Psychopharmaka: Antipsychotika, Lithium und ADHS-Medikamente · Kapitel 12 von 18 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Koreanisch bis Türkisch

Koreanisch

Befund in einem Satz. Für Korea wurde keine Studie mit Spermien- oder Hodenbefunden unter Psychopharmaka gefunden, und koreanischsprachige Literatur konnte nicht erschlossen werden.

Was es gibt. Vorhanden sind englischsprachige psychiatrische Arbeiten aus Korea zu Prolaktin und Sexualfunktion, eine adaptierte nationale Leitlinie und eine Übersicht aus der Urologie. Kim und Kollegen (2023, Catholic University) werteten ein klinisches Data Warehouse aus: 260 Akten gesichtet, 117 Patienten ausgewertet (48 Männer, 69 Frauen) [s54]. Das mittlere Prolaktin betrug 64,6 ± 54,6 ng/ml, bei 70,1 % bestand eine Hyperprolaktinämie (über 25 ng/ml); bei den Männern lag der Mittelwert bei 32,8 ± 20,9 ng/ml, die Hyperprolaktinämie bei 54,2 % (26 Männer). Nach Wirkstoff lagen die Mittelwerte bei Amisulprid 122,4 ± 56,0 ng/ml (n = 10), Risperidon 80,2 ± 52,0 (n = 43), Blonanserin 49,8 ± 45,5 (n = 18) und Olanzapin 43,3 ± 47,2 (n = 46); die Chlorpromazin-Äquivalenzdosis war ein Prädiktor (OR 1,005; 1,002 bis 1,008). Schwächen: kleine Gruppen, Mischdiagnosen, Mehrfachzählung von 30 Patienten, keine Kontrolle. Lee und Kollegen (2015, Chonnam National University) fanden bei 169 Patienten unter Risperidon-Monotherapie, dass die selbst bewertete Sexualfunktion mit Alter, Krankheitsdauer, weiblichem Geschlecht, Single-Status, Spätdyskinesie und Depressionswert zusammenhing [s117]; Hormon- oder Spermienwerte stehen im Abstract nicht. Park und Kollegen (2012, World Journal of Men's Health) schrieben aus dem Polizeikrankenhaus Seoul eine Übersicht zu antipsychotikabedingter Sexualfunktionsstörung [s142].

Leitlinie. Kim und Kollegen (2023, Chung-Ang University) entwickelten nach dem ADAPTE-Verfahren eine koreanische Leitlinie zur antipsychotikainduzierten Hyperprolaktinämie [s53]. Aus den Leitlinien, die Qualitätskriterien erfüllten, wurden drei adaptiert; das Ergebnis waren 25 Empfehlungen zu 10 Schlüsselfragen mit Evidenzgraden I bis IV und Empfehlungsgraden A bis D. Der Abstract nennt keine einzelne inhaltliche Empfehlung, und eine Aussage zur Fertilität oder zu Spermien ist dort nicht enthalten. Sie widmet sich ausdrücklich dem Hormonweg unter Antipsychotika und nicht der Samenqualität.

Fachzeitschriften. Genannt sind Clinical Psychopharmacology and Neuroscience [s53, s54], Human Psychopharmacology [s117] und World Journal of Men's Health [s142]. Die Zeitschrift World Journal of Men's Health wird koreanisch herausgegeben; sie veröffentlichte auch die Ritalinsäure-Studie von Harlev und Kollegen (2020) mit Autoren aus anderen Ländern [s84]. Dabei steigerte der Hauptmetabolit des Methylphenidats die Beweglichkeit von Spermien von 13 gesunden Spendern bei 1, 10, 100 und 1.000 ng/ml zeitabhängig (Maximum nach 240 Minuten) bei erhaltener Vitalität; die Autoren halten eine Anwendung bei Asthenozoospermie für denkbar, was eine Hypothese und kein Befund aus Behandlungen ist. Diese Studie gehört nur wegen der Fundstelle in diesen Abschnitt, nicht wegen der Herkunft der Autoren.

Erreichbarkeit. Sie ist die schwächste aller Räume. Koreanische Suchbegriffe lieferten in Europe PMC keinen einzigen Treffer. Die verwendete Adresse des Korea Citation Index (KCI) lieferte HTTP 404, wobei andere Adressen nicht ausprobiert wurden; KoreaMed lieferte nur die statische Startseite von rund 11 KB ohne Trefferliste; DBpia lieferte einen Verbindungsfehler. Koreanischsprachige Literatur ist damit weder über Europe PMC noch über KCI, KoreaMed oder DBpia erschlossen worden. Die Aussage lautet daher nur: In englischsprachigen Datenbanken fand sich aus Korea nichts zur Spermienqualität unter Psychopharmaka; über koreanischsprachige Literatur lässt sich nichts sagen.

Russisch

Befund in einem Satz. Die russischsprachige Literatur ist klein und klinisch-endokrinologisch geprägt, enthält aber die einzige gefundene Humanstudie zur Hodenstruktur unter Antipsychotika, und sie hat eine eigene arbeitshygienische Tradition bei der Prüfung von Benzodiazepinen.

Hodenstruktur beim Menschen (Autopsiestudien). Volkov (2014) untersuchte in einer morphometrischen Autopsiestudie die Hoden von 52 psychisch kranken Männern (Alter 29 bis 62 Jahre), die zu Lebzeiten verschiedene Antipsychotika in Standarddosen, oft in Kombination, erhalten hatten [s131]. Die Gruppen nach Behandlungsdauer waren bis 1 Jahr (n = 5), 1 bis 5 Jahre (n = 9), 5 bis 10 Jahre (n = 11), 10 bis 15 Jahre (n = 13) und über 15 Jahre (n = 14); als Vergleich dienten 24 Männer ohne Antipsychotika aus einer früheren Studie des Autors. Der Spermatogenese-Index sank von 7,13 ± 0,19 in der Vergleichsgruppe auf 4,94 ± 0,62 bei bis zu einem Jahr Therapie (minus 30,71 %) und 4,61 ± 0,45 bei 1 bis 5 Jahren (minus 35,34 %); nach 10 bis 15 Jahren war er um mehr als 52 %, nach über 15 Jahren um 83,59 % erniedrigt. Die Hormonaktivität der Leydig-Zellen verlief nach dem Autor wellenförmig, die Keimzellfunktion nahm von Beginn an fortschreitend ab. Die Parallelpublikation bezieht Eierstöcke von 55 Frauen unter Therapie ein (24 Männer und 25 Frauen als Vergleich) [s132]; eine dritte Arbeit (2015, nur Abstract) beschreibt, dass sich altersbedingte und antipsychotikabedingte Veränderungen der Leydig-Zellen addieren [s121]. Die Parallelpublikation enthält zum Teil identische Daten und ist keine unabhängige Bestätigung. Starke Einschränkungen: Autopsiematerial psychisch Schwerkranker mit vielen Störfaktoren (Krankheit, Begleitmedikation, Rauchen, Alkohol, Todesursache, postmortale Veränderungen), keine Aufschlüsselung nach Wirkstoff und Dosis, kleine und ungleiche Gruppen, nicht altersangepasste Vergleichsgruppe, keine Konfidenzintervalle, kein Spermiogramm und keine Information zur Fertilität. Der Spermatogenese-Index ist ein histologischer Index und keine Samenanalyse. Der Autor schreibt selbst, in der Fachliteratur gebe es zuvor keine Angaben zu morphologischen Hodenveränderungen unter Antipsychotika. Ein Gegenpol ist die ältere Untersuchung von Skoliarova (1977) an 33 Schizophreniekranken (19 Männer, 14 Frauen) unter Psychopharmaka: In 19 Fällen fanden sich involutive Veränderungen, deren Grad mit Alter und Krankheitsdauer, aber nicht mit Dauer oder Intensität der Behandlung korrelierte [s191].

Prolaktin, Testosteron, Sexualfunktion. Yunilainen und Kollegen (2016) untersuchten 244 stationäre Patienten unter Antipsychotika (104 Männer, 140 Frauen): asymptomatische Hyperprolaktinämie bei 16 % der Frauen und 37 % der Männer, bei Männern mit erektiler Dysfunktion assoziiert, aber, anders als bei Hypophysentumor und idiopathischer Hyperprolaktinämie, ohne Zusammenhang mit Hypogonadismus [s113]. Bulanov und Kollegen (2020) fanden bei 64 Männern unter Risperidon eine Prolaktinerhöhung bei 74,2 % und ein Testosteron unter 12,0 nmol/l bei 53,13 %, führten den Testosteronabfall aber eher auf die Adipositas als auf die Hyperprolaktinämie zurück (Männer mit BMI über 30: Testosteron 9,0 ± 1,5 gegenüber 16,1 ± 3,4 nmol/l bei BMI unter 30) [s88]. Kornetova und Kollegen (2019, Tomsk) fanden bei 98 Patienten Hyperprolaktinämie bei 50 % der Männer (25) und 47,9 % der Frauen (23) [s95]. Gorobets und Matrosova (2010) untersuchten 50 Patienten in der ersten Episode ohne Vorbehandlung und 17 gesunde Kontrollen: Hormonveränderungen bestanden teilweise schon vor der Antipsychotika-Therapie [s153]. Iagubov und Shtark (2011) sowie Shtark und Kollegen (2011) verglichen bei 60 Männern Risperidon, Olanzapin und Quetiapin: Libidoverminderung bei 74, 65 und 80 %, Ausfall von Orgasmus und Ejakulation bei 48, 41 und 0 % [s148, s150]. Übersichten stammen von Yunilainen und Dorovskikh (2013) [s140] und von Gorobets und Mazo (2014) [s123]; epidemiologisch hielt Yunilainen (2014) fest, dass die Häufigkeit bei Screening aller Patienten deutlich höher sei als bei Erfassung nach Inanspruchnahme [s133].

