Alpha-Blocker, Prostatamedikamente und retrograde Ejakulation · Kapitel 7 von 23 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Alpha-Blocker allgemein und Tamsulosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf bis Befragungen von Ärzten und Aufklärungspraxis

Alpha-Blocker allgemein und Tamsulosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf

Martín-Morales et al. 2008 [s195] – „Prevalence of ejaculatory dysfunction secondary to alpha-blocker therapy in patients with benign prostatic hyperplasia (Prävalenz von Ejakulationsstörungen infolge einer Alphablocker-Therapie bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie)“ (Actas urologicas espanolas). Spanien (Actas Urológicas Españolas). Epidemiologische Querschnittsstudie, unkontrolliert, offen: 1177 Patienten über 40 Jahren mit BPH/LUTS seit mehr als sechs Monaten, seit mindestens drei Monaten mit demselben Alpha-Blocker behandelt. Instrument: Ejakulationsdomäne des MSHQ, stratifiziert nach Alter und IPSS. Die Prävalenz einer Ejakulationsstörung betrug 82,6 %, meist mild, aber von vielen als störend empfunden; höheres Alter war der einflussreichste Faktor, Ejakulations- und Prostatasymptome waren stark korreliert; Alfuzosin war mit der besten Sexualfunktion verbunden. Stärken: große Fallzahl, validiertes Instrument. Schwächen: Querschnitt ohne Vergleichsgruppe und ohne Ausgangswerte vor der Therapie, daher keine Trennung zwischen Wirkung der BPH und des Medikaments (der Abstract räumt selbst ein, dass BPH und LUTS Ejakulationsstörungen verursachen können). Der Wert liegt weit über den Raten randomisierter Studien; ob das an der Fragebogendomäne gegenüber gemeldeten unerwünschten Ereignissen liegt, ist eine Deutung, kein Beleg.

Furuya et al. 2005 [s213] – „Ejaculatory disorder by alpha-1 adrenoceptor antagonist in patients with benign prostatic hyperplasia; retrospective comparison between naftopidil and tamsulosin (Ejakulationsstörung durch Alpha-1-Adrenozeptor-Antagonisten bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie; retrospektiver Vergleich zwischen Naftopidil und Tamsulosin)“ (Hinyokika Kiyo:763-766). Japan (japanischsprachig, englische Zusammenfassung). Retrospektive Querschnittsbefragung per Fragebogen bei 88 Patienten, die zwischen Februar 1999 und August 2003 Tamsulosin oder Naftopidil erhalten hatten; 63 (71,6 %) waren unter der Behandlung sexuell aktiv. Ejakulationsstörungen waren unter Tamsulosin mit 30,0 % deutlich häufiger als unter Naftopidil mit 3,0 %; 80 % der Betroffenen bemerkten fehlendes oder vermindertes Ejakulat bei erhaltenem Orgasmus. Der mediane Lebensqualitätswert zur Störung war 4 („überwiegend unzufrieden“). Stärke: einer der frühesten patientenzentrierten Berichte. Schwächen: retrospektiv, keine Randomisierung, Erinnerungsfehler, keine Gruppengrößen und kein Testergebnis im Abstract.

Song et al. 2011 [s172] – „Effect of tamsulosin on ejaculatory function in BPH/LUTS“ (Asian journal of andrology). Korea (Asian Journal of Andrology). Prospektive Kohorte, 177 Männer mit IPSS ≥ 8, Tamsulosin 0,2 mg einmal täglich über 12 Wochen, Fragebogen MSHQ. Weder Erektions-, noch Ejakulations-, Zufriedenheits-, Aktivitäts- noch Verlangensbereich unterschied sich zwischen Beginn und Ende signifikant. Die Gesamtinzidenz einer Ejakulationsstörung betrug 13,4 %; nach Typ: verminderte Häufigkeit 2,4 %, Verzögerung 3,1 %, trockene Ejakulation 3,9 %, verminderte Stärke 3,9 %, vermindertes Volumen 6,3 %, vermindertes Lustempfinden 7,1 %, Schmerz bei Ejakulation 3,1 %. Die Ausgangs-Ejakulationsscores waren bei IPSS-Respondern höher als bei Non-Respondern (26,09 gegenüber 24,06; P = 0,03); die Störung trat häufiger bei weniger Symptomen, kleinerer Prostata, höheren MSHQ-Ausgangswerten und höheren Ejakulationsscores auf. Stärken: Aufschlüsselung nach Typen, Risikofaktoranalyse mit logistischer Regression. Schwächen: einarmig, Dosis 0,2 mg niedriger als in vielen anderen Studien; die sieben Einzelwerte summieren sich auf 29,8 % und übersteigen die Gesamtinzidenz, Mehrfachnennungen sind daher wahrscheinlich (der Abstract sagt es nicht).

Song, Son und Paick 2007 [s202] – „Influence of 0.2mg Tamsulosin Treatment on the Erectile and Ejaculatory Functions in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia“ (Korean J Urol 48(12):1251-1257). Seoul. Prospektive Beobachtungsstudie, 108 BPH-Patienten (61,3 ± 9,0 Jahre; Prostatavolumen 35,7 ± 21,3 ml), Tamsulosin 0,2 mg über acht Wochen. IPSS und Uroflowmetrie besserten sich (p < 0,05). Der Erektionsbereich des IIEF blieb unverändert; der Orgasmusbereich sank von 16,3 ± 9,3 auf 15,7 ± 9,6. In der Untergruppe mit besserer Erektionsfunktion fiel der Wert für das Ejakulatvolumen von 2,5 ± 1,0 auf 2,2 ± 1,2 (p = 0,07, nicht signifikant), der Wert für die Zufriedenheit mit der Ejakulation von 3,0 ± 1,2 auf 2,5 ± 1,5 (p = 0,01). Schwächen: ohne Kontrolle, nachträgliche Untergruppenbildung, kleine Effekte.

Park et al. 2004 [s219] – „Effects of Alpha 1 Adrenoceptor Antagonist Tamsulosin on Sexual Function in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia“ (Korean J Androl 22(3):146-150). Korea (mehrere Universitätskliniken). Offene prospektive Studie, 268 BPH-Patienten, 165 schlossen ab. Der IIEF-Gesamtwert änderte sich nicht signifikant. Das Ejakulatvolumen sank um 14 % nach 4 Wochen und um 22 % nach 12 Wochen; die Orgasmusfunktion verbesserte sich zwischen 4 und 12 Wochen. Die Autoren schließen, Tamsulosin verbessere Sexual- und Orgasmusfunktion, verringere aber das Ejakulatvolumen. Schwächen: rechnerisch 38 % Ausfälle (103 von 268), keine Kontrolle, Volumenverminderung als Prozent ohne Streuungsmaß.

Moon et al. 2009 [s189] – „The Efficacy and Safety of Tamsulosin 0.2mg/day on Sexual Function in BPH: A Multicenter Open-label, Non-comparative, 3 Months Observational, Phase IV Prospective Study“ (Korean J Androl 27(2):123-129). Korea, multizentrische offene Phase-IV-Studie an 116 Patienten (mittleres Alter 60 Jahre), Tamsulosin 0,2 mg abends über drei Monate. Gesamt-IIEF von 37,0 ± 18,2 auf 40,5 ± 18,9 (p < 0,01), alle Bereiche außer Orgasmusfunktion verbesserten sich; IPSS 18,4 ± 6,9 auf 12,9 ± 6,7, Lebensqualität 3,8 ± 1,1 auf 2,7 ± 1,4, Qmax 14,2 ± 8,3 auf 16,5 ± 11,3 ml/s (jeweils p < 0,01). Retrograde Ejakulation bei 2 Patienten (2 %). Bei mittlerem IPSS verbesserten sich Gesamt-IIEF und Erektionsbereich, bei schwerem IPSS nicht. Stärke: Multizentrum, Ejakulation ausdrücklich Teil der Nebenziele. Schwächen: einarmig; „retrograde Ejakulation“ nicht objektiv definiert.

Kim et al. 2013 [s148] – „Effects of low-dose tamsulosin on sexual function in patients with lower urinary tract symptoms suggestive of benign prostatic hyperplasia“ (Korean J Urol:697-702). Korea. Offene multizentrische einarmige Beobachtungsstudie, 138 Männer über 50 Jahre mit IPSS ≥ 8, Tamsulosin 0,2 mg täglich über drei Monate. IPSS −11,40 ± 9,40, Lebensqualität −1,11 ± 1,36 (p < 0,001). Keine klinisch relevante Änderung im IIEF-Gesamtwert (Differenz 1,63 ± 15,50; p = 0,406) oder den fünf Bereichen; DAN-PSS-Werte (Frage 1 bis 3: −0,45 ± 2,94; 0,27 ± 2,50; −1,27 ± 2,27; p > 0,05) und Morgenerektionen unverändert. Die Autoren folgern, kein negativer Einfluss auf die Ejakulationsfunktion. Einordnung: Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s213, s219] bei gleichem Wirkstoff; gemessen wurde mit Gesamt-IIEF und DAN-PSS, die für Änderungen des Ejakulatvolumens unempfindlich sein können (Deutung).

Lin et al. 2012 [s162] – „Efficacy and safety of orally disintegrating tamsulosin tablets in Taiwanese patients with benign prostatic hyperplasia“ (Aging Male:246-252). Taipeh. Einzentrische, nicht vergleichende Beobachtung, 45 Männer über 50 Jahre, Tamsulosin 0,2 mg als orodispersible Tablette über 12 Wochen. IPSS 14,30 ± 9,34 auf 6,73 ± 0,88; Qmax gestiegen. Keine unerwünschten Ereignisse; kein signifikanter Unterschied in der Sexualfunktion (dänische Skala mit Erektion und Ejakulation). Schwäche: Die Angabe „keine Nebenwirkungen“ steht im Kontrast zu allen anderen Tamsulosin-Studien; Messzeitpunkt, Antwortquote und Abfragemethode fehlen.

Choi et al. 2014 [s135] – „Effects of tamsulosin on premature ejaculation in men with benign prostatic hyperplasia“ (World J Mens Health:99-104). Korea. 29 Patienten (12 nur LUTS, 17 mit LUTS plus vorzeitigem Samenerguss), Tamsulosin 0,4 mg über 12 Wochen. Der IPSS fiel in beiden Gruppen; der PEDT-Wert sank in der Gruppe mit vorzeitigem Samenerguss von 12,1 ± 3,31 auf 8,4 ± 4,49 (p = 0,012). Schwächen: n = 29, offen, keine Kontrolle; die Latenzzeit wird im Abstract nicht ausgewertet.

Gezmiş et al. 2026 [s05] – „Correlation between intravesical prostatic protrusion and ejaculatory dysfunction after tamsulosin treatment in men with BPH“ (World journal of urology). Türkei (unter anderem Istanbul). Prospektive einarmige Kohorte an 214 sexuell aktiven Männern mit mäßigen bis schweren LUTS bei BPH; Tamsulosin 0,4 mg täglich über acht Wochen; ausgeschlossen waren Männer mit früherer BPH-Behandlung oder vorbestehender Sexualstörung. Methodik: IPSS und MSHQ-EjD-SF; Prostatamaße und intravesikale Prostataprotrusion per transabdominalem Ultraschall; Spearman-Korrelationen. Ergebnisse: medianer IPSS von 18 auf 14 (p < 0,001), Qmax von 9,2 auf 14,0 ml/s (p < 0,001), MSHQ-EjD-SF von 11 auf 7 (p < 0,001), zugleich höhere Belastungswerte. Die Änderung des MSHQ-EjD-Wertes korrelierte mit der Protrusion (ρ = −0,386), der Prostatalänge (ρ = −0,250) und dem Alter (ρ = −0,334; alle p < 0,01); bei Protrusion über 10 mm war der Rückgang geringer (p < 0,001). Stärken: größte prospektive Einzelgruppe zu Tamsulosin und Ejakulation in dieser Sammlung, validiertes Instrument, Ausschluss von Vorbehandlung. Schwächen: keine Kontrollgruppe, daher keine Abgrenzung von Alterung und Erwartungseffekten; nur acht Wochen; die Korrelationen sind von den Autoren selbst als bescheiden bezeichnet; die Vorzeichenkonvention der Änderung wird im Abstract nicht erläutert, sodass die Richtung (stärkerer oder geringerer Rückgang bei größerer Protrusion) ohne Volltext nicht eindeutig zu lesen ist.

Iossa et al. 2026 [s12] – „Temporary pharmacologically induced ejaculatory dysfunction influences surgical decision-making in sexually active men with benign prostatic hyperplasia: a prospective interventional study“ (International urology and nephrology). Italien. Prospektive explorative Interventionsstudie an 71 sexuell aktiven Männern, die für transurethrale Resektion oder Rezūm in Frage kamen; vierwöchige Tamsulosin-Gabe (0,4 mg). Eine klinisch relevante Ejakulationsstörung hatten 35 von 71 (49,3 %); davon änderten 12 (34,3 %) ihre Therapiepräferenz (9 von Resektion zu Rezūm, 3 von Resektion zu konservativem Vorgehen, niemand von Rezūm zu Resektion); die Verschiebung weg von der Resektion war signifikant (P < 0,001). Harnsymptome und Erektionsfunktion blieben unverändert, die Ejakulationsfunktion verschlechterte sich. Die Autoren nennen das Vorgehen hypothesengenerierend. Schwächen: keine Kontrolle, nur Präferenzmessung, kein Verhaltensendpunkt.

Goktas et al. 2006 [s205] – „Recovery of abnormal ejaculation by intermittent tamsulosin treatment“ (The Journal of urology). Ankara, Türkei. Prospektive zweiphasige Studie (Januar 2001 bis Dezember 2004): 405 Männer ab 50 Jahren mit LUTS, Tamsulosin 0,4 mg täglich für mindestens drei Monate. Abnorme Ejakulation hatten 30 Patienten (retrograd 18, vermindertes Volumen 7, fehlendes Ejakulat 5); sie erhielten in Phase 2 0,4 mg jeden zweiten Tag, Kontrolle in Woche 6. Bei 19 von 30 (63,3 %) erholte sich die Ejakulation (12 mit retrograder Ejakulation und 7 mit vermindertem oder fehlendem Ejakulat); signifikant war die Besserung bei retrograder Ejakulation (p = 0,02), nicht bei vermindertem Volumen (p = 0,42) oder fehlendem Ejakulat (p = 0,61). Schwächen: keine Kontrollgruppe, Selbstbericht, Zuordnung „retrograd“ im Abstract nicht erklärt, nur sechs Wochen; unklar, ob die Besserung durch Dosisreduktion oder Spontanschwankung zustande kam; die Wirkung auf die Harnsymptome wird nicht berichtet. Früheste Arbeit zu dieser Frage aus den Zielräumen.

Soliman et al. 2023 [s55] – „Evaluation of intermittent tamsulosin in treating symptomatic patients with benign prostatic hyperplasia“ (Urology annals). Saudi-Arabien (King Faisal University). Prospektive einarmige Serie an 25 Männern mit LUTS, die täglich 0,4 mg Tamsulosin einnahmen und über Ejakulationsprobleme klagten; Wechsel auf 0,4 mg jeden zweiten Tag mit Verkehr an den Tagen ohne Einnahme; Kontrolle nach drei Monaten. Ausgangswerte: IPSS 6,6 ± 1 (niedrig), Restharn 87,6 ± 15,1 ml; nach drei Monaten Restharn 100,4 ± 15,1 ml und IPSS 7,3 ± 1,1. Eine Verbesserung der Ejakulation berichteten 20 von 25 (80 %), alle 20 gaben eine Gesamtzufriedenheit von 4 oder 5 an. Einordnung: Der Abstract spricht von einer „signifikanten Änderung“ von Restharn und IPSS, ohne Teststatistik; die Zahlen deuten eher auf eine leichte Verschlechterung. Schwächen: keine Kontrolle, nur 25 Patienten, niedriger Ausgangs-IPSS; gemeinsame Autorenschaft mit einer randomisierten Studie zum gleichen Thema [s88]. Die randomisierte Studie (93 Männer; normale Ejakulation nach drei Monaten bei 74,1 % unter intermittierender Standarddosis und 90,3 % unter niedriger Dosis, bei keinem unter fortgesetzter Standarddosis) gehört in ein anderes Kapitel; beide Studien stützen sich qualitativ, jeweils mit Selektion auf bereits betroffene Männer.

Turna et al. 2005 [s216] – „Alt üriner sistem semptomlu hastalarda cinsel disfonksiyonun araştırılması, testosteron, leptin, kan lipidleri ile ilişkisi: Alfa bloker (Tamsulosin) tedavisi sonrası yeniden değerlendirme (Untersuchung sexueller Dysfunktion bei Patienten mit LUTS, Zusammenhang mit Testosteron, Leptin, Blutfetten: Neubewertung nach Alpha-Blocker-(Tamsulosin-)Therapie)“ (Türk Üroloji Dergisi/Turkish Journal of Urology 31:508-515). Türkei (türkischsprachig). Prospektive Studie, 46 Patienten (33 unter Tamsulosin, 13 abwartend); IIEF-5, IPSS und dänischer Fragebogen DAN-PSS-sex. Erektionsstörungen bei 50 %, 81,8 % und 69,2 % der Männer mit leichten, mäßigen und schweren Symptomen. Nach der Therapie nahm der Anteil mit leichter erektiler Dysfunktion ab, der mit mäßiger und schwerer zu; die Autoren schließen, die Therapie scheine die Häufigkeit von erektiler Dysfunktion und Ejakulationsproblemen leicht zu erhöhen. Zahlen zur Ejakulation stehen nicht im Abstract. Schwächen: n = 46, ungleiche Gruppen, keine Randomisierung.

Bozlu et al. 2002 [s221] – „Alfa bloker tedavinin başarısı ile gözlenen yan etkiler arasında ilişki var mıdır? (Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg der Alpha-Blocker-Therapie und beobachteten Nebenwirkungen?)“ (Türk Üroloji Dergisi/Turkish Journal of Urology 28:441-444). Türkei (türkischsprachig). Klinische Beobachtung an 415 Patienten (mittleres Alter 58 Jahre) mit LUTS unter Alpha-Blocker, Auswertung nach drei Monaten, mit der Frage, ob Nebenwirkungen mit dem Therapieerfolg zusammenhängen. Bei Patienten mit retrograder Ejakulation fehlte die Besserung von Lebensqualität und Qmax oder es kam zur Verschlechterung (p < 0,05); beim IPSS war der Effekt schwach (p = 0,77). Die Autoren folgern, die retrograde Ejakulation könne nicht als Erfolgsindikator dienen. Schwächen: Wirkstoff nicht genannt, Korrelationsbefund ohne Kontrollgruppe. Einordnung: Der Befund steht im Gegensatz zu den späteren Post-hoc-Analysen und zur Metaregression, nach denen die Ejakulationsstörung mit stärkerer Besserung einhergeht [s170, s179, s137]; Wirkstoff, Dosis und Definition unterscheiden sich.

Abdullaev et al. 2023 [s48] – „Study of allelic variants of the CYP2D6 and CYP3A genes on the effectiveness and safety of tamsulosin therapy in patients with BPH: results of a pilot study (Untersuchung allelischer Varianten der Gene CYP2D6 und CYP3A hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit der Tamsulosin-Therapie bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie: Ergebnisse einer Pilotstudie)“ (Urologiia). Russland. Pilotstudie, 106 Patienten, Tamsulosin 0,4 mg täglich mindestens 8 Wochen, Genotypisierung von CYP2D6, CYP3A4 und CYP3A5. Träger von CYP2D6*10 und *41 mit mäßigen Symptomen hatten nach 8 Wochen eine stärkere IPSS-Abnahme (p = 0,046); die Allelvarianten beeinflussten die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse nicht. Keine Ejakulationsdaten.

Studien zur Sexualfunktion unter Tamsulosin ohne Ejakulationsdaten. Einige Arbeiten betreffen Tamsulosin und Erektion und werden der Vollständigkeit halber genannt: Jung et al. 2009 [s185] (365 Männer, 304 mit Alpha-Blockern über drei Monate; Besserung von Entleerung, Lebensqualität und Fluss war mit besserer Erektionsfunktion verknüpft; keine Ejakulationsdaten) [s185]; Jo et al. 2013 [s147] (50 Patienten mit LUTS und erektiler Dysfunktion, nach vier Wochen 0,2 mg Steigerung auf 0,4 mg: IIEF-5-Gewinn 3,3 gegenüber 1,5; keine Ejakulationsdaten); Ko et al. 2014 [s139] (randomisiert, 187 Patienten, Tamsulosin 0,2 mg gegen Tamsulosin plus Solifenacin: IIEF-5 verbesserte sich in keiner Gruppe, p = 0,072 und p = 0,299, Gruppenunterschied p = 0,696; keine Ejakulationsdaten); Seo et al. 2011 [s171] (57 Patienten, Tamsulosin allein oder mit Solifenacin über drei Monate; IIEF-5 nur bei Tamsulosin allein mit der Speicherdomäne des IPSS korreliert; keine Ejakulationsdaten). Die Titel: „Correlation between Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS) and sexual function in benign prostatic hyperplasia: impact of treatment of LUTS on sexual function“ (J Sex Med:2299-2304); „Effect of patient-optimized doses of tamsulosin on erectile function in men with erectile dysfunction and lower urinary tract symptoms“ (Korean J Urol:100-105); „Effect of improvement in lower urinary tract symptoms on sexual function in men: tamsulosin monotherapy vs. combination therapy of tamsulosin and solifenacin“ (Korean J Urol:608-614); „Impact of lower urinary tract symptoms/benign prostatic hyperplasia treatment with tamsulosin and solifenacin combination therapy on erectile function“ (Korean J Urol:49-54).

Dianov et al. 2025 [s34] – „ВЛИЯНИЕ ЭЯКУЛЯТОРНОЙ ДИСФУНКЦИИ НА ЭМОЦИОНАЛЬНО-ПСИХОЛОГИЧЕСКОЕ СОСТОЯНИЕ ПАЦИЕНТА ПРИ ЛЕЧЕНИИ ДОБРОКАЧЕСТВЕННОЙ ГИПЕРПЛАЗИИ ПРЕДСТАТЕЛЬНОЙ ЖЕЛЕЗЫ (Einfluss der Ejakulationsstörung auf den emotional-psychischen Zustand bei der BPH-Behandlung)“ (Бюллетень медицинской науки 2025(1)). Kemerowo und Moskau, Russland. Prospektive Kohorte an 150 Männern (56 bis 78 Jahre), 2018 bis 2021: 90 mit medikamentöser Taktik (erste Alpha-Blocker-Therapie mit Alfuzosin, Silodosin oder Tamsulosin) und 60 mit operativer Taktik (Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht reichte). MSHQ-EjD vor Therapie und nach 4 Wochen (Medikament) beziehungsweise 12 Wochen (Operation); Beck-Depressionsskala II. Ejakulationsstörung bei 47 Patienten, unabhängig von der Methode, am häufigsten Anejakulation durch retrograde Ejakulation; unter Medikamenten überwog das geringe Volumen, nach Operation die vorzeitige Ejakulation, ohne signifikante Gruppenunterschiede. Von den 47 mit Ejakulationsstörung zeigten 100 % Zeichen einer Depression (leicht 6,4 % [3], mäßig 74,5 % [35], ausgeprägt 19,1 % [9]), ohne Ejakulationsstörung 34,9 % (36), ausschließlich leicht (t = 34,469; p < 0,0001). Der Belastungswert (Frage 8) lag im Median bei 1 gegenüber 5 ohne Störung (die Skalenrichtung nennt der Abstract nicht); über 70-Jährige waren weniger belastet (z = 2,441; p = 0,015). Zitiert wird eine Umfrage (n = 300), nach der 95 % den Erhalt der Erektionsfunktion und 92 % den der Ejakulationsfunktion für wichtig halten, bei über 70-Jährigen 66 % und 62 %. Schwächen: Die Operationsgruppe besteht aus Medikamentenversagern; die Einzelsubstanzen werden nicht getrennt ausgewertet; „100 % Depression“ und ein t-Wert von 34,469 sind für diese Stichprobe ungewöhnlich und legen Selektions- oder Messprobleme nahe; die Kausalrichtung (Depression vor oder nach der Ejakulationsstörung) ist offen.

Alfuzosin, Doxazosin und Naftopidil sowie Versorgungsdaten

PERSAT: de la Taille et al. 2020 und 2023 [s74, s51] – „Alpha-blockers or phytotherapy as first-line treatment of LUTS/BPH in general medicine: The PERSAT non-interventional study (Alphablocker oder Phytotherapie als Erstbehandlung von LUTS/BPH in der Allgemeinmedizin: die nicht-interventionelle Studie PERSAT)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie); „Alpha-blockers or hexanic extract of Serenoa repens for 6 months: sub-analysis of the PERSAT study (Alphablocker oder hexanischer Extrakt von Serenoa repens über 6 Monate: Subanalyse der PERSAT-Studie)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie). Frankreich. Prospektive nicht-interventionelle Beobachtungsstudie in der Allgemeinmedizin: Männer mit IPSS ≥ 12, freie Wahl zwischen Alpha-Blocker und pflanzlicher Therapie. 2020: 849 Männer eingeschlossen, 759 analysiert (381 Alpha-Blocker, 378 Phytotherapie); Ansprechrate nach 6 Monaten 94,2 % (95-%-Konfidenzintervall 91,2 bis 96,4 %) beziehungsweise 92,5 % (89,2 bis 95,1 %); Ejakulationsstörungen waren die häufigste Nebenwirkung: 3,9 % unter Alpha-Blockern, 0,9 % unter Phytotherapie. 2023 (Subanalyse, 309 Alpha-Blocker, 324 Serenoa-repens-Extrakt, 633 nach sechs Monaten ausgewertet): Ansprechrate 94,8 % beziehungsweise 93,7 %; unter Alpha-Blockern Ejakulationsstörungen 4,9 % und Hypotonie 4,2 %. Stärken: Praxisnähe, Konfidenzintervalle. Schwächen: keine Randomisierung, Selbstselektion der Therapiewahl, Spontanmeldung; die Raten liegen deutlich unter denen prospektiv befragter Studien [s163, s66]; der Abstract nennt die einzelnen Alpha-Blocker nicht getrennt.

Yoon et al. 2014 [s141] – „Efficacy of Long-Term Daily Dosage of Alfuzosin 10 mg upon Sexual Function of Benign Prostatic Hypertrophy Patients: Two-Year Prospective Observational Study“ (World J Mens Health:133-138). Gyeongsang, Korea. Prospektive Beobachtung von Alfuzosin 10 mg über zwei Jahre, 30 Männer eingeschlossen, 12 beendeten die Studie. Mediane (Beginn, 1 Monat, 6 Monate, 1 Jahr, 2 Jahre): IPSS 18,00, 20,00, 15,50, 14,50, 11,50; IIEF 36,50, 37,50, 45,50, 48,50, 47,50; MSHQ-Ejakulationsbereich 19,00, 19,50, 23,00, 26,50, 27,00. Die Autoren folgern, Langzeit-Alfuzosin sei nicht nur für LUTS, sondern auch für Erektion und Ejakulation wirksam. Schwächen: 60 % Ausfälle (18 von 30), keine Kontrolle, keine P-Werte im Abstract; Selektion (wer bleibt, ist vermutlich zufrieden) ist wahrscheinlich.

Hwang et al. 2012 [s161] – „Impact of alfuzosin on sexual function in Taiwanese men with benign prostatic hyperplasia“ (Kaohsiung J Med Sci:429-434). Taiwan. Prospektive multizentrische Beobachtungsstudie mit Alfuzosin 10 mg über 24 Wochen, 279 Patienten aus neun Zentren, die mindestens einmal im Monat sexuell aktiv waren. IPSS von 17,3 auf 9,9 (p < 0,001), IPSS-Belastung von 3,8 auf 2,5 (p < 0,001); 85 % bemerkten Besserung binnen eines Monats. Bei Patienten mit IIEF-5 ≤ 16 verbesserten sich Erektionsstörung und Zufriedenheit zu jedem Zeitpunkt (p ≤ 0,02). Ejakulationsdaten im Abstract nicht genannt; einarmig.

Pushkar et al. 2022 [s63] – „The influence of alfuzosin monotherapy on the sexual function of patients with benign prostatic hyperplasia in real clinical practice (results of a Russian multicenter study) (Einfluss der Alfuzosin-Monotherapie auf die Sexualfunktion von Patienten mit benigner Prostatahyperplasie in der klinischen Praxis (Ergebnisse einer russischen multizentrischen Studie))“ (Urologiia). Russland. Multizentrische Beobachtungsstudie unter Alltagsbedingungen, 537 Männer in 21 ambulanten Einrichtungen, Alfuzosin 10 mg einmal täglich (als Markenpräparat im Abstract), drei Monate, Visiten bei 0, 30 und 90 Tagen. IPSS −55 %, Lebensqualität +2,46 Punkte, Qmax +53 %, IIEF-Gesamtwert 45,35 auf 53,18 (p < 0,05); Orgasmusfunktion +11,98 %, Verlangen +15,14 %, Zufriedenheit +19,7 %, Gesamtsexualfunktion +18,46 %; systolischer Blutdruck höchstens 2 mmHg niedriger, Herzfrequenz höchstens 1 Schlag pro Minute verändert. Stärke: große Zahl, Vollfragebogen. Schwächen: keine Kontrolle; der IIEF erfasst keine Ejakulationsmenge und keine Retrogradität; der Abstract formuliert eine Erstlinienempfehlung, die über die Datenlage hinausgeht; Finanzierung nicht genannt, Markenname im Titel.

Novikov und Shpilenya 2022 [s62] – „Therapeutic efficacy and safety of monotherapy Alfuprost MR 10 mg/day in clinical practice (Therapeutische Wirksamkeit und Sicherheit der Monotherapie mit Alfuprost MR in der klinischen Praxis)“ (Urologiia). Russland (Sankt Petersburg). Beobachtungsstudie in sechs ambulanten Einrichtungen, 55 Männer (55 bis 80 Jahre), Juni 2020 bis September 2021, sieben Visiten über 12 Monate, Alfuzosin-Markenpräparat 10 mg. IPSS um das 1,9-Fache auf im Mittel 9,98 gesenkt, Lebensqualität +2,5, Qmax auf das 1,4-Fache (17,4 ml/s), Restharn auf 12,5 ml, Prostatavolumen −4,3 %. Sexualfunktion signifikant gebessert, vor allem die Erektion; keine signifikante Änderung der Ejakulation. Schwächen: n = 55, keine Kontrolle, Markenpräparat, keine Konfidenzintervalle.

Kogan und Kireev 2011 [s168] – „Efficacy of prostatic adenoma treatment with alfusozine depending on sexuality (Wirksamkeit der Behandlung des Prostataadenoms mit Alfuzosin in Abhängigkeit von der Sexualität)“ (Urologiia). Russland. Kohortenstudie an 40 Patienten, Alfuzosin 10 mg über 24 Wochen, nach Sexualitätsphänotyp; Messung von PSA, Testosteron, Prostatagröße, Qmax sowie IPSS, MSHQ und IIEF zu Woche 4, 12 und 24. Die drei Phänotypen kämen bei BPH-Männern gleich häufig vor; hypersexuelle Männer hätten ausgeprägtere LUTS, schlechtere Erektion und Ejakulation und häufiger Zeichen eines Hypogonadismus; die beste Wirkung zeigten normo- und hyposexuelle Männer, bei hypersexuellen sei sie gering. Schwächen: n = 40, selbst entwickelter Fragebogen, keine Zahlen im Abstract; Hypothesen.

Yaşar et al. 2011 [s175] – „Benign prostat hiperplazisi tedavisinde kullanılan dört alfa blokör ajanın etkinliklerinin karşılaştırılması (Vergleich der Wirksamkeit von vier Alpha-Blockern bei BPH)“ (Journal of Clinical and Analytical Medicine 2011:27-31). Tokat, Türkei (türkischsprachig). 135 BPH-Patienten (Juni 2005 bis Dezember 2008), vier Alpha-Blocker: Doxazosin 4 mg (n = 26), Tamsulosin 0,4 mg (n = 37), Terazosin 5 mg (n = 33), Alfuzosin 10 mg (n = 39). IPSS-Abnahme 2,73, 3,73, 3,55 und 4,44; Qmax-Zunahme 2,81, 3,24, 3,88 und 4,49 ml/s; signifikant nur zwischen Doxazosin und Alfuzosin. Bei den Nebenwirkungen unterschied sich nur Tamsulosin, und zwar bei retrograder Ejakulation; Häufigkeiten nennt der Abstract nicht. Schwächen: Zuteilung im Abstract unklar, keine Zahlen zur Ejakulation.

Renoncourt 2020 [s79] – „Mésusage des traitements de l'hypertrophie bénigne de la prostate chez le sujet âgé (Fehlgebrauch der Behandlungen der benignen Prostatahyperplasie bei älteren Personen)“ (Abschlussarbeit (Medizin), DUMAS/HAL). Frankreich. Querschnittsstudie (Abschlussarbeit) an 117 älteren Patienten zum Fehlgebrauch von BPH-Medikamenten: Fehlgebrauch bei 70 %, Sturz-OR 3,22 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 10,2). Kein Ejakulationsbezug; die Arbeit ist hier nur als Beispiel aus dem französischen Raum aufgeführt.

Vorzeitige Ejakulation: Alpha-Blocker als Therapie (Beobachtungsdaten)

Diese Studien messen die ejakulationshemmende Wirkung als Behandlungsziel; sie belegen, dass die Wirkung eine pharmakologische Eigenschaft der Klasse ist, sagen aber nichts über Samenqualität aus. Sato et al. 2012 [s164] – „Silodosin and its potential for treating premature ejaculation: a preliminary report“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association): vorläufige Fallserie aus Sapporo an acht Patienten, Silodosin 4 mg zwei Stunden vor dem Verkehr; die Latenzzeit verlängerte sich von 3,4 auf 10,1 Minuten (P = 0,003); Anejakulation bei zwei (25 %), verminderte Samenmenge bei drei (37,5 %), Missempfindungen beim Orgasmus bei sieben (87,5 %). Sato et al. 2017 [s105] – „Silodosin versus naftopidil in the treatment of premature ejaculation: A prospective multicenter trial“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association): prospektive offene multizentrische Studie an 26 Patienten mit erworbener vorzeitiger Ejakulation; Silodosin 4 mg oder Naftopidil 25 mg bei Bedarf eine Stunde vor dem Verkehr, im Wechsel; Verbesserung bei 24 (92 %) unter Silodosin gegenüber 12 (46 %) unter Naftopidil (P = 0,0002); Latenzzeit 1,9 Minuten (Ausgangslage), 4,1 (Kontrolle), 7,6 (Silodosin); unter Silodosin häufiger verminderte Samenmenge. Schwächen beider Studien: offen, kleine Fallzahlen, kein Placebo. Sarichev 2015 [s132] – „ОСОБЛИВОСТІ ЗАСТОСУВАННЯ α1-АДРЕНОБЛОКАТОРІВ У ПАЦІЄНТІВ ІЗ ПЕРЕДЧАСНОЮ ЕЯКУЛЯЦІЄЮ (Besonderheiten der Anwendung von Alpha-1-Blockern bei Patienten mit vorzeitigem Samenerguss; ukrainisch)“ (Мир медицины и биологии) (ukrainisch, in russischsprachiger Zeitschrift): 82 Männer mit therapierefraktärer vorzeitiger Ejakulation, 79 ausgewertet; Tamsulosin 0,4 mg (n = 26), Silodosin 4 mg (n = 32), Doxazosin 2 mg (n = 21); mittleres Alter 42,3 ± 7,6 Jahre; die Latenzzeit stieg in Sekunden von 16,8 ± 9,9 auf 75,4 ± 23,6 (Tamsulosin), von 17,9 ± 10,9 auf 142,6 ± 46,8 (Silodosin) und von 19,1 ± 11,3 auf 94,6 ± 19,4 (Doxazosin; alle p < 0,05); Wirksamkeit 69,2 %, 81,3 % und 57,1 %; retrograde Ejakulation bei 7 Patienten (2 Tamsulosin, 2 Silodosin, 3 Doxazosin) ohne Abbruch. Schwächen: nur 20 Tage, keine beschriebene Randomisierung, ungleiche Gruppen, OCR-fehlerhafte Tabellen im Volltext. Randomisierte Studien zu diesem Thema gehören in das Kapitel zu randomisierten Studien; hier nur ihre Richtung: In einer Studie mit fünf Alpha-Blockern bei 108 Patienten war Silodosin wirksamer als die übrigen [s143]; unter Silodosin 4 mg verlängerte sich die Latenzzeit weniger als unter Citalopram (mediane Zunahme 149,5 % gegenüber 260 %; 400 Patienten) [s19]; Tamsulosin 0,2 mg verlängerte sie weniger als Paroxetin (2,21-fach gegenüber 7,07-fach; 352 Patienten) [s112]; in einer Studie mit Tamsulosin 0,2 mg gegen Doxazosin 4 mg (96 Patienten) war nach Ansicht der Autoren keines der beiden wirksam [s184].

Vergleich mit operativen Verfahren: Beobachtungsdaten

Rustamov et al. 2023 [s54] – „Ejaculatory disorders after surgical treatment of benign prostatic hyperplasia (Ejakulationsstörungen nach chirurgischer Behandlung der benignen Prostatahyperplasie)“ (Urologiia). Russland. Prospektive Kohorte an 224 sexuell aktiven Männern (49 bis 84 Jahre), 2018 bis 2021: Thulium-Laser-Enukleation (n = 72), konventionelle transurethrale Resektion (n = 136), offene Prostatektomie (n = 16); MSHQ-EjD vor der Operation sowie nach 3 und 6 Monaten, Analyse des Urins nach dem Orgasmus auf Spermien zur Unterscheidung von retrograder Ejakulation und Anejakulation. Vor der Operation hatten 61,6 % bereits Ejakulationsstörungen: vermindertes Volumen 48,2 % (n = 108), verminderte Intensität 47,3 % (n = 106), erworbene vorzeitige Ejakulation 15,2 % (n = 34), schmerzhafte Ejakulation 17 % (n = 38), verzögerte Ejakulation 11,6 % (n = 26); keine Anejakulation. Nach drei Monaten: retrograde Ejakulation bei 78 (34,8 %), Anejakulation bei 90 (40,2 %), erhaltene antegrade Ejakulation bei 56 (25 %). Einordnung: Kein Alpha-Blocker-Bezug im Abstract, aber ein wichtiger Befund zur Ausgangslage: Mehr als die Hälfte der BPH-Patienten hatte schon vor jedem Eingriff veränderte Ejakulation; ob sie dabei Alpha-Blocker einnahmen, geht nicht hervor. Das erschwert jede Zuschreibung von Ejakulationsveränderungen zu einem einzelnen Medikament. Die Studie vergleicht die Verfahren ausdrücklich nicht.

