Alpha-Blocker, Prostatamedikamente und retrograde Ejakulation · Kapitel 21 von 23

Glossar

Die Erklärungen sind knapp gehalten und beschreiben, wie die Begriffe in dieser Studie benutzt werden.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer (5-ARI): Arzneimittel wie Finasterid und Dutasterid, die die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen; sie verkleinern die Prostata und werden auch bei erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt.

Alpha-1-Blocker (Alphablocker): Arzneimittel, die Alpha-1-Adrenozeptoren blockieren und die glatte Muskulatur von Prostata und Blasenhals entspannen. Genannt werden Tamsulosin, Silodosin, Naftopidil, Alfuzosin, Doxazosin, Terazosin, Prazosin und Bunazosin.

Alpha-1A-, 1B- und 1D-Subtyp: Untertypen des Alpha-1-Adrenozeptors. In Samenblasen überwiegt der Subtyp 1A [s208]; Tamsulosin und Silodosin wirken besonders auf diesen Subtyp, Naftopidil hat eine höhere Affinität zum Subtyp 1D [s169].

Anejakulation: fehlender Samenerguss bei erhaltenem Orgasmus oder bei fehlendem Ejakulationsvorgang; in den Studien oft nicht von einer retrograden Ejakulation getrennt.

Aquablation: operatives Verfahren der Prostataverkleinerung mit einem Wasserstrahl, hier nur als Vergleich zur Ejakulationserhaltung genannt.

Aspermie: kein Ejakulat abgegeben. Azoospermie: keine Spermien im Ejakulat. Oligozoospermie: verminderte Spermienkonzentration.

AUA, EAU, AWMF, S2e: AUA und EAU sind die amerikanische und die europäische urologische Fachgesellschaft; die AWMF ist der Dachverband der deutschen wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, „S2e“ bezeichnet eine Leitlinie mit systematischer Evidenzrecherche.

BPH, benignes Prostatasyndrom, LUTS: gutartige Vergrößerung der Prostata beziehungsweise Beschwerden des unteren Harntrakts (lower urinary tract symptoms).

Cochrane-Review: systematische Übersicht nach festgelegten Methoden der Cochrane-Organisation, oft mit Bewertung der Sicherheit der Evidenz nach GRADE.

Cross-over-Studie: Studie, in der jeder Teilnehmer nacheinander mehrere Behandlungen erhält, so dass er sein eigener Vergleich ist; zwischen den Phasen liegt idealerweise eine Auswaschphase.

CYP2D6, CYP3A4, CYP3A5: Enzyme der Leber, die Arzneimittel abbauen; ihre Genvarianten beeinflussen Wirkspiegel.

Dechallenge und Rechallenge: Verschwinden einer Nebenwirkung nach Absetzen und Wiederauftreten nach erneuter Gabe; Kriterien für die Ursächlichkeit in Meldedaten.

Disproportionalitätsanalyse: Auswertung von Spontanmeldungen, die prüft, ob ein Arzneimittel mit einem Ereignis häufiger gemeldet wird, als bei zufälliger Verteilung zu erwarten wäre; sie liefert Signale, keine Häufigkeiten.

DNA-Fragmentationsindex: Anteil der Spermien mit geschädigter Erbsubstanz.

Ejakulationspfröpfe: in Rattenversuchen gezählte und gewogene Samenpfröpfe als Maß der Samenabgabe.

EudraVigilance, FAERS: europäisches beziehungsweise amerikanisches System für Spontanmeldungen von Arzneimittelnebenwirkungen.

Flagellum: der Geißelfaden der Samenzelle, der der Fortbewegung dient; Teil der Beurteilung der Spermienmorphologie.

GRADE: System zur Bewertung der Sicherheit der Evidenz (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig).

Heterogenität (I²): Maß dafür, wie stark die Ergebnisse der in einer Metaanalyse gepoolten Studien voneinander abweichen.

HoLEP, ThuLEP, TUR-P, TUIP, Prostatic Urethral Lift (PUL), Rezūm: Verfahren der operativen oder minimal-invasiven Behandlung der Prostatavergrößerung (Enukleation mit Holmium- oder Thulium-Laser, Elektroresektion, Einschneiden der Prostata, Aufspannen mit Implantaten, Wasserdampf); sie kommen hier als Vergleich zur Ejakulationserhaltung vor.

IC025, PRR, ROR (Reporting Odds Ratio): Maße der Disproportionalitätsanalyse. Ein Signal liegt vor, wenn die untere Grenze des Intervalls über dem Schwellenwert liegt.

IELT (intravaginale Ejakulationslatenzzeit): Zeit vom Einführen bis zur Ejakulation; Messgröße bei vorzeitiger Ejakulation. PEDT, PEP, PEPQ: Fragebögen zur vorzeitigen Ejakulation.

IIEF, IIEF-5, SHIM: International Index of Erectile Function beziehungsweise Kurzformen (SHIM = Sexual Health Inventory for Men); Fragebögen zur Erektionsfunktion, mit Bereichen für Orgasmus, Verlangen und Zufriedenheit. DAN-PSS-sex: dänischer Fragebogen zu sexuellen Symptomen bei Prostataerkrankungen.

Intravesikaler Prostatavorsprung (IPP): Hineinragen der Prostata in die Blase, im Ultraschall gemessen [s05].

IPSS: International Prostate Symptom Score, Fragebogen zur Beschwerdelast bei Prostataproblemen; höhere Werte bedeuten stärkere Beschwerden.

Konfidenzintervall (KI): Spanne, in der der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (meist 95 Prozent) liegt; schließt es den Wert „kein Effekt“ (bei Verhältnismaßen die 1) ein, ist der Effekt nicht statistisch gesichert.

MD (mittlere Differenz), SMD, SWD: Unterschied zwischen Mittelwerten zweier Gruppen, gegebenenfalls standardisiert.

MedDRA: international genutzte Wörterliste zur Kodierung von Nebenwirkungen in Meldesystemen.

Metaanalyse, Netzwerk-Metaanalyse, Metaregression: statistische Zusammenfassung mehrerer Studien; die Netzwerk-Variante vergleicht mehrere Behandlungen auch indirekt, die Metaregression prüft, ob ein Merkmal der Studien mit dem Ergebnis zusammenhängt. SUCRA: Rangwert in Netzwerk-Metaanalysen (100 Prozent bedeutet die rechnerisch beste Behandlung).

MSHQ-EjD, MSHQ-EjD-SF: Male Sexual Health Questionnaire, Ejakulationsdomäne beziehungsweise ihre Kurzform; ein validierter Fragebogen zur Ejakulationsfunktion.

Nichtunterlegenheitsstudie: Studie, die zeigen soll, dass eine Behandlung nicht um mehr als eine vorab festgelegte Marge schlechter ist als eine andere.

Nocebo: Auftreten oder Verstärkung von Beschwerden durch die Erwartung negativer Wirkungen.

Odds Ratio (OR), relatives Risiko (RR): Verhältnismaße; Werte über 1 bedeuten ein höheres Risiko in der betrachteten Gruppe, Werte unter 1 ein niedrigeres. Sie sagen nichts über die absolute Häufigkeit aus.

Pharmakovigilanz: Überwachung der Arzneimittelsicherheit nach der Zulassung, vor allem über Spontanmeldungen.

Placebo, Randomisierung, Verblindung: Scheinbehandlung; zufällige Zuteilung zu Behandlungsgruppen; Nichtwissen von Teilnehmern und gegebenenfalls Untersuchern über die Zuteilung.

Post-hoc-Analyse: nachträgliche Auswertung, die nicht im ursprünglichen Plan der Studie stand; Untergruppen, die nach einem Ereignis gebildet werden, können verzerren.

Postejakulat-Urin: Urin nach der Ejakulation; Nachweis von Spermien darin spricht für einen Rückfluss in die Blase.

Qmax: maximale Harnflussrate in ml pro Sekunde.

Retrograde Ejakulation: Rückfluss des Samens in die Blase statt nach außen. In Studien und Meldedatenbanken auch Sammelbegriff für verminderte oder fehlende Samenabgabe.

Samenblase, Samenleiter (Vas deferens), Samenemission: Die Samenblasen bilden einen großen Teil der Samenflüssigkeit; der Samenleiter transportiert die Spermien; als Samenemission wird der Transport von Spermien und Sekreten in die hintere Harnröhre vor dem Erguss bezeichnet.

Spermatogenese: Bildung der Spermien im Hoden; zu unterscheiden von Samenemission und Ejakulation. Spermiogramm: Untersuchung des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität). Morphologie: Form der Spermien einschließlich Kopf, Mittelstück und Flagellum.

Spontanmeldung: freiwillige Meldung einer vermuteten Nebenwirkung; ohne Angabe, wie viele Menschen das Mittel einnehmen.

Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehilfe und Abgrenzung bis Systematische Übersichten zu operativen Verfahren und Ejakulationserhalt (Kontext)
  5. Erzählende Übersichten zu Mechanismus, Klinik und Fruchtbarkeit und Zusammenschau der Metaanalysen
  6. Lesehilfe bis Silodosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf der Ejakulationsstörung bei Patienten
  7. Alpha-Blocker allgemein und Tamsulosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf bis Befragungen von Ärzten und Aufklärungspraxis
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien und Lücken, Widersprüche und Grenzen der Quellenlage
  9. Zur Lesart dieses Abschnitts bis Randomisierte und vergleichende Studien bei Patienten mit LUTS/BPH
  10. Beobachtungsstudien mit Patienten: Silodosin bis Leitlinien
  11. Tierversuche und Gewebestudien
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Koreanisch
  15. Russisch bis Türkisch
  16. Rückfluss in die Blase oder Ausfall der Samenemission? bis Operation oder Medikament: welches schont die Ejakulation mehr?
  17. Unstimmigkeiten innerhalb einzelner Abstracts und Was bleibt als Befund zu den Widersprüchen
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s116
  26. Quellen s117–s229
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle