Myo-Inositol, Astaxanthin, NAC, Melatonin und weitere Antioxidantien · Kapitel 7 von 24 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Lesehinweise bis Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen

Lesehinweise

Beobachtungsstudien messen, was ist, ohne etwas zu verändern. Sie vergleichen Männer mit und ohne Auffälligkeit (Fall-Kontroll-Studien), setzen Messwerte und Samenparameter zueinander in Beziehung (Querschnittsstudien), folgen Gruppen über die Zeit (Kohortenstudien) oder nutzen genetische Varianten als Stellvertreter für eine Exposition (Mendelsche Randomisierung). Aus ihnen lässt sich nur ableiten, ob ein Nährstoff, ein Spurenelement oder ein Marker des oxidativen Stresses mit der Spermienqualität zusammenhängt, nicht, ob eine Einnahme etwas verändert. Typische Fehlerquellen sind Störgrößen (Alter, Körpergewicht, Rauchen, Ernährung), umgekehrte Verursachung (eine schlechte Samenqualität oder eine Prostataentzündung kann Messwerte im Samen verändern), die Messung an einem Zeitpunkt, uneinheitliche Messverfahren und die Auswertung vieler Parameter ohne Korrektur für Mehrfachtests. Gemessen wird teils im Blut, teils im Samenplasma, und beide Werte stimmen nicht immer überein [s16]. Die Arbeiten sind nach Substanz geordnet; die Recherchebefunde stützen sich ausschließlich auf Abstracts, deshalb fehlen oft Angaben zu Adjustierung, Fallzahlberechnung und Heterogenität. Ein Teil der Studien enthält zusätzlich einen Interventionsarm; er wird jeweils genannt, die Arbeit ist aber an dieser Stelle wegen ihres überwiegenden Messcharakters aufgeführt. Länder stehen dort, wo Abstract oder Recherchebefund sie nennen.

Magnesium

Zu Magnesium als Ergänzung fand die Recherche beim Mann keine größere randomisierte Studie; es liegen ausschließlich Messstudien mit uneinheitlichem Ergebnis vor. Sie sind hier vollständig aufgeführt, weil sie die gesamte Beobachtungsgrundlage für Magnesium bilden.

Yahyavi et al. 2026 [s15]. „Serum magnesium is linked with sperm concentration, motile sperm count and serum anti-Müllerian hormone in infertile men“. Sekundäranalyse einer randomisierten Studie (330 infertile Männer, 150 Tage Cholecalciferol plus Calcium oder Placebo), ausgewertet als Querschnitt; 31 Männer wurden wegen fehlenden Serummagnesiums ausgeschlossen, 299 Männer nach Terzilen des Serummagnesiums eingeteilt. Im obersten gegenüber dem untersten Terzil waren Konzentration (20,9 gegenüber 8,6 Mio./ml; P = 0,007), Gesamtzahl (72 gegenüber 37 Mio.; P = 0,009), Gesamtzahl motiler Spermien (34 gegenüber 23 Mio.; P = 0,023) und Zahl progressiv motiler Spermien (23 gegenüber 11 Mio.; P = 0,033) höher; Anti-Müller-Hormon (AMH) betrug 40 gegenüber 28 pmol/l (P = 0,002); FSH, LH und Inhibin B unterschieden sich nicht. Die Vitamin-D-Gabe veränderte das Serummagnesium nicht. Die Autoren sehen eine mögliche Rolle von Magnesium neben anderen Mineralstoffen und verlangen weitere Belege. Stärken: dokumentierte Studienpopulation, standardisiert erhobene Hormone. Schwächen: Querschnittsbeziehung, ein einzelner Serummagnesium-Wert, Adjustierung und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract; Ursache und Wirkung sind nicht ableitbar. Die Studie ist in den Abbildungen der Gesamtstudie dargestellt.

Liang et al. 2016 [s278]. „The Association Between Calcium, Magnesium, and Ratio of Calcium/Magnesium in Seminal Plasma and Sperm Quality“. Querschnittsstudie an 515 Männern im Alter von 18 bis 55 Jahren, Sandu County (Provinz Guizhou, China), im Rahmen eines Programms zur Förderung der reproduktiven Gesundheit in weniger entwickelten Regionen; Proben in Familienplanungsstellen. Calcium und Magnesium im Samenplasma wurden mit Flammen-Atomabsorption gemessen (Mediane: Calcium 9,61, Magnesium 4,41, Zink 2,23 mmol/l), die Spermien mit computergestützter Analyse. Nach Adjustierung für Zink und weitere Variablen waren Calcium (β = −0,47; P = 0,0123) und das Calcium/Magnesium-Verhältnis (β = −0,25; P = 0,0393) negativ mit der Spermienkonzentration verbunden. In der Schicht mit Verhältnis ≤ 2,5 blieb die Calciumassoziation (β = −0,71; P = 0,0268) bestehen und Magnesium war mit höherer Konzentration verbunden (β = 0,73; P = 0,0386); bei Verhältnis > 2,5 bestand keine Assoziation. Stärke: für diesen Gegenstand große Stichprobe. Schwächen: ländliche, wenig entwickelte Region, Querschnitt, Schichtenanalyse nach dem Ergebnis des Verhältnisses (Gefahr von Zufallsbefunden), P-Werte knapp unter 0,05; Konfidenzintervalle fehlen im Abstract. Im Datensatz wird die Arbeit als „Clinical Trial“ geführt, beschreibt aber eine Querschnittsstudie.

Wong et al. 2001 [s405]. „The impact of calcium, magnesium, zinc, and copper in blood and seminal plasma on semen parameters in men“. 107 fertile und 103 subfertile Männer lieferten standardisiert Blut und Samen; Calcium und Magnesium wurden kolorimetrisch, Zink und Kupfer mit Atomabsorption gemessen, die Samenanalyse folgte den WHO-Vorgaben von 1992. Calcium, Magnesium, Zink und Kupfer in Blut und Samenplasma unterschieden sich nicht zwischen fertilen und subfertilen Männern. Es fanden sich nur schwache Korrelationen: Blutzink mit Spermienzahl (rs = 0,18), Motilität (rs = 0,15) und Anteil abnormer Formen (rs = 0,13); Zink und Magnesium im Samenplasma mit der Spermienzahl (rs = 0,17 und 0,16); Kupfer im Blut mit der Motilität (rs = 0,25); Calcium, Magnesium und Zink im Samenplasma waren untereinander stark korreliert. Die Autoren schließen, die Bestimmung dieser Elemente unterscheide in dieser Gruppe nicht nach Fertilität. Stärke: ausgewogene Gruppengrößen, gleichzeitige Messung von vier Elementen. Schwäche: kein Land und keine Adjustierung im Abstract; Korrelationen dieser Größe (0,13 bis 0,25) erklären nur wenig Streuung.

Sørensen et al. 1999 [s411]. „Zinc, magnesium and calcium in human seminal fluid: relations to other semen parameters and fertility“. Untersucht wurden 25 Paare mit kurzer und 25 Paare mit langer Zeit bis zur Schwangerschaft (time-to-pregnancy, TTP) bei gesunden Paaren; Zink und Magnesium wurden mit ICP-Massenspektrometrie, Calcium mit Atomabsorption gemessen, dazu konventionelle Samenanalyse und computergestützte Analyse; zusätzlich wurde chelatierbares Zink histochemisch (Autometallographie) lokalisiert. Die Kationen waren untereinander stark korreliert, aber keine korrelierte mit TTP oder konventionellen Samenparametern. Proben mit hoher Zinkkonzentration zeigten eine schlechtere Geschwindigkeit entlang der Geraden (VSL) und Linearität als Proben mit niedrigem Zink; Calcium zeigte denselben Unterschied, der aber verschwand, wenn Zink im Modell berücksichtigt wurde. Die Autoren vermuten, hohe Zinkkonzentrationen im Samen hemmten die Qualität der Bewegung, nicht den Anteil beweglicher Spermien. Stärke: Fertilität als Endpunkt (TTP) bei gesunden Paaren. Schwäche: 50 Paare, eine Extremgruppenauswahl nach TTP. Der Befund (hohes Zink mit schlechterer Bewegungsqualität) steht im Gegensatz zu den meisten Zinkstudien [s170].

Abdul-Rasheed 2010 [s333]. „Association between seminal plasma copper and magnesium levels with oxidative stress in iraqi infertile men“. Fall-Kontroll-Studie aus Bagdad (Irak): 78 infertile Männer (43 Oligozoospermie, 35 Azoospermie; mittleres Alter 33,01 ± 4,20 Jahre) und 41 fertile Kontrollen (30,29 ± 2,30 Jahre); Kupfer und Magnesium im Samenplasma per Atomabsorption, Malondialdehyd (MDA) kolorimetrisch. Kupfer war bei Azoospermie signifikant erniedrigt (P = 0,000), bei Oligozoospermie nicht signifikant; Magnesium war in allen Infertilitätsgruppen signifikant niedriger (P = 0,000), MDA signifikant höher (P = 0,000). Die Autoren deuten, Kupfer und Magnesium wirkten auf verschiedene Weise zur Erhaltung des Spermienmilieus. Schwächen: Gruppen nach dem Samenbefund selbst gebildet, keine Adjustierung im Abstract, P-Werte werden als „0,000“ berichtet.

Azab et al. 2021 [s154]. „Assessment of seminal calcium and magnesium levels in infertile men with varicocele before and after varicocelectomy“. Studie aus Gizeh (Ägypten) mit 50 Männern: 20 fertile und 30 infertile Männer mit Varikozele, die zur Operation anstanden (Ausschluss: Azoospermie, Rauchen, Leukozytospermie, Einnahme von Calcium- oder Magnesiumpräparaten); Samenanalyse und seminales Calcium und Magnesium (kolorimetrisch) zu Beginn und drei Monate nach Varikozelenoperation. Calcium und Magnesium im Samen waren bei Varikozele gegenüber Fertilen signifikant erniedrigt, mit höherem Varikozelengrad und beidseitiger Varikozele verbunden, und stiegen nach der Operation signifikant an. Calcium und Magnesium korrelierten untereinander (r = 0,665; P = 0,001); Magnesium korrelierte mit Konzentration (r = 0,541), Motilität (r = 0,477) und Normalformen (r = 0,520), das Calcium/Magnesium-Verhältnis schwächer (r = 0,282; 0,353; 0,430), alle P = 0,001. Stärke: Prä-post-Messung, ausgeschlossene Supplementeinnahme. Schwäche: 30 Fälle, die Veränderung nach der Operation kann nicht von der Operation selbst getrennt werden; Korrelationen über alle 50 Männer gepoolt, in denen die Gruppenzugehörigkeit den Zusammenhang erzeugen kann.

Aljaser et al. 2021 [s153]. „Effect of trace elements on the seminal oxidative status and correlation to sperm motility in infertile Saudi males“. Fall-Kontroll-Studie aus Riad (Saudi-Arabien): 40 normozoosperme fertile Männer und 30 asthenozoosperme infertile Männer; gemessen wurden seminale reaktive Sauerstoffspezies (ROS), Malondialdehyd (MDA), totale antioxidative Kapazität (TAC) und die Spurenelemente Zink, Selen, Kupfer und Magnesium. Bei Infertilen waren ROS und MDA signifikant höher, TAC sowie Zink und Magnesium signifikant niedriger; zwischen Spurenelementen und Oxidationsmarkern einerseits und Motilität andererseits bestanden signifikante Korrelationen. Die Autoren sehen Spurenelemente und oxidativen Stress als Biomarker männlicher Infertilität. Schwächen: Fallzahl, nur Asthenozoospermie, keine Adjustierung; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract.

Omu et al. 2001 [s403]. „Magnesium in human semen: possible role in premature ejaculation“. Studie aus Kuwait zu Magnesium im Samen und vorzeitiger Ejakulation: In Serum und Samenplasma von drei Gruppen (15 Männer mit normalen Spermienparametern, 15 mit Oligoasthenozoospermie, 9 mit echter vorzeitiger Ejakulation) wurden Magnesium, Zink, Kupfer und Selen mit Atomabsorption gemessen. In allen drei Gruppen waren Serum- und Samenwerte normal, nur das Magnesium im Samenplasma war bei vorzeitiger Ejakulation signifikant niedriger. Hormonprofil und Körpermasseindex hingen nicht mit der vorzeitigen Ejakulation zusammen. Die Autoren vermuten, niedriges Magnesium könne über Gefäßverengung, höheres Thromboxan, höheres intrazelluläres Calcium und weniger Stickstoffmonoxid zur vorzeitigen Emission und Ejakulation beitragen. Einordnung: Die Studie betrifft die Ejakulationsfunktion, nicht die Spermienqualität; die Gruppen sind winzig, und die vorgeschlagene Kette ist eine Hypothese. Für Oligoasthenozoospermie fand sich kein Magnesiumunterschied.

Değer und Akkus 1988 [s421]. „Semen magnesium levels in fertile and infertile subjects“. Semen von 37 fertilen und 45 infertilen Männern (Erzurum, Türkei, nach den Recherchebefunden) wurde mit Atomabsorption auf Magnesium untersucht: 11,9 ± 3,0 mg/100 ml bei Fertilen gegenüber 6,9 ± 2,1 mg/100 ml bei Infertilen (Mittelwerte ± Standardabweichung). Die Autoren halten Seminalmagnesium für ein mögliches Kriterium der Prostatafunktion. Der Abstract nennt keinen P-Wert, keine Gruppendefinition der Infertilen und keine Adjustierung; es ist die älteste Magnesiumstudie im Fund.

Iwai et al. 2025 [s41]. „日本人男性における精液中の必須・有害元素と精子の質との関“ (deutsch: Zusammenhang zwischen essentiellen und toxischen Elementen im Sperma und der Spermienqualität bei japanischen Männern) [Titel im Indexeintrag möglicherweise gekürzt]. Japanisch publizierter Tagungsabstract (Querschnitt) mit 372 gesunden Männern von 20 bis 39 Jahren: 17 essentielle und toxische Elemente im Samen wurden per ICP-MS gemessen, die Clusteranalyse trennte eine Gruppe von 14 % der Teilnehmer mit höherer Zahl motiler Spermien, höherer Motilität und höheren Konzentrationen der essentiellen Elemente (Magnesium, Mangan, Eisen, Kobalt, Kupfer, Zink, Selen, Molybdän) ab. Die Autoren sehen weiteren Untersuchungsbedarf. Einordnung: Ein Clusterbefund bei gesunden Männern, ohne Effektgrößen im Abstract; Magnesium ist hier nur eines von acht gemeinsam erhöhten Elementen und nicht einzeln beurteilbar.

Einordnung Magnesium. Von den zehn aufgeführten Studien zeigen vier ([s333, s154, s153, s421]) niedrigere Magnesiumwerte im Samen bei Infertilen oder bei Varikozele, zwei ([s405, s411]) keinen Zusammenhang mit Fertilität, eine ([s278]) einen Zusammenhang nur in einer nachträglich gebildeten Schicht, eine ([s15]) einen Zusammenhang des Serummagnesiums mit Spermienzahlen bei bereits infertilen Männern, eine ([s403]) einen Unterschied nur bei vorzeitiger Ejakulation und eine ([s41]) einen Clusterbefund bei gesunden Männern. Eine einzelne Interventionsstudie mit Magnesium am infertilen Mann war so klein, dass sie keinen Effekt ausschließen kann (siehe die klinischen Abschnitte der Gesamtstudie). Aus den Beobachtungsstudien lässt sich nicht ableiten, ob eine Zufuhr von Magnesium die Spermienqualität verändert.

Vitamin B12, Folat und Vitamin B6

Boxmeer et al. 2007 [s361]. „Seminal plasma cobalamin significantly correlates with sperm concentration in men undergoing IVF or ICSI procedures“. Prospektive Studie an 73 Männern (Alter im Median 37, Spannweite 28 bis 53 Jahre) in einem IVF/ICSI-Programm: Folat (Serum und Erythrozyten), Gesamtcobalamin im Serum, Pyridoxal-5'-Phosphat im Vollblut, Gesamthomocystein und Testosteron im Serum sowie die Entsprechungen im Samenplasma; Samenanalyse nach WHO-Kriterien. Folat im Serum und in den Erythrozyten korrelierte mit Folat im Samenplasma (r = 0,44 und r = 0,39; beide P < 0,001), Cobalamin in Serum und Samenplasma korrelierte (r = 0,55; P = 0,001), und Cobalamin im Samenplasma korrelierte mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; P < 0,001); andere Vitamine und Homocystein zeigten keine Zusammenhänge mit Samenparametern. Die Autoren sehen die Rolle von Cobalamin in der Spermatogenese betont. Stärke: Messung in Blut und Samenplasma. Schwäche: Männer in der Kinderwunschbehandlung (selektierte Gruppe), 73 Teilnehmer, Querschnitt; ein Zusammenhang zwischen Cobalamin im Samen und Konzentration kann auch umgekehrt entstehen (mehr Spermien, mehr Spermien-assoziiertes Cobalamin).

Murphy et al. 2011 [s327]. „Folate and vitamin B12 in idiopathic male infertility“. Fall-Kontroll-Studie aus Schweden (Malmö und Lund): 153 Männer mit idiopathischer Infertilität und 184 fertile Kontrollen; Serumfolat, Erythrozytenfolat, Serum-B12, Plasmahomocystein, Samenqualität und 20 häufige Genvarianten in zwölf Genen des Folat-, B12- und Homocysteinstoffwechsels. Die Varianten PEMT M175V und TCblR rs173665 waren mit Infertilität verbunden (P = 0,01 beziehungsweise P = 0,009), nicht aber mit der Samenqualität. Bei Männern ohne Supplementeinnahme hatten Infertile ein niedrigeres Serumfolat (12,89 gegenüber 14,73 nmol/l; P = 0,02); Erythrozytenfolat, B12 und Homocystein unterschieden sich nicht; keiner dieser Marker korrelierte mit einem Samenparameter. Die Autoren sehen wenig Stütze für einen niedrigen Folat- oder B12-Status in der Entstehung der idiopathischen Infertilität. Stärke: Kontrollgruppe fertiler Männer, Analyse ohne Supplementeinnahme. Schwäche: Das einzige signifikante Marker-Ergebnis (Serumfolat) ist ein Einzelbefund bei vielen Vergleichen; die Genassoziationen betreffen 20 Varianten, und der Abstract nennt keine Korrektur für Mehrfachtests.

Chen et al. 2001 [s399]. „[Comparison of seminal vitamin B12, folate, reactive oxygen species and various sperm parameters between fertile and infertile males]“ (deutsch: Vergleich von Vitamin B12, Folat, reaktiven Sauerstoffspezies und verschiedenen Spermienparametern im Sperma fertiler und infertiler Männer). Chinesischsprachige Vergleichsstudie (Sun Yat-sen University) mit 44 infertilen und 176 fertilen Männern; Vitamin B12, Folat und ROS im Samen und weitere Parameter nach WHO-Vorgaben. B12 und Folat im Samen unterschieden sich nicht (P > 0,05); ROS waren bei Infertilen höher (P < 0,01), ebenso Fehlformen und niedrige Motilität; B12 und Folat korrelierten negativ mit ROS (P < 0,01); ROS korrelierten positiv mit Fehlformen (P < 0,01), aber auch positiv mit der Motilität (P < 0,01). Der Abstract erklärt den letztgenannten, ungewöhnlichen Befund nicht. Die Autoren sehen in der ROS-Zunahme einen wichtigen Faktor für schlechte Samenqualität. Schwächen: ungleiche Gruppengrößen (44 gegen 176) und keine Adjustierung im Abstract.

Qi et al. 2018 [s245]. „[Correlation of the levels of seminal plasma homocysteine, folate and cobalamin with semen parameters in obese men]“ (deutsch: Zusammenhang der Spiegel von Homocystein, Folat und Cobalamin im Seminalplasma mit Spermienparametern bei adipösen Männern). Chinesischsprachige Querschnittsstudie (Hebei) an 83 zufällig ausgewählten Männern mit idiopathischer Infertilität, nach Körpermasseindex (BMI) in normal (n = 28), übergewichtig (n = 28) und adipös (n = 27) eingeteilt; Homocystein, Folat und Cobalamin im Samenplasma per ELISA. Adipöse hatten gegenüber Normalgewichtigen niedrigeres Volumen (2,58 ± 0,77 gegenüber 3,23 ± 0,86 ml), niedrigere Gesamtzahl (121,55 ± 88,08 gegenüber 191,35 ± 103,00 × 10⁶), geringeren Anteil progressiv motiler Spermien (38,97 ± 16,52 gegenüber 52,88 ± 15,58 %), niedrigeres Homocystein (6,62 ± 0,85 gegenüber 7,41 ± 1,29 µmol/l) und niedrigeres B12 (230,07 ± 37,75 gegenüber 282,41 ± 30,38 pmol/l), alle P < 0,05. Die Übergewichtigen unterschieden sich weder von Normalgewichtigen noch von Adipösen. Homocystein und B12 korrelierten positiv mit Volumen (r = 0,281; 0,242) und Gesamtzahl (r = 0,229; 0,258) und negativ mit dem BMI (r = −0,293; −0,238); Folat hing weder mit Samenparametern noch mit dem BMI zusammen. Stärken: Messung im Samenplasma, Stratifizierung nach BMI. Schwächen: kleine Gruppen, nur idiopathisch infertile Männer, Querschnitt; die Korrelationen sind schwach. Ob niedriges B12 bei Adipösen Ursache oder Folge ist, bleibt offen.

Boushaba et al. 2023 [s75]. „The relationship of sperm DNA integrity with serum vitamin levels (folate and cobalamin) and food consumption in infertile men“. Querschnittsstudie aus Batna (Algerien) an infertilen Männern: Samenparameter und DNA-Fragmentationsindex (DFI, Chromatin-Dispersionstest), Serumfolat und Cobalamin per Immunoassay und ein halbquantitativer Ernährungsfragebogen. Serumfolat korrelierte positiv mit der progressiven Motilität und, bemerkenswert, mit dem DFI; Männer mit Folat unter 4,840 ng/ml hatten niedrigere Konzentration und progressive Motilität als Männer mit höherem Folat, ohne Unterschied im DFI; bei hohem DFI (Grenzwerte 30 % und 18 %) war das Serumfolat signifikant höher; Früchte und Eigelb korrelierten mit Konzentration beziehungsweise Motilität. Die Autoren mahnen zur vorsichtigen Verordnung von Folatpräparaten. Der Abstract enthält keine Cobalamin-Befunde und keine Fallzahl. Einordnung: Der positive Zusammenhang von Folat mit dem DNA-Fragmentationsindex steht im Gegensatz zur Erwartung eines Schutzes; die Querschnittsanlage erlaubt keine Aussage über Richtung.

Kumar et al. 2024 [s53]. „Correlation between serum vitamin B12, vitamin D, and suboptimal semen parameters in male infertility: A hospital-based cross-sectional study“. Krankenhausbasierte Querschnittsstudie aus einem Zentrum in Nordindien über zwei Jahre mit 73 infertilen Männern (20 bis 40 Jahre) mit eingeschränkten Spermienparametern; Serum-B12 (ELISA) und Vitamin D (CLIA) nüchtern. Mittelwerte: B12 243,4 ± 69,3 pg/ml, Vitamin D 22,5 ± 13,2 ng/ml; niedriges B12 (< 200 pg/ml) bei 29 Männern (39,7 %), niedriges Vitamin D (< 20 ng/ml) bei 51 (69,9 %). Zwischen Männern mit niedrigem und normalem B12 unterschieden sich Spermienzahl, Motilität und Morphologie, ebenso bei Vitamin D (Tests: t-Test, Chi-Quadrat, Pearson-Korrelation). Die Autoren sehen eine mögliche Verbindung zwischen niedrigen Spiegeln und suboptimalen Samenparametern. Schwächen: keine Kontrollgruppe fertiler Männer (alle Teilnehmer hatten auffällige Samenparameter), kleine Stichprobe, keine Richtung und keine Zahlenwerte der Unterschiede im Abstract.

Rastegar Panah et al. 2024 [s60]. „Vitamin B12 Is Associated with Higher Serum Testosterone Concentrations and Improved Androgenic Profiles Among Men with Infertility“. Querschnittsstudie am Mount Sinai Hospital in Toronto (Kanada) mit 303 Männern mit Infertilität; Serum-B12 und Reproduktionshormone (LH, FSH, Gesamttestosteron, Östradiol, Prolaktin); Spearman-Korrelation, lineare und logistische Regression, Effektmodifikation durch Alter und BMI. B12 und Gesamttestosteron hingen unabhängig zusammen (ρ = 0,19; P = 0,001); linear unadjustiert β = 0,0007 (P = 0,008), adjustiert β = 0,0005 (P = 0,03). Gegenüber dem untersten B12-Terzil hatten das mittlere (adjustierte OR 0,48; 95-%-KI 0,25 bis 0,93; P = 0,03) und das oberste Terzil (unadjustiert OR 0,41; 0,22 bis 0,77; P = 0,005; adjustiert OR 0,44; 0,22 bis 0,87; P = 0,02) eine verringerte Chance eines Testosteronmangels. Die Autoren sehen niedriges B12 bei infertilen Männern mit höherem Risiko für Testosteronmangel verbunden. Stärken: für diesen Gegenstand große Stichprobe, Angabe von Konfidenzintervallen und Adjustierung. Schwächen: Zielgröße ist der Hormonspiegel, nicht die Spermienqualität; Korrelation schwach (ρ = 0,19); Querschnitt; Testosteronmangel und B12 können gemeinsame Ursachen haben (etwa Adipositas oder Ernährung).

Ishtulin et al. 2022 [s122]. „[Vitamin B12 is a diagnostic marker of decreased men reproductive function]“ (deutsch: Vitamin B12 als diagnostischer Marker einer verminderten männlichen Fortpflanzungsfunktion). Russischsprachige Fall-Kontroll-Studie aus Rjasan bei Männern (Alter 27 ± 2 Jahre) mit chronischer Prostatitis oder Varikozele und Asthenozoospermie; B12 im Samenplasma per kompetitivem ELISA. B12 war bei Prostatitis IIIB mit Asthenozoospermie 3,6-fach, bei Varikozele II und III mit Asthenozoospermie 4,4-fach niedriger als in der Kontrollgruppe. Berichtet werden eine Korrelation mittlerer Stärke (r = 0,683; P = 0,001; der Abstract nennt den Bezugsparameter nicht eindeutig) und eine zwischen B12 und Beweglichkeit (r = 0,690; P = 0,001). Die Autoren sehen B12 als Marker verminderter männlicher Fortpflanzungsfunktion. Schwächen: Fallzahlen und Kontrollgruppe stehen nicht im Abstract; es ist denkbar, dass Prostataentzündung und Varikozele den B12-Gehalt im Samenplasma selbst verändern (umgekehrte Verursachung); es handelt sich um Assoziation, nicht um die Wirkung einer B12-Gabe.

Bdeir et al. 2024 [s46]. „Role of pyridoxine and oxidative stress in asthenozoospermia“. Fall-Kontroll-Studie aus der Provinz Irbid (Jordanien, zwei Einrichtungen der Sekundärversorgung): 63 asthenozoosperme und 43 normozoosperme Männer (mittleres Alter 30,35 ± 7,03 Jahre); Vitamin B6, Glutathion (GSH) und totale antioxidative Kapazität (TAC) im Samenplasma spektrophotometrisch (WHO 2021). Vitamin B6 war bei Asthenozoospermie um etwa 80 % niedriger (P < 0,0001); GSH (P < 0,0001) und TAC (P < 0,0073) hingen mit dem B6-Mangel zusammen. Die Autoren schließen, Pyridoxinmangel könne das Glutathionsystem verändern und zur Asthenozoospermie beitragen. Einordnung: Vitamin B6 liegt außerhalb der Hauptsubstanzen und ist hier wegen des Glutathionbezugs aufgenommen; der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle, und die genannte Ursachenkette ist nicht belegt.

Einordnung B12 und Folat. Die Beobachtungsstudien zu B12 liefern ein uneinheitliches Bild: Boxmeer fand eine Beziehung von Seminalcobalamin zur Konzentration [s361], Murphy keinen Zusammenhang mit Samenparametern [s327], Chen keinen Unterschied im Samen-B12 zwischen Fertilen und Infertilen [s399]; zwei Arbeiten berichten niedrigeres B12 bei Adipositas beziehungsweise bei Prostatitis oder Varikozele [s245, s122], eine zeigt einen Zusammenhang mit Testosteron statt mit der Samenqualität [s60]. Für Folat deutet eine algerische Arbeit auf einen unerwarteten positiven Zusammenhang mit dem DNA-Fragmentationsindex [s75]. In den englisch-, deutsch-, französisch-, italienisch-, portugiesisch- und spanischsprachigen Quellen fand die Recherche keine randomisierte Studie mit reinem B12 bei Männern; ältere Studien mit Methylcobalamin liegen aus Japan vor (siehe die klinischen Abschnitte der Gesamtstudie).

Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen

Zu Glutathion als Einnahme fand die Recherche beim Menschen keine kontrollierte orale Studie; die Beobachtungsliteratur misst Glutathion, seine Enzyme und das Spurenelement Selen in Blut, Samenplasma oder Spermien und setzt sie zur Samenqualität in Beziehung. Diese Studien zeigen Zusammenhänge, nicht die Wirkung einer Einnahme.

Xu und Zhao 2025 [s39]. „Serum Selenoprotein P and Glutathione Expression in Relation to Sperm Kinetic Parameters in Patients with Asthenospermia“. Retrospektive Fall-Kontroll-Analyse am Zibo Central Hospital (China) bei Männern im zeugungsfähigen Alter, die zwischen Oktober 2022 und Oktober 2024 vor einer geplanten Empfängnis untersucht wurden; Einteilung nach dem Anteil progressiv beweglicher Spermien in 147 Fälle (Asthenozoospermie) und 151 Gesunde. Fall- und Kontrollgruppe unterschieden sich in Körpermasseindex (BMI), Rauchen, regelmäßigem Alkoholkonsum und Schlafdauer (alle P < 0,001). Serum-Selenoprotein P (SeP) und Glutathion (GSH) waren in der Fallgruppe niedriger (P < 0,001). GSH korrelierte negativ mit der Zahl nicht vorwärts beweglicher Spermien (r = −0,601) und positiv mit vorwärts beweglichen Spermien (r = 0,518), Konzentration (r = 0,554) und Gesamtvitalität (r = 0,524); für SeP waren die Werte r = −0,476 sowie 0,473, 0,485 und 0,518. In der multivariaten linearen Regression waren BMI (β = −0,217), Schlafdauer (β = 0,236), SeP (β = 0,253), GSH (β = 0,325), Rauchen (β = −0,085; P = 0,031) und regelmäßiger Alkoholkonsum (β = −0,083; P = 0,034) Einflussfaktoren für die Zahl vorwärts beweglicher Spermien; Malondialdehyd (MDA) korrelierte negativ mit SeP (r = −0,471) und GSH (r = −0,543). Die Fläche unter der Kurve für die Diagnose einer Asthenozoospermie betrug 0,824 (SeP) und 0,852 (GSH). Stärken: Adjustierung für Lebensstilfaktoren, Angabe von Diagnosegüte. Schwächen: retrospektiv und querschnittlich; gemessen wurden Serumwerte, nicht Samenplasmawerte; die Fallgruppe unterscheidet sich im BMI und im Lebensstil von der Kontrollgruppe; keine Aussage über Ursache oder Einnahme; die hohen Trennschärfen (AUC über 0,8) gelten in der Stichprobe, in der die Gruppen nach dem Merkmal selbst gebildet wurden, und sind ohne Validierung in anderen Gruppen nicht übertragbar.

Zhang et al. 2026 [s16]. „Quantitative analysis of vitamin E, 5-methyltetrahydrofolate, and glutathione in seminal plasma by liquid chromatography-tandem mass spectrometry“. Methodenvalidierung mit explorativer Fall-Kontroll-Analyse am Shandong Provincial Hospital (China): eine LC-MS/MS-Methode für Vitamin E, 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) und GSH im Samenplasma wurde nach CLSI C62-A validiert (Variationskoeffizienten innerhalb und zwischen Messreihen unter 6,8 % beziehungsweise 5,5 %; Wiederfindung 88,78 % bis 108,10 %), vorläufige Referenzintervalle wurden bei 120 gesunden Männern bestimmt, Serum und Samenplasma bei 22 Paaren verglichen und 47 infertile Männer explorativ untersucht. Zwischen Serum und Samenplasma fand sich keine signifikante Korrelation. Bei den Infertilen waren 5-MTHF (139,50 [68,02 bis 198,50] gegenüber 387,80 [152,50 bis 623,80] ng/ml; P < 0,001) und GSH (4.314 [3.051 bis 5.974] gegenüber 9.049 [6.128 bis 11.828] ng/ml; P < 0,001) niedriger, Vitamin E nicht unterschiedlich (199,00 [138,00 bis 252,00] gegenüber 168,50 [129,00 bis 237,80] ng/ml; P = 0,211). Die Autoren sehen eine mögliche Bedeutung von 5-MTHF und GSH für die männliche Infertilität und verlangen multizentrische Validierung. Stärke: sorgfältige Messmethodik. Schwächen: kleine, explorative Fallgruppe (47 Männer), Kontrollen und Fälle nicht im Detail beschrieben; die fehlende Serum-Samen-Korrelation zeigt, dass Blutwerte die Samenplasmawerte nicht abbilden.

Atig et al. 2012 [s317]. „Impact of seminal trace element and glutathione levels on semen quality of Tunisian infertile men“. Studie aus Tunesien mit 60 fertilen (normozoospermen) und 190 infertilen Männern (74 Asthenozoospermie, 56 Oligozoospermie, 60 Teratozoospermie): Zink und Selen im Samenplasma per Atomabsorption, Gesamt-, oxidiertes und reduziertes Glutathion sowie MDA spektrophotometrisch. Zink und Selen waren bei Normozoospermie höher als in den drei auffälligen Gruppen, aber nur bei Zink war der Unterschied signifikant; Zink korrelierte positiv mit Motilität (r = 0,29; P = 0,03) und Spermienzahl. Das Samenplasma-Glutathion war bei Normozoospermie höher als in den Patientengruppen. Die Autoren sehen verminderte Glutathion- und Spurenelementspiegel als möglichen indirekten Biomarker idiopathischer Infertilität. Schwäche: Der Abstract nennt nicht alle Zahlenwerte; Querschnitt, keine Adjustierung.

Aydemir et al. 2006 [s372]. „Impact of Cu and Fe concentrations on oxidative damage in male infertility“. Studie aus Istanbul (Türkei) mit 60 subfertilen Männern und 40 fertilen Freiwilligen: Eisen und Kupfer in Serum und Samenplasma, Glutathion, MDA und ROS. Spermienzahl und Motilität waren bei den Subfertilen niedriger (P < 0,001); Kupfer in Serum (P < 0,001) und Samenplasma (P < 0,05) sowie Eisen im Samenplasma (P < 0,001) waren höher, Serumeisen nicht. Die Autoren sehen Kupfer und Eisen als Vermittler oxidativer Schäden und empfehlen ihre Bestimmung in der Abklärung. Einordnung: Die Studie betrifft Spurenelemente, die in höheren Konzentrationen oxidativ wirken können; die Glutathion-Ergebnisse nennt der Abstract nicht.

Foresta et al. 2002 [s395]. „Male fertility is linked to the selenoprotein phospholipid hydroperoxide glutathione peroxidase“. Fall-Kontroll-Studie: Spermien von 75 infertilen Männern und 37 Kontrollen; die selenabhängige Phospholipid-Hydroperoxid-Glutathionperoxidase (PHGPx), die fast den gesamten Selengehalt des Säugerhodens ausmacht und im Mittelstück der Spermien Teil der Mitochondrienkapsel ist, wurde als „zurückgewonnene“ Aktivität gemessen. Bei Infertilen lag sie signifikant niedriger (93,2 ± 60,1 gegenüber 187,5 ± 55,3 Einheiten/mg Spermienprotein), am niedrigsten bei Oligoasthenozoospermie (61,93 ± 45,42 Einheiten/mg; P < 0,001 gegenüber Kontrollen und Asthenozoospermie), und korrelierte positiv mit Vitalität (r = 0,35), morphologischer Integrität (r = 0,44) und am stärksten mit der Vorwärtsmotilität (r = 0,45). Die Autoren sehen PHGPx als unentbehrlich für die strukturelle Integrität der Spermien und als prädiktiven Messwert für die Befruchtungsfähigkeit. Einordnung: Eine biochemische Assoziation im Spermium; eine Einnahme von Selen oder Glutathion wurde nicht geprüft.

Imai et al. 2001 [s400]. „Failure of the expression of phospholipid hydroperoxide glutathione peroxidase in the spermatozoa of human infertile males“. Studie aus Japan zur PHGPx-Expression in menschlichen Spermien (Immunoblot). Bei etwa 10 % von 73 infertilen Männern war die Expression drastisch vermindert; alle sieben Betroffenen hatten eine Oligoasthenozoospermie, das sind 26 % der 27 infertilen Männer mit Oligoasthenozoospermie; bei 31 fertilen Freiwilligen fand sich kein Defekt. Spermien mit niedriger Expression waren nach drei Stunden Inkubation seltener beweglich, nahmen Rhodamin 123 nicht auf (Verlust des mitochondrialen Membranpotenzials) und zeigten im Elektronenmikroskop auffällige Mitochondrien. Die Autoren sehen im Ausfall der mitochondrialen PHGPx eine mögliche Ursache der Oligoasthenozoospermie. Einordnung: Sieben Männer; die Studie ist mit [s395] und der japanischen Übersicht [s351] gedanklich verbunden und beschreibt einen Defekt, nicht eine Mangelversorgung.

Ammar et al. 2020 [s181]. „Teratozoospermia: Its association with sperm DNA defects, apoptotic alterations, and oxidative stress“. Studie aus Monastir (Tunesien) mit 69 Männern mit isolierter polymorpher Teratozoospermie und 20 Männern mit normalen Samenparametern: DNA-Strangbrüche (Acridinorange), mitochondriale Depolarisation, Phosphatidylserin-Externalisierung und seminales Antioxidanzprofil (reduziertes und oxidiertes Glutathion, Glutathion-S-Transferase [GST], Protein-Sulfhydrylgruppen). Teratozoosperme Männer hatten mehr DNA-Brüche, mehr Phosphatidylserin-Externalisierung und mehr mitochondriale Depolarisation; reduziertes Glutathion, GST und Protein-Sulfhydrylgruppen waren niedriger. Die Autoren sehen das verminderte Antioxidanzprofil als möglichen Faktor der Spermienapoptose. Einordnung: Der Abstract widerspricht sich zur GST (erst als signifikant erniedrigt, dann als nicht signifikant genannt); die Zusammenhänge zwischen Apoptosemarkern, DNA-Schäden und Antioxidanzstatus sind korrelativ.

Menevşe et al. 2022 [s128]. „Evaluation of sialic acid, malondialdehyde and glutathione levels in infertile male“. Studie aus der Universität Selçuk (Konya, Türkei): je 30 normozoosperme (Konzentration ≥ 15 Mio./ml) und oligozoosperme Männer; Sialinsäure, MDA und GSH im Samenplasma. Sialinsäure unterschied sich deutlich (P < 0,0001; Grenzwert nach ROC-Kurve 4,175 nmol/ml), MDA und GSH nicht (P > 0,05). Einordnung: Für Glutathion ist das Ergebnis negativ; die Arbeit zeigt, dass nicht alle Marker des oxidativen Stresses bei Oligozoospermie verändert sind.

Micoogullari et al. 2022 [s129]. „Evaluation of the role of thiol / disulfide homeostasis in the etiology of idiopathic male infertility with a novel and automated assay“. Studie aus Izmir (Türkei): 79 Männer mit idiopathischer Infertilität und 90 Gesunde; Serum-Thiol/Disulfid-Gleichgewicht. Gesamtthiol, natives Thiol und die Verhältnisse unterschieden sich signifikant (P < 0,05); die Antioxidanzparameter waren bei Infertilen niedriger, die Oxidanzverhältnisse höher; die Disulfidwerte unterschieden sich nicht signifikant (P = 0,214). Natives Thiol mit einem Grenzwert von 507,15 µmol/l sagte die Infertilität mit 72,2 % Sensitivität und 74,4 % Spezifität voraus, Gesamtthiol (545,45 µmol/l) mit 70,9 % und 73,3 %; in der multivariaten Analyse war nur natives Thiol ein unabhängiger Risikofaktor. Die Autoren sehen die Studie als Hinweis auf oxidativen Stress und auf mögliche Antioxidantientherapie. Schwächen: Serum- statt Samenmessung, Trennschärfe mäßig, eine Aussage zur Behandlung folgt aus Messungen nicht.

Hsieh et al. 2006 [s373]. „Seminal malondialdehyde concentration but not glutathione peroxidase activity is negatively correlated with seminal concentration and motility“. Studie aus Taichung (Taiwan) mit 20 Männern mit Normozoospermie und 31 mit Oligoasthenospermie; MDA und Glutathionperoxidase (GPx) im Samenplasma. MDA war bei Oligoasthenospermie höher (1,52 ± 0,75 gegenüber 2,25 ± 0,88 nM; P = 0,0021), die GPx-Aktivität nicht verschieden (0,48 ± 0,11 gegenüber 0,47 ± 0,12 U/ml); MDA korrelierte negativ mit Motilität (P = 0,017) und Konzentration (P = 0,0166), GPx positiv, aber nicht signifikant. Die Autoren sehen MDA als einfaches Instrument zur Vorhersage der Spermienparameter. Einordnung: kleine Gruppen; der Befund betrifft ein Peroxidationsprodukt, nicht Glutathion als Einnahme.

Eskiocak et al. 2005 [s380]. „Glutathione and free sulphydryl content of seminal plasma in healthy medical students during and after exam stress“. Beobachtungsstudie mit Messwiederholung in Edirne (Türkei): 34 gesunde Medizinstudenten gaben Samen kurz vor (Stressphase) und drei Monate nach ihren Abschlussprüfungen ab; Prüfungsstress wurde mit dem State Trait Anxiety Inventory gemessen. Während der Prüfungsphase waren Glutathion und freie Sulfhydrylgruppen im Samenplasma und der Motilitätsindex niedriger, der Anteil morphologisch abnormer Spermien höher (jeweils P < 0,001); Glutathion hing zu beiden Zeitpunkten mit dem Motilitätsindex zusammen (P < 0,05 und P < 0,01). Die Autoren schließen, schlechte Spermienqualität könne mit einem Verlust von Glutathion und Sulfhydrylgruppen zusammenhängen. Stärke: Messwiederholung am selben Mann. Schwächen: gesunde, junge Männer, keine Kontrollgruppe ohne Stress, Zeitpunkt der Messung (Jahreszeit) und Karenz nicht im Abstract; es besteht eine Assoziation mit psychischer Belastung, keine Wirkung einer Glutathiongabe.

Eroglu et al. 2014 [s298]. „Blood serum and seminal plasma selenium, total antioxidant capacity and coenzyme q10 levels in relation to semen parameters in men with idiopathic infertility“. Fall-Kontroll-Studie aus Istanbul (Türkei) mit 59 Männern (44 mit idiopathischer Infertilität und auffälligen Spermienparametern, 15 fertile mit normalen Parametern): Selen, totale antioxidative Kapazität (TAC) und Coenzym Q10 in Serum und Samenplasma. Serumselen, Samenselen und Samen-TAC unterschieden sich zwischen den Gruppen (P < 0,01; P < 0,001; P < 0,001); Serum-TAC sowie CoQ10 in Serum und Samenplasma unterschieden sich nicht. Serumselen korrelierte mit Samenselen (r = 0,46; P < 0,01); Serum- und Samenselen korrelierten positiv mit Konzentration, Motilität und Morphologie, Samen-TAC mit allen drei Parametern, Samen-CoQ10 nur mit der Morphologie. Die Autoren sehen Selenmangel als möglichen bestimmenden Faktor und die Messung des Serumselens als Hilfe, um Patienten zu erkennen, die von einer Supplementierung profitieren könnten; das ist ihre Hypothese. Schwächen: 15 fertile Kontrollen; die Aussage zur Supplementierung ist nicht Gegenstand der Studie.

Xu et al. 2001 [s406] und Xu et al. 2003 [s392]. „[The associations between concentration of selenium in semen and sperm parameters as well as oxidative DNA damage in human sperm]“ (deutsch: Zusammenhang zwischen Selenkonzentration im Sperma, Spermienparametern und oxidativer DNA-Schädigung). Die erste Studie (chinesischsprachig, Anhui Medical University; Fallzahl im Abstract nicht genannt, fertile und infertile Männer) fand eine höhere Selenkonzentration im Samen bei Fertilen (0,74 gegenüber 0,56 µmol/l), ebenso höhere Werte für Volumen (3,91 gegenüber 2,79 ml), Dichte (46,4 gegenüber 36,5 × 10⁹/l) und Spermienzahl (168,0 gegenüber 102,0 × 10⁶); Motilität, Vitalität und Anteil fehlgeformter Spermien unterschieden sich nicht. Selen im Samen korrelierte mit Dichte (r = 0,48 bei Fertilen, r = 0,32 bei Infertilen), Spermienzahl (0,32; 0,26), Motilität (0,46; 0,65) und Vitalität (0,33; 0,64), nicht aber Serumselen; das oxidative DNA-Schadensprodukt 8-OHdG in der Spermien-DNA korrelierte negativ mit Samenselen (r = −0,21 und r = −0,28). „The associations among semen quality, oxidative DNA damage in human spermatozoa and concentrations of cadmium, lead and selenium in seminal plasma“. Die Folgestudie derselben Gruppe an 56 Nichtrauchern ergab ähnliche Zusammenhänge: Selen mit Dichte (r = 0,50), Zahl (0,49), Motilität (0,40) und Vitalität (0,38); Cadmium negativ mit Dichte (r = −0,28) und Zahl (−0,27); 8-OHdG negativ mit Selen (r = −0,40) und positiv mit Cadmium (r = 0,55); Blei zeigte keinen Zusammenhang mit der Samenqualität. Die Autoren folgern, Selen könne vor oxidativen DNA-Schäden schützen. Einordnung: Beide Arbeiten sind korrelativ; das geometrische Mittel von 8-OHdG hatte ein sehr weites Intervall (51,4; 95-%-KI 21,5 bis 123,0).

Chen et al. 2023 [s77]. „Sperm mitochondrial DNA copy number mediates the association between seminal plasma selenium concentrations and semen quality among healthy men“. Querschnitts- und Mediationsanalyse bei gesunden chinesischen Samenspendern (Fujian): Selenkonzentration im Samenplasma (gepoolt je Mann, n = 1.159) in Beziehung zu wiederholten Spermienparametern (n = 5.617 Messungen), lineare gemischte Modelle; Mediationsanalyse mit der mitochondrialen DNA-Kopienzahl (mtDNAcn) der Spermien (n = 989). Das oberste gegenüber dem untersten Quartil des Samenplasma-Selens war mit einer um 70,1 % (95-%-KI 53,3 bis 88,9) höheren Konzentration und einer um 59,1 % (40,5 bis 80,2) höheren Gesamtzahl verbunden; Samenselen war umgekehrt mit der mtDNAcn assoziiert, und die mtDNAcn mit Motilität, Konzentration und Gesamtzahl; die mtDNAcn vermittelte 19,7 % (15,9 bis 25,3) beziehungsweise 23,1 % (17,4 bis 33,4) der Zusammenhänge. Die Autoren sehen Selen als wesentlich für die Spermatogenese, möglicherweise über die mtDNAcn. Stärken: große, wiederholt gemessene Kohorte, Intervalle angegeben. Schwächen: gesunde Spender (kein Befund bei Infertilen), Beobachtungsdaten, Mediationsannahmen nicht geprüft; Samenselen kann auch Folge der Spermienzahl sein.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehinweise und Abgrenzung bis Übersichten und Metaanalysen zu Antioxidantien allgemein
  5. Metaanalysen zu einzelnen Wirkstoffen und Narrative Übersichtsartikel nach Substanz
  6. Übersichten zu Antioxidantien insgesamt und Gesamtbild der Metaanalysen und Übersichten
  7. Lesehinweise bis Glutathion, glutathionabhängige Enzyme und Selen
  8. Totale antioxidative Kapazität und Marker des oxidativen Stresses bis Vitamin D und Carnitine
  9. Genetische Beobachtungsstudien und Mendelsche Randomisierung bis Gesamtbild der Beobachtungsstudien
  10. Leitlinien und Konsensdokumente bis Melatonin
  11. Glutathion bis Selen, Omega-3, Lycopin, Vitamin D, weitere
  12. Tierversuche und Laborarbeiten im Überblick und Zusammenschau und Grenzen der Studienlage
  13. Mechanismen und biologische Plausibilität
  14. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  15. Englisch bis Koreanisch
  16. Russisch bis Türkisch
  17. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  25. Diagramme
  26. Quellen s01–s140
  27. Quellen s141–s281
  28. Quellen s282–s428
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle