Psychopharmaka: Antipsychotika, Lithium und ADHS-Medikamente · Kapitel 7 von 18 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

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Dieses Kapitel behandelt Antipsychotika, Lithium, Benzodiazepine und ADHS-Medikamente (vor allem Methylphenidat, daneben Amphetamine, Atomoxetin und verwandte Substanzen). SSRI sind ausgeschlossen. Als Randgebiet werden Valproat, Carbamazepin und Oxcarbazepin mitgeführt, weil sie in der Psychiatrie als Phasenprophylaktika eingesetzt werden und weil nur für diese Gruppe überhaupt Spermiogramme an behandelten Patienten in nennenswerter Zahl vorliegen. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf die vier Kernklassen übertragen.

Die Darstellung ist beschreibend. Sie gibt keine Therapieempfehlung. Wo Autorinnen, Autoren oder Leitlinien selbst Empfehlungen formulieren, steht das als deren Aussage da. Zahlen stammen aus den abgerufenen Abstracts und Volltexten. Bei Arbeiten, von denen nur der Abstract gelesen wurde, fehlen oft Gruppengrößen, Dosen und p-Werte; das wird jeweils genannt. Originaltitel nicht englischer und nicht deutscher Arbeiten stehen im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern.

Die Datenlage in einem Satz. Kontrollierte Untersuchungen am Menschen mit echten Samenparametern sind für Antipsychotika, Lithium und Benzodiazepine selten und winzig, für ADHS-Medikamente zahlreicher, aber widersprüchlich; der Großteil der Befunde stammt aus Tierversuchen, aus Hormonstudien (Prolaktin, Testosteron) und aus In-vitro-Versuchen an Spermien. In den abgerufenen Quellen fand sich keine randomisierte kontrollierte Studie, die den Einfluss einer der vier Kernklassen auf Spermienparameter als primären Endpunkt untersucht, und keine Cochrane-Übersicht zum Thema [s73, s119, s92].

Übersichtsarbeiten und Metaanalysen

Worly und Gur 2015, systematische Übersicht [s119]. Eine PubMed-Suche ergab 3.603 Treffer, 37 Studien wurden ausgewertet (nur englischsprachige Artikel). Zu Spermien waren die klinischen Studien uneindeutig: Mehrere deuteten auf höhere Beweglichkeit und Menge unter bestimmten Psychopharmaka hin, andere (in vitro und in vivo) auf verminderte Menge und Beweglichkeit. Eine Depression beim Mann schien die Spermien nicht zu beeinflussen, Angst hatte in einer Studie einen Effekt. Das Fazit der Autorinnen: Die Literatur sei nicht robust genug, um den Einsatz von Psychopharmaka bei Männern oder Frauen mit Kinderwunsch zu beeinflussen.

Drobnis und Nangia 2017, narrative Übersicht [s104]. Für Antipsychotika beschreiben die Autoren Prolaktinanstieg, Testosteronabfall und mehr sexuelle Nebenwirkungen einschließlich Ejakulationsstörungen; die stärkste Evidenz bestehe für Chlorpromazin, Haloperidol, Reserpin, Risperidon und Thioridazin, geringere Effekte für Aripiprazol und Clozapin. Sinngemäß halten sie fest, bemerkenswert wenige Studien hätten die Wirkung von Antipsychotika auf die Samenqualität untersucht, und nennen das eine wichtige Wissenslücke. Lithium erhöhe Prolaktin und LH und senke Testosteron, beruhend auf wenigen Studien. Für Valproat, Carbamazepin, Oxcarbazepin und Levetiracetam werde verminderte Samenqualität berichtet. Die Übersicht ist narrativ; im Abstract fehlen Angaben zu Suchstrategie und Qualitätsbewertung.

Solomon, Shvartsur und Azab 2019 [s92]. Sechs Substanzen wurden gesichtet: Lithium, Valproat, Haloperidol, Olanzapin, Imipramin und Fluoxetin. Sie könnten mit Sexualfunktionsstörungen und negativen Effekten auf Spermienparameter verbunden sein. Die Autoren betonen, die meisten Daten stammten aus präklinischen und nicht randomisierten klinischen Studien mit kleinen Stichproben; eindeutige Schlüsse zur klinischen Bedeutung seien nicht möglich, prospektive randomisierte Studien seien nötig.

Samplaski und Nangia 2015 [s118]. Die Übersicht zu häufig verwendeten Medikamenten hält fest, dass Psychopharmaka Spermien, Sexualfunktion und Hormonwerte beeinflussen könnten, schlüssige Evidenz am Menschen aber oft begrenzt und die Effekte meist reversibel seien; die Autoren empfehlen eine entsprechende Beratung.

Weitere narrative Übersichten. Hamed, Ekundina und Akhigbe 2023 [s52] beschreiben Beeinträchtigung von Libido, Androgensynthese, Spermatogenese und Spermienqualität über oxidative Schädigung, Entzündung, Apoptose und Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse, unterscheiden aber im Abstract nicht zwischen verordneter Anwendung und Missbrauch. Ilgin 2020 [s85] ordnet Psychopharmaka, die Dopamin, Serotonin und GABA beeinflussen, als mögliche endokrine Disruptoren der Hypothalamus-Hypophysen-Regulation beim Mann ein. Belhadga und Mitarbeiter 2023 [s49], ein Kongressabstract, schreiben, alle Antipsychotika könnten Spermatogenesestörungen verursachen, räumen aber ein, dass die meisten prospektiven Studien an Ratten durchgeführt wurden; Zahlen enthält der Abstract nicht. Dawid und Mitarbeiter 2025 [s22] werteten in einem Scoping-Review 29 Studien zur Psychopharmakotherapie bei assistierter Reproduktion aus; die Evidenz betrifft hauptsächlich Frauen, und für Spermienparameter liefert der Abstract keine Ergebnisse. Rodrigues und Mitarbeiter 2026 zu Psychostimulanzien [s15] und zu Benzodiazepinen [s16] sind narrative Übersichten ohne Zahlen im Abstract; sie fordern longitudinale Studien zu Dosisabhängigkeit, Reversibilität und transgenerationalen Folgen. Die russischsprachigen und türkischen Übersichten [s123, s48, s140, s97, s156, s155] liefern keine eigenen Daten; sie wiederholen im Wesentlichen die Prolaktin-Hypothese und, bei Lithium, Tierbefunde aus zweiter Hand [s48].

Übersichten zu Prolaktin und Sexualfunktion. Matuszewska und Mitarbeiter 2023 [s56] schreiben, bei Männern mit Schizophrenie seien veränderte Testosteronspiegel beobachtet worden, einzelne Studien lieferten aber widersprüchliche Ergebnisse; die Spiegel könnten von Krankheitsphase, Symptomen, Therapie, Stress, Antipsychotika-bedingter Hyperprolaktinämie, Adipositas, Suchtmitteln und Leberschäden abhängen. Stojkovic und Mitarbeiter 2022 [s66] beschreiben die Risperidon-Hyperprolaktinämie als häufige, aber vernachlässigte Nebenwirkung mit Folgen unter anderem für die Fertilität. Dabbous und Atkin 2018 [s98] stellen fest, erhöhtes Prolaktin hemme die männliche Reproduktion und eine Behandlung bestätigter Hyperprolaktinämie mit Dopaminagonisten verbessere Samenparameter und Hormonwerte deutlich; die Arbeit behandelt Hyperprolaktinämie allgemein und nicht spezifisch durch Antipsychotika verursachte. Park und Mitarbeiter 2012 [s142] ordnen Haloperidol, Risperidon und Amisulprid als prolaktinsteigernd, Olanzapin, Clozapin, Quetiapin, Ziprasidon und Aripiprazol als prolaktinneutral ein und berichten höhere Raten sexueller Funktionsstörung unter Risperidon und typischen Antipsychotika. Watanabe und Kikuchi 2014 [s130] (Übersicht über Nebenwirkungen von Psychopharmaka, japanisch) enthält im Abstract keine Aussage zu Spermien. Ein Zebrafisch-Versuch von Hong und Mitarbeitern 2022 [s60] mit Venlafaxin (ein SNRI, außerhalb der SSRI-Klasse) fand bei Lebenszyklus-Exposition in 0,1 bis 100 µg/l keine Beeinflussung der Spermienqualität, aber ein vermindertes Fortpflanzungsverhalten bei 1 bis 10 µg/l; er gehört in die Umwelttoxikologie und nicht in die Humanmedizin.

Systematische Übersicht zu Tierstudien (ADHS-Medikamente). Danborg, Simonsen und Gøtzsche 2017 [s103] schlossen 17 Studien ein, die sie überwiegend als von schlechter Qualität oder mangelhaft berichtet bewerteten. Bei Clonidin war die Zeugungsfähigkeit männlicher Ratten vermindert: In einer Studie zeugten 10 behandelte Ratten keine Nachkommen, alle vier Kontrolltiere schon. Für Methylphenidat betreffen die im Abstract genannten Effektgrößen weibliche Tiere (verzögerte Vaginalöffnung, mittlere Differenz 4,0 Tage, 95-%-KI 2,5 bis 5,6); die Beeinträchtigungen besserten sich nach medikamentenfreier Zeit und waren bei späterem Behandlungsbeginn weniger ausgeprägt. Die Autoren schließen, ADHS-Medikamente beeinträchtigten die Reproduktion bei Tieren.

Metaanalyse zu Valproat. Asghar und Mitarbeiter 2024 [s37] (Randgebiet) fassten 7 präklinische Studien (112 Tiere) und 5 klinische Studien (274 Männer) zusammen. Ergebnisse in Abschnitt „Randgebiet“.

Humanstudien mit Samenparametern über mehrere Klassen hinweg

Mazzilli und Mitarbeiter 2021 [s73] (Frontiers in Endocrinology). Die Studie ist die informativste Humanarbeit des gesamten Themenfeldes, weil sie Wirkstoffspiegel im Samenplasma misst. Eine italienische Andrologie entwickelte ein LC-MS/MS-Verfahren für Psychopharmaka im Samenplasma. Von 41 Männern aus infertilen Paaren (idiopathische oder ungeklärte männliche Infertilität, Psychopharmaka seit mehr als drei Monaten) wurden 21 ausgeschlossen, unter anderem wegen weiterer Medikamente, Hypogonadismus, Hyperprolaktinämie, Hypothyreose, schwerer Varikozele, früherer Hodentorsion oder -trauma und obstruktiver Azoospermie. Es verblieben 20 Männer, verglichen mit 10 unbehandelten fertilen Kontrollen: 6 unter einem SSRI (Fluoxetin), 4 unter einem Benzodiazepin (Alprazolam) und 10 unter Antipsychotika beziehungsweise Antiepileptika (Quetiapin, Olanzapin, Levetiracetam, Aripiprazol); die Behandlungsdauer lag zwischen 10 und 24 Monaten, das Alter bei 34,8 ± 3,7 gegenüber 34,1 ± 3,8 Jahren.

Die Konzentrationen (Mittelwert ± Standardabweichung) im Serum gegenüber dem Samenplasma: Alprazolam 17,8 ± 10,8 gegenüber 9,1 ± 8,1 ng/ml (4 Männer), Olanzapin 42,0 ± 19,8 gegenüber 37,4 ± 21,3 ng/ml (2 Männer), Quetiapin 318,0 ± 76,7 gegenüber 34,3 ± 14,9 ng/ml (3 Männer), Aripiprazol 240,3 ± 62,3 gegenüber 39,1 ± 17,2 ng/ml (3 Männer), Levetiracetam 20,5 ± 2,1 gegenüber 10,8 ± 0,4 µg/ml (2 Männer). Alprazolam, Olanzapin und Levetiracetam erreichten also ähnliche Serum- und Samenspiegel, Quetiapin und Aripiprazol lagen im Samenplasma deutlich darunter.

Bei den Samenparametern war die progressive Beweglichkeit in der Gesamtgruppe der Behandelten niedriger (36,8 ± 11,6 % gegenüber 46,3 ± 10,0 %; p = 0,03). Volumen (3,2 ± 1,1 gegenüber 3,2 ± 1,3 ml), Konzentration (70,8 ± 30,0 gegenüber 82,1 ± 17,6 × 10^6/ml), Gesamtzahl (228,4 ± 112,3 gegenüber 247,7 ± 99,5 × 10^6) und der Anteil abnormer Formen (73,7 ± 6,9 gegenüber 75,1 ± 7,7 %) unterschieden sich nicht. In der Untergruppe Antipsychotika/Antiepileptika (n = 10) waren Konzentration (52,6 ± 27,4 × 10^6/ml gegenüber 82,1 ± 16,4 bei den Kontrollen; gegenüber 92,2 ± 23,9 in der SSRI-Gruppe, p = 0,01 im Gruppenvergleich) und Gesamtzahl (167,1 ± 101,5 × 10^6) niedriger, die progressive Beweglichkeit lag bei 31,3 ± 10,0 % gegenüber 46,3 ± 10,1 % (p = 0,003). Die Benzodiazepin-Gruppe (Alprazolam, n = 4) unterschied sich in Konzentration (84,3 ± 15,3 × 10^6/ml) und Beweglichkeit (41,3 ± 11,1 %) nicht erkennbar von den Kontrollen.

Stärken: erste Messung von Wirkstoffspiegeln im Samenplasma, Ausschluss vieler Störfaktoren, Kontrollgruppe. Schwächen: Die Untergruppe vereint vier verschiedene Wirkstoffe, darunter das Antiepileptikum Levetiracetam; die Kontrollen sind fertile Männer ohne Behandlungsindikation, sodass die Grunderkrankung als Störfaktor bleibt; Querschnitt, keine Dosisangaben. Die Autoren selbst bezeichnen die Ergebnisse als vorläufig.

Altiok und Mitarbeiter 2026 [s01] (Zygote). 14 Behandelte wurden mit 15 Nichtanwendern verglichen; untersucht wurden Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie, Beweglichkeit, DNA-Fragmentierung, Chromatinintegrität und die Expression der Proteinkinase A. Die Autoren berichten signifikante Unterschiede zu Ungunsten der Behandelten. Im Abstract fehlen Wirkstoffe, Dosen, Effektgrößen und p-Werte; eine Bewertung im Einzelnen ist nicht möglich.

Yland und Mitarbeiter 2021 [s83] (Fertility and Sterility). Prospektive Präkonzeptionskohorte (Pregnancy Study Online): 329 Männer, 566 Samenproben, Heimtest (Volumen, Konzentration, Konzentration beweglicher Spermien). 49 Männer (15 %) berichteten eine Depressionsdiagnose, 41 (12 %) Psychopharmaka in den letzten vier Wochen (Antidepressiva und weitere Psychopharmaka, ohne Aufschlüsselung nach Klassen). Eine Depressionsdiagnose war mit einem 4,3-fach erhöhten Risiko für niedriges Volumen verbunden (RR 4,3; 95-%-KI 1,16 bis 16); für Konzentration (0,89; 0,44 bis 1,77), Beweglichkeit (1,13; 0,77 bis 1,65), Gesamtzahl (0,75; 0,35 bis 1,61) und Gesamtzahl beweglicher Spermien (0,68; 0,29 bis 1,60) ergab sich nichts Klares. Für die Medikation lauteten die adjustierten Risikoverhältnisse im Modell A 1,00 (0,14 bis 7,2) für niedriges Volumen, 1,32 (0,65 bis 2,7) für niedrige Konzentration, 1,37 (0,95 bis 1,98) für niedrige Beweglichkeit, 1,14 (0,56 bis 2,3) für niedrige Gesamtzahl und 1,33 (0,64 bis 2,8) für niedrige Gesamtzahl beweglicher Spermien; im Modell B (zusätzlich für die Depressionsdiagnose adjustiert) 0,44 (0,03 bis 6,7), 1,66 (0,70 bis 4,0), 1,44 (0,89 bis 2,3), 1,40 (0,61 bis 3,2) und 1,84 (0,71 bis 4,8). Alle Konfidenzintervalle schließen 1 ein. Der Zusammenhang zwischen Depression und niedrigem Volumen wurde kaum über die Medikation vermittelt (indirekter Effekt aRR 0,89; 0,33 bis 2,4). Die Autoren schreiben, die Medikation sei mit schlechterer Samenqualität assoziiert gewesen, dies sei aber durch die Depressionsdiagnose konfundiert. Schwächen: sehr wenige Medikamentenanwender, keine klassenspezifische Auswertung, Selbstangaben, kein Heimtest für Morphologie oder DNA-Fragmentierung.

Depression selbst als Störfaktor. Zhang und Mitarbeiter 2024 [s47] (Querschnitt, Kinderwunschsprechstunde, Wuhan) fanden Depression (PHQ-9) mit schlechteren Samenparametern assoziiert, Angst nur mit geringerer Konzentration bei mäßiger bis schwerer Angst (minus 25,60 Mio./ml; KI 1,226 bis 49,965; p = 0,040); der Abstract berichtet nichts zu Medikamenten. Die Mendelsche Randomisierung von Chen und Mitarbeitern 2024 [s38] (GWAS-Daten zu 15 psychischen Erkrankungen) fand affektive Störungen (OR 1,4497; KI 1,0093 bis 2,0823; p = 0,0444) und ADHS (OR 1,3921; KI 1,0943 bis 1,7709; p = 0,0071) positiv, die Zwangsstörung negativ (OR 0,8208; KI 0,7146 bis 0,9429; p = 0,0052) mit männlicher Infertilität assoziiert. Diese Studie trennt Erkrankung und Arzneimittel nicht; sie warnt aber vor Confounding by indication in allen Arzneimittelstudien. Ein Teil der Effekte liegt knapp an der Signifikanzgrenze, mehrfaches Testen über 15 Erkrankungen ohne im Abstract genannte Korrektur.

Antipsychotika

Hormonstudien am Menschen

Der am häufigsten genannte Mechanismus ist die Blockade der D2-Rezeptoren an den laktotrophen Zellen der Hypophyse mit nachfolgender Hyperprolaktinämie [s126]. Die Humandaten zur Frage, ob daraus Testosteronmangel und Samenveränderungen folgen, sind widersprüchlich. Studien dieser Gruppe messen keine Spermien; sie stehen hier, weil sie die einzige Humanliteratur zur männlichen Fortpflanzungsachse unter Antipsychotika bilden.

Experimentelle Studien an gesunden Männern. García Díez und González Buitrago 1982 [s186] erzeugten bei 22 Männern durch Metoclopramid und Sulpirid gemeinsam eine Hyperprolaktinämie: Samenvolumen und Samenqualität nahmen ab, das Serumtestosteron fiel sowohl bei normozoospermen als auch bei oligozoospermen Männern, die Sekretion der akzessorischen Drüsen war gehemmt. Wegen der Kombination lässt sich der Effekt keinem einzelnen Antipsychotikum zuordnen; der Abstract nennt keine Zahlen. Oseko und Mitarbeiter 1988 [s184] gaben fünf gesunden Männern 64 Tage lang täglich 300 mg Sulpirid (mittleres Prolaktin 73,8 ng/ml). Das basale Plasmatestosteron sank signifikant (p < 0,05) von 1011 ± 148 ng/dl auf 852 ± 13 (2 Wochen), 520 ± 53 (4 Wochen), 572 ± 137 (6 Wochen) und 554 ± 140 ng/dl (8 Wochen); die Testosteronantwort auf hCG blieb unverändert, weshalb die Autoren einen direkten Hodeneffekt der Hyperprolaktinämie für unwahrscheinlich halten. Samenparameter wurden nicht berichtet. Baptista und Mitarbeiter 1997 [s175] fanden unter 200 mg Sulpirid täglich über 30 Tage gegenüber Placebo (nicht verblindet) Prolaktin- und Gewichtsanstieg, aber keine signifikanten Änderungen von LH, FSH, Östradiol und freiem Testosteron.

Querschnitt- und Verlaufsstudien bei Patienten. Smith und Mitarbeiter 2002 [s167] untersuchten 67 ambulante Patienten unter typischen Antipsychotika seit mindestens zwei Jahren; das Prolaktin korrelierte mit der Dosis (p < 0,001), bei den Männern blieben Gonadotropine und Geschlechtshormone im Normbereich, und die Autoren sahen keine erkennbare Störung der Reproduktionshormone. Costa und Mitarbeiter 2007 [s157] randomisierten 63 stationäre Patienten auf Olanzapin oder konventionelle Antipsychotika (9 Monate); nach 3 Monaten war das Prolaktin unter Olanzapin niedriger (12,1 ± 6,3 µg/l gegenüber 18,1 ± 11,2 µg/l), nach 9 Monaten tendierten beide Gruppen zu Normalwerten, und die Häufigkeit sexueller Beschwerden unterschied sich nicht. Redman und Mitarbeiter 2021 [s76] fanden in einer Pilotstudie an 22 Männern unter prolaktinsteigernden Antipsychotika ohne Kontrollgruppe erhöhtes Prolaktin bei 68 %, niedriges Testosteron bei 55 %, Gynäkomastie bei 50 % und penile Beschwerden bei 73 %. Zhang und Mitarbeiter 2018 [s102] fanden bei 118 Patienten (55 Männer) unter konventionellen Antipsychotika Hyperprolaktinämie bei 55,9 %; Hyperprolaktinämie und subklinische Hypothyreose waren unabhängig mit sexueller Dysfunktion assoziiert, besonders bei Frauen.

Ostasien. Tasaki und Mitarbeiter 2021 [s79] (94 Männer unter Risperidon oder Paliperidon, 83 unter Aripiprazol): mittleres Prolaktin 27,5 ± 13,1 gegenüber 3,9 ± 3,5 ng/ml (p < 0,001); Hypoprolaktinämie bei 75 % der Aripiprazol-Gruppe, Hyperprolaktinämie bei 65 % der Risperidon-Gruppe; das freie Testosteron korrelierte in der Risperidon-Gruppe invers mit Alter und Prolaktin. Kim und Mitarbeiter 2023 [s54] (117 Patienten, davon 48 Männer; Prolaktin im Mittel 64,6 ± 54,6 ng/ml) fanden Hyperprolaktinämie bei 54,2 % der Männer (26) und 81,6 % der Frauen (56); nach Wirkstoff lag das mittlere Prolaktin unter Amisulprid bei 122,4 ± 56,0 ng/ml (n = 10), Risperidon 80,2 ± 52,0 (n = 43), Blonanserin 49,8 ± 45,5 (n = 18) und Olanzapin 43,3 ± 47,2 (n = 46); die Chlorpromazin-Äquivalenzdosis war Prädiktor (OR 1,005; KI 1,002 bis 1,008). Wu und Mitarbeiter 2021 [s82] (279 Patienten unter Olanzapin-Monotherapie): Hyperprolaktinämie 51,6 %, sexuelle Dysfunktion 53,8 %; Männer hatten niedrigere Prolaktinwerte und geringere Raten sexueller Dysfunktion als Frauen. Eine Fallserie von Chen und Mitarbeitern 2011 [s147] stellte 9 Männer mit Risperidon-bedingter Sexualfunktionsstörung auf Aripiprazol um; das Prolaktin sank von 26,54 ± 17,03 auf 3,71 ± 1,87 ng/ml (p = 0,008), fünf berichteten gebesserte Sexualfunktion. Gao und Mitarbeiter 2017 [s105] stellten 75 Männer von Amisulprid oder Risperidon auf Aripiprazol um (einarmig): Nach 4 Wochen stiegen Sexualfunktionswert (24,3 ± 2,1 auf 32,6 ± 3,6) und Testosteron (13,3 ± 2,7 auf 17,4 ± 3,0; die Einheit „mmol/l“ steht so in der Quelle), das Prolaktin sank (38,5 ± 10,5 auf 27,9 ± 8,2 ng/ml); nach 8 Wochen lagen Sexualfunktion und Prolaktin wieder auf dem Ausgangsniveau. Zhao und Mitarbeiter 2015 [s120] randomisierten 113 Patienten unter Risperidon auf Zusatz von Aripiprazol 10 mg/Tag oder keine Zusatzbehandlung; das Prolaktin war ab Woche 2 bis Woche 8 signifikant niedriger (jeweils p < 0,001); Endpunkte waren Symptome und Prolaktin, keine Fertilitätsparameter.

Gegenbefunde zur Kausalkette Prolaktin, Testosteron, Sexualfunktion. Yasui-Furukori und Mitarbeiter 2012 [s143] (191 Patienten, 108 Männer; 182 Gesunde): Weder Prolaktin noch Testosteron noch Östradiol korrelierten mit der Sexualfunktionsstörung. Martín-Muñoz und Mitarbeiter 2018 [s99] (57 Patienten, 80 % mit sexueller Dysfunktion): kein Zusammenhang mit Prolaktin, Geschlechtshormonen, Wirkstoff oder Psychopathologie, nur mit Alter, Familienstand und depressiver Symptomatik. Yunilaynen und Mitarbeiter 2016 [s113] (244 Patienten, 104 Männer): asymptomatische Hyperprolaktinämie bei 37 % der Männer; sie war mit erektiler Dysfunktion und verminderter Libido assoziiert, aber nicht mit Gewichtszunahme oder Hypogonadismus. Bulanov und Mitarbeiter 2020 [s88] (64 Männer unter Risperidon): Prolaktin bei 74,2 % erhöht (1069,6 ± 398 mIU/l), Testosteron bei 53,13 % unter 12,0 nmol/l; Testosteron korrelierte negativ mit BMI (r = minus 0,4959; p = 0,000719), und Männer mit BMI über 30 (n = 26) hatten 9,0 ± 1,5 gegenüber 16,1 ± 3,4 nmol/l bei BMI unter 30 (n = 38); die Autoren führen den Testosteronabfall eher auf die Adipositas zurück. Gorobets und Matrosova 2010 [s153] (27 Männer, 23 Frauen in der ersten Episode ohne Vorbehandlung, 17 Gesunde): Prolaktin und Östradiol waren bei den Männern bereits vor der Behandlung erhöht, bei akuter Symptomatik das Testosteron erniedrigt; ein Teil der Hormonveränderungen ist demnach nicht dem Medikament zuzuschreiben. Toprak und Mitarbeiter 2014 [s129] (57 Patienten mit bipolarer Störung, 29 Männer) sahen keinen Hormonunterschied zwischen Lithium, Quetiapin, Olanzapin und Kombinationen; Aldemir und Mitarbeiter 2016 [s109] (193 Patienten) fanden erektile Funktionsstörung bei 52 % der Männer ohne Zusammenhang mit Anwendung und Dauer.

