Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken der gesichteten Literatur. Sie sind Forschungsfragen und keine Empfehlungen; wo Autoren der Studien selbst weitere Forschung fordern, ist das vermerkt.
- Spermienparameter bei Patienten unter Langzeittherapie. Keine der gesichteten Arbeiten berichtet ein kontrolliertes Spermiogramm mit Zahlen bei Männern mit BPH vor und unter Tamsulosin oder Silodosin. Die Autoren der Fünftagestudie fordern selbst Studien bei Männern mit Prostatahyperplasie [s183]. Nötig wären kontrollierte Designs mit Ausgangswert, mehreren Messzeitpunkten, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Morphologie (einschließlich des Flagellums) und Spermien-DNA.
- Emission oder Spermienbildung? Die Verminderung im Ejakulat sagt nichts über die Spermatogenese. Offen ist, ob es unter Alpha-Blockern beim Menschen eine Wirkung auf die Spermienbildung gibt, etwa über Hodenfunktion und Hormone, wie sie Tierstudien andeuten [s77]. Dafür bräuchte es Messungen, die nicht vom Ejakulat abhängen, und Daten zu Hormonen über längere Zeit.
- Fruchtbarkeit und Schwangerschaft. Es fehlen Studien bei Männern im reproduktiven Alter mit Kinderwunsch und einem Fertilitätsendpunkt wie Schwangerschaft oder Geburt unter Tamsulosin, Silodosin oder Naftopidil. Die Randomisierung zur Kontrazeption nennt eine Schwangerschaftsinzidenz von 4 Prozent unter Silodosin [s15], die Pilotstudie keine ungewollte Schwangerschaft in einem Jahr bei Einnahme vor dem Verkehr [s73]; beide beantworten nicht, wie rasch sich die Zeugungsfähigkeit nach längerer Einnahme wieder einstellt.
- Verlauf unter Dauergabe. Gewöhnt sich der Körper an Alpha-Blocker, wie es der Tierversuch [s192] und die Beobachtung der Rückbildung bei 12 von 13 Männern [s140] andeuten, oder bleibt die Störung bestehen [s71, s66]? Nötig sind kontrollierte, objektive Messungen über Monate bis Jahre, die Abbrecher mitführen.
- Einheitliche Erfassung der Ejakulation. Validierte Instrumente (die EAU-Leitlinie nennt IIEF und MSHQ-EjD [s04]), Erhebung des Ejakulatvolumens und Nachweis von Spermien im Urin nach der Ejakulation sollten in Studien zu Alpha-Blockern Standard sein; die Ejakulation sollte als vorab definierter Endpunkt erhoben werden, nicht als Nebenbefund [s137, s114].
- Gleichdosierter Vergleich von Silodosin und Tamsulosin. Die Metaanalysen widersprechen sich [s103, s144]; eine randomisierte Studie mit Tamsulosin 0,4 mg, Silodosin 8 mg und Ejakulation als Hauptendpunkt fehlt. Ebenso fehlt eine placebokontrollierte randomisierte Studie zu Naftopidil bei LUTS [s95].
- Dosisfrage in Asien. Ob die Ejakulation unter Tamsulosin 0,2 und 0,4 mg verschieden häufig gestört ist, ist offen [s104, s138].
- Gegenmaßnahmen kontrolliert prüfen. Intervall- oder Niedrigdosisgabe [s205, s88, s55] und Wirkstoffwechsel zu Alfuzosin [s80, s63, s212] wurden nur in unkontrollierten oder kleinen Studien untersucht, und die Wirkung auf die Harnsymptome wurde in einer der Studien nicht berichtet [s205]. Offen ist, ob die berichtete Erholung über Spontanschwankungen und Erwartungseffekte hinausgeht.
- Vorhersage. Welche Männer sind besonders gefährdet? Genannt werden Prostataform und intravesikaler Prostatavorsprung [s05], Alter [s04, s195], Prostatagröße und Ausgangsfunktion [s172]; Genvarianten von CYP2D6 und CYP3A zeigten keinen Zusammenhang mit unerwünschten Ereignissen [s48, s20], bei sehr kleinen Gruppen. Die Prädiktoren sind nicht an unabhängigen Kohorten geprüft.
- Information und Nocebo. Eine türkische Studie legt nahe, dass die vorab genannte Nebenwirkung das Berichten beeinflusst [s86]; saudische Urologen sprechen das Ejakulationsrisiko vor Alpha-Blockern nur zu 59,2 Prozent an [s21]. Wie die Aufklärung gestaltet sein sollte, um Erwartungseffekte zu vermeiden und zugleich vollständig zu informieren, ist nicht untersucht.
- Kombinationen. Die Ejakulation unter Alpha-Blocker plus 5-Alpha-Reduktase-Hemmer [s137, s92] oder plus Tadalafil [s146, s90] ist wenig erforscht, und für 5-Alpha-Reduktase-Hemmer liegen Spermiogramme bisher nur bei Gesunden und bei Haarausfall vor, nicht bei BPH [s198, s24].
- Selektivität. Ob Silodosin den Samenleiter selektiver hemmt oder die Störung ein Klasseneffekt ist, ist zwischen zwei Industrie-Studien umstritten [s197, s165]; eine unabhängige Prüfung beim Menschen fehlt.
- Meldedaten mit Nenner. Pharmakovigilanzsignale zur Samenqualität unter Tamsulosin [s31] und Silodosin [s32] bedürfen der Prüfung in Kohorten mit bekannter Exposition; die Signale selbst sind Hypothesen.
- Ausgangslage. Wenn 61,6 Prozent der Männer vor einem Eingriff schon eine veränderte Ejakulation haben [s54], braucht jede Studie zu Medikamentenwirkungen die Ejakulation vor Behandlungsbeginn.
- Fehlende Sprachräume. Der Inhalt chinesischer, koreanischer, japanischer, russischer, türkischer und arabischer Landesdatenbanken ist nicht gesichtet; eine gezielte Auswertung der Volltexte (etwa der chinesischen Studie zur Samenqualität [s106]) könnte einige Widersprüche auflösen.
- Sicherheit und Verlässlichkeit als Verhütungsmittel. Eine Übersicht hält fest, die verlässliche Wirksamkeit bei einzelnen sexuellen Kontakten sei nicht belegt und die Sicherheit bei gesunden Männern nicht ausreichend charakterisiert [s17]; die Randomisierung mit 200 Männern wirft wegen der auffälligen Zahlen und fehlenden Einheiten Prüfbedarf auf [s15].