Die Erklärungen sind knapp gehalten und beschreiben, wie die Begriffe in dieser Studie benutzt werden.
5-Alpha-Reduktase-Hemmer (5-ARI): Arzneimittel wie Finasterid und Dutasterid, die die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen; sie verkleinern die Prostata und werden auch bei erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt.
Alpha-1-Blocker (Alphablocker): Arzneimittel, die Alpha-1-Adrenozeptoren blockieren und die glatte Muskulatur von Prostata und Blasenhals entspannen. Genannt werden Tamsulosin, Silodosin, Naftopidil, Alfuzosin, Doxazosin, Terazosin, Prazosin und Bunazosin.
Alpha-1A-, 1B- und 1D-Subtyp: Untertypen des Alpha-1-Adrenozeptors. In Samenblasen überwiegt der Subtyp 1A [s208]; Tamsulosin und Silodosin wirken besonders auf diesen Subtyp, Naftopidil hat eine höhere Affinität zum Subtyp 1D [s169].
Anejakulation: fehlender Samenerguss bei erhaltenem Orgasmus oder bei fehlendem Ejakulationsvorgang; in den Studien oft nicht von einer retrograden Ejakulation getrennt.
Aquablation: operatives Verfahren der Prostataverkleinerung mit einem Wasserstrahl, hier nur als Vergleich zur Ejakulationserhaltung genannt.
Aspermie: kein Ejakulat abgegeben. Azoospermie: keine Spermien im Ejakulat. Oligozoospermie: verminderte Spermienkonzentration.
AUA, EAU, AWMF, S2e: AUA und EAU sind die amerikanische und die europäische urologische Fachgesellschaft; die AWMF ist der Dachverband der deutschen wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, „S2e“ bezeichnet eine Leitlinie mit systematischer Evidenzrecherche.
BPH, benignes Prostatasyndrom, LUTS: gutartige Vergrößerung der Prostata beziehungsweise Beschwerden des unteren Harntrakts (lower urinary tract symptoms).
Cochrane-Review: systematische Übersicht nach festgelegten Methoden der Cochrane-Organisation, oft mit Bewertung der Sicherheit der Evidenz nach GRADE.
Cross-over-Studie: Studie, in der jeder Teilnehmer nacheinander mehrere Behandlungen erhält, so dass er sein eigener Vergleich ist; zwischen den Phasen liegt idealerweise eine Auswaschphase.
CYP2D6, CYP3A4, CYP3A5: Enzyme der Leber, die Arzneimittel abbauen; ihre Genvarianten beeinflussen Wirkspiegel.
Dechallenge und Rechallenge: Verschwinden einer Nebenwirkung nach Absetzen und Wiederauftreten nach erneuter Gabe; Kriterien für die Ursächlichkeit in Meldedaten.
Disproportionalitätsanalyse: Auswertung von Spontanmeldungen, die prüft, ob ein Arzneimittel mit einem Ereignis häufiger gemeldet wird, als bei zufälliger Verteilung zu erwarten wäre; sie liefert Signale, keine Häufigkeiten.
DNA-Fragmentationsindex: Anteil der Spermien mit geschädigter Erbsubstanz.
Ejakulationspfröpfe: in Rattenversuchen gezählte und gewogene Samenpfröpfe als Maß der Samenabgabe.
EudraVigilance, FAERS: europäisches beziehungsweise amerikanisches System für Spontanmeldungen von Arzneimittelnebenwirkungen.
Flagellum: der Geißelfaden der Samenzelle, der der Fortbewegung dient; Teil der Beurteilung der Spermienmorphologie.
GRADE: System zur Bewertung der Sicherheit der Evidenz (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig).
Heterogenität (I²): Maß dafür, wie stark die Ergebnisse der in einer Metaanalyse gepoolten Studien voneinander abweichen.
HoLEP, ThuLEP, TUR-P, TUIP, Prostatic Urethral Lift (PUL), Rezūm: Verfahren der operativen oder minimal-invasiven Behandlung der Prostatavergrößerung (Enukleation mit Holmium- oder Thulium-Laser, Elektroresektion, Einschneiden der Prostata, Aufspannen mit Implantaten, Wasserdampf); sie kommen hier als Vergleich zur Ejakulationserhaltung vor.
IC025, PRR, ROR (Reporting Odds Ratio): Maße der Disproportionalitätsanalyse. Ein Signal liegt vor, wenn die untere Grenze des Intervalls über dem Schwellenwert liegt.
IELT (intravaginale Ejakulationslatenzzeit): Zeit vom Einführen bis zur Ejakulation; Messgröße bei vorzeitiger Ejakulation. PEDT, PEP, PEPQ: Fragebögen zur vorzeitigen Ejakulation.
IIEF, IIEF-5, SHIM: International Index of Erectile Function beziehungsweise Kurzformen (SHIM = Sexual Health Inventory for Men); Fragebögen zur Erektionsfunktion, mit Bereichen für Orgasmus, Verlangen und Zufriedenheit. DAN-PSS-sex: dänischer Fragebogen zu sexuellen Symptomen bei Prostataerkrankungen.
Intravesikaler Prostatavorsprung (IPP): Hineinragen der Prostata in die Blase, im Ultraschall gemessen [s05].
IPSS: International Prostate Symptom Score, Fragebogen zur Beschwerdelast bei Prostataproblemen; höhere Werte bedeuten stärkere Beschwerden.
Konfidenzintervall (KI): Spanne, in der der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (meist 95 Prozent) liegt; schließt es den Wert „kein Effekt“ (bei Verhältnismaßen die 1) ein, ist der Effekt nicht statistisch gesichert.
MD (mittlere Differenz), SMD, SWD: Unterschied zwischen Mittelwerten zweier Gruppen, gegebenenfalls standardisiert.
MedDRA: international genutzte Wörterliste zur Kodierung von Nebenwirkungen in Meldesystemen.
Metaanalyse, Netzwerk-Metaanalyse, Metaregression: statistische Zusammenfassung mehrerer Studien; die Netzwerk-Variante vergleicht mehrere Behandlungen auch indirekt, die Metaregression prüft, ob ein Merkmal der Studien mit dem Ergebnis zusammenhängt. SUCRA: Rangwert in Netzwerk-Metaanalysen (100 Prozent bedeutet die rechnerisch beste Behandlung).
MSHQ-EjD, MSHQ-EjD-SF: Male Sexual Health Questionnaire, Ejakulationsdomäne beziehungsweise ihre Kurzform; ein validierter Fragebogen zur Ejakulationsfunktion.
Nichtunterlegenheitsstudie: Studie, die zeigen soll, dass eine Behandlung nicht um mehr als eine vorab festgelegte Marge schlechter ist als eine andere.
Nocebo: Auftreten oder Verstärkung von Beschwerden durch die Erwartung negativer Wirkungen.
Odds Ratio (OR), relatives Risiko (RR): Verhältnismaße; Werte über 1 bedeuten ein höheres Risiko in der betrachteten Gruppe, Werte unter 1 ein niedrigeres. Sie sagen nichts über die absolute Häufigkeit aus.
Pharmakovigilanz: Überwachung der Arzneimittelsicherheit nach der Zulassung, vor allem über Spontanmeldungen.
Placebo, Randomisierung, Verblindung: Scheinbehandlung; zufällige Zuteilung zu Behandlungsgruppen; Nichtwissen von Teilnehmern und gegebenenfalls Untersuchern über die Zuteilung.
Post-hoc-Analyse: nachträgliche Auswertung, die nicht im ursprünglichen Plan der Studie stand; Untergruppen, die nach einem Ereignis gebildet werden, können verzerren.
Postejakulat-Urin: Urin nach der Ejakulation; Nachweis von Spermien darin spricht für einen Rückfluss in die Blase.
Qmax: maximale Harnflussrate in ml pro Sekunde.
Retrograde Ejakulation: Rückfluss des Samens in die Blase statt nach außen. In Studien und Meldedatenbanken auch Sammelbegriff für verminderte oder fehlende Samenabgabe.
Samenblase, Samenleiter (Vas deferens), Samenemission: Die Samenblasen bilden einen großen Teil der Samenflüssigkeit; der Samenleiter transportiert die Spermien; als Samenemission wird der Transport von Spermien und Sekreten in die hintere Harnröhre vor dem Erguss bezeichnet.
Spermatogenese: Bildung der Spermien im Hoden; zu unterscheiden von Samenemission und Ejakulation. Spermiogramm: Untersuchung des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität). Morphologie: Form der Spermien einschließlich Kopf, Mittelstück und Flagellum.
Spontanmeldung: freiwillige Meldung einer vermuteten Nebenwirkung; ohne Angabe, wie viele Menschen das Mittel einnehmen.