Oh und Kim 2025 [s27] – „Aquablation versus HoLEP: Propensity score matching analysis of functional outcomes and ejaculation preservation“ (Investigative and clinical urology). Retrospektive, nach Alter, Prostatavolumen und PSA gematchte Vergleichsstudie (Januar 2023 bis März 2024; Nachbeobachtung mindestens drei Monate): Aquablation gegenüber Holmium-Laser-Enukleation; 104 Patienten, 34 Paare. Beide Verfahren verbesserten die LUTS ohne Unterschied in den Symptomwerten und im Restharn; die Enukleation brachte größere Verbesserungen von Qmax (p = 0,011) und PSA (p < 0,001); die Aquablation erhielt die Ejakulation signifikant besser (p = 0,002; MSHQ-EjD-basierte Einteilung 0 bis 3). Komplikationen unterschieden sich nicht signifikant. Stärke: Propensity-Score-Matching. Schwächen: retrospektiv, kleine Paarzahl, kurze Nachbeobachtung, nicht gematchte Störfaktoren; der Abstract nennt keine Zahlen zur Ejakulationsrate.

Mari et al. 2026 [s14] – „Trends for ejaculatory sparing and minimally invasive surgical treatments adoption for lower urinary tract symptoms related to BPH in Italy: screenshot from the Italian society of urology (SIU) benign research network“ (Minerva urology and nephrology). Italien. Prospektive multizentrische Registerstudie (15 Zentren, Oktober 2022 bis Dezember 2024): 312 Patienten mit minimalinvasiver Therapie (Aquablation 30 [9,6 %], Rezūm 97 [31,1 %], iTIND 49 [15,7 %], transperineale Laserablation (TPLA) 108 [34,6 %], Urethralanhebung 28 [9,0 %]). Der Abstract beschreibt nur die Ausgangslage: iTIND-Patienten waren am jüngsten (Median 47 Jahre) mit dem kleinsten Prostatavolumen (30 ml); Aquablation und TPLA wurden bei größeren Prostatae gewählt (70 und 67 ml). Rezūm- und TPLA-Patienten berichteten vor dem Eingriff bessere Ejakulationsfunktion (P < 0,02), iTIND-Patienten die höchste Dysfunktion (P < 0,05). Postoperative Ergebnisse stehen noch aus. Bedeutung: Die Wahl des Verfahrens hängt von Alter und Ausgangs-Ejakulationsfunktion ab; Ergebnisvergleiche zwischen den Verfahren sind daraus nicht ableitbar.

Randomisierte Studien zur Ejakulation nach Resektion (zum Beispiel monopolare gegen bipolare Resektion, 100 Patienten, 52 % retrograde Ejakulation, kein Unterschied nach Energiequelle [s75]) gehören in ein anderes Kapitel.

Spontanmeldedaten (Pharmakovigilanz)

Auswertungen von Spontanmeldesystemen sind Beobachtungsstudien besonderer Art. Sie liefern Signale (Disproportionalität), keine Häufigkeiten und keine Kausalität; die Kodierung stammt von den Meldenden und folgt MedDRA-Begriffen. „Retrograde Ejakulation“ deckt sich nach den Probandenstudien möglicherweise nicht mit dem Mechanismus [s194, s208, s207].

Yoshimura et al. 2013 [s157] – „A survey of the FAERS database concerning the adverse event profiles of α1-adrenoreceptor blockers for lower urinary tract symptoms“ (Int J Med Sci:864-869). Kyoto, Japan. Auswertung des FDA-Meldesystems FAERS 1997 bis 2011 mit 1.260.182 Meldungen. Signale für Erektions- und Ejakulationsstörung bei Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin; für Naftopidil, Silodosin und Urapidil lagen zu wenige Meldungen vor. Das Signal für Ejakulationsstörung war bei Tamsulosin am höchsten. Schwächen: Spontanmeldungen, keine Inzidenz; für Silodosin und Naftopidil war wegen zu weniger Meldungen kein Vergleich möglich.

Nacchia et al. 2024 [s43] – „Medications Mostly Associated With Ejaculatory Disorders: Assessment of the Eudra-Vigilance and Food and Drug Administration Pharmacovigilance Databases Entries“ (Urology). Italien. Disproportionalitätsanalyse von FAERS (USA) und EudraVigilance (Europa), 10. September 2012 bis 1. Juni 2023: 7404 Meldungen zu Ejakulationsstörungen, 6854 (92,6 %) zu zehn Medikamenten. Paroxetin dominierte bei verzögerter Ejakulation (103 von 448 Ereignissen, 23,0 %), Tamsulosin bei retrograder Ejakulation (366 von 1033, 35,4 %); Finasterid bei schmerzhafter Ejakulation (150, 7,8 %) und Ejakulationsversagen (735, 38,4 %). Sildenafil hatte ein höheres Risiko als Tadalafil (PRR 5,85; 95-%-Konfidenzintervall 5,09 bis 6,78). Stärke: große Datenbasis, zwei Systeme. Schwäche: Spontanmeldungen sind keine Häufigkeiten; Meldeverzerrung.

Wu et al. 2025 [s32] – „Risk assessment of the top 60 drugs for drug-related sexual dysfunction: a disproportion analysis from the Food and Drug Administration adverse event reporting system“ (J Sex Med:2058-2069). Longyan, China. FAERS-Auswertung: 79.022 Ereignisse mit sexueller Dysfunktion bei 61.722 Patienten (65,25 % männlich). Höchste Meldeverhältnisse (ROR mit 95-%-Konfidenzintervall): Finasterid 212,3 (204,74 bis 220,13), Dutasterid 29,11 (26,84 bis 31,56), Silodosin 21,81 (17,94 bis 26,52); 34 Arzneimittel als Risikofaktor in der multivariaten Analyse. Die Autoren nennen als Schwächen die retrospektive Natur und fehlende Kausalität.

Tan et al. 2025 [s31] – „A pharmacovigilance study of drug-reduced male semen quality based on the Food and Drug Administration adverse event reporting system database“ (Andrology:217-225). Wuzhou, China. FAERS 2004 bis 2023 zur Samenqualität: 59 Arzneimittel mit Signal; die fünf Substanzen mit den meisten Fällen waren Finasterid (845 Fälle; Untergrenze des Informationskomponenten-Intervalls IC025 = 7,72), Dutasterid (163; 7,22), Tamsulosin (148; 5,99), Testosteron (101; 4,08) und Valproinsäure (54; 2,44). Bei 41 der Arzneimittel fehlt in der Fachinformation klinische Information zur Samenqualität. Einordnung: Es ist die einzige gefundene Auswertung, die Tamsulosin ausdrücklich mit verminderter Samenqualität in Verbindung bringt; die einbezogenen MedDRA-Begriffe nennt der Abstract nicht, sodass offen bleibt, ob Spermienparameter, Ejakulatmenge oder anderes gemeint ist; Signal, nicht Häufigkeit oder Ursache.

Gong et al. 2026 [s08, s07] – „Drug-induced male infertility: a real-world study using FAERS and EudraVigilance databases“ (Frontiers in pharmacology); „Androgenetic alopecia drugs and male infertility: Evidence from pharmacovigilance and testicular transcriptomics“ (PloS one). Peking, China. FAERS und EudraVigilance zur männlichen Reproduktionstoxizität: 1955 FAERS- und 1384 EudraVigilance-Fälle, mittleres Alter 35 Jahre, 37 % Männer im reproduktiven Alter; mediane Zeit bis zum Ereignis 132 Tage; 19 Hochrisiko-Wirkstoffe nach Kreuzvalidierung, darunter Finasterid, Dutasterid und Testosteron; Finasterid erfüllte Dechallenge- und Rechallenge-Kriterien. Alpha-Blocker werden im Abstract nicht genannt [s08]. Die zweite Arbeit (Haarausfall-Wirkstoffe; Pharmakovigilanz mit Hodentranskriptomik) zeigt für Finasterid das deutlichste Signal vor Dutasterid und Minoxidil; die Autoren betonen, dass die Signale weder Häufigkeit noch Ursächlichkeit zeigen [s07]. Für die Alpha-Blocker-Frage sind beide nur als Kontrast nützlich: Die Spermatogenese-relevanten Signale betreffen 5-Alpha-Reduktase-Hemmer.

Qian et al. 2026 [s16] – „Drug combination choices of 5α-reductase inhibitors and α-blockers in patients with benign prostatic hyperplasia: a study based on the FAERS database“ (Front Med (Lausanne):1870053). Peking. FAERS 2004Q1 bis 2024Q4, Patienten mit BPH unter 5-Alpha-Reduktase-Hemmer und Alpha-Blocker: 5-Alpha-Reduktase-Hemmer waren vorwiegend mit sexueller Dysfunktion, Alpha-Blocker vorwiegend mit Nierenfunktionsstörung assoziiert; die gemeinsame Gabe könne beides verstärken; die Kombination Tamsulosin plus Dutasterid verlängere die Zeit bis zur Dutasterid-Resistenz. Zahlen fehlen im Abstract; die Aussage zur „Resistenz“ ist dort nicht erläutert.

Befragungen von Ärzten und Aufklärungspraxis

Alshahrani et al. 2025 [s21] – „Perceptions and Practice of Urologists in Saudi Arabia Regarding Sexual Complications Related to LUTS/BPH Management“ (Journal of clinical medicine). Saudi-Arabien. Querschnittliche Fragebogenbefragung auf der 36. Jahrestagung der Saudischen Urologischen Gesellschaft (Riad, Februar 2025); Teilnehmerzahl im Abstract nicht genannt. Aufklärung über das Risiko einer Ejakulationsstörung am häufigsten vor Alpha-Blocker-Monotherapie (59,2 %) und vor transurethraler Resektion (56,6 %); über erektile Dysfunktion am häufigsten vor 5-Alpha-Reduktase-Hemmern (51,3 %) und vor der Kombination (50,0 %). Alternative Behandlungen wegen sexueller Risiken besprachen die Befragten vor Resektion (53,9 %), vor Alpha-Blockern (47,4 %) und vor 5-Alpha-Reduktase-Hemmern (43,4 %). Univariat Tendenz zu offeneren Gesprächen bei nicht-saudischen Urologen (OR 4,58; 95-%-Konfidenzintervall 0,88 bis 23,74; p = 0,06) und bei Tätigkeit in Privatkliniken (OR 3,68; 0,39 bis 35,14; p = 0,03); beide hielten multivariat nicht. Einordnung: Selbst in der am häufigsten genannten Konstellation sprachen 59,2 % das Ejakulationsrisiko an; im Umkehrschluss tat dies ein erheblicher Teil der Befragten nicht. Schwächen: unbekannte Stichprobengröße und Rücklaufquote, Selbstauskunft, Selektion der Kongressteilnehmer; das Intervall der Privatklinik-Assoziation schließt 1 ein, obwohl p = 0,03 berichtet wird (rechnerisch inkonsistent, im Abstract nicht aufzulösen).

Lee et al. 2024 [s41] – „Factors Considered by Experienced Urologists when Selecting Alpha-Blockers for Patients with Lower Urinary Tract Symptoms or Benign Prostatic Hyperplasia according to Age“ (Urol Int:434-441). Seoul, Korea. Befragung von 50 koreanischen Urologen (Juli bis August 2021): 82 % glaubten an Wirksamkeitsunterschiede zwischen Alpha-Blockern in der Praxis nach Alter, über 90 % hielten Vergleichsstudien für nötig; bei Patienten ab 70 Jahren stünden kardiovaskuläre Nebenwirkungen im Vordergrund; Ejakulationsnebenwirkungen priorisierten 19 % bei leichten bis mittleren und 9 % bei schweren LUTS (p < 0,001). Einordnung: Meinungsbild, kein Wirksamkeitsnachweis; es zeigt, dass die Ejakulation in der Entscheidungslogik vor allem bei jüngeren Patienten Gewicht hat (Aussage der Autoren).

Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehilfe und Abgrenzung bis Systematische Übersichten zu operativen Verfahren und Ejakulationserhalt (Kontext)
  5. Erzählende Übersichten zu Mechanismus, Klinik und Fruchtbarkeit und Zusammenschau der Metaanalysen
  6. Lesehilfe bis Silodosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf der Ejakulationsstörung bei Patienten
  7. Alpha-Blocker allgemein und Tamsulosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf bis Befragungen von Ärzten und Aufklärungspraxis
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien und Lücken, Widersprüche und Grenzen der Quellenlage
  9. Zur Lesart dieses Abschnitts bis Randomisierte und vergleichende Studien bei Patienten mit LUTS/BPH
  10. Beobachtungsstudien mit Patienten: Silodosin bis Leitlinien
  11. Tierversuche und Gewebestudien
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Koreanisch
  15. Russisch bis Türkisch
  16. Rückfluss in die Blase oder Ausfall der Samenemission? bis Operation oder Medikament: welches schont die Ejakulation mehr?
  17. Unstimmigkeiten innerhalb einzelner Abstracts und Was bleibt als Befund zu den Widersprüchen
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s116
  26. Quellen s117–s229
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle