Beobachtungsstudien mit Patienten: Silodosin
Roehrborn et al. 2011 [s170] (Post-hoc-Analyse zweier Phase-3-Studien, Männer ab 50 Jahren mit IPSS ≥ 13 und Qmax 4 bis 15 ml/s, 12 Wochen Silodosin 8 mg einmal täglich oder Placebo): Von 466 Silodosin-Patienten berichteten 131 (28 Prozent) eine „retrograde Ejakulation“, unter Placebo 4 von 457 (0,9 Prozent). Bei 110 von 134 Ereignissen (82 Prozent) lautete die Angabe „Orgasmus mit fehlender Samenemission“. Beide Untergruppen besserten sich gegenüber Placebo in IPSS, Qmax und Lebensqualität (P < 0,02); die Chance auf mindestens 3 Punkte IPSS- und 3 ml/s Qmax-Verbesserung war in der Untergruppe mit Ejakulationsveränderung 1,75-fach (P = 0,0127). Die Gruppenbildung geschah nach einem Ereignis nach der Randomisierung; der Begriff „retrograd“ steht neben der Mehrheitsangabe „fehlende Samenemission“. Homma et al. 2010 [s179] (Post-hoc-Analyse einer japanischen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, Silodosin 4 mg zweimal täglich, Tamsulosin 0,2 mg, Placebo): In der Silodosin-Untergruppe mit Ejakulationsstörung war die IPSS-Veränderung größer als in der Untergruppe ohne Störung (Differenz −4,36; 95-%-KI −6,44 bis −2,27) und größer als unter Placebo (−6,29; −8,44 bis −4,14); die Abbruchraten waren in beiden Silodosin-Untergruppen ähnlich. Beide Analysen zeigen Korrelation, keine Ursache.
Sakata und Morita 2012 [s163] (Fragebogen bei 91 Patienten unter Silodosin 4 mg zweimal täglich): Ejakulationsstörungen bei 38 (42 Prozent); nur 40 (44 Prozent) gaben sexuelle Handlungen nach der Einnahme an, unter diesen hatten 38 (95 Prozent) eine Störung; 29 von 38 (76 Prozent) fühlten sich dadurch gestört; wegen der Störung setzten 2 (5 Prozent) ab, die gesamte Abbruchrate lag bei 2 Prozent. Bozkurt et al. 2015 [s122] (30 sexuell aktive Männer, mittleres Alter 56,7 ± 6,9 Jahre, Silodosin 8 mg über vier Wochen): IPSS und Lebensqualität besserten sich; die IIEF-Erektionsdomäne sank leicht von 26,7 ± 1,9 auf 22,9 ± 7,5 (P < 0,05), Orgasmusfunktion, Lust und Zufriedenheit blieben unverändert; 27 von 30 (90 Prozent) hatten eine gestörte Ejakulation; das Samenblasenvolumen nahm von 8,1 ± 6,4 auf 16,4 ± 8,2 ml zu (P < 0,001), was die Autoren als Ansammlung von Sekret bei fehlender Entleerung deuten. Yuruk et al. 2017 [s107] (104 Männer mit Becken-MRT) fanden eine positive Korrelation zwischen Samenblasenfläche und Abstinenzdauer (r = 0,372; p = 0,0001) bei mittlerer Abstinenz von 3,6 ± 2,6 Tagen; das Samenblasenvolumen ist also abstinenzabhängig, was für die Deutung von [s122] relevant ist, wo die Abstinenz laut Abstract nicht kontrolliert wurde.
Akgül et al. 2021 [s66] (118 Patienten unter Silodosin 8 mg täglich, IIEF, MSHQ-EjD, Beck-Depressionsskala, Golombok-Rust-Skala, Kontrolle nach drei Monaten): Abnorme Ejakulation bei 52,5 Prozent; etwa 42 Prozent der Betroffenen wollten absetzen gegenüber 7,1 Prozent der Patienten ohne Störung (p < 0,001); wer mit der Wirksamkeit zufrieden war, wollte das Medikament trotz Störung nicht wechseln. Cihan et al. 2020 (Andrology Study Group, Society of Urologic Surgery-Turkey) [s71] (retrospektiv, acht Kliniken, 187 Patienten rekrutiert, 98 mit vollständiger Dreimonatsbeobachtung ausgewertet, mittleres Alter 59,5 Jahre, Silodosin 8 mg): 16 von 187 (8 Prozent) wollten wegen Anejakulation absetzen; Anejakulation berichteten 46 (46,9 Prozent) im ersten und 49 (50 Prozent) im dritten Monat; neu aufgetretene erektile Dysfunktion bei 15 (15,3 Prozent). Die geschätzte IELT stieg (Monat 1 p = 0,01, Monat 3 p = 0,002), SHIM und PEP besserten sich im dritten Monat; in der Untergruppe mit Anejakulation waren die SHIM-Werte sogar besser als bei erhaltener Ejakulation. Wer wegen Nebenwirkungen absetzte, fehlt in der Dreimonatsauswertung; die Anejakulationsrate könnte unterschätzt sein. Gul et al. 2020 [s76] (234 Patienten ab 40 Jahren, Silodosin 4 oder 8 mg, Auswertung nach drei Monaten): Bei mäßigen LUTS kein Unterschied zwischen den Dosen; bei schweren LUTS war 8 mg im IPSS-Gesamtwert (p = 0,015), im Entleerungs-Subscore (p = 0,030) und in der Lebensqualität (p < 0,001) überlegen; unerwünschte Ereignisse traten unter 8 mg häufiger auf (p = 0,024). Ejakulationsdaten sind nicht gesondert berichtet.
Descazeaud et al. 2014 [s136] (Praxisbeobachtung in Frankreich, 272 Urologen, 914 ausgewertete Patienten, mittleres Alter 66 Jahre): Nach drei Monaten sank der IPSS von 16,2 ± 6,1 auf 9,7 ± 5,5 (P < 0,0001). Mindestens ein unerwünschtes Ereignis hatten 21,2 Prozent; das häufigste war abnorme Ejakulation (17,2 Prozent); deswegen setzten 7,1 Prozent ab; nach drei Monaten wurde Silodosin bei 86,9 Prozent fortgeführt. Pushkar et al. 2015 [s127] (Silodosin 8 mg, 1000 Patienten, mittleres Alter 64,99 ± 8,07 Jahre): IPSS von 19,29 ± 5,93 auf 9,84 ± 4,90 zur letzten Visite (p < 0,001); 12 Patienten (1,2 Prozent) brachen vorzeitig ab, vier davon wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen; eine Ejakulationsstörung wird im Abstract nicht als Ereigniskategorie genannt. Abnorme Ejakulation hatten 55 (5,5 Prozent) in der Vorgeschichte. Kirilenko und Onopko 2016 [s120] (26 ambulante Patienten, Silodosin 8 mg über acht Wochen): unerwünschte Ereignisse bei fünf (19,2 Prozent), am häufigsten Anejakulation bei drei, nicht abbruchwirksam. Kogan und Kireev 2013 [s149] (Silodosin 8 mg, 40 Patienten): Ejakulationsstörungen seien bei hypersexuellem Phänotyp weniger typisch (Zahlen fehlen im Abstract).
Furuya et al. 2010 [s178] (retrospektiv, 195 ausgewertete Patienten, mittleres Alter 68,1 Jahre, mittlere Behandlungsdauer 3,1 Monate): Nebenwirkungen bei 56 von 195 (28,7 Prozent), die häufigste war abnormale Ejakulation (10,8 Prozent); Betroffene waren jünger (65,4 gegenüber 69,2 Jahre); die Fortführungsrate betrug nach einem Jahr 12,0 Prozent. Wada et al. 2011 [s174] (98 Patienten, drei Dosierungsschemata mit 4 mg): drei Patienten (52, 59 und 76 Jahre) erlebten eine abnormale Ejakulation; die Ejakulation war kein Studienziel. Moon et al. 2014 [s140] (100 Männer mit IPSS ≥ 20, Silodosin 8 mg, 12 Wochen): Ejakulationsversagen bei 13 Fällen, kein Abbruch, bei 12 der 13 vollständig ohne Behandlung abgeklungen. Choi et al. 2017 [s101] (48 Männer ab 65 Jahren unter Blutdruckmedikation, retrospektiv): eine zum Absetzen führende Ejakulationsstörung bei einem Patienten (2,5 Prozent). Moon et al. 2015 [s126] (95 Patienten mit neurogener Blase, Silodosin 8 mg über 12 Wochen, 82 ausgewertet): Hauptnebenwirkung Ejakulationsstörung, ohne Zahl. Yamanishi et al. 2015 [s131] (Silodosin-Monotherapie über mehr als sechs Jahre, 104 Patienten, 71,5 ± 8,2 Jahre): Nebenwirkungen bei 14 (13,5 Prozent), häufigste Ejakulationsstörung (5,8 Prozent); nach 72 Monaten nahmen noch 26 (25,0 Prozent) Silodosin; Überlebensbias ist wahrscheinlich. Castro Díaz et al. 2014 [s133] (Querschnitt, 1019 Patienten): SFI-Ejakulation 4,50 (2,06); die Langzeitbehandlung verschlechtere die Lebensqualität nicht. Salinas et al. 2015 und 2016 [s128, s115]: retrospektive URAL-Beobachtungen ohne Ejakulationsendpunkt im Abstract.
Beobachtungsstudien mit Patienten: Tamsulosin und andere Alpha-Blocker
Song et al. 2011 [s172] (177 Männer, IPSS ≥ 8, Tamsulosin 0,2 mg einmal täglich, 12 Wochen): Ejakulationsstörung insgesamt 13,4 Prozent; nach Typ verminderte Häufigkeit 2,4, Verzögerung 3,1, Trockenheit 3,9, verminderte Stärke 3,9, vermindertes Volumen 6,3, verminderte Lust 7,1, Schmerz 3,1 Prozent (die Einzelwerte summieren sich auf mehr als 13,4 Prozent, vermutlich wegen Mehrfachnennungen, was der Abstract nicht sagt). Die MSHQ-Mittelwerte unterschieden sich zwischen Ausgangswert und Nachbeobachtung nicht; die Störung trat häufiger bei weniger Harnsymptomen, kleinerer Prostata und höheren Ausgangswerten der Ejakulationsfunktion auf. Song et al. 2007 [s202] (108 Patienten, Tamsulosin 0,2 mg, acht Wochen): Orgasmusbereich 16,3 ± 9,3 auf 15,7 ± 9,6; in der Untergruppe mit besserer Erektionsfunktion sank der Wert für die Zufriedenheit mit der Ejakulation von 3,0 ± 1,2 auf 2,5 ± 1,5 (p = 0,01). Park et al. 2004 [s219] (268 Patienten, 165 schlossen ab): Das Ejakulatvolumen sank um 14 Prozent nach vier und um 22 Prozent nach zwölf Wochen, die Orgasmusfunktion verbesserte sich zwischen vier und zwölf Wochen. Moon et al. 2009 [s189] (116 Patienten, Tamsulosin 0,2 mg abends über drei Monate): retrograde Ejakulation bei zwei Patienten (2 Prozent), nicht objektiv definiert. Kim et al. 2013 [s148] (138 Männer, Tamsulosin 0,2 mg, drei Monate): keine klinisch relevante Änderung im IIEF-Gesamtwert (Differenz 1,63 ± 15,50; p = 0,406) und DAN-PSS; die Autoren folgerten, es gebe keinen negativen Einfluss auf die Ejakulationsfunktion. Gesamt-IIEF und DAN-PSS sind für Volumenänderungen möglicherweise unempfindlich (Einordnung). Choi et al. 2014 [s135] (29 Patienten, Tamsulosin 0,4 mg, 12 Wochen; 12 mit LUTS, 17 mit zusätzlichem vorzeitigem Samenerguss): Der PEDT-Wert sank in der zweiten Gruppe von 12,1 ± 3,31 auf 8,4 ± 4,49 (p = 0,012). Furuya et al. 2005 [s213] (Befragung von 88 Patienten, 63 sexuell aktiv): Ejakulationsstörungen unter Tamsulosin 30,0 Prozent, unter Naftopidil 3,0 Prozent; 80 Prozent der Betroffenen bemerkten fehlendes oder vermindertes Ejakulat bei erhaltenem Orgasmus. Lin et al. 2012 [s162] (45 Männer, orodispersible Tamsulosin-Tablette): keine unerwünschten Ereignisse und kein Unterschied in der Sexualfunktion; die Angabe steht im Kontrast zu allen anderen Tamsulosin-Studien, Abfragemethode und Antwortquote fehlen.
Martín-Morales et al. 2008 [s195] (Spanien; Querschnitt, 1177 Patienten über 40 Jahren mit BPH/LUTS, seit mindestens drei Monaten unter demselben Alpha-Blocker; Ejakulationsdomäne des MSHQ): Prävalenz einer Ejakulationsstörung 82,6 Prozent, meist mild; höheres Alter war der einflussreichste Faktor; Alfuzosin war mit der besten Sexualfunktion verbunden. Ohne Vergleichsgruppe und ohne Werte vor der Therapie lassen sich BPH- und Medikamentenwirkung nicht trennen. Gezmiş et al. 2026 [s05] (214 sexuell aktive Männer, Tamsulosin 0,4 mg über acht Wochen; Ausschluss von Vorbehandlung und vorbestehender Sexualstörung): Der mediane IPSS sank von 18 auf 14, Qmax stieg von 9,2 auf 14,0 ml/s, der mediane MSHQ-EjD-SF-Wert sank von 11 auf 7 (jeweils p < 0,001), bei höheren Belastungswerten durch die Ejakulationsveränderung. Die Änderung des MSHQ-EjD-Wertes korrelierte mit intravesikalem Prostatavorsprung (ρ = −0,386), Prostatalänge (ρ = −0,250) und Alter (ρ = −0,334; p < 0,01); bei einem Vorsprung über 10 mm war der Rückgang geringer (p < 0,001). Die Korrelationen nennen die Autoren selbst moderat; die Vorzeichenkonvention der Änderung wird im Abstract nicht erläutert, so dass die Richtung ohne Volltext nicht sicher zu lesen ist. Iossa et al. 2026 [s12] (71 sexuell aktive Männer, die für TUR-P und Rezūm in Frage kamen, vier Wochen Tamsulosin 0,4 mg): klinisch relevante Ejakulationsstörung bei 35 von 71 (49,3 Prozent); 12 (34,3 Prozent) von ihnen änderten die Therapiepräferenz (neun von TUR-P zu Rezūm, drei von TUR-P zu konservativ; niemand von Rezūm zu TUR-P; P < 0,001). Die Autoren nennen das Vorgehen hypothesengenerierend.
Tomita et al. 2015 [s130] (Querschnitt, 5005 Männer, mindestens zweimal Urinsediment): 1,6 Prozent (339 von 20.937) der Sedimente enthielten mindestens ein Spermium; unabhängige Prädiktoren waren unter anderem Alter unter 65 (OR 1,71; 1,32 bis 2,21), Diabetes (OR 1,72; 1,31 bis 2,25), Beckenchirurgie wegen Darmkrebs (OR 4,89; 2,38 bis 10,02), Alpha-1-Blocker-Einnahme (OR 1,55; 1,16 bis 2,08), transurethrale Prostataresektion (OR 2,77; 1,46 bis 5,13) und SSRI (OR 2,12; 1,07 bis 4,19). Spermien im Urin sind unter Alpha-Blocker-Einnahme nur schwach erhöht.
Alfuzosin und andere. Yoon et al. 2014 [s141] (Alfuzosin 10 mg über zwei Jahre, 30 eingeschlossen, 12 beendeten): MSHQ-Ejakulationsbereich im Median 19,00 → 19,50 → 23,00 → 26,50 → 27,00 (Beginn, 1 Monat, 6 Monate, 1 Jahr, 2 Jahre); rechnerisch 60 Prozent Ausfälle. Hwang et al. 2012 [s161] (Alfuzosin 10 mg über 24 Wochen, 279 Patienten): IPSS von 17,3 auf 9,9; Ejakulationsdaten nicht genannt. Yaşar et al. 2011 [s175] (135 Patienten, Doxazosin 4 mg n = 26, Tamsulosin 0,4 mg n = 37, Terazosin 5 mg n = 33, Alfuzosin 10 mg n = 39): Bei den Nebenwirkungen unterschied sich nur Tamsulosin, und zwar bei retrograder Ejakulation; Häufigkeiten fehlen. Pushkar et al. 2022 [s63] (Alfuzosin 10 mg, 537 Männer, 21 Einrichtungen, drei Monate): IIEF-Gesamtwert 45,35 auf 53,18, Orgasmusfunktion +11,98 Prozent; Novikov und Shpilenya 2022 [s62] (55 Männer, 12 Monate): Sexualfunktion gebessert, keine signifikante Änderung der Ejakulation. Beide ohne Kontrollgruppe, mit Markenpräparat; der IIEF erfasst weder Ejakulatmenge noch Rückfluss. Shiryaev et al. 2020 [s80] und Lukyanov und Kotov 2006 [s212] (Übersichten) halten Alfuzosin für sexuell aktive Männer für geeignet; das ist eine Wertung der Autoren ohne eigene Daten. Jung et al. 2009 [s185] (365 Männer), Jo et al. 2013 [s147], Ko et al. 2014 [s139], Seo et al. 2011 [s171] und Taniguchi et al. 2023 [s56] (Dutasterid, 81 Patienten) enthalten keine Ejakulationsdaten.
Weitere Studien. Bozlu et al. 2002 [s221] (415 Patienten unter Alpha-Blocker, drei Monate): Bei retrograder Ejakulation fehlte die Besserung von Lebensqualität und Qmax oder es kam zur Verschlechterung (p < 0,05); die Autoren folgerten, retrograde Ejakulation könne nicht als Erfolgsindikator dienen (Wirkstoff nicht genannt). Turna et al. 2005 [s216] (46 Patienten): Die Autoren schlossen, die Alpha-Blocker-Therapie scheine die Häufigkeit von erektiler Dysfunktion und Ejakulationsproblemen leicht zu erhöhen, Zahlen zur Ejakulation fehlen. Dianov et al. 2025 [s34] (150 Männer, 90 mit medikamentöser, 60 mit operativer Taktik): Ejakulationsstörung bei 47 Patienten; unter Medikamenten überwog das geringe Volumen; unter den 47 hatten 100 Prozent Zeichen einer Depression gegenüber 34,9 Prozent (36) ohne Ejakulationsstörung; die Zahlen sind für die Stichprobengröße ungewöhnlich, die Kausalrichtung ist offen. Rustamov et al. 2023 [s54] (224 sexuell aktive Männer vor BPH-Operation): Vor dem Eingriff hatten 61,6 Prozent bereits Ejakulationsstörungen (vermindertes Volumen 48,2 Prozent, verminderte Intensität 47,3, schmerzhafte Ejakulation 17, erworbene vorzeitige Ejakulation 15,2, verzögerte Ejakulation 11,6 Prozent). Ob Alpha-Blocker eingenommen wurden, sagt der Abstract nicht; das erschwert jede Zuschreibung zu einem einzelnen Medikament. Kogan und Kireev 2011 [s168] (Alfuzosin, 40 Patienten): hypersexuelle Männer hätten ausgeprägtere LUTS und schlechtere Erektion und Ejakulation; Hypothesencharakter.
Pharmakovigilanz. Yoshimura et al. 2013 [s157] (FAERS 1997 bis 2011, 1.260.182 Meldungen): Signale für Erektions- und Ejakulationsstörung bei Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin, am höchsten bei Tamsulosin; für Naftopidil, Silodosin und Urapidil zu wenige Meldungen. Nacchia et al. 2024 [s43] (FAERS und EudraVigilance, 10. September 2012 bis 1. Juni 2023): 7404 Meldungen zu Ejakulationsstörungen, 6854 (92,6 Prozent) zu zehn Medikamenten; Paroxetin und Tamsulosin dominierten bei verzögerter Ejakulation (103 von 448, 23,0 Prozent) beziehungsweise retrograder Ejakulation (366 von 1033, 35,4 Prozent); Finasterid bei schmerzhafter Ejakulation (150, 7,8 Prozent) und Ejakulationsversagen (735, 38,4 Prozent). Die Kodierung „retrograde Ejakulation“ stammt von den Meldenden. Wu et al. 2025 [s32] (FAERS, 79.022 Ereignisse sexueller Dysfunktion bei 61.722 Patienten): höchste Meldeverhältnisse Finasterid 212,3 (204,74 bis 220,13), Dutasterid 29,11 (26,84 bis 31,56), Silodosin 21,81 (17,94 bis 26,52). Tan et al. 2025 [s31] (FAERS 2004 bis 2023, Samenqualität): Die fünf Substanzen mit den meisten Fällen waren Finasterid (845 Fälle, IC025 = 7,72), Dutasterid (163; 7,22), Tamsulosin (148; 5,99), Testosteron (101; 4,08) und Valproinsäure (54; 2,44). Das ist die einzige Auswertung, die Tamsulosin ausdrücklich mit verminderter Samenqualität verbindet; die einbezogenen MedDRA-Begriffe nennt der Abstract nicht, so dass offen bleibt, ob Spermienparameter, Ejakulatmenge oder anderes gemeint ist. Qian et al. 2026 [s16] (FAERS 2004 bis 2024, BPH-Patienten): 5-ARI vorwiegend mit sexueller Dysfunktion, Alpha-Blocker vorwiegend mit Nierenfunktionsstörung assoziiert; ohne Zahlen. Spontanmeldungen liefern keine Häufigkeiten und keine Kausalität.
Samenqualität und Fertilität bei Patienten unter Alpha-Blockern
Für Patienten unter Dauertherapie gibt es in der gesamten ausgewerteten Literatur keine kontrollierte Samenanalyse mit Zahlen. Die wenigen Arbeiten, die Spermien bei Patienten oder bei Männern mit Fertilitätsfragen berichten, sind einzeln zu lesen.
Wang et al. 2017 [s106] (Experimental and Therapeutic Medicine) verglichen bei 80 jungen und mittelalten Männern mit BPH 18 Tage lang den nichtselektiven Alpha-1-Blocker Alfuzosin mit dem selektiven Alpha-1A-Blocker Tamsulosin. Nach der Intervention waren laut Abstract Harnparameter, urodynamische Werte und Beschwerdescore unter Tamsulosin signifikant besser, ebenso Spermiendichte, Spermienmotilität, Spermienaktivität und der DNA-Fragmentationsindex der Spermien; außerdem IIEF-5, Libido, Erektion, „retrograde Ejakulation“ und Lebensqualität. Die Autoren folgerten, Tamsulosin verbessere Harnsymptome und Samenqualität. Das ist die einzige Studie in der Sammlung, die Spermienparameter bei Patienten unter einem Alpha-Blocker nennt. Der Abstract enthält keine einzige Zahl: weder Ausgangswerte noch Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder P-Werte, auch keine Angaben zur Gruppengröße je Arm, zur Randomisierung oder zum Messzeitpunkt der Spermienparameter. Was „retrograde Ejakulation besser“ bedeutet (seltener oder anders), bleibt unklar; ein Vorteil von Tamsulosin bei der Ejakulation stünde im Widerspruch zu den Befunden aus Japan, Korea und anderen Studien dieses Kapitels. Die Beobachtung ist in dieser Form weder bestätigbar noch widerlegbar und wird hier nicht als Beleg für eine Verbesserung der Samenqualität gewertet.
Spivak 2014 [s142] (Consilium Medicum) berichtet eine Initiativstudie an 758 Männern mit chronischer Prostatitis und Fertilitätsstörungen (mittleres Alter 37,5 ± 8,2 Jahre). 729 erhielten zu Beginn Alpha-1-Blocker, alle ab dem dritten Monat, überwiegend Tamsulosin mit kontrollierter Freisetzung; parallel erhielten 48 Patienten zu Beginn und 68 ab Monat 3 Antibiotika. Unter der Therapie stieg laut Text die Zahl lebender Spermien um 7,5 Prozent, beweglicher Formen um 15,6 Prozent und morphologisch normaler Formen um 7,6 Prozent; die Agglutination normalisierte sich. Elektronenmikroskopisch seien Veränderungen der Kernmembranen und Mitochondrien vor der Behandlung um das Doppelte verbessert worden. Unerwünschte Ereignisse traten bei 47 Patienten (6,2 Prozent) auf. Es ist der einzige Datensatz, in dem unter Alpha-Blockern eine Zunahme von Spermienqualitätsmerkmalen berichtet wird. Er ist stark eingeschränkt: keine Kontrollgruppe, Antibiotikagabe als Störfaktor, der Text deutet den Effekt selbst als Folge der abgeklungenen Entzündung, es fehlen absolute Ausgangswerte (unklar, ob Prozentpunkte oder relative Zunahme gemeint sind). Die Population (Männer um 37 Jahre mit Prostatitis) unterscheidet sich von BPH-Patienten.
Yamamoto et al. 1995 [s227] (Fertility and Sterility) führten eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 34 Männern mit idiopathischer Oligozoospermie (5 bis 20 Mio./ml) und normalen Gonadotropinen und Testosteron durch: nach drei Monaten Kontrollphase Bunazosin 2 mg täglich oder Placebo über sechs Monate. Die Schwangerschaftsrate betrug 25 gegenüber 6,7 Prozent (kein signifikanter Unterschied); Spermiendichte und Gesamtzahl beweglicher Spermien waren in der Alpha-Blocker-Gruppe signifikant höher; Volumen, Beweglichkeit, Morphologie und Hormone blieben unverändert. Bunazosin ist nicht der heute übliche Wirkstoff, es gibt in der ausgewerteten Literatur keine Folgestudie.
Cakiroglu et al. 2017 [s100] (siehe oben) zeigt für Männer mit Fertilitätswunsch retrograde Ejakulation bei 33 von 96 unter Silodosin 8 mg nach zwölf Monaten; Schwangerschaften werden im Abstract nicht genannt. Nouh et al. 2026 [s15] zeigen, dass unter Silodosin 8 mg bei gesunden Fertilen die Schwangerschaftsrate sinkt (4 gegenüber 17 Prozent), die Messung betrifft aber die Wirkung auf die Ejakulation. Zu Spermienmorphologie oder Spermien-DNA-Fragmentation unter Tamsulosin oder Silodosin beim Menschen wurde, außer dem zahlenlosen Abstract [s106], nichts gefunden; zur Fruchtbarkeit der Partnerin bei Patienten unter Tamsulosin oder Silodosin ebenfalls nichts.
Assistierte Reproduktion bei retrograder Ejakulation. Deng und Zhang 2026 [s03] (retrospektiv, 23 Männer mit vollständiger retrograder Ejakulation; IVF mit Hodenspermien n = 14 gegenüber aus dem Urin gewonnenen Spermien n = 9): Befruchtungsrate 86,11 gegenüber 72,84 Prozent (P = 0,022), Rate hochwertiger Embryonen 29,03 gegenüber 13,79 Prozent (P = 0,043), klinische Schwangerschaftsrate 60,87 gegenüber 27,78 Prozent (P = 0,048), Lebendgeburtenrate 52,17 gegenüber 16,67 Prozent (P = 0,017). Die Ursache der retrograden Ejakulation nennt der Abstract nicht; zu Alpha-Blocker-bedingter Störung lässt die Arbeit keine Aussage zu. Korneev und Zasseev 2017 [s109] (Kinderwunschklinik, 82 Männer, 66 Prozent retrograde Ejakulation, 34 Prozent Anejakulation): Bei 48 (89 Prozent) der Männer mit retrograder Ejakulation fanden sich nach Alkalisierung des Urins brauchbare bewegliche Spermien im Urin, die Schwangerschaftsrate pro Transfer nach IVF/ICSI betrug 52 Prozent bei retrograder Ejakulation und 50 Prozent bei Anejakulation; Alpha-Blocker werden im gelesenen Textabschnitt nicht als Ursache geführt. Konstantinidis et al. 2025 [s25], Gupta et al. 2021 [s69], Akhavizadegan et al. 2022 [s57], Syrkasheva et al. 2016 [s121] und Otani 2019 [s85] (Übersichten): Diagnostik über Anamnese und Postejakulat-Urin, Sympathomimetika mit begrenztem Erfolg, assistierte Reproduktion mit Spermien aus dem Urin als gangbarer Weg, viele Studien klein, kein einheitlicher Behandlungsablauf; nach [s85] stellen sich in Japan mehr Männer mit Unfähigkeit zu ejakulieren als mit vorzeitigem Samenerguss vor.
Vorzeitiger Samenerguss: die Wirkung als Behandlungsziel
Mehrere Arbeiten nutzen die Hemmung der Ejakulation als Zielgröße. Sie sind für das Thema relevant, weil sie die Wirkung unter kontrollierten oder zumindest zielgerichteten Bedingungen messen.
Sato et al. 2012 [s164] (Fallserie, 8 Patienten, Silodosin 4 mg zwei Stunden vor dem Verkehr): IELT von 3,4 auf 10,1 Minuten (P = 0,003); Anejakulation bei zwei (25 Prozent), verminderte Samenmenge bei drei (37,5 Prozent), Beschwerden beim Orgasmus bei sieben (87,5 Prozent). Sato et al. 2017 [s105] (prospektiv offen, 26 Patienten mit erworbener vorzeitiger Ejakulation, Silodosin 4 mg oder Naftopidil 25 mg bei Bedarf, im Wechsel): Besserung nach Gesamteinschätzung bei 24 (92 Prozent) unter Silodosin gegenüber 12 (46 Prozent) unter Naftopidil (P = 0,0002); IELT 1,9 Minuten (Ausgangslage), 4,1 (Kontrolle), 7,6 (Silodosin). Fauzan et al. 2024 [s36] (Metaanalyse von vier Studien): Die Latenzzeit war länger (MD 132,54; 95-%-KI 51,51 bis 213,57; Einheit nicht genannt), das Risiko verminderter Samenmenge höher (OR 10,79; 3,46 bis 33,67). Lee et al. 2024 [s40] (Netzwerk-Metaanalyse von 59 Studien mit 10.474 Patienten): Tramadol 100 mg auf Rang 1, Alpha-Blocker nicht gesondert. Abdellatif et al. 2025 [s19] (400 Patienten mit lebenslanger vorzeitiger Ejakulation, je 100 auf Citalopram 20 mg täglich, Silodosin 4 mg täglich, Dapoxetin 30 mg bei Bedarf oder täglich; retrospektive Registrierung): In allen vier Gruppen verlängerte sich die IELT (p < 0,001), am stärksten unter Citalopram (110,4 ± 31,5 s auf 391,2 ± 45,9 s; 260 Prozent mediane Zunahme) gegenüber 220 Prozent (Dapoxetin täglich), 197 Prozent (Dapoxetin bei Bedarf) und 149,5 Prozent (Silodosin). Unter Silodosin trat häufiger Ejakulationsstörung auf (23 Prozent retrograde Ejakulation). Auch die halbe Standarddosis macht die Ejakulation in dieser Studie in fast einem Viertel der Fälle retrograd; das gilt für Männer mit vorzeitiger Ejakulation, nicht notwendigerweise für BPH-Patienten.
Sarichev 2015 [s132] (79 ausgewertete Männer mit vorzeitiger Ejakulation, psychotherapierefraktär; Tamsulosin 0,4 mg n = 26, Silodosin 4 mg n = 32, Doxazosin 2 mg n = 21; 20 Tage): IELT in Sekunden vor und nach Behandlung 16,8 ± 9,9 auf 75,4 ± 23,6 (Tamsulosin), 17,9 ± 10,9 auf 142,6 ± 46,8 (Silodosin), 19,1 ± 11,3 auf 94,6 ± 19,4 (Doxazosin), alle p < 0,05; retrograde Ejakulation bei sieben (zwei Tamsulosin, zwei Silodosin, drei Doxazosin), ohne Abbruch. Keine Kontrollgruppe, keine beschriebene Randomisierung. Kongressabstract AB212, Translational Andrology and Urology 2016 [s112] (352 Männer mit lebenslangem vorzeitigem Samenerguss, 322 auswertbar; Paroxetin 20 mg, Tamsulosin 0,2 mg oder beides, acht Wochen): geometrische mittlere IELT von 1,15 auf 8,13 Minuten (Paroxetin), 1,26 auf 2,78 Minuten (Tamsulosin) und 1,18 auf 9,52 Minuten (Kombination); der Anstieg war 7,07-fach, 2,21-fach und 8,07-fach (P < 0,001); Methodendetails fehlen. Zhao et al. 2019 [s91] (251 Männer mit chronischer Prostatitis Typ IIIB und vorzeitigem Samenerguss, Tamsulosin allein gegenüber Tamsulosin plus Dapoxetin): IELT 5,95 gegenüber 2,63 Minuten zugunsten der Kombination; hohe Ausfallquote, kein Placeboarm. Hong et al. 2009 [s184] fanden dagegen keinen Wirkungsnachweis von Tamsulosin 0,2 mg gegenüber Doxazosin (siehe oben); Choi et al. 2014 [s135] einen Rückgang des PEDT-Wertes. Die Befunde sind nicht einheitlich; Wirkstoff und Dosis kommen als Erklärung in Frage.
Operative Verfahren als Vergleichsgröße
Die Ejakulationsstörung gilt als häufigste Nebenwirkung der operativen Behandlung der benignen Prostataobstruktion [s83]. Die folgenden Zahlen dienen als Maßstab, nicht als Gegenstand dieses Kapitels. Lebdai et al. 2019 [s83]: Erhalt der Ejakulation bei modifizierter TUR-P 66 bis 91 Prozent, bei modifizierter Photovaporisation 87 bis 96 Prozent; in den einzigen hochwertigen Vergleichen mit regulärer TUR-P 100 Prozent (Prostatic Urethral Lift) und 90 Prozent (Aquablation) gegenüber 34 Prozent. Manfredi et al. 2022 [s60] (151 Studien, 20.531 Patienten; 48 randomisierte Studien mit 5045 Personen in der Metaanalyse): retrograde Ejakulation nach TUR-P RR 13,31 (8,37 bis 21,17), nach anderen elektrochirurgischen Verfahren RR 34,77 (10,58 bis 127,82), nach Laserverfahren RR 17,37 (5,93 bis 50,81); bei den meisten minimalinvasiven Verfahren keine signifikante Zunahme; 44,4 Prozent der Studien nutzten nicht validierte Instrumente. Marra et al. 2016 [s114] (42 randomisierte Studien, 3857 Patienten): nur eine Studie mit Ejakulation als primärem Endpunkt, sieben mit validierten Fragebögen. Giulioni et al. 2026 [s06] (acht randomisierte Studien, 562 Patienten): ejakulationsschonende Endoskopie erhält die antegrade Ejakulation häufiger (OR 15,11; 8,96 bis 25,46). Bettencourt et al. 2026 [s02] (systematische Übersicht zur Wasserstrahlablation, 15 Studien, 1533 Patienten) beschreiben die Ejakulationsfunktion nach robotischer Aquablation. Rustamov et al. 2023 [s54] (224 Männer): drei Monate nach der Operation retrograde Ejakulation bei 78 (34,8 Prozent), Anejakulation bei 90 (40,2 Prozent), erhaltene antegrade Ejakulation bei 56 (25 Prozent).
5-Alpha-Reduktase-Hemmer und weitere Prostatamedikamente
Amory et al. 2007 [s198] (randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Einjahresstudie an 99 gesunden Männern: Dutasterid 0,5 mg n = 33, Finasterid 5 mg n = 34, Placebo n = 32; Messungen zu Beginn, nach 26 und 52 Wochen und 24 Wochen nach Ende): Der DHT-Spiegel sank unter Dutasterid um 94 Prozent, unter Finasterid um 73 Prozent (jeweils P < 0,001). Die Gesamtspermienzahl war gegenüber dem Ausgangswert nach 26 Wochen signifikant vermindert (Dutasterid −28,6 Prozent, Finasterid −34,3 Prozent), nach 52 Wochen (−24,9 beziehungsweise −16,2 Prozent) und bei der Nachkontrolle (−23,3 beziehungsweise −6,2 Prozent) nicht mehr signifikant. Nach 52 Wochen sank das Samenvolumen unter Dutasterid um 29,7 Prozent (signifikant), unter Finasterid um 14,5 Prozent; die Konzentration um 3,2 beziehungsweise 7,4 Prozent (nicht signifikant); die Beweglichkeit sank um 6 bis 12 Prozent, auch bei der Nachkontrolle; die Morphologie blieb unverändert. Die Autoren schlossen auf milde, anscheinend reversible Veränderungen.
Overstreet et al. 1999 [s224] (181 Männer, 19 bis 41 Jahre; 48 Wochen 1 mg Finasterid oder Placebo, dann 60 Wochen ohne Medikament; bei 79 Serienspermiogramme): keine signifikanten Effekte auf Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit oder Morphologie; Ejakulatvolumen −0,3 ml (−11 Prozent) gegenüber −0,2 ml (−8 Prozent) unter Placebo (p = 0,915). Der Abstract nennt, 5 mg täglich senke das Ejakulatvolumen um etwa 25 Prozent. Samplaski et al. 2013 [s152] (Datenbank einer Kinderwunschsprechstunde, 27 von 4400 Männern nahmen Finasterid, mittlere Dauer 57,4 Monate, mittlere Dosis 1,04 mg/Tag): Nach dem Absetzen stieg die Spermienzahl im Mittel auf das 11,6-Fache; bei schwerer Oligozoospermie stieg die Zahl bei 57 Prozent auf über 15 Mio./ml; kein Mann hatte eine Abnahme. Keine Kontrollgruppe, selektierte Männer. Tu und Zini 2011 [s173] (Fallbericht, 48-Jähriger unter niedrig dosiertem Finasterid): DNA-Fragmentationsindex der Spermien 30 Prozent, nach drei Monaten ohne Finasterid 21 Prozent, nach drei weiteren Monaten 16,5 Prozent; ein Einzelfall.
Kim et al. 2025 [s24] (200 Männer, 28 bis 39 Jahre, Dutasterid bei Haarausfall, je 40 in fünf Gruppen nach Behandlungsdauer, danach sechs Monate Pause): Spermienkonzentration, normale Morphologie und Vitalität unterschieden sich nicht; Samenvolumen und Beweglichkeit nahmen mit der Behandlungsdauer ab und stiegen nach dem Absetzen wieder; die Grenzwerte (ROC) für anhaltende Beeinträchtigung lagen bei 17,8 Monaten (Volumen) und 20,3 Monaten (Gesamtmotilität). Die Gruppenbildung nach Behandlungsdauer ist trotz der Bezeichnung „randomisiert“ nicht nachvollziehbar; ein Einwand zum Körper-Masse-Index als Störfaktor erschien als Leserbrief, dessen Antwort keinen Abstract hat. Es ist die einzige Studie mit konkreten Spermiogramm-Messwerten unter einem Prostatamedikament bei Männern, aber mit Alopezie-Population und Dutasterid.
Sexualfunktion unter 5-ARI. Liu et al. 2016 [s113] (17 randomisierte Studien, 17.494 Patienten): gepoolte relative Risiken für sexuelle Dysfunktion bei BPH 2,56 (1,48 bis 4,42), bei Alopezie 1,21 (0,85 bis 1,72); erektile Dysfunktion 1,55 (1,14 bis 2,12) beziehungsweise 0,66 (0,20 bis 2,25); verminderte Libido 1,69 (1,03 bis 2,79) beziehungsweise 1,16 (0,50 bis 2,72); Ejakulation wurde nicht separat berichtet. Lee et al. 2019 [s84] (15 Studien, 4495 Probanden, Alopezie): Risiko sexueller Dysfunktion 1,57 (1,19 bis 2,08), Finasterid 1,66 (1,20 bis 2,30), Dutasterid 1,37 (0,81 bis 2,32). Zhang et al. 2022 [s65] (34 Studien): sexuelle Nebenwirkungen 1,89-fach (1,74 bis 2,05). Tsai et al. 2018 [s98] (117 Männer mit Alopezie, Dutasterid 0,5 mg gegen Placebo über 24 Wochen): sexuelle Nebenwirkungen 16 gegenüber 8 Prozent, alle leicht bis mittelschwer und reversibel. Tsukamoto et al. 2009 [s191] (378 Japaner, Dutasterid 52 Wochen): arzneimittelbezogene Sexualfunktionsereignisse selten (keine Zahl im Abstract). Taniguchi et al. 2023 [s56] (81 Patienten, Dutasterid 12 Monate): IIEF-Gesamtwert 16,3 ± 13,5 auf 18,8 ± 16,0 (p = 0,14), keine Ejakulationsdaten. Chi und Kim 2011 [s166] (55 Patienten, Dutasterid mindestens ein Jahr): Erektionswert am stärksten gesunken nach einem Monat, danach schrittweise Erholung, Orgasmusfunktion und Verlangen nach sechs Monaten auf Ausgangsniveau. Shin et al. 2019 [s87] (Übersicht zu Finasterid): einzelne Studien berichten Sexualstörungen einschließlich Infertilität und Ejakulationsproblemen auch bei Alopezie-Patienten. Gong et al. 2026 [s08] (FAERS und EudraVigilance, 1955 und 1384 Fälle männlicher Reproduktionstoxizität, mediane Zeit bis zum Ereignis 132 Tage, 19 Hochrisiko-Wirkstoffe, darunter Finasterid, Dutasterid und Testosteron; Finasterid erfüllte Dechallenge und Rechallenge; Alpha-Blocker im Abstract nicht genannt) und Gong et al. 2026 [s07] (Finasterid, Dutasterid, Minoxidil; HIF1A als Kandidatengen in Hodengewebe infertiler Männer; Signale zeigen weder Häufigkeit noch Ursächlichkeit).
Kombinationen. Die Metaanalysen [s137, s92] zeigen, dass die Kombination eines Alpha-Blockers mit einem 5-ARI Ejakulationsstörungen etwa verdreifacht (OR 3,75 gegenüber Alpha-Blocker allein, [s137]; OR 3,37 für Ejakulationsstörung, OR 2,30 für retrograde Ejakulation gegenüber Tamsulosin allein, [s92]). Giuliano et al. 2013 [s146] zeigen unter Tamsulosin einen Rückgang der Orgasmusdomäne, unter Tadalafil einen Anstieg. Descazeaud et al. 2015 [s123]: Für Tadalafil wurde keine negative Wirkung auf Ejakulation berichtet.
Leitlinien
EAU-Leitlinie zu nicht-neurogenen männlichen LUTS, Webfassung 2026 [s04] (Kapitel Treatment): Eine systematische Übersicht habe gezeigt, dass Alpha-1-Blocker Libido und Erektion nicht ungünstig beeinflussen, aber abnorme Ejakulation verursachen können (OR 7,53). Ursprünglich sei diese als retrograd angesehen worden; neuere Daten zeigten eine Abnahme oder das Fehlen von Samenflüssigkeit bei der Ejakulation, wobei junges Alter ein offenbarer Risikofaktor sei. Nach einer Metaanalyse seien Ejakulationsstörungen unter Alpha-1-Blockern häufiger als unter Placebo (OR 5,88), besonders unter Tamsulosin (OR 8,57) und Silodosin (OR 32,5); Doxazosin und Terazosin (OR 0,80 beziehungsweise 1,78) hätten ein niedriges Risiko. Die Störung sei unabhängig mit der Besserung von Harnsymptomen und Fluss verbunden: je wirksamer der Alpha-1-Blocker, desto häufiger die Störung. Als Praxishinweis nennt die Leitlinie, sexuell aktive Patienten unter selektiven Alpha-1-Blockern über das Risiko einer Ejakulationsstörung aufzuklären. Die Aussage zu Ejakulationsstörungen trägt laut Auswertung den Evidenzgrad 1a; die Sexualfunktion solle mit IIEF und MSHQ-EjD erhoben werden. Alpha-1-Blocker plus 5-ARI bedeuteten ein dreifach erhöhtes Risiko gegenüber jeder Monotherapie; unter 5-ARI seien Libidoverlust, erektile Dysfunktion und seltener Ejakulationsstörungen (retrograde Ejakulation, Ejakulationsversagen, verminderte Samenmenge) die häufigsten Nebenwirkungen. Die Odds Ratio für Tamsulosin steht bei Gacci mit 8,58 [s137] und im Leitlinientext mit 8,57; ob dies eine Rundungsabweichung ist, bleibt offen. Die Abstracts der EAU-Zusammenfassungen 2026 [s01] und 2023 [s52] enthalten keine Zahlen zur Ejakulation.
AUA-Leitlinie 2026 (Teile I bis III [s09, s10, s11]): Die Abstracts enthalten keine Zahlen zur Ejakulation; Teil II weist auf Risiken vor Augenoperationen hin, Teil III nennt Abschnitte zur Sexualfunktion. AUA/ASRM-Leitlinie zur männlichen Infertilität 2024 [s35]: Alpha-Blocker im Abstract nicht genannt. Französische Leitlinie 2025 [s22]: Alpha-Blocker bei mäßigen bis schweren LUTS als Erstbehandlung, 5-ARI bei Prostatavolumen über 40 ml, Kombination bei Volumen über 40 ml; Ejakulation im Abstract nicht. Deutsche S2e-Leitlinie 2023 [s50, s53]: Teil 2 bewertet Alpha-Blocker, 5-ARI, PDE-Hemmer und Kombinationen (Abstract ohne Zahlen); Teil 3 nimmt den Erhalt der Ejakulationsfunktion als Kriterium für die Operationswahl auf. Japanische Leitlinien [s102, s167] und koreanische Leitlinie [s119]: Die Abstracts nennen Alpha-1-Blocker, PDE5-Hemmer und 5-ARI, enthalten aber keine Aussage zu Ejakulation oder Samenqualität. Bewertungen von Leitlinien: Xu et al. 2020 [s81] (22 BPH-Leitlinien, AGREE II; mediane Bereichsscores 71,5, 41, 25, 64, 18 und 28 Prozent) und Zeng et al. 2017 [s108] (15 Leitlinien, AGREE-II-Scores 72, 38, 30, 58, 16 und 40 Prozent) fanden, dass fast alle Leitlinien Alpha-1-Blocker und 5-ARI empfehlen, aber keine Aussage zu Ejakulation oder Fertilität im Abstract. Alshahrani et al. 2025 [s21] (Befragung saudischer Urologen, Teilnehmerzahl im Abstract nicht genannt): Über das Risiko einer Ejakulationsstörung klärten am häufigsten vor Alpha-Blocker-Monotherapie (59,2 Prozent) und vor transurethraler Resektion (56,6 Prozent) auf, über erektile Dysfunktion am häufigsten vor 5-ARI (51,3 Prozent) und vor der Kombination (50,0 Prozent). Das Konfidenzintervall der Privatklinik-Assoziation (OR 3,68; 0,39 bis 35,14) schließt 1 ein, obwohl p = 0,03 berichtet wird; im Abstract nicht aufzulösen. Lee et al. 2024 [s41] (Befragung von 50 koreanischen Urologen): Ejakulationsnebenwirkungen priorisierten 19 Prozent bei leichten bis mittleren und 9 Prozent bei schweren LUTS (p < 0,001). Eine klare Leitlinienempfehlung zur Samenqualität unter Alpha-Blockern ist in den ausgewerteten Texten nicht zu finden.