Myo-Inositol, Astaxanthin, NAC, Melatonin und weitere Antioxidantien · Kapitel 4 von 24 · Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Lesehinweise und Abgrenzung bis Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein

Lesehinweise und Abgrenzung

Dieser Abschnitt stellt die systematischen Übersichten, Metaanalysen, Netzwerk-Metaanalysen und narrativen Übersichtsartikel vor, die in der Recherche zu Myo-Inositol, Astaxanthin, N-Acetylcystein (NAC), Melatonin, Glutathion, Magnesium, Vitamin B12 und weiteren Antioxidantien gefunden wurden. Die Arbeiten werden einzeln beschrieben. Alle Angaben stammen aus den Abstracts beziehungsweise aus den Recherchebefunden, die ihrerseits auf Abstracts beruhen; Volltexte wurden nicht ausgewertet. Aussagen über Verzerrungsrisiko, Verblindung oder Interessenkonflikte gelten daher nur, soweit der Abstract sie nennt. Wo ein Abstract kein Konfidenzintervall oder keine Heterogenitätsangabe (I²) enthält, steht das ausdrücklich dabei oder die Angabe fehlt, weil sie nicht vorliegt. Länder werden nur genannt, wenn Abstract oder Recherchebefund (Erstautor-Affiliation) sie nennen; fehlt eine Länderangabe, liegt keine vor. Originaltitel stehen im Original; bei Titeln, die ursprünglich weder englisch noch deutsch sind, steht die englische Übersetzung des Indexeintrags (von PubMed erzeugt, nicht der Originalwortlaut) in eckigen Klammern, gefolgt von der deutschen Übersetzung. Leitlinien und Konsensdokumente (EAU, AUA/ASRM, Delphi-Leitlinie des Global Andrology Forum) sind nicht Gegenstand dieses Abschnitts. Alle Aussagen von Autoren, etwa „die Autoren befürworten“, sind Aussagen der jeweiligen Autoren; diese Studie gibt keine Therapieempfehlung.

Ein Wort zur Lesart der Effektmaße: Metaanalysen zu Spermienparametern poolen Mittelwertdifferenzen (MD, WMD) in den jeweiligen Einheiten oder standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD). Eine SMD von 1,0 bedeutet eine Verschiebung um eine Standardabweichung; bei Spermienparametern, die zwischen Männern stark streuen, ist das ein sehr großer Effekt, und Werte dieser Größe werden unten an den betreffenden Stellen eingeordnet. Odds Ratios (OR) und Risikoverhältnisse (RR) beziehen sich auf Schwangerschaft oder Lebendgeburt.

Die vier Fassungen des Cochrane-Reviews „Antioxidants for male subfertility“

Der Cochrane-Review ist die am häufigsten zitierte Evidenzsynthese zum Thema. Er existiert in vier Fassungen mit gleichem Titel [s329, s306, s228, s111]. Die Fassungen sind keine unabhängigen Replikationen, sondern Fortschreibungen derselben Fragestellung mit jeweils erweiterter Studienbasis.

Showell et al. 2011 [s329]. „Antioxidants for male subfertility“. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCT), in denen männliche Partner von Paaren, die eine assistierte Reproduktion (ART) durchliefen, ein Antioxidans (einzeln oder kombiniert, beliebige Dosis) gegen Placebo, keine Behandlung oder ein anderes Antioxidans erhielten. Die Suche reichte bis Februar 2010 (Register der Cochrane-Gruppe für Menstruationsstörungen und Subfertilität, CENTRAL, MEDLINE, EMBASE, CINAHL, PsycINFO, AMED, Studienregister, Expertenanfragen). Ausgewertet wurden 34 Studien mit 2.876 Paaren. Lebendgeburt: Drei Studien berichteten sie; die gepoolte OR betrug 4,85 (95-%-Konfidenzintervall 1,92 bis 12,24; P = 0,0008; I² = 0 %), gestützt auf nur 20 Lebendgeburten bei 214 Paaren. Schwangerschaft: 15 Studien mit 964 Paaren und 96 Schwangerschaften, OR 4,18 (2,65 bis 6,59; P < 0,00001; I² = 0 %). Schädliche Nebenwirkungen berichtete keine Studie. Die Autoren schlossen, die Evidenz lege nahe, dass Antioxidantiengabe bei subfertilen Männern in ART-Zyklen Lebendgeburt und Schwangerschaftsrate verbessern könne, und verlangten Kopf-an-Kopf-Vergleiche. Stärke: breite Suche, doppelte Studienauswahl. Schwächen: Die Aussage zur Lebendgeburt beruht auf drei Studien und 20 Ereignissen; eine Heterogenität von 0 % bei so wenigen Ereignissen ist wenig aussagekräftig; eine Bewertung der Evidenzsicherheit nach GRADE nennt der Abstract für diese Fassung nicht.

Showell et al. 2014 [s306]. „Antioxidants for male subfertility“. Diese Aktualisierung (Suche bis Januar 2014, Nachsuche im August 2014) weitete die Fragestellung auf subfertile Männer in Paaren mit Kinderwunsch allgemein aus und nahm Pentoxifyllin, ein Arzneimittel mit antioxidativer Wirkung, auf. Eingeschlossen wurden 48 RCT mit 4.179 Männern im Alter von 20 bis 52 Jahren; die Studiendauer lag zwischen 3 und 26 Wochen, die Nachbeobachtung zwischen 3 Wochen und 2 Jahren. Die meisten Männer hatten niedrige Gesamtmotilität und Konzentration. Eine Studie schloss Männer nach Varikozelenoperation ein, eine Männer mit Varikozele, eine Männer mit chronischer Prostatitis; drei Studien betrafen Männer aus Paaren unter IVF oder ICSI, eine Männer aus Paaren unter intrauteriner Insemination. Von 15 Studien mit Finanzierungsangabe nannten vier eine kommerzielle Quelle, elf Hochschul- oder andere nichtkommerzielle Mittel; bei 33 Studien fehlte die Angabe. Lebendgeburt: OR 4,21 (2,08 bis 8,51; P < 0,0001; 4 RCT, 277 Männer; I² = 0 %; 44 Lebendgeburten; Evidenz „low“). Klinische Schwangerschaft: OR 3,43 (1,92 bis 6,11; P < 0,0001; 7 RCT, 522 Männer; I² = 0 %; „low“). Fehlgeburt: OR 1,74 (0,40 bis 7,60; P = 0,46; 3 RCT, 247 Männer; I² = 0 %; „very low“). Magen-Darm-Beschwerden: OR 1,60 (0,47 bis 5,50; P = 0,46; 6 RCT, 429 Männer; I² = 0 %). Für eine angenommene Lebendgeburtenrate von 5 % unter Placebo schätzten die Autoren 10 % bis 31 % unter Antioxidantien, für eine klinische Schwangerschaftsrate von 6 % unter Placebo 11 % bis 28 %. Als zentrale Einschränkung benennen sie, dass sie faktisch zwei Gruppen von Studien zusammenführten: solche, die Lebendgeburt und Schwangerschaft berichteten, und solche, deren Hauptzielgröße Spermienparameter waren und die diese Endpunkte nicht berichten wollten; von 25 Studien zu Spermienparametern berichteten nur drei auch Lebendgeburt oder Schwangerschaft. Dazu kommen schlechte Berichtsqualität, Impräzision, kleine Stichproben und fehlende Erfassung unerwünschter Wirkungen. Vergleiche von Antioxidans gegen Antioxidans erlaubten keine Schlüsse, weil zu wenige Studien dieselben Wirkstoffe verglichen.

Smits et al. 2019 [s228]. „Antioxidants for male subfertility“. Suche bis 1. Februar 2018. Eingeschlossen wurden 61 Studien mit 6.264 subfertilen Männern (18 bis 65 Jahre) aus Paaren in Kinderwunschkliniken; verglichen wurden 18 verschiedene Antioxidantien. Ausgeschlossen waren Studien, die Antioxidantien nur mit Fertilitätsarzneimitteln verglichen, sowie Studien an fertilen Männern, die wegen der Partnerin in der Klinik waren; der Abstract hebt hervor, dass die Übersicht Normozoospermie nicht untersucht. Von den 44 Studien in der Metaanalyse berichteten nur 12 Lebendgeburt oder klinische Schwangerschaft. Lebendgeburt: OR 1,79 (1,20 bis 2,67; P = 0,005; 7 RCT, 750 Männer; I² = 40 %; 124 Lebendgeburten; „low-quality“). Für eine Ausgangswahrscheinlichkeit von 12 % unter Placebo ergibt das 14 % bis 26 %. Nach Ausschluss der Studien mit hohem Verzerrungsrisiko verschwand der Effekt: Peto-OR 1,38 (0,89 bis 2,16; P = 0,15; 5 RCT, 540 Männer; I² = 0 %). Klinische Schwangerschaft: OR 2,97 (1,91 bis 4,63; 11 RCT, 786 Paare; I² = 0 %; 105 Schwangerschaften; „low“); bei einer Ausgangsrate von 7 % ergibt das 12 % bis 26 %. Fehlgeburt: OR 1,74 (0,40 bis 7,60; P = 0,46; 3 RCT, 247 Männer). Leichte Magen-Darm-Beschwerden: OR 2,51 (1,25 bis 5,03; P = 0,010; 11 RCT, 948 Männer; I² = 50 %; nur 35 Ereignisse; „very low“). Die Autoren schlossen, die Evidenz sei wegen schlecht berichteter Randomisierung, fehlender Berichte zu klinischen Endpunkten, unklarer oder hoher Ausfallraten und kleiner Ereigniszahlen unschlüssig, und forderten große placebokontrollierte Studien mit Schwangerschafts- und Lebendgeburtendaten.

de Ligny et al. 2022 [s111]. „Antioxidants for male subfertility“. Die jüngste Fassung (Suche bis 15. Februar 2021) schloss 90 Studien mit 10.303 subfertilen Männern ein und verglich 20 verschiedene orale Antioxidantien; ausgeschlossen waren zusätzlich Männer mit idiopathischer Infertilität bei normalen Spermienparametern. Von 67 Studien in der Metaanalyse berichteten nur 20 klinische Schwangerschaft und davon 12 Lebendgeburt. Lebendgeburt: OR 1,43 (1,07 bis 1,91; P = 0,02; 12 RCT, 1.283 Männer; I² = 44 %; 246 Lebendgeburten; Sicherheit der Evidenz „very low“). Für eine Ausgangswahrscheinlichkeit von 16 % ergibt das 17 % bis 27 %. Ohne Studien mit hohem Verzerrungsrisiko: Peto-OR 1,22 (0,85 bis 1,75; P = 0,27; 8 RCT, 827 Männer; I² = 32 %), also kein Nachweis einer Erhöhung. Klinische Schwangerschaft: OR 1,89 (1,45 bis 2,47; P < 0,00001; 20 RCT, 1.706 Männer; I² = 3 %; 327 Schwangerschaften; „low“); bei 15 % Ausgangsrate 20 % bis 30 %. Fehlgeburt: OR 1,46 (0,75 bis 2,83; P = 0,27; 6 RCT, 664 Männer; I² = 35 %). Magen-Darm-Beschwerden: OR 2,70 (1,46 bis 4,99; P = 0,002; 16 RCT, 1.355 Männer; I² = 40 %; 46 Ereignisse; „low“). Die Autoren halten fest, die Evidenz sei wegen schwerwiegenden Verzerrungsrisikos (schlecht berichtete Randomisierung, fehlende Berichte zu Schwangerschaft und Lebendgeburt, unklare oder hohe Ausfälle) und Impräzision (wenige Ereignisse, kleine Stichproben) unschlüssig, und verlangen große placebokontrollierte Studien an infertilen Männern.

Einordnung der vier Fassungen. Die Lebendgeburten-OR sinkt von Fassung zu Fassung (4,85; 4,21; 1,79; 1,43), während die Zahl der Studien, die Lebendgeburt berichteten, von drei über vier und sieben auf zwölf stieg und die zugrunde liegenden Ereignisse von 20 über 44 und 124 auf 246 wuchsen. Dieses Muster ist mit einer Überschätzung in kleinen frühen Studien vereinbar; die Abstracts selbst belegen diese Deutung nicht. In den beiden jüngeren Fassungen verschwindet der Effekt auf die Lebendgeburt, wenn Studien mit hohem Verzerrungsrisiko herausgenommen werden (Peto-OR 1,38 und 1,22, beide mit Konfidenzintervallen, die die 1 einschließen). Die klinische Schwangerschaft bleibt in allen Fassungen erhöht, aber mit schrumpfender OR (4,18; 3,43; 2,97; 1,89). Magen-Darm-Beschwerden sind in den beiden jüngeren Fassungen signifikant häufiger (OR 2,51 und 2,70).

Jensen, Skakkebæk, Jørgensen et al. 2011, dänischsprachiger Kommentar zum Cochrane-Review [s326]. „[Antioxidants and male subfertility--a survey of a Cochrane review]“ (deutsch: Antioxidantien und männliche Subfertilität: eine Übersicht zu einem Cochrane-Review). Der Beitrag erschien in Ugeskrift for laeger. Er widerspricht der Schlussfolgerung der Cochrane-Autoren zu Lebendgeburt und Schwangerschaft: Publikationsverzerrung sei nicht auszuschließen, die meisten Studien seien darauf angelegt gewesen, die Wirkung auf die Samenqualität zu prüfen, und aus den vielen Kombinationen und Dosierungen lasse sich keine Aussage zu Art und Dosis der Antioxidantien ableiten. Künftig seien große randomisierte placebokontrollierte Studien nötig. Der Kommentar enthält keine eigenen Daten. Zwei seiner Kritikpunkte (Zielgröße Samenqualität, gemischte Prüfsubstanzen) benennen auch die Cochrane-Autoren der Fassung von 2014 selbst als Einschränkung.

Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein

Ross et al. 2010 [s343]. „A systematic review of the effect of oral antioxidants on male infertility“. Systematische Übersicht randomisierter Studien zu oralen Antioxidantien (Vitamin C und E, Zink, Selen, Folat, Carnitin, Carotinoide) bei infertilen Männern; durchsucht wurden MEDLINE, EMBASE, Cochrane Library und CINAHL bis Mai 2009, Studienauswahl, Qualitätsbewertung und Datenextraktion erfolgten unabhängig und doppelt. Gefunden wurden 17 RCT mit zusammen 1.665 Männern, die sich in Population, Wirkstoff, Dosis und Dauer unterschieden. Nur 11 von 17 Studien (zwei Drittel) berichteten eine Zuteilungsverdeckung, nur drei (18 %) eine Intention-to-treat-Auswertung. Trotz methodischer und klinischer Heterogenität zeigten 14 der 17 Studien (82 %) eine Verbesserung von Spermienqualität oder Schwangerschaftsrate; von zehn Studien zur Schwangerschaftsrate zeigten sechs eine signifikante Verbesserung. Die Autoren schlossen, orale Antioxidantien könnten Spermienqualität und Schwangerschaftsraten verbessern, und forderten ausreichend große Studien zu Einzelstoffen und Kombinationen. Einordnung: Die Arbeit zählt Studien („Vote-Counting“), ohne Effektgrößen zu poolen; der Anteil positiver Studien von 82 % lässt sich nicht als Effektstärke lesen und ist ohne Prüfung auf Publikationsverzerrung schwer zu deuten. Spätere gepoolte Auswertungen [s228, s111] fanden deutlich kleinere Effekte.

Salas-Huetos et al. 2018 [s246]. „The Effect of Nutrients and Dietary Supplements on Sperm Quality Parameters: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse von RCT zu Nährstoffen, Nahrungsergänzungen oder Lebensmitteln und Spermienqualität; durchsucht wurde nur die Datenbank MEDLINE-PubMed, das Protokoll ist bei PROSPERO registriert (CRD42017058380). 28 Artikel gingen in die qualitative, 15 in die quantitative Auswertung ein. Mittlere Differenzen der Spermienkonzentration (in 10⁶/ml, 95-%-KI): Selen 3,91 (3,08 bis 4,73), Zink 1,48 (0,69 bis 2,27), Omega-3-Fettsäuren 10,98 (10,25 bis 11,72), Coenzym Q10 5,93 (5,36 bis 6,51). Spermienzahl (10⁶): Omega-3 18,70 (16,89 bis 20,51), CoQ10 10,15 (8,34 bis 11,97). Gesamtmotilität (%): Selen 3,30 (2,95 bis 3,65), Zink 7,03 (6,03 bis 8,03), Omega-3 7,55 (7,09 bis 8,01), CoQ10 5,30 (4,98 bis 5,62), Carnitine 7,84 (6,54 bis 9,13); progressive Motilität nur unter Carnitinen erhöht (7,45 %; 6,24 bis 8,67). Normalmorphologie (%): Selen 1,87 (1,50 bis 2,24), Omega-3 0,91 (0,69 bis 1,13), CoQ10 1,06 (0,72 bis 1,41), Carnitine 4,91 (3,68 bis 6,15). Die Autoren mahnen, die Ergebnisse wegen der begrenzten Stichprobengröße und der erheblichen Heterogenität zwischen den Studien („considerable observed interstudy heterogeneity“) vorsichtig zu lesen. Einordnung: Die Konfidenzintervalle sind für eine Auswertung mit erheblicher Heterogenität auffällig schmal; I²-Werte nennt der Abstract nicht. Die Suche in nur einer Datenbank begrenzt die Vollständigkeit. Die Zahlen sind in Abbildungen der Gesamtstudie dargestellt.

Su et al. 2022 [s138]. „Effect of Antioxidants on Sperm Quality Parameters in Subfertile Men: A Systematic Review and Network Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials“. Bayessche Netzwerk-Metaanalyse mit Zufallseffekten (PubMed, Embase, Cochrane Library bis 31. Januar 2021): 18 RCT mit 1.790 subfertilen Männern, acht Antioxidantien (Folsäure, Zink, Vitamin E, Carnitin, Selen, Coenzym Q10, NAC, Vitamin C) und Placebo. Konzentration: CoQ10 MD 5,95 (0,05 bis 10,79), im Ranking vorn (SUCRA 79,4 %). Motilität: Carnitin MD 12,43 (4,07 bis 20,26; SUCRA 88,7 %), CoQ10 MD 7,33 (0,35 bis 14,17). Morphologie: Vitamin C mit dem höchsten Rang (SUCRA 93,6 %), aber ohne signifikanten Effekt (MD 7,73; −0,94 bis 16,33). Die Autoren schließen, CoQ10 und Carnitin seien für Konzentration beziehungsweise Motilität am wirksamsten. Einordnung: Die unteren Intervallgrenzen liegen nahe null (0,05; 0,35); SUCRA-Rangplätze überzeichnen kleine Unterschiede, und das Vitamin-C-Beispiel zeigt, dass ein Spitzenrang ohne signifikanten Effekt möglich ist. Fortpflanzungsendpunkte wurden nicht ausgewertet. Die Arbeit stammt von einer chinesischen Gruppe.

Li et al. 2022 [s126]. „The Effect of Antioxidants on Sperm Quality Parameters and Pregnancy Rates for Idiopathic Male Infertility: A Network Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials“. Netzwerk-Metaanalyse (PubMed, Embase, Web of Science, Cochrane Library) von 23 RCT mit 1.917 Männern mit idiopathischer Infertilität und zehn Antioxidantienarten; Zielgrößen waren Motilität, Konzentration, Morphologie und Schwangerschaftsrate (WMD beziehungsweise OR mit 95-%-KI). L-Carnitin, L-Carnitin plus L-Acetylcarnitin, CoQ10, Omega-3 und Selen wirkten gegenüber Placebo auf Spermienparameter. L-Carnitin lag bei Motilität (WMD 6,52 %; 2,55 bis 10,05) und Morphologie (4,96 %; 0,20 bis 9,73) vorn, Omega-3 bei der Konzentration (9,89 × 10⁶/ml; 7,01 bis 12,77). Auf die Schwangerschaftsrate hatte kein Stoff einen signifikanten Effekt. Einordnung: Die Arbeit unterscheidet sich von [s138] durch die Aufnahme von Omega-3 und beschränkt sich auf idiopathische Infertilität; der Abstract nennt keine Studienzahl je Wirkstoff, und die Intervallgrenze 0,20 bei der Morphologie liegt nahe null. Chinesische Autoren.

Agarwal et al. 2023 [s69]. „Impact of Antioxidant Therapy on Natural Pregnancy Outcomes and Semen Parameters in Infertile Men: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse, nach PRISMA, durchsucht wurden Scopus, PubMed, Ovid, Embase und Cochrane; von 1.307 geprüften Abstracts gingen 45 RCT mit 4.332 infertilen Männern ein. Primäre Zielgrößen: spontane klinische Schwangerschaft, Lebendgeburt, Fehlgeburt; sekundär: konventionelle Spermienparameter, DNA-Fragmentation (SDF) und oxidativer Stress im Samen. Die Schwangerschaftsrate war unter Antioxidantien signifikant höher als unter Placebo oder ohne Behandlung, ohne signifikante Heterogenität. Kein Effekt auf Lebendgeburt oder Fehlgeburt (vier Studien) und auf die DNA-Fragmentation (drei Studien). Konzentration, progressive und Gesamtmotilität und Normalmorphologie waren höher; die totale antioxidative Kapazität im Samen war höher, Malondialdehyd niedriger; die Ergebnisse änderten sich nicht, wenn Studien nach Varikozelenoperation ausgeschlossen wurden. Die Autoren sehen darin eine Anhebung der Evidenz zugunsten einer Empfehlung für Antioxidantien, räumen aber ein, dass zu Lebendgeburt, Fehlgeburt und Fragmentation sehr wenige RCT vorliegen. Einordnung: Der Abstract nennt keine Effektgrößen und keine Konfidenzintervalle; die Aussage „höhere Schwangerschaftsrate ohne Lebendgeburtseffekt“ ist ein bekanntes Muster (vergleiche [s228, s111]). Die Autorengruppe hat auch an anderen Übersichten und Leitlinienvorschlägen zu Antioxidantien mitgearbeitet [s147, s242]; das ist bei der Gewichtung zu beachten, ohne dass der Abstract einen Interessenkonflikt ausweist.

Sharma et al. 2022 [s136]. „Systematic Review and Meta-analysis on Effect of Carnitine, Coenzyme Q10 and Selenium on Pregnancy and Semen Parameters in Couples With Idiopathic Male Infertility“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Scopus, EMBASE, Web of Science, PRISMA, PROSPERO CRD42020210284) randomisierter Studien zu Selen, Carnitin oder Coenzym Q10, allein oder kombiniert, gegen Placebo bei Paaren mit männlicher idiopathischer Infertilität. Von 3.304 geprüften Arbeiten gingen 20 ein. Die Schwangerschaftsrate unterschied sich nicht signifikant: 69/426 (16,2 %) unter Behandlung gegen 45/401 (11,2 %) unter Placebo (P = 0,05). Motilität MD 5,05 (95-%-KI 2,77 bis 7,34; P < 0,0001), progressive Motilität MD 5,72 (2,77 bis 8,66; P = 0,0001) und Konzentration MD 6,58 (3,22 bis 9,93; P = 0,0001); auffällig ist die identische untere Intervallgrenze (2,77) bei zwei verschiedenen Zielgrößen. Die Autoren schließen, die Unterschiede seien klein und die Studienqualität schlecht, was die Evidenz begrenze. Einordnung: Die Autoren sind an indischen Einrichtungen tätig (Chandigarh, Neu-Delhi). Der Befund „kleine Unterschiede, aber kein Schwangerschaftseffekt“ passt zu den jüngeren Cochrane-Fassungen [s111] und zu [s28]; die Zahl der Studien je Zielgröße nennt der Abstract nicht.

Michaelsen et al. 2025 [s28]. „The Effect of Dietary Supplements on Male Infertility in Terms of Pregnancy, Live Birth, and Sperm Parameters: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, CENTRAL bis Mai 2024), eingeschlossen waren RCT mit Behandlungsdauer von mindestens 12 Wochen gegen Placebo. Primäre Zielgrößen Schwangerschaft und Lebendgeburt, sekundär Konzentration, Spermienzahl, Gesamt- und progressive Motilität, Normalmorphologie und DNA-Fragmentationsindex. Verzerrungsrisiko nach RoB 2, Zufallseffektmodelle (Restricted Maximum Likelihood), Sicherheit der Evidenz nach GRADE. Von 3.137 gefundenen Artikeln wurden 50 eingeschlossen. Kein Effekt auf Schwangerschaft und Lebendgeburt. Einzelne Parameter verbesserten Zink, Folsäure und Präparate mit mindestens drei Substanzen (Konzentration), Selen, Carnitin und Coenzym Q10 (Motilität) sowie alpha-Liponsäure (Normalmorphologie); Vitamin D, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren verbesserten keinen Parameter. Die Mehrzahl der Studien hatte nach RoB 2 „some concerns“ oder hohes Verzerrungsrisiko, die Sicherheit der Evidenz war überwiegend niedrig oder sehr niedrig. Die Autoren schließen: „no convincing evidence of an effect of any dietary supplements on male infertility“. Einordnung: Die Arbeit ist die jüngste und methodisch strengste Synthese mit Placebovergleich und GRADE; sie schloss Studien unter zwölf Wochen Behandlungsdauer aus und nahm nur Placebovergleiche auf; ob das die Abweichung von den früheren Metaanalysen erklärt, sagt der Abstract nicht. Effektgrößen nennt der Abstract nicht.

Noegroho et al. 2022 [s131]. „Antioxidant Supplementation on Sperm DNA Fragmentation and Sperm Parameters: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Systematische Übersicht zur Wirkung von Antioxidantiengabe auf die DNA-Fragmentation der Spermien (PubMed und ScienceDirect, zwei Prüfer). Neun Artikel wurden eingeschlossen: Vier zeigten eine statistisch signifikante, fünf eine nicht signifikante Abnahme der Fragmentation; Konzentration, Motilität und Morphologie stiegen; Schwangerschaftsraten berichteten drei Studien (in zwei erhöht, in einer wie unter Placebo). Die Autoren schließen, Antioxidantien wirkten dem oxidativen Stress entgegen und senkten den Fragmentationsindex. Einordnung: Trotz des Titelbestandteils „Meta-Analysis“ nennt der Abstract keine gepoolten Zahlen; die Schlussfolgerung geht über die Ergebnisse hinaus, denn in fünf von neun Studien war die Abnahme nicht signifikant.

Majzoub und Agarwal 2018 [s242]. „Systematic review of antioxidant types and doses in male infertility: Benefits on semen parameters, advanced sperm function, assisted reproduction and live-birth rate“. Systematische Übersicht nach modifiziertem PRISMA (PubMed, Medline, Cochrane; Autoren aus Katar), nichtquantitativ. Es wurden Wirkstoffarten, Dosen, Wirkmechanismen und berichtete Zielgrößen tabellarisch zusammengestellt. 26 Studien berichteten einen signifikant positiven Effekt auf Basisparameter, erweiterte Spermienfunktion, Ergebnisse der assistierten Reproduktion und Lebendgeburtenrate; am häufigsten waren Vitamin E, Vitamin C, Carnitine, NAC, Coenzym Q10, Zink, Selen, Folsäure und Lycopin. Die Autoren schließen, Antioxidantien hätten allgemein eine günstige Wirkung, und verlangen Studien zum optimalen Schema. Einordnung: Der Abstract nennt nur die 26 Studien mit positivem Effekt, nicht die Zahl aller geprüften Studien und nicht eine Prüfung auf Publikationsverzerrung; die Arbeit sagt deshalb nichts über den Anteil negativer Studien.

Xu et al. 2026 [s14]. „The global evaluation of the effects of antioxidants on seminal outcomes in infertile men: a systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Scopus, PubMed, Medline, Embase, Web of Science bis September 2025, PRISMA). Von 11.749 Treffern wurden 101 Arbeiten mit zusammen 11.889 infertilen Männern eingeschlossen. Konzentration, Normalmorphologie, progressive und Gesamtmotilität waren in den Behandlungsgruppen höher; gepoolte SMD 2,33 (1,73 bis 2,94) für die Konzentration und 1,62 (1,20 bis 2,04) für die Gesamtmotilität. Behandlungen über mehr als sechs Monate wirkten stärker als solche unter drei Monaten. Die Autoren lehnen eine definitive Empfehlung ab. Einordnung: SMD-Werte über 2 sind für Supplementstudien ungewöhnlich groß und sind erklärungsbedürftig; der Abstract sagt weder, ob nur RCT eingeschlossen wurden, noch nennt er I² oder eine Prüfung auf Publikationsverzerrung. Die Arbeit stammt von einer chinesischen Gruppe und ist die größte Synthese nach Teilnehmerzahl.

Melhem et al. 2026 [s10]. „Pharmacologic and Nutritional Therapies in Idiopathic Male Infertility: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse aus Jordanien (PubMed, Embase, Scopus, Cochrane CENTRAL, ClinicalTrials.gov, Google Scholar; Januar 2010 bis Januar 2026; PROSPERO CRD420261289976). Eingeschlossen waren RCT zu pharmakologischen oder ernährungsbezogenen Behandlungen gegen Placebo oder keine Behandlung bei Männern mit idiopathischer Infertilität: 41 RCT mit 3.615 Männern. Auswertung nach Wirkmechanismus mit Dreiebenenmodellen mit zufälligen Effekten und Knapp-Hartung-Korrektur, Sicherheit der Evidenz nach GRADE. Antioxidantien waren mit höherer Konzentration (SMD 1,09; 0,10 bis 2,08), progressiver Motilität (SMD 1,11; 0,32 bis 1,90), Gesamtmotilität (SMD 0,69; 0,26 bis 1,13) und Normalmorphologie (SMD 0,43; 0,05 bis 0,82) verbunden; die Vorhersageintervalle schlossen für alle vier Endpunkte null ein. PDE-Hemmer: Konzentration SMD 1,96 (−2,25 bis 6,17), Morphologie SMD 1,28 (−0,47 bis 3,02); Methylgruppendonatoren senkten die DNA-Fragmentation (SMD −1,17; −2,82 bis 0,47); beide Intervalle schließen null ein. Heterogenität erheblich (I² über 80 %); Hormonpräparate und klinische Schwangerschaft wurden nur narrativ ausgewertet. Die Autoren stufen die Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig ein und verlangen größere Studien mit Lebendgeburten. Stärken: breite Suche, Registrierung, GRADE, Vorhersageintervalle. Schwächen: Antioxidantien als Klasse zusammengefasst, einzelne Substanzen (Myo-Inositol, NAC, Astaxanthin) im Abstract nicht getrennt ausgewiesen; sehr hohe Heterogenität.

Agarwal et al. 2021 [s147]. „Utility of Antioxidants in the Treatment of Male Infertility: Clinical Guidelines Based on a Systematic Review and Analysis of Evidence“. Systematische Übersicht mit Vorschlag klinischer Leitlinien (Scopus, händisch gesichtete Artikel). Von 1.978 Artikeln wurden 97 eingeschlossen; die Qualität wurde mit der Cambridge Quality Checklist, dem Cochrane-Instrument für RCT, den CONSORT-Kriterien und dem JADAD-Score bewertet, ergänzt durch eine SWOT-Analyse. Von den 97 Studien waren 52 (53,6 %) unkontrollierte offene Studien, 12 (12,4 %) unverblindete RCT und 33 (34,0 %) verblindete RCT; 44 (45,4 %) prüften Einzelwirkstoffe, 31 (32,0 %) Kombinationen in wechselnden Dosen und 22 (22,6 %) registrierte Antioxidantienpräparate. Die Autoren folgern, Antioxidantiengabe verbessere Spermienparameter, und leiten Indikationen für Varikozele, unklare und idiopathische Infertilität und veränderte Samenqualität ab. Einordnung: Mehr als die Hälfte der Grundlage besteht aus unkontrollierten Studien; die Arbeit ist ein Vorschlag von Autoren, die auf dem Feld auch eigene Beiträge veröffentlichen, und keine Leitlinie einer Fachgesellschaft.

Ioannidou et al. 2022 [s121]. „Improvement in sperm quality by oral antioxidant supplementation in infertile men with varicocele who have not undergone surgical repair: Systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu oralen Antioxidantien bei infertilen Männern mit Varikozele ohne operative Korrektur. Konzentration: WMD +5,86 × 10⁶/ml (95-%-KI 1,47 bis 10,24; P < 0,01; Zufallseffekte; 6 Studien, 213 Patienten); Gesamtmotilität +3,76 % (0,18 bis 7,34; P = 0,04; 3 Studien, 93 Patienten); progressive Motilität +6,38 % (3,04 bis 9,71; P < 0,01; 3 Studien, 84 Patienten); Ejakulatvolumen +0,55 ml (0,06 bis 1,04; P = 0,03; 4 Studien, 120 Patienten); Morphologie nicht signifikant (+3,89 %; −0,14 bis 7,92; P = 0,06; 5 Studien, 187 Patienten). Die Autoren sprechen von „limited evidence“. Einordnung: Sehr kleine Fallzahlen je Zielgröße, untere Intervallgrenzen nahe null (0,18; 0,06); unterschiedliche Wirkstoffe sind zusammengefasst.

Wang et al. 2019 [s230]. „Efficacy of antioxidant therapy on sperm quality measurements after varicocelectomy: A systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (MEDLINE, EMBASE, Cochrane Controlled Trials Register) zu Antioxidantien nach Varikozelenoperation gegen Placebo bei 3 oder 6 Monaten Behandlung; sechs RCT mit 576 Patienten, Autoren aus China. Drei Monate nach der Operation waren Konzentration (P < 0,0001), Motilität (P = 0,03), progressive Motilität (P < 0,00001) und Morphologie (P < 0,00001) in der Antioxidantiengruppe besser; nach sechs Monaten blieben die Verbesserungen bis auf Motilität (P = 0,72) und progressive Motilität (P = 0,57) bestehen. Schwangerschaftsrate: kein Unterschied (P = 0,36). FSH war in der Antioxidantiengruppe niedriger (drei Monate P = 0,02; sechs Monate P = 0,03). Der Abstract nennt weder Effektgrößen noch Konfidenzintervalle noch die Art der Antioxidantien. Einordnung: Operation und Antioxidantien sind konfundiert, weil alle Männer operiert wurden; der Befund betrifft einen Zusatznutzen nach einem Eingriff, der selbst die Samenqualität verändert.

Wang et al. 2020 [s209]. „Vitamins combined with traditional Chinese medicine for male infertility: A systematic review and meta-analysis“. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu traditioneller chinesischer Medizin (TCM) in Kombination mit Vitaminen; Datenbanken CNKI, Wanfang, VIP, CBM, MEDLINE, EMBASE, Cochrane Library; 14 RCT mit 1.488 Patienten. Verglichen mit Vitamin E oder Vitamin E plus C allein erhöhte die Kombination mit TCM Konzentration, Motilität, Vitalität, Akrosomenenzymaktivität und Schwangerschaftsrate und verkürzte die Verflüssigungszeit; drei Präparate (Shengjing-Kapsel, Huanshao-Kapsel, zusammengesetzte Xuanju-Kapsel) zeigten Besserungen bei Schwangerschaftsrate, Konzentration oder Motilität; ein Test auf Publikationsverzerrung fand keine bedeutsame Verzerrung. Zahlen nennt der Abstract nicht. Einordnung: Der Vergleichsarm war nicht Placebo, sondern Vitamin E oder E plus C, deren Wirkung selbst unsicher ist; die Arbeit sagt deshalb nichts über Antioxidantien gegen Placebo. Sie ist eine von drei Metaanalysen dieses Kapitels, die chinesische Datenbanken ausdrücklich durchsuchten.

Marktanalysen zu Nahrungsergänzungsmitteln: Garolla et al. 2020 und 2021 [s185, s160]. „Dietary Supplements for Male Infertility: A Critical Evaluation of Their Composition“. Die Studie von 2020 bewertete 21 auf dem italienischen Markt angebotene Präparate nach der Literatur zu wirksamen Inhaltsstoffen und deren minimaler wirksamer Tagesdosis, mit einer selbst entwickelten Bewertungsformel (erwartete Wirksamkeit höher, niedriger, keine): 9,5 % der Präparate fielen in die höhere, 71,4 % in die niedrigere Klasse und 19,1 % in die Klasse ohne erwartete Wirksamkeit; Zink war mit 70 % der Produkte der häufigste Inhaltsstoff, gefolgt von Selen, Arginin, Coenzym Q und Folsäure. „Systematic Review and Critical Analysis on Dietary Supplements for Male Infertility: From a Blend of Ingredients to a Rationale Strategy“. Die Folgearbeit von 2021 ist eine systematische Übersicht randomisierter Studien mit Bewertung von 24 Präparaten: 3 (12,5 %) hohe, 9 (37,5 %) niedrige und 12 (50,0 %) keine erwartete Wirksamkeit; von 36 Inhaltsstoffen hatten 18 keine Literatur zur männlichen Fertilität und 18 einen positiven Effekt auf Spermienparameter; alle Präparate waren Mischungen aus 2 bis 17 Stoffen; 15 (65,2 %) enthielten mindestens einen Stoff ohne Wirksamkeitsbeleg, 21 Zubereitungen dosierten wirksame Stoffe unter der minimalen wirksamen Tagesdosis. Einordnung: Beide Arbeiten bewerten die Zusammensetzung nach Formel, nicht klinische Ergebnisse; sie sagen, wie sinnvoll Produkte nach der Literatur zusammengesetzt sind, nicht, ob sie wirken.

Ko et al. 2014 [s304]. „Male infertility testing: reactive oxygen species and antioxidant capacity“. Systematische Übersicht (PubMed der letzten drei Jahrzehnte) zu Physiologie und Ursachen reaktiver Sauerstoffspezies (ROS), deren Messung und antioxidativer Therapie. Die Autoren halten fest, ROS seien für Reifung, Kapazitation und Spermien-Eizell-Interaktion physiologisch nötig; erst wenn die Produktion die antioxidative Pufferkapazität übersteige, entstehe oxidativer Stress. Die Messung von ROS und antioxidativer Kapazität könne prognostische Zusatzinformation liefern, ihre Rolle als Routinebestandteil sei aber nicht bestimmt; der Einfluss erhöhter ROS auf Befruchtungs- und Schwangerschaftsraten sei umstritten, auch wegen fehlender Einigkeit über geeignete Patienten und fehlender Standardisierung der Tests. Routinemäßiges ROS-Testen werde derzeit nicht empfohlen. Zahlen enthält der Abstract nicht.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehinweise und Abgrenzung bis Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein
  5. Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen und Narrative Übersichtsartikel nach Substanz
  6. Übersichten zu Antioxidantien insgesamt und Gesamtbild der Metaanalysen und Übersichten
  7. Lesehinweise bis Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen
  8. Totale antioxidative Kapazität und Marker des oxidativen Stresses bis Vitamin D und Carnitine
  9. Genetische Beobachtungsstudien und Mendelsche Randomisierung bis Gesamtbild der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Konsensdokumente bis Melatonin
  11. Glutathion bis Selen, Omega-3, Lycopin, Vitamin D, weitere
  12. Tierversuche und Laborarbeiten im Überblick und Zusammenschau und Grenzen der Studienlage
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  25. Diagramme
  26. Quellen s01–s140
  27. Quellen s141–s281
  28. Quellen s282–s428
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle