Lesehilfe und Abgrenzung
Dieser Abschnitt behandelt systematische Übersichten, Metaanalysen, Netzwerk-Metaanalysen und erzählende (narrative) Übersichtsarbeiten, soweit sie Ejakulationsfunktion, Samenemission, Samenqualität oder Fruchtbarkeit unter Alpha-1-Blockern (Tamsulosin, Silodosin, Naftopidil, Alfuzosin, Doxazosin, Terazosin) oder unter anderen Prostatamedikamenten (5-Alpha-Reduktase-Hemmer, Kombinationen) berühren. Einzelne randomisierte Studien, Tierversuche, Gewebeuntersuchungen und Leitlinien sind Gegenstand anderer Kapitel dieser Studie; sie erscheinen hier nur, wo eine Übersicht sie zusammenfasst. Der folgende Abschnitt zu Beobachtungsstudien enthält die einzelnen Kohorten-, Querschnitts- und Registerarbeiten.
Für die Lesbarkeit der Zahlen gilt Folgendes. Die Recherche stützt sich bei fast allen Arbeiten auf Abstracts, nicht auf Volltexte; Konfidenzintervalle, Heterogenitätsmaße und Verzerrungsbewertungen stehen deshalb nur dort, wo der Abstract sie nennt. Fehlt eine Angabe, wird das benannt und nichts ergänzt. Stärken und Schwächen sind Einordnungen aus dem erkennbaren Design, keine Bewertung mit formalen Werkzeugen. Zwei Befunde ziehen sich durch alle Übersichten und werden vorab festgehalten:
- Die Literatur betrifft überwiegend die Ejakulation (Transport und Abgabe des Samens), kaum die Spermienbildung. Keine der gefundenen Metaanalysen poolt Spermienparameter (Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, DNA-Fragmentation) unter Alpha-Blockern beim Menschen. Wo Übersichten Aussagen zur Samenqualität machen, beruhen sie auf wenigen kleinen Probandenstudien oder auf Tierversuchen.
- „Retrograde Ejakulation“ ist in Studien, Meldedatenbanken und Metaanalysen ein Sammelbegriff. Probandenstudien sprechen überwiegend für einen Ausfall der Samenemission (Anejakulation oder stark verminderte Samenmenge bei erhaltenem Orgasmus) und nicht für einen Rückfluss in die Blase [s194, s208, s207]; eine Bildgebungsstudie an drei Männern und eine kleine Patientenserie zeigen dagegen auch Rückfluss [s196, s206]. Die Metaanalysen unten verwenden meist den Begriff der jeweiligen Ursprungsstudien.
Metaanalysen zur Ejakulationsstörung unter Alpha-Blockern bei BPH und LUTS
Gacci et al. 2014 [s137] – „Impact of medical treatments for male lower urinary tract symptoms due to benign prostatic hyperplasia on ejaculatory function: a systematic review and meta-analysis“ (The journal of sexual medicine)
Die Arbeit ist die zentrale Metaanalyse zur Fragestellung; die Zahlen werden in der EAU-Leitlinie wiedergegeben [s04]. Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse randomisierter Studien; Suche in PubMed, Scopus und Cochrane mit Freitext- und MeSH-Begriffen zu Ejakulation, retrograder Ejakulation und Anejakulation; von 101 gefundenen Artikeln gingen 23 ein. Exposition: Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer und ihre Kombination gegenüber Placebo beziehungsweise untereinander. Zielgröße: Ejakulationsstörung als unerwünschtes Ereignis in den Ursprungsstudien.
Ergebnisse (Odds Ratios, im Abstract jeweils nur mit P-Wert, ohne Konfidenzintervall): Ejakulationsstörungen waren unter Alpha-Blockern häufiger als unter Placebo (OR 5,88; P < 0,0001), unter Tamsulosin mit OR 8,58 (P = 0,006), unter Silodosin mit OR 32,5 (P < 0,0001). Tamsulosin hatte ein signifikant geringeres Risiko als Silodosin (OR 0,09; P < 0,00001). Doxazosin und Terazosin lagen auf dem Niveau von Placebo; die Leitlinienfassung nennt dafür OR 0,80 und 1,78 [s04]. In der Metaregression war die Ejakulationsstörung sowohl vor als auch nach der Behandlung mit IPSS und Qmax assoziiert; in der multivariaten Analyse war sie unabhängig mit der Besserung des IPSS (adjustiertes r 0,2012; P < 0,0001) und des Qmax (adjustiertes r 0,522; P < 0,0001) verbunden. Die Autoren folgern, je wirksamer der Alpha-Blocker im Zeitverlauf sei, desto größer sei die Häufigkeit der Ejakulationsstörung. Für 5-Alpha-Reduktase-Hemmer ergab sich OR 2,73 gegenüber Placebo (P < 0,0001; Finasterid OR 2,70, P < 0,0001; Dutasterid OR 2,81, P = 0,0002). Die Kombination aus Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer hatte gegenüber dem Alpha-Blocker allein OR 3,75 (P < 0,0001) und gegenüber dem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer allein OR 2,76 (P = 0,02), also ein etwa dreifach erhöhtes Risiko.
Stärken: nur randomisierte Studien, Vergleich mehrerer Wirkstoffe in einem Rahmen, Verknüpfung mit der Wirksamkeit. Schwächen: Ejakulationsstörungen waren in den Ursprungsstudien meist ein nachrangig und uneinheitlich erfasstes Sicherheitsereignis; der Abstract nennt weder Konfidenzintervalle noch Heterogenitätsmaße noch ein Verzerrungsrisiko. Die gepoolten Werte stammen daher zu einem erheblichen Teil aus spontan berichteten Ereignissen, nicht aus gezielten Befragungen. Die Odds Ratio für Tamsulosin steht bei Gacci mit 8,58 und im Leitlinientext mit 8,57; ob das eine Rundungsabweichung ist, lässt sich aus den vorliegenden Texten nicht entscheiden [s137, s04]. Einordnung: Die Rangfolge Silodosin vor Tamsulosin vor Doxazosin/Terazosin wird von den nachfolgenden Metaanalysen im Kern bestätigt; die absoluten Werte hängen stark von der Erfassung in den Ursprungsstudien ab.
Jung et al. 2017 [s103] – „Silodosin for the treatment of lower urinary tract symptoms in men with benign prostatic hyperplasia“ (The Cochrane database of systematic reviews)
Erstautor aus Wonju, Korea. Design: Cochrane-Review mit Metaanalyse; Suche bis 13. Juni 2017 ohne Sprachbeschränkung in Cochrane Library, MEDLINE, EMBASE, Scopus, Web of Science und Studienregistern; 19 Studien mit 4295 Randomisierten (mittleres Alter 66,5 Jahre, Prostatavolumen 38,2 ml, IPSS 19,1). Zielgröße war nicht die Ejakulationsstörung im engeren Sinn, sondern „sexuelle unerwünschte Ereignisse“. Ergebnisse (Risikoverhältnis RR mit 95-%-Konfidenzintervall): Silodosin gegenüber Placebo RR 26,07 (12,36 bis 54,97; vier Studien mit 1968 Teilnehmern; moderate Vertrauenswürdigkeit; 180 zusätzliche Ereignisse je 1000 Männer, 82 bis 388); gegenüber Tamsulosin RR 6,05 (3,55 bis 10,31; 13 Studien, 2129 Teilnehmer; 141 mehr je 1000, 71 bis 261); gegenüber Naftopidil RR 5,93 (2,16 bis 16,29; fünf Studien, 763 Teilnehmer; 74 mehr je 1000, 17 bis 231); gegenüber Alfuzosin RR 37,21 (5,32 bis 260,07; zwei Studien, 155 Teilnehmer; 217 mehr je 1000, 26 bis 1000). Beim Symptomwert war Silodosin gegenüber Placebo um 2,65 Punkte besser (Mittelwertdifferenz −2,65; −3,23 bis −2,08; niedrige Vertrauenswürdigkeit) und gegenüber Tamsulosin gleichwertig (−0,04; −1,31 bis 1,24). Abbruch aus beliebigem Grund gegenüber Placebo: RR 1,08 (0,70 bis 1,66). Die Autoren schließen auf ähnliche Wirksamkeit wie bei anderen Alpha-Blockern, aber wahrscheinlich mehr sexuelle Nebenwirkungen; das Vertrauen wurde wegen Studienlimitationen, Inkonsistenz und Ungenauigkeit herabgestuft.
Stärken: Cochrane-Methodik mit GRADE-Bewertung, transparente absolute Effekte, breite Datenbanksuche. Schwächen: „sexuelle unerwünschte Ereignisse“ ist ein Sammelbegriff, dessen Definition je Studie wechselt; das Konfidenzintervall bei Alfuzosin ist sehr breit (zwei kleine Studien); kurze Nachbeobachtung. Einordnung: Das Risikoverhältnis gegenüber Placebo ist hoch, weil die Placeboraten sehr niedrig sind (in einer Auswertung zweier Zulassungsstudien 0,9 % [s170]); die absolute Zusatzrate von 180 je 1000 (18 Prozentpunkte) ist anschaulicher [s103].
Hwang et al. 2018, Cochrane-Review zu Naftopidil [s94] – „Naftopidil for the treatment of lower urinary tract symptoms compatible with benign prostatic hyperplasia“ (The Cochrane database of systematic reviews)
Design: Cochrane-Review mit Metaanalyse; 22 randomisierte Studien mit 2223 Randomisierten, alle in asiatischen Ländern, Dauer 4 bis 12 Wochen. Ergebnisse zu sexuellen unerwünschten Ereignissen: Naftopidil gegenüber Tamsulosin RR 0,54 (0,24 bis 1,22; zwölf Studien, 965 Teilnehmer; 26 weniger je 1000, Intervall von 43 weniger bis 13 mehr; niedrige Vertrauenswürdigkeit); Naftopidil gegenüber Silodosin RR 0,15 (0,06 bis 0,42; fünf Studien, 652 Teilnehmer; 126 weniger je 1000, 139 bis 86 weniger; moderate Vertrauenswürdigkeit). Beim IPSS lagen die Differenzen gegenüber Tamsulosin bei 0,47 (−0,09 bis 1,04) und gegenüber Silodosin bei 1,04 (−0,78 bis 2,85), jeweils ohne signifikanten Unterschied. Die Autoren sehen ähnliche Wirkung auf Symptome und Lebensqualität wie bei Tamsulosin und Silodosin und weniger sexuelle Nebenwirkungen als unter Silodosin. Schwächen: ausschließlich asiatische, kurze Studien; Naftopidil ist nur in einzelnen Ländern zugelassen, die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungen ist offen [s94, s169]. Eine zugehörige Kurzübersicht derselben Gruppe verweist darauf, dass für Naftopidil keine placebokontrollierte randomisierte Studie bei LUTS vorliege und Silodosin mit mehr sexuellen Nebenwirkungen verbunden sei, ohne im Abstract Zahlen zu nennen [s95].
Li et al. 2025 [s26] – „Silodosin in treating men With BPH-associated lower urinary tract Symptoms: A systematic review and network meta-analysis“ (International journal of surgery (London, England))
Design: systematische Übersicht mit frequentistischer Netzwerk-Metaanalyse mit Zufallseffekten; Suche in EMBASE, PubMed, Cochrane Library, ScienceDirect und Web of Science bis Februar 2024; 25 randomisierte Studien mit 6831 Teilnehmern. Verzerrungsrisiko nach Cochrane-Werkzeug, Heterogenität über I², Publikationsverzerrung über Egger- und Begg-Test, Rangfolge über SUCRA. Ergebnisse: Silodosin verbesserte die Entleerungssymptome gegenüber Tamsulosin (Mittelwertdifferenz 0,52; 95-%-Konfidenzintervall 0,01 bis 0,56) und den Gesamt-IPSS gegenüber Naftopidil (P < 0,001) und stand in der Rangfolge der Symptomverbesserung oben (SUCRA 93,3 bis 97,5 %). Zugleich erhöhte Silodosin die Gesamtrate unerwünschter Ereignisse gegenüber Tamsulosin (RR 1,26; P < 0,001) und das Risiko einer retrograden Ejakulation gegenüber Placebo (RR 24,94; P < 0,001; Konfidenzintervall im Abstract nicht genannt). Die Kombination mit Tadalafil verbesserte den Harnfluss (SUCRA 56,7 %).
Stärken: aktuelle Suche, formale Prüfung auf Publikationsverzerrung, Netzwerkansatz mit indirekten Vergleichen. Schwächen: Der Mittelwert 0,52 liegt im angegebenen Intervall 0,01 bis 0,56 nahe der oberen Grenze und ist damit ungewöhnlich; ohne Volltext ist nicht zu klären, ob ein Druck- oder Übertragungsfehler vorliegt. Heterogenitätswerte zum Ejakulationsendpunkt nennt der Abstract nicht. Einordnung: Der Wert RR 24,94 liegt in derselben Größenordnung wie das Cochrane-Ergebnis (RR 26,07) [s103] und bestätigt die Rangfolge nach Gacci [s137].
Yoosuf et al. 2024 [s46] – „Comparative efficacy and safety of alpha-blockers as monotherapy for benign prostatic hyperplasia: a systematic review and network meta-analysis“ (Scientific reports)
Design: Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien (PubMed, Embase, Ovid MEDLINE, Cochrane Library bis August 2023); 22 Studien mit 3371 Patienten, sechs Alpha-Blocker in 12 Dosiskategorien. Primäre Endpunkte waren IPSS, Qmax, Lebensqualität und Restharn; unerwünschte Ereignisse waren sekundär. Tamsulosin 0,4 mg, Naftopidil 50 mg und Silodosin 8 mg verbesserten den IPSS gegenüber Placebo; nach P-Score hatte Tamsulosin 0,4 mg die höchste Rangwahrscheinlichkeit für IPSS, Restharn und Qmax, Doxazosin 8 mg für die Lebensqualität. Es wurden 297 unerwünschte Ereignisse gezählt, bei Silodosin auffällig viele. Eine gesonderte Aussage zur Ejakulation enthält der Abstract nicht; die Arbeit ist deshalb nur als Hinweis auf das Gesamtsicherheitsprofil verwertbar. Schwächen: Ejakulation nicht getrennt, Ereigniszahlen nicht nach Wirkstoff aufgeschlüsselt, Autoren fordern größere und längere Studien.
Ding et al. 2013 [s144] – „Silodosin is effective for treatment of LUTS in men with BPH: a systematic review“ (Asian J Androl:121-128)
Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse aus dem Institute of Urology, Peking; vier randomisierte Studien mit 2504 Patienten, je 12 Wochen. Gegenüber Placebo: IPSS-Mittelwertdifferenz −2,78 (P < 0,00001), Lebensqualität −0,42 (P = 0,004), Qmax +1,17 ml/s (P < 0,00001). Gegenüber Tamsulosin 0,2 mg: IPSS −1,14 (P = 0,02), Lebensqualität −0,26 (P = 0,02), Qmax −0,85 ml/s (P = 0,01, zuungunsten von Silodosin). Bemerkenswert: Kein signifikanter Unterschied in der Ejakulationsstörung und im Schwindel zwischen Silodosin und Tamsulosin 0,2 mg. Dieser Befund steht im Gegensatz zum Cochrane-Review (RR 6,05 gegenüber Tamsulosin) [s103] und zu einer weiteren chinesischen Metaanalyse mit höherer Rate retrograder Ejakulation unter Silodosin [s155]. Mögliche Gründe, die der Abstract nicht prüft: nur vier Studien, die niedrige Tamsulosindosis von 0,2 mg und eine kleinere Datenbasis. Stärken: einheitliche Zwölfwochendauer. Schwächen: Konfidenzintervalle für den Ejakulationsendpunkt fehlen im Abstract.
Cui et al. 2012 [s160] – „The efficacy and safety of silodosin in treating BPH: a systematic review and meta-analysis“ (Int Urol Nephrol:1601-1609)
Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, EMBASE, Cochrane-Register) randomisierter Silodosin-Studien aus Peking; vier Publikationen mit 2543 Patienten, darunter je drei RCT gegen Placebo und gegen Tamsulosin. Wirksamkeit: Gesamt-IPSS gegenüber Placebo standardisierte gewichtete Differenz 2,92 (95-%-Konfidenzintervall 2,19 bis 3,65), gegenüber Tamsulosin 1,14 (0,18 bis 2,11; P = 0,37). Zur abnormalen Ejakulation nennt der Abstract drei Anteile: „234/1128 = 20,74 %; 12/680 = 1,76 %; 6/736 = 0,82 %“. Der Abstract ordnet sie nicht eindeutig zu und spricht im Wortlaut von Tamsulosin gegenüber Placebo; plausibel, aber nicht bestätigt, ist die Reihenfolge Silodosin, Tamsulosin, Placebo. Die Schlussfolgerung nennt abnormale Ejakulation als Hauptnebenwirkung von Silodosin. Schwächen: unklare Zuordnung der Anteile, im Abstract steht neben einem Konfidenzintervall, das null klar ausschließt, ein P-Wert von 0,92, der nicht erklärt wird; ferner nennt der Abstract eine „mittlere Abnahme des Gesamt-IPSS von 6,4 bis 10,6“ ohne Zuordnung; die Datenbasis besteht aus nur vier Publikationen. Die Arbeit ist eine der frühesten Metaanalysen zu Silodosin.
Wu et al. 2013 [s155] – „A meta-analysis of efficacy and safety of the new α1A-adrenoceptor-selective antagonist silodosin for treating lower urinary tract symptoms associated with BPH“ (Prostate Cancer Prostatic Dis:79-84)
Fünf randomisierte Studien mit 2595 Patienten (West China Hospital). Silodosin war Placebo bei IPSS, Teilscores und Qmax überlegen und gegenüber Tamsulosin bei den Entleerungssymptomen; die Rate retrograder Ejakulation war gegenüber Placebo und Tamsulosin höher, Schwindel und Kopfschmerz entsprachen Placebo und Tamsulosin. Der Abstract nennt keine Zahlen zur Ejakulation, weshalb die Arbeit nur qualitativ in die Zusammenschau eingeht.
Wang XP 2018 [s99] – „Therapeutic effects of α-adrenergic receptor antagonists on benign prostatic hyperplasia: A network meta-analysis (Therapeutische Wirkungen von Alpha-Adrenozeptor-Antagonisten bei benigner Prostatahyperplasie: eine Netzwerk-Metaanalyse)“ (Zhonghua Nan Ke Xue:247-253)
Netzwerk-Metaanalyse (PubMed, Embase, CNKI) aus Wuhan, chinesischsprachig mit englischem Abstract. Gesamtrate unerwünschter Wirkungen: Silodosin 51,9 %, Tamsulosin 34,0 %; häufigste Einzelwirkungen Kopfschmerz (38,3 %), Schwäche (23,6 %) und Schwindel (17,5 %). Tamsulosin stehe bei Sexualstörungen der Patienten mit BPH an erster Stelle (70,4 %). Einordnung: Die Zahl 70,4 % liegt weit über allen in dieser Studie gesammelten Einzelwerten für Tamsulosin (Spanne der gelesenen Einzelstudien 1,0 % bis 30,0 %) [s177, s213]. Der Abstract nennt weder Studienzahl noch Konfidenzintervalle noch Definitionen und ist deshalb ohne Volltext nicht belastbar interpretierbar. Die Schlussfolgerung der Autorin zur Wirkstoffwahl wird hier nicht übernommen.
Shim et al. 2016 [s116] – „Is Tamsulosin 0.2 mg Effective and Safe as a First-Line Treatment Compared with Other Alpha Blockers?: A Meta-Analysis and a Moderator Focused Study“ (Yonsei Med J:407-418)
Metaanalyse mit Meta-Regression: Tamsulosin 0,2 mg gegenüber anderen Alpha-Blockern (Terazosin, Doxazosin, Naftopidil, Silodosin); zehn Studien mit 1418 Probanden (722 gegen 696). Standardisierte Mittelwertdifferenz der IPSS-Änderung 0,02 (95-%-Konfidenzintervall −0,20 bis 0,25), der Lebensqualität 0,16 (−0,16 bis 0,48). Die Autoren sehen ähnliche Wirksamkeit bei weniger Nebenwirkungen. Der Abstract schlüsselt die Nebenwirkungen nicht auf; eine Aussage zur Ejakulation ist daher nicht möglich.
Kim et al. 2017 [s104] – „Evidence Is Enough?: A Systematic Review and Network Meta-Analysis of the Efficacy of Tamsulosin 0.2 mg and Tamsulosin 0.4 mg as an Initial Therapeutic Dose in Asian Benign Prostatic Hyperplasia Patients“ (Int Neurourol J:29-37)
Netzwerk-Metaanalyse von sieben Studien zu Tamsulosin 0,2 mg und 0,4 mg bei asiatischen BPH-Patienten. Kein signifikanter Unterschied bei IPSS, Lebensqualität, Qmax und Restharn; im gemischten Vergleich zeigte sich Inkonsistenz (P < 0,001). Die Autoren folgern, die Evidenz für 0,4 mg als Anfangsdosis bei Asiaten sei unzureichend. Zur Ejakulation enthält der Abstract keine Zahlen. Relevanz für die Fragestellung: Die Dosisfrage ist für die Häufigkeit der Ejakulationsstörung bedeutsam, weil in einer koreanischen Studie die Verdopplung der Dosis von 0,2 auf 0,4 mg die gemeldete abnormale Ejakulation nicht änderte (jeweils 1,8 %) [s138].
Guo und Tang 2021 [s68] – „Efficacy and tolerability of doxazosin gastro-intestinal therapeutic system versus tamsulosin in patients with lower urinary tract symptoms associated with benign prostatic hyperplasia: A systematic review and meta-analysis“ (Medicine (Baltimore):e26955)
Metaanalyse aus Shanghai (Fudan) zu Doxazosin-GITS gegenüber Tamsulosin: acht randomisierte Studien mit 1316 Patienten; Suche in PubMed, Embase, Cochrane sowie den chinesischen Datenbanken CNKI, Wanfang und VIP. Doxazosin-GITS war beim IPSS wirksamer (P < 0,001); die Gesamtnebenwirkungen lagen bei RR 0,77 (95-%-Konfidenzintervall 0,54 bis 1,08; P = 0,036), die retrograde Ejakulation unterschied sich nicht (P = 0,187). Auffällig ist, dass das Intervall der Gesamtnebenwirkungen die 1 einschließt, während P = 0,036 berichtet wird; der Abstract löst das nicht auf. Einordnung: Das fehlende Signal zur retrograden Ejakulation passt zum niedrigen Risiko von Doxazosin in Gacci [s137]; Aussagekraft wegen fehlender Zahlen begrenzt.
Zhou et al. 2019 [s92] – „Meta-analysis of the efficacy and safety of combination of tamsulosin plus dutasteride compared with tamsulosin monotherapy in treating benign prostatic hyperplasia“ (BMC Urol:17)
Metaanalyse aus Yantai: Tamsulosin plus Dutasterid gegenüber Tamsulosin allein; fünf randomisierte Studien mit 4348 Patienten, Dauer mindestens ein Jahr. Wirksamkeit der Kombination: IPSS −1,43 (95-%-Konfidenzintervall −2,20 bis −0,66), Prostatavolumen −10,13 ml (−12,38 bis −7,88), Qmax +1,05 ml/s (0,82 bis 1,29); das Fortschreitungsrisiko sank (OR 0,56; 0,46 bis 0,67), ebenso der akute Harnverhalt (OR 0,61; 0,38 bis 0,98). Nebenwirkungen unter der Kombination: Gesamtrate OR 2,06 (1,34 bis 3,17), erektile Dysfunktion OR 2,24 (1,73 bis 2,92), Ejakulationsstörung OR 3,37 (1,97 bis 5,79), retrograde Ejakulation OR 2,30 (1,08 bis 4,93), verminderte Libido OR 2,25 (1,53 bis 3,31), Libidoverlust OR 3,38 (1,94 bis 5,88); Schwindel OR 1,16 (0,75 bis 1,80; kein Unterschied). Einordnung: Der Mehrbefund geht auf den Zusatz des 5-Alpha-Reduktase-Hemmers zurück und stützt die Zahl der Leitlinie (etwa dreifaches Risiko) [s137, s04]. Heterogenitätsmaße nennt der Abstract nicht.
Mansbart et al. 2022 [s61] – „Efficacy and safety of adrenergic alpha-1 receptor antagonists in older adults: a systematic review and meta-analysis supporting the development of recommendations to reduce potentially inappropriate prescribing“ (BMC geriatrics)
Systematische Übersicht zu Alpha-1-Blockern bei Menschen ab 65 Jahren (Medline/PubMed, Embase, Cochrane Library, Suche bis 25. März 2022), erstellt zur Entwicklung von Empfehlungen gegen potenziell unangemessene Verordnung. Eingeschlossen wurden 18 Studien: 3 Metaanalysen, 6 randomisierte Studien und 9 Beobachtungsstudien. Alle Metaanalysen und fünf der sechs Interventionsstudien wurden in der Qualitätsbewertung herabgestuft; sieben von neun Beobachtungsstudien galten als gut. Zur Sicherheit: Es zeigte sich eine Zunahme gefäßerweiterungsbedingter und „sexueller“ unerwünschter Ereignisse bei einigen Wirkstoffen; Sturz- und Frakturrisiko sowie Langzeiteffekte blieben unklar. Der Abstract nennt keine Zahlen zur Ejakulation. Einordnung: Die Arbeit bestätigt, dass für ältere Männer die Ejakulationsfrage in der Evidenz kaum eigenständig bearbeitet ist; der Schwerpunkt liegt auf Herz-Kreislauf-Risiken.
Descazeaud et al. 2015 [s123] – „Negative effects on sexual function of medications for the treatment of lower urinary tract symptoms related to benign prostatic hyperplasia (Negative Wirkungen von Arzneimitteln gegen untere Harnwegssymptome bei benigner Prostatahyperplasie auf die Sexualfunktion)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie)
Nicht-systematische, internationale Literaturübersicht aus Frankreich, die randomisierte Studien zu sieben Wirkstoffen und die Fachinformationen auswertete, ohne Wirkstoffvergleich. Der Abstract nennt jeweils die höchsten berichteten Häufigkeiten gegenüber Placebo. Ejakulationsstörungen: Alfuzosin retard 1 % gegenüber 0 %; Doxazosin 0,4 % gegenüber 1,4 %; Tamsulosin 11 % gegenüber weniger als 1 %; Silodosin 28,1 % gegenüber 1,1 %; Finasterid (12 Monate) 4,4 % gegenüber 1,5 %; Dutasterid (24 Monate) 2,2 % gegenüber 0,8 %. Erektile Dysfunktion: Alfuzosin 2,8 % gegenüber 1,3 %, Doxazosin 5,8 % gegenüber 3,3 %, Finasterid 9 % gegenüber 5 %, Dutasterid 7,3 % gegenüber 4,0 %. Für Tadalafil und Tolterodin wurde keine negative Wirkung auf Ejakulation oder Libido berichtet, bei Pflanzenextrakten keine sexuellen Nebenwirkungen unter den häufigsten. Stärke: alle Wirkstoffklassen nebeneinander mit Placebozahlen. Schwächen: nicht systematisch, nur Maximalwerte, keine gepoolte Auswertung. Einordnung: Die Maximalwerte für Silodosin (28,1 %) und Tamsulosin (11 %) liegen deutlich unter mehreren Werten aus gezielten Fragebogenerhebungen bei Patienten (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien).
Metaanalysen aus anderen Indikationen: Harnleitersteine, vorzeitige Ejakulation
Alpha-Blocker werden auch bei Harnleitersteinen (medikamentöse Steinaustreibung), bei Beschwerden durch Harnleiterschienen und, außerhalb der Zulassung, bei vorzeitiger Ejakulation eingesetzt. Die Metaanalysen aus diesen Indikationen betreffen überwiegend Männer ohne BPH, oft kürzere Einnahmezeiten und andere Altersgruppen. Ihre Angaben zur Ejakulation sind daher von der BPH-Literatur unabhängig und liefern eine zweite, wenn auch nicht gleichwertige Prüfung des Signals. Der Abstract nennt jeweils nicht, wie die Ejakulation erfasst wurde.
Yang et al. 2016 [s118] – „The efficacy and safety of silodosin for the treatment of ureteral stones: a systematic review and meta-analysis“ (BMC Urol:23). Metaanalyse aus Yantai: sechs randomisierte Studien mit 916 Teilnehmern, Silodosin gegenüber Kontrollen. Austreibungs-OR 2,16 (95-%-Konfidenzintervall 1,62 bis 2,86; p < 0,00001). Abnormale Ejakulation häufiger unter Silodosin: OR 2,84 (1,56 bis 5,16; p = 0,0006). Heterogenität und Art der Kontrollen im Abstract nicht genannt.
Huang et al. 2016 [s111] – „Efficacy and safety of silodosin in the medical expulsion therapy for distal ureteral calculi: a systematic review and meta-analysis“ (Br J Clin Pharmacol:13-22). Metaanalyse aus Peking: acht Publikationen mit 1048 Patienten; Silodosin war Tamsulosin und Placebo bei der Austreibung überlegen, die „retrograde Ejakulation“ war unter Silodosin schlechter; die Komplikationen insgesamt unterschieden sich nicht (OR 1,00; 0,58 bis 1,74). Zahlen zur Ejakulation fehlen im Abstract.
Hsu et al. 2018 [s93] – „Silodosin versus tamsulosin for medical expulsive treatment of ureteral stones: A systematic review and meta-analysis“ (PLoS One:e0203035). Metaanalyse aus Taipeh: 16 Studien mit 1824 Patienten, Silodosin gegenüber Tamsulosin. Risikodifferenz der Austreibung 0,13 (0,09 bis 0,18); bei Steinen von 5 bis 10 mm 0,14 (0,06 bis 0,22; I² = 0 %); Austreibungszeit −2,55 Tage (−4,06 bis −1,04; I² = 85 %, also hohe Heterogenität). Retrograde Ejakulation war um 5 % häufiger unter Silodosin als unter Tamsulosin (im Abstract ohne Konfidenzintervall). Die Vertrauenswürdigkeit nach GRADE reichte von hoch (Austreibung) bis niedrig (Schmerzepisoden); eine Aussage für den Ejakulationsendpunkt nennt der Abstract nicht.
Yu et al. 2021 [s70] – „The efficacy and safety of alpha-adrenergic blockers for medical expulsion therapy in patients with ureteral calculi: A meta-analysis of placebo-controlled trials“ (Medicine (Baltimore):e27272). Metaanalyse aus Qingdao: acht placebokontrollierte Studien mit 2284 Patienten. Alpha-Blocker insgesamt ohne signifikanten Effekt auf die Steinaustreibung (RR 1,05; 1,00 bis 1,11), bei distalen Steinen RR 1,08 (1,02 bis 1,15). Schwindel RR 1,37 (1,06 bis 1,79), retrograde Ejakulation RR 3,10 (1,81 bis 5,29). Das ist die einzige hier gefundene Metaanalyse, die die Ejakulation für Alpha-Blocker als Klasse gegen Placebo in dieser Indikation quantifiziert; sie fasst allerdings verschiedene Wirkstoffe zusammen.
Yan et al. 2024 [s45] – „Evaluating the safety and effectiveness of α-blockers versus mirabegron for medical expulsive therapy in ureteral calculi: A Systematic review and meta-analysis“ (PLoS One:e0315328). Metaanalyse aus Liaocheng: sechs Publikationen mit 592 Patienten, Alpha-Blocker gegenüber Mirabegron (PROSPERO CRD42024595934). Austreibungsrate zugunsten der Alpha-Blocker (OR 1,51; 1,05 bis 2,16; P = 0,03). Unerwünschte Wirkungen unter Alpha-Blockern: orthostatische Hypotonie OR 12,16 (3,36 bis 43,95), Kopfschmerz OR 3,46 (1,41 bis 8,49), retrograde Ejakulation OR 16,30 (5,87 bis 45,31; P < 0,00001); Schwindel OR 1,65 (0,67 bis 4,09; kein Unterschied). Die Intervalle sind wegen der kleinen Ereigniszahlen sehr breit.
Guo et al. 2025 [s23] – „The efficacy and safety of mirabegron and α-adrenergic receptor antagonist in the treatment of distal ureteral stones: a systematic review and meta-analysis“ (Front Pharmacol:1517979). Metaanalyse aus Yantai: sechs Studien mit 487 Teilnehmern, Mirabegron gegenüber Alpha-Blockern bei distalen Harnleitersteinen. Steinaustreibungsrate RR 1,06 (0,93 bis 1,22; P = 0,34), Austreibungszeit MD 0,05 (−3,23 bis 3,34), Schmerzepisoden unter Mirabegron weniger (MD −0,36; −0,63 bis −0,09; P = 0,01). Weniger Kopfschmerz (RR 0,34; 0,13 bis 0,87) und orthostatische Hypotonie (RR 0,11; 0,02 bis 0,55) unter Mirabegron; Schwindel und Ejakulationsstörung waren gleich häufig. Das widerspricht dem Ergebnis von Yan und Kollegen (OR 16,30) [s45]; der Abstract erklärt den Unterschied nicht. Denkbar sind eine andere Studienauswahl und sehr kleine Ereigniszahlen; die Prüfung steht ohne Volltext aus.
Zhang et al. 2025 [s33] – „A systematic review and meta-analysis of the efficacy and safety of mirabegron vs. tamsulosin in alleviating double-J catheter related symptoms“ (Front Med (Lausanne):1669827). Metaanalyse aus Weifang zu Beschwerden durch Doppel-J-Katheter (Datenbanken unter anderem CNKI, Suche bis Juni 2024; PROSPERO CRD420251083374): Mirabegron gegenüber Tamsulosin. Der Arbeitsleistungsindex des Fragebogens zu Harnleiterschienen war unter Mirabegron besser (MD −1,01; −1,91 bis −0,11; p = 0,03; I² = 77 %), die Nebenwirkungen insgesamt seltener (RR 0,34; 0,13 bis 0,89; p = 0,03; I² = 0 %). Die Autoren nennen hypotensive Reaktionen und Ejakulationsstörung als tamsulosinbezogene Nebenwirkungen; eine eigene Ejakulationszahl und die Zahl der Studien nennt der Abstract nicht.
Zusammenfassend zeigt diese Gruppe ein erhöhtes Signal für Ejakulationsstörungen unter Alpha-Blockern (Silodosin stärker als Tamsulosin) [s118, s93, s70, s45], mit einem abweichenden Befund [s23]. Die Zahlen sind klein und breit, die Ejakulationserfassung ungeklärt.
Fauzan et al. 2024 [s36] – „Promising selective alpha-1 blocker silodosin as a new therapeutic strategy for premature ejaculation and analysis of its drug adverse effect: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica). Metaanalyse randomisierter Studien (PubMed, ScienceDirect, Cochrane Central; Cochrane-Handbuch; Review Manager 5.4) bei Männern mit vorzeitiger Ejakulation; vier Studien. Die intravaginale Ejakulationslatenzzeit war unter Silodosin länger als in den Kontrollen (Mittelwertdifferenz 132,54; 95-%-Konfidenzintervall 51,51 bis 213,57; p < 0,001; Einheit im Abstract nicht genannt), zugleich war das Risiko einer verminderten Samenmenge höher (OR 10,79; 3,46 bis 33,67; p < 0,0001). Stärke: Hier wird die Ejakulationshemmung als Wirkung gemessen. Schwächen: nur vier Studien, Heterogenität nicht angegeben, Einheit fehlt. Die Schlussfolgerung der Autoren zur klinischen Verwendung wird hier nicht übernommen. Lee et al. 2024 [s40] – „Efficacy of Various Treatment in Premature Ejaculation: Systematic Review and Network Meta-Analysis“ (The world journal of men's health): Netzwerk-Metaanalyse (PubMed und Cochrane Library bis September 2022) mit 59 Direktvergleichsstudien, 10.474 Patienten, 143 Effektgrößen und 43 Behandlungen; neun Monotherapien und vier Kombinationen waren signifikant, Tramadol 100 mg stand nach SUCRA an erster Stelle. Alpha-Blocker werden im Abstract nicht gesondert genannt, sodass die Arbeit für die vorliegende Frage nur den Rahmen liefert.
Metaanalysen zu 5-Alpha-Reduktase-Hemmern und zur Sexualfunktion
Diese Arbeiten betreffen nicht Alpha-Blocker, sondern die zweite große Klasse der Prostatamedikamente; sie sind für die Beurteilung von Kombinationen und für die Frage der Samenqualität nötig. Samenparameter wurden in keiner dieser Metaanalysen gepoolt.
Liu et al. 2016 [s113] – „Effect of 5α-Reductase Inhibitors on Sexual Function: A Meta-Analysis and Systematic Review of Randomized Controlled Trials“ (J Sex Med:1297-1310). 17 randomisierte Studien mit 17.494 Patienten (BPH und Alopezie; Suche auf englische Publikationen bis Oktober 2015 beschränkt). Gepoolte relative Risiken für sexuelle Dysfunktion: bei BPH 2,56 (95-%-Konfidenzintervall 1,48 bis 4,42), bei Alopezie 1,21 (0,85 bis 1,72); erektile Dysfunktion bei BPH 1,55 (1,14 bis 2,12), bei Alopezie 0,66 (0,20 bis 2,25); verminderte Libido bei BPH 1,69 (1,03 bis 2,79), bei Alopezie 1,16 (0,50 bis 2,72). Kein Publikationsbias. Ejakulation wurde nicht gesondert berichtet.
Lee et al. 2019 [s84] – „Adverse Sexual Effects of Treatment with Finasteride or Dutasteride for Male Androgenetic Alopecia: A Systematic Review and Meta-analysis“ (Acta Derm Venereol:12-17). 15 randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit 4495 Probanden zu Finasterid 1 mg und Dutasterid 0,5 mg bei Alopezie. Das Risiko sexueller Dysfunktion war 1,57-fach (1,19 bis 2,08); für Finasterid 1,66 (1,20 bis 2,30), für Dutasterid 1,37 (0,81 bis 2,32; nicht signifikant). Schwächen: wenige Dutasterid-Studien, Alopeziepopulation, kein getrennter Ejakulationsendpunkt im Abstract.
Zhang et al. 2022 [s65] – „Sexual, physical, and overall adverse effects in patients treated with 5α-reductase inhibitors: a systematic review and meta-analysis“ (Asian J Androl:390-397). 34 Studien aus 28 Artikeln (BPH oder Alopezie; Suche bis 10. Mai 2020). Gesamtrisiko „Post-Finasterid-Syndrom-artiger“ Nebenwirkungen 1,87 (1,64 bis 2,14), sexuelle Nebenwirkungen 1,89 (1,74 bis 2,05), körperliche Nebenwirkungen RR 1,31 (0,80 bis 2,15; nicht signifikant). Einzelne Ejakulationsdaten fehlen im Abstract.
Shin et al. 2019 [s87] – „Finasteride and Erectile Dysfunction in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia or Male Androgenetic Alopecia“ (World J Mens Health:157-165). Erzählende Übersicht: Bei BPH fänden die meisten Studien eine Korrelation von Finasterid und erektiler Dysfunktion, bei androgenetischer Alopezie überwiegend nicht; einzelne Studien berichteten auch bei Alopezie Sexualstörungen einschließlich Infertilität und Ejakulationsproblemen. Zahlen fehlen im Abstract.
Die Metaanalyse von Gacci [s137] ordnet 5-Alpha-Reduktase-Hemmer bei Ejakulationsstörungen ein (OR 2,73), die von Zhou die Kombination [s92]. Die Abstracts dieser Arbeiten trennen nicht zwischen Samenvolumen, Ejakulationsgefühl und Samenqualität.
Systematische Übersichten zu operativen Verfahren und Ejakulationserhalt (Kontext)
Operative Verfahren sind nicht Thema dieser Studie, liefern aber die am besten systematisierte Literatur zur Ejakulationsfunktion bei BPH und dienen als Vergleichsmaßstab: Sie zeigen, wie hoch die Rate retrograder Ejakulation bei einem Eingriff ist, der den Blasenhals oder die Prostataurethra anatomisch verändert, im Gegensatz zu einem rein pharmakologischen Eingriff in die Samenemission.
Manfredi et al. 2022 [s60] – „Impact of Surgery for Benign Prostatic Hyperplasia on Sexual Function: A Systematic Review and Meta-analysis of Erectile Function and Ejaculatory Function“ (European urology focus). Systematische Übersicht mit Metaanalyse (MEDLINE, Cochrane Library, Embase, Web of Science, Google Scholar; Suche Juli 2021; PROSPERO CRD42020177907): 151 Studien mit 20.531 Patienten; 48 randomisierte Studien mit 5045 Personen gingen in die Metaanalyse ein. In 122 Studien (80,8 %) wurde nur Erektions- und/oder Ejakulationsfunktion bewertet; 67 Artikel (44,4 %) nutzten nicht validierte Instrumente. Der IIEF-5 änderte sich gegenüber dem Ausgangswert nicht signifikant (transurethrale Resektion der Prostata: gewichtete Differenz 0,76 Punkte, 95-%-Konfidenzintervall −0,1 bis 1,62, p = 0,08; Laserverfahren 0,33, −0,1 bis 0,77; minimalinvasive Verfahren −1,37, −3,19 bis 0,44). Retrograde Ejakulation: nach transurethraler Resektion RR 13,31 (8,37 bis 21,17; p < 0,00001), nach anderen elektrochirurgischen Verfahren RR 34,77 (10,58 bis 127,82), nach Laserverfahren insgesamt RR 17,37 (5,93 bis 50,81); bei den meisten minimalinvasiven Verfahren keine signifikante Zunahme (p > 0,05). MSHQ-EjD konnte nur für die prostatische Urethralanhebung gepoolt werden (Funktion −0,80; −2,41 bis 0,81; p = 0,33; Belastungswert +0,76; 0,22 bis 1,30; p = 0,006). Stärken: sehr große Datenbasis, PROSPERO-Registrierung, getrennte Auswertung nach Verfahren. Schwächen: Ein- und Ausschlüsse umfassten auch nichtrandomisierte Studien; fast die Hälfte der Studien erfasste die Ejakulation mit nicht validierten Instrumenten; Heterogenitätsmaße nennt der Abstract nicht.
Marra et al. 2016 [s114] – „Systematic review of lower urinary tract symptoms/benign prostatic hyperplasia surgical treatments on men's ejaculatory function: Time for a bespoke approach?“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association). Übersicht (MEDLINE, Embase) über 42 randomisierte Studien mit 3857 Patienten. Nur eine Studie hatte die Ejakulationsstörung als primären Endpunkt, nur zehn werteten sie vor und nach dem Eingriff aus, die Definition war nicht standardisiert, und nur sieben nutzten international validierte Fragebögen. Transurethrale Resektion und neuere Laserverfahren (Holmium, Thulium, GreenLight) führten zu ähnlich hohen Raten, die der Abstract mit „almost three out of four to five men“ beschreibt (mehrdeutige Formulierung). Die Autoren bewerten die Methodik der meisten Studien als schwach.
Lebdai et al. 2019 [s83] – „Do patients have to choose between ejaculation and miction? A systematic review about ejaculation preservation technics for benign prostatic obstruction surgical treatment“ (World journal of urology). Systematische Übersicht (nur PubMed): Erhalt der antegraden Ejakulation bei modifizierter transurethraler Resektion 66 bis 91 %, bei modifizierter Photovaporisation 87 bis 96 %; in den einzigen hochwertigen Direktvergleichen mit regulärer Resektion 100 % (prostatische Urethralanhebung) und 90 % (Aquablation) gegenüber 34 %. Schwäche: Einzeldatenbank, keine Metaanalyse.
Verze et al. 2019 [s89] – „The impact of surgery for lower urinary tract symptoms/benign prostatic enlargement on both erectile and ejaculatory function: a systematic review“ (International journal of impotence research). Systematische Übersicht randomisierter Studien (Suche Juni 2018, Zeitraum 1998 bis 2018), die Erektion und Ejakulation per Fragebogen erhoben: 15 Studien. Der IIEF-5 lag vor der Operation zwischen 13,3 und 20,8, danach zwischen 13,4 und 20,7. Der MSHQ-EjD-Funktionswert lag im Ausgangswert zwischen 8,7 und 10,6, in der Nachbeobachtung zwischen 4,9 und 11,9. Die Ejakulationsfunktion verschlechterte sich in drei Studien nach transurethraler Resektion signifikant und besserte sich in zwei Studien nach Urethralanhebung; die Autoren sehen heterogene Veränderungen je nach Verfahren.
Lokeshwar et al. 2020 [s78] – „A Systematic Review of Reported Ejaculatory Dysfunction in Clinical Trials Evaluating Minimally Invasive Treatment Modalities for BPH“ (Current urology reports). Systematische Übersicht (MEDLINE, Suche bis 20. Februar 2020, Zehnjahresfenster): 19 randomisierte Studien in 40 Publikationen. Wasserdampftherapie (Rezūm), Urethralanhebung, Embolisation der Prostataarterie und Aquablation zeigten Raten retrograder Ejakulation unter 2 % nach einem Jahr; Urethralanhebung und Rezūm niedriger als Embolisation und Aquablation. Schwächen: nur eine Datenbank, keine gepoolten Effekte im Abstract.
Gemma et al. 2024 [s37] – „Impact of minimally invasive surgical procedures for Male Lower Urinary Tract Symptoms due to benign prostatic hyperplasia on ejaculatory function: a systematic review“ (Prostate cancer and prostatic diseases). Systematische Übersicht (MEDLINE, Embase, Web of Science, Januar 2000 bis Oktober 2022; PROSPERO CRD42023466515; ROBINS-I und RoB 2): 47 Studien (TIND 4, Rezūm 9, Urethralanhebung 13, Embolisation 21), überwiegend prospektive Kohorten mit niedrigem Verzerrungsrisiko. Rezūm: IPSS −47 bis −56 %, Qmax +39 bis +87 %, IIEF-5 −1 bis −3 %; Urethralanhebung: IPSS −35 bis −58,2 %, Qmax +49,9 bis +114,7 %. Auswirkung auf die Ejakulation minimal bei Rezūm und Urethralanhebung, begrenzte Evidenz bei Embolisation und TIND.
Bettencourt et al. 2026 [s02] – „Ejaculatory function after robotic waterjet ablation for the treatment of benign prostatic hyperplasia: a systematic review“ (International journal of impotence research). Systematische Übersicht (PubMed, Embase, Cochrane bis 1. Januar 2025): 15 Studien mit 1533 Patienten zur Aquablation. Erhalt der antegraden Ejakulation 72 bis 99,6 %; Erektionsfunktion stabil; eine randomisierte Studie gegenüber transurethraler Resektion zeigte deutlich weniger Ejakulationsstörungen, über bis zu fünf Jahre. Limitierungen: wenige randomisierte Studien, Nachbeobachtung kaum über 12 Monate.
Giulioni et al. 2026 [s06] – „Ejaculation-sparing endoscopic surgery for benign prostatic hyperplasia: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials“ (World journal of urology). Systematische Übersicht mit Metaanalyse randomisierter Studien (PRISMA 2020): acht Studien mit 562 Patienten, ejakulationsschonende endoskopische Verfahren gegenüber Standardverfahren. Erhalt der antegraden Ejakulation OR 15,11 (95-%-Konfidenzintervall 8,96 bis 25,46; p < 0,0001); höhere MSHQ-EjD-Werte und größeres Samenvolumen; IIEF-15 gleich, IIEF-5 leicht höher; der Harnfluss war nach drei Monaten bei konventionellen Verfahren höher, nicht mehr nach sechs. Heterogenität nennt der Abstract nicht.
Weitere Übersichten: Couteau et al. 2021 [s67], Kaltsas et al. 2024 [s39], Singh et al. 2025 [s29], Ramachandran et al. 2025 [s28]. Couteau und Kollegen („Ejaculations and Benign Prostatic Hyperplasia: An Impossible Compromise? A Comprehensive Review“ (Journal of clinical medicine)) werteten in einer erzählenden Übersicht 65 Artikel (1990 bis 2020) zu Pathophysiologie, Epidemiologie, Erfassung und Therapie ejakulatorischer Störungen bei BPH aus. 46 % der Männer mit LUTS berichteten Ejakulationsstörungen; die Häufigkeit nehme mit Alter und Symptomschwere zu, die funktionelle Beeinträchtigung hänge nicht vom Alter ab; es gebe nur vier ejakulationsspezifische Erhebungsinstrumente. Unter medikamentöser Therapie überwiege die Anejakulation gegenüber der retrograden Ejakulation (4 bis 30 % bei Alpha-Blockern, 4 bis 18 % bei 5-Alpha-Reduktase-Hemmern). Retrograde Ejakulation trete bei 50 bis 70 % nach transurethraler Resektion, bei 21 bis 35 % nach Prostatainzision und bei 11 bis 36 % nach anatomischer endoskopischer Enukleation auf; Erhalt von periprostatischem Gewebe um den Samenhügel gelte als Schlüssel. Stärke: zusammenhängende Darstellung der medikamentösen und operativen Daten. Schwäche: erzählende Methodik ohne formale Bewertung. Kaltsas („Evaluating the Impact of Benign Prostatic Hyperplasia Surgical Treatments on Sexual Health“ (Biomedicines)), Singh („Benign Prostatic Hyperplasia and Sexual Dysfunction: Review of the Impact of New Medical and Surgical Therapies on Sexual Health“ (Current urology reports)) und das Buchkapitel von Ramachandran („Surgery without Sacrifice: Understanding Ejaculation-Preserving TURP“ (Buchkapitel (Bookpi))) sind erzählende Übersichten ohne neue Zahlen im Abstract: Operationen schränkten häufig Ejakulation und Erektion ein; minimalinvasive Verfahren, besonders Aquablation, minderten die Ejakulationsstörung gegenüber der transurethralen Resektion; Singh betont zudem die Beratung über sexuelle Risiken auch bei medikamentöser Therapie.