8-OHdG (8-Hydroxy-2'-desoxyguanosin): Marker für oxidative Schäden an der DNA, der in Spermien oder Samenplasma gemessen wird.
Akrosom, Akrosomreaktion: Das Akrosom ist die kappenartige Struktur am Kopf des Spermiums, die Enzyme zur Eizellpenetration enthält; die Akrosomreaktion ist deren Freisetzung bei der Befruchtung.
Apoptose: Programmierter Zelltod; bei Spermien und Keimzellen als Marker für Schädigung untersucht.
Asthenozoospermie: Verminderte Spermienbeweglichkeit im Ejakulat.
Azoospermie: Fehlen von Spermien im Ejakulat.
Blut-Hoden-Schranke: Zellverbund (Sertoli-Zellen), der die Keimzellen im Hoden vom Blutkreislauf abgrenzt.
Cadmium: Schwermetall, das in Tabakpflanzen angereichert wird und in Studien als möglicher Mittler zwischen Tabak und Fruchtbarkeit untersucht wurde.
CASA (Computer-Assisted Sperm Analysis): Computergestützte Analyse von Spermienbewegung und -zahl.
Confounding (Störgröße, Verzerrung durch Dritte): Ein Faktor, der sowohl mit der Exposition als auch mit dem Ergebnis zusammenhängt und einen Zusammenhang vortäuschen oder verdecken kann. Restconfounding bezeichnet die Verzerrung, die trotz Adjustierung bleibt.
Cotinin: Abbauprodukt des Nikotins; dient als objektiver Marker der Nikotinaufnahme in Urin, Blut, Samen- oder Follikelflüssigkeit.
Deckeneffekt: Wenn die Ausgangswerte bereits sehr gut sind, bleibt wenig Spielraum für messbare Verschlechterung; Studien an gesunden Spendern können deshalb Effekte übersehen.
DNA-Fragmentierung (DNA-Fragmentierungsindex, DFI): Anteil von Spermien mit gebrochener DNA; gemessen zum Beispiel mit dem Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) oder dem SCD-Test.
E-Zigarette: Gerät, das eine nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft; im Kapitel als Nachbarprodukt behandelt.
Effektmodifikator: Faktor, der die Stärke eines Zusammenhangs verändert (zum Beispiel eine Genvariante, bei der Rauchen das Infertilitätsrisiko nur bei Trägern erhöhte).
Erhitzter Tabak (englisch heated tobacco product, zum Beispiel IQOS): Tabakprodukt, das Tabak erhitzt statt verbrennt.
Fall-Kontroll-Studie: Studie, die Personen mit einem Merkmal (Fälle) mit Personen ohne (Kontrollen) vergleicht und rückblickend nach Expositionen fragt.
Fecundability Odds Ratio (FOR): Maß für die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus; Werte unter 1 bedeuten eine längere Zeit bis zur Schwangerschaft.
Ferroptose: Eisenabhängige Form des Zelltods.
Flagellum: Der Geißelfaden des Spermiums, der für die Fortbewegung sorgt; Flagellumanomalien sind Fehlbildungen dieses Abschnitts.
FSH, LH: Follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon der Hirnanhangdrüse; steuern Spermienbildung und Testosteronproduktion.
GRADE: Verfahren zur Bewertung der Sicherheit der Evidenz (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig).
Gutkha, Khaini: Südasiatische Kautabakmischungen; Gutkha enthält typischerweise Tabak, Betelnuss und Zusätze, Khaini ist eine Mischung aus Tabak und Kalk, die in den Mund gelegt oder gekaut wird.
Hookah, Narghile, Nargile, Shisha, Hubble-Bubble: Bezeichnungen für die Wasserpfeife, in der Tabak (oft aromatisiert) über Kohle erhitzt und der Rauch durch Wasser geleitet wird.
Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse: Hormonelle Regelkette zwischen Gehirn und Hoden.
I² (Heterogenität): Anteil der Streuung zwischen Studien in einer Metaanalyse, der nicht durch Zufall erklärt wird; Werte nahe 100 % bedeuten sehr uneinheitliche Ergebnisse.
ICSI, IVF, IUI: Verfahren der Kinderwunschbehandlung (intrazytoplasmatische Spermieninjektion, In-vitro-Fertilisation, intrauterine Insemination).
Inhibin B: Hormon der Sertoli-Zellen, das die FSH-Freisetzung bremst.
Kautabak: Tabakprodukt, das gekaut oder im Mund gehalten wird; in der Literatur oft mit „rauchlosem Tabak“ (smokeless tobacco) zusammengefasst.
Karenzzeit: Zeit zwischen der letzten Ejakulation und der Samenprobe; beeinflusst Volumen und Spermienzahl.
Konfidenzintervall (KI): Bereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Wahrscheinlichkeit (hier 95 %) liegt; schließt ein Intervall den Wert ohne Effekt (1 bei Verhältnissen, 0 bei Differenzen) nicht ein, gilt der Effekt als statistisch signifikant.
Kohortenstudie: Studie, die Gruppen über die Zeit beobachtet.
Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen: Hodenzellen; Leydig-Zellen bilden Testosteron, Sertoli-Zellen stützen die Keimzellen und bilden die Blut-Hoden-Schranke.
Malondialdehyd (MDA): Abbauprodukt der Lipidperoxidation, Marker für oxidativen Stress.
Maraş-Pulver (Maraş otu), Shammah, Toombak, Naswar: Regionale rauchlose Tabakprodukte (Türkei, Saudi-Arabien, Sudan, Zentral- und Südasien).
Mendelsche Randomisierung: Methode, die genetische Varianten als Stellvertreter für eine Exposition nutzt, um Störgrößen zu verringern und Ursachen zu prüfen.
Methylierung (DNA-Methylierung): Chemische Markierung der DNA, die die Genaktivität beeinflusst und epigenetisch vererbt werden kann.
Morphologie (normale Formen): Anteil der Spermien mit normaler Gestalt; hängt stark von den verwendeten Kriterien ab (zum Beispiel strenge Kriterien nach Kruger).
Nikotinbeutel (nicotine pouch): Tabakfreier Beutel mit Nikotin, der zwischen Lippe und Zahnfleisch gelegt wird.
Odds Ratio (OR), Risikoverhältnis (RR): Verhältnismaße für die Chance beziehungsweise das Risiko eines Ereignisses in zwei Gruppen; 1 bedeutet kein Unterschied.
Oligozoospermie, Oligoasthenoteratozoospermie (OAT), Teratozoospermie: Verminderte Spermienzahl; Kombination aus verminderter Zahl, Beweglichkeit und normaler Form; erhöhter Anteil fehlgeformter Spermien.
Oxidativer Stress: Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffverbindungen (ROS) und antioxidativen Schutzsystemen; gilt als Mechanismus der Spermienschädigung.
Packungsjahre: Maß der Rauchbelastung: Packungen pro Tag mal Jahre des Rauchens.
Prädiktionsintervall: Bereich, in dem das Ergebnis einer künftigen Einzelstudie laut Metaanalyse liegen könnte; deutlich breiter als das Konfidenzintervall, wenn die Studien uneinheitlich sind.
Protamine, Histone: Kernproteine; Protamine verpacken die DNA im reifen Spermium, Histone im unreifen. Ein Protamindefizit bedeutet unvollständigen Austausch.
Querschnittsstudie: Studie, die Exposition und Ergebnis zu einem Zeitpunkt erfasst; erlaubt keinen Schluss auf Ursache und Wirkung.
Regression zur Mitte: Statistischer Effekt, bei dem extreme Messwerte bei Wiederholung näher am Durchschnitt liegen, ohne dass eine Behandlung gewirkt hat.
SHBG: Sexualhormon-bindendes Globulin; bindet Testosteron im Blut.
Selektionsverzerrung: Verzerrung, wenn die untersuchte Gruppe (zum Beispiel Klinikpatienten) sich systematisch von der Allgemeinbevölkerung unterscheidet.
Snus: Feuchter, oral angewendeter Tabak in Beutelform oder lose, vor allem in Schweden verbreitet; im Englischen oft auch „snuff“.
SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz): Maß für den Unterschied zweier Gruppen, das verschiedene Messskalen vergleichbar macht.
Spermiogramm (Samenanalyse): Laboruntersuchung des Ejakulats auf Volumen, Spermienzahl, Beweglichkeit, Form und weitere Merkmale, in der Regel nach den Vorgaben des WHO-Handbuchs.
Testosteron (Gesamt-, freies, bioverfügbares, berechnetes freies): Männliches Sexualhormon; die Messgrößen unterscheiden sich darin, wie viel an SHBG gebunden ist.
Umbrella-Review: Übersichtsarbeit, die mehrere systematische Übersichten und Metaanalysen zusammenfasst.
Varikozele: Krampfaderbruch am Hoden, ein bekannter Faktor verminderter Samenqualität.
Vitalität (HOS-Test): Anteil lebender Spermien; der hypoosmotische Schwelltest (HOS) prüft die Membranintegrität.
WHO-Handbuch (2010, 2021): Laborhandbuch der Weltgesundheitsorganisation mit Methoden und Referenzwerten der Samenanalyse; die Fassungen unterscheiden sich in Methoden und Bewertung.