Myo-Inositol, Astaxanthin, NAC, Melatonin und weitere Antioxidantien · Kapitel 5 von 24 · Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen und Narrative Übersichtsartikel nach Substanz

Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen

L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin

Zhou, Liu und Zhai 2007 [s369]. „Effect of L-carnitine and/or L-acetyl-carnitine in nutrition treatment for male infertility: a systematic review“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse einer Arbeitsgruppe des Peking University Third Hospital. Biomedizinische Datenbanken wurden nach klinischen Studien durchsucht; neun RCT wurden eingeschlossen und nach Randomisierung, Verblindung und Zuteilungsverdeckung bewertet. Verglichen mit Placebo stiegen die Schwangerschaftsrate (OR 4,10; 95-%-KI 2,08 bis 8,08; P < 0,0001), die Gesamtmotilität (gewichtete Mittelwertdifferenz, WMD, 7,43; 1,72 bis 13,14; P = 0,04) und die Vorwärtsmotilität (WMD 11,83; 0,49 bis 23,16; P = 0,04); der Anteil atypischer Spermien sank (WMD −5,72; −7,89 bis −3,56; P < 0,00001). Keine signifikante Änderung zeigten Konzentration (WMD 5,69; −4,47 bis 15,84; P = 0,27) und Ejakulatvolumen (WMD 0,28; −0,02 bis 0,58; P = 0,07). Die Autoren schließen, Carnitine könnten Schwangerschaftsrate und Spermienmotilität verbessern, die genaue Wirksamkeit müsse bestätigt werden. Einordnung: Untere Konfidenzgrenzen bei den Motilitäten liegen nahe null (1,72; 0,49), der Abstract nennt keine Heterogenität und keine Angaben zur Studienqualität im Ergebnis; es handelt sich um die älteste Metaanalyse zu Carnitinen im Fund.

Zhang et al. 2020 [s211]. „The efficacy of combined l-carnitine and l-acetyl carnitine in men with idiopathic oligoasthenoteratozoospermia: A systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (chinesische Autoren) zur Kombination aus L-Carnitin (LC) und L-Acetylcarnitin (LAC) bei idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT): sieben RCT mit 693 Patienten, Vergleich gegen Placebo. Signifikant stiegen der Anteil vorwärts beweglicher Spermien (MD 6,98; 1,06 bis 12,90; P = 0,02), die Gesamtzahl motiler Spermien (MD 16,45; 8,10 bis 24,79; P = 0,0001), die Zahl vorwärts beweglicher Spermien (MD 13,01; 11,08 bis 14,94; P < 0,00001) und die Zahl der Schwangerschaften (OR 3,76; 1,66 bis 8,50; P = 0,002); die übrigen Parameter (Gesamtmotilität, Konzentration, Volumen, Anteil atypischer Formen) unterschieden sich nicht. Die Autoren halten die Kombination bei iOAT für wirksam. Einordnung: Das sehr schmale Intervall bei der Zahl vorwärts beweglicher Spermien (11,08 bis 14,94) bei sieben Studien ist für eine Metaanalyse unterschiedlicher Studien ungewöhnlich eng; I² nennt der Abstract nicht.

Wei et al. 2021 [s176]. „A Meta-Analysis of the Efficacy of L-Carnitine/L-Acetyl-Carnitine or N-Acetyl-Cysteine in Men With Idiopathic Asthenozoospermia“. Metaanalyse (PubMed, EMBASE, Cochrane Library) von sieben Artikeln mit 621 Patienten mit idiopathischer Asthenozoospermie, chinesische Autoren. LC/LAC und NAC verbesserten gegenüber Placebo die Motilität (P = 0,03 beziehungsweise P < 0,0001) und die Normalmorphologie (P = 0,006 beziehungsweise P = 0,0002); NAC erhöhte zusätzlich Konzentration (P < 0,00001) und Ejakulatvolumen (P = 0,002), LC/LAC nicht. Bei den Serumhormonen (Testosteron, LH, FSH, Prolaktin) fand sich unter NAC kein Unterschied zu unbehandelten Kontrollen. Einordnung: Der Abstract nennt keine Effektgrößen und keine Konfidenzintervalle, nur P-Werte; die Aufteilung der sieben Artikel auf Carnitin und NAC geht aus ihm nicht hervor. Nach den Recherchebefunden stammt eine Metaanalyse zu NAC allein [s178] aus derselben Arbeitsgruppe.

Ma et al. 2025 [s27]. „Meta-analysis of the efficacy and safety of L-carnitine and N-acetylcysteine monotherapy for male idiopathic infertility“. Metaanalyse (MEDLINE, EMBASE, Cochrane Controlled Trials Register, PROSPERO CRD42024552120) von sieben RCT zu Monotherapie mit L-Carnitin (vier Studien gegen Placebo) oder NAC (drei Studien gegen Placebo) bei idiopathischer männlicher Infertilität; chinesische Autoren, ein Zweitnachweis erschien in der spanischen Revista internacional de Andrología. LC erhöhte Konzentration (P < 0,001), Normalmorphologie (P = 0,03) und Motilität (P = 0,02); NAC verbesserte dieselben drei Parameter und erhöhte zusätzlich das Ejakulatvolumen (P = 0,002); LC erhöhte das Serumtestosteron (P < 0,001), aber keine anderen Hormone. Die Autoren schließen, beide Stoffe könnten Motilität, Konzentration und Morphologie verbessern. Einordnung: Auch hier nur P-Werte, keine Teilnehmerzahl, keine Effektgrößen; die Studienzahl entspricht der von [s176], eine große Überlappung der eingeschlossenen Studien liegt nahe, wird aber im Abstract nicht belegt.

Niu et al. 2025 [s33]. „Effects of Carnitine and Coenzyme Q10 on Sperm Quality and Pregnancy Rates in Men with Unexplained Infertility: A Systematic Review and Network Meta-Analysis“. Systematische Übersicht mit Netzwerk-Metaanalyse (Cochrane Library, EMBASE, Web of Science, PubMed) zu oralem Carnitin und Coenzym Q10 bei Männern mit unerklärter Infertilität; 16 Studien. L-Carnitin, CoQ10 und L-Carnitin plus Acetyl-L-Carnitin verbesserten die Spermienqualität gegenüber Placebo. CoQ10 hatte den größten Effekt auf die Konzentration (SMD 2,98; 1,13 bis 7,87), L-Carnitin auf die progressive Motilität (SMD 4,19; 1,60 bis 10,95). Die Autoren sehen CoQ10 als wirksamste Maßnahme für die Konzentration und L-Carnitin für die Motilität und fordern große hochwertige Studien. Einordnung: SMD-Werte von 3 und 4 mit Intervallen bis 7,87 und 10,95 sind sehr unsicher und für Supplementstudien ungewöhnlich groß; Teilnehmerzahl und Heterogenität nennt der Abstract nicht.

N-Acetylcystein

Zhou et al. 2021 [s178]. „The role of N-acetyl-cysteine (NAC) orally daily on the sperm parameters and serum hormones in idiopathic infertile men: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, EMBASE, Cochrane-Register, Referenzlisten) von drei RCT mit 431 Männern mit idiopathischer Infertilität, Autoren vom Beijing TianTan Hospital. Täglich oral eingenommenes NAC erhöhte gegenüber Placebo die Konzentration (MD 3,80; P < 0,00001), das Ejakulatvolumen (MD 0,69; P = 0,002), die Motilität (MD 4,69; P < 0,0001) und die Normalmorphologie (MD 1,68; P = 0,0002); keine Unterschiede bei Testosteron (MD 1,35; P = 0,21), LH (MD 0,82; P = 0,40), FSH (MD −7,48; P = 0,29) und Prolaktin (MD −0,34; P = 0,32). Die Autoren schließen, NAC bringe eine größere Verbesserung der Spermienparameter, aber keinen signifikanten Einfluss auf Serumhormone, und fordern hochwertige RCT mit ausreichender Fallzahl. Einordnung: Nur drei Studien, keine Konfidenzintervalle und keine Angabe zu Heterogenität im Abstract; es ist die einzige Metaanalyse im Fund, die NAC allein untersucht, und sie liefert keine Daten zu Schwangerschaft oder Lebendgeburt.

Coenzym Q10

Lafuente et al. 2013 [s312]. „Coenzyme Q10 and male infertility: a meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu oralem CoQ10: drei Studien, 149 Männer in der CoQ10-Gruppe und 147 unter Placebo. Keine Studie berichtete Lebendgeburten; die Schwangerschaftsrate stieg unter CoQ10 nicht. Zugenommen haben die CoQ10-Konzentration im Samenplasma (RR 49,55; 95-%-KI 46,44 bis 52,66; I² = 17 %), die Spermienkonzentration (RR 5,33; 4,18 bis 6,47; I² = 58 %) und die Motilität (RR 4,50; 3,92 bis 5,08; I² = 0 %). Die Autoren schließen, es gebe keinen Beleg für eine Erhöhung von Lebendgeburt oder Schwangerschaftsrate, aber eine globale Verbesserung der Spermienparameter. Einordnung: Der Abstract bezeichnet kontinuierliche Größen als „RR“; Werte von 49,55 oder 5,33 sind als Risikoverhältnisse im üblichen Sinn nicht plausibel, gemeint sind offenbar Mittelwertdifferenzen oder standardisierte Maße, was der Abstract nicht erklärt. Die Aussage zur Schwangerschaft beruht auf einer sehr kleinen Basis.

Akhigbe et al. 2024 [s43]. „Does coenzyme Q10 improve semen quality and circulating testosterone level? a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Cochrane, EMBASE, PubMed/MEDLINE, Scopus, Web of Science, PRISMA): von 2.144 Studien acht RCT mit 877 Männern (462 mit CoQ10, 415 unbehandelt oder Placebo). Die Autoren berichten höhere Gesamtspermienzahl (SMD −13,38; 95-%-KI −16,33 bis −10,43; P < 0,0001), höhere Gesamtmotilität (SMD −7,26; −10,15 bis −4,36; P < 0,00001), höhere progressive Motilität (SMD −6,386; −10,04 bis −2,73; P = 0,0006) und mehr normal geformte Spermien (SMD −1,96; −3,29 bis −0,62; P = 0,004) bei erheblicher Heterogenität zwischen den Studien; höheres Serumtestosteron (SMD −0,59; −0,79 bis −0,40; P < 0,00001) und Inhibin B (SMD −0,92; −1,47 bis −0,37; P = 0,001) bei keiner bedeutsamen Heterogenität in den Hormonstudien; niedrigeres LH (SMD 1,77; 1,26 bis 2,28; P < 0,00001) und FSH (SMD 1,60; 1,38 bis 1,81; P < 0,00001). Kein Effekt auf Ejakulatvolumen (SMD 0,12; −0,13 bis 0,37; P = 0,34) und Konzentration (SMD −6,69; −16,28 bis 2,90; P = 0,17). Einordnung: Die Vorzeichen stehen im Abstract so, obwohl die Autoren höhere Werte unter CoQ10 beschreiben; der Abstract erklärt das nicht. Effektgrößen bis −13 sind für Metaanalysen ungewöhnlich groß, und der Abstract erklärt die Größenordnung nicht; auffällig ist außerdem, dass die Konzentration unverändert, die Gesamtzahl aber um mehr als 13 Standardabweichungen erhöht sein soll. Die Autoren sehen eine günstige Wirkung und fordern große, gut geplante RCT. Das Autorenteam ist überwiegend in Nigeria tätig (mit Koautoren aus Deutschland, den USA, China und Brasilien); nach dem Interessenkonfliktvermerk ist ein Koautor Geschäftsführer eines Unternehmens (Acrolytics LLC), die übrigen Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

Bakri et al. 2025 [s19]. „Efficacy and Safety of Coenzyme Q10 in Idiopathic Male Infertility: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Science Direct, Cochrane Library; RoB 2; Review Manager 5.4; PROSPERO CRD42024513515) zu CoQ10 bei idiopathischer männlicher Infertilität gegen Placebo oder andere Behandlung, mit dem Ziel, Dosis, Zubereitung und Dauer zu bestimmen. Neun Studien mit 781 Teilnehmern (430 Behandlung, 351 Kontrolle). Konzentration: MD 10,22 × 10⁶/ml (3,51 bis 16,93; P = 0,003); Ejakulatvolumen MD 0,17 ml (0,03 bis 0,31; P = 0,02); Gesamtmotilität MD 4,95 % (1,15 bis 8,75; P = 0,01); CoQ10 im Samenplasma MD 37,04 ng/ml (31,24 bis 42,84; P < 0,001); klinische Schwangerschaft (Odds Ratio) 6,02 (1,97 bis 18,41; P = 0,002); die Morphologie war bei Behandlungsdauer über drei Monate besser (Untergruppenanalyse, P < 0,05). Nebenwirkungen: keine in drei Studien, mild und vorübergehend in einer. Die Autoren schließen, CoQ10 verbessere Samenqualität, CoQ10-Spiegel im Samen und Schwangerschaftsraten, vor allem bei Einnahme über mehr als drei Monate, und sei allein oder mit anderen Antioxidantien allgemein sicher. Einordnung: Das Konfidenzintervall der Schwangerschafts-OR (1,97 bis 18,41) ist sehr weit; Heterogenität und Ereigniszahlen nennt der Abstract nicht. Die Arbeitsgruppe stammt von der Hasanuddin University in Makassar (Indonesien) und dem Global Andrology Forum; der letzte Autor ist Agarwal, der auch an anderen Antioxidantien-Übersichten beteiligt ist [s69, s147]; der Interessenkonfliktvermerk lautet „nothing to disclose“.

Zhao et al. 2023, Protokoll [s105]. „Efficacy of coenzyme Q10 supplementation for male infertility with high sperm DNA fragmentation index: a protocol for a systematic review and meta-analysis“. Das Registerprotokoll (PROSPERO CRD42022293340) kündigt eine systematische Übersicht mit Metaanalyse zu CoQ10 bei Männern mit hohem Spermien-DNA-Fragmentationsindex an (PubMed, Embase, Cochrane Central, Web of Science, Suche bis 31. Dezember 2022, englischsprachige Arbeiten, zwei Prüfer, Prüfung von Verzerrung und Publikationsbias, Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen). Ergebnisse liegen im abgerufenen Eintrag nicht vor. Es ist als Hinweis aufgeführt, dass die Frage, ob CoQ10 die DNA-Fragmentation senkt, bei Veröffentlichung des Protokolls als „kontrovers“ galt.

Vitamin E und Vitamin C

Zhou et al. 2022 [s145]. „Effects of vitamin E and vitamin C on male infertility: a meta-analysis“. Metaanalyse von RCT (Cochrane Library, Embase, PubMed, CBMdisc, Web of Science bis Juni 2020) von der Jinan University: 11 Studien mit 832 Patienten, Evidenzqualität mäßig bis niedrig. Schwangerschaftsrate unter Vitamin E RR 1,86 (95-%-KI 1,02 bis 3,41). Vitamin E und C zusammen verbesserten gegenüber der Kontrolle progressive Motilität (SMD 0,38; 0,22 bis 0,55), Konzentration (SMD 0,21; 0,09 bis 0,34), Morphologie (SMD 0,32; 0,09 bis 0,55) und Gesamtzahl (SMD 0,28; 0,12 bis 0,43), ohne unerwünschte Wirkungen. Die Autoren schließen, Vitamin C und E könnten Schwangerschaftsrate der Partnerin und Spermienparameter verbessern. Einordnung: Die untere Grenze des Schwangerschafts-RR (1,02) liegt nahe 1; der Abstract nennt weder Heterogenität noch die Art der Vergleichsbehandlung im Einzelnen.

Wang et al. 2022 [s140]. „Effect of vitamin E on Semen Quality Parameters: A Meta-Analysis of a Randomized Controlled Trial“. Metaanalyse von RCT (Stata 12; Suche von 1947 bis Mai 2021 ohne Sprachbeschränkung) der Tianjin Medical University: acht RCT mit 459 Patienten. Nach Vitamin-E-Gabe sank das Ejakulatvolumen (SMD −0,30; −0,55 bis −0,06; P = 0,015) und stieg die Gesamtspermienzahl (SMD 0,23; 0,02 bis 0,45; P = 0,035); keine signifikanten Unterschiede bei Konzentration (SMD 0,04; −0,21 bis 0,29; P = 0,769), Gesamtmotilität (SMD 0,20; −0,01 bis 0,42; P = 0,061) und Vorwärtsmotilität (SMD 0,29; −0,06 bis 0,65; P = 0,106). In der Untergruppe mit sechsmonatiger Behandlung stieg die Vorwärtsmotilität (SMD 0,80; 0,46 bis 1,14; P < 0,001). Die Autoren führen die Volumenabnahme möglicherweise auf unterschiedliche Karenzzeiten vor und nach der Messung zurück. Einordnung: Zwei Metaanalysen zu derselben Substanz mit nicht deckungsgleicher Bewertung ([s145] und diese): Die Ergebnisse hängen von Einschlusskriterien und Zielgrößen ab. Die Untergruppenaussage zur sechsmonatigen Behandlung ist explorativ.

Vitamin D

Tania et al. 2023 [s100]. „Vitamin D supplementation for improving sperm parameters in infertile men: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse randomisierter Studien (ClinicalTrials.gov, IRCT.ir, Europe PMC, PubMed; RoB 2; Review Manager 5.4): fünf Studien mit 648 infertilen Männern. Vitamin-D-Gabe verbesserte gegenüber Placebo die Gesamtmotilität (MD 4,96; 95-%-KI 0,38 bis 9,54; P = 0,03; I² = 69 %), die progressive Motilität (MD 4,14; 0,25 bis 8,02; P = 0,04; I² = 89 %) und die Normalmorphologie (MD 0,44; 0,30 bis 0,57; P < 0,00001; I² = 0 %); Gesamtzahl (P = 0,15), Konzentration (P = 0,82) und Volumen (P = 0,83) unterschieden sich nicht. Die Autoren halten Vitamin-D-Gabe für erwägenswert („may be considered“). Einordnung: Die Heterogenität bei den Motilitäten ist erheblich, die unteren Intervallgrenzen nahe null; der Morphologiebefund (0,44 Prozentpunkte) ist klein, auch wenn er statistisch eindeutig ist.

Jiao et al. 2025 [s24]. „Impact of Vitamin D3 Supplementation on Androgens and Semen Parameters in Infertile Men: A Systematic Review and Meta-Analysis Based on Prospective Randomised Controlled Trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Web of Science, Cochrane Library, Scopus, Embase) zu Vitamin D3 und Androgenen beziehungsweise Spermienparametern bei infertilen Männern, sechs RCT mit 945 Teilnehmern. Testosteron: SMD 0,07 (−0,11 bis 0,25), SHBG: SMD 0,42 (−0,38 bis 1,22), jeweils nicht signifikant; Gesamtspermienzahl: SMD 1,04 (0,11 bis 2,19); Anteil motiler Spermien: SMD 0,82 (0,00 bis 1,64). Die Autoren schließen, Vitamin D3 beeinflusse die Androgene nicht signifikant, könne aber Gesamtzahl und Anteil motiler Spermien verbessern. Einordnung: Die untere Grenze beim Motilitätsanteil liegt genau bei 0,00 und bei der Zahl bei 0,11; beide Aussagen sind damit grenzwertig. Die Arbeit stammt von einer chinesischen Gruppe; eine Überlappung der eingeschlossenen Studien mit [s100] ist denkbar, geht aber aus den Abstracts nicht hervor.

Folsäure, Zink und Folat

Li et al. 2023 [s89]. „Effects of folic acid and folic acid plus zinc supplements on the sperm characteristics and pregnancy outcomes of infertile men: A systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Cochrane Library, EMBASE bis 1. August 2022; RevMan 5.4) zu Folsäure und Folsäure plus Zink bei infertilen Männern: acht RCT mit 2.168 Patienten, Autoren aus Yulin, China. Folsäure steigerte gegenüber den Kontrollen die Motilität (MD 3,63; im Abstract angegebenes 95-%-KI −1,22 bis 6,05; P = 0,003), nicht aber Konzentration (MD 2,53; −1,68 bis 6,73; P = 0,24) und Morphologie (MD −0,02; −0,29 bis 0,24; P = 0,86). Folsäure plus Zink änderte weder Konzentration (MD 1,87; −1,39 bis 5,13; P = 0,26) noch Motilität (MD 1,67; −1,29 bis 4,63; P = 0,27) noch Morphologie (MD −0,05; −0,27 bis 0,18; P = 0,69). Schwangerschaften je übertragenem Embryo: 35,6 % unter Folsäure gegen 20,4 % unter Placebo (P = 0,082), nicht signifikant; Folsäure plus Zink ohne Wirkung auf Schwangerschaftsergebnisse. Die Autoren sehen für Folsäure allein ein Potenzial bei Motilität und IVF/ICSI-Ergebnissen. Einordnung: Der Abstract ist in sich widersprüchlich, denn das für die Motilität angegebene Konfidenzintervall (−1,22 bis 6,05) schließt null ein und passt weder zu MD 3,63 noch zu P = 0,003; das Schlusswort zugunsten von Folsäure stützt sich auf diese Angabe und auf einen nicht signifikanten Schwangerschaftsunterschied.

Hoek et al. 2020 [s189]. „Paternal Folate Status and Sperm Quality, Pregnancy Outcomes, and Epigenetics: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zum väterlichen Folatstatus und zu Spermienqualität, Schwangerschaftsergebnissen und Epigenetik; Suche bis Dezember 2017, 3.682 Artikel, 23 im Volltext geprüft. Vier von dreizehn Humanstudien und zwei von vier Tierstudien zeigten positive Zusammenhänge zwischen Folatkonzentrationen und Spermienparametern. Eine zusätzliche Metaanalyse von vier RCT bei subfertilen Männern fand nach 3 bis 6 Monaten mit 5 mg Folsäure täglich einen Anstieg der Konzentration um 3,54 (−1,40 bis 8,48), also nicht signifikant. Zwei von zwei Tier- und eine von drei Humanstudien zeigten Veränderungen der Gesamtmethylierung des Spermien-Epigenoms; eine Tier- und eine Humanstudie berichteten Zusammenhänge zwischen niedriger Folatzufuhr und angeborenen Fehlbildungen. Die Autoren schließen auf Assoziationen zwischen väterlichem Folatstatus und Spermienqualität, Fertilität, Fehlbildungen und Plazentagewicht. Einordnung: Die Suche endet vor der großen FAZST-Studie [s204]; der Befund ist überwiegend assoziativ, die einzige gepoolte Interventionsauswertung war nicht signifikant.

Alpha-Liponsäure, Omega-3-Fettsäuren, Myo-Inositol und Astaxanthin

Dong et al. 2022 [s113]. „Effect of oral alpha-lipoic acid (ALA) on sperm parameters: a systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu oral eingenommener alpha-Liponsäure (Cochrane Library, MEDLINE, EMBASE, Web of Science, ClinicalTrials.gov, CNKI, CBM; Suche bis 10. März 2022; RevMan 5.3; chinesisch- und englischsprachige Literatur): drei RCT mit 133 Teilnehmern. Anteil abnormer Formen MD −1,06 (im Abstract als „−1,29−0,84“ angegeben; P < 0,00001), Konzentration MD 3,98 (2,28 bis 5,67; P < 0,00001), Gesamtmotilität (Grad a+b+c) MD 6,68 (4,88 bis 8,48; P < 0,00001), progressive Motilität MD 6,90 (5,62 bis 8,17; P < 0,00001), Ejakulatvolumen MD −0,17 (angegeben „−0,31−0,02“; P = 0,03). Die Autoren schließen, alpha-Liponsäure könne Normalformen, Konzentration und Motilität verbessern, es brauche strengere RCT. Einordnung: Nur drei Studien mit insgesamt 133 Teilnehmern; im Abstract steht der Vergleich einmal als „sham therapy“ (Scheinbehandlung), einmal als „other treatments“; das ist uneinheitlich. Die Konfidenzintervalle sind sehr schmal und die P-Werte extrem klein für eine so kleine Datenbasis.

Hosseini et al. 2019 [s219]. „The Effect of Omega-3 Fatty Acids, EPA, and/or DHA on Male Infertility: A Systematic Review and Meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu Omega-3-Fettsäuren (EPA und/oder DHA) bei infertilen Männern (PubMed, Google Scholar, Scopus, 1. Januar 1990 bis 20. Dezember 2017); RCT mit DHA oder EPA, allein oder mit anderen Mikronährstoffen. Drei Studien mit 147 Patienten in der Interventions- und 143 in der Kontrollgruppe. Motilität RR 5,82 (95-%-KI 2,91 bis 8,72; I² = 76 %); DHA im Samenplasma RR 1,61 (0,15 bis 3,07; P = 0,03; I² = 98 %); keine Wirkung auf die Konzentration (RR 0,31; −8,13 bis 8,76; P = 0,94; I² = 95 %) und auf DHA in den Spermien (RR 0,50; −4,17 bis 5,16; P = 0,83; I² = 99 %). Die Heterogenität könnte nach Ansicht der Autoren an Dauer und Dosierung der Gabe liegen; ein Trichterdiagramm zeige keine Hinweise auf Publikationsverzerrung. Einordnung: „RR“ mit Konfidenzintervallen, die negative Werte einschließen, sind keine Risikoverhältnisse im üblichen Sinn; die Heterogenität liegt zwischen 76 % und 99 %; ein Trichterdiagramm mit drei Studien kann Publikationsverzerrung nicht ausschließen.

Ghaemi et al. 2024, Myo-Inositol [s52]. „The effect of Myo-inositol on improving sperm quality and IVF outcomes: A systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Web of Science, Embase) zu Myo-Inositol und Spermienparametern, Spermien mit DNA-Fragmentation, Schwangerschaftsrate und, bei Oligo-Astheno-Teratozoospermie (OAT), Testosteron. 16 Studien aus 2.240 Treffern. Gesamtmotilität: SMD 0,90 (95-%-KI 0,34 bis 1,46; I² = 0 %; P = 0,001); progressive Motilität: SMD 1,48 (0,37 bis 2,59; I² = 0 %; P = 0,008); Testosteron: SMD 0,54 (0,34 bis 0,73; I² = 0 %); Spermien mit DNA-Fragmentation: SMD −1,37 (−2,43 bis −0,32; I² = 85 %; P = 0,01). Die Autoren nennen die Datenlage selbst „controversial“ und sehen eine positive Wirkung auf Motilität und Testosteron. Einordnung: Das ist die einzige Metaanalyse im Fund, die Myo-Inositol beim Mann untersucht. Welche Studien eingeschlossen wurden und wie viele je Parameter, nennt der Abstract nicht; die im Fund einzeln aufgeführten Humanstudien zu Myo-Inositol sind klein und überwiegend ohne Placebokontrolle. Auffällig ist die Kombination aus SMD von 0,90 bis 1,48 und I² von 0 % bei wenigen kleinen Studien; die hohe Heterogenität bei der DNA-Fragmentation (85 %) schränkt diese Aussage ein. Der Titel verspricht IVF-Ergebnisse; der Abstract berichtet dazu keine Zahl.

Dehpahni et al. 2026, Astaxanthin [s03]. „A systematic review and meta-analysis of astaxanthin efficacy in male infertility: evidence from clinical and preclinical studies“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Web of Science, Scopus, PubMed) mit Zufallseffektmodellen, Heterogenität nach I², Publikationsbias nach Egger-Test und Trichterdiagramm; Verzerrungsrisiko nach SYRCLE (Tierstudien) und Cochrane RoB 2.0 (klinische Studien). Zehn Studien: drei klinische Studien und sieben Tierstudien. Beim Menschen zeigte die Metaanalyse keine statistisch signifikante Verbesserung irgendeines Samenparameters gegenüber Placebo; die Autoren sprechen von „very limited and low-certainty clinical evidence“. In den Tierstudien stiegen Spermienzahl (MD 27,15), Motilität (MD 11,29 %) und Viabilität (MD 15,98 %), und der Anteil fehlgeformter Spermien sank (MD −6,78 %), dazu sanken Oxidationsmarker. Schwangerschaftsraten wurden nicht ausgewertet. Die Autoren schließen, die derzeitige Humanevidenz stütze keine klinische Wirksamkeit. Einordnung: Die humane Auswertung beruht auf nur drei Studien; Konfidenzintervalle und I² nennt der Abstract nicht. Die Schwangerschaftsraten der kleinen Studie von Comhaire (2005, 30 Männer) gingen nach den Recherchebefunden nicht ein. Die Tierergebnisse stammen aus Tiermodellen und sind auf die Einnahme beim Menschen nicht übertragbar.

Studien an Frauen und Randbereiche

Lin et al. 2024 [s55]. „Comparative efficacy and safety of metformin, anti-obesity agents, and myoinositol in improving IVF/ICSI outcomes and reducing ovarian hyperstimulation syndrome in women with polycystic ovary syndrome: a systematic review and network meta-analysis“. Netzwerk-Metaanalyse mit 20 RCT und 1.827 Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) vor IVF/ICSI, die Metformin, Antiadipositamittel oder Myo-Inositol erhielten. Sie betrifft nicht die Spermienqualität und ist hier nur aufgeführt, weil sie die einzige Metaanalyse mit klinischen Endpunkten zu Myo-Inositol aus dem chinesischen Sprachraum ist. Myo-Inositol und Metformin senkten das Risiko eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS); Myo-Inositol war mit kürzerer Gonadotropindauer (SMD −1,21; −2,03 bis −0,38) und weniger Nebenwirkungen (OR 0,23; 0,06 bis 0,83) verbunden; Metformin senkte das OHSS-Risiko (OR 0,52; 0,33 bis 0,83), erhöhte aber Nebenwirkungen (OR 6,85; 4,32 bis 10,86). Keiner der Stoffe verbesserte die Schwangerschaftsrate. Laut Abstract hatten 19 von 20 Studien ein niedriges Verzerrungsrisiko; berücksichtigt wurden nur englischsprachige Studien bis Oktober 2024. Für die männliche Fertilität folgt aus der Arbeit nichts.

Tatar und Akdevelioğlu 2018 [s249]. „Effect of Pollen, Pit Powder, and Gemmule Extract of Date Palm on Male Infertility: A Systematic Review“. Systematische Übersicht aus der Türkei zu Pollen, Kernpulver und Sprossextrakt der Dattelpalme bei männlicher Infertilität; Arbeiten von 2005 bis 2016 aus türkischen und englischen Quellen (unter anderem PubMed, Science Direct, Google Scholar, Springer, DergiPark, Ulakbim, Akademik Dizin). Berichtet werden günstige Veränderungen bei Hormonspiegeln, Spermienmotilität und -qualität, Spermatogenese sowie Hoden- und Nebenhodengewichten; die Zahl der Studien sei begrenzt. Der Abstract nennt weder eine Studienzahl noch Effektgrößen; die Arbeit betrifft keine der Hauptsubstanzen, sondern pflanzliche Zubereitungen.

Narrative Übersichtsartikel nach Substanz

Narrative Übersichten haben kein festgelegtes Such- und Bewertungsverfahren; sie geben die Sicht der Autoren wieder und können Studien auswählen, die ihre These stützen. Sie werden hier nach Substanz geordnet beschrieben, weil sie die Argumentationslinien zeigen, mit denen in der Literatur für oder gegen einzelne Stoffe argumentiert wird. Zu N-Acetylcystein und zu Magnesium fand die Recherche keine eigene Übersichtsarbeit; beide Stoffe erscheinen nur innerhalb allgemeiner Übersichten oder Metaanalysen.

Myo-Inositol

Vazquez-Levin und Verón 2020 [s208]. „Myo-inositol in health and disease: its impact on semen parameters and male fertility“. Narrative Übersicht (Literatursuche in PubMed) zu Vorkommen, Funktionen und Wirkungen von Myo-Inositol (MI) und seinen Derivaten im männlichen Genitaltrakt und in Spermien, einschließlich der Wirkung von Myo-Inositol-Gabe in vivo und in vitro auf Samenqualität und Fertilität. Berichtet wird eine „diskrete Verbesserung“ der Motilität in frischem und aufgetautem Samen und eine bessere Spermienleistung bei natürlicher und assistierter Fertilität; MI sei als wirksames Supplement für die Spermienqualität beschrieben worden. Die Autoren schränken ein, mehrere Studiendesigns ließen angemessene Kontrollen oder Datenanalysen vermissen, größere prospektive randomisierte Studien seien nötig, und die Rolle von MI in der Spermienphysiologie sei weiter zu klären. Einordnung: Die Übersicht ist selbstkritisch und nennt keine Zahlen im Abstract.

Condorelli et al. 2017 [s256]. „Myo-inositol as a male fertility molecule: speed them up!“. Übersichtsartikel (Autoren aus der italienischen Andrologie, nach den Recherchebefunden) mit dem Ziel, die Begründung für Myo-Inositol bei männlicher Infertilität darzulegen. Er beschreibt die mögliche antioxidative und bewegungsfördernde („prokinetische“) Rolle von MI und dessen Bedeutung für die Hormonregulation und schlägt einen klinischen Algorithmus für Männer mit Asthenozoospermie vor. Der Abstract enthält keine Zahlen. Einordnung: Es handelt sich um eine Begründung der Hypothese und einen Vorschlag der Autoren, nicht um eine Bewertung der klinischen Belege.

Jawad et al. 2026 [s07]. „Myo-inositol in assisted reproductive technologies: Roles in sperm function, oocyte maturation, and embryo development across species“. Übersicht (koreanische veterinärmedizinische Arbeitsgruppe) zur Rolle von Myo-Inositol in der assistierten Reproduktion bei Spermien, Eizellreifung und Embryonalentwicklung über Arten hinweg, mit Schwerpunkt auf Schweinemodellen. Beschrieben werden verbesserte Motilität, mitochondriale Funktion und Lebensfähigkeit sowie geringerer oxidativer Schaden bei Flüssiglagerung und Kryokonservierung. Die Wirkung hänge von Spezies, Entwicklungsstadium, Dosis und Kulturbedingungen ab; MI wirke eher als „Redox- und Stoffwechselmodulator“ denn als klassisches Antioxidans. Einordnung: Die Aussagen beruhen überwiegend auf Tiermodellen und In-vitro-Arbeiten (Schwein) und sind für die Einnahme beim Menschen nicht belegt; eine Studie am Menschen enthält der Abstract nicht.

Astaxanthin

Liu et al. 2016 [s280]. „[Astaxanthin in male reproduction: Advances in studies]“ (deutsch: Astaxanthin in der männlichen Reproduktion: Forschungsfortschritte). Chinesischsprachige Übersicht aus dem Nanjing General Hospital (englischer Abstract). Astaxanthin schütze die Spermienmitochondrien, mindere Schäden durch Hitzestress und Gifte, fördere Kapazitation und Akrosomenreaktion, regle Hormone und wirke günstig bei Primärinfertilität oder stoffwechselbedingter Infertilität; es helfe außerdem bei spätem Hypogonadismus und Prostatagesundheit. Der Abstract nennt keine Zahlen und keine Studienzahl. Einordnung: Die Übersicht erschien 2016, vor der placebokontrollierten Studie ohne Effekt (Kumalic 2020 [s194]) und vor der Metaanalyse [s03]; ihre Aussagen zu klinischen Wirkungen sind im Abstract nicht mit Zahlen belegt.

Melatonin

Li et al. 2015 [s289]. „Melatonin and male reproduction“. Übersicht aus China zur Rolle von Melatonin in der männlichen Fortpflanzung. Melatonin beeinflusse die Ausschüttung von GnRH und LH, die Testosteronsynthese und die Hodenreifung und schütze als fett- und wasserlöslicher Radikalfänger vor Hodenschäden durch Umweltgifte oder Entzündung; die Datenlage zeige, dass Melatonin die Sekretion von Gonadotropinen und Testosteron beeinflusse und die Spermienqualität verbessere. Die Evidenz stammt weitgehend von saisonal und nicht saisonal brütenden Tieren; Zahlen nennt der Abstract nicht.

Sun et al. 2020 [s206]. „Protective effects of melatonin on male fertility preservation and reproductive system“. Übersicht aus China zu Melatonin und Fertilitätserhalt: Schutz von unreifem Hodengewebe, Spermien und Spermatogonienstammzellen sowie antioxidative und antiapoptotische Eigenschaften. Der Abstract nennt weder Zahlen noch Humandaten.

Makris et al. 2023 [s91]. „The Role of Melatonin to Ameliorate Oxidative Stress in Sperm Cells“. Übersicht zur Wirkung von Melatonin über seine Rezeptorsubtypen und zu seiner Funktion beim oxidativen Stress in Spermien männlicher Wirbeltiere. Der Abstract nennt sie eine „systematic review“ und sagt, sie zeige, dass die Verbesserung von Spermienparametern auf Melatoningabe folge; es seien weitere Studien nötig, um die Fähigkeit zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Samenqualität unter Stress bei verschiedenen Arten zu klären. Einordnung: Die Arbeit mischt Arten; für den Menschen ist die Aussage nicht spezifisch; eine Methodik der systematischen Suche gibt der Abstract nicht an.

Neymark et al. 2025 [s31]. „[The effect of melatonin on male reproductive function (indicators of ejaculate)]“ (deutsch: Die Wirkung von Melatonin auf die männliche Fortpflanzungsfunktion (Ejakulatparameter). Russischsprachige Übersicht zur Wirkung von Melatonin auf Ejakulatparameter. Bis zu 80 % infertiler Männer hätten erhöhte reaktive Sauerstoffspezies im Sperma; Melatonin sei bei Kryokonservierung, Chemotherapie, Hitzestress, Strahlung und Hochfrequenzstrahlung zytoprotektiv; die Anwendung bei Störungen der männlichen Fortpflanzungsfunktion sei ein vielversprechendes Feld, erfordere aber sorgfältige klinische Prüfung. Ob die Aussagen zu Sicherheit und Zytoprotektion auf Humandaten beruhen, sagt der Abstract nicht.

Glutathion

Irvine 1996 [s412]. „Glutathione as a treatment for male infertility“. Übersicht aus dem Jahr 1996. Glutathion spiele in der antioxidativen Abwehr von Keimepithel und Nebenhoden und möglicherweise in ejakulierten Spermien eine Rolle; in vitro scheine Antioxidantiengabe die Befruchtungsfähigkeit zu erhalten, klinische Daten fehlten; in vivo gegeben, wirke Glutathion bei möglicherweise durch oxidativen Stress infertilen Patienten am Nebenhoden und bei der Spermatogenese und verbessere die Funktion ejakulierter Spermien; Fertilitätsstudien seien nicht durchgeführt worden, kontrollierte Studien seien „urgently required“. Einordnung: Eine historische Positionsbestimmung, kein Wirksamkeitsbeleg.

Hou et al. 2008 [s356]. „[Glutathione and male reproduction]“ (deutsch: Glutathion und männliche Reproduktion). Chinesischsprachige Übersicht (nach den Recherchebefunden aus Nanjing). Reduziertes Glutathion (GSH) komme im männlichen Genitaltrakt weit verbreitet vor und habe einen therapeutischen Wert bei männlicher Infertilität; die Übersicht fasst Verteilung und therapeutischen Wert zusammen. Zahlen enthält der Abstract nicht.

Imai 2009 [s351]. „セレン酵素PHGPx欠損と男性不妊症との関“ (deutsch: Zusammenhang zwischen Defizienz des Selenenzyms PHGPx und männlicher Infertilität) [Titel im Indexeintrag möglicherweise gekürzt]. Japanischsprachige Übersicht (Kitasato University) zum Zusammenhang zwischen dem Fehlen des selenabhängigen Enzyms PHGPx und männlicher Infertilität; sie beschreibt nach den Recherchebefunden, dass bei 30 % infertiler Männer mit Oligoasthenozoospermie die PHGPx-Expression in Spermien vermindert war und dass hodenspezifische PHGPx-Knockout-Mäuse alle unfruchtbar waren, mit verminderter Spermienzahl, Vorwärtsmotilität und mitochondrialem Membranpotenzial sowie einer haarnadelartigen Biegung des Flagellums im Mittelstück. Für diese Arbeit liegt kein PubMed-Eintrag vor; die Angaben stammen aus einem japanischen Fachzeitschriftenabstract (J-STAGE) und aus den Recherchebefunden.

Vitamin B12

Banihani 2017 [s254]. „Vitamin B12 and Semen Quality“. Narrative Übersicht aus Jordanien (Web of Science, PubMed, Scopus; nur englischsprachige Arbeiten von September 1961 bis März 2017). Die Mehrzahl der Arbeiten berichte günstige Wirkungen von Vitamin B12 auf die Samenqualität: höhere Spermienzahl, bessere Motilität, geringere DNA-Schäden; einige In-vivo-Studien hätten aber nachteilige Wirkungen erwogen. Als mögliche Mechanismen nennt der Autor geringere Homocystein-Toxizität, weniger Stickstoffmonoxid, weniger oxidativen Schaden, weniger entzündungsbedingte Beeinträchtigung und die Kontrolle der NF-κB-Aktivierung; klinische Forschung sei nötig. Zahlen nennt der Abstract nicht. Einordnung: Die Suche war auf Englisch beschränkt; die Schlussfolgerung „überwiegend positiv“ sagt nichts über die Studienqualität.

Yamada et al. 2008 [s360]. „ビタミンB_と精子形成(「ビタミン・ミネラルと生殖」[I]“ (deutsch: Vitamin B12 und Spermatogenese) [Titel im Indexeintrag möglicherweise gekürzt]. Japanischsprachige Übersicht (Tokyo University of Agriculture and Technology, nach den Recherchebefunden) über B12 und Spermatogenese; sie führt den Hodenschaden bei B12-Mangel im Tiermodell auf die Methioninsynthase zurück, die im Methionin- und Folatstoffwechsel arbeitet. Für diese Arbeit liegt kein PubMed-Eintrag vor.

Coenzym Q10, Carnitine, Zink, Lycopin und Vitamine

Alahmar 2021 [s149]. „Coenzyme Q10, oxidative stress, and male infertility: A review“. Narrative Übersicht (Autor aus dem Irak) zu Coenzym Q10: Die CoQ10-Konzentration im Samenplasma korreliere mit Spermienzahl und Motilität und sei bei Varikozele, Asthenozoospermie und unter verschiedenen Behandlungen verändert; die Übersicht erörtert Wirkmechanismen sowie Effekte auf Samenparameter, Oxidationsmarker, DNA-Fragmentation, Schwangerschaft und ART-Ergebnisse. Der Abstract nennt keine Zahlen. Einordnung: Der Autor hat selbst eine Serie von Interventionsstudien zu CoQ10 veröffentlicht; die Übersicht sollte vor diesem Hintergrund gelesen werden.

Dokmeci 2005 [s379]. „Oxidative stress, male infertility and the role of carnitines“. Übersicht aus der Türkei zu oxidativem Stress und Carnitinen. L-Carnitin wird als natürlich vorkommendes enzymatisches Antioxidans und als Faktor der Energiegewinnung aus langkettigen Fettsäuren beschrieben, der Nebenhodenplasma enthalte die höchsten L-Carnitin-Konzentrationen des Körpers; kontrollierte und unkontrollierte Studien an Mensch und Tier lägen vor; die antioxidative Therapie mit Carnitinen könne eine nichthormonelle Option bei ROS-vermittelter Infertilität sein.

Osadchuk und Kollegen 2021 [s171]. „[An influence of zinc on male infertility]“ (deutsch: Der Einfluss von Zink auf die männliche Infertilität). Russischsprachige Übersicht zu Zink: Die Zinkkonzentration im Samenplasma sei deutlich höher als in anderen Körperflüssigkeiten und hänge, anders als die Serumkonzentration, mit Konzentration, Motilität und Morphologie zusammen; bei Mangelernährung könne Zinkgabe Ejakulatvolumen, Motilität und Morphologie deutlich erhöhen; Zink habe antioxidative, antibakterielle und antiapoptotische Eigenschaften im Hoden und sei ein Spurenelement „mit großem Potenzial“ für Vorbeugung und Behandlung. Zahlen nennt der Abstract nicht; das ist die Wertung der Autoren.

Oborná 2007 [s366]. „[Lycopene therapy in male infertility]“ (deutsch: Lycopin-Therapie bei männlicher Infertilität). Tschechischsprachige Übersicht (Frauenklinik der Universitätsklinik Olomouc) zur Lycopin-Therapie; der Abstract beschreibt Vorkommen, Biochemie und Stoffwechsel von Lycopin und seine Rolle für die männliche Reproduktionsgesundheit, ohne Zahlen. Lycopin gehört nicht zu den Hauptsubstanzen dieser Studie.

Kodentsova et al. 1994 [s416]. „Male fertility: a possible role of vitamins“. Frühe russischsprachige Übersicht zur Rolle von Vitaminen: antioxidative Vitamine gegen Peroxidationsschäden der Spermien, Vitamine K und D bei der Aktivität der MM-Isoform der Kreatinkinase als Reifemarker und B-Vitamine im Energiestoffwechsel beweglicher Spermien. Sie belegt, dass die Antioxidantien-Hypothese seit Jahrzehnten diskutiert wird; Wirksamkeitsdaten enthält sie nicht.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehinweise und Abgrenzung bis Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein
  5. Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen und Narrative Übersichtsartikel nach Substanz
  6. Übersichten zu Antioxidantien insgesamt und Gesamtbild der Metaanalysen und Übersichten
  7. Lesehinweise bis Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen
  8. Totale antioxidative Kapazität und Marker des oxidativen Stresses bis Vitamin D und Carnitine
  9. Genetische Beobachtungsstudien und Mendelsche Randomisierung bis Gesamtbild der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Konsensdokumente bis Melatonin
  11. Glutathion bis Selen, Omega-3, Lycopin, Vitamin D, weitere
  12. Tierversuche und Laborarbeiten im Überblick und Zusammenschau und Grenzen der Studienlage
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  25. Diagramme
  26. Quellen s01–s140
  27. Quellen s141–s281
  28. Quellen s282–s428
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle