Psychopharmaka: Antipsychotika, Lithium und ADHS-Medikamente · Kapitel 17 von 18

Glossar

Akrosomreaktion. Freisetzung von Enzymen aus der Kappe des Spermienkopfes (Akrosom), die für das Eindringen in die Eizelle nötig ist.

Amisulprid, Aripiprazol, Clozapin, Haloperidol, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon, Sulpirid. Antipsychotika, die in den Studien dieses Kapitels vorkommen. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf Prolaktin: Amisulprid, Risperidon und Paliperidon gelten als stark prolaktinsteigernd, Aripiprazol und Quetiapin als günstiger [s126].

Aneuploidie. Abweichende Chromosomenzahl in einer Zelle, bei Spermien etwa ein Chromosom zu viel (Disomie) oder zu wenig. Wird mit der Methode FISH nachgewiesen.

Apoptose. Programmierter, geordneter Zelltod.

Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat.

Confounding by indication (Verzerrung durch die Indikation). Verzerrung, weil die Erkrankung, wegen der ein Medikament verordnet wird, selbst das untersuchte Ergebnis beeinflussen kann. Der Medikamenteneffekt lässt sich dann nicht sauber vom Krankheitseffekt trennen.

CatSper. Calciumkanal im Flagellum der Spermien, der für die Hyperaktivierung der Beweglichkeit und die Befruchtungsfähigkeit wichtig ist.

Comet-Test. Labortest, der DNA-Strangbrüche in einzelnen Zellen sichtbar macht; ein Maß ist das „tail moment“.

Dechallenge und Rechallenge. Beobachtung, ob ein Ereignis nach Absetzen eines Arzneimittels verschwindet (Dechallenge) und bei erneuter Gabe wiederkehrt (Rechallenge).

Disproportionalitätsanalyse. Auswertung von Spontanmeldungen, die prüft, ob ein Ereignis zu einem Arzneimittel überproportional häufig gemeldet wird. Sie liefert Signale, keine Risikoschätzung.

DNA-Fragmentierung. Strangbrüche in der Erbsubstanz der Spermien; gilt als Maß der Spermien-DNA-Schädigung.

EC50, IC50. Konzentration, bei der eine Wirkung (zum Beispiel die Beweglichkeit) auf die Hälfte gehemmt ist (EC50 halbmaximale wirksame, IC50 halbmaximale Hemmkonzentration).

EudraVigilance, FAERS, Vigibase. Datenbanken für Spontanmeldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen (europäisch, US-amerikanisch, weltweit bei der WHO). Sie haben keine Nenner und erlauben keine Häufigkeitsangaben.

FISH (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung). Verfahren, das bestimmte Chromosomen in Zellen mit Fluoreszenzfarbstoffen markiert und zählt.

Flagellum. Geißel der Spermie, die für die Fortbewegung sorgt. Defekte des Flagellums gehören zu den Formveränderungen der Spermien.

FSH, LH (Gonadotropine). Hormone der Hirnanhangdrüse, die im Hoden die Spermienbildung (FSH) und die Testosteronbildung (LH) anregen.

GABA, GABA-A-Rezeptor. Wichtigster hemmender Botenstoff des Gehirns; Benzodiazepine verstärken seine Wirkung am GABA-A-Rezeptor.

GLP (Good Laboratory Practice). Qualitätsstandard für toxikologische Prüfungen.

Hazard-Ratio (HR), Odds-Ratio (OR), Risikoverhältnis (RR), aOR, aHR, aRR. Maße für das Verhältnis von Risiken zwischen zwei Gruppen; ein Wert von 1 bedeutet keinen Unterschied. Ein vorangestelltes „a“ steht für „adjustiert“, also rechnerisch um Störfaktoren bereinigt.

Hodenhypofunktion, Hodenatrophie. Verminderte Leistung beziehungsweise Verkleinerung der Hoden.

Hyperaktivierung. Kräftiger, asymmetrischer Flagellumschlag der Spermien kurz vor der Befruchtung.

Hyperprolaktinämie. Erhöhter Prolaktinspiegel im Blut. Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangdrüse, dessen Ausschüttung durch Dopamin gehemmt wird; Dopamin-D2-Blocker wie viele Antipsychotika können es erhöhen.

Hypogonadismus. Unterfunktion der Keimdrüsen, beim Mann mit verminderter Testosteronbildung und/oder Spermienbildung.

Interquartilsabstand (IQR). Streuungsmaß: der Bereich, in dem die mittleren 50 Prozent der Werte liegen.

Konfidenzintervall (KI). Wertebereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (meist 95 Prozent) liegt. Schließt es den Wert 1 (bei Verhältnissen) oder 0 (bei Differenzen) ein, gilt der Unterschied als nicht gesichert.

Leydig-Zellen. Zellen im Zwischengewebe des Hodens, die Testosteron bilden.

Malondialdehyd (MDA). Abbauprodukt der Fettperoxidation; steigt bei oxidativem Stress an.

Mendelsche Randomisierung. Verfahren, das erbliche Varianten als Stellvertreter einer Exposition nutzt, um Ursache und Wirkung genauer zu untersuchen; sie beruht auf Annahmen wie dem Fehlen von Pleiotropie.

Metaanalyse, standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD). Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien; die SMD gibt Unterschiede in Einheiten der Streuung an.

Mitochondrien. Kraftwerke der Zelle; ihre Funktion wird als Membranpotenzial gemessen.

NOAEL. Höchste Dosis, bei der in einer toxikologischen Studie noch keine schädliche Wirkung beobachtet wurde.

Normozoospermie. Samenbefund im Normbereich.

Oligozoospermie, Oligoasthenozoospermie. Verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration und Beweglichkeit zugleich.

Oxidativer Stress, reaktive Sauerstoffspezies (ROS). Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und den Schutzsystemen der Zelle (Glutathion, Superoxiddismutase, Katalase); ein häufig genannter Mechanismus der Spermienschädigung.

Pharmakovigilanz. Überwachung der Arzneimittelsicherheit, unter anderem durch Spontanmeldesysteme.

Positivkontrolle. Kontrollansatz mit bekanntermaßen wirksamer Substanz, der zeigt, dass ein Verfahren Effekte erkennen kann.

Propensity-Score-Matching. Verfahren, bei dem Exponierte mit Nichtexponierten verglichen werden, die sich in ihren Merkmalen möglichst ähneln.

Retrograde Ejakulation. Samenerguss in die Harnblase statt nach außen. Das Ejakulat ist dann vermindert oder fehlt, obwohl die Spermienbildung nicht betroffen sein muss.

Rückziehung (Retraction). Offizielle Zurücknahme einer Veröffentlichung durch die Zeitschrift.

Samenplasma (Seminalplasma). Flüssiger Anteil des Ejakulats ohne die Spermien.

Sertoli-Zellen. Stützzellen im Hodenkanälchen, die die Spermienbildung unterstützen.

Spermatiden, Spermatogonien, Spermatozyten. Entwicklungsstufen der Keimzellen im Hoden vor der fertigen Spermie.

Spermatogenese, Spermatogenese-Index. Bildung der Spermien im Hoden; der Index ist ein histologisches Maß für die Vollständigkeit der Spermatogenese im Gewebeschnitt und keine Samenanalyse.

Subfertilität, Infertilität. Verminderte beziehungsweise ausbleibende Zeugungsfähigkeit.

Transgenerational, Epigenetik. Weitergabe von Veränderungen an die Nachkommen, ohne dass die Abfolge der Erbsubstanz verändert ist, etwa durch Methylierung der DNA oder kleine RNA-Moleküle.

TriNetX. Datenbank mit Gesundheitsdaten aus vielen Kliniken, die in der großen Valproat-Kohorte genutzt wurde [s26].

Vitalität. Anteil lebender Spermien, unabhängig von ihrer Beweglichkeit.

Volumen. Menge des Ejakulats in Millilitern; hängt von den Geschlechtsdrüsen und der Ejakulation ab, nicht nur von den Spermien.

Zwei-Generationen-Studie (OECD 416). Standardisierte Tierstudie, in der die Behandlung über zwei Generationen läuft und Fruchtbarkeit und Entwicklung geprüft werden [s81].

Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Ordnung und Qualität der Humanlage bis Lithium
  6. Benzodiazepine bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  7. Wie dieser Abschnitt zu lesen ist bis Antipsychotika
  8. Lithium bis Nicht englischsprachige Quellen, Lücken und Grenzen
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Japanisch
  12. Koreanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle