Psychopharmaka: Antipsychotika, Lithium und ADHS-Medikamente · Kapitel 2 von 18

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Abgrenzung

Die Studie behandelt vier Wirkstoffgruppen: Antipsychotika (typische und atypische, auch Depotpräparate), Lithium, Benzodiazepine und ADHS-Medikamente. Zu den ADHS-Medikamenten zählen Methylphenidat, Amphetamine einschließlich Lisdexamfetamin, Atomoxetin sowie, als verwandte Substanzen, Clonidin und Modafinil, die in einzelnen Quellen auftauchen. Ausgeschlossen sind SSRI und Arbeiten zu Methamphetamin oder MDMA als Rauschmittel. Antiepileptika mit stimmungsstabilisierender Wirkung (Valproat, Carbamazepin, Oxcarbazepin) stehen nicht auf der Liste der Zielgruppen. Sie werden dennoch als Randgebiet mitgeführt, weil sie in der Psychiatrie zur Phasenprophylaxe bei bipolarer Störung dienen und in Übersichten zusammen mit Lithium genannt werden [s104, s92], und weil nur für diese Gruppe Spermiogramme an behandelten Patienten in nennenswerter Zahl vorliegen. Ein einzelnes nicht-serotonerges Antidepressivum (Bupropion) und ein Wirkstoff der SNRI-Klasse (Venlafaxin) tauchen in Quellen am Rand auf [s21, s60] und werden nur eingeordnet. Die Studie beantwortet nicht, ob ein bestimmtes Medikament im Einzelfall eingesetzt, abgesetzt oder gewechselt werden sollte.

Recherche

Die Recherche lief am 5. Oktober 2026 in drei parallelen Sprachgruppen. Gruppe a umfasste Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch, Gruppe b Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Gruppe c Russisch, Arabisch und Türkisch. Die Gruppen suchten unabhängig voneinander; erst danach wurden die Ergebnisse zusammengeführt. Aus 101 Quellen der Gruppe a, 49 der Gruppe b und 70 der Gruppe c wurden nach Zusammenführung von Doppelfunden 192 Quellen. Grundlage der Suche waren die Wirkstoffklassen und Einzelsubstanzen in Verbindung mit Begriffen wie Spermien, Samenqualität, Spermatogenese, männliche Fertilität und Prolaktin, jeweils in den Sprachen der Gruppe.

Abgefragt wurden vor allem die REST-Schnittstelle von Europe PMC und die E-utilities der NCBI (esearch, esummary, efetch). Die Webseite von PubMed war für diese Recherche gesperrt und wurde nicht verwendet. Ergänzend kamen regionale und sprachgebundene Quellen zum Einsatz, soweit erreichbar: die französische Archivplattform HAL, die spanische Datenbank Dialnet, die türkische Plattform TR Dizin, die russische Plattform CyberLeninka, die japanische Plattform J-STAGE und die Schnittstelle OpenAlex. Für den Abruf von Leitlinien dienten die Webseiten der American Urological Association, der European Association of Urology und der ESHRE.

Nicht erreichbar waren, mit den Mitteln der Recherche (Abruf per HTTP ohne Anmeldung und ohne Browser-Sitzung), unter anderem die chinesischen Datenbanken CNKI und Wanfang, die japanische CiNii, die koreanischen KCI, KoreaMed und DBpia, die russische eLIBRARY.ru, die türkische Plattform DergiPark, mehrere arabische Datenbanken sowie SciELO, LILACS und Cairn. Die Suche in der Cochrane Library lieferte keine auswertbare Trefferliste; ersatzweise ergab eine Suche in Europe PMC nach Cochrane-Übersichten keine Arbeit, die Psychopharmaka und Spermienqualität behandelt. „Keine Studie gefunden“ bedeutet in dieser Studie deshalb immer: keine Studie in den erreichbaren Quellen. Es bedeutet nicht, dass es keine gibt.

Einschluss und Auswertung

Eingeschlossen wurde eine Quelle, wenn mindestens ein Abstract oder ein Volltext tatsächlich abgerufen werden konnte und die Arbeit Spermienparameter, Hodenstruktur, Spermatogenese oder die Hormonachse und Sexualfunktion unter den genannten Wirkstoffen betrifft. Titel ohne abrufbaren Inhalt wurden gefunden, aber nicht ausgewertet; Beispiele sind mehrere ältere deutsche, polnische und japanische Titel. Jede Zahl in dieser Studie stammt aus einem tatsächlich gelesenen Abstract oder Volltext; wo nur ein Abstract vorlag, fehlen oft Gruppengrößen, Dosen und p-Werte, und das ist im Text benannt. Die Hintergrundangaben im folgenden Kapitel (WHO-Referenzwerte, Dauer der Spermatogenese) wurden gesondert über Europe PMC und die NCBI abgerufen; diese Quellen stehen nicht in der Quellenliste und sind im Text mit Autor, Jahr und PubMed-Nummer genannt.

Zitiert wird mit Kennungen der Form [s05] oder [s05, s12]. Sie führen auf die Quellenliste am Ende der Gesamtstudie, in der Autoren, Jahr, Titel, Zeitschrift und, soweit vorhanden, PubMed-Nummer und DOI stehen. Titel in anderen Sprachen als Englisch oder Deutsch erscheinen im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern.

Zusammensetzung der 192 Quellen

Die Quellen reichen von 1977 bis 2026; eine Quelle (die Leitlinie der EAU) trägt kein Jahr. 88 Quellen stammen aus den Jahren 2020 bis 2026, 67 aus 2010 bis 2019, 18 aus 2000 bis 2009, acht aus den 1990er Jahren und zehn aus der Zeit vor 1990. Nach dem Studiendesign (gezählt nach den Angaben der Quellenliste) sind mindestens 67 Quellen Tierversuche oder Studien an Modellorganismen, mindestens 14 In-vitro-Studien an Spermien oder Zellen, rund 31 Übersichtsarbeiten, 13 Fallberichte oder Fallserien, vier Leitlinien oder Konsensdokumente und vier Pharmakovigilanz- oder Meldesystemauswertungen. Der Rest sind Humanstudien in sehr unterschiedlicher Form: Querschnittsstudien, Kohorten, Fall-Kontroll-Studien, Autopsiestudien und wenige experimentelle Studien. Die Sprachkennzeichen verteilen sich wie folgt (eine Quelle kann mehrere tragen): Englisch 154, Türkisch 24, Russisch 20, Arabisch 14, Persisch 9, Japanisch 4, Französisch 4, Spanisch 4, Chinesisch 2, Portugiesisch 1, Deutsch 1, Koreanisch keine. Das Kennzeichen „Persisch“ steht für Arbeiten aus dem Iran, die über die regionale Suche gefunden wurden; Persisch gehörte nicht zu den abgefragten Sprachen.

Wie die Sprachräume zu lesen sind

Die Zuordnung zu einem Sprachraum beruht bei englischsprachigen Arbeiten auf der Herkunft der Autoren und nicht auf der Herkunft der Studienteilnehmer. Die Sprachräume unterscheiden sich im Profil. Aus dem englischsprachigen Raum stammen alle großen Registerstudien, die Metaanalysen und die meisten Tierversuche mit gut dokumentierten Methoden. China liefert klinische Samenstudien aus der Epileptologie und Laborversuche an menschlichen Spermien. Japan trägt standardisierte reproduktionstoxikologische Tierversuche der 1990er Jahre bei [s177, s171, s178]. In Korea fand sich keine Studie mit Spermien- oder Hodenbefunden. Der russische Raum liefert die einzige gefundene Autopsiestudie zur Hodenstruktur unter Antipsychotika [s131, s132] und Hormonstudien. Türkische Gruppen haben ein einheitliches Rattenmodell für mehrere Antipsychotika entwickelt [s68, s70, s62]. Aus dem arabischen Raum stammen vor allem englischsprachige Rattenstudien mit Schutzstoffen und große Prolaktin-Querschnittsstudien [s96, s57, s02]. Eine arabischsprachige Primärstudie zum Thema wurde nicht gefunden. Die in nicht englischer Sprache erschienenen Quellen sind überwiegend Fallberichte, Übersichten, Abschlussarbeiten und Kongressabstracts; eine nicht englischsprachige Primärstudie mit Spermienparametern fand sich in der Gruppe a nicht.

Grenzen

Die Grenzen sind erheblich und bestimmen, wie die Ergebnisse zu lesen sind.

  • Überwiegend Abstracts. Der größte Teil der Quellen wurde auf Abstract-Ebene gelesen. In Gruppe c etwa wurde nur rund ein Viertel der Quellen im Volltext ausgewertet. Abstracts nennen häufig keine Mittelwerte, Gruppengrößen, Dosen oder Konfidenzintervalle. Wo Zahlen fehlen, steht das im Text, und es werden keine ergänzt.
  • Verzerrung durch Erreichbarkeit. Die regionalen Datenbanken Ostasiens, Russlands und der arabischen Welt waren nur teilweise erreichbar. Die nicht englischsprachige Primärliteratur ist deshalb unterrepräsentiert.
  • Abrufartefakte. Europe PMC verliert in manchen Abstracts den Text nach dem Zeichen „<“; deshalb wurden, wo es auffiel, die Fassungen der NCBI herangezogen. Einzelne p-Werte in Abstracts sind dennoch erkennbar fehlerhaft und im Text als solche gekennzeichnet (etwa [s58], [s37]).
  • Keine Gütebewertung nach einem Standardinstrument. Die Evidenzstärke wurde nach der oben beschriebenen einfachen Skala vergeben. Eine formale Bewertung des Risikos systematischer Fehler für jede einzelne Studie wurde nicht vorgenommen. Es wurde auch keine Metaanalyse über die Quellen gerechnet; Zahlen aus verschiedenen Studien werden nebeneinandergestellt und nicht zusammengefasst.
  • Nicht unabhängige Quellen. Mehrere Quellen beruhen auf denselben oder eng verwandten Daten: die Dissertation und der Zeitschriftenartikel zu Methylphenidat bei Mäusen [s90, s31], die beiden russischen Benzodiazepin-Arbeiten [s144, s139], die beiden Autopsie-Arbeiten aus Twer [s131, s132], die beiden Carbamazepin-Arbeiten einer chinesischen Gruppe [s10, s41] sowie die Laborstudien aus Nanchang [s12, s11, s45]. Zusammen gezählt, würden sie die Datenlage größer erscheinen lassen, als sie ist.
  • Zurückgezogene Arbeit. Die Studie zu Olanzapin und Zinksulfat [s23] ist als zurückgezogen gekennzeichnet; der Rückziehungsvermerk [s05] nennt keinen Grund. Sie wird nicht als Beleg verwendet.
  • Keine Therapieempfehlung. Wo Autoren oder Leitlinien selbst Empfehlungen formulieren, werden sie als deren Aussage berichtet. Die Studie macht sie sich nicht zu eigen.
  • Kein Ersatz für eine ärztliche Beurteilung. Die Ergebnisse gelten für Gruppen und Studiendesigns, nicht für einzelne Männer.
Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Ordnung und Qualität der Humanlage bis Lithium
  6. Benzodiazepine bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  7. Wie dieser Abschnitt zu lesen ist bis Antipsychotika
  8. Lithium bis Nicht englischsprachige Quellen, Lücken und Grenzen
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Japanisch
  12. Koreanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle