Die Zigarette als Vergleichsmaßstab: Einzelstudien
Kohorten und Querschnitte aus Europa, Nordamerika und Asien. Ramlau-Hansen et al. 2007 (2562 Männer, sieben dänische Studien) fanden eine inverse Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Rauchen und Volumen, Gesamtspermienzahl und Anteil beweglicher Spermien; starke Raucher hatten eine um 19 % niedrigere Konzentration, dagegen bestand eine positive Dosisbeziehung zu Testosteron und LH [s218]. Tang et al. 2019 (1631 gesunde fertile Männer, China) fanden ab 10 Packungsjahren ein niedrigeres Volumen (β = −0,10; p = 0,001) und eine niedrigere Gesamtspermienzahl (β = −0,42; p = 0,037), aber eine höhere Gesamt- (β = 6,02) und progressive Beweglichkeit (β = 5,52; je p = 0,037); ehemalige Raucher unterschieden sich nicht von Nie-Rauchern [s114]. Fan et al. 2024 (1938 infertile Männer, China; 1067 Nichtraucher, 871 Raucher) fanden bei primärer Infertilität eine niedrigere mediane Konzentration bei starken Rauchern (59,2 gegenüber 68,6 × 10⁶/ml; p = 0,01), bei sekundärer eine niedrigere progressive Beweglichkeit (44,7 % gegenüber 48,1 %; p = 0,04) [s44]. Hernáez et al. 2022 und Axelsson et al. 2022 lieferten Gegenbefunde (siehe unten). Coelho et al. 2009 (portugiesische Zeitschrift, 327 Männer, 135 Raucher): mehr Oligozoospermie bei Rauchern, sonst keine Unterschiede [s211]. Reina Bouvet et al. 2007 (131 Männer mit idiopathischer Infertilität, Rosario): starke (über 20 Zigaretten täglich; p < 0,001) und leichte Raucher (p < 0,005) unterschieden sich von Nichtrauchern in Konzentration, Morphologie und Anteil unreifer Keimzellen, nicht aber voneinander (p > 0,1) [s219]. Dupont et al. 2019 (ALIFERT, 96 infertile und 100 fertile Männer): Rauchen häufiger bei Infertilen (27 von 94 gegenüber 14 von 99; p = 0,014) [s111].
Chinesische Studien. Eine Chengdu-Kohorte (3336 Männer, 2019 bis 2023) fand einen dosisabhängigen ungünstigen Effekt mit Abnahme von Konzentration, Gesamtzahl und Motilität bei mehr als 20 Zigaretten täglich oder mehr als 10 Jahren Rauchdauer (nichtlineare Modellierung, Konfidenzintervalle im Abstract nicht angegeben) [s12]. Eine Querschnittsstudie mit Mendelscher Randomisierung (508 Teilnehmer) stützte einen ursächlichen Zusammenhang für Rauchen, Alkohol, Koffein, Cannabis und Bewegungsmangel mit niedriger Samenqualität; die Randomisierung betrifft das Rauchen als Verhalten, nicht ein einzelnes Nikotinprodukt, Zahlenwerte stehen im Abstract nicht [s04]. Ein Modell des maschinellen Lernens mit 5109 Männern sah das Rauchen als wichtigsten Einflussfaktor für Volumen, Konzentration und Motilität; starkes Rauchen (mehr als 20 Zigaretten täglich) war mit ungünstigen Werten verbunden (OR 4,69 für Volumen, 6,97 für Konzentration, 11,16 für Progressivmotilität, 10,35 für Gesamtmotilität), die AUC-Werte lagen aber nur bei 0,648 bis 0,697, Konfidenzintervalle fehlen [s79]. Die Fünf-Provinzen-Studie (727 Teilnehmer, 421 Raucher, 306 Nichtraucher; adjustiert für Region, Alter, Karenzzeit, Bildung, Alkohol und Pestizidexposition) fand auffällige Vitalität OR 1,77 (1,12 bis 2,80), auffällige Beweglichkeit OR 1,51 (1,00 bis 2,27) und auffällige Morphologie OR 2,55 (1,68 bis 3,88); verringerte Dichte bei mehr als 20 Zigaretten täglich OR 1,70 (1,05 bis 2,76) [s197]. In einer Chongqing-Studie an 368 präkonzeptionellen Männern hatten mittlere bis starke Raucher ein geringeres Volumen (2,78 ± 1,08 gegenüber 3,33 ± 1,20 ml bei Nichtrauchern) [s109]. Bei 841 rauchenden und 287 nichtrauchenden Männern war die Progressivmotilität bei mittlerem und starkem Rauchen vermindert, nicht bei leichtem; Vitalität und Zink im Samenplasma waren in der Rauchergruppe erhöht, DNA-Fragmentierung ebenfalls erhöht, die Chk1-Expression vermindert [s141]. Eine Studie mit 1512 infertilen Patienten in Nordostchina fand bei Rauchern geringeres Volumen (p = 0,006), geringere schnelle Progressivmotilität (p = 0,002), geringere Vitalität (p = 0,019) und geringere Normalmorphologie (p = 0,003), aber keinen Unterschied bei Konzentration (p = 0,297) und pH [s191]. In einer Chongqing-Studie mit 235 gesunden Männern (89 Nichtraucher, 146 Raucher) unterschieden sich die Routineparameter nicht (zum Beispiel Dichte p = 0,82, Motilität p = 0,37, Normalmorphologie p = 0,84), wohl aber der Anteil früh apoptotischer Spermien (8,1 ± 5,1 gegenüber 6,8 ± 3,8 %; p = 0,039; spät apoptotisch 5,6 gegenüber 5,5 %; p = 0,87) [s215]. In einer weiteren Studie war der Zinkgehalt im Samenplasma bei Rauchern niedriger (79 Nichtraucher, 68 Raucher), im Gegensatz zu [s141] [s206]. Aus der Sammlung von 22 chinesischsprachigen Arbeiten der Plattform CQVIP lassen sich keine Effektgrößen berichten, weil die Seiten bei der Nachprüfung auf eine Anmeldeseite umleiteten; sie betreffen durchweg Zigaretten, mit Stichproben von 38 bis 5447 Männern [s120, s235].
Russischer Raum. Osadchuk et al. 2023 (1222 junge Männer, Median 23 Jahre; 450 Raucher, 772 Nichtraucher; Raucher in mäßig bis 10 Zigaretten täglich, n = 274, und stark über 10, n = 176): Konzentration 55,15 (40,74) / 48,26 (36,31) / 47,36 (35,25) Mio./ml bei Nichtrauchern / mäßigen / starken Rauchern; progressive Beweglichkeit 46,6 / 43,6 / 39,3 %; normale Morphologie 6,9 / 6,4 / 6,6 %; DNA-Fragmentierungsindex 8,25 / 10,11 / 14,66 % (nur bei 245 Männern gemessen); Serumhormone ohne signifikanten Unterschied. Im Text: Starke Raucher hatten gegenüber Nichtrauchern weniger Volumen, Gesamtzahl, Konzentration und Beweglichkeit sowie mehr DNA-Fragmentierung und Teratozoospermie (p < 0,05). Die Verschlechterung fand sich nur bei rauchenden Slawen, die zugleich intensiver rauchten als Burjaten oder Jakuten, sodass Rauchintensität und Ethnie vermengt sind [s59]. Lesnikov et al. 2022 (66 Männer, 33 Raucher, 33 Nichtraucher): Konzentration 65,51 gegenüber 68,12 Mio./ml (p = 0,88), Morphologie 4,75 gegenüber 5,06 % (p = 0,22), alle Unterschiede nicht signifikant; mit 33 pro Gruppe können kleine Effekte nicht ausgeschlossen werden [s81]. Grigorenko und Kutorova 2020 (87 Männer mit pathologischem Spermiogramm, 41 Nichtraucher, 46 Raucher): normale Morphologie 2,6 ± 0,31 gegenüber 3,88 ± 0,36 % (p < 0,05), Konzentration, Beweglichkeit und Vitalität nicht verschieden; nur ein Absatz publiziert [s103]. Osadchuk et al. 2017 (133 Freiwillige, im Mittel 21,1 Jahre): kein Effekt der Lebensstilfaktoren auf die Spermatogenese, aber höheres Testosteron bei mehr als 10 Zigaretten täglich [s138]. Epanchintseva und Selyatitskaya 2023 (1198 Männer eines Kinderwunschzentrums, Rauchen 41 %) enthalten keinen Samenvergleich zum Rauchen, nur zum Alkohol [s65, s70]. Andreeva et al. 2015 (255 Männer) ist eine reine Prävalenzstudie [s167]. Bei Alchinbaev et al. 2015 (Kasachstan) lag das Testosteron bei Rauchern mit mehr als 20 Jahren Rauchdauer bei 1,65 ng/ml gegenüber einer Norm von 2,0 ng/ml, ohne Samenendpunkt [s166]. Die Kursker Gen-Umwelt-Studien (203 Fälle, 227 Kontrollen) zeigten ein erhöhtes Infertilitätsrisiko für CYP1A1-462Ile/Val nur bei Rauchern (OR 1,91; 95-%-KI 1,01 bis 3,59; Nichtraucher OR 1,58; 0,66 bis 3,76) und für NAT2-590GA bei Zigarettenrauchern (OR 1,71; 1,02 bis 2,87); die Intervalle sind breit, es handelt sich um Pilotbefunde ohne Replikation [s182, s189].
Türkischer Raum. Fıçıcıoğlu et al. 2002 (224 infertile Männer, 122 Raucher, 102 Nichtraucher): Volumen, Konzentration und Gesamtzahl bei Rauchern signifikant niedriger (p < 0,05), Beweglichkeit, Morphologie, hypoosmotischer Schwelltest und Akrosomreaktion nicht verschieden [s229]. Özçakır et al. 2003 (117 Männer mit mindestens 10 Zigaretten täglich, 69 Nichtraucher): Dichte 38,5 ± 34,9 bei Rauchern gegenüber 49,4 ± 38,2 Mio./ml, p = 0,06; der p-Wert bei kleiner Stichprobe spricht eher für mangelnde Teststärke als für Wirkungslosigkeit [s227]. Ozgur et al. 2005 (296 infertile Männer): Nichtraucher schnitten bei Flagellumanomalien und aufgerollten Flagellen besser ab als starke Raucher (p < 0,05), der Anteil schnell vorwärtsbeweglicher Spermien war bei starken gegenüber leichten Rauchern höher (p < 0,05) [s222]. Keskin et al. 2016 (356 Männer eingeschlossen): nur bei mehr als 20 Packungsjahren war das Volumen niedriger (p = 0,009), alle weiteren Parameter ohne Unterschied [s145]. Demirel und İrez 2020 (426 infertile Männer): Abstract sprachlich unklar, ohne Zahlen, kaum beurteilbar [s98]. Özkavukcu et al. 2022 (TÜBİTAK-Projektbericht, normozoosperme Spender): zwischen starken Rauchern und Nichtrauchern keine signifikanten Unterschiede bei Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Histon, Vitalität, DNA-Fragmentierung und reaktiven Sauerstoffspezies; Fallzahl im Abstract nicht angegeben [s72]. Nursal et al. 2024 (1005 Männer, 599 Raucher): ähnliche Spermaparameter bei Rauchern und Nichtrauchern, bei Rauchdauer von 20 Jahren und mehr die niedrigste nicht-progressive Beweglichkeit und die höchste Immotilität [s40]. Asçı et al. 2024 (Pilotstudie, 13 und 10 Männer): Gesamtzahl bei Rauchern niedriger (84,94 gegenüber 115,80 Mio.; p = 0,036), kaum verwertbar [s50]. Çimen et al. 2023 (378 Männer nach Varikozelenoperation, 220 Nichtraucher, 52 Raucher mit weniger als 10, 106 mit mindestens 10 Zigaretten täglich): Konzentration und Beweglichkeit drei Monate nach der Operation verbesserten sich bei den Starkrauchern weniger [s61]. Toprak et al. 2026 (182 Männer mit linksseitiger Varikozele, davon nur 11 starke Raucher): niedrigere Konzentration (30,1 ± 42,3 Mio./ml), Beweglichkeit und Normalform-Rate bei starken Rauchern (p < 0,01), Hinweis auf einen synergistischen Effekt von Varikozelengrad und Rauchen [s08]. Aksakallı et al. 2024 (63 Männer nach Varikozelektomie, 27 Raucher, 36 Nichtraucher): progressive Beweglichkeit nach drei Monaten 24,51 ± 4,24 gegenüber 28,11 ± 5,78 % und nach sechs Monaten 26,22 gegenüber 29,61 %, die Zeit bis zur spontanen Schwangerschaft war nach Wortlaut des Abstracts bei Rauchern länger (9,20 gegenüber 5,84 Monaten) [s37]. Weitere Arbeiten: Aydın et al. 2013 (40 normozoosperme Freiwillige): nach Einfrieren und Auftauen stieg die DNA-Fragmentierung bei Rauchern deutlich stärker [s186]; Kılıç et al. 2009 (Hodenbiopsien von 75 azoospermen Männern): mehr Caspase-3 in Keimzellen bei rauchenden Patienten mit Reifungsarrest [s213]; Cinar et al. 2014 (IVF-Paare, Raucherstatus per Cotinin; 118 Nichtraucher und 96 Raucher): kein signifikanter negativer Effekt des männlichen Rauchens auf Befruchtung, Embryoqualität und Schwangerschaft [s176]; Tiske und Özgü-Erdinç 2026 (327 IVF-Paare): Rauchen beider Partner war multivariat mit geringeren Lebendgeburtschancen verbunden [s07].
Arabischer Raum. Al-Odat und Al-Fawaeir 2025 (145 Raucher, 136 Nichtraucher, Jordanien): Volumen 2,14 ± 0,03 gegenüber 2,65 ± 0,02 ml (p < 0,001), schlechtere Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie; Testosteron 400,17 ± 4,29 gegenüber 510,15 ± 5,17 (der Abstract nennt die Einheit „IU/L“, die für Testosteron nicht stimmen kann), LH 8,34 ± 0,03 gegenüber 7,04 ± 0,05; die extrem kleinen Streuungen deuten auf Standardfehler und lassen sich ohne Volltext nicht einordnen [s19]. Al-Matubsi et al. 2011 (111 rauchende Männer, 93 Nichtraucher, Jordanien): niedrigere Konzentration und Beweglichkeit (p < 0,001), aber höheres Testosteron und LH (p < 0,001) [s202]. Al-Turki 2015 (258 Patienten, Saudi-Arabien): Raucher gegenüber Nichtrauchern Testosteron 383,8 ± 239,5 gegenüber 422,5 ± 139,2 ng/dl (p = 0,009), Prolaktin 18,68 gegenüber 12,85 ng/ml (p = 0,001), Volumen 2,8 gegenüber 3,08 ml, progressive Beweglichkeit 31,5 gegenüber 40,05 % (p = 0,002), Gesamtzahl 119,52 gegenüber 139,71 Mio. (p = 0,07) [s152]. Hamad et al. 2014 (35 Raucher, 19 Nichtraucher): Cotinin im Samen 60,44 ± 31,32 gegenüber 2,01 ± 2,84 ng/ml, Histon H2B und Malondialdehyd höher, Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Membranintegrität niedriger [s177]. Amor et al. 2022 (167 Männer, Homburg): starke Raucher gegenüber Kontrollen (Mediane, p < 0,01) Spermienzahl 46,00 gegenüber 78,50 Mio./ml, progressive Beweglichkeit 15,00 gegenüber 22,00 %, Morphologie 4,00 gegenüber 5,00 %, DNA-Fragmentierung 24,50 gegenüber 12,00 % [s67]; Amor et al. 2025: verminderte Normalformen und nicht-progressive Beweglichkeit bei Tabak- und Cannabisrauchern (je etwa 37 bis 39 Männer pro Gruppe) [s20]. Farag et al. 2024 (60 Raucher, 20 Nichtraucher) und Bazid et al. 2022 (35 und 35 Männer, Ägypten): niedrigere Zahl, Beweglichkeit und Vitalität, höheres Blei, Arsen und Cadmium im Samenplasma bei Rauchern [s45, s69]. Aboulmaouahib et al. 2018 (108 infertile Männer, Casablanca): höhere antioxidative Enzymaktivitäten und Malondialdehyd bei Rauchern [s122]. Al Omrani et al. 2018 (94 ICSI-Paare): Rauchen war unerwartet positiv mit der niedrigen Fragmentierungskategorie korreliert [s123]. Al-Bader et al. 1999 (125 infertile Raucher, Kuwait): starkes Rauchen mit niedriger Zahl, Beweglichkeit und Morphologie und erhöhtem seminalem Cadmium [s237]. Almukhtar et al. 2013 (Mosul; infertile Raucher n = 150, infertile Nichtraucher n = 100, gesunde Nichtraucher n = 100): Abstract ohne Zahlenwerte, nennt einen signifikant negativen Effekt von Rauchen und Dosis [s185]. Aljabali und Banihani 2024 (195 Männer): kein Unterschied im seminalen Vitamin B6 [s39]. Viele Abstracts dieser Gruppe enthalten Zahlenfehler oder Widersprüche; für die meisten lag nur der Abstract vor [s24, s57, s84, s95].
Gegenbefunde und Nullbefunde. Hernáez et al. 2022 (norwegische MoBa-Kohorte, 27 096 Männer) fanden keinen Zusammenhang zwischen „jemals geraucht“ und Infertilität (Zeit bis zur Schwangerschaft ab 12 Monaten); die Rauchintensität war weder in der Regression noch in den Mendelian-Randomization-Analysen robust mit Infertilität verbunden. Die Autoren sehen keinen belastbaren Effekt und nennen als mögliche Gründe ein echtes Fehlen, schwache genetische Instrumente oder Confounding [s71]. Axelsson et al. 2022 (381 junge schwedische Männer) fanden keinen Zusammenhang zwischen Urin-Cotinin oder Pyren- beziehungsweise Phenanthren-Metaboliten und der DNA-Fragmentierung (11,1 % gegenüber 11,8 % bei Nichtrauchenden und Rauchenden; p = 0,31) [s68]. Auch die jordanische Studie [s24] und mehrere türkische und russische Arbeiten [s145, s227, s72, s81] fanden bei Zigarettenrauchern wenig oder nichts. Insgesamt zählt die Sammlung mindestens dreizehn Zigarettenstudien mit einem signifikanten Unterschied bei mindestens einem Samenparameter (zum Beispiel [s08, s103, s145, s152, s177, s19, s202, s222, s229, s45, s59, s67, s69]) und mehrere ohne einen solchen [s138, s227, s72, s81].
Französischsprachige Übersichten. Zwei Übersichten von Sepaniak et al. beschreiben den Übertritt von Tabakinhaltsstoffen durch die Blut-Hoden-Schranke und oxidativen Stress mit DNA-Fragmentierung als Hauptmechanismus [s224, s226]; ein Überblick zu Umwelt und Lebensstil nennt Tabak als einen von mehreren Faktoren [s124]. Eine deutschsprachige Primärstudie zu den erfragten Produkten wurde nicht gefunden.
Rauchstopp: Beobachtungen zur Reversibilität beim Menschen
Alle Rauchstoppstudien betreffen Zigarettenrauchen. Zu Snus, Beuteln, Kautabak oder Wasserpfeife liegt keine Studie vor, die den Wechsel oder das Beenden des Konsums mit Samenparametern verfolgt [s30, s49].
Ragheb et al. 2025, Ägypten [s30]. Prospektive Beobachtungsstudie bei 60 Teilnehmern eines Rauchentwöhnungsprogramms; Proben vor dem Rauchstopp sowie nach drei und sechs Monaten (je zwei Proben im Abstand von zwei Wochen), Urin-Nikotin als Kontrolle der Abstinenz. Volumen 3,33 ± 1,07, 3,88 ± 0,80 und 4,34 ± 0,67 ml; Konzentration 14,77 ± 6,49, 17,71 ± 6,41 und 19,27 ± 6,46 Mio./ml; Gesamtzahl 49,33 ± 25,31, 70,16 ± 30,85 und 84,01 ± 31,00 Mio.; progressive Beweglichkeit 20,7, 35,3 und 42,28 %; Gesamtbeweglichkeit 41,48, 60,33 und 67,67 %; abnorme Morphologie 69,32, 50,88 und 40,82 % (jeweils p < 0,001). Die Verbesserung stieg mit der Zeit nach dem Rauchstopp; höhere Raucherindizes gingen mit stärkerer Verbesserung einher. Stärken: wiederholte Messungen, biochemisch kontrollierte Abstinenz. Schwächen: keine Kontrollgruppe, Regression zur Mitte und saisonale Effekte nicht ausgeschlossen, Teilnehmer mit eigenem Entwöhnungswunsch.
Kulaksiz et al. 2022, Trabzon [s74]. Prospektive kontrollierte Studie mit 90 infertilen Männern, die mindestens 20 Zigaretten täglich seit mindestens einem Jahr rauchten; 48 in der Studiengruppe (Rauchstopp), 42 in der Kontrollgruppe. Alter 34,69 ± 5,3 Jahre, 30,14 ± 6,69 Zigaretten täglich, 8,31 ± 3,53 Raucherjahre; der Rauchstopp dauerte im Mittel 104,2 ± 11,51 Tage. Nach mindestens drei Monaten stiegen Volumen von 2,48 ± 0,79 auf 2,90 ± 0,77 ml (p = 0,002), Konzentration von 18,45 ± 8,56 auf 22,64 ± 11,69 × 10⁶/ml (p = 0,001) und Gesamtzahl von 45,04 ± 24,38 auf 65,1 ± 34,9 × 10⁶ (p < 0,001); Beweglichkeit und Morphologie verbesserten sich ohne Signifikanz. Stärke: Kontrollgruppe. Schwächen: Selbstauskunft über den Rauchstopp, Spontanschwankungen der Samenwerte.
Lin et al. 2024, China [s49]. Interventionsstudie ohne Kontrollgruppe: 90 Männer mit Oligoasthenospermie und langer Rauchanamnese wurden zum Aufhören angeleitet, 81 über 3 bis 6 Monate nachverfolgt; nur 19 (23,5 %) erreichten eine Reduktion um mindestens 70 %. Bei ihnen verbesserte sich nur die Akrosin-Aktivität signifikant; Glutathion stieg und reaktive Sauerstoffspezies sanken in Spermien und Samenplasma. Konzentration, Progressivmotilität, Volumen, Gesamtzahl, Morphologie und DNA-Fragmentierungsindex zeigten laut Abstract keinen signifikanten Unterschied.
Al-khafaji 2017, Irak [s136]. 152 infertile Raucher (15 bis 40 Zigaretten täglich seit 2 bis 15 Jahren), 90 mit Antioxidanzien ohne und 62 mit Rauchstopp. Bei Asthenozoospermie stieg die Beweglichkeit mit Rauchstopp (n = 27) von 16,4 auf 30,1 %, ohne Rauchstopp (n = 53) von 15,3 auf 31 %; bei Oligozoospermie die Zahl mit Rauchstopp (n = 23) von 6,3 auf 15,2 Mio., ohne (n = 33) von 6,4 auf 9,2 Mio. Nicht randomisiert, kleine Untergruppen, keine Statistik im Abstract, Antioxidanzien als Störfaktor.
Weitere Hinweise. Cui et al. 2025 fanden bei 14 Ex-Rauchern (mindestens drei Monate abstinent) gegenüber 19 Rauchern und 18 Nichtrauchern eine teilweise Erholung der Spermienmerkmale, im Mausmodell mit Nikotin ebenso; konkrete Messwerte nennt der Abstract nicht [s21]. Tang et al. 2019: Ehemalige Raucher unterschieden sich nicht von Nie-Rauchern [s114]. Bei Sapra et al. war die Zeit bis zur Schwangerschaft bei Nutzern rauchlosen Tabaks gegenüber Nie-Nutzern nicht verlängert [s147]. Eine Cochrane-Übersicht zur Lebensstilberatung fand keine sichere Aussage zum Rauchstopp bei Männern (siehe Leitlinien) [s86]. Eine japanische Lebensstilberatung bei 402 Partnern mit auffälligem Erstspermiogramm verbesserte Spermienparameter und DNA-Fragmentierung insgesamt, der Beitrag des Rauchverzichts ist nicht einzeln ausgewiesen, eine Kontrollgruppe fehlt [s56].
E-Zigarette und erhitzter Tabak als Nachbarprodukte
Diese Produkte standen nicht im Auftrag, sind aber die einzigen weiteren nikotinhaltigen Alternativen, zu denen Humandaten mit Samenbezug vorliegen und die in den Studien zu Snus mitgeführt werden.
Kim et al. 2025, Südkorea („Impact of conventional cigarette and electronic cigarette use on sperm quality and IVF/ICSI outcomes“) [s26]. Retrospektive Kohortenstudie an IVF/ICSI-Paaren zwischen Mai 2022 und Januar 2024 mit 151 konventionellen Zigarettenrauchern und 145 E-Zigaretten-Nutzern (männliche Partner); die Infertilität lag überwiegend beim Tubenfaktor, polyzystischen Ovarsyndrom, Schilddrüsenstörung und Hyperprolaktinämie; ausgeschlossen waren unter anderem Oligoteratozoospermie, schwere Asthenospermie (unter 32 % progressive Motilität), Varikozele und Azoospermie. Es gab keine Nichtraucher-Kontrolle. Die Lebendgeburtenrate war in der E-Zigaretten-Gruppe höher (55,86 % gegenüber 41,06 %; p = 0,011), die klinische Fehlgeburtenrate niedriger (11,96 % gegenüber 36,27 %). Biochemische, klinische und fortlaufende Schwangerschaftsraten unterschieden sich nicht. Die Spermienkonzentration war in der Zigarettengruppe höher (81,55 ± 57,19 gegenüber 71,78 ± 44,40 Mio./ml; p = 0,007); die Beweglichkeit nennt der Abstract als in der E-Zigaretten-Gruppe höher (p = 0,014; im Ergebnistext p = 0,04). Volumen, Leukozyten im Samen und Morphologie unterschieden sich nicht. Das basale Prolaktin war bei E-Zigaretten-Nutzern niedriger (13,02 ± 4,80 gegenüber 13,84 ± 5,97 ng/ml; p = 0,029). Unabhängige Prädiktoren der Lebendgeburt waren in der multivariaten Analyse das männliche FSH und die Zahl der Zweikernstadien (2PN). Die Autoren betonen, ihr Befund sei keine Befürwortung der E-Zigarette; ohne Nichtraucher-Kontrolle ließen sich die Befunde nicht als pathologisch deuten. Schwächen: retrospektiv, Expositionsdauer und -menge fehlen, kleine Beweglichkeitsunterschiede, und die höhere Konzentration in der Zigarettengruppe läuft der Erwartung entgegen. Es ist die einzige Studie dieser Recherche, die ein nicht verbranntes Nikotinprodukt beim Menschen mit Spermienparametern verbindet, außer der dänischen Studie [s99].
Weitere Humandaten und Übersichten. Holmboe et al. fanden bei täglichen E-Zigaretten-Nutzern eine niedrigere Gesamtspermienzahl (91 gegenüber 147 Millionen) [s99]. Eine koreanische Studie an 127 Kinderwunschpaaren fand Urin-Cotinin bei 43,3 % der Männer (55 von 127) und 10,2 % der Frauen (13 von 127); Spermienmerkmale unterschieden sich zwischen Cotinin-positiven und -negativen Männern nicht, die Zahl war bei Cotinin-positiven Männern sogar höher [s159]. Eine Übersicht hält fest, dass reife Langzeitdaten zu E-Zigaretten und erhitzten Tabakprodukten fehlen [s85]. Eine russische Übersicht kann Vapen nicht als sichere Alternative für Männer mit Kinderwunsch bezeichnen und nennt über 80 Verbindungen in Liquids und Aerosolen [s42]. Eine systematische Übersicht von 48 Tierstudien zu erhitzten Tabakprodukten fand in 28 Studien geringere toxikologische Wirkungen als bei Zigaretten, 20 Studien wiesen auf fortbestehende Sicherheitsbedenken hin, darunter gegenüber Luftkontrollen auch Hodenschäden; die Hodenbefunde werden nicht nach Studie aufgeschlüsselt [s05].
Leitlinien, Stellungnahmen und Übersichten zu Leitlinien
Die Aussagen werden als Inhalt der Dokumente wiedergegeben. Keine der gesichteten Leitlinien äußert sich zu Snus, Kautabak, Nikotinbeuteln oder Wasserpfeife als eigenen Expositionen.
AUA/ASRM, „Diagnosis and Treatment of Infertility in Men: AUA/ASRM Guideline Part I“ (2021, Webfassung mit Änderung 2024) [s90]. Die Webfassung nennt als Evidenzaussage, es gebe „low quality evidence (due to high risk of bias)“ für einen kleinen Einfluss des Rauchens auf Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie; die DNA-Fragmentierung sei nicht gezielt untersucht worden. Eine Aussage („moderate recommendation“, Grad B) betrifft die Beratung infertiler Männer über Gesundheitsrisiken anomaler Spermienproduktion; eine weitere („conditional recommendation“, Grad C) erlaubt, Risikofaktoren wie Lebensstil zu besprechen und darauf hinzuweisen, dass die Datenlage für die meisten Risikofaktoren begrenzt ist. Der Text hält zudem fest, dass die Wirkungen von Vaping und Cannabis auf die Fortpflanzung „unklar“ seien. Snus, Kautabak, Nikotinbeutel und Wasserpfeife kommen in dem abgerufenen Webtext nicht vor.
EAU, „European Association of Urology Guidelines on Male Sexual and Reproductive Health: 2025 Update on Male Infertility“ [s29]. Das Kapitel führt unter Lebensstil Übergewicht, wenig Bewegung, Rauchen und hohen Alkoholkonsum als mit verminderter Spermienqualität verbunden (Evidenzgrad 2a) und stützt die Rauchaussage auf eine Metaanalyse mit 20 Studien und 5865 Teilnehmern (nach Zahlen identisch mit [s148]). Die starke Empfehlung lautet, infertile Männer über schädliche Wirkungen dieser Faktoren auf Spermienqualität und Testosteron zu informieren. Rauchloser Tabak, Wasserpfeife und E-Zigaretten werden im abgerufenen Kapiteltext nicht erwähnt (Webfassung ohne eindeutige Datierung).
WHO, „Recommendations from the WHO guideline for the prevention, diagnosis, and treatment of infertility“ (Human Reproduction 2026) [s10]. Die Leitlinie enthält eine Empfehlung zur Tabakprävention: Kurzberatung (30 Sekunden bis 3 Minuten) für alle Tabaknutzer in jeder Gesundheitseinrichtung, begründet mit dem Zusammenhang zwischen Infertilität und Rauchen; das Infertilitätsrisiko durch Rauchen sei bei Frauen höher als bei Männern. Cannabis, Vapes, E-Zigaretten und rauchlosen Tabak schließt die WHO ausdrücklich aus dem Geltungsbereich dieser ersten Ausgabe aus.
Australien, „The first Australian evidence-based guidelines on male infertility“ (2025) [s25]. Männern mit Infertilität werde mitgeteilt, dass Gewichtskontrolle, Bewegung, Rauchverzicht und weniger Alkohol die Spermienqualität verbessern könnten.
ASRM, „Smoking and infertility: a committee opinion“ (2018) [s127]. Die Stellungnahme behandelt Rauchen und Infertilität insgesamt; nur der Abstract war abrufbar.
Deutschland, S2k-Leitlinie DGGG/OEGGG/SGGG, AWMF 015-085, Teil 2 („Diagnosis and Treatment Before Assisted Reproductive Treatments“, 2019) [s115]. Im abgerufenen Abstract steht keine Aussage zu Tabak; der Volltext war nicht zugänglich. Eine deutschsprachige Primärstudie zu den erfragten Produkten wurde nicht gefunden.
Bewertungen der Leitlinien. Eine AGREE-II-Bewertung von zehn Leitlinien findet Mängel bei der Strenge der Entwicklung und der Unabhängigkeit [s27]. Ein Vergleich der WHO-Leitlinie mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE beschreibt ESHRE und NICE als paarorientiert mit begrenztem männlichem Schwerpunkt [s01]. Die ESHRE-Leitlinie selbst wurde nicht ausgewertet.
Cochrane, „Preconception lifestyle advice for people with infertility“ (2021) [s86]. Sieben randomisierte Studien mit 2130 Teilnehmenden, nur eine Studie mit männlichen Partnern; Evidenz niedrig bis sehr niedrig. Kombinierte Lebensstilberatung ergab kaum Unterschied bei Lebendgeburten (RR 0,93; 95-%-KI 0,79 bis 1,10) und keine sichere Aussage zum Rauchstopp bei Männern (RR 1,01; 0,91 bis 1,12). Eine Cochrane-Übersicht zu Rauchen oder Tabakprodukten und Spermienqualität wurde nicht gefunden.
Fazit zu den Leitlinien: Sie sprechen vom Rauchen, nicht von den erfragten Produkten, und ihre Evidenzaussagen sind selbst als niedrig eingestuft. Aus ihnen lässt sich weder ableiten, dass Snus, Beutel, Kautabak oder Wasserpfeife die Spermienqualität verschlechtern, noch dass sie es nicht tun.
Tierversuche
Tierversuche sind die einzige experimentelle Evidenz, in der Nikotin, rauchloser Tabak und Rauch getrennt oder im Vergleich untersucht werden. Übertragbarkeit auf den Menschen ist begrenzt: Dosis, Applikationsweg (meist Injektion oder Schlundsonde), Zeitraum und Tierart unterscheiden sich von der Nutzung von Beuteln, Snus oder Kautabak.
Rauchloser Tabak. Aprioku und Ugwu 2015 (Ratte, 30 Tage; Nigeria) exponierten präpubertäre und adulte männliche Ratten (sieben Gruppen mit je sechs Tieren je Altersstufe) gegenüber Tabakrauch (äquivalent zu 0,25, 0,5 und 1 mg Nikotin), rauchlosem Tabak (Nasenschnupftabakpulver, per Schlundsonde) und Nikotin (subkutan, 0,5 und 1 mg/kg). Die Beweglichkeit der Spermien sank um 77,5 % (Tabakrauch) und 89,0 % (rauchloser Tabak) bei präpubertären Tieren und um 71,1 % beziehungsweise 86,4 % bei adulten Tieren. Die Spermienzahl sank um 64,7 % und 89,9 % bei präpubertären sowie um 64,9 % und 47,0 % bei adulten Tieren. Nikotin senkte bei präpubertären Tieren Beweglichkeit (82,2 %) und Zahl (62,6 %), hatte bei adulten Tieren keine Wirkung. Die Morphologie änderte sich nicht. Testosteron fiel (präpubertär um 73 % bei Rauch, 75,9 % bei rauchlosem Tabak und 71,6 % bei Nikotin; adult um 63,8 %, 53,8 % und 0 %), LH und FSH stiegen. Der Malondialdehydgehalt im Hoden stieg (präpubertär bei Rauch um 596,4 %, bei rauchlosem Tabak um 432,7 % und bei Nikotin um 585,5 %; adult um 29,8 % und 102,9 % bei Rauch und rauchlosem Tabak). Signifikant waren meist nur die höheren Dosen. Die Autoren ordnen die Wirkung auf die Spermienmerkmale in der Rangfolge rauchloser Tabak > Tabakrauch > Nikotin. Schwächen: nur sechs Tiere pro Gruppe, Applikationswege unterscheiden sich vom Gebrauch im Mund, Reversibilität nicht untersucht, Dosen nicht auf menschliche Gewohnheiten umgerechnet [s154].
Das et al. 2016 und 2018 gaben Mäusen 90 Tage lang oral rauchlosen Tabak („Sadagura“, 5 mg/kg täglich) und Natriumarsenit (0,2 und 2 mg/kg täglich), getrennt und kombiniert; die Kombination von rauchlosem Tabak mit der niedrigen Arsenitdosis erhöhte die Spermienkopfanomalien signifikant gegenüber jeder Substanz allein, die Autoren sehen die Veränderungen als oxidativ vermittelt [s143]. Hoher Eiweißgehalt des Futters war mit geringerer Genotoxizität, weniger Keimzellanomalien und weniger oxidativem Stress verbunden [s125]. Keine Zahlenwerte zur Spermienzahl und keine Gruppengrößen im Abstract; der Beitrag des Tabakextrakts allein ist neben Arsen schwer abzugrenzen. Willis et al. 2014 gaben adulten männlichen Mäusen drei Wochen lang (fünf Tage pro Woche) über die Mundschleimhaut 50 µl Wasser, eine Nikotinlösung (0,24 mg Nikotin) oder gelöstes lyophilisiertes Gutkha (21 mg); das Serum-Cotinin lag bei 36 ng/ml (Gutkha) und 48 ng/ml (Nikotin). Beide Behandlungen verringerten das Herzgewicht, nur Gutkha senkte Lebergewicht, Körpergewicht und Serumtestosteron; die Autoren schließen, die Toxizität von Gutkha werde nicht allein vom Nikotin getragen. Spermienparameter berichtet der Abstract nicht [s181]. Eine frühere Übersicht derselben Gruppe sammelt Hinweise auf reduzierte Spermienvitalität und weitere Folgen rauchlosen Tabaks, mit Betonung auf Wissenslücken [s196]. Abo-Zaid et al. 2025 gaben Ratten einen Extrakt des rauchlosen Tabaks Shammah: Die behandelten Hoden zeigten erweiterte Gefäße, Ödem und verminderte Spermatogenese, das Malondialdehyd bei Männchen stieg um 70,8 %; Spermienzahl und Dosis nennt der Abstract nicht [s17]. Die Übersichten von Chami et al. 2026 und Afolabi et al. 2025 nennen Fruchtbarkeitsprobleme unter den Folgen rauchlosen Tabaks beziehungsweise fehlende Langzeitdaten, stützen sich dafür aber auf Said et al. beziehungsweise Rattenversuche und liefern keine eigenen Samendaten [s03, s18].
Wasserpfeifenrauch. Die Arbeitsgruppe um Ali und Nemmar (Oman) untersuchte Mäuse mit Wasserpfeifenrauch (30 Minuten pro Tag). Nach sechs Monaten fielen Testosteron und Östradiol, LH stieg leicht; Glutathionreduktase, Katalase und Ascorbinsäure waren erniedrigt, TNF-α und IL-6 erhöht, Leptin erniedrigt. Histologisch war der Durchmesser der Samenkanälchen verringert, die Spermatogenese reduziert; in der Elektronenmikroskopie zeigten sich verformte Basalmembranen und abnormale Spermienformen, der Rezeptor VEGFR1 war im Hoden überexprimiert, und das Cotinin im Urin war erhöht [s131]. In einem 30-Tage-Modell fielen Testosteron, Östradiol, LH und androgenbindendes Protein, während Inhibin B, Lipidperoxidation und 8-Oxo-dG stiegen und im Hodenhomogenat NF-κB, IL-6, IL-1β und TNF-α zunahmen; Gummi arabicum beziehungsweise Nootkaton (90 mg/kg) milderten diese Wirkungen [s108, s97]. Nach nur einem Monat mit nasaler Exposition gegenüber Moasel-Tabakrauch waren Leptin, Testosteron, LH und antioxidative Indikatoren vermindert, Körper- und Hodengewicht, Histologie und Östrogen aber unverändert [s153]. Bei pränataler Exposition (2 Stunden täglich) senkte Wasserpfeifenrauch Wurfgröße, Weibchenanteil und Geburtsgewicht (p < 0,05) und erhöhte FSH, testikuläres Östrogen und Testosteron [s107]; bei Exposition in der Stillzeit waren FSH und Prolaktin der erwachsenen männlichen Nachkommen niedriger (p < 0,05), LH (p = 0,1146) und Östradiol (p = 0,0773) nicht signifikant, Testosteron unverändert, Katalase erhöht [s83]. Die Befunde sind konsistent in Richtung Hodenschädigung und oxidativer Stress, stammen aber aus sehr wenigen Labors, die Gruppengrößen stehen nicht in den Abstracts, und die Expositionen lassen sich nicht auf menschliche Sitzungen umrechnen. Mehrere dieser Arbeiten testen zugleich Schutzstoffe, was einen Schaden als Ausgangsannahme voraussetzt.
Reines Nikotin. Cui et al. 2025: Nikotin im Trinkwasser (acht Wochen ab dem Alter von drei Wochen) senkte bei Mäusen Spermienkonzentration, Gesamt- und progressive Beweglichkeit und die Durchschnittsgeschwindigkeit; die Einzelzell-RNA-Sequenzierung zeigte eine verringerte Zahl später Spermatiden, gehemmte Meiose, gestörten Histon-Protamin-Wechsel und gestörten Energiestoffwechsel; das Spermien-Methylom änderte sich, nach Absetzen war der Schaden teilweise reversibel, und ein Rauchstopp kehrte die Methylierung um [s21]. Budin et al. 2017: 0,6 mg/kg Nikotin intraperitoneal über 28 Tage bei jungen Ratten veränderte Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie, erhöhte Malondialdehyd im Hoden (p < 0,001) und senkte die Superoxiddismutase (p < 0,05) [s132]. Eine Pilotstudie mit 40 Mäusen (Nikotin 0,75 mg/kg und Tag intraperitoneal über 35 Tage) fand eine niedrigere Nebenhodenspermiendichte und niedrigeres Serumtestosteron, die Begleitsubstanz Icariin milderte dies [s100]. Weitere chinesische Gruppen fanden unter Nikotin Seneszenz spermatogonialer Stammzellen [s54], eine gestörte Blut-Hoden-Schranke mit Ferroptose [s64], mehr Keimzellapoptose mit verkürzten Telomeren [s144], Apoptose über den TNF-Weg [s146] und eine gestörte Nebenhodenreifung [s142]. Ein gegenläufiger Befund: Bei nikotinbehandelten Mäusen waren Spermienbewegungsparameter erhöht, über eine Hypomethylierung des Pfn1-Promotors, was zur höheren Motilität bei Rauchern in der Nanjinger Kohorte passt, aber nur eine Hypothese der Autoren ist [s114, s156]. Elf weitere chinesische Nikotin-Tierarbeiten aus CQVIP ließen sich nicht erneut abrufen; erkennbar ist nur der Versuchsaufbau, darunter ein Vergleich von entnikotinisiertem Rauchextrakt mit Nikotin allein (je 30 Ratten) [s151, s173]. Die Gesamtbewertung: Nikotin allein verursachte in diesen Modellen Hodenschäden, wenn auch bei Dosen und Zugangswegen, die nicht mit der Nutzung von Beuteln gleichzusetzen sind [s21].
Zigarettenrauch und Passivrauch. Ein Mausmodell mit Zigarettenrauchextrakt über fünf Wochen zeigte atrophische Hodenkanälchen, ungeordnete Keimzellen, verminderte Spermienqualität, eine gestörte Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und eine durchlässigere Blut-Hoden-Schranke [s14]. Eine Einzelzellanalyse fand ein niedrigeres Hodengewicht (Kontrolle 126,90 ± 8,26 gegenüber Rauchgruppe 111,60 ± 6,91) und mehr apoptotische Zellen (0,24 ± 0,08 gegenüber 1,06 ± 0,20) sowie Störungen der Flagellenentwicklung und des mitochondrialen Energiestoffwechsels; der starke Körpergewichtsverlust der Rauchgruppe (37,10 ± 1,55 gegenüber 27,73 ± 1,20) ist ein Störfaktor [s06]. 5-Hydroxymethylfurfural als Rauchbestandteil schädigte bei Mäusen (60 Tage) Hodenmorphologie und Spermatogenese ohne Änderung der Sexualhormone; das zeigt, dass nichtnikotinische Rauchbestandteile den Schaden tragen können [s13]. Weitere Rattenstudien zeigten dosis- und zeitabhängige Hodenatrophie und Apoptose ab der 6. Woche (200 Ratten, 10, 20 oder 30 Zigaretten pro Tag) [s78, s87], Veränderungen von Zilien und Spermienflagellen [s32] sowie nach Rauchstopp eine teilweise Rückbildung der Keimzellveränderungen (Passivrauchen über 8 Wochen, je 10 Tiere, Beobachtung nach 48 Tagen Rauchpause) [s214]. Koreanische Mäuse mit mütterlicher Exposition zeigten bei den Nachkommen eine um 40 bis 60 % (F1) und 23 bis 40 % (F2) verminderte epididymale Spermienzahl [s126]. In türkischen Rattenmodellen senkte Zigarettenrauch Serumtestosteron und Kanälchendurchmesser, intrauterin exponierte Neugeborene zeigten mehr Sertoli- und Keimzellapoptose (Apoptoseindex 49,6 ± 9,57 gegenüber 29,98 ± 2,34; Kontrollgruppe nur sechs Tiere) [s184, s225]; Zigaretten- und E-Zigaretten-Rauch veränderten den Hoden histologisch, Spermienzahl und Beweglichkeit aber nicht signifikant [s60]. Ein Rattenversuch aus Japan zeigte nach 10 Wochen Rauch von 20 Zigaretten pro Tag eine niedrigere Testosteronantwort auf hCG und eine verminderte Spermienzahl und Motilität; die Kontrollgruppe mit Räucherstäbchenrauch (Rauch ohne Nikotin) war zum Vergleich mitgeführt [s238].
Erhitzter Tabak. Pränatale IQOS-Exposition verringerte bei Mäusen die Spermienproduktion mit fünf Wochen und erhöhte abnorme Hodenkanälchen, nach Zigarettenrauch (3R4F) nicht; mit 15 Wochen waren laut Kongressabstract keine Effekte mehr vorhanden [s102, s82]. In einem 90-Tage-Versuch an Ratten verursachten die höchste Dosis des erhitzten Tabakaerosols (50 µg/l Nikotinäquivalent) und Zigarettenrauch (23 µg/l) oxidative Hodenschäden mit weniger Spermien und niedrigerem Testosteron; die niedrigeren Dosen wirkten schwächer [s63]. Weitere Rattenarbeiten sahen unter erhitztem Tabak oxidativen Stress und verminderte Testosteronsynthese [s47]; unter E-Liquid sank die Spermienvitalität um mindestens 50 % [s128].
Arekanuss als strukturelle Parallele. Arekanuss ist kein Tabak und nur als gekautes alkaloidhaltiges Genussmittel eine Parallele zum Kautabak. Arecolin senkte in vitro die Motilität menschlicher Spermien (30 Freiwillige) und steigerte die COX-2-Expression dosisabhängig [s220]; Arecolin wirkte am stärksten, Arecaidin deutlich schwächer, Guvacin am schwächsten [s198]; in Sertoli-Zellen senkte Arecolin das ZO-1 und steigerte TNF-α [s178]. Humanstudien zu Betelkauern mit Spermienendpunkt fanden sich nicht.
Cotinin und Nikotinrezeptoren am Spermium (in vitro). Menschliche Spermien wurden acht Stunden mit 0, 100, 200, 400 oder 800 ng/ml Cotinin inkubiert; bei 400 oder 800 ng/ml waren Motilität, hypoosmotischer Schwelltest, Hyperaktivierung und Penetrationstest im Hamsteroozyten-Assay signifikant vermindert, nach Injektion in Hamsteroozyten blieben Vitalität und Dekondensation unbeeinträchtigt; das ist ein Laborbefund zu einem Nikotinmetaboliten [s233]. An Spermien von 30 gesunden Männern wirkte Nikotin (100 ng/ml) über nikotinische Rezeptoren (α7-Untereinheit als Protein nachgewiesen); der Antagonist Hexamethonium hob die Effekte auf Beweglichkeit, Mitochondrienpotenzial, Chromatin, Apoptose und DNA-Fragmentierung auf [s133]. Bei 12 rauchenden Freiwilligen waren Nikotin und Cotinin in Spermien ähnlich hoch wie im Plasma [s140]. Bei Mäusen war die Untereinheit ε des nikotinischen Rezeptors im Hoden und in etwa 50 % der Spermien (Akrosomregion) nachweisbar; Acetylcholin und Nikotin unterdrückten die Akrosomreaktion, was ein spezifischer Antagonist aufhob [s89].