Totale antioxidative Kapazität und Marker des oxidativen Stresses
Koca et al. 2003 [s388]. „Antioxidant activity of seminal plasma in fertile and infertile men“. Prospektive Fall-Kontroll-Studie aus Ankara (Türkei): 30 Patienten mit idiopathischer Infertilität, 20 fertilitätsgesicherte gesunde Männer. Die mittlere TAC des Samenplasmas betrug bei Fertilen 2,02 ± 0,16 mmol/l, bei Infertilen 1,78 ± 0,23 mmol/l (P < 0,01); in den Gruppen mit Asthenozoospermie und Asthenoteratozoospermie lag sie bei 1,73 ± 0,11 und 1,64 ± 0,13. Fruktose war bei Fertilen niedriger, Zink bei allen Infertilen niedriger; TAC korrelierte positiv mit der Motilität (P = 0,001). Die Autoren schließen, verminderte antioxidative Kapazität gehe mit gestörter Spermienfunktion einher. Schwächen: 50 Männer, Querschnitt, Messmethode der TAC nicht standardisiert.
Shi et al. 2005 [s383] und 2006 [s375]. „[Total antioxidant capacity of seminal plasma in fertile and infertile men]“ (deutsch: Totale antioxidative Kapazität des Seminalplasmas bei fertilen und infertilen Männern). Zwei chinesischsprachige Studien aus dem Nanjing General Hospital. In der ersten wurden 225 infertile Männer (10 mit obstruktiver, 42 mit nichtobstruktiver Azoospermie, 20 Oligozoospermie, 78 Asthenozoospermie, 57 Oligoasthenozoospermie, 18 Normozoospermie) und 28 fertile Kontrollen verglichen: Die TAC im Samenplasma betrug 1,71 ± 1,33 U (obstruktive Azoospermie), 12,73 ± 9,44 (nichtobstruktive Azoospermie), 10,85 ± 6,64 (Oligozoospermie), 13,88 ± 8,24 (Asthenozoospermie), 11,20 ± 7,02 (Oligoasthenozoospermie), 18,07 ± 8,73 (Normozoospermie) und 19,82 ± 6,33 U (Fertile); alle Gruppen außer der Normozoospermie lagen signifikant niedriger als die Fertilen (P < 0,01); die Korrelation mit Dichte (r = 0,182) und Spermien Grad a (r = 0,150) war schwach. „[Correlation of total antioxidant capacity in seminal plasma with sperm motility of infertile men]“ (deutsch: Zusammenhang der totalen antioxidativen Kapazität im Seminalplasma mit der Spermienmotilität infertiler Männer). Die zweite Studie fand bei 113 infertilen Männern mit normaler Spermiendichte eine niedrigere TAC als bei 28 Fertilen (14,37 ± 8,45 gegenüber 19,82 ± 6,33 U; P < 0,01) mit schwachen Korrelationen zu Motilitätsgrad a (r = 0,208), a + b (r = 0,231), STR (0,200), LIN (0,208), VCL (0,189), VSL (0,210), VAP (0,215) und BCF (r = −0,248). Die Autoren sehen eine verminderte TAC als eine mögliche Ursache männlicher Infertilität. Einordnung: Die Fertilen (n = 28) sind dieselbe Kontrollgruppe, die TAC von obstruktiver Azoospermie ist ein Sonderfall mit anderer Ursache; mit Korrelationen von 0,15 bis 0,25 erklärt die TAC nur einen kleinen Teil der Streuung.
Cai et al. 2016 [s272]. „[Association of sperm DNA integrity with seminal plasma oxidative stress and its influence on in vitro fertilization in infertile males]“ (deutsch: Zusammenhang der Spermien-DNA-Integrität mit oxidativem Stress im Seminalplasma und Einfluss auf die IVF). Chinesischsprachige Studie aus Jiaxing an 433 infertilen Männern im IVF-Programm; Spermien-DNA-Fragmentierung (SCD-Test), Einteilung in niedrigen (< 30 %) und hohen DFI (≥ 30 %). Bei hohem DFI waren die progressive Motilität (29,2 ± 16,8 gegenüber 48,6 ± 16,7 %) und die schnell progressive Motilität (9,4 ± 6,6 gegenüber 19,0 ± 9,1 %) niedriger, MDA höher (2,28 ± 0,26 gegenüber 0,95 ± 0,18 nmol/l), TAC niedriger (10,2 ± 3,5 gegenüber 33,2 ± 7,9 U/l) und die Befruchtungsrate niedriger (58,9 ± 30,0 gegenüber 77,2 ± 25,0 %; jeweils P < 0,01); Konzentration (51,4 ± 30,9 gegenüber 52,3 ± 32,4 × 10⁶/ml), Teilungsrate (70,7 ± 35,6 gegenüber 80,4 ± 15,6 %) und Rate hochwertiger Embryonen (40,4 ± 31,3 gegenüber 41,7 ± 29,4 %) unterschieden sich nicht. Die Autoren schließen, Spermien-DNA-Schäden seien mit oxidativem Stress im Samenplasma verbunden und könnten über eine geringere Befruchtungsrate die IVF-Ergebnisse beeinflussen. Stärke: klinisch relevante Zielgröße (Befruchtung). Schwächen: Gruppierung nach dem Messwert selbst, Streuung groß, keine Adjustierung im Abstract; weder Teilungs- noch Embryoqualitätsrate unterschieden sich.
Aktan et al. 2013 [s310]. „Mystery of idiopathic male infertility: is oxidative stress an actual risk?“. Prospektive Studie aus der Türkei (Istanbul) mit Samen von 28 Männern mit idiopathischer Infertilität und 14 fertilen Männern; DNA-Fragmentierung (TUNEL), ROS-Bildung, Proteincarbonyle, Nitrotyrosin, MDA, Gesamtthiol und FRAP. Spermien Infertiler hatten mehr TUNEL-positive Zellen und mehr ROS; MDA, Proteincarbonyle und Nitrotyrosin im Samenplasma waren erhöht; Gesamtthiol und FRAP unterschieden sich nicht; DNA-Fragmentierung korrelierte mit MDA, Nitrotyrosin und Proteincarbonylen. Die Autoren sehen oxidativen Stress bei türkischen Männern mit idiopathischer Infertilität bestätigt. Einordnung: Die antioxidativen Messgrößen (Thiol, FRAP) waren nicht verändert, nur die Schadensprodukte; 14 Kontrollen.
Abd-Elmoaty et al. 2010 [s332]. „Increased levels of oxidants and reduced antioxidants in semen of infertile men with varicocele“. Der Abstract (Land und Fallzahlen nicht genannt) berichtet höhere Oxidanzien (Malondialdehyd, Stickstoffmonoxid) und niedrigere Antioxidanzien (Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase, Katalase, Ascorbinsäure) im Samen infertiler Männer mit Varikozele; der oxidative Stress im Samen hänge mit Motilität und Varikozelengrad zusammen. Einordnung: Ohne Zahlen im Abstract; eine Querschnittsbeobachtung bei einer Erkrankung, die selbst Schäden am Hoden verursachen kann.
Shcherbitskaia et al. 2022 [s137]. „Oxidative Stress Markers and Sperm DNA Fragmentation in Men Recovered from COVID-19“. Studie aus St. Petersburg mit 17 Männern fünf Monate nach COVID-19 und 22 altersgleichen Kontrollen: Die DNA-Fragmentierung korrelierte negativ mit der Zeit seit der Erkrankung, mit der Superoxiddismutase-Aktivität und mit der Harnsäure; eine erhöhte Fragmentierung sei nach COVID-19 nicht immer vorhanden. Bei auffälligem TUNEL-Test fanden sich mehr Rundzellen, weniger Nitrotyrosin, niedrigere antioxidative Gesamtkapazität und niedrigeres Zink sowie mehr 8-Hydroxy-2'-desoxyguanosin in den Spermien. Die Autoren sehen ein Ungleichgewicht zwischen Pro- und Antioxidanzien als möglichen Grund. Einordnung: Sehr kleine Stichprobe; der Zusammenhang gilt für eine einzelne Virusinfektion.
Al Bijou et al. 2025 [s17]. „Cryopreservation increases sperm DNA fragmentation in normozoospermic Libyan men: the role of oxidative stress and the protective effect of melatonin“. Prospektive Kohortenstudie aus Bengasi (Libyen) an 104 normozoospermen Libyern (Kinderwunschzentrum, Beirut Hospital): Samen vor und nach einem Einfrier-Auftau-Zyklus. Der DNA-Fragmentationsindex stieg von 46,3 ± 18,3 % auf 60,0 ± 23,0 % (P < 0,001) und ROS von 3,2 × 10³ auf 14,7 × 10³ RLU/s (P < 0,001); Raucher hatten vor und nach dem Einfrieren einen höheren DFI (P < 0,001); ROS und DFI nach dem Auftauen korrelierten (r = 0,68; P < 0,001). In einer Teilmenge senkte der Zusatz von 2 mM Melatonin vor dem Einfrieren die ROS um 12 % (P = 0,045) und den DFI um 11 % (P = 0,004); die Autoren sprechen von begrenztem Schutz. Einordnung: Der Melatoninzusatz im Labor betrifft die Probenaufbereitung, nicht die Einnahme; normozoosperme Männer; Zusammensetzung der Teilmenge im Abstract nicht beschrieben.
Dogan et al. 2024 [s49]. „Assessing the efficacy of a novel sperm-washing medium enriched with serotonin, L-carnitine, and coenzyme Q10: an observational cohort study“. Beobachtende Kohortenstudie aus Istanbul mit 98 Freiwilligen: Ein neues Spermien-Waschmedium mit Serotonin, L-Carnitin und Coenzym Q10 wurde mit zwei handelsüblichen Medien verglichen. Gesamt- und progressive Beweglichkeit und DNA-Fragmentierung unterschieden sich nicht; im neuen Medium waren Apoptose, Nekrose und ROS geringer und die Vitalität höher. Es handelt sich um eine Laborarbeit zur Probenpräparation, nicht um eine Studie zur Einnahme.
Suleiman et al. 1996 [s413]. „Lipid peroxidation and human sperm motility: protective role of vitamin E“. Beobachtungs- und Interventionsstudie aus Abha (Saudi-Arabien) bei Männern des Asir Infertility Center: Das Malondialdehyd der Spermien war bei Männern mit verminderter Motilität höher; MDA im Samenplasma stand in keiner Beziehung zu Konzentration, Motilität oder Zahl unbeweglicher Spermien. Im Spermienpellet von Asthenospermie und Oligoasthenospermie war MDA etwa doppelt so hoch wie bei Normospermie. Behandlung asthenospermer Patienten mit oralem Vitamin E senkte das MDA der Spermien signifikant und verbesserte die Motilität; 11 der 52 behandelten Patienten (21 %) führten eine Schwangerschaft der Partnerin herbei (neun endeten mit normalen Geburten, zwei mit einer Fehlgeburt im ersten Trimester); bei den Partnerinnen von Männern der Placebogruppe wurden keine Schwangerschaften berichtet. Einordnung: Die Größe der Placebogruppe und die Randomisierung stehen nicht im Abstract; die Schwangerschaftszahl ist klein, und eine Studie dieses Alters nennt weder Konfidenzintervalle noch Adjustierung.
Omu et al. 1999 [s410]. „Significance of simultaneous determination of serum and seminal plasma alpha-tocopherol and retinol in infertile men by high-performance liquid chromatography“. Studie aus Kuwait: α-Tocopherol und Retinol wurden in Serum und Samen von 40 subfertilen Männern per HPLC gemessen. Beide Vitamine waren im Serum um das Drei- bis Zehnfache höher als im Samen (P < 0,001). α-Tocopherol lag bei Männern mit normalen Spermienparametern in Serum und Samen höher (20 ± 5 und 5 ± 4 µmol/l) als bei Oligozoospermie (10 ± 4 und 3 ± 2), Azoospermie (8 ± 3 und 3 ± 1) und Asthenozoospermie (9 ± 6 und 3 ± 2; P < 0,002); Retinol im Serum war bei Azoospermie niedriger (1,3 ± 0,3 gegenüber 2,4 ± 2 µmol/l; P < 0,05). Das α-Tocopherol:Retinol-Verhältnis im Samen war bei Normalbefund (11,5) und Asthenozoospermie (10,3) höher als bei Oligozoospermie (8,3) und Azoospermie (6,3). Die Autoren deuten dies als mögliche verminderte antioxidative Aktivität bei Spermienfunktionsstörung. Einordnung: Die Gruppen sind klein (40 Männer insgesamt auf vier Gruppen verteilt), Zahlen mit sehr großer Streuung.
Mostafa et al. 2006 [s374]. „Effect of smoking on seminal plasma ascorbic acid in infertile and fertile males“. Studie aus Kairo mit 170 Männern, vier Gruppen (nichtobstruktive Azoospermie, Oligoasthenozoospermie, Asthenozoospermie, normozoosperme Fertile), jeweils Raucher und Nichtraucher (20 bis 30 je Untergruppe). Ascorbinsäure im Samenplasma war bei Rauchern in allen Gruppen niedriger (6,03 ± 2,18 gegenüber 6,62 ± 1,29; 7,81 ± 1,98 gegenüber 9,44 ± 2,15; 8,09 ± 1,98 gegenüber 9,95 ± 2,03; 11,32 ± 2,15 gegenüber 12,98 ± 12,19 mg/dl); Fertile hatten höhere Werte als alle Infertilen; Ascorbinsäure korrelierte bei Rauchern und Nichtrauchern mit Konzentration (r = 0,59; 0,60) und Motilität (r = 0,65; 0,55) und negativ mit Fehlformen (r = −0,53; −0,50), jeweils P < 0,001. Die Autoren schließen, Rauchen gehe mit geringeren Samenparametern einher. Einordnung: Kleine Untergruppen, die Standardabweichung von 12,19 bei Fertilen Nichtrauchern ist im Abstract auffällig (möglicher Druckfehler); Rauchen ist ein Störfaktor, der Ascorbinsäure und Spermienqualität gemeinsam verändern kann.
Tang et al. 2016 [s282]. „Association of decreased spermatozoa omega-3 fatty acid levels and increased oxidative DNA damage with varicocele in infertile men: a case control study“. Fall-Kontroll-Studie aus Guangzhou (China) mit 92 infertilen Männern mit Varikozele, 99 infertilen ohne Varikozele und 95 fertilen Kontrollen: Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in Spermien (Gaschromatographie), 8-OHdG im Samenplasma (ELISA). Männer mit Varikozele hatten niedrigere Omega-3-Konzentrationen in den Spermien, ein höheres Omega-6:Omega-3-Verhältnis und mehr oxidativen DNA-Schaden als beide Vergleichsgruppen; Grad der Varikozele und DNA-Schaden hingen mit niedrigem Omega-3 und schlechterer Samenqualität zusammen. Die Autoren sehen einen möglichen Omega-3-Mangel bei varikozeleassoziierter Infertilität und fordern Interventionsstudien. Schwächen: Zahlen im Abstract nicht genannt; Omega-3 ist keine der Hauptsubstanzen dieser Studie.
Melatonin
Zu Melatonin liegen beim Menschen vier Messstudien vor, die Melatonin im Blut oder Samenplasma bestimmen und zur Samenqualität in Beziehung setzen. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich.
Awad et al. 2006 [s371]. „Melatonin hormone profile in infertile males“. Studie aus Kairo mit 120 Männern in sechs gleich großen Gruppen: fertile Normozoospermie, Oligoasthenozoospermie (OA), OA mit Leukozytospermie, OA mit Varikozele, nichtobstruktive Azoospermie (NOA) mit hohem FSH, NOA mit normalem FSH; Melatonin, FSH, Testosteron und Prolaktin. Serum-Melatonin war höher als die entsprechenden Samenwerte (positive Korrelation r = 0,532; P = 0,01). In allen Infertilitätsgruppen lagen Serum- und Samenplasma-Melatonin signifikant niedriger als bei Fertilen, am niedrigsten bei OA mit Leukozytospermie. In Serum und Samen bestand eine signifikante Korrelation mit der Motilität (der Abstract druckt „r = 607“, gemeint offenbar 0,607 und 0,623; P = 0,01); Serum-Melatonin korrelierte positiv mit Prolaktin (r = 0,611). Die Autoren sehen Melatonin als mögliche Beteiligte der neuroendokrinen Achse bei männlicher Infertilität. Schwächen: je 20 Männer pro Gruppe, die Erkrankungsgruppen sind heterogen; Messmethode und Tageszeit der Probe stehen nicht im Abstract; ein Zusammenhang sagt nichts über Ursache.
Hassan et al. 2020 [s187]. „Men with idiopathic oligoasthenoteratozoospermia exhibit lower serum and seminal plasma melatonin levels: Comparative effect of night-light exposure with fertile males“. Studie aus Qena (Ägypten) mit 50 Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT) und 50 gesunden fertilen Kontrollen; Melatonin, TSH, FT3, FT4, freies Testosteron, Prolaktin, FSH und LH per ELISA; zusätzlich Auswertung der Lichtexposition in der Nacht. Serum- und Samenplasma-Melatonin lagen bei iOAT niedriger als bei Kontrollen (P = 0,0004 und P = 0,01); iOAT-Patienten mit nächtlicher Lichtexposition hatten noch niedrigere Werte als solche ohne (P < 0,0001 und P = 0,02), ebenso exponierte Kontrollen gegenüber nicht exponierten; Serum-Melatonin korrelierte mit der Motilität (r = 0,614; P < 0,0001); Serum- und Samenwerte korrelierten bei nicht exponierten Patienten (r = 0,753; P < 0,001). Die Autoren schließen, Dunkelheit und Schlaf in der Nacht könnten die Samenparameter verbessern. Einordnung: Diese Schlussfolgerung geht über die Messungen hinaus, denn Samenparameter nach Verhaltensänderung wurden nicht geprüft; die Lichtexposition ist selbstberichtet.
Shang et al. 2004 [s385]. „[Detection of melatonin in the serum and seminal plasma of fertile and infertile men]“ (deutsch: Bestimmung von Melatonin in Serum und Seminalplasma fertiler und infertiler Männer). Chinesischsprachige Studie aus dem Tongji Hospital (Wuhan): Melatonin in Serum und Samenplasma per ELISA bei 18 fertilen Männern (26 bis 36 Jahre) und 99 infertilen Männern (23 bis 36 Jahre; 13 Normozoospermie, 27 Oligozoospermie, 31 Asthenozoospermie, 17 Oligoasthenozoospermie, 11 Oligoasthenoteratozoospermie). Das Serum-Melatonin unterschied sich nicht zwischen Fertilen und Infertilen; das Samenplasma-Melatonin lag unter dem Serumwert und unterschied sich zwischen Fertilen und Infertilen nicht signifikant; bei Oligoasthenozoospermie und Oligoasthenoteratozoospermie waren die Werte relativ niedriger, aber ohne Signifikanz (P > 0,05). Die Autoren sehen einen möglichen Einfluss auf die Spermienfunktion. Einordnung: Das ist das Gegenstück zu [s371] und [s187]: Dort sind die Werte bei Infertilen signifikant niedriger, hier nicht. Gründe für den Unterschied (Gruppengrößen, Einschlusskriterien, Messverfahren) nennen die Abstracts nicht. Zahlenwerte fehlen im Abstract.