Arbeitshygienische Toxikologie. Eine Besonderheit der russischen Pharmakologie ist der toxikologisch-hygienische Ansatz, der Grenzwerte für Arbeitsplatzluft, Wasser und Ähnliches prüft. Gorokhova und Kollegen (2019) prüften Sulpirid an fünf Tierarten und testeten bei 2 g/kg oral an Ratten auf dominante Letalmutationen; der Text berichtet keinen schädigenden Effekt auf Hoden und Spermien und keinen Anstieg der Embryonenverluste [s94]. Das ist der einzige gefundene tierexperimentelle Beleg ohne Schädigung unter einem Antipsychotikum in den von dieser Quellengruppe abgedeckten Räumen, mit einem anderen Wirkstoff und einem anderen Prüfdesign als die türkischen Rattenstudien; die Gruppengrößen sind im gelesenen Abschnitt nicht berichtet. Für Benzodiazepine gibt es zwei Studien aus Nowokusnezk: Ratten erhielten vier Wochen lang 0,1 LD50 von Alprazolam, Diazepam, Mezapam und Nozepam (Alprazolam 160 mg/kg) [s144, s139]. Bei Alprazolam zeigte der Hoden Zeichen eines Hypofunktionszustands, nämlich unregelmäßige Samenkanälchen, nekrotischen Detritus ohne Zeichen aktiver Spermatogenese und ohne reife Spermatozoen; für die drei anderen Substanzen nennt der gelesene Hodenabsatz keinen eigenen Befund. Die beiden Texte enthalten fast wörtlich denselben Hodenabsatz und beruhen vermutlich auf demselben Versuch (80 Ratten laut [s139]); die Dosen sind extrem hoch, die Histologie qualitativ, und die Übertragbarkeit auf Patienten ist nicht gegeben. Zu Lithium fasst eine russische Übersicht (Gorokhova 2024) zusammen, das Lithiumion hemme Beweglichkeit und Stoffwechsel der Spermatozoen, und referiert einen Rattenversuch (Fertilitätsindex 50 %), wobei die Zahlen aus zweiter Hand stammen [s48]. Zu Stimulanzien liegen Tierstudien zu Bromantan beziehungsweise Ladasten vor, einem in Russland verwendeten Psychostimulans, das kein Standard-ADHS-Medikament ist: Bromantan 30 mg/kg verringerte nicht signifikant die absolute Spermienzahl [s170], Ladasten aktivierte bei gestressten Ratten die Spermatogenese [s163]. Eine Übersicht zu Männern mit Epilepsie [s155] ist wegen Valproat und Carbamazepin Randgebiet.

Leitlinien, Kohorten, Register. Eine russische Leitlinie oder ein Register zum Thema wurde nicht gefunden. Die Studien kommen aus psychiatrischen Kliniken (Moskau, Tomsk) und von den Gruppen um Gorobets und Shtark, nicht aus andrologischen Zentren. Samenanalysen unter den gesuchten Wirkstoffen fehlen.

Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. Genannt sind Zhurnal nevrologii i psikhiatrii imeni S. S. Korsakova [s113, s148, s153, s123], Sotsial'naia i klinicheskaia psikhiatriia [s88, s140, s150], Problemy endokrinologii [s132], Gigiena i sanitariia [s48] und Meditsina v Kuzbasse [s94, s139]. Die Europe-PMC-Suche mit kyrillischen Begriffen lieferte keine Treffer, weil die Datenbank vorwiegend lateinische Titel und englische Abstracts indexiert; russische PubMed-Artikel waren nur über englische Begriffe und den Sprachfilter für Russisch auffindbar. CyberLeninka war über die JSON-Schnittstelle nutzbar, und die Artikelseiten mit Volltext waren abrufbar; die normale Suchseite lieferte nur eine Werbe- und Skriptseite. Die Plattform eLIBRARY.ru war nicht erreichbar: Die Abfrage wurde auf eine Sitzungsseite umgeleitet und endete mit einer Fehlermeldung. Zeitschriften, die nur dort indexiert sind, konnten nicht geprüft werden. Ältere Arbeiten von 1977 bis 2005 sind über englische Abstracts in Europe PMC sichtbar [s191, s163, s170].

Arabisch

Befund in einem Satz. Die auffindbare Literatur aus dem arabischen Raum ist ausnahmslos englischsprachig; sie besteht aus großen klinischen Prolaktinstudien und aus Rattenstudien, in denen das Antipsychotikum meist als Schädigungsmodell für einen Schutzstoff dient, und eine arabischsprachige Studie zum Thema wurde nicht gefunden.

Eigene Kohorten (Prolaktin, keine Spermien). Drei große Querschnitts- oder Aktenstudien messen die Hyperprolaktinämie unter Antipsychotika, keine misst Spermien. In Saudi-Arabien untersuchten Alosaimi und Kollegen 997 Patienten (553 Männer, 444 Frauen) aus fünf Regionen (2012 bis 2014): mittleres Prolaktin 32,6 ± 44,1 ng/ml, bei Männern 24,4 ± 18,6, Prävalenz der Hyperprolaktinämie 44,3 % (Männer 46,3 %, Frauen 41,9 %; p = 0,164); die Einnahme von Antipsychotika war im multivariaten Modell mit einem Odds-Ratio von 2,08 (1,26 bis 3,42) verbunden [s96]. In Oman fanden Al Harthi und Kollegen bei 1103 Erwachsenen unter Antipsychotika (2016 bis 2019; 56,7 % Frauen) erhöhtes Prolaktin bei 68,3 %, in der psychiatrischen Klinik Al Masarra bei 76,9 % gegenüber 51,6 % im Universitätsklinikum; Haloperidol war gegenüber Risperidon ein Prädiktor, die Auswertung nach Geschlecht ist im Abstract nicht angegeben [s57]. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammt die Studie von Aly El-Gabry und Kollegen mit 835 Patienten mit Schizophrenie unter Risperidon oder Paliperidon (53,8 % Männer, retrospektiv, Al Ain, 2017 bis 2023): Prolaktin im Mittel 1126 ± 1334 mIU/l, Hyperprolaktinämie bei 61,9 %, die höchsten Werte unter oralem Paliperidon (1369 mIU/l; p = 0,003), sexuelle Nebenwirkungen bei 9,2 %; die Autoren sprechen von einer deutlichen Unterschätzung sexueller Nebenwirkungen und betonen, die Evidenz aus arabischen Populationen sei spärlich [s02]. Die Zahlen sind wegen unterschiedlicher Populationen, Wirkstoffe und Schwellenwerte nicht direkt vergleichbar. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Hyperprolaktinämie und Spermienqualität zeigt keine der Studien.

Humane Samenstudie (Randgebiet). Hamed und Kollegen (2015, Assiut) untersuchten 55 Männer mit idiopathischer Epilepsie unter Valproat (Behandlungsdauer 9,55 ± 0,85 Jahre) im Vergleich zu Kontrollen: freies Testosteron (p unter 0,01), Spermienkonzentration und -zahl (je p unter 0,0001) und Hodenvolumen waren niedriger, der Anteil unbeweglicher und abnormer Spermien höher [s115]. Epilepsie ist als Störfaktor zu bedenken, und die Befunde gelten für Valproat, nicht für die vier gesuchten Gruppen.

Tierstudien (Ägypten, Saudi-Arabien, Tunesien, Kuwait). Der Großteil der Evidenz sind Rattenversuche. Soliman und Kollegen untersuchten in einer Arbeit mit Autoren der Taibah-Universität (Saudi-Arabien) und einer ägyptischen Fakultät 60 Ratten (je 20) unter Aripiprazol 2 mg/kg und Olanzapin 0,5 mg/kg über 14 Wochen mit Licht- und Elektronenmikroskopie [s128]; unter Olanzapin zeigten sich Ablösung des Epithels und apoptotische Keimzellen, das Fazit lautet, Aripiprazol habe weniger ungünstige histologische Veränderungen verursacht, doch ist die Zuordnung der Befunde zu den Gruppen im Abstract nicht ganz eindeutig. Yousof und Kollegen (2024) gaben 48 Ratten über 30 Tage Quetiapin 55 oder 100 mg/kg, begründet als Missbrauchsmodell, und fanden eine Spermienzahl von 80,143 ± 0,553 Mio./ml in der Kontrolle gegenüber 66,429 ± 1,307 (55 mg/kg) und 41,571 ± 1,462 (100 mg/kg), eine Beweglichkeit von 83,7 % gegenüber 72,6 % und 66,8 % und einen Anteil normaler Morphologie von 82,1 % gegenüber 66,9 % und 54,7 %; ein Akazienextrakt milderte den Befund [s46]. Khattab und Kollegen (2025, Zagazig) prüften an 56 Ratten Olanzapin mit G-CSF und Umbelliferon [s25]; im Abstract steht ein vermindertes Hoden-Malondialdehyd unter Olanzapin, was der übrigen Literatur (Anstieg) entgegensteht und ohne Volltext nicht prüfbar ist. Mohyeldin und Kollegen (2025, Minia) gaben 36 Ratten Risperidon 2,5 mg/kg über vier Wochen mit Memantin als Schutzstoff; im Hodengewebe stieg Malondialdehyd von 13,4 ± 0,67 auf 38,73 ± 2,99, Spermienparameter wurden nicht berichtet [s27]. Eine saudi-arabische Arbeit zu Olanzapin und Zinksulfat (24 Ratten) ist als zurückgezogen gekennzeichnet, ein Rückziehungsvermerk liegt vor [s23, s05]; der Grund der Rückziehung steht im abgerufenen Vermerk nicht, und die Ergebnisse werden nicht berücksichtigt. Shehata und Kollegen (2025) beschreiben für Modafinil 300 oder 600 mg/kg dosisabhängig verschlechterte Spermienqualität und Erektionsfunktion, mit Selen als Schutzstoff; Modafinil ist ein Wachheitsmittel und kein klassisches ADHS-Medikament [s32]. Zu Lithium stammen aus Tunesien die Studien von Saad und Kollegen (2017; 25 mg/kg intraperitoneal zweimal täglich, Spermienzahl und Beweglichkeit sowie Testosteron gesenkt, Malva-sylvestris-Extrakt als Schutzstoff) [s108] und Allagui und Kollegen (2005) [s159]; aus Kuwait stammt eine Studie zu Lithium als Schutzstoff gegen Cadmium (24 Ratten) [s151]. Das Muster ist auffällig: Das Antipsychotikum dient meist als Schädigungsmodell, die Befunde zu Spermien sind ein Nebenergebnis, und Dosen sind nicht auf Patienten umgerechnet.

Nachbarraum Iran. Der Iran gehört nicht zu den angefragten Sprachräumen; seine Arbeiten wurden über die regionale Suche gefunden und mit „fa“ gekennzeichnet. Sie machen einen beträchtlichen Teil der Lithium- und Methylphenidat-Evidenz aus. Aliakbari und Kollegen (2022) fanden in einer Fall-Kontroll-Studie an 150 Männern (21 bis 31 Jahre) mit Hyperaktivität (50 aktuelle, 50 frühere Ritalin-Anwender, 50 Kontrollen) Unterschiede in Spermienzahl, Anomalien und Beweglichkeit; die im Abstract angegebenen p-Werte („p < .47“) sind jedoch nicht interpretierbar, sodass die Studie nur mit Vorbehalt verwertbar ist [s58]. Fazelipour und Kollegen berichten für Methylphenidat bei Mäusen einen Abfall des Serumtestosterons von 67,72 ± 8,24 auf 0,302 ± 0,416 ng/ml und eine Fertilitätsrate von 64,96 % gegenüber 95,42 % (2 mg/kg; je drei Männchen für die Fertilität) [s141], während eine zweite Arbeit derselben Gruppe einen Anstieg von Testosteron und Gonadotropinen fand [s122]. Roustaee und Kollegen (2024) fanden unter Lisdexamfetamin 30 mg/kg über drei Wochen verminderte Beweglichkeit, mehr DNA-Fragmentierung und einen deutlichen Testosteronabfall [s43]. Zu Lithium gibt es Studien aus Teheran, Zahedan und anderen Orten [s136, s44, s69, s24]; so sank in der Studie von Shoghi und Kollegen mit 72 Ratten die Spermienzahl von 1516,80 ± 85,66 auf 243,45 ± 23,03 bei 40 mg/kg, die Einheiten sind in der Quelle unklar, und die sehr kleinen Standardfehler lassen Zweifel an den Hormonwerten offen [s44]. Habeeb Qayssar und Kollegen (28 Ratten, Olanzapin 5 mg/kg über 60 Tage) fanden eine Spermienzahl von 57,57 (51,87 bis 63,27) gegenüber 115,8 (113,4 bis 118,2) Mio./ml in der Kontrolle und eine progressive Beweglichkeit von 7,28 % gegenüber 91,57 %; es ist ein Schutzversuch zu Vitamin E, und die Plausibilität der sehr engen Intervalle ist nicht überprüfbar [s08]. Asadi-Pooya und Kollegen (2015, Shiraz) untersuchten 8 Männer vor und nach Carbamazepin [s114].

Leitlinien und Fachzeitschriften. Eine Leitlinie aus dem arabischen Raum zum Thema wurde nicht gefunden. Die Arbeiten erscheinen in internationalen englischsprachigen Zeitschriften wie International Clinical Psychopharmacology [s02], Cureus [s57], International Journal of Psychiatry in Clinical Practice [s96], Scientific Reports [s27], Ultrastructural Pathology [s25] und Heliyon [s46].

Erreichbarkeit. Für den arabischen Sprachraum konnte keine regionale Datenbank durchsucht werden. Die Arab World Research Source (EBSCO) zeigte eine Anmeldeseite, weil die IP-Adresse keiner Institution zugeordnet werden konnte; Dar Al Mandumah antwortete mit „Too Many Requests“ (HTTP 429); die algerische Plattform ASJP war nicht erreichbar. Arabische Suchbegriffe lieferten in OpenAlex keine Treffer, und Europe PMC enthielt keinen arabischsprachigen Treffer mit Bezug zu Spermien und Psychopharmaka (der einzige Treffer mit dem Sprachfilter für Arabisch war eine Arbeit von 1959 zur männlichen Sterilität ohne Medikamentenbezug und wurde nicht verwendet). Die Befunde beruhen deshalb ausschließlich auf englischsprachigen Veröffentlichungen mit arabischer Affiliation, und das Fehlen arabischsprachiger Literatur ist ein Zugangsproblem, kein Beleg.

Türkisch

Befund in einem Satz. Die Türkei trägt in internationalen Zeitschriften den größten Anteil an Rattenstudien zu Antipsychotika und eine Reihe türkischsprachiger klinischer Arbeiten zu Hormonen und Sexualfunktion; humane Samenanalysen unter Antipsychotika, Lithium oder Methylphenidat wurden in der Türkei nicht gefunden.

Eigene Forschungslinien (Rattenstudien). Eine Arbeitsgruppe am Fachbereich Pharmazeutische Toxikologie der Anadolu-Universität in Eskişehir prüfte nacheinander drei Antipsychotika an männlichen Wistar-Ratten, jeweils 28 Tage mit oraler Gabe und demselben Messprogramm. Olanzapin (2,5, 5 und 10 mg/kg) senkte den Anteil normal geformter Spermien von 84,00 ± 4,55 % auf 64,86 ± 6,87 % (5 mg/kg) und 66,81 ± 5,00 % (10 mg/kg), ohne signifikante Änderung von Konzentration oder Beweglichkeit und ohne Unterschied im Kometentest auf DNA-Schäden; FSH, LH und Testosteron waren erniedrigt [s68]. Bei Risperidon (1,25, 2,5 und 3 mg/kg) war der Anteil normaler Spermien vermindert und die Hodenhistologie dosisabhängig degeneriert, wobei Zahlen im Abstract fehlen [s70]; bei Quetiapin (10, 20 und 40 mg/kg) sanken relatives Nebenhodengewicht und Spermienkonzentration, und der Anteil abnormer Spermien stieg [s62]. Eine Gruppe der Ondokuz-Mayıs-Universität in Samsun verglich an 50 Ratten in fünf Gruppen Haloperidol, Risperidon, Quetiapin und Aripiprazol: Die Spermienparameter waren in allen Antipsychotikagruppen signifikant verschlechtert, Haloperidol und Risperidon senkten das Testosteron, alle vier Wirkstoffe Inhibin B [s51]; Zahlen stehen im Abstract nicht. Eine Gruppe der Hacettepe-Universität in Ankara (30 Ratten, je 10, Clozapin oder Haloperidol 0,5 mg/kg intraperitoneal über 28 Tage) fand geringere Hoden- und Prostatagewichte und in der Tabelle ein Testosteron von 6,04 ± 0,46 ng/ml in der Kontrolle gegenüber 0,94 ± 0,33 (Clozapin) und 0,70 ± 0,34 (Haloperidol); eine Spermienanalyse wurde nicht berichtet, und die Testosteronzahlen im Abstract weichen von der Tabelle des Volltextes ab, die Quelle ist an dieser Stelle in sich nicht einheitlich [s91]. In TR Dizin fanden sich ferner eine Studie zu Olanzapin (2 und 4 mg/kg) mit und ohne L-Carnitin an 48 Ratten (sechs Gruppen zu je acht), in der die Spermienzahl in den Olanzapingruppen sank und L-Carnitin die histologischen Veränderungen milderte [s50], und eine ex-vivo-Arbeit zu Cyamemazin, Blonanserin und Nemonaprid am Vas deferens von Mäusen (n = 7 je Gruppe), die den Spermientransport und nicht die Spermienqualität betrifft [s72]. Zu Lithium legte Kayhan Kaya (2014, Eskişehir, Dissertation) einen Versuch an 28 Ratten vor (Lithiumcarbonat 100 mg/kg über 20 Tage, mit und ohne Vitamin E), in dem Hoden- und Körpergewicht sanken und der Schaden mit Vitamin E geringer ausfiel; der Abstract enthält keine Zahlen [s124]. Cansu und Kollegen (2011, Trabzon) prüften Methylphenidat 5 und 10 mg/kg über 90 Tage an 42 Ratten (je 14) und fanden weniger runde Spermatiden und mehr Apoptose [s145] sowie für Valproat 300 mg/kg und Oxcarbazepin 100 mg/kg ein niedrigeres Hodengewicht unter Valproat [s146]. Tektemur und Kollegen (Elazığ, 2021) beschrieben bei Carbamazepin verminderte Beweglichkeit, mehr abnorme Morphologie und Veränderungen der Expression von KCNJ11 und miR-let-7a [s80]. Mehrere dieser Arbeiten sind Schutzversuche, in denen das Medikament ein Schädigungsmodell ist.

Humanstudien (Hormone, Sexualfunktion). Die humanen türkischen Arbeiten messen keine Spermien. Öztürk Yalçın und Kollegen (Hacettepe) werteten eine zehnjährige Kohorte mit 251 Patienten und 539 Prolaktinmessungen aus: Prolaktin über 20 ng/ml bei 68,4 % der Männer, bei Hochrisiko-Antipsychotika ein durchschnittlicher Anstieg von etwa 40 ng/ml [s13]. Bulut und Kollegen (Ankara) verglichen 23 Männer unter prolaktinsteigernden und 19 unter prolaktinneutralen Antipsychotika mit Kontrollen: Hyperprolaktinämie bei 65,2 % (n = 15) gegenüber 15,8 % (n = 3), mit Schwerpunkt auf der Knochendichte [s110]. Özsoy und Taşçı untersuchten 95 Patienten (79 Männer) unter Depot-Antipsychotika [s64], Karslioğlu und Kollegen 25 Patienten nach Umstellung von Paliperidon-Palmitat 1-Monats- auf 3-Monats-Depot, wobei Prolaktin und ASEX-Wert sanken [s61]; Yıldız und Uğur berichteten einen Fall unter Paliperidon-Palmitat, dessen Titel Infertilität nennt, dessen Abstract Infertilität aber nur als mögliche Folge der Hyperprolaktinämie anführt und keine Samenanalyse enthält [s87]. Für die Lithium-Frage am Menschen ist die Arbeit von Toprak und Kollegen (2014, Nöropsikiyatri Arşivi) wichtig: 57 Patienten mit bipolarer Störung in Remission (29 Männer), unter Lithium, Quetiapin, Olanzapin oder Kombination, ohne Unterschied der Hormonwerte (Prolaktin, FSH, LH, Östradiol, freies Testosteron) zwischen den Gruppen [s129]. Aldemir und Kollegen (2016, Ege-Universität) fanden bei 193 Patienten mit bipolarer Störung (100 Männer) eine erektile Funktionsstörung bei 52 % der Männer (n = 39) und keinen Unterschied zwischen Gruppen mit Stimmungsstabilisatoren und Antipsychotika; sie schließen, Fortpflanzungs- und Sexualfunktion seien weniger betroffen als angenommen [s109]. Evlice und Kollegen untersuchten 43 Patienten mit Schizophrenie [s152]. Ocek und Kollegen (2018, Uşak) fanden bei 30 Männern unter Valproat, 29 unter Carbamazepin und 30 Kontrollen ein niedrigeres Ejakulatvolumen und weniger normale Spermien bei den Behandelten [s100]; es ist eine Antiepileptika-Studie. Dazu kommen ein Fallbericht von Kose-Ozlece und Kollegen zu Valproat [s116] und eine türkischsprachige Übersicht von Aldemir und Akdeniz (2009) zu Valproat, die auf widersprüchliche Ergebnisse und die Epilepsie als eigenen Störfaktor hinweist [s156]. Übersichten stammen von Atan und Kollegen (Androloji Bülteni, Hyperprolaktinämie und erektile Dysfunktion) [s97] und Ilgin (2020, Psychopharmaka als endokrine Disruptoren der Hypothalamus-Hypophysen-Regulation, ohne eigene Daten) [s85].

Leitlinien, Register. Eine türkische Leitlinie oder ein Register zum Thema wurde nicht gefunden. Gemeinsam ist den türkischen Arbeiten, dass sie in Fakultäts- und Universitätslabors entstanden und die klinische Forschung auf Hormone und Sexualfunktion zielt.

Fachzeitschriften. Neben internationalen Titeln (Scientific Reports [s68], Drug and Chemical Toxicology [s62], Andrologia [s70, s80], Chemistry & Biodiversity [s51], Psychoneuroendocrinology [s13], Human Psychopharmacology [s61]) erscheinen türkischsprachige Zeitschriften mit englischen und türkischen Abstracts: Klinik Psikiyatri Dergisi [s87, s152], Düşünen Adam [s109], Nöropsikiyatri Arşivi [s129], Androloji Bülteni [s97], Cukurova Medical Journal [s64], Sakarya Tıp Dergisi [s72], die Zeitschrift der medizinischen Fakultät der Süleyman-Demirel-Universität [s50] und das Turk Psikiyatri Dergisi [s156].

Erreichbarkeit. TR Dizin war über die JSON-Schnittstelle erreichbar, und Abstracts auf Türkisch und Englisch waren abrufbar. Die Suche arbeitet wortbasiert; türkische Wortendungen und ausgeschriebene Wirkstoffnamen führen zu wenigen Treffern, viele Treffer sind fachfremd (zum Beispiel Lithium-Ionen-Akkus), sodass für lithiumbezogene Treffer nach „lityum“ gefiltert werden musste. DergiPark war nicht nutzbar: Die Suche wurde auf eine Verifizierungsseite umgeleitet, die für Abfragen ohne Browser-Sitzung nicht lösbar war; einzelne DergiPark-Zeitschriften wurden indirekt über TR Dizin und OpenAlex sichtbar. Suchbegriffe in türkischer Schrift lieferten in Europe PMC keine Treffer, weil dort vorwiegend lateinische Titel und englische Abstracts indexiert sind. Ein Teil der türkischen Literatur ist daher nicht erfasst. Die Rattenstudien aus der Türkei, dem arabischen Raum und dem Iran verwenden ähnliche Endpunkte (Hodenhistologie, Malondialdehyd, Superoxiddismutase, Testosteron) und oxidativen Stress als Mechanismus beschreiben, ohne dass die Dosen auf den Menschen umgerechnet wären.

Kapitel 05: Widersprüche, Grenzen und Einordnung der Evidenz

Dieses Kapitel fasst zusammen, wo sich die Studien zu Antipsychotika, Lithium, Benzodiazepinen und ADHS-Medikamenten widersprechen, wie belastbar die Datenlage insgesamt ist und was daraus für eine vorsichtige Einordnung folgt. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen aus dem Quellenverzeichnis am Ende, zum Beispiel [s77]. Das Kapitel gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine Diagnose. Wo Autorinnen und Autoren einer Studie selbst etwas empfehlen, ist das ausdrücklich als deren Aussage gekennzeichnet. Wo eine Erklärung für einen Widerspruch nur eine plausible Vermutung ist und in den Quellen nicht geprüft wurde, steht das dabei.

Einige Quellen betreffen Valproat, Carbamazepin und Oxcarbazepin. Diese Antiepileptika gehören nicht zu den vier gesuchten Klassen, werden aber in der Psychiatrie als Stimmungsstabilisierer eingesetzt und sind die einzige Gruppe, für die gemessene Spermiogramme an behandelten Männern in nennenswerter Zahl vorliegen. Sie werden deshalb als Randgebiet mitgeführt und sind nicht auf Lithium, Antipsychotika, Benzodiazepine oder ADHS-Medikamente übertragbar.

Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Ordnung und Qualität der Humanlage bis Lithium
  6. Benzodiazepine bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  7. Wie dieser Abschnitt zu lesen ist bis Antipsychotika
  8. Lithium bis Nicht englischsprachige Quellen, Lücken und Grenzen
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Japanisch
  12. Koreanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle