Snus, Nikotinbeutel, Shisha und Kautabak · Kapitel 5 von 21 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Vorbemerkung zu den Beobachtungsstudien bis Wasserpfeife (Shisha, Hookah, Narghile)

Vorbemerkung zu den Beobachtungsstudien

Alle hier besprochenen Studien sind beobachtend. Sie können Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursache. Gemeinsame Schwächen, die bei den Einzelstudien nicht jedes Mal wiederholt werden: Der Konsum beruht fast immer auf Selbstauskunft, Raucher und Nichtraucher unterscheiden sich auch in anderen Lebensgewohnheiten (Alkohol, Ernährung, Bewegung, Beruf, Gewicht), viele Studien kommen aus Kinderwunschkliniken und betreffen deshalb Männer, die ohnehin ein Fruchtbarkeitsproblem haben, und die Spermienanalyse schwankt bei demselben Mann von Probe zu Probe erheblich. Sofern Konfidenzintervalle oder Adjustierungen fehlen, ist das vermerkt.

Snus (feuchter oraler Tabak, englisch „snuff“)

Zu Snus liegen sechs Humanstudien vor, vier davon mit Samenanalyse. Alle stammen aus Schweden, Dänemark oder den USA.

Kimblad A, Ollvik G, Lindh CH, Axelsson J 2022 (Schweden; Andrology): Decreased sperm counts in Swedish users of oral tobacco [s73]. Querschnittsstudie auf Basis zweier Kohorten aus der schwedischen Allgemeinbevölkerung. Die erste Kohorte (2000 bis 2001) bestand aus Wehrpflichtigen aus der Untersuchung von Richthoff et al. [s216]; von 242 telefonisch erreichten Männern gaben 51 Snusgebrauch an. Die zweite Kohorte (2008 bis 2010) umfasste 241 Wehrpflichtige und 73 Schüler im Alter von 17 bis 20 Jahren. Zusammen standen 619 Männer zur Verfügung; nach Ausschluss von sechs Männern mit anderen Rauchprodukten als Zigaretten blieben 613, für 538 lag die Angabe zum Snusgebrauch vor. Die Teilnehmer waren 17 bis 21 Jahre alt. Methodik: Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Volumen, normale Morphologie und progressive Beweglichkeit nach WHO-Vorgaben, DNA-Fragmentierungsindex (Sperm Chromatin Structure Assay), Hormone (Testosteron, LH, FSH, SHBG; in Teilkohorten Östradiol und Inhibin B) und Cotinin im Urin (bei 396 Männern). Allgemeine lineare Modelle, adjustiert für Zigarettenrauchen und Karenzzeit (Hormone: Rauchen und Kohorte); für signifikante Befunde zusätzlich einzeln für Dauererkrankungen, Varikozele, Alkohol, Beruf der Mutter sowie Rauchen von Mutter und Vater in der Schwangerschaft.

Ergebnisse: Das mittlere Cotinin im Urin betrug bei 69 Snus-Nutzern 3200 ng/ml (Standardabweichung 2300) und bei 290 Nichtnutzern 590 ng/ml (Standardabweichung 1100). Die Gesamtspermienzahl war bei Nutzern 34 Millionen oder 24 % niedriger (Tabelle 2: 120 Millionen bei 109 Nutzern gegenüber 160 Millionen bei 411 Nichtnutzern; p = 0,03). Die übrigen Samenparameter unterschieden sich nicht signifikant: Konzentration 47 gegenüber 57 Mio./ml (p = 0,10), Volumen 2,8 gegenüber 2,6 ml (p = 0,33), Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien 67 gegenüber 84 Millionen (p = 0,11), DNA-Fragmentierung 11 gegenüber 12 % (p = 0,32), progressive Beweglichkeit 42 gegenüber 42 % (p = 0,98), normale Morphologie 8,3 gegenüber 8,7 % (p = 0,63). Beim Hormonprofil lag Testosteron bei Nutzern um 3,0 nmol/l höher (24 gegenüber 21 nmol/l; p < 0,001), FSH um 1,7 IE/l höher (5,9 gegenüber 4,3; p = 0,04); freies Testosteron (0,43 gegenüber 0,43; p = 0,81), LH, SHBG, Östradiol und Inhibin B unterschieden sich nicht.

Dosisbezug: Die Zahl der Snusdosen pro Woche (nur in der zweiten Kohorte erhoben, bei 71 Nutzern) war nicht signifikant mit den Samenparametern verknüpft (Gesamtspermienzahl, kubikwurzeltransformiert: B = −0,16; 95-%-KI −0,33 bis 0,014; p = 0,07), wohl aber positiv mit Testosteron (B = 2,0; KI 1,2 bis 2,7; p < 0,001) und FSH (B = 2,2; KI 1,5 bis 3,0; p < 0,001). Cotinin war negativ mit der Gesamtspermienzahl verknüpft (B = −0,12 × 10⁻³; KI −0,23 × 10⁻³ bis −0,01 × 10⁻³; p = 0,02 in der Tabelle, p = 0,03 im Text), positiv mit Testosteron und Östradiol (jeweils p < 0,001). Diese Cotinin-Beziehung schwächte sich nach Adjustierung für den Beruf der Mutter beziehungsweise Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft um etwa ein Drittel ab (36 beziehungsweise 38 %); der Unterschied zwischen Nutzern und Nichtnutzern in der Gesamtspermienzahl änderte sich durch keine Zusatzadjustierung um mehr als 5 %. Die Autoren rechnen den Befund mit einer in der Literatur berichteten Beziehung zwischen Spermienzahl und Schwangerschaftschance auf eine etwa 10 % geringere Chance um, ein Kind zu zeugen; das ist eine Extrapolation und kein Studienergebnis.

Stärken: Mit 109 Nutzern die größte Snusgruppe mit Samenanalyse; Cotinin als objektiver Marker; viele Sensitivitätsanalysen; Allgemeinbevölkerung statt Kinderwunschklinik. Schwächen: Querschnitt; viele Variablen nur in Teilkohorten (Snusdosen bei 71 Nutzern); geringe Teilnahmequoten (305 von 2255 beziehungsweise 241 von 1618 eingeladenen Wehrpflichtigen); Restverzerrung durch den sozioökonomischen Status möglich; ein einmaliger Cotininwert ist ein unsicherer Marker. Zwei Auffälligkeiten im Text: In Tabelle 3 stehen für DNA-Fragmentierung und progressive Motilität identische Werte (B = −0,048; KI −0,11 bis 0,018; p = 0,15), was auf einen Übertragungsfehler hindeutet; in Tabelle 1 trägt die Zeile „Rauchen“ einen Korrekturhinweis (Nutzer- und Nichtnutzerzahlen waren vertauscht). Die Autoren halten den FSH-Befund selbst für möglicherweise zufällig, weil eine dänische Studie mit rund 3500 Männern keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und FSH fand. Einordnung: Von den zehn geprüften Samenparametern war nur einer (die Gesamtzahl, die aus Konzentration und Volumen entsteht) signifikant; bei vielen Vergleichen ist ein Zufallsbefund nicht auszuschließen.

Holmboe SA, Priskorn L, Jensen TK, Skakkebaek NE, Andersson AM, Jørgensen N 2020 (Dänemark; Human Reproduction): Use of e-cigarettes associated with lower sperm counts in a cross-sectional study of young men from the general population [s99]. Querschnittsstudie mit jungen Männern aus der Allgemeinbevölkerung (Medianalter 19,0 Jahre). Eingeschlossen waren 2008 Männer mit Angaben zu Zigaretten und Marihuana (Rekrutierung 2012 bis 2018), von denen 1221 auch Angaben zu E-Zigaretten und Snus machten (2015 bis 2018). Die Männer gaben eine Samen- und eine Blutprobe ab und füllten einen Lebensstilfragebogen aus. Statistik: multiple lineare Regression, adjustiert für relevante Störgrößen. 52 % der Männer rauchten Zigaretten, 13 % nutzten E-Zigaretten, 25 % Snus und 33 % Marihuana; Nutzer von E-Zigaretten und Marihuana rauchten häufig auch Zigaretten. Ergebnisse: Tägliche E-Zigaretten-Nutzer hatten eine niedrigere Gesamtspermienzahl als Nichtnutzer (91 gegenüber 147 Millionen), ebenso tägliche Zigarettenraucher (103 gegenüber 139 Millionen). Das Gesamttestosteron war bei täglichen und gelegentlichen Zigarettenrauchern um 6,2 % beziehungsweise 4,1 % höher, das freie Testosteron jeweils um 6,2 %, nicht aber bei E-Zigaretten-Nutzern; tägliche Marihuana-Nutzer hatten ein um 8,3 % höheres Gesamttestosteron. Für Snus wurden keine Zusammenhänge mit Markern der Hodenfunktion beobachtet. Nach Angabe der Studie von Kimblad et al. gab es in der Holmboe-Stichprobe 68 tägliche Snusnutzer [s73]; das ist eine Sekundärangabe. Stärken: große Stichprobe, mehrere Produkte im selben Modell, Hormone und Samen aus derselben Untersuchung. Schwächen (laut Autoren): Restverzerrung durch nicht berücksichtigte Verhaltensfaktoren, begrenzte Zahl täglicher E-Zigaretten-Nutzer, überlappende Konsumgruppen. Der Abstract nennt für Snus weder Mittelwerte noch Konfidenzintervalle; der Volltext war nicht frei abrufbar. Für die Snus-Auswertung liegen also nur die Aussage „keine Zusammenhänge“ und die Fallzahl aus Sekundärangabe vor.

Richthoff J, Elzanaty S, Rylander L, Hagmar L, Giwercman A 2008 (Schweden; International Journal of Andrology): Association between tobacco exposure and reproductive parameters in adolescent males [s216]. Querschnittsstudie mit 302 jungen Wehrpflichtigen (217 Nichtraucher, 85 Raucher, Medianalter 18 Jahre); Samenanalyse einschließlich Markern der Nebenhoden- und Anhangsdrüsenfunktion sowie Hormone. Snusgebrauch war ein erfasster Lebensstilfaktor; die Information über Snus wurde nach Darstellung von Kimblad et al. erst nachträglich per Telefon erhoben (51 von 242 erreichten Männern nutzten Snus) [s73]. Ergebnisse zur Zigarette: Nichtraucher hatten eine um 49 % höhere Gesamtspermienzahl als Raucher (95-%-KI 4,5 bis 112 %; p = 0,01), die Konzentration war 37 % höher (KI −4 bis 95 %; p = 0,08). FSH war bei Nichtrauchern 17 % höher (KI 3 bis 33 %; p = 0,02); Inhibin B, Testosteron, SHBG, LH und Östradiol unterschieden sich nicht. Wer mehr als 10 Zigaretten täglich rauchte, hatte ein um 37 % niedrigeres FSH (KI 10 bis 69 %; p = 0,005) als weniger starke Raucher. Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft wirkte sich negativ auf Nebenhoden- und Samenbläschenmarker aus. Zu Snus gibt der Abstract selbst keine Zahlen an; nach Darstellung von Kimblad et al. war Snus bei 51 Nutzern nicht mit Spermienqualität oder Hormonen assoziiert [s73]. Das ist eine Sekundärangabe. Stärken: Zigarette und Snus in einer Stichprobe; Anhangsdrüsenmarker. Schwächen: kleine Snusgruppe, nachträgliche telefonische Erfassung von Snus, geringe Teilnahme; das Konfidenzintervall für die Konzentration schließt null ein.

Pärn T, Grau Ruiz R, Kunovac Kallak T et al. 2015 (Schweden; Reproductive Biomedicine Online): Physical activity, fatness, educational level and snuff consumption as determinants of semen quality [s163]. Querschnittsstudie an 62 Männern einer Kinderwunschklinik; die Hauptfrage war die körperliche Aktivität (Beschleunigungsmesser). Als Determinanten der Samenqualität wurden außerdem Fettleibigkeit, Bildungsniveau und Snusgebrauch untersucht. Ergebnis im Abstract: Teilnehmer, die keinen Snus konsumierten, hatten höhere Werte der Spermienparameter (p < 0,05); adipöse Männer (BMI ≥ 30) hatten ein geringeres Volumen. Effektgrößen für Snus nennt der Abstract nicht. Laut Kimblad et al. waren 17 der 62 Männer Snus-Nutzer, mit niedrigerer Gesamtspermienzahl, Konzentration, Konzentration beweglicher Spermien und Gesamtzahl beweglicher Spermien [s73]. Schwächen: sehr kleine Gruppe, selektierte Kinderwunschpatienten, mehrere Determinanten gleichzeitig getestet, Snus nicht die Hauptfragestellung; die Kimblad-Gruppe erklärt die stärkeren Befunde mit der Patientenselektion. Die Zahlen sind aus dem Abstract nicht verwertbar.

Byhamre ML, Blankenberg S, Dahlqvist P et al. 2026 (Nordschweden; Scandinavian Journal of Clinical and Laboratory Investigation; Northern Sweden MONICA): Associations between snus use and concentrations of CRP, 25(OH)D and testosterone [s02]. Bevölkerungsbasierte Querschnittsanalyse mit 6158 Nie-Rauchern (21 % der Männer und 3,3 % der Frauen waren Snus-Nutzer), Untersuchungen 1990 bis 2014. Gemessen wurden hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP), 25-Hydroxy-Vitamin-D und berechnetes freies Testosteron (cfT); lineare und logistische Regression. Samenparameter wurden nicht gemessen. Ergebnisse: Snus gegenüber Nie-Gebrauch war bei beiden Geschlechtern mit niedrigerem hs-CRP (exp(β) 0,88; 95-%-KI 0,81 bis 0,96) und niedrigerem 25(OH)D (β −1,01; KI −1,70 bis −0,33) verknüpft. Bei Männern war Snus mit höherem cfT verbunden (exp(β) 1,04; KI 1,01 bis 1,07). Ehemalige Snus-Nutzer unterschieden sich nicht signifikant von Nie-Nutzern. Einordnung: Die Studie stützt in der Richtung den höheren Testosteronwert aus Kimblad et al. [s73]; die Effektgröße ist klein (4 %). Schwächen: Querschnitt, keine Spermiendaten, nur der Abstract war abrufbar.

Sapra KJ, Barr DB, Maisog JM, Sundaram R, Buck Louis GM 2016 (USA; Nicotine & Tobacco Research): Time-to-Pregnancy Associated With Couples’ Use of Tobacco Products [s147]. Prospektive Kohorte (bevölkerungsbasierte Stichprobe aus 16 Landkreisen) mit 501 Paaren, die die Verhütung beendeten und bis zu 12 Monate oder bis zum positiven Schwangerschaftstest beobachtet wurden. Interview zu Zigaretten, Zigarren und Kau-/Schnupftabak; Blutproben für Schwermetalle und Cotinin. Zielgröße: die Fecundability Odds Ratio (FOR; Werte unter 1 bedeuten eine längere Zeit bis zur Schwangerschaft). 15 % der Männer rauchten Zigaretten, 14 % Zigarren, 9 % nutzten Snuff und 2 % Kautabak. Gegenüber Nie-Nutzern von Tabak war Rauchen des Mannes mit längerer Zeit bis zur Schwangerschaft verbunden (FOR 0,41; 95-%-KI 0,24 bis 0,68), ebenso Rauchen der Frau (FOR 0,53; 0,33 bis 0,85); im gemeinsamen Modell blieb der männliche Effekt signifikant (FOR 0,46; 0,27 bis 0,79). Cadmium war bei Rauchern höher als bei Nutzern rauchlosen Tabaks und Nie-Nutzern; die Adjustierung für Cadmium schwächte den Zusammenhang mit der Zigarette ab, besonders bei Frauen. Die Zeit bis zur Schwangerschaft war bei Nutzern rauchlosen Tabaks kürzer als bei Rauchern (FOR 2,86; KI 1,47 bis 5,57). Gegenüber Nie-Nutzern verlängerte rauchloser Tabak die Zeit nicht; einen numerischen Schätzwert dafür nennt der Abstract nicht. Stärken: prospektiv, beide Partner, objektive Biomarker. Schwächen: sehr kleine Zahl Nutzer rauchlosen Tabaks (9 % und 2 % von 501), Samenparameter nicht gemessen, nur das Endergebnis Schwangerschaft; das Intervall der Aussage zu rauchlosem Tabak ist nicht bekannt.

Zusammenfassung Snus. Von den drei Studien an jungen Männern aus der Allgemeinbevölkerung fand nur die mit der größten Snusgruppe (109 Nutzer) eine niedrigere Gesamtspermienzahl, nicht aber niedrigere Konzentration, Beweglichkeit oder Morphologie [s73]; die beiden anderen fanden keine Zusammenhänge [s99, s216]. Die Kliniksstudie mit 17 Nutzern fand mehr Auffälligkeiten [s163]. Höheres Testosteron bei Snus fand sich in zwei Studien [s73, s02], nicht in den beiden anderen [s99, s216]. Ein direkter Vergleich Snus gegen Zigarette mit denselben Methoden liegt nur in [s99] und [s216] sowie adjustiert in [s73] vor; kein Design lässt auf Ursache und Wirkung schließen. Eine Studie mit der Zeit bis zur Schwangerschaft als Endpunkt [s147] fand keine Verlängerung bei rauchlosem Tabak gegenüber Nie-Nutzern.

Kautabak und andere rauchlose Tabakprodukte

Die Humanstudien zu rauchlosem Tabak stammen überwiegend aus Indien und Pakistan. Gemeinsame Merkmale: Die Produkte sind uneinheitlich (Gutkha, Khaini, Tabakblatt mit Betel, Kautabak ohne nähere Angabe), die Menge wird als Zahl der Packungen oder Portionen pro Tag erfasst, und die meisten Studien kommen aus Kinderwunschkliniken.

Said TM, Ranga G, Agarwal A 2005 (Fertility and Sterility): Relationship between semen quality and tobacco chewing in men undergoing infertility evaluation [s223]. Retrospektive Studie in einer privaten Kinderwunschklinik mit 638 Männern, die alle Kautabak konsumierten. Gruppiert wurde nach der Häufigkeit: mild (weniger als 3-mal täglich, n = 177), mäßig (3 bis 6-mal täglich, n = 264), stark (mehr als 6-mal täglich, n = 197). Zielgrößen: Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie und Vitalität der Spermien. Ergebnisse: Alle vier Merkmale waren in der Gruppe „mild“ signifikant höher als in der Gruppe „mäßig“ und in dieser höher als in der Gruppe „stark“. Der Anteil azoospermer Männer stieg mit der Intensität (1 %, 3 %, 14 %), ebenso der Anteil mit Oligoasthenoteratozoospermie (2 %, 8 %, 29 %); diese Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. Der Abstract nennt weder Mittelwerte noch p-Werte. Stärke: große Stichprobe, abgestufte Exposition. Zentrale Schwäche: Es gibt keine Kontrollgruppe ohne Kautabak, alle 638 Männer sind Konsumenten. Die Studie kann einen Dosisgradienten innerhalb der Konsumenten zeigen, aber keinen Unterschied zu Nichtkonsumenten. Außerdem retrospektiv, eine Klinik, keine Angaben zu Störgrößen im Abstract, Produktart nicht unterschieden.

Sunanda P, Panda B, Dash C, Ray PK, Padhy RN, Routray P 2014 (Indien; Journal of Human Reproductive Sciences): Prevalence of abnormal spermatozoa in tobacco chewing sub-fertile males [s180]. Retrospektive Studie über drei Jahre an der Kinderwunscheinheit eines Universitätsklinikums. Samenanalysen von 642 männlichen Partnern im Alter von 20 bis 40 Jahren (3 bis 5 Tage Karenz); 194 Männer (30,2 %) kauten Tabak. Von diesen kauten 50,5 % Gutkha, 27,9 % Khaini und 21,6 % getrocknetes Tabakblatt mit Betel; die Dauer der Gewohnheit lag zwischen 2 und 18 Jahren. Unterteilt wurde in weniger oder mehr als 10 Packungen pro Tag. Samenanalyse nach WHO-Kriterien, Morphologie nach Kruger-Kriterien im Papanicolaou-Ausstrich, Vitalität über den hypoosmotischen Schwelltest. Statistik: logistische Regression mit Odds Ratios auf Basis dichotomisierter Parameter (WHO-Grenzwerte) und Pearson-Korrelation; im Methodenteil ist keine Adjustierung für weitere Einflussgrößen beschrieben.

Ergebnisse: Im Vergleich mit Männern ohne Kaugewohnheit lagen die Mittelwerte bei Kauern bei der Spermienzahl um 18,9 %, bei der Beweglichkeit um 23,4 %, bei der Vitalität um 8,4 % und bei der normalen Morphologie um 28,4 % niedriger. Odds Ratios für den jeweils auffälligen Befund (p = 0,001): Oligozoospermie 2,2 (95-%-KI 1,5 bis 3,09), Asthenozoospermie 3,2 (2,05 bis 4,9), Teratozoospermie 8,4 (4,9 bis 14,6); die Vitalität unterschied sich nicht signifikant (OR 1,6; KI 0,739 bis 3,6). Unter den Kauern waren 66 % oligozoosperm, 85 % asthenozoosperm und 28 % teratozoosperm. Beim Vergleich intensiver Kauer (mindestens 10 Packungen täglich) mit weniger intensiven war nur die normale Morphologie signifikant verschieden (OR 2,7; KI 1,41 bis 5,08; p = 0,003), nicht die Spermienzahl (OR 0,81; KI 0,441 bis 1,5; p = 0,534) und nicht die Beweglichkeit (OR 1,1; KI 0,478 bis 2,5; p = 1,0). Kopfdefekte (r = 0,400; p = 0,001) und Zytoplasmatröpfchen (r = 0,611; p = 0,001) korrelierten positiv mit der Zahl der Tabakpackungen; Defekte des Mittelstücks (p = 0,122) und des Flagellums (p = 0,411) unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant.

Stärken: Kontrollgruppe nicht kauender Männer aus derselben Klinik; Odds Ratios mit Konfidenzintervallen; Intensitätsstufen; Morphologie im Detail. Schwächen: retrospektiv, eine Klinik, keine beschriebene Mehrgrößenadjustierung (Rauchen, Alkohol, Alter, Varikozele); gemischte Produkte; die Odds Ratios beziehen sich auf WHO-Grenzwerte, nicht auf Mittelwertdifferenzen; die Gesamtgruppe sind subfertile Männer, daher nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Die Konfidenzintervalle der Odds Ratios sind teilweise sehr weit (Teratozoospermie 4,9 bis 14,6).

Banerjee A, Pakrashi A, Chatterjee S, Ghosh S, Dutta SK 1993 (Indien; Archives of Andrology): Semen characteristics of tobacco users in India [s244]. Vergleich von Samenproben von 79 Tabakkonsumenten (Raucher, Kauer und Mehrfachkonsumenten) mit 21 Männern, die nie Tabak konsumiert hatten. Ergebnisse laut Abstract: Der Anteil beweglicher Spermien und die Gesamtspermienzahl waren bei den Tabakkauern signifikant niedriger (p < 0,05). Der Anteil abnormaler Spermien war bei Rauchern und Mehrfachkonsumenten signifikant höher (p < 0,001). Der Abstract diskutiert „unterschiedliche Wirkungen“ von Rauchen und Kauen; Zahlen zu den Gruppengrößen je Konsumform und zu Mittelwerten fehlen. Stärke: frühe Studie, die Rauchen und Kauen im selben Design vergleicht. Schwächen: kleine Kontrollgruppe (21), keine Effektgrößen im Abstract, Rekrutierungsweg und Kontrolle von Störgrößen nicht erkennbar.

Kanetkar SR, Mohite S, Kadam RS, Gupta N, Vadhel CR 2024 (Indien; Journal of Pharmacy & Bioallied Sciences): Effect of Tobacco Use on Semen in Infertile Male [s48]. Prospektive analytische Studie über zwei Jahre (Juni 2018 bis Mai 2020) mit 98 Samenproben von Männern mit unerfülltem Kinderwunsch; ausgeschlossen waren Alkoholkonsum, Varikozele und Diabetes. Aufteilung im Text: 14 reine Raucher, 29 Nutzer rauchlosen Tabaks, 3 mit beidem, 52 ohne Tabak; Tabelle 2 nennt 17 Raucher, 32 Kauer und 52 Nichtnutzer. Ergebnisse: Ein normales Spermiogramm hatten 41 von 52 Nichtnutzern, 2 von 17 Rauchern und 9 von 32 Kauern (Chi-Quadrat 52,411; p < 0,0001). Die mittlere Spermienkonzentration betrug 83,9 Mio./ml bei Nichtnutzern, 34,7 Mio./ml bei Tabaknutzern und 32,6 Mio./ml bei Rauchern (p < 0,0001); das mittlere Volumen 2,41 ml (Nichtnutzer), 2,26 ml (Raucher) und 2,21 ml (Kauer) ohne signifikanten Unterschied. Nach den Autoren waren Spermienzahl und Beweglichkeit bei Rauchern stärker reduziert als bei Nutzern rauchlosen Tabaks, die Verflüssigungszeit bei Rauchern länger; bei beiden Gewohnheiten zusammen waren die Veränderungen am stärksten. Stärken: drei Gruppen im selben Design, Raucher-Kauer-Vergleich. Schwächen: kleine Gruppen; im Abstract keine Methodik, in der Arbeit weder Adjustierung noch Konfidenzintervalle; im Text steht an einer Stelle „23 (3,4 %)“ für Asthenozoospermie, die Tabelle nennt 23 (23,4 %), ein Tippfehler im Text; die Gruppenzahlen weichen zwischen Text und Tabelle ab.

Shah SS, Shah M, Habib SH, Shah FA, Malik MO 2019 (Pakistan; Andrologia): Correlation of plasma kisspeptin with total testosterone levels in smokeless tobacco and smokers [s113]. Querschnittsstudie an 180 per Zufallsstichprobe ausgewählten Männern: Nutzer rauchlosen Tabaks, Raucher und gesunde Kontrollen. Gemessen wurden Plasma-Kisspeptin und Gesamttestosteron (ELISA) sowie Blutfette; keine Samenanalyse. Ergebnisse: Das Gesamttestosteron war bei Rauchern und Nutzern rauchlosen Tabaks signifikant höher als bei Kontrollen; Kisspeptin war nur bei Nutzern rauchlosen Tabaks signifikant höher. Cholesterin war bei Nutzern rauchlosen Tabaks niedriger, HDL und Triglyzeride waren höher. Die Autoren deuten dies als Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und schreiben, rauchloser Tabak habe stärkere zentrale Wirkungen als Rauchen; diese Deutung geht über die gemessenen Querschnittswerte hinaus. Die Richtung beim Testosteron entspricht dem Snus-Befund [s73, s02]. Schwächen: Querschnitt, keine Zahlenwerte im Bericht, keine Spermien.

Kumar SB, Chawla B, Bisht S, Yadav RK, Dada R 2015 (Indien; Asian Pacific Journal of Cancer Prevention): Tobacco Use Increases Oxidative DNA Damage in Sperm – Possible Etiology of Childhood Cancer [s162]. Fall-Kontroll-Studie mit 145 Vätern von Kindern mit sporadischem erblichem Retinoblastom und 53 Kontrollvätern; Tabakanamnese per Interview; gemessen wurden reaktive Sauerstoffspezies (ROS) im Samen, Fragmentierungsindex der DNA und 8-Hydroxy-Desoxyguanosin in den Spermien. ROS, DNA-Fragmentierung und 8-OHdG unterschieden sich zwischen Tabaknutzern und Nichtnutzern signifikant (jeweils p < 0,05). Die Odds Ratios für das Retinoblastom des Kindes betrugen bei rauchenden Vätern 7,29 (95-%-KI 2,9 bis 34,5), bei kauenden Vätern 4,75 (2,07 bis 10,9) und bei beiden Gewohnheiten 9,11 (3,79 bis 39,2). Einordnung: Die Studie betrifft einen DNA-Schadensmarker und eine Krebserkrankung des Kindes, nicht die Standard-Samenparameter. Schwächen: klein, Selbstauskunft zum Tabak, sehr weite Konfidenzintervalle (bis 34,5 bzw. 39,2).

Çelik H, Moçin Yazıcıoğlu Ö, Gencer M, Köse E 2011 (Türkei; Türk Toraks Dergisi): Dumansız tütün „Maraş Otu“ kullanımına bağlı artmış oksidatif stres (Erhöhter oxidativer Stress durch den rauchlosen Tabak „Maraş-Pulver“) [s203]. Vergleichsstudie mit 21 Konsumenten des rauchlosen Tabaks Maraş otu (Nicotiana rustica, Region Kahramanmaraş) ohne Zigaretten, 27 reinen Zigarettenrauchern und 24 Kontrollen. Gemessen wurden im Serum die Gesamtantioxidanskapazität (TAC: 1,35 ± 0,18, 1,48 ± 0,11 und 1,57 ± 0,17), die Gesamtoxidanzien (TOL: 9,73 ± 2,68, 11,21 ± 3,54 und 8,83 ± 1,28) und der oxidative Stressindex (OSI: 7,44 ± 2,84, 7,62 ± 2,61 und 5,67 ± 0,99). TAC war bei Maraş-Konsumenten niedriger als in beiden anderen Gruppen (p < 0,05); OSI war in beiden Konsumgruppen höher als bei Kontrollen (p < 0,05), ohne Unterschied zwischen Maraş und Zigarette. Die Autoren folgern, Maraş-Pulver wirke auf den oxidativen Stress wie Tabak. Einschränkung: Serumwerte, kein Spermienendpunkt; die Studie ist nur als Hinweis auf einen Mechanismus aufgeführt, den die Spermienliteratur diskutiert. Kleine Gruppen, keine Adjustierung im Abstract.

Atilla N, Kahraman H, Arpag H, Bozkuş F, Şimşek S, Samur A 2017 (Türkei; Tüberküloz ve Toraks): Maraş otu kullanan ve sigara içenlerde serum telomeraz düzeyleri (Serum-Telomerasespiegel bei Konsumenten von Maraş-Pulver und Rauchern) [s137]. Vergleich von 36 Maraş-Konsumenten, 32 Rauchern und 30 Nichtrauchern (die Quellendatei nennt insgesamt 98 Personen). Serumtelomerase und Malondialdehyd waren bei Rauchern und Maraş-Konsumenten gegenüber Nichtrauchern höher (jeweils p < 0,001) und bei Maraş-Konsumenten höher als bei Rauchern (p < 0,001). Kein Spermienendpunkt; als Nebenbefund zur Biologie des rauchlosen Tabaks aufgeführt.

Zu Shammah (Saudi-Arabien), Toombak (Sudan) und Naswar: Eine Spermastudie beim Menschen wurde in keinem der drei Sprachräume gefunden; der Rattenversuch zu Shammah-Extrakt gehört in das Kapitel zu den Tierversuchen [s17].

Nikotinbeutel (tabakfreie orale Nikotinprodukte)

Unter den gefundenen Quellen gibt es keine Studie an Menschen, die Nikotinbeutel („nicotine pouches“) mit Spermienqualität, Hodenfunktion oder Fruchtbarkeit in Verbindung bringt. Das gilt auch für eine gezielte Suche in Europe PMC mit Begriffen wie „nicotine pouch*“, „oral nicotine“ und „sperm/semen“ [s11]. Auch in den chinesischen, japanischen, koreanischen, russischen, türkischen und arabischen Sprachräumen fand sich keine einschlägige Studie; die koreanischsprachige Abfrage mit Begriffen für Snus, rauchlosen Tabak, Kautabak, Nikotinbeutel und Wasserpfeife kombiniert mit Spermien oder Samen ergab null Treffer. Das ist ein negativer Befund der Suche und kein Beleg für Unschädlichkeit. Der Marktanteil der Beutel wächst; nach der Übersicht [s11] stieg der Absatz in den USA von 126 Millionen Einheiten in den letzten fünf Monaten 2019 auf 808 Millionen Einheiten in den ersten drei Monaten 2022. Die nächstliegende indirekte Evidenz stammt aus der Snus-Forschung (siehe oben), aus Tiermodellen mit Nikotin allein und aus In-vitro-Daten an menschlichen Spermien; diese sind Gegenstand anderer Kapitel. Ob und wie weit sich solche Befunde auf Nikotinbeutel übertragen lassen, ist durch keine Studie belegt, weil die Beutel keinen Tabak enthalten und die Nikotinfreisetzung nicht mit der von Snus gleichzusetzen ist. Eine Aussage über Nikotinbeutel ist auf der Grundlage der abgerufenen Quellen nicht möglich.

Wasserpfeife (Shisha, Hookah, Narghile)

Die Humanstudien zur Wasserpfeife stammen ausschließlich aus dem Nahen Osten, der Golfregion und dem Iran. Es sind Querschnittsstudien oder Fall-Kontroll-Vergleiche; die meisten rekrutieren Männer aus Kinderwunschkliniken oder IVF-Laboren. Gemeinsame Schwächen sind die ungenaue Erfassung der Exposition (Sitzungen pro Woche, Dauer, Tabak- und Kohleart), Doppelkonsum mit Zigaretten und kleine Gruppen von Wasserpfeifenrauchern. Die einzige Metaanalyse (Sepidarkish 2025 [s31]) steht im ersten Teil dieses Kapitels.

Hamadneh J, Al-Zenati AA, Banihani SA 2025 (Jordanien; TheScientificWorldJournal): Semen Quality Measures in Hookah and Cigarette Smokers Compared to Nonsmokers [s24]. Prospektiv rekrutierte Querschnittsstudie mit 558 Teilnehmern: 300 Zigarettenraucher, 95 Wasserpfeifenraucher und 163 Nichtraucher als Kontrolle. Die Samenanalyse erfolgte etwa eine Stunde nach der Ejakulation nach den WHO-Vorgaben (2021). Zigarettenraucher rauchten im Mittel seit 14,18 ± 7,55 Jahren etwa 23,92 ± 10,84 Zigaretten täglich; Wasserpfeifenraucher seit 11,5 ± 8,16 Jahren mit 11,51 ± 8,16 Sitzungen pro Woche (die identische Standardabweichung bei Dauer und Sitzungszahl ist im Text so gedruckt). Statistik: einfaktorielle Varianzanalyse mit Tukey-Test, keine Adjustierung für Störgrößen.

Ergebnisse (Mittelwert ± Standardfehler): Das Ejakulatvolumen betrug bei Nichtrauchern 3,457 ± 0,1996 ml, bei Zigarettenrauchern 3,152 ± 0,182 ml (p = 0,1772 gegenüber der Kontrolle) und bei Wasserpfeifenrauchern 2,871 ± 0,150 ml (p = 0,0122 gegenüber der Kontrolle), also rechnerisch rund 17 % weniger als bei Nichtrauchern (die Autoren nennen etwa 16,4 %); zwischen Zigaretten- und Wasserpfeifenrauchern lag p = 0,2246. Der Abstract nennt für den Volumenunterschied p = 0,0097, der Ergebnisteil p = 0,0122; dieses Kapitel folgt dem Ergebnisteil. Der Abstract enthält auch Druckfehler (zum Beispiel „p = 8614“ statt 0,8614), und die p-Wert-Liste ist gegenüber der Parameterliste verschoben; im Volltext lauten die Werte unter anderem progressive Beweglichkeit p = 0,2714, Gesamtbeweglichkeit 0,8752, Immobile 0,6671, Spermienzahl 0,8614, Morphologie 0,9261 [s24]. Progressive Beweglichkeit: Zigarette 29,51 ± 2,268 %, Wasserpfeife 28,4 ± 1,878 %, Kontrolle 32,47 ± 2,487 % (alle Vergleiche nicht signifikant). Gesamtbeweglichkeit 37,29 %, 39,41 % und 37,84 % (nicht signifikant). Spermienzahl: Zigarette 44,20 ± 4,46, Wasserpfeife 41,88 ± 3,700, Kontrolle 47,48 ± 4,900 Millionen pro ml (p = 0,8614 zwischen den Rauchergruppen; p = 0,6494 und p = 0,4876 gegenüber der Kontrolle). Normale Morphologie: 15,34 ± 1,794 %, 16,01 ± 1,485 % und 12,85 ± 1,967 % (p = 0,2156 und p = 0,2440 gegenüber der Kontrolle); die Nichtraucher hatten also die niedrigsten Normalformen. Vitalität (Teilprobe von 152 Männern): 65,71 %, 67,67 % und 64,07 %, ohne signifikanten Unterschied.

Stärken: Nach Angabe der Autoren der erste Vergleich von Wasserpfeifen- und Zigarettenrauchern mit einer Nichtraucher-Kontrolle in Bezug auf Samenparameter; aktuelle WHO-Methodik. Schwächen (teils von den Autoren selbst genannt): Querschnitt; keine Adjustierung für Störgrößen; die Wasserpfeifengruppe ist die kleinste (95); Expositionsquantifizierung unsicher; DNA-Fragmentierung und oxidativer Stress wurden nicht gemessen; mehrere Vergleiche ohne Korrektur für Mehrfachtests, und von etwa acht Parametern ist nur das Volumen auffällig. In dieser Stichprobe unterschieden sich auch Zigarettenraucher nicht von Nichtrauchern, was von der Metaanalyse von Sharma et al. [s148] abweicht; die Autoren führen das auf die Stichprobengröße und die Eigenschaften der nordjordanischen Population zurück.

Albeitawi S, Hamadneh J, Alnatsheh M, Soudah O, Marar EA, Ayasrah L et al. 2024 (Jordanien; Tobacco Induced Diseases): Effect of dual tobacco smoking of hookah and cigarettes on semen parameters of infertile men [s38]. Querschnittsstudie in Kinderwunsch- beziehungsweise IVF-Laboren (Juli 2020 bis Juli 2021) mit 761 Männern im Alter von 18 bis 45 Jahren: 108 Doppelraucher (Wasserpfeife und Zigarette), 219 Wasserpfeifenraucher, 222 Zigarettenraucher und 212 Nichtraucher. Mittleres Alter 35,4 ± 7,69 Jahre, BMI 28,4 ± 6,4. Als Ursache der Infertilität waren 31,4 % ungeklärt, 30,6 % weiblich und 23,1 % männlich. Mehrgrößenregression, adjustiert für Alter, BMI, Bildung, Kinder, chronische Erkrankungen, Varikozele, frühere Hodenoperationen, Infertilitätsdauer und Ursache; für den Doppelkonsum wurde ein Interaktionsterm aus Zigaretten- und Wasserpfeifenindex gebildet.

Ergebnisse: Nach Adjustierung gab es keinen signifikanten Unterschied bei Spermienkonzentration und progressiver Beweglichkeit zwischen Nichtrauchern, Zigaretten- und Wasserpfeifenrauchern. Dagegen war das (logarithmierte) Prozent normaler Morphologie bei Rauchern beider Arten niedriger. Die exponenzierten Regressionskoeffizienten (Faktor gegenüber Nichtrauchern; 0,66 entspricht 34 % weniger normalen Formen) lauteten bei leichten Zigarettenrauchern 0,66 (95-%-KI 0,56 bis 0,77), bei mäßigen 0,63 (0,54 bis 0,73), bei starken 0,68 (0,62 bis 0,76); bei leichten Wasserpfeifenrauchern 0,66 (0,60 bis 0,74), bei mäßigen 0,80 (0,67 bis 0,94), bei starken 0,81 (0,70 bis 0,92). Beim Doppelkonsum waren die Werte am niedrigsten: leichte Doppelraucher 0,43 (0,33 bis 0,55), starke Doppelraucher 0,36 (0,24 bis 0,53), also etwa 57 beziehungsweise 64 % niedrigere Anteile normaler Formen. In den Tabellen lag die Normalform-Rate bei Nichtrauchern bei 5,4 % gegenüber 2,34 bis 2,7 % je nach Zigarettenindex [s38]. In der unadjustierten Analyse hatten Nichtraucher die niedrigste Spermienkonzentration; Wasserpfeifenraucher hatten die höchste Konzentration, gefolgt von Doppelrauchern und Zigarettenrauchern, und eine bessere Morphologie als Zigarettenraucher, was die Autoren selbst als der Erwartung widersprechend beschreiben (die Wasserpfeife enthalte mehr Toxine). Sie vermuten selektionsbedingte Einflüsse, weil die Männer ohnehin wegen Infertilität kamen.

Stärken: Größte Stichprobe unter den direkten Vergleichen von Wasserpfeife und Zigarette mit Adjustierung; Dosisstufen; Doppelkonsum. Schwächen: infertile Population (mögliche unerkannte Begleiterkrankungen, Selektionsverzerrung), Exposition schwer zu quantifizieren, Nichtraucher möglicherweise Passivraucher oder Ex-Raucher; Konzentration und Beweglichkeit ohne Effekt; das Muster, dass Dosisstufen bei der Wasserpfeife nicht klar abfallen (0,66, 0,80, 0,81, also eher schwächer bei stärkerem Konsum), spricht nicht für eine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung. Die Autoren zitieren zwei weitere Vergleiche, die in den Berichten nicht selbst abgerufen wurden (Sekundärangaben aus [s38]): eine saudische Studie (30 Zigaretten-, 20 Wasserpfeifenraucher, 50 Nichtraucher) und eine ägyptische (42 Wasserpfeifen-, 65 Zigarettenraucher, 81 Nichtraucher); beide fanden bei beiden Raucherarten schlechtere Werte als bei Nichtrauchern, die ägyptische zusätzlich eine schlechtere Morphologie bei Wasserpfeifen- als bei Zigarettenrauchern.

Albeitawi S, Hamadneh J, Al-Shatanawi TN, Al Mehaisen L, Al-Zubi M 2020 (Jordanien; Andrologia): Effect of hookah (water pipe) smoking on semen parameters [s96]. Querschnittsstudie an 104 Männern (25 bis 45 Jahre) ohne Zigarettenkonsum und ohne chronische Krankheit, die IVF-Labore zur Samenanalyse aufsuchten: 54 Wasserpfeifenraucher und 50 Nichtraucher. Volumen, normale Morphologie und progressive Beweglichkeit lagen bei Wasserpfeifenrauchern numerisch niedriger (3,21 ml, 10,2 % und 29,56 % gegenüber 3,45 ml, 11,5 % und 33,20 %), aber nicht signifikant. Nach den Autoren lag bis dahin keine Forschung zur Wasserpfeife und menschlichen Fruchtbarkeit vor; sie halten weitere Studien für nötig. Die Richtung der Mittelwerte ist durchgehend gleich. Schwäche: kleine Stichprobe, daher geringe Teststärke; Konfidenzintervalle stehen im Bericht nicht. Spätere, größere jordanische Studien fanden Effekte auf die Morphologie [s38] oder das Volumen [s24].

Tofighi Niaki M, Hasan Sheikhha M, Ali Khalili M, Fesahat F et al. 2023 (Iran; Substance Abuse: Research and Treatment): Possible Harmful Effects of Smoking Hookah on Sperm DNA Fragmentation Index and Protamine Genes Expression in Normozoospermic Men [s62]. Querschnittsstudie an 62 Männern (Partner von Paaren mit weiblichem Infertilitätsfaktor, Yazd), alle mit normalen Spermienparametern: 32 Wasserpfeifenraucher (mindestens dreimal pro Woche, 30 bis 45 Minuten) und 30 Nichtraucher. Ausgeschlossen waren chronische Erkrankungen, Urogenitalinfekte, starkes Zigarettenrauchen und Alkohol. Bei Wasserpfeifenrauchern waren DNA-Fragmentierung, Protamindefizit und anomale Chromatinkondensation signifikant häufiger (p < 0,0001). Die Protamingenexpression war niedriger (PRM1 1,55 ± 2,54 gegenüber 3,49 ± 5,41; PRM2 0,33 ± 0,54 gegenüber 1,22 ± 1,96), aber nicht signifikant (p = 0,155 und p = 0,066); Malondialdehyd im Samen war höher (0,39 ± 1,04 gegenüber 0,15 ± 0,21; p = 0,013). Konventionelle Parameter waren nicht verändert. Stärke: Männer mit normalem Spermiogramm, strenge Ausschlusskriterien. Schwächen: kleine Gruppen; die Streuung der Genexpressionswerte übersteigt die Mittelwerte; selektierte Stichprobe; Rauchexposition per Selbstauskunft.

Laqqan MM, Al-Ghora SS, Yassin MM 2023 (Gaza; Inhalation Toxicology): Impact of waterpipe and tobacco cigarette smoking on global DNA methylation and nuclear proteins genes transcription in spermatozoa: a comparative investigation [s57]. Querschnittsvergleich von 900 Samenproben (je 300 von Wasserpfeifenrauchern, starken Zigarettenrauchern und Nichtrauchern; Alter 32,5 ± 6,3 Jahre). Wie berichtet: globale DNA-Methylierung 8,6 ± 0,6 ng/µl (Wasserpfeife) gegenüber 7,1 ± 0,6 (Zigarette) und 4,7 ± 0,6 (Nichtraucher); Protamindefizit 72,8 ± 15,3 %, 51,7 ± 19,2 % und 15,3 ± 5,9 %; DNA-Fragmentierung 73,4 ± 13,4 %, 50,5 ± 18,9 % und 9,3 ± 4,3 % (jeweils p < 0,001). Zur Transkription von PRM1, PRM2 und H2BFWT sagt der Abstract einerseits, sie sei bei Wasserpfeifenrauchern gegenüber den anderen Gruppen signifikant erhöht, und andererseits, sie sei bei allen Rauchergruppen gegenüber Nichtrauchern herabreguliert; dieser Widerspruch lässt sich ohne Volltext nicht auflösen. Die Autoren folgern, Wasserpfeifenrauchen sei für Samenparameter, Methylierung und Transkription schädlicher als Zigarettenrauchen. Es ist die einzige abgerufene Studie mit diesem Ergebnis und zugleich die größte Hookah-Studie. Die berichteten DNA-Fragmentierungswerte liegen jedoch weit über denen anderer Studien (zum Beispiel 11 bis 12 % bei Kimblad et al. [s73], im Mittel 14,66 % bei starken Rauchern in Nowosibirsk [s59] und Median 24,5 % bei starken Rauchern bei Amor et al. [s67]). Rekrutierung, Verblindung, Störgrößenkontrolle, Dosis und Messverfahren konnten nicht geprüft werden; der Volltext war nicht abrufbar. Ohne unabhängige Bestätigung sollten die Ergebnisse nicht als gesichert gelten.

Laqqan MM, Yassin MM 2023 (Gaza; Journal of Environmental Science and Health, Part A): Effect of hubble-bubble smoking on global DNA methylation and transcription levels of protamine and histone genes in human spermatozoa [s58]. Vergleichsstudie mit 500 Samenproben (300 Hubble-Bubble-Raucher, 200 Nichtraucher; Alter 32,2 ± 6,1 Jahre). Globale Methylierung, Protamindefizit und DNA-Fragmentierung waren höher (p < 0,0001), die Transkription von Protamin- und Histongenen niedriger (Faltenänderung 0,0001 beziehungsweise 0,007). Zahlenwerte im Abstract nur als Signifikanz und Faltenänderung. Dieselbe Arbeitsgruppe wie oben; die Einschränkungen gelten entsprechend (sehr große Effekte ohne bekannte Rekrutierungsangaben, keine unabhängige Replikation).

Firouzabadi AM, Imani M, Tofighi Niaki M, Fesahat F 2024 (Iran; American Journal of Men’s Health): Modulation of NRF2 and CYP24A1 Pathways by Hookah Smoke [s46]. Fall-Kontroll-Vergleich bei jungen fertilen Männern: 32 Wasserpfeifenraucher gegenüber 52 Nichtrauchern. Die konventionellen Spermienparameter (Konzentration, Volumen, Beweglichkeit, Morphologie) unterschieden sich nicht; die mRNA des antioxidativen Regulators NRF2 war bei Rauchern signifikant höher (p = 0,01), CYP24A1 war unverändert. Die Autoren deuten die NRF2-Zunahme als mögliche zelluläre Abwehrreaktion auf oxidativen Stress; die funktionelle Bedeutung sei unklar. Der Abstract nennt keine Effektgrößen für die Spermienparameter. Schwächen: kleine Gruppen, Genexpression als Surrogat.

Alenzi MJ 2021 (Saudi-Arabien; Urology Annals): Synergetic effect of hookah smoking on varicocele-associated male reproductive impairment [s84]. Vergleich von 192 Patienten mit Varikozele: 100 mit Wasserpfeifenrauchen (VH) und 92 ohne Rauchen (NHV); Hormone, Samenanalyse und Ultraschall; die Stichprobe wurde laut Text nach Bequemlichkeit aus Zentren der Primärversorgung gewonnen; es gab keine Männer ohne Varikozele und keine Zigarettenraucher. Wie berichtet: Varikozele Grad 2 bei 57 % und Grad 3 bei 52,5 % in der Hookah-Gruppe; Grad 1 bei 55,6 % in der Vergleichsgruppe. Spermienzahl 21,96 ± 6,31 gegenüber 22,5 ± 5,49, Morphologie 14,09 ± 0,45 gegenüber 14,51 ± 5,02 (ohne p-Werte im Abstract), Venendurchmesser 3,52 ± 0,71 gegenüber 3,42 ± 0,72. Der Abstract nennt eine signifikante Abnahme des Testosterons in der Hookah-Gruppe (p = 0,05), gibt die Zahlen aber als 2,83 ± 0,21 (VH) gegenüber 2,33 ± 0,07 (NHV) an, was einer Zunahme entspräche; der Widerspruch bleibt ungeklärt. Die Sitzungszahl pro Woche beeinflusste die Beweglichkeit (p = 0,02); chronisches Rauchen wirkte auf Testosteron (p = 0,015) und LH (p < 0,041). Einordnung: Die Aussage, Wasserpfeife verschlechtere Hormone und Samen bei Varikozele, stützt sich auf sehr kleine Differenzen und eine widersprüchliche Testosteronangabe; der Beitrag der Studie ist gering.

Haik MY, Ashour AA, Alahmad YFM et al. 2019 (Katar; Tobacco Induced Diseases): Water-pipe smoking and serum testosterone levels in adult males in Qatar [s112]. Querschnittsauswertung innerhalb der Qatar-Biobank-Kohorte: Aus 1000 männlichen Freiwilligen wurden 541 Männer verglichen (277 Wasserpfeifenraucher, 264 Nichtraucher). Mehrgrößenregression mit Adjustierung nach einem Kausaldiagramm (unter anderem Alter, gleichzeitiges Zigarettenrauchen, BMI, Triglyzeride, HbA1c, körperliche Aktivität, Prolaktin). Keine Samenanalyse. Ergebnisse: Kein signifikanter Unterschied bei Gesamttestosteron, freiem und bioverfügbarem Testosteron und SHBG (alle p > 0,05). Das Risiko eines niedrigen Gesamttestosterons war bei leichten (OR 0,83; 95-%-KI 0,46 bis 1,49) und starken (OR 0,80; 0,43 bis 1,49) Wasserpfeifenrauchern nicht verändert. Die Autoren sprechen von einem ersten Hinweis auf fehlende Hormonwirkung und fordern Bestätigung in anderen Populationen. Stärken: große Stichprobe, gut begründete Auswahl der Störgrößen, objektive Hormonmessung. Schwächen: Querschnitt; Wasserpfeifenstatus per Selbstauskunft; Stichprobe aus Katar; nur die Testosteronachse, keine Samenqualität; die Konfidenzintervalle sind breit und schließen klinisch relevante Effekte in beide Richtungen nicht aus.

Trapphoff T, Ontrup C, Krug S, Dieterle S 2024 (Deutschland; Scientific Reports): Consumption of hookahs, e-cigarettes, and classic cigarettes and the impact on medically assisted reproduction treatment [s52]. Prospektive Studie bei 320 Frauen unter ICSI (wegen männlicher Subfertilität), die Nikotin und Cotinin in der Follikelflüssigkeit maß: Cotinin fand sich in 20,3 % und Nikotin in 6,8 % der Proben, auch bei ausschließlichem Konsum von E-Zigaretten oder Wasserpfeife. Fertilisations-, Reifungs- und Schwangerschaftsraten unterschieden sich nicht. Die Studie liefert keine Daten zur Spermienqualität und betrifft die Frauen; sie steht hier, weil sie die einzige deutschsprachige Arbeit mit Wasserpfeife im Fortpflanzungsbezug ist.

Zusammenfassung Wasserpfeife. Konventionelle Samenparameter blieben in drei Studien unverändert (nur das Volumen in [s24] war niedriger) [s24, s96, s46]; in der adjustierten jordanischen Studie war nur die Morphologie schlechter [s38], ebenso in der Metaanalyse, die zusätzlich eine höhere DNA-Fragmentierung zeigt [s31]. Molekulare Marker waren in [s62] und in den Gaza-Studien verändert; Letztere finden die Wasserpfeife schädlicher als die Zigarette, [s24] und [s38] zeigen keinen klaren Unterschied zwischen beiden. Testosteron blieb bei Wasserpfeife in [s112] unverändert. Die Evidenz ist widersprüchlich, geografisch eng und von niedriger Sicherheit.

Alle Kapitel und Anhänge (25)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung zu den Beobachtungsstudien bis Wasserpfeife (Shisha, Hookah, Narghile)
  6. E-Zigarette und erhitzter Tabak
  7. Skandinavien, Westeuropa, USA bis Taiwan und Südkorea
  8. China: Arbeiten aus der Plattform CQVIP (nur Design und Stichprobengröße belegt) bis Nachtrag: Gaza, Zigaretten-Starkraucher
  9. Gesamtbild der Beobachtungsstudien
  10. Zur Lesart dieses Abschnitts bis Die Zigarette als Vergleichsmaßstab: Metaanalysen
  11. Die Zigarette als Vergleichsmaßstab: Einzelstudien bis Tierversuche
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Koreanisch
  15. Russisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen s01–s121
  24. Quellen s122–s244
  25. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle