Berufliche Lösungsmittel und Industriechemikalien · Kapitel 18 von 19

Glossar

Alkoxyessigsäuren (Methoxyessigsäure, Ethoxyessigsäure): Stoffwechselprodukte der Ethylenglykolether, die nach den Tierversuchen für die Hodenwirkung verantwortlich sind.

Aneuploidie: abweichende Zahl einzelner Chromosomen in einer Zelle, etwa ein Chromosom zu viel oder zu wenig in einer Samenzelle.

Apoptose: programmierter, geordneter Zelltod; im Hoden ein Mechanismus, über den Keimzellen untergehen können.

Asthenozoospermie: verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

Azoospermie: Fehlen von Spermien im Ejakulat.

Benzol, Toluol, Xylol, Styrol (BTEX und Verwandte): aromatische Kohlenwasserstoffe, die als Lösungsmittel und Ausgangsstoffe dienen; Ethylbenzol ist ein Begleitstoff des Xylols.

Biomonitoring: Messung eines Stoffes oder seiner Abbauprodukte im Körper, etwa in Urin, Blut oder Samenplasma, zur Abschätzung der inneren Belastung.

C-BASS (China Benzene and Sperm Study): Studie aus Tianjin mit personenbezogener Luftmessung und Spermien-FISH bei benzolexponierten und nicht exponierten Männern.

Comet-Test: Verfahren zum Nachweis von DNA-Strangbrüchen in einzelnen Zellen; die Zellkerne bilden bei Schäden einen Kometenschweif.

Disomie, Nullisomie, Diploidie: Zustände einer Samenzelle mit zwei, ohne oder mit doppeltem Chromosomensatz statt einem Chromosom beziehungsweise einfachem Satz.

Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl: Grundparameter der Samenanalyse; die Konzentration bezieht sich auf einen Milliliter, die Gesamtzahl auf das ganze Ejakulat.

Fall-Kontroll-Studie, Fall-Referenz-Studie: Studiendesign, das Menschen mit einem Ergebnis (Fälle) mit solchen ohne (Kontrollen, Referenzen) hinsichtlich früherer Exposition vergleicht.

Fekundabilität, Fekundabilitätsverhältnis: Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus; das Verhältnis vergleicht Exponierte mit Nichtexponierten, Werte unter 1 bedeuten geringere Fekundabilität.

FISH (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung): Verfahren, das mit Farbsonden bestimmte Chromosomen in Zellen sichtbar macht und zählt.

FSH, LH, Testosteron: Hormone der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse; FSH und LH steuern aus der Hirnanhangdrüse die Hodenfunktion, Testosteron wird in den Leydig-Zellen gebildet.

Glykolether: Gruppe von Lösungsmitteln in Farben, Lacken, Druckfarben und Reinigungsmitteln; man unterscheidet die E-Reihe (Ethylenglykol) und die P-Reihe (Propylenglykol).

Healthy-worker-Effekt: Verzerrung, weil gesunde Menschen eher im Beruf bleiben, sodass Beschäftigte gesünder erscheinen können als die Allgemeinbevölkerung.

Heterogenität (I²): Maß in der Metaanalyse für die Uneinheitlichkeit der Einzelergebnisse über das Zufallsmaß hinaus.

Hyperhaploidie: Zunahme von Samenzellen mit überzähligem Chromosom.

Hypospadie, Kryptorchismus: Fehlbildungen beim Jungen; bei der Hypospadie liegt die Harnröhrenöffnung an der Unterseite, beim Kryptorchismus liegt der Hoden nicht im Hodensack.

Inzidenzratenverhältnis (IRR): Verhältnis der Häufigkeit eines Ereignisses in einer Gruppe zu der in einer Vergleichsgruppe.

Job-Exposure-Matrix: Tabelle, die Berufen oder Tätigkeiten geschätzte Expositionen gegenüber Stoffen zuordnet.

Johnsen-Score: Bewertung der Spermatogenese in Hodengewebe anhand der Histologie.

Konfidenzintervall (95 %): Bereich, in dem der wahre Wert mit einer vereinbarten Sicherheit liegt; schließt es bei Odds Ratios die 1 ein, ist der Zusammenhang statistisch nicht gesichert.

Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen: Zellen des Hodens; die Leydig-Zellen bilden Testosteron, die Sertoli-Zellen stützen und ernähren die Keimzellen.

Meiose, Spermatozyten, Spermatiden, Spermatogonien: Stufen der Samenzellbildung; Spermatogonien sind Stammzellen, Spermatozyten teilen sich in der Meiose, Spermatiden reifen zu Spermien.

Metaanalyse: statistische Zusammenfassung mehrerer Studien zu einem gemeinsamen Schätzwert.

Mikrokern: kleines Kernfragment in einer Zelle als Zeichen von Chromosomenschäden.

Muconsäure (trans,trans-), Mandelsäure: Abbauprodukte von Benzol beziehungsweise Styrol, die im Urin gemessen werden.

Nekrozoospermie: hoher Anteil toter Spermien im Ejakulat.

Neuralrohrdefekt: Fehlbildung der Anlage von Gehirn und Rückenmark, etwa Anenzephalie oder Spina bifida.

Odds Ratio (OR): Maß für das Verhältnis der Chancen, exponiert zu sein, zwischen Fällen und Kontrollen; Werte über 1 deuten auf eine Assoziation hin.

Oligozoospermie: verminderte Spermienkonzentration im Ejakulat.

Oxidativer Stress, reaktive Sauerstoffspezies (ROS): Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und Schutzsystemen der Zelle; kann Zellmembranen und DNA schädigen.

Pachytän: Stadium der Meiose, in dem Spermatozyten besonders empfindlich gegenüber Glykolethern sind.

Phosphoglyceratkinase-2 (PGK-2): in Spermien und Spermatiden gebildetes Enzym, das als Marker für Hodenschäden dient.

ppm, mg/m³: Konzentrationsangaben für Gase und Dämpfe in der Luft; ppm bedeutet Teile pro Million, mg/m³ Milligramm pro Kubikmeter.

Querschnittsstudie: Untersuchung zu einem Zeitpunkt, die Exposition und Befund gleichzeitig erfasst.

Spermatogenese: Gesamtprozess der Spermienbildung im Hoden.

Spermiation: Freisetzung reifer Spermien aus den Sertoli-Zellen in das Lumen der Samenkanälchen.

Spermienmorphologie: Gestalt der Spermien mit Kopf, Mittelstück und Flagellum; Anomalien sind etwa amorphe Köpfe oder fehlendes Flagellum.

Surrogatendpunkt: Messgröße, die stellvertretend für ein eigentlich interessierendes klinisches Ergebnis dient, etwa Aneuploidie für Fruchtbarkeit.

Teratozoospermie: erhöhter Anteil morphologisch auffälliger Spermien.

TUNEL: Färbeverfahren, das Zellen mit DNA-Fragmentierung als Zeichen der Apoptose markiert.

Varikozele: Erweiterung der Venen am Hoden, ein bekannter Einflussfaktor der Samenqualität.

WHO-Referenzwerte: von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte Grenzwerte für Samenparameter; sie wurden im Lauf der Jahre geändert.

Zeit bis zur Schwangerschaft (Time to pregnancy): Zeitspanne ungeschützten Verkehrs bis zum Eintritt einer Schwangerschaft; ein Maß für die Fruchtbarkeit eines Paares.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Glykolether bis Toluol und Xylol
  6. Mischexposition, Berufsgruppen und Kinderwunschpopulationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Vorbemerkung: Was für Studientypen es überhaupt gibt bis Styrol: Tierversuche und Zellversuche
  8. Benzol: Humanstudien zur Samenqualität bis Umweltbezogene Biomonitoring-Studien
  9. Verwandte Industriechemikalien (außerhalb der fünf Leitsubstanzen) bis Einordnung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Chinesisch
  13. Japanisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen s01–s104
  22. Quellen s105–s224
  23. Quellen s225–s225
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle