Grundsätzliche Einschränkungen
Eine belastbare Dosis-Wirkungs-Beziehung für Samenparameter beim Menschen liegt für keine der vier Kernklassen vor. In den abgerufenen Quellen fehlen Dosisangaben in den Humanstudien zu Samenparametern weitgehend: Die Studie mit Samenplasmaspiegeln nennt keine Dosen [s73], die Registerstudien hatten Dosis und Dauer nicht zur Verfügung [s26, s93], und die großen ADHS-Studien kennen nur Verordnung oder Kauf in den letzten 90 Tagen [s77, s65, s17]. Dosisabhängigkeit ist deshalb vor allem im Tierversuch und bei Hormonmarkern sichtbar. Die Tierdosen sind in keiner der Arbeiten auf den Menschen umgerechnet, und die folgenden Tabellen geben die Dosen so wieder, wie sie in den Quellen stehen. Ein Vergleich mit Patientendosen wird hier nicht vorgenommen.
Tierversuche: Antipsychotika
| Wirkstoff | Dosis (mg/kg und Tag) und Dauer | Tier | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Olanzapin | 2,5 / 5 / 10, 28 Tage | Ratte | Normalformen 84,00 % (Kontrolle), 77,16 % (nicht signifikant), 64,86 %, 66,81 %; Konzentration und Beweglichkeit nicht signifikant verändert | [s68] |
| Olanzapin | 5, 60 Tage | Ratte (n = 7) | Spermienzahl 115,8 auf 57,57 Mio./ml; progressive Beweglichkeit 91,57 auf 7,28 % | [s08] |
| Olanzapin | 2 / 4, Dauer im Abstract nicht genannt | Ratte (je 8) | Spermienzahl sank, dosisabhängige Histologie | [s50] |
| Olanzapin | 0,5, 14 Wochen | Ratte (je 20) | Epithelablösung, Keimzellapoptose, Lipidtropfen | [s128] |
| Olanzapin | 2,5 / 5 / 10 über Muttertiere (Laktation) | Ratte | kleinere Hoden und Nebenhoden, mehr Prolaktin, weniger Testosteron, dosisabhängig | [s55] |
| Risperidon | 1,25 / 2,5 / 3, 28 Tage | Ratte | Normalformen vermindert, Histologie dosisabhängig degeneriert, FSH und Testosteron nur in der Hochdosisgruppe erniedrigt | [s70] |
| Risperidon | 2,5, 4 Wochen | Ratte (je 6) | Malondialdehyd 38,73 gegenüber 13,4; Testosteron vermindert | [s27] |
| Quetiapin | 10 / 20 / 40, 28 Tage | Ratte | Konzentration sinkt, Anteil abnormer Spermien steigt; Histologie ab 20; Testosteron ab 20 | [s62] |
| Quetiapin | 55 / 100, 30 Tage | Ratte (Missbrauchsmodell) | Spermienzahl 80,143 auf 66,429 auf 41,571 Mio./ml; Beweglichkeit 83,7 auf 72,6 auf 66,8 % | [s46] |
| Aripiprazol | 3 / 6, 28 Tage | Ratte (36) | progressive Beweglichkeit niedriger bei 3, Fertilität vermindert bei 6, Samenbläschen schwerer bei 6 | [s04] |
| Aripiprazol | 2, 14 Wochen | Ratte (je 20) | geringeres Hodengewicht, Epithelhöhe und Spermatogenese-Index | [s128] |
| Haloperidol, Clozapin | 0,5 intraperitoneal, 28 Tage | Ratte (je 10) | Hodengewicht, androgenabhängige Organe, Testosteron erniedrigt | [s91] |
| Haloperidol | 3 / 10 / 30 / 60, 4 Wochen; 3 / 10 / 30, 9 Wochen | Ratte | Fertilitätsindex nur bei 60 (4 Wochen) erniedrigt; Hodengewicht ab 10 (9 Wochen); keine Fortpflanzungswirkung bis 30 nach 9 Wochen | [s177] |
| Haloperidol | 30 / 60 / 80, 2 und 4 Wochen | Ratte | ab 30 Hodengewicht erniedrigt, Leydig-Zell-Atrophie, nekrotische pachytäne Spermatozyten | [s171] |
| Sulpirid | 2,5 / 25 über Muttertiere | Ratte | Hodengewicht und Kanälchenvolumen bei Jungen vermindert | [s137] |
| Sulpirid | 2.000 (2 g/kg), oral | Ratte | kein Befund an Hoden und Spermien, keine Embryonenverluste | [s94] |
Tierversuche: Lithium
| Dosis und Applikation | Dauer | Tier | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| 5 / 15 / 45 mg/kg Lithiumcarbonat täglich (0,95 / 2,9 / 8,6 mg Li+/kg) | Zwei-Generationen-Studie, OECD 416 | Ratte | keine Wirkung auf Spermien, Fertilität, Wurfgrößen; NOAEL Reproduktion 45 | [s81] |
| 500 / 800 / 1100 mg/kg Futter | 90 Tage | Ratte | ab 800 weniger Spermien und Gewichte; bei 1100 Degeneration; Fertilitätsindex 50 % noch 30 Tage nach Absetzen | [s166] |
| 10 / 20 / 30 mg/kg | 48 Tage | Ratte (je 6) | dosisabhängig weniger Spermien, mehr Anomalien | [s136] |
| 10 / 40 mg/kg intraperitoneal | Dauer im Abstract nicht angegeben | Ratte (je 6) | Spermienzahl 1516,80 auf 932,66 auf 243,45 (Einheit nicht benannt) | [s44] |
| 30 mg/kg | 35 Tage | Maus | Zahl, Beweglichkeit, Vitalität vermindert | [s69] |
| 100 mg/kg | 20 Tage | Ratte (je 7) | Hoden- und Körpergewicht, Spermien im Lumen vermindert | [s124] |
| 25 mg/kg intraperitoneal zweimal täglich | Dauer im Abstract nicht genannt | Ratte | Gewichte, Zahl, Beweglichkeit, Testosteron erniedrigt | [s108] |
| 1 mmol/kg intraperitoneal | 35 Tage | Viscacha | Spermienzahl 315 gegenüber 693 Mio./ml; bei Ratten unter derselben Behandlung kein Schaden | [s173] |
| 2000 / 4000 mg/kg Futter | bis 28 Tage | Ratte | Serumlithium bis 1,34 mM; Testosteron sinkt, Spermatogenese kam zum Stillstand; hohe Sterblichkeit in der Hochdosisgruppe | [s159] |
| 4,3 / 12,8 / 38,4 mg/kg LiCl | 35 Tage | Maus | nur bei 38,4 niedrigere Beweglichkeit, Konzentration, Hormone | [s34] |
Auffällig ist die Spannweite: Zwischen der Dosis ohne Wirkung in der standardisierten Studie (bis 45 mg/kg Lithiumcarbonat) und Schäden in anderen Versuchen bei 10 bis 40 mg/kg liegt kein klarer Dosisunterschied; Spezies, Applikationsweg (intraperitoneal gegenüber oral), Dauer und die Frage nach Allgemeintoxizität unterscheiden sich. Die Autoren der standardisierten Studie berichten, dass bei 90 mg/kg in der Entwicklungstoxizitätsstudie die Plasmaspiegel im toxischen Bereich lagen (über 1,0 mEq/l) [s81]; in [s159] stiegen die Serumspiegel auf 1,34 bis 1,45 mM mit hoher Sterblichkeit. Bei der Viscacha waren die Veränderungen bei Plasmaspiegeln im therapeutischen Bereich des Menschen aufgetreten, bei Ratten unter derselben Behandlung nicht [s173].
Tierversuche: ADHS-Medikamente und Benzodiazepine
| Wirkstoff | Dosis (mg/kg und Tag) und Dauer | Tier | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Methylphenidat | 5 / 10, 90 Tage | Ratte (je 14) | 5: weniger runde Spermatiden Stadium II; 10: Stadien II und V, geringeres Hodengewicht, p53 erhöht | [s145] |
| Methylphenidat | 2 / 10, 40 Tage | Maus (27) | Testosteron 67,72 auf 0,302 ng/ml (2 mg/kg); Fertilitätsrate 95,42 auf 64,96 % | [s141] |
| Methylphenidat | 2 / 10, 40 Tage | Maus (36) | Keimepitheldicke sinkt; Testosteron und Gonadotropine steigen | [s122] |
| Methylphenidat | 2,5 / 5,0, Tag 21 bis 60 | Ratte | abnorme Flagellum-Morphologie bei 2,5; weniger Typ-A-Spermatogonien bei 5,0 | [s125] |
| Methylphenidat | 2 intraperitoneal, Tag 30 bis 44 | Ratte | Hodentestosteron vermindert, Hoden schwerer, mehr Spermien | [s158] |
| Methylphenidat | 5, 30 Tage ab Tag 38 | Ratte | Spermien-DNA-Schäden, 40 % geringere Embryoqualität | [s59] |
| Methylphenidat | 10, 40 Tage | Ratte | Kanälchendurchmesser 296,86 µm, Keimepithel 51,73 µm; Vitamin E schützt | [s89] |
| Methylphenidat | 20 / 40, Dauer in den Abstracts nicht genannt | Maus (je 8) | Körpergewicht, Testosteron, Spermatiden, Spermienproduktion sinken | [s31] |
| Lisdexamfetamin | 30, 3 Wochen | Ratte | Beweglichkeit vermindert, DNA-Fragmentierung erhöht, Testosteron fällt | [s43] |
| Modafinil | 300 / 600, 14 Tage | Ratte | dosisabhängig verschlechterte Spermienqualität | [s32] |
| Bromantan | 30 / 200, zwei Monate | Ratte | 30 mg/kg: nicht signifikante Abnahme der Spermienzahl; Fertilisierung unbeeinflusst | [s170] |
| Diazepam | 3, einmalig oder 14 Tage | Maus | Disomie 8 auf das 2,4-Fache nur nach 14 Tagen | [s168] |
| Diazepam | 75 / 150 / 300 einmalig | Maus (je 5) | Hyperhaploidie nur bei 300 erhöht | [s174] |
| Nitrazepam | 20 / 40 / 80, 2 bis 4 Wochen | Ratte | Fertilitätsindex nur bei 80 erniedrigt; abnorme Köpfe ab 40 | [s178] |
| Alprazolam, Diazepam, Mezapam, Nozepam | 0,1 LD50 (160 bis 560), 4 Wochen | Ratte | Hodenbefund nur für Alprazolam beschrieben | [s144, s139] |
Der Testosteronbefund bei 2 mg/kg Methylphenidat [s141] steht in Gegensatz zum Anstieg bei denselben Dosen in der Schwesterarbeit [s122]; die Höhe des Abfalls ist physiologisch unplausibel und deutet auf ein Mess- oder Einheitenproblem hin. Aus beiden Arbeiten lässt sich keine Dosis-Wirkungs-Aussage ableiten.
Muster der Tierdaten
Aus den Tabellen lassen sich fünf Muster ablesen, die als Beobachtungen und nicht als Gesetzmäßigkeiten zu lesen sind. Erstens ist die Dosisabhängigkeit bei mehreren Substanzen sichtbar (Quetiapin 55 und 100 mg/kg [s46]; Lithium bis 40 mg/kg [s44]; Methylphenidat 5 gegenüber 10 mg/kg [s145]; Olanzapin über die Laktation [s55]), aber nicht durchgängig: Beim Olanzapin war die Morphologie bei 5 und 10 mg/kg praktisch gleich verändert [s68], beim Aripiprazol zeigte sich der Beweglichkeitseffekt bei 3, nicht bei 6 mg/kg [s04], bei Haloperidol schwand der Befund nach 9 gegenüber 4 Wochen [s177]. Zweitens hängt der Endpunkt von der Untersuchungstiefe ab: Histologie, Hormonwerte und oxidative Marker sind früher und häufiger verändert als Konzentration und Beweglichkeit [s68, s70, s27]. Drittens unterscheidet sich die Behandlungsdauer stark: Bei Olanzapin halbierte sich die Spermienzahl nach 60 Tagen mit 5 mg/kg [s08], während sie nach 28 Tagen bis 10 mg/kg nicht signifikant verändert war [s68]; das ist ein Vergleich über Labore und Stämme hinweg und keine kontrollierte Beobachtung. Viertens liegen sehr hohe Dosen vor, die zum Teil Allgemeintoxizität erzeugen [s159, s177, s172]. Fünftens betreffen viele Arbeiten Schutzversuche, bei denen die Dosisfindung des Schadensmodells nicht Ziel der Untersuchung war.
Humanstudien: Dosis-, Dauer- und Expositionsbezug
| Befund | Dosis- oder Expositionsbezug | Quelle |
|---|---|---|
| Prolaktin steigt mit Risperidon-Tagesdosis, fällt mit Aripiprazol-Dosis | Tagesdosis, Querschnitt, 94 beziehungsweise 83 Männer | [s79] |
| Hyperprolaktinämie nach Chlorpromazin-Äquivalenzdosis | OR 1,005 je Dosiseinheit (KI 1,002 bis 1,008) | [s54] |
| Prolaktin mit der Dosis korreliert (typische Antipsychotika, mindestens zwei Jahre) | p < 0,001 | [s167] |
| Prolaktin über 20 ng/ml bei Männern | 68,4 % in zehnjähriger Kohorte; Hochrisiko-Antipsychotika mit etwa 40 ng/ml höherem Mittelwert | [s13] |
| Sulpirid 300 mg täglich | Testosteron fällt in Woche 4 bis 8 auf etwa die Hälfte | [s184] |
| Sulpirid 200 mg täglich über 30 Tage gegenüber Placebo | keine signifikanten Änderungen der Gonadenhormone | [s175] |
| Antipsychotika-Dosis und Ejakulationsstörung | standardisiertes Beta 0,248 (p < 0,05); Zahl der Antipsychotika mit Verlangen 0,241 | [s143] |
| Retrograde Ejakulation unter Risperidon | Dosisreduktion von 8 mg/Tag beseitigte sie | [s164] |
| Methylphenidat, Behandlungsdauer bei Jungen | kurz (1 bis 365 Tage) aOR 0,96; lang (über 365 Tage) aOR 1,40, beide nicht signifikant | [s93] |
| Valproat, Dauer und Dosis | Behandlungsdauer 9,55 ± 0,85 Jahre; Zusammenhang mit Dauer und Dosis laut Abstract | [s115] |
| Valproat, mittlere Tagesdosis | 1190 ± 295 mg; Konzentration 37,70 auf 30,00 Mio./ml nach 6 Monaten | [s71] |
| Valproat, Registerdaten | Dosis und Dauer nicht verfügbar; keine Zeitfenster mit signifikantem Effekt (30 Tage bis 10 Jahre) | [s26] |
| Diazepam | mehr als 0,3 mg/kg/Tag über mehr als 6 Monate (2 Männer) | [s168] |
| Valproat im Einzelfall | Spermienzahl und Beweglichkeit sanken mit steigender Dosis | [s116, s78] |
Das Bild ist einheitlich in einem Punkt: Dosis und Dauer erklären beim Prolaktin einen Teil der Streuung, für die Samenparameter fehlen jedoch Dosis-Wirkungs-Daten.
In-vitro-Konzentrationen im Vergleich zu gemessenen Samenspiegeln
| Substanz | Wirksame In-vitro-Konzentration (Befund) | Gemessener Spiegel im Samenplasma (falls berichtet) | Quelle |
|---|---|---|---|
| Atomoxetin | 50 µM: progressive Beweglichkeit nach 120 Minuten 27,8 % gegenüber 53,0 %; ab 100 µM Zytotoxizität | nicht berichtet | [s12] |
| Clonidin | bis 50 µM Beweglichkeit erhalten; Hemmung der Calciumsignale; ab 100 µM zytotoxisch | nicht berichtet | [s11] |
| Trifluoperazin | 25 µM hemmt Beweglichkeit; 50 und 100 µM ROS und Vitalitätsverlust | nicht berichtet | [s45] |
| Chlorpromazin | EC50 0,22 mM | nicht berichtet | [s187] |
| Lithium | EC50 10 mM; teils Hemmung bei im Samen nach oraler Gabe erreichten Konzentrationen; bei Levin keine Wirkung | Samenplasma-Lithium Median 5,38 µg/l (Umweltkohorte, keine Therapie) | [s180, s182, s189, s34] |
| Haloperidol | 0,027 µM: Beweglichkeit 127 % der Kontrolle (als therapeutisch bezeichnet) | nicht berichtet | [s180] |
| Ritalinsäure | 1 bis 1.000 ng/ml: Beweglichkeit steigt | nicht berichtet | [s84] |
| Valproat | 10 bis 100 µM: Beweglichkeit, Penetration, ATP sinken | als Eingrenzung geschätzter Samenspiegel angesetzt | [s14] |
| Valproat, Carbamazepin, Phenytoin | EC50 nach 2 Stunden Vorinkubation 5,00, 4,23, 1,59 mmol/l | Konzentrationsverhältnis Plasma/Samen 0,08 (Valproat), 0,21 (Phenytoin) im Fallbericht (Richtung nicht eindeutig) | [s181, s176] |
| Alprazolam | nicht In vitro geprüft | 9,1 ± 8,1 ng/ml | [s73] |
| Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol | nicht In vitro geprüft | 37,4; 34,3; 39,1 ng/ml | [s73] |
Ein Vergleich in Mol pro Liter ist aus den Abstracts nicht möglich, weil die Samenspiegel in ng/ml angegeben sind; die Autoren der In-vitro-Studien ziehen ihn nicht. Auffällig ist der Größenunterschied zwischen dem Haloperidol-Befund im therapeutischen Bereich (Beweglichkeitszunahme) [s180] und den Befunden bei Atomoxetin, Trifluoperazin und Lithium im mikro- bis millimolaren Bereich.
Subgruppen
| Subgruppe | Befund | Quelle |
|---|---|---|
| Alter (Jungen, Pubertät) | Hodendysfunktion (Diagnosecode) bei ADHS erhöht (aOR 1,95), Methylphenidat nicht signifikant (aHR 1,40; 0,77 bis 2,54); keine Samenparameter | [s93] |
| Jugend- und Vorpubertät (Tier) | Methylphenidat: DNA-Schäden, schlechtere Embryoqualität, Hormonveränderungen | [s59, s158, s125] |
| Exposition über die Laktation (Tier) | kleinere Hoden, Hormonänderungen, teils bleibend | [s137, s154, s55] |
| Epilepsie gegenüber bipolarer Störung (Valproat) | Epilepsie: Testosteron 338 gegenüber 385 ng/dl, Samenendpunkt HR 0,633 (0,366 bis 1,096); bipolar: keine Hormonunterschiede, HR 0,948 | [s26] |
| Infertilitätsklinik gegenüber ADHS-Kohorte (Stimulanzien) | Klinik: höhere Zahl und Beweglichkeit [s77]; Kohorte: niedrigeres Volumen [s65, s17] | [s77, s65, s17] |
| Aktuelle gegenüber frühere Anwender (Methylphenidat) | Konzentration und Beweglichkeit höher bei beiden Gruppen [s77]; im anderen Design frühere Anwender mit weiter veränderter Beweglichkeit und Abnormalität, Zahl unverändert [s58] | [s77, s58] |
| Wirkstoff (Prolaktin) | steigernd: Risperidon, Paliperidon, Amisulprid, Haloperidol; neutral oder senkend: Aripiprazol, Quetiapin, Olanzapin (geringer) | [s126, s79, s54, s46] |
| Geschlecht (Prolaktin) | Frauen höhere Prävalenz; Männer in Saudi-Arabien 46,3 %, Frauen 41,9 % (p = 0,164) | [s54, s82, s96] |
| Depression | Depressionsdiagnose, nicht Medikation, war mit niedrigem Volumen verbunden | [s83] |
| Begleitmedikation | Exponierte hatten mehr Begleitmedikation (75,5 gegenüber 23,7 %) | [s65] |
| Adipositas | BMI über 30: Testosteron 9,0 gegenüber 16,1 nmol/l | [s88] |
| Männer mit Schlafmangel und Depression | stärkere Abnahme von Beweglichkeit und Zahl in einer Querschnittsstudie ohne Medikationsangabe | [s47] |
Für Subgruppen nach Dosis, Behandlungsdauer bei Erwachsenen, Alter bei Beginn, Rauchen, Körpergewicht oder Begleiterkrankungen liegen keine wirkstoffspezifischen Auswertungen für Samenparameter vor. Die Studie von Yland und Mitarbeitern konnte klassenspezifische Auswertungen wegen der kleinen Zahl an Medikamentenanwendern nicht durchführen [s83].
Reversibilität
Direkte Daten zur Reversibilität beim Menschen bestehen fast nur aus Einzelfällen und aus dem Randgebiet der Antiepileptika.
| Befund | Zeitraum | Art der Evidenz | Quelle |
|---|---|---|---|
| Sulpirid-assoziierte Oligo-/Asthenozoospermie, Prolaktin nach 5 Monaten normal, spontane Schwangerschaft der Partnerin | 5 Monate nach Absetzen | Fallbericht | [s135] |
| Stimulanzien-assoziierte Azoospermie und niedrige Hormone, nach Absetzen normale Samenanalyse, danach Schwangerschaft | 5 Monate | Fallbericht | [s67] |
| Retrograde Ejakulation unter Risperidon, prompte Rückbildung nach Dosisreduktion; Wiederauftreten bei erneuter Gabe | Tage bis Wochen | Fallberichte | [s164, s165] |
| Niedrige Gonadotropine und Testosteron unter Methylphenidat, Besserung unter Testosteron und hCG | 4 Monate | Fallbericht, mit Hormontherapie | [s127] |
| Valproat: Spermienzahl und Beweglichkeit sanken mit Dosis, nach Absetzen und Lamotrigin Normalbefund; Kind geboren | 9 Monate | Fallbericht | [s116] |
| Valproat, Wechsel auf Levetiracetam oder Lamotrigin: Gesamtbeweglichkeit stieg (P = 0,02), Zahl nicht signifikant (P = 0,06), drei spontane Schwangerschaften | nicht im Abstract genannt | Beobachtungsstudie, 17 Männer, ohne Kontrolle | [s86] |
| Valproat/Phenytoin/Carbamazepin: Besserung nach Wechsel in mehreren Fällen, teils in entgegengesetzter Richtung | Monate | Fallberichte | [s161, s162, s176] |
| Valproat-assoziierte Infertilität als „fortschreitend, aber reversibel“ beschrieben | Übersicht | Übersicht mit Fallbericht | [s78] |
| Prolaktin sinkt nach Umstellung auf Aripiprazol oder Paliperidon-3-Monats-Depot | 4 bis 16 Wochen | Fallserien, einarmig | [s147, s105, s61, s87] |
| Sexualfunktion und Prolaktin nach 8 Wochen wieder auf Ausgangsniveau (Umstellung Aripiprazol) | 8 Wochen | einarmige Studie | [s105] |
| Mausspermien: kleine nichtkodierende RNAs nach 40 Tagen Auswaschphase kaum noch verändert (712 gegenüber 5245) | 40 Tage | Kongressabstract, Maus | [s19] |
| Ratte: Fertilitätsindex unter Lithium 50 % noch 30 Tage nach Absetzen | 30 Tage | Tierversuch | [s166] |
| Ratte: Nitrazepam senkte den Fertilitätsindex, er blieb bis zu 4 Wochen Erholung vermindert | 4 bis 11 Wochen Erholung | Tierversuch | [s178] |
| Mäuse: Laktationsexposition, Hodenveränderungen persistierten bis Tag 63 | Wochen | Tierversuch | [s154] |
| Ratte, ADHS-Mittel: Beeinträchtigungen besserten sich nach medikamentenfreier Zeit (weibliche Tiere im Abstract) | nicht genannt | Systematische Übersicht Tierstudien | [s103] |
Die Beobachtungen zeigen in den Einzelfällen Erholung innerhalb weniger Monate, was mit der Dauer der Spermatogenese vereinbar ist; die Autoren einer Pharmakovigilanzauswertung nennen die mediane Zeit bis zum Ereignis von 132 Tagen mit dem Spermatogenesezyklus vereinbar [s07]. Einzelfälle unterliegen Berichtsverzerrung (erfolgreiche Verläufe werden eher publiziert), und in mehreren Fällen wurden gleichzeitig weitere Maßnahmen ergriffen [s127, s190]. Einige Tierversuche zeigen dagegen bleibende oder verzögert rückläufige Befunde nach Absetzen [s166, s178, s154]. Eine kontrollierte Studie, die Samenparameter nach Absetzen von Antipsychotika, Lithium, Benzodiazepinen oder ADHS-Medikamenten verfolgt, wurde nicht gefunden; die Übersichten von Samplaski und Nangia [s118] und Tallon und Mitarbeitern [s78] beschreiben die Effekte als meist reversibel beziehungsweise reversibel, beruhen aber auf den genannten Einzelbefunden.
Was die Evidenz zu Dosis, Subgruppen und Reversibilität nicht hergibt
Aus den abgerufenen Quellen lässt sich weder eine Effektgröße für Samenparameter unter therapeutischer Dosis von Antipsychotika, Lithium oder Benzodiazepinen angeben noch eine Reihenfolge der Wirkstoffe nach Spermientoxizität. Für ADHS-Medikamente zeichnet sich das einzige wiederholte Muster ab, ein um etwa 0,3 ml (8,4 % nach Adjustierung in [s17]) niedrigeres Samenvolumen bei sonst unveränderten Parametern in zwei retrospektiven Analysen [s65, s17], bei gegenläufigem Befund in einer dritten [s77] und unklarer Statistik in einer vierten [s58]. Die Frage, ob diese Befunde klinisch bedeutsam sind, ist in den Quellen nicht beantwortet; die Autoren von [s17] folgern, die erhaltene Spermienqualität mache eine wesentliche Beeinträchtigung der Fertilität unwahrscheinlich, die von [s65] empfehlen eine Beratung. Diese beiden Aussagen sind die der Autoren und werden hier nicht bewertet. Sicher ist nur, dass die Datenlage für Antipsychotika, Lithium und Benzodiazepine dünn, überwiegend präklinisch und durch die Grunderkrankung konfundiert ist [s119, s92, s104].