Prolaktinprävalenz in Querschnittsstudien. Hyperprolaktinämie unter Antipsychotika fand sich bei 44,3 % (Saudi-Arabien, 997 Patienten; 46,3 % der Männer [s96]), 68,3 % (Oman, 1103 Patienten [s57]), 61,9 % (Emirate, 835 Patienten unter Risperidon oder Paliperidon [s02]) und bei 68,4 % der Männer in einer zehnjährigen Ankaraer Kohorte [s13]. Die Populationen und Schwellenwerte sind nicht vergleichbar. Bulut und Mitarbeiter 2016 [s110] fanden bei Männern unter prolaktinsteigernden Antipsychotika Hyperprolaktinämie bei 65,2 % (n = 15 von 23) gegenüber 15,8 % (n = 3 von 19) unter prolaktinneutralen. Kornetova und Mitarbeiter 2019 [s95] in Tomsk: 50 % der Männer. Weitere Studien mit Prolaktin und Sexualfunktion ohne Spermienbezug: [s61, s64, s107, s117, s148, s150, s152, s149, s133, s140]; Xiang und Mitarbeiter 2011 [s149] berichteten bei 5.877 Patienten in 9 asiatischen Ländern nur 4,6 % gemeldete Sexualstörungen bei Männern und lassen offen, ob dies echt oder mangelnde Erfassung ist.

Ejakulationsstörungen und Fallberichte

Ejakulationsstörungen verändern das Ejakulat, ohne dass die Spermatogenese betroffen sein muss; für die Beurteilung einer Samenprobe sind sie dennoch relevant. Holtmann und Mitarbeiter 2003 [s165] beschrieben zwei Jugendliche mit teilweiser oder vollständiger retrograder Ejakulation unter Risperidon; bei erneuter Gabe trat die Störung bei einem prompt wieder auf, die Autoren führen sie auf die α1-antagonistische Wirkung zurück. Loh und Mitarbeiter 2004 [s164]: 51-jähriger Mann, retrograde Ejakulation unter Risperidon 8 mg/Tag, Rückbildung nach Dosisreduktion; da Libido und Erektion erhalten blieben, sehen die Autoren α1-Blockade und keinen Testosteronmangel als Ursache. Jimeno Orozco und Mitarbeiter 2026 [s09] (Eyaculación retrógrada por antipsicóticos de segunda generación: reporte de casos; Retrograde Ejakulation durch Antipsychotika der zweiten Generation: Fallberichte): zwei Patienten unter Quetiapin und Olanzapin mit Aneiakulation bei erhaltenem Orgasmus, Diagnose über Spermiennachweis im Urin. Takeshima und Mitarbeiter 2013 [s135] (japanisch): 46-jähriger Mann mit Oligozoospermie, Asthenozoospermie und Hyperprolaktinämie, vermutlich durch Sulpirid; nach Absetzen besserte sich die Samenqualität allmählich, nach fünf Monaten war das Prolaktin normal und die Partnerin wurde spontan schwanger. Getzoff 1978 [s190] beschreibt einen Mann mit mehreren Störfaktoren (Torsion, Varikozele, zahlreiche Psychopharmaka) ohne Antipsychotikum im Vordergrund. Der Fallbericht Yıldız 2020 [s87] (Infertilität nach Paliperidon-Palmitat-Depot) nennt im Abstract Infertilität nur als mögliche Folge der Hyperprolaktinämie; Samenanalysedaten fehlen.

Histologie am Menschen (Autopsiestudien)

Die einzigen Humandaten zur Hodenstruktur stammen aus Russland. Volkov 2014 [s131] (Морфологические изменения мужских гонад при антипсихотической терапии; Morphologische Veränderungen der männlichen Gonaden unter antipsychotischer Therapie) untersuchte Hoden von 52 psychisch kranken Männern (29 bis 62 Jahre), die zu Lebzeiten Antipsychotika in Standarddosen, meist als Kombination, erhalten hatten. Gruppen nach Behandlungsdauer: bis 1 Jahr (n = 5), 1 bis 5 Jahre (n = 9), 5 bis 10 Jahre (n = 11), 10 bis 15 Jahre (n = 13), über 15 Jahre (n = 14); Vergleich mit 24 Männern ohne Antipsychotika aus einer früheren Studie des Autors, altersstandardisiert als „bedingte Norm“. Der Spermatogenese-Index sank von 7,13 ± 0,19 auf 4,94 ± 0,62 in der Gruppe bis 1 Jahr (minus 30,71 %) und 4,61 ± 0,45 bei 1 bis 5 Jahren (minus 35,34 %); nach 10 bis 15 Jahren war er um mehr als 52 %, nach über 15 Jahren um 83,59 % erniedrigt. Die Leydig-Zell-Aktivität verlief nach Beschreibung des Autors wellenförmig, die Keimzellfunktion nehme von Beginn an fortschreitend ab. Die zweite Veröffentlichung derselben Serie [s132] (Функциональная морфология гонад при антипсихотической терапии; Funktionelle Morphologie der Gonaden unter antipsychotischer Therapie), die zusätzlich Eierstöcke von 55 Frauen betrachtet, nennt minus 40,95 % für die Gruppe 5 bis 10 Jahre; sie enthält teils identische Daten und ist keine unabhängige Bestätigung. Ein weiterer Beitrag [s121] (Funktionelle Morphologie der Leydig-Zellen unter antipsychotischer Therapie in Abhängigkeit vom Alter) berichtet nur im Abstract, altersbedingte und antipsychotikabedingte Veränderungen der Leydig-Zellen addierten sich. Schwächen der Serie: Autopsiematerial psychisch Schwerkranker (Krankheit, Begleitmedikation, Rauchen, Alkohol, Todesursache, postmortale Veränderungen), keine Aufschlüsselung nach Wirkstoff und Dosis, kleine ungleiche Gruppen, nicht altersangepasste Vergleichsgruppe aus früherer Untersuchung, keine Konfidenzintervalle, kein Spermiogramm; die Tabellenzeilen der Online-Fassung sind durch die Textumwandlung nicht sicher den Gruppen zuzuordnen. Skoliarova 1977 [s191] (Sex gland morphology of schizophrenic patients during treatment with psychotropic drugs) untersuchte die Gonaden von 33 Schizophrenen (19 Männer, 14 Frauen): 12 Fälle mit praktisch normaler Histologie, 19 mit involutiven Veränderungen, 2 mit Tumoren; der Grad korrelierte mit Alter und Krankheitsdauer, ein Zusammenhang mit Dauer oder Intensität der psychopharmakologischen Behandlung wurde nicht gefunden. Das widerspricht [s131], ist aber fast vierzig Jahre älter, kleiner und nur als Abstract verfügbar.

Tierversuche zu Antipsychotika

Alle folgenden Versuche stammen von Nagern oder anderen Modellorganismen. Die Dosen (mg/kg Körpergewicht und Tag) sind auf den Menschen nur eingeschränkt übertragbar; eine Umrechnung zwischen Tier und Mensch ist in den Abstracts nicht dargestellt.

Olanzapin. Ardıç und Mitarbeiter 2021 [s68] gaben Ratten 28 Tage lang 2,5, 5 oder 10 mg/kg oral (Volltext gelesen; Gruppengrößen im gelesenen Text nicht berichtet). Relative Hoden- und Nebenhodengewichte unterschieden sich nicht. Die Spermienkonzentration lag in den behandelten Gruppen niedriger, aber nicht signifikant (1,67 ± 0,24 gegenüber 1,32 ± 0,12, 1,40 ± 0,50 und 1,31 ± 0,32 × 10^6/ml; Mittelwert ± Standardfehler), ebenso die Beweglichkeit (87,46 ± 3,15 % gegenüber 84,78, 84,97 und 84,45 %). Der Anteil normal geformter Spermien sank dosisabhängig: 84,00 ± 4,55 % bei den Kontrollen, 77,16 ± 7,40 % bei 2,5 mg/kg (nicht signifikant), 64,86 ± 6,87 % bei 5 mg/kg und 66,81 ± 5,00 % bei 10 mg/kg (jeweils p < 0,05). Der Comet-Test auf DNA-Schäden zeigte keinen Gruppenunterschied; die Autoren führen die Morphologieveränderung deshalb nicht auf DNA-Schäden zurück. FSH, LH und Testosteron waren in den behandelten Gruppen erniedrigt (FSH 25,55 ± 1,24 gegenüber 20,07 ± 1,73 IU/l bei 10 mg/kg; LH 15,86 ± 0,84 gegenüber 13,07 ± 1,60 mIU/ml und Testosteron 619,58 ± 95,10 gegenüber 482,63 ± 107,86 pg/ml bei 2,5 mg/kg); histologisch zeigten sich bei 10 mg/kg große Vakuolen in den Samenkanälchen und geschwollene Leydig-Zellen, dazu Zeichen oxidativen Stresses (verminderte Glutathionspiegel im Hoden). Die Studie nennt als frühere Arbeit de Siqueira Bringel und Mitarbeiter 2013 [s134]: reduzierte Testosteronspiegel, reduzierte Hoden-, Nebenhoden- und Prostatagewichte und Zeichen der Hodendegeneration (Keimzellablösung, mehrkernige Riesenzellen, Vakuolisierung der Sertoli-Zellen, nekrotische und apoptotische Keimzellen); nach der Beschreibung in [s68] fand diese Arbeit bei 1 bis 10 mg/kg über 45 Tage keine Veränderung der täglichen Spermienproduktion.

Die Arbeit von Habeeb Qayssar und Louei Monfared 2026 [s08] (28 Ratten, Olanzapin 5 mg/kg über 60 Tage, Schutzversuch mit 100 mg/kg Vitamin E) berichtet mit Konfidenzintervallen eine Spermienzahl von 115,8 (113,4 bis 118,2) × 10^6/ml in der Kontrolle gegenüber 57,57 (51,87 bis 63,27) unter Olanzapin, 71,67 (62,75 bis 80,59) unter Olanzapin plus Vitamin E und 111,9 (109 bis 114,8) unter Vitamin E allein; progressive Beweglichkeit 91,57 % (87,7 bis 95,3) gegenüber 7,28 % (4,05 bis 10,5) unter Olanzapin und 60,57 % (55,2 bis 65,8) mit Vitamin E; abnorme Spermien 7 % (3,04 bis 11) gegenüber 13,3 % (11,31 bis 15,26); Epithelhöhe 92,29 gegenüber 36,84 µm, Tubulusdurchmesser 307,7 gegenüber 116,3 µm, Leydig-Zellzahl 233 gegenüber 110,7. Dies ist der stärkste Effekt auf Spermienzahl und Beweglichkeit in der gesamten Quellenreihe und steht in deutlichem Kontrast zu [s68] (keine signifikante Änderung von Zahl und Beweglichkeit nach 28 Tagen bis 10 mg/kg). Unterschiede in Dauer (60 gegenüber 28 Tage), Stamm und Labor erlauben keinen direkten Vergleich; die sehr engen Intervalle bei n = 7 je Gruppe sind nicht überprüfbar, und der Versuch ist als Schutzversuch angelegt, das Olanzapin-Modell ist Nebenprodukt. Weitere Schutzversuche: Cankara und Mitarbeiter 2023 [s50] (Olanzapin ve L-karnitinin rat testis dokusu üzerindeki etkisinin araştırılması; Untersuchung der Wirkung von Olanzapin und L-Carnitin auf Rattenhodengewebe; 48 Ratten, Olanzapin 2 und 4 mg/kg, L-Carnitin 200 mg/kg): Die Spermienzahl sank, Malondialdehyd, IL-1beta und totale oxidative Kapazität stiegen, es traten dosisabhängige histologische Veränderungen auf, die mit L-Carnitin weniger ausgeprägt waren; Zahlen stehen im Abstract nicht. Khattab und Mitarbeiter 2025 [s25] (56 Ratten): verzerrte Hodenstruktur, vermindertes Hodengewicht, erniedrigtes Testosteron und verschlechterte Samenparameter unter Olanzapin, Umbelliferon besserte alle Parameter, G-CSF in geringerem Maße; der Abstract nennt ein vermindertes Malondialdehyd unter Olanzapin, was der übrigen Literatur (Anstieg) widerspricht und ohne Volltext nicht prüfbar ist. Chen und Mitarbeiter 2026 [s03] beschreiben bei Mäusen einen Mechanismus der Hodenfibrose unter Olanzapin über GLUT5/AMPK/mTOR (Darm-Hoden-Achse) und CD28/PI3K/AKT/mTOR, den Dapagliflozin umkehrte; Dosis, Tierzahl und Spermienparameter stehen nicht im Abstract. Eine saudi-arabische Arbeit zu Olanzapin mit Zinksulfat [s23] ist inzwischen zurückgezogen (Rückziehungsvermerk [s05]; der Grund wird im Vermerk nicht genannt) und wird nicht als Beleg verwendet.

Aripiprazol und Olanzapin im Vergleich (Histologie). Soliman und Mitarbeiter 2014 [s128] (60 Ratten, je 20; Aripiprazol 2 mg/kg beziehungsweise Olanzapin 0,5 mg/kg über 14 Wochen; Licht- und Elektronenmikroskopie): Die Aripiprazol-Gruppe zeigte laut Abstract geringeres Hodengewicht, kleineren Kanälchendurchmesser, niedrigere Epithelhöhe, geringere Keimzellzahl und niedrigeren Spermatogenese-Index bei erhöhter Zahl der Sertoli-Zellen; unter Olanzapin fanden sich Ablösung des Epithels, apoptotische Keimzellen, Vakuolisierung der Sertoli-Zellen, Lipidtropfen und abnorme späte Spermatiden. Das Fazit lautet, Aripiprazol verursache weniger ungünstige Veränderungen als Olanzapin; die Zuordnung der Befunde zu den Gruppen ist im Abstract nicht ganz eindeutig. de Moura und Mitarbeiter 2026 [s04] (36 Ratten; 3 oder 6 mg/kg über 28 Tage): Samenbläschengewicht bei 6 mg/kg erhöht; progressive Beweglichkeit niedriger und Kanälchendurchmesser größer bei 3 mg/kg; Fertilitätstest bei 6 mg/kg vermindert; die Autoren sprechen von „subtilen“ Effekten. Mukherjee und Mitarbeiter 2025 [s28] (Drosophila): Aripiprazol erhöhte mitochondriale reaktive Sauerstoffspezies, führte zu Verlust von Spermatogoniencysten und Defekten in späten Spermatiden und senkte die Fertilität; Antioxidantien milderten dies; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist stark eingeschränkt.

Risperidon. Görmüş und Mitarbeiter 2021 [s70]: 1,25, 2,5 und 3 mg/kg über 28 Tage; der Anteil normaler Spermien war vermindert, die Hodenhistologie dosisabhängig degeneriert (vor allem Leydig-Zellen), LH unverändert, FSH und Testosteron in der Hochdosisgruppe erniedrigt, Glutathion erniedrigt, Malondialdehyd erhöht; nur Abstract, ohne Zahlen. Mohyeldin und Mitarbeiter 2025 [s27] (36 Ratten, Risperidon 2,5 mg/kg über 4 Wochen, Schutzversuch mit Memantin 5 oder 10 mg/kg): Hodengewebe-Malondialdehyd 13,4 ± 0,67 (Kontrolle) gegenüber 38,73 ± 2,99 unter Risperidon, Superoxiddismutase 40,40 ± 0,66 gegenüber 19,94 ± 0,70, Glutathion 112,8 ± 2,15 gegenüber 68,83 ± 2,61, IL-6 14,60 ± 0,79 gegenüber 34,33 ± 1,58, NF-kappaB 99,58 ± 3,08 gegenüber 304,50 ± 7,00; das Testosteron war vermindert (Zahlen nur in Abbildungen); Spermienparameter wurden nicht berichtet.

Quetiapin. Korkut Celikates und Mitarbeiter 2022 [s62] (10, 20 und 40 mg/kg über 28 Tage): relatives Nebenhodengewicht und Spermienkonzentration sanken, der Anteil abnormer Spermien stieg; bei 20 und 40 mg/kg unregelmäßige Tubulusarchitektur, Desorganisation der Keimzellen, erniedrigte LH- und Testosteronwerte; Katalase und Superoxiddismutase im Hoden vermindert, Malondialdehyd bei 40 mg/kg erhöht; nur Abstract. Yousof und Mitarbeiter 2024 [s46] (48 Ratten, 30 Tage; Quetiapin in einem Modell des Missbrauchs): Spermienzahl 80,143 ± 0,553 Mio./ml (Kontrolle), 66,429 ± 1,307 (55 mg/kg) und 41,571 ± 1,462 (100 mg/kg); Beweglichkeit 83,714 ± 1,409 %, 72,571 ± 0,649 % und 66,786 ± 1,011 %; normale Morphologie 82,143 ± 1,100 %, 66,857 ± 1,503 % und 54,714 ± 1,769 %; der intrakavernöse Druck war vermindert; ein Akazienblütenextrakt besserte die Befunde bei 55 mg/kg (Beweglichkeit 81,571 ± 1,088 %), nicht aber die Spermienzahl bei 100 mg/kg (44,571 ± 0,997). Die Dosen sind nicht auf Patientendosen umgerechnet, die Standardfehler sind sehr klein.

Haloperidol und Clozapin. Samadi und Mitarbeiter 2019 [s91] (je 10 Ratten, 0,5 mg/kg intraperitoneal über 28 Tage gegenüber Kochsalz): Hodengewicht 1,69 ± 0,04 g (Kontrolle) gegenüber 1,61 ± 0,04 (Clozapin) und 1,62 ± 0,03 g (Haloperidol), beide signifikant niedriger; Nebenhoden 2,67 ± 0,10 gegenüber 2,54 ± 0,12 g (Clozapin, signifikant); Prostata 0,58 ± 0,09 gegenüber 0,47 ± 0,08 g (Clozapin, signifikant). Das Testosteron lag nach der Tabelle des Volltextes bei 6,04 ± 0,46 (Kontrolle), 0,94 ± 0,33 (Clozapin) und 0,70 ± 0,34 ng/ml (Haloperidol; p < 0,001), während der Abstract abweichende Wertepaare nennt („Clozapin 1,00-0,58, Haloperidol 0,65-0,62“); die Quelle ist an dieser Stelle in sich nicht einheitlich. Eine Spermienanalyse wurde nicht berichtet. Zwei japanische Industrie-Toxikologiestudien nutzten weit höhere Dosen: Imanishi und Mitarbeiter 1995 [s177] (Haloperidol oral 0, 3, 10, 30 und 60 mg/kg über 4 Wochen sowie 0, 3, 10 und 30 mg/kg über 9 Wochen, Sprague-Dawley-Ratten): ab 3 mg/kg verringerte Spontanaktivität und Körpergewicht; das absolute Hodengewicht sank bei 60 mg/kg (4 Wochen) beziehungsweise bei 10 und 30 mg/kg (9 Wochen); in der 4-Wochen-Studie sank der Fertilitätsindex bei 60 mg/kg, der Präimplantationsverlust stieg ab 30 mg/kg, der Kopulationsindex blieb unauffällig; bei 60 mg/kg zeigten sich leichte Hodenveränderungen (Nekrose pachytäner Spermatozyten im Stadium VII, Ablösung runder Spermatiden, Atrophie der Leydig-Zellen), Leydig-Zell-Atrophie schon bei 30 mg/kg; nach 9 Wochen waren bis 30 mg/kg weder Fortpflanzungsfähigkeit noch Histologie verändert. Kohge und Mitarbeiter 2000 [s171] (Haloperidol 30 und 60 mg/kg über 4 Wochen, 30, 60 und 80 mg/kg über 2 Wochen): Gewichte von Hoden und Nebenhoden ab 30 mg/kg erniedrigt; bereits nach 2 Wochen bei 30 mg/kg Leydig-Zell-Atrophie, zahlreiche nekrotische pachytäne Spermatozyten, Retention reifer Spermatiden und Zelltrümmer in den Nebenhodenlumina. Gruppengrößen stehen in beiden Abstracts nicht; Haloperidol erhöht das Prolaktin, und die Studien trennen eine direkte Hodenwirkung nicht von prolaktinvermittelten Effekten.

Weitere Antipsychotika im Tiermodell. Nikolić-Kokić und Mitarbeiter 2022 [s63]: Clozapin, Ziprasidon und Sertindol über 28 Tage in therapeutisch üblicher Tagesdosis verursachten histopathologische Hodenveränderungen, die die Autoren auf ein gestörtes antioxidatives System und ein verändertes Verhältnis von Prolaktin zu Testosteron zurückführen; die Prostata blieb unverändert. Dincer und Mitarbeiter 2023 [s51] (50 Ratten, fünf Gruppen: Kontrolle, Haloperidol, Risperidon, Quetiapin, Aripiprazol): Die Spermienparameter waren in allen Antipsychotika-Gruppen signifikant verschlechtert; Haloperidol und Risperidon senkten Testosteron; alle senkten Inhibin B und die Superoxiddismutase; Glutathion sank unter Haloperidol und Risperidon und stieg unter Quetiapin und Aripiprazol; Dosen und Zahlen stehen nicht im Abstract. Oyovwi und Mitarbeiter 2021 [s75] (Chlorpromazin 30 mg/kg über 56 Tage): Hemmung von Hodendehydrogenasen, Ionenpumpen, Kapazitation und Akrosomreaktion, durch Taurin und Coenzym Q10 gemildert; Zahlen fehlen. Keleş und Mitarbeiter 2021 [s72] (Siyamemazin, Blonanserin ve Nemonaprid'in Farelerde Vas Deferens Kasılmaları Üzerine Etkileri; Wirkungen von Cyamemazin, Blonanserin und Nemonaprid auf Kontraktionen des Vas deferens bei Mäusen; je 7 Mäuse, 21 Tage): Serotonin-induzierte Kontraktionen waren unter Cyamemazin und Blonanserin erhöht; die Arbeit betrifft den Samentransport, nicht die Spermienqualität. Der einzige tierexperimentelle Befund ohne Schädigung bei einem Antipsychotikum stammt von Gorokhova und Mitarbeitern 2019 [s94] (Экспериментальное изучение токсичности сульпирида при различных формах его поступления в организм; Experimentelle Untersuchung der Toxizität von Sulpirid bei verschiedenen Aufnahmewegen): Bei einer Prüfung auf dominante Letalmutationen mit 2 g/kg oral an Ratten wurde kein schädigender Effekt auf Hoden und Spermien und kein Anstieg postimplantativer Embryonenverluste berichtet; die Dosis ist eine sehr hohe Einmaldosis, der Rahmen ist arbeitshygienisch, Gruppengrößen fehlen.

Exposition über die Laktation. Vieira und Mitarbeiter 2013 [s137]: Sulpirid 2,5 oder 25 mg/kg bei laktierenden Rattenmüttern; mütterliche Fürsorge unverändert, bei den männlichen Nachkommen mit 90 Tagen verminderte Hodengewichte und Kanälchenvolumina und mehr abnorme Hodenkanälchen. Mishra und Mohanty 2010 [s154]: Olanzapin und Risperidon über die Milch bei Mäusen; regredierte Hoden, spärliche Spermien, erhöhtes Prolaktin, erniedrigtes LH und Testosteron am Tag 28; bei höheren Dosen persistierten die Veränderungen bis Tag 63. Lima und Mitarbeiter 2023 [s55]: Olanzapin 2,5, 5 oder 10 mg/kg an Muttertiere; bei den männlichen Jungen verminderte Hoden- und Nebenhodengewichte, kleineres Volumen von Kanälchen und Leydig-Zellen, erniedrigtes Testosteron, erhöhtes Prolaktin, dosisabhängig.

In-vitro-Versuche an menschlichen Spermien

Hong und Mitarbeiter 1982 [s187]: Von Chlorpromazin, Diazepam, Phenytoin und Phenobarbiton hemmte nur Chlorpromazin die Beweglichkeit menschlicher Spermien (Konzentration für 50 % Hemmung 0,22 mM); die Autoren halten diese Hemmung für eine unwahrscheinliche Ursache verminderter Fertilität unter Chlorpromazin. Levin und Mitarbeiter 1981 [s189] fanden In-vitro-Hemmung der Beweglichkeit durch Imipramin, Desmethylimipramin, Chlorpromazin, Trifluoperazin und Nortriptylin. Shen und Mitarbeiter 1992 [s180]: Haloperidol in einer als therapeutisch bezeichneten Konzentration von 0,027 µM erhöhte die Beweglichkeit auf 127 % der Kontrolle. Wang und Mitarbeiter 2024 [s45] (Trifluoperazin 12,5, 25, 50 und 100 µM): 50 und 100 µM führten zu Anhäufung reaktiver Sauerstoffspezies, Abfall des mitochondrialen Membranpotenzials und verminderter Vitalität; 25 µM hemmte nur Penetrationsvermögen sowie Gesamt- und progressive Beweglichkeit; 12,5 und 25 µM erhöhten das intrazelluläre Calcium, ohne Kapazitation oder Akrosomreaktion zu beeinflussen. Torres Juárez und Mitarbeiter 2026 [s18]: Pimozid hemmt den Spermienkanal CatSper, die Hyperaktivierung und die Akrosomreaktion; die Arbeit verfolgt die Frage eines nichthormonellen männlichen Kontrazeptivums und nicht klinische Expositionsbedingungen. Ob die mikromolaren Konzentrationen den Samenplasmaspiegeln entsprechen, ist in den Abstracts nicht geprüft; in [s73] lagen die Samenplasmaspiegel von Quetiapin, Olanzapin und Aripiprazol bei 34,3, 37,4 und 39,1 ng/ml.

Alle Kapitel und Anhänge (21)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Ordnung und Qualität der Humanlage bis Lithium
  6. Benzodiazepine bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  7. Wie dieser Abschnitt zu lesen ist bis Antipsychotika
  8. Lithium bis Nicht englischsprachige Quellen, Lücken und Grenzen
  9. Mechanismen und biologische Plausibilität
  10. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  11. Englisch bis Japanisch
  12. Koreanisch bis Türkisch
  13. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  14. Limitationen der Evidenz
  15. Offene Forschungsfragen
  16. Praktische Einordnung
  17. Glossar
  18. Quellenverzeichnis
  19. Diagramme
  20. Quellen
  21. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle