Japanisch
Charakter der Literatur. Das japanische Schrifttum zum Thema ist stark experimentell-toxikologisch: Nationales Institut für Arbeitssicherheit (Kawasaki), Nationales Institut für Gesundheitswissenschaften (Tokio), Universitäten in Nagoya, Kyushu, Mie, Tokushima und Akita sowie Pharmaunternehmen. Humanstudien sind selten. Die Quellensammlung enthält 31 Quellen mit Kennzeichen Japanisch; die meisten sind englischsprachige Zeitschriftenartikel japanischer Gruppen, nur wenige sind japanischsprachig: ein Aufsatz von 1979 aus der Zeitschrift Sangyo Igaku (Japanese Journal of Industrial Health) mit Titel „エチレングリコールモノアルキルエーテル類によるマウス精巣の萎縮“ (Hodenatrophie bei Mäusen durch Ethylenglykolmonoalkylether) [s222], zwei Konferenzbeiträge der Japanischen Gesellschaft für Toxikologie [s62, s52] und zwei Übersichten aus der Datenbank CiNii [s127, s47]. Die japanischsprachigen Beiträge sind über ihre Abstracts erreichbar, teils nur über die Artikelseiten von J-STAGE; viele Einträge dort sind Kongressbeiträge ohne Abstract. Mehrere weitere japanischsprachige Titel wurden nur als Titel gesehen (unter anderem eine Berufsanamnese bei Patienten einer Unfruchtbarkeitsambulanz, 2002, und Übersichten zur Reproduktionstoxizität organischer Lösungsmittel, 1998); zu ihren Ergebnissen sagt diese Studie nichts. J-STAGE (Such-API und Artikelseiten) und CiNii Research waren erreichbar.
Humanstudien: selten. Die einzige abgerufene japanische Humanstudie mit Lösungsmittelbezug ist eine Querschnittsstudie an 42 Männern, die Epoxidharz-Härter mit Bisphenol-A-Diglycidylether und gemischten organischen Lösungsmitteln versprühten, und 42 gematchten Kontrollen aus denselben Maschinenbetrieben. FSH war bei den Spritzern niedriger (Median 5,3 gegenüber 7,6 mIU/ml) und korrelierte schwach mit Bisphenol A im Urin, nicht aber mit den Lösungsmittelmetaboliten; LH und freies Testosteron unterschieden sich nicht. Es ist ein Hormonbefund, kein Spermabefund, und die Wirkung der Lösungsmittel lässt sich von der der Epoxidkomponenten nicht trennen [s139]. Eine japanischsprachige Übersicht im Journal of UOEH beschreibt zwei Forschungsrahmen: die klassische Untersuchung einzelner Chemikalien bei relativ hoher Exposition und, seit Verbreitung des Konzepts endokrin wirksamer Chemikalien in den 1990er Jahren, die Suche nach vielen Stoffen und die Bewertung kombinierter niedriger Exposition; die Interpretation sei durch die schwierige Expositionserfassung begrenzt [s127]. Eine Übersicht in JNIOSH Research (japanisch) beschreibt die Entwicklung einfacherer Spermaanalysemethoden und nennt die Reproduktionsstörungen durch 2-Brompropan in Ostasien 1995 als Auslöser für die Wiederentdeckung der männlichen Reproduktionstoxizitätsprüfung [s47].
Glykolether im Tierversuch. Glykolether sind der Schwerpunkt. Die älteste Quelle (1979) zeigt, dass Mäuse nach oralen Dosen von 62,5 bis 4000 mg/kg an 5 Tagen pro Woche über 5 Wochen mit Ethylenglykolmonomethylether und -ethylether und deren Acetaten dosisabhängig Hodenatrophie und Leukopenie entwickelten; der Butyl- und der Phenylether wirkten nur geringfügig, Ethylenglykol selbst nicht [s222]. Spätere japanische Arbeiten zeigen die Spermatozyten in der Meiose als Zielzellen: Bei 100 mg/kg Ethylenglykolmonomethylether über zwei und vier Wochen (Ratte) trat eine Degeneration pachytäner Spermatozyten auf, die ausschließlich auf Apoptose beruhte [s167]. Mit der Phosphoglyceratkinase-2 als spezifischem Marker fand sich bei 500 mg/kg eine zeitliche Verzögerung: In den ersten zwei Wochen war der Wert nicht gesunken, nach 4 Wochen war er stark erniedrigt und nach 5 Wochen nicht mehr nachweisbar [s202]. Computergestützte Spermienanalyse zeigte nach Ethylenglykolmonoethylether (250 mg/kg über 5 Wochen) verminderte progressive Beweglichkeit bei unverändertem Hodengewicht und unveränderter Fertilität [s158]; der Metabolit Ethoxyessigsäure hemmte in vitro die Spermienbewegung direkt, was auf eine Wirkung auch auf reife Spermien deutet [s114]; bei Aldh2-Knockout-Mäusen blieb die Beweglichkeit nach Ethylenglykolmonoethylether unverändert, beim Wildtyp war sie bei hoher Dosis vermindert, was auf genetisch unterschiedliche Empfindlichkeit hindeutet [s103]. Mechanistische Studien mit Metabolomik fanden nach 50 und 2000 mg/kg veränderte Hodenmetaboliten, die auf gestörte Energieversorgung oder oxidativen Stress deuten [s105]; microRNA-Profile zeigten bei 2000 mg/kg nach 24 Stunden eine deutliche Verminderung pachytäner Spermatozyten, bei 50 mg/kg keine Veränderungen [s79]; Ketoconazol senkte das Testosteron im Hoden ähnlich stark, ohne Histopathologie auszulösen, sodass Testosteronmangel nicht als Ursache gilt [s36]. Alle Studien nutzen Dosen weit über beruflichen Konzentrationen.
Toluol, Xylol, Styrol. Japanische Rattenstudien zu Toluol sind uneinheitlich. Bei 2000 ppm (6 Stunden täglich über 90 Tage) nahmen Nebenhodengewicht und Spermienzahl ab [s186]; bei 6000 ppm (2 Stunden täglich über 5 Wochen) waren Nebenhodenspermienzahl, Beweglichkeit und Eindringvermögen in zonafreie Hamstereizellen vermindert, bei unverändertem Hodengewicht, und in den Eizellen fanden sich Spermienköpfe ohne Flagellum [s173]; bei 1500 ppm über 20 Tage blieb die Spermatogenese weitgehend erhalten [s117]; subkutan wurden verminderte Nebenhodenspermienzahl und erhöhte oxidative DNA-Schäden im Hoden beschrieben [s131]. Bei Dampfinhalation senkten Verdünner, Ethylacetat und Xylol Hoden- und Nebengeschlechtsdrüsengewichte und Testosteron, Xylol und Ethylacetat zusätzlich die Nebenhodenspermien; Toluol und Methanol hatten keine Wirkung [s197]. Zu Styrol gibt es aus Japan nur Tier- und Zellbefunde: freies Testosteron bei pubertierenden Mäusen „dramatisch“ gesenkt [s165], keine fortpflanzungstoxischen Wirkungen von Styrol-Dimeren und -Trimeren bei Gabe von Trächtigkeitstag 6 bis Laktationstag 21 (bei erhöhtem TSH bei Männchen) [s163], dagegen verkürzter Anogenitalabstand, geringeres relatives Hodengewicht und niedrigeres FSH nach pränataler Gabe östrogenartiger Styroltrimere [s101], und eine schwach östrogenartige Wirkung von Styrol bei Kaulquappen [s149]. Humandaten zu Styrol fehlen im japanischen Material.
Bromopropane als japanischer Schwerpunkt. Die Arbeitsgruppe um Ichihara (Nagoya) knüpft an die koreanische Vergiftung von 1995 an. 1-Brompropan (200, 400 und 800 ppm, 8 Stunden täglich über 12 Wochen, je 9 Ratten) senkte dosisabhängig das Gewicht von Nebenhoden, Samenbläschen und Prostata sowie Spermienzahl und Beweglichkeit; Spermien ohne Flagellum und zurückgehaltene Spermatiden nahmen zu, Testosteron sank erst bei 800 ppm; die Autoren betonen, dass 1-Brompropan anders wirke als 2-Brompropan, das spezifisch Spermatogonien schädigt [s160]. Eine Übersicht von 2025 beschreibt für 1-Brompropan Neurotoxizität beim Menschen und männliche Reproduktionstoxizität bei der Ratte [s05]. Zwei Konferenzbeiträge werteten mit computergestützter Analyse die Spermienmorphologie aus; die Dosisangaben eines der beiden Abstracts widersprechen sich (25 bis 100 mg/kg in den Methoden, „2000 mg/kg“ in den Ergebnissen) und werden hier nicht verwendet [s62, s52]. 2-Brompropan ist nicht Teil der fünf Leitsubstanzen; es zeigt aber, wie ein Ersatzlösungsmittel nachträglich als hodentoxisch erkannt wurde.
Grenzwerte, Einstufungen und Leitwerte. Die Japanische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (JSOH) veröffentlicht Grenzwertempfehlungen und stuft Stoffe als Reproduktionstoxika in Gruppen ein. Für 2-Butoxyethanol empfiehlt sie 20 ppm (97 mg/m³) als Ceiling-Wert, schlägt Einstufung als Reproduktionstoxikum der Gruppe 2 vor und hält fest, Konzentrationen unter 20 ppm sollten hämolytische Anämie verhindern und reproduktive Toxizität minimieren [s38]; für 2-Brompropan (Reproduktionstoxikum der Gruppe 1 seit 2014) schlägt sie 0,5 ppm (2,5 mg/m³) statt bisher 1 ppm vor; als niedrigste beobachtete Wirkungsdosis wurden 67 ppm bei männlichen Ratten angesetzt, allerdings auf Grundlage von Gehörgangskarzinomen [s23]. Für Innenraumluft gibt es einen Leitwert für Ethylbenzol (bisher 3800 µg/m³, festgelegt im Jahr 2000); die neue Gefährdungsbeurteilung ergab den niedrigsten Wert aus der allgemeinen Toxizität (0,0858 ppm; 370 µg/m³, Verlust äußerer Haarzellen im Corti-Organ der Ratte), nicht aus der Reproduktionstoxizität [s06]. Ein japanischer Kategorieansatz identifizierte aus einem Stoffinventar 17 Chemikalien, die zu Methoxy- oder Ethoxyessigsäure verstoffwechselt werden und als testikulär toxikologisch verdächtig gelten; das ist eine regulatorische Vorhersagemethode und kein Messbefund am Menschen [s63]. Das ist die Besonderheit des japanischen Raums: Es gibt keine Leitlinie zur Diagnostik, wohl aber Grenzwert- und Einstufungsempfehlungen.
Koreanisch
Anlass: die Vergiftung von 1995. Der Anlass für die koreanische Forschung war der Vorfall in einer Elektronikfabrik mit der Reinigungslösung 2-Brompropan (97,4 %). Von 33 untersuchten Beschäftigten (8 Männer, 25 Frauen) hatten 16 Frauen eine sekundäre Amenorrhö mit hohem FSH; von den 8 Männern hatten zwei eine Azoospermie und vier eine Oligospermie (Normalwert über 20 Millionen/ml) oder verminderte Beweglichkeit (Normalwert über 50 %). Andere Noxen (ionisierende Strahlung, Blei, Glykolether und Acetate, Benzol, Dibromchlorpropan) wurden als Ursache ausgeschlossen; es ist eine Fallserie ohne Kontrollgruppe [s184]. Eine Übersicht derselben Gruppe spricht von 23 Opfern, „den ersten 2-Brompropan-Vergiftungsopfern der Welt“; zwei Berichte unterscheiden sich in der Zahl der betroffenen Frauen (16 und 17 von 25) und der Gesamtzahl, ohne dass der Abstract das erklärt [s169]. Daran schlossen koreanische und japanische Tierstudien an, in denen 2-Brompropan Keimzellen schädigt (Nekrose von Spermatogonien und Spermatozyten [s183], Degeneration der Spermatogonien [s175], Apoptose von Keimzellen [s147]); eine japanische Arbeit beschreibt eine Primärapoptose der Spermatogonien nach 2 Tagen und eine sekundäre der Spermatozyten nach 9 Tagen [s156]. 2-Brompropan gehört nicht zu den fünf Leitsubstanzen.
Lösungsmittel im Tierversuch. Koreanische Gruppen untersuchten die Wechselwirkung von Toluol und Xylol mit Ethylenglykolmonoethylether: Gleichzeitige Gabe von Toluol (250 mg/kg) und Xylol (500 mg/kg) verminderte die Hodenatrophie durch den Glykolether um 25 %, verschob die Zeit bis zur Höchstkonzentration der Ethoxyessigsäure von 3 auf 6 Stunden und senkte ihre Höchstkonzentration um 45 % [s168]; histologisch war die Tubulusdegeneration „dramatisch“ geringer, die Knochenmarkdepression aber nicht [s178]. Die Befunde zeigen, dass Mischexpositionen sich nicht additiv verhalten, was Beschäftigtenstudien mit Gemischen erschwert; sie betreffen hohe Gavage-Dosen und enthalten keine Schutzaussage für Menschen. Flusszytometrische Studien an der Ratte fanden nach Ethylenglykolmonoethylether bei 400 mg/kg weniger haploide und mehr diploide und tetraploide Hodenzellen, bei pubertären Tieren kaum Veränderungen [s155], und ab 200 mg/kg abschilfernde Keimzellen [s138]. Eine Rattenstudie der Inje-Universität (je 5 Tiere pro Gruppe, subkutan 0 bis 400 mg/kg über 6 Tage) fand dosisabhängig sinkende GnRH- und GnRH-Rezeptor-mRNA unter Toluol und Xylol und schloss auf einen sekundären Weg über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse [s179]. Genexpressionsstudien fanden in Rattenhoden nach Styrol fünf induzierte Gene und ein unterdrücktes (Clusterin) [s98]; Zellversuche mit Leydig-Zellen zeigten Zelltod durch Styrol-7,8-oxid, nicht durch Styrol selbst [s18]; für Methylcyclohexan (Bestandteil von Klebstoffen und Verdünnern) sahen die Autoren nur wenig Einfluss auf das Fortpflanzungssystem [s82].
Humanstudien und Übersichten. Eine Querschnittsstudie der Inje-Universität (Schuh- und Fischereiindustrie, 33 männliche und 85 weibliche Kontrollen) fand bei lösungsmittelexponierten Männern signifikant niedrigere FSH-Spiegel; im abgerufenen Abstract fehlen Zahl der Exponierten, Hormonwerte und p-Werte, Spermadaten gibt es nicht [s189]. Eine Übersicht zu Reproduktionstoxika in koreanischen Arbeitsumgebungen nennt nach dem koreanischen Gesetz über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz als reproduktionstoxisch unter anderem 2-Brompropan (Kategorie 1A), 1-Brompropan, 2-Methoxyethanol, 2-Ethoxyethanol, 2-Ethoxyethylacetat, Dimethylformamid, n-Hexan und Formamid; die Zuordnung der Kategorien zu den Stoffen ist im extrahierten Text nicht eindeutig lesbar. Für Männer nennt sie als Stoffe mit relativ starker Evidenz Dibromchlorpropan, ionisierende Strahlung und Blei [s28]. Eine koreanische Übersicht zur Halbleiterproduktion fasst zusammen, dass Fabrikationstätigkeiten mit Spontanabort, Fehlbildungen und verminderter Fruchtbarkeit einhergingen und Chemikalien verdächtig seien, die Rolle einzelner Expositionen aber unklar sei [s61]. Kohorten, Fall-Kontroll-Studien mit klinischem Endpunkt oder Leitlinien zur Diagnostik fanden sich nicht.
Zugang. Zahlreiche koreanische Zeitschriften, etwa das Korean Journal of Occupational and Environmental Medicine, sind in KoreaMed erfasst; Suche und Datensatzseiten waren erreichbar, die Suche lieferte aber nach mehreren Anfragen keine Treffer mehr, vermutlich wegen Drosselung. Im Korea Citation Index (KCI) lieferte ein vermuteter Suchpfad HTTP 404, die dokumentierte Programmierschnittstelle wurde nicht geprüft; DBpia war nicht erreichbar. Zeitschriften, die nur in KCI oder DBpia liegen, fehlen daher.
Russisch
Kennzeichen des Raums. Die russischsprachige Literatur ist hygienisch-toxikologisch geprägt: Viele Arbeiten erscheinen in Hygiene- und Arbeitsmedizin-Zeitschriften (Gigiena i Sanitariia, Meditsina Truda i Promyshlennaia Ekologiia) und gehen von Grenzwertsetzung und Gonadotoxizitätsprüfung aus; die klinische Reproduktionsmedizin (Urologiia) tritt hinzu. Zugang: PubMed-Abstracts russischer Arbeiten enthalten meist keine Zahlen; für zehn Beiträge wurde der Volltext aus dem Portal CyberLeninka gelesen. eLIBRARY.ru war nicht nutzbar (Umleitung und Fehlerseite), OpenAlex lieferte HTTP 429. Der Sprachfilter für Russisch in Europe PMC lieferte in Kombination mit Stoff- beziehungsweise Berufsbegriffen 172 und 115 Treffer.
Humanstudien: nur Branchenstudien. Es gibt keine abrufbare lösungsmittelspezifische Studie mit Samenanalyse bei Beschäftigten. 40 Männer mit Kinderwunschproblem in vier Gruppen (Erdöl- und Erdgasindustrie, Radar- und Rundfunkanlagen, Kreative, Arbeitslose) und fertile Kontrollen: Erdgas und Erdölbegleitgas führten nach den Autoren zu einem „scharfen Rückgang“ von Spermienkonzentration und Beweglichkeit; Gruppengrößen, Effektgrößen und p-Werte nennt der Abstract nicht [s51]. In Erdölfeldern im Norden Sibiriens (139 Männer; Bohrarbeiter und Verwaltungspersonal, jeweils mit und ohne Varikozele) waren Teratozoospermie und karyopathologische Anomalien bei Männern mit Varikozele signifikant häufiger; der Befund spricht eher für einen Beitrag der Varikozele als für einen Lösungsmitteleffekt, Zahlen nennt der Abstract nicht [s44].
In-vitro-Studien an menschlichem Ejakulat (Perm). Zwei Arbeiten derselben Einrichtung gaben Benzol (0,001 µg/ml) zu Ejakulat und inkubierten 72 Stunden bei 37 Grad C. Bei 50 Männern eines Erdölförderbetriebs mit Fertilitätsstörung waren die Membranmarker nach Benzol höher (CD95+ um 20 %, CD25+ um 10 %; p < 0,05), die intrazellulären Apoptosemarker nicht signifikant verändert; es gab keine Kontrollgruppe unexponierter Männer, und die Marker tragen die ungewöhnliche Bezeichnung „CD3+CD95+“ [s17]. Bei 27 gesunden Männern ohne Berufsexposition waren dagegen p53 (17,54 gegenüber 10,57 %; p = 0,026), Caspase-3 (5,51 gegenüber 4,03 ng/ml; p = 0,023) und der späte Zelltod (Annexin V+/PI+ 55,64 gegenüber 39,00 %; p = 0,026) nach Benzol erniedrigt, CD95+ unverändert [s24]. Beide Arbeiten stammen aus derselben Gruppe mit derselben Konzentration, widersprechen sich teilweise; es fehlt die unabhängige Replikation. Sie sind mechanistische Hinweise, kein Wirkungsnachweis für Beschäftigte.
Tierversuche: Orenburg und Lugansk. Die Orenburger Gruppe (Bokov) gab Mäusen 90 Tage ein Gemisch aus Kaliumdichromat (20 mg/kg) und Benzol (0,6 ml/kg) im Trinkwasser. Die Studie mit vier Gruppen zu je 30 Tieren ist die einzige, die Benzol allein vom Chrom und vom Gemisch trennt: Der Anteil gewundener Samenkanälchen ohne Zerstörung des Keimepithels betrug 94,4 ± 0,6 % in der Kontrolle (n = 1532), 25,8 ± 1,7 % unter Chrom, 7,4 ± 0,9 % unter Benzol und 1,4 ± 0,6 % unter dem Gemisch (jeweils p < 0,001). Die Schlussfolgerung der Autoren, die Spermatogenese werde irreversibel unterdrückt, ist aus dem Design nicht abgedeckt, da es keine Erholungsphase gab [s64]. Weitere Arbeiten derselben Serie zeigen im Chrom-Benzol-Gemisch eine Zerstörung des Keimepithels mit Nekrose der Keimzellen und fehlenden reifen Spermien im Nebenhodenkanal [s57] und Zeichen verminderter Syntheseaktivität der Leydig-Zellen [s65, s56]; im Methodenteil von [s65] ist die Chromdosis als „20 g/kg“ statt 20 mg/kg angegeben, vermutlich ein Druckfehler. Die Serie ist keine unabhängige Bestätigung, die Dosis hoch und die Gabe oral. Voloshina untersuchte in einer Serie von drei Arbeiten (die erste in Lugansk, Volltext ukrainisch) Toluol bei Ratten (500 mg/m³ über 60 Tage, 5 Stunden täglich): Bei unreifen Tieren (60 Tiere, je 6 pro Gruppe und Zeitpunkt) waren Hoden- und Nebenhodengewichte um 8 bis 12 % vermindert, am Tag 60 nicht mehr signifikant [s77]; bei geschlechtsreifen Ratten lag das Hodengewicht 5 bis 10 % unter der Kontrolle [s40]; die Histomorphometrie zeigte mäßige Veränderungen, auch der akzessorischen Drüsen, bei meist erhaltener Spermatogenese [s41]. Die Befunde sind explorativ: sechs Tiere pro Zeitpunkt, viele Einzeltests ohne Korrektur, keine Spermienparameter.
Übersichten und das Sowjetische Erbe. Die ausführlichste russische Zusammenfassung zu Lösungsmitteln ist die Übersicht von Fesenko und Mitarbeitern (Suche in eLIBRARY, MEDLINE, PubMed, Scopus, 2000 bis 2023); sie ist die einzige Quelle der Recherche, die Glykolether nennt, und gibt Sekundärangaben aus nicht abgerufenen Primärstudien wieder, unter anderem eine kanadische Studie (Odds Ratio 2,5; 1,4 bis 4,4) [s10]. Eine zweite Übersicht über 160 Publikationen nennt in ihrem Fließtext Lösungsmittel nur an zwei Stellen und verweist für Chrom und Benzol auf die Gruppen aus Perm und Orenburg [s09]. Kürzere Übersichten betreffen Spätfolgen von Lösungsmitteln (gonadotrope, embryotrope, mutagene und gerontogene Wirkungen) aus dem Jahr 1997, die die sowjetisch-russische Tradition der Gonadotoxizitätsprüfung dokumentieren [s182], Umweltfaktoren und männliche Unfruchtbarkeit in Industriestädten [s102] und Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit [s50]; die beiden letzten nennen weder Stoffe noch Zahlen. Das ältere sowjetische Schrifttum zu Benzin, Benzol und aromatischen Verbindungen ist in PubMed als Titel mit englischer Übersetzung erfasst, aber meist ohne Abstract; über die Ergebnisse dieser Arbeiten sagt diese Studie nichts. Die moderne Benzolarbeit zur Fertilität geht auf zwei regionale Gruppen zurück (Perm, Orenburg); unabhängige Replikationen fehlen.
Arabisch
Umfang und Sprache. Der arabische Raum ist hier geografisch gefasst (Ägypten, Tunesien, Marokko, Libanon, Jemen). Fast alle Arbeiten sind auf Englisch erschienen; arabischsprachig ist nur eine Quelle. Neun Quellen sind dem Raum zugeordnet. Die arabischsprachigen Datenbanken waren nicht erreichbar: Arab World Research Source und die Algerische Wissenschaftliche Zeitschriftenplattform (ASJP) lieferten keine Verbindung, Mandumah leitete ohne abrufbaren Inhalt weiter. Der Sprachfilter für Arabisch in Europe PMC (nur mit Spermien-, Hoden- und Infertilitätsbegriffen) ergab 1 Treffer. Das spricht dafür, dass arabische Zeitschriften in PubMed praktisch nur auf Englisch indexiert sind. Eine arabischsprachige Primärarbeit konnte über Crossref gefunden werden.
Humane Studien: Fragebögen, keine Messung. Keine Studie misst Lösungsmittel im Arbeitsraum oder im Körper; alle beruhen auf Fragebogen. Aus Mansoura (Ägypten) stammt eine Fall-Kontroll-Studie mit 255 infertilen Männern und 267 fertilen Kontrollen (2008 bis 2009): Nach Adjustierung erhöhten Lösungsmittel und Anstrichmaterialien das Risiko für männliche Infertilität (Odds Ratio 3,88; 95-%-Konfidenzintervall 1,50 bis 10,03), ebenso Blei (5,43; 1,28 bis 23,13), Bildschirmarbeit (8,01; 4,03 bis 15,87), Schichtarbeit (3,60) und Arbeitsstress. Eine Samenanalyse gab es nur bei den Infertilen; die Kategorie fasst unterschiedliche Stoffe zusammen, das Intervall ist weit, und die höhere Odds Ratio für Bildschirmarbeit kann auf Residualkonfundierung hindeuten (eine Vermutung der Recherche, die die Studie nicht prüft) [s85]. Eine zweite Fall-Kontroll-Studie in Mansoura (105 Fälle, 135 Kontrollen) betrifft väterliche Berufsexposition und muskuloskelettale Fehlbildungen beim Kind: väterliche Lösungsmittelexposition bei 22 von 105 Fällen (20,9 %) und 6 von 135 Kontrollen (4,4 %), multivariable Odds Ratio 5,69 (2,88 bis 11,52); Lösungsmittel waren als Kleber, Klebstoffe, Politur, Verdünner oder Terpentin definiert. Zielgröße ist die Fehlbildung, nicht ein Spermienparameter [s55]. In Kairo zeigte eine Fallserie mit 27 infertilen Malern niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit bei mindestens 15 Jahren Expositionsdauer und eine negative Korrelation zum Blutblei; gemessen wurde nur Blei, ohne Kontrollgruppe sagt sie über Lösungsmittel nichts [s68].
Tunesien, Marokko, Libanon. Die größte Studie des Raums, eine Querschnittsstudie aus Sfax (Tunesien) mit 2122 Männern in der Kinderwunschabklärung, fand für Pestizide ein höheres Risiko für Asthenozoospermie (adjustierte Odds Ratio 1,6; 1,0 bis 2,4) und Nekrozoospermie (2,6; 1,4 bis 4,7), aber keinen Zusammenhang zwischen Samenqualität und Exposition gegenüber Lösungsmitteln, Hitze oder mechanischen Vibrationen; Zahlen zu Lösungsmitteln nennt der Abstract nicht [s39]. Das widerspricht dem ägyptischen Ergebnis [s85]; mögliche Gründe sind unterschiedliche Expositionsdefinition, unterschiedliche Zielgrößen und die Auswahl. Eine beschreibende Kohorte aus Oujda (Ostmarokko) mit 3025 Männern (mittleres Alter 40 Jahre, primäre Infertilität bei 88,97 %) nennt Berufsexposition als häufigsten Risikofaktor; Spermiogrammabweichungen bei 78,71 %; eine Auswertung nach Lösungsmitteln enthält sie nicht, im Volltext werden Maler als Berufsgruppe mit möglicher toxischer Wirkung erwähnt [s07]. Eine narrative Übersicht aus Beirut (63 Studien, 2012 bis Juni 2024, 37 zu männlichen Faktoren) nennt Hitze, Bisphenol A und Luftstaub; Benzol, Toluol, Xylol, Styrol und Glykolether sind in der Zusammenfassung nicht genannt, im Volltext erscheint Benzol nur als Hexachlorbenzol, ein Pestizid. Das ist ein indirekter Hinweis, dass im Raum östliches Mittelmeer zwischen 2012 und 2024 keine lösungsmittelspezifischen Fruchtbarkeitsstudien eingeschlossen wurden [s04].
Tierversuche. Aus Ägypten stammen eine Studie zu Toluol bei der Ratte (650 mg/kg über 15, 30 oder 45 Tage; Hoden das am schwächsten betroffene Organ, Gehirn am stärksten) [s94] und eine Studie am Nilbuntbarsch, in der die kombinierte Belastung mit Hitzestress und Benzol (6,1 mg/L) beziehungsweise Toluol (5,9 mg/L) stärkere Hodenschäden mit Degeneration der Samenkanälchen verursachte als die Einzelbelastungen; das Modell ist ein Wasserorganismus und nur ein Beleg mit Hodenzielgrößen [s01]. Aus Tunesien stammt die einzige Styrolstudie der Recherche: 600 mg/kg intraperitoneal über 10 Tage senkten bei Ratten Testosteron, Zahl und Beweglichkeit der Nebenhodenspermien und erhöhten LH und FSH; es wurde nur eine Dosis geprüft [s106]. Aus dem Jemen stammt die einzige arabischsprachige Primärstudie, zum Kraftstoffzusatz Methyl-tert-butylether (kein Leitstoff): Bei 120 männlichen Mäusen in vier Gruppen sanken Hoden- und Körpergewicht, Spermienzahl und Testosteron dosisabhängig, LH stieg; die Einheit „ppm“ bei Schlundsonde ist ungewöhnlich und im Abstract nicht erläutert [s31].
Leitlinien und Register. Weder eine Leitlinie noch ein Register zum Thema wurde im arabischen Raum gefunden. Die ägyptischen Berufsstudien setzen auf Maler und Blei, nicht auf Lösungsmittelmessung. Glykolether und Xylol sind im arabischen Raum durch keine Primärstudie vertreten.
Türkisch
Eigene Literatur: experimentell. Die türkische Forschung zum Thema ist vor allem tierexperimentell, mit Schwerpunkt auf Toluol und Farbverdünnern; sie stammt aus Arbeitsgruppen in Elazığ, Edirne und Afyon (Physiologie, Histologie, Veterinärmedizin). Sieben Quellen tragen das Kennzeichen Türkisch, nur eine ist türkischsprachig. Als möglicher Hintergrund (eine Vermutung der Recherche) kommt der in TR Dizin vielfach dokumentierte Missbrauch von Verdünnern durch Inhalation in Betracht; die Elazığer Studie nennt als Motivation ausdrücklich berufliche Exposition und das Schnüffeln toluolhaltiger Lösungsmittel als Problem der öffentlichen Gesundheit [s115].
Tierversuche mit Verdünner und Toluol. Ratten atmeten Farbverdünner ein, dessen größter Bestandteil Toluol (66 %) war: Bei 1500 ppm über 2 Stunden täglich für 15 beziehungsweise 30 Tage sank das Serumtestosteron von 3,91 ± 1,03 (Kontrolle) auf 3,31 ± 0,61 (15 Tage) und 1,17 ± 0,54 ng/ml (30 Tage; p < 0,02) und stieg nach 15 Tagen Erholung wieder auf 3,77 ± 1,1 ng/ml; Hodengewicht und Tubulusdurchmesser waren vermindert; die Autoren schließen auf eine direkte, reversible Hemmung der Testosteronsynthese an den Leydig-Zellen. Der Verdünner ist ein Gemisch, die übrigen 34 % sind nicht beschrieben [s115]. Bei 3000 ppm im Verdünner waren LH und Testosteron nach 15 Tagen parallel erniedrigt (p < 0,001); nach 30 Tagen blieb LH erniedrigt, Testosteron nicht mehr; FSH blieb unverändert, was die Autoren als antigonadotrope Wirkung deuten [s154]. Bei 3000 ppm reinem Toluol (8 Stunden täglich, 6 Tage pro Woche, 12 Wochen, 10 Ratten pro Gruppe) waren Spermatogenese und Tubulusdurchmesser signifikant vermindert; die Schutzwirkung von Thymochinon ist ein tierexperimenteller Befund der Autoren [s81]. In einer Studie mit 40 Ratten in fünf Gruppen verminderte Thinner allein Spermienzahl, Beweglichkeit und Membranintegrität und erhöhte den Anteil abnormer Spermien; die Dosis des Thinners nennt der Abstract nicht [s78]. Für Benzol gibt es eine Rattenstudie mit oraler Gabe (1 ml/kg über 9 Tage beziehungsweise 1,5 ml/kg über 5 Tage, 18 Ratten): Verdünnung des Keimepithels, Vakuolen, Ablösung von Keimzellen und signifikant mehr TUNEL-positive Zellen; Johnsen-Scores und p-Werte nennt der Abstract nicht, eine orale Bolusgabe ist keine inhalative Exposition [s25].
Humane Daten und Übersicht. Eine türkische Studie an lösungsmittelexponierten Beschäftigten mit Samenanalyse wurde nicht gefunden. Die einzige türkische Humanstudie vergleicht 38 Mautstellenbeschäftigte an Autobahnen (Verkehrsabgase) mit 35 Büroangestellten: Bei den Exponierten war die Spermienzahl häufiger auffällig (p = 0,002), die Beweglichkeit häufiger vermindert (p = 0,003) und der Anteil normaler Formen niedriger (p = 0,001). Verkehrsabgase enthalten Kohlenwasserstoffe, der Abstract misst aber keinen einzelnen Stoff; die Studie ist daher kein Beleg für eine Lösungsmittelwirkung, sondern ein Hinweis auf Luftschadstoffe im Allgemeinen [s95]. Die türkischsprachige Übersicht „Calisma hayatinin erkek ureme sagligina etkisi“ (Der Einfluss des Arbeitslebens auf die männliche Reproduktionsgesundheit) aus der Hebammenwissenschaft stellt fest, dass Männer vor allem in Bereichen mit physikalischen und chemischen Faktoren tätig sind, die Wirkung des Arbeitslebens auf die männliche Reproduktion aber oft übersehen wird; stoffspezifische Zahlen enthält der abrufbare Abstract nicht [s42]. Zu Xylol wurde ein Titel aus der Türkei ohne Abstract nachgewiesen, dessen Ergebnisse hier nicht bewertet werden. Glykolether und Styrol sind durch keine türkische Primärstudie vertreten.
Zugang. TR Dizin war über seine JSON-Schnittstelle erreichbar und lieferte Abstracts in Türkisch und Englisch; die Suche lieferte zu Benzol, Toluol, Xylol und Styrol überwiegend Treffer aus Chemie, Bauwesen (Bitumen), Veterinärmedizin und Suchtforschung. DergiPark leitete auf eine Seite zur Suchverifizierung um, die nicht bedient und nicht umgangen wurde; Treffer aus DergiPark-Zeitschriften sind deshalb nur sichtbar, soweit sie über TR Dizin, Europe PMC oder Crossref erschienen. Der Europe-PMC-Sprachfilter für Türkisch lieferte in Kombination mit Stoffbegriffen 0 Treffer, was darauf hinweist, dass türkische Zeitschriften in PubMed praktisch nur auf Englisch indexiert sind. TR Dizin führt auch ausländische Arbeiten in türkischen Zeitschriften (Beispiel: die tunesische Studie in der Turkish Journal of Medical Sciences) [s39]. Eine türkische Leitlinie oder ein Register zum Thema wurde nicht gefunden. Iranische Arbeiten gehören sprachlich nicht dazu und sind in diesem Kapitel nicht ausgewertet.
Kapitel 05: Widersprüche, Limitationen, offene Fragen, praktische Einordnung, Glossar und Quellenverzeichnis
Dieses Kapitel fasst zusammen, wo die Befunde zu beruflichen Lösungsmitteln und männlicher Fruchtbarkeit einander widersprechen, wie belastbar die Evidenz insgesamt ist und was noch unbeantwortet bleibt. Es folgen eine praktische Einordnung ohne Therapieempfehlung und ohne Diagnoseersatz, ein Glossar und das vollständige Quellenverzeichnis. Zitiert wird mit den Kennungen [sNN], die im Quellenverzeichnis am Ende aufgelöst sind. Alle Zahlen stammen aus den Recherchebefunden und den dort ausgewerteten Zusammenfassungen (Abstracts) beziehungsweise Volltexten; wo eine Quelle keine Zahl nennt, steht das ausdrücklich da. Erklärungen für Widersprüche sind, sofern nicht anders vermerkt, Hypothesen: Keine der besprochenen Studien hat den jeweiligen Widerspruch selbst experimentell aufgelöst.