# GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid, Liraglutid, Tirzepatid) und männliche Hormone, Spermienqualität und Fertilität: Eine Gesamtstudie der Literatur

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/glp1.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 58.724 Wörter, 123 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage ist klein. Beim Menschen gibt es nur vier randomisierte Studien mit männlichen Teilnehmern, jeweils mit 24 bis 56 Personen. Bei Männern mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes steigt das Testosteron im Mittel mäßig, hauptsächlich durch den Gewichtsverlust. Die Samenparameter fallen uneinheitlich aus. Ob die Fruchtbarkeit besser, schlechter oder unverändert bleibt, lässt sich nach heutigem Stand nicht beantworten, weil Studien mit Schwangerschaft oder Lebendgeburt als Endpunkt fehlen.

## Häufige Fragen

### Beeinträchtigen GLP-1-Rezeptoragonisten die Spermienqualität?

Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Befunde sind uneinheitlich: In einer randomisierten Studie mit Semaglutid stieg der Anteil normal geformter Spermien von 2 auf 4 Prozent, Konzentration und Gesamtzahl änderten sich nicht signifikant. Bei gesunden Männern zeigte sich nach vier Wochen Dulaglutid keine Veränderung. Ein einzelner Fallbericht beschreibt eine Verschlechterung unter Liraglutid, belegt aber keinen ursächlichen Zusammenhang.

### Erhöhen GLP-1-Rezeptoragonisten den Testosteronspiegel?

Bei Männern mit Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus steigt das Gesamttestosteron im Mittel mäßig an. Eine Metaanalyse mit sieben Studien und 680 Männern berichtet eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 1,39. Der Anstieg hängt mit dem Gewichtsverlust zusammen. Bei gesunden, normalgewichtigen Männern änderte sich nach vier Wochen nichts Messbares. Eine Netzwerk-Metaanalyse wies im Abstract keinen signifikanten Effekt aus.

### Ist der Testosteronanstieg ein direkter Effekt am Hoden oder eine Folge der Gewichtsabnahme?

Beim Menschen ist ein vom Gewicht unabhängiger direkter Hodeneffekt nicht belegt, das halten auch die Autoren der Metaanalyse fest. Der Anstieg folgt in mehreren Studien dem Gewichtsverlust. Einzelne Tierversuche mit gepaarter Fütterung deuten auf Wirkungen jenseits der Gewichtsabnahme hin. Für den Menschen sind das Hypothesen, denn keine Studie trennt Wirkstoff und Gewichtseffekt sauber.

### Unterdrücken GLP-1-Rezeptoragonisten die Hodenachse wie eine Testosterontherapie?

In den vorliegenden kleinen Studien nicht. Unter Testosteronundecanoat fielen LH von 4,2 auf 1,2 IU/l und FSH von 8,5 auf 2,6 IU/l, unter Semaglutid blieben beide Werte unverändert. Unter Liraglutid stiegen sie sogar. Das ist ein Vergleich zweier Behandlungen und kein Nachweis, dass die Spermienqualität verbessert wird oder die Fruchtbarkeit erhalten bleibt.

### Beeinflussen GLP-1-Rezeptoragonisten die Erektionsfähigkeit?

Die Signale weisen in beide Richtungen. Metaanalysen berichten teils Verbesserungen von Erektionsscores, eine weitere ist nicht signifikant. Zwei Kohortenauswertungen fanden mehr neu diagnostizierte erektile Dysfunktion, eine dritte unter Tirzepatid weniger als unter Vergleichsmitteln. Diese Daten stammen überwiegend aus Abrechnungscodes. Ein Zusammenhang ist weder belegt noch ausgeschlossen, die Gewissheit ist gering.

### Wie gut ist Tirzepatid im Hinblick auf Spermien und Fruchtbarkeit untersucht?

Am schlechtesten der Wirkstoffe. Es gibt eine kleine kontrollierte Pilotstudie über zwei Monate ohne Samenanalyse, dazu Tierversuche, eine Kohortenauswertung zur erektilen Funktion und einen Fallbericht. Kontrollierte Studien mit Samen- oder Fruchtbarkeitsendpunkt fehlen. Zur Anwendung des Vaters vor der Zeugung und zur Gesundheit der Kinder gibt es keine belastbaren Daten.

### Gibt es Daten zu Schwangerschaft und Gesundheit der Kinder bei Anwendung durch den Vater?

Nein, belastbare Daten fehlen. Es wurde keine ausreichend große prospektive Studie mit Schwangerschaft, Lebendgeburt oder Spermien-DNA-Fragmentierung als vorab festgelegtem Endpunkt gefunden. Hormonwerte und Samenparameter sind nur Ersatzgrößen und sagen nicht sicher etwas über die Zeugungsfähigkeit. Auch zur Gesundheit der Kinder väterlich exponierter Männer liegt keine einschlägige Primärstudie vor.

### Was sagen Leitlinien zu GLP-1-Rezeptoragonisten und männlicher Fruchtbarkeit?

Die geprüften Kapitel der EAU-Leitlinien zu männlicher Infertilität und zu Hypogonadismus erwähnen die Wirkstoffklasse nicht. Die AUA/ASRM-Leitlinie nennt sie nur im Ausblick und hält fest, die Wirkung auf die Reproduktionsgesundheit sei noch zu bestimmen. Die Studie selbst gibt keine Therapieempfehlung. Entscheidungen über eine Behandlung gehören in die ärztliche Beratung im Einzelfall.

*Stand 4. Oktober 2026*

## Kurzfassung

**Fragestellung.** Diese Studie fragt, was die veröffentlichte Literatur über die Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und des dualen GIP/GLP-1-Agonisten Tirzepatid auf männliche Geschlechtshormone, Samenqualität, Sexualfunktion und Fruchtbarkeit belegt. Grundlage sind 123 Quellen aus neun Sprachräumen, die zwischen 2014 und 2026 erschienen sind. Gut die Hälfte davon (65 Quellen) stammt aus den Jahren 2025 und 2026. Die Studie gibt keine Therapieempfehlung. Sie beschreibt Befunde, ihre Belastbarkeit und ihre Lücken.

**Tragfähigkeit der Evidenz.** Beim Menschen gibt es genau vier randomisierte Studien mit männlichen Teilnehmern [s96, s48, s72, s112]. Sie haben zwischen 24 und 56 Teilnehmer und dauern vier Wochen bis zwölf Monate. Drei davon erhoben Samenparameter, eine nur Hormone. Dazu kommen nicht randomisierte Studien, Kohortenauswertungen aus Krankenakten, Meldedatenanalysen, eine Mendelsche Randomisierung, mehrere Metaanalysen, die weitgehend dieselben wenigen Primärstudien auswerten, und rund 40 Studien an Tieren und Zellen. Eine ausreichend große prospektive Studie mit Schwangerschaft, Lebendgeburt oder Spermien-DNA-Fragmentierung als vorab festgelegtem Endpunkt wurde nicht gefunden [s13, s03].

**Testosteron.** Bei Männern mit Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus steigt das Gesamttestosteron unter GLP-1-RA im Mittel mäßig an. Eine Metaanalyse berichtet eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 1,39 (95-%-Konfidenzintervall 0,70 bis 2,09) bei sieben Studien und 680 Männern [s62]. Der Anstieg hängt mit dem Gewichtsverlust zusammen [s62, s29, s117]. In den randomisierten Studien war er klein im Vergleich zu einer Testosterontherapie, aber die Gonadotropine LH und FSH wurden nicht unterdrückt [s112, s48]. Bei gesunden, normalgewichtigen Männern änderte sich nach vier Wochen Dulaglutid nichts Messbares [s72].

**Samenqualität.** Das Bild ist uneinheitlich. In der randomisierten Liraglutid-Teilstudie stieg die Spermienkonzentration nach einer Diätphase um den Faktor 1,49, aber ein zusätzlicher Effekt des Wirkstoffs war nicht nachweisbar [s96]. Unter Semaglutid stieg bei 13 Männern der Anteil morphologisch normaler Spermien im Median von 2 auf 4 Prozent, während Konzentration und Gesamtzahl sich nicht signifikant änderten [s48]. Große Verbesserungen berichtet nur eine nicht randomisierte Studie [s88]. Ein Fallbericht beschreibt eine Verschlechterung unter Liraglutid [s123]. Medikamentenwirkung und Gewichtseffekt lassen sich in keiner Studie trennen.

**Erektile Funktion.** Die Signale weisen in beide Richtungen. Metaanalysen berichten Verbesserungen von Erektionsscores [s24, s62], eine weitere ist nicht signifikant [s47]. Zwei Kohortenauswertungen finden erhöhte Raten neu diagnostizierter erektiler Dysfunktion unter GLP-1-RA [s41, s32], eine dritte findet unter Tirzepatid niedrigere Raten als unter Vergleichsmitteln [s46]. Meldedatenanalysen widersprechen sich [s20, s60].

**Tirzepatid und väterliche Exposition.** Für Tirzepatid existiert eine kleine kontrollierte Pilotstudie über zwei Monate ohne Samenanalyse [s54], dazu Tierversuche [s01, s25] und einen Fallbericht [s33]. Zur Exposition des Vaters vor der Zeugung und zur Gesundheit der Kinder gibt es keine belastbaren Daten [s16, s13].

**Leitlinien und Sprachräume.** Die geprüften Kapitel der EAU-Leitlinien zu männlicher Infertilität und Hypogonadismus erwähnen GLP-1-RA nicht [s06, s07]; die AUA/ASRM-Leitlinie nennt die Wirkstoffklasse nur im Ausblick [s68]. Fast die gesamte Primärliteratur ist englisch publiziert. Außerhalb des Englischen fanden sich nur wenige eigenständige Studien, darunter eine russische Pilotstudie [s106] und eine chinesischsprachige Rattenstudie [s120].

**Gesamteinschätzung.** Die Literatur macht einen Testosteronanstieg bei metabolisch belasteten Männern plausibel und zeigt in kleinen Studien keine Hinweise auf eine Unterdrückung der Hodenachse. Ob GLP-1-RA die Fruchtbarkeit verbessern, verschlechtern oder unverändert lassen, kann nach heutiger Studienlage nicht beantwortet werden.

## Das Wichtigste in Kürze

Jeder Kernbefund trägt zwei Einstufungen. Die **Evidenzstärke** beschreibt Art, Größe und Qualität der Studien, die den Befund tragen (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig). Die **Gewissheit** beschreibt, wie sicher die Aussage selbst formuliert werden kann, wenn man Widersprüche, Verzerrungsrisiken und die Abhängigkeit der Studien voneinander berücksichtigt (hoch, mittel, gering). Beides sind qualitative Einstufungen des Verfassers dieser Studie, angelehnt an die Logik des GRADE-Ansatzes, aber keine formale GRADE-Bewertung. Wo Autoren der Quellen selbst eine GRADE-Bewertung vornahmen, ist das angegeben.

1. **Die Humanevidenz ist klein.** Vier randomisierte Studien [s96, s48, s72, s112] mit jeweils 24 bis 56 Teilnehmern, dazu kleine nicht randomisierte Studien [s88, s54]. Ein Großteil der Metaanalysen schöpft aus demselben Pool von vier bis zehn Primärstudien [s62, s57, s24, s05]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: hoch* (die Aussage, dass die Basis klein ist, ist selbst gut belegt).

2. **Gesamttestosteron steigt bei metabolisch belasteten Männern im Mittel moderat.** Standardisierte Mittelwertdifferenz 1,39 (0,70 bis 2,09) [s62]; in der randomisierten Studie mit Semaglutid stieg der Median von 6,1 auf 7,8 nmol/l [s48], unter Liraglutid 3,0 mg im Mittel um 2,6 nmol/l [s112]. Eine Netzwerk-Metaanalyse weist für den GLP-1-Arm im Abstract keinen signifikanten Effekt aus [s36]. *Evidenzstärke: niedrig bis moderat. Gewissheit: mittel* für die Richtung, gering für die Größe.

3. **Der Testosteronanstieg folgt dem Gewichtsverlust.** Metaregression [s62], Korrelation von Gewichts- und Testosteronänderung [s29, s117]. Ein vom Gewicht unabhängiger direkter Hodeneffekt ist beim Menschen nicht belegt; die Autoren der Metaanalyse halten das ausdrücklich fest [s62]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: mittel.*

4. **Bei gesunden, normalgewichtigen Männern zeigte sich nach vier Wochen kein Effekt.** Dulaglutid gegenüber Placebo: Testosteron 0,9 nmol/l (−1,5 bis 3,3), Samenparameter im Normbereich ohne signifikante Unterschiede [s72]. Die Studie war für diese Endpunkte nicht ausgelegt und die Expositionsdauer kürzer als eine Spermatogenese. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: gering.*

5. **Die Gonadotropine bleiben erhalten oder steigen.** Unter Liraglutid stiegen LH und FSH, unter Testosterongel fielen sie [s112]; unter Testosteronundecanoat fielen LH von 4,2 auf 1,2 IU/l und FSH von 8,5 auf 2,6 IU/l, unter Semaglutid blieben sie unverändert [s48]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: mittel.*

6. **Samenparameter: kein konsistenter Befund.** Konzentrationsanstieg nach Diät, aber kein zusätzlicher Wirkstoffeffekt [s96]; höherer Anteil normaler Formen bei 13 Männern, ohne Änderung von Konzentration und Gesamtzahl [s48]; keine Änderung bei Gesunden [s72]; große Effekte ohne Randomisierung [s88]; einarmige Pilotstudie mit Verbesserungen mehrerer Parameter, deren Anstieg der Spermienzahl nach strenger Korrektur nicht signifikant war [s106]; Fallbericht mit Verschlechterung [s123]. *Evidenzstärke: niedrig bis sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

7. **Fruchtbarkeit im engeren Sinn ist unbeantwortet.** Es fehlen Studien mit Schwangerschaft, Lebendgeburt oder Spermien-DNA-Fragmentierung als vorab festgelegtem Endpunkt [s13, s03, s28]. Samenparameter sind nur Ersatzgrößen. *Evidenzstärke: keine direkte Evidenz. Gewissheit der Lücke: hoch.*

8. **Erektile Funktion: Studienlage widersprüchlich.** Verbesserung des Erektionsscores um 2,73 Punkte (1,64 bis 3,83; I² = 90 %, Autoren-GRADE „sehr niedrig“) [s24] gegenüber nicht signifikanter Differenz [s47]; erhöhtes Risiko in Kohorten (Risikoverhältnis 4,5 bei nicht diabetischen Männern unter Semaglutid [s41]; Hazard Ratio 1,26 bei Typ-2-Diabetes, nach Kalibrierung mit Negativkontrolle nicht mehr signifikant [s32]); niedrigeres Risiko unter Tirzepatid gegenüber Vergleichsmitteln [s46]; Mendelsche Randomisierung mit OR 0,493 [s66]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

9. **Sexuelles Verlangen: nur Hypothesen und kleine Datensätze.** Ein serotonerger Mechanismus wird als theoretisches Modell vorgeschlagen [s11]; in der randomisierten Studie bei Gesunden änderte sich das Verlangen nicht (Differenz 0,58; −0,83 bis 2,00) [s72], bei Männern mit Typ-2-Diabetes stieg es unter Semaglutid um 2 Punkte [s48]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

10. **Tirzepatid ist am schlechtesten untersucht.** Pilotstudie mit 83 Männern über zwei Monate, nicht randomisiert, ohne Samenanalyse [s54]; Tierversuche [s01, s25]; Kohortenvergleich zur erektilen Funktion [s46]; ein Fallbericht [s33]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

11. **Tierversuche zeigen überwiegend Schutzeffekte, aber mit Gegenbefunden.** Etwa 40 Studien an Nagern, Zellen und Organoiden berichten überwiegend günstige Effekte in diabetischen oder adipösen Modellen; Gegenbefunde ohne Nutzen für Spermien [s64, s105], vorübergehende Störung der Blut-Hoden-Schranke bei jungen gesunden Ratten [s04] und ein sinkendes Testosteron im menschlichen Hodenorganoid [s52]. Eine Rattenstudie ist zurückgezogen [s83, s42]. *Evidenzstärke: niedrig für den Menschen (Übertragbarkeit begrenzt). Gewissheit: gering.*

12. **Zu väterlicher Exposition und Nachkommen gibt es keine belastbaren Daten.** Editorials und Übersichten benennen die Lücke [s16, s13]. *Evidenzstärke: keine direkte Evidenz. Gewissheit der Lücke: hoch.*

13. **Leitlinien schweigen oder verweisen auf Forschungsbedarf.** EAU-Kapitel ohne GLP-1-Bezug [s06, s07]; AUA/ASRM: Wirkung der Klasse noch zu bestimmen [s68]; russische Leitlinien ohne GLP-1-spezifisches Votum zur männlichen Fertilität [s107, s65]. *Evidenzstärke: nicht anwendbar. Gewissheit: hoch* (geprüfte Texte), mit Vorbehalt bei nicht auswertbaren Registern (AWMF).

14. **Außerhalb des Englischen ist die Primärliteratur dünn.** Eine russische Pilotstudie [s106], eine chinesischsprachige Rattenstudie [s120], deutsch betitelte Übersicht [s15], portugiesische Masterarbeit [s09]; für Arabisch und Türkisch fand sich keine Primärliteratur in der Landessprache, wegen eingeschränktem Zugang zu den Fachdatenbanken aber ohne Beweiswert für eine echte Lücke. *Evidenzstärke: nicht anwendbar. Gewissheit: mittel.*

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Abgrenzung

Die Studie behandelt drei Wirkstoffe im Mittelpunkt, nämlich Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid, und bezieht die älteren oder verwandten Wirkstoffe Exenatid und Dulaglutid ein, weil für sie die ältesten und teils einzigen kontrollierten Daten vorliegen [s104, s117, s72]. Betrachtet werden vier Gruppen von Endpunkten: männliche Geschlechtshormone (Gesamttestosteron, freies Testosteron, SHBG, LH, FSH, Estradiol), Samenqualität (Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Form, DNA-Integrität), Sexualfunktion (Erektion, Verlangen) und Fertilität im engeren Sinn (Zeugung, Schwangerschaft, Lebendgeburt, Gesundheit der Nachkommen). Quellen, die ausschließlich Frauen betreffen, etwa zum polyzystischen Ovarsyndrom oder zur Reproduktionsmedizin bei der Frau, wurden nicht aufgenommen. Eine Ausnahme dient der Dokumentation des portugiesischsprachigen Raums [s02]. Dieses Kapitel ist das erste der Gesamtstudie. Es legt Fragestellung, Vorgehen und Hintergrund dar und fasst die Kernbefunde der gesamten Studie zusammen.

### Recherche in drei Sprachgruppen

Die Recherche lief in drei getrennten Teilrecherchen, die unabhängig voneinander durchgeführt und anschließend zu einem gemeinsamen Quellenpool zusammengeführt wurden. Die Teilrecherchen lieferten zusammen 155 Einträge (98, 22 und 35). Nach der Zusammenführung doppelter Funde blieben 123 Quellen. Deshalb gehen einzelne Quellen auf mehrere Teilrecherchen zurück, und die Zuordnungstabelle der Studie hält die ursprünglichen Nummern fest.

**Gruppe a: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch.** Gesucht wurde in Europe PMC über die REST-Schnittstelle mit Begriffen in sechs Sprachen sowie mit Autorensuchen (Jensterle, Giagulli, Dhindsa, Condorelli, Calogero, Oliveira) und Titelsuchen zu Liraglutid, Semaglutid, Exenatid, Dulaglutid und Tirzepatid in Kombination mit Hoden, Sperma, Testosteron, Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion und väterlicher Exposition. Ergänzend wurden HAL, OpenAlex und die Webseiten von EAU, AUA, ESHRE und der Società Italiana di Andrologia abgefragt. Aus über 1.000 eindeutigen Datensätzen blieben nach einem lokalen Filter auf einen GLP-1-Begriff plus einen männlichen Reproduktionsbegriff etwa 190 Kandidaten; 98 davon wurden aufgenommen.

**Gruppe b: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch.** Gesucht wurde in Europe PMC und, über die NCBI-E-utilities (esearch, esummary, efetch), in PubMed, mit Wirkstoffnamen und männlichen Zielbegriffen sowie mit Eingrenzung über die Herkunftsangabe der Erstautoren und über Sprachfilter. Muttersprachliche Suchbegriffe wurden in Europe PMC, in CiNii Research und, soweit technisch möglich, in J-STAGE, KoreaMed, Wanfang und CNKI eingesetzt. Aufgenommen wurde, wenn die erste Affiliation im chinesischen, japanischen oder koreanischen Sprachraum lag und der Abstract GLP-1-RA inhaltlich mit männlichen Hormonen, Spermien, Hodenfunktion, Erektion oder Fruchtbarkeit verband. Das ergab 22 Funde. Aus Korea fand sich keine einschlägige Arbeit.

**Gruppe c: Russisch, Arabisch, Türkisch.** Genutzt wurden Europe PMC mit Sprachfiltern, die NCBI-E-utilities, die JSON-Schnittstelle von CyberLeninka für russischsprachige Volltexte, die Schnittstelle von TR Dizin für türkische Arbeiten sowie OpenAlex und Crossref zur Prüfung von Metadaten und Kennungen. Dazu wurden westliche Primärquellen, die in russischen Übersichten zitiert werden, an den Originalen gegengeprüft. Das ergab 35 Einträge.

Die PubMed-Webseite selbst war für diese Recherche gesperrt und wurde nicht genutzt; PubMed-Datensätze wurden ausschließlich über die E-utilities abgerufen. Rechercheschluss war der 4. Oktober 2026.

### Der Quellenpool in Zahlen

Der Pool umfasst 123 Quellen. Von ihnen tragen 99 eine PubMed-Kennung. Die übrigen 24 sind Leitlinien und Leitlinienverzeichnisse, Kongressabstracts, Vorabdrucke, eine Masterarbeit, ein Förderbericht, ein nicht begutachteter Positionstext und Zeitschriftenartikel ohne PubMed-Eintrag, vor allem russischsprachige. Nach Erscheinungsjahr verteilen sie sich so: 2014 eine, 2015 zwei, 2016 eine, 2017 eine, 2018 drei, 2019 fünf, 2020 drei, 2021 acht, 2022 fünf, 2023 dreizehn, 2024 sechzehn, 2025 sechsundzwanzig, 2026 neununddreißig. Die Forschungsfrage ist also jung und wächst schnell: 65 von 123 Quellen, gut die Hälfte, sind 2025 und 2026 erschienen.

Nach Studientyp ergibt sich, in der Einteilung des Verfassers (Grenzfälle sind möglich):

- rund 42 präklinische Arbeiten (Tierversuche, Zellversuche, menschliche Zell- und Gewebestudien, Organoide, ein Förderbericht);
- vier randomisierte Studien am Menschen [s96, s48, s72, s112];
- rund 21 weitere klinische, pharmakoepidemiologische und Querschnittsarbeiten, darunter nicht randomisierte Studien [s88, s54, s117], Kohorten [s29, s32, s41, s46, s73, s104], Meldedatenanalysen [s20, s60], eine Fallserie [s22] und mehrere Kongressabstracts [s47, s59, s89];
- 13 systematische Übersichten, Metaanalysen und eine Mendelsche Randomisierung [s05, s14, s18, s24, s28, s34, s36, s37, s57, s62, s63, s66, s92];
- 34 narrative Übersichten, Kommentare, Editorials, Meinungsbeiträge, ein Rücknahmehinweis und Qualifikationsarbeiten;
- drei Fallberichte [s33, s55, s123];
- sechs Leitlinien und Leitlinienverzeichnisse [s06, s07, s08, s65, s68, s107].

Nach den Sprachangaben der Quellenliste sind 114 Quellen englisch (teils neben einer zweiten Sprachangabe), 19 chinesisch (überwiegend Herkunft aus China, nicht Sprache der Veröffentlichung), 15 italienisch, zehn russisch, je drei portugiesisch, deutsch und japanisch sowie je eine spanisch und französisch. Diese Zählung ordnet Quellen Sprach- und Herkunftsräumen zu und zeigt die Verteilung der Funde, nicht die Sprache jeder einzelnen Veröffentlichung. Die italienischen Gruppen etwa publizieren fast durchweg auf Englisch [s88, s54, s121, s73]. Tatsächlich nicht auf Englisch verfasst sind oder einen nicht englischen Titel tragen 15 Quellen: neun russischsprachige Arbeiten [s39, s65, s78, s79, s80, s81, s106, s107, s115], eine portugiesische Masterarbeit [s09], ein portugiesischer Fallbericht [s55], ein spanischer Positionstext [s21], ein japanischer Förderbericht [s101], eine chinesischsprachige Rattenstudie [s120] und die Übersicht mit deutschem Titel [s15]. Eigenständige Primärstudien am Menschen mit Hormon- oder Samenendpunkten erschienen ganz überwiegend englisch; die Ausnahme ist die russische Pilotstudie [s106].

### Zitierweise und Zuordnung

Zitiert wird mit der Kennung des Quellenpools in eckigen Klammern, zum Beispiel [s05] oder [s05, s12]. Hinter jeder Kennung steht in der Quellenliste der Studie ein Eintrag mit Autoren, Jahr, Titel, Zeitschrift, Studiendesign, Teilnehmerzahl und, wo vorhanden, PubMed- und DOI-Nummer. Titel erscheinen im Originalwortlaut; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln steht eine deutsche Übersetzung in Klammern. Ergänzend zu den 123 Quellen wurden für dieses einleitende Kapitel drei Hintergrundquellen zu den WHO-Referenzwerten abgerufen. Sie gehören nicht zum Quellenpool und werden deshalb im Text mit Autor, Jahr und PubMed-Nummer genannt (siehe Abschnitt Hintergrund).

### Datenebene: überwiegend Abstracts

Der wichtigste methodische Vorbehalt dieser Studie lautet: **Für die große Mehrheit der Quellen wurde nur der Abstract gelesen, nicht der Volltext.** Volltexte wurden für die sechs wichtigsten klinischen Studien aus Gruppe a gelesen [s96, s48, s72, s112, s88, s54], außerdem für die russische Pilotstudie [s106], die Metaanalyse von Mirghani und AlQurashi [s24] und die beiden russischen Leitlinien [s107, s65]. Für Leitlinien wurden die Webfassungen durchsucht. Das EAU-Kapitel zu männlicher Infertilität umfasste rund 146.000 Zeichen Text und enthielt keine der Zeichenfolgen „GLP“, „glucagon“, „semaglutide“, „liraglutide“, „incretin“ oder „tirzepatide“ [s06]; im Kapitel zu Hypogonadismus gab es ebenfalls keinen Treffer [s07].

Die Folgen sind konkret. Erstens fehlen in vielen Abstracts Fallzahlen, Dosen, Einheiten, Ausgangswerte und Konfidenzintervalle; wo ein Abstract eine Zahl nicht nennt, wurde sie in dieser Studie nicht ergänzt. Zweitens ist eine eigenständige Bewertung des Verzerrungsrisikos nur möglich, soweit das Design im Abstract beschrieben ist. Drittens sind Aussagen zu Stärken und Schwächen einer Studie aus dem Entwurf abgeleitet und ersetzen keine Volltextbewertung. Viertens können Abstracts und Volltexte voneinander abweichen. Solche Abweichungen sind im Text benannt, zum Beispiel beim Ausgangs-LH der Catania-Studie [s88] und bei den LH-Angaben der Tirzepatid-Studie [s54].

### Zahlen, Einheiten und Unstimmigkeiten in den Quellen

Jede Zahl in dieser Studie steht in den Recherchedateien oder in einer Quelle, die für die Studie tatsächlich abgerufen wurde. Zahlen wurden nicht umgerechnet. Testosteron erscheint je nach Quelle in nmol/l, ng/dl, ng/ml oder pg/ml; die Einheit steht jeweils dabei. Für mehrere Zahlen, die im Text vorkommen, wurden die Abstracts bei Europe PMC erneut abgerufen und mit den Angaben der Recherchedateien verglichen (Gregorič 2025 [s48], Lengsfeld 2024 [s72], Tang 2026 [s32] und Salvio 2025 [s62]); sie stimmten überein. Mehrere Quellen enthalten interne Unstimmigkeiten, die offen benannt werden:

- Die Metaanalyse zur erektilen Funktion nennt im Abstract 237 Männer, während der Ergebnisteil für sieben Studien 183 behandelte und 184 Vergleichspersonen aufführt; 237 entspricht rechnerisch der Teilanalyse mit drei Studien. Der Suchzeitraum ist in derselben Arbeit einmal mit 2025 und einmal mit 2026 angegeben, und die gepoolten Testosteronwerte tragen keine Einheit [s24].
- Die Metaanalyse von Salvio und Kollegen bezeichnet die standardisierte Mittelwertdifferenz im Abstract mit der Einheit „ng/ml“, obwohl standardisierte Differenzen einheitenlos sind [s62]. Eine Übersicht übernimmt dieselbe Angabe [s14].
- Der Abstract der Catania-Studie nennt ein Ausgangs-LH, das vom Volltext abweicht [s88]; in der Tirzepatid-Studie unterscheiden sich die LH-Angaben zwischen Volltext und zugehörigem Kongressabstract [s54].
- Die frei zugänglichen russischen Volltexte mancher Übersichten sind OCR-Texte mit verstümmelten Namen, Einheiten und Kennungen [s80, s39]. Beim Abgleich einer dieser Übersichten mit den Originalen fanden sich zwei Fehler: ein Interquartilbereich war als Konfidenzintervall wiedergegeben, und ein Kürzel war falsch aufgelöst [s39].
- Die Dosisangabe im Abstract der Studie von Giagulli 2015 („1,2 µg/Tag“) ist vermutlich ein Einheitenfehler für 1,2 mg [s121].

### Nicht oder nur eingeschränkt verwertbare Quellen

Eine Tierstudie zu Liraglutid bei Doxorubicin-Hodentoxizität ist zurückgezogen; der Rücknahmehinweis ist ein eigener Eintrag des Pools [s83, s42]. Sie wird dokumentiert, aber nicht als Beleg verwendet. Ein nicht begutachteter Positionstext mit kommerziellem Bezug zu Nährstoffpräparaten wird nur zur Dokumentation des spanischsprachigen Raums geführt [s21]. Vorabdrucke [s22, s25, s76] und Kongressabstracts [s47, s59, s89] sind als solche gekennzeichnet und tragen weniger Gewicht. Drei Quellen sind ausdrücklich Kontextquellen, die GLP-1-RA nicht im engeren Sinn betreffen: eine Studie zur GIP-Achse der Spermien bei Mäusen [s119], eine Studie zur Blockade des Glukagonrezeptors [s35] und eine Querschnittsstudie ohne GLP-1-Bezug zu Steroiden bei Männern mit Diabetes [s99].

### Interessenkonflikte und Finanzierung

Die randomisierte Liraglutid-Teilstudie wurde von der Novo Nordisk Foundation gefördert; Liraglutid und Placebo stellte Novo Nordisk, und ein Autor ist Anteilseigner und Angestellter eines Unternehmens für Fertilitätsprodukte [s96]. Für die übrigen Studien wurden Finanzierungsangaben nur erfasst, wenn sie im gelesenen Text standen. Die Einschätzung möglicher Interessenkonflikte ist daher unvollständig.

### Erreichbarkeit der Datenbanken und was daraus folgt

Europe PMC, die NCBI-E-utilities, OpenAlex, Crossref, HAL, CyberLeninka, TR Dizin, CiNii Research und die Webseiten von EAU und AUA waren abfragbar. Nicht erreichbar oder nicht auswertbar waren Cairn, SciELO, LILACS, Dialnet (zeitweise), CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, Arab World Research Source, Mandumah, Al Manhal, ASJP, IASJ, EKB und das AWMF-Leitlinienregister. Die Konsequenz gilt für die gesamte Studie: **Ein leeres Suchergebnis bedeutet nur dort „es gibt keine Studie“, wo die Suche nachweislich funktionierte.**

Dass sich keine arabisch- oder türkischsprachige Primärliteratur fand, stützt sich auf Europe PMC, OpenAlex und TR Dizin, nicht auf die eigentlichen arabischen und türkischen Fachdatenbanken. Für Korea ist auf der PubMed-Seite ein belastbares Nullergebnis erreicht; KoreaMed ließ sich nicht auswerten. Für China ist die chinesischsprachige Primärliteratur in CNKI und Wanfang unbekannt. Auch ob AWMF-Leitlinien GLP-1-RA im männlichen Kontext erwähnen, ist nicht beurteilbar. Muttersprachliche Suchbegriffe lieferten in Europe PMC häufig null Treffer, weil die Datenbank überwiegend englische Titel und Abstracts indexiert; das ist ein technischer Befund und kein Hinweis auf fehlende Literatur.

### Weitere Grenzen

Metaanalysen und Übersichten sind nicht unabhängig voneinander, weil sie dieselben Primärstudien nutzen; Mehrfachzählung derselben Patienten über mehrere Auswertungen hinweg ist wahrscheinlich [s62, s57, s24, s05, s47]. Die Auswahl folgt einem Filter auf GLP-1-Begriff und männlichen Reproduktionsbegriff; Studien, die Hormone oder Samen nur als Nebenbefund erwähnen, können unentdeckt geblieben sein. Mehrere Metaanalysen ließen ausschließlich englischsprachige Arbeiten zu [s24, s28], sodass sie zur Studienlage in anderen Sprachen strukturell nichts beitragen. Bei online vorab veröffentlichten Arbeiten stammt das Jahr 2026 teils aus den Metadaten von Europe PMC.

### Keine Therapieempfehlung

Diese Studie beschreibt Befunde. Sie gibt keine Empfehlung, ob GLP-1-RA bei Männern angewendet, gemieden, abgesetzt oder zur Behandlung von Infertilität oder Hypogonadismus eingesetzt werden sollen. Wo Quellen selbst Empfehlungen aussprechen, etwa Leitlinien oder Übersichtsautoren, werden diese als Aussage der jeweiligen Quelle wiedergegeben, nicht als Rat dieser Studie. Entscheidungen über eine Behandlung gehören in die ärztliche Beratung im Einzelfall.




## Hintergrund

### Wirkstoffe und Begriffe

GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen das Darmhormon GLP-1 nach und haben sich in der Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas fest etabliert [s111]. In den Studien dieses Pools kommen fünf Wirkstoffe vor. **Exenatid** ist der älteste und liegt den frühesten Humandaten zugrunde [s104, s117]. **Liraglutid** wurde bei Adipositas mit 3,0 mg täglich eingesetzt [s112, s96]. **Semaglutid** wurde in der randomisierten Studie bis 1 mg wöchentlich gegeben [s48]. **Dulaglutid** wurde wöchentlich mit 0,75 mg in der ersten und 1,5 mg ab der zweiten Woche untersucht [s72]. **Tirzepatid** ist ein dualer Agonist am GIP- und am GLP-1-Rezeptor [s13]; in der einzigen kontrollierten Männerstudie begann es mit 2,5 mg wöchentlich im ersten Monat und stieg dann auf 5 mg [s54]. Semaglutid wurde nach Angabe von Able und Kollegen im Juni 2021 zur Gewichtsreduktion bei nicht diabetischen Menschen zugelassen [s41]; Daten zu Männern ohne Diabetes sind deshalb jung.

Das medizinische Interesse an der Frage entsteht aus zwei Eigenschaften der Wirkstoffe. Sie senken das Körpergewicht erheblich, nach einer Übersicht bis zu 22 Prozent [s15], und sie werden in einer Altersgruppe angewendet, in der Fortpflanzung eine Rolle spielt. In den Studien dieses Pools lag der Gewichtsverlust je nach Wirkstoff, Dauer und Population bei etwa 6 kg in 24 Wochen unter Semaglutid [s48], bei 8 ± 4 kg in 16 Wochen unter Liraglutid [s112] und bei 8,1 Prozent in zwei Monaten unter Tirzepatid [s54]. Die Spannweite zeigt, dass Vergleiche zwischen Studien nur mit Vorsicht möglich sind.

### Die männliche Hormonachse und ihre Messgrößen

Die Studien erfassen dieselben Größen: **Gesamttestosteron** (TT) und **freies Testosteron** (fT), das Sexualhormon-bindende Globulin (**SHBG**), die beiden Gonadotropine **LH** und **FSH** sowie in einzelnen Studien **Estradiol**. Die Einheiten wechseln, nmol/l, ng/dl, ng/ml und pg/ml kommen nebeneinander vor, und freies Testosteron wird teils gemessen, teils berechnet [s112, s29, s48]. Beides erschwert den Vergleich und ist ein Grund, warum die Metaanalysen standardisierte Differenzen oder rohe Mittelwertdifferenzen ohne Einheit verwenden [s62, s24].

Zwei Beziehungen sind für die Deutung zentral. Erstens bindet SHBG einen Teil des Testosterons. Steigen Gesamttestosteron und SHBG gemeinsam, bleibt das freie Testosteron unter Umständen unverändert; entsprechend werden Änderungen des freien Testosterons in der Literatur als uneinheitlich beschrieben, oft durch gleichzeitig steigendes SHBG ausgeglichen [s05]. Zweitens zeigen die Gonadotropine, ob die Hodenachse noch angesteuert wird. Eine Testosterontherapie von außen senkt LH und FSH und damit den Anreiz für die Spermienbildung. In der Semaglutid-Studie fielen unter Testosteronundecanoat LH von 4,2 auf 1,2 IU/l und FSH von 8,5 auf 2,6 IU/l, während sie unter Semaglutid unverändert blieben [s48]. Deshalb gilt das Ausbleiben einer Gonadotropinunterdrückung in der Literatur als Prüfstein für die Frage, ob eine Behandlung die Fruchtbarkeit schont [s05, s13].

### Funktioneller Hypogonadismus bei Adipositas

Ein großer Teil der Studien untersucht Männer mit **funktionellem Hypogonadismus**, auch **männlicher adipositasassoziierter sekundärer Hypogonadismus** (MOSH) genannt [s12]. Gemeint ist ein niedriger Testosteronspiegel mit niedrigen bis „unangemessen normalen“ Gonadotropinen, dem keine Erkrankung der Hoden selbst zugrunde liegt. Die randomisierte Semaglutid-Studie definierte ihn durch Gesamttestosteron unter 11 nmol/l bei zwei Messungen, mindestens zwei sexuelle Symptome und niedrige bis unangemessen normale Gonadotropine [s48]. Die Catania-Studie legte Gesamttestosteron unter 12 nmol/l zugrunde und kombinierte das mit Taillenumfang, Insulinresistenz und erniedrigtem SHBG [s88]; die russische Pilotstudie schloss Männer mit Testosteron unter 12 nmol/l aus [s106]. Die Schwellen sind also nicht einheitlich.

Als Mechanismen des Hormonmangels bei Adipositas nennt die Literatur neben der verminderten Gonadotropinfreisetzung Hyperinsulinämie, Hyperleptinämie, chronische Entzündung und oxidativen Stress; beschrieben wird auch ein Teufelskreis, in dem der Hormonmangel die Adipositas begünstigt [s91]. Die Diagnose eines funktionellen Hypogonadismus sollte nach dieser Übersicht erst nach Ausschluss organischer Ursachen gestellt werden [s91]. Gewichtsabnahme durch Lebensstiländerung hebt das Testosteron: Die EAU-Leitlinie beziffert den Anstieg nach Diät oder Bewegung auf 1 bis 2 nmol/l und merkt an, dass 60 bis 86 Prozent des verlorenen Gewichts nach drei Jahren wieder zugenommen würden [s07]. Das ist der Maßstab, an dem sich ein Effekt der GLP-1-RA messen lassen muss: Verglichen werden muss nicht mit „nichts tun“, sondern mit dem, was Diät, Bewegung und Gewichtsverlust allein bewirken [s96, s48].

### Samenanalyse und die WHO-Referenzwerte 2021

Die Samenanalyse bewertet Volumen, Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit (progressiv und gesamt), Vitalität und Form der Spermien, zu der Kopf, Mittelstück und Flagellum gehören. Ihre Standards setzt das Laborhandbuch der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dessen sechste Auflage im Juli 2021 erschien [Boitrelle 2021, PubMed 34947899]. Die Referenzwerte der Auflage 2021 beruhen auf einer neu ausgewerteten Datenbasis aus mehr als 3.500 Männern aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten. Als 5. Perzentile für fertile Männer ergeben sich eine Spermienkonzentration von 16 × 10⁶ pro ml, eine progressive Beweglichkeit von 30 Prozent (Gesamtbeweglichkeit 42 Prozent) und 4 Prozent Normalformen [Campbell 2021, PubMed 33528873]. Andere Autoren beziffern die Referenzpopulation auf 3.589 fertile Männer aus zehn Studien, ebenfalls aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten [Paffoni 2022, PubMed 35849333]; die Zählung schwankt also je nach Quelle geringfügig.

Drei Einschränkungen gehören zum Verständnis dieser Zahlen. Erstens sind es Verteilungswerte bei fertilen Männern und keine Grenze zwischen fertil und subfertil; Campbell und Kollegen betonen selbst, dass sie keine klare Trennlinie darstellen [Campbell 2021]. Zweitens gibt die sechste Auflage den Begriff der Referenzgrenzwerte zugunsten sogenannter „decision limits“ (Entscheidungsgrenzen) auf, schlägt für die Basisparameter aber keine vor [Boitrelle 2021]. Das 5. Perzentil allein genügt nach diesen Autoren nicht für die Diagnose männlicher Infertilität [Boitrelle 2021]. Drittens wird die statistische Grundlage der Referenzpopulation kritisiert: Eine Prüfung nach Verfahren der klinischen Chemie kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Voraussetzungen für gemeinsame Referenzintervalle aus Mehrzentrenstudien nicht erfüllt waren [Paffoni 2022]. Für diese Studie folgt daraus: Die WHO-Werte dienen als Orientierung für die Einordnung von Messwerten, nicht als Maßstab für die Wirkung eines Medikaments.

Die Studien des Pools messen nicht einheitlich. Die Studie von Andersen und Kollegen beschreibt Oligozoospermie als Konzentration unter 15 Mio./ml [s96], die russische Pilotstudie arbeitet mit der WHO-Methodik von 2010 [s106], die Semaglutid-Studie bezeichnet die Ausgangswerte als unter dem 5. Perzentil der WHO-Referenzwerte [s48], und die Dulaglutid-Studie wertet Ergebnisse als „im Normbereich“ [s72]. Werte aus verschiedenen Auflagen des Handbuchs und aus verschiedenen Laboren sind nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Die Dauer einer Spermienbildung bestimmt, wann ein Effekt überhaupt messbar sein kann. Die Spermatogenese dauert deutlich länger als zwei Monate [s72], nach einer Übersicht etwa drei Monate [s70]. Eine Behandlung über vier Wochen [s72] kann daher Spermien, die während der Exposition gebildet werden, erst nach dem Behandlungsende erfassen; die Dulaglutid-Studie untersuchte entsprechend mehr als 60 Tage nach der letzten Injektion [s72]. Die Behandlungsdauern von 16 bis 24 Wochen und von zwölf Monaten liegen deutlich über dieser Zeitspanne [s112, s48, s96], die Tirzepatid-Pilotstudie über zwei Monate liegt an der Grenze [s54].

### Sexualfunktion und ihre Messinstrumente

Erektionsfunktion wird mit Fragebögen erfasst, vor allem dem International Index of Erectile Function in der Kurzform IIEF-5 und der Langform IIEF-15 [s54, s48]. Beschwerden des alternden Mannes erfasst der Score „Aging Male Symptoms“ (AMS) [s48, s112]; sexuelles Verlangen erfasst der Fragebogen MGH-SFQ [s72]. In Datenbankstudien sind die Endpunkte dagegen Abrechnungscodes: eine Diagnose erektile Dysfunktion oder die Verordnung eines PDE5-Hemmers [s41, s46, s32]. Beide Messarten beantworten verschiedene Fragen. Ein Fragebogenwert misst die Veränderung der Funktion bei Teilnehmern; eine Codierung misst, ob ein Arzt eine Diagnose stellt oder ein Rezept ausstellt, was von Beratung, Erwartung und Aufmerksamkeit abhängen kann.

### Fertilität im engeren Sinn und Ersatzgrößen

Die Übersicht von Kaltsas und Kollegen unterscheidet vier Ebenen: endokrine Ergebnisse, Samenparameter, Sexualfunktion und klinische Fruchtbarkeitsergebnisse [s13]. Zur letzten Ebene zählen Spermien-DNA-Fragmentierung, natürliche Konzeption, Ergebnisse der assistierten Reproduktion, klinische Schwangerschaft und Lebendgeburt [s13]. Hormonwerte und Samenparameter sind dagegen Ersatzgrößen. Sie können sich bessern, ohne dass die Zeugungsfähigkeit steigt, und umgekehrt. Eine Übersicht zu Adipositas und männlicher Fertilität fand zunehmende Hinweise, dass männliche Adipositas mit weniger Lebendgeburten verbunden ist, sowohl nach natürlicher Zeugung als auch nach assistierter Reproduktion [s92]. Genau hier fehlen für GLP-1-RA die Daten: Ein Triangulations-Review hält fest, dass Hormon-, Sexualfunktions- oder Samenänderungen dem Stoffwechselerfolg folgen können und keine bessere Konzeption belegen [s03].

### Biologische Plausibilität: wo GLP-1 im männlichen Fortpflanzungssystem ansetzen könnte

Dass GLP-1-RA unmittelbar am Hoden wirken könnten, ist anatomisch plausibel. Der GLP-1-Rezeptor wurde in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens nachgewiesen, mit Artunterschieden zu Nagern; in menschlichen Leydig-Tumoren war er nicht nachweisbar [s108]. Menschliche Spermien tragen den Rezeptor ebenfalls [s109], und menschliche Sertoli-Zellen reagieren auf GLP-1 in ihrem Stoffwechsel [s113]. In Mäusen wurde der Rezeptor im Hodengewebe und in vier Hodenzelllinien gefunden, am stärksten in Leydig-Zellen [s64]. Beim Ratten-Hoden lag die Expression 4,7-fach über der im Eierstock [s31]. Ob die Rezeptorlage beim Menschen ausreicht, eine klinisch relevante Direktwirkung zu vermitteln, ist offen.

Die Zellversuche zeigen eine konzentrationsabhängige Antwort. Exendin-4 in einer Konzentration von 300 pM steigerte die progressive Beweglichkeit menschlicher Spermien über PI3K/AKT und PKA [s109]. In menschlichen Sertoli-Zellen senkten GLP-1-Konzentrationen von 0,01 und 1 nM den Glukoseverbrauch und erhöhten die Laktatproduktion, während 100 nM das mitochondriale Membranpotenzial verminderte [s113]. Übersichten fassen die Signalwege als cAMP/PKA und PI3K/Akt zusammen [s17]. Im menschlichen Seminalplasma lag GLP-1 niedriger als im Serum und korrelierte nur mit der progressiven Beweglichkeit [s100]. Androgene regulieren ihrerseits die Expression des GLP-1-Rezeptors [s114], was eine Rückkopplung andeutet, die noch nicht untersucht ist.

Gegen eine einfache Deutung spricht, dass Mäuse ohne GLP-1-Rezeptor eine höhere Spermienkonzentration hatten als Wildtypen und Liraglutid bei diabetischen Mäusen die Spermienparameter nicht verbesserte [s64]. Für Tirzepatid kommt hinzu, dass im Mäusehoden der GLP-1-Rezeptor kaum, der GIP-Rezeptor aber reichlich und vor allem auf Hodenmakrophagen exprimiert war [s25]. Bei jungen, gesunden Ratten erhöhte Liraglutid die Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke, was sich im Erwachsenenalter zurückbildete [s04].

Neben diesen direkten Wegen stehen indirekte. Gewichtsverlust, bessere Insulinempfindlichkeit und weniger Entzündung können das Testosteron heben und Samenparameter bessern, ohne dass der Wirkstoff den Hoden berührt [s62, s18]. Die Trennung beider Wege ist ein Kernproblem der Literatur. Beim Menschen gelingt sie in keiner Studie: Die Semaglutid-Studie fand keine Korrelation der Samenänderungen mit Gewichts- oder Gonadotropinänderungen, aber bei nur 13 Behandelten [s48]; in der Liraglutid-Teilstudie entfielen die Gewinne auf die Diät [s96]. In Tierversuchen mit gepaarter Fütterung deuten einzelne Befunde auf Wirkstoffeffekte jenseits der Gewichtsabnahme: Semaglutid schwächte bei der Ratte den gewichtsbedingten Abfall der Androgene ab [s31], Tirzepatid stellte bei diabetischen Ratten Testosteron und Gonadotropine weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme wieder her [s01], und GLP-1 verminderte Spermienkopfdefekte, die unter Kalorienrestriktion zunahmen [s97]. Für den Menschen sind das Hypothesen.

Schließlich gibt es einen zentralnervösen Weg für das sexuelle Verlangen: Bei Nagern hemmt Exendin-4 sexuelles Verhalten über mehrere Hirnregionen, beim Menschen sind die Befunde gemischt [s23]. Für den Menschen wurde ein serotonerger Mechanismus vorgeschlagen, überlagert von Testosteronanstieg und besserem Körperbild; er ist ein theoretisches Modell ohne Messdaten [s11].

### Welche Studientypen was beantworten können

Eine randomisierte, kontrollierte Studie kann Ursache und Wirkung am besten trennen, aber die vier vorhandenen sind klein und waren überwiegend nicht für Samenendpunkte ausgelegt [s96, s72]. Eine Target-Trial-Emulation versucht, aus Krankenakten eine randomisierte Studie nachzubilden, bleibt aber anfällig für Restverzerrung, wie ihre Autoren selbst festhalten [s32]. Datenbanken wie TriNetX arbeiten mit Abrechnungs- und Verordnungscodes und mit sehr niedrigen Ereigniszahlen [s41]. Meldesysteme wie FAERS erfassen Spontanmeldungen und erlauben keine Risikoschätzung; zwei Auswertungen kommen mit unterschiedlichen Methoden zu gegensätzlichen Maßen [s20, s60]. Eine Mendelsche Randomisierung nutzt genetische Varianten als Stellvertreter für die Wirkung und lässt sich nicht ohne Weiteres auf eine medikamentöse Dauertherapie übertragen [s66]. Metaanalysen sind nur so aussagekräftig wie ihre Primärstudien und hängen hier vom ausgewählten Studienpool ab: Je nach Studienpool ergibt eine Metaanalyse einen Anstieg des Erektionsscores [s24], eine andere keinen signifikanten [s47]. Tierversuche zeigen Mechanismen, sagen aber wenig über Wirkung und Sicherheit beim Menschen, zumal Dosen, Alter der Tiere und Modelle (Streptozotocin, Hochfettdiät, Hodentorsion, Chemotherapeutika) vom klinischen Alltag abweichen (Einschätzung der Recherche).

### Geschichte der Forschungsfrage

Die Forschungsfrage hat sich in vier Phasen entwickelt, deren Ausgangspunkt ein Warnsignal war.

**Erste Hinweise (2014 bis 2018).** Den Anfang markiert ein Fallbericht von Fontoura und Kollegen 2014, der eine schädliche Wirkung von Liraglutid auf die männliche Fortpflanzungsfunktion beschreibt [s123]. Nach Angaben späterer Autoren betraf er 0,6 mg täglich und eine Verschlechterung der meisten Samenparameter [s96]. Kurz darauf entstanden Tierversuche mit gegenteiligem Ergebnis: Exenatid verbesserte bei adipösen Mäusen Spermienqualität und Entzündungsmarker im Hoden [s122]. Giagulli und Kollegen berichteten 2015 retrospektiv, dass Liraglutid zusätzlich zu Testosteron und Metformin das Gewicht senkte und Testosteron sowie Erektionsscore weiter hob [s121]. Es folgten Tierstudien zur Erektionsfunktion [s120, s116], zur Eisenüberladung [s118] und, als Kontext, zur GIP-Achse [s119]. 2018 erschien mit 176 adipösen Männern mit Typ-2-Diabetes die erste größere Humanstudie zu Exenatid [s117].

**Randomisierung und Zellbiologie (2019 bis 2021).** 2019 veröffentlichten Jensterle und Kollegen die randomisierte Studie mit Liraglutid gegen Testosterongel [s112] und eine Übersicht, die männliche Daten als am widersprüchlichsten bezeichnete [s111]. 2020 wurde der Rezeptor am menschlichen Hoden und an menschlichen Spermien nachgewiesen [s108, s109]. 2021 folgten ein Kommentar, der den möglichen Nutzen bei männlicher Infertilität als Hypothese formulierte und randomisierte Studien forderte [s102], eine prospektive Kohorte zu Exenatid mit neutralem Befund für das Gesamttestosteron [s104] und die russische Pilotstudie mit Liraglutid und Samenparametern [s106]. Im selben Jahr erschienen russische Leitlinien, die bei Adipositas zunächst Gewichtsabnahme vor Testosteron nannten, jedoch ohne GLP-1-Bezug [s107].

**Konsolidierung und Skepsis (2022 bis 2024).** 2022 lieferte die Teilstudie von Andersen und Kollegen die erste randomisierte Samenanalyse im Zusammenhang mit Liraglutid [s96]. 2023 berichtete die nicht randomisierte Catania-Studie sehr große Effekte [s88], und eine systematische Übersicht über Adipositas und männliche Fruchtbarkeit stellte fest, dass Metformin und GLP-1-RA ein komplexes Bild mit nützlichen wie schädlichen Hinweisen ergäben [s92]. 2024 erschienen die doppelblinde Studie an gesunden Männern [s72], eine Kohorte mit Verbesserung der Erektionsscores [s73], die Mendelsche Randomisierung [s66] und ein Meinungsbeitrag unter dem Titel „a fable of caution“ (eine Fabel der Vorsicht) [s70].

**Verdichtung und Sicherheitssignale (2025 und 2026).** Nach der Zulassung von Semaglutid zur Gewichtsreduktion bei nicht diabetischen Menschen 2021 [s41] entstand eine große Zahl neuer Arbeiten. 2025 erschienen die randomisierte Semaglutid-Studie [s48], die Tirzepatid-Pilotstudie [s54], zwei Kohortenauswertungen zur erektilen Dysfunktion [s41, s46] und mit [s62] und [s57] zwei Metaanalysen zum Testosteron. 2026 kamen Kohortenauswertungen zu Testosteron und zur erektilen Dysfunktion [s29, s32], weitere Metaanalysen und Übersichten [s05, s24, s36, s37, s28], ein Beratungsrahmen für Männer mit Kinderwunsch [s13], die Quellen-Triangulation aus Studien, Registern und Zulassungstexten [s03] und ein Editorial zur väterlichen Exposition [s16]. Die Frage hat sich dabei verschoben: von der Sorge um mögliche Schäden über die Hoffnung auf eine fertilitätsschonende Alternative zur Testosterontherapie [s05, s48] zu einer Debatte, die Nutzen und mögliche Sicherheitssignale gleichzeitig führt [s41, s32, s46]. Bis zum Stichtag dieser Studie ist die zentrale Frage, ob die Behandlung die Fruchtbarkeit von Männern verändert, mit Daten zu Schwangerschaften und Geburten nicht beantwortet.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

### Abgrenzung und Lesehilfe

Dieses Kapitel behandelt zwei Gruppen von Arbeiten: zusammenfassende Arbeiten (Metaanalysen, systematische Übersichten, Scoping-Reviews, narrative Übersichten, Kommentare) und Beobachtungsstudien am Menschen (Kohorten, nicht randomisierte Vergleichsstudien, Meldedatenauswertungen, genetische Näherungsstudien, Querschnitte, Fallberichte). Randomisierte Studien [s48, s72, s96, s112] werden hier nur erwähnt, soweit eine Metaanalyse von ihnen abhängt; ihre Einzeldarstellung gehört in ein anderes Kapitel der Gesamtstudie. Tierversuche, Zellstudien und Leitlinien sind ebenfalls nicht Gegenstand dieses Kapitels.

Zwei Eigenheiten der Literatur prägen alles Folgende. Erstens ist der Pool menschlicher Primärdaten klein: Dieselben vier bis zehn Studien tauchen in fast allen Zusammenfassungen auf. Zweitens sind die gemessenen Endpunkte überwiegend Stoffwechsel- und Hormonwerte (Gesamttestosteron, SHBG, Gonadotropine) oder Fragebogenwerte (IIEF), nicht Schwangerschaften oder Geburten. Die Zahlen unten stammen aus den Abstracts der jeweiligen Arbeit oder, wo ich den Volltext abrufen konnte (Europe PMC), aus dem Volltext; Angaben, die ich nur aus Zweitquellen kenne, sind als solche gekennzeichnet („zitiert nach“). Wo eine Arbeit in sich widersprüchlich ist, steht das ausdrücklich da. Wertungen wie „Stärke“ oder „Schwäche“ sind meine Einordnung der Methodik, keine Aussage der Autorinnen und Autoren. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; wo eine Arbeit eine Empfehlung ausspricht, wird sie als Aussage der Arbeit berichtet.

Abkürzungen: GLP-1-RA = GLP-1-Rezeptoragonist, KI = Konfidenzintervall, MD = mittlere Differenz, SMD = standardisierte Mittelwertdifferenz, I² = Maß für die Heterogenität zwischen Studien, GRADE = Bewertungssystem für die Sicherheit der Evidenz, TT = Gesamttestosteron, fT = freies Testosteron, SHBG = Sexualhormon-bindendes Globulin, LH = luteinisierendes Hormon, FSH = follikelstimulierendes Hormon, IIEF = International Index of Erectile Function, ED = erektile Dysfunktion, RoB 2 und ROBINS-I = Instrumente zur Bewertung des Verzerrungsrisikos randomisierter beziehungsweise nicht randomisierter Studien, NOS = Newcastle-Ottawa-Skala.

### Überlappung der Studienpools: Wer fasst welche Primärstudie zusammen?

Die vier quantitativen Metaanalysen zu Hormonen und Erektionsfunktion [s62, s57, s24, s63] beruhen auf kleinen, sich überschneidenden Studienmengen. Die folgende Tabelle ist aus den Studientabellen der Volltexte zusammengestellt; Studien, die nicht in der Gesamtstudie als eigene Quelle geführt werden, sind ohne Quellenkennung genannt.

| Primärstudie | Salvio 2025 [s62] | Orra 2025 [s57] | Mirghani 2026 [s24] | Yang B. 2025 [s63] |
|---|---|---|---|---|
| Shao 2018, Exenatid, 176 Männer [s117] | ja | nein | nein | nein |
| Giagulli 2015, Liraglutid, 43 Männer [s121] | ja | ja (als zwei Gruppen) | ja | ja |
| Lisco 2024, 108 Männer [s73] (in den Metaanalysen als 2023 geführt) | ja | nein | ja | ja (dem Design nach offenbar als „Giuseppe 2023“ geführt) |
| Graybill, Exenatid, 51 Männer [s104] | ja | ja | nein | nein |
| Giagulli 2020, 71 Männer (nicht als eigene Quelle geführt) | ja | nein | ja (zwei Einträge) | nein |
| Jensterle 2019, 30 Männer [s112] | ja | ja | nein | nein |
| La Vignera 2023, 110 Männer [s88] | ja | ja | nein | nein |
| La Vignera 2025, Tirzepatid, 83 Männer [s54] | nein | nein | ja | nein |
| Lengsfeld 2024, Dulaglutid, gesunde Männer [s72] | nein | nein | ja | nein |
| Defeudis 2022 (nicht als eigene Quelle geführt) | nein | nein | ja | ja |

Das hat drei Folgen. Erstens sind die Ergebnisse der Metaanalysen nicht unabhängig voneinander; dass vier Arbeiten in dieselbe Richtung zeigen, ist keine vierfache Bestätigung. Zweitens hängen die Hormon-Ergebnisse stark an vier Studien aus Italien [s88, s121, s73, s54], die überwiegend retrospektiv oder nicht randomisiert sind (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien). Drittens entscheidet die Auswahl über die statistische Signifikanz: Ezici und Kollegen [s47] kamen mit einem anderen Pool von vier Studien zu einem nicht signifikanten Ergebnis, Mirghani und Kollegen [s24] mit sieben Studien zu einem signifikanten. Eine eigenständige Tabelle für Ezici lässt sich nicht erstellen, weil das Abstract die Einzelstudien nicht nennt.

### Quantitative Metaanalysen

#### Salvio und Kollegen 2025 (Italien): Hodenfunktion unter GLP-1-RA [s62]

*Publikation.* Salvio G, Ciarloni A, Ambo N et al., Andrology 2025 (italienische Arbeitsgruppe). Systematische Übersicht mit Metaanalyse, nach PRISMA, bei PROSPERO registriert (CRD42024497949). Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche in Scopus, PubMed und EMBASE von Juni bis August 2024, ohne Sprachbeschränkung. Eingeschlossen wurden randomisierte Studien sowie prospektive und retrospektive Kohortenstudien an übergewichtigen oder adipösen Männern, die GLP-1-RA erhielten; als Vergleich dienten dieselben Männer vor der Behandlung oder unbehandelte Kontrollen (Männer unter anderen Wirkstoffen wurden als „unbehandelt“ gewertet). Aus 1502 Treffern (929 nach Entfernen von 573 Dubletten) blieben 18 Volltexte und sieben Studien. Die Verzerrung wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala bewertet (drei Studien „gut“, eine „ausreichend“, zwei „schlecht“; die einarmige Studie [s104] konnte nicht bewertet werden). Es wurden SMD mit 95-%-KI berechnet; bei I² über 50 % wurde ein Modell mit zufälligen Effekten verwendet. Zusätzlich gab es Funnel-Plots, Egger-Test, Auslassanalysen, Subgruppenanalysen (andere Antidiabetika gegen Hormontherapie als Kontrolle) und univariate Metaregression.

*Population.* Sieben Studien: eine randomisierte offene Studie [s112], drei retrospektive und zwei prospektive Kohorten (darunter die einarmige Kohorte [s104]); Dauer 3 bis 12 Monate. Die Tabelle 1 des Volltextes nennt als Gesamtstichproben 176, 43, 108, 51, 71, 30 und 110, zusammen 589, davon behandelt 90, 26, 63, 51, 30, 15 und 35, zusammen 310. Das Abstract nennt dagegen n = 680. Die Differenz lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht auflösen; möglicherweise sind Kontrollpersonen in die Abstract-Zahl eingerechnet, das steht aber nirgends. Samenparameter erfassten nur zwei Studien sehr unterschiedlichen Designs, nämlich die Teilstudie von Andersen und Kollegen [s96] und die Catania-Studie [s88]; sie wurden deshalb nicht gepoolt und nur erzählend dargestellt.

*Ergebnisse, Vorher-Nachher-Analyse (SMD, 95-%-KI).*

| Endpunkt | Studien | SMD | 95-%-KI | I² |
|---|---|---|---|---|
| Gesamttestosteron | 7 | 1,39 | 0,70 bis 2,09 | 93 % |
| Gesamttestosteron ohne La Vignera 2023 | 6 | 0,96 | 0,48 bis 1,44 | 83 % |
| Freies Testosteron | 5 | 0,63 | 0,14 bis 1,12 | 79 % |
| Freies Testosteron ohne Giagulli 2020 | 4 | 0,25 | −0,09 bis 0,60 | 52 % |
| SHBG | 7 | 2,39 | 1,01 bis 3,77 | 97 % |
| LH | 5 | 1,05 | 0,16 bis 1,93 | im Text nicht angegeben (ohne La Vignera 0 %, dann SMD 0,36; KI 0,16 bis 0,56) |
| FSH | 4 | 1,13 | 0,03 bis 2,23 | 93 % (ohne La Vignera 0 %, dann SMD 0,48; KI 0,21 bis 0,75) |
| IIEF-Wert | 4 | 3,31 | 2,49 bis 4,12 | 78 % (ohne La Vignera 0 %, dann SMD 2,84; KI 2,47 bis 3,21) |

Die Einheit „ng/ml“, die das Abstract an die standardisierte Differenz hängt, ist nicht deutbar; standardisierte Differenzen haben keine Einheit. Der Egger-Test ergab für FSH einen Hinweis auf Publikationsverzerrung (p = 0,017), für die übrigen Endpunkte nicht (p zwischen 0,14 und 0,42). Als Nebenergebnisse sanken das Körpergewicht im Mittel um 8,54 kg, der BMI um 2,16 kg/m², der Taillenumfang um 7,78 cm und der HbA1c um 1,15 %. Die Metaregression ergab, dass die Testosteronänderung mit der prozentualen Gewichtsänderung (Koeffizient −0,339; KI −0,501 bis −0,177) und der BMI-Änderung (−0,293; KI −0,433 bis −0,152) zusammenhing, nicht aber mit der Änderung des Taillenumfangs oder des HbA1c; der SHBG-Anstieg hing dagegen mit der HbA1c-Änderung zusammen (−0,507; KI −0,693 bis −0,322), nicht mit dem Gewicht.

*Vergleich mit Kontrollen.* Gegenüber Kontrollen war der Testosteronanstieg größer (SMD 0,79; KI 0,12 bis 1,47; I² = 84 %); die Subgruppenanalyse zeigte aber, dass der Unterschied nur gegenüber anderen Antidiabetika bestand, nicht gegenüber einer Hormontherapie. fT und SHBG unterschieden sich nicht von den Kontrollen. LH (SMD 4,24; KI 2,15 bis 6,33; I² = 98 %) und FSH (SMD 4,68; KI 1,58 bis 7,77; I² = 98 %) waren höher als in den Kontrollgruppen, aber nur im Vergleich zur Hormontherapie, unter der Gonadotropine erwartungsgemäß unterdrückt werden. Der IIEF stieg stärker als in den Kontrollen (SMD 1,46; KI 0,75 bis 2,16; I² = 78 %; ohne Giagulli 2020: 1,16; KI 0,57 bis 1,75; I² = 66 %), wobei keine der Studien eine Hormontherapie als Vergleich hatte.

*Stärken.* Registriertes Protokoll, drei Datenbanken ohne Sprachgrenze, zwei unabhängige Bearbeiter, Auslass-, Subgruppen- und Metaregressionsanalysen, offene Darstellung der Heterogenität, vorsichtige Schlussfolgerung.

*Schwächen.* Hohe Heterogenität bei fast jedem Endpunkt (I² 78 bis 98 %). Die Autoren benennen selbst, dass La Vignera 2023 die Hauptquelle der Heterogenität ist, dass diese Studie als „schlecht“ bewertet wurde (4 von 9 Punkten) und dass der LH- und FSH-Anstieg wesentlich von ihr abhängt. Die Mehrzahl der Studien ist beobachtend, nicht randomisiert. Fünf Studien enthielten nur Männer mit Typ-2-Diabetes unter Metformin als Vergleich und keinen gewichtssenkenden Vergleich; der Gewichtsverlust war bei diabetischen Männern geringer. In einer Studie [s117] war der Vergleichswirkstoff ein Sulfonylharnstoff (Glimepirid), der das Gewicht erhöhen kann, was den Unterschied zugunsten der GLP-1-RA vergrößern könnte (Einschätzung der Autoren). In Tabelle 1 wird das Liraglutid der Catania-Studie als „3 mg/Woche (Gruppe A)“ geführt; die Originalarbeit beschreibt 3 mg täglich in Gruppe B [s88]; das ist ein Übertragungsfehler ohne Folgen für die Rechnung, aber ein Hinweis auf die Sorgfalt der Datenaufbereitung. Der Abstract-Wert n = 680 ist, wie oben beschrieben, nicht nachvollziehbar.

*Einordnung.* Die Autoren schließen, GLP-1-RA könnten bei funktionellem Hypogonadismus mit Übergewicht eine Rolle spielen, aber die Gesamtwirkung auf Testosteron sei „statistisch signifikant, aber bescheiden“, besonders nach Herausnahme der heterogenitätstreibenden Studien; die Literatur erlaube nicht, eine direkte Wirkung auf die Hodenfunktion nachzuweisen. Dass der Testosteronanstieg mit dem Gewichtsverlust zusammenhängt, aber nicht mit dem HbA1c, spricht für einen überwiegend über das Gewicht vermittelten Zusammenhang, beweist ihn aber nicht (Metaregression über sechs bis sieben Studien, keine individuellen Daten).

#### Orra und Kollegen 2025: Testosteron unter GLP-1-RA [s57]

*Publikation.* Orra SH, Martinez JVN, Porto BC et al., BMC Urology 2025. Systematische Übersicht mit Metaanalyse; PROSPERO CRD420251012733. Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche in MEDLINE, Embase, Scopus, Cochrane CENTRAL und Google Scholar bis Dezember 2024 (aus 1129 Treffern vier eingeschlossene Arbeiten). Eingeschlossen werden sollten randomisierte und nicht randomisierte Studien an Männern mit funktionellem Hypogonadismus bei Adipositas oder Typ-2-Diabetes. Primärer Endpunkt war das Gesamttestosteron vor und nach GLP-1-RA; sekundär bioverfügbares und freies Testosteron, SHBG und HbA1c. Gepoolt wurden rohe Mittelwertdifferenzen (alle Studien meldeten Testosteron in ng/dl) mit zufälligen Effekten; die Verzerrung wurde mit RoB 2 beziehungsweise ROBINS-I bewertet. Eine Heterogenitätsschwelle von I² ab 30 % wurde als erheblich definiert.

*Population.* Vier Studien: Giagulli 2015 (Liraglutid, 12 Monate, in zwei Gruppen) [s121], Jensterle 2019 (Liraglutid, 16 Wochen) [s112], Graybill (Exenatid, 6 Monate) [s104] und La Vignera 2023 (Liraglutid, 4 Monate) [s88]. Im Text stehen „219 Patienten vor und 216 nach der Behandlung“ und an anderer Stelle „435 Teilnehmer“. Summiert man die Gruppengrößen der Tabelle 1 (30, 13, 15, 51, 35 vor und 30, 10, 15, 51, 35 nach Behandlung), ergeben sich 144 beziehungsweise 141 Männer; keine der genannten Zahlen stimmt damit überein (eigene Rechnung aus der Tabelle, nicht aus dem Text).

*Ergebnisse (Mittelwertdifferenz, 95-%-KI).* Gesamttestosteron: MD −129,96 ng/dl (KI −220,44 bis −39,48; p = 0,005; I² = 97 %). Das negative Vorzeichen folgt der Anordnung „vorher minus nachher“; gemeint ist ein Anstieg unter der Behandlung. Dieser Hauptendpunkt steht im Volltext, nicht im Abstract. Bioverfügbares Testosteron: MD −57,18 (KI −87,60 bis −26,76; p < 0,001; I² = 86 %). Freies Testosteron: MD −1,62 (KI −3,25 bis 0,01; p = 0,051; I² = 96 %). SHBG: MD −6,62 (KI −14,95 bis 1,72; p = 0,120; I² = 99 %). HbA1c: MD 0,79 (KI 0,58 bis 1,00; p < 0,001; I² = 0 %). Auslassanalysen und Baujat-Diagramme verringerten die Heterogenität nicht nennenswert; als Haupttreiber wurde La Vignera 2023 identifiziert. Bei bioverfügbarem Testosteron fehlten zwei Studien, bei freiem Testosteron zwei, bei SHBG eine.

*Verzerrungsbewertung.* La Vignera 2023 wurde mit ROBINS-I als „geringes Risiko“ bewertet, Giagulli und Graybill als „moderates Risiko“, die randomisierte Studie [s112] mit RoB 2 als „gewisse Bedenken“. Dass ausgerechnet die Catania-Studie hier als Studie mit geringem Verzerrungsrisiko erscheint, während Salvio und Kollegen sie mit 4 von 9 NOS-Punkten als „schlecht“ einstufen [s62], zeigt, wie stark die Bewertung vom Instrument und von den Bearbeitern abhängt.

*Stärken.* Registriertes Protokoll, mehrere Datenbanken, zwei unabhängige Bearbeiter, Auslass- und Baujat-Analyse, offene Benennung von Grenzen.

*Schwächen.* (1) Mit vier Studien und je nach Zählung 141 bis 435 Männern ist die Basis sehr klein, und die Zahlen im Text sind nicht stimmig. (2) Fast alle Endpunkte haben I² über 85 %; die Auslassanalyse klärte die Heterogenität nicht. (3) Die Methodik beschreibt Randomisierte und andere Studien, enthält aber Satzteile, die offenkundig aus einer anderen Arbeit stammen (die Datenextraktion nennt „Methenamin-Dosierung“ und „welches Antibiotikum“). (4) Die Literaturangaben im Text sind teilweise falsch datiert (die Jensterle-Studie wird als 2016, die Catania-Studie als 2017 zitiert). (5) Die Kohorte von Graybill ist einarmig; ein Pooling von Vorher-Nachher-Werten über unterschiedlich lange Behandlungsdauer (16 Wochen bis 12 Monate) ist nur eingeschränkt aussagekräftig. (6) Die Tabelle führt für La Vignera 2023 „9 Wochen“ Anwendungsdauer, während die Originalarbeit vier Monate beschreibt [s88]. (7) In Giagulli 2015 erhielten alle Männer Testosteronersatz, sodass der Testosteronwert dort nicht allein die Wirkung der GLP-1-RA abbildet [s121].

*Einordnung.* Die Autoren folgern, GLP-1-RA schienen bioverfügbares Testosteron zu erhöhen und den HbA1c zu senken; freies Testosteron und SHBG blieben unklar. Der bei Abstract-Lektüre sichtbare Befund (bioverfügbares Testosteron) ist ein Nebenendpunkt; der Hauptendpunkt hat mit I² = 97 % und rohen, nicht standardisierten Differenzen über Studien mit sehr verschiedenen Ausgangswerten (von etwa 140 bis 334 ng/dl) wenig Aussagekraft über die Größe eines Effekts. Das Ergebnis stützt eine Richtung, keine Größenordnung.

#### Mirghani und AlQurashi 2026 (Saudi-Arabien): GLP-1-RA und Impotenz [s24]

*Publikation.* Mirghani HO, AlQurashi AM, World Journal of Methodology 2026. Metaanalyse; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche in PubMed, Google Scholar und Web of Science, nur englischsprachige Arbeiten, ohne Zeitgrenze nach unten. Aus 172 Treffern blieben nach Entfernen der Dubletten 63; zwölf Volltexte wurden gesichtet, sieben eingeschlossen. Kontinuierliche Daten wurden als Mittelwertdifferenz mit 95-%-KI in einem Modell mit zufälligen Effekten (RevMan 5.4) zusammengefasst, das Verzerrungsrisiko mit der Newcastle-Ottawa-Skala (Werte 6 bis 8), die Sicherheit der Evidenz mit GRADE bewertet. Der Suchzeitraum wird im Abstract als „November und Dezember 2026“ angegeben, an anderer Stelle des Volltextes als 2025; die Jahresangabe ist in der Arbeit selbst uneinheitlich.

*Population.* Die Studientabelle des Volltextes führt Defeudis (Italien, prospektiv, 48 Monate; 20 gegen 51), Giagulli (Liraglutid, retrospektiv, 12 Monate; 30 gegen 16), Giagulli (Dulaglutid; 14 gegen 14), Giagulli (Liraglutid gegen Metformin; 16 gegen 16), La Vignera (Tirzepatid, Pilotstudie, 8 Wochen; 28 gegen 30) [s54], Lengsfeld (gesunde Männer, 4 Wochen Dulaglutid gegen Placebo; 12 gegen 12) [s72] und Lisco (12 Monate; 63 gegen 45) [s73]. Der Ergebnisteil nennt 183 Männer unter GLP-1-RA und 184 Kontrollen, zusammen 367. Das Abstract nennt dagegen „237 Männer“. Diese Zahl entspricht der Summe der Sensitivitätsanalyse (111 plus 126), nicht der Hauptanalyse. Sechs der sieben Einträge stammen aus Italien, einer aus der Schweiz; keiner kommt aus dem arabischen Raum.

*Ergebnisse (Mittelwertdifferenz GLP-1-RA gegen Kontrolle, 95-%-KI).*

| Endpunkt | MD | 95-%-KI | p | I² |
|---|---|---|---|---|
| Erektionswert (ED-Score), 7 Studien | 2,73 | 1,64 bis 3,83 | < 0,00001 | 90 % |
| ED-Score, Sensitivitätsanalyse, 3 Studien (111 gegen 126) | 1,88 | 1,33 bis 2,43 | < 0,00001 | 26 % |
| Gesamttestosteron, 5 Studien | 73,04 | 16,91 bis 129,17 | 0,01 | 99 % |
| Freies Testosteron | 0,07 | 0,01 bis 0,14 | 0,08 | 86 % |
| SHBG | 7,00 | 1,71 bis 12,30 | 0,01 | 99 % |
| LH | 0,45 | −0,14 bis 1,04 | 0,14 | 91 % |
| FSH | 0,46 | 0,01 bis 0,91 | 0,05 | 91 % |

Die GRADE-Bewertung lautet für alle bewerteten Endpunkte „sehr niedrig“ (ernstes Verzerrungsrisiko, ernste Inkonsistenz).

*Stärken.* Offene Darstellung der Heterogenität, Sensitivitätsanalyse, GRADE-Tabelle; nach Angabe der Autoren die größte Zahl einbezogener Studien unter den bisherigen Metaanalysen zum Thema.

*Schwächen.* (1) Der Titel spricht von Impotenz; Samenparameter wurden nicht untersucht, die Arbeit sagt also nichts über Spermienqualität. (2) Gepoolt wurden rohe Mittelwertdifferenzen von Hormonwerten in unterschiedlichen Größenordnungen: Die Tabelle des Volltextes nennt für Gesamttestosteron Werte wie 430,8, 259 und 140 neben 19,7 (Lengsfeld), ohne Einheiten. Eine gepoolte Differenz von 73,04 ohne Einheit ist nicht deutbar. (3) I² von 86 bis 99 % zeigt, dass die Studien nicht vergleichbar sind. (4) Beim freien Testosteron steht im Text „kein signifikanter Unterschied“ (p = 0,08), obwohl das Konfidenzintervall 0,01 bis 0,14 die Null nicht einschließt; beim FSH wird p = 0,05 bei einer Untergrenze von 0,01 als signifikant gewertet. Die Angaben sind in sich nicht stimmig. (5) Vier Studien sind retrospektiv, eine ist eine Pilotstudie, nur eine hat einen Placebovergleich. (6) Die beiden Giagulli-Einträge derselben Arbeit tragen in Tabelle 1 identische Ausgangs- und Endwerte der Metformin-Vergleichsgruppe (15,7 ± 1,7 und 15,1 ± 1,1); ob dieselbe Gruppe doppelt in die Metaanalyse einging, geht aus dem Text nicht hervor. (7) Der Erektionswert wurde auch über Studien gemittelt, in denen ein Teil der Männer Testosteron erhielt (siehe die Subgruppenanalyse bei Yang B. [s63]).

*Einordnung.* Die Autoren schließen, GLP-1-RA seien mit einer deutlichen Verbesserung der Erektionsfunktion verbunden und „sollten bei Patienten mit ED und kardiovaskulären Risikofaktoren erwogen werden“; zugleich nennen sie die Evidenz „schwach“ und fordern größere randomisierte Studien. Die erste Aussage ist eine Wertung der Autoren; sie geht über das hinaus, was eine „sehr niedrige“ GRADE-Sicherheit trägt, und wird hier nicht als Empfehlung übernommen. Festzuhalten ist, dass die Richtung (höherer Erektionswert) in allen Pools gleich ist, die Größe aber zwischen den Arbeiten schwankt.

#### Ezici und Kollegen 2025, Kongressabstract: Erektionsfunktion und Testosteron [s47]

*Publikation.* Ezici A, Ramadan S, Bardawil E et al., Journal of the Endocrine Society 2025 (Kongressabstract); PROSPERO CRD42025640594. Nur Abstract.

*Design und Population.* Metaanalyse von vier Studien (eine randomisierte, eine prospektive, zwei retrospektive) mit 396 Teilnehmern (199 GLP-1-RA, 197 Kontrolle).

*Ergebnisse.* IIEF-5: mittlere Differenz 2,84 (95-%-KI −2,89 bis 8,57), nicht signifikant; Gesamttestosteron: 53,37 ng/dl (KI −32,6 bis 139,34), nicht signifikant.

*Einordnung.* Die Studie widerspricht in der Signifikanz den Ergebnissen von Salvio [s62] und Mirghani [s24] und zeigt, wie sehr das Ergebnis vom Studienpool abhängt. Der Punktschätzer des IIEF (2,84) liegt in derselben Größenordnung wie bei Mirghani (2,73), das Konfidenzintervall ist aber sehr breit. Schwächen: ein Kongressabstract ohne Angabe der Einzelstudien, ohne Heterogenität, ohne Einheit und Methodik der Hormonwerte; eine inhaltliche Prüfung ist nicht möglich.

#### Yang B. und Kollegen 2025 (China): Antidiabetika und erektile Dysfunktion [s63]

*Publikation.* Yang B, Cheng H, Hu Y et al., Diabetes, Metabolic Syndrome and Obesity 2025; Affiliated Hospital of Southwest Medical University, Luzhou. Systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche in PubMed, Embase und Cochrane Library. Aus 3906 Treffern wurden 734 Dubletten entfernt, 3139 Artikel nach Titel und Abstract ausgeschlossen und 30 Volltexte geprüft; ausgeschlossen wurden dabei 16 reine Tierstudien, 12 Studien ohne IIEF-Wert, eine ohne Gruppenwerte und eine mit abweichender Gruppierung. Eingeschlossen wurden drei Kohortenstudien. Zusammenfassung der IIEF-Werte mit zufälligen Effekten (Review Manager 5.4.1), Subgruppen nach BMI und nach Testosteron-Begleittherapie, Sensitivitätsanalyse mit Stata 15.1; Qualität nach Newcastle-Ottawa-Skala (alle drei mit 6 bis 8 von 9 Punkten).

*Population.* Drei Kohorten (Defeudis; Giagulli 2015 [s121]; Lisco [s73]) mit 314 Teilnehmern, von denen 209 in die Auswertung eingingen; mittleres Alter 52,7 bis 64,1 Jahre; Nachbeobachtung 4 Jahre, 2 Jahre und 1 Jahr. Vergleich: bei Defeudis GLP-1-RA gegen Metformin, bei Giagulli GLP-1-RA zusätzlich zu Testosteron und Metformin gegen Testosteron plus Metformin, bei Lisco GLP-1-RA als Zusatz zu Metformin gegen Metformin. Die Studientabelle führt die Giagulli-Studie als „Kanada“, obwohl dieselbe Studie bei Salvio und Mirghani als italienisch geführt wird [s62, s24]; ein Fehler in der Tabelle ist wahrscheinlich, eine Auflösung aus den Quellen nicht möglich.

*Ergebnisse.* GLP-1-RA waren Metformin bei der Verbesserung des IIEF überlegen (Z = 2,41; p = 0,02; I² = 90 %). Im Abstract stehen nur Z- und p-Werte, keine gepoolte Differenz. In der Subgruppe mit BMI über 30 war der Effekt stärker (Z = 2,26; p = 0,02; I² = 95 %). Schließt man die Giagulli-Studie mit Testosteron-Begleittherapie aus, sinkt die Heterogenität auf I² = 0 %, und die gepoolte Differenz der beiden verbleibenden Studien beträgt 2,16 IIEF-Punkte (KI 1,64 bis 2,68; p < 0,00001). Das Auslassen jeweils einer Studie änderte das Gesamtergebnis nicht grundlegend. Außerhalb der Metaanalyse beschreibt die Übersicht Insulin, Metformin, Sulfonylharnstoffe, Thiazolidindione, Acarbose und SGLT-2-Hemmer erzählend; zu GLP-1-RA zitiert sie eine explorative Auswertung der REWIND-Studie, nach der Dulaglutid die Häufigkeit von ED senken könnte (HR 0,92; KI 0,85 bis 0,99; p = 0,021; zitiert nach [s63], die Originalarbeit liegt der Gesamtstudie nicht als Quelle vor).

*Stärken.* Transparentes PRISMA-Vorgehen, Subgruppen- und Sensitivitätsanalyse, nachvollziehbare Ausschlussgründe, erzählende Einordnung weiterer Wirkstoffklassen.

*Schwächen.* Nur drei Studien, mit I² = 90 % in der Hauptanalyse. Die Ablaufzahlen sind in sich nicht ganz stimmig: 3906 Treffer minus 734 Dubletten minus 3139 ausgeschlossene Artikel ergeben 33 Volltexte, der Abstract nennt 30 geprüfte Volltexte, aus denen drei Studien ausgewählt wurden, und die Ausschlussgründe summieren sich auf 30 (16 + 12 + 1 + 1). Der Abstract nennt einen Z-Wert ohne Effektgröße. Die Abgrenzung zwischen der Wirkung der GLP-1-RA und der des Testosterons (in einer Studie in beiden Armen gegeben) ist nur über eine Subgruppe von zwei Studien möglich; der BMI-Befund beruht ebenfalls auf einer Subgruppenanalyse über drei Studien auf Studienebene, nicht auf Teilnehmerebene, sodass eine Verzerrung durch weitere Studienmerkmale (Land, Alter, Dauer) möglich ist.

*Einordnung.* Die Arbeit liefert einen Vergleich für ED bei Diabetes (GLP-1-RA gegen Metformin), keinen für Hormone oder Fertilität. Die Richtung stimmt mit Mirghani [s24] und Salvio [s62] überein, deren Pools sich mit diesem überschneiden.

#### Yang L. und Kollegen 2026 (China): Netzwerk-Metaanalyse zu funktionellem Hypogonadismus bei Adipositas [s36]

*Publikation.* Yang L, He X, Wang S et al., Journal of Sexual Medicine 2026; Sichuan Academy of Medical Sciences. Nur Abstract; ein Volltext war nicht abrufbar.

*Design und Methodik.* Systematische Übersicht mit frequentistischer Netzwerk-Metaanalyse. Suche in PubMed, Embase, Web of Science und Cochrane Library bis April 2026. Eingeschlossen wurden randomisierte Studien zu strukturierter Lebensstiltherapie, Testosteronersatz (TRT), Therapie zur Wiederherstellung der körpereigenen Testosteronbildung (ETR), GLP-1-basierter Therapie oder TRT plus Lebensstiltherapie. Verzerrungsrisiko mit RoB 2, Sicherheit der Evidenz mit CINeMA.

*Population.* 23 randomisierte Studien mit 1899 erwachsenen Männern mit adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus.

*Ergebnisse (gegenüber üblicher Versorgung oder Placebo).* Gesamttestosteron: TRT plus Lebensstil MD 7,19 (KI 1,18 bis 13,21), ETR 4,14 (KI 0,74 bis 7,54), TRT 2,53 (KI 0,26 bis 4,81). IIEF: TRT plus Lebensstil MD 1,29 (KI 0,07 bis 2,50). Keine Maßnahme senkte den HbA1c signifikant. TRT senkte den Taillenumfang und erhöhte die fettfreie Masse, aber auch den Hämatokrit; ETR und TRT plus Lebensstil erhöhten die fettfreie Masse. Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen wurden nicht festgestellt. Sensitivitäts- und Direktvergleichsanalysen stützten die Richtung. Die Sicherheit der Evidenz war bei vielen Vergleichen niedrig oder sehr niedrig.

*Was das Abstract nicht enthält.* Für den GLP-1-Arm nennt das Abstract keine Effektgröße. GLP-1-basierte Therapie gehört nicht zu den im Abstract genannten Maßnahmen mit signifikantem Testosteronanstieg; ob dies einen fehlenden Effekt oder nur fehlende Berichterstattung bedeutet, lässt sich nicht erkennen. Auch die Einheit der Mittelwertdifferenz und die Zahl der Studien mit GLP-1-Arm fehlen.

*Stärken.* Ausschließlich randomisierte Studien, standardisierte Bewertungsinstrumente, mehrere Endpunkte (Hormon, Sexualfunktion, Körperzusammensetzung, Sicherheit).

*Schwächen.* Die Autoren selbst weisen auf Unterschiede in Teilnehmermerkmalen, Protokollen und Nachbeobachtung hin und lehnen eine endgültige Rangfolge ab. Indirekte Vergleiche über ein Netzwerk heterogener Studien sind mit Unsicherheit behaftet. Spermienparameter gehören nicht zu den im Abstract genannten Endpunkten.

*Einordnung.* Die Arbeit ist die einzige der betrachteten Zusammenfassungen, die ausschließlich randomisierte Studien einschließt und GLP-1-basierte Therapie mit Testosteronersatz und Lebensstil in einem Netzwerk vergleicht. Für die Frage dieser Gesamtstudie bleibt sie mangels bezifferten GLP-1-Ergebnisses ohne verwertbaren Beitrag; dafür müsste der Volltext herangezogen werden.

#### Peel und Kollegen 2026: Adipositasinterventionen und männliche Fertilität [s28]

*Publikation.* Peel A, Lyons H, Tully CA et al., Human Reproduction Update 2026. Systematische Übersicht mit Metaanalyse; PROSPERO CRD42022349665; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche (6. Dezember 2023, aktualisiert bis 30. November 2024) in PubMed, Embase, Cochrane CENTRAL, Web of Science und Scopus; nur englischsprachige Arbeiten. Eingeschlossen wurden Männer von 18 bis 50 Jahren mit BMI ab 25 kg/m², die eine Gewichtsintervention (Lebensstil, bariatrische Chirurgie oder Arzneimittel) erhielten und deren Fertilitätsmaße (Samenanalyse, Konzeption, assistierte Reproduktion) vor und nach der Maßnahme erhoben wurden; Tierstudien, Kongressabstracts und frühere Metaanalysen wurden ausgeschlossen. Von 23 673 Treffern (10 315 Dubletten) wurden 58 Volltexte geprüft und 32 Studien eingeschlossen. Es folgten Metaanalysen bei mindestens zwei vergleichbaren Studien, Metaregression bei mindestens fünf; Bewertung mit JBI-Checklisten, RoB 2 und GRADE.

*Ergebnisse zu Arzneimitteln.* Pharmakotherapie wurde in fünf Studien (insgesamt 119 Patienten) untersucht, nämlich zu Metformin und Liraglutid. Zu Liraglutid gab es drei Arbeiten. Erstens die Catania-Studie [s88]: 35 Männer unter Liraglutid, Konzentration 6 auf 16 Mio./ml (p < 0,05), progressive Motilität 14 auf 35 % (die Originalarbeit nennt für die Motilität 34 %), Normalformen 4 auf 10 % (p < 0,05). Zweitens die beiden Liraglutid-Untergruppen der Teilstudie von Andersen und Kollegen [s96]: sieben Männer unter Liraglutid und 13 unter Liraglutid plus Training, jeweils 52 Wochen, keine Änderung von Volumen oder Konzentration. Drittens der Fallbericht von Fontoura und Kollegen [s123]: ein Mann mit Adipositas und einem Gewicht von 100 kg; schrittweise Azoospermie etwa fünf Monate nach Beginn von 0,6 mg Liraglutid täglich; nach dem Absetzen in den folgenden fünf Monaten teilweise Erholung der Konzentration; Normalformen 8 % am Anfang gegen 2,5 % fünf Monate nach dem Absetzen; ICSI fünf Monate nach dem Absetzen mit erfolgreicher Zwillingsschwangerschaft. Die einzige Metaanalyse zu Liraglutid fasste die beiden Untergruppen von Andersen (7 und 13 Männer) und die Catania-Gruppe (35 Männer) zusammen (n = 55): Spermienkonzentration MD 0,58 Mio./ml (95-%-KI −24,76 bis 25,91; p = 0,96; I² = 38,1 %), Sicherheit der Evidenz nach GRADE „sehr niedrig“. Das Abstract schließt: Es lägen zu wenige Daten vor, um klare Schlüsse zu den Wirkungen dieser Wirkstoffe auf Fertilitätsendpunkte zu ziehen.

*Weitere Ergebnisse.* Randomisierte Studien über alle Maßnahmen zeigten keine Unterschiede der Samenparameter zwischen Kontroll- und Interventionsarmen, wobei die kleine Fallzahl die Deutbarkeit begrenzt. Lebensstilinterventionen (zehn Studien, davon fünf randomisiert): Normalformen +0,59 % (KI 0,23 bis 0,94) und progressive Motilität +10,56 % (KI 8,97 bis 12,15) im Modell mit festen Effekten. Bariatrische Chirurgie (18 Studien): keine klinisch relevanten Änderungen der Samenparameter oder des DNA-Schadens. Die Sicherheit der Evidenz war überwiegend niedrig; zu Konzeption und assistierter Reproduktion lagen über alle Maßnahmen hinweg kaum Daten vor.

*Stärken.* Registrierung, fünf Datenbanken, große Suchbasis, Trennung nach Maßnahmenart, deutliche Benennung der Wissenslücken (wenige randomisierte Studien, kaum Konzeptionsendpunkte, begrenzte Daten zu GLP-1-RA).

*Schwächen.* Für GLP-1-RA gibt es nur Liraglutid und in der Metaanalyse 55 Männer ohne unabhängige Kontrollgruppe. Die Arbeit weist selbst darauf hin, dass in der Teilstudie von Andersen dem Arzneimittel eine achtwöchige Diät mit starkem Gewichtsverlust vorausging, was die Wirkung von Liraglutid allein verdeckt. Wegen der Altersgrenze (unter 50 Jahre) wurde die Semaglutid-Studie von Gregorič (13 Männer von 46 bis 60 Jahren) [s48] ausgeschlossen; sie wird nur im Text erwähnt. Es sind nur englischsprachige Arbeiten eingeschlossen. Im Text finden sich Unstimmigkeiten: Der Ergebnisteil beschreibt die Liraglutid-Metaanalyse als Modell mit zufälligen Effekten ohne Änderung, die Diskussion spricht von einem „geringen positiven Effekt“ von Liraglutid auf die Spermienkonzentration im Modell mit festen Effekten; und das Konfidenzintervall 1,22 bis 3,18 wird dem Faktor 1,71 der Konzentration zugeordnet, während die Originalarbeit 1,15 bis 2,55 für die Konzentration und 1,22 bis 3,18 für die Spermienzahl (Faktor 1,97) nennt [s96]. Der Fallbericht wird in der Arbeit mit „n = 56“ geführt, ein offenkundiger Tippfehler.

*Einordnung.* Die Arbeit ist die sorgfältigste der hier betrachteten Zusammenfassungen zu Gewichtsinterventionen und Fertilität und zeigt, dass für Arzneimittel (und damit für GLP-1-RA) die Datenlage für Fertilitätsendpunkte nicht ausreicht. Sie widerspricht den hormonellen Befunden anderer Arbeiten nicht, denn sie untersucht Samenparameter und nicht Testosteron. Die Aussage zu Lebensstil (kleine, aber messbare Verbesserungen schon bei geringem Gewichtsverlust) ist für die Frage dieser Studie relevant, weil sie zeigt, dass Gewichtsverlust allein Samenparameter verändern kann; das erschwert die Zuschreibung eines Samenbefunds an das Medikament.

### Systematische Übersichten ohne gepoolte Hauptanalyse

#### Deameh und Kollegen 2026 (Jordanien, USA): Hormone, Samenparameter und Stoffwechsel [s05]

*Publikation.* Deameh MG, Ramez M, Rowaiee R et al., Journal of Sexual Medicine 2026. Systematische Übersicht nach PRISMA. Nur Abstract; der Volltext war nicht abrufbar.

*Design und Methodik.* Suche in PubMed, Embase, Scopus und Web of Science bis April 2025. Eingeschlossen wurden randomisierte Studien und Kohortenstudien an erwachsenen Männern unter Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid oder Exenatid. Verzerrung: RoB 2 für randomisierte, ROBINS-I für nicht randomisierte Studien.

*Population und Ergebnisse.* Zehn Studien mit zusammen 639 Männern. GLP-1-RA waren „durchgehend“ mit höherem Gesamttestosteron verbunden, besonders bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus. Änderungen des freien Testosterons seien uneinheitlich gewesen und häufig durch einen gleichzeitigen SHBG-Anstieg ausgeglichen worden. LH und FSH blieben erhalten oder stiegen, anders als in Vergleichsgruppen unter Testosterontherapie, in denen sie unterdrückt wurden. Verbesserungen der Samenparameter wurden bei adipösen oder hypogonadalen Männern berichtet, bei gesunden Männern ohne signifikante Änderung. Das Abstract nennt keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte.

*Stärken.* Mehrere Datenbanken, standardisierte Verzerrungsbewertung, getrennte Betrachtung nach Stoffwechselstatus; die Autoren fordern Langzeitstudien mit standardisierten Fertilitätsendpunkten.

*Schwächen.* Zehn Studien mit 639 Männern sind eine kleine Basis; die Studien unterscheiden sich in Wirkstoff, Population und Vergleichsbehandlung; das Abstract enthält keine quantitative Zusammenfassung. Die Formulierung, GLP-1-RA könnten in einigen Fällen „fertilitätsschonende Alternativen“ zur Testosterontherapie sein, ist eine Aussage der Autoren, die sich auf Hormon- und Samenparameter stützt; Schwangerschaft oder Geburt nennt das Abstract nicht. Einzelstudien und Bewertungsergebnisse sind ohne Volltext nicht prüfbar. Die Zahl der Studien (zehn) steht im Widerspruch zur Angabe in der Übersicht von La Vignera und Condorelli, die dieselbe Arbeit mit 15 Studien führt [s18].

*Einordnung.* Das Ergebnis (Anstieg des Gesamttestosterons bei Stoffwechselerkrankung, kein Effekt bei Gesunden) deckt sich mit Zafrani und Kollegen [s37] und mit dem Befund der randomisierten Studie an gesunden Männern [s72].

#### Zafrani, Khan und Zitzmann 2026: GLP-1-RA und männliche Reproduktionsendokrinologie [s37]

*Publikation.* Zafrani Z, Khan SS, Zitzmann M, Cells 2026. Systematische Übersicht nach PRISMA 2020; bei PROSPERO registriert (CRD420261370402). Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche in PubMed/MEDLINE, Cochrane CENTRAL und Google Scholar vom 1. Januar 2021 bis 31. Januar 2026, nur englische Arbeiten an erwachsenen Männern; zusätzlich Kongressabstracts (Endocrine Society, EAU, International Continence Society) und Literaturlisten. Von 693 Datensätzen wurden 675 gesichtet, 624 ausgeschlossen, 51 Volltexte angefordert; 28 davon waren nicht beschaffbar, von den übrigen 23 wurden 16 ausgeschlossen. Die Arbeit nennt an verschiedenen Stellen acht und sieben eingeschlossene Studien (der Ablauf mit 23 geprüften und 16 ausgeschlossenen Volltexten ergibt sieben) und „etwa 1200“ Teilnehmer, wobei die genaue Zahl davon abhänge, wie überlappende Kohorten gezählt werden. Bewertung mit RoB 2 und ROBINS-I (Version 2) sowie GRADE.

*Ergebnisse.* Eine Metaanalyse war wegen der Heterogenität nicht möglich; die Synthese ist erzählend. Nach der Beschreibung waren eingeschlossen eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie an gesunden Männern, eine prospektive Kohorte, zwei retrospektive Kohorten und drei kontrollierte beziehungsweise Pilotstudien, darunter die Studie mit Testosteronzusatz bei „späten Ansprechern“ auf Tirzepatid. Im Text besprochen werden unter anderem die Cross-over-Studie [s72], die Kohorten von Lisco [s73] und Graybill [s104] und die Pilotstudie [s30]; eine vollständige Liste der Einzelstudien konnte ich dem abgerufenen Text nicht entnehmen. Die Richtung war bei Männern mit Stoffwechselerkrankung einheitlich (Testosteron stieg oder blieb unverändert mit Tendenz zum Anstieg), bei gesunden eugonadalen Männern fehlte ein Effekt. Zusätzlich zitiert die Arbeit eine Studie von Eid und Kollegen mit einem mittleren Anstieg des Gesamttestosterons um etwa 111 ng/dl (zitiert nach [s37]; die Originalarbeit liegt der Gesamtstudie nicht als Quelle vor und wird hier nicht gewertet). Die Sicherheit der Evidenz wurde für Gesamttestosteron als niedrig, für freies Testosteron, SHBG und Erektionsfunktion als niedrig bis sehr niedrig, für Samenparameter als sehr niedrig und für Gewicht und Blutzucker als moderat eingestuft. Das Verzerrungsrisiko war für die eine randomisierte Studie niedrig, für die sechs nicht randomisierten Studien moderat bis ernst.

*Stärken.* Registriertes Protokoll, getrennte Betrachtung hormoneller, Sexual- und Samenendpunkte, GRADE-Bewertung, offene Benennung der Grenzen (einschließlich des fehlenden Übereinstimmungsmaßes zwischen den Bearbeitern).

*Schwächen.* Nur drei Datenbanken, englische Texte, Fünf-Jahres-Fenster; 28 von 51 gesuchten Volltexten blieben unerreichbar, was eine erhebliche Lücke ist. Die Zahl der eingeschlossenen Studien wechselt (acht, sieben) und die Teilnehmerzahl wird nur ungefähr genannt. Es gibt keine quantitative Zusammenfassung. Der Gedanke, die Therapie könne bei Männern mit Kinderwunsch „eine Erstlinien- oder Zusatzstrategie“ sein (im Abschnitt über klinische Folgerungen), ist eine Wertung der Autoren, die über die Evidenzsicherheit hinausgeht und hier nicht als Empfehlung übernommen wird.

*Einordnung.* Die Arbeit formuliert ausdrücklich, die Testosteronanstiege seien Ausdruck einer Rückbildung der metabolischen Unterdrückung der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse und nicht einer direkten androgenen Stimulation; keine klinische Studie habe eine direkte, vom Stoffwechsel unabhängige Wirkung am Rezeptor gezeigt. Als erklärendes Muster nennt sie, die Wirkung müsse sich je nach Geschlecht und Phänotyp dem jeweiligen physiologischen Sollwert nähern (bei adipösen Männern höheres Testosteron, bei Frauen mit PCOS niedrigeres freies Testosteron). Das ist eine Deutung der Autoren, kein Befund.

#### La Vignera und Condorelli 2026: Inkretintherapie bei Hypogonadismus (PRISMA-Übersicht) [s18]

*Publikation.* La Vignera S, Condorelli RA, Pharmaceuticals (Basel) 2026. Systematische Literaturübersicht nach PRISMA 2020; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Suche am 31. Dezember 2024 in PubMed/MEDLINE, Scopus und Web of Science; aus 326 Treffern (nach 47 Dubletten 279) blieben 90 Volltexte und nach dem Abstract 29 Arbeiten (14 Primärstudien, fünf systematische Übersichten oder Metaanalysen, zehn narrative Arbeiten oder Expertenmeinungen). Bewertung mit RoB 2, Newcastle-Ottawa-Skala und AMSTAR 2, Einordnung der Evidenz nach Oxford-Stufen.

*Ergebnis nach dem Abstract.* Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid steigerten das Gesamttestosteron bei adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus im Mittel um 2,5 bis 5,2 nmol/l; der Effekt werde überwiegend durch Gewichtsverlust und verbesserte Insulinresistenz vermittelt. Ob ein bestehender Hypogonadismus das Ansprechen auf Inkretintherapie verschlechtert, sei nicht belegt, und es gebe keine ausreichend gepowerten vergleichenden Studien.

*Abgleich mit den Originalen: zentrale Schwäche.* Die Tabellen und der Ergebnisteil des Volltextes geben die zusammengefassten Studien in zahlreichen Punkten anders wieder als die Originalarbeiten, die der Gesamtstudie vorliegen. Im Einzelnen:

- Die Semaglutid-Studie von Gregorič und Kollegen wird mit 42 Männern, einem Testosteronanstieg von 9,2 auf 14,5 nmol/l und einem Gewichtsverlust von 8,3 kg (Text) beziehungsweise 9,8 kg (Tabelle) beschrieben. Das Original hatte 25 Männer (13 gegen 12), Mediane von 6,1 auf 7,8 nmol/l Gesamttestosteron und von 115 auf 99 kg Körpergewicht [s48].
- Die Tirzepatid-Studie von La Vignera und Kollegen 2025 wird als „kontrollierte randomisierte Pilotstudie“ mit 24 Männern, 16 Wochen und 5 bis 15 mg wöchentlich beschrieben, Vergleich mit einer „historischen Kontrollgruppe“. Das Original ist nicht randomisiert, hatte 83 Männer in drei gleichzeitigen Gruppen, dauerte zwei Monate und dosierte 2,5 mg, danach 5 mg [s54].
- Die Pilotstudie von Seminara und Kollegen wird im Text und in Tabelle 2 als randomisiert mit 18 Männern über 12 Wochen und in Tabelle 1 als retrospektive Pilotstudie geführt; das Original hatte zehn Männer (je fünf) und sechs Monate [s30].
- Die TriNetX-Studie von Able und Kollegen wird als Studie an 3847 Männern mit Typ-2-Diabetes und Messwerten von Testosteron beschrieben; das Original betrifft 3094 nicht diabetische Männer je Gruppe und wertet Diagnosen von ED und Testosteronmangel aus, nicht gemessene Hormonwerte [s41].
- Portillo-Canales und Kollegen werden mit 156 Männern, Semaglutid und einer spanischen Endokrinologie-Klinik beschrieben (Tabelle: 110 Männer mit Semaglutid 68 %, Dulaglutid 16 %, Tirzepatid 38 %; die Summe liegt über 100 %, möglicherweise wegen Wechsels zwischen Wirkstoffen); das Original wertet 215 Männer aus elektronischen Krankenakten aus (ein Land nennt der Abstract nicht) [s29], der Kongressabstract 110 Männer [s59].
- Die Arbeit von Chernova und Kollegen 2024 erscheint als retrospektive Analyse von 89 russischen Männern unter Liraglutid und in der Tabelle als prospektive Beobachtungsstudie mit 35 Männern; die Quelle ist laut Recherchebefund eine narrative Übersicht ohne eigene Patientendaten [s81].
- Die Studie von Izzi-Engbeaya wird einmal als randomisierte Cross-over-Studie mit 18 Teilnehmern (GLP-1-Infusion), einmal als retrospektive Kohorte mit 428 und einmal mit 1004 Patienten mit COVID-19 beschrieben; in der Gesamtstudie ist sie nur als Zitat in einer russischen Übersicht belegt (Infusion über acht Stunden bei gesunden Männern ohne Änderung von LH, FSH und Gesamttestosteron, zitiert nach [s80]).
- Die Zahlen der Metaanalyse von Orra und Kollegen [s57] erscheinen unter dem Namen „Sattar 2021“. Für die Übersicht von Deameh [s05] werden 15 statt zehn Studien genannt.
- Der Ablauf der Auswahl ist rechnerisch nicht stimmig: Von 90 Volltexten werden 63 ausgeschlossen (8 + 9 + 5 + 4 + 2 + 35), das ergibt 27, nicht 29.
- Die Tabelle nennt Metaanalysen („Corona 2026“, „Mahmood 2025“) mit eigenen Zahlen, die nicht zu den Quellen der Gesamtstudie gehören und nicht geprüft werden konnten.

*Stärken.* Formale Verzerrungsbewertung, Trennung von Primärstudien und Meinungsarbeiten, Hinweis auf fehlende Vergleichsstudien nach Ausgangstestosteron.

*Schwächen.* Wegen der oben genannten Abweichungen sind die Zahlen dieser Übersicht nicht verwertbar; die Spanne von 2,5 bis 5,2 nmol/l kann nicht an den Originalen nachvollzogen werden. Die Aussage, Semaglutid habe Testosteron in der Studie von Gregorič stärker angehoben als der Testosteronersatz, widerspricht dem Original, in dem der Testosteronarm den größeren Anstieg hatte (Differenz 6,9 gegenüber 1,6 nmol/l Gesamttestosteron) [s48]. Der daraus abgeleitete „pharmakologische Inkretin-Anteil unabhängig vom Gewichtsverlust“ beruht damit auf einer fehlerhaft wiedergegebenen Studie. Von dieser Übersicht werden keine Zahlen übernommen.

*Einordnung.* Die Autoren dieser Übersicht sind zugleich Autoren der Catania-Studien [s88, s54]; die Bewertung eigener Arbeiten ist ein möglicher Interessenkonflikt, der aber die Prüfung der einzelnen Angaben nicht ersetzt. Die Schlussfolgerung im Abstract (Verbesserung des Testosterons bei funktionellem Hypogonadismus, überwiegend gewichtsvermittelt) deckt sich mit den anderen Übersichten; die Belegzahlen der Arbeit selbst sind nicht belastbar.

#### Khalil und Kollegen 2026: Urologische Komplikationen der Adipositas, bariatrische Chirurgie und GLP-1-RA [s14]

*Publikation.* Khalil W, Bibi K, Fareed T et al., Cureus 2026. Systematische Übersicht; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design.* Suche in MEDLINE, Embase, Scopus und der Cochrane Library (Januar 2000 bis Juni 2025), englische Arbeiten bei Erwachsenen mit BMI ab 35 kg/m². Bewertung mit AMSTAR 2 und GRADE; 84 Studien mit über 165 000 Teilnehmern. Das Thema ist breit (Inkontinenz, Steine, Nierenzellkarzinom, Prostatakrebs, ED, Hypogonadismus).

*Ergebnisse zum Thema.* GLP-1-RA „erhöhen“ Testosteron (SMD 1,39 ng/ml, derselbe Wert wie bei Salvio [s62], einschließlich der nicht deutbaren Einheit) und verbessern die Erektionsfunktion; nach bariatrischer Chirurgie steige der IIEF um 4 bis 6 Punkte und das Testosteron um 30 bis 50 %.

*Schwächen.* Die männliche Fortpflanzung ist ein Nebenthema; die GLP-1-Aussage ist eine Übernahme der Metaanalyse von Salvio ohne eigene Auswertung. AMSTAR 2 ist ein Instrument zur Bewertung systematischer Übersichten, nicht zur Verzerrungsbewertung von Primärstudien; die Beschreibung im Abstract ist deshalb methodisch ungenau. Die Tabelle klinischer Hinweise der Arbeit nennt unter anderem, ein GLP-1-RA „könne bei funktionellem Hypogonadismus als Erstlinientherapie versucht werden“; das ist eine Aussage der Autoren und hier keine Empfehlung.

#### Service und Kollegen 2023: Adipositas, Stoffwechsel und männliche Fertilität [s92]

*Publikation.* Service CA, Puri D, Al Azzawi S et al., Fertility and Sterility 2023. Systematische Übersicht; nur Abstract.

*Design.* 112 Artikel aus MEDLINE 2013 bis 2023 zu BMI, Diabetes, metabolischem Syndrom, Bewegung, Gewichtssenkern oder bariatrischer Chirurgie und Samenparametern, Spermienqualität oder Fertilitätsendpunkten.

*Ergebnis.* Adipositas, Diabetes und metabolisches Syndrom beeinträchtigen Samenqualität und DNA-Integrität; es gebe „zunehmende Evidenz“, dass männliche Adipositas negativ mit Lebendgeburten (natürlich und nach assistierter Reproduktion) zusammenhängt. Für Metformin und GLP-1-RA zeichne sich „ein komplexeres Bild“ mit nützlichen und schädlichen Hinweisen ab.

*Einordnung.* Sie liefert Hintergrund (Adipositas und Lebendgeburten), keine eigenen Zahlen zu GLP-1-RA; mit nur dem Abstract ist unklar, welche Studien die „schädlichen Hinweise“ tragen (vermutlich der Fallbericht [s123]; aus dem Abstract nicht ableitbar). Nur eine MEDLINE-Suche; keine Angabe zu Verzerrungsbewertung im Abstract.

#### Fernandes 2026, Masterarbeit (Portugal): GLP-1-RA und männliche Fertilität [s09]

*Publikation.* Fernandes BFO, „Agonistas do recetor do péptido semelhante ao glucagon tipo 1 e fertilidade masculina“ (Agonisten des GLP-1-Rezeptors und männliche Fertilität), Masterarbeit, Universidade do Porto (Repositório Aberto), 2026. Literaturarbeit; keine Peer-Review-Veröffentlichung.

*Design.* 17 Studien aus PubMed und der Cochrane Library; Verzerrungsbewertung mit Cochrane RoB 2 und Newcastle-Ottawa-Skala.

*Ergebnis.* Bei gesunden Männern zeigten sich keine signifikanten Effekte auf die Hormonachse, Samenparameter oder Libido, bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus Verbesserungen, überwiegend über Gewichtsverlust; unerwünschte Wirkungen seien leicht gewesen.

*Einordnung.* Sekundärauswertung der englischsprachigen Literatur ohne eigene Daten; nützlich als Beleg dafür, dass die portugiesischsprachige Fachwelt dieselbe Literatur auswertet, nicht als eigenständiger Befund. Wegen des Status einer Abschlussarbeit mit Zurückhaltung zu lesen.

#### Wang und Kollegen 2026 (China): Scoping-Review zur Samenqualität adipöser Männer [s34]

*Publikation.* Wang H, Chang H, Zhao Y et al., Journal of Multidisciplinary Healthcare 2026; Peking. Abstract und Volltext abgerufen.

*Design.* Scoping-Review mit Suche in PubMed, Web of Science und der chinesischen Datenbank CNKI; 28 klinische Studien mit zusammen 1528 Teilnehmern, überwiegend Männern um 30 bis 40 Jahre. Elf Studien betrafen bariatrische Chirurgie; weitere Maßnahmen waren Ernährung, Training, Hormon- und Antioxidanzientherapie, traditionelle chinesische Medizin und Nährstoffe.

*Zu GLP-1-RA.* Im Volltext werden zwei Arbeiten genannt: die Catania-Studie mit Liraglutid (deutliche Verbesserung konventioneller Samenparameter, Testosteron und SHBG gegenüber dem Ausgangswert) [s88] und die Semaglutid-Studie (Anstieg morphologisch normaler Spermien gegenüber dem Ausgangswert) [s48]. Als Teil der Gewichtsabnahme-Maßnahmen wird Semaglutid unter denen aufgeführt, die den BMI senkten.

*Einordnung.* Die Arbeit zeigt die Breite möglicher Maßnahmen und fordert Studien zu Nachkommen und Leitlinien auf Grundlage hochwertiger Evidenz. Stärke eines Scoping-Reviews ist die Breite; Schwäche ist das Fehlen einer quantitativen Zusammenfassung und einer formalen Bewertung des Verzerrungsrisikos. Welche der 28 Studien aus CNKI stammen, ist aus den abgerufenen Teilen nicht erkennbar; chinesischsprachige GLP-1-Primärstudien am Menschen wurden darin nicht benannt.

#### Kuchakulla und Kollegen 2026: Einfluss von GLP-1-RA auf die männliche Fertilität [s17]

*Publikation.* Kuchakulla M, Poppas PJ, Wald G et al., Urology 2026. Übersichtsarbeit; nur Abstract.

*Design.* Suche in PubMed, MEDLINE und Embase bis 31. Mai 2025; 16 klinische Studien wurden in Übersichtstabellen aufgenommen. Beschrieben werden Rezeptorverteilung, präklinische Befunde (cAMP/PKA und PI3K/Akt in diabetischen oder adipösen Nagern), In-vitro-Daten und begrenzte klinische Hinweise auf bessere Samenparameter und höheres Testosteron bei adipösen hypogonadalen Männern.

*Einordnung.* Die Autoren halten einen günstigen Effekt bei Stoffwechselstörung für wahrscheinlich, räumen aber ein, die klinische Evidenz sei begrenzt und uneinheitlich; größere prospektive Studien seien nötig. Keine Zahlen im Abstract; eine eigene Bewertung der 16 Studien ist ohne Volltext nicht möglich.

#### Jensterle und Kollegen 2019: Die Rolle von GLP-1 in der Reproduktion [s111]

*Publikation.* Jensterle M, Janez A, Fliers E et al., Human Reproduction Update 2019. Narrative Übersicht; nur Abstract.

*Design.* PubMed-Suche bis 1. Februar 2019, ergänzt um eigene Kenntnis; 983 Treffer, nach dem Auswahlverfahren sechs Beobachtungsstudien (drei präklinisch, drei am Menschen), 24 Interventionsstudien (neun präklinisch, 15 am Menschen), vier Fallberichte, eine systematische und zwei narrative Übersichten. Diese Gruppen ergeben zusammen 37 Arbeiten.

*Ergebnis.* In Säugetieren überwiegend stimulierende Rolle von GLP-1 und GLP-1-RA in der Fortpflanzung, die über die reine Gewichtsabnahme hinausgehe; die Befunde zu den männlichen Gonaden seien „am widersprüchlichsten“. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Frauen (PCOS).

*Einordnung.* Frühe Übersicht (Recherche bis Februar 2019) mit dem Schwerpunkt Frau; für Männer eine Sammlung von Hypothesen, wobei die Autoren die Datenlage als widersprüchlich beschreiben.

### Vergleichende Einordnung der zusammenfassenden Arbeiten

Fasst man die quantitativen Arbeiten nebeneinander, ergibt sich folgendes Bild (alle Werte aus den Abschnitten oben).

| Arbeit | Studien | Endpunkt | Ergebnis | Heterogenität | Sicherheit der Evidenz |
|---|---|---|---|---|---|
| Salvio 2025 [s62] | 7 | Gesamttestosteron, SMD | 1,39 (0,70 bis 2,09) | I² 93 % | GRADE im Abstract nicht genannt; NOS: 3 gut, 1 ausreichend, 2 schlecht |
| Orra 2025 [s57] | 4 | Gesamttestosteron, MD | −129,96 ng/dl (−220,44 bis −39,48) (Anstieg) | I² 97 % | ROBINS-I moderat bis gering |
| Mirghani 2026 [s24] | 7 | Erektionswert, MD | 2,73 (1,64 bis 3,83) | I² 90 % | GRADE sehr niedrig |
| Ezici 2025 [s47] | 4 | IIEF-5, MD | 2,84 (−2,89 bis 8,57) | nicht angegeben | nicht angegeben |
| Yang B. 2025 [s63] | 3 | Erektionswert, GLP-1-RA gegen Metformin | Z = 2,41; p = 0,02 | I² 90 % | NOS 6 bis 8 |
| Yang L. 2026 [s36] | 23 RCT | Gesamttestosteron, GLP-1-Arm | nicht beziffert | nicht angegeben | CINeMA niedrig bis sehr niedrig |
| Peel 2026 [s28] | 3 (Liraglutid) | Spermienkonzentration, MD | 0,58 Mio./ml (−24,76 bis 25,91) | I² 38,1 % | GRADE sehr niedrig |

Drei Beobachtungen lassen sich festhalten. Erstens zeigen die drei Auswertungen mit bezifferten Hormonergebnissen [s62, s57, s24] im Vorher-Nachher-Vergleich oder gegen Antidiabetika höhere Gesamttestosteronwerte; die Auswertung von Ezici und Kollegen fand keinen signifikanten Unterschied [s47]. Gegenüber Hormontherapie war der Unterschied bei Salvio nicht signifikant, und gewichtsgleiche Kontrollen fehlen in allen Pools. Der einzige nach Gewichtsverlust aufgelöste Zusammenhang (Metaregression bei Salvio) spricht für einen über das Gewicht laufenden Effekt [s62]. Zweitens sind die Ergebnisse zur Erektionsfunktion richtungsgleich, aber nach GRADE von sehr niedriger Sicherheit und in der Größe nicht stabil [s24, s47, s63]. Drittens fehlt für Samenparameter und Fertilität jede quantitative Zusammenfassung mit Belastbarkeit; die einzige Metaanalyse zu Liraglutid ergab keinen Effekt (sehr niedrige Sicherheit), die einzelnen Studien zeigen Zuwächse in einer nicht randomisierten Studie [s88], aber nicht in der randomisierten Teilstudie [s96].

### Narrative Übersichten, Kommentare und Stellungnahmen

Die folgenden Arbeiten enthalten keine neuen Messwerte am Menschen. Sie ordnen Primärstudien ein, und ihr Gewicht liegt in der Methodik der Literaturauswahl und in der Vorsicht der Schlussfolgerung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich auf dieselben wenigen Primärstudien stützen (Abschnitt zur Überlappung).

#### Übersichten mit ausdrücklichem Bezug zu männlicher Fertilität

**Kaltsas und Kollegen 2026 [s13]** (Journal of Clinical Medicine). Strukturierte narrative Übersicht mit vorgeschlagenem Beratungsrahmen für Männer mit Kinderwunsch. Methodik offen dargestellt: ausdrücklich keine systematische Übersicht, keine PRISMA-Anwendung, Leitfaden SANRA; Suche nur in PubMed bis 10. August 2026 (3150 Treffer der unveränderten Suchanfrage bei der Wiederholung), zusätzlich ClinicalTrials.gov, Zulassungstexte und Leitlinien; nur englische Arbeiten; Quellen ohne Volltext wurden auf Abstract-Ebene bewertet. Ergebnis: Bei Männern mit Stoffwechselstörung berichten überwiegend Liraglutid- oder Semaglutid-Studien Anstiege des Gesamttestosterons; freies Testosteron uneinheitlich; keine ausgeprägte Gonadotropinsuppression wie unter Testosteron. Einige Studien zeigen günstige Samenveränderungen, aber die Stichproben seien klein, die Populationen uneinheitlich und der Medikamenteneffekt vom Gewichtsverlust nicht sicher zu trennen. Die Suche fand keine ausreichend gepowerte GLP-1-spezifische prospektive Studie mit vorab festgelegtem Endpunkt Spermien-DNA-Fragmentierung, natürliche Konzeption, assistierte Reproduktion, klinische Schwangerschaft oder Lebendgeburt, und keine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt. Zur väterlichen Exposition vor der Zeugung sei die Evidenz unzureichend; Hinweise zur Schwangerschaft im Beipackzettel belegten für sich kein Risiko durch väterliche Anwendung. Nach Aussage der Autoren sollen die Wirkstoffe für etablierte Stoffwechselindikationen eingesetzt werden, nicht als Mittel gegen männliche Unfruchtbarkeit; der Beratungsrahmen sei selbst entwickelt, nicht validiert. Stärke: klare Trennung von hormonellen, Samen-, Sexualfunktions- und Fertilitätsendpunkten sowie Offenlegung der Suchgrenzen. Schwäche: eine einzige Datenbank, englischsprachig, Beratungsrahmen ohne Validierung.

**Broul und Kollegen 2026 [s03]** (Andrology). Übersicht mit „Quellen-Triangulation“ aus Humanstudien, ClinicalTrials.gov, Zulassungstexten (FDA/EMA) und Patent- oder Pipeline-Unterlagen, jeweils mit eigenen Auswahlregeln. Ergebnis: Humanevidenz konzentriere sich auf GLP-1-RA, duale GLP-1/GIP-Agonisten, SGLT2-Hemmer und Metformin beziehungsweise väterliche Exposition; Daten zu Fertilität und Lebendgeburt seien spärlich; Studienregister enthielten mehr männliche Fortpflanzungsendpunkte als veröffentlicht; Zulassungstexte betrafen überwiegend Genitalsicherheit und präklinische Reproduktionstoxikologie; Patentansprüche seien keine klinische Evidenz. Änderungen von Hormonen, Sexualfunktion oder Samen könnten dem Stoffwechselerfolg folgen und belegten keine bessere Konzeption oder Geburt; die Arzneimittel sollten (so die Autoren) nach metabolischer Indikation gewählt werden, nicht als Mittel gegen ED oder Unfruchtbarkeit. Stärke: ungewöhnlich breite Quellenbasis, die zeigt, was jede Quellenart tragen kann. Schwäche: nur Abstract abgerufen, Auswahl und Zahlen nicht prüfbar. Der Hinweis, dass Studienregister mehr Endpunkte enthalten als Veröffentlichungen, deutet auf mögliche unveröffentlichte Ergebnisse hin, ohne sie zu quantifizieren.

**Varnum [s93], Pereira [s58], Pavli [s74].** *Varnum und Kollegen 2023* (Medicina): nicht systematische Übersicht, PubMed bis November 2023; Gewichtsverlust unter GLP-1-RA gehe mit besserer Spermienzahl, -konzentration und -motilität einher, der direkte Hormoneffekt bleibe unklar; Tenor: vielversprechend für adipöse Männer, Langzeitstudien nötig. *Pereira und Kollegen 2025* (Human Reproduction, Mini-Übersicht): GLP-1-RA könnten Motilität und Hormonmarker verbessern, „vereinzelte Fälle reversibler Verschlechterung der Spermienqualität“ seien berichtet; unklar, ob der Nutzen vom Gewichtsverlust oder vom Wirkstoff kommt; gefordert werden pragmatische Studien mit funktionellen Fertilitätsendpunkten und die Prüfung der Sicherheit in der Zeit vor der Zeugung. *Pavli und Kollegen 2024* (International Journal of Molecular Sciences): Übersicht zu medikamentös induziertem Gewichtsverlust und Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern; beim Mann veränderten sich unter medikamentösem Gewichtsverlust Hormonprofil, Spermienbeweglichkeit und -form, Gewicht der Fortpflanzungsorgane und Sexualfunktion; die Autoren vermerken, GLP-1-RA seien in geplanter Schwangerschaft nicht empfohlen und sollten dann abgesetzt werden (Aussage der Autoren; ob sie im Abstract auch auf die väterliche Anwendung zielt, geht daraus nicht hervor). Alle vier Arbeiten haben keine eigene Datenerhebung und nennen keine Effektgrößen im Abstract.

#### Übersichten zu Sexualfunktion und Erektion

**Kounatidis und Kollegen 2025 [s53]** (Biomolecules): „Freund oder Feind?“. Narrative Übersicht zum Einfluss von GLP-1-RA auf die Erektionsfunktion; die Vermutung günstiger Wirkung stütze sich auf experimentelle und klinische Arbeiten, zugleich gebe es vorläufige Berichte über eine mögliche Assoziation mit ED. **Fuentes-Mendoza und Kollegen 2026 [s10]** (Sexual Medicine Reviews): narrative Übersicht (PubMed, Scopus, Embase) zu Gewichtssenkern und Sexualfunktion; bei Männern zeigten GLP-1-RA „vielversprechende“ Ergebnisse für Erektion, Testosteron und Samenparameter; zu Tirzepatid gebe es Fallberichte über mögliche sexuelle Nebenwirkungen; Sexualendpunkte seien in Studien meist sekundär. **Olivares und Kollegen 2026 [s26]** (Translational Andrology and Urology): narrative Übersicht (Suche 20. März 2026) mit der Schlussfolgerung, zahlreiche Studien hätten Nutzen über Gewicht und Blutzucker hinaus gezeigt, einschließlich positiver Effekte auf männliche Sexual- und Fortpflanzungsfunktion. **Merhi 2026 [s23]** (Sexual Medicine Reviews): strukturierte Synthese in PubMed; bei Nagern hemmte Exendin-4 das Sexualverhalten hirnregionsabhängig, beim Menschen seien die Befunde gemischt (Pharmakovigilanzanalysen mit unbedeutenden Disproportionalitäten, eine Auswertung sozialer Medien mit gegensätzlichen Libidoberichten, die Cross-over-Studie bei gesunden Männern ohne Effekt auf Verlangen, Hormone und Samen); es bestehe eine Diskrepanz zwischen präklinischen und klinischen Daten. **Gelfand und Kollegen 2026 [s11]** (Obesity Pillars): narrative Analyse mit gezielter PubMed-Suche; entwickelt ein theoretisches Modell, nach dem GLP-1-RA über 5-HT2C-Rezeptoren das sexuelle Verlangen senken könnten, was durch Nebenwirkungen und höheres SHBG verstärkt, durch Testosteronanstieg, bessere Gefäßreaktion und Stimmung aber ausgeglichen würde; gefordert werden Längsschnittstudien. Das Modell ist eine Hypothese ohne Messwerte. **An und Kollegen 2025 [s43]** (Sexual Medicine Reviews): Überblick zu ED und Herz-Kreislauf-Erkrankung; erwähnt Kombinationen aus GLP-1-RA und Testosteron nur als Möglichkeit, ohne Daten zu GLP-1-RA zu erheben.

Gemeinsam ist dieser Gruppe: Die Einschätzung ist von „vielversprechend“ (Fuentes-Mendoza, Olivares) bis „gemischt“ (Merhi, Kounatidis) gestaffelt, und alle verweisen auf dieselbe Spannung zwischen verbesserten Erektionswerten in kleinen Studien und Warnsignalen aus Datenbanken [s41, s32, s20], denen Auswertungen mit gegenläufiger Richtung gegenüberstehen [s46, s60].

#### Übersichten zu Metabolismus, Hormonachse und Antidiabetika

**Antonič und Zitzmann 2025 [s44]** (The Aging Male): fokussierte Übersicht zur Kombination von Testosterontherapie mit modernen Adipositasmitteln. Lebensstiländerung sei Erstlinientherapie; GLP-1-RA senkten das Gewicht, aber mit Verlust an Muskelmasse; die Autoren präsentieren die Kombination von Testosteron und GLP-1-RA im Abstract als „neuen Behandlungsstandard“ für adipöse Männer mit funktionellem Hypogonadismus. Das ist eine Position der Autoren, die im Abstract nicht mit Zahlen belegt ist; die einzige zugehörige Studie des Pools ist eine Pilotstudie mit zehn Männern [s30]. **Paternò und Kollegen 2026 [s27]** (Reviews in Endocrine and Metabolic Disorders): Übersicht zu Antidiabetika und männlicher Fortpflanzungsfunktion; in Modellen verbesserten SGLT2-Hemmer und GLP-1-RA Spermienparameter und Hodenstruktur und dämpften oxidativen und entzündlichen Schaden; klinische Evidenz „begrenzt und teils widersprüchlich“; zu Tirzepatid vorläufig günstige Hinweise, direkte Daten zu Spermatogenese und Fertilität begrenzt. **Rabijewski 2023 [s91]** (Endokrynologia Polska): Übersicht zu Folgen der Adipositas beim Mann; sie hält Testosterontherapie bei adipösen Männern mit funktionellem Hypogonadismus, vor allem mit Kinderwunsch, für kontraindiziert und schreibt, GLP-1-Analoga erschienen „wirksam und sicher“ und könnten künftig die wichtigste medikamentöse Methode sein; das ist eine Wertung des Autors ohne Studienzahlen im Abstract, aus dem Jahr 2023, also vor den meisten hier besprochenen Daten. **Jensterle 2019 [s111]** siehe oben.

#### Kommentare, Meinungsbeiträge und Editorial

**Cannarella und Kollegen 2021 [s102]** (Andrology, Kommentar der Catania-Gruppe): GLP-1-RA erhöhten das Testosteron bei Männern mit funktionellem Hypogonadismus; ein Teil des Effekts sei auf Gewichtsverlust zurückzuführen, andere Hinweise sprächen für eine direkte Wirkung am Hoden; deshalb seien randomisierte Studien zur Hodenfunktion zu entwerfen. Eine Hypothese der Gruppe, die später die Catania-Studien [s88, s54] durchführte. **Du Plessis, Omolaoye und Cardona Maya 2024 [s70]** (Frontiers in Physiology, Meinungsbeitrag aus Dubai, „Eine Fabel der Vorsicht“): Methodik: PubMed-Abfrage vom 27. August 2024 mit 50 Treffern, davon 16 zum männlichen Faktor; keine systematische Suche. Die Arbeit verweist auf die dreimonatige Dauer der Spermatogenese, auf den Fallbericht zu Liraglutid [s123] und auf eine Arbeit über GLP-1-Signalwege, die die Testosteronbildung herunterregulieren könnten (zitiert nach [s70], Original nicht geprüft), und fordert Studien zu Samen, Hormonen, Dosis und Dauer. Die warnende Grundaussage stützt sich damit im Wesentlichen auf einen einzigen Fallbericht; das Abstract ist im Index leer. **Koufakis und Kollegen 2026 [s16]** (Diabetes & Metabolism, Editorial): väterliche Adipositas und Diabetes könnten das metabolische Risiko der Nachkommen erhöhen (kleine Effekte, Störfaktoren); Daten zur väterlichen Anwendung von GLP-1-RA seien „spärlich und fragmentarisch“; gefordert werden Studien mit väterlichem Stoffwechselprofil, Medikamentenexposition und Langzeitbeobachtung der Kinder. **Klotz 2026 [s15]** (Zentralblatt für Chirurgie, deutschsprachiger Titel „GLP-1-Rezeptoragonisten in Urologie und Andrologie: Indikationen, Chancen und klinisch relevante Nebenwirkungen“): narrative Übersicht mit systematischer PubMed-Suche 2020 bis 2026 zu ED, Hypogonadismus, Fertilität, Nephroprotektion, Prostatakrebs, Harnwegssymptomen und perioperativen Aspekten. Ergebnisse (nach dem Abstract): Anstieg des Gesamttestosterons und Verbesserung der Erektion bei adipositasbedingtem Hypogonadismus; als Warnsignal ein 4,5-fach erhöhtes Risiko neu aufgetretener ED bei nicht diabetischen adipösen Männern unter Semaglutid (entspricht der Auswertung von Able und Kollegen [s41]); neue urologische Nebenwirkungen in Fallberichten; kaum Daten für Frauen. Der Autor empfiehlt systematische andrologische Überwachung und Aufklärung; das ist die Position des Autors, keine Empfehlung dieser Studie. Die 4,5-fache Risikoangabe stammt aus einer Auswertung mit sehr kleinen Ereigniszahlen (siehe Abschnitt Beobachtungsstudien) und wird in der Übersicht ohne diese Einschränkung wiedergegeben.

**La Vignera und Condorelli 2026 [s19]** (Biomedicines): Übersicht über „unkonventionelle Anwendungen“ von Semaglutid und Tirzepatid in fünf Bereichen (Onkologie, Psychiatrie und Suchtmedizin, Orthopädie, ästhetische Medizin, menschliche Fortpflanzung); in der Reproduktionsmedizin führten metabolische Verbesserungen zu Nutzen bei PCOS und männlicher Fertilität, wobei Sicherheitsbedenken rund um die Empfängnis bestünden; über alle Bereiche stamme die Evidenz überwiegend aus präklinischen Modellen, Beobachtungskohorten und pharmakoepidemiologischen Studien, randomisierte Studien seien selten. Der Abschnitt zu Männern ist Teil einer breit angelegten Arbeit; die Autoren sind dieselben wie bei [s18].

#### Allgemeine Übersichten mit kurzen GLP-1-Abschnitten

**Becker und Kollegen 2026 [s02]** (JBRA Assisted Reproduction, portugiesisch- und englischsprachiger Raum): narrative Übersicht (PubMed, SciELO, LILACS; 47 Artikel) zu GLP-1-RA und Fruchtbarkeit bei Frauen mit PCOS; für Männer gibt das Abstract nichts an. Sie dient hier nur der Dokumentation, dass die portugiesischsprachige Literatur das Thema bei Frauen behandelt. **Bocu und Kollegen 2025 [s45]** (Arab Journal of Urology, Lebensstil und männliche Fertilität) und **Rocco und Kollegen 2025 [s61]** (Arab Journal of Urology, Adipositas und männliche Unfruchtbarkeit): narrative Übersichten ohne eigene Daten. Bocu und Kollegen berichten, Liraglutid habe bei Männern mit metabolischem Hypogonadismus Testosteron und Samenparameter deutlich verbessert, und Gewichtsverbesserung unter GLP-1-Analoga hänge mit besserer Spermienzahl, -konzentration und -beweglichkeit zusammen (die zugrunde liegenden Studien sind im abgerufenen Text nicht erkennbar). Rocco und Kollegen schreiben, bei Mäusen unter Hochfettdiät hätten GLP-1-RA das Serumtestosteron nicht hergestellt, aber Beweglichkeit, Mitochondrienaktivität und DNA-Fragmentation der Spermien verbessert, und sprechen von „aufkommendem Potenzial“. Beide Abschnitte sind kurz und ohne eigene Zahlen. **Yazıcı und Kollegen 2023 [s94]** (Obesity Facts, Türkei): narrative Übersicht zu den Folgeerkrankungen der Adipositas; zum Mann nennt sie niedriges Testosteron und niedriges SHBG bei Adipositas, Kisspeptin-vermittelte Wirkung von GLP-1 auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse und die randomisierte Studie mit Liraglutid gegen Testosterongel [s112]; Schwerpunkt der Fertilitätsabschnitte ist die Frau. Das Abstract wertet die Wirkung auf Fruchtbarkeit und Sexualhormone als günstig und nicht allein gewichtsvermittelt.

#### Russischsprachige Übersichten

Aus dem russischen Sprachraum liegen sechs narrative Übersichten ohne eigene Patientendaten vor [s39, s78, s79, s80, s81, s115]; die zugehörigen Recherchebefunde haben mehrere von ihnen mit den Originalen abgeglichen.

*Tyuzikov, Grekov und Smirnov 2026 [s39]* („Репродуктивные эффекты современных гипогликемических препаратов у бесплодных мужчин с сахарным диабетом 2 типа“ (Reproduktive Effekte moderner blutzuckersenkender Arzneimittel bei unfruchtbaren Männern mit Typ-2-Diabetes), Эффективная фармакотерапия): Volltext gelesen. Sie fasst GLP-1-RA, DPP-4-Hemmer, SGLT2-Hemmer und duale Inkretine zusammen und zitiert die Semaglutid-Studie, die Metaanalyse von Salvio, die Tirzepatid-Pilotstudie [s54], einen Einzelfall (42-jähriger Mann mit Azoospermie, nach Gewichtsverlust unter Semaglutid und Tirzepatid Besserung des Spermiogramms und natürliche Schwangerschaft der Partnerin nach acht Monaten) und ein Kongressabstract von Raheem und Kollegen (sieben Studien, 371 Männer; zitiert nach [s39]). Der Abgleich mit den Originalen ergab zwei Fehler: Die Übersicht gibt für Normalformen unter Semaglutid „2 % mit 95-%-KI 2,0 bis 3,5 gegenüber 4 % mit KI 2,0 bis 5,5“ an, im Original stehen dieselben Zahlen als Median und Interquartilbereich [s48]; und sie beschreibt die 25 Männer als solche mit „familiärer Hypercholesterinämie“, obwohl die Abkürzung „FH“ im Original funktionellen Hypogonadismus bedeutet. Außerdem spricht die Zusammenfassung von „eindeutiger“ Wirkung in „allen Studien und Metaanalysen“, was die kleinen, offenen, heterogenen Arbeiten nicht tragen.

*Chernova, Rozhivanov, Rozhivanova und Yesaulenko 2024 [s81]* (Вестник репродуктивного здоровья; Volltext gelesen): „Оценка влияния коррекции углеводного обмена и массы тела на эндогенную продукцию тестостерона у мужчин с сахарным диабетом 2 типа, ожирением и синдромом гипогонадизма“ (Bewertung des Einflusses der Korrektur von Kohlenhydratstoffwechsel und Körpergewicht auf die endogene Testosteronproduktion bei Männern mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und Hypogonadismus). Narrativ ohne Suchmethodik; trennt Lebensstil, Medikamente und Chirurgie und betont den Gewichtsverlust als Störgröße. Sie zitiert die Studie von Shao [s117] korrekt mit 176 Männern, 12 Wochen und einem Testosteronanstieg von 121,72 ± 56,73 gegenüber 34,67 ± 16,30 ng/dl, die Liraglutid-Studie von Giagulli [s121] und eine Studie mit 71 Patienten, deren Zuordnung zu GLP-1-RA unklar bleibt. Sie vermutet, einzelne Daten sprächen für einen größeren Anstieg, als der Gewichtsverlust allein erwarten lasse (Hypothese). Wie oben erwähnt, ist diese Arbeit als eigene Studie in einer anderen Übersicht fehlerhaft geführt [s18].

*Barsukov, Tazina und Faniev 2024 [s78]* (РМЖ. Мать и дитя): „Многогранность репродуктивных нарушений у пациентов с ожирением: взгляд эндокринолога, акушера-гинеколога и уролога“ (Vielgestaltigkeit reproduktiver Störungen bei Adipositas: Sicht von Endokrinologe, Gynäkologe und Urologe), beide Geschlechter. Zum Mann: GLP-1-Rezeptoren in Sertoli- und Leydig-Zellen; ein Mäuseversuch mit Exenatid; die Autoren folgern, Männer mit Adipositas, Hypogonadismus und Kinderwunsch könnten „eine ideale Gruppe“ für GLP-1-RA sein (Hypothese, belegt durch Tierdaten und indirekte Hinweise). Kurzer GLP-1-Teil, keine Methodik.

*Gamidov, Shatylko und Gasanov 2019 [s115]* (Ожирение и метаболизм): „Мужское здоровье и ожирение — диагностика и терапевтические подходы“ (Männergesundheit und Adipositas, Diagnostik und therapeutische Ansätze), eine Übersicht aus der Zeit vor Semaglutid und Tirzepatid, nur Liraglutid. Sie zitiert den Vergleich Liraglutid 3 mg gegen Testosterongel [s112] und gibt ihn korrekt wieder, erwähnt aber nicht, dass der Testosteronanstieg unter Liraglutid zahlenmäßig kleiner war als unter Testosteron.

*Merzlova und Kollegen 2024 [s80]* (Экспериментальная и клиническая гастроэнтерология): „Мужской гипогонадизм, ассоциированный с ожирением“ (Mit Adipositas assoziierter männlicher Hypogonadismus). Sie zitiert Giagulli, Jensterle und Shao nach den Originalabstracts und eine Infusionsstudie bei gesunden Männern (nach Izzi-Engbeaya, Original nicht abgerufen); die Einheit des Gewichtsverlusts (Prozent) weicht vom Original-Abstract (Kilogramm) ab. Die Autoren folgern, GLP-1-Agonisten könnten beim adipositasbedingten funktionellen Hypogonadismus Bedeutung haben, es fehlten aber klinische Studien zur direkten Rolle im Hodenstoffwechsel.

*Bratchikov, Tyuzikov, Grekov und Smirnov 2024 [s79]* (Андрология и генитальная хирургия): „Альтернативные негормональные методы восстановления тестостерона при мужском гипогонадизме с позиций доказательной медицины (обзор литературы)“ (Alternative nichthormonelle Methoden zur Wiederherstellung des Testosterons bei männlichem Hypogonadismus aus Sicht der evidenzbasierten Medizin, Literaturübersicht). Zitiert wird eine Metaanalyse (PubMed bis Oktober 2022), nach der klassische Antidiabetika kaum Testosteronanstiege zeigten und nur GLP-1-Analoga günstige Wirkungen auf Gewicht und Testosteron bei Männern mit niedrigem Testosteron und Adipositas; die Daten seien aber klein und heterogen, weitere randomisierte Studien nötig. Sie ist vorsichtiger als die Übersicht desselben Autorenteams [s39] und zeigt den Unterschied im Grad der Sicherheit innerhalb einer Gruppe.

#### Graue Literatur

**Lopez 2026 [s21]** ist ein nicht begutachteter Positionstext (Zenodo) zu niedrigem Testosteron „in der GLP-1-Ära“ mit ausdrücklich kommerziellem Bezug zu Nährstoffpräparaten. Er verweist auf Studien und Metaanalysen zu Testosteronanstiegen, ohne eine direkte gonadale Wirkung zu belegen, und wird hier nur zur Dokumentation genannt, nicht als Beleg verwendet.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

### Vorbemerkung zu Design und Verzerrung

Die Beobachtungsstudien zu GLP-1-RA bei Männern lassen sich in vier Gruppen ordnen: (1) Hormonkohorten, die Testosteron vor und unter Behandlung messen; (2) nicht randomisierte Vergleichsstudien mit Hormon- und Samenendpunkten, überwiegend aus einer einzigen Arbeitsgruppe; (3) Datenbankkohorten, Meldedatenauswertungen und eine genetische Näherungsstudie zur erektilen Dysfunktion; (4) Querschnittsstudien und Fallberichte. Fünf Verzerrungsquellen kehren in fast allen Arbeiten wieder und werden unten nicht jedes Mal wiederholt: Erstens ist der Gewichtsverlust eine Begleitwirkung, die für sich allein Testosteron und Samenparameter verändert; fast keine Studie kann Medikamenten- und Gewichtseffekt trennen. Zweitens führt die Auswahl nach auffälligen Ausgangswerten zur Regression zur Mitte: Wer wegen eines niedrigen Testosterons oder schlechten Spermiogramms eingeschlossen wird, hat bei der Nachmessung im Mittel höhere Werte, auch ohne Behandlung. Drittens besteht bei Datenbankkohorten Verzerrung durch die Behandlungswahl („Confounding by Indication“) und durch Entdeckung: Wer GLP-1-RA erhält, wird häufiger ärztlich gesehen. Viertens sind Endpunkte in Datenbanken Abrechnungs- und Verordnungscodes, nicht gemessene Funktion. Fünftens sind Männer, deren Testosteron überhaupt gemessen wurde, vorselektiert.

### Hormonkohorten und Vergleichsstudien zu Testosteron

#### Shao und Kollegen 2018 (China): Exenatid plus Metformin gegen Glimepirid plus Metformin [s117]

*Publikation.* Shao N, Yu XY, Yu YM et al., Andrologia 2018; Harbin Medical University. Multizentrische, vergleichende Beobachtungsstudie über 12 Wochen. Abstract abgerufen; weitere Angaben zur Population aus der Studientabelle der Metaanalyse [s62].

*Population und Intervention.* 176 adipöse Männer mit Typ-2-Diabetes und unzureichender Blutzuckereinstellung: 90 unter Exenatid (10 µg zweimal täglich) plus Metformin (1 g täglich), Alter 43,0 ± 8,5 Jahre; 86 unter Glimepirid (4 mg) plus Metformin, Alter 44,0 ± 7,0 Jahre; mittlerer BMI 30,5 beziehungsweise 30,3 kg/m² (laut Tabelle in [s62]).

*Ergebnisse.* Das Gesamttestosteron stieg unter Exenatid um 121,72 ± 56,73 ng/dl, unter Glimepirid um 34,67 ± 16,30 ng/dl. Der Anstieg war in beiden Gruppen größer bei Männern mit mindestens 5 % Gewichtsverlust. Die Testosteronänderung hing eng mit der Änderung des Taillenumfangs zusammen (r = −0,443; p < 0,001). Die Beurteilung der Sexualfunktion besserte sich unter Exenatid stärker (p < 0,001). Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.

*Stärken.* Mit 176 Männern die größte der hormonbezogenen Humanstudien zu einem klinisch eingesetzten GLP-1-RA, aktiver Vergleichsarm, Verzerrungsbewertung „gut“ (9 von 9 Punkten nach NOS bei Salvio und Kollegen [s62]).

*Schwächen.* Keine Randomisierung (Verzerrung durch die Behandlungswahl möglich); der Abstract nennt weder Ausgangswerte des Testosterons noch einen p-Wert oder ein Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied, die Streuung ist als Standardabweichung angegeben; keine Samenendpunkte; Glimepirid kann das Gewicht erhöhen, was den Unterschied zugunsten von Exenatid vergrößern kann (Einschätzung der Autoren von [s62]); der Gewichtsverlust ist der stärkste genannte Begleitfaktor, sodass ein direkter Wirkstoffeffekt nicht abgegrenzt werden kann.

*Einordnung.* Die einzige Humanstudie aus dem ostasiatischen Sprachraum, die Testosteron und Sexualfunktion unter einem GLP-1-RA gemeinsam misst. Sie gehört zu den wenigen Studien mit Gewichts- und Taillenbezug und stützt den Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und Testosteronanstieg, nicht aber einen davon unabhängigen Effekt.

#### Graybill und Kollegen 2021 (USA): Exenatid, neutraler Effekt auf Testosteron [s104]

*Publikation.* Graybill S, Hatfield J, Kravchenko M et al., Andrology 2021. Prospektive Kohortenstudie; Abstract abgerufen, Studienmerkmale aus den Tabellen von [s62, s57].

*Population.* 51 Männer mit Typ-2-Diabetes, die eine GLP-1-RA-Behandlung begannen (laut Tabellen Exenatid mit verlängerter Wirkung, 2 mg wöchentlich; ein Teilnehmer wurde später auf Dulaglutid umgestellt); mittleres Alter 57,6 ± 8,8 Jahre, BMI 34,9 ± 5,3 kg/m², Nachbeobachtung sechs Monate [s57].

*Ergebnisse.* Nach sechs Monaten lag der Gewichtsverlust bei 2,27 kg (p = 0,00162) und der HbA1c bei −0,7 % (p = 0,000503); das Gesamttestosteron änderte sich in der Gesamtgruppe nicht signifikant (nach [s57] 334 ± 126 gegenüber 339 ± 133 ng/dl). In Untergruppen: Bei Ausgangs-Gesamttestosteron unter 320 ng/dl stieg es von 238,5 ± 56,5 auf 272,2 ± 82,3 ng/dl, bei höheren Werten sank es von 438 ± 98,2 auf 412 ± 141,2 ng/dl (Unterschied p = 0,0172); das freie Testosteron stieg bei niedrigem Ausgangswert von 55,2 ± 12,8 auf 57,2 ± 17,6 pg/ml und fiel bei höherem von 74,7 ± 16,3 auf 64,2 ± 17,7 pg/ml (p = 0,00807). Bei einer HbA1c-Verbesserung um mindestens 1 % stieg das Testosteron von 351,6 ± 123,9 auf 394,4 ± 136,5 ng/dl, bei geringerer Verbesserung fiel es von 331,8 ± 128,6 auf 316,1 ± 126,2 ng/dl (p = 0,0413).

*Stärken.* Prospektive Erhebung, Männer unter realen Behandlungsbedingungen, Hormonmessung vor und nach der Behandlung.

*Schwächen.* Kein Vergleichsarm. Die Untergruppenanalysen nach dem Ausgangswert sind für Regression zur Mitte anfällig: Männer mit niedrigem Ausgangswert steigen im Mittel, solche mit hohem fallen im Mittel, auch ohne Wirkung. Der Gewichtsverlust war gering, und Orra und Kollegen führen als mögliche Erklärung des neutralen Befunds an, Exenatid habe eine kürzere Wirkdauer und geringere Affinität als Liraglutid, obwohl in der Studie nach den Tabellen eine Depotform (2 mg wöchentlich) verwendet wurde [s57]. Keine Gonadotropine und keine Samenparameter im Abstract.

*Einordnung.* Der Titel („neutrale Wirkung auf das Gesamttestosteron“) trifft die Gesamtgruppe; die Untergruppenbefunde weisen auf Abhängigkeit vom Ausgangswert und von der Blutzuckerbesserung hin, sind aber explorativ. Die Studie ist neben der Placebo-Cross-over-Studie [s72] die zweite mit einem neutralen Ergebnis.

#### Giagulli und Kollegen 2015 (Italien): Liraglutid zusätzlich zu Testosteronersatz [s121]

*Publikation.* Giagulli VA, Carbone MD, Ramunni MI et al., Andrology 2015. Retrospektive Beobachtungsstudie; Abstract abgerufen.

*Population und Intervention.* 43 adipöse Männer mit Typ-2-Diabetes und manifestem Hypogonadismus, die wegen kürzlich aufgetretener ED vorgestellt wurden (Alter 45 bis 59 Jahre). Gruppe 1: 30 Männer mit nach der Pubertät erworbenem Hypogonadismus (25 „dysfunktional“, 5 erworbener hypogonadotroper Hypogonadismus), Gruppe 2: 13 Männer mit vorpubertärem Hypogonadismus (10 Klinefelter-Syndrom, 3 idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus). Alle erhielten ein Jahr lang Testosteronundecanoat (1000 mg alle 12 Wochen) und Metformin (2000 bis 3000 mg täglich). Männer, die das glykämische Ziel verfehlten („schlechte Responder“, 16 in Gruppe 1, 10 in Gruppe 2), bekamen im zweiten Jahr zusätzlich Liraglutid (im Abstract als „1,2 µg/Tag“ angegeben, vermutlich 1,2 mg täglich; die Tabelle von [s62] nennt 1,2 mcg/Tag); gute Responder (14 und 3) blieben bei zwei Substanzen.

*Ergebnisse.* Nach dem ersten Jahr besserten sich ED (p < 0,01) und Stoffwechselparameter, ohne das glykämische Ziel zu erreichen; das Testosteron lag im Bereich junger Männer. Unter Liraglutid wurde das glykämische Ziel erreicht, das Körpergewicht sank (p < 0,01), SHBG (p < 0,05) und Testosteron (p < 0,01) stiegen weiter und der IIEF-Wert stieg. Bei den guten Respondern stiegen HbA1c (p < 0,05) und Gewicht (p < 0,04) im zweiten Jahr wieder an, ohne Verbesserung des IIEF.

*Stärken.* Langer Beobachtungszeitraum (zwei Jahre), Einbezug einer Gruppe mit angeborenem Hypogonadismus.

*Schwächen.* Die Zuteilung zu Liraglutid erfolgte nach dem Ansprechen auf Testosteron und Metformin, nicht zufällig; alle Männer standen unter Testosteronersatz, sodass das Testosteron nicht die Eigenproduktion widerspiegelt; vermischt sind Männer mit erworbenem und angeborenem Hypogonadismus (Klinefelter-Syndrom); keine Gonadotropine, kleine Gruppen; der Abstract enthält einen Einheitenfehler. In der Metaanalyse von Orra und Kollegen werden die Gruppen mit 30 und 13 Männern geführt, obwohl nur 16 und 10 Liraglutid erhielten [s57]; die Tabelle von Salvio und Kollegen gibt die behandelten Gruppen richtig mit 16 und 10 an [s62]. Bei Orra ist die Wirkung von Liraglutid dadurch verwässert.

*Einordnung.* Aus der Studie lässt sich weder auf die Wirkung auf die Eigenproduktion von Testosteron noch auf Fertilität schließen; unter Testosteronersatz ist die Samenbildung typischerweise unterdrückt, wie der Testosteronarm der Semaglutid-Studie zeigt (Konzentration −67 %) [s48]. Sie ist die früheste der gepoolten Studien und geht in alle vier quantitativen Metaanalysen ein [s62, s57, s24, s63].

#### Lisco und Kollegen 2024 (Italien): Lang wirksame GLP-1-RA bei Typ-2-Diabetes und ED [s73]

*Publikation.* Lisco G, Bartolomeo N, De Tullio A et al., Andrology 2024. Retrospektive Kohortenstudie; Abstract abgerufen (Studienmerkmale aus [s62]).

*Population.* 108 ambulante Männer mit Typ-2-Diabetes und ED (Alter im Median 60 Jahre; IIEF-5 zu Beginn 13 bis 19 Punkte), nach zwölf Monaten stabiler Behandlung: 63 unter GLP-1-RA (Liraglutid 1,2 mg täglich oder Dulaglutid 1,5 mg wöchentlich) zusätzlich zu Metformin, 45 unter Metformin allein. BMI 34 ± 1,7 gegenüber 33,7 ± 1,7 kg/m² [s62].

*Ergebnisse.* Unter GLP-1-RA plus Metformin sank der HbA1c von 8,3 ± 0,2 auf 7,0 ± 0,3 % (p < 0,0001), unter Metformin allein stieg er von 7,0 ± 0,5 auf 7,3 ± 0,4 % (p = 0,0007). Gegenüber Metformin allein: Gewicht −5,82 ± 0,69 kg, Taillenumfang −4,99 ± 0,6 cm, HbA1c −0,56 ± 0,13 %, Nüchternglukose −25,54 ± 3,09 mg/dl, Gesamttestosteron +41,41 ± 6,11 ng/dl, freies Testosteron +0,44 ± 0,09 ng/dl, IIEF-5 +2,26 ± 0,26 (jeweils p < 0,0001). Der IIEF-Zuwachs war stärker bei höherem Ausgangswert, bei Karotisstenose und bei Gewichtsverlust; wichtigster Bestimmungsfaktor des IIEF-Endwerts war die Behandlung mit GLP-1-RA plus Metformin (Koeffizient 2,74 ± 0,53; p < 0,0001).

*Stärken.* Kontrollgruppe, zwölf Monate, einheitliche Fragebogenerhebung, Verzerrungsbewertung „gut“ (7 von 9 Punkten nach NOS bei [s62]).

*Schwächen.* Retrospektiv; die Gruppen waren nicht gleich (Ausgangs-HbA1c 8,3 gegenüber 7,0 %), und GLP-1-RA werden bevorzugt bei Patienten mit hohem Risiko gegeben; keine Randomisierung, keine Verblindung; die Autoren betonen, dass Ursache und Wirkung nicht belegt sind. Der Abstand zwischen Gruppen in Gewicht und HbA1c erschwert die Trennung von Wirkstoff- und Stoffwechseleffekt; die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Verbesserung teilweise unabhängig von den erreichten Therapiezielen war.

*Einordnung.* Einer der Belege für einen höheren Erektionswert unter GLP-1-RA bei diabetischen Männern. Die Richtung (Verbesserung) steht im Gegensatz zu den Datenbankkohorten [s32, s41], die einen höheren Anteil neuer ED-Diagnosen finden; dort sind Endpunkt (Diagnosecode) und Population (neue Anwender ohne frühere ED) anders.

#### Portillo-Canales und Kollegen 2026 und Kongressabstract 2025: Inkretin-basierte Gewichtssenker und Testosteron [s29, s59]

*Publikation.* Portillo-Canales S, Iqbal I, Akande R et al., Endocrine Practice 2026 [s29]; Portillo Canales S, Iqbal I et al., Journal of the Endocrine Society 2025 (Kongressabstract) [s59]. Retrospektive Auswertung von Krankenakten; nur Abstracts abgerufen.

*Population.* Männer von 18 bis 89 Jahren, 2021 bis 2024; 215 mit Gesamttestosteron vor und unter Inkretintherapie, 61 mit gepaartem freiem Testosteron; Männer unter androgenbezogener Therapie ausgeschlossen. Mittleres Alter 55 ± 11 Jahre, BMI 36,3 ± 7,1 kg/m², 77 % mit Typ-2-Diabetes. Der Kongressabstract beschreibt 110 Männer mit Therapiedauer 1,6 ± 1,0 Jahren (Semaglutid, Dulaglutid, Tirzepatid). Ob sich beide Kollektive überlappen, geht aus den Abstracts nicht hervor.

*Ergebnisse.* Vollpublikation: Gewichtsverlust etwa 5 %, HbA1c −0,7 ± 1,6 % (p < 0,001). Gesamttestosteron 332 ± 134 auf 399 ± 152 ng/dl (p < 0,001); freies Testosteron 6,9 ± 3,0 auf 8,0 ± 4,2 ng/dl (p = 0,006); Gewichtsänderung korrelierte mit der Änderung von Gesamttestosteron (r = −0,28; p < 0,001) und freiem Testosteron (r = −0,26; p = 0,04); Anteil mit normalem Gesamttestosteron 67 % auf 86 % (p < 0,001). Kongressabstract: Gesamttestosteron 322 ± 111 auf 380 ± 130 ng/dl, freies Testosteron 7,0 ± 3,0 auf 8,2 ± 3,8 ng/dl, SHBG 36 ± 17 auf 38 ± 17 nmol/l (p = 0,23), normales Testosteron 53 % auf 77 %.

*Stärken.* Größte Hormonkohorte unter realen Bedingungen, freies Testosteron zusätzlich gemessen, Ausschluss androgenbezogener Therapien.

*Schwächen.* Retrospektiv und ohne Kontrollgruppe (Regression zur Mitte und Gewichtsverlust nicht von der Wirkung des Wirkstoffs trennbar); Männer mit gemessenem Testosteron sind vorselektiert; Mischung der Wirkstoffe; keine Gonadotropine berichtet; die Abstracts sind nicht in allen Zahlen deckungsgleich (zwei Kollektive). Die Schlussfolgerung der Autoren, die Ergebnisse stützten eine Rolle der Inkretine bei der Umkehr eines adipositasbedingten niedrigen Testosterons und könnten den Bedarf an Testosteronersatz verringern, ist eine Wertung, die über das Studiendesign hinausgeht.

*Einordnung.* Die Größenordnung des Testosteronanstiegs (etwa 58 bis 67 ng/dl bei etwa 5 % Gewichtsverlust beziehungsweise einer Therapiedauer von rund 1,6 Jahren) ist deutlich kleiner als in der Catania-Studie [s88] und liegt eher im Bereich der Kohorte von Lisco (+41 ng/dl gegenüber Kontrolle) [s73].

### Nicht randomisierte Studien mit Hormon-, Samen- und Sexualfunktionsendpunkten

#### La Vignera und Kollegen 2023 (Italien): Liraglutid bei metabolischem Hypogonadismus [s88, s89]

*Publikation.* La Vignera S, Condorelli RA, Calogero AE, Cannarella R, Aversa A, Journal of Clinical Medicine 2023 [s88]; Vorläufer als Kongressabstract im Journal of the Endocrine Society 2023 [s89]. Prospektive, nicht randomisierte Studie, Universität Catania; Abstract und Volltext abgerufen.

*Population.* 110 aufeinanderfolgend aufgenommene Männer von 18 bis 35 Jahren (Mittel 26 ± 6) mit Adipositas (BMI 30 bis 39,99 kg/m²), Taillenumfang über 94 cm, schwerer ED (IIEF-5 unter 7, ohne Ansprechen auf PDE5-Hemmer in den letzten drei Monaten), Gesamttestosteron unter 12 nmol/l, niedrig-normalen Gonadotropinen, erniedrigtem SHBG und HOMA-Index über 2,5. Ausgeschlossen waren primäre Hodenerkrankung (Kryptorchismus, Tumor, Varikozele jeden Grades, frühere Orchitis oder Torsion), erhöhtes Prolaktin oder TSH, Hypothalamus-Hypophysen-Läsionen, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, erhöhte Nüchternglukose und Diabetes. Alle folgten einer kohlenhydratarmen Kost (1400 bis 1800 kcal/Tag).

*Intervention.* Die Zuteilung richtete sich nach dem Kinderwunsch: Gruppe A (n = 35, aktiver Kinderwunsch) Urofollitropin 150 IE dreimal wöchentlich plus hCG 2000 IE zweimal wöchentlich; Gruppe B (n = 35, kein Kinderwunsch) Liraglutid, aufdosiert von 0,6 mg über 1,2, 1,8 und 2,4 mg bis 3,0 mg täglich ab der fünften Woche; Gruppe C (n = 40, bereits Vater) transdermales Testosterongel 2 % 60 mg täglich; jeweils vier Monate. Samenanalysen (WHO 2021) lagen nur für die Gruppen A und B vor.

*Ergebnisse (Mittelwert ± Standardabweichung, ANOVA mit Tukey-Kramer-Test).* Gruppe B: Gewicht 116 ± 10 auf 104 ± 6 kg (−10,3 %), BMI 36 ± 3 auf 30 ± 2 kg/m², Taillenumfang 108 ± 6 auf 99 ± 4 cm; Gesamttestosteron 1,4 ± 0,6 auf 4,1 ± 0,5 ng/ml (+192,9 %); SHBG 14,0 ± 3,0 auf 36,0 ± 4,0 nmol/l (+157,1 %). Nach der Behandlung lagen LH bei 1,0 (A), 3,2 (B) und 0,3 IU/l (C), FSH bei 0,9, 2,6 und 0,2 IU/l; der HOMA-Index bei 5,2, 3,1 und 4,8. Spermienbeweglichkeit in Gruppe B 14 ± 2 auf 34 ± 4 % (+142,9 %), in Gruppe A 12 ± 3 auf 19 ± 2 % (+58,3 %). Der Volltext nennt Konzentration und Morphologie nur als „signifikante Zunahme aller konventionellen Samenparameter“; die Werte (Konzentration 6 ± 2 auf 16 ± 4 Mio./ml, Morphologie 4 ± 2 auf 10 ± 2 %, jeweils p < 0,05) stehen im Kongressabstract [s89] und in der Auswertung von Peel und Kollegen [s28]. IIEF-5 in Gruppe B 4 ± 2 auf 21 ± 4; der Gebrauch von PDE5-Hemmern lag am Ende bei 31 % (B), 48 % (A) und 45 % (C).

*Stärken.* Die größte prospektive Studie mit Samenanalyse und klar definierter Population, mehrere Vergleichsgruppen, vollständige Hormonprofile, Ethikvotum.

*Schwächen.* (1) Keine Randomisierung; die Zuteilung nach Kinderwunsch trennt die Gruppen nach einem Merkmal, das mit der Fruchtbarkeit zusammenhängt (Gruppe C besteht aus Vätern), und vergleicht grundverschiedene Wirkstoffe; Gruppe A erhielt eine Behandlung mit anderem Ziel. (2) Keine Placebo- und keine Diätkontrolle; die Autoren nennen selbst die kleine Stichprobe, das Fehlen von Placebo und das Fehlen kontrollierter Bewegung. (3) Die Effektgrößen (fast Verdreifachung des Testosterons, IIEF-5 von 4 auf 21 in vier Monaten) sind sehr groß im Vergleich zu den randomisierten Studien [s48, s112]. (4) Die statistische Methode (einfaktorielle Varianzanalyse für Veränderungen innerhalb der Gruppen) ist für Vorher-Nachher-Daten nicht ideal. (5) Keine Angaben zu Schwangerschaften; Männer mit Diabetes waren ausgeschlossen, sodass die Ergebnisse nicht auf Männer mit Typ-2-Diabetes übertragbar sind. (6) Die Studie ist die Hauptquelle der Heterogenität in den Metaanalysen [s62, s57] und wurde dort sehr unterschiedlich bewertet (NOS 4 von 9, „schlecht“ [s62]; ROBINS-I „geringes Risiko“ [s57]). Die Arbeitsgruppe, die die Studie durchführte, hat auch die Kommentare [s102] und Übersichten [s18, s19] verfasst.

*Einordnung.* Die Studie berichtet als einzige der Gesamtstudie große Zuwächse von Konzentration und Morphologie unter Liraglutid. Sie lässt offen, ob der Zuwachs auf den Wirkstoff, den Gewichtsverlust (Mittel −10,3 %) oder die Kost zurückgeht; die randomisierte Studie mit Diät, Training und Liraglutid [s96] fand keinen zusätzlichen Effekt von Liraglutid über die Diät hinaus. Die Autoren nennen laufende placebokontrollierte Studien; veröffentlichte Ergebnisse dazu liegen der Gesamtstudie nicht vor.

#### La Vignera und Kollegen 2025 (Italien): Tirzepatid bei metabolischem Hypogonadismus [s54]

*Publikation.* La Vignera S, Cannarella R, Garofalo V et al., Reproductive Biology and Endocrinology 2025. Kontrollierte prospektive Pilotstudie; Abstract und Volltext abgerufen.

*Population und Intervention.* 83 adipöse Männer mit metabolischem Hypogonadismus (Alter 55,3 ± 5,5 Jahre, BMI 34,9 ± 3,5 kg/m²), ausgeschlossen bei kürzlicher Einnahme von Mitteln gegen Hochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Diabetes, Antiandrogenen oder bei erhöhtem Prolaktin. Gruppe A (n = 28) Tirzepatid 2,5 mg wöchentlich im ersten Monat, danach 5 mg; Gruppe B (n = 30) keine Medikation; Gruppe C (n = 25) transdermales Testosteron. Alle: Kaloriendefizit von 20 % und täglich 20 Minuten zügiges Gehen; Auswertung nach zwei Monaten. Die Zuteilung war nicht zufällig.

*Ausgangslage.* Signifikant verschieden waren Taillenumfang (höher in B: 116 gegenüber 109 cm), Binge-Eating-Score (höher in A) und LH (A: 2,6; B: 2,2; C: 2,3 mIU/ml; p = 0,008); die Magermasse unterschied sich insgesamt (p = 0,032; Tabelle: niedrigster Wert in A, im Abstract als in A höher bezeichnet; im Post-hoc-Test kein signifikanter Paarunterschied). Gesamttestosteron zu Beginn im Median 186,5 (A), 192 (B), 186 ng/dl (C).

*Ergebnisse (Mediane).* Gesamttestosteron nach zwei Monaten: A 424 (384 bis 457) ng/dl, B 266 (235 bis 280), C 272 (254 bis 290); prozentuale Änderung +128,5 % (113,9 bis 160,7) in A gegenüber +44,3 % in B und +46,2 % in C (p < 0,00001). Körpergewicht −8,1 % (−9,9 bis −6,1) gegenüber −2,4 % und −3,0 % (p = 0,0007). LH stieg in A von 2,6 auf 4,5, FSH von 1,8 auf 3,2 mIU/ml; Östradiol sank von 33 auf 11 pg/ml (−60,0 %) in A, sank in B von 36,5 auf 33 pg/ml und stieg in C von 33 auf 40 pg/ml. In Gruppe C fielen LH (auf 1,8) und FSH (auf 1,2 mIU/ml) wie unter Testosteron erwartet. In A stiegen auch SHBG, freies und bioverfügbares Testosteron stärker als in B und C; der IIEF-5 stieg stärker als in B, nicht aber gegenüber C; die Magermasse nahm zu. Keine Behandlung musste wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden.

*Stärken.* Mehrere gleichzeitige Vergleichsgruppen, Gewichts-, Hormon- und Körperzusammensetzungsdaten, einheitliche Diät- und Bewegungsvorgabe.

*Schwächen.* Keine Randomisierung, keine Verblindung, nur zwei Monate; Ausgangsunterschiede zwischen den Gruppen (Taillenumfang, Binge-Eating-Score, Magermasse, LH); keine Samenanalyse und damit keine Aussage zur Fertilität; auch die unbehandelte Gruppe zeigte erhebliche Hormonanstiege (+44 %) durch Diät und Bewegung. Auffällig ist, dass der Testosteronarm nur 272 ng/dl erreichte, weniger als der Tirzepatid-Arm. Der Volltext und der Kongressabstract zur Tirzepatid-Studie stellen den LH-Ausgangswert unterschiedlich dar.

*Einordnung.* Bisher die einzige Studie mit Kontrollgruppen zu Tirzepatid bei Männern mit Hormonendpunkten; eine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt fehlt [s13]. Die Größe des Effekts nach zwei Monaten (nahezu Verdreifachung gegenüber +44 % unter Diät) übertrifft die Befunde der Kohorten und der randomisierten Studien deutlich und kann nicht ohne Bestätigung gewertet werden.

#### Bobkov, Rozhivanov und Vityazeva 2021 (Russland): Ejakulatparameter unter Liraglutid [s106]

*Publikation.* Бобков Д.Н. et al., „Показатели качества эякулята мужчин с астенозооспермией и астенотератозооспермией на фоне лечения ожирения лираглутидом“ (Parameter der Ejakulatqualität bei Männern mit Asthenozoospermie und Asthenoteratozoospermie unter Adipositastherapie mit Liraglutid), Ожирение и метаболизм 2021; Endokrinologisches Forschungszentrum Moskau. Volltext abgerufen.

*Design und Population.* Einzentrische, prospektive, einarmige, unkontrollierte Pilotstudie über sechs Monate (Juli 2020 bis März 2021), Ethikvotum, fortlaufende Aufnahme, keine Fallzahlplanung. 30 Männer von 23 bis 30 Jahren (Median 28), kinderlose Paare seit mindestens einem Jahr, alimentäre viszerale Adipositas (Taillenumfang ab 98 cm) und Asthenozoospermie oder Asthenoteratozoospermie; ausgeschlossen waren unter anderem BMI über 35 kg/m², Hodenvolumen unter 15 ml, Kryptorchismus, Varikozele, Diabetes, Hypogonadismus (Testosteron unter 12 nmol/l) sowie Oligo-, Kryptozoo- und Azoospermie.

*Intervention und Messung.* Rat zu Gewichtsabnahme (kalorienarme Ernährung, tägliche aerobe Bewegung) und Liraglutid einmal täglich, individuell dosiert, im Mittel 2,4 (2,4 bis 3,0) mg. Spermiogramm nach WHO 2010, zweimal analysiert, das beste Ergebnis gewertet; antioxidative Aktivität und reaktive Sauerstoffspezies (ROS) im Ejakulat. Wilcoxon-Test, Median und Interquartilbereich; wegen Mehrfachvergleichen Bonferroni-Korrektur, signifikant nur p < 0,005.

*Ergebnisse (Median (Interquartilbereich), Ausgang gegen 6 Monate).*

| Parameter | Ausgang | 6 Monate | p |
|---|---|---|---|
| BMI (kg/m²) | 31,8 (30,1 bis 33,4) | 28,1 (26,5 bis 29,7) | < 0,001 |
| Gewicht (kg) | 97 (92 bis 100) | 86 (80 bis 89) | < 0,001 |
| Spermienzahl (Mio. pro ml) | 55 (43 bis 65) | 57 (43 bis 69) | 0,007 |
| Lebende Spermien (%) | 92 (90 bis 95) | 95 (92 bis 98) | < 0,001 |
| Beweglichkeit A+B (%) | 25 (15 bis 36) | 35 (19 bis 52) | < 0,001 |
| Normalformen (%) | 5 (3 bis 6) | 6 (3 bis 8) | < 0,001 |
| Antioxidative Aktivität (mM-Äquivalente) | 1,2 (0,9 bis 1,4) | 2,8 (2,0 bis 3,1) | < 0,001 |
| ROS, natives Ejakulat | 6,7 (4,6 bis 9,0) | 4,7 (3,1 bis 6,9) | < 0,001 |
| ROS, gewaschene Spermien | 1,8 (1,3 bis 4,8) | 1,8 (1,5 bis 6,1) | 0,678 |

Der Gewichtsverlust betrug 11,7 %; unerwünschte Ereignisse traten nicht auf; Hormone wurden nicht berichtet.

*Stärken.* Prospektiv, klare Ausschlusskriterien (Diabetes, Hypogonadismus, andrologische Ursachen), WHO-Methodik, doppelte Spermiogramme, Mehrfachtest-Korrektur, offene Angabe des verfehlten Endpunkts.

*Schwächen.* Nach der eigenen Schwelle (p < 0,005) ist der Anstieg der Spermienzahl (p = 0,007) nicht signifikant, was die Autoren selbst schreiben. Die Normalformen stiegen im Median um einen Prozentpunkt (5 auf 6 %) bei weitgehend überlappenden Interquartilbereichen. Auswahl nach auffälligem Spermiogramm und „bestes von zwei Ergebnissen“ begünstigen Regression zur Mitte; Diät und Bewegung als Co-Intervention; individuelle Dosierung; keine Hormone, keine DNA-Fragmentation, keine Schwangerschaften; nur junge Männer ohne Diabetes bis BMI 35. Die Autoren schreiben selbst, große Arbeiten zu Liraglutid und Spermatogenese fehlten.

*Einordnung.* Die einzige interventionsähnliche Humanstudie zu GLP-1-RA und Ejakulat aus dem russischsprachigen Raum; sie generiert eine Hypothese. Bemerkenswert ist, dass die Spermienzahl, anders als in der Catania-Studie [s88], praktisch unverändert blieb (55 auf 57 Mio./ml), während Beweglichkeit und ROS-Parameter sich besserten.

#### Seminara und Kollegen 2026: Testosteronzusatz bei späten Ansprechern auf Tirzepatid [s30]

*Publikation.* Seminara G, Leuzzi M, Meduri L et al., Minerva Endocrinology 2026. Pilotstudie; Abstract abgerufen.

*Design und Population.* Zehn adipöse Männer (35 bis 44 Jahre, BMI 35,8 ± 2,1 kg/m²) mit funktionellem sekundärem Hypogonadismus, die nach mindestens drei Monaten Tirzepatid weniger als 5 % Gewicht verloren hatten („späte Ansprecher“). Zuteilung zu Tirzepatid allein (n = 5) oder Tirzepatid plus Testosteronundecanoat 1000 mg intramuskulär (n = 5); Kontrolle nach sechs Monaten mit Körperzusammensetzung (DXA), Hormon- und Stoffwechselprofil, IIEF-5 und Fragebogen zur körperlichen Aktivität.

*Ergebnisse.* Gruppe B hatte stärkere Gewichts- und Fettmassenabnahme (p < 0,05); die Magermasse erholte sich in B (66,1 ± 3,1 gegenüber 63,4 ± 3,0 kg in A; p < 0,01); HOMA-IR 2,9 ± 0,6 gegenüber 3,8 ± 0,7 (p < 0,01); IIEF-5 23,2 ± 2,1 gegenüber 18,0 ± 1,5 (p < 0,001); die körperliche Aktivität verdoppelte sich nahezu (p < 0,001).

*Stärken/Schwächen.* Mit fünf Männern je Gruppe, einer Zuteilung, die im Abstract nicht als randomisiert bezeichnet wird, und gleichzeitiger Gabe von Testosteron lassen sich die Wirkung von Testosteron und die von Tirzepatid nicht trennen; die Studie zeigt, was Testosteron bei Männern bewirkt, die auf Tirzepatid schlecht ansprachen, und sagt nichts über Tirzepatid selbst. Bei Testosterongabe ist mit unterdrückter Samenbildung zu rechnen (siehe den Testosteronarm der Semaglutid-Studie [s48]); Samenparameter wurden in dieser Studie nicht erhoben. Weitere Werte für Gruppe A nennt der Abstract nicht. Die Übersicht von La Vignera und Condorelli gibt diese Studie fälschlich als randomisiert mit 18 Männern wieder [s18]; Zafrani und Kollegen führen sie korrekt als Pilotstudie mit zehn Männern [s37].

#### Mendias und Awan 2026, Vorabdruck: Mehrkomponenten-Protokoll bei therapierefraktärer ED [s22]

*Publikation.* Mendias CL, Awan TM, Preprints.org 2026. Retrospektive Fallserie; nicht begutachtet; Abstract abgerufen.

*Population.* 71 hypogonadale Männer (38 normoglykämisch, 33 mit Typ-2-Diabetes) mit therapierefraktärer ED. Alle Männer erhielten ein Bündel aus Stoßwellen, Laser, Ultraschall, Training, Tadalafil, Testosteroncypionat und Beratung; die Männer mit Diabetes zusätzlich Tirzepatid 2,5 bis 7,5 mg wöchentlich.

*Ergebnisse.* Alle verbesserten sich auf einen Erektionshärte-Score von mindestens 3; 68 % (normoglykämisch) und 58 % (Diabetes) erreichten Stufe 4. Der HbA1c sank von 9,2 auf 6,2 %.

*Beurteilung.* Ohne Kontrollgruppe und mit sieben gleichzeitigen Maßnahmen ist kein Beitrag von Tirzepatid ableitbar; im Gegenteil erreichten die normoglykämischen Männer ohne Tirzepatid ähnliche Werte (68 gegenüber 58 %), was gegen einen entscheidenden Beitrag des Wirkstoffs zur Erektionshärte spricht (Beobachtung, kein Beleg). Nicht begutachtet; die Zahlen sind nicht prüfbar.

#### Guo und Kollegen 2026 (China): Semaglutid bei MOSH, DNA-Methylierung und miRNA [s12]

*Publikation.* Guo Y, Su J, Shen L et al., Scientific Reports 2026; Seventh Affiliated Hospital, Sun Yat-sen University, Shenzhen. Explorative Beobachtungsstudie am Menschen; Abstract abgerufen.

*Design und Population.* Männlicher adipositasassoziierter sekundärer Hypogonadismus (MOSH) bei schwer adipösen Männern; 13 Proben: Kontrollgruppe (n = 2), MOSH-Gruppe (n = 7) und Nachbeobachtungsgruppe unter Semaglutid (n = 4); die miRNA-Sequenzierung erfolgte an 2, 7 und 2 Proben. Auswertung mit limma und clusterProfiler, Regulations- und Protein-Interaktionsnetzwerk.

*Ergebnisse.* Sechs differenziell exprimierte miRNA (Zielgene vor allem in ATP-Bindung, Phosphorylierung, Zelladhäsion, Glykosphingolipid-Biosynthese); 80 differenziell methylierte Gene, die meisten auf dem X-Chromosom; hsa-miR-423-5p reguliert die meisten; im Netzwerk am stärksten vernetzt DPP6, DPP10, CACNA1C und CNTNAP2; veränderte CpG-Methylierung auf Chromosom 7 mit unklarer funktioneller Bedeutung.

*Beurteilung.* Der Abstract nennt keine Testosteronwerte, Samenparameter oder Sexualfunktionsendpunkte; die Titelaussage betrifft Gene des Glukose- und Fettstoffwechsels. Mit 2, 7 und 4 Personen sind keine belastbaren Gruppenvergleiche möglich; die Autoren bezeichnen die Ergebnisse selbst als explorativ und hypothesengenerierend. Für Fertilität oder Hormone ist die Studie nicht aussagekräftig; sie ist hier aufgeführt, weil sie zu den sehr wenigen Humandaten unter Semaglutid bei einem männlichen Hypogonadismus-Kollektiv gehört.

### Erektile Funktion: Datenbankkohorten, Meldedaten und genetische Näherung

Die folgenden sechs Arbeiten beantworten dieselbe Frage mit sehr unterschiedlichen Mitteln und kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Eine gemeinsame Zusammenschau steht am Ende dieses Abschnitts.

#### Able und Kollegen 2025: Semaglutid bei nicht diabetischen adipösen Männern, TriNetX [s41]

*Publikation.* Able C, Liao B, Saffati G et al., International Journal of Impotence Research 2025. Retrospektive Kohortenstudie mit der Datenbank TriNetX; Abstract abgerufen.

*Design und Population.* Männer von 18 bis 50 Jahren ohne Diabetes (keine Diabetesdiagnose, HbA1c höchstens 6,5 %, nie Insulin oder Metformin) mit BMI über 30 kg/m², denen nach dem 1. Juni 2021 (Zulassung für Gewichtsabnahme) Semaglutid verordnet wurde. Ausgeschlossen waren frühere ED-Diagnose, PDE5-Hemmer, intrakavernöse Injektionen, Penisprothese, Testosteronmangel oder -verordnung in der Vorgeschichte, Beckenbestrahlung, radikale Prostatektomie und pulmonale Hypertonie. Es wurden 3094 Männer mit Semaglutid-Verordnung (Alter bei Verordnung 37,8 ± 7,8 Jahre, BMI 38,6 ± 5,6) mit einer gleich großen Gruppe nicht exponierter Männer verglichen (Matching; die Abgleichsvariablen nennt der Abstract nicht).

*Endpunkte und Ergebnisse.* Primär: neue ED-Diagnose oder neue PDE5-Hemmer-Verordnung mindestens einen Monat nach der Verordnung; sekundär: Diagnose Testosteronmangel. Ergebnis: 1,47 % gegenüber 0,32 % (Risikoverhältnis 4,5; 95-%-KI 2,3 bis 9,0) und 1,53 % gegenüber 0,80 % (RR 1,9; KI 1,2 bis 3,1). Aus den Prozentwerten ergeben sich rechnerisch rund 45 gegenüber 10 Männern mit dem primären Ereignis (eigene Rechnung, im Abstract nicht genannt).

*Stärken.* Große Stichprobe, Beschränkung auf nicht diabetische Männer (keine Vermischung mit diabetesbedingter ED), klare Ausschlusskriterien, Fragestellung zu einer sehr häufig verwendeten Anwendung (Gewichtsabnahme).

*Schwächen.* Sehr niedrige Ereigniszahlen mit entsprechend breitem Konfidenzintervall; Datenbank mit Abrechnungs- und Verordnungscodes (der Endpunkt „ED oder PDE5-Hemmer“ ist kein gemessener Erektionswert); mögliche Entdeckungsverzerrung (wer in Behandlung ist, wird häufiger angesprochen und kommt häufiger zu Verordnungen); keine aktive Vergleichsgruppe (Vergleich mit Männern ohne Verordnung, die sich in Gewichtsverlauf und Arztkontakt unterscheiden können); der Gewichtsverlust selbst ist ein möglicher Auslöser sexueller Aktivität und damit von PDE5-Verordnungen; die Informationen zum Matching fehlen. Der Abstract weist darauf hin, dass die Packungsbeilagen sexuelle Funktionsstörung als Nebenwirkung führen.

*Einordnung.* Häufig zitiert (unter anderem in [s15, s32]) und das stärkste Warnsignal der Beobachtungsliteratur, aber ohne Dosis, ohne Zeitverlauf und ohne Vergleich mit einer Gewichtsabnahme auf anderem Weg. Die Zahl „4,5-fach“ beschreibt ein relatives Risiko bei sehr seltenem Ereignis.

#### Tang und Kollegen 2026 (USA): Target-Trial-Emulation, GLP-1-RA gegen DPP-4-Hemmer bei Typ-2-Diabetes [s32]

*Publikation.* Tang H, Lu Y, Zhang B et al., EClinicalMedicine 2026; Penn Medicine (University of Pennsylvania Health System), gefördert von den US-amerikanischen National Institutes of Health. Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Emulation einer Zielstudie mit elektronischen Krankenakten (Januar 2019 bis September 2024; Gesundheitssystem mit mehr als 6,5 Millionen Patienten). Erwachsene Männer mit Typ-2-Diabetes (ICD-10 E11), die ein GLP-1-RA oder einen DPP-4-Hemmer neu begannen (Auswaschphase ein Jahr); Ausschluss früherer ED und Dialyse. Endpunkt: erstmalige ED-Diagnose (ICD-10 N52), Beobachtung bis ED, Tod oder 30. September 2024 (Intention-to-treat). Gewichtung mit stabilisierter inverser Wahrscheinlichkeitsgewichtung (sIPTW), Cox-Modelle, Subgruppen, Sensitivitätsanalysen (Standard-IPTW, Matching, SGLT2-Hemmer als anderer Vergleich), Kalibrierung mit 38 Negativkontroll-Endpunkten und externe Validierung in TriNetX.

*Population.* Vor der Gewichtung 4864 Männer unter GLP-1-RA und 5568 unter DPP-4-Hemmern; die Gruppen unterschieden sich stark (Alter 58,7 gegenüber 66,2 Jahre; BMI 35,3 gegenüber 30,5 kg/m²; Adipositasdiagnose 37,2 gegenüber 16,7 %; Sulfonylharnstoffe 16,9 gegenüber 28,3 %). Nach Gewichtung 4910 und 5524 mit standardisierten Differenzen unter 0,1 für die Schlüsselvariablen. HbA1c fehlte bei 40,3 % der Männer und wurde einfach imputiert.

*Ergebnisse.* Vor der Gewichtung: 557 Ereignisse bei 4864 (44,4 pro 1000 Personenjahre) gegenüber 422 bei 5568 (24,6); Hazard Ratio 1,78 (KI 1,57 bis 2,02). Nach Gewichtung: 495 von 4910 gegenüber 451 von 5524, 35,2 gegenüber 28,0 pro 1000 Personenjahre; HR 1,26 (KI 1,08 bis 1,46; p = 0,004); mittlere Nachbeobachtung 2,86 gegenüber 2,92 Jahre. Subgruppen und Sensitivitätsanalysen (einschließlich SGLT2-Hemmer als Vergleich) ergaben ähnliche Ergebnisse, bei Einzelwirkstoffen eine höhere Rate unter Dulaglutid, andere Schätzungen ungenau; keine signifikante Wechselwirkung. In der externen Validierung (224 022 Anwender von GLP-1-RA und 114 660 von DPP-4-Hemmern in TriNetX, 98 131 gematchte Paare, Nachbeobachtung 2,68 gegenüber 3,31 Jahre) betrug die HR 1,13 (KI 1,10 bis 1,17). Nach Kalibrierung mit Negativkontroll-Endpunkten blieb die Richtung gleich, der Zusammenhang war aber abgeschwächt und nicht mehr signifikant.

*Stärken.* Methodisch die anspruchsvollste Beobachtungsstudie zur ED: aktiver Vergleich, Neuanwender-Design, Gewichtung, Negativkontrollen, externe Validierung, nicht kommerzielle Förderung.

*Schwächen.* Der Endpunkt ist ein Diagnosecode, der leichte Fälle verfehlt; Diabetesdauer und Vorbehandlung fehlten oder waren unvollständig; ein erheblicher Teil des Rohunterschieds (HR 1,78) verschwand durch Gewichtung, was auf starke Confounding-Anteile hinweist; Gewichtsverlauf und Blutzuckerverlauf nach Beginn wurden nicht als Mediatoren untersucht; die Behandlungsgruppen weisen unterschiedliche Nachbeobachtungsdauern auf. Die Autoren schreiben selbst, die Ergebnisse könnten Rest- oder Selektionsverzerrung widerspiegeln und belegten keine Kausalität; sie halten autonome Funktionsänderungen als mögliche Erklärung für denkbar (Hypothese).

*Einordnung.* Die Studie ergibt eine mäßig erhöhte Rate neuer ED-Diagnosen gegenüber DPP-4-Hemmern, die nach Kalibrierung nicht mehr statistisch gesichert ist. Das spricht für Verzerrung, schließt einen Effekt aber nicht aus. Gegenläufig dazu steht eine explorative Auswertung der REWIND-Studie mit Dulaglutid gegen Placebo (HR 0,92; KI 0,85 bis 0,99; zitiert nach [s63], die Originalarbeit liegt nicht vor), während die Datenbank bei Dulaglutid eine höhere Rate sah.

#### Cowart und Kollegen 2025: Tirzepatid und ED bei Typ-2-Diabetes [s46]

*Publikation.* Cowart K, Murphy C, Carris N, Journal of Diabetes and Its Complications 2025. Retrospektive Kohortenstudie mit TriNetX; Abstract abgerufen.

*Design und Population.* Männer von 18 bis 70 Jahren mit Typ-2-Diabetes und ohne frühere ED, 13. Mai 2022 bis 17. Mai 2025. Drei Eins-zu-eins-Vergleiche nach Propensity-Score: Tirzepatid gegen Sitagliptin, gegen injizierbares Semaglutid und gegen Dulaglutid. Endpunkt: ED-Diagnose oder PDE5-Hemmer-Verordnung.

*Ergebnisse.* Risikoverhältnisse für den zusammengesetzten Endpunkt: Tirzepatid gegen Sitagliptin 0,70 (KI 0,64 bis 0,76), gegen Semaglutid 0,67 (0,62 bis 0,72), gegen Dulaglutid 0,55 (0,51 bis 0,59); alle p < 0,001. Fallzahlen nennt der Abstract nicht.

*Stärken.* Aktive Vergleichsgruppen, mehrere Vergleiche, Propensity-Score-Matching.

*Schwächen.* Keine Fallzahlen im Abstract, Datenbankcodes als Endpunkt; Tirzepatid ist in dem Beobachtungsfenster (ab 13. Mai 2022) neu, sodass Anwender, Verordnungsmuster und Nachbeobachtungsdauer von den Vergleichswirkstoffen abweichen können (Einschätzung); die Studie vergleicht Wirkstoffe untereinander und beantwortet damit nicht, ob die Anwendung insgesamt ED erhöht oder senkt.

*Einordnung.* Eine geringere ED-Rate unter Tirzepatid gegenüber anderen Antidiabetika; die Richtung ist gegenläufig zu Tang und Able, wobei Population, Vergleich und Endpunkt verschieden sind. Dass die größte Differenz gegenüber Dulaglutid besteht, passt zu der höheren Rate unter Dulaglutid in der Subgruppe von Tang [s32], steht aber im Gegensatz zum fehlenden Signal für Dulaglutid in der FAERS-Auswertung [s20].

#### Pourabhari Langroudi und Kollegen 2025: Meldedaten zu männlicher sexueller Dysfunktion [s60]

*Publikation.* Pourabhari Langroudi A, Chen AL, Basran S et al., International Journal of Impotence Research 2025. Querschnittsauswertung der FDA-Spontanmeldungen (FAERS); Abstract abgerufen.

*Design und Ergebnisse.* Meldungen vom vierten Quartal 2003 bis zum ersten Quartal 2024 mit der Plattform OpenVigil 2.1; männliche Meldungen zu Orgasmusstörung, ED oder vermindertem Verlangen unter Tirzepatid, Semaglutid, Dulaglutid, Exenatid, Lixisenatid und Liraglutid; Disproportionalitätsmaße ROR, PRR und RRR mit Evans-Kriterien. 182 Fälle (überwiegend 40 bis 60 Jahre; Exenatid 24,2 %, Semaglutid 21,4 %; Diabetes häufigste Indikation mit 43,9 %). Trotz signifikanter Chi-Quadrat-Werte (p < 0,0001) waren ROR 0,41 (KI 0,36 bis 0,48), PRR 0,41 (0,36 bis 0,48) und RRR 0,42 (0,36 bis 0,48) niedrig; die Autoren sehen eine schwache Assoziation und ein insgesamt niedriges Risiko, betonen aber die Notwendigkeit der Beobachtung bei zunehmender Verwendung.

*Schwächen.* Spontanmeldungen unterliegen Meldeverzerrung, enthalten keine Nenner und keine Kontrolle für die Grunderkrankung; ein ROR unter 1 bedeutet, dass solche Meldungen unter GLP-1-RA seltener vorkommen als im Durchschnitt aller Arzneimittel, und sagt nichts über das absolute Risiko; zusammengefasst wurden sehr verschiedene Wirkstoffe und Endpunkte.

#### Lin und Kollegen 2026 (China): Sexuelle Sicherheitssignale gängiger Antidiabetika, FAERS [s20]

*Publikation.* Lin S, Ding X, Dang X, Zhan Q, Andrology 2026; Affiliated Hospital of North Sichuan Medical College, Nanchong. Retrospektive Pharmakovigilanzstudie nach den READUS-PV-Leitlinien; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Disproportionalitätsanalyse mit FAERS (ab Zulassung des jeweiligen Wirkstoffs bis erstes Quartal 2025) für GLP-1-RA (Exenatid, Liraglutid, Dulaglutid, Semaglutid, Tirzepatid), DPP-4-Hemmer, Metformin, SGLT2-Hemmer und weitere Klassen; Meldungen nach MedDRA kodiert; ROR als Hauptmaß, ergänzend PRR, EBGM und Informationskomponente (IC); Zeit bis zum Beginn und Weibull-Formparameter.

*Ergebnisse.* 49 Meldungen zu ED unter Semaglutid, 54 unter Sitagliptin, 42 unter Dapagliflozin, jeweils ausschließlich Männer. Semaglutid: ROR 1,53 (KI 1,16 bis 2,03; IC025 0,19); Sitagliptin 1,52 (1,16 bis 1,98); Dapagliflozin 1,51 (1,11 bis 2,04). Kein Signal: Liraglutid ROR 1,32 (0,94 bis 1,87), Tirzepatid 0,93 (0,63 bis 1,37), Dulaglutid 0,50 (0,34 bis 0,72), Exenatid 0,31 (0,22 bis 0,44), Linagliptin 1,04, Metformin 1,14 (0,97 bis 1,34). Bei Semaglutid kamen 46,9 % der Meldungen von Männern zwischen 18 und 64 Jahren (40,8 % ohne Altersangabe), 61,2 % von Verbrauchern und 69,4 % aus den USA; mehr als 70 % der Semaglutid-Meldungen stammten aus den Jahren 2022 bis 2024. Die Zeit bis zum Auftreten (Median 26,5 Tage bei zwölf Fällen mit Zeitangabe; Weibull-Formparameter 1,08, KI 0,62 bis 1,53) entsprach einem „Zufallsausfall“-Muster ohne Häufung unmittelbar nach Beginn.

*Stärken.* Mehrere Wirkstoffe und Klassen im Vergleich, mehrere Disproportionalitätsmaße, transparente Berichterstattung.

*Schwächen.* Die Autoren nennen selbst: Untermeldung und mögliche Übermeldung durch öffentliche Aufmerksamkeit, fehlender Nenner, keine Kausalität, schwankende Qualität der Meldungen, nicht erfasste Vorerkrankung mit ED. Öffentliche Aufmerksamkeit kann die Meldehäufigkeit erhöhen (so die Autoren); die Zeitangabe lag nur bei einem Viertel der Semaglutid-Fälle vor (zwölf von 49). Das Signal für Semaglutid liegt in der Größenordnung der Signale für Sitagliptin und Dapagliflozin und ist nicht GLP-1-spezifisch.

*Einordnung.* Die beiden FAERS-Auswertungen [s60, s20] kommen mit verschiedenen Methoden (Wirkstoffklasse zusammengefasst gegen Einzelwirkstoffe, andere Plattform, anderer Zeitraum) zu entgegengesetzten Maßen (ROR 0,41 gegenüber 1,53 für Semaglutid); Spontanmeldungen erlauben keine Risikoschätzung, und die Unterschiede zeigen vor allem, wie stark das Ergebnis von der Wahl der Vergleichsgruppe abhängt.

#### An, Xie und Gan 2024 (China): Mendelsche Randomisierung, GLP-1-RA und ED [s66]

*Einordnung in dieses Kapitel.* Die Studie ist weder randomisiert noch eine Kohorte; sie nutzt genetische Daten als Näherung und gehört methodisch zu den Beobachtungsstudien.

*Publikation.* An H, Xie K, Gan H, Frontiers in Endocrinology 2024; West China Hospital, Sichuan University. Wirkstoffziel-Mendelsche-Randomisierung; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Methodik.* Als genetisches Maß für die GLP-1-RA-Wirkung dienten 22 Einzelnukleotid-Varianten, die die Expression des GLP1R-Gens in Blut beeinflussen (cis-eQTL aus dem eQTLGen-Konsortium, 31 684 Blutproben, überwiegend europäischer Herkunft; F-Statistiken 47,19 bis 52,93). Ergebnisdaten: Typ-2-Diabetes (65 085 Fälle, 335 112 Kontrollen) und Adipositas (23 971 Fälle, 388 084 Kontrollen) aus FinnGen; ED aus einer europäischen Meta-GWAS (UK Biobank, Estnisches Genzentrum, Partners-Biobank; 6175 Fälle, 217 630 Kontrollen). Hauptmethode: inverse Varianzgewichtung, ergänzt durch gewichteten Median, MR-Egger und MR-PRESSO; Zwei-Schritt-MR für Mediatoren; Zwei-Stichproben-cis-MR zur Anpassung für Störgrößen.

*Ergebnisse.* Positive Kontrollen: genetisch abgebildete GLP-1-RA senkten das Risiko für Typ-2-Diabetes (OR 0,846; KI 0,807 bis 0,887) und Adipositas (OR 0,755; KI 0,705 bis 0,809). Für ED: OR 0,493 (KI 0,430 bis 0,565; p < 0,001), bestätigt durch gewichteten Median und MR-PRESSO; keine Hinweise auf Pleiotropie (p = 0,899) oder Heterogenität (p = 1,000). Mediatoren (Anteile des Gesamteffekts): Typ-2-Diabetes 2,89 % (KI 1,28 bis 4,49 %), Adipositas 6,83 % (2,25 bis 11,41 %), Bluthochdruck 3,22 % (1,21 bis 5,23 %), Herz-Kreislauf-Erkrankung 3,06 % (0,51 bis 5,62 %).

*Stärken.* Genetische Instrumente sind weitgehend frei von den Störgrößen, die Beobachtungsstudien verzerren; positive Kontrollen, mehrere Methoden, Mediationsanalyse.

*Schwächen.* Das Instrument bildet die Expression eines Rezeptorgens im Blut ab, nicht eine Arzneimittelexposition; es modelliert eine lebenslange, geringfügige genetische Veränderung, keine Therapie über Wochen oder Monate, sodass ein OR von 0,493 kein erwarteter Therapieeffekt ist. Ob die Blutexpression die Expression im Penisgewebe oder im Hoden widerspiegelt, ist offen. Das sehr enge Konfidenzintervall sagt nichts über die Gültigkeit der Instrumentenannahmen. Die Daten stammen überwiegend aus europäischen Bevölkerungen; die ED-Diagnose beruht teils auf Codes und Selbstangabe. Es ging nur um ED, nicht um Hormone, Samen oder Fertilität. Die Mediatoren erklären nur etwa 3 bis 7 % des Effekts; der größere Teil bleibt ungeklärt. Die Autoren verlangen Bestätigung in randomisierten klinischen Studien.

#### Zusammenschau der Daten zur Erektionsfunktion

| Arbeit | Design | Population | Maß | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Lisco 2024 [s73] | retrospektive Kohorte | 108 Männer, Diabetes, ED | IIEF-5, Differenz | +2,26 ± 0,26 gegenüber Metformin allein |
| Able 2025 [s41] | Datenbankkohorte | 2 × 3094 Männer, ohne Diabetes | Risikoverhältnis neue ED/PDE5-Hemmer | 4,5 (2,3 bis 9,0) |
| Tang 2026 [s32] | Target-Trial-Emulation | 4910 gegen 5524, Diabetes | Hazard Ratio neue ED-Diagnose | 1,26 (1,08 bis 1,46); nach Kalibrierung nicht signifikant |
| Cowart 2025 [s46] | Datenbankkohorte | Diabetes, Tirzepatid gegen andere | Risikoverhältnis | 0,70, 0,67 und 0,55 (alle Konfidenzintervalle unter 1) |
| Pourabhari Langroudi 2025 [s60] | Meldedaten | 182 Meldungen | ROR | 0,41 (0,36 bis 0,48) |
| Lin 2026 [s20] | Meldedaten | 49 Semaglutid-Meldungen | ROR | 1,53 (1,16 bis 2,03) |
| An 2024 [s66] | Mendelsche Randomisierung | genetisches Maß | Odds Ratio | 0,493 (0,430 bis 0,565) |

Die sieben Arbeiten widersprechen sich, und die Widersprüche lassen sich großenteils durch Population (mit oder ohne Diabetes), Vergleichsgruppe (unbehandelt, Metformin, DPP-4-Hemmer, andere GLP-1-RA, kein Vergleich) und Endpunkt (Fragebogenwert, Diagnosecode, Meldung, genetisches Risiko) erklären. Keine dieser Arbeiten misst die Erektionsfunktion nach einem einheitlichen Verfahren bei zufällig zugeteilter Behandlung. Die höhere ED-Rate in Datenbanken kann aus Verzerrung (Behandlungswahl, Entdeckung, Gewichtsverlust-bedingte Aktivität) oder aus einem Effekt stammen; die Studien sind nicht in der Lage, beides zu trennen.

### Querschnittsstudien (Kontext)

#### Antinozzi und Kollegen 2021 (Italien): Adipokine und Peptidhormone in Serum und Seminalplasma [s100]

*Publikation.* Antinozzi C, Lista M, Caponecchia L et al., Frontiers in Endocrinology 2021; Andrologie-Einheit des Krankenhauses Santa Maria Goretti, Latina. Querschnittsanalyse; Abstract und Volltext abgerufen.

*Design und Population.* Von 124 aufeinanderfolgenden Männern (Februar 2017 bis Februar 2018) blieben nach Ausschluss von 20 Proben mit mehr als 1 Mio. Leukozyten pro ml, fünf nicht obstruktiven Azoospermien und einer Kryptozoospermie 98 Männer: 34 normalgewichtig, 30 übergewichtig, 34 adipös (BMI ab 30 kg/m²). Bei 82 von ihnen (26, 30, 26) lag zusätzlich eine Blutprobe vor. Gemessen wurden drei Adipokine und sechs Peptidhormone (darunter GLP-1 und GIP) im Serum und im Seminalplasma (Luminex-Verfahren) sowie die Standard-Samenanalyse nach WHO.

*Ergebnisse.* GLP-1 war im Serum höher als im Seminalplasma; bei adipösen Männern waren GLP-1 in Serum und Seminalplasma höher als bei nicht adipösen. Die Samenparameter unterschieden sich zwischen den drei Gewichtsgruppen nicht. Testosteron im Serum war bei Nicht-Adipösen höher. GLP-1 korrelierte nur mit der Zahl progressiv beweglicher Spermien (Spearman-Rho 0,225; p < 0,05).

*Stärken/Schwächen.* Die Studie ist explorativ: 98 Männer, Mehrfachtests mit nur einer schwachen Korrelation, Serum nur bei 82 Männern, keine Behandlung mit GLP-1-RA. Die Studie sagt etwas über körpereigenes GLP-1, nichts über die Wirkung von GLP-1-RA. Die Autoren schreiben selbst, die Stichprobe sei klein und die Daten müssten bestätigt werden.

#### Rozhivanov und Kollegen 2022 (Russland): Hypogonadismus und Steroidprofil bei Typ-2-Diabetes [s99]

*Publikation.* „Features of steroidogenesis in men with hypogonadism and type 2 diabetes“ (Besonderheiten der Steroidogenese bei Männern mit Hypogonadismus und Typ-2-Diabetes; russischsprachige Originalarbeit, Titel nach der englischen Fassung in Europe PMC), Проблемы эндокринологии 2022; monozentrische, nicht interventionelle Querschnittsstudie, Moskau, Oktober 2021 bis Januar 2022; Abstract abgerufen.

*Ergebnisse.* 347 Männer mit Typ-2-Diabetes; mittels Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie wurde das Steroidprofil bestimmt. Die Prävalenz des Hypogonadismus betrug 69,5 %; hypogonadale Männer waren stärker adipös (BMI-Median 33,1 gegenüber 30,8 kg/m²; p < 0,001) und hatten niedrigere Spiegel von 17-Hydroxypregnenolon und 17-Hydroxyprogesteron. GLP-1-RA nahmen 7,5 % der Männer (6,6 % bei Hypogonadismus gegenüber 9,4 % ohne; p = 0,491); eine Analyse nach GLP-1-Einnahme erfolgte nicht.

*Einordnung.* Kein GLP-1-Bezug in der Auswertung; die Studie liefert nur Hintergrund zur Häufigkeit des Hypogonadismus bei Diabetes und zeigt, dass nur 7,5 % der Männer GLP-1-RA nahmen.

### Fallberichte

**Fontoura und Kollegen 2014 (Brasilien), Reproductive BioMedicine Online [s123].** Der Fallbericht ist der einzige Einzelbefund im Pool, der eine Verschlechterung von Samenparametern unter einem GLP-1-RA beschreibt. Nach dem Abstract zeigt er eine schädliche Wirkung von Liraglutid auf die männliche Fortpflanzungsfunktion, Messwerte nennt der Abstract nicht. Die Metaanalyse von Peel und Kollegen beschreibt den Verlauf: ein Mann mit Adipositas (100 kg) in Abklärung einer Unfruchtbarkeit; allmähliche Azoospermie etwa fünf Monate nach Beginn von 0,6 mg Liraglutid täglich; nach dem Absetzen in den folgenden fünf Monaten teilweise Erholung der Konzentration, Volumen und Beweglichkeit ohne wesentliche Änderung, Normalformen 8 % gegenüber 2,5 %; ICSI fünf Monate nach dem Absetzen mit Zwillingsschwangerschaft [s28]. Andersen und Kollegen betonen, der Fall betreffe 0,6 mg, nicht die höhere Dosis ihrer Studie [s96]. Stärke: zeitlicher Zusammenhang mit Besserung nach Absetzen. Schwäche: ein Einzelfall ohne Kontrolle, ohne Ausschluss anderer Ursachen (Gewichtsverlust, Erkrankung, Begleitmittel), ohne Wiederbeginn; die Ursache ist nicht gesichert.

**Tariq, Garza Gangemi und Herrera Caceres 2026, Urology Case Reports [s33].** Ein 40-jähriger Mann entwickelte drei bis vier Wochen nach Beginn von Tirzepatid Harndrang, Juckreiz am Penis, Brennen beim Wasserlassen, Becken- und Dammschmerz und sexuelle Funktionsstörung; die Infektionsdiagnostik war negativ. Vier Tage nach dem Absetzen besserten sich die Beschwerden, nach zehn Tagen waren sie vollständig abgeklungen, zwei Wochen nach der letzten Injektion ohne Rückfall. Die Autoren sprechen von neuartigen urologischen Nebenwirkungen und raten, arzneimittelbedingte Ursachen bei untypischen Beschwerden mit negativer Infektionsdiagnostik zu bedenken. Ein einzelner Bericht; ein kausaler Zusammenhang ist nicht belegt (kein erneuter Beginn, keine Spiegel); mit der Fruchtbarkeit hat der Fall nichts zu tun, er betrifft die Sexualfunktion und Harnwege.

**Lima und Kollegen 2025 (Brasilien), Brazilian Journal of Health Review [s55]**, „Hipogonadismo hipogonadotrófico associado à obesidade e efeitos do tratamento com liraglutida - relato de caso“ (Obesitätsassoziierter hypogonadotroper Hypogonadismus und Wirkung der Liraglutid-Behandlung, Fallbericht)**.** Ein 31-jähriger Mann mit morbider Adipositas (Grad III) und hypogonadotropem Hypogonadismus verlor unter Liraglutid und Fluoxetin in zwölf Monaten 65 kg und berichtete über bessere Libido und Lebensqualität (nach dem Recherchebericht; nur Abstract). Wegen der Begleitmedikation und des Einzelfalls kaum verwertbar; keine Hormon- oder Samenwerte genannt.

### Zusammenfassende Bewertung der Beobachtungsstudien

1. **Testosteron.** Alle Hormonkohorten mit gemessenen Werten berichten einen Anstieg des Gesamttestosterons bei Männern mit Adipositas oder Diabetes (Spannweite von etwa +41 ng/dl gegenüber Kontrolle [s73] über etwa +58 bis 67 ng/dl [s29, s59] und +122 ng/dl gegenüber +35 ng/dl unter Glimepirid [s117] bis zur nahezu Verdreifachung in Catania [s88] und +128 % gegenüber +44 % unter Diät [s54]); die Kohorte von Graybill fand in der Gesamtgruppe keinen Anstieg [s104]. Die Größenordnung hängt auffällig vom Studienzentrum und vom Design ab: Je kleiner und je weniger kontrolliert die Studie, desto größer der Effekt.
2. **Gewichtsbezug.** Wo untersucht, hing der Testosteronanstieg mit dem Gewichts- oder Taillenumfangsverlust zusammen (r = −0,443 [s117]; r = −0,28 und −0,26 [s29]; Metaregression bei [s62]). Keine Beobachtungsstudie hat eine Kontrollgruppe mit gleichem Gewichtsverlust ohne GLP-1-RA.
3. **Samen und Fertilität.** Die Belege stammen aus einer nicht randomisierten Studie mit großen Zuwächsen [s88] und einer einarmigen Pilotstudie mit nicht signifikanter Konzentration und kleinem Anstieg der Normalformen [s106]; hinzu kommt ein Fallbericht mit Verschlechterung [s123]. Keine Beobachtungsstudie erhob Schwangerschaften, Lebendgeburten oder DNA-Fragmentation als Endpunkt.
4. **Erektile Funktion.** Gegensätzliche Befunde je nach Quelle; keine Studie erlaubt eine Kausalaussage (siehe Zusammenschau).
5. **Tirzepatid.** Eine nicht randomisierte Pilotstudie mit zwei Monaten Dauer [s54], eine Datenbankkohorte [s46], eine Pilotstudie mit Testosteronzusatz [s30], ein Fallbericht [s33] und ein in einer Übersicht referierter Einzelfall [s39]; Studien mit Samenendpunkt fehlen.
6. **Väterliche Exposition.** Es gibt keine Kohortenstudie zu Fehlbildungen oder Geburtsergebnissen nach väterlicher Anwendung; nur Editorials und Übersichten weisen auf die Lücke hin [s16, s13].
7. **Quellenlage.** Von den hormon- und samenbezogenen Beobachtungsstudien stammen vier aus Italien [s88, s54, s121, s73], zwei davon aus der Arbeitsgruppe in Catania [s88, s54]; ein Zentrumseffekt ist deshalb nicht auszuschließen.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Lesehinweis und Gesamtbild der Evidenz

Dieses Kapitel geht jede einzelne Arbeit der Quellenliste durch, die klinische Daten, Leitlinienaussagen, Tierversuche oder Zellmodelle zum Thema liefert. Es bewertet Befunde, gibt aber keine Therapieempfehlung. Wo Autoren einer Arbeit selbst eine Empfehlung aussprechen, wird das als Position der Autoren berichtet. Zahlen stammen aus den Abstracts oder Volltexten der jeweiligen Arbeiten, wie sie in den Recherchen abgerufen wurden. Wo nur der Abstract vorlag, fehlen häufig absolute Werte, Gruppengrößen oder Konfidenzintervalle; sie werden dann nicht ergänzt. Die Abkürzung GLP-1-RA steht für GLP-1-Rezeptoragonist, TT für Gesamttestosteron, fT für freies Testosteron, SHBG für Sexualhormon-bindendes Globulin, LH für luteinisierendes Hormon, FSH für follikelstimulierendes Hormon, IIEF für International Index of Erectile Function, TRT für Testosteronersatztherapie und MD für mittlere Differenz.

Die Datenlage lässt sich in einem Satz fassen: Für den Menschen gibt es sehr wenige randomisierte Studien mit kleinen Fallzahlen, einige nicht randomisierte Studien mit teils sehr großen Effekten, mehrere Kohorten aus Krankenakten und Abrechnungsdatenbanken, Metaanalysen, die sich auf denselben kleinen Studienpool stützen, und eine große Zahl von Tierversuchen, die überwiegend Schutzwirkungen in kranken Tieren beschreiben. Studien mit Schwangerschaft, Lebendgeburt oder Spermien-DNA-Fragmentierung als vorab festgelegtem Endpunkt fehlen [s13, s03]. Die folgende Übersicht ordnet die Arbeiten nach Entwurfstyp.

| Entwurfstyp | Wichtigste Vertreter | Aussagekraft für männliche Fertilität |
|---|---|---|
| Randomisierte Studien mit männlichen Teilnehmern (Hormone oder Samen) | [s112, s48, s72, s96] | gering bis mäßig (n = 25 bis 56, Wochen bis ein Jahr) |
| Prospektive, nicht randomisierte Studien | [s88, s54, s106, s117, s104] | gering (Zuteilung nicht zufällig, teils einarmig) |
| Retrospektive Kohorten und Fallserien | [s29, s73, s121, s41, s32, s46, s22] | gering (Störgrößen, Datenbankcodes) |
| Genetik und Meldedaten | [s66, s20, s60] | sehr gering für Fertilität (nur erektile Funktion) |
| Metaanalysen und systematische Übersichten | [s62, s24, s05, s36] | abhängig vom Studienpool, nicht unabhängig voneinander |
| Fallberichte | [s123, s33, s55, s39] | kein Kausalitätsbeleg |
| Leitlinien | [s06, s07, s68, s08, s107, s65] | keine GLP-1-spezifische Empfehlung |
| Tierversuche | siehe unten | Mechanismushinweise, keine Übertragung auf Menschen |
| Zell- und Gewebemodelle (Mensch und Tier) | [s109, s84, s113, s108, s52] | Plausibilität |

Eine Besonderheit der Literatur ist ihre geringe Unabhängigkeit. Die Metaanalysen schöpfen aus demselben Pool von vier bis zehn Primärstudien, darunter [s112, s88, s104, s121, s73]; dieselben Patienten werden deshalb wahrscheinlich mehrfach gezählt [s62, s24, s05, s37]. Mehrere russischsprachige Übersichten stammen aus denselben Arbeitsgruppen und geben westliche Primärstudien wieder [s39, s81, s79]. Außerhalb des Englischen gibt es für die Fragestellung praktisch keine Primärliteratur; diese Aussage betrifft die erreichbaren Quellen, nicht die gesamte nationale Literatur, denn einzelne Fachdatenbanken (unter anderem CNKI, SciELO, eLIBRARY, DergiPark) waren für die Recherche nicht abfragbar.

### Randomisierte Studien am Menschen

#### Jensterle und Kollegen 2019: Liraglutid gegen Testosterongel bei Adipositas [s112]

Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte, offene Studie über 16 Wochen in Ljubljana. 30 Männer (Alter 46,5 ± 10,9 Jahre, BMI 41,2 ± 8,4 kg/m²), die auf Lebensstilmaßnahmen nicht angesprochen hatten, erhielten Liraglutid 3,0 mg täglich oder 50 mg Testosterongel täglich (je 15). Fünf Männer unter Liraglutid und sechs unter Testosteron hatten Typ-2-Diabetes. Das Gesamttestosteron stieg in beiden Gruppen: um 2,6 ± 3,5 nmol/l unter Liraglutid und um 5,9 ± 7,2 nmol/l unter Testosteron; der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant (p = 0,239). LH stieg unter Liraglutid um 0,7 ± 1,2 IU/l, unter Testosteron fiel es um 2,0 ± 1,3 IU/l; FSH stieg um 0,9 ± 1,8 gegenüber einem Abfall um 3,2 ± 1,7 mIU/l (beide p < 0,001 zwischen den Gruppen). Das berechnete freie Testosteron stieg in keiner Gruppe signifikant (0,17 auf 0,22 nmol/l unter Liraglutid, p = 0,155). Das Körpergewicht sank unter Liraglutid um 7,9 ± 3,8 kg, unter Testosteron um 0,9 ± 4,5 kg (p < 0,001); der Taillenumfang sank um 5 gegenüber 2 cm (p = 0,035), der HbA1c um 0,5 Prozentpunkte gegenüber 0 (p = 0,004). Libido, Morgenerektionen und Ejakulationen pro Woche stiegen in beiden Gruppen ohne Gruppenunterschied. Der Symptomscore Aging Male Symptoms verbesserte sich unter Testosteron (minus 9,1 Punkte, p = 0,002), unter Liraglutid nicht signifikant (p = 0,157). Bei zwei Männern unter Liraglutid und bei keinem unter Testosteron bildete sich das metabolische Syndrom zurück. Häufigste Nebenwirkung unter Liraglutid war Übelkeit (vier Männer); Hämatokrit und PSA stiegen in keiner Gruppe relevant. Die Autoren werten Liraglutid als überlegen im Gesamtnutzen für diese Gruppe, wobei sich „überlegen“ auf Gewicht, Stoffwechsel und Erhalt der Hormonachse bezieht, nicht auf Fertilität.

Stärken: erste randomisierte Studie dieser Art, Vergleich mit einem Standard-Hormonersatz, vollständige Hormonprofile. Schwächen: offen, nur 15 pro Arm, 16 Wochen, keine Placebogruppe, keine Samenanalyse, heterogene Ausgangslage (Männer mit und ohne Diabetes). Der Anstieg von LH und FSH wurde als Zeichen einer erhaltenen Achse gedeutet; ob er direkt oder über den Gewichtsverlust zustande kommt, bleibt offen. Ein russischer Übersichtsartikel gibt die Studie korrekt wieder, erwähnt aber nicht, dass der Testosteronanstieg unter Liraglutid numerisch kleiner war als unter Testosteron [s115].

#### Gregorič und Kollegen 2025: Semaglutid gegen Testosteronundecanoat [s48]

Randomisierte offene Studie am Universitätsklinikum Ljubljana (November 2020 bis Mai 2023, 24 Wochen, NCT06489457). 25 Männer mit Typ-2-Diabetes und funktionellem Hypogonadismus (Alter im Median 50 Jahre, BMI 35,9 kg/m²; Gesamttestosteron unter 11 nmol/l bei zwei Messungen, mindestens zwei sexuelle Symptome, niedrige bis „unangemessen normale“ Gonadotropine). 13 erhielten Semaglutid bis 1 mg wöchentlich, 12 Testosteronundecanoat 1000 mg alle 10 bis 12 Wochen; alle nahmen Metformin. Alle 25 schlossen die Studie ab. Die Fallzahl war auf eine Konzentrationsdifferenz von 0,3 Mio./ml bei einer Standardabweichung von 0,6 Mio./ml berechnet. Die Samenparameter lagen zu Beginn überwiegend unter dem 5. Perzentil der WHO-Referenzwerte; 76 % der Männer hatten bereits ein Kind gezeugt.

Hormone (Mediane): Unter Semaglutid stieg das Gesamttestosteron von 6,1 (Interquartilbereich 5,1 bis 8,6) auf 7,8 (6,1 bis 9,5) nmol/l, Differenz 1,6 (0,7 bis 1,8), p = 0,023. Das freie Testosteron stieg von 19,5 auf 22,1 pmol/l (p = 0,10), SHBG änderte sich nicht (p = 0,72), LH lag bei 3,2 und 3,1 IU/l (p = 0,55), FSH bei 5,5 und 6,5 IU/l (p = 0,38). Unter Testosteron stieg das Gesamttestosteron von 6,7 auf 12,3 nmol/l (Differenz 6,9; p = 0,002), das freie von 26,3 auf 48,1 pmol/l (p = 0,008), während LH von 4,2 auf 1,2 IU/l und FSH von 8,5 auf 2,6 IU/l fielen (p = 0,003 und p = 0,002). Körperlich sank das Gewicht unter Semaglutid von 115 auf 99 kg (p = 0,004), der HbA1c von 7,1 auf 6,1 % (p = 0,009), das viszerale Fettgewebe um 212 g (p = 0,003); unter Testosteron blieb das Gewicht unverändert (111,5 gegenüber 111 kg).

Samenparameter (Mediane, Ausgang gegen Woche 24): Unter Semaglutid stieg der Anteil morphologisch normaler Spermien von 2 (Interquartilbereich 2 bis 3,5) auf 4 (2 bis 5,5) %, relative Änderung 37 %, p = 0,012. Die Konzentration stieg von 25 auf 37 Mio./ml (p = 0,58), die Gesamtzahl von 34,5 auf 41 Mio. (p = 0,79), die Gesamtbeweglichkeit blieb bei 30 % (p = 0,09), das Volumen unverändert. Unter Testosteron fiel die Konzentration von 25 auf 10 Mio./ml (minus 67 %, p = 0,028), die Gesamtzahl von 31,5 auf 19 Mio. (minus 59 %, p = 0,018), die normale Morphologie von 2 auf 1 % (p = 0,157). Zwischen den Gruppen unterschieden sich normale Morphologie (p = 0,001), Konzentration (p = 0,002) und Gesamtzahl (p = 0,026). Der Score Aging Male Symptoms sank in beiden Gruppen (Semaglutid 46 auf 33, Testosteron 45,5 auf 36; je p = 0,011). Der IIEF-15 stieg nur unter Testosteron signifikant (20 auf 39, p = 0,013), unter Semaglutid nur das sexuelle Verlangen (p = 0,009). Änderungen der Samenparameter korrelierten nicht mit Gewichts-, Stoffwechsel- oder LH/FSH-Änderungen.

Einordnung: Randomisiert, aktiver Vergleichsarm, WHO-konforme Samenanalyse und Registrierung sind Stärken. Schwächen sind die sehr kleinen Gruppen, die offene Durchführung, eine Samenprobe pro Zeitpunkt und der fehlende Placeboarm. Die Morphologie-Aussage beruht auf Medianwerten von 2 und 4 %, bei Konzentration und Gesamtzahl gab es unter Semaglutid keinen signifikanten Effekt. Der Gruppenvergleich zeigt vor allem die bekannte Samenschädigung durch exogenes Testosteron, nicht zwingend einen Nutzen von Semaglutid gegenüber Nichtbehandlung. Ein russischer Übersichtsartikel gibt die Morphologiewerte fälschlich als Konfidenzintervalle wieder (im Original stehen Interquartilbereiche) und löst die Abkürzung „FH“ fälschlich als familiäre Hypercholesterinämie auf; im Original bedeutet sie funktionellen Hypogonadismus [s39].

#### Lengsfeld und Kollegen 2024: Dulaglutid bei gesunden Männern [s72]

Einzentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie (Basel, NCT04687514). Gesunde, normalgewichtige, eugonadale Männer (Alter im Median 24,5 Jahre, BMI 23,9 kg/m², Gesamttestosteron mindestens 12 nmol/l) erhielten vier Wochen lang wöchentlich Dulaglutid (0,75 mg in Woche 1, danach 1,5 mg) oder Placebo. 26 wurden randomisiert, 24 ausgewertet; ein Teilnehmer brach wegen Verträglichkeit ab, bei vier wurde die Dosis einmal auf 0,75 mg gesenkt. Primärer Endpunkt war das sexuelle Verlangen; die Fallzahl wurde darauf berechnet. Das Verlangen änderte sich nicht (geschätzte Differenz 0,58; Konfidenzintervall minus 0,83 bis 2,00; p = 0,402). Hormone (Dulaglutid minus Placebo): Gesamttestosteron 0,9 nmol/l (minus 1,5 bis 3,3), FSH minus 0,2 IU/l (minus 0,3 bis 0,0), LH minus 0,8 IU/l (minus 1,5 bis 0,0), SHBG 4,72 nmol/l (minus 0,06 bis 9,50). Samenparameter, mehr als 60 Tage nach der letzten Injektion untersucht: Konzentrationsdifferenz 36,01 Mio./Ejakulat (minus 8,64 bis 80,65), progressive Motilität minus 0,48 Prozentpunkte (minus 7,59 bis 6,64); alle Werte blieben im Normbereich. Der BMI sank um 0,7 kg/m². Es gab keine schweren unerwünschten Ereignisse.

Stärken: Doppelblind, Placebo, jeder Teilnehmer ist seine eigene Kontrolle. Schwächen: Vier Wochen Exposition bei einer Spermatogenesedauer von deutlich über zwei Monaten; Hormone und Samen waren sekundäre Endpunkte ohne Fallzahlplanung; junge, gesunde Männer, nicht auf Männer mit Adipositas übertragbar; keine Anpassung für Mehrfachvergleiche. Die Studie zeigt, dass kurzfristig bei gesunden Männern kein Hinweis auf Schaden vorlag, kann aber einen kleinen Effekt nicht ausschließen, wie die breiten Konfidenzintervalle zeigen.

#### Andersen und Kollegen 2022: Diätinduzierter Gewichtsverlust, Liraglutid und Spermienzahl [s96]

Vorab registrierte Teilstudie der doppelblinden, randomisierten S-LITE-Studie (Hvidovre und Kopenhagen, August 2016 bis November 2019, NCT04122716). Männer mit Adipositas (BMI 32 bis 43 kg/m², 18 bis 65 Jahre) erhielten zunächst acht Wochen eine Niedrigkalorien-Diät (800 kcal pro Tag), danach 52 Wochen Placebo, Training, Liraglutid 3,0 mg täglich oder Liraglutid plus Training. 56 Männer wurden eingeschlossen, 47 lieferten Proben vor und nach der Diät, 37 auch nach 52 Wochen (8 Placebo, 9 Training, 7 Liraglutid, 13 Kombination). Mittleres Alter 41 Jahre, BMI 37,0 ± 2,8 kg/m².

In der Diätphase verloren die Männer im Mittel 16,5 kg (95-%-Konfidenzintervall 15,2 bis 17,8). Die Spermienkonzentration stieg um den Faktor 1,49 (1,18 bis 1,88; p < 0,01) von 78,5 ± 74,9 auf 91,7 ± 70,8 Mio./ml, die Spermienzahl pro Ejakulat um den Faktor 1,41 (1,07 bis 1,87; p < 0,01) von 191,2 ± 189,4 auf 250,6 ± 319,4 Mio. Volumen, Motilität und Zahl beweglicher Spermien änderten sich nicht signifikant. Männer mit Oligozoospermie (unter 15 Mio./ml) wurden von 8 auf 6 von 47 weniger; Männer mit sehr niedriger Zahl beweglicher Spermien (unter 1 Mio. pro Ejakulat) sanken von 6 auf 1 (p < 0,05). Nach 52 Wochen betrug der mediane Gewichtsverlust über alle Gruppen 11,7 kg. Bei den 18 „guten Haltern“ (mittlerer Verlust 21,4 kg) lag die Konzentration beim 1,71-Fachen (1,15 bis 2,55) und die Spermienzahl beim 1,97-Fachen (1,22 bis 3,18) des Ausgangswerts, bei den 19 „schlechten Haltern“ (mittlerer Verlust 7,6 kg) nicht. In der Liraglutid-Untergruppe (20 Männer) blieb die Konzentrationssteigerung erhalten (p = 0,04 für die Diätphase), andere Parameter änderten sich nicht. Ein zusätzlicher Effekt von Liraglutid oder Training über die Diät hinaus war nicht nachweisbar. Die Autoren sahen keinen schädlichen Effekt von Liraglutid 3,0 mg auf die Samenparameter und weisen darauf hin, dass der Fallbericht zu Liraglutid [s123] nach ihrer Angabe eine Dosis von 0,6 mg betraf.

Stärken: randomisiert, placebokontrolliert, lange Beobachtung, vorab registrierte Samenanalyse, erhebliche Gewichtsabnahme. Schwächen: nicht für Samenparameter gepowert, Teilgruppen mit 7 bis 13 Männern, Einteilung in gute und schlechte Halter nach dem Median ist eine Post-hoc-Analyse, Verlust von 47 auf 37 Teilnehmer. Die Autoren betonen selbst, dass keine endgültigen Schlüsse möglich sind. Finanzierung durch die Novo Nordisk Foundation; Liraglutid und Placebo stellte Novo Nordisk; ein Autor ist Anteilseigner und Angestellter eines Unternehmens für Fertilitätsprodukte, weitere Autoren nennen Beziehungen zu Herstellern. Der wichtigste Befund ist damit ein Befund zum Gewichtsverlust: Die Samenverbesserung folgt der Diät, und ein Zusatzeffekt des Wirkstoffs ist nicht belegt.



### Prospektive, nicht randomisierte Studien

#### La Vignera und Kollegen 2023: Liraglutid, Gonadotropine und Testosteron in Catania [s88, s89]

Prospektive, nicht randomisierte Studie mit 110 Männern im Alter von 18 bis 35 Jahren (Mittel 26 ± 6) mit metabolischem Hypogonadismus (BMI 30 bis 39,99 kg/m², Taillenumfang über 94 cm, schwere erektile Dysfunktion mit IIEF-5 unter 7 und fehlendem Ansprechen auf PDE5-Hemmer, Gesamttestosteron unter 12 nmol/l, niedrig-normale Gonadotropine, erniedrigtes SHBG, HOMA über 2,5). Die Zuteilung richtete sich nach dem Kinderwunsch. Gruppe A (n = 35, Kinderwunsch) erhielt Urofollitropin 150 IE dreimal wöchentlich plus hCG 2000 IE zweimal wöchentlich, Gruppe B (n = 35, kein aktueller Kinderwunsch) Liraglutid bis 3 mg täglich, Gruppe C (n = 40, bereits Vater) Testosterongel 60 mg täglich; jeweils vier Monate, alle mit kalorienreduzierter Kost (1400 bis 1800 kcal).

Unter Liraglutid sank das Gewicht von 116 ± 10 auf 104 ± 6 kg (minus 10,3 %), der BMI von 36 ± 3 auf 30 ± 2, der Taillenumfang von 108 ± 6 auf 99 ± 4 cm. Das Gesamttestosteron stieg von 1,4 ± 0,6 auf 4,1 ± 0,5 ng/ml (plus 192,9 %), SHBG von 14,0 ± 3,0 auf 36,0 ± 4,0 nmol/l (plus 157,1 %). LH und FSH lagen am Ende bei 3,2 ± 0,2 und 2,6 ± 0,2 IU/l gegenüber 1,0 und 0,9 IU/l in Gruppe A sowie 0,3 und 0,2 IU/l in Gruppe C. Die Spermienmotilität stieg in Gruppe B von 14 ± 2 auf 34 ± 4 % (plus 142,9 %), in Gruppe A von 12 ± 3 auf 19 ± 2 %. Nach dem Kongressabstract [s89] stieg die Konzentration von 6 ± 2 auf 16 ± 4 Mio./ml (p < 0,05) und die normale Morphologie von 4 ± 2 auf 10 ± 2 % (p < 0,05); unter Gonadotropinen stieg nur die progressive Motilität. Der IIEF-5 stieg in Gruppe B von 4 ± 2 auf 21 ± 4; am Ende nahmen 31 % (B), 48 % (A) und 45 % (C) noch PDE5-Hemmer.

Bewertung: Es ist die größte der prospektiven Studien mit Samenanalyse und hat eine klar definierte Population. Die Zuteilung nach Kinderwunsch trennt die Gruppen aber nach einem Merkmal, das mit Fertilität zusammenhängt (Gruppe C besteht aus Vätern), und vergleicht grundverschiedene Wirkstoffe. Es gibt weder Placebo- noch Diätkontrolle, keine Angaben zu Schwangerschaften, und Männer mit Diabetes waren ausgeschlossen. Die Effektgrößen (Verdreifachung des Testosterons, IIEF-5 von 4 auf 21 in vier Monaten) sind sehr groß im Vergleich zu den randomisierten Studien [s48, s112]. Die LH-Ausgangswerte im Abstract und im Volltext stimmen nicht ganz überein und sollten bei Weiterverwendung geprüft werden.

#### La Vignera und Kollegen 2025: Tirzepatid bei metabolischem Hypogonadismus [s54]

Kontrollierte prospektive Pilotstudie mit 83 Männern (Alter 55,3 ± 5,5 Jahre, BMI 34,9 ± 3,5 kg/m²) mit metabolischem Hypogonadismus. Gruppe A (n = 28) erhielt Tirzepatid 2,5 mg wöchentlich im ersten Monat, danach 5 mg; Gruppe B (n = 30) keine Medikation; Gruppe C (n = 25) transdermales Testosteron. Alle hielten ein Kaloriendefizit von 20 % ein und gingen täglich 20 Minuten zügig; Auswertung nach zwei Monaten. Das Körpergewicht sank in Gruppe A um 8,1 % (Streubereich minus 9,9 bis minus 6,1), in B um 2,4 %, in C um 3,0 % (p = 0,0007). Das Gesamttestosteron stieg um 128,5 % (113,9 bis 160,7) in A gegenüber 44,3 % in B und 46,2 % in C (p < 0,00001); der Ausgangswert in Gruppe A lag im Median bei 186,5 ng/dl. Estradiol fiel in A um 60,0 % (minus 73,7 bis minus 47,8), in B um 12,1 %, in C stieg es um 21,2 %. In Gruppe A stiegen LH, FSH, SHBG, freies und bioverfügbares Testosteron stärker als in B und C, der IIEF-5 stärker als in B, nicht aber gegenüber C, die Magermasse nahm zu.

Schwächen: keine Randomisierung, keine Verblindung, nur zwei Monate, Ausgangsunterschiede (Taillenumfang, Binge-Eating-Score, Magermasse und LH unterschieden sich zwischen den Gruppen; im Volltext LH 2,6 in A gegenüber 2,2 und 2,3 mIU/ml), keine Samenanalyse. Auch die unbehandelte Gruppe zeigte Hormonanstiege durch Diät und Bewegung. Das ist die einzige kontrollierte Humanstudie zu Tirzepatid mit Hormonendpunkten im Quellenpool. Eine russische Übersicht zitiert sie ohne zusätzliche Daten und nennt außerdem einen Einzelfall: ein 42-jähriger Mann mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und Azoospermie, bei dem Semaglutid und danach Tirzepatid mit Gewichtsverlust, besserem Spermiogramm und einer natürlichen Schwangerschaft der Partnerin einhergingen; die Autorennamen im Quelltext sind verstümmelt, die Angabe ist nur als Einzelfall aus zweiter Hand zu lesen [s39].

#### Bobkov, Rozhivanov, Vityazeva 2021: Liraglutid bei Asthenozoospermie, Moskau [s106]

Einarmige, unkontrollierte, prospektive Pilotstudie über sechs Monate (Juli 2020 bis März 2021), Endokrinologisches Forschungszentrum Moskau. 30 Männer im Alter von 23 bis 30 Jahren (Median 28) aus kinderlosen Paaren, mit alimentärer viszeraler Adipositas (Taillenumfang ab 98 cm, BMI bis 35 kg/m²) und Asthenozoospermie oder Asthenoteratozoospermie; ausgeschlossen waren unter anderem Diabetes, Hypogonadismus (Testosteron unter 12 nmol/l), Varikozele, Kryptorchismus, Oligo- und Azoospermie. Alle erhielten Rat zu Diät und Bewegung sowie Liraglutid einmal täglich, individuell dosiert, im Mittel 2,4 mg [2,4; 3,0]. Das Spermiogramm wurde nach WHO 2010 zweimal analysiert, das bessere Ergebnis gewertet; zusätzlich wurden antioxidative Aktivität und reaktive Sauerstoffspezies im Ejakulat bestimmt. Wegen Mehrfachvergleichen galt nach Bonferroni nur p < 0,005 als signifikant.

| Parameter (Median [Interquartilbereich]) | Ausgang | 6 Monate | p |
|---|---|---|---|
| BMI (kg/m²) | 31,8 [30,1; 33,4] | 28,1 [26,5; 29,7] | < 0,001 |
| Gewicht (kg) | 97 [92; 100] | 86 [80; 89] | < 0,001 |
| Spermienzahl (Mio. pro ml) | 55 [43; 65] | 57 [43; 69] | 0,007 |
| Lebende Spermien (%) | 92 [90; 95] | 95 [92; 98] | < 0,001 |
| Beweglichkeit A+B (%) | 25 [15; 36] | 35 [19; 52] | < 0,001 |
| Normalformen (%) | 5 [3; 6] | 6 [3; 8] | < 0,001 |
| Antioxidative Aktivität (mM-Äquivalente) | 1,2 [0,9; 1,4] | 2,8 [2,0; 3,1] | < 0,001 |
| ROS, natives Ejakulat | 6,7 [4,6; 9,0] | 4,7 [3,1; 6,9] | < 0,001 |
| ROS, gewaschene Spermien | 1,8 [1,3; 4,8] | 1,8 [1,5; 6,1] | 0,678 |

Der Gewichtsverlust betrug 11,7 %, unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, Hormone wurden nicht berichtet. Nach der eigenen Schwelle ist der Anstieg der Spermienzahl (p = 0,007) nicht signifikant, was die Autoren selbst schreiben. Die Normalformen stiegen im Median um nur einen Prozentpunkt mit weitgehend überlappenden Interquartilbereichen. Stärken: prospektiv, klare Ausschlusskriterien, doppelte Spermiogramme, strenge Mehrfachtest-Korrektur, offene Benennung des verfehlten Endpunkts. Schwächen: 30 Männer, einarmig; Auswahl nach auffälligem Spermiogramm und „bestes von zwei Ergebnissen“ begünstigen Regression zur Mitte; Diät und Bewegung als Co-Intervention; individuelle Dosis; keine Hormone, DNA-Fragmentierung oder Schwangerschaften; kurze Dauer. Die Studie erzeugt eine Hypothese.

#### Shao und Kollegen 2018: Exenatid plus Metformin bei adipösen Männern mit Typ-2-Diabetes [s117]

Multizentrische, nicht randomisierte Beobachtungsstudie über 12 Wochen in China mit 176 adipösen Männern mit Typ-2-Diabetes: 90 erhielten Exenatid plus Metformin (Alter 43,00 ± 8,50 Jahre), 86 Glimepirid plus Metformin (44,00 ± 7,00 Jahre). Das Gesamttestosteron stieg unter Exenatid um 121,72 ± 56,73 ng/dl, unter Glimepirid um 34,67 ± 16,30 ng/dl. Bei einem Gewichtsverlust von mindestens 5 % war der Anstieg in beiden Gruppen größer als bei weniger als 5 %. Die Änderungen des Gesamttestosterons hingen eng mit denen des Taillenumfangs zusammen (r = minus 0,443; p < 0,001). Die Sexualfunktion verbesserte sich unter Exenatid stärker (p < 0,001); schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Der Abstract nennt keine Ausgangswerte und keinen p-Wert für den Gruppenunterschied im Testosteronanstieg; Spermienendpunkte wurden nicht erhoben. Der Gewichtsverlust ist der stärkste Begleitfaktor, ein gewichtsunabhängiger Arzneimitteleffekt ist nicht abgrenzbar. Exenatid zählt nicht zu den drei Hauptsubstanzen dieser Studie, ist aber der größte Humanvergleich dieser Art im Pool.

#### Graybill und Kollegen 2021: Exenatid bei Typ-2-Diabetes [s104]

Prospektive Kohorte mit 51 Männern mit Typ-2-Diabetes. Nach sechs Monaten fielen das Gewicht um 2,27 kg (p = 0,00162) und der HbA1c um 0,7 % (p = 0,000503); das Gesamttestosteron änderte sich insgesamt nicht signifikant (Titel: „neutral“). In der Untergruppe mit Ausgangswert unter 320 ng/dl stieg es von 238,5 ± 56,5 auf 272,2 ± 82,3 ng/dl, in der Gruppe darüber sank es von 438 ± 98,2 auf 412 ± 141,2 ng/dl (p = 0,0172); fT stieg von 55,2 auf 57,2 pg/ml beziehungsweise fiel von 74,7 auf 64,2 (p = 0,00807). Bei einer HbA1c-Verbesserung von mindestens 1 % stieg das Testosteron von 351,6 auf 394,4 ng/dl, sonst fiel es von 331,8 auf 316,1 (p = 0,0413). Diese Untergruppenbefunde sind anfällig für Regression zur Mitte; der Gewichtsverlust war gering. Die Studie ist ein Gegengewicht zu den positiven Befunden: Ohne nennenswerten Gewichtsverlust zeigte sich insgesamt kein Testosteronanstieg.

#### Seminara und Kollegen 2026: Testosteronundecanoat bei späten Tirzepatid-Respondern [s30]

Pilotstudie mit zehn adipösen hypogonadalen Männern (35 bis 44 Jahre, BMI 35,8 ± 2,1), die nach mindestens drei Monaten Tirzepatid spät ansprachen. Nach sechs Monaten lagen Magermasse (66,1 ± 3,1 gegenüber 63,4 ± 3,0 kg; p < 0,01) und IIEF-5 (23,2 ± 2,1 gegenüber 18,0 ± 1,5; p < 0,001) in der Gruppe mit Testosteronzusatz höher, HOMA-IR niedriger (2,9 ± 0,6 gegenüber 3,8 ± 0,7). Gruppengrößen sind im Abstract nicht lesbar; die Wirkung des Testosterons ist von der des Tirzepatids nicht trennbar. Für die Frage nach der Wirkung von Tirzepatid selbst liefert die Studie nichts.

### Retrospektive Kohorten, Fallserien und Datenbankanalysen

#### Portillo-Canales und Kollegen 2026 sowie Kongressabstract 2025 [s29, s59]

Retrospektive Auswertung von Krankenakten. In der Vollpublikation: 215 Männer (Alter 55 ± 11 Jahre, BMI 36,3 ± 7,1 kg/m², 77 % Typ-2-Diabetes) mit Gesamttestosteron vor und unter Inkretintherapie, 61 mit gepaartem freiem Testosteron. Gewichtsverlust etwa 5 %, HbA1c minus 0,7 ± 1,6 %. Das Gesamttestosteron stieg von 332 ± 134 auf 399 ± 152 ng/dl (p < 0,001), das freie von 6,9 ± 3,0 auf 8,0 ± 4,2 ng/dl (p = 0,006). Die Gewichtsänderung korrelierte mit der Änderung des Gesamttestosterons (r = minus 0,28) und des fT (r = minus 0,26; p = 0,04). Der Anteil mit normalem Gesamttestosteron stieg von 67 auf 86 %. Der Kongressabstract (110 Männer, Therapiedauer 1,6 ± 1,0 Jahre; Semaglutid, Dulaglutid, Tirzepatid) nennt 322 ± 111 auf 380 ± 130 ng/dl, fT 7,0 ± 3,0 auf 8,2 ± 3,8 ng/dl, SHBG 36 ± 17 auf 38 ± 17 nmol/l (p = 0,23) und normales Testosteron 53 auf 77 % [s59]. Ob sich die Kollektive überlappen, geht aus den Abstracts nicht hervor. Stärken: realitätsnahe Population, fT gemessen. Schwächen: retrospektiv, ohne Kontrollgruppe, Männer mit gemessenem Testosteron sind vorselektiert, Substanzen gemischt, keine Gonadotropine berichtet.

#### Lisco und Kollegen 2024: langwirksame GLP-1-RA und erektile Funktion bei Typ-2-Diabetes [s73]

Retrospektive Kohorte mit 108 Männern mit Typ-2-Diabetes und erektiler Dysfunktion (Alter im Median 60 Jahre; alle hatten einen IIEF-5 zwischen 13 und 19 Punkten), 63 unter GLP-1-RA zusätzlich zu Metformin, 45 unter Metformin allein, zwölf Monate. Der HbA1c sank unter GLP-1-RA plus Metformin von 8,3 ± 0,2 auf 7,0 ± 0,3 % (p < 0,0001). Gegenüber Metformin allein ergaben sich: Gewicht minus 5,82 ± 0,69 kg, Taille minus 4,99 ± 0,6 cm, HbA1c minus 0,56 ± 0,13 %, Nüchternglukose minus 25,54 ± 3,09 mg/dl, Gesamttestosteron plus 41,41 ± 6,11 ng/dl, fT plus 0,44 ± 0,09 ng/dl, IIEF-5 plus 2,26 ± 0,26 (alle p < 0,0001). Stärken: Kontrollgruppe, Dauer von einem Jahr. Schwächen: retrospektiv, unterschiedliche Ausgangswerte (HbA1c 8,3 gegenüber 7,0), keine Randomisierung; die Autoren betonen, dass ein ursächlicher Zusammenhang nicht belegt ist.

#### Giagulli und Kollegen 2015: Liraglutid zusätzlich zu Testosteron [s121]

Retrospektive Beobachtungsstudie mit 43 adipösen Männern mit Diabetes und manifestem Hypogonadismus (45 bis 59 Jahre): 30 mit nach der Pubertät erworbenem, 13 mit vorpubertärem Hypogonadismus (10 Klinefelter-Syndrom, 3 idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus). Alle erhielten ein Jahr Testosteronundecanoat 1000 mg alle 12 Wochen plus Metformin. Schlechte Responder (16 beziehungsweise 10 Männer) erhielten im zweiten Jahr zusätzlich Liraglutid (im Abstract steht „1,2 µg/Tag“, vermutlich 1,2 mg gemeint), gute Responder (14 und 3) blieben bei zwei Substanzen. Unter Liraglutid wurde das glykämische Ziel erreicht, das Gewicht sank (p < 0,01), SHBG (p < 0,05) und Testosteron (p < 0,01) stiegen weiter, der IIEF-Score stieg. Bei den guten Respondern stiegen HbA1c (p < 0,05) und Gewicht (p < 0,04) wieder an, ohne IIEF-Verbesserung. Die Zuteilung nach Ansprechen, der gleichzeitige Testosteronersatz und ein Einheitenfehler im Abstract schränken die Aussage stark ein.

#### Able und Kollegen 2025: Semaglutid bei nicht diabetischen Männern mit Adipositas [s41]

Retrospektive TriNetX-Kohorte: Je 3094 Männer (18 bis 50 Jahre, BMI über 30, mittleres Alter bei Verschreibung 37,8 ± 7,8 Jahre, BMI 38,6 ± 5,6), mit und ohne Semaglutid-Verordnung nach dem 1. Juni 2021, gematcht; ausgeschlossen waren unter anderem frühere erektile Dysfunktion, PDE5-Hemmer, Testosteronmangel und Diabetes. Neue erektile Dysfunktion oder PDE5-Hemmer-Verordnung: 1,47 % gegenüber 0,32 % (Risikoverhältnis 4,5; 95-%-Konfidenzintervall 2,3 bis 9,0); Diagnose Testosteronmangel: 1,53 % gegenüber 0,80 % (RR 1,9; 1,2 bis 3,1). Schwächen: sehr niedrige Ereigniszahlen, Datenbank aus Abrechnungs- und Verordnungscodes, mögliche Entdeckungsverzerrung (wer Semaglutid verordnet bekommt, hat mehr ärztlichen Kontakt), keine aktive Vergleichsgruppe. Der Befund wird in der Übersicht von Klotz als Warnsignal aufgeführt [s15].

#### Tang und Kollegen 2026: Target-Trial-Emulation bei Typ-2-Diabetes [s32]

Krankenakten eines US-Gesundheitssystems, Januar 2019 bis September 2024. Nach Gewichtung 4910 Männer unter GLP-1-RA und 5524 unter DPP-4-Hemmern. Inzidenz erektiler Dysfunktion (Diagnosecodes) 35,2 gegenüber 28,0 pro 1000 Personenjahre, Hazard Ratio 1,26 (1,08 bis 1,46). Das Ergebnis war über Sensitivitätsanalysen, Untergruppen und eine externe Validierung konsistent, nach Kalibrierung mit einem Negativkontroll-Endpunkt aber abgeschwächt und nicht mehr signifikant. Die Autoren sprechen von einer „leicht erhöhten“ Rate, die auf Restverzerrung oder Selektion beruhen könne und keine Kausalität belege.

#### Cowart und Kollegen 2025: Tirzepatid gegenüber Vergleichssubstanzen [s46]

TriNetX-Kohorte, 13. Mai 2022 bis 17. Mai 2025; Männer von 18 bis 70 Jahren mit Typ-2-Diabetes ohne frühere erektile Dysfunktion; drei propensity-gematchte 1:1-Vergleiche. Endpunkt: Diagnose oder PDE5-Hemmer-Verordnung. Tirzepatid gegenüber Sitagliptin RR 0,70 (0,64 bis 0,76), gegenüber injizierbarem Semaglutid 0,67 (0,62 bis 0,72), gegenüber Dulaglutid 0,55 (0,51 bis 0,59). Fallzahlen stehen im Abstract nicht. Aktive Vergleichsgruppen sind eine Stärke, Datenbankcodes als Endpunkt eine Schwäche. Die Studie steht in Spannung zu [s32] und [s41]: Dort geht GLP-1-Therapie mit höherer Rate einher, hier Tirzepatid mit niedrigerer Rate als andere GLP-1-RA. Eine einheitliche Erklärung bieten die Abstracts nicht.

#### Weitere Fallserien und Explorationsstudien [s22, s12]

Mendias und Awan 2026 (Vorabdruck, nicht begutachtet) berichten eine retrospektive Fallserie mit 71 hypogonadalen Männern (38 normoglykämisch, 33 Typ-2-Diabetes) mit therapierefraktärer erektiler Dysfunktion, die ein Bündel aus Stoßwellen, Laser, Ultraschall, Training, Tadalafil, Testosteroncypionat und Beratung erhielten, die Männer mit Diabetes zusätzlich Tirzepatid 2,5 bis 7,5 mg wöchentlich. Alle verbesserten sich auf Erektionshärte-Score 3 oder höher, 68 % (normoglykämisch) und 58 % (Diabetes) erreichten Stufe 4; der HbA1c sank von 9,2 auf 6,2 % [s22]. Ohne Kontrollgruppe und bei sieben gleichzeitigen Maßnahmen lässt sich kein Beitrag von Tirzepatid ableiten. Guo und Kollegen 2026 untersuchten explorativ 13 Proben (2 Kontrollen, 7 mit männlichem adipositasassoziiertem sekundärem Hypogonadismus, 4 Nachuntersuchungen) unter Semaglutid und fanden 80 differenziell methylierte Gene (die meisten auf dem X-Chromosom) und 6 differenziell exprimierte miRNA; der Abstract berichtet keine Testosteron- oder Samenwerte, die Autoren nennen die Ergebnisse hypothesengenerierend [s12].

### Genetik und Pharmakovigilanz

An und Kollegen 2024 nutzten eine Wirkstoffziel-Mendelsche-Randomisierung: Genetisch approximierte GLP-1-RA-Wirkung ging mit einem geringeren Risiko erektiler Dysfunktion einher (OR 0,493; 95-%-Konfidenzintervall 0,430 bis 0,565; p < 0,001). Die Vermittlung über Typ-2-Diabetes (2,89 %), Adipositas (6,83 %), Bluthochdruck (3,22 %) und Herz-Kreislauf-Erkrankung (3,06 %) war klein; der größere Teil des Effekts bleibt unerklärt [s66]. Die genetische Näherung bildet eine lebenslange Veränderung der Zielstruktur ab, nicht eine Behandlung über Wochen; sie sagt nichts über Hormone oder Spermien.

Zwei FAERS-Auswertungen kommen mit unterschiedlichen Methoden zu gegensätzlichen Maßen. Pourabhari Langroudi und Kollegen fanden 182 Meldungen männlicher sexueller Dysfunktion (Orgasmus, Erektion, Libido) bei GLP-1-RA zwischen Q4/2003 und Q1/2024 (Exenatid 24,2 %, Semaglutid 21,4 % der Meldungen; Diabetes 43,9 % der Indikationen) mit Disproportionalitätsmaßen unter 1 (ROR 0,41; 0,36 bis 0,48) und bewerten die Assoziation als schwach [s60]. Lin und Kollegen fanden 49 Semaglutid-, 54 Sitagliptin- und 42 Dapagliflozin-Meldungen zu erektiler Dysfunktion mit ROR 1,53 (1,16 bis 2,03), 1,52 (1,16 bis 1,98) und 1,51 (1,11 bis 2,04); Dulaglutid, Linagliptin und Metformin zeigten kein Signal, und die Latenzzeiten sprachen für zufällige Ausfälle ohne Häufung nach Behandlungsbeginn [s20]. Das Semaglutid-Signal liegt damit in derselben Größenordnung wie das der Vergleichssubstanzen und ist nicht GLP-1-spezifisch. Spontanmeldungen enthalten keine Nenner und erlauben keine Risikoschätzung; erektile Dysfunktion ist bei Diabetes ohnehin häufig.

### Fallberichte

Fontoura und Kollegen 2014 beschreiben in einem Fallbericht eine schädliche Wirkung von Liraglutid auf die männliche Fortpflanzungsfunktion; im Abstract stehen keine Messwerte [s123]. Nach Angabe von Andersen und Kollegen betraf der Fall 0,6 mg Liraglutid täglich und eine Verschlechterung der meisten Samenparameter [s96]. Der Meinungsbeitrag aus Dubai gibt an, die Verschlechterung habe sich nach fünf Monaten Absetzen gebessert, die Ausgangswerte bei Volumen, Konzentration und Beweglichkeit aber nicht erreicht; dort wurde das Original nur zitiert, und die warnende Aussage stützt sich auf diese eine Arbeit [s70]. Tariq und Kollegen 2026 beschreiben einen 40-jährigen Mann mit Harndrang, Juckreiz am Penis, Dysurie, Beckenschmerz und sexueller Dysfunktion drei bis vier Wochen nach Beginn von Tirzepatid; nach dem Absetzen bildeten sich die Beschwerden innerhalb von zehn Tagen zurück, die Infektionsdiagnostik war negativ [s33]. Lima und Kollegen 2025 berichten einen 31-jährigen Mann mit morbider Adipositas (Grad III) und hypogonadotropem Hypogonadismus, der unter Liraglutid und Fluoxetin in zwölf Monaten 65 kg verlor und bessere Libido und Lebensqualität angab; wegen der Begleitmedikation und des Einzelfalls ist der Bericht kaum verwertbar [s55]. Keiner dieser Berichte belegt einen ursächlichen Zusammenhang.



### Metaanalysen und systematische Übersichten

Die Metaanalysen sind nicht unabhängig voneinander. Sie schöpfen aus demselben kleinen Pool von Primärstudien, darunter [s112, s88, s104, s121, s73]; Mehrfachzählung derselben Patienten ist wahrscheinlich. Die folgende Tabelle fasst die quantitativen Ergebnisse zusammen, die Einzelbesprechung folgt danach.

| Arbeit | Studien / Teilnehmer | Hauptergebnis | Vertrauen in die Evidenz |
|---|---|---|---|
| Salvio 2025 [s62] | 7 / n = 680 | Gesamttestosteron: standardisierte Mittelwertdifferenz 1,39 (0,70 bis 2,09) | nicht bewertet; Autoren: direkte Hodenwirkung nicht belegt |
| Orra 2025 [s57] | 4 / 219 vor, 216 nach Behandlung | bioverfügbares Testosteron MD minus 57,18 (minus 87,60 bis minus 26,76), I² = 86 %; freies Testosteron und SHBG nicht signifikant | Heterogenität hoch |
| Mirghani 2026 [s24] | 7 / 237 Männer laut Abstract | IIEF-/ED-Score MD 2,73 (1,64 bis 3,83), I² = 90 %; Gesamttestosteron MD 73,04 (16,91 bis 129,17), I² = 99 % | GRADE sehr niedrig für alle bewerteten Endpunkte |
| Ezici 2025 [s47] (Kongressabstract) | 4 / 396 | IIEF-5 MD 2,84 (minus 2,89 bis 8,57); Gesamttestosteron 53,37 ng/dl (minus 32,6 bis 139,34); beides nicht signifikant | nicht angegeben |
| Deameh 2026 [s05] | 10 / 639 Männer | Gesamttestosteron durchgehend höher; keine Effektgrößen im Abstract | RoB 2 und ROBINS-I eingesetzt |
| Zafrani 2026 [s37] | 8 | bescheidener Testosteronanstieg bei metabolisch belasteten, neutral bei gesunden Männern | nicht quantifiziert |
| Yang 2026 [s36], Netzwerk | 23 RCT / 1899 | GLP-1-Arm im Abstract ohne Effektgröße; TRT plus Lebensstil MD 7,19 | CINeMA niedrig bis sehr niedrig |
| Yang 2025 [s63] | 3 (aus 3906 Treffern) | GLP-1-RA gegenüber Metformin bei erektiler Dysfunktion Z = 2,41; p = 0,02 | sehr kleine Basis |
| Peel 2026 [s28] | 32 | Pharmakotherapie in 5 Studien, keine klaren Schlüsse | niedrig |

**Salvio und Kollegen 2025 [s62].** Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, Scopus); sieben Studien, n = 680. Das Gesamttestosteron stieg mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von 1,39 (95-%-Konfidenzintervall 0,70 bis 2,09; p < 0,0001). Der Abstract bezeichnet das mit der Einheit „ng/ml“, obwohl standardisierte Differenzen einheitenlos sind; die Angabe ist so nicht zu deuten. Freies Testosteron, SHBG, LH und FSH stiegen „ähnlich“, Gewicht, BMI, Taillenumfang und HbA1c sanken. Die Metaregression ergab eine negative Korrelation zwischen der Testosteronänderung und der prozentualen Änderung von Gewicht und BMI. Im Vergleich mit anderen Behandlungen war der Androgeneffekt vergleichbar, der BMI-Rückgang sowie der Anstieg von Gonadotropinen und Erektionsindizes größer. Die Autoren halten fest, dass die Literatur eine direkte Wirkung auf die Hodenfunktion nicht belegt. Die Zahlen wurden an anderer Stelle gegen den Abstract geprüft und stimmen überein; der Volltext wurde nicht abgerufen [s39].

**Orra und Kollegen 2025 [s57].** Vier Studien (Datenbanken bis Dezember 2024), 219 Patienten vor und 216 nach Behandlung. Bioverfügbares Testosteron: MD minus 57,18 (minus 87,60 bis minus 26,76; p < 0,001; I² = 86 %); das negative Vorzeichen folgt der Anordnung der Differenz in der Quelle, interpretiert wird ein Anstieg. HbA1c MD 0,79 (0,58 bis 1,00; I² = 0 %); freies Testosteron (MD minus 1,62; p = 0,051) und SHBG (MD minus 6,62; p = 0,120) änderten sich nicht signifikant. Die Autoren schreiben, die Assoziation sei von Leitlinien noch nicht erfasst. Hohe Heterogenität bei der Hauptaussage.

**Mirghani und AlQurashi 2026 [s24].** Metaanalyse mit RevMan 5.4, Modell mit zufälligen Effekten, Newcastle-Ottawa-Skala und GRADE; Suche in PubMed, Google Scholar und Web of Science, nur englischsprachige Arbeiten; 172 Artikel gefunden, 63 nach Entfernen der Dubletten, 12 im Volltext, 7 eingeschlossen. Die sieben Einträge (sechs aus Italien, einer aus der Schweiz) waren Defeudis (48 Monate, 20 gegen 51), drei Giagulli-Arbeiten (Liraglutid, Dulaglutid, Liraglutid gegen Metformin), La Vignera (Tirzepatid, 28 gegen 30), Lengsfeld (gesunde Männer, 12 gegen 12) und Lisco (63 gegen 45). Ergebnisse (GLP-1-Gruppe gegen Kontrolle): ED-Score MD 2,73 (1,64 bis 3,83; I² = 90 %); nach Ausschluss heterogenitätstreibender Studien (3 Studien) MD 1,88 (1,33 bis 2,43; I² = 26 %); Gesamttestosteron MD 73,04 (16,91 bis 129,17; p = 0,01; I² = 99 %); freies Testosteron 0,07 (0,01 bis 0,14; p = 0,08; I² = 86 %); SHBG 7,00 (1,71 bis 12,30; I² = 99 %); LH 0,45 (minus 0,14 bis 1,04; p = 0,14); FSH 0,46 (0,01 bis 0,91; p = 0,05; I² = 91 %). Die GRADE-Bewertung lautet für alle sechs bewerteten Endpunkte „sehr niedrig“.

Kritische Punkte, die in der Quelle selbst sichtbar sind: Der Titel spricht von Impotenz, Spermienparameter wurden nicht untersucht. Gepoolt wurden rohe Hormonwerte in unterschiedlichen Größenordnungen (in der Tabelle der Quelle stehen für das Gesamttestosteron Werte wie 430,8, 259 und 140 neben 19,7), Einheiten nennt die Tabelle nicht; eine gepoolte Differenz von 73,04 ohne Einheit lässt sich deshalb nicht deuten. Beim freien Testosteron steht im Text „kein signifikanter Unterschied“ (p = 0,08), obwohl das Konfidenzintervall die Null nicht einschließt, beim FSH wird p = 0,05 als signifikant gewertet. Der Abstract nennt 237 Männer, die Ergebnistabellen der Quelle ergeben 183 behandelte und 184 Vergleichspersonen; 237 entspricht der Teilanalyse mit drei Studien (111 plus 126). Zwei Giagulli-Einträge tragen identische Werte der Vergleichsgruppe, sodass eine Doppelzählung möglich ist. Der Suchzeitraum ist in der Quelle uneinheitlich angegeben (2025 im Methodenteil, 2026 im Abstract). Die Arbeit ist damit ein warnendes Beispiel, wie stark die Aussage vom Studienpool abhängt.

**Ezici und Kollegen 2025 [s47].** Kongressabstract einer Metaanalyse mit vier Studien (eine randomisierte, eine prospektive, zwei retrospektive), 396 Teilnehmern (199 GLP-1-RA, 197 Kontrolle), PROSPERO CRD42025640594. IIEF-5 MD 2,84 (minus 2,89 bis 8,57) und Gesamttestosteron 53,37 ng/dl (minus 32,6 bis 139,34), jeweils nicht signifikant. Diese Metaanalyse widerspricht den Ergebnissen von [s62] und [s24] und verdeutlicht die Abhängigkeit vom Studienpool.

**Deameh und Kollegen 2026 [s05].** Systematische Übersicht in vier Datenbanken bis April 2025, nach PRISMA; eingeschlossen waren randomisierte Studien und Kohorten mit Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid oder Exenatid; zehn Studien, 639 Männer; Verzerrungsbewertung mit RoB 2 und ROBINS-I. Das Gesamttestosteron war durchgehend höher, besonders bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus; die Änderungen des freien Testosterons waren uneinheitlich und oft durch gleichzeitigen SHBG-Anstieg ausgeglichen. LH und FSH blieben erhalten oder stiegen, anders als unter Testosterontherapie, wo sie unterdrückt wurden. Samenparameter besserten sich bei adipösen oder hypogonadalen, nicht bei gesunden Männern. Die Autoren sehen GLP-1-RA in manchen Fällen als „fertilitätserhaltende Alternativen“ zur Testosterontherapie und fordern standardisierte Fertilitätsendpunkte. Der Abstract nennt keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte und keine Fertilitätsendpunkte im engeren Sinn; die Folgerung „Alternative“ ist eine Aussage der Autoren.

**Zafrani, Khan und Zitzmann 2026 [s37].** Systematische Übersicht nach PRISMA 2020 (Januar 2021 bis Januar 2026); acht Studien, darunter ein randomisierter, placebokontrollierter Cross-over-Versuch (vermutlich [s72]) und sechs Beobachtungs- oder Interventionsstudien. Berichtet wird ein bescheidener Testosteronanstieg und Verbesserungen der Erektionsfunktion oder ausgewählter Samenparameter bei metabolisch belasteten Männern, neutrale Ergebnisse bei gesunden eugonadalen Männern. Die Reaktion hänge vom metabolischen Ausgangszustand ab.

**Yang und Kollegen 2026, Netzwerk-Metaanalyse [s36].** 23 randomisierte Studien mit 1899 Teilnehmern zu funktionellem Hypogonadismus bei Adipositas (Lebensstiltherapie, TRT, endogene Testosteronrestitution, GLP-1-basierte Therapie, TRT plus Lebensstil). Gegenüber üblicher Versorgung oder Placebo: Gesamttestosteron unter TRT plus Lebensstil MD 7,19 (1,18 bis 13,21), unter endogener Restitution 4,14 (0,74 bis 7,54), unter TRT 2,53 (0,26 bis 4,81); IIEF unter TRT plus Lebensstil 1,29 (0,07 bis 2,50); keine Intervention senkte den HbA1c signifikant; TRT erhöhte den Hämatokrit; bei unerwünschten Ereignissen gab es keine signifikanten Unterschiede. Für den GLP-1-Arm nennt der Abstract keine Effektgröße; weder ein Testosteronanstieg noch ein fehlender Effekt lässt sich daraus ablesen, auch nicht, wie viele der 23 Studien einen GLP-1-Arm hatten. Das Vertrauen in viele Vergleiche war niedrig oder sehr niedrig, die Einheit der MD ist nicht genannt.

**Peel und Kollegen 2026 [s28].** Metaanalyse in Human Reproduction Update mit 32 Studien zu Adipositasinterventionen und männlicher Fertilität (Registrierung CRD42022349665, nur englischsprachige Literatur). Pharmakotherapie (Metformin und Liraglutid) in fünf Studien (vier quasi-experimentell, ein Fallbericht): Die Daten reichten für keine klaren Schlüsse. Lebensstilinterventionen (zehn Studien): normale Morphologie plus 0,59 % (0,23 bis 0,94), progressive Motilität plus 10,56 % (8,97 bis 12,15). Bariatrische Chirurgie (18 Studien): keine klinisch relevanten Änderungen von Samenparametern oder DNA-Schäden. Als Wissenslücke werden begrenzte Studien zu GLP-1-RA und zu Konzeptionsendpunkten genannt; die Sicherheit der Evidenz wurde als niedrig eingestuft.

**Weitere systematische Arbeiten.** Yang und Kollegen 2025 (Antidiabetika und erektile Dysfunktion): Nach 3906 Treffern gingen nur drei Studien in die Analyse ein; GLP-1-RA waren Metformin bei der Verbesserung der erektilen Dysfunktion überlegen (Z = 2,41; p = 0,02), besonders bei höherem BMI (Z = 2,26; p = 0,02); der Abstract nennt weder gepoolte Effektstärke noch Konfidenzintervall [s63]. La Vignera und Condorelli 2026: PRISMA-Übersicht mit 29 eingeschlossenen Studien (14 Primärstudien, 5 Übersichten, 10 narrative Arbeiten) aus 326 Datensätzen; randomisierte Studien hatten 12 bis 42 Teilnehmer und 12 bis 24 Wochen Dauer; Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid steigerten das Gesamttestosteron bei adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus im Mittel um 2,5 bis 5,2 nmol/l, überwiegend vermittelt durch Gewichtsverlust und bessere Insulinresistenz; ob ein bestehender Hypogonadismus das Ansprechen verschlechtert, sei nicht belegt [s18]. Khalil und Kollegen 2026: Übersicht zu urologischen Komplikationen der Adipositas (84 Studien, über 165.000 Teilnehmer), die für GLP-1-RA den Wert von [s62] übernimmt und nach bariatrischer Chirurgie einen IIEF-Anstieg um 4 bis 6 Punkte und einen Testosteronanstieg um 30 bis 50 % angibt [s14]. Service und Kollegen 2023: 112 Artikel (MEDLINE 2013 bis 2023); Adipositas, Diabetes und metabolisches Syndrom beeinträchtigen Samenqualität und DNA-Integrität; für Metformin und GLP-1-RA zeichne sich „ein komplexeres Bild“ mit nützlichen und schädlichen Hinweisen ab [s92]. Wang und Kollegen 2026: Scoping-Review mit 28 klinischen Studien; GLP-1-RA zählen zu den untersuchten Optionen für die Samenqualität adipöser Männer neben bariatrischer Chirurgie, Lebensstil, selektiven Östrogenrezeptormodulatoren, Testosteron, Aromatasehemmern, Nahrungsergänzungsmitteln und chinesischer Medizin; ohne Zahlen im Abstract und ohne formale Bewertung des Verzerrungsrisikos [s34]. Eine portugiesische Masterarbeit der Universität Porto wertet 17 Studien aus (PubMed, Cochrane Library; RoB 2 und Newcastle-Ottawa) und kommt zum Schluss, bei gesunden Männern fänden sich keine signifikanten Effekte, bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus Verbesserungen, überwiegend über Gewichtsverlust; das ist eine Sekundärauswertung der englischsprachigen Literatur ohne eigene Daten [s09]. Eine weitere Übersicht aus der Reproduktionsmedizin (JBRA Assisted Reproduction, 47 Artikel) betrifft Frauen mit PCOS und liefert für Männer keine Daten [s02].

### Narrative Übersichten, Kommentare und Stellungnahmen

Diese Arbeiten liefern keine neuen Messwerte, ordnen aber die Primärstudien ein. Gemeinsam ist ihnen: Die Wirkung auf Testosteron sei bei metabolisch belasteten Männern plausibel, die Trennung von Medikamenten- und Gewichtseffekt gelinge nicht, Evidenz zu Konzeption und Lebendgeburt fehle.

- **Kaltsas und Kollegen 2026** [s13] (strukturierte Übersicht mit vorgeschlagenem Beratungsrahmen): Studien überwiegend mit Liraglutid oder Semaglutid berichten Testosteronanstiege, fT uneinheitlich, keine starke Gonadotropinsuppression. Es wurde keine ausreichend große prospektive GLP-1-Studie mit vorab festgelegten Endpunkten (Spermien-DNA-Fragmentierung, natürliche Konzeption, assistierte Reproduktion, klinische Schwangerschaft, Lebendgeburt) gefunden und keine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt. Die Autoren sehen die Medikamente für metabolische Indikationen, nicht als Mittel gegen männliche Infertilität; der Rahmen ist nicht validiert.
- **Kuchakulla und Kollegen 2026** [s17] (16 klinische Studien bis Mai 2025): GLP-1-Rezeptoren in männlichem Reproduktionsgewebe; präklinische Verbesserungen über cAMP/PKA und PI3K/Akt; begrenzte klinische Hinweise auf bessere Samenparameter und höheres Testosteron bei adipösen hypogonadalen Männern.
- **Varnum und Kollegen 2023** [s93]: Gewichtsverlust unter GLP-1-RA gehe mit besserer Spermienzahl, -konzentration und -motilität einher; der direkte Hormoneffekt bleibe unklar.
- **Paternò und Kollegen 2026** [s27]: Antidiabetika (SGLT2-Hemmer, GLP-1-RA) in Modellen mit besseren Spermienparametern und erhaltener Hodenarchitektur; klinische Evidenz begrenzt und teils widersprüchlich; für Tirzepatid vorläufig günstige Hinweise, direkte Daten zu Spermatogenese und Fertilität begrenzt.
- **Broul und Kollegen 2026** [s03]: Quellen-Triangulation aus Studien, Registern, Zulassungstexten und Patenten. Direkte Fertilitäts- und Lebendgeburtsdaten seien spärlich; Studienregister enthielten mehr männliche Reproduktionsendpunkte als veröffentlicht; Hormon-, Sexualfunktions- oder Samenänderungen könnten dem Stoffwechselerfolg folgen und belegten keine bessere Konzeption; Patentansprüche seien keine klinische Evidenz.
- **Klotz 2026** [s15] (deutschsprachiger Titel): GLP-1-RA erreichen bis zu 22 % Gewichtsreduktion; bei adipositasbedingtem Hypogonadismus Anstieg des Gesamttestosterons und bessere erektile Funktion; als Warnsignal wird das 4,5-fach erhöhte Risiko neu aufgetretener erektiler Dysfunktion bei nicht diabetischen Männern unter Semaglutid [s41] genannt. Der Autor empfiehlt systematische andrologische Überwachung und Patientenaufklärung (Position des Autors, keine Empfehlung dieses Kapitels).
- **Olivares 2026** [s26], **Fuentes-Mendoza 2026** [s10], **Merhi 2026** [s23], **Gelfand 2026** [s11], **Kounatidis 2025** [s53]: Übersichten zur Sexualfunktion. Olivares und Fuentes-Mendoza sehen überwiegend positive Effekte auf Testosteron, Erektion und Samenparameter. Merhi beschreibt für Nager hemmende Effekte von Exendin-4 auf sexuelles Verhalten (laterodorsales und ventrales tegmentales Areal, Nucleus accumbens), beim Menschen „gemischte“ Befunde. Gelfand und Kollegen postulieren einen serotonergen Mechanismus über den 5-HT2C-Rezeptor, über den GLP-1-RA das sexuelle Verlangen senken könnten, überlagert durch Testosteronanstieg und besseres Körperbild; das ist ein theoretisches Modell ohne Messdaten. Kounatidis und Kollegen halten fest, die Vermutung positiver Effekte auf die Erektion werde durch experimentelle und klinische Arbeiten gestützt, erste Berichte wiesen aber auch auf mögliche Assoziationen mit erektiler Dysfunktion hin.
- **Pereira 2025** [s58], **Pavli 2024** [s74], **Rabijewski 2023** [s91], **Antonič und Zitzmann 2025** [s44], **La Vignera und Condorelli 2026** [s19], **Du Plessis 2024** [s70]: Pereira nennt mögliche Verbesserungen von Motilität und Hormonmarkern und „vereinzelte Fälle reversibler Verschlechterung der Spermienqualität“. Pavli bewertet medikamentös induzierten Gewichtsverlust als fertilitätsrelevant und rät laut Quelle, GLP-1-RA bei geplanter Schwangerschaft abzusetzen (Autorenposition). Rabijewski hält Testosterontherapie bei adipösen Männern mit Kinderwunsch für kontraindiziert und GLP-1-Analoga für „wirksam und sicher“ (Autorenmeinung). Antonič und Zitzmann diskutieren die Kombination von Testosteron und GLP-1-RA zur Erhaltung der Magermasse. Du Plessis und Kollegen (Meinungsbeitrag aus Dubai, „fable of caution“) stützen die Warnung im Wesentlichen auf eine zitierte Arbeit [s123] und verweisen auf die etwa dreimonatige Dauer der Spermatogenese; ihre PubMed-Abfrage vom 27. August 2024 fand 50 Artikel, von denen 16 den männlichen Faktor behandelten.
- **Jensterle 2019** [s111] und **Cannarella 2021** [s102]: Übersicht über die Rolle von GLP-1 in der Reproduktion (in tierexperimentellen Modellen überwiegend stimulierend, Daten bei Männern am widersprüchlichsten) beziehungsweise Kommentar mit der Hypothese eines Nutzens bei männlicher Infertilität und der Forderung nach randomisierten Studien.
- **Koufakis 2026** [s16], Editorial: Väterliche Adipositas und Diabetes könnten das metabolische Risiko der Nachkommen erhöhen (Effekte klein, Störfaktoren); Daten zur väterlichen Anwendung von GLP-1-RA seien „spärlich und fragmentarisch“.
- **Graue Literatur**: Ein nicht begutachteter Positionstext in Zenodo zu niedrigem Testosteron „in der GLP-1-Ära“ (spanischsprachig) hat nach den Recherchen einen kommerziellen Bezug zu Nährstoffpräparaten, verweist auf Studien und Metaanalysen zu Testosteronanstiegen unter GLP-1-Therapie und belegt keine direkte gonadale Wirkung; er wird hier nur dokumentiert und nicht als Beleg verwendet [s21].
- **Weitere**: An 2025 [s43] nennt in einem Überblick zu erektiler Dysfunktion und Herz-Kreislauf-Erkrankung die Kombination von GLP-1-RA mit Testosterontherapie als Möglichkeit, ohne Zahlen; Yazıcı 2023 [s94], Rocco 2025 [s61] und Bocu 2025 [s45] geben ohne eigene Zahlen im Männerteil die Mausbefunde und kleine Humanstudien wieder (Rocco: GLP-1-RA hätten bei Mäusen das Serumtestosteron nicht hergestellt, aber Motilität, Mitochondrienaktivität und Spermien-DNA-Fragmentierung verbessert); russischsprachige Übersichten [s39, s81, s78, s115, s80, s79] ordnen den Gewichtsverlust überwiegend als Hauptmechanismus ein. Bemerkenswert ist die Gegenüberstellung zweier Arbeiten derselben Autorengruppe: Die eine formuliert vorsichtig („nur Studien mit GLP-1-Analoga“ zeigten günstige Wirkungen, vor einer Empfehlung seien weitere randomisierte Studien nötig) [s79], die andere schreibt, alle Studien und Metaanalysen zeigten günstige Veränderungen [s39]. Die zuversichtlichere Formulierung geht über die Datenlage hinaus. Der Übersichtsartikel [s81] hält den Gewichtsverlust für den Hauptfaktor und verweist auf einzelne Daten, die einen größeren Anstieg zeigten, als der Gewichtsverlust allein erwarten lasse; das sei weiter zu prüfen.

Zwei Arbeiten dienen nur dem Kontext. Rozhivanov 2022 fand in einer Querschnittsstudie mit 347 Männern mit Typ-2-Diabetes in Moskau eine Hypogonadismusprävalenz von 69,5 %; GLP-1-RA nahmen 7,5 % der Männer ein (6,6 % mit gegenüber 9,4 % ohne Hypogonadismus; p = 0,491), eine Analyse nach GLP-1-Einnahme erfolgte nicht [s99]. Antinozzi 2021 maß bei 98 Männern GLP-1 in Serum und Seminalplasma: Serum höher als Seminalplasma, bei Adipösen höher als bei Nicht-Adipösen; GLP-1 korrelierte nur mit der progressiven Motilität [s100].

### Leitlinien und Empfehlungen von Fachgesellschaften

Keine der geprüften Leitlinien enthält eine GLP-1-spezifische Aussage zu männlichen Hormonen, Spermienqualität oder Fertilität. Das ist der zentrale Befund dieses Abschnitts; er lässt sich im Einzelnen belegen.

- **EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Webfassung 2026, Abruf 4. Oktober 2026) [s06].** Der abgerufene Text (rund 146.000 Zeichen nach Entfernen des Seitencodes) enthält keine der Zeichenfolgen „GLP“, „glucagon“, „semaglutide“, „liraglutide“, „incretin“ oder „tirzepatide“. Zur Adipositas steht: Gewichtsverlust verbessere in nicht kontrollierten Studien die Samenparameter, Daten aus randomisierten Studien seien „widersprüchlicher“; eine Metaanalyse von 28 Kohortenstudien mit 1022 Patienten zeige keine Verbesserung der Spermienqualität durch bariatrische Chirurgie; Daten zur assistierten Reproduktion fehlten; Gewichtsverlust könne adipositasbedingten sekundären Hypogonadismus bessern. Die Empfehlung (Evidenzgrad 2a) lautet, dass bei idiopathischer Oligo-Astheno-Teratozoospermie Lebensstiländerungen einschließlich Gewichtsverlust die Spermienqualität und die Konzeptionschancen verbessern könnten.
- **EAU, Kapitel Male Hypogonadism [s07].** Ebenfalls keine Treffer zu GLP-1-Begriffen. Lebensstiländerung und Gewichtsverlust sollen der erste Ansatz bei übergewichtigen Männern mit Hypogonadismus sein; der Testosteronanstieg nach Diät oder Bewegung sei klein (1 bis 2 nmol/l); 60 bis 86 % des verlorenen Gewichts würden nach drei Jahren wieder zugenommen. Dieser letzte Punkt ist für die Frage der Dauerhaftigkeit eines Hormoneffekts relevant (siehe Abschnitt zur Reversibilität).
- **AUA/ASRM-Leitlinie Diagnosis and Treatment of Infertility in Men (veröffentlicht 2020, geändert 2024) [s68].** Im Ausblick heißt es, die Fähigkeit, das Fortpflanzungspotenzial durch Gewichtsverlust und bessere Stoffwechselgesundheit wiederherzustellen, sei noch unzureichend untersucht; die Wirkung der GLP-1-RA-Klasse auf die Reproduktionsgesundheit sei noch zu bestimmen. Eine Aussage mit Empfehlungsgrad zu GLP-1-RA gibt es nicht.
- **ESHRE [s08].** Die abgerufene Übersichtsseite listet keine Leitlinie zu männlicher Infertilität oder zu GLP-1-RA (genannt werden unter anderem Add-ons 2023, Unexplained infertility 2023, Fertility preservation in boys 2025). Volltexte einzelner ESHRE-Leitlinien wurden nicht geprüft.
- **AWMF und Società Italiana di Andrologia.** Das AWMF-Register lieferte über die verfügbare Schnittstelle keine Inhalte; es konnte keine AWMF-Leitlinie ausgewertet werden, eine Aussage darüber, ob AWMF-Leitlinien GLP-1-RA im männlichen Kontext erwähnen, ist nicht möglich. Auf den erreichbaren Seiten der Società Italiana di Andrologia fand sich kein Text zu GLP-1-RA; eine Leitlinie oder ein Positionspapier wurde nicht gefunden. Diese beiden Stellen bleiben daher offen.
- **Russische Leitlinie „Behandlung der Adipositas und komorbider Erkrankungen“ 2021 [s107].** Empfehlung 1.25: Bei Männern mit Adipositas und typischen Beschwerden sollen Gesamttestosteron, SHBG, berechnetes freies Testosteron, LH und FSH bestimmt werden. Empfehlung 6.11: Bei „reversiblem Hypogonadismus“, etwa bei jungen Männern mit Adipositas und erhaltener gonadotroper Funktion, wird eine Testosterontherapie nicht empfohlen, da Gewichtsabnahme das Testosteron physiologisch wiederherstellen könne (Stärke B, Evidenzniveau 3). Empfehlung 6.12: Wenn das Gewichtsziel nicht erreichbar ist, kurz wirksame Testosteronpräparate, um die Hemmung von Gonadotropinen und Spermatogenese zu minimieren (C, 5); bei Kinderwunsch seien Gonadotropine oder Antiöstrogene und assistierte Reproduktion zu erwägen. Eine Textsuche in den Passagen zum Hypogonadismus fand keinen GLP-1-Bezug.
- **Russische Leitlinie „Adipositas“ des Gesundheitsministeriums, Fassung 2024 [s65].** Männern mit Adipositas und Beschwerden eines Hypogonadismus werden Gesamt- und freies Testosteron, LH, FSH und SHBG zur Differenzialdiagnose empfohlen (Stärke C, Evidenzniveau 4). Kein GLP-1-Bezug zur männlichen Fertilität in den durchsuchten Passagen.
- **Chinesischsprachige Konsensdokumente.** Zwei in PubMed gesichtete Konsensdokumente zu GLP-1-RA (Typ-2-Diabetes 2020, nährstoffstimulierte Hormonrezeptor-Agonisten 2026) enthalten in ihren Abstracts keine Begriffe zu Hoden, Spermien, Testosteron oder Fortpflanzung; sie sind nicht in die Quellenliste aufgenommen.

Zur Einordnung: Die Leitlinien sagen indirekt etwas aus, nämlich dass Gewichtsverlust und Lebensstil als Erstmaßnahme gelten und dass bei Kinderwunsch exogenes Testosteron wegen der Spermatogenesehemmung problematisch ist. Zu GLP-1-RA in diesem Zusammenhang schweigen sie oder verweisen auf offene Forschungsfragen. Daraus folgt weder eine Empfehlung dafür noch dagegen.



### Tierversuche und Zellmodelle

Alle folgenden Arbeiten sind präklinisch. Dosen, Behandlungsdauer und Modelle (Streptozotocin-Diabetes, Hochfettdiät, chemische oder mechanische Hodenschädigung) unterscheiden sich von der Behandlung des Menschen; ein Rückschluss auf Menschen ist nicht zulässig. Für die meisten Arbeiten lag nur der Abstract vor, häufig ohne Gruppengrößen und Effektgrößen; das wird jeweils vermerkt. Gemeinsame Schwächen vieler Arbeiten sind kleine Gruppen (meist 6 bis 10 Tiere), die Behandlung nach induzierter Erkrankung (Schutzwirkung, nicht Verhalten am gesunden Tier), das Fehlen einer Paarfütterungsgruppe, die den Gewichtseffekt abtrennen würde, und die Herkunft vieler Arbeiten aus Gruppen, die dieselben Modelle verwenden. Die folgende Tabelle gibt den Überblick, die Einzelbesprechung folgt nach Wirkstoff.

| Wirkstoff | Modell | Dauer und Dosis (soweit genannt) | Kernbefund | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Semaglutid | adipöse Ratte, Paarfütterung | 4 Wochen | Motilität besser, Androgenabfall durch Gewichtsverlust abgeschwächt | [s31] |
| Semaglutid | STZ-Diabetes, Ratte | 4 Wochen, 25 nmol/kg täglich | Hodenfunktion und Paarungsverhalten besser | [s40] |
| Semaglutid | Diabetesmaus, Zelllinie | nicht genannt | weniger Ferroptose, Hodenschaden gemildert | [s77] |
| Semaglutid | Hodentorsion, Ratte (n = 50) | Frühintervention | Schutz, durch Exendin 9-39 aufgehoben | [s95] |
| Semaglutid | 5-Fluorouracil, Ratte | 30 Tage, 12 µg/kg wöchentlich | FSH, LH, Testosteron höher, Rezeptorblockade prüft Abhängigkeit | [s50] |
| Semaglutid | STZ-Diabetes, Ratte (n = 40) | 8 Wochen, 0,3 mg/kg | Testosteron 1,67 auf 2,4 (Einheit wie gedruckt) | [s38] |
| Tirzepatid | T2D-Ratte (n = 60), Paarfütterung | 8 Wochen | Testosteron und Gonadotropine hergestellt, besser als Metformin | [s01] |
| Tirzepatid | KK-Ay-Maus | 8 Wochen, 1,00 oder 0,16 nmol/kg täglich | weniger Hodenmakrophagen und DNA-Fragmentierung | [s25] |
| Liraglutid | adipöse Maus | 12 Wochen | LH, FSH, Testosteron und Spermienzahl höher | [s75] |
| Liraglutid | diabetische Maus (n = 42) | 1,2 und 1,8 mg/kg | Zahl, Chromatin, DNA besser; Motilität und Embryonalentwicklung nicht | [s105] |
| Liraglutid | juvenile gesunde Ratte | Tag 20 bis 33 | Blut-Hoden-Schranke durchlässiger, später wieder normal | [s04] |
| Liraglutid | diabetische Maus, gealterte Maus | nicht genannt | keine Verbesserung der Spermienparameter | [s64] |

#### Semaglutid

**Sotzen und Kollegen 2026 [s31]** (adipöse männliche und weibliche Ratten, 4 Wochen, mit paarfütterten Kontrollen). Die Hodenexpression des GLP-1-Rezeptors war 4,7-fach höher als im Eierstock. Spermienmotilität und Schleimpenetration verbesserten sich sowohl bei paarfütterten als auch bei Semaglutid-Tieren; Semaglutid schwächte den gewichtsverlustbedingten Abfall aller gemessenen Androgene ab; Hypophysenhormone waren in beiden Geschlechtern verändert. Das ist die einzige Semaglutid-Arbeit mit Paarfütterung und damit eine der wenigen, die zwischen Gewichts- und Wirkstoffeffekt unterscheiden kann. Der Abstract nennt keine Gruppengrößen und Zahlen.

**Abdel-Wahab und Kollegen 2025 [s40]** (28 erwachsene Ratten in vier Gruppen: Kontrolle, Semaglutid, Diabetes, Diabetes plus Semaglutid; Streptozotocin 50 mg/kg intraperitoneal; Semaglutid 25 nmol/kg täglich subkutan über vier Wochen). Semaglutid milderte die diabetesbedingte sexuelle und testikuläre Funktionsstörung, regulierte das Redoxgleichgewicht, stellte Gene und Proteine der Spermatogenese wieder her, veränderte Hormonprofile und milderte die Entzündung im Hoden. Zahlen fehlen im Abstract; ein miRNA-Mechanismus (miR-148a-5p) wird genannt.

**Zhou und Kollegen 2024 [s77]** (Diabetesmaus, Zellkultur, Transkriptomanalyse, klinische Datenanteile). Bei Diabetes verschlechterte sich die Spermienqualität; Semaglutid und der Ferroptose-Hemmer Ferrostatin-1 milderten den Hodenschaden und verbesserten Marker der Lipidperoxidation. In der Leydig-Zelllinie TM-3 besserten beide das diabetesbedingt verminderte Überleben, die Lipidperoxidation, reaktive Sauerstoffspezies, Eisen(II)-Ionen und das mitochondriale Membranpotenzial. Der Abstract nennt keine Zahlen und nicht die Zahl der untersuchten Patienten; die Zellversuche betreffen eine Leydig-Zelllinie, nicht Spermien.

**Abdullah und Kollegen 2022 [s95]** (50 Sprague-Dawley-Ratten, fünf Gruppen zu je zehn: Scheinoperation, Exendin 9-39, Torsion/Detorsion, Torsion/Detorsion plus Semaglutid, Torsion/Detorsion plus Exendin plus Semaglutid). Torsion und Detorsion erhöhten proapoptotische, entzündliche und oxidative Marker und senkten die Expression der GLP-1/Kisspeptin- und Steroidogenese-Proteine; Semaglutid milderte dies, vorheriges Exendin 9-39 hob alle Verbesserungen auf. Das stützt eine Rezeptorabhängigkeit. Das Torsionsmodell mit Frühbehandlung ist kein Modell für die Dauertherapie.

**Hassan und Kollegen 2025 [s50]** (Ratte, fünf Gruppen: Kontrolle; Semaglutid 12 µg/kg subkutan wöchentlich über 30 Tage; 5-Fluorouracil 20 mg/kg jeden zweiten Tag; 5-Fluorouracil plus Semaglutid; 5-Fluorouracil plus Semaglutid plus Exendin 9-39 50 µg/kg wöchentlich). Nach dem Abstract milderte Semaglutid die Hodenschädigung über die PINK-1/Parkin-Achse und mitochondriale Biogenese, beseitigte Proteine des Stresses des endoplasmatischen Retikulums (PERK, ATF6, GRP78, CHOP), aktivierte Nrf2/HO-1, verbesserte Steroidogenese und Spermatogenese (höhere STAR/DAZL-Werte) und erhöhte FSH, LH und Testosteron im Serum. Keine Zahlen, keine Gruppengrößen im Abstract.

**Zeweil und Kollegen 2026 [s38]** (40 Albinoratten, vier Gruppen zu je 10: Kontrolle, Streptozotocin-Diabetes, Diabetes plus Semaglutid 0,3 mg/kg, Diabetes plus Semaglutid plus 10 % Papaya-Saft; acht Wochen; ANOVA mit Duncan-Test; Mittelwert und Standardfehler). Der eigentliche Prüfgegenstand ist die Papaya-Zugabe, Semaglutid ist als Einzelsubstanz mitgeführt.

| Parameter (Mittelwert) | Kontrolle | Diabetes | Semaglutid | Semaglutid plus Papaya |
|---|---|---|---|---|
| Nüchternglukose (mg/dl) | 91,3 | 262,2 | 142,2 | 146,4 |
| HbA1c (%) | 4,33 | 8,99 | 5,42 | 5,54 |
| Gesamttestosteron (pg/ml, Einheit wie gedruckt) | 3,4 | 1,67 | 2,4 | 2,43 |
| Freies Testosteron (pg/ml, wie gedruckt) | 0,096 | 0,033 | 0,06 | 0,067 |
| SHBG (nmol/l) | 14,458 | 29,275 | 18,842 | 15,415 |
| LH (mIU/ml) | 4,23 | 2,78 | 3,34 | 3,88 |
| Estradiol (pg/ml) | 24,5 | 40,53 | 34,32 | 31,66 |

Beide behandelten Gruppen unterschieden sich beim Gesamttestosteron von der Diabetesgruppe, nicht aber voneinander; die Kombination war bei SHBG, Estradiol und Lipidwerten besser als Semaglutid allein. Der Text behauptet eine Erhöhung der Testosteronwerte durch die Kombination gegenüber Semaglutid allein; in der Tabelle der Quelle tragen beide denselben Buchstaben und unterscheiden sich damit nicht. Die Einheit pg/ml für Testosteron ist ungewöhnlich. Das Tier-Modell enthält keine gesunde Semaglutid-Gruppe.

#### Tirzepatid

**Albokhadaim und Kollegen 2026 [s01]** (60 männliche Wistar-Ratten in fünf Gruppen: Kontrolle, diabetische Kontrolle, Tirzepatid, Metformin, paargefütterte diabetische Kontrolle; Hochfettdiät plus niedrig dosiertes Streptozotocin; Behandlung über acht Wochen). Diabetische Tiere zeigten Hyperglykämie, Insulinresistenz, niedrigere Fortpflanzungshormone, schlechtere Spermienqualität, mehr Lipidperoxidation und herunterregulierte antioxidative und steroidogene Gene. Tirzepatid verbesserte die Glukosehomöostase, stellte Testosteron und Gonadotropine wieder her, aktivierte Nrf2/Keap1, normalisierte steroidogene Gene, erhielt die Hodenarchitektur, erhöhte PCNA und senkte die Caspase-3-vermittelte Apoptose. Die Autoren schreiben, die Effekte seien besser als unter Metformin und „weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme“. Absolute Werte und p-Werte nennt der Abstract nicht; die Behauptung der Gewichtsunabhängigkeit lässt sich daher nicht prüfen. Es ist die einzige Tirzepatid-Arbeit mit Paarfütterung.

**Mori und Kollegen 2026 [s25]** (Vorabdruck, KK-Ay-Maus mit Adipositas und Diabetes; Tirzepatid 1,00 oder 0,16 nmol/kg täglich über acht Wochen). Beide Dosen verminderten Makrophagen im Hoden, oxidativen Stress und Spermien-DNA-Fragmentierung; die Motilität besserte sich nur bei der höheren Dosis. Die Expression des GLP-1-Rezeptors im Hoden war minimal, der GIP-Rezeptor reichlich und vor allem auf Hodenmakrophagen zu finden. Das ist ein wichtiger Hinweis: Beim dualen Agonisten könnte der Hodeneffekt über GIP und Makrophagen laufen. Nicht begutachtet.

#### Liraglutid

**Qi und Kollegen 2024 [s75]** (hochfettdiätinduziert adipöse Mäuse und schlanke Wurfgeschwister, 12 Wochen). Liraglutid senkte Körpergewicht, Nüchternblutzucker, Insulin, HOMA-IR, Estradiol und SHBG und erhöhte LH, FSH, Testosteron, freies Testosteron und Spermienzahl; die Rate abnormer Spermien sank. Im Hoden stiegen GLP-1R- und AC3-Expression, cAMP-Gehalt und PKA-Aktivität. Der Abstract nennt keine Zahlen; Gewichts- und Direkteffekt sind nicht trennbar.

**Fathy und Kollegen 2023 [s87]** (drei Gruppen mit n = 8 je Gruppe laut Abbildungslegenden; Hochfettdiät plus Streptozotocin; Liraglutid acht Wochen). Bei diabetischen Tieren waren Körpergewicht, BMI, Glukose, HbA1c und HOMA-IR erhöht (p < 0,0001), Insulin gesenkt (p < 0,01); Gesamttestosteron sank (p < 0,01), LH und FSH sanken (p < 0,0001). Unter Liraglutid sanken Körpergewicht und BMI (p < 0,001), Glukose, HbA1c, HOMA-IR und Triglyzeride (p < 0,0001); Gesamttestosteron, LH und FSH stiegen gegenüber der diabetischen Gruppe (p < 0,01, < 0,05 und < 0,0001 in der Reihenfolge der Quelle). Histologisch zeigten diabetische Tiere unregelmäßige Samenkanälchen, abgelöste und geschrumpfte Keimzellen und weniger Spermien-Flagellen im Lumen; unter Liraglutid hatten die meisten Kanälchen wieder normale Architektur mit Spermienansammlung im Lumen. Beschrieben werden außerdem herunterregulierte Gene der Steroidogenese und der Kisspeptin/GnRH-Achse bei Diabetes und Besserung unter Liraglutid. Es gab keine Paarfütterung, eine direkte Hodenwirkung ist nicht von der indirekten über Gewicht und Glukose getrennt.

**Harby und Kollegen 2025 [s49]** (40 Ratten, fünf Gruppen: Kontrolle, Diabetes durch Fruktose und Streptozotocin, plus Denatoniumbenzoat, plus Liraglutid, plus beides; acht Wochen). Liraglutid und Denatonium, einzeln und kombiniert, milderten Hyperglykämie und Dyslipidämie, steigerten die Superoxiddismutase, senkten Malondialdehyd, TNF-alpha und Interleukin-6 in Gehirn und Hoden und verbesserten Spermienqualität sowie FSH, LH und Testosteron; die BCRP-Expression stieg. Keine Zahlen im Abstract; Liraglutid ist nur eine von zwei geprüften Substanzen.

**Pourheydar und Kollegen 2021 [s105]** (42 diabetische Mäuse, Liraglutid 1,2 und 1,8 mg/kg, mit In-vitro-Fertilisation). Liraglutid verbesserte Spermienzahl, Chromatinkondensation und DNA-Integrität, nicht aber Motilität und Vitalität, und verbesserte die Embryonalentwicklung nach In-vitro-Fertilisation nicht. Das ist ein Gegenbefund zum reinen Nutzenbild: Strukturelle Spermienparameter besserten sich, funktionelle Endpunkte (Beweglichkeit, Befruchtung bis Embryo) nicht.

**Dasso und Kollegen 2026 [s04]** (juvenile gesunde Ratten, Liraglutid täglich von Tag 20 bis 33, der Zeit der Ausbildung der Blut-Hoden-Schranke). Am Tag 34 zeigten sich mehr durchlässige Tubuli und mehr Apoptose, die Schranke war also verändert. Bei erwachsenen Tieren, die in der Jugend Liraglutid erhalten hatten, waren Durchlässigkeit der Schranke und Spermatogenese wieder vollständig normal, die tägliche Spermienproduktion unverändert. Die Autoren sehen die Störung als reversibel; Gruppengrößen stehen nicht im Abstract. Die Arbeit ist für die Frage der Reversibilität zentral (siehe unten).

**Hazir und Kollegen 2025 [s51]** (Ratte; Diabetes, Torsion, Torsion/Detorsion, jeweils mit Liraglutid-Untergruppen). In den Schädigungsgruppen fanden sich Degeneration der Samenkanälchen und des Interstitiums, erhöhte Caspase-3 (p < 0,05) und Malondialdehyd (p < 0,05), niedrigere Superoxiddismutase und niedrigeres Testosteron (p < 0,05); unter Liraglutid lagen alle Werte ähnlich der Kontrolle. Die Gruppengröße steht nicht im Abstract; Torsion ist ein Akutmodell.

**Degirmentepe und Kollegen 2021 [s103]** (28 Wistar-Albino-Ratten in vier Gruppen zu je 7: Kontrolle, Scheinoperation, Ischämie-Reperfusion, Ischämie-Reperfusion plus Liraglutid). Unter Liraglutid sanken Stickstoffmonoxid und Malondialdehyd (p < 0,05), Glutathionperoxidase stieg signifikant, Apaf-1 und induzierbare NO-Synthase sanken signifikant (p < 0,05); Katalase und Superoxiddismutase stiegen nicht signifikant (p > 0,05). Die Autoren sprechen von einer „mäßig“ schützenden Wirkung. Ein Akutmodell, keine Fertilitätsendpunkte.

**Culha und Kollegen 2023 [s86]** (30 Sprague-Dawley-Ratten, drei Gruppen zu je 10: Kontrolle, Diabetes nach Streptozotocin, Diabetes plus Liraglutid 0,3 mg/kg alle 12 Stunden). Maximales ICP/MAP (Verhältnis von intrakavernösem zu mittlerem arteriellem Druck): 0,790 ± 0,164 in der Kontrolle, 0,263 ± 0,139 bei Diabetes, 0,652 ± 0,131 unter Liraglutid; Kontrolle und Behandlungsgruppe waren ähnlich (p = 0,076), Diabetes signifikant niedriger (p < 0,001). Testosteron und FSH waren in der Diabetesgruppe niedriger (p = 0,001); nNOS, RECA-1 und das Muskel-Kollagen-Verhältnis waren dort niedriger. Es handelt sich um die Erektionsfunktion, nicht um Spermien; die Hormonwerte der Behandlungsgruppe stehen nicht im Abstract; ob die Streuung Standardabweichung oder Standardfehler ist, ist nicht angegeben.

**Yuan und Kollegen 2020 [s110]** (Typ-1-Diabetes-Modell der Ratte durch Streptozotocin, Auswahl des Erektionsstörungsmodells per Apomorphintest; Liraglutid 0,3 mg/kg alle 12 Stunden über 4 Wochen; Zellkultur glatter Muskelzellen des Schwellkörpers). Liraglutid beeinflusste Blutglukose und Körpergewicht nicht signifikant, verbesserte aber die Erektionsfunktion, senkte NADPH-Oxidasen und ROS und verminderte RhoA und ROCK2; die Autophagie nahm zu, die GLP-1R-Expression wurde wiederhergestellt; ein GLP-1R-Hemmer hob die Wirkungen in Zellen auf. Dass die Verbesserung ohne Änderung von Glukose und Gewicht eintrat, spricht für eine gewichtsunabhängige Wirkung am Schwellkörper; das Modell ist Typ-1-Diabetes und nicht ohne Weiteres auf Typ-2-Diabetes übertragbar.

**Yue und Kollegen 2016 [s120]** (chinesischsprachig; 30 sechs Wochen alte Ratten: Kontrolle n = 10, Diabetes n = 8, Liraglutid n = 8, vier weitere Tiere nicht zugeordnet; Liraglutid laut Abstract „5 mg pro kg und Tag“ intramuskulär, hier nur wiedergegeben; 12 Wochen). Häufigkeit und Rate der Erektionen waren bei Diabetes niedriger als unter Liraglutid und in der Kontrolle (p < 0,05); die Liraglutid-Gruppe blieb aber unter der Kontrolle (p < 0,05). eNOS, p-eNOS und p-Akt waren unter Liraglutid höher als bei Diabetes (p < 0,05), Akt selbst unverändert. Die Autoren folgern einen Schutz der Endothelfunktion über den Akt/eNOS-Weg. Der Abstract berichtet das gemessene Testosteron nicht; die Erholung war nur teilweise.

**Alafifi und Kollegen 2023 [s83]** (Doxorubicin-Hodentoxizität bei der Ratte) wurde 2025 zurückgezogen [s42]. Aus dieser Arbeit werden keine Zahlen und keine Schlüsse verwendet; sie wird nur genannt, damit sie nicht versehentlich als Beleg übernommen wird. Der Grund der Rücknahme wurde nicht abgerufen.

#### Exenatid, Dulaglutid und weitere Wirkstoffe

**Zhang und Kollegen 2015 [s122]** (Hochfettdiät-Mäuse, 12 Wochen Diät, danach 8 Wochen Kochsalzlösung oder Exenatid 24 nmol/kg täglich). Adipositas erhöhte die Hoden-mRNA von TNF-α, MCP-1 und F4/80 und verschlechterte die Spermienqualität; Exenatid senkte die Zytokinexpression und verbesserte die Spermienqualität. Der Abstract nennt keine Zahlen und keine Hormonmessung. Nach Zitaten in zwei Übersichten hob Exenatid dabei das Testosteron nicht signifikant an, obwohl Hodenentzündung, Beweglichkeit und DNA-Integrität der Spermien besser wurden [s81, s70]; die Originalzahlen liegen im Abstract nicht vor.

**Chen und Kollegen 2023 [s85]** (diabetische C57BL/6J-Mäuse, drei Gruppen, Gruppengröße nicht angegeben). Exenatid senkte den Nüchternblutzucker, erhöhte das Testosteron, besserte morphologische Schäden an Inselzellen, Dickdarm und Hoden und senkte TNF-α und IL-6 in Dickdarm und Hoden; die Darmmikrobiota veränderte sich (weniger Streptococcaceae und Erysipelotrichaceae, mehr Akkermansia). Ein Stuhltransplantationsversuch auf pseudosterile diabetische Mäuse übertrug einen Teil des Effekts, was über Korrelation hinaus für eine Beteiligung der Darmflora spricht. Spermienparameter werden im Abstract nicht berichtet.

**Abdel-Hakeem und Kollegen 2023 [s82]** (diabetische Ratte, vier Gruppen: Kontrolle, Exenatid, Diabetes, Diabetes plus Exenatid). Exenatid schwächte diabetische Veränderungen von Apoptose und ER-Stress ab und förderte die Autophagie (Beclin-1, p62, mTOR, AMPK); gemessen wurden auch Testosteron, Gonadotropine und Kisspeptin-1. Keine Zahlen im Abstract.

**Attia und Kollegen 2024 [s67]** (Hochfettdiät-Mäuse, 12 Wochen Diät, danach 5 Wochen Dulaglutid 0,6 mg/kg täglich oder Kochsalzlösung). Unbehandelte adipöse Mäuse hatten ein niedrigeres Hoden-Körpergewichts-Verhältnis, mehr Spermien-DNA-Schäden, Chromosomenanomalien, niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit, mehr morphologische Defekte und ein verändertes Redoxgleichgewicht; Dulaglutid stellte alle gestörten Parameter auf Kontrollniveau wieder her; bei gesunden Mäusen zeigten sich unter dem Schema keine signifikanten schädlichen Wirkungen. Gruppengrößen und Zahlen stehen nicht im Abstract. Gesunde behandelte Tiere zeigten also unter diesem Schema keinen Schaden; Aussagen zu anderen Dosen oder längerer Gabe sind daraus nicht ableitbar.

**Iida und Asano 2024 [s71]** und der zugehörige Förderbericht **Asano 2021 [s101]** (Maus und Zelllinien TM4, MA-10, GC-1 spg, GC-2 spd). Glp1r-mRNA und GLP-1-Protein waren im Mäusehoden und in allen vier Zelllinien nachweisbar; in TM4-Zellen steigerte Exenatid vorübergehend Kitl, Pdgfa und Glp1r; bei Mäusen waren Kitl und Glp1r eine Stunde nach Gabe erhöht, Pdgfa zeigte einen Trend. Der Effekt war vorübergehend, Genexpression ist kein Funktionsmaß für Spermienzahl; der Förderbericht ist keine begutachtete Publikation und enthält keine Zahlen. Er nennt als Bedeutung, dass Adipositas und Diabetes die Wirkung von Inkretinen am Hoden beeinflussen könnten, insbesondere die von GIP.

**Ribeiro und Kollegen 2022 [s98]** (Sertoli-Zellen der Maus, Exenatid plus Dapagliflozin): Die Kombination steigerte die Laktatproduktion, einen für die Keimzellernährung wichtigen Stoffwechselweg.

**Yesil und Kollegen 2018 [s118]** (18 Wistar-Albino-Ratten, drei Gruppen zu je sechs: Kontrolle, Eisendextran, Eisendextran plus Exenatid 10 µg/kg in zwei Dosen subkutan, vier Wochen). Caspase-3 in Stroma- und Endothelzellen war unter Eisen erhöht und unter Exenatid niedriger (p < 0,05); im Keimepithel waren Caspase-3 und Caspase-8 in allen Gruppen ähnlich; Malondialdehyd und Superoxiddismutase waren unter Exenatid signifikant niedriger. Der Befund betrifft Stroma und Gefäße, nicht die Keimzellen; Eisenüberladung ist ein entferntes Modell, ein Spermiogramm gibt es nicht.

**Dalaklioglu und Kollegen 2018 [s116]** (vier Gruppen: Kontrolle; Methylglyoxal 75 mg/kg täglich im Trinkwasser über 12 Wochen; Methylglyoxal plus Exendin-4 0,1 oder 1 µg/kg zweimal täglich subkutan). Exendin-4 verbesserte die endothelabhängige und neurogene Relaxation des Schwellkörpers, senkte TUNEL-positive Zellen, Malondialdehyd und fortgeschrittene Oxidationsprodukte und stellte eNOS und p-eNOS teilweise wieder her. Keine Zahlen im Abstract; Gefäßmodell, nicht Hormone oder Spermien.

**Wang und Kollegen 2024 [s76]** (Vorabdruck, Schafsperma in vitro): Exenatid 300 pM erhöhte Motilität und ATP und veränderte LDH, G6PDH und Lipase; nicht begutachtet, andere Spezies.

#### Weitere Tierversuche und Zellmodelle

**Correia und Kollegen 2022 [s97]** (16 Ratten; GLP-1 3,5 pmol/min/kg gegenüber Kalorienrestriktion 30 %). GLP-1 hatte keinen Einfluss auf das Gewicht, aber weniger Spermienkopfdefekte; Kalorienrestriktion erhöhte sie. Das ist neben [s31] und [s01] ein Tierbefund mit einem Hinweis auf gewichtsunabhängige Effekte.

**Yin und Kollegen 2025 [s64]** (Maus und Zelllinien, Glp1r-Knockout). Liraglutid senkte bei diabetischen Mäusen den Blutzucker deutlich, verbesserte aber die Spermienparameter nicht; bei gealterten Mäusen gab es keine signifikanten Unterschiede; GLP-1R war in Hodengewebe und in allen vier Zelllinien exprimiert, am stärksten in Leydig-Zellen. Liraglutid oder Semaglutid hatten in vitro keinen Einfluss auf Spermienzahl, Beweglichkeit oder Zellproliferation. Glp1r-Knockout-Mäuse hatten höhere Blutzuckerwerte, normale Hodenmorphologie und eine höhere Spermienkonzentration als Wildtypen. Die Autoren schließen, GLP-1-RA zeigten keinen nachteiligen Effekt auf Konzentration und Beweglichkeit und das Fehlen von GLP-1R erhöhe die Spermienkonzentration. Der Knockout-Befund ist schwer zu deuten, da der Blutzucker ebenfalls verändert war. Gruppengrößen und Zahlen fehlen im Abstract.

**Xia und Kollegen 2026 [s35]** (Kontextquelle, Glukagonrezeptor-Blockade bei Mäusen). Der Antikörper gegen den Glukagonrezeptor erhöhte bei diabetischen Mäusen die Spermienkonzentration (p < 0,001), bei gealterten Mäusen die progressive Beweglichkeit (p = 0,004), bei gesunden jungen Mäusen Konzentration (p = 0,003), progressive Beweglichkeit (p = 0,022) und Gesamtbeweglichkeit (p = 0,020). Der globale Knockout beeinträchtigte die Spermatogenese; Glukagon unterdrückte in Sertoli-Zellen Reifungsmarker, Gene der Blut-Hoden-Schranke, Laktatproduktion und PFKFB3, der Antikörper hob das auf; ein GLP-1R-Antagonist zeigte nur „partiellen oder variablen“ Schutz. Für die Einordnung heißt das nur, dass im Sertoli-Zell-Stoffwechsel Glukagon- und GLP-1-Signalwege zusammenhängen können; ein Agonist wurde nicht geprüft.

**Zhu und Kollegen 2019 [s114]** (Maus, Insulinomzellen): Glp1r-mRNA war in normalen männlichen Mäusen breit exprimiert und korrelierte positiv mit dem Serumtestosteron; Dihydrotestosteron erhöhte die GLP-1R-Expression über den Androgenrezeptor, der an ein Motiv im Promotor des Glp1r-Gens bindet. Die Richtung ist umgekehrt zur Fragestellung: Androgene verändern die Rezeptorzahl; untersucht wurde das Pankreas, nicht der Hoden.

**Li und Kollegen 2023 [s90]** (Ratte, 3D-Gewebekultur und In-vivo-Regenerationsmodell nach chemischer Zerstörung der Leydig-Zellen; natives GLP-1). In vitro erhöhte GLP-1 (3 und 30 nmol/l) das Testosteron im Medium und die Expression von Scarb1, Cyp11a1 und Hsd11b1, die Proliferation der Stammzellen blieb unbeeinflusst; in vivo erhöhte die Injektion in den Hoden (10 und 100 ng pro Hoden, Tag 14 bis 28 nach Zerstörung) das Serumtestosteron und steigerte Cyp11a1, Hsd3b1 und Hsd11b1; die Zahl der HSD11B1- und CYP11A1-positiven Zellen änderte sich nicht. Die RNA-Sequenzierung zeigte hochregulierte Wege (cAMP-PKA-EPAC1, MEK/ERK1/2). Das ist der direkteste Beleg für eine stimulierende Wirkung des GLP-1-Signals auf die Testosteronbildung, aber in einem Regenerationsmodell, mit nativem GLP-1 und intratestikulärer Gabe; die Arbeit sagt nichts über Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid.

**Huang und Kollegen 2025 [s52]** (menschliche, aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene Hodenorganoide). Die Organoide zeigten hodenstrangähnliche Strukturen, Blut-Hoden-Schranken-Funktion und eine durch Gonadotropine regulierte endokrine Funktion; unter Semaglutid sanken die Testosteronspiegel und INHBB wurde herunterreguliert, „im Einklang mit früheren klinischen Beobachtungen“, die der Abstract nicht benennt. Das ist der einzige gefundene Befund, in dem Semaglutid im Humanzellmodell die Testosteronbildung senkt, im Gegensatz zu den Nagerbefunden; Konzentrationen, Zeiten und Effektgrößen stehen nicht im Abstract. Das Modell wurde in derselben Arbeit eingeführt; Einflüsse aus Hypothalamus, Hypophyse und Stoffwechsel sind darin nicht abgebildet.

**Oliveira-Lopes und Kollegen 2025 [s56]** (Leydig-Zelllinie der Maus, BLTK1): Eine pharmakologische Konzentration von Liraglutid verbesserte die mitochondriale Atmung; Androstendion blieb unverändert.

**Dasso und Kollegen 2024 [s69]** (Sertoli-Zellen der Ratte): Liraglutid hatte keinen Einfluss auf Glukoseverbrauch und Laktatproduktion, erhöhte aber Triglyzeride und Lipidtröpfchen über cAMP/PKA.

**Shimizu und Kollegen 2017 [s119]** (Kontextquelle zu GIP, nicht zu GLP-1): Der GIP-Rezeptor wird in Spermatiden der Maus exprimiert; in Gipr-Knockout-Hoden war Psg17 vermindert, Knockout-Spermien hatten in vitro eine niedrigere Befruchtungsrate; Plasma-GIP und Hoden-Psg17-mRNA stiegen nach einer Mahlzeit, eine chronische Hochfettdiät senkte Gipr und Psg17. Es ist die einzige Arbeit, die das GIP-Signal mit der Befruchtungsfähigkeit der Spermien verbindet; ein GIP-Agonist oder Tirzepatid wurde nicht untersucht.

#### Zell- und Gewebestudien am Menschen

**Rago und Kollegen 2020 [s109].** Der GLP-1-Rezeptor ist auf menschlichen Spermien nachweisbar (Western Blot, Immunfluoreszenz). Exendin-4 300 pM war am wirksamsten für progressive Motilität und Cholesterinefflux; der Signalweg läuft über PI3K/AKT, PKA-abhängig; LDH- und G6PDH-Aktivität stiegen, Triglyzeride sanken (lipolytischer Effekt). In vitro, keine klinische Aussage.

**Castiglione und Kollegen 2023 [s84].** Exendin-4 erhielt in einer 4-Stunden-Inkubation Motilität und Vitalität menschlicher Spermien (Proben gesunder Männer) und schwächte die Wirkung von TNF-alpha ab; es verminderte p-IRS-1 (Ser312) und p-JNK.

**Martins und Kollegen 2019 [s113].** Menschliche Sertoli-Zellen mit GLP-1 in 0,01 nM (postprandial) sowie 1 und 100 nM (pharmakologisch): Der Glukoseverbrauch sank und die Laktatproduktion stieg bei 0,01 und 1 nM; bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotenzial und p-mTOR (Ser2448) stieg. Die Arbeit ist wegen der Konzentrationsabhängigkeit für das Dosis-Kapitel relevant.

**Caltabiano und Kollegen 2020 [s108].** Immunhistochemie zeigt GLP-1R in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens, mit Artunterschieden zu Nagern; in menschlichen Leydig-Tumoren war der Rezeptor nicht nachweisbar.



## Mechanismen und biologische Plausibilität

### Einstufungsschema

Dieser Abschnitt trennt, was belegt ist, was plausibel erscheint und was spekulativ bleibt. Die Einstufung gilt für die Frage, ob der jeweilige Mechanismus beim Menschen unter GLP-1-RA nachgewiesen ist, nicht für seine Existenz in einem Modell.

- **Bewiesen oder gut belegt**: Der Befund ist in mehreren unabhängigen Arbeiten, überwiegend am Menschen oder in kontrollierten Studien, bestätigt.
- **Plausibel**: Der Mechanismus ist in Zell- oder Tiermodellen konsistent gezeigt oder folgt zwingend aus gut belegten Befunden, ist aber beim Menschen unter GLP-1-RA nicht direkt nachgewiesen.
- **Spekulativ**: Der Mechanismus beruht auf einem einzelnen Befund, auf widersprüchlichen Befunden, auf einer reinen Hypothese der Autoren oder auf Modellen, deren Übertragbarkeit offen ist.

| Mechanismus oder Aussage | Einstufung | Tragende Quellen und Einschränkung |
|---|---|---|
| Gewichtsverlust hebt bei Adipositas das Testosteron und bessert Samenparameter (Gewichtseffekt) | gut belegt | Randomisierte Diätstudie mit höherer Spermienkonzentration und -zahl nach 8 Wochen [s96]; Korrelation von Gewichts- und Testosteronänderung [s29, s117, s62]; Leitlinien und Übersichten [s07, s81] |
| Unter GLP-1-RA bleibt die LH/FSH-Antwort erhalten oder steigt, anders als unter exogenem Testosteron | gut belegt (kleine Studien) | [s112, s48, s05]; Testosteron senkt LH, FSH und Spermien [s48] |
| GLP-1-Rezeptor-Expression in Hoden- und Spermienzellen | belegt (Expression), funktionell offen | Menschliche Spermien [s109], menschliche Leydig-Zellen [s108], Nager [s64, s71, s31]; im Mausmodell von Tirzepatid minimal [s25] |
| Direkter Hodeneffekt von GLP-1-RA beim Menschen, unabhängig vom Gewicht | spekulativ | Autoren von [s62]: nicht belegt; Samenänderungen korrelierten nicht mit Gewicht [s48], aber n = 13; Humandaten ohne Paarfütterung |
| Rückgang von oxidativem Stress und Entzündung im Hoden | plausibel | Viele Nagerstudien [s122, s75, s87, s49, s85, s25]; beim Menschen nur ein einarmiger Befund im Ejakulat [s106] |
| Ferroptose, Autophagie, ER-Stress, Nrf2/Keap1, miRNA | plausibel bis spekulativ | Überwiegend Abstract-Angaben aus Nagern [s77, s82, s01, s50, s40] |
| cAMP/PKA- und PI3K/AKT-Signalwege in Sertoli-Zellen und Spermien | plausibel | Menschliche Spermien in vitro [s109, s84]; Maus [s75, s71]; Sertoli-Befunde uneinheitlich [s113, s69, s98] |
| Direkte Stimulation der Testosteronbildung in Leydig-Zellen | spekulativ | Natives GLP-1 im Regenerationsmodell [s90]; mitochondriale Atmung, aber Androstendion unverändert [s56]; Testosteron sinkt im Organoid [s52] |
| Kisspeptin/GnRH-Achse | plausibel (Nager) | Genexpression bei Ratten [s87, s95, s82]; beim Menschen nicht untersucht |
| Darmmikrobiota als Vermittler | spekulativ | Eine Mausstudie mit Stuhltransplantation [s85] |
| GIP- und Makrophagenweg bei Tirzepatid | spekulativ | Mausvorabdruck [s25]; GIP-Kontextstudie [s119] |
| Endothelschutz im Schwellkörper (eNOS, Akt, RhoA/ROCK) | plausibel (Nager) | [s110, s120, s116, s86]; Humandaten widersprüchlich [s73, s66 gegenüber s41, s32] |
| Zentrale Dämpfung des sexuellen Verlangens (Serotonin, Belohnungssystem) | spekulativ | Theoretisches Modell [s11]; Nagerbefunde [s23]; Dulaglutid bei Gesunden ohne Wirkung auf das Verlangen [s72] |
| Vorübergehende Störung der Blut-Hoden-Schranke im Jugendalter | belegt in einer Rattenstudie | [s04]; beim Menschen nicht untersucht |
| Epigenetische Veränderungen in Spermien oder Hodengewebe | spekulativ | Explorative Methylierungsstudie mit 13 Proben [s12]; Editorial zu väterlichen Effekten [s16] |

### Gewichtseffekt gegenüber Wirkstoffeffekt

Die wichtigste Frage der gesamten Literatur lautet, ob die beobachteten Veränderungen Folge des Gewichtsverlusts sind oder eine zusätzliche Wirkung des Wirkstoffs. Mehrere Übersichten halten fest, dass sich beides beim Menschen nicht trennen lässt [s62, s18, s96].

Für den Gewichtseffekt sprechen die Daten zum Menschen:

- Die Änderung des Gesamttestosterons korreliert mit der Gewichtsänderung (r = minus 0,28 und fT r = minus 0,26 in [s29]) beziehungsweise mit der Änderung des Taillenumfangs (r = minus 0,443 in [s117]); die Metaregression von [s62] ergab eine signifikant negative Korrelation zwischen Testosteronänderung und prozentualer Gewichts- beziehungsweise BMI-Änderung.
- In [s117] war der Anstieg bei Gewichtsverlust von mindestens 5 % größer als bei weniger als 5 %; ohne nennenswerten Gewichtsverlust blieb das Testosteron in [s104] insgesamt unverändert.
- In der randomisierten Diätstudie stieg die Spermienzahl allein durch Diät; ein zusätzlicher Effekt von Liraglutid war nicht nachweisbar, und nur Männer, die das Gewicht hielten, behielten den Zuwachs [s96].
- Die Leitlinien beschreiben den Testosteronanstieg durch Diät und Bewegung als klein (1 bis 2 nmol/l) [s07]; eine russische Übersicht nennt aus der Europäischen Männer-Alterungsstudie bei Gewichtsverlust unter 15 % einen Anstieg des Gesamttestosterons um 2 nmol/l, bei über 15 % um 5,75 nmol/l, und aus Daten zur bariatrischen Chirurgie 9 nmol/l bei minus 32 % Gewicht gegenüber 3 nmol/l bei minus 9,8 % unter Diät [s81]. Der Vergleich legt nahe, dass die Größenordnung des Anstiegs unter GLP-1-RA (etwa 2,5 bis 5,2 nmol/l in [s18]) mit dem Ausmaß des Gewichtsverlusts vereinbar ist.

Für einen zusätzlichen Wirkstoffeffekt sprechen folgende Befunde, die aber alle Einschränkungen haben:

- Bei Ratten mit Paarfütterung milderte Semaglutid den gewichtsverlustbedingten Abfall aller gemessenen Androgene, während die Motilitätsverbesserung bei Paarfütterung und Semaglutid auftrat [s31]; GLP-1 verringerte Spermienkopfdefekte ohne Gewichtseffekt, Kalorienrestriktion erhöhte sie [s97]; unter Tirzepatid waren die Effekte nach Angabe der Autoren „weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme“ [s01]. Die Berichte stützen sich überwiegend auf Abstracts ohne Effektgrößen.
- In [s110] verbesserte Liraglutid die Erektionsfunktion diabetischer Ratten ohne Änderung von Blutglukose und Körpergewicht.
- In der Semaglutid-Studie am Menschen korrelierten die Änderungen der Samenparameter nicht mit Gewicht, Stoffwechsel oder LH/FSH [s48], bei 13 behandelten Männern.
- Eine russische Übersicht verweist auf einzelne Daten, nach denen der Testosteronanstieg größer sei, als der Gewichtsverlust allein erwarten lasse; das sei weiter zu prüfen [s81].

Die Einordnung lautet: Ein Gewichtseffekt ist gut belegt und erklärt die Hormonänderungen in der Größenordnung weitgehend; ein zusätzlicher direkter Effekt am Hoden ist beim Menschen weder belegt noch widerlegt. Die Tierbefunde mit Paarfütterung stützen ihn, übertragbar auf den Menschen sind sie nicht ohne Weiteres.

### Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse

Beim funktionellen Hypogonadismus der Adipositas sind Gonadotropine niedrig bis niedrig-normal, und das Testosteron ist erniedrigt. Gewichtsverlust kann die Achse nach den Leitlinien verbessern [s06, s07]. Unter GLP-1-RA stiegen LH und FSH in der Studie von Jensterle (LH plus 0,7, FSH plus 0,9 gegenüber minus 2,0 und minus 3,2 unter Testosterongel) [s112], blieben in der Semaglutid-Studie unverändert (LH 3,2 auf 3,1 IU/l; FSH 5,5 auf 6,5 IU/l, beide nicht signifikant) [s48] und stiegen in der Tirzepatid-Pilotstudie stärker als in den Vergleichsgruppen [s54]. Das spricht für eine funktionierende, nicht unterdrückte Achse; ob die höheren Gonadotropine Ursache oder Folge des höheren Testosterons sind, bleibt offen. Der Anstieg von SHBG, den mehrere Studien berichten [s88, s24, s62], verschiebt das Verhältnis von Gesamt- zu freiem Testosteron; Deameh und Kollegen beschreiben, die Änderungen des freien Testosterons seien uneinheitlich und oft durch gleichzeitigen SHBG-Anstieg ausgeglichen [s05]. Mehrere Metaanalysen finden für das freie Testosteron deshalb keinen oder nur einen sehr kleinen Effekt [s24, s57]. Bei gesunden, eugonadalen Männern änderte Dulaglutid die Hormonachse nach vier Wochen nicht (Gesamttestosteron plus 0,9 nmol/l; Konfidenzintervall minus 1,5 bis 3,3) [s72]; auch eine achtstündige Infusion von GLP-1 bei gesunden Männern veränderte LH, FSH und Testosteron nach einer in [s80] zitierten Arbeit nicht (Originalarbeit nicht abgerufen).

Der Ratten- und Mausbefund zu Kisspeptin und GnRH [s87, s95, s82] ist plausibel, aber für den Menschen nicht geprüft. Yazıcı und Kollegen führen an, GLP-1 wirke modulierend auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse unter anderem über Kisspeptin-Neurone [s94]; das ist eine Literaturangabe ohne eigene Daten. Zhu und Kollegen zeigten, dass umgekehrt Androgene die Expression des GLP-1-Rezeptors steigern (in Insulinomzellen und im Pankreas, nicht im Hoden) [s114]; ob daraus eine Rückkopplung folgt, in der der Androgenstatus die Wirkung der GLP-1-RA beeinflusst, wurde nicht geprüft.

### Direkte Wirkungen am Hoden

**Rezeptorausstattung.** GLP-1-Rezeptoren sind auf menschlichen Spermien [s109] und in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens nachgewiesen, in menschlichen Leydig-Tumoren nicht [s108]. In der Maus ist die Expression in Leydig-Zellen am höchsten [s64], und im Mäusehoden war sie der von Fett, Leber und Darm vergleichbar oder größer [s71]; bei Ratten war die Hodenexpression 4,7-fach höher als im Eierstock [s31]. Gegenläufig fand das Tirzepatid-Mausmodell nur minimale GLP-1R-, aber reichliche GIPR-Expression, überwiegend auf Hodenmakrophagen [s25]. Das ist ein Hinweis, dass die Rezeptorausstattung vom Wirkstoff und von der Spezies abhängt. Antinozzi und Kollegen fanden bei 98 Männern GLP-1 im Seminalplasma in niedrigerer Konzentration als im Serum und eine Korrelation nur mit der progressiven Motilität [s100].

**Sertoli-Zellen.** Menschliche Sertoli-Zellen reagierten konzentrationsabhängig: Bei 0,01 und 1 nM GLP-1 sank der Glukoseverbrauch und die Laktatproduktion stieg, bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotenzial [s113]. Bei Rattenzellen hatte Liraglutid keinen Einfluss auf Glukoseverbrauch und Laktat, erhöhte aber Triglyzeride und Lipidtröpfchen über cAMP/PKA [s69]; bei Mäusen steigerte Exenatid plus Dapagliflozin die Laktatproduktion [s98]. Die Arbeit zu Exenatid und Dapagliflozin bezeichnet die Laktatproduktion als Sekretion eines Schlüsselmetaboliten für die Spermatogenese [s98]; die Befunde sind in Richtung und Stärke uneinheitlich. Die Glukagon-Studie legt nahe, dass im Sertoli-Zell-Stoffwechsel auch der GLP-1-Rezeptor eine Rolle spielt, zeigt aber nur variablen Schutz [s35].

**Leydig-Zellen.** Natives GLP-1 erhöhte in einem Regenerationsmodell die Testosteronbildung und die Expression steroidogener Gene über cAMP-PKA-EPAC1 und MEK/ERK, ohne die Stammzellproliferation zu verändern [s90]. Liraglutid in pharmakologischer Konzentration verbesserte die mitochondriale Atmung in Leydig-Zellen, ohne Androstendion zu verändern [s56]. Im menschlichen Hodenorganoid senkte Semaglutid dagegen das Testosteron und INHBB [s52]. Die Befunde sind widersprüchlich und nicht auf den Menschen übertragbar; Leydig-Zellen sind wahrscheinlich nicht das einzige oder wichtigste Ziel.

**Spermien selbst.** Exendin-4 verbesserte in vitro progressive Motilität und Cholesterinefflux menschlicher Spermien (300 pM) über PI3K/AKT und PKA [s109], erhielt Motilität und Vitalität und schwächte TNF-alpha-Effekte ab [s84]; Exenatid erhöhte Motilität und ATP von Schafsperma [s76]. Liraglutid oder Semaglutid hatten dagegen in vitro an Mäusespermien keinen Effekt auf Zahl und Beweglichkeit [s64]. Die Inkubationen dauerten nur Stunden (4 Stunden in [s84]); sie belegen kurzfristige Stoffwechselveränderungen, keine Verbesserung der Spermienbildung.

### Oxidativer Stress, Entzündung und Zelltod

Die Mehrzahl der Tierarbeiten berichtet, dass GLP-1-RA im Hoden diabetischer oder adipöser Tiere oxidativen Stress (Malondialdehyd, Superoxiddismutase, Glutathion), Entzündungsmarker (TNF-α, IL-6, MCP-1), Apoptose (Caspase-3) und ER-Stress senken und Autophagie, Nrf2-Antwort und mitochondriale Funktion verbessern [s122, s75, s87, s49, s82, s77, s01, s50, s40, s38]. Auffällig ist die Einheitlichkeit der Richtung bei gleichzeitig eingeschränkter Unabhängigkeit der Gruppen und fehlender Zahlen in den Abstracts. Zwei Befunde schränken die Allgemeingültigkeit ein: Bei Eisenüberladung fand sich der Effekt in Stroma und Gefäßen, nicht im Keimepithel [s118], und in Torsionsmodellen ist die Behandlung eine Akuttherapie [s95, s51, s103]. Beim Menschen gibt es einen einzigen indirekten Befund: In der einarmigen Pilotstudie sank die ROS-Aktivität im nativen Ejakulat und die antioxidative Aktivität stieg, bei gewaschenen Spermien änderten sich ROS nicht [s106]; ohne Kontrollgruppe ist das nicht ursächlich deutbar.

Für einzelne Wege stützt eine Rezeptorblockade die Rezeptorabhängigkeit: Exendin 9-39 hob die Schutzwirkung von Semaglutid in zwei Rattenmodellen auf [s95, s50], und ein GLP-1R-Hemmer hob die Wirkung von Liraglutid in Schwellkörperzellen auf [s110]. Das zeigt Abhängigkeit vom GLP-1-Rezeptor, aber nicht, dass dieser Rezeptor im Hoden und nicht an anderer Stelle (Pankreas, Gehirn, Gefäße) die Wirkung vermittelt.

### Erektile Funktion und Gefäße

Tierarbeiten zeigen Schutz des Schwellkörpers durch Liraglutid und Exendin-4 über eNOS/Akt, Autophagie und Hemmung von RhoA/ROCK sowie Verringerung von NADPH-Oxidasen und ROS [s110, s120, s116, s86]. Beim Menschen ist die erektile Funktion kein einheitlicher Befund: Die Mendelsche Randomisierung spricht für ein geringeres Risiko, wobei die Vermittlung über Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankung zusammen nur etwa 2,9 bis 6,8 % je Mediator beträgt [s66]. Metaanalysen finden Verbesserungen des IIEF [s24, s62, s63], aber mit hoher Heterogenität und einer nicht signifikanten Metaanalyse [s47]. Zwei Datenbankkohorten berichten eine höhere Rate erektiler Dysfunktion unter GLP-1-RA beziehungsweise Semaglutid [s41, s32], eine dritte eine niedrigere unter Tirzepatid gegenüber anderen GLP-1-RA [s46]. Das Risiko-Signal in [s32] verschwand nach Kalibrierung mit einem Negativkontroll-Endpunkt. Solche Datenbanken erfassen Diagnosecodes und Verordnungen; Anlass für Arztkontakte (etwa Gewichtsverlust, Gesundheitsbewusstsein) kann die Zahl der Codes erhöhen. Auch unabhängig vom Gefäßmechanismus kann das Verlangen verändert sein: Gelfand und Kollegen leiten aus Übersichten ein serotonerges Modell ab, nach dem GLP-1-RA das sexuelle Verlangen über den 5-HT2C-Rezeptor senken könnten, was durch Testosteronanstieg und besseres Körperbild überlagert werde [s11]; Merhi verweist auf hemmende Effekte von Exendin-4 auf sexuelles Verhalten im Nager [s23]. Die Humandaten sind gemischt: Semaglutid steigerte in der randomisierten Studie nur das sexuelle Verlangen [s48], Dulaglutid änderte es bei Gesunden nicht [s72].

### Tirzepatid und die GIP-Achse

Für Tirzepatid gibt es im Quellenpool eine kontrollierte Humanstudie (Zwei-Monats-Pilot, keine Samenanalyse) [s54], Kohorten zur erektilen Funktion [s46], zwei Tierarbeiten [s01, s25] und Fallberichte [s33, s39]. Die Mausarbeit zeigt reichlich GIP-Rezeptor auf Hodenmakrophagen und kaum GLP-1-Rezeptor; die Makrophagenzahl, oxidativer Stress und DNA-Fragmentierung sanken unter beiden Dosen [s25]. Die Kontextstudie zu GIP zeigt, dass der GIP-Rezeptor in Mäuse-Spermatiden exprimiert wird und dass das GIP-Signal mit der Befruchtungsfähigkeit der Spermien zusammenhängt, ohne dass ein Agonist untersucht wurde [s119]. Beide Befunde machen einen eigenständigen GIP-Beitrag denkbar; ob er beim Menschen besteht, ist ungeprüft. Kaltsas und Kollegen halten fest, dass keine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt vorliegt [s13].

### Blut-Hoden-Schranke und Entwicklung

Bei juvenilen gesunden Ratten erhöhte Liraglutid in der Zeit der Ausbildung der Blut-Hoden-Schranke (Tag 20 bis 33) die Durchlässigkeit der Tubuli und die Apoptose; im Erwachsenenalter waren Schranke und Spermatogenese wieder normal [s04]. Das ist der einzige Befund zu nicht erwachsenen Tieren im Quellenpool. Der Autorenhinweis, Liraglutid sei zur Behandlung adipöser Kinder zugelassen, ist die Begründung der Studie; beim Menschen gibt es dazu keine Daten in den Quellen.

### Väterliche Exposition und Nachkommen

Koufakis und Kollegen halten in einem Editorial fest, dass väterliche Adipositas und Diabetes das metabolische Risiko der Nachkommen erhöhen könnten und dass Daten zur väterlichen Anwendung von GLP-1-RA „spärlich und fragmentarisch“ seien [s16]. Eine eigene Suche der Recherche nach Kohortenstudien zu väterlicher GLP-1-RA-Exposition und Geburtsergebnissen ergab keine einschlägige Primärstudie. Der explorative Befund von 80 differenziell methylierten Genen unter Semaglutid bei 13 Proben [s12] erlaubt keinen Schluss auf Spermien oder Nachkommen. Mechanistisch bleibt dieser Punkt spekulativ.

### Zusammenfassende Beurteilung der Plausibilität

Biologisch plausibel ist ein günstiger Gesamteffekt auf Hormonachse und Samenqualität bei Männern mit Adipositas, Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus, weil Gewichtsverlust und bessere Stoffwechsellage dort nachweislich in dieselbe Richtung wirken. Ob darüber hinaus ein eigenständiger Wirkstoffeffekt am Hoden besteht, ist offen; es gibt Rezeptoren, Zell- und Tierbefunde, aber keine Humandaten, die ihn vom Gewichtseffekt trennen. Mögliche nachteilige Mechanismen (Störung der Schranke im Jugendalter [s04], Dosisabhängigkeit der Mitochondrienwirkung in Sertoli-Zellen [s113], Testosteronabfall im Organoid [s52], gedämpftes Verlangen [s11]) sind jeweils in einzelnen Arbeiten angedeutet und ebenfalls ungesichert. Das Fehlen von Humandaten zu Schwangerschaft und Lebendgeburt [s13, s03] bedeutet, dass die Plausibilitätsargumente beider Richtungen nicht an dem Endpunkt geprüft sind, der für Fertilität maßgeblich ist.



## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

### Was sich zur Dosis-Wirkung sagen lässt

Eine echte Dosis-Wirkungs-Beziehung ist beim Menschen nicht untersucht. Keine der Humanstudien vergleicht mehrere Dosen desselben Wirkstoffs miteinander; die Dosen sind in den Studien vorgegeben (Titration bis zur Erhaltungsdosis oder individuelle Dosis) und werden nicht gegen den Effekt aufgetragen. Die folgende Tabelle stellt Dosis, Dauer und Hauptbefund der Humanstudien zusammen. Einheiten sind so angegeben, wie die Quellen sie drucken; Werte verschiedener Studien sind wegen unterschiedlicher Einheiten, Messmethoden und Maße (Mittelwert, Median, Prozent) nicht direkt vergleichbar.

| Studie | Wirkstoff und Dosis | Dauer | Population | Änderung Gesamttestosteron | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|
| Jensterle 2019 [s112], RCT | Liraglutid 3,0 mg täglich | 16 Wochen | 15 Männer, BMI 41,2, Hypogonadismus | plus 2,6 ± 3,5 nmol/l (Testosterongel: plus 5,9 ± 7,2) | minus 7,9 ± 3,8 kg |
| Gregorič 2025 [s48], RCT | Semaglutid bis 1 mg wöchentlich | 24 Wochen | 13 Männer, Typ-2-Diabetes, funktioneller Hypogonadismus | 6,1 auf 7,8 nmol/l (Median; Testosteron: 6,7 auf 12,3) | 115 auf 99 kg (Median) |
| Lengsfeld 2024 [s72], RCT | Dulaglutid 0,75 mg, dann 1,5 mg wöchentlich | 4 Wochen | 24 gesunde Männer | plus 0,9 nmol/l gegen Placebo (minus 1,5 bis 3,3) | BMI minus 0,7 kg/m² |
| Andersen 2022 [s96], RCT-Teilstudie | Liraglutid 3,0 mg täglich nach 8 Wochen Diät | 52 Wochen | 7 bis 13 Männer je Gruppe, Adipositas | nicht berichtet (Spermienkonzentration erhalten) | gehaltener Verlust bei Haltern 21,4 kg |
| La Vignera 2023 [s88] | Liraglutid bis 3 mg täglich | 4 Monate | 35 Männer, metabolischer Hypogonadismus | 1,4 auf 4,1 ng/ml | minus 10,3 % |
| La Vignera 2025 [s54] | Tirzepatid 2,5 mg, ab Monat 2 5 mg wöchentlich | 2 Monate | 28 Männer, metabolischer Hypogonadismus | plus 128,5 % (unbehandelt plus 44,3 %) | minus 8,1 % |
| Bobkov 2021 [s106] | Liraglutid im Mittel 2,4 mg täglich | 6 Monate | 30 Männer, ohne Hypogonadismus | nicht berichtet (Spermienzahl 55 auf 57 Mio./ml) | minus 11,7 % |
| Shao 2018 [s117] | Exenatid plus Metformin | 12 Wochen | 90 Männer, Typ-2-Diabetes | plus 121,72 ng/dl (Glimepirid: plus 34,67) | Zusammenhang mit Taillenumfang r = minus 0,443 |
| Graybill 2021 [s104] | Exenatid | 6 Monate | 51 Männer, Typ-2-Diabetes | insgesamt unverändert | minus 2,27 kg |
| Portillo-Canales 2026 [s29] | Semaglutid, Dulaglutid, Tirzepatid (Mischung), Alltag | Therapiedauer 1,6 ± 1,0 Jahre im Abstract [s59] | 215 Männer | 332 auf 399 ng/dl | etwa 5 % |

Aus der Tabelle lassen sich drei Dinge ablesen. Erstens hängt der Testosteronanstieg in dieser Literatur offenbar eher mit dem Gewichtsverlust zusammen als mit Dosis oder Dauer, ohne dass sich eine glatte Beziehung ablesen ließe: Die kürzeste Studie mit gesunden Männern (4 Wochen) zeigt keinen Effekt, die kontrollierten Studien bei Hypogonadismus zeigen mäßige Anstiege (etwa 1,6 bis 2,6 nmol/l unter GLP-1-RA gegenüber 5,9 bis 6,9 unter Testosteron), die nicht randomisierte Studie in Catania sehr große [s88]. Zweitens ist der Effekt der Dosis nicht von dem der Population und der Dauer trennbar, weil jede Studie nur eine Dosis prüft. Drittens liegen alle Testosteronanstiege unter GLP-1-RA in den randomisierten Studien unter denen einer Testosterontherapie, die LH und FSH unterdrückt [s112, s48].

Zur Dosis gibt es nur indirekte Hinweise. Andersen und Kollegen verwiesen darauf, dass der Fallbericht zu Liraglutid die Dosis 0,6 mg betraf, während 3,0 mg in ihrer Studie keinen Schaden an den Samenparametern zeigten [s96]. Das spricht gegen eine einfache Dosisabhängigkeit einer Schädigung, ist aber ein Vergleich zweier ganz unterschiedlicher Datenlagen. Das Tirzepatid-Mausmodell prüfte zwei Dosen (1,00 und 0,16 nmol/kg täglich): Beide verminderten Hodenmakrophagen, oxidativen Stress und DNA-Fragmentierung, die Motilität besserte sich nur bei der höheren Dosis [s25]. Bei diabetischen Mäusen wurden 1,2 und 1,8 mg/kg Liraglutid verwendet, ohne dass der Abstract einen Dosisunterschied berichtet [s105]. In Leydig-Stammzellen wirkte natives GLP-1 in 3 und 30 nmol/l (in vitro) und in 10 und 100 ng je Hoden (in vivo) testosteronsteigernd [s90]. In menschlichen Sertoli-Zellen kehrte sich das Bild konzentrationsabhängig um: Bei 0,01 und 1 nM stieg die Laktatproduktion, bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotenzial [s113]; bei menschlichen Spermien war Exendin-4 300 pM am wirksamsten [s109]. Eine pharmakologische Konzentration von Liraglutid verbesserte die mitochondriale Atmung von Leydig-Zellen [s56]. Diese Befunde zeigen, dass die Konzentrationsabhängigkeit auf Zellebene nicht monoton sein muss. Wie Konzentrationen im Zellversuch zu Dosen beim Menschen stehen, geben die Abstracts nicht an.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Titration. Die Studien verwenden aufsteigende Dosen (Dulaglutid 0,75 auf 1,5 mg [s72], Tirzepatid 2,5 auf 5 mg [s54], Semaglutid bis 1 mg [s48]); nicht alle Teilnehmer blieben auf der höchsten Dosis (bei vier Teilnehmern von [s72] wurde die Dosis einmal auf 0,75 mg gesenkt). Welche Dosis mit welchem Hormoneffekt einhergeht, lässt sich daraus nicht ableiten; die Studien mit Liraglutid 3,0 mg [s112, s96, s88] und Semaglutid bis 1 mg [s48] verwenden unterschiedliche Wirkstoffe und sind auch deshalb nicht dosisbezogen vergleichbar.

### Dauer, Zeitverlauf und die Länge der Spermatogenese

Die Spermatogenese dauert nach dem Meinungsbeitrag aus Dubai etwa drei Monate, weshalb kurze Studien Effekte auf Samenparameter möglicherweise nicht erfassen [s70]; die russische Pilotstudie wird in der Recherche mit demselben Argument als kurz eingestuft [s106]. Gemessen daran sind die Beobachtungszeiträume für Samenparameter sehr unterschiedlich:

| Beobachtungsdauer | Studien mit Samenanalyse | Hinweis |
|---|---|---|
| 4 Wochen Gabe, Samen nach mehr als 60 Tagen | Dulaglutid bei Gesunden [s72] | Samenanalyse nach der Gabe, keine Änderung; Beobachtung nach Absetzen |
| 8 Wochen | Diätphase [s96] (ohne GLP-1-RA); Tierarbeiten [s122, s01, s38] | Spermienzahl steigt durch Diät |
| 4 Monate | Liraglutid, Catania [s88] | nicht randomisiert, große Effekte |
| 6 Monate | Liraglutid, Moskau [s106] | einarmig, kleine Effekte |
| 24 Wochen | Semaglutid, Ljubljana [s48] | Morphologie 2 auf 4 % |
| 52 Wochen | Liraglutid-Teilstudie [s96] | Konzentration erhalten bei gehaltenem Gewicht |

Es gibt keine Studie, die nach mehr als einem Jahr Samenparameter unter GLP-1-RA mit einer Kontrollgruppe vergleicht. Studien, die den Hormonverlauf nach mehr als einem Jahr unter Therapie betrachten, sind ausschließlich retrospektiv [s59, s121]. Für die Frage, ob frühe Verbesserungen anhalten oder sich nach Erreichen eines Gewichtsplateaus abschwächen, fehlen Daten im Quellenpool.

### Subgruppen

Die Literatur erlaubt Aussagen zu Subgruppen nur sehr eingeschränkt, weil die meisten Studien klein sind und Subgruppenanalysen selten vorab geplant waren. Die folgende Tabelle ordnet die vorhandenen Befunde.

| Subgruppe | Befund | Quelle und Einschränkung |
|---|---|---|
| Gesunde, normalgewichtige, eugonadale Männer | Dulaglutid 4 Wochen: keine Änderung von Verlangen, Hormonen, Samenparametern; „neutral“ in Übersichten | [s72]; [s37, s09, s05]; sehr kurz, junge Männer |
| Adipositas ohne Diabetes | Spermienparameter in Pilotstudie leicht besser (Beweglichkeit, Vitalität, Normalformen), Spermienzahl nach strenger Korrektur nicht; Samenverbesserung nach Diät | [s106]; [s96]; einarmig beziehungsweise nicht für Samen gepowert |
| Typ-2-Diabetes | Testosteron und Morphologie leicht besser; ED-Metaanalysen positiv, Kohorten gemischt | [s48, s117, s73]; [s32, s46] |
| Funktioneller (metabolischer) Hypogonadismus | größere Testosteronanstiege, LH und FSH erhalten | [s112, s48, s88, s54, s05] |
| Nicht diabetische adipöse Männer, 18 bis 50 Jahre | erhöhte Rate gemeldeter erektiler Dysfunktion (RR 4,5) | [s41]; Datenbankcodes, sehr niedrige Ereigniszahlen |
| Männer mit Typ-2-Diabetes und GLP-1-RA gegenüber DPP-4-Hemmer | HR 1,26, nach Kalibrierung nicht mehr signifikant | [s32] |
| Typ-2-Diabetes, Tirzepatid gegenüber anderen | niedrigeres Risiko (RR 0,55 bis 0,70) | [s46] |
| Niedriges Ausgangstestosteron (unter 320 ng/dl) | Anstieg von 238,5 auf 272,2 ng/dl | [s104]; hoher Ausgangswert fiel von 438 auf 412; Regression zur Mitte möglich |
| Starker Gewichtsverlust (mindestens 5 %) | größerer Testosteronanstieg in beiden Gruppen | [s117] |
| „Gute Halter“ des Gewichtsverlusts (21,4 kg) | Spermienkonzentration 1,71-fach, Zahl 1,97-fach; bei „schlechten Haltern“ (7,6 kg) kein Zuwachs | [s96]; Post-hoc-Analyse |
| Höherer BMI | Vorteil von GLP-1-RA gegenüber Metformin bei erektiler Dysfunktion deutlicher (Z = 2,26) | [s63]; Subgruppe aus drei Studien |
| Männer mit Diabetes und manifestem Hypogonadismus unter Testosteron | zusätzliches Liraglutid bei schlechten Respondern: Gewicht, Testosteron, SHBG, IIEF besser | [s121]; Zuteilung nach Ansprechen |
| Junge gesunde Ratten (juvenil) | Schranke durchlässiger, später normal | [s04]; nur Tierversuch |
| Frauen | in diesem Kapitel nicht berücksichtigt | [s02] betrifft Frauen mit PCOS |

Drei Aspekte fallen auf. Erstens ist der Befund „größere Wirkung bei schlechterem metabolischem Ausgangszustand“ in mehreren Übersichten formuliert [s05, s37, s09], aber nirgends als Interaktionstest gegen die Gesunden geprüft; es gibt eine einzige Studie bei Gesunden [s72], und die ist kurz. Zweitens ist unklar, ob ein bestehender Hypogonadismus das Ansprechen auf Inkretintherapie verschlechtert: La Vignera und Condorelli halten dies für nicht belegt [s18]. Drittens fehlen Daten nach Alter: Die untersuchten Männer reichen von 18 bis 35 Jahren in [s88] bis zu mittleren Jahren um 55 in [s54] und [s29], ohne Altersstratifizierung. Ebenso fehlen Daten zur Begleitmedikation (Metformin war in [s48] bei allen Teilnehmern Begleitmedikation) und zu Männern mit männlicher Infertilität anderer Ursache. Bemerkenswert ist schließlich der Unterschied der Aussage zu erektiler Dysfunktion nach Population: Die Datenbankkohorte bei nicht diabetischen Männern zeigt ein erhöhtes Risiko [s41], die Kohorte bei Typ-2-Diabetes ein schwächeres Signal [s32], die Mendelsche Randomisierung ein vermindertes [s66]. Diese Spannung ist nicht aufgelöst, und die Studientypen beantworten unterschiedliche Fragen.

Beim Wirkstoffvergleich gibt es für Hormone und Samen keine direkte Gegenüberstellung von Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid. Die einzige Vergleichsbasis liefern die Kohorten zur erektilen Funktion, in denen Tirzepatid mit niedrigeren Raten einherging als Sitagliptin, Semaglutid und Dulaglutid [s46], und die Metaanalyse von Salvio und Kollegen, die verschiedene GLP-1-RA zusammenfasst [s62]. Der Tirzepatid-Anstieg des Gesamttestosterons um 128,5 % in zwei Monaten [s54] kommt von einem sehr niedrigen Ausgangswert (186,5 ng/dl im Median), in einer nicht randomisierten Pilotstudie, in der auch die unbehandelte Gruppe um 44,3 % stieg.

### Reversibilität

Die zentrale Feststellung lautet: Es gibt im Quellenpool keine Studie, die nach Absetzen eines GLP-1-RA Hormone oder Samenparameter beim Menschen verfolgt. Aussagen zur Reversibilität stützen sich auf indirekte Befunde, einen Fallbericht und einen Tierversuch. Die folgende Tabelle ordnet sie.

| Befund | Art der Evidenz | Aussage | Quelle |
|---|---|---|---|
| Der Zuwachs von Spermienkonzentration und -zahl blieb nur bei Männern erhalten, die das Gewicht hielten | RCT-Teilstudie, Post-hoc | Der Effekt hängt vom Gewichtsverlust ab; Gewichtswiederzunahme ging mit Verlust des Zuwachses einher | [s96] |
| 60 bis 86 % des verlorenen Gewichts werden nach drei Jahren wieder zugenommen | Leitlinie | Der kleine Testosteronanstieg durch Diät ist nicht dauerhaft gesichert | [s07] |
| Verschlechterung der Samenparameter unter Liraglutid 0,6 mg, nach fünf Monaten Absetzen besser, aber Ausgangswerte nicht erreicht | Fallbericht, zitiert aus zweiter Hand | Teilreversibilität möglich; Kausalität unklar | [s123] (Angaben nach [s96, s70]) |
| Beschwerden unter Tirzepatid bildeten sich nach dem Absetzen in zehn Tagen zurück | Fallbericht | Rückbildung im Einzelfall | [s33] |
| Blut-Hoden-Schranke bei juvenilen Ratten wieder normal im Erwachsenenalter | Tierversuch | Störung reversibel, Spermatogenese vollständig | [s04] |
| Samenparameter mehr als 60 Tage nach der letzten Dulaglutid-Injektion im Normbereich | RCT, Nachbeobachtung nach Absetzen | Kein anhaltender Schaden nach 4 Wochen bei Gesunden | [s72] |
| Gruppe mit gutem Ansprechen auf Testosteron: HbA1c und Gewicht stiegen wieder an, ohne IIEF-Verbesserung | retrospektiv | betrifft Therapieansprechen, nicht Absetzen | [s121] |
| „Vereinzelte Fälle reversibler Verschlechterung der Spermienqualität“ | Übersicht | Aussage ohne eigene Daten | [s58] |
| Männlicher adipositasassoziierter sekundärer Hypogonadismus kann nach chirurgischen Eingriffen bei einem Teil der Patienten fortbestehen | Abstract einer explorativen Studie | betrifft Fortbestehen der Erkrankung | [s12] |

Aus diesen Befunden lassen sich einige Aussagen vorsichtig ableiten. Weil die Hormon- und Samenänderungen überwiegend dem Gewichtsverlust folgen, ist es naheliegend, dass sie sich bei Gewichtswiederzunahme zurückbilden können; das ist eine Schlussfolgerung aus [s96] und [s07], nicht ein direkter Befund. Zum Zeitpunkt nach Absetzen nennt keine Quelle eine belegte Auswaschzeit. Die Autoren von [s74] raten laut Quelle, GLP-1-RA bei geplanter Schwangerschaft abzusetzen; das ist eine Positionierung ohne Studie zur Auswaschzeit, kein Beleg für die Reversibilität. Der Zeitraum von etwa drei Monaten für eine Spermatogenese [s70] ist kein Beleg für eine bestimmte Erholungsdauer, sondern nur der Rahmen, innerhalb dessen sich Veränderungen der Samenqualität zeigen könnten.

Zur Reversibilität der Konkurrenzstrategie liefert die Semaglutid-Studie einen indirekten Hinweis: Unter Testosteron fielen Spermienkonzentration (minus 67 %) und Gesamtzahl (minus 59 %) deutlich, während Semaglutid sie nicht verringerte [s48]. Ob und wann sich der Abfall nach Absetzen von Testosteron zurückbildet, wurde dort nicht untersucht; die russische Leitlinie begründet die Wahl kurz wirksamer Testosteronpräparate damit, die Hemmung von Gonadotropinen und Spermatogenese zu minimieren [s107].

Für den Nachwuchs gilt: Zur Reversibilität oder zu möglichen Folgen einer väterlichen Exposition vor der Zeugung gibt es keine belastbaren Daten; das Editorial von Koufakis und Kollegen nennt die Datenlage „spärlich und fragmentarisch“ [s16], und die Recherche fand keine einschlägige Primärstudie.

### Offene Fragen, die die Literatur nicht beantwortet

Als Zusammenfassung dieses Kapitels sind folgende Fragen nach dem Stand der Quellen offen. Das ist eine Bestandsaufnahme, keine Empfehlung.

1. **Fertilitätsendpunkte.** Es gibt keine kontrollierte Studie mit Schwangerschaft, Lebendgeburt oder Spermien-DNA-Fragmentierung als vorab festgelegtem Endpunkt [s13, s03]; für Tirzepatid gibt es keine kontrollierte Studie mit Samenendpunkt [s13].
2. **Gewichts- gegenüber Wirkstoffeffekt.** Beim Menschen nicht trennbar [s62, s18, s96]; die Tierbefunde mit Paarfütterung sind nicht übertragbar.
3. **Dosis-Wirkung.** Keine Studie mit mehreren Dosen am Menschen; Zell- und Tierbefunde zeigen Konzentrationsabhängigkeit [s25, s113].
4. **Dauer und Absetzen.** Kein Humandatensatz nach Absetzen; keine Studie über mehr als ein Jahr mit Kontrollgruppe und Samenparametern.
5. **Subgruppen.** Keine Altersstratifizierung, kein Interaktionstest gegen Gesunde, keine Daten zu Männern mit anderer Ursache der Infertilität.
6. **Erektile und sexuelle Funktion.** Gegenläufige Signale in Kohorten, Meldedaten und Genetik [s41, s32, s46, s66, s60, s20]; das Verlangen ist nur in drei kleinen randomisierten Studien untersucht [s112, s48, s72].
7. **Leitlinien.** Keine GLP-1-spezifische Aussage in EAU, AUA/ASRM, ESHRE-Übersicht und russischen Leitlinien; AWMF und Società Italiana di Andrologia wurden nicht auswertbar geprüft [s06, s07, s68, s08, s107, s65].
8. **Interessenkonflikte.** Die einzige große RCT-Teilstudie zu Liraglutid wurde von der Novo Nordisk Foundation gefördert, und der Hersteller stellte Wirkstoff und Placebo [s96]; die Mehrzahl der Tierarbeiten stammt aus Gruppen, die dieselben Modelle verwenden.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Frage, ob GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid, Liraglutid, Tirzepatid sowie die älteren Wirkstoffe Exenatid und Dulaglutid) männliche Hormone, Spermienqualität und Fertilität beeinflussen, wird in einer Wissenschaftssprache beantwortet: Von den 123 Quellen dieser Studie sind 114 mit dem Merkmal Englisch gekennzeichnet (Zählung über die Sprachmerkmale in synthese.json). Die übrigen Merkmale (Mehrfachnennungen möglich, weil etwa ein Titel englisch und ein Abstract chinesisch vorliegen kann) verteilen sich auf Chinesisch (19), Italienisch (15), Russisch (10), Portugiesisch (3), Deutsch (3), Japanisch (3), Spanisch (1) und Französisch (1). Arabisch, Koreanisch und Türkisch kommen als Sprachmerkmal gar nicht vor. Dieses Kapitel sortiert die Literatur deshalb nach zwei Kriterien zugleich: nach der Sprache, in der eine Arbeit erschienen ist, und nach dem Land oder Forschungsraum, aus dem sie stammt. Wo beides auseinanderfällt, etwa bei ägyptischen Rattenstudien in englischsprachigen Zeitschriften, steht das jeweils dabei.

Drei Vorbemerkungen gelten für alle zwölf Abschnitte.

**Erstens** ist ein leeres Ergebnis nicht dasselbe wie ein Beleg für fehlende Literatur. Mehrere regionale Datenbanken waren für die Recherche technisch nicht abfragbar (unter anderem Cairn, SciELO, LILACS, CNKI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark und die großen arabischen Fachdatenbanken). Wo die Studie „keine Literatur“ schreibt, meint sie: keine in den erreichbaren Quellen. Der genaue Stand der Erreichbarkeit steht je Sprachraum im jeweiligen Abschnitt.

**Zweitens** stammen viele Zahlen aus Abstracts. Volltexte lagen nur für wenige Studien vor; das ist an den Stellen vermerkt, an denen es für die Deutung zählt.

**Drittens** enthält dieses Kapitel keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren Empfehlungen aussprechen, werden sie als Aussage der Quelle berichtet.

### Englisch

**Stellung im Gesamtbild.** Nahezu die gesamte Primärliteratur ist englisch publiziert, auch dann, wenn die Arbeitsgruppen aus Slowenien [s48, s112], der Schweiz [s72], Dänemark [s96], Italien [s88, s54, s121, s73], Portugal [s113, s56], China, Saudi-Arabien oder Ägypten kommen. Hinzu kommt ein methodischer Verstärker: Einige Metaanalysen ließen ausdrücklich nur englischsprachige Artikel zu [s24, s28]. Der englische Sprachraum ist deshalb weniger eine regionale Literatur als der Rahmen, in dem sich alle anderen Räume mit ihren Beiträgen treffen. Die folgenden Abschnitte ordnen die englischsprachige Literatur nach Studientyp, weil sich die Aussagekraft vor allem daran entscheidet.

**Randomisierte Studien am Menschen.** Es gibt vier randomisierte Studien mit männlichen Teilnehmern, die Hormone oder Samenparameter erfassen [s96, s48, s72, s112]. Sie sind klein (26 bis 56 Teilnehmer) und dauern vier Wochen bis zwölf Monate.

- *Andersen und Kollegen 2022* [s96] werteten eine vorab registrierte Teilstudie der doppelblinden randomisierten S-LITE-Studie aus (Hvidovre/Kopenhagen, August 2016 bis November 2019). Männer mit Adipositas (BMI 32 bis 43 kg/m², Alter 18 bis 65 Jahre) erhielten zunächst acht Wochen eine Niedrigkalorien-Diät mit 800 kcal pro Tag und danach 52 Wochen Placebo, Training, Liraglutid 3,0 mg täglich oder Liraglutid plus Training. Eingeschlossen wurden 56 Männer, 47 lieferten Proben vor und nach der Diät, 37 auch nach 52 Wochen. In der Diätphase verloren die Männer im Mittel 16,5 kg; die Spermienkonzentration stieg um den Faktor 1,49 (Konfidenzintervall 1,18 bis 1,88) von 78,5 ± 74,9 auf 91,7 ± 70,8 Mio./ml, die Spermienzahl pro Ejakulat um den Faktor 1,41 (1,07 bis 1,87). Motilität und Ejakulatvolumen änderten sich nicht signifikant. Nach 52 Wochen hatten die 18 „guten Halter“ der Gewichtsabnahme (mittlerer Verlust 21,4 kg) eine um den Faktor 1,71 höhere Konzentration als zu Beginn, die 19 „schlechten Halter“ (7,6 kg) nicht. Ein zusätzlicher Effekt von Liraglutid oder Training über die Diät hinaus war nicht nachweisbar. Die Studie wurde von der Novo Nordisk Foundation gefördert; Wirkstoff und Placebo lieferte Novo Nordisk. Die Autoren sahen keinen schädlichen Effekt von Liraglutid 3,0 mg auf die Samenparameter. Die Aussagekraft für die Frage nach einem Wirkstoffeffekt ist begrenzt, weil die Auswertung die Diätwirkung abbildet und in der Liraglutid-Untergruppe nur 20 Männer standen.
- *Gregorič und Kollegen 2025* [s48] (Ljubljana, NCT06489457) randomisierten 25 Männer mit Typ-2-Diabetes und funktionellem Hypogonadismus offen auf Semaglutid bis 1 mg wöchentlich (13 Männer) oder Testosteronundecanoat 1000 mg alle 10 bis 12 Wochen (12 Männer) über 24 Wochen. Unter Semaglutid stieg das Gesamttestosteron im Median von 6,1 auf 7,8 nmol/l (p = 0,023), LH und FSH blieben stabil (LH 3,2 auf 3,1 IU/l, FSH 5,5 auf 6,5 IU/l). Der Anteil morphologisch normaler Spermien stieg von 2 auf 4 % (relative Änderung 37 %, p = 0,012); Konzentration (25 auf 37 Mio./ml, p = 0,58) und Gesamtzahl (34,5 auf 41 Mio., p = 0,79) änderten sich nicht signifikant. Unter Testosteron fielen LH von 4,2 auf 1,2 IU/l und FSH von 8,5 auf 2,6 IU/l, die Konzentration von 25 auf 10 Mio./ml. Das Ergebnis zur Morphologie beruht auf Medianwerten von 2 und 4 %; der Gruppenvergleich zeigt vor allem die Spermien-schädigende Wirkung des Testosterons, nicht einen Nutzen gegenüber Nichtbehandlung, denn es gab keine Placebogruppe. Die Veränderungen der Samenparameter korrelierten nicht mit Gewichts-, Stoffwechsel- oder LH/FSH-Änderungen.
- *Lengsfeld und Kollegen 2024* [s72] (Basel, NCT04687514) untersuchten in einer doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie 24 ausgewertete gesunde, normalgewichtige Männer unter vier Wochen Dulaglutid. Primärer Endpunkt war das sexuelle Verlangen, es änderte sich nicht (geschätzte Differenz 0,58; Konfidenzintervall −0,83 bis 2,00). Gesamttestosteron (Differenz 0,9 nmol/l; −1,5 bis 3,3), LH und FSH unterschieden sich nicht relevant, die Samenparameter blieben im Normbereich. Vier Wochen decken nur einen Teil der Spermatogenese ab; Hormone und Samen waren sekundäre Endpunkte.
- *Jensterle und Kollegen 2019* [s112] (Ljubljana) verglichen in 16 Wochen offen 15 Männer unter Liraglutid 3,0 mg mit 15 Männern unter Testosterongel (BMI im Mittel 41,2 kg/m²). Das Gesamttestosteron stieg um 2,6 ± 3,5 nmol/l beziehungsweise 5,9 ± 7,2 nmol/l, ohne signifikanten Gruppenunterschied (p = 0,239). LH und FSH stiegen unter Liraglutid und fielen unter Testosteron (beide p < 0,001 für den Gruppenunterschied). Die Studie enthielt keine Samenanalyse.

**Nicht randomisierte Studien aus Catania.** Die größte prospektive Studie mit Samenanalyse stammt von La Vignera und Kollegen 2023 [s88, s89]: 110 Männer mit metabolischem Hypogonadismus (18 bis 35 Jahre), zugeteilt nach Kinderwunsch auf Gonadotropine (35), Liraglutid bis 3 mg (35) oder Testosterongel (40), je vier Monate. In der Liraglutid-Gruppe stieg das Gesamttestosteron von 1,4 ± 0,6 auf 4,1 ± 0,5 ng/ml, die Spermienmotilität von 14 ± 2 auf 34 ± 4 %; der Kongressabstract nennt zusätzlich Konzentration 6 ± 2 auf 16 ± 4 Mio./ml und Morphologie 4 ± 2 auf 10 ± 2 % [s89]. Die Effekte sind im Vergleich zu den randomisierten Studien sehr groß, die Zuteilung nach Kinderwunsch trennt die Gruppen nach einem fertilitätsnahen Merkmal, und Angaben zu Schwangerschaften fehlen. Für Tirzepatid gibt es nur die Pilotstudie von La Vignera und Kollegen 2025 [s54] mit 83 Männern (Tirzepatid 28, keine Medikation 30, Testosteron 25), die nach zwei Monaten ein Gesamttestosteron von +128,5 % unter Tirzepatid gegenüber +44,3 % ohne Medikation und +46,2 % unter Testosteron berichtet (p < 0,00001). Sie war weder randomisiert noch verblindet, hatte keine Samenanalyse und zeigt, dass auch die unbehandelte Gruppe durch Diät und Bewegung Hormonanstiege hatte.

**Beobachtungsstudien zu Hormonen und Sexualfunktion.** Portillo-Canales und Kollegen 2026 [s29] (zugehöriger Kongressabstract [s59]) werteten Krankenakten von 215 Männern (77 % Typ-2-Diabetes) unter Inkretintherapie aus: Gesamttestosteron 332 ± 134 auf 399 ± 152 ng/dl (p < 0,001), der Anteil mit normalem Gesamttestosteron stieg von 67 auf 86 %. Lisco und Kollegen 2024 [s73] verglichen retrospektiv 63 Männer unter GLP-1-RA plus Metformin mit 45 unter Metformin allein (12 Monate) und fanden unter anderem +41,41 ± 6,11 ng/dl Gesamttestosteron und +2,26 ± 0,26 Punkte im IIEF-5; die Ausgangswerte unterschieden sich (HbA1c 8,3 gegenüber 7,0 %). Graybill und Kollegen 2021 [s104] fanden unter Exenatid bei 51 Männern mit Typ-2-Diabetes insgesamt keine signifikante Testosteronänderung, nur in Untergruppen. Giagulli und Kollegen 2015 [s121] ergänzten bei 43 adipösen Männern mit Diabetes und Hypogonadismus im zweiten Jahr Liraglutid zur Testosterontherapie bei schlechten Respondern; der Testosteronersatz ist hier eine Störgröße. Hinzu kommen Pilotarbeiten ohne belastbare Aussage [s30, s22, s12].

**Register, Meldedaten und genetische Näherung zur erektilen Funktion.** Das Signal geht in beide Richtungen. Able und Kollegen 2025 [s41] fanden in der Datenbank TriNetX bei je 3094 gematchten nicht diabetischen adipösen Männern unter Semaglutid neue erektile Dysfunktion beziehungsweise PDE5-Hemmer-Verordnung bei 1,47 gegenüber 0,32 % (Risikoverhältnis 4,5; 95-%-Konfidenzintervall 2,3 bis 9,0); die Ereigniszahlen sind sehr niedrig, eine aktive Vergleichsgruppe fehlt. Tang und Kollegen 2026 [s32] fanden in einer Target-Trial-Emulation bei Typ-2-Diabetes unter GLP-1-RA gegenüber DPP-4-Hemmern ein Hazard Ratio von 1,26 (1,08 bis 1,46), das nach Kalibrierung mit einem Negativkontroll-Endpunkt nicht mehr signifikant war. Cowart und Kollegen 2025 [s46] fanden für Tirzepatid gegenüber Sitagliptin ein Risikoverhältnis von 0,70 (0,64 bis 0,76), gegenüber injizierbarem Semaglutid 0,67 (0,62 bis 0,72) und gegenüber Dulaglutid 0,55 (0,51 bis 0,59). Zwei Auswertungen der FDA-Spontanmeldedatenbank FAERS kommen zu gegensätzlichen Maßen: Pourabhari Langroudi und Kollegen 2025 [s60] fanden Disproportionalitätsmaße unter 1 (ROR 0,41), Lin und Kollegen 2026 [s20] für Semaglutid ROR 1,53 (1,16 bis 2,03), in gleicher Größenordnung wie Sitagliptin und Dapagliflozin. Die Mendelsche Randomisierung von An und Kollegen 2024 [s66] ergab für genetisch abgebildete GLP-1-RA-Wirkung eine Odds Ratio von 0,493 (0,430 bis 0,565). Diese Studientypen beantworten verschiedene Fragen: Abrechnungsdaten, Spontanmeldungen und genetische Näherung sind untereinander nicht verrechenbar.

**Metaanalysen und Übersichten.** Salvio und Kollegen 2025 [s62] (sieben Studien, n = 680) berichten für das Gesamttestosteron eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 1,39 (0,70 bis 2,09), mit negativer Korrelation zur prozentualen Gewichtsänderung. Orra und Kollegen 2025 [s57] fanden bei vier Studien einen Anstieg des bioverfügbaren Testosterons bei hoher Heterogenität (I² = 86 %). Mirghani und AlQurashi 2026 [s24] berichten für sieben Studien (laut Abstract 237 Männer) eine Verbesserung des Erektionsscores (Mittelwertdifferenz 2,73; 1,64 bis 3,83; I² = 90 %). Ezici und Kollegen 2025 [s47] fanden dagegen bei vier Studien (396 Teilnehmer) keinen signifikanten Unterschied im IIEF-5 (2,84; −2,89 bis 8,57) und im Gesamttestosteron. Deameh und Kollegen 2026 [s05] (zehn Studien, 639 Männer) und Zafrani, Khan und Zitzmann 2026 [s37] (acht Studien) beschreiben einen bescheidenen Testosteronanstieg bei metabolisch belasteten und neutrale Ergebnisse bei gesunden Männern. Die Netzwerk-Metaanalyse von Yang und Kollegen 2026 [s36] (23 randomisierte Studien, 1899 Teilnehmer) weist im Abstract für GLP-1-basierte Therapie keinen signifikanten Effekt auf das Gesamttestosteron aus, ohne Zahl; das Vertrauen in viele Vergleiche war niedrig oder sehr niedrig. Peel und Kollegen 2026 [s28] (32 Studien zu Adipositasinterventionen, Human Reproduction Update) sahen für Pharmakotherapie mit Metformin und Liraglutid keine klaren Schlüsse möglich. Alle diese Arbeiten schöpfen aus demselben kleinen Pool von Primärstudien [s62, s18]; derselbe Patient kann in mehreren Metaanalysen zählen. Dass Ezici [s47] und Salvio [s62] zu gegensätzlichen Ergebnissen kommen, zeigt die Abhängigkeit vom jeweils gewählten Studienpool.

**Narrative Übersichten.** Kaltsas und Kollegen 2026 [s13] fanden keine ausreichend große prospektive GLP-1-Studie mit vorab festgelegten Endpunkten wie Spermien-DNA-Fragmentierung, natürlicher Konzeption, assistierter Reproduktion, klinischer Schwangerschaft oder Lebendgeburt und keine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt. Broul und Kollegen 2026 [s03] triangulierten Studien, Studienregister, Zulassungstexte und Patente: Studienregister enthielten mehr männliche Reproduktionsendpunkte als veröffentlicht, und Patentansprüche seien keine klinische Evidenz. Koufakis und Kollegen 2026 [s16] bezeichnen die Daten zur väterlichen Anwendung von GLP-1-RA als „spärlich und fragmentarisch“. Gelfand und Kollegen 2026 [s11] postulieren in einem theoretischen Modell einen serotonergen Mechanismus, über den GLP-1-RA das sexuelle Verlangen senken könnten, ohne eigene Messdaten. Eine Übersicht, die Pavli und Kollegen 2024 [s74] zufolge rät, GLP-1-RA bei geplanter Schwangerschaft abzusetzen, steht neben der Einschätzung von Rabijewski 2023 [s91], GLP-1-Analoga seien „wirksam und sicher“; beides sind Autorenmeinungen, keine Studienergebnisse. Weitere Übersichten: [s17, s26, s10, s23, s53, s58, s27, s34, s93, s92, s14, s44, s19, s102, s111].

**Humane Gewebe- und Zellstudien.** GLP-1-Rezeptoren wurden auf menschlichen Spermien [s109], in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens [s108] und in Sertoli-Zellen untersucht [s113]. Exenatid erhielt in vitro Motilität und Vitalität menschlicher Spermien [s84]. Antinozzi und Kollegen 2021 [s100] fanden bei 98 Männern höheres Serum-GLP-1 bei Adipösen, korreliert nur mit der progressiven Motilität. Das sind Zellkultur- und Gewebebefunde ohne klinische Aussage.

**Tierversuche.** Die englischsprachige Tierliteratur ist die zahlreichste und zeigt überwiegend schützende Effekte bei Diabetes, Adipositas oder toxischer Hodenschädigung [s31, s40, s77, s95, s50, s38, s01, s75, s87, s49, s122, s85, s67]. Ein Teil der Arbeiten verwendet dieselben Modelle (Streptozotocin, Hochfettdiät); es überwiegen hohe Dosen, junge Tiere, kurze Beobachtung und Abstract-Angaben ohne Effektgrößen. Gegenbefunde: Liraglutid verbesserte bei diabetischen Mäusen die Spermienparameter nicht, und Glp1r-Knockout-Mäuse hatten eine höhere Spermienkonzentration [s64]; Pourheydar und Kollegen 2021 [s105] (Iran, englischsprachig publiziert) fanden bei diabetischen Mäusen keine Besserung von Motilität und Vitalität und keine bessere Embryonalentwicklung nach In-vitro-Fertilisation; Dasso und Kollegen 2026 [s04] beobachteten bei juvenilen gesunden Ratten eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke, die im Erwachsenenalter wieder normal war. Die einzigen Arbeiten zu Tirzepatid am Tier sind [s01] (Ratte, 60 Tiere) und der Vorabdruck [s25] (Maus).

**Fallberichte.** Fontoura und Kollegen 2014 [s123] beschreiben eine Verschlechterung der Samenparameter unter Liraglutid; nach Andersen und Kollegen [s96] betraf der Fall 0,6 mg täglich. Tariq und Kollegen 2026 [s33] berichten von Beschwerden im Urogenitaltrakt unter Tirzepatid, die nach Absetzen abklangen. Kausalität belegt keiner der Berichte.

**Leitlinien und Fachgesellschaften.** Die abgerufenen Kapitel der EAU-Leitlinien zu männlicher Infertilität [s06] und zu männlichem Hypogonadismus [s07] enthalten keine Aussage zu GLP-1-RA. Das Kapitel zur Infertilität nennt für idiopathische Oligo-Astheno-Teratozoospermie Lebensstiländerungen einschließlich Gewichtsverlust (Evidenzgrad 2a), das zum Hypogonadismus nennt Lebensstiländerung und Gewichtsverlust als ersten Ansatz bei übergewichtigen Männern. Die AUA/ASRM-Leitlinie [s68] erwähnt GLP-1-RA nur im Ausblick: Die Wirkung der Wirkstoffklasse auf die Reproduktionsgesundheit sei noch zu bestimmen. Auf der ESHRE-Leitlinienübersicht [s08] fand sich keine Leitlinie zu männlicher Infertilität oder zu GLP-1-RA; die Volltexte einzelner ESHRE-Leitlinien wurden nicht geprüft.

**Fachzeitschriften, Register, Erreichbarkeit.** Die Beiträge erscheinen in andrologischen und endokrinologischen Zeitschriften (Andrology, Journal of Sexual Medicine, Human Reproduction, Reproductive Biology and Endocrinology, Journal of Clinical Medicine) sowie in breiten Reihen (Cureus, Biomedicines, International Journal of Molecular Sciences). Auffällig ist, dass mehrere Beiträge als Kongressabstract oder Vorabdruck vorliegen [s47, s59, s89, s22, s25], die noch keine vollständige Begutachtung durchlaufen haben. Als Register spielen TriNetX [s41, s46] und FAERS [s60, s20] die wichtigste Rolle; Studienregister und Zulassungstexte wertet nur [s03] aus. Registrierungen der Studien: NCT06489457 [s48], NCT04687514 [s72], PROSPERO CRD42025640594 [s47] und CRD42022349665 [s28]. Die Datenbanklage ist die beste aller Sprachräume: Europe PMC (REST-Schnittstelle) war erreichbar, lieferte Abstracts, Metadaten und bei offenem Zugang Volltext; die NCBI-E-utilities ließen sich ebenfalls abfragen; OpenAlex diente als Ersatz für gesperrte regionale Portale; die PubMed-Webseite war auftragsgemäß gesperrt. Die Cochrane Library wurde nicht direkt abgefragt, über Europe PMC fand sich keine Cochrane-Übersicht zum Thema.


### Deutsch

**Eigene Literatur.** Im deutschen Sprachraum gibt es zu dieser Frage kaum eigene Literatur. Gefunden wurde ein deutschsprachig betitelter Übersichtsartikel: Klotz 2026 [s15] in der Zeitschrift Zentralblatt für Chirurgie, „GLP-1-Rezeptoragonisten in Urologie und Andrologie: Indikationen, Chancen und klinisch relevante Nebenwirkungen“ (Titel in der Quelle deutsch, Abstract englisch und deutsch). Die Arbeit enthält keine eigenen Messwerte. Sie fasst zusammen, dass GLP-1-RA Gewichtsreduktionen von bis zu 22 % erreichen und dass bei adipositasbedingtem Hypogonadismus das Gesamttestosteron steigt und sich die erektile Funktion bessert. Als Warnsignal nennt sie das 4,5-fach erhöhte Risiko neu aufgetretener erektiler Dysfunktion bei nicht diabetischen adipösen Männern unter Semaglutid; diese Zahl stammt aus der TriNetX-Auswertung von Able und Kollegen [s41] und ist kein deutscher Befund. Der Autor spricht sich für eine systematische andrologische Überwachung und Patientenaufklärung aus; das ist die Position des Autors, keine Empfehlung dieser Studie, und die zugrunde liegenden Primärdaten sind begrenzt (siehe Abschnitt Englisch).

**Beteiligung deutschsprachiger Autoren.** Zitzmann ist Koautor zweier englischsprachiger Übersichten [s37, s44]. Zafrani, Khan und Zitzmann 2026 [s37] haben nach PRISMA 2020 acht Studien aus dem Zeitraum Januar 2021 bis Januar 2026 ausgewertet (PubMed, Cochrane, Google Scholar), darunter einen randomisierten placebokontrollierten Cross-over-Versuch (vermutlich [s72]) und sechs Beobachtungs- oder Interventionsstudien. Sie beschreiben einen bescheidenen Testosteronanstieg und Verbesserungen der Erektionsfunktion oder ausgewählter Samenparameter bei metabolisch belasteten Männern und neutrale Ergebnisse bei gesunden eugonadalen Männern; die Reaktion hänge vom metabolischen Ausgangszustand ab. Antonič und Zitzmann 2025 [s44] diskutieren die Kombination von Testosteron und GLP-1-RA zur Erhaltung der Magermasse. Die einzige randomisierte Studie mit Dulaglutid bei gesunden Männern stammt aus Basel, also dem deutschsprachigen Teil der Schweiz [s72]; sie ist englisch veröffentlicht und im Abschnitt Englisch beschrieben (Cross-over-Design, 24 ausgewertete Männer, vier Wochen, keine Änderung von Verlangen, Hormonen und Samenparametern im Mittel).

**Leitlinien.** Die Abfrage des Leitlinienregisters der AWMF gelang nicht: Die Seite war erreichbar, aber das Register ist eine Skriptanwendung, die über die verfügbare Schnittstelle keine Inhalte lieferte. Deshalb kann die Studie keine Aussage treffen, ob eine AWMF-Leitlinie GLP-1-RA im männlichen Kontext erwähnt. Das ist eine Lücke des Zugangs. Die europäischen EAU-Kapitel, die auch im deutschen Sprachraum herangezogen werden, enthalten keine Aussage zu GLP-1-RA [s06, s07].

**Einordnung.** Eine deutsche Primärstudie zu männlichen Hormonen oder Spermien unter GLP-1-RA wurde nicht gefunden. Das gilt für die erreichbaren Quellen (Europe PMC, OpenAlex, AWMF-Seite ohne abrufbaren Inhalt) und ist keine Aussage über die gesamte deutschsprachige Literatur.

### Französisch

**Eigene Literatur.** Im französischen Sprachraum fand sich keine Literatur zum Thema. In Europe PMC erschienen französischsprachige Artikel zu GLP-1-RA, etwa zu Adipositas, zu Tirzepatid-Studienprogrammen oder zum Absetzen von GLP-1-RA; keiner behandelt männliche Hormone, Spermien oder Fertilität. Die Suche in HAL, dem französischen Archiv offener Publikationen, lieferte über die API drei Treffer für GLP-1-RA zusammen mit männlichen Reproduktionsbegriffen. Einschlägig war nur der Archiveintrag der englischsprachigen Studie von Andersen und Kollegen [s96]; die übrigen Treffer waren Abschlussarbeiten und Artikel ohne Bezug zum Thema, etwa zu Gonadotropinen in der Reproduktionsmedizin. Dass [s96] in der Quellenliste das Merkmal Französisch trägt, beruht allein auf diesem Archiveintrag, nicht auf einer französischsprachigen Veröffentlichung.

**Erreichbarkeit.** Cairn, die wichtigste Plattform für französischsprachige Fachzeitschriften der Geistes- und Sozialwissenschaften, war nicht abrufbar: Die Abfrage endete mit HTTP 403 und verlangte JavaScript. Die Aussage „keine französischsprachige Literatur“ stützt sich daher auf Europe PMC, HAL und OpenAlex (mit Sprachfilter fr). Leitlinien oder Positionspapiere französischer Fachgesellschaften wurden nicht gefunden und auf diesem Rechercheweg auch nicht gezielt abgefragt. Wie beim Deutschen gilt: Es ist eine Lücke des Zugangs, kein Nachweis, dass keine Arbeiten existieren.

### Italienisch

**Eigene Literatur, aber englisch publiziert.** 15 der 123 Quellen tragen das Merkmal Italienisch [s18, s19, s27, s30, s54, s62, s73, s84, s88, s89, s100, s102, s108, s109, s121]; nach Chinesisch (19) ist das das häufigste Merkmal außerhalb des Englischen. Die Arbeiten kommen laut Recherchebericht überwiegend aus den Zentren Catania, Bari, Catanzaro und Kalabrien (der Bericht ordnet die Zentren nicht einzelnen Arbeiten zu). Alle diese Gruppen publizieren auf Englisch. Ein italienischsprachiger Artikel zum Thema wurde in Europe PMC und OpenAlex nicht gefunden.

**Kohorten und klinische Studien.** Die Catania-Gruppe (La Vignera, Condorelli, Calogero) steht hinter den beiden Studien mit Samen- oder Hormondaten für Liraglutid und Tirzepatid bei Männern mit metabolischem Hypogonadismus:

- *Liraglutid, 110 Männer* [s88, s89]: nicht randomisiert, vier Monate, Zuteilung nach Kinderwunsch auf Gonadotropine, Liraglutid oder Testosterongel. In der Liraglutid-Gruppe stiegen Gesamttestosteron (1,4 ± 0,6 auf 4,1 ± 0,5 ng/ml, +192,9 %) und SHBG (14,0 ± 3,0 auf 36,0 ± 4,0 nmol/l); die Gewichtsabnahme lag bei 10,3 %; die Motilität stieg von 14 ± 2 auf 34 ± 4 %. Der IIEF-5 stieg in dieser Gruppe von 4 ± 2 auf 21 ± 4. Männer mit Diabetes waren ausgeschlossen, Schwangerschaften wurden nicht berichtet. Die Übereinstimmung der LH-Werte zwischen Abstract und Volltext sollte bei Weiterverwendung geprüft werden.
- *Tirzepatid, 83 Männer* [s54]: Pilotstudie, zwei Monate, drei Gruppen (Tirzepatid, keine Medikation, Testosteron). Gesamttestosteron +128,5 % (113,9 bis 160,7) unter Tirzepatid, Estradiol −60,0 %, Gewicht −8,1 %. Auch die unbehandelte Gruppe zeigte Hormonanstiege. Der Kongressabstract zu Tirzepatid stellt den LH-Wert in Gruppe A anders dar als der Volltext.

Weitere italienische Arbeiten: Lisco und Kollegen 2024 [s73] (retrospektive Kohorte, 108 Männer mit Typ-2-Diabetes und erektiler Dysfunktion, +2,26 Punkte im IIEF-5 unter GLP-1-RA plus Metformin gegenüber Metformin allein); Giagulli und Kollegen 2015 [s121] (retrospektive Auswertung, Liraglutid zusätzlich zum Testosteronersatz bei 43 Männern); Seminara und Kollegen 2026 [s30] (Pilotstudie mit zehn Männern, Tirzepatid plus Testosteronundecanoat, in Minerva Endocrinology; Wirkungen von Testosteron und Tirzepatid nicht trennbar). Das Gewicht der italienischen Gruppen in der Evidenz zeigt die Metaanalyse von Mirghani und AlQurashi [s24]: Sechs ihrer sieben Einträge stammen aus Italien, einer aus der Schweiz.

**Metaanalysen und Übersichten.** Salvio und Kollegen 2025 [s62] (sieben Studien, n = 680; standardisierte Mittelwertdifferenz 1,39 für das Gesamttestosteron), La Vignera und Condorelli 2026 [s18] (PRISMA-Übersicht mit 29 Studien; Anstieg des Gesamttestosterons um 2,5 bis 5,2 nmol/l bei adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus, überwiegend durch Gewichtsverlust und bessere Insulinresistenz vermittelt) und [s19]; Paternò und Kollegen 2026 [s27] (antidiabetische Therapien in Modellen mit besseren Spermienparametern; klinische Evidenz begrenzt); Cannarella und Kollegen 2021 [s102] (Kommentar mit der Hypothese eines Nutzens bei männlicher Infertilität und der Forderung nach randomisierten Studien). Salvio und Kollegen halten fest, dass die Literatur eine direkte Wirkung auf die Hodenfunktion nicht belegt; La Vignera und Condorelli, dass nicht belegt sei, ob ein bestehender Hypogonadismus das Ansprechen auf Inkretintherapie verschlechtert.

**Grundlagenforschung am Menschen.** Auffällig ist der Anteil humaner Gewebe- und Zellarbeiten aus dem italienischen Raum: GLP-1-Rezeptor auf menschlichen Spermien und die Wirkung von Exenatid auf Motilität und Cholesterinefflux [s109], Rezeptor in Leydig-Zellen des normalen menschlichen Hodens bei fehlendem Nachweis in Leydig-Tumoren [s108], Schutz der Motilität menschlicher Spermien vor TNF-alpha durch Exenatid in vitro [s84], Serum-GLP-1 und Seminalplasma bei 98 Männern [s100]. Das sind Untersuchungen an Zellen und Gewebe; klinische Aussagen tragen sie nicht.

**Fachgesellschaften und Zeitschriften.** Die Webseite der Società Italiana di Andrologia (Startseite, Pressemitteilungen, Prävention, Jahresseiten 2025 und 2026, die Zeitschriftenseiten JAS und GIMSeR, Library) war erreichbar. Auf diesen Seiten fand sich kein Text zu GLP-1-RA, Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid. Eine Volltextsuche bietet die Seite nicht; eine Leitlinie oder ein Positionspapier wurde nicht gefunden. Die italienischen Beiträge erscheinen in internationalen Zeitschriften (Andrology, Journal of Clinical Medicine, Reproductive Biology and Endocrinology, Pharmaceuticals, Biomedicines, Minerva Endocrinology).

### Portugiesisch

**Eigene Literatur.** Auf Portugiesisch gibt es nur drei Dokumente, und keines liefert eigene Primärdaten von Gewicht:

- *Masterarbeit Fernandes 2026* [s09] (Universidade do Porto, Repositório Aberto): wertet 17 Studien zu GLP-1-RA und männlicher Fertilität aus (PubMed und Cochrane Library; Verzerrungsbewertung mit Cochrane RoB 2 und Newcastle-Ottawa-Skala). Schluss: Bei gesunden Männern zeigten sich keine signifikanten Effekte auf Hormonachse, Samenparameter oder Libido, bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus dagegen Verbesserungen, überwiegend über Gewichtsverlust; unerwünschte Wirkungen seien nur leicht gewesen. Das ist eine Sekundärauswertung englischsprachiger Literatur und fügt keine eigenen Daten hinzu; eine Masterarbeit ist zudem keine Fachzeitschriftenarbeit mit externer Begutachtung.
- *Fallbericht Lima 2025* [s55] (Brazilian Journal of Health Review): ein 31-jähriger Mann mit morbider Adipositas (Grad III) und hypogonadotropem Hypogonadismus, der unter Liraglutid und Fluoxetin in zwölf Monaten 65 kg verlor und über bessere Libido und Lebensqualität berichtete. Wegen Begleitmedikation und Einzelfall kaum verwertbar.
- *Becker und Kollegen 2026* [s02] (JBRA Assisted Reproduction): Übersicht zu GLP-1-RA und Fertilität, die ausdrücklich PubMed, SciELO und LILACS durchsuchte (47 Artikel); der Schwerpunkt liegt auf Frauen mit PCOS, nicht auf Männern. Die Arbeit ist hier nur aufgeführt, um den portugiesischsprachigen Raum zu dokumentieren.

**Portugiesische Forschung auf Englisch.** Der wichtigste portugiesische Beitrag zum Thema ist nicht portugiesischsprachig. Arbeitsgruppen der Universität Porto (UMIB, ICBAS) haben mehrere englischsprachige Zellstudien geliefert: Martins und Kollegen 2019 [s113] (menschliche Sertoli-Zellen: bei 0,01 und 1 nM GLP-1 sank der Glukoseverbrauch und stieg die Laktatproduktion, bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotential), Ribeiro und Kollegen 2022 [s98] (Sertoli-Zellen der Maus: Exenatid plus Dapagliflozin steigerte die Laktatproduktion) und Oliveira-Lopes und Kollegen 2025 [s56] (Leydig-Zelllinie BLTK1: pharmakologische Konzentration verbesserte die mitochondriale Atmung, Androstendion unverändert). Aus Aveiro stammt Correia und Kollegen 2022 [s97] (Ratte, 16 Tiere, GLP-1 gegenüber 30 % Kalorienrestriktion: GLP-1 ohne Gewichtseffekt, aber weniger Spermienkopfdefekte). Das ist Stoffwechselforschung an Hodenzellen, die einen Mechanismus beleuchtet, nicht die Fertilität des Menschen.

**Erreichbarkeit.** SciELO und LILACS/BVS, die beiden wichtigsten ibero-amerikanischen Datenbanken, waren nicht abrufbar (HTTP 403, Schutzschicht vor der Suche). Die Porto-Masterarbeit gibt an, PubMed und die Cochrane Library durchsucht zu haben [s09]; Becker und Kollegen durchsuchten SciELO und LILACS, aber zu Frauen [s02]. Ob dort portugiesischsprachige Arbeiten zu Männern existieren, die Europe PMC und OpenAlex nicht abbilden, lässt sich nicht beurteilen.

### Spanisch

**Eigene Literatur.** Auf Spanisch wurde nur ein einziger einschlägiger Text gefunden, und er taugt nicht als Beleg: Lopez 2026 [s21], veröffentlicht auf Zenodo ohne Begutachtung, zu niedrigem Testosteron „in der GLP-1-Ära“, mit ausdrücklich kommerziellem Bezug zu Nährstoffpräparaten. Er verweist auf Studien und Metaanalysen zu Testosteronanstiegen unter GLP-1-Therapie, ohne eine direkte gonadale Wirkung zu belegen, und wurde nur zur Dokumentation aufgenommen. Ein Dialnet-Eintrag zu männlichem Hypogonadismus bei Adipositas und bariatrischer Chirurgie (2017) betrifft nicht GLP-1-RA.

**Spanischsprachige Forschung auf Englisch.** Lateinamerikanische Gruppen sind mit englischsprachigen Arbeiten vertreten; ihre Herkunft ergibt sich aus den abgerufenen Affiliationen. Dasso und Kollegen vom Centro de Investigaciones Endocrinológicas „Dr. César Bergadá“ (CEDIE, CONICET, Argentinien) haben eine Zell- und eine Tierstudie geliefert: 2024 [s69] an Sertoli-Zellen der Ratte (kein Einfluss von Liraglutid auf Glukoseverbrauch und Laktatproduktion, aber mehr Triglyzeride und Lipidtröpfchen über cAMP/PKA) und 2026 [s04] an juvenilen gesunden Ratten (Liraglutid an den Tagen 20 bis 33: erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke und mehr Apoptose am Tag 34; im Erwachsenenalter wieder normale Durchlässigkeit, vollständige Spermatogenese und unveränderte Tagesspermienproduktion). Aus Peru stammt die Übersicht von Fuentes-Mendoza und Kollegen 2026 [s10] (Universidad Científica del Sur, Lima), aus Mexiko die von Olivares und Kollegen 2026 [s26] (Instituto Mexicano del Seguro Social, Mexiko-Stadt); beide sehen überwiegend positive Effekte auf Testosteron, Erektion und Samenparameter und enthalten keine eigenen Messdaten. Die argentinische Arbeit an jungen Tieren [s04] ist bemerkenswert, weil sie einen Befund an gesunden Tieren liefert, der anders ausfällt als die Schutzbefunde bei kranken Tieren; er bildete sich zurück.

**Erreichbarkeit.** Dialnet lieferte zunächst Seiten ohne verwertbare Trefferliste, spätere Abfragen scheiterten an einer Zugriffsbegrenzung („Ha sobrepasado los límites de acceso“). SciELO und LILACS waren, wie beim Portugiesischen, nicht abrufbar. Die Aussage „keine begutachtete spanischsprachige Literatur“ ist daher vorläufig und stützt sich im Wesentlichen auf Europe PMC und OpenAlex mit Sprachfilter es.

### Chinesisch

**Überblick.** Der chinesische Sprachraum dominiert den nicht englischen Teil des Bestands: 19 Quellen tragen das Merkmal Chinesisch. Fast alle sind aber in internationalen englischsprachigen Zeitschriften erschienen; nur eine einzige Arbeit ist tatsächlich chinesischsprachig [s120]. Die Arbeiten verteilen sich auf drei Typen. Erstens mechanistische Nagetier- und Zellarbeiten. Zweitens Auswertungen vorhandener Daten ohne eigene Patientenrekrutierung (Mendelsche Randomisierung, Metaanalysen, Meldedatenbank, Scoping-Review). Drittens sehr wenige Humanstudien mit eigener Datenerhebung. Auffällig ist, dass die neueren Arbeiten (2025 und 2026) häufig Auswertungsdesigns nutzen, die ohne eigene Rekrutierung auskommen [s36, s63, s20, s34].

**Humanstudien.** Die älteste und zugleich einzige einschlägige Humanstudie mit Hormon- und Sexualfunktionsendpunkten ist die multizentrische Beobachtungsstudie von Shao und Kollegen 2018 [s117] (Erstes Universitätsklinikum der Harbin Medical University, Andrologia). In zwölf Wochen erhielten 90 adipöse Männer mit Typ-2-Diabetes Exenatid plus Metformin und 86 Glimepirid plus Metformin. Das Gesamttestosteron stieg unter Exenatid um 121,72 ± 56,73 ng/dl, unter Glimepirid um 34,67 ± 16,30 ng/dl. Der Anstieg war bei Männern mit einem Gewichtsverlust von mindestens 5 % größer, in beiden Gruppen; die Änderung des Gesamttestosterons hing mit der des Taillenumfangs zusammen (r = −0,443; p < 0,001). Die Beurteilung der Sexualfunktion besserte sich unter Exenatid stärker (p < 0,001), es gab keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. Die Studie ist nicht randomisiert; der Abstract nennt keine Ausgangswerte, keinen p-Wert für den Testosteronunterschied und keine Samenparameter. Sie sagt deshalb nichts über Samenqualität oder Fertilität aus, und der Gewichtsverlust ist der stärkste Begleitfaktor. Für Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid am Menschen mit Hormon- oder Samenendpunkten fand sich aus China keine eigenständige klinische Studie; die einzige Semaglutid-Humanstudie ist die explorative Arbeit von Guo und Kollegen 2026 [s12] (Sun-Yat-sen-Universität, Shenzhen) mit 2 Kontrollen, 7 Männern mit adipositasassoziiertem sekundärem Hypogonadismus und 4 Nachuntersuchten. Sie fand 80 differenziell methylierte Gene (die meisten auf dem X-Chromosom) und sechs differenziell exprimierte miRNA; ihr Abstract nennt keine Testosteronwerte, keine Samenparameter und keine Sexualfunktionsendpunkte, und die Autoren nennen die Ergebnisse explorativ.

**Auswertungen vorhandener Daten.**

- *Yang und Kollegen 2026* [s36] (Sichuan Academy of Medical Sciences, Journal of Sexual Medicine): frequentistische Netzwerk-Metaanalyse von 23 randomisierten Studien mit 1899 Teilnehmern zu adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus. Gegenüber üblicher Versorgung oder Placebo stieg das Gesamttestosteron unter Testosteronersatz plus strukturierter Lebensstiltherapie um 7,19 (1,18 bis 13,21), unter endogener Testosteronrestitution um 4,14 (0,74 bis 7,54) und unter Testosteronersatz um 2,53 (0,26 bis 4,81); die Einheit nennt der Abstract nicht. Für den GLP-1-Arm nennt der Abstract keine Effektgröße; weder ein Anstieg noch ein fehlender Effekt lässt sich daraus ablesen, und auch die Zahl der Studien mit GLP-1-Arm fehlt. Keine Intervention senkte das HbA1c signifikant; die Sicherheit der Evidenz war für viele Vergleiche niedrig oder sehr niedrig.
- *An und Kollegen 2024* [s66] (West China Hospital, Chengdu, Frontiers in Endocrinology): Wirkstoffziel-Mendelsche-Randomisierung. Genetisch abgebildete GLP-1-RA-Wirkung senkte das Risiko erektiler Dysfunktion (Odds Ratio 0,493; 0,430 bis 0,565; p < 0,001); als Mediatoren erklärten Typ-2-Diabetes 2,89 %, Adipositas 6,83 %, Bluthochdruck 3,22 % und Herz-Kreislauf-Erkrankung 3,06 %. Die Methode bildet eine lebenslange genetische Veränderung ab, nicht eine medikamentöse Behandlung; Hormone und Spermien wurden nicht untersucht.
- *Yang und Kollegen 2025* [s63] (Luzhou, Sichuan): systematische Übersicht und Metaanalyse von Antidiabetika und erektiler Dysfunktion; aus 3906 Treffern gingen drei Studien in die Analyse ein. GLP-1-RA waren Metformin bei der Verbesserung der erektilen Dysfunktion überlegen (Z = 2,41; p = 0,02), besonders bei höherem BMI (Z = 2,26; p = 0,02). Der Abstract nennt keine gepoolte Effektstärke und kein Konfidenzintervall.
- *Lin und Kollegen 2026* [s20] (Nanchong, Sichuan, Andrology): FAERS-Disproportionalitätsanalyse; 49 Meldungen erektiler Dysfunktion unter Semaglutid, 54 unter Sitagliptin, 42 unter Dapagliflozin. Reporting Odds Ratio Semaglutid 1,53 (1,16 bis 2,03), Sitagliptin 1,52 (1,16 bis 1,98), Dapagliflozin 1,51 (1,11 bis 2,04); Dulaglutid, Linagliptin und Metformin ohne Signal. Die Zeit bis zum Auftreten folgte einer Zufallsausfall-Verteilung. Das Signal liegt in der gleichen Größenordnung wie bei zwei anderen Wirkstoffklassen und ist deshalb nicht GLP-1-spezifisch; Spontanmeldungen enthalten keine Nenner.
- *Wang und Kollegen 2026* [s34] (Xiyuan-Krankenhaus, Peking, Journal of Multidisciplinary Healthcare): Scoping-Review mit 28 klinischen Studien an adipösen Männern, der unter den Bestandsarbeiten die chinesische Datenbank CNKI mitdurchsucht hat (neben PubMed und Web of Science). GLP-1-RA gehören zu den genannten Optionen für die Samenqualität neben bariatrischer Chirurgie, Lebensstil, selektiven Östrogenrezeptormodulatoren, Testosteron, Aromatasehemmern, Nahrungsergänzungsmitteln und traditioneller chinesischer Medizin; die Autoren fordern Leitlinien auf Grundlage hochwertiger Evidenz. Welche der 28 Studien aus CNKI stammen, geht aus dem Abstract nicht hervor.
- *An und Kollegen 2025* [s43] (Xiangya-Krankenhaus, Changsha, Sexual Medicine Reviews): narrative Übersicht zu erektiler Dysfunktion und Herz-Kreislauf-Erkrankung, die die Kombination von GLP-1-RA mit Testosterontherapie als Möglichkeit erwähnt; ein Beleg der Meinung im Sprachraum, kein Wirksamkeitsnachweis.

**Tierversuche und Zellstudien.** Die chinesischen Gruppen haben die meisten mechanistischen Arbeiten geliefert, mit uneinheitlichem Ergebnis:

- Verbesserung bei adipösen Mäusen: Exenatid (24 nmol/kg täglich, acht Wochen) verbesserte Spermienqualität und senkte Entzündungsmarker (TNF-alpha, MCP-1) im Hoden [s122]; Liraglutid (zwölf Wochen) senkte Gewicht, Glukose, Estradiol und SHBG und erhöhte LH, FSH, Testosteron und Spermienzahl, mit hochreguliertem AC3/cAMP/PKA-Signalweg im Hoden [s75]. Beide Abstracts nennen keine Zahlenwerte.
- Schutz bei Diabetes: Semaglutid milderte bei Diabetesmäusen den Hodenschaden über Hemmung der Ferroptose [s77]; Exenatid hob das Testosteron und senkte Entzündungsfaktoren, und die Stuhltransplantation übertrug einen Teil des Hodenschutzes auf andere diabetische Mäuse, was auf eine Rolle der Darmflora hinweist [s85].
- Direkte Stimulation: natives GLP-1 erhöhte in Leydig-Stammzellen und nach Injektion in den Hoden das Testosteron und förderte die Differenzierung, nicht die Vermehrung der Stammzellen [s90]. Das ist der direkteste Beleg des Bestands für eine stimulierende Wirkung des GLP-1-Signals auf die Testosteronproduktion, allerdings in einem Regenerationsmodell nach chemischer Zerstörung der Leydig-Zellen und nicht mit einem klinisch eingesetzten Wirkstoff.
- Erektionsfunktion: Liraglutid verbesserte bei Ratten mit diabetischer Erektionsstörung die Erektionsfunktion ohne Änderung von Blutglukose und Gewicht, über oxidativen Stress, RhoA/ROCK und Autophagie [s110]; die chinesischsprachige Arbeit [s120] fand mit Liraglutid bessere Erektionshäufigkeit und höhere eNOS- und p-eNOS-Werte im Schwellkörper als bei unbehandelten diabetischen Ratten (p < 0,05), aber weiterhin niedriger als bei gesunden Tieren.
- Gegenbefunde: Yin und Kollegen 2025 [s64] (Peking University Third Hospital, Endocrine) fanden, dass Liraglutid die Spermienparameter diabetischer Mäuse nicht verbesserte, dass Liraglutid oder Semaglutid in vitro keinen Einfluss auf Spermienzahl und Beweglichkeit hatten und dass Glp1r-Knockout-Mäuse eine höhere Spermienkonzentration hatten als Wildtypen; die Autoren schließen, GLP-1-RA seien in vivo und in vitro nicht schädlich. Huang und Kollegen 2025 [s52] (Theranostics) erzeugten Hodenorganoide aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen; unter Semaglutid sanken im Organoid das Testosteron und die Expression von INHBB, „im Einklang mit früheren klinischen Beobachtungen“, die der Abstract nicht nennt. Es ist der einzige Befund des Bestands, in dem Semaglutid in einem menschlichen Zellmodell die Testosteronbildung senkt. Konzentrationen, Zeiten und Effektgrößen nennt der Abstract nicht; das Organoid enthält nur Hodenzellen und bildet Hypothalamus, Hypophyse und Stoffwechsel nicht ab.
- Kontext: Zhu und Kollegen 2019 [s114] zeigten, dass Androgene die Expression des GLP-1-Rezeptors regulieren (untersucht im Pankreas, nicht im Hoden); Xia und Kollegen 2026 [s35] fanden, dass die Blockade des Glukagonrezeptors die Spermatogenese schützt, wobei ein GLP-1R-Antagonist nur partiellen oder variablen Schutz aufhob.

**Chinesischsprachige Literatur.** Die einzige chinesischsprachige Arbeit ist die Rattenstudie von Yue und Kollegen 2016 [s120] in der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (Nationale Zeitschrift für Andrologie); der PubMed-Titel lautet englisch „Regulatory effect of liraglutide on the expression of eNOS in the corpus cavernosum of diabetic rats“ (Regulierende Wirkung von Liraglutid auf die eNOS-Expression im Corpus cavernosum diabetischer Ratten). Genannt werden 30 Ratten, 12 Wochen Behandlung; die Gruppenzuordnung ergibt nur 26 Tiere, und die Liraglutid-Dosis im Abstract („5 mg pro kg Körpergewicht pro Tag“) wird hier nur wiedergegeben. Testosteron wurde gemessen, das Ergebnis steht nicht im Abstract. Zwei weitere chinesischsprachige Dokumente aus PubMed (ein Konsens zu GLP-1-RA bei Typ-2-Diabetes 2020, Zhonghua Nei Ke Za Zhi, und ein Expertenkonsens zu nährstoffstimulierten Hormonrezeptor-Agonisten 2026, Zhonghua Yi Xue Za Zhi) wurden gesichtet; ihre Abstracts enthalten keine Begriffe zu Hoden, Spermien, Testosteron, Sexualfunktion oder Fortpflanzung. Chinesische Pharmakovigilanz-Auswertungen zu Semaglutid, Tirzepatid und der Klasse insgesamt (FAERS, VigiBase) nennen in ihren Abstracts keine Endpunkte zu Hoden, Samen, Hormonen oder Sexualfunktion; ob Volltexte Unterlisten dazu enthalten, wurde nicht geprüft. Leitlinien mit Bezug zu GLP-1-RA und männlicher Fortpflanzung aus dem chinesischen Sprachraum wurden nicht gefunden.

**Regionale Besonderheit.** Die Frauenseite (polyzystisches Ovarsyndrom, Fruchtbarkeit der Frau, Schwangerschaft) ist in der chinesischen Literatur sehr viel stärker vertreten als die Männerseite; allein die Suche nach männlichen Hormonbegriffen mit chinesischer Affiliation fand eine große Zahl von PCOS-Arbeiten, die bewusst nicht aufgenommen wurden. Dass die Männerseite dünn ist, liegt damit zumindest teilweise an der Forschungsagenda und nicht nur an der Auswahlregel der Recherche. Taiwan und Hongkong wurden mit abgefragt: Gefunden wurde eine taiwanische Kohortenstudie zu GLP-1-RA bei Prostatakrebs unter Androgenentzug mit Gesamtmortalität als Endpunkt, die nicht zur Fragestellung passt.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar. Muttersprachliche Suchbegriffe (zum Beispiel 司美格鲁肽 精子 und 利拉鲁肽 睾酮) lieferten in Europe PMC null Treffer, weil Europe PMC überwiegend englische Titel und Abstracts indexiert; der Sprachfilter für Chinesisch ergab 218 Treffer, von denen die ersten 25 gesichtet wurden, keiner einschlägig. In PubMed ergab der Sprachfilter für Chinesisch einen einzigen Treffer (die Arbeit [s120]). CNKI war nicht erreichbar (die Startseite lieferte nur ein Weiterleitungsskript, die Suchoberfläche keine Antwort). Wanfang antwortete, aber die Trefferliste wird per JavaScript nachgeladen und war per curl nicht lesbar. Für die chinesischen Primärdatenbanken liegen daher keine Suchergebnisse vor; die Literaturlage dort ist unbekannt.

### Japanisch

**Eigene Literatur.** Drei Quellen tragen das Merkmal Japanisch [s71, s101, s119]. Der japanische Beitrag stammt im Wesentlichen aus einer einzigen Arbeitsgruppe der Universität Kagoshima (Veterinärmedizin), dazu kommt eine ältere Arbeit aus Akita. Eine japanischsprachige Fachzeitschriftenarbeit zum Thema wurde nicht gefunden. Humandaten fehlen vollständig.

- *Iida und Asano 2024* [s71] (Journal of Veterinary Medical Science, Kagoshima University): Glp1r-mRNA und GLP-1-Protein waren im Mäusehoden in einer Menge nachweisbar, die der von Kontrollgeweben (Fettgewebe, Leber, Darm) vergleichbar oder größer war, ebenso in allen vier untersuchten Zelllinien (Sertoli-Zellen TM4, Leydig-Zellen MA-10, Keimzelllinien GC-1 spg und GC-2 spd). In TM4-Zellen steigerte Exenatid vorübergehend die mRNA von Kitl, Pdgfa und Glp1r; bei Mäusen waren eine Stunde nach der Gabe Kitl und Glp1r erhöht. Genexpression ist kein Maß für Spermienzahl oder Beweglichkeit, und der Effekt war vorübergehend.
- *Asano (Projektleiter) 2021* [s101]: Abschlussbericht des KAKEN-Projekts 18K06033, Laufzeit 1. April 2018 bis 31. März 2021, japanischer Titel 肥満・糖尿病モデル動物を用いたインクレチンによる雄性生殖機能の調節に関する研究 (Studie zur Regulation der männlichen Fortpflanzungsfunktion durch Inkretin an Tiermodellen für Adipositas und Diabetes). Der Bericht beschreibt in Sertoli- und Leydig-Zellen eine vorübergehend gesteigerte Expression von Zytokin- und Steroidsynthese-Genen und aktivierte cAMP-Signalwege; als wissenschaftliche Bedeutung nennt er, dass Adipositas und Diabetes die Wirkung von Inkretinen auf den Hoden beeinflussen könnten, insbesondere die von GIP. Der Bericht ist keine Peer-Review-Publikation und enthält im abgerufenen Text keine Zahlen. Autor, Institution, Zelllinien und Wirkstoff stimmen mit [s71] überein; ob [s71] aus diesem Projekt hervorging, sagen die abgerufenen Dokumente nicht ausdrücklich.
- *Shimizu und Kollegen 2017* [s119] (Endocrinology, Akita University): Der GIP-Rezeptor wird in Spermatiden der Maus exprimiert; in Gipr-Knockout-Hoden war das Pregnancy-specific Glycoprotein 17 (Psg17) vermindert, und Gipr-Knockout-Spermien erzielten in vitro eine niedrigere Befruchtungsrate. Das Plasma-GIP und die Psg17-mRNA im Hoden stiegen nach einer einzelnen Mahlzeit, eine chronische Hochfettdiät senkte Gipr- und Psg17-mRNA. Es ist die einzige gefundene Arbeit, die das GIP-Signal mit der Befruchtungsfähigkeit der Spermien verbindet. Weil Tirzepatid ein dualer GIP/GLP-1-Agonist ist, ist dies für die Tirzepatid-Frage ein Kontext, aber kein Tirzepatid-Befund: Es wurde kein GIP-Agonist und kein Tirzepatid untersucht.

**Regionale Besonderheit.** Dass ein Förderbericht überhaupt auffindbar ist, ist eine Besonderheit des japanischen Systems: KAKEN veröffentlicht Abschlussberichte öffentlich, und CiNii Research erschließt sie. Aus Japan und China liegen mehrere Arbeiten zu GLP-1-RA in Prostatakrebs- und Prostatahyperplasie-Modellen vor, die gesichtet und wegen anderer Fragestellung nicht aufgenommen wurden. Eine in CiNii gefundene japanische Fallbeschreibung betraf eine Frau mit Adipositas und Infertilität und wurde als nicht einschlägig ausgeschlossen.

**Erreichbarkeit.** Für Japan ist die Abdeckung brauchbar. CiNii Research war über die OpenSearch-Schnittstelle (JSON) erreichbar; die klassische Suche wird weitergeleitet und liefert eine dynamische Oberfläche. 15 Abfragen auf Japanisch und Englisch ergaben nur wenige Treffer („GLP-1 精子“ 2, „GLP-1 精巣“ 4, „リラグルチド 精巣“ 1), mehrere Abfragen (unter anderem zu Semaglutid und Spermien, Semaglutid und Testosteron, GLP-1 und Erektion) ergaben null Treffer. Einschlägig waren der KAKEN-Bericht [s101] und die Arbeit [s71]. J-STAGE war erreichbar, die Suche verknüpft die Begriffe aber ohne strenge UND-Logik (Trefferzahlen in Millionenhöhe); gelesen wurden für zwölf Abfragen jeweils die ersten 20 Titel, einschlägig war nur [s71]. Das Nullergebnis für japanischsprachige Fachzeitschriften ist wegen der ungenauen Suche und der Begrenzung auf 20 Titel je Abfrage schwach. Ein zweiter KAKEN-Eintrag zu Stoffwechsel-Tiermodellen wurde gefunden, aber nicht geprüft.

### Koreanisch

**Eigene Literatur.** Aus dem koreanischen Sprachraum liegt zu dieser Frage keine auffindbare Arbeit vor; keine der 123 Quellen trägt das Merkmal Koreanisch. Die PubMed-Suche mit Affiliation Korea oder Seoul und männlichen Zielbegriffen ergab keinen einschlägigen Treffer; das ist für PubMed ein belastbares Nullergebnis. Die Suche nach koreanischsprachigen Arbeiten in PubMed (Sprachfilter Koreanisch, GLP-1) ergab wenige Treffer ohne Bezug zur männlichen Fortpflanzung; ein Übersichtsartikel zur Pharmakotherapie der Adipositas im Korean Journal of Gastroenterology wurde gesichtet, sein Abstract enthält keine einschlägigen Begriffe. In Europe PMC ergab der Sprachfilter für Koreanisch zusammen mit GLP-1 sechs Treffer, keiner einschlägig; koreanische Suchbegriffe (zum Beispiel 세마글루타이드 정자) lieferten null Treffer, weil Europe PMC überwiegend englische Titel und Abstracts indexiert.

**Erreichbarkeit.** Das PubMed-Nullergebnis ist belastbar, das Nullergebnis für die koreanischen Datenbanken dagegen nicht. KoreaMed war erreichbar, die Suchabfrage lieferte aber auch für „semaglutide“ und „GLP-1“ null Treffer, was darauf hindeutet, dass die Abfrage per Skript nicht korrekt ausgeführt wurde; das Ergebnis ist „nicht prüfbar“, nicht „keine Treffer“. Beim Korea Citation Index (KCI) antwortete die Startseite, ein gezielter Suchaufruf lieferte nur das HTML-Gerüst. DBpia war nicht erreichbar (keine Verbindung). Für die koreanische Primärliteratur liegen daher keine Suchergebnisse vor; ob koreanische Arbeiten existieren, die Europe PMC und PubMed nicht abbilden, ist unbekannt.

### Russisch

**Überblick.** Der russischsprachige Raum ist der einzige Raum außerhalb des Englischen, aus dem eine eigene interventionelle Humanstudie zu GLP-1-RA und Ejakulat vorliegt; seine Volltexte waren über die Plattform CyberLeninka erreichbar. Zehn Quellen tragen das Merkmal Russisch [s39, s65, s78, s79, s80, s81, s99, s106, s107, s115]: eine einarmige Pilotstudie [s106], eine Querschnittsstudie ohne GLP-1-Bezug als Kontext [s99], sechs Übersichten [s39, s78, s79, s80, s81, s115] und zwei Leitlinien [s107, s65]. Tierversuche gibt es nicht.

**Die Primärstudie.** Bobkov, Rozhivanov und Vityazeva 2021 [s106] (Endokrinologisches Forschungszentrum Moskau, Zeitschrift Ožirenie i metabolizm; Titel „Показатели качества эякулята мужчин с астенозооспермией и астенотератозооспермией на фоне лечения ожирения лираглутидом“, deutsch: Parameter der Ejakulatqualität bei Männern mit Asthenozoospermie und Asthenoteratozoospermie unter Adipositastherapie mit Liraglutid). Volltext abgerufen. Pilotstudie, einzentrisch, beobachtend, prospektiv, einarmig, unkontrolliert, sechs Monate (Juli 2020 bis März 2021), ohne Fallzahlplanung. 30 Männer von 23 bis 30 Jahren (Median 28), kinderlose Paare seit mindestens einem Jahr, alimentäre viszerale Adipositas, Asthenozoospermie oder Asthenoteratozoospermie; ausgeschlossen waren unter anderem BMI über 35 kg/m², Diabetes, Hypogonadismus (Testosteron unter 12 nmol/l), Varikozele, Kryptorchismus sowie Oligo-, Kryptozoo- und Azoospermie. Alle erhielten Rat zu Gewichtsabnahme (kalorienarme Ernährung, tägliche aerobe Bewegung) und Liraglutid subkutan, individuell dosiert, im Mittel 2,4 mg täglich. Diät und Bewegung sind also Co-Intervention. Spermiogramm nach WHO 2010, zweimal analysiert, das beste Ergebnis gewertet; zusätzlich antioxidative Aktivität und reaktive Sauerstoffspezies. Wegen Mehrfachvergleichen galt eine Bonferroni-Schwelle von p < 0,005.

Ergebnisse (Median, Ausgang gegen sechs Monate): Gewicht 97 auf 86 kg, BMI 31,8 auf 28,1 kg/m², Taillenumfang 106 auf 97 cm (alle p < 0,001). Spermienzahl 55 auf 57 Mio./ml (p = 0,007), lebende Spermien 92 auf 95 %, Beweglichkeit der Kategorien A und B 25 auf 35 %, Normalformen 5 auf 6 % (alle p < 0,001), antioxidative Aktivität 1,2 auf 2,8 mM-Äquivalente, reaktive Sauerstoffspezies im nativen Ejakulat 6,7 auf 4,7 (p < 0,001); in gewaschenen Spermien blieben sie unverändert (p = 0,678). Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, Hormone wurden nicht berichtet. Nach der eigenen Schwelle ist der Anstieg der Spermienzahl nicht signifikant, was die Autoren selbst schreiben. Die Normalformen stiegen um einen Prozentpunkt bei weitgehend überlappenden Interquartilbereichen (3 bis 6 gegen 3 bis 8 %), und die Vitalität war mit 92 % schon zu Beginn hoch. Stärken sind das prospektive Design, die klaren Ausschlusskriterien, die doppelten Spermiogramme, die Mehrfachtest-Korrektur und die offene Benennung des verfehlten Endpunkts. Schwächen sind 30 Männer ohne Kontrollgruppe, die Auswahl nach auffälligem Spermiogramm zusammen mit dem Wert „bestes von zwei Ergebnissen“ (begünstigt Regression zur Mitte), die Co-Intervention, die individuelle Dosis, fehlende Hormone, DNA-Fragmentierung und Schwangerschaften sowie die kurze Dauer. Die Studie erzeugt eine Hypothese; die Autoren schreiben selbst, große Arbeiten zu Liraglutid und Spermatogenese fehlten.

**Übersichtsarbeiten.** Die russischen Übersichten enthalten keine eigenen Primärdaten; entscheidend ist, wie sie die westliche Literatur wiedergeben.

- *Tyuzikov, Grekov und Smirnov 2026* [s39] (Zeitschrift Effektivnaja farmakoterapija; Titel „Репродуктивные эффекты современных гипогликемических препаратов у бесплодных мужчин с сахарным диабетом 2 типа“, deutsch: Reproduktive Effekte moderner blutzuckersenkender Arzneimittel bei unfruchtbaren Männern mit Typ-2-Diabetes). Sie referiert die Semaglutid-Studie [s48], die Metaanalyse [s62], die Tirzepatid-Pilotstudie [s54], einen Einzelfall (Mann, 42 Jahre, BMI 40,6, Azoospermie, unter Semaglutid und danach Tirzepatid deutlich leichter; nach acht Monaten wurde die Partnerin natürlich schwanger) und den Rattenversuch [s01]. Der Abgleich mit den Originalen deckte zwei Fehler auf: Die Übersicht nennt die Normalformen 2 und 4 % mit „95-%-Konfidenzintervall“, im Original [s48] sind es Median und Interquartilbereich; und sie beschreibt die 25 Männer als solche mit „familiärer Hypercholesterinämie“, während die Abkürzung „FH“ im Original „functional hypogonadism“ (funktioneller Hypogonadismus) bedeutet. Außerdem geht die Zusammenfassung („in allen Studien und Metaanalysen“ günstige Veränderungen, die Daten spiegelten „eindeutig“ wider) über die Datenlage hinaus, obwohl die zitierten Arbeiten klein, offen und heterogen sind und teils nur als Abstract vorliegen. Die DOI ist bei Crossref nicht auffindbar.
- *Chernova und Kollegen 2024* [s81] (Zeitschrift Vestnik reproduktivnogo zdorovja; Moskau und Woronesch): Einfluss der Korrektur von Kohlenhydratstoffwechsel und Körpergewicht auf die endogene Testosteronproduktion bei Männern mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und Hypogonadismus. Die Übersicht trennt Lebensstil, Medikamente und Chirurgie und betont den Gewichtsverlust als Hauptfaktor und Störgröße; einzelne Daten deuteten auf einen größeren Anstieg, als der Gewichtsverlust allein erwarten lasse, was auf eine direkte Wirkung an testikulären GLP-1-Rezeptoren zurückgeführt werden könne und weiter zu prüfen sei. Sie zitiert unter anderem Shao 2018 [s117] (176 Männer, 12 Wochen) und eine Studie mit 71 Patienten, in der 34 % ein Gesamttestosteron über 300 ng/dl erreichten (bei 94 % der Patienten mit mehr als 10 % Gewichtsverlust); die Zuordnung dieser 71 Patienten zu einem bestimmten Antidiabetikum bleibt unklar. Eine Tabelle der Übersicht gehört zu Magenbypass-Daten und nicht zu GLP-1.
- *Barsukov, Tazina und Faniev 2024* [s78] (РМЖ. Мать и дитя; Sicht von Endokrinologe, Gynäkologe und Urologe): Der GLP-1-Teil beruht auf Tierdaten (Exenatid bei adipösen Mäusen) und dem Nachweis von GLP-1-Rezeptoren in Sertoli- und Leydig-Zellen; die Autoren sehen Männer mit Adipositas, Hypogonadismus und Kinderwunsch als mögliche „ideale Gruppe“ für GLP-1-RA, was sie selbst als Hypothese kennzeichnen.
- *Gamidov, Shatylko und Gasanov 2019* [s115] (Ožirenie i metabolizm): früher Überblick vor der Zeit von Semaglutid und Tirzepatid, der den Vergleich Liraglutid gegen Testosterongel [s112] korrekt wiedergibt, aber nicht erwähnt, dass der Testosteronanstieg unter Liraglutid numerisch kleiner war als unter Testosteron.
- *Merzlova und Kollegen 2024* [s80] (Eksperimentalnaja i klinitscheskaja gastroenterologija): berichtet, dass Leydig- und Sertoli-Zellen GLP-1-Rezeptoren exprimieren, und gibt die westlichen Studien [s121, s112, s117] wieder; eine achtstündige intravenöse GLP-1-Infusion bei gesunden Männern habe LH, FSH und Gesamttestosteron nicht verändert (zitiert nach Izzi-Engbeaya 2020; Original nicht abgerufen). Die Prozentangabe zum Gewichtsverlust weicht vom Original-Abstract ab, der Kilogramm nennt.
- *Bratchikov und Kollegen 2024* [s79] (Andrologija i genitalnaja chirurgija): zitiert eine Metaanalyse, nach der nur Studien mit GLP-1-Analoga günstige Wirkungen auf Gewicht und Testosteron bei Männern mit niedrigem Testosteron und Adipositas zeigten, begrenzt auf kleine, heterogene Gruppen; vor einer Empfehlung seien weitere randomisierte Studien nötig. Der Text ist vorsichtiger als [s39] vom selben Autorenteam.

**Leitlinien.** Zwei russische Leitlinien wurden im Volltext durchsucht. Die Leitlinie „Behandlung der Adipositas und komorbider Erkrankungen“ 2021 [s107] empfiehlt bei Männern mit Adipositas und typischen Beschwerden die Bestimmung von Gesamttestosteron, SHBG, berechnetem freiem Testosteron, LH und FSH (Empfehlung 1.25). Bei „reversiblem Hypogonadismus“, etwa bei jungen Männern mit Adipositas und erhaltener gonadotroper Funktion, wird eine Testosterontherapie nicht empfohlen, da Gewichtsabnahme das Testosteron physiologisch wiederherstellen könne (Empfehlung 6.11, Stärke B, Evidenzniveau 3); bei nicht erreichbarem Gewichtsziel nennt sie kurz wirksame Testosteronpräparate, um Hemmung von Gonadotropinen und Spermatogenese zu minimieren (6.12, C, 5), bei Kinderwunsch Gonadotropine oder Antiöstrogene und assistierte Reproduktion. Die Leitlinie „Adipositas“ des Gesundheitsministeriums, Fassung 2024 [s65], empfiehlt bei Männern mit Adipositas und Beschwerden eines Hypogonadismus die Bestimmung von Gesamt- und freiem Testosteron, LH, FSH und SHBG zur Differenzialdiagnose (Stärke C, Evidenzniveau 4). In den durchsuchten Passagen beider Leitlinien findet sich kein GLP-1-Bezug zur männlichen Fertilität; ein GLP-1-spezifisches Votum fehlt. Das sind Aussagen der Quellen, keine Empfehlung dieser Studie.

**Kontext.** Rozhivanov und Kollegen 2022 [s99] (Problemy endokrinologii) untersuchten in Moskau 347 Männer mit Typ-2-Diabetes mit LC-MS/MS-Steroidprofil: Die Hypogonadismusprävalenz betrug 69,5 %, GLP-1-RA nahmen 7,5 % der Männer ein (6,6 % bei Hypogonadismus gegen 9,4 % ohne, p = 0,491); eine Analyse nach GLP-1-Einnahme erfolgte nicht.

**Regionale Besonderheiten.** Die Quellenlage ist weniger unabhängig, als die Titelzahl vermuten lässt: [s106], [s81] und [s99] stammen aus dem Endokrinologischen Forschungszentrum Moskau (Rozhivanov, Bobkov, Chernova), die Hypogonadismus-Kapitel der Leitlinie [s107] zitieren mehrfach Rozhivanov, und [s39] und [s79] stammen von derselben Gruppe um Tyuzikov. Die vorsichtige Linie von [s81] und die zuversichtlichere Sprache von [s39] zeigen keine einheitliche Haltung. Die russischen Leitlinien bewerten nach „Stärke der Empfehlung“ (A bis C) und „Evidenzniveau“ (1 bis 5). GLP-1-Rezeptoragonisten heißen „арГПП-1“ oder „аГПП-1“, duale GIP/GLP-1-Agonisten „твинкретины“, das Ejakulat „эякулят“; mit englischen Begriffen allein sind die russischen Übersichten nicht auffindbar. Nach [s39] erschien 2025 das erste russische Tirzepatid-Präparat mit Indikation Typ-2-Diabetes und Adipositas; die Daten zu Tirzepatid und Spermien sind in Russland rein ausländischer Herkunft. Die russischen Arbeiten verbinden das Thema stärker mit Typ-2-Diabetes und Hypogonadismus als mit Fertilität.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC war mit Sprachfilter für Russisch nutzbar (31 Treffer zu russischen Wirkstoff- und Klassenbegriffen, überwiegend in Problemy endokrinologii, keine einschlägige Primärstudie mit Männerbezug). CyberLeninka war über die JSON-Schnittstelle abfragbar (die Weboberfläche lädt Treffer per Skript nach) und lieferte Volltexte als OCR-Text mit verstümmelten Namen, Einheiten und DOIs [s80, s39]; zitierte Zahlen sollten am Original geprüft werden, was bei [s39] zwei Fehler aufdeckte. eLIBRARY.ru war nicht erreichbar (Fehlermeldung „Ошибка в параметрах страницы“, ohne Sitzung und Anmeldung keine Suche möglich); Dissertationen und Konferenzmaterial sind damit nicht gesichtet. Die russische Primärliteratur in eLIBRARY ist unbekannt.

### Arabisch

**Eigene Literatur.** Arabischsprachige Primärliteratur zum Thema ließ sich in keiner erreichbaren Quelle finden. Alle gefundenen Arbeiten aus dem arabischen Forschungsraum sind englischsprachig. Das Ergebnis besteht aus zwei Evidenzsynthesen, einem Meinungsbeitrag und einer Reihe von Rattenstudien aus Ägypten und Saudi-Arabien; eine eigene klinische Studie fehlt.

**Evidenzsynthesen.** Deameh und Kollegen 2026 [s05] (Jordanien und USA, Journal of Sexual Medicine): systematischer Review nach PRISMA, vier Datenbanken bis April 2025, zehn Studien mit 639 Männern, Verzerrungsbewertung mit RoB 2 und ROBINS-I. Nach dem Abstract war ein GLP-1-RA durchgehend mit höherem Gesamttestosteron verbunden, besonders bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus; Änderungen des freien Testosterons seien uneinheitlich und oft durch gleichzeitig steigendes SHBG ausgeglichen worden; LH und FSH blieben erhalten oder stiegen, anders als unter Testosterontherapie; Samenparameter besserten sich bei adipösen oder hypogonadalen Männern, bei gesunden nicht signifikant. Die Autoren sehen GLP-1-RA in manchen Fällen als fertilitätserhaltende Alternative zur Testosterontherapie und fordern Langzeitstudien mit standardisierten Fertilitätsendpunkten. Der Abstract nennt keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte, und der Volltext wurde nicht abgerufen. Mirghani und AlQurashi 2026 [s24] (Saudi-Arabien, World Journal of Methodology): Metaanalyse mit Volltext, aus 172 Artikeln wurden nach Dubletten 63, davon zwölf im Volltext gesichtet und sieben eingeschlossen. Der Erektionsscore stieg um 2,73 (1,64 bis 3,83; I² = 90 %), in der Teilanalyse nach Ausschluss heterogenitätstreibender Studien (drei Studien, 111 gegen 126 Männer) um 1,88 (1,33 bis 2,43; I² = 26 %); Gesamttestosteron 73,04 (16,91 bis 129,17; I² = 99 %), SHBG 7,00 (1,71 bis 12,30), FSH 0,46 (0,01 bis 0,91), freies Testosteron und LH ohne signifikanten Unterschied. Die GRADE-Bewertung lautet für alle sechs bewerteten Endpunkte „sehr niedrig“. Die Arbeit hat interne Schwächen: Der Abstract nennt 237 Männer, die Tabelle der Quelle ergibt aber 183 behandelte Männer und 184 Vergleichspersonen, und 237 entspricht rechnerisch nur der Teilanalyse mit drei Studien (111 plus 126); gepoolt wurden rohe Hormonwerte in unterschiedlichen Größenordnungen ohne Einheitenangabe, sodass die Differenz von 73,04 nicht deutbar ist; beim freien Testosteron steht „kein signifikanter Unterschied“ (p = 0,08), obwohl das Konfidenzintervall von 0,01 bis 0,14 die Null nicht einschließt; und der Suchzeitraum ist in der Quelle uneinheitlich als November und Dezember 2025 beziehungsweise 2026 angegeben. Sechs der sieben Einträge stammen aus Italien, einer aus der Schweiz, keiner aus dem arabischen Raum; Spermienparameter wurden nicht untersucht. Der Abgleich mit Salvio und Kollegen 2025 [s62] ergab dieselbe standardisierte Differenz von 1,39 wie in der russischen Übersicht [s39].

**Meinungsbeitrag.** Du Plessis, Omolaoye und Cardona Maya 2024 [s70] (Mohammed Bin Rashid University of Medicine and Health Sciences, Dubai, Frontiers in Physiology; „Potential impact of GLP-1 receptor agonists on male fertility: a fable of caution“, deutsch: Möglicher Einfluss von GLP-1-Rezeptoragonisten auf die männliche Fertilität, eine Fabel der Vorsicht). Volltext abgerufen. Keine systematische Suche; eine PubMed-Abfrage vom 27. August 2024 ergab 50 Artikel, von denen 16 den männlichen Faktor behandelten. Die Autoren fassen zusammen, dass bei Mäusen unter Hochfettdiät GLP-1-RA Beweglichkeit, Mitochondrienaktivität und DNA-Fragmentierung der Spermien besserten, dass beim Menschen unter Liraglutid Testosteron und Spermienparameter stiegen [s88], dass die randomisierte Studie [s96] weniger Männer mit Oligozoospermie fand und dass vier Wochen Dulaglutid bei gesunden Männern keine negativen Wirkungen hatten [s72]. Dagegen habe eine Arbeit eine nachteilige Wirkung von Liraglutid auf die Spermienqualität berichtet, die sich nach fünf Monaten Absetzen besserte, die Ausgangswerte aber nicht erreichte [s123]. Der Beitrag verweist darauf, dass die Spermatogenese etwa drei Monate dauert und schon kleine Änderungen große Folgen haben könnten, und fordert Studien zu Spermienzahl, Beweglichkeit, Morphologie und Hormonprofil sowie zu Dosis, Dauer und Grunderkrankung. Die warnende Aussage stützt sich im Text im Wesentlichen auf eine einzige zitierte Arbeit [s123] und eine Arbeit zu Signalwegen; die Originale wurden nicht abgerufen. Die Formulierung, die Behandlung könne mehr schaden als die Erkrankung, ist eine Möglichkeit in der Diskussion, kein Befund.

**Tierversuche aus Ägypten und Saudi-Arabien.** Alle Arbeiten sind Rattenstudien (eine Mausstudie), überwiegend mit Streptozotocin-Diabetes oder einer chemischen beziehungsweise mechanischen Hodenschädigung; sie sagen etwas über Mechanismen im Nagetier, nicht über die Fertilität des Menschen. Gemeinsame Schwächen sind kleine Gruppen (meist 6 bis 10 Tiere), Behandlung nach induzierter Erkrankung (Schutzwirkung am kranken, nicht Nebenwirkung am gesunden Tier) und Dosen und Gewichtsverlust, die mit der Anwendung beim Menschen nicht vergleichbar sind.

- *Tirzepatid* [s01] (Saudi-Arabien): 60 Wistar-Ratten in fünf Gruppen, darunter eine paargefütterte diabetische Kontrolle, die gewichtsabhängige von gewichtsunabhängigen Effekten trennen sollte; Diabetes durch Hochfettdiät plus niedrig dosiertes Streptozotocin, acht Wochen. Tirzepatid stellte Testosteron und Gonadotropine wieder her, aktivierte Nrf2/Keap1, erhielt die Hodenarchitektur und senkte die Caspase-3-vermittelte Apoptose; die Autoren schreiben, die Effekte seien besser gewesen als unter Metformin und „weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme“. Der Abstract nennt keine Zahlen, die Behauptung der Gewichtsunabhängigkeit lässt sich daher nicht prüfen. Es ist die einzige Tirzepatid-Arbeit dieser Gruppe.
- *Semaglutid* [s40] (28 diabetische Ratten, 25 nmol/kg täglich, vier Wochen): milderte die diabetesbedingte sexuelle und testikuläre Funktionsstörung. [s50] (Ägypten, 5-Fluorouracil, 12 µg/kg wöchentlich, 30 Tage, mit Rezeptorblocker Exendin 9-39 als Kontrolle): höhere FSH-, LH- und Testosteronwerte, bessere Steroidogenese und Spermatogenese. [s95] (Ägypten, 50 Ratten, Hodentorsion): Semaglutid milderte die Schäden, vorheriges Exendin hob die Verbesserung auf. [s38] (40 Ratten, Semaglutid 0,3 mg/kg mit oder ohne Papaya-Saft): Die Studie nennt für Gesamttestosteron Mittelwerte von 3,4 (Kontrolle), 1,67 (Diabetes), 2,4 (Semaglutid) und 2,43 pg/ml (Semaglutid plus Papaya) in der Einheit, wie sie in der Quelle gedruckt ist; die Behauptung im Text, die Kombination habe das Testosteron gegenüber Semaglutid allein erhöht, ist mit der Tabelle der Quelle nicht vereinbar, weil beide Werte denselben Signifikanzbuchstaben tragen. Prüfgegenstand ist hier eher Papaya als Semaglutid.
- *Liraglutid, Exenatid, Dulaglutid*: [s87] (Ratten, Hochfettdiät plus Streptozotocin, n = 8 je Gruppe, Volltext) berichtet für Liraglutid unter anderem höhere Werte von Gesamttestosteron, LH und FSH gegenüber der diabetischen Gruppe und histologisch wieder normale Samenkanälchen mit Spermienansammlung im Lumen; die diabetischen Tiere hatten weniger Spermien-Flagellen im Lumen; die Studie trennt die direkte nicht von der indirekten Wirkung über Gewichts- und Glukosekorrektur. [s49] (40 Ratten, Liraglutid und Denatoniumbenzoat einzeln und kombiniert): bessere Spermienqualität und höhere Hormonwerte. [s82] (Exenatid, diabetische Ratten): weniger Apoptose und ER-Stress, mehr Autophagie. [s67] (Saudi-Arabien, Dulaglutid 0,6 mg/kg täglich, fünf Wochen, adipöse Mäuse): normalisierte Spermien-DNA-Schäden, Chromosomenanomalien, Zahl und Beweglichkeit; bei gesunden Mäusen keine schädlichen Wirkungen unter dem gewählten Schema. Gruppengrößen und Zahlen stehen bei [s49], [s82], [s67] nicht im Abstract.
- *Zurückgezogene Arbeit*: [s83] (Liraglutid und Doxorubicin, Ratte) wurde 2025 zurückgezogen; der Rücknahmehinweis [s42] steht in derselben Zeitschrift. Den Grund der Rücknahme hat die Recherche nicht abgerufen. Aus [s83] werden keine Zahlen und keine Schlüsse verwendet.

**Regionale Besonderheiten.** Die Rattenserie stammt aus pharmakologischen und anatomischen Instituten in Ägypten und Saudi-Arabien und ist methodisch ähnlich: fast durchgehend Streptozotocin (mit oder ohne Hochfettdiät) oder chemische Schädigung beziehungsweise Torsion; als Mechanismen werden Nrf2, oxidativer Stress, Apoptose, Kisspeptin/GnRH und Steroidogenese genannt; zwei Arbeiten stellen Semaglutid als Zusatztherapie dar (5-Fluorouracil [s50], Papaya-Saft [s38]). Die Übersicht [s39] zitiert die WHO-Prognose von 16,8 % Diabetesprävalenz 2050 in Nordafrika und im Nahen Osten; das erklärt regionales Interesse, ersetzt aber keine regionale Evidenz. Leitlinien oder Register aus dem arabischen Raum wurden nicht gefunden.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC erlaubte die Sprachfilter-Suche für Arabisch: Mit GLP-1-Begriffen und mit arabischen Wirkstoffnamen (in arabischer Schrift) null Treffer. Auch OpenAlex lieferte mit dem Sprachfilter für Arabisch für rund 20 Suchbegriffe zu GLP-1-RA null Treffer; der Filter funktioniert, denn allgemeine Begriffe lieferten Treffer (zum Beispiel „السكري“ 1460, „التستوستيرون“ 66, „العقم عند الذكور“ 6, jeweils ohne GLP-1-Bezug). Die arabischen Fachdatenbanken waren dagegen nicht erreichbar: Arab World Research Source (EBSCO) meldete 404 beziehungsweise Abonnementpflicht, Mandumah leitete die Suche auf eine Anmeldeseite um, Al Manhal antwortete auf die Suchadresse mit 404, und ASJP (Algerien), IASJ (Irak) und EKB (Ägypten) stellten innerhalb von 25 bis 30 Sekunden keine Verbindung her (Ursache unbekannt). Die Aussage „keine arabischsprachige Primärliteratur“ stützt sich damit auf Europe PMC und OpenAlex und nicht auf die eigentlichen arabischen Datenbanken: Es ist zunächst eine Lücke im Zugang.

### Türkisch

**Eigene Literatur.** Auch für die Türkei gilt: Alle gefundenen Arbeiten sind englischsprachig, türkischsprachige Primärliteratur zum Thema fand sich in den erreichbaren Quellen nicht. Die Beiträge stammen aus urologischen, histologischen und pharmakologischen Gruppen und behandeln überwiegend Hodentorsion und Reperfusion, Eisenüberladung und die Gefäßfunktion des Schwellkörpers. Es sind fünf Tierstudien und drei Übersichten [s86, s51, s103, s118, s116; s94, s61, s45]; Humanstudien mit Spermiogramm oder Hormonen unter GLP-1-RA fanden sich nicht.

**Tierstudien.**

- *Culha und Kollegen 2023* [s86] (urologische Abteilungen in Istanbul, European Research Journal; TR-Dizin-Eintrag mit offenem Zugang): 30 Sprague-Dawley-Ratten in drei Gruppen zu je zehn (Kontrolle, Diabetes, Diabetes mit Liraglutid 0,3 mg/kg alle zwölf Stunden). Das maximale Verhältnis von intrakavernösem zu mittlerem arteriellem Druck lag bei 0,790 ± 0,164 (Kontrolle), 0,263 ± 0,139 (Diabetes) und 0,652 ± 0,131 (Liraglutid); Kontrolle und Liraglutid waren ähnlich (p = 0,076), die Diabetesgruppe signifikant niedriger (p < 0,001). Testosteron und FSH waren in der Diabetesgruppe signifikant niedriger (p = 0,001); die Hormonwerte der Behandlungsgruppe stehen nicht im Abstract. Es ist die einzige im TR Dizin gefundene einschlägige Arbeit; sie betrifft die Erektion, nicht die Spermienqualität.
- *Hazir und Kollegen 2025* [s51] (Biotechnic & Histochemistry): Liraglutid am Rattenhoden bei Diabetes und Ischämie-Reperfusion; Degeneration der Samenkanälchen unter Diabetes, Torsion und Detorsion, unter Liraglutid normale Morphologie; Caspase-3 und Malondialdehyd stiegen in den Schädigungsgruppen und lagen unter Liraglutid auf Kontrollniveau, Testosteron und Superoxiddismutase sanken und lagen unter Liraglutid ähnlich wie die Kontrolle. Die Gruppengröße steht nicht im Abstract. Auf einen türkischen Hochschuleintrag (Çukurova, 2016) mit ähnlichem Titel stieß die Suche in OpenAlex; der Zusammenhang mit [s51] wurde nicht geprüft.
- *Degirmentepe und Kollegen 2021* [s103] (Andrologia): 28 Wistar-Albino-Ratten in vier Gruppen zu je sieben, Ischämie-Reperfusion; unter Liraglutid sanken Stickstoffmonoxid, Malondialdehyd, Apaf-1 und iNOS signifikant, Glutathionperoxidase stieg signifikant, Katalase und Superoxiddismutase stiegen nicht signifikant; die Autoren sprechen von „mäßig“ schützender Wirkung.
- *Yesil und Kollegen 2018* [s118] (Experimental and Therapeutic Medicine, Volltext): 18 Ratten in drei Gruppen zu je sechs, Eisenüberladung; Exenatid senkte Caspase-3 in Stroma- und Endothelzellen, im Keimepithel waren Caspase-3 und Caspase-8 in allen Gruppen ähnlich; die Wirkung betraf also Stroma und Gefäße, nicht die Keimzellen. Ein Spermiogramm gibt es nicht.
- *Dalaklioglu und Kollegen 2018* [s116] (Peptides): Exendin-4 bei Methylglyoxal-bedingter Erektionsstörung; verbesserte Relaxation des Schwellkörpers und senkte Apoptose und oxidative Marker; ein Gefäßmodell, nicht Hormone oder Spermien.

**Übersichten.** Yazıcı und Kollegen 2023 [s94] (Koç University, Obesity Facts, narrativer Review zu den Folgeerkrankungen der Adipositas) behandeln die Frau ausführlicher als den Mann und nennen für den Mann unter anderem die Modulation der Hypothalamus-Hypophysen-Achse über Kisspeptin-Neurone und die Studie [s112]. Rocco und Kollegen 2025 [s61] (Arab Journal of Urology, Global Andrology Forum, Mitautor aus der Türkei) sehen „aufkommendes Potenzial“ für die männliche Fertilität, ohne eigene Zahlen. Bocu und Kollegen 2025 [s45] (Arab Journal of Urology, Türkei und Italien) berichten, Liraglutid habe bei metabolischem Hypogonadismus Testosteron und Spermienparameter verbessert, ohne Quantifizierung. Alle drei enthalten keine eigenen Daten im Männerteil.

**Erreichbarkeit.** DergiPark, die zentrale Plattform türkischer Zeitschriften, war nicht erreichbar: Jede Suchanfrage wurde auf eine Seite zur Suchverifizierung umgeleitet. TR Dizin war über die JSON-Schnittstelle abfragbar (die HTML-Suchseite lieferte nur eine Anwendungshülle beziehungsweise 404) und lieferte Abstracts auf Türkisch und Englisch; rund 40 türkische und englische Suchbegriffe ergaben genau eine einschlägige Arbeit [s86]. Mit türkischen Begriffen wie „erkek infertilite“, „testis“, „sperm“, „testosteron“ und „GLP-1“ fand der TR Dizin nur Arbeiten ohne GLP-1-Bezug zum Mann, zum Beispiel einen Beitrag zu Metabolischem Syndrom und männlicher Infertilität in der Zeitschrift Androloji Bülteni 2024, der nicht geöffnet wurde. Europe PMC ergab mit dem Sprachfilter für Türkisch und GLP-1-Begriffen null Treffer. Die Aussage „keine türkischsprachige Primärliteratur“ stützt sich damit auf Europe PMC, OpenAlex und TR Dizin, aber nicht auf DergiPark.

**Gesamtbild der drei Räume Russisch, Arabisch und Türkisch.** Die Literatur ist dünn und überwiegend sekundär: eine einarmige Pilotstudie [s106], zwei Evidenzsynthesen mit bekannten Schwächen [s05, s24], ein Meinungsbeitrag [s70], viele Tierversuche und Übersichten, die dieselben westlichen Primärstudien wiedergeben (Jensterle 2019, Giagulli 2015, Shao 2018, Gregorič 2025, Salvio 2025). Die Befunde zeigen überwiegend in eine Richtung (höhere Testosteronwerte, bessere Hodenhistologie im Tierversuch, kleine Verbesserungen einzelner Spermienparameter beim Menschen), doch der Gewichtsverlust bleibt die naheliegendste Erklärung, kontrollierte Fertilitätsendpunkte fehlen, und die einzige warnende Stimme [s70] stützt sich auf eine einzelne zitierte Arbeit. Die Quellen dieser Räume tragen keine belastbare Aussage über die Fertilität von Männern unter GLP-1-Rezeptoragonisten.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zu GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und männlicher Reproduktion ist klein, aber nicht einheitlich. Dieser Abschnitt stellt die wichtigsten Widersprüche nebeneinander und nennt für jeden die Erklärungen, die sich aus den Quellen selbst ergeben. Wo eine Erklärung nur eine Vermutung ist, steht das dabei. Ein Widerspruch ist nicht automatisch ein Fehler einer der beiden Seiten: Häufig beantworten die Studien schlicht verschiedene Fragen.

### Testosteron: Anstieg, kein Effekt oder Abfall?

**Die Befunde.** Die Metaanalyse von Salvio und Kollegen (sieben Studien, n = 680) fand für das Gesamttestosteron eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 1,39 (95-%-Konfidenzintervall 0,70 bis 2,09) [s62]. Mirghani und AlQurashi fanden für das Gesamttestosteron eine gepoolte Mittelwertdifferenz von 73,04 (16,91 bis 129,17) [s24]. Auch die systematische Übersicht von Deameh und Kollegen (zehn Studien, 639 Männer) berichtet einen durchgehenden Anstieg, besonders bei Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus [s05]. Dagegen steht das Kongressabstract von Ezici und Kollegen (vier Studien, 396 Teilnehmer): Das Gesamttestosteron stieg dort um 53,37 ng/dl bei einem Konfidenzintervall von minus 32,6 bis 139,34, also nicht signifikant [s47]. In der Netzwerk-Metaanalyse zu funktionellem Hypogonadismus bei Adipositas (23 randomisierte Studien, 1899 Teilnehmer) wies der Abstract für die GLP-1-basierte Therapie keinen signifikanten Effekt auf das Gesamttestosteron aus [s36]. Bei gesunden, normalgewichtigen Männern änderte vier Wochen Dulaglutid das Gesamttestosteron nicht (Differenz zu Placebo 0,9 nmol/l, Konfidenzintervall minus 1,5 bis 3,3) [s72]. Die prospektive Exenatid-Kohorte von Graybill und Kollegen mit 51 Männern fand insgesamt keine signifikante Testosteronänderung [s104]. Im Hodenorganoid-Modell aus menschlichen Stammzellen führte Semaglutid dagegen zu niedrigeren Testosteronspiegeln [s52].

**Mögliche Erklärungen.**

1. *Der Ausgangszustand entscheidet.* Mehrere Übersichten halten fest, dass die Reaktion vom metabolischen Ausgangszustand abhängt: bescheidener Anstieg bei metabolisch belasteten Männern, neutrale Ergebnisse bei gesunden eugonadalen Männern [s37, s05]. Bei Graybill stieg das Gesamttestosteron nur in der Untergruppe mit Ausgangswert unter 320 ng/dl (von 238,5 auf 272,2 ng/dl), in der Gruppe darüber sank es (von 438 auf 412 ng/dl) [s104]. Diese Untergruppenanalyse ist allerdings anfällig für die Regression zur Mitte, sodass sie den Befund eher illustriert als belegt.
2. *Gewichtsverlust als Zwischenglied.* Die Metaregression von Salvio zeigte eine negative Korrelation zwischen der Testosteronänderung und der prozentualen Änderung von Gewicht und BMI [s62]. In der Kohorte von Portillo-Canales korrelierte die Gewichtsänderung mit der Änderung des Gesamttestosterons (r = minus 0,28) [s29]. In der Exenatid-Studie von Shao hing die Änderung des Gesamttestosterons eng mit der des Taillenumfangs zusammen (r = minus 0,443) [s117]. Wo wenig Gewicht verloren wird, ist deshalb auch wenig Testosteronanstieg zu erwarten; die Studien mit gesunden oder normalgewichtigen Teilnehmern sind dafür ein Beispiel [s72]. Die Europäische Urologenvereinigung beziffert den Testosteronanstieg nach Diät oder Bewegung auf klein, nämlich 1 bis 2 nmol/l [s07].
3. *Dieselben Studien werden mehrfach gezählt.* Die Metaanalysen schöpfen aus einem kleinen gemeinsamen Pool von Primärstudien, darunter die Arbeiten von Jensterle, La Vignera, Graybill, Giagulli und Lisco [s112, s88, s104, s121, s73]. Dass Salvio und Mirghani in dieselbe Richtung zeigen, ist deshalb kein Beleg für zwei unabhängige Bestätigungen. Der Unterschied zu Ezici erklärt sich zumindest teilweise durch einen anderen Studienpool, wie ein Vergleich der eingeschlossenen Studienzahlen (vier gegenüber sieben) nahelegt [s47, s62].
4. *Nicht vergleichbare Messgrößen.* Mirghani poolte rohe Hormonwerte in unterschiedlichen Größenordnungen, die Tabelle nennt keine Einheiten; für das Gesamttestosteron stehen dort Werte wie 430,8, 259 und 140 neben 19,7. Die I²-Werte von 86 bis 99 Prozent zeigen die fehlende Vergleichbarkeit, die Evidenzgüte wurde für alle bewerteten Endpunkte nach GRADE als sehr niedrig eingestuft [s24]. Auch bei Salvio trägt die als „standardisiert“ bezeichnete Differenz im Abstract eine Einheit (ng/ml), die bei einer standardisierten Größe nicht zu deuten ist [s62].
5. *Zellmodell gegen Organismus.* Das Organoid enthält nach Beschreibung des Abstracts nur Hodenzellen. Einflüsse von Hypothalamus, Hypophyse, Fettgewebe und Stoffwechsel fehlen, die beim Menschen mit Gewichtsverlust das Testosteron anheben können. Der Abstract verweist auf „frühere klinische Beobachtungen“, ohne sie zu nennen [s52]. Dass sich ein direkter Zelleffekt und ein indirekter Effekt über den Stoffwechsel in unterschiedliche Richtungen auswirken könnten, ist eine mögliche, aber ungeprüfte Deutung.

### Wie groß ist der Effekt? Randomisierte Studien gegen die Studien aus Catania

Die randomisierten Studien berichten moderate Anstiege des Gesamttestosterons: plus 2,6 nmol/l unter Liraglutid 3,0 mg über 16 Wochen [s112] und plus 1,6 nmol/l unter Semaglutid über 24 Wochen [s48]. Die nicht randomisierte Studie mit Liraglutid bei jungen Männern mit metabolischem Hypogonadismus berichtet dagegen einen Anstieg des Gesamttestosterons von 1,4 auf 4,1 ng/ml (plus 192,9 Prozent) und eine Verbesserung des IIEF-5 von 4 auf 21 in vier Monaten [s88]. In der Tirzepatid-Pilotstudie stieg das Gesamttestosteron nach zwei Monaten um 128,5 Prozent, aber auch in der unbehandelten Gruppe mit Diät und Bewegung um 44,3 Prozent und in der Testosterongruppe um 46,2 Prozent [s54].

Mögliche Erklärungen aus den Quellen: Die Catania-Studien sind nicht randomisiert, die Zuteilung richtete sich nach Kinderwunsch und trennt die Gruppen nach einem Merkmal, das mit Fertilität zusammenhängt; sie vergleichen grundverschiedene Wirkstoffe und hatten weder Placebo- noch Diätkontrolle [s88]. Die Teilnehmer unterscheiden sich außerdem stark: junge Männer mit schwerer erektiler Dysfunktion ohne Diabetes [s88] gegenüber Männern mit Typ-2-Diabetes und Median-Alter von 50 Jahren [s48] oder gemischten Gruppen mit Alter um 46 Jahre [s112]. In der Tirzepatid-Studie bestanden Ausgangsunterschiede zwischen den Gruppen, und das Kongressabstract zur selben Arbeit stellt das LH anders dar als der Volltext [s54]. Große Effekte in kleinen, offenen, nicht randomisierten Studien sind ein bekanntes Muster; ob es hier zutrifft, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden, es ist eine Einschätzung der Studienarchitektur und kein Befund.

### Gonadotropine: Anstieg, Konstanz oder leichter Abfall?

In der Liraglutid-Studie stiegen LH und FSH (plus 0,7 und plus 0,9 IU/l), während sie unter Testosterongel fielen (minus 2,0 und minus 3,2); die Unterschiede zwischen den Gruppen waren signifikant [s112]. Unter Semaglutid blieben LH und FSH in der Studie von Gregorič unverändert (LH 3,2 auf 3,1 IU/l, FSH 5,5 auf 6,5 IU/l), unter Testosteronundecanoat fielen sie deutlich (LH 4,2 auf 1,2, FSH 8,5 auf 2,6) [s48]. Bei gesunden Männern sanken LH und FSH unter Dulaglutid leicht (LH minus 0,8 IU/l, Konfidenzintervall minus 1,5 bis 0,0) [s72]. In der Metaanalyse von Mirghani war der LH-Effekt nicht signifikant (0,45; minus 0,14 bis 1,04), der FSH-Effekt grenzwertig (0,46; 0,01 bis 0,91) [s24]. Gemeinsam ist den Studien der Gegensatz zur Testosterontherapie: Die Gonadotropine werden unter GLP-1-RA nicht unterdrückt [s05]. Ob sie ansteigen, bleibt offen. Das hängt plausibel vom Ausgangszustand ab (niedrig-normale Gonadotropine bei Adipositas gegenüber gesunden Männern), eine Vermutung, die in den Quellen nicht direkt geprüft wurde.

### Samenqualität: nützlich, neutral oder schädlich?

Beim Menschen gibt es folgende, teils gegenläufige Hinweise:

- In der Teilstudie der randomisierten S-LITE-Studie stiegen Spermienkonzentration (Faktor 1,49) und Spermienzahl (Faktor 1,41) nach acht Wochen Niedrigkalorien-Diät. Ein zusätzlicher Effekt von Liraglutid über die Diät hinaus war nicht nachweisbar [s96].
- Unter Semaglutid stieg in der randomisierten Studie von Gregorič der Anteil morphologisch normaler Spermien von 2 auf 4 Prozent (p = 0,012), Konzentration (25 auf 37 Mio./ml, p = 0,58) und Gesamtzahl änderten sich nicht signifikant. Die Veränderungen korrelierten nicht mit Gewichtsverlust, Stoffwechsel- oder LH/FSH-Änderungen [s48].
- In der einarmigen Moskauer Pilotstudie (30 Männer) verbesserten sich nach sechs Monaten Liraglutid plus Diät Vitalität, Beweglichkeit und Normalformen, die Spermienzahl (55 auf 57 Mio./ml, p = 0,007) verfehlte die von den Autoren selbst gesetzte Bonferroni-Schwelle von p < 0,005 [s106].
- Die Catania-Studie meldet für Liraglutid eine Verbesserung von Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie [s88, s89].
- Ein Fallbericht beschreibt eine schädliche Wirkung von Liraglutid auf die männliche Fortpflanzungsfunktion [s123]; die Autoren der S-LITE-Teilstudie weisen darauf hin, dass dieser Fall nach ihrer Angabe 0,6 mg Liraglutid betraf [s96]. Im Meinungsbeitrag von Du Plessis und Kollegen wird derselbe Fall als warnendes Beispiel herangezogen, mit Verschlechterung, die sich nach Absetzen besserte, aber die Ausgangswerte nicht erreichte [s70].
- Bei gesunden Männern änderten sich unter vier Wochen Dulaglutid die Samenparameter nicht und blieben im Normbereich [s72].

*Mögliche Erklärungen.* (1) Die Probanden unterscheiden sich: Gesunde [s72], Männer mit Diabetes und Hypogonadismus [s48], junge Männer mit Adipositas und auffälligem Spermiogramm [s106]. Mehrere Übersichten sehen den Nutzen nur bei adipösen oder hypogonadalen Männern, nicht bei Gesunden [s05, s09]. (2) Die Studien messen verschiedene Endpunkte; in keiner war Schwangerschaft oder Lebendgeburt der Endpunkt. (3) Die Beobachtungsdauer ist in der Regel kürzer oder gleich der Spermatogenesedauer: Der Meinungsbeitrag nennt etwa drei Monate [s70]; die Dulaglutid-Studie dauerte vier Wochen [s72], die Tirzepatid-Studie zwei Monate [s54]. (4) Regression zur Mitte: In der Moskauer Studie wurden Männer mit auffälligem Spermiogramm eingeschlossen und das jeweils beste von zwei Ergebnissen gewertet [s106]; in einer solchen Anordnung können Werte auch ohne Behandlung steigen (Einschätzung der Recherche, kein Befund der Studie). (5) Der Fallbericht ist ein Einzelfall mit unbekannten Begleitumständen und belegt keinen ursächlichen Zusammenhang [s123].

Im Tierversuch zeigen die meisten Arbeiten bei Diabetes, Adipositas oder toxischer Hodenschädigung schützende Effekte, etwa mit Semaglutid [s40, s77, s38], Liraglutid [s75, s87] oder Dulaglutid [s67]. Es gibt aber Gegenbefunde. Bei Mäusen mit Diabetes verbesserte Liraglutid die Spermienparameter nicht, bei gealterten Mäusen gab es keinen signifikanten Unterschied, und Mäuse ohne GLP-1-Rezeptor hatten sogar eine höhere Spermienkonzentration als Wildtyp-Mäuse [s64]. Diabetische Mäuse zeigten unter Liraglutid zwar bessere Spermienzahl, Chromatinkondensation und DNA-Integrität, nicht aber bessere Motilität und Vitalität, und die Embryonalentwicklung nach In-vitro-Fertilisation verbesserte sich nicht [s105]. Bei jungen, gesunden Ratten erhöhte Liraglutid in der Phase der Blut-Hoden-Schranken-Bildung deren Durchlässigkeit; im Erwachsenenalter war die Schranke wieder normal und die Spermatogenese vollständig [s04]. Gründe können Art des Tiermodells, Wirkstoff, Dosis, Behandlungszeitpunkt und Endpunkt sein; die Abstracts erlauben nicht, das zu entscheiden [s64].

Schließlich verdient das Rezeptorargument Beachtung: Beim Tirzepatid-Mausmodell war die Expression des GLP-1-Rezeptors im Hoden minimal, der GIP-Rezeptor dagegen reichlich und vor allem auf Hodenmakrophagen zu finden [s25]. In menschlichem Hodengewebe wurde der GLP-1-Rezeptor in Leydig-Zellen nachgewiesen, nicht aber in menschlichen Leydig-Tumoren [s108]; auf menschlichen Spermien ist er vorhanden [s109]. Die Rezeptorverteilung unterscheidet sich also zwischen Arten und Zelltypen, was Übertragungen vom Nager auf den Menschen erschwert [s108].

### Erektile Funktion: Verbesserung oder erhöhtes Risiko?

Hier stehen die Signale besonders sichtbar gegeneinander:

| Studie | Design | Maß | Richtung |
|---|---|---|---|
| An 2024 [s66] | Mendelsche Randomisierung | OR 0,493 (0,430 bis 0,565) | Risiko niedriger |
| Mirghani 2026 [s24] | Metaanalyse, sieben Studien | MD 2,73 beim ED-Score (1,64 bis 3,83) | Verbesserung |
| Ezici 2025 [s47] | Metaanalyse, vier Studien | MD 2,84 beim IIEF-5 (minus 2,89 bis 8,57) | nicht signifikant |
| Cowart 2025 [s46] | Kohorte (TriNetX), Tirzepatid | RR 0,70 gegen Sitagliptin, 0,67 gegen Semaglutid, 0,55 gegen Dulaglutid | Risiko niedriger |
| Tang 2026 [s32] | Target-Trial-Emulation | HR 1,26 (1,08 bis 1,46) gegen DPP-4-Hemmer | Risiko höher, nach Kalibrierung nicht mehr signifikant |
| Able 2025 [s41] | Kohorte (TriNetX), Semaglutid, nicht diabetisch | RR 4,5 (2,3 bis 9,0) | Risiko höher |
| Lin 2026 [s20] | FAERS | ROR 1,53 (1,16 bis 2,03) für Semaglutid | Signal |
| Langroudi 2025 [s60] | FAERS | ROR 0,41 (0,36 bis 0,48) | kein Signal |

*Mögliche Erklärungen.* (1) *Vergleichsgruppe:* Able verglich mit unbehandelten adipösen Männern ohne aktive Vergleichsgruppe [s41], Tang mit DPP-4-Hemmern [s32], Cowart mit anderen Antidiabetika und anderen GLP-1-RA [s46]. Ein Risiko im Vergleich zu keiner Behandlung und eines im Vergleich zu einem anderen Wirkstoff sind nicht dieselbe Größe. (2) *Endpunkt aus Abrechnungsdaten:* In Able und Cowart zählte die Diagnose oder eine PDE5-Hemmer-Verordnung [s41, s46]. Wer häufiger zum Arzt geht oder wegen der Gewichtsabnahme sexuelle Probleme anspricht, erhält eher einen Eintrag (mögliche Entdeckungsverzerrung, so benannt für Able). (3) *Sehr wenige Ereignisse:* Able berichtet 1,47 gegenüber 0,32 Prozent, die absolute Zahl ist gering [s41]. (4) *Meldedaten sind keine Risikoschätzung:* Die beiden FAERS-Auswertungen kommen mit unterschiedlicher Methodik zu entgegengesetzten Maßen (ROR 1,53 und 0,41). Das Signal für Semaglutid liegt in derselben Größenordnung wie für Sitagliptin (1,52) und Dapagliflozin (1,51), ist also nicht GLP-1-spezifisch, und die Latenzzeiten sprachen für zufälligen Ausfall ohne Häufung nach Behandlungsbeginn [s20]. (5) *Genetik ist keine Therapie:* Die Mendelsche Randomisierung bildet eine lebenslange genetische Variation ab, nicht eine medikamentöse Behandlung über Monate; die Annahmen (Pleiotropie, Übertragbarkeit der Gen-Proxys) begrenzen die Aussage [s66]. (6) *Indikation:* Erektile Dysfunktion ist bei Diabetes und Adipositas häufig; Verbesserungen können über Blutzucker und Gewicht vermittelt sein. In der Mendelschen Randomisierung wurden nur kleine Anteile über Typ-2-Diabetes (2,89 Prozent), Adipositas (6,83 Prozent), Bluthochdruck (3,22 Prozent) und Herz-Kreislauf-Erkrankung (3,06 Prozent) vermittelt [s66]. (7) *Metaanalyse mit eigener Schwäche:* Die Metaanalyse von Mirghani wurde aus sieben Studien mit gemischter Qualität und I² = 90 Prozent gewonnen; nach Ausschluss heterogenitätstreibender Studien betrug die Differenz 1,88 (1,33 bis 2,43) bei I² = 26 Prozent [s24].

Randomisiertes Bild: Im direkten Vergleich mit Testosteron verbesserte Semaglutid den IIEF-15 nicht signifikant, nur das sexuelle Verlangen (plus 2, p = 0,009), während unter Testosteron die Erektionsfunktion stieg [s48]. Bei Jensterle stiegen Libido, Morgenerektionen und Ejakulationen in beiden Gruppen ohne Unterschied [s112]. Bei gesunden Männern änderte Dulaglutid das sexuelle Verlangen nicht (Differenz 0,58; Konfidenzintervall minus 0,83 bis 2,00; p = 0,402) [s72]. Das widerspricht nicht den Kohorten, sondern zeigt, dass die Befunde nach Population und Dauer sehr verschieden ausfallen.

### Sexuelles Verlangen: gedämpft oder gesteigert?

Gelfand und Kollegen postulieren in einem theoretischen Modell einen serotonergen Mechanismus (5-HT2C-Rezeptor), über den GLP-1-RA das Verlangen senken könnten, überlagert von Faktoren wie Testosteronanstieg und besserem Körperbild; sie fordern longitudinale Studien, Messdaten liefern sie nicht [s11]. Merhi beschreibt für Nager hemmende Effekte von Exendin-4 auf das Sexualverhalten, für Menschen „gemischte“ Befunde [s23]. In der Studie von Gregorič stieg das Verlangen unter Semaglutid [s48]; bei gesunden Männern änderte es sich nicht [s72]. Eine Erklärung, die die Quellen nahelegen, ist ein Nebeneinander gegenläufiger Einflüsse (zentral dämpfend, metabolisch und körperbezogen fördernd), die je nach Population unterschiedlich überwiegen. Das ist jedoch eine Hypothese ohne direkte Prüfung.

### Gewichtseffekt oder direkter Effekt am Hoden?

Zwei Tierstudien mit gepaarter Fütterung kommen zu verschiedenen Schlüssen. Bei Albokhadaim stellte Tirzepatid Testosteron und Gonadotropine wieder her, nach Angabe der Autoren besser als Metformin und „weitgehend unabhängig von der Gewichtsabnahme“, der Abstract nennt jedoch keine Zahlen, sodass sich dies nicht prüfen lässt [s01]. Bei Sotzen schwächte Semaglutid den gewichtsverlustbedingten Abfall der gemessenen Androgene ab, und Motilität sowie Schleimpenetration verbesserten sich in gepaart gefütterten und in Semaglutid-Tieren [s31]; hier ist ein Teil des Nutzens also dem Gewichtsverlust selbst zuzuschreiben. Bei Correia verminderte GLP-1 Spermienkopfdefekte ohne Gewichtseffekt, während die Kalorienrestriktion sie erhöhte [s97]. Beim Menschen zeigt die S-LITE-Teilstudie, dass die diätinduzierte Gewichtsabnahme selbst die Spermienzahl hebt [s96]. In der Semaglutid-Studie ließen sich die Samenänderungen nicht mit dem Gewichtsverlust korrelieren, allerdings in nur 13 Männern [s48]. Insgesamt trägt die Datenlage beide Lesarten, und keine Studie trennt beim Menschen Wirkstoff und Gewichtsverlust sauber.

### Tonlage der Übersichten

Die Sekundärliteratur weicht selbst in der Wortwahl auseinander. Die russische Übersicht von Tyuzikov und Kollegen schreibt, in allen Studien und Metaanalysen seien günstige Veränderungen berichtet worden („eindeutig“), obwohl die zitierten Arbeiten klein, offen und heterogen sind; im Abgleich mit den Originalen fanden sich dort zwei Fehler: Interquartilbereiche wurden als Konfidenzintervalle wiedergegeben, und die Abkürzung für „funktioneller Hypogonadismus“ wurde als familiäre Hypercholesterinämie aufgelöst [s39, s48]. Dieselbe Autorengruppe formuliert in einer anderen Arbeit deutlich vorsichtiger und verlangt weitere randomisierte Studien [s79]. Deameh und Kollegen sehen GLP-1-RA in einigen Fällen als fertilitätsschonende Alternative zu Testosteron [s05]. Kaltsas und Kollegen betonen, die Medikamente seien für metabolische Indikationen einzusetzen, nicht als Mittel gegen männliche Infertilität [s13]. Du Plessis und Kollegen mahnen zur Vorsicht [s70], Rabijewski hält GLP-1-Analoga dagegen für wirksam und sicher [s91] (Autorenmeinung ohne Datenbasis im referierten Abstract). Diese Unterschiede spiegeln unterschiedliche Gewichtung der gleichen kleinen Datenbasis wider, nicht unterschiedliche Daten. Die Metaanalyse von Mirghani wiederum weist interne Unstimmigkeiten auf: Das Abstract nennt 237 Männer, die Tabellen der Quelle führen 183 Behandelte und 184 Vergleichspersonen auf, und 237 entspricht rechnerisch einer Teilanalyse mit drei Studien; die Jahresangabe des Suchzeitraums ist uneinheitlich; ein Gruppenvergleich mit identischen Werten legt eine mögliche Doppelzählung nahe, die der Text nicht klärt [s24]. Das schränkt die Verwertbarkeit ein.

## Limitationen der Evidenz

### Wenige, kleine Studien am Menschen

Randomisierte Studien mit männlichen Teilnehmern, die Hormone oder Samenparameter erfassen, gibt es nur wenige: die Teilstudie der S-LITE-Studie (56 eingeschlossene Männer, 47 nach der Diät, 37 nach 52 Wochen) [s96], die Semaglutid-Studie (25 Männer, 13 gegen 12) [s48], die Dulaglutid-Cross-over-Studie bei Gesunden (26 randomisiert, 24 ausgewertet) [s72] und die Liraglutid-Studie (30 Männer, je 15) [s112]. Die randomisierten Studien hatten nach der Zusammenfassung einer Übersicht zwischen 12 und 42 Teilnehmer und dauerten 12 bis 24 Wochen [s18]. Teilgruppen sind noch kleiner: In der S-LITE-Teilstudie umfasste die Liraglutid-Untergruppe 20 Männer, davon sieben allein und 13 mit Training, die „guten Halter“ des Gewichtsverlusts 18 [s96]. Keine dieser Studien war auf Samenparameter als Hauptziel ausgelegt, mit Ausnahme der Semaglutid-Studie, deren Fallzahl auf eine Konzentrationsdifferenz von 0,3 Mio./ml berechnet wurde und bei der Konzentration und Gesamtzahl unter Semaglutid dennoch nicht signifikant stiegen [s48]. Bei Lengsfeld waren Hormone und Samenparameter sekundäre Endpunkte; der primäre Endpunkt war das sexuelle Verlangen [s72].

### Heterogenität der Designs und Populationen

Die Quellen mischen Männer mit Adipositas, mit Typ-2-Diabetes, mit funktionellem Hypogonadismus und gesunde junge Männer. Sie mischen Wirkstoffe (Exenatid, Liraglutid, Dulaglutid, Semaglutid, Tirzepatid) und Dosen sowie Beobachtungszeiträume von vier Wochen [s72] bis zu zwölf Monaten [s73, s96]. In den Kohorten von Portillo-Canales wurden mehrere Substanzen zusammengefasst [s29, s59]. Die Ergebnisse sind daher nicht ohne Weiteres auf einen einzelnen Wirkstoff oder eine einzelne Patientengruppe übertragbar. Die Übersicht von La Vignera und Condorelli (29 Studien, davon 14 Primärstudien) nennt für Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid zusammen Anstiege des Gesamttestosterons von im Mittel 2,5 bis 5,2 nmol/l bei adipositasbedingtem funktionellem Hypogonadismus, überwiegend vermittelt durch Gewichtsverlust und bessere Insulinresistenz [s18]; diese Spanne bündelt Studien, die sich in Wirkstoff, Dauer und Population unterscheiden.

### Konfundierung durch Gewichtsverlust, Diät und Begleittherapie

Der Gewichtsverlust hebt für sich allein Testosteron und Samenparameter. Das zeigen die Diätphase der S-LITE-Teilstudie [s96], die Daten zu Lebensstilinterventionen in der Metaanalyse von Peel (normale Morphologie plus 0,59 Prozent, progressive Motilität plus 10,56 Prozent) [s28] und die Befunde zu Diät und Bewegung in der unbehandelten Gruppe der Tirzepatid-Pilotstudie [s54]. Die russische Pilotstudie kombinierte Liraglutid mit Diät und Bewegung [s106]. Die Fallserie von Mendias und Awan kombinierte sieben Maßnahmen gleichzeitig (Stoßwellen, Laser, Ultraschall, Training, Tadalafil, Testosteroncypionat und Beratung, bei Diabetes zusätzlich Tirzepatid), sodass sich kein Beitrag einer einzelnen Komponente ableiten lässt; die Arbeit ist außerdem ein nicht begutachteter Vorabdruck [s22]. Bei Giagulli war Liraglutid eine Zugabe zu Testosteronersatz und Metformin, und die Zuteilung erfolgte nach Ansprechen [s121]. Ein sauberer Vergleich von GLP-1-RA gegen gleichwertige Kalorienrestriktion existiert beim Menschen nicht; in Tierversuchen mit gepaarter Fütterung ist er nur teilweise erbracht [s01, s31, s97].

### Kurze Beobachtungszeit im Verhältnis zur Spermatogenese

Der Meinungsbeitrag von Du Plessis und Kollegen nennt eine Spermatogenesedauer von etwa drei Monaten, in der kleine Änderungen große Folgen haben könnten [s70]. Die Dulaglutid-Studie dauerte vier Wochen Exposition [s72], die Tirzepatid-Pilotstudie zwei Monate und enthielt keine Samenanalyse [s54], die Studie von Jensterle 16 Wochen ebenfalls ohne Samenanalyse [s112]. Wirkungen, die erst nach vollständigen Spermatogenesezyklen sichtbar werden, oder Wirkungen nach Absetzen sind kaum untersucht. Bei Lengsfeld erfolgte die Nachuntersuchung der Samenparameter mehr als 60 Tage nach der letzten Injektion, was eine Nachbeobachtung nach Absetzen einschließt, allerdings nach nur vier Wochen Exposition und bei Gesunden [s72].

### Fehlende klinisch harte Endpunkte

Es fehlt eine ausreichend große prospektive Studie mit Schwangerschaft, Lebendgeburt, Spermien-DNA-Fragmentierung oder assistierter Reproduktion als vorab festgelegtem Endpunkt, ebenso eine kontrollierte Tirzepatid-Studie mit Samen- oder Fertilitätsendpunkt [s13]. Mehrere Übersichten stützen diese Feststellung [s03, s28]. Ein einzelner Fallbericht, der in einer russischen Übersicht zitiert wird, erwähnt eine natürliche Schwangerschaft der Partnerin nach acht Monaten Behandlung mit Semaglutid und Tirzepatid und Gewichtsverlust; als Einzelfall ist er nicht verwertbar [s39]. Zu väterlicher Exposition vor der Zeugung und zur Gesundheit der Kinder gibt es keine belastbaren Daten; das Editorial von Koufakis und Kollegen spricht von „spärlichen und fragmentarischen“ Daten zur väterlichen Anwendung [s16]. Die Recherche zu dieser Studie fand keine einschlägige Primärstudie zu Kindern väterlich exponierter Männer.

### Statistische Schwächen

- *Mehrfachtestung.* Die Semaglutid-Studie testete viele Endpunkte; eine Anpassung für mehrfaches Testen wurde im abgerufenen Text nicht gesehen. Die Aussage zur Morphologie beruht auf Medianwerten von 2 und 4 Prozent mit überlappenden Interquartilbereichen [s48]. Bei Lengsfeld wurde nicht für Mehrfachvergleiche adjustiert [s72]. Dagegen wandte die Moskauer Pilotstudie eine strenge Bonferroni-Schwelle an und wertete ihren eigenen Anstieg der Spermienzahl entsprechend als nicht signifikant [s106].
- *Streuungsmaße.* In der Tirzepatid-Pilotstudie stehen in den Tabellen Streubereiche, keine Konfidenzintervalle [s54]; ähnlich bei den Medianen mit Interquartilbereichen der Semaglutid-Studie [s48]. Eine russische Übersicht gab die Interquartilbereiche fälschlich als Konfidenzintervalle wieder [s39].
- *Untergruppen und kleine Datenbasis.* Die Aussage zur Wirkung bei Männern mit niedrigem Ausgangstestosteron bei Graybill stützt sich auf Untergruppen [s104]. Bei Yang zum Vergleich mit Metformin beruht der Befund bei höherem BMI auf einer Subgruppe aus nur drei Studien [s63].
- *Heterogenität.* I² lag bei 86 bis 99 Prozent bei den Hormonendpunkten von Mirghani [s24] und bei 86 Prozent beim bioverfügbaren Testosteron bei Orra (vier Studien) [s57].
- *Einheitenprobleme.* Einheiten fehlten oder waren widersprüchlich bei [s24] (keine Einheit für das Testosteron), [s62] (Einheit bei einer standardisierten Differenz) und [s38] (Testosteron in pg/ml bei Ratten, ungewöhnlich); im Abstract von Giagulli ist die Liraglutid-Dosis mit 1,2 µg/Tag angegeben, vermutlich 1,2 mg [s121].

### Qualität, Herkunft und Status der Quellen

- *Abstract-Ebene.* Für den größten Teil der Quellen wurde nur der Abstract gelesen; Volltexte wurden bei sechs Studien gelesen [s96, s48, s72, s112, s88, s54]. Fallzahlen, Dosen und Effektgrößen fehlen in vielen Tierversuchsabstracts.
- *Vorabdrucke, Kongressabstracts und graue Literatur.* Dazu gehören die Tirzepatid-Studie an Mäusen [s25], die Schafsperma-Studie [s76], die Fallserie von Mendias und Awan [s22], die Kongressabstracts [s47, s59, s89] sowie ein Zenodo-Text mit kommerziellem Bezug zu Nährstoffpräparaten [s21], der nur zur Dokumentation aufgenommen und nicht als Beleg verwendet wurde. Der japanische Förderbericht ist keine begutachtete Publikation [s101].
- *Zurückgezogene Arbeit.* Die Liraglutid-Studie zu Doxorubicin-Hodentoxizität wurde 2025 zurückgezogen [s83, s42]. Sie wurde in diesem Kapitel nicht als Beleg verwendet. Den Rücknahmegrund haben die Recherchen nicht abgerufen.
- *Interessenkonflikte.* Die S-LITE-Teilstudie wurde von der Novo Nordisk Foundation gefördert, Liraglutid und Placebo stellte Novo Nordisk, und ein Autor ist Anteilseigner und Angestellter eines Unternehmens für Fertilitätsprodukte [s96]. Ein Einfluss auf die Ergebnisse ist nicht belegt, aber die Konstellation ist offenzulegen. Für viele weitere Quellen wurden Interessenkonflikte nicht geprüft.
- *Sekundärliteratur.* Die Metaanalysen und Übersichten stützen sich auf dieselben vier bis zehn Studien; Befunde verschiedener Übersichten sind deshalb nicht unabhängig [s62, s24, s05, s37]. Die Zahl der Übersichten wächst schneller als die der Primärstudien (Einschätzung der Recherche, anhand der Quellenliste).
- *Möglicher Publikationsbias.* Die Studienregister enthalten nach der Quellen-Triangulation von Broul und Kollegen mehr männliche Reproduktionsendpunkte, als veröffentlicht sind [s03]. Wie viele davon unveröffentlicht blieben und in welche Richtung, lässt sich aus den Quellen nicht ablesen.

### Tiermodelle und Zellversuche

Viele Tierversuche stammen aus Gruppen, die dieselben Modelle (Streptozotocin, Hochfettdiät) verwenden. Die Behandlung beginnt in der Regel nach induzierter Erkrankung (Schutzwirkung am kranken Tier, nicht Wirkung am Gesunden), die Gruppen sind klein (meist 6 bis 10 Tiere; 16 bei Correia, 28 bei Abdel-Wahab, 40 bei Zeweil, 60 bei Albokhadaim) [s97, s40, s38, s01]. Dosen und Gewichtsverluste sind mit der Anwendung beim Menschen nicht vergleichbar. Akutmodelle wie Hodentorsion mit Frühbehandlung sagen wenig über eine Dauertherapie [s95, s103, s51]. In menschlichen Sertoli-Zellen veränderte GLP-1 bei physiologischer und pharmakologischer Konzentration den Stoffwechsel unterschiedlich: Bei 100 nM sank das mitochondriale Membranpotenzial, bei 0,01 und 1 nM stieg die Laktatproduktion [s113]. Zellversuche mit pharmakologischen Konzentrationen sind daher nicht ohne Weiteres auf die Therapie übertragbar. Auffällig ist zudem, dass fast alle Tierstudien Schutz- und kaum Schadeffekte berichten. Ob das die Biologie oder eine Auswahl der veröffentlichten Ergebnisse widerspiegelt, kann diese Studie nicht beantworten. Einzelne Arbeiten (Zeweil, Hassan, Abdullah) prüfen vorwiegend eine Zusatzsubstanz oder ein Schädigungsmodell, nicht Semaglutid selbst als Hauptfrage [s38, s50, s95].

### Datenlage nach Wirkstoff

- *Semaglutid:* eine randomisierte Studie mit 25 Männern [s48], Kohorten zu erektiler Dysfunktion und Testosteron [s41, s29, s20], eine epigenetische Pilotstudie mit 13 Proben [s12] und viele Tierversuche.
- *Liraglutid:* die am besten untersuchte Substanz in randomisierten Studien [s96, s112], daneben die nicht randomisierte Catania-Studie [s88], die Moskauer Pilotstudie [s106] und der Fallbericht mit Verschlechterung [s123].
- *Tirzepatid:* eine kontrollierte Pilotstudie mit zwei Monaten Dauer ohne Samenanalyse [s54], eine Kohorte zu erektiler Dysfunktion [s46], Tierversuche [s01, s25] und Fallberichte [s33]. Kontrollierte Studien mit Samenendpunkt fehlen [s13].
- *Dulaglutid und Exenatid:* eine placebokontrollierte Studie bei Gesunden mit Dulaglutid [s72], Studien mit Exenatid bei Typ-2-Diabetes [s104, s117] und viele Tierversuche [s82]; Exenatid gehört nicht zu den drei Hauptwirkstoffen der Fragestellung.

### Reichweite der Recherche selbst

Die Recherchen deckten Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch ab. Mehrere Datenbanken (CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY, DergiPark, SciELO, LILACS, Cairn, Dialnet, mehrere arabische Datenbanken) waren nicht abfragbar, das AWMF-Register lieferte keine Inhalte. Das Fehlen von Treffern in diesen Sprachräumen ist deshalb kein Nachweis, dass keine Literatur existiert. Außerhalb des Englischen fand sich praktisch nur Sekundärverwertung englischer Studien, etwa die Masterarbeit aus Porto [s09], die russischen Übersichten [s39, s79, s80, s81] oder der deutschsprachige Übersichtsartikel von Klotz [s15]. Die einzige eigenständige nicht englischsprachige Humanstudie ist die russische Pilotstudie [s106]. Auch in den Recherchen zum chinesischen Sprachraum überwog die Frauenseite (PCOS, Fruchtbarkeit der Frau) deutlich; ein portugiesischsprachiger Übersichtsartikel behandelt ausschließlich Frauen mit PCOS [s02]. Das Zeitfenster der Recherche endet am 4. Oktober 2026.

## Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken der Quellen. Sie sind keine Behandlungsvorschläge, sondern Forschungsbedarf, soweit ihn die Autorinnen und Autoren der Quellen oder die Recherche selbst benennen.

1. **Gibt es einen Effekt jenseits des Gewichtsverlusts?** Notwendig wären randomisierte Studien mit einer Kontrollgruppe, die dasselbe Gewicht auf anderem Weg verliert (Diät, Chirurgie, andere Wirkstoffe), und Studien, die Wirkstoff- und Gewichtseffekt statistisch trennen [s24, s18, s01]. In der Semaglutid-Studie korrelierten Samenänderungen nicht mit dem Gewichtsverlust, doch mit 13 Männern lässt sich das nicht verallgemeinern [s48].
2. **Fertilität im engeren Sinn.** Welche Wirkung haben GLP-1-RA auf Schwangerschaftsrate, Dauer bis zur Schwangerschaft, Lebendgeburt und Spermien-DNA-Fragmentierung? Mehrere Übersichten fordern standardisierte Fertilitätsendpunkte und pragmatische Studien [s05, s13, s58].
3. **Tirzepatid.** Es fehlen kontrollierte Studien mit Samen- und Fertilitätsendpunkt [s13]. Offen ist auch, welche Rolle der GIP-Rezeptor im Hoden spielt: Im Mausmodell war er reichlich vorhanden, der GLP-1-Rezeptor dagegen minimal [s25].
4. **Dauer, Dosis und Absetzen.** Wie verhalten sich Samenparameter und Hormone über mehrere Spermatogenesezyklen, nach Dosissteigerung, nach Absetzen und unter Dauertherapie? Der Meinungsbeitrag fordert Studien zu Dosis, Dauer und Grunderkrankung [s70]. Lengsfeld untersuchte nur vier Wochen Exposition [s72].
5. **Väterliche Exposition und Nachkommen.** Gibt es Auswirkungen auf Schwangerschaftsverlauf, Geburtsergebnisse und Gesundheit der Kinder bei Anwendung vor der Zeugung? Das Editorial von Koufakis fordert Studien mit väterlichem Stoffwechselprofil, Medikamentenexposition und Langzeitbeobachtung der Kinder [s16].
6. **Sicherheit in empfindlichen Phasen.** Die Befunde zur Blut-Hoden-Schranke bei jungen Ratten [s04] werfen die Frage auf, ob bei Jugendlichen unter Therapie ähnliche, womöglich reversible Effekte auftreten; beim Menschen wurde das nicht untersucht.
7. **Erektile Funktion und Libido.** Wie ist die Diskrepanz zwischen Verbesserungen in Metaanalysen und Risikosignalen in Kohorten aufzulösen? Nötig wären Studien mit aktiven Vergleichsgruppen, validierten Fragebögen (IIEF) statt Abrechnungscodes und längerer Nachbeobachtung [s41, s32, s46]. Das serotonerge Modell zum sexuellen Verlangen verlangt longitudinale Studien [s11].
8. **Wer profitiert?** Hängt das Ansprechen vom Ausgangszustand ab (Gesunde, Adipositas, Diabetes, Hypogonadismus)? Die Übersicht von La Vignera und Condorelli hält fest, es sei nicht belegt, ob ein bestehender Hypogonadismus das Ansprechen verschlechtert [s18]. Zafrani und Kollegen sprechen von einer Abhängigkeit vom metabolischen Ausgangszustand [s37].
9. **Kombinationstherapien.** Ob GLP-1-RA zusammen mit Testosteron etwa die Magermasse erhalten, wird diskutiert [s44] und in einer Pilotstudie mit zehn Männern angesprochen [s30]; Wirkung und Sicherheit sind unklar.
10. **Direkte Wirkung am menschlichen Hoden.** Welche Rezeptoren und Zelltypen sind relevant? Der Rezeptor ist in menschlichen Leydig-Zellen [s108] und auf Spermien [s109] nachgewiesen; funktionelle Daten am Menschen sind rar. Das Organoid-Ergebnis mit sinkendem Testosteron unter Semaglutid [s52] benötigt Replikation und Konzentrations-Wirkungs-Daten.
11. **Methodik der Evidenzsynthese.** Metaanalysen sollten Einheiten, Ausgangswerte und Studienüberschneidungen offenlegen und Primärstudien nicht mehrfach zählen [s24, s47].
12. **Nicht englischsprachige Literatur und Register.** Eine systematische Auswertung chinesischer, koreanischer, arabischer und russischer Primärdatenbanken steht aus, ebenso die Prüfung der Studienregister-Einträge zu männlichen Reproduktionsendpunkten [s03].

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ist keine Therapieempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder ärztliche Beratung. Er ordnet ein, was die vorliegende Literatur für Leserinnen und Leser bedeuten kann, die wissen möchten, wie belastbar die Aussagen sind.

**Was die Quellen tragen.**

- Bei Männern mit Adipositas, Typ-2-Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus steigt das Gesamttestosteron unter GLP-1-RA im Mittel mäßig an, und der Anstieg hängt mit dem Gewichtsverlust zusammen [s62, s05, s29, s117]. Die randomisierten Studien berichten Anstiege von etwa 1,6 bis 2,6 nmol/l [s48, s112], deutlich weniger als in den Testosteron-Vergleichsarmen (6,9 und 5,9 nmol/l) [s48, s112].
- Im Gegensatz zu Testosteronpräparaten unterdrücken GLP-1-RA in den Vergleichsstudien die Gonadotropine LH und FSH nicht; unter Testosteron sank die Spermienkonzentration deutlich (25 auf 10 Mio./ml), unter Semaglutid nicht [s48, s112, s05]. Das ist ein Vergleich zweier Wirkstoffe und nicht der Nachweis, dass Semaglutid die Spermienqualität verbessert.
- Bei gesunden, normalgewichtigen Männern zeigten sich in einer vierwöchigen placebokontrollierten Studie keine Änderungen von Hormonen oder Samenparametern [s72].
- Für die Fertilität im Sinne von Schwangerschaft und Geburt gibt es keine aussagekräftigen Daten [s13, s03].
- Für die erektile Funktion gehen die Signale in beide Richtungen; ein Zusammenhang ist weder belegt noch ausgeschlossen [s24, s32, s41, s46, s66].

**Was die Quellen nicht tragen.**

- Keine Studie belegt, dass GLP-1-RA die Zeugungsfähigkeit verbessern oder verschlechtern. Die Autoren eines strukturierten Reviews halten fest, die Medikamente sollten für metabolische Indikationen eingesetzt werden und nicht als Mittel gegen männliche Infertilität (Aussage der Autoren dieses Reviews) [s13].
- Die günstigen Ergebnisse stammen überwiegend aus kleinen, offenen oder nicht randomisierten Studien und aus Tierversuchen an kranken Tieren [s48, s88, s75].
- Ein einzelner Fallbericht beschreibt eine Verschlechterung der Samenqualität unter Liraglutid [s123]; er belegt keinen ursächlichen Zusammenhang, ein Zusammenhang lässt sich aber auch nicht ausschließen.

**Einordnung bei Kinderwunsch.** Die Quellen enthalten zu dieser Frage keine belastbaren klinischen Daten, aber Meinungen: Pavli und Kollegen raten in ihrer Übersicht, GLP-1-RA bei geplanter Schwangerschaft abzusetzen [s74]; Klotz fordert systematische andrologische Überwachung und Patientenaufklärung [s15]; Kaltsas und Kollegen schlagen einen (nicht validierten) Beratungsrahmen vor [s13]. Das sind Positionen einzelner Autoren, keine Leitlinienempfehlungen, und sie werden hier nur berichtet, nicht übernommen. Die abgerufenen Leitlinien der Europäischen Urologenvereinigung zu männlicher Infertilität und zu Hypogonadismus enthalten keine Aussage zu GLP-1-RA [s06, s07]; die AUA/ASRM-Leitlinie nennt GLP-1-RA nur im Ausblick, die Wirkung auf die Reproduktionsgesundheit sei noch zu bestimmen [s68]. Die abgerufene Übersichtsseite der ESHRE listet keine Leitlinie zu männlicher Infertilität oder GLP-1-RA [s08]. Die russische Leitlinie von 2021 hält bei „reversiblem Hypogonadismus“ von Männern mit Adipositas und erhaltener gonadotroper Funktion zunächst die Gewichtsabnahme für vorrangig vor einer Testosterontherapie (Empfehlung 6.11, Stärke B, Evidenzniveau 3), ohne GLP-1-spezifische Aussage [s107]. Die Europäische Urologenvereinigung nennt Lebensstiländerung und Gewichtsverlust als ersten Ansatz bei übergewichtigen Männern mit Hypogonadismus und weist darauf hin, dass 60 bis 86 Prozent des verlorenen Gewichts nach drei Jahren wieder zugenommen werden [s07].

**Wie man einzelne Zahlen lesen sollte.**

- Prozentangaben wie plus 192,9 Prozent Testosteron [s88] oder plus 128,5 Prozent [s54] stammen aus nicht randomisierten Studien; absolute Werte und Kontrollgruppen sind mitzulesen.
- Ein statistisch signifikanter Unterschied zu Testosteron, wie bei den Samenparametern [s48], bedeutet nicht automatisch einen Vorteil gegenüber Nichtbehandlung.
- Hazard- und Risikoverhältnisse aus Abrechnungsdaten messen Diagnosen und Verordnungen, nicht eine gemessene Erektionsfähigkeit [s41, s46, s32].
- Ein einzelner Hormonwert stellt keine Diagnose; diese Studie ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

**Wer sich betroffen fühlt,** etwa weil eine Gewichtssenkung mit GLP-1-RA geplant ist oder läuft und ein Kinderwunsch besteht oder sexuelle Beschwerden auftreten, sollte diese Fragen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Die Entscheidung über Beginn, Fortführung oder Beendigung einer Behandlung gehört in die ärztliche Beratung und liegt außerhalb dessen, was die hier ausgewertete Literatur beantworten kann.

## Glossar

**AMS (Aging Male Symptoms Scale):** Fragebogen zur Erfassung von Beschwerden, die dem Testosteronmangel zugeschrieben werden [s48, s112].

**Aromatasehemmer:** Wirkstoffe, die die Umwandlung von Testosteron in Östradiol blockieren; im Scoping-Review als eine Option bei adipösen Männern genannt [s34].

**Asthenozoospermie:** verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat [s106].

**Blut-Hoden-Schranke:** Barriere zwischen Blut und den Keimzellen im Hoden, gebildet vor allem von Sertoli-Zellen; bei jungen Ratten unter Liraglutid vorübergehend durchlässiger [s04].

**cAMP/PKA:** Signalweg in der Zelle (zyklisches Adenosinmonophosphat, Proteinkinase A), über den GLP-1-Rezeptoren in Tiermodellen wirken [s75, s17].

**DPP-4-Hemmer:** Gruppe von Antidiabetika (zum Beispiel Sitagliptin), häufig als Vergleichsgruppe verwendet [s32, s46].

**Estradiol (Östradiol):** wichtigstes Östrogen; sank in der Tirzepatid-Pilotstudie im Median um 60 Prozent [s54].

**FAERS:** Meldesystem der US-Arzneimittelbehörde für Nebenwirkungen; liefert Spontanmeldungen ohne Nenner und erlaubt keine Risikoschätzung [s20, s60].

**Ferroptose:** eisenabhängige Form des Zelltods; in einer Mausstudie als Schadensweg im diabetischen Hoden und Angriffspunkt von Semaglutid beschrieben [s77].

**Flagellum:** der Geißelfaden der Spermie, der für die Fortbewegung sorgt; in der Morphologie neben Kopf und Mittelstück beurteilt [s87].

**FSH (follikelstimulierendes Hormon):** Hypophysenhormon, das beim Mann die Spermienbildung unterstützt [s48].

**Funktioneller Hypogonadismus:** Testosteronmangel ohne strukturelle Schädigung von Hoden oder Hypophyse, oft durch Adipositas und Diabetes bedingt und potenziell reversibel [s36, s37]. Verwandt: MOSH (Male Obesity-associated Secondary Hypogonadism, männlicher adipositasassoziierter sekundärer Hypogonadismus) [s12].

**GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid):** weiteres Inkretinhormon, dessen Rezeptor Tirzepatid mit anspricht [s25].

**GLP-1-Rezeptoragonist (GLP-1-RA):** Wirkstoff, der den Rezeptor des Inkretinhormons GLP-1 aktiviert (zum Beispiel Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid, Exenatid); Tirzepatid ist ein dualer GIP/GLP-1-Agonist [s39].

**GRADE:** System zur Bewertung der Sicherheit von Evidenz; in der Metaanalyse von Mirghani durchgehend „sehr niedrig“ [s24].

**hCG, Urofollitropin:** Gonadotropinpräparate, in der Catania-Studie in Gruppe A verwendet [s88].

**HbA1c:** Langzeit-Blutzuckerwert [s48, s112].

**Hämatokrit:** Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen; unter Testosterontherapie erhöht [s36].

**HOMA-IR:** rechnerischer Index der Insulinresistenz [s88, s30].

**I²:** Maß für die Heterogenität in Metaanalysen; hohe Werte bedeuten, dass die Studien sich stark unterscheiden [s24].

**IIEF (International Index of Erectile Function):** Fragebogen zur Erektionsfunktion; IIEF-5 ist die Kurzform mit fünf Fragen, IIEF-15 die längere Fassung [s48, s88].

**Interquartilbereich:** Bereich zwischen dem 25. und 75. Perzentil, Streuungsmaß für Mediane; kein Konfidenzintervall [s48, s39].

**Kisspeptin/GnRH-Achse:** hormonelle Steuerkette im Gehirn, die die Hormonfreisetzung der Hypophyse anregt; in Rattenstudien als Wirkweg von Liraglutid und Semaglutid diskutiert [s87, s95].

**Konfidenzintervall (KI):** Bereich, in dem der wahre Wert mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (hier 95 Prozent) liegt [s62].

**Leydig-Zellen:** Zellen im Hoden, die Testosteron bilden [s108].

**LH (luteinisierendes Hormon):** Hypophysenhormon, das die Testosteronbildung in den Leydig-Zellen anregt [s48].

**Mendelsche Randomisierung:** Verfahren, das genetische Varianten als natürliches Experiment nutzt, um Ursache-Wirkungs-Beziehungen abzuschätzen [s66].

**Metaregression:** Auswertung, die den Zusammenhang zwischen einem Studienmerkmal (hier Gewichtsverlust) und dem Effekt über mehrere Studien prüft [s62].

**Morphologie (Spermien):** äußere Form der Spermien; der Anteil normal geformter Spermien lag in der Semaglutid-Studie bei 2 und 4 Prozent [s48].

**Motilität:** Beweglichkeit der Spermien; progressive Motilität bezeichnet die Vorwärtsbewegung [s96, s72].

**Nrf2/Keap1:** Signalweg der Zelle gegen oxidativen Stress; in Tierstudien mit Tirzepatid untersucht [s01].

**Oligozoospermie:** niedrige Spermienkonzentration (in der S-LITE-Teilstudie unter 15 Mio./ml) [s96].

**Organoid:** im Labor aus Stammzellen gezüchtetes, gewebeähnliches Zellgebilde, hier mit Hodenmerkmalen [s52].

**PDE5-Hemmer:** Wirkstoffgruppe zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (zum Beispiel Tadalafil) [s88, s22].

**Perzentil, WHO-Referenzwerte:** Vergleichswerte für Samenparameter; die Teilnehmer der Semaglutid-Studie lagen überwiegend unter dem 5. Perzentil [s48].

**PRISMA, PROSPERO, RoB 2, ROBINS-I, CINeMA, Newcastle-Ottawa-Skala:** Berichtsstandard, Registrierungsplattform und Instrumente zur Verzerrungs- und Evidenzbewertung von Übersichten und Studien [s05, s36, s24, s47].

**Regression zur Mitte:** statistischer Effekt, bei dem extreme Ausgangswerte bei Wiederholung zum Durchschnitt zurückkehren, auch ohne Behandlung [s106, s104].

**Risikoverhältnis (RR), Hazard Ratio (HR), Odds Ratio (OR), Reporting Odds Ratio (ROR):** Verhältnismaße zum Vergleich von Häufigkeiten; Werte über 1 bedeuten höhere, unter 1 niedrigere Raten oder Chancen [s41, s32, s66, s20].

**Sertoli-Zellen:** Stützzellen im Hoden, die die Spermienbildung nähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden [s69, s113].

**SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin):** Bindungsprotein im Blut; sein Anstieg kann den Anstieg des freien Testosterons dämpfen [s05].

**SMD, MD:** standardisierte beziehungsweise nicht standardisierte Mittelwertdifferenz [s62, s24].

**Spermatogenese:** Bildung der Spermien im Hoden; dauert nach einer Quelle etwa drei Monate [s70].

**STZ (Streptozotocin):** Substanz, die in Tieren Diabetes auslöst; Grundlage vieler Tiermodelle [s38, s87].

**Target-Trial-Emulation:** Auswertung von Beobachtungsdaten, die den Aufbau einer randomisierten Studie nachahmt [s32].

**Testosteronersatztherapie (TRT):** Gabe von Testosteron bei Mangel; unterdrückt LH und FSH und kann die Spermienbildung hemmen [s48, s36].

**TriNetX:** Datenbank elektronischer Krankenakten, Grundlage mehrerer Kohortenauswertungen [s41, s46].

**Typ-2-Diabetes:** Stoffwechselerkrankung mit erhöhtem Blutzucker, häufig mit Adipositas verbunden [s48].

**Vorabdruck (Preprint):** wissenschaftlicher Text ohne abgeschlossene Begutachtung [s25, s22].

## Quellenverzeichnis

Alle Quellen der Gesamtstudie (123 Einträge), geordnet nach Kennung. Titel in der Originalsprache; bei nicht englischen oder deutschen Titeln steht die deutsche Übersetzung in Klammern. Wo keine PMID oder DOI vorhanden ist, steht die Internetadresse des abgerufenen Dokuments.

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