Alpha-Blocker, Prostatamedikamente und retrograde Ejakulation · Kapitel 5 von 23 · Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Erzählende Übersichten zu Mechanismus, Klinik und Fruchtbarkeit und Zusammenschau der Metaanalysen

Erzählende Übersichten zu Mechanismus, Klinik und Fruchtbarkeit

Die erzählenden Übersichten enthalten überwiegend keine eigenen Zahlen im Abstract. Sie sind für die Einordnung wichtig, weil sie die Begriffsbildung („retrograd“ gegenüber „Emissionsausfall“) und die Rezeption in den Sprachräumen prägen. Methodisch gilt für alle: keine formale Suchstrategie oder nur eine Einzeldatenbank, keine Bewertung der Studienqualität, Gefahr der Auswahlverzerrung.

Kaplan 2009 [s186] – „Side Effects of alpha-Blocker Use: Retrograde Ejaculation“ (Reviews in urology). Der Abstract hält fest, dass fünf Alpha-Blocker in den USA zugelassen sind und die Leitlinienkommission der American Urological Association sie als gleich wirksam ansieht, sie sich aber in der Wahrscheinlichkeit einer abnormalen Ejakulation unterscheiden. Zahlen fehlen. Cho und Yoo 2014 [s134] – „Silodosin for the treatment of clinical benign prostatic hyperplasia: safety, efficacy, and patient acceptability“ (Res Rep Urol:113-119): Silodosin 8 mg täglich verbesserte IPSS und Qmax gegenüber Placebo; Verlängerungsstudien aus den USA, Europa und Asien; die retrograde oder abnormale Ejakulation sei in den Studien die häufigste gemeldete Nebenwirkung gewesen, wenige Patienten hätten deshalb abgesetzt. Montorsi 2013 [s150] – „Profile of silodosin (Profil von Silodosin)“ (Urologiia) (russische Übersetzung der Silodosin-Übersicht): Die Phase-3-Studien mit 8 mg täglich an mehr als 800 Patienten zeigten Überlegenheit gegenüber Placebo (p < 0,001) und mindestens Gleichwertigkeit mit Tamsulosin; in einer Sicherheitsanalyse an 1581 Patienten unter Dauerbehandlung sei die „retrograde Ejakulation“ (Anejakulation) die häufigste unerwünschte Wirkung gewesen und habe nur bei 3,9 % zum Therapieabbruch geführt. Interessenkonflikte sind im Abstract nicht ausgewiesen.

Masumori 2011 [s169] – „Naftopidil for the treatment of urinary symptoms in patients with benign prostatic hyperplasia“ (Ther Clin Risk Manag:227-238). Naftopidil sei nur in Japan zugelassen und habe eine etwa dreifach höhere Affinität zum Alpha-1D- als zum Alpha-1A-Subtyp; Ejakulationsstörungen seien möglicherweise seltener als unter Tamsulosin und Silodosin; die Übertragbarkeit auf weiße, schwarze und hispanische Männer sei unbekannt. Chen, Li und Dong 2008 [s193] – „alpha1-adrenoceptor antagonists and ejaculation dysfunction (Alpha-1-Adrenozeptor-Antagonisten und Ejakulationsstörung)“ (Zhonghua Nan Ke Xue:364-367) (chinesischsprachig): Referat zur Verteilung der Alpha-1-Adrenozeptoren im männlichen Genitale, zur Beziehung zur Ejakulation und zum möglichen Mechanismus der Störung; keine eigenen Befunde im Abstract. Chen et al. 2009 [s182] – „Blockade of alpha 1A-adrenoceptor: a novel possible strategy for male contraception“ (Med Hypotheses:140-141): Hypothesenartikel ohne eigene Daten; die Blockade des Alpha-1A-Rezeptors könne die Beweglichkeit der akzessorischen Geschlechtsorgane und damit den Spermientransport hemmen und deshalb als männliches Verhütungsprinzip wirken. Die Wirksamkeitsaussage ist unbelegt; die Arbeit ist als Ideengeber zu lesen.

Michel 2007 [s199] – „Alpha1-adrenoceptors and ejaculatory function“ (British journal of pharmacology). Kommentar zu einer Knockout-Mausstudie. Bei Mäusen ohne Alpha-1-Rezeptoren seien Ejakulation und Fruchtbarkeit vermindert gewesen, was auf eine gestörte Funktion des Samenleiters zurückgeführt wurde, nicht auf eine veränderte Spermienbildung; der Kommentar spricht für die klinische Störung eher von einer relativen Anejakulation. Der Befund betrifft einen Genausfall, nicht die Arzneimittelwirkung.

Giuliano und Droupy 2013 [s145] und Rigot, Marcelli und Giuliano 2013 [s151] – „Sexual side effects of pharmacological treatments (Sexuelle Nebenwirkungen pharmakologischer Behandlungen)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie); „Ejaculatory disorders except premature ejaculation, orgasmic disorders (Ejakulationsstörungen außer vorzeitiger Ejakulation, Orgasmusstörungen)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie). Beide Texte (Progrès en Urologie) verbinden Literaturdurchsicht mit Expertenmeinung. Giuliano und Droupy nennen unter den Alpha-Blockern Tamsulosin und Silodosin als häufig für Anejakulation verantwortlich; 5-Alpha-Reduktase-Hemmer führten zu geringeren sexuellen Störungen; Serotonin-Wiederaufnahmehemmer stünden an erster Stelle der Substanzen mit sexuellen Nebenwirkungen; Korrelation der behandelten Erkrankung mit der Arzneimittelfolge sei möglich (bei LUTS ist Sexualstörung Teil des Krankheitsbildes). Rigot und Kollegen betonen, Ejakulations- und Orgasmusstörungen außer der vorzeitigen Ejakulation seien selten; bei erworbenen Störungen müssten Psychopharmaka, Tramadol und Alpha-Blocker, „Tamsulosin und Silodosin immer“, erfragt werden; bei Kinderwunsch sei die Behandlung oft schwierig. Schwäche: Expertenübersichten ohne systematische Suche.

Seyam 2013 [s153] – „A systematic review of the correlates and management of nonpremature ejaculatory dysfunction in heterosexual men“ (Therapeutic advances in urology). Systematische Übersicht (Medline, nur Englisch, nur Männer): 333 Artikel zur nicht vorzeitigen Ejakulationsstörung. Sie trete gehäuft bei Antidepressiva und Antipsychotika, chronischer Prostatitis, LUTS (besonders im Zusammenhang mit medikamentöser oder operativer Behandlung), nach retroperitonealer Operation und bei neurologischen Erkrankungen auf; zur Therapie lägen wenige Arbeiten vor. Stand 2013, also vor den meisten Silodosin-Studien; keine alpha-blockerspezifischen Zahlen im Abstract.

Otani 2019 [s85] – „Clinical review of ejaculatory dysfunction“ (Reproductive medicine and biology). Übersicht aus Japan mit neuer Einteilung: Gruppe 1 mit Unfähigkeit zu ejakulieren (retrograde Ejakulation, Anejakulation, intravaginale Ejakulationsstörung), Gruppe 2 mit abnormer Ejakulationszeit (vorzeitig, verzögert). In Japan stellten sich mehr Männer mit Unfähigkeit zu ejakulieren vor als mit vorzeitiger Ejakulation. Penile Vibrationsstimulation oder Elektroejakulation kämen bei einem Teil der Männer mit retrograder Ejakulation oder Anejakulation in Frage; bei Kinderwunsch sei die Reproduktionsmedizin parallel zu erwägen. Keine Zahlen.

Konstantinidis et al. 2025 [s25] – „Recent Advances in the Diagnosis and Management of Retrograde Ejaculation: A Narrative Review“ (Diagnostics). Erzählende Übersicht (Athen; ein Mitautor aus der Türkei). Ursachen: anatomisch, neurologisch, pharmakologisch, endokrin; häufig Diabetes, Rückenmarkverletzung und Prostataoperationen. Diagnostik: Anamnese, Analyse des Urins nach der Ejakulation, bildgebende Verfahren. Sympathomimetika und Parasympatholytika hätten teilweise Erfolge, aber begrenzt durch Nebenwirkungen und schwankende Ergebnisse; assistierte Reproduktion mit Spermien aus dem Urin nach Alkalisierung und besonderer Aufbereitung sei ein gangbarer Weg. Die Autoren nennen kleine Stichproben und fehlende robuste Studien als Hauptmangel. Akhavizadegan et al. 2022 [s57] – „Sperm Retrieval in Non-azoospermic Patients with Persistent Ejaculation Dysfunction“ (Journal of reproduction & infertility): Übersicht (Teheran) zur Spermiengewinnung bei nicht-azoospermen Männern mit anhaltender Ejakulationsstörung; sie skizziert ein Vorgehen, nennt im Abstract aber weder Zahlen noch Alpha-Blocker. Gupta et al. 2021 [s69] – „A comprehensive guide to sperm recovery in infertile men with retrograde ejaculation“ (The World Journal of Men's Health): Leitfaden zur Spermiengewinnung bei retrograder Ejakulation (Zugriff über das französische Archiv HAL); der Abstract wurde in dieser Recherche nicht ausgewertet. Syrkasheva et al. 2016 [s121] – „Ретроградная эякуляция и мужской фактор бесплодия (обзор литературы) (Retrograde Ejakulation und männlicher Infertilitätsfaktor, Literaturuebersicht)“ (Экспериментальная и клиническая урология): russischsprachige Übersicht; es gebe keinen einheitlichen Behandlungsablauf, auch nicht in Programmen der assistierten Reproduktion, und die Datenlage reiche nicht für einen Methodenvergleich. Gemeinsame Schwäche: Die Übersichten liefern keine Alpha-Blocker-spezifischen Fruchtbarkeitsdaten.

Halawani et al. 2024 [s38] – „Risks and side effects in the medical management of benign prostatic hyperplasia“ (Prostate international) und Yu et al. 2020 [s82] – „Efficacy and Side Effects of Drugs Commonly Used for the Treatment of Lower Urinary Tract Symptoms Associated With Benign Prostatic Hyperplasia“ (Front Pharmacol:658). Zwei erzählende Übersichten zur medikamentösen BPH-Therapie. Halawani und Kollegen behandeln Risiken und Nebenwirkungen; Yu und Kollegen Wirkmechanismen, Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Alpha-Blockern, 5-Alpha-Reduktase-Hemmern, PDE-5-Hemmern, Muskarinantagonisten, Beta-3-Agonisten und Pflanzenextrakten. Beide enthalten im Abstract keine neuen Zahlen. Akın et al. 2023 [s49] – „Alfa blokerlerin ejakülasyon üzerine etkisi: Literatür güncellemesi (Wirkung von Alpha-Blockern auf die Ejakulation: Literaturaktualisierung)“ (Androloji Bülteni 2023:208-211) (türkischsprachig): beschreibt Mechanismen und klinische Ergebnisse der Alpha-Blocker-Wirkung auf die Ejakulation; im Abstract weder Zahlen noch Methodik. Tezer et al. 2007 [s203] – „BPH’de alfa bloker tedavisi ve cinsel işlevlere etkileri (Alpha-Blocker-Therapie bei BPH und Auswirkungen auf die Sexualfunktion)“ (Türk Üroloji Dergisi/Turkish Journal of Urology 33:24-35): Alpha-Blocker wirkten günstig auf die Erektion, senkten aber das Ejakulationspotenzial; die negativen Ejakulationseffekte seien bei pharmakologisch selektiven Alpha-Blockern besonders ausgeprägt. Lukyanov und Kotov 2006 [s212] – „Медикаментозная терапия доброкачественной гиперплазии предстательной железы и сексуальная дисфункция (Medikamentoese Therapie der BPH und sexuelle Dysfunktion)“ (Клиницист): Tamsulosin sei von den uroselektiven Mitteln mit erhöhtem Ejakulationsrisiko verbunden, Alfuzosin dagegen nicht; zitierte Prävalenz von Ejakulationsstörungen bei erektionsfähigen Männern 46 %, bei 5 % fehlende Ejakulation, schmerzhafte Ejakulation bei 17 bis 23 % der BPH-Männer. Shiryaev et al. 2020 [s80] – „Alpha1-adrenergic blockers therapy and sexual function (Therapie mit Alpha-1-Adrenoblockern und Sexualfunktion)“ (Urologiia): Die Autoren schreiben, Alfuzosin beeinträchtige die Sexualfunktion nicht und könne Erektion und Ejakulation verbessern; der Abstract nennt weder Suchstrategie noch Zahlen, die Aussage ist deshalb als Expertenmeinung einzustufen. Die in zwei dieser Übersichten ausgesprochenen Wirkstoffempfehlungen werden hier nicht übernommen.

Roztocka et al. 2026 [s17] – „Alpha-Adrenoceptor Blockade as a Novel Pathway Toward Non-Hormonal Male Contraception: A Mechanistic and Clinical Evidence Review“ (Journal of clinical medicine). Erzählende Übersicht zu Alpha-Blockade als nichthormonalem Kontrazeptionsprinzip (klinische und präklinische Evidenz). Hemmung der Alpha-1-vermittelten Kontraktion glatter Muskulatur in Samenleiter, Samenblasen und Prostata könne die Emissionsphase der Ejakulation beeinträchtigen; Tamsulosin und Silodosin bewirkten Anejakulation oder deutlich verminderte Samenmenge, was aber nicht mit nachgewiesener kontrazeptiver Wirksamkeit gleichzusetzen sei. Die Übersicht nennt eine prospektive Pilotstudie und eine randomisierte placebokontrollierte Studie zu Silodosin: Nach 12 Wochen hätten 94 % der Teilnehmer höchstens 1 × 10^6 Spermien je Ejakulat gehabt, die Schwangerschaftsinzidenz habe 4 % gegenüber 17 % unter Placebo betragen [s15]. Verlässliche Wirksamkeit bei einzelnen sexuellen Kontakten sei nicht belegt, die Sicherheit bei gesunden Männern nicht ausreichend charakterisiert; die Wirkung beruhe auf Beeinträchtigung der Samenemission und nicht auf direkter Hemmung der Spermatogenese. Zitzmann 2026 [s18] – „Male contraception-scientific foundations and contemporary progress (Männliche Kontrazeption: wissenschaftliche Grundlagen und aktuelle Fortschritte)“ (Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz) (deutschsprachiger Überblick): behandelt hormonelle Verfahren, den Retinsäurerezeptor-Alpha-Antagonisten YCT-529 und Hemmer der löslichen Adenylylcyclase; Alpha-Blocker kommen im Abstract nicht vor.

Rayburn et al. 2018 [s96] – „FDA-approved drugs that are spermatotoxic in animals and the utility of animal testing for human risk prediction“ (Journal of assisted reproduction and genetics). Übersicht der Fachinformationen (DailyMed) und der Literatur zu 235 von der US-Arzneimittelbehörde zugelassenen Einzelwirkstoffen mit spermatotoxischem Befund im Tierversuch. Für 49 dieser Wirkstoffe gab es dokumentierte negative Wirkungen auf menschliche Spermien, für 31 keinen oder einen positiven Effekt, für 155 keine Humandaten; die Autoren schließen, die gängigen Tiermodelle sagten die Spermientoxizität beim Menschen nicht gut voraus. Das ist der Rahmen für die Bewertung aller Tierbefunde zu Tamsulosin und Silodosin: Sie sind weder Beleg noch Entwarnung für den Menschen.

Bewertungen von Leitlinien: Xu et al. 2020 [s81] und Zeng et al. 2017 [s108]. Beide Arbeiten (chinesische Gruppen; „α1-Blockers and 5α-Reductase Inhibitors Are the Most Recommended Drugs in Treating Benign Prostatic Hyperplasia: An Evidence-Based Evaluation of Clinical Practice Guidelines“ (Front Pharmacol:311); „Evidence-based evaluation of recent clinical practice guidelines for the diagnosis and treatment of benign prostatic hyperplasia (Evidenzbasierte Bewertung aktueller klinischer Leitlinien zur Diagnose und Behandlung der benignen Prostatahyperplasie)“ (Zhonghua Yi Xue Za Zhi:1683-1687)) bewerteten BPH-Leitlinien mit dem Instrument AGREE II: 22 Leitlinien bei Xu (mediane Bereichswerte 71,5 %, 41 %, 25 %, 64 %, 18 % und 28 %) und 15 Leitlinien bei Zeng (72 %, 38 %, 30 %, 58 %, 16 % und 40 %). Beide finden die Empfehlungen weitgehend ähnlich; fast alle Leitlinien empfählen Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, die meisten deren Kombination. Zu Ejakulation oder Fruchtbarkeit enthalten die Abstracts keine Aussage. Die niedrigen Werte für Methodik (25 % und 30 %) und Anwendbarkeit (18 % und 16 %) weisen darauf hin, dass die Leitlinien selbst methodisch schwach abgesichert sind (Reihenfolge der Bereiche wie im Abstract wiedergegeben). Poirier 2009 [s190] – „L'hypertrophie bénigne de la prostate et son traitement médicamenteux (Die benigne Prostatahyperplasie und ihre medikamentöse Behandlung)“ (Mémoire (Pharmazie), Université de Lorraine) ist eine französische Abschlussarbeit (Literaturarbeit) zur medikamentösen BPH-Therapie ohne Ejakulationsbezug.

Zusammenschau der Metaanalysen

Die folgende Tabelle stellt die Ejakulationsbefunde der Metaanalysen nebeneinander. Sie ist keine Poolung: Populationen, Vergleichsarme, Erfassung und Dauer unterscheiden sich, und die Maße (Odds Ratio, Risikoverhältnis, Risikodifferenz) sind nicht ineinander umrechenbar.

ArbeitIndikationVergleichBefund zur Ejakulation
Gacci 2014 [s137]BPHAlpha-Blocker gegen PlaceboOR 5,88 (P < 0,0001); Tamsulosin OR 8,58; Silodosin OR 32,5
Jung 2017 [s103]BPHSilodosin gegen PlaceboRR 26,07 (12,36 bis 54,97)
Jung 2017 [s103]BPHSilodosin gegen TamsulosinRR 6,05 (3,55 bis 10,31)
Jung 2017 [s103]BPHSilodosin gegen NaftopidilRR 5,93 (2,16 bis 16,29)
Jung 2017 [s103]BPHSilodosin gegen AlfuzosinRR 37,21 (5,32 bis 260,07)
Hwang 2018 [s94]BPHNaftopidil gegen SilodosinRR 0,15 (0,06 bis 0,42)
Hwang 2018 [s94]BPHNaftopidil gegen TamsulosinRR 0,54 (0,24 bis 1,22)
Li 2025 [s26]BPHSilodosin gegen PlaceboRR 24,94 (P < 0,001)
Ding 2013 [s144]BPHSilodosin gegen Tamsulosin 0,2 mgkein signifikanter Unterschied
Zhou 2019 [s92]BPHTamsulosin plus Dutasterid gegen TamsulosinEjakulationsstörung OR 3,37 (1,97 bis 5,79)
Guo und Tang 2021 [s68]BPHDoxazosin-GITS gegen Tamsulosinkein Unterschied (P = 0,187)
Yang 2016 [s118]HarnleitersteinSilodosin gegen KontrolleOR 2,84 (1,56 bis 5,16)
Yu 2021 [s70]HarnleitersteinAlpha-Blocker gegen PlaceboRR 3,10 (1,81 bis 5,29)
Yan 2024 [s45]HarnleitersteinAlpha-Blocker gegen MirabegronOR 16,30 (5,87 bis 45,31)
Guo 2025 [s23]HarnleitersteinMirabegron gegen Alpha-Blockervergleichbar
Fauzan 2024 [s36]vorzeitige EjakulationSilodosin gegen Kontrolleverminderte Samenmenge OR 10,79 (3,46 bis 33,67)

Was sich daraus ablesen lässt, und was nicht:

  1. Rangfolge der Wirkstoffe. Silodosin ist in allen Metaanalysen, die es einbeziehen, mit dem höchsten Risiko verbunden, Tamsulosin mit einem deutlich niedrigeren, aber erhöhten, Naftopidil mit einem niedrigeren, Doxazosin, Terazosin und Alfuzosin mit einem Risiko nahe Placebo [s137, s103, s94, s04, s123]. Abweichend zeigen die Metaanalyse von Ding und Kollegen und die von Guo und Tang keinen signifikanten Unterschied zwischen Silodosin und Tamsulosin 0,2 mg beziehungsweise zwischen Doxazosin und Tamsulosin [s144, s68]. Ob dies auf der Studienauswahl, der niedrigen Tamsulosindosis oder der Erfassung beruht, ist aus den Abstracts nicht zu entscheiden.
  2. Spannweite der Effektgrößen. Die Risikoverhältnisse gegenüber Placebo reichen für Silodosin von 24,94 bis 26,07 bei BPH [s26, s103] und für Tamsulosin bei etwa 8,6 [s137]; für Harnleitersteine liegen die Werte niedriger (2,84 bis 3,10) beziehungsweise bei einem Vergleich mit Mirabegron höher (16,30), aber mit breitem Intervall [s118, s70, s45]. Die Spannweite spiegelt unterschiedliche Placeboraten, kleine Ereigniszahlen und unterschiedliche Dosierungen wider.
  3. Absolute Zahlen. Die einzige Metaanalyse mit absoluten Zusatzereignissen nennt für Silodosin gegenüber Placebo 180 zusätzliche Ereignisse je 1000 Männer (Intervall 82 bis 388) [s103]. Die Maximalwerte aus Zulassungsstudien (Silodosin 28,1 %, Tamsulosin 11 %) [s123] liegen in derselben Größenordnung wie diese absolute Differenz.
  4. Zusammenhang mit der Wirkung. Die Ejakulationsstörung ist in der Metaregression unabhängig mit der Besserung von IPSS und Qmax verbunden [s137]; Post-hoc-Analysen von Zulassungsstudien beschreiben dasselbe Muster, sind aber wegen der nachträglichen Gruppenbildung nach einem Ereignis nach der Randomisierung anfällig für Verzerrung (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien) [s170, s179].
  5. Fehlende Evidenz. Keine Metaanalyse betrachtet Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie oder DNA-Fragmentation unter Alpha-Blockern; keine betrachtet Schwangerschaften der Partnerinnen von Patienten; keine Metaanalyse trennt Anejakulation von Rückfluss. Die einzigen kontrollierten Hinweise auf Samenparameter und Schwangerschaften stammen aus Studien an gesunden Männern, die nicht Gegenstand dieses Kapitels sind [s183, s15]; die Übersichtsarbeit zur Kontrazeption bewertet sie als Beleg für Emissionshemmung, nicht für eine Wirkung auf die Spermatogenese [s17].
Alle Kapitel und Anhänge (27)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Lesehilfe und Abgrenzung bis Systematische Übersichten zu operativen Verfahren und Ejakulationserhalt (Kontext)
  5. Erzählende Übersichten zu Mechanismus, Klinik und Fruchtbarkeit und Zusammenschau der Metaanalysen
  6. Lesehilfe bis Silodosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf der Ejakulationsstörung bei Patienten
  7. Alpha-Blocker allgemein und Tamsulosin: Häufigkeit, Belastung und Verlauf bis Befragungen von Ärzten und Aufklärungspraxis
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien und Lücken, Widersprüche und Grenzen der Quellenlage
  9. Zur Lesart dieses Abschnitts bis Randomisierte und vergleichende Studien bei Patienten mit LUTS/BPH
  10. Beobachtungsstudien mit Patienten: Silodosin bis Leitlinien
  11. Tierversuche und Gewebestudien
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Koreanisch
  15. Russisch bis Türkisch
  16. Rückfluss in die Blase oder Ausfall der Samenemission? bis Operation oder Medikament: welches schont die Ejakulation mehr?
  17. Unstimmigkeiten innerhalb einzelner Abstracts und Was bleibt als Befund zu den Widersprüchen
  18. Limitationen der Evidenz
  19. Offene Forschungsfragen
  20. Praktische Einordnung
  21. Glossar
  22. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  23. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  24. Diagramme
  25. Quellen s01–s116
  26. Quellen s117–s229
  27. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle