Zur Lesart dieses Abschnitts
Dieser Abschnitt geht die Arbeiten einzeln durch. Er beginnt mit den Probandenstudien an gesunden Männern, weil sie den Mechanismus am saubersten messen, und führt dann über Metaanalysen, Vergleichsstudien und Beobachtungsstudien bei Patienten zu den Daten über Samenqualität und Fertilität, zu den 5-Alpha-Reduktase-Hemmern, den Leitlinien und schließlich den Tierversuchen. Alle Angaben beruhen auf den für die Gesamtstudie ausgewerteten Arbeiten. Für die allermeisten davon wurde nur der Abstract gelesen, nicht der Volltext. Was dort fehlt (Konfidenzintervalle, Gruppengrößen, Messzeitpunkte, Einheiten), wird als fehlend benannt und nicht ergänzt. Stärken und Schwächen sind Einschätzungen aus dem Studiendesign, keine Bewertung mit einem formalen Risk-of-Bias-Werkzeug. Es wird keine Therapieempfehlung ausgesprochen. Wo Autorinnen und Autoren etwas empfehlen, ist das als deren Aussage gekennzeichnet.
Vorab drei Begriffsklärungen, ohne die die Zahlen nicht lesbar sind.
Erstens sagen „Ejakulationsstörung“, „abnorme Ejakulation“ und „retrograde Ejakulation“ in den Studien Verschiedenes. Gemeint sind je nach Arbeit ein verändertes Ejakulationsgefühl, eine verminderte Samenmenge, ein völliges Ausbleiben des antegraden Ergusses bei erhaltenem Orgasmus („trockene Ejakulation“) oder ein Rückfluss des Samens in die Blase. Ob ein Rückfluss vorliegt, lässt sich nur durch den Nachweis von Spermien im Urin nach der Ejakulation (Postejakulat-Urin) belegen. Viele Studien und alle Meldedatenbanken benutzen „retrograde Ejakulation“ als Sammelbegriff, ohne diesen Nachweis zu führen [s208, s194, s207, s13].
Zweitens ist die Samenemission (der Transport der Samenzellen und der Sekrete in die hintere Harnröhre) etwas anderes als die Spermienbildung im Hoden. Die weitaus meiste Literatur betrifft die Ejakulation, kaum die Spermatogenese. Auch bei Männern, deren Ejakulat unter der Behandlung fehlt, ist damit nichts darüber gesagt, ob die Spermien gebildet werden.
Drittens liegt die Häufigkeit der Ejakulationsstörung je nach Erhebungsart weit auseinander. Fragebögen, die gezielt danach fragen, ergeben hohe Werte, Spontanmeldungen im Praxisalltag niedrige. Das wird unten an Zahlen gezeigt.
Probandenstudien an gesunden Männern: Mechanismus und Reversibilität
Hisasue et al. 2006 [s208] kombinierten eine Genexpressionsanalyse mit einer klinischen Cross-over-Studie. An zehn operativ gewonnenen Samenblasenpräparaten (acht radikale Prostatektomien, zwei Zystektomien) bestimmten sie die mRNA der Alpha-1-Adrenozeptor-Subtypen mit Real-time-PCR. Der Subtyp 1a war mit 75,0 Prozent deutlich vorherrschend, 1b machte 11,7 Prozent aus, 1d 13,3 Prozent (P < 0,001). Im klinischen Teil erhielten 17 gesunde Männer im Cross-over je drei Tage Tamsulosin (0,2 und 0,4 mg) und Naftopidil (50 und 100 mg). Das Ejakulatvolumen lag bei 2,72 ± 0,28 ml im Ausgangswert und sank unter Tamsulosin auf 1,75 ± 0,31 ml (0,2 mg) und 1,51 ± 0,39 ml (0,4 mg; jeweils P < 0,05). Unter Naftopidil blieb es bei 2,70 ± 0,24 ml (50 mg) und 2,48 ± 0,26 ml (100 mg), nicht signifikant verändert. Nach keiner Ejakulation fanden sich Spermien im Mittelstrahlurin. Die Autoren deuteten das als verminderte Kontraktionsfähigkeit der Samenblasen. Stärke der Arbeit ist die Verbindung von Gewebeexpression und Funktionsprüfung. Schwächen sind die sehr kleinen Fallzahlen, die dreitägige Dauer, Probanden ohne Prostataleiden und Samenblasenpräparate von Krebspatienten.
Kobayashi et al. 2008 [s194] führten eine randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie an 15 gesunden männlichen Urologen durch: drei Tage lang 4 mg Silodosin zweimal täglich oder Placebo. Alle Probanden hatten unter Silodosin eine vollständige Anejakulation. Drei Tage nach Ende der Einnahme war das mittlere Ejakulatvolumen wieder auf dem Ausgangswert. Unter Silodosin fand sich bei keinem Probanden ein Spermium im Urin nach der Ejakulation. Die Autoren schlossen auf einen Verlust der Samenemission. Randomisierung, Verblindung und objektive Messgrößen sind Stärken; nur 15 selektierte Teilnehmer, kurze Dauer und die Dosis von 8 mg am Tag sind Schwächen. Eine Aussage zur Zeugungsfähigkeit lässt das Design nicht zu.
Kobayashi et al. 2009 [s187] berichten über dieselbe Kohortenstruktur (15 Freiwillige, randomisierter doppelblinder Placebo-Cross-over) mit einem Fragebogen zu Orgasmus und Unbehagen. Alle Probanden unter Silodosin hatten keine Samenemission und keinen Erguss, alle empfanden einen Orgasmus. Zwölf von 15 (80 Prozent) hatten ein leicht unangenehmes Gefühl beim Orgasmus und waren damit unzufrieden, bei neun von ihnen war das Ausmaß mild. Ob es sich um dieselben Probanden wie in [s194] handelt, sagt der Abstract nicht ausdrücklich. Der Fragebogen war selbstentwickelt.
Shimizu et al. 2010 [s181] untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Pilotstudie 50 gesunde Männer mit einer Einzeldosis von 4 mg Silodosin gegenüber Placebo (drei Tage Auswaschphase, Masturbation vier Stunden nach der Einnahme). Die subjektive Orgasmusqualität auf einer Skala von 0 bis 10 verschlechterte sich um 1,3 Punkte (P = 0,003). Die Zahl der Kontraktionen von Bulbocavernosus- und Beckenbodenmuskulatur sank um etwa eins (P = 0,003), die Samenmenge um 1,8 ml (P < 0,0001). Elf Männer (22 Prozent) hatten unter Silodosin weniger als 50 Prozent Abnahme der Menge. Es ist die größte der Freiwilligenstudien mit Placebokontrolle. Einschränkend: Einzeldosis statt Dauertherapie, Masturbation statt Geschlechtsverkehr, subjektive Skala.
Hellstrom und Sikka 2006 [s207] verglichen in einem randomisierten Drei-Wege-Cross-over fünf Tage lang 0,8 mg Tamsulosin täglich, 10 mg Alfuzosin täglich und Placebo bei gesunden Erwachsenen (48 Teilnehmer beendeten die Studie). Primäre Zielgrößen waren das Ejakulatvolumen und die Spermienkonzentration im Postejakulat-Urin. Tamsulosin senkte das Ejakulatvolumen um 2,4 ± 0,17 ml, Alfuzosin erhöhte es um 0,3 ± 0,18 ml, Placebo um 0,4 ± 0,18 ml (jeweils p < 0,0001 gegen Tamsulosin; Alfuzosin gegen Placebo nicht signifikant). Eine Abnahme des Volumens um mehr als 20 Prozent trat bei 89,6 Prozent unter Tamsulosin auf, bei 20,8 Prozent unter Alfuzosin und bei 12,5 Prozent unter Placebo. Eine vollständige Anejakulation hatten 35,4 Prozent der 48 Teilnehmer unter Tamsulosin und niemand unter Alfuzosin oder Placebo. Die Autoren führten die Störungen unter Tamsulosin ausdrücklich nicht auf eine retrograde Ejakulation zurück. Das Design (Placebo, aktiver Vergleich, doppelte Standarddosis) erlaubt eine Aussage zur Substanzwirkung. Die Übertragbarkeit auf die Langzeittherapie mit 0,4 mg bei Patienten bleibt unsicher.
Hellstrom und Sikka 2009 [s183] berichten Samenparameter aus einer Studie mit gleichem Design und gleicher Teilnehmerzahl (randomisierter, doppelblinder, placebokontrollierter Drei-Wege-Cross-over, 48 gesunde Männer, fünf Tage 0,8 mg Tamsulosin, 10 mg Alfuzosin, Placebo; Auswaschphase 10 bis 14 Tage). Es handelt sich offenbar um dieselbe Studie mit weiteren Zielgrößen; der Abstract sagt das nicht ausdrücklich. Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert an Tag 5, jeweils Mittelwert ± Standardfehler: Die Spermienkonzentration stieg unter allen drei Bedingungen (Tamsulosin +3,1 ± 8,3 Mio./ml, Alfuzosin +15,0 ± 6,5, Placebo +24,4 ± 6,5). Die Gesamtspermienzahl pro Ejakulat sank unter Tamsulosin um 54,6 ± 24,0 Mio., stieg unter Placebo um 81,5 ± 18,8 und unter Alfuzosin um 46,2 ± 19,0. Normale Samenviskosität hatten 65 Prozent unter Tamsulosin, 98 Prozent unter Placebo und 92 Prozent unter Alfuzosin. Der Anteil beweglicher Spermien sank unter Tamsulosin um 13,8 Prozent, unter Placebo um 2,3 und unter Alfuzosin um 0,4 Prozent. Der Anteil abnormer Spermien stieg unter Tamsulosin um 0,6 Prozent und sank unter Placebo um 2,8 und unter Alfuzosin um 3,9 Prozent. Die Autoren schlossen auf einen negativen Effekt von Tamsulosin auf Spermien bei gesunden Männern. Der Abstract nennt weder p-Werte noch Konfidenzintervalle. Die Gesamtzahl hängt vom Ejakulatvolumen ab, das unter Tamsulosin sank (vgl. [s207]); eine Wirkung auf die Spermatogenese lässt sich daraus nicht ableiten. Die Autoren forderten selbst Studien bei Männern mit Prostatahyperplasie.
Lopes et al. 2026 [s13] gaben 31 gesunden Männern (18 bis 45 Jahre) eine Einzeldosis von 0,8 mg Tamsulosin. Nach einer Ausgangs-Samenanalyse folgten sechs weitere Proben im Abstand von ein bis drei Wochen, jede zu einem anderen Zeitpunkt (alle vier Stunden) nach der Dosis, um ein 24-Stunden-Profil zu konstruieren; Auswertung nach WHO-Kriterien, Postejakulat-Urin auf Rückfluss geprüft. Das Samenvolumen sank bei 93,6 Prozent deutlich, bei 80,7 Prozent kam es zur Aspermie, mit Höhepunkt zwölf Stunden nach der Einnahme (p < 0,001; d = 2,05). Die Spermienkonzentration fiel stark, bei 80,7 Prozent bis zur Azoospermie (p < 0,001; d = 1,59), und normalisierte sich nach der Auswaschung innerhalb von zwei Tagen. Es gab keine retrograde Ejakulation und nur milde Nebenwirkungen. Bei den meisten war die Funktion innerhalb von 24, bei allen innerhalb von 48 Stunden zurück. Stärken sind der Zeitverlauf und die Kontrolle des Postejakulat-Urins; Schwächen sind fehlende Kontrollgruppe und Verblindung (laut Abstract), und dass jeder Zeitpunkt aus einer anderen Probe stammt.
Nagai et al. 2008 [s196] zeigten mit Farbdoppler-Ultraschall bei drei gesunden Männern unter Silodosin, dass bei zwei von ihnen keine antegrade Ejakulation stattfand. Im ersten Fall floss Samenflüssigkeit langsam und kontinuierlich aus den Samenblasen in die Blase, im zweiten nur wenig während des Ejakulationsgefühls, im dritten wurde eine kleine Menge aus der Harnröhrenmündung abgegeben und zugleich ein kleiner Einstrom in die Blase gesehen. Ohne Silodosin hatten alle drei eine antegrade Ejakulation. Die Autoren sehen ein Zusammenspiel aus retrogradem Fluss, unzureichender Samenblasenkontraktion und unzureichender rhythmischer Beckenbodenkontraktion. Das ist die einzige direkte Bildgebung des Vorgangs in dieser Literatur, aber mit drei Probanden rein deskriptiv.
Grasso et al. 2006 [s206] verglichen die Kontraktilität des Samenleiters von Ratte und Mensch in vitro und untersuchten klinisch zehn Patienten (48 bis 72 Jahre) mit Anejakulation. Bei sechs der zehn fanden sich Spermien im Urin nach dem Verkehr. Die Autoren schlossen, Tamsulosin könne eine retrograde Ejakulation auslösen, nicht aber andere Störungen durch gestörten Spermientransport. Der Abstract nennt nicht, ob die Patienten vor Auftreten der Anejakulation Tamsulosin einnahmen; es gibt keine Kontrollgruppe. Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s208, s194, s207].
Sonmez et al. 2025 [s30] (Revista Internacional de Andrología) gaben in einer offenen, unkontrollierten Studie 35 sexuell aktiven Männern (50 bis 70 Jahre) mit LUTS bei BPH ohne Ejakulationsprobleme eine Dosis Silodosin 8 mg. Samenanalyse vor und zwei Wochen nach Silodosin, Spermiensuche im Urin durch suprapubische Blasenaspiration und im Urin nach der Ejakulation, Fragebögen (IPSS, IIEF, MSHQ-EjD). Von 33 auswertbaren Teilnehmern konnte keiner eine Samenprobe abgeben; weder Blasenaspirat noch Postejakulat-Urin enthielten Spermien; die Orgasmusfunktion nahm nicht wesentlich ab. Das spricht für Anejakulation ohne Rückfluss. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kurze Beobachtung, keine Konfidenzintervalle.
Bhat und Shastry 2020 [s73] untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Pilotstudie 63 gesunde, sexuell aktive Männer in stabiler Partnerschaft mit nachgewiesen fruchtbarer Partnerin. Teil 1 war ein Cross-over von Silodosin 8 mg und Placebo mit Untersuchung von Samen und Postejakulat-Urin, Teil 2 die Einnahme von Silodosin 8 mg drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr über ein Jahr. Hauptzielgröße waren ungewollte Schwangerschaften. Nach Silodosin wurde eine reversible Azoospermie festgestellt; im zweiten Teil wurde keine ungewollte Schwangerschaft berichtet, niemand brach wegen Nebenwirkungen ab, vier Teilnehmer gingen in der Nachbeobachtung verloren. Der Abstract enthält keine Zahlen zu Spermienwerten und keine Konfidenzintervalle; im zweiten Teil gab es laut Abstract keine Kontrollgruppe.
Nouh et al. 2026 [s15] randomisierten 200 gesunde, sexuell aktive, fertile Männer, je 100 auf Silodosin 8 mg täglich und auf Placebo; Männer mit anderer Kontrazeption waren ausgeschlossen. Gesamtspermienzahl pro Ejakulat, Samenvolumen und Postejakulat-Urin wurden nach 2, 6 und 12 Wochen erfasst; primäre Zielgrößen waren Behandlungsdauer und Schwangerschaftsrate. Nach drei Monaten betrug die Gesamtspermienzahl unter Silodosin 0,113 ± 0,480 (Spanne 0,0003 bis 3,1) gegenüber 75,967 ± 5,105 (66,4 bis 85,90) unter Placebo, das Samenvolumen 0,600 ± 0,028 (0,55 bis 0,64) gegenüber 2,415 ± 0,278 (1,99 bis 3,03), jeweils p < 0,001. Nebenwirkungen unter Silodosin gegenüber Placebo: verstopfte Nase 26 gegenüber 4 Prozent, Schwindel 17 gegenüber 2 Prozent, Schwäche 15 gegenüber 4 Prozent, spärliches Ejakulat 84 gegenüber 6 Prozent. Die Schwangerschaftsinzidenz lag bei 4 Prozent unter Silodosin und 17 Prozent unter Placebo (p < 0,001). Es ist die größte randomisierte Studie zum Thema und die einzige placebokontrollierte mit Samenparametern über mehrere Wochen. Einheiten der Spermienzahl und des Volumens, die Beobachtungsdauer für Schwangerschaften und die Fallzahlen nach Ausfällen fehlen im Abstract. Auffällig sind die sehr enge Streuung des Volumens unter Silodosin (Standardabweichung 0,028 bei 100 Männern) und die Standardabweichung der Spermienzahl, die mehr als viermal so groß ist wie ihr Mittelwert; beides lässt sich ohne Volltext nicht prüfen. Das Ergebnis des Postejakulat-Urins nennt der Abstract nicht, obwohl er erhoben wurde. Daher ist offen, ob die fehlenden Spermien im Ejakulat nicht ausgestoßen, nicht gebildet oder in die Blase gelangt sind. Eine Schwangerschaftsrate von 4 Prozent ist nicht null.
Roztocka et al. 2026 [s17] (Journal of Clinical Medicine) fassen zusammen, dass zu Silodosin als reversibler nichthormonaler Verhütung eine prospektive Pilotstudie und eine randomisierte placebokontrollierte Studie vorliegen. Nach 12 Wochen hätten 94 Prozent der Teilnehmer höchstens 1 × 10^6 Spermien pro Ejakulat gehabt, die Schwangerschaftsinzidenz habe 4 Prozent gegenüber 17 Prozent unter Placebo betragen. Verlässliche Wirksamkeit bei einzelnen sexuellen Kontakten sei nicht belegt, die Sicherheit bei gesunden Männern nicht ausreichend charakterisiert; die Wirkung beruhe auf einer Beeinträchtigung der Samenemission und nicht auf direkter Hemmung der Spermatogenese. Ein deutschsprachiger Überblick zur männlichen Kontrazeption [s18] erwähnt Alpha-Blocker im Abstract nicht.
Chen et al. 2009 [s182] (Medical Hypotheses) formulierten die Hypothese, die Blockade des Alpha-1A-Adrenozeptors könne die Beweglichkeit der akzessorischen Geschlechtsorgane und damit den Spermientransport hemmen, selektive Alpha-1A-Antagonisten könnten daher als männliches Verhütungsmittel wirken. Die Arbeit enthält keine eigenen Daten; eine Wirksamkeitsaussage ist daraus nicht abzuleiten.
Metaanalysen und systematische Übersichten zur Häufigkeit
Gacci et al. 2014 [s137] (Journal of Sexual Medicine) werteten randomisierte Studien aus PubMed, Scopus und Cochrane aus; von 101 gefundenen Artikeln gingen 23 ein. Ejakulationsstörungen waren unter Alpha-Blockern häufiger als unter Placebo (OR 5,88; P < 0,0001), unter Tamsulosin OR 8,58 (P = 0,006), unter Silodosin OR 32,5 (P < 0,0001). Tamsulosin hatte ein signifikant geringeres Risiko als Silodosin (OR 0,09; P < 0,00001). Doxazosin und Terazosin hatten ein Risiko ähnlich wie Placebo. Die Metaregression zeigte, dass die Ejakulationsstörung unabhängig mit der Besserung von IPSS (adjustiertes r 0,2012; P < 0,0001) und Qmax (adjustiertes r 0,522; P < 0,0001) verbunden war. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer erhöhten das Risiko gegenüber Placebo (OR 2,73; P < 0,0001; Finasterid OR 2,70, Dutasterid OR 2,81), die Kombination erhöhte es gegenüber Alpha-Blockern allein (OR 3,75; P < 0,0001) und gegenüber 5-Alpha-Reduktase-Hemmern allein (OR 2,76; P = 0,02). Die Autoren folgerten, je wirksamer der Alpha-Blocker über die Zeit, desto größer die Inzidenz. Schwächen: Die Ejakulationsstörung war in den Ursprungsstudien meist ein nachrangig erfasstes Sicherheitsereignis mit uneinheitlicher Definition; der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle.
Jung et al. 2017 [s103] (Cochrane-Review zu Silodosin bei BPH; Suche bis 13. Juni 2017 ohne Sprachbeschränkung) schlossen 19 Studien mit 4295 Randomisierten ein (mittleres Alter 66,5 Jahre, Prostatavolumen 38,2 ml, IPSS 19,1). Für sexuelle unerwünschte Ereignisse, die nicht ausdrücklich auf die retrograde Ejakulation beschränkt sind, fand sich bei Silodosin gegenüber Placebo ein RR von 26,07 (95-%-KI 12,36 bis 54,97; vier Studien, 1968 Teilnehmer; moderate Qualität; 180 zusätzliche Ereignisse pro 1000, KI 82 bis 388), gegenüber Tamsulosin 6,05 (3,55 bis 10,31; 13 Studien, 2129 Teilnehmer; 141 mehr pro 1000, KI 71 bis 261), gegenüber Naftopidil 5,93 (2,16 bis 16,29; fünf Studien, 763 Teilnehmer; 74 mehr, KI 17 bis 231) und gegenüber Alfuzosin 37,21 (5,32 bis 260,07; zwei Studien, 155 Teilnehmer; 217 mehr, KI 26 bis 1000). Der Symptomscore war gegenüber Placebo um 2,65 Punkte besser (MD -2,65; -3,23 bis -2,08; niedrige Qualität), gegenüber Tamsulosin gleich (MD -0,04; -1,31 bis 1,24). Die Abbruchrate aus beliebigem Grund unterschied sich nicht von Placebo (RR 1,08; 0,70 bis 1,66). Fazit: ähnliche Wirksamkeit wie andere Alpha-Blocker, aber wahrscheinlich mehr sexuelle Nebenwirkungen; das Vertrauen wurde wegen Studienlimitationen, Inkonsistenz und Ungenauigkeit gesenkt. Stärken sind Cochrane-Methodik und GRADE; die Kategorie ist unspezifischer als „Ejakulationsstörung“, und die Intervalle bei Alfuzosin sind sehr breit.
Hwang et al. 2018 [s94] (Cochrane-Review zu Naftopidil) werteten 22 randomisierte Studien mit 2223 Teilnehmern aus, alle in asiatischen Ländern, vier bis zwölf Wochen. Naftopidil gegenüber Tamsulosin: RR für sexuelle unerwünschte Ereignisse 0,54 (0,24 bis 1,22; 26 weniger pro 1000, KI 43 weniger bis 13 mehr; niedrige Qualität; zwölf Studien, 965 Teilnehmer); gegenüber Silodosin RR 0,15 (0,06 bis 0,42; 126 weniger pro 1000, KI 139 bis 86 weniger; moderate Qualität; fünf Studien, 652 Teilnehmer). Die Wirkung auf Symptome und Lebensqualität sei ähnlich wie unter Tamsulosin und Silodosin (IPSS-Differenz gegen Tamsulosin 0,47; -0,09 bis 1,04, gegen Silodosin 1,04; -0,78 bis 2,85). Einschränkungen: nur asiatische Studien, kurze Dauer.
Hwang, Gandhi und Jung 2018 [s95] (Current Opinion in Urology) kommen in einer systematischen Übersicht zu ähnlicher Wirksamkeit von Silodosin und Naftopidil wie bei anderen Alpha-Blockern, bei Silodosin zu mehr sexuellen Nebenwirkungen; für Naftopidil gebe es keine placebokontrollierte randomisierte Studie bei LUTS.
Li et al. 2025 [s26] (International Journal of Surgery) werteten in einer Netzwerk-Metaanalyse 25 randomisierte Studien mit 6831 Patienten aus (Suche bis Februar 2024). Silodosin hatte den höchsten Rang bei der Symptomverbesserung (SUCRA 93,3 bis 97,5 Prozent), mehr unerwünschte Ereignisse als Tamsulosin (RR 1,26; P < 0,001) und ein erhöhtes Risiko retrograder Ejakulation gegenüber Placebo (RR 24,94; P < 0,001; im Abstract ohne Konfidenzintervall). Die Kombination mit Tadalafil verbesserte den Fluss (SUCRA 56,7 Prozent). Das im Abstract genannte Konfidenzintervall für die Entleerungssymptome gegenüber Tamsulosin (MD 0,52, 95-%-KI 0,01 bis 0,56) liegt auffällig eng an der Intervallgrenze.
Yoosuf et al. 2024 [s46] (Scientific Reports): Netzwerk-Metaanalyse von 22 Studien mit 3371 Patienten und sechs Alpha-Blockern. Tamsulosin 0,4 mg, Naftopidil 50 mg und Silodosin 8 mg verbesserten den IPSS gegenüber Placebo; 297 unerwünschte Ereignisse, Silodosin mit auffällig vielen; keine gesonderte Aussage zur Ejakulation im Abstract.
Cui, Zong und Zhang 2012 [s160] (vier Publikationen, 2543 Patienten; drei randomisierte Studien Silodosin gegen Placebo, drei gegen Tamsulosin) berichten die abnormale Ejakulation als „234/1128 = 20,74 %; 12/680 = 1,76 %; 6/736 = 0,82 %“. Der Abstract ordnet die drei Anteile nicht eindeutig zu; plausibel ist die Reihenfolge Silodosin, Tamsulosin, Placebo. Die Schlussfolgerung nennt die abnormale Ejakulation als Hauptnebenwirkung von Silodosin. Wu et al. 2013 [s155] (fünf randomisierte Studien, 2595 Patienten): höhere Rate retrograder Ejakulation unter Silodosin gegenüber Placebo und Tamsulosin, keine Zahlen im Abstract. Ding et al. 2013 [s144] (vier randomisierte Studien, 2504 Patienten, je 12 Wochen) fanden dagegen keinen signifikanten Unterschied in der Ejakulationsstörung und im Schwindel zwischen Silodosin und Tamsulosin 0,2 mg; gegenüber Placebo war der IPSS um 2,78 Punkte besser (P < 0,00001), gegenüber Tamsulosin 0,2 mg um 1,14 (P = 0,02). Dieser Befund steht im Gegensatz zu [s103, s155]; die kleinere Datenbasis oder eine andere Studienauswahl kommen als Ursache in Frage, der Abstract klärt das nicht.
Zhou et al. 2019 [s92] (fünf randomisierte Studien, 4348 Patienten, Tamsulosin plus Dutasterid gegenüber Tamsulosin allein, mindestens ein Jahr): Die Kombination hatte höhere Gesamt-Nebenwirkungen (OR 2,06; 1,34 bis 3,17), erektile Dysfunktion (OR 2,24; 1,73 bis 2,92), Ejakulationsstörung (OR 3,37; 1,97 bis 5,79), retrograde Ejakulation (OR 2,30; 1,08 bis 4,93), verminderte Libido (OR 2,25; 1,53 bis 3,31) und Libidoverlust (OR 3,38; 1,94 bis 5,88); Schwindel unterschied sich nicht (OR 1,16; 0,75 bis 1,80). Das Progressionsrisiko sank (OR 0,56; 0,46 bis 0,67), ebenso der akute Harnverhalt (OR 0,61; 0,38 bis 0,98). Der Mehrbefund geht auf den Zusatz des 5-Alpha-Reduktase-Hemmers zurück.
Guo und Tang 2021 [s68] (acht randomisierte Studien, 1316 Patienten, Doxazosin-GITS gegenüber Tamsulosin; Suche auch in CNKI, Wanfang und VIP): Doxazosin war beim IPSS wirksamer (P < 0,001); bei der retrograden Ejakulation fand sich kein Unterschied (P = 0,187). Der Abstract nennt für die Gesamt-Nebenwirkungen RR 0,77 (0,54 bis 1,08), zugleich P = 0,036; diese Unstimmigkeit lässt sich ohne Volltext nicht auflösen. Shim et al. 2016 [s116] (zehn Studien, 1418 Probanden, Tamsulosin 0,2 mg gegenüber anderen Alpha-Blockern): SMD der IPSS-Änderung 0,02 (-0,20 bis 0,25), der Lebensqualität 0,16 (-0,16 bis 0,48); die Nebenwirkungen werden im Abstract nicht aufgeschlüsselt. Kim et al. 2017 [s104] (Netzwerk-Metaanalyse, sieben Studien, Tamsulosin 0,2 und 0,4 mg bei asiatischen Patienten): kein signifikanter Unterschied bei IPSS, Lebensqualität, Qmax und Restharn; die Autoren sahen die Evidenz für 0,4 mg als Anfangsdosis bei Asiaten als unzureichend an (Aussage der Autoren). Wang XP 2018 [s99] (Netzwerk-Metaanalyse mit CNKI): Gesamtrate unerwünschter Wirkungen Silodosin 51,9 Prozent, Tamsulosin 34,0 Prozent; Tamsulosin stehe bei Sexualstörungen an erster Stelle (70,4 Prozent). Studienzahl, Definitionen und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract; die Zahl liegt weit über allen Einzelstudien und ist nicht belastbar zu interpretieren.
Metaanalysen zu Harnleitersteinen. Alpha-Blocker werden auch zur Steinaustreibung eingesetzt; die Ejakulation ist dort ein Nebenbefund, die Populationen sind nicht BPH-Patienten. Yang et al. 2016 [s118] (sechs Studien, 916 Teilnehmer): abnormale Ejakulation unter Silodosin häufiger (OR 2,84; 1,56 bis 5,16; p = 0,0006). Yu et al. 2021 [s70] (acht placebokontrollierte Studien, 2284 Patienten): retrograde Ejakulation RR 3,10 (1,81 bis 5,29), Schwindel RR 1,37 (1,06 bis 1,79). Yan et al. 2024 [s45] (sechs Publikationen, 592 Patienten, Alpha-Blocker gegenüber Mirabegron): retrograde Ejakulation OR 16,30 (5,87 bis 45,31). Guo et al. 2025 [s23] (sechs Studien, 487 Teilnehmer, Mirabegron gegenüber Alpha-Blockern): Schwindel und Ejakulationsstörung gleich häufig; das widerspricht [s45] und der Abstract erklärt es nicht. Hsu et al. 2018 [s93] (16 Studien, 1824 Patienten, Silodosin gegenüber Tamsulosin): retrograde Ejakulation um 5 Prozent häufiger unter Silodosin. Huang et al. 2016 [s111] (acht Publikationen, 1048 Patienten): retrograde Ejakulation unter Silodosin schlechter, keine Zahl im Abstract. Zhang et al. 2025 [s33] (Mirabegron gegenüber Tamsulosin bei Beschwerden durch Doppel-J-Katheter): Die Autoren nennen Ejakulationsstörung als Tamsulosin-bezogene Nebenwirkung, ohne eigene Zahl.
Weitere Übersichten. Descazeaud et al. 2015 [s123] (Progrès en Urologie; nicht systematische Übersicht über randomisierte Studien) nennen die jeweils höchsten berichteten Häufigkeiten von Ejakulationsstörungen gegenüber Placebo: Alfuzosin retard 1 gegenüber 0 Prozent, Doxazosin 0,4 gegenüber 1,4 Prozent, Tamsulosin 11 gegenüber weniger als 1 Prozent, Silodosin 28,1 gegenüber 1,1 Prozent, Finasterid (12 Monate) 4,4 gegenüber 1,5 Prozent, Dutasterid (24 Monate) 2,2 gegenüber 0,8 Prozent. Für Tadalafil und Tolterodin wurde keine negative Wirkung auf Ejakulation oder Libido berichtet. Es sind Maximalwerte, keine gepoolte Auswertung. Kaplan 2009 [s186]: Die fünf in den USA zugelassenen Alpha-Blocker seien gleich wirksam, unterschieden sich aber in der Wahrscheinlichkeit abnormer Ejakulation. Mansbart et al. 2022 [s61] (18 Studien bei Älteren): mehr gefäßerweiternde und sexuelle unerwünschte Ereignisse bei einigen Wirkstoffen. Giuliano et al. 2013 [s146] werteten post hoc eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte 12-Wochen-Studie mit Tadalafil 5 mg und Tamsulosin 0,4 mg aus (511 Männer mit LUTS/BPH, davon 310 mit erektiler Dysfunktion und sexuell aktiv): Unter Tamsulosin sanken Orgasmusdomäne sowie IIEF-Items Q9 und Q10 gegenüber Placebo (alle P < 0,05), die Gesamtzufriedenheit ebenfalls (P = 0,009); unter Tadalafil stieg die Orgasmusdomäne (P = 0,048). Die Studie war für Ejakulation nicht gepowert; erhoben wurde mit IIEF-Fragen, nicht mit einem ejakulationsspezifischen Instrument. Giuliano und Droupy 2013 [s145] und Rigot et al. 2013 [s151] (Expertenübersichten): Tamsulosin und Silodosin seien häufig für Anejakulation verantwortlich, bei erworbenen Störungen müsse die Medikamentenanamnese erfragt werden. Seyam 2013 [s153] (Systematische Übersicht zur nicht vorzeitigen Ejakulationsstörung, 333 Artikel): Die Störung trete gehäuft bei Antidepressiva, Antipsychotika, chronischer Prostatitis und LUTS (besonders im Zusammenhang mit Behandlung) auf; keine Alpha-Blocker-spezifischen Zahlen. Cho und Yoo 2014 [s134]: In den Silodosin-Studien sei retrograde oder abnormale Ejakulation die häufigste Nebenwirkung gewesen, wenige Patienten hätten deswegen abgesetzt. Montorsi 2013 [s150] (Übersicht, russische Übersetzung): Bei einer Sicherheitsanalyse von 1581 Patienten unter Dauerbehandlung sei die häufigste unerwünschte Wirkung die „retrograde Ejakulation“ (Anejakulation) gewesen, die nur bei 3,9 Prozent zum Therapieabbruch geführt habe.
Randomisierte und vergleichende Studien bei Patienten mit LUTS/BPH
Chapple et al. 2012 [s159] (europäische Phase-3-Studie, hier in der russischen Übersetzung berücksichtigt) war multizentrisch, doppelblind sowie placebo- und aktivkontrolliert: 72 Zentren in 11 Ländern, 1228 Männer ab 50 Jahren eingeschlossen, 955 nach Einlaufphase im Verhältnis 2:2:1 auf Silodosin 8 mg (n = 381), Tamsulosin 0,4 mg (n = 384) oder Placebo (n = 190) über 12 Wochen randomisiert. Die Differenz zum Placebo im IPSS-Gesamtwert betrug unter Silodosin −2,3 (95-%-KI −3,2 bis −1,4), unter Tamsulosin −2,0 (−2,9 bis −1,1), beide p < 0,001. Die IPSS-Ansprechrate lag bei 66,8, 65,4 und 50,8 Prozent (p < 0,001). Die Qmax-Zunahme betrug 3,77, 3,53 und 2,93 ml/s und war gegenüber Placebo nicht signifikant (p = 0,089 und 0,221). Die Abbruchrate wegen unerwünschter Ereignisse lag bei 2,1, 1,0 und 1,6 Prozent. Das häufigste Ereignis unter Silodosin war eine verminderte oder fehlende Ejakulation beim Orgasmus (14 Prozent), unter Tamsulosin 2 Prozent; nur 1,3 Prozent der Silodosin-Patienten setzten deshalb ab. Es ist methodisch die stärkste Studie der gesamten Sammlung. Die Einschlusskriterien stehen im Abstract als „IPSS ≤ 13“, was ungewöhnlich wirkt und nur wiedergegeben wird.
Yu et al. 2011 [s177] (Taiwan, randomisierte multizentrische Nichtunterlegenheitsstudie, neun Zentren) verglichen bei 209 Patienten mit IPSS ≥ 13 Silodosin 4 mg zweimal täglich mit Tamsulosin 0,2 mg einmal täglich über 12 Wochen; 170 (81,3 Prozent) vollendeten. Eine IPSS-Abnahme von mindestens 25 Prozent erreichten 86,2 gegenüber 81,9 Prozent (P = 0,53); die Differenz der mittleren IPSS-Änderung betrug −0,60 (−2,15 bis 0,95; Nichtunterlegenheitsmarge 1,0). Abnormale Ejakulation trat bei 9,7 Prozent unter Silodosin gegenüber 1,0 Prozent unter Tamsulosin auf (P = 0,009), nur 1,9 Prozent brachen die Behandlung ab. Der systolische Druck sank unter Tamsulosin um 4,2 mmHg (innerhalb der Gruppe P = 0,004), unter Silodosin um 0,1 mmHg. Die Ejakulation war ein vermutlich spontan erfasstes Sicherheitsereignis; das erklärt die niedrigen Werte im Vergleich zu gezielten Befragungen.
Masumori et al. 2009 [s188] (95 Patienten mit IPSS ≥ 8, randomisiert, Naftopidil 50 mg n = 48 gegen Tamsulosin 0,2 mg n = 47, Fragebogen nach 12 Wochen): Unter den sexuell Aktiven berichteten 16,7 Prozent (Tamsulosin) und 7,4 Prozent (Naftopidil) ein abnormes Ejakulationsgefühl (p = 0,402); ein verringertes Volumen gaben 96,0 und 73,1 Prozent an (p = 0,0496). IPSS und Lebensqualität besserten sich unter Tamsulosin stärker. Die Zahl der sexuell Aktiven ist unklar, der Fragebogen nicht validiert.
Yokoyama et al. 2011 [s176] (136 Männer, 50 bis 80 Jahre, IPSS ≥ 8; Silodosin 4 mg zweimal täglich, Tamsulosin 0,2 mg und Naftopidil 50 mg einmal täglich; Auswertung nach einem und drei Monaten): IPSS und Qmax verbesserten sich in allen Gruppen ohne signifikanten Unterschied. Eine neu aufgetretene Verminderung des Ejakulatvolumens meldeten 2,6 Prozent unter Tamsulosin und 2,4 Prozent unter Naftopidil; zehn von 41 Patienten (24,4 Prozent) unter Silodosin berichteten ein völliges Fehlen des antegraden Ergusses. Der IIEF-5 verbesserte sich nur unter Naftopidil. Auffällig ist der Kontrast zu [s188] (96,0 Prozent verminderte Menge unter Tamsulosin): Die Studien erfassen offenkundig Unterschiedliches.
Yamaguchi et al. 2013 [s156] (97 Patienten, Silodosin 8 mg n = 53 gegen Naftopidil 75 mg n = 44, 12 Wochen): Von den sexuell Aktiven (23 unter Silodosin, 21 unter Naftopidil) berichteten unter Silodosin mehr eine Abnahme des Ejakulatvolumens (87 gegenüber 40 Prozent, P = 0,003), eine verlängerte Zeit bis zur Ejakulation (56 gegenüber 33 Prozent, P = 0,027) und einen schwächeren Orgasmus (50 gegenüber 39 Prozent, P = 0,027). Der IIEF-5 änderte sich in keiner Gruppe signifikant. Die kleinen Untergruppen und der identische P-Wert zweier Angaben (möglicher Übertragungsfehler) sind Einschränkungen.
Miyakita et al. 2010 [s180] (randomisierter Cross-over, vier Wochen Silodosin 4 mg zweimal täglich, dann vier Wochen Tamsulosin 0,2 mg, und umgekehrt, ohne Auswaschphase): Silodosin verbesserte den IPSS im ersten Zeitraum stärker; die häufigste Nebenwirkung unter Silodosin war die Ejakulationsstörung. Zahlen und Gruppengröße nennt der Abstract nicht. Takeshita et al. 2016 [s117] (Cross-over 4 mg Silodosin einmal täglich gegen 0,2 mg Tamsulosin, je vier Wochen, ohne Auswaschphase, 34 Männer, 30 schlossen ab): Ejakulationsstörungen bei drei Teilnehmern (10 Prozent), alle mit Silodosin, kein Abbruch. Kim et al. 2014 [s138] (220 Männer ohne Ansprechen auf Tamsulosin 0,2 mg, randomisiert placebokontrolliert 12 Wochen auf 0,4 mg gegen 0,2 mg plus Placebo): Qmax-Verbesserung 3,0 ± 0,48 gegenüber −0,25 ± 0,30 ml/s (P < 0,01); abnormale Ejakulation in beiden Armen bei 1,8 Prozent. Debruyne et al. 2002 [s222] (704 randomisierte Männer, Tamsulosin 0,4 mg n = 354 gegen Permixon 320 mg n = 350, zwölf Monate): IPSS in beiden Gruppen −4,4, die Ejakulationsstörungen traten unter Tamsulosin häufiger auf, Zahlen fehlen im Abstract. Hong et al. 2009 [s184] (96 Männer mit LUTS und vorzeitigem Samenerguss, Tamsulosin 0,2 mg oder Doxazosin 4 mg, drei Monate): kein signifikanter Unterschied im Ejakulationsscore des MSHQ; die intravaginale Ejakulationslatenzzeit (IELT) verlängerte sich von 2,7 ± 1,6 auf 3,5 ± 1,5 Minuten (Tamsulosin) und von 2,9 ± 1,8 auf 3,5 ± 1,9 Minuten (Doxazosin) ohne signifikanten Unterschied.
Zhang et al. 2006 [s211] (192 Männer mit symptomatischer BPH, Tamsulosin 0,2 mg n = 103 gegen Placebo n = 89 über 8 Wochen, randomisiert): Alle Indizes (IPSS, Lebensqualität, Qmax, IIEF-5) verbesserten sich unter Tamsulosin signifikant gegenüber Placebo (P < 0,001); erektile Dysfunktion lag bei 75 Prozent (144 von 192) vor. Ejakulationsdaten enthält der Abstract nicht; der Erektionsgewinn ist von der Besserung der Harnsymptome nicht abgrenzbar. Safarinejad 2006 [s210] (118 Männer mit isoliert schmerzhafter Ejakulation, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, Tamsulosin 0,4 mg n = 59 gegen Placebo n = 59, sechs Wochen; 104 beendeten): Der Schmerz verschwand bei 16 Prozent unter Tamsulosin und 13 Prozent unter Placebo (p = 0,1); die mittlere Zahl unerwünschter Ereignisse lag bei 11 gegenüber 5 (p < 0,05). Tamsulosin war bei isoliert schmerzhafter Ejakulation nicht besser als Placebo. Shelbaia et al. 2013 [s154] (60 verheiratete Männer mit LUTS und erektiler Dysfunktion, prospektiv randomisiert, einfach verblindet): In der Tamsulosin-Gruppe besserten sich Erektionsfunktion, Verkehrszufriedenheit, IIEF-Gesamtwert und IPSS, die Orgasmusfunktion verschlechterte sich dagegen signifikant (Zahlenwerte fehlen). Tawfik et al. 2024 [s44] (Tamsulosin/Finasterid gegen Tadalafil/Finasterid, 131 und 127 Patienten in Woche 4 und 12): In der Tamsulosin-Gruppe fielen alle IIEF-Domänen bei beiden Kontrollen signifikant ab (p < 0,05); in der Tadalafil-Gruppe stieg die Erektionsfunktion bei vorübergehender Senkung von Orgasmus (−0,8 ± 0,4) und Verlangen (−0,6 ± 0,4) nur in Woche 4. Da beide Arme Finasterid enthielten, lässt sich der Beitrag des Alpha-Blockers nicht trennen.
Sertkaya und Ozkaya 2019 [s86] untersuchten bei 129 Männern mit mäßigen bis schweren LUTS unter Silodosin die Informationsbedingung als Faktor. Gruppe 1 wurden sexuelle Nebenwirkungen vorab genannt, Gruppe 2 nicht; Kontrolle nach drei Monaten, 9 Patienten (7 Prozent) brachen wegen Nebenwirkungen ab und wurden ausgeschlossen. Niedriges Ejakulatvolumen berichteten 40,9 gegenüber 22,2 Prozent (p = 0,04), Anejakulation 6 gegenüber 4 Prozent (p = 0,12); Libidoverlust und erektile Dysfunktion jeweils ein Patient je Gruppe (p = 0,42). Die Befunde stützen eine Nocebo-Deutung nur teilweise, weil Gruppengrößen, Randomisierungsverfahren und Messinstrument im Abstract fehlen; der Ausschluss der Abbrecher verzerrt die Häufigkeit nach unten.
Soliman et al. 2019 [s88] (93 sexuell aktive Männer, mittleres Alter 53,1 Jahre, mit Tamsulosin-assoziierter abnormer Ejakulation; randomisiert auf A intermittierende Standarddosis, B niedrige Dosis, C Standarddosis weiter), Soliman et al. 2023 [s55] (25 Männer, 0,4 mg jeden zweiten Tag, einarmig) und Goktas et al. 2006 [s205] (405 Patienten, Tamsulosin 0,4 mg; bei 30 mit abnormer Ejakulation 0,4 mg jeden zweiten Tag) werden im Abschnitt zur Reversibilität ausführlich behandelt, weil ihr Endpunkt die Erholung der Ejakulation ist. Razumov und Egorov 2007 [s200] (randomisierte offene Studie über neun Monate, 58 Patienten mit Prostataadenom unter Prostamol Uno plus Tamsulosin; 28 setzten die Kombination fort, 30 wurden auf Prostamol Uno allein umgestellt): Nach dem Absetzen von Tamsulosin verschwanden bei 100 Prozent der Monotherapiegruppe die Symptome der retrograden Ejakulation; der Abstract nennt nicht, wie viele der 30 überhaupt betroffen waren. Vishnevsky et al. 2013 [s158] (offener Cross-over, 34 Männer, Tamsulosin 0,4 mg sechs Wochen, dann Doxazosin, oder umgekehrt): Nebenwirkungen unter Doxazosin 32,4, unter Tamsulosin 23,5 Prozent; sieben der acht Nebenwirkungen unter Tamsulosin betrafen die Sexualfunktion. Retrograde Ejakulation trat bei fünf Männern (14,7 Prozent) unter Tamsulosin auf, bei keinem unter Doxazosin; Schwindel bei einem (2,9 Prozent) gegenüber vier (11,8 Prozent). Die Ejakulationsstörungen verschwanden nach dem Wechsel zu Doxazosin. Der Cross-over erlaubt einen Vergleich innerhalb derselben Personen; Titration und Auswaschzeiten waren uneinheitlich.
Cakiroglu et al. 2017 [s100] verglichen bei 192 Männern mit LUTS, Prostatavolumen unter 40 ml und Fertilitätswunsch die transurethrale Prostatainzision (TUIP, n = 96) mit Silodosin 8 mg (n = 96) über zwölf Monate (prospektiv erhobene Daten, Randomisierung nicht beschrieben). IPSS, Restharn und Qmax besserten sich in beiden Gruppen; die Besserung von IPSS und Qmax war nach TUIP größer. Retrograde Ejakulation trat bei 11 von 96 nach TUIP und bei 33 von 96 unter Silodosin auf (p = 0,000 laut Abstract). Das ist die einzige hier gefundene Studie, die bei Fertilitätswunsch direkt die Operation gegen den Alpha-Blocker auf retrograde Ejakulation vergleicht. Selektionseffekte durch die Patientenwahl sind denkbar.
Akin et al. 2013 [s143] (108 Patienten mit vorzeitiger Ejakulation, auf fünf Alpha-Blocker randomisiert: Silodosin 4 mg n = 21, Tamsulosin 0,4 mg n = 23, Alfuzosin 10 mg n = 22, Terazosin 5 mg n = 21, Doxazosin 4 mg n = 21): Alle verlängerten laut Abstract die IELT, Silodosin stärker als die übrigen (P < 0,05); absolute Werte fehlen.