dazu waren Serum-Selenoprotein P und Glutathion bei Asthenozoospermie niedriger [s39] und Seminalselen mit Dichte und Gesamtzahl korreliert [s406, s392, s77]; Serumselen korrelierte in der einen Studie nicht mit diesen Parametern [s406], während Eroglu [s298] eine Korrelation von Serum- und Seminalselen fand (r = 0,46).

3. Mangel an einzelnen Mikronährstoffen schädigt die Spermatogenese im Tier, teils reversibel. Vitamin B12: Mangeldiät führte bei Ratten zu verminderter Spermienzahl, apoptotischen Kanälchen (51,5 %) und fehlender Anlage von Spermatiden [s391, s368, s407]; die Rolle der Methioninsynthase im Methionin- und Folatstoffwechsel wird als Ursache genannt [s360]; die Reversibilität ist zwischen zwei Arbeiten derselben Gruppe widersprüchlich [s368, s394]. Zink: Mangel zerstörte die Spermienköpfe [s133], war nach vier Wochen normaler Diät weitgehend rückläufig [s99]. Vitamin E: Mangel führte zu abgelösten Epithelzellen und mehr apoptotischen Keimzellen [s201]. Vitamin C: bei Mäusen ohne Eigensynthese Apoptose von Spermatozyten [s376]. Selen: Mangel senkte die Motilität bei Ratten [s175]. Das sind Mangelmodelle; für Männer mit ausreichender Versorgung folgt daraus nichts, und die Sekundäranalyse von MOXI fand bei normalen Ausgangswerten von Vitamin E, Zink und Selen keinen Zusammenhang mit Samenparametern oder Schwangerschaft [s163].

4. Reaktive Sauerstoffspezies sind nicht nur schädlich. Wasserstoffperoxid (10 und 100 µM) erhöhte in vitro den Anteil progressiv beweglicher Humanspermien um 20 % und 18 % und die Aktivität der GAPDS um 27 % und 20 %; 10 µM erhöhte reduziertes Glutathion um 50 % [s285]. In einer Studie korrelierten ROS positiv mit der Motilität [s399]. Das ist der Kern des Redox-Gleichgewichts-Gedankens: Ein vollständiges Abfangen von ROS ist kein Ziel an sich.

5. Zufuhr erhöht die Konzentration des Stoffes im Zielkompartiment. CoQ10 stieg im Samenplasma (RR 49,55; MD 37,04 ng/ml) [s312, s19] und in den Spermien [s347]; B12 stieg im Seminalplasma unter Methylcobalamin [s426]; L-Carnitin stieg im Seminalplasma unter Carnitintherapie [s382]; ionisiertes Magnesium im Ejakulat stieg unter Magnesiumorotat von 0,18 ± 0,05 auf 0,30 ± 0,05 mmol/l (p < 0,05), ohne dass sich die Spermiencharakteristika änderten [s393]; die Gesamtantioxidantienkapazität stieg unter NAC im Serum [s348] und unter Melatonin im Urin und Samenplasma [s296]. Dagegen erhöhten Ethylcystein und Vitamin E den Serum-, aber nicht den Seminalplasmaspiegel [s408]. Dass eine Substanz im Kompartiment ankommt, ist notwendig, aber nicht hinreichend für eine Wirkung auf die Spermien; dies zeigt gerade die Magnesiumstudie.

6. Genetisch bestimmte antioxidative Kapazität begründet in der Mendelschen Randomisierung keinen Zusammenhang mit männlicher Infertilität. Mit Daten von 680 infertilen Männern und 72.799 Kontrollen europäischer Herkunft: GST OR 1,08 (0,91 bis 1,29), SOD 0,83 (0,66 bis 1,04), GPX 1,12 (0,92 bis 1,36), Katalase 1,04 (0,83 bis 1,29), Gesamtbilirubin 0,98 (0,94 bis 1,01), Harnsäure 0,88 (0,67 bis 1,17) und weitere [s40]. Einschränkung der Autoren und dieser Studie: wenige Fälle, die Marker bilden nicht die Zufuhr als Supplement ab. Das Ergebnis spricht weder für noch gegen die Wirkung von Supplementen, relativiert aber die Annahme, dass eine höhere körpereigene antioxidative Kapazität ursächlich Infertilität verhindert. Ähnlich fand sich bei diätetischer antioxidativer Gesamtkapazität kein Zusammenhang mit Asthenozoospermie (OR 0,88 bis 1,18) [s81].

Plausibel (Hinweise aus Zell-, Tier- und Humanstudien, aber nicht für den klinischen Nutzen geprüft)

Astaxanthin: Nrf2-Weg, Mitochondrien, Entzündung. Nach Operation bei Varikozele erhöhte Astaxanthin 6 mg die Expression von NRF2, Keap1, SOD2, BCL2, senkte BAX und die Zytokine TNF-α, IL-1β, IL-6; die Gesamtantioxidantienkapazität stieg, der oxidative Gesamtstatus nicht [s45]. Bei alternden Hähnen stiegen MAPK/Nrf2-Expression, Atmungskettenaktivität und mitochondriales Membranpotenzial dosisabhängig [s159, s116]; im Hodenmodell der Ratte sanken MDA und stieg SOD [s263]. Gegen diese Plausibilität stehen die humane Studie ohne Änderung von mitochondrialem Membranpotenzial und DNA-Fragmentierung [s194] und die Rattenstudie ohne signifikante Änderung der Blut-Oxidationsmarker [s02]; Metaanalytisch fehlt der Humaneffekt [s03].

Melatonin: Rezeptor, Mitochondrienschutz, Nrf2. In Humanspermien läuft der Schutz bei Einfrieren über den MT1-Rezeptor und gesteigerte Translation von HSP90 (belegt durch Hemmstoffe Luzindol, 4-P-PDOT und Geldanamycin) und erhöht Nrf2 und Bcl-2 [s257]; Hamsterspermien zeigen MT1-abhängig stärkere Hyperaktivierung [s354]; ROS senkten das mitochondriale Membranpotenzial und die Succinatdehydrogenase fast auf null, 6 mmol/l Melatonin minderte diesen Schaden [s384]; Hitzestress-Schäden humaner Spermien (mitochondriale ROS, 4-HNE, DNA-Schäden) wurden vorbehandelt gemindert [s177]; bei Männern mit schlechter IVF-Befruchtung fanden sich niedrige Melatoninwerte, geschwollene Mitochondrien und mehr mitochondriale ROS [s231]. In Hodenbiopsien korrelierte Melatonin negativ mit Makrophagen und Entzündungsmarkern [s305]. Offen: Die Messstudien widersprechen sich [s385, s187, s371, s294], und ein Überträger vom Labor auf eine orale Einnahme ist nicht belegt.

N-Acetylcystein: Hodenschutz im Modell, unklarer Beitrag beim Mann. Im Tier senkte NAC 8-OHdG und Lipidperoxidation (Fluoridmodell) [s286], erhöhte Nrf2 und HO-1 (Busulfan) [s86], erhielt Reparaturproteine der Meiose (DMC1, RAD51, MLH1) [s103], senkte TBARS und besserte die Histologie bei früher Gabe nach Torsion (bei später Gabe kein vergleichbarer Effekt im Abstract) [s334] und blieb bei Ratten mit metabolischem Syndrom ohne Wirkung [s314]. Beim Mann beschreiben die Autoren die Wirkung als Folge weniger ROS im Serum und geringerer Viskosität [s348]; die Studie von Jannatifar sah Absenkung von Protamindefizit und Fragmentierung ohne Kontrolle [s220]. Unter Selen plus NAC korrelierte die Summe der Seminalspiegel beider Stoffe mit den Samenparametern [s349]. Welcher Teil des Effekts auf Selen und welcher auf NAC entfällt, ist aus dem Abstract nicht zu trennen.

Myo-Inositol: Redox- und Stoffwechselmodulator, Mitochondrien. Die Autorengruppe zu Schweinemodellen beschreibt Myo-Inositol als eher „Redox- und Stoffwechselmodulator“ als klassisches Antioxidans, mit dosis- und stadienabhängiger Wirkung [s07]; in Hund und Eber stiegen Mitochondrienaktivität und Akrosomintegrität bei gleichzeitig weniger Apoptosegenen (BAX, ROMO1) [s83, s96, s224]; in Fischsperma sanken MDA und TOS und stieg Glutathion [s155]; die Docking-Rechnung an mitochondrialen Proteinen (Bindungsenergie -4,0 bis -2,31 kcal/mol) ist eine reine Rechnung [s08]. Beim Mann zeigt die Metaanalyse höhere Motilität und Testosteron [s52]; ein Mechanismus für den Testosteronanstieg wird im Abstract nicht genannt.

Glutathion und Thiole: Zusatz verändert Bewegungsmuster, Protamine und Zonabindung. In Humansperma erhöhte 5 mM GSH das ATP, senkte VCL und VAP und erhöhte STR und LIN, ohne die Motilität zu ändern [s76]; in der Maus reduzierten 10 mmol/l GSH die Protamine der Spermienkerne reversibel, verschlechterten aber die Zonabindung [s397], bei gefrorenen Spermien erhöhte GSH im Befruchtungsmedium freie Thiole in der Zona und die Befruchtungsrate [s330]. Zusammen mit dem Befund, dass Vitamin C die Spermiendekondensation um 22,8 % erhöhte und dies mit dem Öffnen von Disulfidbrücken in Protaminen erklärt wird [s365], ergibt sich eine Hypothese: Stark reduzierende Stoffe können die Chromatinverpackung lockern, was erwünschte und unerwünschte Folgen haben kann. Es ist eine Hypothese aus zwei Einzelbefunden, die nicht an derselben Spezies, Dosis oder Substanz erhoben wurden.

Vitamin B12: Methylgruppenstoffwechsel. Die Rolle über die Methioninsynthase im Methionin- und Folatstoffwechsel ist im Tiermodell mit Mangel beschrieben [s360]; die Übersicht nennt zusätzlich geringere Homocystein-Toxizität, weniger Stickstoffmonoxid, weniger oxidative Schäden und Hemmung der NF-κB-Aktivierung als mögliche Mechanismen [s254]. Beim Mann korrelierte B12 im Samenplasma mit der Spermienkonzentration (r = 0,42) [s361], Serum-B12 mit Gesamttestosteron (ρ = 0,19) [s60] und die ROS negativ mit B12 und Folat [s399]; in Metaanalysen zu Methylgruppen-Donatoren war der Effekt auf die DNA-Fragmentation nicht signifikant (SMD -1,17; -2,82 bis 0,47) [s10]. Die Folatseite ist uneinheitlich: Bei einem MTHFR-Genotyp (677 TT) besserten 0,8 mg Folsäure die Parameter, bei anderen Genotypen nicht [s191]; Serumfolat korrelierte positiv mit dem DNA-Fragmentierungsindex [s75]; Seminalfolat und B12 waren zwischen Infertilen und Fertilen nicht verschieden [s399].

Magnesium: Ionenhaushalt. Menschliche Spermien penetrierten ohne Calcium und Magnesium im Medium keine Hamstereizellen; in calciumfreiem Medium konnte Magnesium (ab 1,19 mM) Calcium teilweise ersetzen; beide Ionen seien für Akrosomenreaktion und Fusion nötig [s428]. Das Calcium/Magnesium-Verhältnis im Samenplasma war mit niedrigerer Konzentration verbunden [s278]. Das erklärt die Bedeutung der Ionen im Labor, nicht den Nutzen einer Magnesiumzufuhr; die einzige Interventionsstudie war negativ [s393].

Carnitin und CoQ10: Energiestoffwechsel. Seminales Gesamtcarnitin war bei 65 infertilen Männern niedriger als bei 14 Fertilen (31,52 ± 20,77 gegen 45,52 ± 10,73 mg/l) und korrelierte mit Gesamtzahl und Normalformen [s386]; Acetylcarnitin und andere Carnitine erscheinen als Markerkandidaten [s72]; in der Übersicht wird L-Carnitin als natürlich vorkommendes enzymatisches Antioxidans beschrieben [s379]. Unter L-Carnitin besserten sich ultrastrukturelle Mitochondrien- und Flagellumanomalien bei Männern mit OAT [s291]. Bei CoQ10 korrelierte die Konzentration im Samenplasma mit Konzentration und Motilität [s148].

Spekulativ oder ungeklärt

Reduktiver Stress und Überdosierung. Die Dissertation von Moazamian [s57] berichtet aus Tierversuchen, dass die unangemessene Anwendung gängiger wasserlöslicher antioxidativer Mikronährstoffe die genetische Integrität der Spermien beeinträchtigen und Schwangerschaftsergebnisse verschlechtern kann, auch bei Dosen, die als sicher galten, während dieselben Stoffe bei Mäusen unter oxidativem Stress nützlich sein konnten; zentral ist das Konzept des Redoxgleichgewichts. Zahlen nennt die Zusammenfassung nicht. Das MOSI-Konzept hält fest, dass Protokolle mit Antioxidantien nicht evidenzbasiert seien und Komplikationen möglich sind, und nennt das Oxidations-Reduktions-Potenzial als möglichen Messwert gegen Überdosierung [s213]. Die Befunde in MOXI (Konzentration -4,0 gegen +2,4 Mio./mL; Lebendgeburt 15 % gegen 24 %) [s205] und FAZST (höhere Fragmentierung unter Folsäure plus Zink) [s204] passen zu dieser Hypothese, sind aber mit ihr nicht bewiesen. Für Morphologie, Motilität und Fragmentierung berichtet MOXI keine signifikanten Unterschiede; für die Konzentrationsmediane nennt der Abstract keinen Test; die Studie ist wegen der Stichprobengröße begrenzt.

Stratifizierung nach Oxidationsstatus. Mehrere japanische und katarische Studien fanden Effekte nur bei erhöhtem Oxidations-Reduktions-Potenzial (ORP): Konzentration unter Methylcobalamin und Antioxidantien nur bei hohem ORP [s141]; CoQ10 senkte die Fragmentation insgesamt und stärker bei hohem sORP [s50]; Implantations- und Schwangerschaftsrate nur bei hohem sORP unter einem Mikronährstoffpräparat mit selbst gewählter Einnahme [s59]; stärkere Wirkung bei auffälligem ORP und SDF [s182]; Moazamian und die Delphi-Leitlinie verlangen die Dokumentation oxidativen Stresses vorab [s57] und [s01]. Alle diese Studien sind klein, unkontrolliert oder retrospektiv, die Untergruppen sind post hoc gebildet, und die EAU nennt die ROS-Messung experimentell [s20]. Das Konzept ist plausibel, aber nicht bestätigt.

Genetische Nichtansprecher. In einer Studie mit 310 infertilen Männern und 170 Kontrollen war die Antioxidantientherapie (Vitamin C, E, CoQ10; drei Monate, sechs Monate Nachbeobachtung) bei Männern mit GSTM1- und GSTT1-Deletion nicht wirksam; Zahlen fehlen im Abstract [s143]. Das ist ein einzelner Hinweis auf genetisch bedingte Nichtansprechbarkeit, ohne Replikation.

Aromatasehemmung durch Melatonin. Luboshitzky beobachtete bei zwei von acht gesunden Männern niedrigeres Östradiol im Samenplasma und Serum zusammen mit schlechterer Samenqualität und vermutet eine Aromatasehemmung im Hoden, bezeichnet das aber als vorläufig [s396]. Eine Bestätigung liegt in den Quellen nicht vor. Im Gegensatz dazu stiegen bei Ziegenböcken Testosteron und Östradiol nach Melatonin [s202], bei Hunden ebenfalls [s135].

Hormonelle Wirkung der Antioxidantien. Mehrere Metaanalysen berichten Testosteronanstiege (CoQ10 [s43], Carnitin [s27], Myo-Inositol [s52]), Inhibin-B-Anstiege (CoQ10 [s43], Melatonin [s241]; unter Astaxanthin dagegen eine Senkung [s378]) und Senkung von FSH und LH; NAC änderte Serumhormone in der einen Metaanalyse nicht [s176], in einer Einzelstudie schon [s349]. Ein einheitlicher Wirkweg ist daraus nicht abzuleiten; die Vorzeichen in [s43] sind im Abstract widersprüchlich erklärt.

Nanoformulierungen und Übertragbarkeit. In Büffelbullen und Hengsten wirkten Nanoformen von Astaxanthin und Myo-Inositol stärker als die freien Stoffe [s08, s13]; ob eine Zubereitung beim Menschen in die Spermien gelangt, ist offen. Alle Tierdosen, zum Beispiel 10 bis 100 mg/kg Astaxanthin bei Mäusen [s188, s37] oder 150 mg/kg NAC [s103, s172], sind nicht auf Menschen übertragbar; Kryokonservierungsversuche beantworten nur die Frage der Laboraufbereitung [s253, s257, s247].

Übersicht

StoffBelegt (im Modell)PlausibelSpekulativ oder offen
Myo-InositolVerbesserung der Aufbereitung im Labor (Hund, Eber, Fisch, Pferd, Mensch in vitro) [s224, s96, s155, s08, s247]Redox- und Stoffwechselmodulator, Mitochondrien [s07]Wirkung nach Einnahme; Testosteronanstieg [s52]
AstaxanthinAntioxidative Marker und Nrf2-Expression im Tier [s263, s159]Nrf2-Weg, Zytokine bei Varikozele [s45]Humaner Nutzen: nicht belegt [s03, s194]
NACSchutz im Tiermodell [s86, s103, s286]Weniger ROS und Viskosität [s348]Nutzen allein ohne Selen; Schaden bei Thalassämie [s238]
MelatoninMT1-Weg in vitro [s257, s354]Mitochondrienschutz [s384, s177]Orale Wirkung; negatives Signal bei Gesunden [s396]
GlutathionPHGPx unentbehrlich (Knockout) [s351]Thiolwirkung auf Protamine und Zona [s397]Orale Zufuhr: keine Studie
MagnesiumRolle im Ionenhaushalt der Spermien in vitro [s428]Ca/Mg-Quotient [s278]Nutzen als Zusatz: eine negative Pilotstudie [s393]
Vitamin B12Mangel schädigt Spermatogenese im Tier [s391, s407]Methionin- und Folatstoffwechsel [s360, s254]Nutzen beim Mann: Gesamtauswertung negativ [s422]
Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehinweise und Abgrenzung bis Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein
  5. Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen und Narrative Übersichtsartikel nach Substanz
  6. Übersichten zu Antioxidantien insgesamt und Gesamtbild der Metaanalysen und Übersichten
  7. Lesehinweise bis Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen
  8. Totale antioxidative Kapazität und Marker des oxidativen Stresses bis Vitamin D und Carnitine
  9. Genetische Beobachtungsstudien und Mendelsche Randomisierung bis Gesamtbild der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Konsensdokumente bis Melatonin
  11. Glutathion bis Selen, Omega-3, Lycopin, Vitamin D, weitere
  12. Tierversuche und Laborarbeiten im Überblick und Zusammenschau und Grenzen der Studienlage
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  25. Diagramme
  26. Quellen s01–s140
  27. Quellen s141–s281
  28. Quellen s282–s428
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle