Berufliche Lösungsmittel und Industriechemikalien · Kapitel 8 von 19 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Benzol: Humanstudien zur Samenqualität bis Umweltbezogene Biomonitoring-Studien

Benzol: Humanstudien zur Samenqualität

Benzol verursacht nach den abgerufenen Zusammenfassungen Leukämie und andere Bluterkrankungen; Expositionsquellen sind Farb-, Kunststoff- und Erdölindustrie, Schuhherstellung, Spritzlackierung, Autoabgase und Tabakrauch. Für die Fruchtbarkeit liegen vor allem Studien an Spermien-Chromosomen vor, darunter eine Reihe chinesischsprachiger Arbeiten.

Katukam et al. 2012, Arzneimittelwirkstoffindustrie (Indien) [s75]. Blut- und Samenproben von 160 benzolexponierten Arbeitern und 200 Kontrollen; Benzol in Körperflüssigkeit mit Headspace-Chromatographie, Spermien-DNA mit Comet-Test. Makroskopische Samenparameter waren unverändert. Gesamtspermienzahl und Anteil beweglicher Spermien gingen dauerabhängig zurück (p < 0,05), abnorme Morphologie nahm dauerabhängig zu (p < 0,01), und die Kometenschweife der Exponierten waren signifikant länger (p < 0,01). Gruppeneinteilung, Expositionshöhen und Störgrößen (Rauchen, Alter) nennt die Zusammenfassung nicht [s75].

Wang et al. 2000, gemischtes Benzol in niedriger Konzentration (China) [s166]. 126 exponierte und 60 nicht exponierte Beschäftigte einer petrochemischen und einer Chemiefaserfirma; Samenanalysen bei 70 Exponierten, 90 internen und 132 externen Kontrollen. Benzol in der Luft 0,7 bis 27,0 mg/m³; Harn-trans,trans-Muconsäure korrelierte mit der Luftkonzentration (r = 0,64; P = 0,03). Progressive Beweglichkeit und Beweglichkeit lagen bei Exponierten bei 1,97 ± 0,63 und 0,55 ± 0,16, bei internen Kontrollen bei 1,97 ± 0,69 und 0,55 ± 0,17, bei externen bei 2,56 ± 0,61 und 0,60 ± 0,13 (P < 0,05 gegenüber den Exponierten und internen Kontrollen). Die Rate abnormer Spermien insgesamt betrug 85,71 % bei Exponierten, 70,00 % bei internen und 76,51 % bei externen Kontrollen (P < 0,05); die Zusammenfassung ist hier in sich widersprüchlich. Sehr frühe Fehlgeburten (Beta-hCG im Urin): 10,42 % und 9,60 % bei Exponierten und internen Kontrollen gegenüber 5,09 % bei externen Kontrollen (P < 0,05). Auch die internen Kontrollen derselben Fabrik unterschieden sich von den externen; das spricht für Betriebsfaktoren oder unscharfe Expositionsgrenzen, sodass der Effekt nicht allein dem Benzol zugeschrieben werden kann [s166].

Xiao et al. 1999 und 2001, Benzol, Toluol und Xylol (Ningbo) [s177, s153]. Je 24 verheiratete Arbeiter (Schuhherstellung, Spritzlackierung, Farbherstellung) gegenüber Kontrollen; Benzol, Toluol und Xylol fanden sich bei einzelnen Exponierten in Blut und Sperma, wenn die Luftkonzentration den Höchstwert überschritt, bei Kontrollen nicht. In der früheren Arbeit war der Anteil von Samen mit Verflüssigungszeit über 30 Minuten erhöht; die Verflüssigungszeit korrelierte positiv mit Toluol im Samen, Vitalität, Beweglichkeit und Akrosin-Aktivität negativ mit der Beschäftigungsdauer [s177]. In der Arbeit von 2001 waren Spermienvitalität und -beweglichkeit, Akrosin-Aktivität, gamma-GT-Aktivität und relative LDH-C4-Aktivität niedriger und Fruktose höher [s153]. Beide Arbeiten stammen offenbar aus demselben Probandenkollektiv und sind keine unabhängige Bestätigung; die Zusammenfassungen nennen keine Zahlenwerte.

Ducci et al. 2001, trans,trans-Muconsäure im Samenplasma (Italien) [s144]. Querschnitt an 32 beruflich nicht exponierten Männern: Samen-Muconsäure bei Normozoospermie 170 ± 100 ng/ml, bei Teratozoospermie 310 ± 180 (P < 0,01), bei Oligozoospermie 400 ± 180 (P < 0,001), bei Oligoasthenozoospermie 430 ± 230 ng/ml (P < 0,01). Negative Korrelation mit Spermienkonzentration (r = −0,62; P < 0,001), Anteil normaler Spermien (r = −0,41; P < 0,05) und Anteil vitaler Spermien (r = −0,89; P < 0,001). Raucher 350 ± 160 gegenüber Nichtrauchern 280 ± 210 ng/ml. Der Befund ist eine Korrelation in einer kleinen Stichprobe [s144].

Strücker et al. 1994, väterliche Benzol-Exposition und Spontanabort [s192]. Befragung der Ehefrauen von 823 Männern in zwei Chemiebetrieben; 1739 Schwangerschaften, davon 1270 nicht exponiert und 274 exponiert (Stufen unter 5 ppm und ab 5 ppm). Adjustierte OR für Spontanabort bei väterlicher Exposition gegenüber etwa 5 ppm: 1,1 (0,7 bis 1,8); die Autoren sehen kein erhöhtes Risiko [s192].

Wen et al. 2007, Berufskrankheiten (China) [s104]. 174 Patienten (48 Benzolvergiftung, 71 Silikose, 55 Gasvergiftung) und 80 gesunde Kontrollen. Spermienanomalien: 62 ± 14 % bei Benzolvergiftung, 41 ± 7 % bei Silikose, 48 ± 8 % bei Gasvergiftung, 27 ± 5 % bei Kontrollen; bei Benzolvergiftung waren die Anomalien signifikant höher als in den anderen Patientengruppen, und es wurden Neumutationen in Spermien nachgewiesen. Chromosomenaberrationsraten 0,4 % (Benzol), 0,51 % (Silikose), 0,42 % (Gas) und 0,20 % (Kontrollen). Es handelt sich um Patienten mit manifester Erkrankung; die Zahl der Männer mit Samenprobe geht aus der Zusammenfassung nicht hervor [s104].

Wang et al. 2001, Petrochemie und Rauchen [s152]. Querschnitt mit 68 Petrochemie-Arbeitern (23 Nichtraucher, 45 Raucher) und 130 Männern ohne Exposition (49 Nichtraucher, 81 Raucher). Nichtrauchende Arbeiter hatten eine niedrigere Vorwärtsbeweglichkeit (P < 0,05) als Kontrollen, rauchende Arbeiter signifikant schlechtere Samenqualität (Dichte, Gesamtzahl, Vorwärtsbeweglichkeit; P < 0,01); die Autoren schließen, die Petrochemie-Exposition könne die schädliche Wirkung des Rauchens verstärken. Einzelne Stoffe nennt die Zusammenfassung nicht [s152].

Wang et al. 2003, infertile Maler, Spermienhals unter dem Elektronenmikroskop (China) [s136]. Acht infertile Maler (21 bis 32 Jahre); die Anomalien des Verbindungsstücks ließen sich in sechs Typen einteilen. Eine Kontrollgruppe und eine Expositionsmessung fehlen; ein Zusammenhang mit Lösungsmitteln wird nur durch den Beruf nahegelegt [s136].

Benzol: Spermien-Chromosomen und Spermien-DNA

Xing et al. 2010, China Benzene and Sperm Study (Aneuploidie) [s90]. Querschnitt mit Mehrfarben-FISH an 33 benzolexponierten und 33 nicht exponierten Männern aus chinesischen Fabriken (Chromosomen X, Y, 21). Benzol in der Luft: nicht nachweisbar bis 24 ppm (Median 2,9 ppm); 27 % (n = 9) der Exponierten höchstens 1 ppm. Die Exponierten wurden nach Harn-trans,trans-Muconsäure in zwei Gruppen eingeteilt (Mediane 1,9 und 14,4 mg/l; Median Luftbenzol 1 und 7,7 ppm). Inzidenzratenverhältnisse (IRR) gegenüber Nichtexponierten: Disomie X 2,0 (1,1 bis 3,4) bei niedriger und 2,8 (1,5 bis 4,9) bei hoher Exposition; Hyperhaploidie insgesamt 1,6 (1,0 bis 2,4) und 2,3 (1,5 bis 3,6). Bei den neun Männern mit höchstens 1 ppm: Disomie X 1,8 (1,1 bis 3,0), Hyperhaploidie 2,0 (1,1 bis 3,9). Stärken: personenbezogene Luftmessung plus Biomarker, Dosisabstufung. Schwächen: nur 33 Männer je Gruppe, neun Männer in der Niedrigstgruppe, Aneuploidie ist ein Surrogat und kein Nachweis verminderter Fruchtbarkeit [s90].

Marchetti et al. 2012, strukturelle Aberrationen (Tianjin) [s76]. Spermien-FISH für Duplikationen oder Deletionen von 1cen und 1p36.3 sowie Brüche in 1cen–1q12 bei 30 benzolexponierten und 11 nicht exponierten Arbeitern. Einteilung nach Harnbenzol (Mediane 2,9, 11,0 und 110,6 µg/l; Mediane Luftbenzol 1,2, 3,7 und 8,4 ppm). Adjustierte IRR für alle strukturellen Aberrationen: 1,42 (1,10 bis 1,83), 1,44 (1,12 bis 1,85) und 1,75 (1,36 bis 2,24) bei niedriger, mäßiger und hoher Exposition; für die Deletion 1p36.3 allein 4,31 (1,18 bis 15,78), 6,02 (1,69 bis 21,39) und 7,88 (2,21 bis 28,05); Chromosomenbrüche waren in der Hochexpositionsgruppe erhöht (IRR 1,49; 1,10 bis 2,02). Die Autoren äußern Bedenken für Fruchtbarkeit, Fehlgeburten und Erbschäden bei Kindern. Die Kontrollgruppe ist mit 11 Männern klein, was die breiten Intervalle erklärt; ob höhere Aberrationsraten zu geringerer Zeugungsfähigkeit führen, wurde nicht gemessen [s76].

Ji et al. 2012, Lymphozyten und Spermien [s74]. Dieselbe Population (33 Exponierte, 33 Nichtexponierte). In Lymphozyten war Benzol mit Zugewinn von Chromosom 21 verbunden, nicht aber der Geschlechtschromosomen; in Spermien mit Zugewinn der Geschlechtschromosomen, nicht von 21. Bei Nichtexponierten korrelierte der Zugewinn von Geschlechtschromosomen zwischen Lymphozyten und Spermien, bei Exponierten nicht [s74].

Chinesischsprachige FISH-Serie (2000 bis 2005) [s162, s148, s128, s126, s120]. Fünf Veröffentlichungen mit englischen Zusammenfassungen, 12 bis 16 Personen pro Gruppe; überlappende Kollektive sind möglich, aber nicht belegt. Ein sechster Indexeintrag der Quellenliste (Zelman et al. 1979 [s223]) ist nach Abruf des Datensatzes eine Dialysatorstudie ohne Bezug zum Thema und wird nicht verwendet. Liu et al. 2000 (X/Y-Sonden; 13 Exponierte, 13 Kontrollen; Luftbenzol im geometrischen Mittel 83,95 mg/m³): Disomie X 0,15 ± 0,05 % gegenüber 0,10 ± 0,04 %, Y 0,13 ± 0,05 % gegenüber 0,10 ± 0,04 %, XY 0,20 ± 0,11 % gegenüber 0,13 ± 0,06 %; signifikant waren X-Disomie und Gesamt-Disomie (0,48 % gegenüber 0,33 %) [s162]. Li et al. 2001 (Chromosomen 9 und 18; 14 Exponierte, 16 Kontrollen; 86,49 mg/m³): Disomie 9 0,168 ± 0,063 % gegenüber 0,050 ± 0,030 %, Disomie 18 0,055 ± 0,031 % gegenüber 0,033 ± 0,025 %, Diploidie 0,073 ± 0,045 % gegenüber 0,040 ± 0,036 %, Gesamtrate numerischer Aberrationen 0,570 ± 0,144 % gegenüber 0,218 ± 0,071 % [s148]. Liu et al. 2003 (Chromosomen 1 und 18; 15 Exponierte, 14 Kontrollen; 42,29 mg/m³ gegenüber dem nationalen Höchstwert von 6 mg/m³): Disomie 1 0,088 ± 0,041 % gegenüber 0,045 ± 0,024 %, Disomie 18 0,087 ± 0,049 % gegenüber 0,035 ± 0,028 %; terminale Duplikation und Deletion von 1p 0,16 ± 0,037 % und 0,14 ± 0,053 % gegenüber 0,082 ± 0,023 % und 0,069 ± 0,028 %; die Diploidie unterschied sich nicht [s128]. Zhao et al. 2004 (Chromosomen 7 und 8; 15 Exponierte mit 155.721 untersuchten Spermienkernen, 12 Kontrollen mit 123.771; 42,29 mg/m³): Diploidie und Disomie 7 und 8 bei Exponierten 0,129 %, 0,170 % und 0,078 % gegenüber 0,055 %, 0,053 % und 0,033 %; Gesamtrate numerischer Aberrationen 0,745 % gegenüber 0,289 % [s126]. Song et al. 2005 (Comet-Test; 27 Exponierte, 35 Kontrollen; Luftbenzol 86,49 ± 2,83 mg/m³): Kopf-DNA 70,18 ± 7,36 % (n = 13) gegenüber 90,62 ± 2,94 % (n = 16), P < 0,001; die Zusammenfassung gibt den nationalen Höchstwert mit „40 mg/cm³“ an, vermutlich ein Einheitenfehler [s120]. Die Serie weist gleichgerichtet auf erhöhte Aneuploidie bei Luftkonzentrationen weit über dem Grenzwert hin; Einschränkungen sind die sehr kleinen Gruppen, fehlende Konfidenzintervalle und fehlende Angaben zu Rauchen und Alter.

Benzol: In-vitro- und Tierstudien

Mandani et al. 2013, Benzolmetaboliten an menschlichen Spermien [s71]. Phenol-Hydrochinon senkte signifikant Beweglichkeit und Vitalität menschlicher Spermien und denaturierte die Kern-DNA; Katechol hatte nur unbedeutende Effekte auf Beweglichkeit und Vitalität, denaturierte aber ebenfalls die DNA. Zahlen nennt die Zusammenfassung nicht [s71].

Singh und Bansode 2011 [s83]. Ratten, 0,5 oder 1 ml/kg Benzol oral über 14 beziehungsweise 9 Tage (6 Tiere pro Gruppe): kein signifikanter Unterschied bei Hoden-, Nebenhoden- und Prostatagewicht, aber verringertes Bläschendrüsengewicht (p < 0,005); bei 1 ml/kg Körpergewichtsabfall und 100 % Mortalität am Tag 10. Histologisch Riesenzellen, Vakuolen, Kernpyknose und Keimzellablösung; signifikante Abnahme (p < 0,001) von A-Spermatogonien (nur 1 ml/kg), primären Spermatozyten und Spermatiden. Die allgemeine Toxizität erschwert die Abgrenzung einer spezifischen Hodenwirkung [s83].

Han et al. 2023 und 2022 (Mäuse) [s14, s19]. C57BL/6J-Mäuse, 0, 10 und 50 ppm Benzol (6 Stunden täglich, 6 Tage pro Woche, 7 Wochen): Hodenschäden, verminderte Samenqualität und niedrigeres Testosteron; die globale m6A-Methylierung sank, 1469 differenzielle m6A-Gipfel wurden gefunden, hypermethyliertes Rara und seine verminderte Expression beeinträchtigten die Spermienbildung; Melatonin milderte die Hodenschäden [s14]. In einer weiteren Studie führten 150 mg/kg Benzol über vier Wochen zu geringerem Hodenkoeffizienten, auffälligen Samenparametern und Vakuolen, mit Aktivierung von Keap1/Nrf2 und NF-κB, Apoptose und Entzündung; in GC-2-Zellen führte 1,4-Benzochinon zu ROS-Bildung und Apoptose; Shikonin milderte die Schäden [s19]. Beide Arbeiten sind Mechanismusstudien mit Schutzstoffen; sie enthalten keine Aussage für eine Behandlung beim Menschen.

Kaya Tektemur et al. 2021 (Türkei) [s25]. 18 männliche Wistar-Ratten in drei Gruppen: Kontrolle, Benzol 1 ml/kg über 9 Tage, Benzol 1,5 ml/kg über 5 Tage, per Magensonde. Verdünnung des Keimepithels, zytoplasmatische Vakuolen, Ablösung von Keimzellen, degenerative Veränderungen der Spermatogonien und eine signifikant erhöhte Zahl TUNEL-positiver apoptotischer Zellen; Johnsen-Scores und p-Werte nennt die Zusammenfassung nicht [s25].

Bokov et al., Orenburger Mausserie (Russland) [s64, s57, s65, s56]. Männliche Mäuse (CBA × C57Bl6) F1 erhielten 90 Tage Kaliumdichromat (20 mg/kg), Benzol (0,6 ml/kg) oder ein Gemisch mit dem Trinkwasser. Bokov, Abdildanova und Shevlyuk 2013 [s64] trennen Benzol allein von Chrom und vom Gemisch (je 30 Mäuse): Der Anteil gewundener Samenkanälchen ohne Zerstörung des Keimepithels betrug 94,4 ± 0,6 % in der Kontrolle (n = 1532 ausgewertete Kanälchen), 25,8 ± 1,7 % unter Chrom, 7,4 ± 0,9 % unter Benzol und 1,4 ± 0,6 % unter dem Gemisch (jeweils p < 0,001). Relative Interstitiumfläche 5,9 ± 0,2 % (Kontrolle), 18,2 ± 0,5 % (Chrom), 5,7 ± 0,3 % (Benzol), 4,1 ± 0,2 % (Gemisch); funktionell aktive Leydig-Zellen 46,0 ± 1,2, 43,9 ± 1,0, 38,6 ± 1,5 (Benzol, signifikant) und 39,2 ± 1,6 (Gemisch, signifikant; Einheit nicht genannt). Unter Benzol fanden sich Nekrose von Keimzellen (stellenweise bis zu zwei Dritteln der Epithelhöhe), mehrkernige Spermatozyten und frühe Spermatiden und veränderte Spermatogonienmitosen [s64]. Bokov und Topuriya 2014 [s57]: Beim Gemisch war das Keimepithel über die gesamte Länge der gewundenen Kanälchen zerstört, der Spermatogeneseindex sank auf weniger als ein Achtel, nur etwa 1 % der Anschnitte zeigte ein unzerstörtes Epithel, die Epithelhöhe nahm um nahezu 70 % ab, im Nebenhodenkanal fehlten reife Spermien. Bokov et al. 2013 zur Leydig-Zell-Zytometrie [s65] (Kontrolle n = 10, Versuch n = 15): relative Interstitiumfläche 5,9 ± 0,2 % gegenüber 4,1 ± 0,2 %, Leydig-Zellen pro Flächeneinheit 36,9 ± 1,7 gegenüber 29,1 ± 2,5, Kerndurchmesser 5,2 ± 0,07 gegenüber 4,6 ± 0,09 µm; die Dosisangabe des Dichromats („20 g/kg“) ist vermutlich ein Druckfehler. Bokov et al. 2014 [s56] bestätigen qualitativ eine Unterdrückung von Keim- und endokriner Funktion, ohne Zahlen. Die Arbeiten sind eine Serie derselben Gruppe und keine unabhängige Bestätigung. Die Autoren sprechen von „irreversibler“ Unterdrückung; das ist aus dem Design nicht abgedeckt, da es keine Erholungsphase gab. Die Dosis ist hoch, und die Gabe im Trinkwasser ist keine Inhalationsexposition.

Alikina und Dolgikh 2022 sowie Dolgikh et al. 2021, Benzol-Zusatz zu menschlichem Ejakulat in vitro (Perm) [s17, s24]. Ejakulat von 50 Männern (26 bis 49 Jahre) mit Fertilitätsstörung aus einem Erdölförderbetrieb [s17] beziehungsweise von 27 gesunden Männern ohne Berufskontakt [s24]; Inkubation 72 Stunden bei 37 Grad C mit Benzol 0,001 µg/ml gegenüber ohne Benzol. In der Fertilitätsstörungs-Gruppe (induziert gegen spontan gegen Referenz) lagen CD3+CD95+ bei 24,421 ± 3,454 % gegen 20,250 ± 2,864 % gegen 19,28 ± 0,59 %, CD3+CD25+ bei 28,513 ± 4,032 % gegen 26,993 ± 3,817 %, p53 bei 12,697 ± 1,796 % gegen 14,297 ± 2,022 %, Annexin V+/7-AAD− bei 45,576 ± 6,445 % gegen 54,839 ± 7,755 %; die Autoren berichten keine signifikanten Abweichungen der intrazellulären Marker, aber um 20 % (CD95+) und 10 % (CD25+) höhere Membranmarker nach Benzol (p < 0,05) [s17]. Bei den gesunden Männern waren p53 (17,54 ± 2,81 % gegen 10,57 ± 1,90 %; p = 0,026), Caspase-3 (5,51 ± 0,87 gegen 4,03 ± 0,80 ng/ml; p = 0,023) und Annexin V+/PI+ (55,64 ± 6,28 % gegen 39,00 ± 6,19 %; p = 0,026) nach Benzol erniedrigt, CD95+ (14,33 gegen 15,60 %; p = 0,532) und Bax unverändert [s24]. Beide Arbeiten stammen aus derselben Gruppe, haben dieselbe Konzentration und widersprechen sich in der Richtung; es gibt keine Kontrollgruppe nicht exponierter Männer, keine WHO-Samenparameter, und die Bezeichnung „CD3+“ für Spermatozoen ist ungewöhnlich und im Text nicht erläutert. Sie liefern mechanistische Hinweise, aber keinen Wirkungsnachweis für Beschäftigte.

AboElkhair et al. 2026 (Nil-Tilapia) [s01]. Sechs Gruppen (Kontrolle 29 ± 1 Grad C, Hitzestress 34 ± 1 Grad C, Benzol 6,1 mg/L und Toluol 5,9 mg/L jeweils bei 29 und 34 Grad C, zwei Wochen). Die kombinierte Belastung führte zu stärkerer Abnahme von Lysozym, IgM, FSH, LH und Testosteron, stärkerer Zunahme von IL-1 beta und IL-6, schweren Milzläsionen und schweren Hodenschäden mit Degeneration der Samenkanälchen und vollständiger Atrophie der Spermienzellen. Ein Wasserorganismus ist auf den Menschen kaum übertragbar [s01].

Toluol und Xylol: Humanstudien

Toluol ist Hauptbestandteil vieler Verdünner und Lacklösemittel und wird zudem als Schnüffelstoff missbraucht. Humane Daten zur männlichen Fruchtbarkeit sind spärlich und stammen überwiegend aus Mischexpositionen. Eine dedizierte Humanstudie zur Fruchtbarkeit von Männern mit reiner Toluol- oder Xylol-Exposition wurde nicht gefunden.

Plenge-Bönig und Karmaus 1999, Druckindustrie [s174]. Querschnittsbefragung von 150 männlichen und 90 weiblichen Beschäftigten (modifizierter Fragebogen der Europäischen Studie zu Infertilität und Subfekundität), Fekundabilitätsverhältnis (FR) mit Überlebenszeitanalyse und Kontrolle von Alter, Herkunft, Rauchen, Parität, Beckenentzündungen und Koitusfrequenz. Männer berichteten 256 Perioden, von denen 169 analysiert werden konnten. Bei männlichen Beschäftigten mit unterschiedlicher Toluolbelastung zeigte sich keine Verminderung der Fekundität; bei Frauen (39 Perioden während der Exposition) war sie vermindert (FR 0,47; 0,29 bis 0,77; bei Beschränkung auf die erste Periode FR 0,48; 0,24 bis 0,97). Für Männer nennt die Zusammenfassung keine Zahlen [s174].

De Celis et al. 2000, Kohlenwasserstoffe in der Gummiindustrie (Mexiko-Stadt) [s157]. 48 exponierte (2 bis 24 Jahre) und 42 nicht exponierte Arbeiter; Dauermessungen der Luft: Ethylbenzol 220,7 bis 234 mg/m³, Benzol 31,9 bis 47,8 mg/m³, Toluol 189,7 bis 212,5 mg/m³, Xylol 47 bis 56,4 mg/m³. Der Anteil der Männer mit normalem Ejakulat betrug bei Nichtexponierten 76 %, bei Exponierten 17 %; verändert waren Viskosität, Verflüssigung, Spermienzahl, Beweglichkeit und der Anteil normaler Formen, einige Auffälligkeiten korrelierten mit der Expositionsdauer [s157]. Die Luftkonzentrationen sind hoch; die SMD der Konzentration in der Metaanalyse beträgt −0,98 (−1,42 bis −0,54) [s35].

Lemasters et al. 1999, Flugzeugwartung [s171]. Prospektive Studie an 50 Wartungsmännern einer US-Luftwaffenbasis und 8 Unexponierten, Messungen vor der ersten Exposition und nach 15 und 30 Wochen. Die Expositionen waren niedrig (alle Mittelwerte unter 6 ppm, unter 10 % des US-Grenzwerts außer bei Benzol); Blechschlosser hatten die höchsten Atemluftwerte (Lösungsmittel insgesamt 24 ppb, Treibstoffe 28,3 ppb). Die meisten Spermienmaße blieben im Normbereich; in der Lackiererei sank die Beweglichkeit nach 30 Wochen signifikant um 19,5 %. Die innere Belastung zeigte keinen signifikanten Zusammenhang mit den spermatogenetischen Veränderungen [s171]. Stärke: prospektives Design mit Eigenkontrolle; Schwäche: nur 8 Kontrollmänner.

Güven et al. 2008, Mautstellenpersonal (Türkei) [s95]. 38 Beschäftigte an Autobahnen (Verkehrsabgase) gegen 35 Büroangestellte. In der exponierten Gruppe hatten acht Männer eine verminderte Beweglichkeit und sieben eine niedrige Spermienzahl, ein weiterer beides; bei den Büroangestellten zwei Männer einen leichten Beweglichkeitsdefekt und einer eine niedrige Zahl. Die Unterschiede bei Spermienzahl (p = 0,002) und Beweglichkeit (p = 0,003) waren signifikant, der Anteil normaler Formen war niedriger (p = 0,001). Verkehrsabgase enthalten Kohlenwasserstoffe, die Zusammenfassung benennt aber keinen einzelnen Stoff und keine Expositionshöhe; die Studie ist kein Beleg für eine Lösungsmittelwirkung [s95].

Nikolaev und Loginov 2015 sowie Ilyinskikh et al. 2016 (Russland, Erdöl- und Erdgasbranche) [s51, s44]. Nikolaev: 40 Männer mit Kinderlosigkeit nach zwei bis drei Ehejahren, vier Belastungsgruppen (Erdöl-/Erdgasindustrie, Radar- und Rundfunkanlagen, Kreative, Arbeitslose); Erdgas und Erdölbegleitgas waren nach den Autoren am stärksten schädlich, mit „scharfem Rückgang“ von Konzentration und Beweglichkeit; Gruppengrößen, Effektgrößen und p-Werte fehlen in der Zusammenfassung, die Exposition ist nicht lösungsmittelspezifisch [s51]. Ilyinskikh: 139 Männer auf Erdölfeldern in Sibirien in einem 2×2-Design (Bohrarbeiter oder Verwaltungspersonal, jeweils mit oder ohne Varikozele); Teratozoospermie und karyopathologische Anomalien waren bei Männern mit Varikozele signifikant häufiger, bei Bohrarbeitern mit Varikozele stärker als bei Verwaltungspersonal mit Varikozele; Zahlen fehlen [s44]. Der Befund spricht eher für einen Beitrag der Varikozele als für einen Lösungsmitteleffekt.

Weitere Hinweise zu Toluol: hohe oder häufige väterliche Toluolexposition war in der finnischen Kohorte mit Spontanabort verbunden [s208]; Hruska et al. nennen Toluol im Druckgewerbe unter den Expositionen mit verminderter Fekundität [s159]; Lindbohm hält fest, die Evidenz sei für Toluol am überzeugendsten, beziehe sich aber auf mütterliche Exposition, bei väterlicher seien die Belege begrenzt und uneinheitlich [s190].

Xylol: Aus der Humanliteratur gibt es Xylol nur in Gemischen [s153, s177, s157, s171]. Eine Arbeit mit Xylol im Titel (Omoja et al. 2016) berichtet in der Zusammenfassung ausschließlich über Amitraz und ist für Xylol nicht verwertbar [s45]. Ein türkischer Titel zu Xylol- und Formaldehyd-Inhalation und Hodengewebe (Güleş und Eren 2010) wurde ohne Zusammenfassung nachgewiesen und wird nicht bewertet.

Toluol und Xylol: Tierversuche

Ono et al. 1999, Nebenhodenspermien [s173]. Sprague-Dawley-Ratten, 0, 4000 oder 6000 ppm, 2 Stunden täglich über 5 Wochen. Bei 6000 ppm waren Nebenhodenspermienzahl, Beweglichkeit, Spermienqualität und das In-vitro-Eindringvermögen in zonafreie Hamstereizellen signifikant vermindert, Hodengewicht und Spermatogenese im Hoden blieben unverändert; in Eizellen fanden sich Spermienköpfe ohne Flagellum; LH, FSH und Testosteron waren nach einem Monat unverändert. Die Autoren schließen auf eine direkte Wirkung auf Nebenhodenspermien. Die Dosis entspricht Missbrauchsbedingungen und liegt weit über beruflichen Konzentrationen [s173].

Ono et al. 1996, Fruchtbarkeitsstudie [s186]. Ratten, Inhalation 600 und 2000 ppm, 6 Stunden täglich; Männchen insgesamt 90 Tage (60 Tage vor Verpaarung). Bei 2000 ppm: erhöhtes Nierengewicht, vermindertes Thymus- und Nebenhodengewicht und verminderte Spermienzahl, bei Weibchen mehr tote Feten; Paarungsverhalten und Fruchtbarkeit blieben unauffällig [s186].

Dalgaard et al. 2001, Entwicklungstoxizität [s143]. Trächtige Wistar-Ratten, 1200 ppm vom Gestationstag 7 bis zum Tag 18 nach der Geburt beziehungsweise 1800 ppm bis Gestationstag 20. Die Samenqualität der erwachsenen männlichen Nachkommen (Tag 110) war nicht beeinflusst; die Hodengewichte waren in allen drei Altersgruppen ohne statistische Signifikanz vermindert; Histologie unauffällig. Im Kleinhirn stieg die Zahl apoptotischer Körnerzellen von 37 auf 71 [s143].

Nakai et al. 2003, oxidative DNA-Schäden [s131]. Ratten, 50 oder 500 mg/kg subkutan über 10 Tage: verminderte Nebenhodenspermienzahl und Serumtestosteron; 8-oxodG im Hoden erhöht (anders als bei Diethylstilbestrol, das über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse wirkte; die mRNA des GnRH-Rezeptors in der Hypophyse sank nur unter Diethylstilbestrol). Methylhydrochinon und Methylcatechole induzierten oxidative DNA-Schäden in vitro [s131].

Tokunaga et al. 2003, Ishigami et al. 2005, El-Nabi und Shehata 2008 [s135, s117, s94]. Bei 1500 ppm (4 Stunden täglich über 7 Tage) zeigte sich im Hoden keine Zunahme der Menge an 8-OH-dG, aber stärkere Immunoreaktivität in Spermatogonien [s135]. Bei 1500 ppm über 20 Tage blieb die Spermatogenese erhalten, bei vermindertem Körpergewicht und leicht verstärkten Apoptosesignalen; HSP70 und c-Fos waren nicht nachweisbar [s117]. Bei 650 mg/kg über 15, 30 oder 45 Tage war der Hoden das am wenigsten betroffene Organ (Gehirn am stärksten) [s94].

Kanter 2011 [s81]. Ratten, 3000 ppm Toluol (8 Stunden täglich, 6 Tage pro Woche, 12 Wochen), 30 Tiere in drei Gruppen: Spermatogenese und mittlerer Tubulusdurchmesser waren signifikant vermindert; die Gruppe mit dem Schutzstoff Thymochinon zeigte ein besseres histologisches Bild, geringere TUNEL-, eNOS- und iNOS-Aktivität und höhere PCNA-Expression. Es ist ein Tierbefund zu einer Prüfsubstanz, keine Grundlage für Aussagen zu Menschen [s81].

Yilmaz et al. 2006 und 2001, Farbverdünner (Türkei) [s115, s154]. Ratten atmeten Verdünner ein, dessen größter Bestandteil Toluol (66 %) war, mit 1500 ppm Toluol, 2 Stunden täglich über 15 oder 30 Tage, eine weitere Gruppe erholte sich nach 30 Tagen 15 Tage. Serum-Testosteron: Kontrolle 3,91 ± 1,03 ng/ml, 15 Tage 3,31 ± 0,61, 30 Tage 1,17 ± 0,54 (p < 0,02), nach 15 Tagen Erholung 3,77 ± 1,1 (p < 0,05 gegenüber der exponierten Gruppe). Die Testosteronfärbung der Leydig-Zellen war nach 15 Tagen mäßig, nach 30 Tagen schwach und nach der Erholung wieder stark; Hodengewicht und Tubulusdurchmesser waren in allen Gruppen vermindert (p < 0,01). Die Autoren schließen auf eine direkte, reversible Hemmung der Testosteronsynthese [s115]. Mit 3000 ppm im Verdünner waren nach 15 Tagen LH und Testosteron parallel signifikant erniedrigt (p < 0,001); nach 30 Tagen blieb LH erniedrigt, Testosteron aber nicht mehr signifikant verändert, FSH blieb unverändert; die Autoren deuten dies als antigonadotrope Wirkung [s154]. Gruppengrößen fehlen in beiden Zusammenfassungen, und der Verdünner ist ein Gemisch, dessen übrige 34 % nicht beschrieben sind.

Yeni et al. 2012 (Türkei) [s78]. 40 Sprague-Dawley-Ratten in fünf Gruppen zu je 8. Thinner allein verminderte Körpergewicht, einige Gewichte der Fortpflanzungsorgane, Spermienzahl, Beweglichkeit und Unversehrtheit der Spermienmembran und erhöhte den Anteil abnormer Spermien; gleichzeitige Gabe von alpha-Liponsäure verbesserte die Spermienparameter signifikant. Zusammensetzung, Dosis und Applikationsweg des Thinners nennt die Zusammenfassung nicht [s78].

Yamada 1993 [s197]. Zweimal täglich 7 Tage Dampfinhalation: Verdünner, Ethylacetat und Xylol senkten Hoden- und Nebengeschlechtsdrüsengewichte und Testosteron; Xylol und Ethylacetat senkten außerdem die Nebenhodenspermien; Toluol und Methanol hatten keinen Effekt [s197].

Kim et al. 1998 (Korea) [s179]. Ratten erhielten subkutan 0, 50, 100, 200 oder 400 mg/kg/Tag Toluol, Xylol oder Trichlorethylen über 6 Tage (je 5 Tiere). GnRH-, GnRH-Rezeptor- und Pit-1-mRNA in Hypothalamus und Hypophyse sanken unter Toluol und Xylol dosisabhängig; bei Toluol 400 mg/kg waren Prolaktin und Testosteron, bei Xylol 100, 200 und 400 mg/kg das LH signifikant niedriger (p < 0,05). Die Autoren schließen auf eine sekundäre Wirkung über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse [s179].

Washington et al. 1983, o-Xylol [s221]. Ratten, 0,5 und 1,5 ml/kg intraperitoneal; fünf Wochen später morphologisch abnorme Spermien (amorphe und bananenförmige Köpfe); bei Haltung bei 20 bis 24 °C kein signifikanter Anstieg, bei 24 bis 30 °C und 0,5 ml/kg signifikanter Anstieg; Prozentwerte nennt die Zusammenfassung nicht [s221].

Yelian und Dukelow 1992, in vitro [s199]. Toluol über 8,67 µg/ml minderte die Beweglichkeit von Mäusespermien, hemmte die Befruchtung und erhöhte die Degeneration früher Embryonen; die wirksamen Konzentrationen lagen etwa 780-fach über berichteten Gehalten in kommunalem Trinkwasser [s199].

Nylén et al. 1989 [s205]. Die gleichzeitige Gabe von Toluol oder Xylol schützte Ratten vor der Hodenatrophie durch n-Hexan (1000 ppm, 61 Tage); ohne den Schutz bestanden dauerhafte Schäden bis 14 Monate nach Ende der Exposition [s205].

Voloshina 2012 und 2017 (Russland, Ukraine) [s77, s40, s41]. Ratten, Toluol 500 mg/m³ inhalativ über 60 Tage (5 Tage pro Woche, 5 Stunden täglich), je 6 Tiere pro Gruppe und Untersuchungszeitpunkt (1, 7, 15, 30 und 60 Tage nach Expositionsende). Unreife Ratten [s77]: Das Endgewicht der Gruppe 1 betrug 139,57 g (84,59 % der Kontrolle; p = 0,036); das absolute Gewicht des rechten Hodens lag in Gruppe 2 bei 809,30 mg (11,07 % unter der Kontrolle; p = 0,025), das des linken Hodens am Tag 15 8,04 % unter der Kontrolle (p = 0,008) und am Tag 60 bei 96,78 % der Kontrolle (p = 0,656); der rechte Nebenhoden wog am Tag 7 11,72 % weniger (p = 0,035). Die Autoren schließen auf eine Abnahme von Masse und Größe von Hoden und Nebenhoden mit größter Differenz an den Tagen 1 und 7 nach Expositionsende; am Tag 60 sind die Unterschiede nicht mehr signifikant. Geschlechtsreife Ratten [s40]: Das Endgewicht der Toluolgruppe lag an Tag 1 14,1 % unter der Kontrolle (p = 0,003), das Gewicht des rechten Hodens in den Gruppen 1 und 4 10,32 % (p = 0,023) und 5,32 % (p = 0,035) unter der jeweiligen Kontrolle. Histomorphometrie [s41]: Am Tag 1 vereinzelt interstitielles Ödem, Auflockerung des Keimepithels und mäßige Vakuolisierung der Sertoli-Zellen, in den meisten Kanälchen blieb die Spermatogenese erhalten; die Epitheldicke des Samenleiters war an Tag 1 um 10,2 % niedriger, die Epithelhöhe der Prostata an den Tagen 1 und 7 um 18,3 % und 18,0 %, die des Samenbläschens an den Tagen 1, 7 und 15 um 16,5 %, 16,4 % und 16,2 %. Die Unterschiede sind klein, teils knapp signifikant und bei vielen t-Tests ohne Korrektur für Mehrfachvergleiche explorativ; Hodenmasse ist ein grober Parameter, der vom Gewichtsverlust der Tiere mitbestimmt wird.

Gemische, Kinderwunschpatienten und Berufsgruppenvergleiche

Cherry et al. 2001, Lösungsmittel und männliche Infertilität (Kanada) [s142]. Fall-Referenz-Studie; Berufe wurden über eine Job-Exposure-Matrix vier Expositionsgraden zugeordnet; Fälle hatten weniger als 12 × 10⁶/ml bewegliche Spermien. Hauptstudie: 656 Männer in Handarbeit in Montreal (1972 bis 1991); zweite Reihe: Männer in Handarbeit aus 10 weiteren Kliniken (1984 bis 1987). Adjustierte Odds Ratios in Montreal: 2,07 (1,24 bis 3,44) bei mäßiger und 3,83 (1,37 bis 10,65) bei hoher Exposition; zweite Reihe: hohe Exposition 2,90 (1,01 bis 8,34), mäßige 1,01 (0,53 bis 1,92). Stärke: Replikation in einer zweiten Reihe; Schwäche: Zuordnung nur über die Berufsbezeichnung ohne Messung [s142]. Die russische Übersicht zitiert aus einer kanadischen Studie eine OR von 2,5 (1,4 bis 4,4), die aus der Sekundärangabe stammt und hier nicht geprüft wurde [s10].

Tielemans et al. 1999 (Niederlande) [s176]. Fall-Kontroll-Studie mit 899 männlichen Partnern aus zwei Universitätskliniken (Utrecht, Rotterdam), drei Fallgruppen nach unterschiedlichen Grenzwerten der Samenparameter; Expositionserfassung über Fragebögen, Job-Exposure-Matrix und Metaboliten im Urin. Ein Zusammenhang zwischen aromatischen Lösungsmitteln und verminderter Samenqualität zeigte sich unabhängig von der Erfassungsmethode und war bei strengeren Grenzwerten und bei primär infertilen Männern stärker; Effektzahlen nennt die Zusammenfassung nicht [s176].

Kurinczuk und Clarke 2001, Lederarbeit (England) [s146]. Fall-Kontroll-Studie mit 1906 interviewten Männern (88,5 % Teilnahme). Männer aus infertilen Paaren waren 1,10-mal (0,46 bis 2,63) häufiger Lederarbeiter und 1,73-mal (1,26 bis 2,38; p < 0,001) häufiger in Arbeit mit Lösungsmitteln als fertile Kontrollen. Arbeit mit Lösungsmitteln erhöhte das Risiko für Oligo-, Terato- oder Asthenozoospermie nicht, wohl aber die Wahrscheinlichkeit, mit Infertilität vorzustellen, nicht vermittelt über Standard-Samenparameter [s146].

Kenkel et al. 2001 (Münster) [s145]. Retrospektive Analyse von 2054 infertilen Männern in 29 Berufsgruppen gegenüber der Gesamtbevölkerung des Bezirks: Landwirte und Maler/Lackierer hatten häufiger reduzierte Spermienzahlen (OR 2,13; 1,18 bis 3,88 und 2,17; 1,02 bis 4,65), Metallarbeiter und Schweißer häufiger reduzierte Beweglichkeit (OR 5,99; 1,38 bis 26,00) [s145]. Der Vergleich erfolgte innerhalb einer klinischen Population ohne Expositionsmessung.

Oliva et al. 2001 (Argentinien) [s150]. 225 Partner aus Paaren der ersten Infertilitätsberatung; in der multivariablen Regression waren Pestizide und Lösungsmittel signifikant mit Spermiengrenzwerten deutlich unter der Fruchtbarkeitsgrenze verbunden, Lösungsmittelexponierte hatten niedrigere LH-Werte; die Effekte waren bei primärer Infertilität stärker. Effektzahlen nennt die Zusammenfassung nicht [s150].

Wong et al. 2003 (Niederlande) [s137]. Fall-Kontroll-Studie an 92 fertilen und 73 subfertilen Männern; Risikofaktoren für Oligozoospermie waren Pestizide (OR 8,4; 1,3 bis 52,1) und Schweißen (2,8; 0,9 bis 8,7); keine Assoziation mit Farbe oder Hitze; kleine Gruppen, sehr weite Intervalle [s137].

Petrelli et al. 2001 (Italien, italienisch mit englischer Zusammenfassung) [s151]. Zeit bis zur Schwangerschaft bei 153 Arbeitern einer Münzprägeanstalt (Metalle und Lösungsmittel), 322 Landarbeitern mit Pestizidlizenz und 127 Gewächshausarbeitern. Leichte Verzögerung bei Metallen (OR 1,3; 0,5 bis 3,6), Lösungsmitteln (OR 1,7; 0,6 bis 4,6) und bei stark exponierten Gewächshausarbeitern mit Pestiziden (OR 2,4; 1,2 bis 5,1); die Intervalle der Lösungsmittelgruppe schließen die 1 deutlich ein [s151].

Meyer et al. 2022, Study for Future Families (USA) [s20]. Niedrigere Spermienkonzentration und Beweglichkeit in Installations-, Wartungs- und Reparaturberufen; Prävalenzverhältnis für höhere Exposition in diesen Berufen: Blei 4,1, Pestizide 1,6, Lösungsmittel 1,4; Arbeit mit Blei über mehr als 3 Monate war mit niedrigerer Spermienkonzentration verbunden [s20]. Konfidenzintervalle für Lösungsmittel nennt die Zusammenfassung nicht.

Madhan Kumar et al. 2026, Textilarbeiter [s02]. 60 teratozoosperme Männer mit beruflicher Exposition gegenüber Lösungsmitteln und Schwermetallen und 30 normozoosperme Kontrollen: ROS 32,0 ± 9,0 gegenüber 15,0 ± 5,0, Malondialdehyd 4,8 ± 1,1 gegenüber 2,1 ± 0,6 nmol/ml, akrosomintakte Spermien 38,3 ± 9,2 % gegenüber 62,4 ± 10,1 %; erhöhte Cadmium-, Blei- und Chromgehalte. Die Fälle wurden über das Ergebnis ausgewählt, einzelne Lösungsmittel wurden nicht gemessen; Lösungsmittel- und Metallwirkung sind nicht trennbar [s02].

Kleinere Querschnitts- und Fallstudien. Eskenazi et al. 1991 (Perchlorethylen, Reinigungsarbeiter, 34 gegenüber 48 Wäschereiarbeitern) fanden dosisabhängig häufiger runde und seltener schmale Spermien [s200]; Rasmussen et al. 1988 (Trichlorethylen, 15 Metallarbeiter) fanden keinen Unterschied in Zahl und Morphologie der Spermien, aber Chromosomenaberrationen in Lymphozyten [s209]; beide betreffen nicht die fünf Leitsubstanzen. Hosni et al. 2013 (27 infertile Maler in Kairo, ohne Kontrollgruppe) fanden bei einer Expositionsdauer von mindestens 15 Jahren signifikant niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit; gemessen wurde nur Blei im Blut, keine Lösungsmittel [s68]. Wang et al. 2003 (Maler, Elektronenmikroskopie) siehe oben [s136]. Rochdi et al. 2025 (3025 Männer in Marokko) nennen Berufsexposition als häufigsten dokumentierten Risikofaktor und erwähnen im Volltext die Maler, werten aber nicht nach Lösungsmitteln aus [s07]. Yilmaz et al. 2017 (türkische Übersicht zu Berufsrisiken, Zusammenfassung ohne stoffspezifische Zahlen) [s42]. Sanotskii 1997 [s182] und Potemina et al. 2007 [s102] (russische Übersichten ohne Stoffnamen und Daten in den Zusammenfassungen) halten fest, dass einzelne Lösungsmittel gonadotrop wirken können und dass epidemiologische Untersuchungen den Zusammenhang mit wirksamen Konzentrationen bisher unvollständig abdecken.

Zeit bis zur Schwangerschaft, Hormone und Schwangerschaftsausgang

Sallmén et al. 1998 (Finnland) [s180]. Retrospektive Studie an biologisch überwachten lösungsmittelexponierten Männern; 316 Ehefrauen beteiligten sich (72,1 %), 282 Paare ohne Verhütung zu Beginn der Schwangerschaft gingen in die Auswertung. Adjustierte Fekundabilitäts-Dichteverhältnisse: 0,80 (0,57 bis 1,11) bei hoher oder häufiger und 0,74 (0,51 bis 1,06) bei niedriger oder mittlerer Exposition. Bei Erstschwangerschaften 0,36 (0,19 bis 0,66) und 0,53 (0,27 bis 1,04), bei Paaren mit früherer Schwangerschaft 0,96 (0,62 bis 1,49) und 0,77 (0,47 bis 1,24). Die Autoren sehen begrenzte Hinweise auf eine verminderte Fruchtbarkeit [s180].

Luderer et al. 2004, Maler (USA) [s124]. Retrospektive Kohorte und Querschnitt an Malern und Maschinenschlossern mit Zimmerleuten als Referenz. FSH stieg mit steigenden Expositionsindizes für alle Lösungsmittel und für chlorierte Lösungsmittel signifikant an; LH und Testosteron zeigten keine signifikanten Zusammenhänge; die Zeit bis zur Schwangerschaft war nicht signifikant länger. Manche Schwangerschaften lagen über 20 Jahre zurück (Erinnerungsfehler) [s124].

Hooiveld et al. 2006, Maler (Niederlande) [s111]. 398 Maler und 302 Zimmerleute (Fragebogen, 2001). Maler hatten ein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen bei Nachkommen (OR 6,2; 1,4 bis 27,9) mit positivem Expositions-Wirkungs-Trend (Toluol als Markersubstanz); Zeit bis zur Schwangerschaft, Spontanabort und Frühgeburt waren nicht erhöht. Kleine Fallzahlen, Selbstangaben [s111].

El-Helaly et al. 2010 (Ägypten) [s85]. Fall-Kontroll-Studie mit 255 infertilen Männern und 267 fertilen Kontrollen; Samenanalyse nur bei den infertilen Männern, weil die Kontrollen keine Probe abgeben wollten. Nach Adjustierung erhöhten Lösungsmittel und Anstrichmaterialien das Risiko (OR 3,88; 1,50 bis 10,03), ebenso Blei (5,43; 1,28 bis 23,13), Bildschirmgeräte (8,01; 4,03 bis 15,87), Schichtarbeit (3,60; 1,12 bis 11,57) und Arbeitsstress (3,11 und 3,76). Die Exposition beruht auf Selbstangabe, die Kategorie fasst unterschiedliche Stoffe zusammen, das Intervall ist weit; dass Bildschirmarbeit eine höhere OR als Lösungsmittel zeigt, mahnt zur Vorsicht bei einer rein kausalen Lesart [s85].

Daoud et al. 2017 (Tunesien) [s39]. Querschnitt mit 2122 Männern aus der Kinderwunschabklärung. Pestizide gingen mit höherem Risiko für Asthenozoospermie (adjustierte OR 1,6; 1,0 bis 2,4) und Nekrozoospermie (2,6; 1,4 bis 4,7) einher; zwischen Samenqualität und Exposition gegenüber Lösungsmitteln, Hitze oder Vibrationen bestand kein Zusammenhang; Zahlen zu Lösungsmitteln nennt die Zusammenfassung nicht [s39]. Der Nullbefund widerspricht dem ägyptischen Ergebnis; Gründe können unterschiedliche Expositionsdefinition und Zielgrößen sein.

Ali et al. 2014 (Ägypten) [s55]. Fall-Kontroll-Studie mit 105 Fällen muskuloskelettaler Fehlbildungen und 135 Kontrollkindern; väterliche Lösungsmittelexposition (Kleber, Politur, Verdünner, Terpentin) vor der Zeugung bei 22 von 105 Fällen (20,9 %) und 6 von 135 Kontrollen (4,4 %). Multivariable OR für Lösungsmittel 5,69 (2,88 bis 11,52), für Pestizide 3,40 (1,94 bis 5,88), Schweißrauch 2,80 (1,19 bis 7,28), Blei 2,99 (0,99 bis 8,64). Zielgröße ist die Fehlbildung des Kindes; Exposition und Zielgröße beruhen auf Selbstangaben, die Abgrenzung „Lösungsmittel“ ist weit [s55].

Umweltbezogene Biomonitoring-Studien

Perrone et al. 2022 und Longo et al. 2021 (Sacco-Tal und Land of Fires, Italien) [s21, s26]. Bei jungen Männern aus industriell belasteten Gebieten waren flüchtige organische Verbindungen (VOC) im Samen nachweisbar; beschrieben werden Veränderungen von Morphologie, Beweglichkeit, Zahl und Protamin-Histon-Verhältnis [s21] sowie ein VOC-Muster in Blut, Urin und Samen, das die Gebiete statistisch trennte und im Sacco-Tal mit schlechteren Spermiogrammen einherging [s26]. Zahlen nennt die Zusammenfassung nicht; es sind Korrelationen und vorläufige Hinweise.

Poli et al. 2020, Metaboliten von Benzol, Toluol und Styrol (Italien) [s29]. 86 Männer mit idiopathischer Infertilität und 46 Kontrollen mit unauffälligen Spermien; Metaboliten von Benzol, Toluol, 1,3-Butadien, 3-Monochlorpropandiol, Styrol und Naphthol in Samenplasma und Urin (LC-MS/MS). Die Biomarker-Konzentrationen waren bei Infertilen und Kontrollen ähnlich; im Samenplasma war die Korrelation zwischen Expositions- und Effektmarkern (oxidierte Nukleinsäureprodukte) stärker; als Mechanismus wird Glutathion-Erschöpfung mit oxidativem Stress genannt [s29]. Das ist ein wichtiger negativer Befund: Der Gehalt an diesen Metaboliten unterschied Infertile nicht von Kontrollen.

Feuerwehrleute [s27, s13]. Eine systematische Übersicht (34 Studien) zum Biomonitoring bei Feuerwehrleuten [s27] und eine Explorationsstudie (774 Fragebogenantworten, 23 Samenproben; Spermienparameter in mehreren Parametern unter den WHO-Referenzwerten; Fehlgeburten 22 % gegenüber 12 bis 15 % in der Allgemeinbevölkerung) [s13]. Lösungsmittel werden nicht einzeln ausgewertet, die Zahl der Samenproben ist sehr klein.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Glykolether bis Toluol und Xylol
  6. Mischexposition, Berufsgruppen und Kinderwunschpopulationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Vorbemerkung: Was für Studientypen es überhaupt gibt bis Styrol: Tierversuche und Zellversuche
  8. Benzol: Humanstudien zur Samenqualität bis Umweltbezogene Biomonitoring-Studien
  9. Verwandte Industriechemikalien (außerhalb der fünf Leitsubstanzen) bis Einordnung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Chinesisch
  13. Japanisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen s01–s104
  22. Quellen s105–s224
  23. Quellen s225–s225
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle