Alle folgenden Arbeiten sind präklinisch. Dosen, Behandlungsdauer und Modelle (Streptozotocin-Diabetes, Hochfettdiät, chemische oder mechanische Hodenschädigung) unterscheiden sich von der Behandlung des Menschen; ein Rückschluss auf Menschen ist nicht zulässig. Für die meisten Arbeiten lag nur der Abstract vor, häufig ohne Gruppengrößen und Effektgrößen; das wird jeweils vermerkt. Gemeinsame Schwächen vieler Arbeiten sind kleine Gruppen (meist 6 bis 10 Tiere), die Behandlung nach induzierter Erkrankung (Schutzwirkung, nicht Verhalten am gesunden Tier), das Fehlen einer Paarfütterungsgruppe, die den Gewichtseffekt abtrennen würde, und die Herkunft vieler Arbeiten aus Gruppen, die dieselben Modelle verwenden. Die folgende Tabelle gibt den Überblick, die Einzelbesprechung folgt nach Wirkstoff.
| Wirkstoff | Modell | Dauer und Dosis (soweit genannt) | Kernbefund | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Semaglutid | adipöse Ratte, Paarfütterung | 4 Wochen | Motilität besser, Androgenabfall durch Gewichtsverlust abgeschwächt | [s31] |
| Semaglutid | STZ-Diabetes, Ratte | 4 Wochen, 25 nmol/kg täglich | Hodenfunktion und Paarungsverhalten besser | [s40] |
| Semaglutid | Diabetesmaus, Zelllinie | nicht genannt | weniger Ferroptose, Hodenschaden gemildert | [s77] |
| Semaglutid | Hodentorsion, Ratte (n = 50) | Frühintervention | Schutz, durch Exendin 9-39 aufgehoben | [s95] |
| Semaglutid | 5-Fluorouracil, Ratte | 30 Tage, 12 µg/kg wöchentlich | FSH, LH, Testosteron höher, Rezeptorblockade prüft Abhängigkeit | [s50] |
| Semaglutid | STZ-Diabetes, Ratte (n = 40) | 8 Wochen, 0,3 mg/kg | Testosteron 1,67 auf 2,4 (Einheit wie gedruckt) | [s38] |
| Tirzepatid | T2D-Ratte (n = 60), Paarfütterung | 8 Wochen | Testosteron und Gonadotropine hergestellt, besser als Metformin | [s01] |
| Tirzepatid | KK-Ay-Maus | 8 Wochen, 1,00 oder 0,16 nmol/kg täglich | weniger Hodenmakrophagen und DNA-Fragmentierung | [s25] |
| Liraglutid | adipöse Maus | 12 Wochen | LH, FSH, Testosteron und Spermienzahl höher | [s75] |
| Liraglutid | diabetische Maus (n = 42) | 1,2 und 1,8 mg/kg | Zahl, Chromatin, DNA besser; Motilität und Embryonalentwicklung nicht | [s105] |
| Liraglutid | juvenile gesunde Ratte | Tag 20 bis 33 | Blut-Hoden-Schranke durchlässiger, später wieder normal | [s04] |
| Liraglutid | diabetische Maus, gealterte Maus | nicht genannt | keine Verbesserung der Spermienparameter | [s64] |
Semaglutid
Sotzen und Kollegen 2026 [s31] (adipöse männliche und weibliche Ratten, 4 Wochen, mit paarfütterten Kontrollen). Die Hodenexpression des GLP-1-Rezeptors war 4,7-fach höher als im Eierstock. Spermienmotilität und Schleimpenetration verbesserten sich sowohl bei paarfütterten als auch bei Semaglutid-Tieren; Semaglutid schwächte den gewichtsverlustbedingten Abfall aller gemessenen Androgene ab; Hypophysenhormone waren in beiden Geschlechtern verändert. Das ist die einzige Semaglutid-Arbeit mit Paarfütterung und damit eine der wenigen, die zwischen Gewichts- und Wirkstoffeffekt unterscheiden kann. Der Abstract nennt keine Gruppengrößen und Zahlen.
Abdel-Wahab und Kollegen 2025 [s40] (28 erwachsene Ratten in vier Gruppen: Kontrolle, Semaglutid, Diabetes, Diabetes plus Semaglutid; Streptozotocin 50 mg/kg intraperitoneal; Semaglutid 25 nmol/kg täglich subkutan über vier Wochen). Semaglutid milderte die diabetesbedingte sexuelle und testikuläre Funktionsstörung, regulierte das Redoxgleichgewicht, stellte Gene und Proteine der Spermatogenese wieder her, veränderte Hormonprofile und milderte die Entzündung im Hoden. Zahlen fehlen im Abstract; ein miRNA-Mechanismus (miR-148a-5p) wird genannt.
Zhou und Kollegen 2024 [s77] (Diabetesmaus, Zellkultur, Transkriptomanalyse, klinische Datenanteile). Bei Diabetes verschlechterte sich die Spermienqualität; Semaglutid und der Ferroptose-Hemmer Ferrostatin-1 milderten den Hodenschaden und verbesserten Marker der Lipidperoxidation. In der Leydig-Zelllinie TM-3 besserten beide das diabetesbedingt verminderte Überleben, die Lipidperoxidation, reaktive Sauerstoffspezies, Eisen(II)-Ionen und das mitochondriale Membranpotenzial. Der Abstract nennt keine Zahlen und nicht die Zahl der untersuchten Patienten; die Zellversuche betreffen eine Leydig-Zelllinie, nicht Spermien.
Abdullah und Kollegen 2022 [s95] (50 Sprague-Dawley-Ratten, fünf Gruppen zu je zehn: Scheinoperation, Exendin 9-39, Torsion/Detorsion, Torsion/Detorsion plus Semaglutid, Torsion/Detorsion plus Exendin plus Semaglutid). Torsion und Detorsion erhöhten proapoptotische, entzündliche und oxidative Marker und senkten die Expression der GLP-1/Kisspeptin- und Steroidogenese-Proteine; Semaglutid milderte dies, vorheriges Exendin 9-39 hob alle Verbesserungen auf. Das stützt eine Rezeptorabhängigkeit. Das Torsionsmodell mit Frühbehandlung ist kein Modell für die Dauertherapie.
Hassan und Kollegen 2025 [s50] (Ratte, fünf Gruppen: Kontrolle; Semaglutid 12 µg/kg subkutan wöchentlich über 30 Tage; 5-Fluorouracil 20 mg/kg jeden zweiten Tag; 5-Fluorouracil plus Semaglutid; 5-Fluorouracil plus Semaglutid plus Exendin 9-39 50 µg/kg wöchentlich). Nach dem Abstract milderte Semaglutid die Hodenschädigung über die PINK-1/Parkin-Achse und mitochondriale Biogenese, beseitigte Proteine des Stresses des endoplasmatischen Retikulums (PERK, ATF6, GRP78, CHOP), aktivierte Nrf2/HO-1, verbesserte Steroidogenese und Spermatogenese (höhere STAR/DAZL-Werte) und erhöhte FSH, LH und Testosteron im Serum. Keine Zahlen, keine Gruppengrößen im Abstract.
Zeweil und Kollegen 2026 [s38] (40 Albinoratten, vier Gruppen zu je 10: Kontrolle, Streptozotocin-Diabetes, Diabetes plus Semaglutid 0,3 mg/kg, Diabetes plus Semaglutid plus 10 % Papaya-Saft; acht Wochen; ANOVA mit Duncan-Test; Mittelwert und Standardfehler). Der eigentliche Prüfgegenstand ist die Papaya-Zugabe, Semaglutid ist als Einzelsubstanz mitgeführt.
| Parameter (Mittelwert) | Kontrolle | Diabetes | Semaglutid | Semaglutid plus Papaya |
|---|---|---|---|---|
| Nüchternglukose (mg/dl) | 91,3 | 262,2 | 142,2 | 146,4 |
| HbA1c (%) | 4,33 | 8,99 | 5,42 | 5,54 |
| Gesamttestosteron (pg/ml, Einheit wie gedruckt) | 3,4 | 1,67 | 2,4 | 2,43 |
| Freies Testosteron (pg/ml, wie gedruckt) | 0,096 | 0,033 | 0,06 | 0,067 |
| SHBG (nmol/l) | 14,458 | 29,275 | 18,842 | 15,415 |
| LH (mIU/ml) | 4,23 | 2,78 | 3,34 | 3,88 |
| Estradiol (pg/ml) | 24,5 | 40,53 | 34,32 | 31,66 |
Beide behandelten Gruppen unterschieden sich beim Gesamttestosteron von der Diabetesgruppe, nicht aber voneinander; die Kombination war bei SHBG, Estradiol und Lipidwerten besser als Semaglutid allein. Der Text behauptet eine Erhöhung der Testosteronwerte durch die Kombination gegenüber Semaglutid allein; in der Tabelle der Quelle tragen beide denselben Buchstaben und unterscheiden sich damit nicht. Die Einheit pg/ml für Testosteron ist ungewöhnlich. Das Tier-Modell enthält keine gesunde Semaglutid-Gruppe.
Tirzepatid
Albokhadaim und Kollegen 2026 [s01] (60 männliche Wistar-Ratten in fünf Gruppen: Kontrolle, diabetische Kontrolle, Tirzepatid, Metformin, paargefütterte diabetische Kontrolle; Hochfettdiät plus niedrig dosiertes Streptozotocin; Behandlung über acht Wochen). Diabetische Tiere zeigten Hyperglykämie, Insulinresistenz, niedrigere Fortpflanzungshormone, schlechtere Spermienqualität, mehr Lipidperoxidation und herunterregulierte antioxidative und steroidogene Gene. Tirzepatid verbesserte die Glukosehomöostase, stellte Testosteron und Gonadotropine wieder her, aktivierte Nrf2/Keap1, normalisierte steroidogene Gene, erhielt die Hodenarchitektur, erhöhte PCNA und senkte die Caspase-3-vermittelte Apoptose. Die Autoren schreiben, die Effekte seien besser als unter Metformin und „weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme“. Absolute Werte und p-Werte nennt der Abstract nicht; die Behauptung der Gewichtsunabhängigkeit lässt sich daher nicht prüfen. Es ist die einzige Tirzepatid-Arbeit mit Paarfütterung.
Mori und Kollegen 2026 [s25] (Vorabdruck, KK-Ay-Maus mit Adipositas und Diabetes; Tirzepatid 1,00 oder 0,16 nmol/kg täglich über acht Wochen). Beide Dosen verminderten Makrophagen im Hoden, oxidativen Stress und Spermien-DNA-Fragmentierung; die Motilität besserte sich nur bei der höheren Dosis. Die Expression des GLP-1-Rezeptors im Hoden war minimal, der GIP-Rezeptor reichlich und vor allem auf Hodenmakrophagen zu finden. Das ist ein wichtiger Hinweis: Beim dualen Agonisten könnte der Hodeneffekt über GIP und Makrophagen laufen. Nicht begutachtet.
Liraglutid
Qi und Kollegen 2024 [s75] (hochfettdiätinduziert adipöse Mäuse und schlanke Wurfgeschwister, 12 Wochen). Liraglutid senkte Körpergewicht, Nüchternblutzucker, Insulin, HOMA-IR, Estradiol und SHBG und erhöhte LH, FSH, Testosteron, freies Testosteron und Spermienzahl; die Rate abnormer Spermien sank. Im Hoden stiegen GLP-1R- und AC3-Expression, cAMP-Gehalt und PKA-Aktivität. Der Abstract nennt keine Zahlen; Gewichts- und Direkteffekt sind nicht trennbar.
Fathy und Kollegen 2023 [s87] (drei Gruppen mit n = 8 je Gruppe laut Abbildungslegenden; Hochfettdiät plus Streptozotocin; Liraglutid acht Wochen). Bei diabetischen Tieren waren Körpergewicht, BMI, Glukose, HbA1c und HOMA-IR erhöht (p < 0,0001), Insulin gesenkt (p < 0,01); Gesamttestosteron sank (p < 0,01), LH und FSH sanken (p < 0,0001). Unter Liraglutid sanken Körpergewicht und BMI (p < 0,001), Glukose, HbA1c, HOMA-IR und Triglyzeride (p < 0,0001); Gesamttestosteron, LH und FSH stiegen gegenüber der diabetischen Gruppe (p < 0,01, < 0,05 und < 0,0001 in der Reihenfolge der Quelle). Histologisch zeigten diabetische Tiere unregelmäßige Samenkanälchen, abgelöste und geschrumpfte Keimzellen und weniger Spermien-Flagellen im Lumen; unter Liraglutid hatten die meisten Kanälchen wieder normale Architektur mit Spermienansammlung im Lumen. Beschrieben werden außerdem herunterregulierte Gene der Steroidogenese und der Kisspeptin/GnRH-Achse bei Diabetes und Besserung unter Liraglutid. Es gab keine Paarfütterung, eine direkte Hodenwirkung ist nicht von der indirekten über Gewicht und Glukose getrennt.
Harby und Kollegen 2025 [s49] (40 Ratten, fünf Gruppen: Kontrolle, Diabetes durch Fruktose und Streptozotocin, plus Denatoniumbenzoat, plus Liraglutid, plus beides; acht Wochen). Liraglutid und Denatonium, einzeln und kombiniert, milderten Hyperglykämie und Dyslipidämie, steigerten die Superoxiddismutase, senkten Malondialdehyd, TNF-alpha und Interleukin-6 in Gehirn und Hoden und verbesserten Spermienqualität sowie FSH, LH und Testosteron; die BCRP-Expression stieg. Keine Zahlen im Abstract; Liraglutid ist nur eine von zwei geprüften Substanzen.
Pourheydar und Kollegen 2021 [s105] (42 diabetische Mäuse, Liraglutid 1,2 und 1,8 mg/kg, mit In-vitro-Fertilisation). Liraglutid verbesserte Spermienzahl, Chromatinkondensation und DNA-Integrität, nicht aber Motilität und Vitalität, und verbesserte die Embryonalentwicklung nach In-vitro-Fertilisation nicht. Das ist ein Gegenbefund zum reinen Nutzenbild: Strukturelle Spermienparameter besserten sich, funktionelle Endpunkte (Beweglichkeit, Befruchtung bis Embryo) nicht.
Dasso und Kollegen 2026 [s04] (juvenile gesunde Ratten, Liraglutid täglich von Tag 20 bis 33, der Zeit der Ausbildung der Blut-Hoden-Schranke). Am Tag 34 zeigten sich mehr durchlässige Tubuli und mehr Apoptose, die Schranke war also verändert. Bei erwachsenen Tieren, die in der Jugend Liraglutid erhalten hatten, waren Durchlässigkeit der Schranke und Spermatogenese wieder vollständig normal, die tägliche Spermienproduktion unverändert. Die Autoren sehen die Störung als reversibel; Gruppengrößen stehen nicht im Abstract. Die Arbeit ist für die Frage der Reversibilität zentral (siehe unten).
Hazir und Kollegen 2025 [s51] (Ratte; Diabetes, Torsion, Torsion/Detorsion, jeweils mit Liraglutid-Untergruppen). In den Schädigungsgruppen fanden sich Degeneration der Samenkanälchen und des Interstitiums, erhöhte Caspase-3 (p < 0,05) und Malondialdehyd (p < 0,05), niedrigere Superoxiddismutase und niedrigeres Testosteron (p < 0,05); unter Liraglutid lagen alle Werte ähnlich der Kontrolle. Die Gruppengröße steht nicht im Abstract; Torsion ist ein Akutmodell.
Degirmentepe und Kollegen 2021 [s103] (28 Wistar-Albino-Ratten in vier Gruppen zu je 7: Kontrolle, Scheinoperation, Ischämie-Reperfusion, Ischämie-Reperfusion plus Liraglutid). Unter Liraglutid sanken Stickstoffmonoxid und Malondialdehyd (p < 0,05), Glutathionperoxidase stieg signifikant, Apaf-1 und induzierbare NO-Synthase sanken signifikant (p < 0,05); Katalase und Superoxiddismutase stiegen nicht signifikant (p > 0,05). Die Autoren sprechen von einer „mäßig“ schützenden Wirkung. Ein Akutmodell, keine Fertilitätsendpunkte.
Culha und Kollegen 2023 [s86] (30 Sprague-Dawley-Ratten, drei Gruppen zu je 10: Kontrolle, Diabetes nach Streptozotocin, Diabetes plus Liraglutid 0,3 mg/kg alle 12 Stunden). Maximales ICP/MAP (Verhältnis von intrakavernösem zu mittlerem arteriellem Druck): 0,790 ± 0,164 in der Kontrolle, 0,263 ± 0,139 bei Diabetes, 0,652 ± 0,131 unter Liraglutid; Kontrolle und Behandlungsgruppe waren ähnlich (p = 0,076), Diabetes signifikant niedriger (p < 0,001). Testosteron und FSH waren in der Diabetesgruppe niedriger (p = 0,001); nNOS, RECA-1 und das Muskel-Kollagen-Verhältnis waren dort niedriger. Es handelt sich um die Erektionsfunktion, nicht um Spermien; die Hormonwerte der Behandlungsgruppe stehen nicht im Abstract; ob die Streuung Standardabweichung oder Standardfehler ist, ist nicht angegeben.
Yuan und Kollegen 2020 [s110] (Typ-1-Diabetes-Modell der Ratte durch Streptozotocin, Auswahl des Erektionsstörungsmodells per Apomorphintest; Liraglutid 0,3 mg/kg alle 12 Stunden über 4 Wochen; Zellkultur glatter Muskelzellen des Schwellkörpers). Liraglutid beeinflusste Blutglukose und Körpergewicht nicht signifikant, verbesserte aber die Erektionsfunktion, senkte NADPH-Oxidasen und ROS und verminderte RhoA und ROCK2; die Autophagie nahm zu, die GLP-1R-Expression wurde wiederhergestellt; ein GLP-1R-Hemmer hob die Wirkungen in Zellen auf. Dass die Verbesserung ohne Änderung von Glukose und Gewicht eintrat, spricht für eine gewichtsunabhängige Wirkung am Schwellkörper; das Modell ist Typ-1-Diabetes und nicht ohne Weiteres auf Typ-2-Diabetes übertragbar.
Yue und Kollegen 2016 [s120] (chinesischsprachig; 30 sechs Wochen alte Ratten: Kontrolle n = 10, Diabetes n = 8, Liraglutid n = 8, vier weitere Tiere nicht zugeordnet; Liraglutid laut Abstract „5 mg pro kg und Tag“ intramuskulär, hier nur wiedergegeben; 12 Wochen). Häufigkeit und Rate der Erektionen waren bei Diabetes niedriger als unter Liraglutid und in der Kontrolle (p < 0,05); die Liraglutid-Gruppe blieb aber unter der Kontrolle (p < 0,05). eNOS, p-eNOS und p-Akt waren unter Liraglutid höher als bei Diabetes (p < 0,05), Akt selbst unverändert. Die Autoren folgern einen Schutz der Endothelfunktion über den Akt/eNOS-Weg. Der Abstract berichtet das gemessene Testosteron nicht; die Erholung war nur teilweise.
Alafifi und Kollegen 2023 [s83] (Doxorubicin-Hodentoxizität bei der Ratte) wurde 2025 zurückgezogen [s42]. Aus dieser Arbeit werden keine Zahlen und keine Schlüsse verwendet; sie wird nur genannt, damit sie nicht versehentlich als Beleg übernommen wird. Der Grund der Rücknahme wurde nicht abgerufen.
Exenatid, Dulaglutid und weitere Wirkstoffe
Zhang und Kollegen 2015 [s122] (Hochfettdiät-Mäuse, 12 Wochen Diät, danach 8 Wochen Kochsalzlösung oder Exenatid 24 nmol/kg täglich). Adipositas erhöhte die Hoden-mRNA von TNF-α, MCP-1 und F4/80 und verschlechterte die Spermienqualität; Exenatid senkte die Zytokinexpression und verbesserte die Spermienqualität. Der Abstract nennt keine Zahlen und keine Hormonmessung. Nach Zitaten in zwei Übersichten hob Exenatid dabei das Testosteron nicht signifikant an, obwohl Hodenentzündung, Beweglichkeit und DNA-Integrität der Spermien besser wurden [s81, s70]; die Originalzahlen liegen im Abstract nicht vor.
Chen und Kollegen 2023 [s85] (diabetische C57BL/6J-Mäuse, drei Gruppen, Gruppengröße nicht angegeben). Exenatid senkte den Nüchternblutzucker, erhöhte das Testosteron, besserte morphologische Schäden an Inselzellen, Dickdarm und Hoden und senkte TNF-α und IL-6 in Dickdarm und Hoden; die Darmmikrobiota veränderte sich (weniger Streptococcaceae und Erysipelotrichaceae, mehr Akkermansia). Ein Stuhltransplantationsversuch auf pseudosterile diabetische Mäuse übertrug einen Teil des Effekts, was über Korrelation hinaus für eine Beteiligung der Darmflora spricht. Spermienparameter werden im Abstract nicht berichtet.
Abdel-Hakeem und Kollegen 2023 [s82] (diabetische Ratte, vier Gruppen: Kontrolle, Exenatid, Diabetes, Diabetes plus Exenatid). Exenatid schwächte diabetische Veränderungen von Apoptose und ER-Stress ab und förderte die Autophagie (Beclin-1, p62, mTOR, AMPK); gemessen wurden auch Testosteron, Gonadotropine und Kisspeptin-1. Keine Zahlen im Abstract.
Attia und Kollegen 2024 [s67] (Hochfettdiät-Mäuse, 12 Wochen Diät, danach 5 Wochen Dulaglutid 0,6 mg/kg täglich oder Kochsalzlösung). Unbehandelte adipöse Mäuse hatten ein niedrigeres Hoden-Körpergewichts-Verhältnis, mehr Spermien-DNA-Schäden, Chromosomenanomalien, niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit, mehr morphologische Defekte und ein verändertes Redoxgleichgewicht; Dulaglutid stellte alle gestörten Parameter auf Kontrollniveau wieder her; bei gesunden Mäusen zeigten sich unter dem Schema keine signifikanten schädlichen Wirkungen. Gruppengrößen und Zahlen stehen nicht im Abstract. Gesunde behandelte Tiere zeigten also unter diesem Schema keinen Schaden; Aussagen zu anderen Dosen oder längerer Gabe sind daraus nicht ableitbar.
Iida und Asano 2024 [s71] und der zugehörige Förderbericht Asano 2021 [s101] (Maus und Zelllinien TM4, MA-10, GC-1 spg, GC-2 spd). Glp1r-mRNA und GLP-1-Protein waren im Mäusehoden und in allen vier Zelllinien nachweisbar; in TM4-Zellen steigerte Exenatid vorübergehend Kitl, Pdgfa und Glp1r; bei Mäusen waren Kitl und Glp1r eine Stunde nach Gabe erhöht, Pdgfa zeigte einen Trend. Der Effekt war vorübergehend, Genexpression ist kein Funktionsmaß für Spermienzahl; der Förderbericht ist keine begutachtete Publikation und enthält keine Zahlen. Er nennt als Bedeutung, dass Adipositas und Diabetes die Wirkung von Inkretinen am Hoden beeinflussen könnten, insbesondere die von GIP.
Ribeiro und Kollegen 2022 [s98] (Sertoli-Zellen der Maus, Exenatid plus Dapagliflozin): Die Kombination steigerte die Laktatproduktion, einen für die Keimzellernährung wichtigen Stoffwechselweg.
Yesil und Kollegen 2018 [s118] (18 Wistar-Albino-Ratten, drei Gruppen zu je sechs: Kontrolle, Eisendextran, Eisendextran plus Exenatid 10 µg/kg in zwei Dosen subkutan, vier Wochen). Caspase-3 in Stroma- und Endothelzellen war unter Eisen erhöht und unter Exenatid niedriger (p < 0,05); im Keimepithel waren Caspase-3 und Caspase-8 in allen Gruppen ähnlich; Malondialdehyd und Superoxiddismutase waren unter Exenatid signifikant niedriger. Der Befund betrifft Stroma und Gefäße, nicht die Keimzellen; Eisenüberladung ist ein entferntes Modell, ein Spermiogramm gibt es nicht.
Dalaklioglu und Kollegen 2018 [s116] (vier Gruppen: Kontrolle; Methylglyoxal 75 mg/kg täglich im Trinkwasser über 12 Wochen; Methylglyoxal plus Exendin-4 0,1 oder 1 µg/kg zweimal täglich subkutan). Exendin-4 verbesserte die endothelabhängige und neurogene Relaxation des Schwellkörpers, senkte TUNEL-positive Zellen, Malondialdehyd und fortgeschrittene Oxidationsprodukte und stellte eNOS und p-eNOS teilweise wieder her. Keine Zahlen im Abstract; Gefäßmodell, nicht Hormone oder Spermien.
Wang und Kollegen 2024 [s76] (Vorabdruck, Schafsperma in vitro): Exenatid 300 pM erhöhte Motilität und ATP und veränderte LDH, G6PDH und Lipase; nicht begutachtet, andere Spezies.
Weitere Tierversuche und Zellmodelle
Correia und Kollegen 2022 [s97] (16 Ratten; GLP-1 3,5 pmol/min/kg gegenüber Kalorienrestriktion 30 %). GLP-1 hatte keinen Einfluss auf das Gewicht, aber weniger Spermienkopfdefekte; Kalorienrestriktion erhöhte sie. Das ist neben [s31] und [s01] ein Tierbefund mit einem Hinweis auf gewichtsunabhängige Effekte.
Yin und Kollegen 2025 [s64] (Maus und Zelllinien, Glp1r-Knockout). Liraglutid senkte bei diabetischen Mäusen den Blutzucker deutlich, verbesserte aber die Spermienparameter nicht; bei gealterten Mäusen gab es keine signifikanten Unterschiede; GLP-1R war in Hodengewebe und in allen vier Zelllinien exprimiert, am stärksten in Leydig-Zellen. Liraglutid oder Semaglutid hatten in vitro keinen Einfluss auf Spermienzahl, Beweglichkeit oder Zellproliferation. Glp1r-Knockout-Mäuse hatten höhere Blutzuckerwerte, normale Hodenmorphologie und eine höhere Spermienkonzentration als Wildtypen. Die Autoren schließen, GLP-1-RA zeigten keinen nachteiligen Effekt auf Konzentration und Beweglichkeit und das Fehlen von GLP-1R erhöhe die Spermienkonzentration. Der Knockout-Befund ist schwer zu deuten, da der Blutzucker ebenfalls verändert war. Gruppengrößen und Zahlen fehlen im Abstract.
Xia und Kollegen 2026 [s35] (Kontextquelle, Glukagonrezeptor-Blockade bei Mäusen). Der Antikörper gegen den Glukagonrezeptor erhöhte bei diabetischen Mäusen die Spermienkonzentration (p < 0,001), bei gealterten Mäusen die progressive Beweglichkeit (p = 0,004), bei gesunden jungen Mäusen Konzentration (p = 0,003), progressive Beweglichkeit (p = 0,022) und Gesamtbeweglichkeit (p = 0,020). Der globale Knockout beeinträchtigte die Spermatogenese; Glukagon unterdrückte in Sertoli-Zellen Reifungsmarker, Gene der Blut-Hoden-Schranke, Laktatproduktion und PFKFB3, der Antikörper hob das auf; ein GLP-1R-Antagonist zeigte nur „partiellen oder variablen“ Schutz. Für die Einordnung heißt das nur, dass im Sertoli-Zell-Stoffwechsel Glukagon- und GLP-1-Signalwege zusammenhängen können; ein Agonist wurde nicht geprüft.
Zhu und Kollegen 2019 [s114] (Maus, Insulinomzellen): Glp1r-mRNA war in normalen männlichen Mäusen breit exprimiert und korrelierte positiv mit dem Serumtestosteron; Dihydrotestosteron erhöhte die GLP-1R-Expression über den Androgenrezeptor, der an ein Motiv im Promotor des Glp1r-Gens bindet. Die Richtung ist umgekehrt zur Fragestellung: Androgene verändern die Rezeptorzahl; untersucht wurde das Pankreas, nicht der Hoden.
Li und Kollegen 2023 [s90] (Ratte, 3D-Gewebekultur und In-vivo-Regenerationsmodell nach chemischer Zerstörung der Leydig-Zellen; natives GLP-1). In vitro erhöhte GLP-1 (3 und 30 nmol/l) das Testosteron im Medium und die Expression von Scarb1, Cyp11a1 und Hsd11b1, die Proliferation der Stammzellen blieb unbeeinflusst; in vivo erhöhte die Injektion in den Hoden (10 und 100 ng pro Hoden, Tag 14 bis 28 nach Zerstörung) das Serumtestosteron und steigerte Cyp11a1, Hsd3b1 und Hsd11b1; die Zahl der HSD11B1- und CYP11A1-positiven Zellen änderte sich nicht. Die RNA-Sequenzierung zeigte hochregulierte Wege (cAMP-PKA-EPAC1, MEK/ERK1/2). Das ist der direkteste Beleg für eine stimulierende Wirkung des GLP-1-Signals auf die Testosteronbildung, aber in einem Regenerationsmodell, mit nativem GLP-1 und intratestikulärer Gabe; die Arbeit sagt nichts über Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid.
Huang und Kollegen 2025 [s52] (menschliche, aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene Hodenorganoide). Die Organoide zeigten hodenstrangähnliche Strukturen, Blut-Hoden-Schranken-Funktion und eine durch Gonadotropine regulierte endokrine Funktion; unter Semaglutid sanken die Testosteronspiegel und INHBB wurde herunterreguliert, „im Einklang mit früheren klinischen Beobachtungen“, die der Abstract nicht benennt. Das ist der einzige gefundene Befund, in dem Semaglutid im Humanzellmodell die Testosteronbildung senkt, im Gegensatz zu den Nagerbefunden; Konzentrationen, Zeiten und Effektgrößen stehen nicht im Abstract. Das Modell wurde in derselben Arbeit eingeführt; Einflüsse aus Hypothalamus, Hypophyse und Stoffwechsel sind darin nicht abgebildet.
Oliveira-Lopes und Kollegen 2025 [s56] (Leydig-Zelllinie der Maus, BLTK1): Eine pharmakologische Konzentration von Liraglutid verbesserte die mitochondriale Atmung; Androstendion blieb unverändert.
Dasso und Kollegen 2024 [s69] (Sertoli-Zellen der Ratte): Liraglutid hatte keinen Einfluss auf Glukoseverbrauch und Laktatproduktion, erhöhte aber Triglyzeride und Lipidtröpfchen über cAMP/PKA.
Shimizu und Kollegen 2017 [s119] (Kontextquelle zu GIP, nicht zu GLP-1): Der GIP-Rezeptor wird in Spermatiden der Maus exprimiert; in Gipr-Knockout-Hoden war Psg17 vermindert, Knockout-Spermien hatten in vitro eine niedrigere Befruchtungsrate; Plasma-GIP und Hoden-Psg17-mRNA stiegen nach einer Mahlzeit, eine chronische Hochfettdiät senkte Gipr und Psg17. Es ist die einzige Arbeit, die das GIP-Signal mit der Befruchtungsfähigkeit der Spermien verbindet; ein GIP-Agonist oder Tirzepatid wurde nicht untersucht.
Zell- und Gewebestudien am Menschen
Rago und Kollegen 2020 [s109]. Der GLP-1-Rezeptor ist auf menschlichen Spermien nachweisbar (Western Blot, Immunfluoreszenz). Exendin-4 300 pM war am wirksamsten für progressive Motilität und Cholesterinefflux; der Signalweg läuft über PI3K/AKT, PKA-abhängig; LDH- und G6PDH-Aktivität stiegen, Triglyzeride sanken (lipolytischer Effekt). In vitro, keine klinische Aussage.
Castiglione und Kollegen 2023 [s84]. Exendin-4 erhielt in einer 4-Stunden-Inkubation Motilität und Vitalität menschlicher Spermien (Proben gesunder Männer) und schwächte die Wirkung von TNF-alpha ab; es verminderte p-IRS-1 (Ser312) und p-JNK.
Martins und Kollegen 2019 [s113]. Menschliche Sertoli-Zellen mit GLP-1 in 0,01 nM (postprandial) sowie 1 und 100 nM (pharmakologisch): Der Glukoseverbrauch sank und die Laktatproduktion stieg bei 0,01 und 1 nM; bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotenzial und p-mTOR (Ser2448) stieg. Die Arbeit ist wegen der Konzentrationsabhängigkeit für das Dosis-Kapitel relevant.
Caltabiano und Kollegen 2020 [s108]. Immunhistochemie zeigt GLP-1R in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens, mit Artunterschieden zu Nagern; in menschlichen Leydig-Tumoren war der Rezeptor nicht nachweisbar.