Vorbemerkung: Umfang, Lesart und Grenzen
Dieses Kapitel stellt zuerst die Arbeiten vor, die andere Studien zusammenfassen (Metaanalysen, systematische Übersichten, ein Umbrella-Review, eine Cochrane-Übersicht, erzählende Übersichten). Danach folgen unter „Studienlage: Beobachtungsstudien“ die Einzelstudien am Menschen, geordnet nach Produkt: Snus, Kautabak und andere rauchlose Tabakprodukte, Nikotinbeutel, Wasserpfeife, E-Zigarette und erhitzter Tabak sowie die Zigarette als Vergleichsmaßstab. Tierversuche, Zellversuche und Leitlinientexte sind Gegenstand anderer Kapitel; sie erscheinen hier nur, wo eine Übersicht sie ausdrücklich einbezieht.
Die Zahlen stammen aus den Rechercheberichten der Sprachgruppen und aus Abstracts, die für dieses Kapitel zusätzlich über die Europe-PMC-Schnittstelle abgerufen und mit den Berichten abgeglichen wurden (Sharma 2016, Li 2011, Vine 1994, Bundhun 2019, Wang 2025, Wang 2026 [Umbrella-Review], Boedt 2021, Hernáez 2022, Ramlau-Hansen 2007, Holmboe 2020). Konfidenzintervalle (KI) werden genannt, wo die Quelle sie nennt. Fehlt im Abstract ein Intervall oder ein Heterogenitätsmaß, steht das ausdrücklich dabei; es wird nichts nachgerechnet. Bei vielen Arbeiten lag nur der Abstract vor. Das ist jeweils vermerkt, weil Methodik und Störgrößenkontrolle dann nicht beurteilbar sind. Aussagen von Autoren, die sich auf Verhalten oder Behandlung beziehen, werden als deren Aussage wiedergegeben und sind keine Empfehlung dieser Studie.
Die Ausgangslage vorweg. Für die Zigarette gibt es mehrere Metaanalysen, die im Mittel einen kleinen bis mäßigen Zusammenhang zwischen Rauchen und schlechterer Spermienqualität zeigen. Für die Wasserpfeife gibt es genau eine Metaanalyse, mit sehr niedriger Evidenzsicherheit. Für Snus und Kautabak gibt es keine Metaanalyse und keine systematische Übersicht mit Spermienendpunkt, nur erzählende Übersichten, die auf wenige Einzelstudien verweisen. Für Nikotinbeutel gibt es weder Metaanalyse noch Humanstudie mit Spermien- oder Hormonendpunkt. Alle Humanstudien zu den Spermienendpunkten sind beobachtend; die einzige randomisierte Evidenz, die Cochrane-Übersicht zur Lebensstilberatung, misst nicht die Spermienqualität.
Metaanalysen mit gepoolten Zahlen
Sepidarkish et al. 2025 (Iran; Systematic Reviews) [s31]: Wasserpfeife und Gesundheit, 191 Beobachtungsstudien. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu Wasserpfeifenrauchen und Gesundheit insgesamt, nicht allein zur Fruchtbarkeit. Durchsucht wurden MEDLINE (PubMed), Embase, Scopus und Web of Science bis Januar 2025; die Studienqualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala, die Sicherheit der Evidenz nach GRADE bewertet. Eingeschlossen wurden 191 Studien mit 807 174 Teilnehmenden (98 Fall-Kontroll-, 77 Querschnitts- und 16 Kohortenstudien aus 24 Ländern). Von 62 Zielgrößen waren 31 (50 %) im Random-Effects-Modell signifikant. Für Fruchtbarkeit und Spermien gab es nur wenige Studien; verglichen wurden aktuelle Wasserpfeifenraucher mit Menschen, die nie geraucht hatten. Infertilität: Odds Ratio (OR) 1,67 (95-%-KI 1,05 bis 2,65), drei Studien (zwei Fall-Kontroll-Studien, eine Kohortenstudie) mit 849 Teilnehmenden, I² = 0 %, Prädiktionsintervall 0,07 bis 36,80. Für die Spermienendpunkte wurden standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) berechnet:
- DNA-Fragmentierung: SMD +3,36 (0,29 bis 6,43), drei Studien, 712 Teilnehmende, I² = 98,98 %.
- Normale Morphologie: SMD −0,71 (−1,33 bis −0,10), sechs Studien, 1509 Teilnehmende, I² = 95,66 %.
- Samenvolumen: SMD −0,50 (−1,29 bis 0,26), fünf Studien, 890 Teilnehmende, I² = 94,79 %.
- Spermienzahl: SMD 0,26 (−1,13 bis 1,65), sechs Studien, 1014 Teilnehmende, I² = 98,65 %.
- Progressive Beweglichkeit: SMD 0,33 (−3,04 bis 3,70), fünf Studien, 1403 Teilnehmende, I² = 99,74 %.
- Gesamtbeweglichkeit: SMD −1,58 (−3,88 bis 0,72), drei Studien, 767 Teilnehmende, I² = 99,10 %.
- Nichtprogressive Beweglichkeit: SMD 0,01 (−0,46 bis 0,49), drei Studien, 767 Teilnehmende, I² = 83,28 %.
- Unbewegliche Spermien: SMD 1,24 (−0,52 bis 3,01), vier Studien, 871 Teilnehmende, I² = 98,88 %.
Signifikant waren also nur die Infertilität, die DNA-Fragmentierung und die normale Morphologie. Die Sicherheit der Evidenz wurde für alle diese Zielgrößen als „sehr niedrig“ eingestuft. Stärken: breite Suche in vier Datenbanken, standardisierte Qualitäts- und Evidenzbewertung, Prädiktionsintervalle. Schwächen: pro Spermienzielgröße nur drei bis sechs Studien; Heterogenität zwischen 83 und 99,7 %, die Zahlen sind also kaum als ein gemeinsamer Effekt lesbar; sehr weite Prädiktionsintervalle (bei der Infertilität von 0,07 bis 36,80); gemischte Designs und Populationen. Ein Teil der eingeschlossenen Studien stammt von Arbeitsgruppen in Jordanien und Gaza, die auch in diesem Kapitel einzeln besprochen werden; die Unabhängigkeit der Datenbasis ist dadurch begrenzt [s31]. Die Metaanalyse enthält keinen direkten Vergleich mit der Zigarette. Die Einleitung verweist auf frühere Übersichten, nach denen die Evidenz nicht ausreichte, um einen Zusammenhang zwischen Wasserpfeife und Spermienparametern, Lipid- und Hormonprofilen zu bestätigen oder auszuschließen [s31].
Sharma et al. 2016 (European Urology): Metaanalyse mit Bezug auf das WHO-Handbuch 2010 [s148]. Systematische Übersicht mit Metaanalyse zum Zigarettenrauchen. Gesucht wurde in PubMed, Saint Joseph’s University Discover und Google Scholar nach Studien, die nach Erscheinen der WHO-Labormethoden von 2010 veröffentlicht wurden. Die Teilnehmer stammten aus Kinderwunsch- und urologischen Kliniken sowie andrologischen Laboren. Eingeschlossen wurden 20 Studien mit 5865 Teilnehmern. Zielgrößen waren Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie. Rauchen war mit niedrigerer Spermienkonzentration verbunden (Mittelwertdifferenz −9,72 × 10⁶/ml; 95-%-KI −13,32 bis −6,12), mit niedrigerer Beweglichkeit (−3,48 %; −5,53 bis −1,44) und mit niedrigerer Morphologie (−1,37 %; −2,63 bis −0,11). Die Untergruppenanalysen zeigten größere Effekte bei infertilen Männern als in der Allgemeinbevölkerung und bei mäßigen bis starken Rauchern als bei leichten Rauchern. Die Effektgrößen für Volumen, Zahl und Beweglichkeit blieben ähnlich, wenn Studien nach dem WHO-Handbuch 2010 oder davor verwendet wurden; bei der Morphologie war der Effekt nach den neueren Kriterien kleiner. Das Heterogenitätsmaß steht nicht im Abstract. Stärken: aktuelle Labormethodik, Untergruppen nach Rauchintensität und Population. Schwächen: nur drei Suchquellen, darunter Google Scholar; Klinikpopulationen; die Obergrenze des Intervalls bei der Morphologie liegt mit −0,11 knapp unter null. Die Arbeit betrifft die Zigarette als Vergleichsmaßstab und sagt nichts über die anderen Produkte. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) stützt ihre Rauchaussage auf genau diese Metaanalyse mit 20 Studien und 5865 Teilnehmern [s29].
Bundhun et al. 2019 (BMC Public Health) [s110]: infertile Männer. Systematische Übersicht mit Metaanalyse nur bei infertilen Männern. Durchsucht wurden Cochrane Central, MEDLINE und EMBASE nach englischsprachigen Arbeiten; ausgewertet wurde mit RevMan 5.3 (mittlere Differenz, MD, und Risikoverhältnis, RR, mit 95-%-KI). Eingeschlossen wurden 16 Studien mit 10 823 infertilen Männern (5257 Raucher, 5566 Nichtraucher). Oligozoospermie war bei Rauchern häufiger (RR 1,29; KI 1,05 bis 1,59; p = 0,02). Morphologische Defekte insgesamt waren häufiger (MD 2,44; KI 0,99 bis 3,89; p = 0,001), im Einzelnen Kopfdefekte (MD 1,76; 0,32 bis 3,20; p = 0,02), Halsdefekte (MD 1,97; 0,75 bis 3,18; p = 0,002) und Defekte des Flagellums (im Abstract „tail“; MD 1,29; 0,35 bis 2,22; p = 0,007). Kein Effekt auf den pH (MD 0,04; −0,03 bis 0,11; p = 0,30) und auf die Beweglichkeit (RR 1,42; 0,97 bis 2,09; p = 0,07); keine Unterschiede bei den Fortpflanzungshormonen. Stärken: große Gesamtstichprobe, klar definierte Endpunkte. Schwächen: ausschließlich infertile Männer, also eine vorselektierte Gruppe; nur englischsprachige Studien, sodass die umfangreiche chinesische Primärliteratur teilweise fehlt; die Heterogenität ist im Abstract nicht ausgewiesen. Ein russischer Übersichtsartikel zitiert aus dieser Arbeit eine um 26 % höhere Wahrscheinlichkeit einer Oligozoospermie [s80]; das Original nennt RR 1,29 (also +29 %), die Abweichung lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht aufklären.
Li et al. 2011 (Fertility and Sterility) [s204]: soziale, psychische und Verhaltensfaktoren. Systematische Übersicht mit Metaanalysen; durchsucht wurden Medline/PubMed, EMBASE und CNKI (die chinesische Datenbank, wodurch auch chinesischsprachige Literatur einging). Eingeschlossen wurden 57 Querschnittsstudien mit 29 914 Teilnehmern aus 26 Ländern beziehungsweise Regionen, die 13 Faktoren behandelten; sechs davon (Alter, Body-Mass-Index, psychischer Stress, Rauchen, Alkohol, Kaffee) gingen in Metaanalysen ein. Nach dem Abstract kann Rauchen alle Spermienparameter sowohl bei fertilen als auch bei infertilen Männern verschlechtern, war aber kein Risikofaktor für das Samenvolumen in der Schweiz und im Iran und für die Spermiendichte in den USA, in Dänemark und in Brasilien. Konkrete gepoolte Zahlen, Konfidenzintervalle und Heterogenitätswerte stehen im Abstract nicht. Stärken: früher und breiter Überblick über viele Länder. Schwächen: ausschließlich Querschnittsstudien; die landesbezogenen Ausnahmen zeigen die Uneinheitlichkeit der Befunde; eine Beurteilung der Effektstärke ist anhand des Abstracts nicht möglich.
Vine et al. 1994 (Fertility and Sterility): Cigarette smoking and sperm density: a meta-analysis [s243]. Ältere Metaanalyse nur zur Spermiendichte. Die Autoren regressierten den Logarithmus des Verhältnisses der mittleren Spermiendichte von Rauchern zu Nichtrauchern gegen mehrere Studienmerkmale: Herkunft der Population (Kinderwunschpatienten oder normale Männer), Mindestzahl gerauchter Zigaretten pro Tag (10 oder mehr), Ausschluss azoospermer Männer, Zahl der analysierten Proben (eine oder zwei) und Verblindung des Laborpersonals. Die Regression wurde ungewichtet und nach Studiengröße gewichtet gerechnet. Ergebnis: Die Spermiendichte der Raucher lag im Mittel 13 % bis 17 % unter der der Nichtraucher (95-%-KI 8,0 bis 21,5). Keiner der anderen Faktoren war ein unabhängiger Prädiktor. Eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Zahl der Zigaretten pro Tag und der Spermiendichte zeigte sich nicht. Nach Angabe der Autoren stützte eigene Forschung der Gruppe den Befund; die Inkonsistenz der Literatur führten sie auf kleine Stichproben der meisten Einzelstudien zurück. Die Zahl der eingeschlossenen Studien steht nicht im Abstract. Stärke: sehr früh, mit ausdrücklicher Prüfung von Studienmerkmalen. Schwäche: Literaturstand vor 1994, Spermienanalyse vor den modernen WHO-Handbüchern.
Wang S und Zhou J 2025 (Hormones, Athen): Risikofaktoren der reproduktiven Dysfunktion beim Mann [s33]. Metaanalyse nach PRISMA; aus 3931 Publikationen wurden 28 Artikel (44 Studien) mit 23 316 infertilen Männern und 40 934 gesunden Kontrollen eingeschlossen. „Reproduktive Dysfunktion“ umfasst Samenanomalien und sexuelle Funktionsstörungen; der Endpunkt ist also breiter als die Spermienqualität. Rauchen: OR 1,33 (95-%-KI 1,16 bis 1,53; I² = 79,2 %). Zum Vergleich: Alkohol OR 1,36 (1,00 bis 1,85; I² = 94,8 %), Adipositas OR 1,43 (1,02 bis 1,99; I² = 76,2 %), Bluthochdruck OR 1,34 (1,04 bis 1,74; I² = 67,5 %), Diabetes OR 2,53 (1,48 bis 4,33; I² = 68,1 %), Depression OR 4,24 (1,25 bis 14,41; I² = 91,9 %), Angst OR 2,16 (1,60 bis 2,90). Höheres Alter: SMD 1,15 (0,68 bis 1,61; I² = 99,6 %); erhöhter Body-Mass-Index: SMD 1,68 (0,17 bis 3,18; I² = 100 %). Stärken: viele Studien, Untergruppen nach Population und Erkrankung. Schwächen: hohe bis extreme Heterogenität (beim Rauchen 79,2 %), gemischter Endpunkt, keine Trennung nach Tabakprodukten; beim Befund zur Angst steht im Abstract ein p-Wert von 0,714 neben einem signifikanten Konfidenzintervall, was im Berichtstext nicht aufgelöst wird. Tabak außer der Zigarette wird nicht erwähnt.
Wang QH et al. 2026 (Asian Journal of Andrology): Umbrella-Review [s09]. Umbrella-Review systematischer Übersichten und Metaanalysen; durchsucht wurden Web of Science, MEDLINE und Embase von Januar 2000 bis Februar 2025, Endpunkte waren Infertilität, Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie, Gesamt- und Progressivmotilität. Eingeschlossen wurden 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen. Die Bewertung nach GRADE ergab 136 (54,6 %) „sehr niedrig“, 59 (23,7 %) „niedrig“ und 54 (21,7 %) „moderat“. Schlechte Lebensgewohnheiten (Adipositas, Schlafstörungen und Rauchen) wurden zu den Faktoren gezählt, die mit verminderter Samenqualität verbunden waren; ebenso Schadstoffe wie Schwefelkohlenstoff, Organophosphate und Blei, einige Medikamente und manche Virusinfektionen. Regelmäßige Bewegung, Nüsse und eine gesunde Ernährung könnten diesen Zusammenhang umkehren. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass bei einem Teil der Zusammenhänge der ursächliche Beleg fehlt. Der Abstract nennt für das Rauchen weder eine einzelne Effektgröße noch eine GRADE-Stufe und erwähnt keine anderen Tabakprodukte als die Zigarette. Einordnung: Der Umbrella-Review zeigt vor allem, dass über die Hälfte der Effektgrößen im Feld nur „sehr niedrige“ Evidenzsicherheit hat; das ist der Rahmen auch für die Zigarettenbefunde.
Boedt et al. 2021 (Cochrane Database of Systematic Reviews): Lebensstilberatung vor der Zeugung [s86]. Cochrane-Übersicht mit Metaanalyse, die nicht die Spermienqualität, sondern die Wirkung von Beratung auf Lebendgeburten und Verhaltensänderung bei Menschen mit Infertilität untersucht. Gesucht wurde bis Januar 2021 in den Cochrane-Registern, CENTRAL, MEDLINE, Embase, PsycINFO, AMED, CINAHL, Studienregistern, Google Scholar und Epistemonikos. Eingeschlossen wurden sieben randomisierte Studien mit 2130 Teilnehmenden, von denen nur eine männliche Partner einschloss; die Evidenz war „niedrig bis sehr niedrig“ (Verzerrungsrisiko durch fehlende Verblindung, Ungenauigkeit, mangelhafte Berichterstattung). Beratung zu mehreren Themen zugleich erbrachte kaum einen Unterschied bei den Lebendgeburten (RR 0,93; 95-%-KI 0,79 bis 1,10; eine Studie, 626 Teilnehmende). Für den Rauchstopp bei Männern ist wegen sehr niedriger Evidenzsicherheit keine sichere Aussage möglich (RR 1,01; 0,91 bis 1,12; eine Studie, 212 Teilnehmende); ebenso wenig für den Alkoholverzicht bei Männern (RR 1,08; 0,74 bis 1,58; eine Studie, 210 Teilnehmende). Beratung nur zum Rauchen wurde ausschließlich bei rauchenden Frauen geprüft, ohne Daten zu Lebendgeburt, Schwangerschaft oder Fehlgeburt. Die Autoren halten fest, dass die Übersicht keine klare Anleitung für die klinische Praxis liefere und hochwertige randomisierte Studien nötig seien. Einordnung für diese Studie: Die Übersicht ist die einzige randomisierte Evidenzquelle im Feld, belegt aber nur, dass die Beratung wenig bewirkt hat; sie sagt nichts darüber, ob ein Rauchstopp die Spermienqualität verändert. Eine Cochrane-Übersicht zu Tabakprodukten und Spermienqualität wurde nicht gefunden.
Systematische Übersichten ohne Metaanalyse
Liu X, Tayyarah R, Liu S 2026 (Archives of Toxicology): Tierstudien zu erhitzten Tabakprodukten [s05]. Systematische Übersicht nach SYRCLE-Vorgaben zu 48 Tierstudien (PubMed, Medline, Scopus, Web of Science, Google Scholar bis Juli 2024). Von den 48 Studien stützten 28 geringere toxikologische Wirkungen erhitzter Tabakprodukte gegenüber Zigaretten, 20 wiesen auf fortbestehende Sicherheitsbedenken hin, darunter im Vergleich mit Luftkontrollen Hodenschäden. Der Abstract schlüsselt die Hodenbefunde nicht nach Studien auf; die Autoren schließen, dass methodische Grenzen endgültige Sicherheitsaussagen nicht erlauben. Die Übersicht betrifft Tiere und erhitzten Tabak, nicht den Menschen und nicht Snus oder Beutel; sie steht hier, weil sie eine nikotinhaltige, nicht verbrennende Produktklasse bewertet.
Yang X et al. 2025 (International Journal of Molecular Sciences): Lebensstilfaktoren und männliche Urogenitalgesundheit [s34]. Systematische Übersicht chinesischer Autoren zu fünf Faktoren (Tabak, Alkohol, Mikroplastik, Bewegungsmangel, Schlafstörung). Der Abstract nennt keine Zahlen und trennt Tabakprodukte nicht auf. Erwähnt wird die Angabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2023, dass etwa 17,5 % der Erwachsenen weltweit von Infertilität betroffen seien und männliche Faktoren in 30 bis 50 % der Fälle beteiligt seien. Für die Fragestellung dieser Studie ohne eigenen Informationswert.
Erzählende Übersichten zu rauchlosen und alternativen Produkten
Yang Y et al. 2026 (Current Research in Toxicology): Sicherheit oraler Nikotinprodukte [s11]. Erzählende Übersicht chinesischer Autoren zu oralen Nikotinprodukten: Einteilung, schädliche Substanzen und deren Konzentrationen, Wirkungen auf Mundraum und Herz-Kreislauf-System. Nach der Auswertung in den Rechercheberichten hält der Text fest, dass Nikotin an mehreren Organen toxisch wirke, unter anderem an der Gonadenfunktion, dass aber nur „begrenzte Evidenz“ zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Nikotinbeutel vorliege; für den Hoden wird auf den Rattenversuch zu Mundtabak von Aprioku und Ugwu verwiesen [s11]. Der Abstract selbst nennt weder Spermien noch Fruchtbarkeit [s11]. Als Marktdaten nennt der Text einen Anstieg des US-Absatzes von 126 Millionen Einheiten in den letzten fünf Monaten 2019 auf 808 Millionen Einheiten in den ersten drei Monaten 2022 [s11]. Die Autoren betonen, dass Langzeitdaten und Daten zu Zusatzstoffen begrenzt sind. Einordnung: Gerade für die Produktklasse der Nikotinbeutel enthält die jüngste Übersicht keinen Fortpflanzungsendpunkt und keine eigenen Spermiendaten.
Afolabi SO et al. 2025 (Toxicology Reports): alternative Tabakprodukte im Vergleich mit der Zigarette [s18]. Erzählende Übersicht. Der Abschnitt zur Fortpflanzung stützt sich für die E-Zigarette auf Rattenversuche und betont fehlende Langzeitdaten; Nikotinbeutel werden nur als Beispiel für neuartige Produkte genannt. Keine eigenen Samendaten.
Chami A et al. 2026 (TheScientificWorldJournal): Nicotiana tabacum, Übersicht zu rauchlosem Tabak [s03]. Erzählende Übersicht. Sie nennt Fruchtbarkeitsprobleme unter den Folgen rauchlosen Tabaks und stützt sich dafür auf die Studie von Said et al. 2005 [s223, s03]. Der Beitrag liefert keine neuen Daten; die Aussage geht also auf eine einzige Kliniksstudie ohne Nichtkonsumenten-Kontrolle zurück (siehe Abschnitt Kautabak).
Bjurlin MA et al. 2021 (Central European Journal of Urology): alternative Tabakprodukte und urologische Gesundheit, Kommentar und Übersicht [s85]. Erzählende Übersicht zu E-Zigaretten und erhitztem Tabak. Der Hinweis, den die Rechercheberichte daraus übernehmen: Reife Langzeitdaten zu E-Zigaretten und erhitzten Tabakprodukten fehlen. Zahlen zu Spermien nennt der abgerufene Abstract nicht.
Willis D, Popovech M, Gany F, Zelikoff J 2012 (Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B): Toxikologie rauchlosen Tabaks [s196]. Erzählende Übersicht zu Immun-, Fortpflanzungs- und Herz-Kreislauf-System. Sie sammelt Hinweise auf verminderte Spermienvitalität, perinatale Sterblichkeit, Frühgeburt und weitere Folgen rauchlosen Tabaks und betont dabei die bestehenden Wissenslücken. Die gleiche Arbeitsgruppe zeigte später im Mausversuch, dass Gutkha stärker wirkte als reines Nikotin [s181].
Firouzabadi AM, Henkel R, Tofighi Niaki M, Fesahat F 2025 (World Journal of Men’s Health): Nikotin und Spermienkernproteine [s23]. Erzählende Übersicht zu den Wirkungen von Nikotin auf die Kernproteine der Spermien. Sie fasst experimentelle Befunde zusammen, nach denen Nikotin den Austausch von Histonen gegen Protamine stören kann; eigene Messdaten enthält sie nicht. Ihr Wert liegt in der biologischen Plausibilität eines Nikotinbeitrags, nicht in Aussagen über eine bestimmte Dosis aus Beuteln oder Snus.
Barbagallo F et al. 2024 (Journal of Clinical Medicine): nikotinische Acetylcholinrezeptoren und Hodenfunktion [s41]. Erzählende Übersicht zu den Rezeptoren, über die Nikotin im Hoden angreifen kann. Es handelt sich um Mechanismen, nicht um Befunde bei Konsumenten bestimmter Produkte.
Rotimi DE und Singh SK 2024 (JBRA Assisted Reproduction): Lebensstilfaktoren und männliche Reproduktionsgesundheit [s51]. Erzählende Übersicht, in der Tabak einer von mehreren Faktoren ist; keine produktspezifischen Zahlen.
Dai JB, Wang ZX, Qiao ZD 2015 (Asian Journal of Andrology): The hazardous effects of tobacco smoking on male fertility [s157]. Erzählende Übersicht einer chinesischen Arbeitsgruppe. Tabakrauch enthält nach den Autoren mehr als 4000 Bestandteile, darunter Nikotin, Teer, Kohlenmonoxid, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle. Die meisten Studien berichteten verminderte Samenqualität, Störungen des Hormonsystems und beeinträchtigte Spermatogenese, Spermienreifung und -funktion bei Rauchern. Als Mechanismen kommen oxidativer Stress, DNA-Schäden und Apoptose in Betracht; die Autoren räumen ein, dass die mechanistischen Studien unzureichend sind. Die Übersicht trennt den Anteil des Nikotins nicht von dem der übrigen Bestandteile; genau diese Trennung wäre für Snus und Nikotinbeutel nötig.
Harlev A, Agarwal A, Gunes SO, Shetty A, du Plessis SS 2015 (World Journal of Men’s Health): Smoking and Male Infertility: An Evidence-Based Review [s158]. Evidenzbasierte erzählende Übersicht. In den Eingabedateien liegt über Titel und Einordnung hinaus keine Auswertung des Inhalts vor; die Arbeit wird deshalb nur genannt und nicht beschrieben.
Sepaniak S, Forges T, Monnier-Barbarino P 2005 (Journal de Gynécologie Obstétrique et Biologie de la Reproduction): Folgen des Zigarettenrauchens für die männliche Fruchtbarkeit [s224], und Sepaniak S, Forges T, Fontaine B et al. 2004 (ebenda): Negative Auswirkung des Zigarettenrauchens auf die männliche Fruchtbarkeit, von den Spermien bis zur Nachkommenschaft [s226]. Zwei erzählende Übersichten in französischer Sprache (Titel im Original englisch angegeben: „Consequences of cigarette smoking on male fertility“ und „Negative impact of cigarette smoking on male fertility: from spermatozoa to the offspring“). Beschrieben werden der Übertritt von Tabakinhaltsstoffen durch die Blut-Hoden-Schranke sowie oxidativer Stress mit DNA-Fragmentierung als Hauptmechanismus. Snus, Kautabak oder Wasserpfeife sind nicht Gegenstand.
Bendayan M et al. 2018 (Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie): „Toxiques, mode de vie, environnement : quels impacts sur la fertilité masculine ?“ (Giftstoffe, Lebensstil, Umwelt: Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit) [s124]. Erzählende Übersicht in französischer Sprache; Tabak ist darin einer von mehreren Faktoren. In der HAL-Datenbank ist die Arbeit ohne Abstract nachgewiesen. Keine produktspezifischen Zahlen.
Gromenko DD et al. 2022 (Medizina truda i ekologija cheloveka): „Табакокурение как негативный фактор, влияющий на мужское бесплодие“ (Tabakrauchen als negativer Faktor der männlichen Infertilität) [s80]. Erzählende Übersicht (Literatur 1993 bis 2021 aus PubMed, MEDLINE und Scopus). Rauchen sei mit Astheno-, Oligo- und Teratozoospermie verbunden; Nikotin, Kohlenmonoxid und Schwermetalle seien die Hauptgifte; als Mechanismen nennen die Autoren oxidativen Stress, DNA-Schäden mit gestörter Reparatur (verminderte Expression der Checkpoint-Kinase 1) und eine verminderte Kreatinkinase-Aktivität der Spermien. Der schädliche Effekt sei „reversibel“, weil er bei Ex-Rauchern nicht gefunden worden sei. Der Volltext liegt nur als teilweise unlesbarer Texterkennungsauszug vor; weitere Zahlen wurden nicht übernommen. Schwäche: Die Reversibilitätsaussage stützt sich auf Querschnittsvergleiche mit Ex-Rauchern, nicht auf Verlaufsdaten.
Belyi LE 2024 (Urologiia): The impact of e-cigarettes smoking on the male reproductive system and spermatogenesis [s42]. Erzählende Übersicht. Zur Wirkung von E-Zigaretten-Aerosol auf Hoden und Spermatogenese gebe es wenig klinische Daten; Liquids und Aerosole enthielten über 80 verschiedene Verbindungen; experimentelle Daten zeigten negative Effekte auf die Samenkanälchen und die hormonelle Regulation. Nach Aussage des Autors erlaubten die Ergebnisse nicht, das Vapen als sichere Alternative für Männer mit Kinderwunsch zu bezeichnen. Snus oder Tabakerhitzer sind nicht Gegenstand.
Kolesnikova LI et al. 2015 (Vestnik Rossijskoj akademii medicinskich nauk): Causes and Factors of Male Infertility [s161]. Erzählende Übersicht; nennt Alkoholismus, Rauchen und Drogenkonsum unter vielen Stressoren der verschlechterten Spermienproduktion, ohne eigene Rauchzahlen.
Gölbaşı Z und Duman FN 2025 (Turkish Journal of Family Medicine and Primary Care): „Tütün Bağımlılığı ve Fertilite“ (Tabakabhängigkeit und Fertilität) [s35]. Erzählende Übersicht. Beim Mann könne Tabakkonsum die Spermienqualität verschlechtern und die Chance auf eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg oder mit assistierter Reproduktion mindern; hervorgehoben wird die Beratung. Keine eigenen Daten.
Fares KS et al. 2025 (International Journal of Reproductive Biomedicine): Umwelt- und chemische Einflüsse auf die Fruchtbarkeit in der Region Östliches Mittelmeer [s22]. Erzählende Übersicht von 63 Studien (2012 bis Juni 2024). Starke Raucher hätten eine schlechtere Samenqualität als regelmäßige Raucher; die Evidenz zu Umweltfaktoren, Rauchen und Behandlungsergebnissen sei begrenzt und regional ungleich verteilt.
Übersicht zu Nikotin und männlichem Fortpflanzungssystem (Shandong Yiyao, 2017; Titel: „尼古丁对雄性生殖系统功能的影响研究进展“, Forschungsfortschritte zum Einfluss von Nikotin auf die Funktion des männlichen Fortpflanzungssystems) [s129]. Nach den Quellendaten ein Übersichtsartikel; der Inhalt konnte nicht erneut abgerufen werden, belegt ist nur der Titel.