Sharbatoghli et al. 2015 [s294]. „The Relationship between Seminal Melatonin with Sperm Parameters, DNA Fragmentation and Nuclear Maturity in Intra-Cytoplasmic Sperm Injection Candidates“. Prospektive klinische Studie an 75 infertilen Männern vor ICSI: Melatonin und totale antioxidative Kapazität im Samenplasma (ELISA beziehungsweise Farbtest), DNA-Fragmentierung (Chromatin-Dispersionstest), Chromatinreife (saures Anilinblau). Melatonin und TAC korrelierten nicht mit Spermienparametern und Kernreife; es fand sich jedoch eine positive Korrelation zwischen DNA-Fragmentierung und Melatoninspiegel (r = 0,273; P < 0,05). Die Autoren sehen Melatonin im Samenplasma mit geschädigter Spermien-DNA positiv verbunden und halten den Mechanismus für klärungsbedürftig. Einordnung: Ein unerwarteter, schwacher Zusammenhang (r = 0,273), der bei vielen geprüften Parametern auch ein Zufallsbefund sein kann; keine Kontrollgruppe fertiler Männer.
Einordnung Melatonin. Zwei Messstudien aus Ägypten fanden niedrigere Melatoninspiegel bei Infertilen [s371, s187], eine aus China keinen signifikanten Unterschied [s385], eine ohne Länderangabe im Abstract keinen Zusammenhang mit Spermienparametern, dafür eine positive Beziehung zur DNA-Fragmentierung [s294]. Für Melatonin als Einnahme liegen im Beobachtungsteil keine Daten vor.
Zink, Rauchen und Spurenelemente
Zink ist keine der sieben Hauptsubstanzen, bildet aber den größten Block der Beobachtungsliteratur zu Spurenelementen und wird hier mit aufgeführt, weil es in vielen Magnesium- und Selenstudien gleichzeitig gemessen wird.
Osadchuk et al. 2021 [s170]. „Impact of seminal and serum zinc on semen quality and hormonal status: A population-based cohort study of Russian young men“. Bevölkerungsbasierte Studie an 626 jungen Männern (Median 22,5 Jahre) aus der allgemeinen russischen Bevölkerung, unabhängig vom Fertilitätsstatus (Nowosibirsk). Zink im Samenplasma (Median 1.571,8 µmol/l) lag weit über dem im Serum (23,6 µmol/l). Das Samenzink korrelierte positiv mit der Gesamtzahl (Spearman 0,221), der Konzentration (0,286), der progressiven Motilität (0,269) und dem Anteil normal geformter Spermien (0,183), jeweils P < 0,001; Männer mit normaler Samenqualität hatten mehr Zink je Ejakulat als solche mit eingeschränkter (6,37 gegenüber 5,03 µmol/Ejakulat; P < 0,001). Die Autoren sehen Zinkmangel als möglichen Risikofaktor und die Bestimmung von Samenzink als nützliches Zusatzinstrument. Stärken: große, nicht ausgelesene Population, WHO-Methodik. Schwächen: Querschnitt, photometrische Messung ohne Entfernung der Proteine, Korrelationen von 0,18 bis 0,29 sind schwach.
Osadchuk et al. 2023 [s95]. „Effects of cigarette smoking on semen quality, reproductive hormone levels, metabolic profile, zinc and sperm DNA fragmentation in men: results from a population-based study“. Bevölkerungsbasierte Studie an 1.222 Männern (Median 23 Jahre), davon 450 Raucher (nach Rauchmenge in mäßige, bis 10 Zigaretten täglich, und starke Raucher eingeteilt) und 772 Nichtraucher; Samenparameter, Reproduktionshormone, Blutfette, Glukose, Harnsäure, Samenzink, DNA-Fragmentierung. In der Gesamtgruppe hatten starke Raucher geringeres Volumen, geringere Spermienzahl, Konzentration und Motilität sowie mehr DNA-Fragmentierung und Teratozoospermie als Nichtraucher; auch Serum- und Samenzink waren niedriger (jeweils P < 0,05). Die Effekte fanden sich nur bei Slawen (n = 654), nicht bei Burjaten (n = 191); bei Jakuten (n = 125) fand sich ein mäßiger Testosteronabfall. Hormone (LH, FSH, Inhibin B, Testosteron, Östradiol im Serum) unterschieden sich zwischen Rauchern und Nichtrauchern nicht signifikant. Die Autoren vermuten eine unterschiedliche Aktivität des seminalen Antioxidanssystems, das aber nicht geprüft wurde. Stärke: große multiethnische Stichprobe. Schwächen: Querschnitt, Selbstangabe des Rauchens, ethnische Gruppen unterschiedlich groß; die Aussage zum Antioxidanssystem ist eine Vermutung.
Hibi et al. 2022 [s119]. „Evaluation of the serum zinc concentration in male infertility patients: an analysis of 2010 cases“. Retrospektiver Querschnitt an einer Kinderwunschambulanz in Nagoya (Japan) mit 2.010 Männern (November 2018 bis Mai 2021): Serumzink wurde mit Alter, Konzentration, Motilität, Hormonen und BMI verglichen. Normales Zink bestand bei 1.069 Männern (53,2 %), subklinischer Mangel bei 845 (42,0 %), Mangel bei 79 (3,9 %), hohes Zink bei 17 (0,9 %). Serumzink hing nicht mit Alter, Konzentration, Motilität, LH, FSH, Testosteron oder BMI zusammen, war aber bei Normozoospermie höher als bei Azoospermie (obstruktiv und nichtobstruktiv) und Kryptozoospermie und bei nichtobstruktiver Azoospermie niedriger als bei Oligo- oder Asthenozoospermie. Die Autoren halten fest, ein Zusammenhang zwischen Zinkkonzentration und Samenanalyse bleibe unklar. Stärke: größte Untersuchung dieser Art in Japan. Schwächen: retrospektiv, Querschnitt, nur Serumzink.
Tsujimura et al. 2021 [s174]. „Relationship between serum zinc concentration and semen quality in newly-wed men“. Querschnittsstudie an der Juntendo University Urayasu Hospital (Japan) mit 217 Männern kurz vor oder nach der Heirat. 45 (20,7 %) unterschritten Grenzwerte der WHO für Volumen (≥ 1,5 ml), Konzentration (≥ 15 Mio./ml) oder Motilität (≥ 40 %); sie waren älter, hatten schlechtere Sexualfunktion, höheres FSH und niedrigeres Serumzink. Es bestand keine signifikante Korrelation zwischen Serumzink und Samenqualität; in der logistischen Regression waren aber FSH und Serumzink unabhängige Prädiktoren der Gruppe unterhalb der Grenzwerte. Die Autoren halten eine Samenanalyse bei Männern mit niedrigem Serumzink und hohem FSH für erwägenswert. Einordnung: Zwei Ergebnisse stehen nebeneinander, die sich scheinbar widersprechen (keine Korrelation, aber ein Prädiktor); Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract.
Yuyan et al. 2008 [s359]. „Are serum zinc and copper levels related to semen quality?“. Multizentrische Querschnittsstudie aus China (nach den Recherchebefunden Shanghai) an Männern von 20 bis 59 Jahren ohne urogenitale Vorerkrankungen, Tuberkulose oder berufliche Schwermetallbelastung: Samenqualität, Serumzink und Serumkupfer. Die progressive Motilität unterschied sich zwischen fünf Kupfergruppen, eine multiple logistische Analyse zeigte aber keinen signifikanten Effekt von höherem oder niedrigerem Kupfer auf die Samenqualität; bei niedrigem Serumzink war das Risiko einer Asthenozoospermie höher; das Kupfer/Zink-Verhältnis war in der Gruppe mit abnormer progressiver Motilität höher. Zahlen nennt der Abstract nicht. Einordnung: Der Befund „niedriges Zink, höheres Asthenozoospermie-Risiko“ steht neben der japanischen Studie ohne Korrelation von Serumzink und Samenparametern [s119]; die Zahl der Teilnehmer fehlt im Abstract.
Liu et al. 2010 [s340]. „Seminal plasma zinc level may be associated with the effect of cigarette smoking on sperm parameters“. Studie aus Jilin (China): Samen von 79 Nichtrauchern und 68 Rauchern. Das Zink im Samenplasma war bei Rauchern signifikant niedriger und korrelierte mit der Rauchmenge; Konzentration, Motilität und Morphologie der Spermien waren bei Rauchern signifikant niedriger und bei Rauchern mit abnormem Zink zusätzlich vermindert; bei Nichtrauchern mit abnormem Zink unterschied sich nichts gegenüber Nichtrauchern mit normalem Zink. Die Autoren sehen Samenzink als möglichen Beitrag zum Effekt des Rauchens auf die Spermienparameter. Einordnung: Eine Mediationsaussage ohne Mediationsanalyse; Zahlen und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.
Kumosani et al. 2008 [s357]. „The influence of smoking on semen quality, seminal microelements and Ca2+-ATPase activity among infertile and fertile men“. Studie aus Dschidda (Saudi-Arabien): 159 Männer aus einer Kinderwunschklinik (61 Raucher, 98 Nichtraucher), in fertile und infertile Untergruppen geteilt; Samenanalyse nach WHO, Magnesium, Zink, Cadmium und Ca²⁺-ATPase-Aktivität der Spermienmembran. Cadmium war bei Rauchern in beiden Gruppen höher (2,9 ± 0,4 gegenüber 1,4 ± 0,7 und 2,9 ± 0,5 gegenüber 1,3 ± 0,7 µg/l), die Ca²⁺-ATPase-Aktivität niedriger (21,5 ± 2,8 gegenüber 33,71 ± 1,2 und 20,7 ± 1,5 gegenüber 35,07 ± 2,9 mmol/min/mg Protein; P < 0,05), Samenzink niedriger (109,8 ± 8,1 gegenüber 189,7 ± 9,9 mg/l; P < 0,01) und Motilität niedriger (41,9 ± 2,9 gegenüber 46,01 ± 2,5 % und 9,8 ± 2,4 gegenüber 15,3 ± 2,7 %; P < 0,05). Die Autoren führen die Effekte auf mehr Cadmium und weniger Zink zurück. Einordnung: Magnesium wurde gemessen, der Abstract nennt dazu kein Ergebnis; Rauchen verändert mehrere Größen gleichzeitig, Kausalität ist nicht belegt.
Omu et al. 1995 [s415]. „Significance of trace elements in seminal plasma of infertile men“. Studie aus Kuwait mit 50 Männern aus einer Kinderwunschambulanz: Zink, Magnesium, Cadmium und weitere Spurenelemente in Samen und Blut per Atomabsorption, Samenanalyse und hypoosmotischer Schwelltest. In normozoospermem, oligospermem und azoospermem Samen unterschieden sich die Spurenelemente nicht signifikant; Cadmium war bei rauchenden Männern mit Asthenozoospermie deutlich erhöht (P < 0,001). Die Autoren sehen in Cadmium bei Rauchern einen möglichen toxischen Beitrag zur Asthenozoospermie. Einordnung: Ein früher Befund ohne Hinweis auf eine Rolle von Magnesium oder Zink für die Spermienzahl.
Huang et al. 2021 [s161]. „Association of Zinc deficiency, oxidative stress and increased double-stranded DNA breaks in globozoospermic infertile patients and its implication for the assisted reproductive technique“. Studie aus einem gemeinsamen Labor der Sichuan University und der Chinese University of Hong Kong bei Männern mit Globozoospermie und fertilen Freiwilligen (Fallzahl im Abstract nicht genannt): Kupfer, Eisen, Mangan, Zink und Superoxiddismutase-Aktivität im Samenplasma, DNA-Schäden (Chromatin-Dispersionstest, Comet-Test) und Chromatinreife. Seminales Zink und SOD-Aktivität waren niedriger, der Doppelstrangbruch-DNA-Fragmentationsindex höher als bei Fertilen. Die Autoren vermuten, ein Mangel an Zink und SOD begünstige oxidativen Stress und DNA-Schäden und trage zum Versagen der ICSI bei Globozoospermie bei. Einordnung: Eine seltene Fehlbildung; Fallzahl und Zahlenwerte fehlen im Abstract, die Deutung ist eine Hypothese.
Gizinger und Frantseva 2016 [s275]. „[The diagnostic significance of content of zinc in seminal fluid of patients with chlamydia affection of urogenital system and decreasing of agility of spermatozoa.]“ (deutsch: Die diagnostische Bedeutung des Zinkgehalts in der Samenflüssigkeit bei Patienten mit Chlamydieninfektion des Urogenitalsystems und verminderter Spermienbeweglichkeit). Russischsprachige Studie aus Tscheljabinsk: Zinkionen im Samen von Männern mit urogenitaler Chlamydieninfektion (mittleres Alter 35 ± 9,5 Jahre) und Gesunden; die durchschnittliche Zinkkonzentration bei Chlamydieninfektion betrug 1,9 mmol/l; es bestand eine Korrelation zwischen Zink, veränderter Beweglichkeit und weiteren Parametern. Fallzahl und weitere Zahlen fehlen im Abstract; die Aussage zu Zink als diagnostischem Marker ist durch den Infektionsstatus konfundiert.
Kolesnikova et al. 2016 [s277]. „[Sperm quality and features of the antioxidant defense system in men living in various regions of Siberia]“ (deutsch: Spermienqualität und Besonderheiten des antioxidativen Abwehrsystems bei Männern aus verschiedenen Regionen Sibiriens). Russischsprachige Querschnittsstudie (Irkutsk, Ulan-Ude, Nowosibirsk): Gesunde Männer aus Irkutsk hatten eine um 34,4 % und 23,6 % höhere Spermienzahl als Männer aus Nowosibirsk und Ulan-Ude und eine um 44 % und 38 % höhere α-Tocopherol-Konzentration als Männer aus Ulan-Ude und Nowosibirsk; Männer aus Ulan-Ude hatten 16 % und 11 % mehr aktive Spermien und eine um 34 % und 13 % höhere antioxidative Gesamtaktivität des Ejakulats. Die Autoren führen die Unterschiede auf Wohnort und ökologisch-geographische Lage zurück. Einordnung: Ein Kausalbeleg ist das nicht; Fallzahlen und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.
Ernährung, diätetische antioxidative Kapazität und Varikozele
Huang et al. 2023, Fall-Kontroll-Studie [s81]. „Dietary total antioxidant capacity and the risk of developing asthenozoospermia: a hospital-based case-control study in China“. Krankenhausbasierte Fall-Kontroll-Studie am Shengjing Hospital der China Medical University (Shenyang) von Juni bis Dezember 2020: 553 Männer mit Asthenozoospermie (WHO-Kriterien, 5. Auflage) und 586 Männer mit normalen Spermienparametern; Ernährung über einen validierten Häufigkeitsfragebogen. Die diätetische antioxidative Gesamtkapazität (DTAC) wurde über sieben Indizes berechnet. Nach multivariabler Adjustierung bestand kein signifikanter Zusammenhang mit dem Risiko einer Asthenozoospermie (oberstes gegenüber unterstem Terzil: FRAP OR 0,99 [95-%-KI 0,73 bis 1,33]; T-ORAC 1,05 [0,77 bis 1,42]; H-ORAC 0,88 [0,65 bis 1,18]; L-ORAC 0,98 [0,71 bis 1,34]; Gesamtphenole 1,03 [0,76 bis 1,39]; TRAP 1,18 [0,87 bis 1,59]; TEAC 1,15 [0,85 bis 1,55]). Für Rauchen und T-ORAC ergab sich eine Wechselwirkung (relativer Exzess durch Interaktion 0,45; 0,07 bis 0,83; attributabler Anteil 0,46; 0,07 bis 0,84; multiplikativ P = 0,033). Stärken: große Fallzahl, validierter Fragebogen, Konfidenzintervalle. Schwächen: retrospektiv, Erinnerungs- und protopathische Verzerrung (die Ernährung kann sich schon vor der Diagnose verändert haben), Schätzungenauigkeit der antioxidativen Kapazität aus Fragebogen; die Wechselwirkung ist nach vielen Tests ein explorativer Befund. Die Autoren heben hervor, dass es die erste Studie zu dieser Frage ist.
Huang et al. 2023, Querschnittsstudie [s82]. „Association between dietary total antioxidant capacity and semen quality among men attending an infertility clinic: a cross-sectional study“. Querschnittsstudie derselben Gruppe an 1.715 Männern einer Kinderwunschklinik in China (Juni bis Dezember 2020); DTAC-Indizes (FRAP, ORAC, TRAP, TEAC), Quantilregression. Nach Adjustierung für viele Störgrößen bestand nur ein inverser Zusammenhang zwischen DTAC und Ejakulatvolumen (kontinuierlicher FRAP: β = −0,015; 95-%-KI −0,023 bis −0,006; oberstes gegenüber unterstem Terzil β = −0,193; −0,379 bis −0,006; P für Trend 0,007; TRAP: β kontinuierlich −0,019 [−0,041 bis 0,002], Terzil β = −0,291 [−0,469 bis −0,112]; P für Trend 0,002); die meisten DTAC-Indizes hingen mit keinem Samenparameter zusammen. Stärken: große Stichprobe, Konfidenzintervalle. Schwächen: Querschnitt, keine Kausalität, mögliche Ungenauigkeit der Schätzung der nicht enzymatischen antioxidativen Kapazität; die Autoren nennen die Ergebnisse überwiegend nicht signifikant. Beide Arbeiten sprechen nicht dafür, dass eine ernährungsbedingt höhere antioxidative Kapazität mit besserer Samenqualität zusammenhängt.
Fang et al. 2026 [s05]. „Dietary antioxidants and micronutrient status in varicocele-associated male infertility: oxidative stress-mediated effects on semen quality“. Retrospektive Kohortenstudie an 900 Männern mit Varikozele (300 Grad I, 400 Grad II, 200 Grad III; Nanjing) mit Erhebung von Demografie, Körpermaßen, Gewohnheiten, Ernährung, Mikronährstoffspiegeln, Oxidationsmarkern, Enzymaktivitäten, Hormonen, Samenparametern und Fortpflanzungserfolg; multiple lineare und logistische Regression mit standardisierten β-Koeffizienten. Schweregrad der Varikozele, Alter, BMI, Rauchen, ROS und MDA waren (P < 0,05) mit schlechterer Konzentration und Motilität und mit DNA-Fragmentierung verbunden. Die Nahrungsantioxidantien Vitamin C, Vitamin E, Zink und Selen hatten positive Effekte auf Konzentration (β = 0,09 bis 0,18) und Motilität (β = 0,10 bis 0,16) und negative auf die DNA-Fragmentierung (β = −0,07 bis −0,15); die Modelle erklärten 40 bis 42 % der Varianz. Höhere Antioxidantienzufuhr erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Konzeption (OR 1,05 bis 1,13; P < 0,01), Alter, BMI, Varikozelengrad, Rauchen, ROS und MDA verringerten sie (OR 0,64 bis 0,97; P < 0,05); 30 % konzipierten spontan, 25 % benötigten assistierte Reproduktion, die Lebendgeburtenrate betrug 28 %. Die Gruppe mit Grad I und höherer Antioxidantienzufuhr schnitt besser ab. Stärken: große Stichprobe, multiple Adjustierung. Schwächen: retrospektiv, Konfundierung durch Lebensstil (wer sich gesund ernährt, lebt auch sonst anders), Odds Ratios nahe 1, keine Konfidenzintervalle im Abstract; ein Vergleich mit Männern ohne Varikozele wird im Abstract nicht beschrieben, obwohl die Schlussfolgerung einen solchen Vergleich nahelegt; die Erfassung der Nahrungsaufnahme ist nicht beschrieben. Die Autoren sehen Ernährung und Lebensstil als möglichen Beitrag.
Adoamnei et al. 2019 [s212]. „[Dietary intake of trace elements and semen quality and reproductive hormone levels in young men: relationship with fertility]“ (deutsch: Nahrungsaufnahme von Spurenelementen sowie Spermienqualität und Reproduktionshormone bei jungen Männern: Zusammenhang mit der Fertilität). Spanischsprachige Querschnittsstudie (Region Murcia, 2010 bis 2011) an 209 gesunden Universitätsstudenten: Zufuhr von Eisen, Jod und Zink über einen validierten Häufigkeitsfragebogen, Samenanalyse nach WHO, Serum-FSH, -LH und -Testosteron; Kruskal-Wallis, Chi-Quadrat und multiple lineare Regression. Die Eisenzufuhr war invers mit der Spermienkonzentration (P für Trend 0,01) und der progressiven Motilität (P für Trend 0,004) verbunden; sonst fanden sich keine Zusammenhänge mit Samenparametern oder Hormonen. Die Autoren halten fest, hohe Eisenzufuhr könne mit geringerer Konzentration und Motilität verbunden sein, und empfehlen Untersuchungen an Männern aus Kinderwunschambulanzen. Einordnung: Junge gesunde Männer; keine Konfidenzintervalle im Abstract; die Zinkzufuhr zeigte keinen Zusammenhang.
Ren et al. 2023 [s98]. „Mixed exposure effect of seminal metals on semen quality, mediation of total antioxidant capacity, and moderation of GSTM1/GSTT1 gene deletion in Chinese reproductive-aged men“. Querschnittsstudie an 825 chinesischen Männern (Chongqing): 12 Metalle im Samenplasma (Mangan, Kupfer, Zink, Selen, Nickel, Cadmium, Blei, Kobalt, Silber, Barium, Thallium, Eisen), TAC und reduziertes Glutathion, Samenparameter und GSTM1/GSTT1-Nullgenotypen; Bayessche Kernel-Maschinen-Regression für gemischte Exposition, Mediations- und Moderationsanalyse. Die Metallmischung war negativ mit dem Ejakulatvolumen verbunden (Hauptbeiträge: Cadmium mit bedingter Aufnahmewahrscheinlichkeit 0,60, Mangan 0,10); das Anheben aller Metalle vom Median auf das 75. Perzentil senkte die TAC um 2,17 Einheiten (95-%-KI −2,60 bis −1,75); 27,82 % der Assoziation von Mangan mit dem Volumen wurden über die TAC vermittelt. Nickel war mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Motilität negativ verbunden, modifiziert durch GSTM1/GSTT1; bei Nullträgern bestand ein negativer Zusammenhang von Nickel mit der Gesamtzahl (im Abstract als β 0,328 [−0,521; −0,136] angegeben; das Vorzeichen des Punktschätzers ist dort nicht konsistent). Eisen war positiv, aber in einer umgekehrten U-Form mit Konzentration und Gesamtzahl verbunden. Stärken: Mehrfachexposition statt Einzelwerte, Mediationsprüfung. Schwächen: Querschnitt; die Mediation über TAC beruht auf Annahmen; die Studie betrifft Schadstoffmetalle, nicht Supplemente.
Vitamin D und Carnitine
Güngör et al. 2022 [s118]. „Relationship between serum vitamin D levels semen parameters and sperm DNA damage in men with unexplained infertility“. Fall-Kontroll-Studie: 58 Männer mit ungeklärter Infertilität (normale Samenparameter, aber ausbleibende Schwangerschaft) und 50 alters- und BMI-gleiche fertile Männer; Serum-Vitamin-D nach drei Tagen Karenz, DNA-Schäden per Anilinblau-Färbung. Infertile Männer hatten signifikant niedrigeres Vitamin D (P < 0,004; die Medianangaben im Abstract sind nicht eindeutig zugeordnet); Werte unter 20 ng/ml fanden sich bei 26 (44,8 %) gegenüber 5 (10,0 %) der Fertilen (P < 0,001); DNA-Schäden 31,50 % (9,0 bis 71,0) gegenüber 26,00 % (11,0 bis 54,0; P < 0,002). Bei den Infertilen korrelierte Vitamin D mit Gesamtzahl (r = 0,527; P < 0,001), Gesamtmotilität (r = 0,527) und Morphologie (r = 0,416; P = 0,001) und negativ mit DNA-Schäden (r = −0,605; P < 0,001); in der logistischen Regression ging Vitamin D über 20 ng/ml mit einem besseren Fertilitätsergebnis einher. Einordnung: Auffällig sind identische Korrelationskoeffizienten (0,527) für zwei Parameter; die Korrelationen betreffen Männer, deren Samenparameter definitionsgemäß im Normbereich lagen, und das „Fertilitätsergebnis“ der Regression ist im Abstract nicht definiert. Die Studie betrifft Vitamin D, nicht eine der Hauptsubstanzen.
Özkaya und Demirel 2018 [s244]. „Vitamin D deficiency in infertile patients“. Studie aus der Türkei zu Vitamin-D-Mangel: 103 infertile Männer (20 bis 40 Jahre) und Fertile als Kontrollgruppe, die aus anderen Gründen kamen (Oktober 2014 bis Mai 2015); Vitamin D, Testosteron, Calcium, FSH, LH nüchtern zwischen 10 und 12 Uhr. Vitamin-D-Mangel bestand bei 89 (86,4 %) der Infertilen und bei 33 (66 %) der Kontrollen (signifikanter Unterschied; im Abstract „p0,05“ durch Zeichenverlust unleserlich). Die Autoren schließen, Vitamin D habe wichtige Funktionen im männlichen Fortpflanzungssystem und bei Mangel seien die Samenparameter negativ betroffen. Einordnung: Auch 66 % der Kontrollen hatten einen Mangel (schwache Trennschärfe, Sonnenexposition der Region), die Zahl der Kontrollen steht nicht im Abstract.
Ipek et al. 2025 [s23]. „Associations between serum and seminal vitamin D levels and sperm parameters“. Prospektive Studie an 87 Männern; Serum-Vitamin-D (LC-MS/MS) in niedrig (< 50 nmol/l), normal (50 bis 75) und hoch (> 75), Samenplasma-Vitamin-D, intrazelluläres Calcium und MDA. Männer mit normalem Serum-Vitamin-D hatten höhere Konzentrationen progressiv motiler Spermien (14,0 gegenüber 8,5 gegenüber 4 Mio./ml; P = 0,037) und mehr Normalformen (6 % gegenüber 4 % gegenüber 3 %; P = 0,020) als Männer mit niedrigem oder hohem Wert. Serum-Vitamin-D korrelierte nicht mit Samen-Vitamin-D (r = 0,052; P = 0,468), MDA (r = −0,048; P = 0,791) oder intrazellulärem Calcium (r = 0,064; P = 0,929); Calcium korrelierte mit Gesamt- (r = 0,241; P = 0,024) und progressiver Motilität (r = 0,217; P = 0,043). Einordnung: Eine nicht lineare Beziehung (beide Extreme schlechter); der Abstract nennt Gruppengrößen nicht, und die vermuteten Wirkwege (Calcium, MDA) ließen sich nicht stützen.
Alzoubi et al. 2017 [s252]. „NORMALIZATION OF SERUM VITAMIN D IMPROVES SEMEN MOTILITY PARAMETERS IN PATIENTS WITH IDIOPATHIC MALE INFERTILITY“. Fall-Kontroll-Studie über ein Jahr (November 2015 bis November 2016) mit anschließender zweimonatiger Interventionskohorte aus Jordanien: 117 Männer in drei Gruppen (Kontrollen n = 30, idiopathische Infertilität n = 67, sekundäre Infertilität n = 20). Vitamin D war bei idiopathischer Infertilität niedriger als bei Kontrollen und bei sekundärer Infertilität. 45 Männer mit idiopathischer Infertilität und niedrigem Vitamin D erhielten zwei Monate lang 5.000 IE täglich; 34 wurden erneut untersucht (11 Ausfälle). Progressive und Gesamtmotilität stiegen nach der Gabe signifikant; über die ganze Studienpopulation korrelierte Vitamin D mit der Samenqualität, innerhalb der Gruppe mit idiopathischer Infertilität aber nicht. Die Autoren schließen, Vitamin-D-Gabe verbessere die Motilität bei idiopathischer Infertilität. Schwächen: offene Kohorte ohne Kontrollgruppe, 24 % Ausfälle, nur zwei Monate; eine Motilitätsänderung nach zwei Monaten kann auch dem natürlichen Verlauf entsprechen; die fehlende Korrelation in der Behandlungsgruppe stützt den behaupteten Zusammenhang nicht.
Gürbüz et al. 2003 [s386]. „Relationship between semen quality and seminal plasma total carnitine in infertile men“. Studie aus Istanbul mit 79 Männern: Gesamtcarnitin im Samenplasma bei 65 infertilen Männern (31,52 ± 20,77 mg/l) und 14 Männern mit nachgewiesener Fertilität (45,52 ± 10,73 mg/l; P < 0,05). Die infertilen Männer wurden nach Samenanalyse in fünf Gruppen geteilt (Normospermie n = 42, Oligospermie 23, Asthenospermie 40, Teratospermie 44, Oligoasthenospermie 10; die Gruppenzahlen summieren sich auf 159, die Gruppen überlappen also und schließen sich nicht gegenseitig aus). Carnitin korrelierte positiv mit Gesamtzahl (P < 0,05) und Normalformen (P < 0,01) und war bei Asthenospermie niedrig (P < 0,05). Die Autoren sehen die Bestimmung von Samencarnitin als möglichen Test in der Abklärung. Einordnung: 14 Kontrollen; Querschnitt.
Mostafa et al. 2022 [s130]. „Seminal L-Carnitine In Infertile Oligoasthenoteratozoospermic Men with Varicocele“. Prospektive Querschnittsstudie aus Kairo mit 86 Männern: 45 infertile Männer mit Oligoasthenoteratozoospermie (OAT) und Varikozele, 21 infertile OAT-Männer ohne Varikozele, 20 fertile Kontrollen; L-Carnitin im Samenplasma (kolorimetrisch), Kruskal-Wallis- und Mann-Whitney-Tests. Das mittlere Samen-L-Carnitin war bei OAT mit Varikozele (216,3 ± 57,1 ng/ml) niedriger als bei OAT ohne Varikozele (252,9 ± 62,9 ng/ml; P = 0,01) und bei Fertilen (382,8 ± 63,6 ng/ml; P = 0,001), bei Grad III niedriger als bei Grad II und bei beidseitiger niedriger als bei einseitiger Varikozele; insgesamt positive Korrelation mit Konzentration, Motilität und Normalformen. Einordnung: Gruppen klein, Zusammenhänge mit Varikozelengrad ohne Zahlen im Abstract.
Arslan et al. 2023 [s72]. „Comparison of sperm carnitine profiles of normospermic, oligospermic and azospermic individuals“. Stoffwechselstudie (LC-MS/MS) aus Uşak (Türkei) zu Carnitinprofilen im Samen von normospermen, oligospermen und azospermen Männern; Acetylcarnitin (C2), Octenoylcarnitin (C8:1) und Palmitoleylcarnitin (C16:1) erschienen als mögliche neue Marker. Die Fallzahl steht nicht im Abstract; es handelt sich um eine explorative Biomarkerstudie ohne Aussage zur Einnahme von Carnitin.