Fragestellung und Abgrenzung
Die Studie behandelt drei Wirkstoffe im Mittelpunkt, nämlich Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid, und bezieht die älteren oder verwandten Wirkstoffe Exenatid und Dulaglutid ein, weil für sie die ältesten und teils einzigen kontrollierten Daten vorliegen [s104, s117, s72]. Betrachtet werden vier Gruppen von Endpunkten: männliche Geschlechtshormone (Gesamttestosteron, freies Testosteron, SHBG, LH, FSH, Estradiol), Samenqualität (Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Form, DNA-Integrität), Sexualfunktion (Erektion, Verlangen) und Fertilität im engeren Sinn (Zeugung, Schwangerschaft, Lebendgeburt, Gesundheit der Nachkommen). Quellen, die ausschließlich Frauen betreffen, etwa zum polyzystischen Ovarsyndrom oder zur Reproduktionsmedizin bei der Frau, wurden nicht aufgenommen. Eine Ausnahme dient der Dokumentation des portugiesischsprachigen Raums [s02]. Dieses Kapitel ist das erste der Gesamtstudie. Es legt Fragestellung, Vorgehen und Hintergrund dar und fasst die Kernbefunde der gesamten Studie zusammen.
Recherche in drei Sprachgruppen
Die Recherche lief in drei getrennten Teilrecherchen, die unabhängig voneinander durchgeführt und anschließend zu einem gemeinsamen Quellenpool zusammengeführt wurden. Die Teilrecherchen lieferten zusammen 155 Einträge (98, 22 und 35). Nach der Zusammenführung doppelter Funde blieben 123 Quellen. Deshalb gehen einzelne Quellen auf mehrere Teilrecherchen zurück, und die Zuordnungstabelle der Studie hält die ursprünglichen Nummern fest.
Gruppe a: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch. Gesucht wurde in Europe PMC über die REST-Schnittstelle mit Begriffen in sechs Sprachen sowie mit Autorensuchen (Jensterle, Giagulli, Dhindsa, Condorelli, Calogero, Oliveira) und Titelsuchen zu Liraglutid, Semaglutid, Exenatid, Dulaglutid und Tirzepatid in Kombination mit Hoden, Sperma, Testosteron, Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion und väterlicher Exposition. Ergänzend wurden HAL, OpenAlex und die Webseiten von EAU, AUA, ESHRE und der Società Italiana di Andrologia abgefragt. Aus über 1.000 eindeutigen Datensätzen blieben nach einem lokalen Filter auf einen GLP-1-Begriff plus einen männlichen Reproduktionsbegriff etwa 190 Kandidaten; 98 davon wurden aufgenommen.
Gruppe b: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch. Gesucht wurde in Europe PMC und, über die NCBI-E-utilities (esearch, esummary, efetch), in PubMed, mit Wirkstoffnamen und männlichen Zielbegriffen sowie mit Eingrenzung über die Herkunftsangabe der Erstautoren und über Sprachfilter. Muttersprachliche Suchbegriffe wurden in Europe PMC, in CiNii Research und, soweit technisch möglich, in J-STAGE, KoreaMed, Wanfang und CNKI eingesetzt. Aufgenommen wurde, wenn die erste Affiliation im chinesischen, japanischen oder koreanischen Sprachraum lag und der Abstract GLP-1-RA inhaltlich mit männlichen Hormonen, Spermien, Hodenfunktion, Erektion oder Fruchtbarkeit verband. Das ergab 22 Funde. Aus Korea fand sich keine einschlägige Arbeit.
Gruppe c: Russisch, Arabisch, Türkisch. Genutzt wurden Europe PMC mit Sprachfiltern, die NCBI-E-utilities, die JSON-Schnittstelle von CyberLeninka für russischsprachige Volltexte, die Schnittstelle von TR Dizin für türkische Arbeiten sowie OpenAlex und Crossref zur Prüfung von Metadaten und Kennungen. Dazu wurden westliche Primärquellen, die in russischen Übersichten zitiert werden, an den Originalen gegengeprüft. Das ergab 35 Einträge.
Die PubMed-Webseite selbst war für diese Recherche gesperrt und wurde nicht genutzt; PubMed-Datensätze wurden ausschließlich über die E-utilities abgerufen. Rechercheschluss war der 4. Oktober 2026.
Der Quellenpool in Zahlen
Der Pool umfasst 123 Quellen. Von ihnen tragen 99 eine PubMed-Kennung. Die übrigen 24 sind Leitlinien und Leitlinienverzeichnisse, Kongressabstracts, Vorabdrucke, eine Masterarbeit, ein Förderbericht, ein nicht begutachteter Positionstext und Zeitschriftenartikel ohne PubMed-Eintrag, vor allem russischsprachige. Nach Erscheinungsjahr verteilen sie sich so: 2014 eine, 2015 zwei, 2016 eine, 2017 eine, 2018 drei, 2019 fünf, 2020 drei, 2021 acht, 2022 fünf, 2023 dreizehn, 2024 sechzehn, 2025 sechsundzwanzig, 2026 neununddreißig. Die Forschungsfrage ist also jung und wächst schnell: 65 von 123 Quellen, gut die Hälfte, sind 2025 und 2026 erschienen.
Nach Studientyp ergibt sich, in der Einteilung des Verfassers (Grenzfälle sind möglich):
- rund 42 präklinische Arbeiten (Tierversuche, Zellversuche, menschliche Zell- und Gewebestudien, Organoide, ein Förderbericht);
- vier randomisierte Studien am Menschen [s96, s48, s72, s112];
- rund 21 weitere klinische, pharmakoepidemiologische und Querschnittsarbeiten, darunter nicht randomisierte Studien [s88, s54, s117], Kohorten [s29, s32, s41, s46, s73, s104], Meldedatenanalysen [s20, s60], eine Fallserie [s22] und mehrere Kongressabstracts [s47, s59, s89];
- 13 systematische Übersichten, Metaanalysen und eine Mendelsche Randomisierung [s05, s14, s18, s24, s28, s34, s36, s37, s57, s62, s63, s66, s92];
- 34 narrative Übersichten, Kommentare, Editorials, Meinungsbeiträge, ein Rücknahmehinweis und Qualifikationsarbeiten;
- drei Fallberichte [s33, s55, s123];
- sechs Leitlinien und Leitlinienverzeichnisse [s06, s07, s08, s65, s68, s107].
Nach den Sprachangaben der Quellenliste sind 114 Quellen englisch (teils neben einer zweiten Sprachangabe), 19 chinesisch (überwiegend Herkunft aus China, nicht Sprache der Veröffentlichung), 15 italienisch, zehn russisch, je drei portugiesisch, deutsch und japanisch sowie je eine spanisch und französisch. Diese Zählung ordnet Quellen Sprach- und Herkunftsräumen zu und zeigt die Verteilung der Funde, nicht die Sprache jeder einzelnen Veröffentlichung. Die italienischen Gruppen etwa publizieren fast durchweg auf Englisch [s88, s54, s121, s73]. Tatsächlich nicht auf Englisch verfasst sind oder einen nicht englischen Titel tragen 15 Quellen: neun russischsprachige Arbeiten [s39, s65, s78, s79, s80, s81, s106, s107, s115], eine portugiesische Masterarbeit [s09], ein portugiesischer Fallbericht [s55], ein spanischer Positionstext [s21], ein japanischer Förderbericht [s101], eine chinesischsprachige Rattenstudie [s120] und die Übersicht mit deutschem Titel [s15]. Eigenständige Primärstudien am Menschen mit Hormon- oder Samenendpunkten erschienen ganz überwiegend englisch; die Ausnahme ist die russische Pilotstudie [s106].
Zitierweise und Zuordnung
Zitiert wird mit der Kennung des Quellenpools in eckigen Klammern, zum Beispiel [s05] oder [s05, s12]. Hinter jeder Kennung steht in der Quellenliste der Studie ein Eintrag mit Autoren, Jahr, Titel, Zeitschrift, Studiendesign, Teilnehmerzahl und, wo vorhanden, PubMed- und DOI-Nummer. Titel erscheinen im Originalwortlaut; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln steht eine deutsche Übersetzung in Klammern. Ergänzend zu den 123 Quellen wurden für dieses einleitende Kapitel drei Hintergrundquellen zu den WHO-Referenzwerten abgerufen. Sie gehören nicht zum Quellenpool und werden deshalb im Text mit Autor, Jahr und PubMed-Nummer genannt (siehe Abschnitt Hintergrund).
Datenebene: überwiegend Abstracts
Der wichtigste methodische Vorbehalt dieser Studie lautet: Für die große Mehrheit der Quellen wurde nur der Abstract gelesen, nicht der Volltext. Volltexte wurden für die sechs wichtigsten klinischen Studien aus Gruppe a gelesen [s96, s48, s72, s112, s88, s54], außerdem für die russische Pilotstudie [s106], die Metaanalyse von Mirghani und AlQurashi [s24] und die beiden russischen Leitlinien [s107, s65]. Für Leitlinien wurden die Webfassungen durchsucht. Das EAU-Kapitel zu männlicher Infertilität umfasste rund 146.000 Zeichen Text und enthielt keine der Zeichenfolgen „GLP“, „glucagon“, „semaglutide“, „liraglutide“, „incretin“ oder „tirzepatide“ [s06]; im Kapitel zu Hypogonadismus gab es ebenfalls keinen Treffer [s07].
Die Folgen sind konkret. Erstens fehlen in vielen Abstracts Fallzahlen, Dosen, Einheiten, Ausgangswerte und Konfidenzintervalle; wo ein Abstract eine Zahl nicht nennt, wurde sie in dieser Studie nicht ergänzt. Zweitens ist eine eigenständige Bewertung des Verzerrungsrisikos nur möglich, soweit das Design im Abstract beschrieben ist. Drittens sind Aussagen zu Stärken und Schwächen einer Studie aus dem Entwurf abgeleitet und ersetzen keine Volltextbewertung. Viertens können Abstracts und Volltexte voneinander abweichen. Solche Abweichungen sind im Text benannt, zum Beispiel beim Ausgangs-LH der Catania-Studie [s88] und bei den LH-Angaben der Tirzepatid-Studie [s54].
Zahlen, Einheiten und Unstimmigkeiten in den Quellen
Jede Zahl in dieser Studie steht in den Recherchedateien oder in einer Quelle, die für die Studie tatsächlich abgerufen wurde. Zahlen wurden nicht umgerechnet. Testosteron erscheint je nach Quelle in nmol/l, ng/dl, ng/ml oder pg/ml; die Einheit steht jeweils dabei. Für mehrere Zahlen, die im Text vorkommen, wurden die Abstracts bei Europe PMC erneut abgerufen und mit den Angaben der Recherchedateien verglichen (Gregorič 2025 [s48], Lengsfeld 2024 [s72], Tang 2026 [s32] und Salvio 2025 [s62]); sie stimmten überein. Mehrere Quellen enthalten interne Unstimmigkeiten, die offen benannt werden:
- Die Metaanalyse zur erektilen Funktion nennt im Abstract 237 Männer, während der Ergebnisteil für sieben Studien 183 behandelte und 184 Vergleichspersonen aufführt; 237 entspricht rechnerisch der Teilanalyse mit drei Studien. Der Suchzeitraum ist in derselben Arbeit einmal mit 2025 und einmal mit 2026 angegeben, und die gepoolten Testosteronwerte tragen keine Einheit [s24].
- Die Metaanalyse von Salvio und Kollegen bezeichnet die standardisierte Mittelwertdifferenz im Abstract mit der Einheit „ng/ml“, obwohl standardisierte Differenzen einheitenlos sind [s62]. Eine Übersicht übernimmt dieselbe Angabe [s14].
- Der Abstract der Catania-Studie nennt ein Ausgangs-LH, das vom Volltext abweicht [s88]; in der Tirzepatid-Studie unterscheiden sich die LH-Angaben zwischen Volltext und zugehörigem Kongressabstract [s54].
- Die frei zugänglichen russischen Volltexte mancher Übersichten sind OCR-Texte mit verstümmelten Namen, Einheiten und Kennungen [s80, s39]. Beim Abgleich einer dieser Übersichten mit den Originalen fanden sich zwei Fehler: ein Interquartilbereich war als Konfidenzintervall wiedergegeben, und ein Kürzel war falsch aufgelöst [s39].
- Die Dosisangabe im Abstract der Studie von Giagulli 2015 („1,2 µg/Tag“) ist vermutlich ein Einheitenfehler für 1,2 mg [s121].
Nicht oder nur eingeschränkt verwertbare Quellen
Eine Tierstudie zu Liraglutid bei Doxorubicin-Hodentoxizität ist zurückgezogen; der Rücknahmehinweis ist ein eigener Eintrag des Pools [s83, s42]. Sie wird dokumentiert, aber nicht als Beleg verwendet. Ein nicht begutachteter Positionstext mit kommerziellem Bezug zu Nährstoffpräparaten wird nur zur Dokumentation des spanischsprachigen Raums geführt [s21]. Vorabdrucke [s22, s25, s76] und Kongressabstracts [s47, s59, s89] sind als solche gekennzeichnet und tragen weniger Gewicht. Drei Quellen sind ausdrücklich Kontextquellen, die GLP-1-RA nicht im engeren Sinn betreffen: eine Studie zur GIP-Achse der Spermien bei Mäusen [s119], eine Studie zur Blockade des Glukagonrezeptors [s35] und eine Querschnittsstudie ohne GLP-1-Bezug zu Steroiden bei Männern mit Diabetes [s99].
Interessenkonflikte und Finanzierung
Die randomisierte Liraglutid-Teilstudie wurde von der Novo Nordisk Foundation gefördert; Liraglutid und Placebo stellte Novo Nordisk, und ein Autor ist Anteilseigner und Angestellter eines Unternehmens für Fertilitätsprodukte [s96]. Für die übrigen Studien wurden Finanzierungsangaben nur erfasst, wenn sie im gelesenen Text standen. Die Einschätzung möglicher Interessenkonflikte ist daher unvollständig.
Erreichbarkeit der Datenbanken und was daraus folgt
Europe PMC, die NCBI-E-utilities, OpenAlex, Crossref, HAL, CyberLeninka, TR Dizin, CiNii Research und die Webseiten von EAU und AUA waren abfragbar. Nicht erreichbar oder nicht auswertbar waren Cairn, SciELO, LILACS, Dialnet (zeitweise), CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, Arab World Research Source, Mandumah, Al Manhal, ASJP, IASJ, EKB und das AWMF-Leitlinienregister. Die Konsequenz gilt für die gesamte Studie: Ein leeres Suchergebnis bedeutet nur dort „es gibt keine Studie“, wo die Suche nachweislich funktionierte.
Dass sich keine arabisch- oder türkischsprachige Primärliteratur fand, stützt sich auf Europe PMC, OpenAlex und TR Dizin, nicht auf die eigentlichen arabischen und türkischen Fachdatenbanken. Für Korea ist auf der PubMed-Seite ein belastbares Nullergebnis erreicht; KoreaMed ließ sich nicht auswerten. Für China ist die chinesischsprachige Primärliteratur in CNKI und Wanfang unbekannt. Auch ob AWMF-Leitlinien GLP-1-RA im männlichen Kontext erwähnen, ist nicht beurteilbar. Muttersprachliche Suchbegriffe lieferten in Europe PMC häufig null Treffer, weil die Datenbank überwiegend englische Titel und Abstracts indexiert; das ist ein technischer Befund und kein Hinweis auf fehlende Literatur.
Weitere Grenzen
Metaanalysen und Übersichten sind nicht unabhängig voneinander, weil sie dieselben Primärstudien nutzen; Mehrfachzählung derselben Patienten über mehrere Auswertungen hinweg ist wahrscheinlich [s62, s57, s24, s05, s47]. Die Auswahl folgt einem Filter auf GLP-1-Begriff und männlichen Reproduktionsbegriff; Studien, die Hormone oder Samen nur als Nebenbefund erwähnen, können unentdeckt geblieben sein. Mehrere Metaanalysen ließen ausschließlich englischsprachige Arbeiten zu [s24, s28], sodass sie zur Studienlage in anderen Sprachen strukturell nichts beitragen. Bei online vorab veröffentlichten Arbeiten stammt das Jahr 2026 teils aus den Metadaten von Europe PMC.
Keine Therapieempfehlung
Diese Studie beschreibt Befunde. Sie gibt keine Empfehlung, ob GLP-1-RA bei Männern angewendet, gemieden, abgesetzt oder zur Behandlung von Infertilität oder Hypogonadismus eingesetzt werden sollen. Wo Quellen selbst Empfehlungen aussprechen, etwa Leitlinien oder Übersichtsautoren, werden diese als Aussage der jeweiligen Quelle wiedergegeben, nicht als Rat dieser Studie. Entscheidungen über eine Behandlung gehören in die ärztliche Beratung im Einzelfall.