Berufliche Lösungsmittel und Industriechemikalien · Kapitel 12 von 19 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Englisch bis Chinesisch

Die Frage, ob berufliche Lösungsmittel und Industriechemikalien (Glykolether, Benzol, Toluol, Styrol, Xylol) die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen, wird nicht in allen Sprachen gleich intensiv bearbeitet. Dieses Kapitel ordnet die Literatur nach Sprach- und Forschungsräumen: Welche Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften gibt es dort, was ist regional besonders, wie gut sind die Datenbanken erreichbar, und wo fehlt eigene Literatur fast vollständig. Zitiert wird mit den Kennungen [sNN] des Quellenverzeichnisses; alle Zahlen stammen aus den Recherchebefunden beziehungsweise aus den dort ausgewerteten Zusammenfassungen (Abstracts) und Volltexten. Wo eine Quelle keine Zahl nennt, steht das ausdrücklich da. Eine Therapie- oder Handlungsempfehlung enthält das Kapitel nicht.

Drei Vorbemerkungen sind für das Lesen wichtig. Erstens ist „Sprachraum“ hier ein Ordnungsbegriff und kein Maß für die Herkunft der Daten: Eine französische Forschungsgruppe, die auf Englisch publiziert, erscheint in der englischsprachigen Weltliteratur, wird in diesem Kapitel aber auch unter Französisch genannt, wenn die Besonderheiten des Landes erklärt werden. Das Sprachkennzeichen in der Quellensammlung bezeichnet sowohl die Publikationssprache als auch den Herkunftsraum der Gruppe. Von den 225 Quellen der Synthese tragen 203 das Kennzeichen Englisch, 45 Chinesisch, 31 Japanisch, 16 Russisch, 16 Koreanisch, 11 Französisch, 7 Türkisch, 2 Italienisch und je eine Deutsch, Dänisch und Ukrainisch; neun gelten als dem arabischen Raum zugehörig, eine ist arabischsprachig. Portugiesisch und Spanisch tragen kein einziges Kennzeichen. Mehrfachnennungen sind möglich, die Zahlen addieren sich deshalb nicht zu 225.

Zweitens ist die Erreichbarkeit der Datenbanken entscheidend dafür, was überhaupt gefunden wurde. Die PubMed-Webseite war für die Recherche gesperrt und lieferte nur eine Platzhalterseite; Hauptzugang war die REST-Schnittstelle von Europe PMC, die auch die PubMed-Datensätze enthält, ergänzt durch die NCBI-E-utilities. Was nur in nationalen Portalen steht, die nicht erreichbar waren, fehlt in dieser Auswertung. Das gilt besonders für Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Koreanisch, Arabisch und Türkisch. Die Aussage „keine Studien gefunden“ bedeutet in diesem Kapitel deshalb immer nur „keine über die erreichbaren Wege auffindbaren“, nie „es gibt keine“.

Drittens beruhen fast alle Aussagen auf Zusammenfassungen. Volltexte wurden vollständig nur für die Metaanalyse von Ianos und Mitarbeitern [s35], für einige Arbeiten aus Ägypten, Marokko und dem Libanon [s55, s07, s04] und für die russischen Beiträge aus dem Portal CyberLeninka gelesen. Fehlende Angaben zu Störgrößen, Teilnahmequoten oder Expositionsmessung sind daher zunächst Lücken der abgerufenen Texte und kein Beleg für Mängel der Originalarbeiten.

Englisch

Umfang und Rolle. Nahezu alle Primärdaten zum Thema liegen auf Englisch vor, auch wenn sie aus Frankreich, Italien, Mexiko, Argentinien, Indien oder China stammen. Der englischsprachige Raum im engeren Sinn (Vereinigtes Königreich, Kanada, USA, Australien) liefert die größten Studien, die beiden Metaanalysen und die einzigen abgerufenen Leitlinien. Die Datenbankabdeckung ist hier am besten: Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren ohne Einschränkung erreichbar, die Leitlinienseiten der American Urological Association (AUA) lieferten ihren Text allerdings nur bei Aufruf mit Browser-Kennung (sonst HTTP 403), und die Suchseite der Cochrane Library lieferte nur ein JavaScript-Gerüst ohne Trefferliste.

Britische Multicenterstudie. Die umfangreichste Einzelstudie ist die Fall-Referenz-Studie von Cherry und Mitarbeitern in 14 Kinderwunschkliniken an 11 Zentren in Großbritannien (1999 bis 2002). Männer wurden nach 12 Monaten ungeschützten Verkehrs und ohne frühere Samenanalyse rekrutiert; Fälle waren Männer mit niedriger Konzentration beweglicher Spermien. Von 2118 beschäftigten Männern waren 874 (41,3 %) Fälle. Die unadjustierten Odds Ratios für mäßige und hohe Glykolether-Exposition gegenüber keiner lagen bei 1,70 (95-%-Konfidenzintervall 1,11 bis 2,61) und 2,54 (1,24 bis 5,21); nach Adjustierung für Hodenoperation, frühere Zeugung, Boxershorts, Alkohol und manuelle Arbeit sanken sie auf 1,46 (0,93 bis 2,28) und 2,25 (1,08 bis 4,69) [s93]. Bei der Folgeanalyse zur Spermienmorphologie (Morphologiedaten für 1861 von 2011 beschäftigten Männern; schlechte Morphologie bei 296, also 15,9 %) war schlechte Morphologie nach Adjustierung mit selbstberichteter Blei-Exposition verbunden (Odds Ratio 1,33; 1,00 bis 1,75), und für die kombinierte Falldefinition waren selbstberichtete Benutzung von Abbeizmittel (1,47; 1,07 bis 2,03) und Blei signifikant, Glykolether dagegen nicht [s58]. Eine ältere Analyse von Cherry und Mitarbeitern mit Berufszuordnung über eine Job-Exposure-Matrix fand in Montreal (656 Männer in Handarbeit, 1972 bis 1991) adjustierte Odds Ratios von 2,07 (1,24 bis 3,44) bei mäßiger und 3,83 (1,37 bis 10,65) bei hoher Lösungsmittelexposition; in einer zweiten Reihe aus zehn weiteren Kliniken lag die Odds Ratio bei hoher Exposition bei 2,90 (1,01 bis 8,34) und bei mäßiger bei 1,01 (0,53 bis 1,92) [s142]. Beides sind Kinderwunschklinik-Populationen, die Expositionszuordnung beruht auf Fragebogen beziehungsweise Berufsbezeichnung.

Weitere klinikbasierte Studien. Eine niederländische Fall-Kontroll-Studie mit 899 männlichen Partnern aus zwei Universitätskliniken (Utrecht, Rotterdam) fand einen Zusammenhang zwischen aromatischen Lösungsmitteln und verminderter Samenqualität, unabhängig von der Methode der Expositionserfassung, stärker bei strengeren Grenzwerten und bei primär infertilen Männern; die Zusammenfassung nennt keine Effektzahlen [s176]. Eine zweite niederländische Studie mit 92 fertilen und 73 subfertilen Männern fand für Oligozoospermie Pestizide (Odds Ratio 8,4; 1,3 bis 52,1) und Schweißen (2,8; 0,9 bis 8,7) als Risikofaktoren, aber keinen Zusammenhang mit Farbe [s137]. In Leicestershire und Kettering waren Männer aus infertilen Paaren 1,73-mal (1,26 bis 2,38) häufiger in Arbeit mit Lösungsmitteln beschäftigt als fertile Kontrollen, ohne dass sich Oligo-, Terato- oder Asthenozoospermie häufiger fanden [s146]. Das ist ein Beispiel dafür, dass Berufsgruppenzugehörigkeit und Standard-Samenparameter nicht dasselbe messen. Bei männlichen Malern in den Niederlanden fanden sich mehr angeborene Fehlbildungen bei Nachkommen (Odds Ratio 6,2; 1,4 bis 27,9; 398 Maler, 302 Zimmerleute), nicht aber verlängerte Zeit bis zur Schwangerschaft [s111].

Beschäftigtenstudien mit Messung. Aus den USA stammen die klassischen Arbeiten zu Glykolethern: 73 Werftmaler gegenüber 40 Kontrollen mit häufigerer Oligospermie und Azoospermie [s210], eine Folgeanalyse der Geburtenraten ohne Expositionseffekt, was die Autoren der geringeren Empfindlichkeit der Fragebogenmethode zuschreiben [s201], und eine Gießereistudie des National Institute for Occupational Safety and Health mit 2-Ethoxyethanol, in der die mittlere Spermienzahl pro Ejakulat bei 37 Exponierten 113 gegenüber 154 Millionen bei 39 Vergleichspersonen betrug (p = 0,05), bei nur 50 % beziehungsweise 26 % Teilnahme [s206]. Eine Studie an 50 Wartungsmännern einer Luftwaffenbasis mit Messungen vor Expositionsbeginn und nach 15 und 30 Wochen fand bei niedrigen Expositionen überwiegend normale Spermienmaße, in der Lackiererei jedoch eine um 19,5 % verminderte Beweglichkeit nach 30 Wochen; nur 8 Kontrollen standen zur Verfügung [s171]. Die Studie an Malern und Maschinenschlossern in den USA fand mit steigenden Lösungsmittelindizes höhere FSH-Werte, aber keine signifikant längere Zeit bis zur Schwangerschaft [s124]. In einer Kohorte nachweislich fertiler Männer (Study for Future Families) waren niedrigere Spermienkonzentration und Beweglichkeit in Installations-, Wartungs- und Reparaturberufen zu sehen; das Prävalenzverhältnis für Lösungsmittelexposition lag bei 1,4, deutlich unter dem für Blei (4,1) [s20].

Skandinavische und finnische Kohorten. Wichtig sind die europäischen Projekte der Aarhuser Arbeitsgruppe. Im Projekt ASCLEPIOS (Dänemark, Italien, Niederlande) sank bei 23 Beschäftigten der Kunststoffindustrie die Spermiendichte nach sechs Monaten Styrolexposition von 63,5 auf 46,0 Millionen/ml, bei 21 nicht exponierten Landwirten nicht [s170]; die retrospektive Befragung von 1560 Beschäftigten ergab bei 220 styrolexponierten und 382 nicht exponierten Vätern ein Fekundabilitätsverhältnis von 0,79 (0,59 bis 1,05) [s161]. Finnische Kohorten biologisch überwachter Arbeiter lieferten Hinweise auf väterliche Lösungsmittelexposition und Spontanabort (Toluol) [s208] sowie auf eine verminderte Fekundabilität (Fekundabilitäts-Dichteverhältnis 0,80; 0,57 bis 1,11 bei hoher oder häufiger Exposition; bei Erstschwangerschaften 0,36; 0,19 bis 0,66) [s180]. Ein Übersichtsbeitrag der finnischen Arbeitsmedizin hält die Evidenz zu väterlicher Lösungsmittelexposition für begrenzt und uneinheitlich [s190]. Eine tierexperimentelle Studie mit Toluol-Exposition während der Trächtigkeit fand keine signifikanten Wirkungen auf die Samenqualität der männlichen Nachkommen [s143].

Metaanalysen. Die erste Metaanalyse zu beruflicher Lösungsmittelexposition und Spermienparametern (sieben Studien, 272 exponierte und 247 nicht exponierte Männer) fand ein niedrigeres Ejakulatvolumen (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,35; −0,63 bis −0,07) und eine niedrigere Spermienkonzentration (−0,36; −0,64 bis −0,08); Morphologie, Vitalität und Beweglichkeit waren bei hoher Heterogenität (I² 81,6 % bis 93,3 %) nicht signifikant. Nur zwei der sieben Einzelstudien waren für die Konzentration einzeln signifikant (aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwefelkohlenstoff), und die Teilnahmequoten lagen in den vier Studien, die sie nennen, zwischen 26 % und 92 % [s35]. Eine ältere Metaanalyse zu väterlicher Lösungsmittelexposition und Schwangerschaftsausgang (14 verwertbare Studien) fand für Spontanabort eine Odds Ratio von 1,30 (0,81 bis 2,11), für schwere Fehlbildungen 1,47 (1,18 bis 1,83) und für Neuralrohrdefekte 1,86 (1,40 bis 2,46) [s118]. Die zweite Arbeit betrifft die Nachkommen, nicht die Zeugungsfähigkeit.

Übersichten und Leitlinien. Englischsprachige Übersichten urteilen vorsichtig. Jensen, Bonde und Joffe nennen einige Ethylenglykolether unter den Stoffen mit starker Evidenz für eine schädliche Wirkung [s112]; Bonde bezeichnet berufliche Gefahren als am besten dokumentierte Risikofaktoren und hebt für Benzol Chromosomenaberrationen in Spermien bei sehr niedriger Exposition hervor [s84, s66]; eine ältere Übersicht der Fachgruppe in Lódz sah nur wenige Studien mit gutem Design [s193]; eine Übersicht nennt Toluol im Druckgewerbe unter den Expositionen mit verminderter Fekundität [s159]. Systematische Übersichten zur Luftverschmutzung und zu nichtpersistenten Chemikalien sehen wenig Evidenz für eine Verbindung flüchtiger Lösungsmittel mit verminderter Fekundabilität [s16, s32]; eine systematische Übersicht zu Benzol, Toluol, Xylol, Polyzyklen und Formaldehyd (26 von 497 Artikeln, Teheran) bleibt qualitativ [s11]. Die Leitlinie der AUA und der American Society for Reproductive Medicine (ASRM) räumt in einer bedingten Empfehlung (Evidenzgrad C) ein, dass die Daten zu den meisten Umwelt- und Berufsfaktoren begrenzt sind; Glykolether, Benzol, Toluol, Styrol und Xylol werden im abgerufenen Text nicht als eigene Stoffe behandelt [s224]. Das Kapitel „Männliche Infertilität“ der Leitlinie der European Association of Urology (EAU) nennt Umweltgifte in der Anamnese, erwähnt Lösungsmittel aber im abgerufenen Text nicht [s225]. Weder Leitlinie ist stoffspezifisch; das ist ein Befund über die Leitlinien, nicht über die Stoffe.

Biomonitoring, Feuerwehr und Altlastgebiete. Eine australische Feuerwehrstudie (774 Fragebogenantworten, 23 Samenproben) fand Spermienparameter unter den Referenzwerten der Weltgesundheitsorganisation und 22 % Fehlgeburten gegenüber 12 bis 15 % in der Allgemeinbevölkerung, bei sehr kleiner Samenstichprobe und ohne stoffspezifische Auswertung [s13]; die zugehörige systematische Übersicht des Biomonitorings (34 Studien) wertet Lösungsmittel nicht einzeln aus [s27].

Regionale Besonderheiten. Auffällig ist die Dominanz der Kinderwunschklinik-Populationen: Die großen Fall-Referenz-Studien [s93, s58, s142, s176] schließen Männer ein, die ohnehin wegen ausbleibender Schwangerschaft vorstellig wurden. Das erleichtert die Rekrutierung, begrenzt aber die Aussage für unselektierte Beschäftigte. Zweitens sind Teilnahmequoten oft niedrig [s35, s206]. Drittens kommt ein erheblicher Teil der Tierdaten zu Glykolethern aus der englischsprachigen Toxikologie der 1980er Jahre, etwa die Arbeiten zu 2-Methoxyethanol und 2-Ethoxyethanol bei der Ratte [s219, s216, s215, s214, s211, s217, s213, s212, s203, s218, s204]. Sie zeigen übereinstimmend, dass nicht die Ausgangssubstanz, sondern die Alkoxyessigsäuren wirken und zuerst Spermatozyten in der Meiose geschädigt werden [s216, s214]. Die Dosen liegen weit über beruflichen Konzentrationen, und die Übertragbarkeit auf den Menschen ist ohne Expositionsangleichung nicht gesichert; Artunterschiede (Ratte gegenüber Meerschweinchen) mahnen zur Vorsicht [s191, s188].

Deutsch

Eigene Literatur: dünn. Im deutschsprachigen Raum wurde genau eine Primärarbeit in deutscher Sprache mit direktem Fertilitätsbezug gefunden: „Toxische Umweltschadstoffe und Fertilitätsstörungen. Lösungsmittel und Pestizide“ von Gerhard, Eckrich und Runnebaum aus der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, erschienen 1993 in Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Der Beitrag verbindet eine Literaturübersicht mit eigenen Ergebnissen; in der englischen Zusammenfassung heißt es, Lösungsmittel und Pestizide könnten Vergiftungen und Schwangerschaftskomplikationen verursachen (Abort, Totgeburt, intrauterine Wachstumsverzögerung), und Männer seien auf verschiedenen Ebenen der samenbildenden Organe betroffen (Oligospermie, Azoospermie). Die Zusammenfassung nennt keine Zahlen [s195]. Mehr lässt sich aus dem abgerufenen Text nicht sagen.

Deutsche Gruppen in englischsprachigen Zeitschriften. Der größere Teil der deutschen Beiträge erscheint, wie in der Medizin üblich, auf Englisch. Die wichtigste klinische Arbeit ist die retrospektive Analyse von 2054 infertilen Männern in 29 Berufsgruppen aus dem Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster, verglichen mit der Gesamtbevölkerung des Bezirks. Landwirte und Maler/Lackierer hatten häufiger reduzierte Spermienzahlen (Odds Ratio 2,13 beziehungsweise 2,17; 95-%-Konfidenzintervall 1,18 bis 3,88 beziehungsweise 1,02 bis 4,65), Metallarbeiter und Schweißer häufiger reduzierte Beweglichkeit (5,99; 1,38 bis 26,00). Stärke ist die große Fallzahl aus einer andrologischen Ambulanz; Schwäche ist der Vergleich ohne Expositionsmessung [s145]. Eine Querschnittsbefragung von 150 männlichen und 90 weiblichen Beschäftigten der Druckindustrie (Hamburg, NORDIG-Institut) fand für Toluol bei Männern keine verminderte Fekundität, bei Frauen dagegen schon (Fekundabilitätsverhältnis 0,47; 0,29 bis 0,77); bei Männern konnten nur 169 von 256 berichteten Perioden ausgewertet werden, und die Zusammenfassung nennt keine männlichen Zahlenwerte [s174]. Eine Göttinger Arbeit zu Styrol bei der Ratte (Inhalation von 0, 150, 500 und 1500 ppm, 6 Stunden an 5 Tagen) fand keine Unterdrückung von LH oder Testosteron und folgerte unter den Grenzen des Tiermodells, Styrol habe möglicherweise auch bei chronisch exponierten Männern keine Reproduktionstoxizität; sie widerspricht damit einer tunesischen Rattenstudie mit anderem Applikationsweg und anderer Dosis [s123, s106]. Aus der Schweiz liegt in den Befunden keine eigene Primärstudie vor, sondern nur eine erzählende Übersicht zu Umweltgiften und Spermienqualität, in der manche Studien keine signifikanten Zusammenhänge fanden [s08].

Register, Leitlinien, Fachzeitschriften. Ein bevölkerungsbezogenes Register, das Lösungsmittelexposition und Samenparameter verknüpft, wurde im deutschen Sprachraum nicht gefunden; die Recherche kann sein Fehlen allerdings nicht belegen. Eine Leitlinie des AWMF-Registers (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) zu beruflichen Lösungsmitteln und männlicher Fruchtbarkeit ist nicht belegt: Das Register lieferte beim Abruf nur das Gerüst einer JavaScript-Anwendung von rund 7 kB, weder Suche noch Programmierschnittstelle ergaben auswertbare Inhalte. Die Suche in Europe PMC mit deutschen Begriffen lieferte kaum einschlägige Treffer; die meisten Funde mit Sprachfilter „ger“ betrafen andere Themen wie Samenkonservierung, HIV oder Kongressbände.

Einordnung. Der deutschsprachige Raum trägt in den erreichbaren Datenbanken wenige eigene Daten bei. Möglicherweise liegt das weniger an fehlender Forschung als daran, dass sie auf Englisch publiziert wird; belegen lässt sich das aus den Befunden nicht. Festzuhalten ist: Die erreichbaren Datenbanken zeigen eine einzige deutschsprachige Arbeit, und deren Zusammenfassung enthält keine Zahlen.

Französisch

Eigene Debatte und eigene Literatur. Der französische Sprachraum hat zum Thema Glykolether eine eigene wissenschaftliche und politische Geschichte. Der Toxikologe Cicolella hat sie in mehreren erzählenden Übersichten dokumentiert. Die englische Fassung nennt eine Weltproduktion von rund 1 Million Tonnen, 19 jährlich in der EU hergestellte oder importierte Glykolether und erste Tierdaten aus den Jahren 1971 und 1979; die erste teilweise Regulierung in der EU erfolgte 1993, das erste Verbot in Frankreich 1999 und betraf nur Arzneimittel und Kosmetika [s108]. Die französische Fassung „Les risques reproductifs des éthers de glycol“ (Reproduktionsrisiken der Glykolether) beschreibt die E- und die P-Reihe, nennt Ethylenglykolmonomethylether als Referenzstoff und neun weitere von der EU als reproduktionstoxisch eingestufte Glykolether und folgert, epidemiologische Studien ab den 1980er Jahren bestätigten die Tierdaten (Fehlbildungen, Oligoazoospermie, Fehlgeburten, Hypofertilität); die P-Reihe habe mit Ausnahme der beta-Isomere keine spezifische Reproduktionstoxizität [s109]. Beide Übersichten stammen von einem Autor mit klarer regulatorischer Position (Plädoyer für die europäische Chemikalienverordnung REACH) und sind keine systematischen Reviews. Eine ältere Fassung, „Évaluation des risques pour la reproduction liés aux éthers de glycol“ (Bewertung der Reproduktionsrisiken durch Glykolether), 1997 in Santé Publique, weist darauf hin, der Mensch könne wegen langsamerer Ausscheidung toxischer Metaboliten empfindlicher sein als das Tier, und berufliche wie Verbraucherexpositionen überschritten die aus Tierdaten abgeleiteten Referenzwerte häufig [s181]. Ein Konferenzbeitrag von 1995, „Déclin de la spermatogenèse : l'hypothèse ‚éthers de glycol‘“ (Rückgang der Spermatogenese: die Glykolether-Hypothese), liegt im französischen Archiv HAL nur mit seiner Einleitung vor [s187].

Expertisen, Masterarbeiten, Wissenschaftsgeschichte. Das Sammelwerk der Inserm-Expertengruppe „Ethers de glycol – Nouvelles données toxicologiques“ (Glykolether – neue toxikologische Daten) aktualisiert die Expertise von 1999 und betont, dass die Regelwerke inzwischen eine systematische Prüfung von Genotoxizität und Wirkung auf Fortpflanzung und Entwicklung vor der Zulassung neuer Stoffe verlangen [s110]. Eine Masterarbeit zur Risikobewertung („Evaluation et prévention des risques liés à l'utilisation de produits contenant des éthers de glycol“, Bewertung und Verhütung der Risiken bei der Verwendung glykolether-haltiger Produkte) hält fest, das Risiko chronischer Toxizität beim Menschen beschränke sich auf ein Bündel von Verdachtsmomenten aus berufsepidemiologischen Studien [s119]. Ein politikwissenschaftlicher Aufsatz in Politix („Fausse alerte ? Le destin singulier des éthers de glycol dans l'univers de la santé professionnelle en France“, Falscher Alarm? Das besondere Schicksal der Glykolether in der Arbeitsmedizin in Frankreich) enthält keine Gesundheitsdaten und ist nur Hintergrund [s99].

Kohorten und Primärstudien mit französischer Beteiligung. Aus Rennes stammt die Querschnittsstudie an 109 Beschäftigten der Stadt Paris (2000 bis 2001) mit Samen-, Blut- und Urinproben und Biomonitoring über sechs Harnmetaboliten: Frühere Glykolether-Exposition war mit einem erhöhten Risiko für Spermienkonzentration, rasch progressive Beweglichkeit und normale Morphologie unterhalb der WHO-Referenzwerte verbunden, die aktuelle Exposition war niedrig und nicht mit Samenqualität oder Hormonen korreliert; die Zusammenfassung nennt keine Odds Ratios [s100]. Die Autoren folgern, die heute verwendeten Glykolether beeinträchtigten die Samenqualität vermutlich nicht, früher verbreitete könnten aber langfristige Wirkungen haben. Ebenfalls aus Rennes stammt eine geschachtelte Fall-Kontroll-Studie in zwei Mutter-Kind-Kohorten (5303 Schwangere): Hypospadie war mit dem höchsten Terzil der Methoxyessigsäure im Urin verbunden (Odds Ratio 4,5; 1,4 bis 23,4), bei nur 14 Fällen von Kryptorchismus und 15 von Hypospadie. Das betrifft die Entwicklung männlicher Nachkommen, nicht die Fruchtbarkeit Erwachsener [s37]. Eine Studie des Instituts INSERM U 170 in Villejuif befragte die Ehefrauen von 823 Männern in zwei Chemiebetrieben: Bei väterlicher Benzolexposition von etwa 5 ppm lag die adjustierte Odds Ratio für Spontanabort bei 1,1 (0,7 bis 1,8), also ohne erhöhtes Risiko [s192].

Berufsmedizin Marseille. Die Universität Aix-Marseille ist das französische Zentrum der Frage: Dort entstand die Metaanalyse zu Lösungsmitteln und Spermienparametern [s35], deren Vorläufer als Masterarbeit „Méta-analyse sur l'association entre exposition professionnelle aux solvants et paramètres du sperme“ (Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen beruflicher Lösungsmittelexposition und Spermienparametern) in HAL liegt [s34]. Aus Marseille kommt auch die Übersicht „Association entre anomalies spermatiques et environnement professionnel chez des hommes consultant pour infertilité de couple“ (Zusammenhang zwischen Spermienanomalien und Arbeitsumfeld bei Männern, die wegen Paarinfertilität konsultieren) im Journal de Gynécologie Obstétrique et Biologie de la Reproduction. Sie fasst 13 Fall-Kontroll-Studien (61 bis 2619 Teilnehmer, große methodische Heterogenität) zusammen: Erhöhte Risiken für veränderte Spermienparameter bestanden in den Berufen Arbeiter, Maler, Landwirte, Schweißer, Klempner und Techniker, bei den Expositionen für Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung; keine Studie fand einen Zusammenhang mit Pestiziden [s46]. Eine Masterarbeit des Marseiller Zentrums für medizinisch unterstützte Fortpflanzung („Étude épidémiologique des expositions reprotoxiques des couples infertiles au CPMA, à Marseille“, Epidemiologische Studie zu reproduktionstoxischen Expositionen infertiler Paare am CPMA in Marseille) befragte 810 von 1090 Patienten: 97 % der Männer gaben eine anerkannte oder vermutete reproduktionstoxische Exposition an, am häufigsten Lösungsmittel, Hitze, psychoaktive Substanzen und einen Körpermassenindex über 25. Das ist Selbstauskunft ohne Expositionsmessung und kein Kausalbeleg [s30].

Zugang. HAL war über die Programmierschnittstelle gut erreichbar (Abstracts, Open-Access-Volltext der Metaanalyse). Das französische Portal Cairn.info war nicht abfragbar: Die Weiterleitung führte auf eine Suche mit HTTP 403 und der Aufforderung, JavaScript zu aktivieren und Werbeblocker abzuschalten. Französischsprachige Fachaufsätze, die nur dort liegen, fehlen deshalb. Eine Leitlinie zum Thema wurde auf Französisch nicht gefunden.

Italienisch

Eigene Primärliteratur: zwei Arbeiten. Mit englischer Zusammenfassung wurden nur zwei Arbeiten in italienischer Sprache gefunden. Petrelli, Lauria und Figà-Talamanca vom Istituto Superiore di Sanità veröffentlichten 2001 in La Medicina del Lavoro „Esposizione professionale e fertilità maschile. Risultati di uno studio multicentrico italiano in una popolazione esposta“ (Berufliche Exposition und männliche Fruchtbarkeit. Ergebnisse einer italienischen Multicenterstudie an einer exponierten Bevölkerung). Untersucht wurde die Zeit bis zur Schwangerschaft bei 153 Arbeitern einer Münzprägeanstalt (Metalle und Lösungsmittel), 322 Landarbeitern mit Pestizidlizenz und 127 Gewächshausarbeitern. Es zeigte sich eine leichte Konzeptionsverzögerung bei Metallen (Odds Ratio 1,3; 95-%-Konfidenzintervall 0,5 bis 3,6), Lösungsmitteln (1,7; 0,6 bis 4,6) und bei stark pestizidexponierten Gewächshausarbeitern (2,4; 1,2 bis 5,1); nur der letzte Wert ist signifikant, die Intervalle der Lösungsmittelgruppe schließen die 1 deutlich ein [s151]. Das ist die einzige abgerufene italienische Primärstudie mit Lösungsmittelbezug. Die zweite Arbeit ist die Übersicht von Papaleo und Mitarbeitern (ISPESL, Rom) „Esposizione professionale a interferenti endocrini: stato dell'arte“ (Berufliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren: Stand der Kenntnisse) im Giornale italiano di medicina del lavoro ed ergonomia, die unter anderem Styrol behandelt: Zwischen potenzieller Dosis und Wirkung seien Korrelationen erkennbar, über die epidemiologischen Methoden, die die Exposition womöglich überschätzen, werde noch diskutiert [s125].

Italienische Gruppen auf Englisch: Styrol und Benzolmetabolit. Der italienische Beitrag zum Thema liegt im Wesentlichen in englischer Sprache vor. Die Gruppe der Universität Pisa untersuchte Beschäftigte der Kunststoffindustrie. Bei 46 Exponierten und 27 Kontrollen unterschied sich die Standard-Samenanalyse nicht, im Comet-Test ergab sich dagegen ein signifikanter Unterschied der Spermien-DNA-Schäden (P < 0,001) [s140]. Die Mehrfarben-FISH an Proben mit normalen Samenparametern (18 Exponierte, 13 Kontrollen) fand keinen signifikanten Unterschied bei Aneuploidie und Diploidie; Alter und Rauchen wirkten stärker als die Styrolexposition [s130]. Eine dritte Studie aus der Toskana (42 Exponierte, 25 Kontrollen) fand bei Spermien-DNA-Schäden im Comet-Test 11,02 ± 2,99 gegenüber 7,42 ± 2,30 (P < 0,001) und bei Mikrokernen in Lymphozyten 13,8 ± 5,2 gegenüber 6,2 ± 5,1, wiederum ohne Unterschied bei Aneuploidie und Diploidie in Spermien; die Schäden in Blut- und Keimzellen korrelierten (r = 0,475), nicht aber mit Expositionsmaßen [s113]. Ebenfalls aus Pisa stammt eine Querschnittsstudie an 32 beruflich nicht exponierten Männern: Die trans,trans-Muconsäure im Samenplasma, ein Benzolmetabolit, war bei Teratozoospermie (310 ± 180 ng/ml), Oligozoospermie (400 ± 180) und Oligoasthenozoospermie (430 ± 230) höher als bei Normozoospermie (170 ± 100) und korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration (r = −0,62) [s144]. Das ist eine Korrelation in einer kleinen Stichprobe.

Biomonitoring in belasteten Gebieten. Mehrere italienische Arbeiten betreffen flüchtige organische Verbindungen bei jungen Männern in industriell oder durch Abfall belasteten Gebieten. Die INAIL-Studie an 86 Männern mit idiopathischer Infertilität und 46 Kontrollen fand für Metaboliten von Benzol, Toluol, Styrol und anderen Stoffen im Samenplasma und Urin ähnliche Konzentrationen in beiden Gruppen; im Samenplasma war die Korrelation zwischen Expositions- und Effektmarkern (oxidierte Nukleinsäureprodukte) stärker, als Mechanismus wird eine Glutathion-Erschöpfung mit oxidativem Stress genannt [s29]. Das ist ein negativer Befund: Der Gehalt an diesen Metaboliten unterschied Infertile nicht von Kontrollen. Zwei weitere Arbeiten aus dem Sacco-Tal in Latium und dem Gebiet „Land of Fires“ fanden flüchtige organische Verbindungen in Blut, Urin und Samen und schlechtere Spermiogramme im Sacco-Tal; die Autoren sprechen nur von vorläufigen Hinweisen, und es handelt sich um Korrelation, nicht um Kausalität [s21, s26].

Leitlinien, Register, Zugang. Die Webseite der Società Italiana di Andrologia (andrologiaitaliana.it) war erreichbar, die geprüften Seiten (Prävention, Bibliothek, Links) enthielten aber keine Treffer für Lösungsmittel, Benzol, Toluol, Glykol, Styrol oder Xylol; die zweite Adresse (andrologia.it) antwortete nicht. Eine italienische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden, ebenso kein Register für Berufsexposition und Fertilität.

Portugiesisch

Keine eigene Literatur gefunden. Für den portugiesischen Sprachraum (Portugal, Brasilien) konnte keine einzige Primärstudie in der Landessprache abgerufen werden, und in der Quellensammlung dieser Studie trägt keine Quelle das Kennzeichen Portugiesisch. Die Suche in Europe PMC mit portugiesischen Begriffen (unter anderem Benzeno, Tolueno, Estireno und Xileno in Kombination mit Begriffen für Spermien und Fruchtbarkeit) und mit Sprachfilter lieferte nur Treffer ohne Bezug zur Fragestellung, etwa zu Mykoplasmen, Koronarsyndrom oder Überempfindlichkeitsreaktionen.

Erreichbarkeit: der eigentliche Engpass. Die für den Sprachraum vorgesehenen Datenbanken waren nicht abfragbar. Die Suchseite von SciELO war durch eine Abwehrseite („Establishing a secure connection“, HTTP 403) blockiert; erreichbar waren nur die allgemeine Startseite und eine Metadatenschnittstelle ohne Textsuche. LILACS und die Virtuelle Gesundheitsbibliothek (BVS) antworteten ebenfalls mit einer Abwehrseite und HTTP 403. Die Ausweichdienste Crossref und OpenAlex halfen nicht: Crossref lieferte wenige Treffer ohne Bezug und wies wiederholte Abfragen mit HTTP 429 (zu viele Anfragen) ab, OpenAlex hatte sein Tageskontingent erschöpft (ebenfalls HTTP 429).

Was daraus folgt. Offen bleibt, ob in SciELO, LILACS oder in brasilianischen und portugiesischen Fachzeitschriften Beschäftigtenstudien (zum Beispiel aus Brasilien oder Portugal) vorliegen. Die Recherche kann das weder bestätigen noch ausschließen. Wer Aussagen über Brasilien oder Portugal treffen will, kann sich auf diese Studie nicht stützen; ein Befund „es gibt keine Studien“ wäre eine Fehldeutung. Dasselbe gilt für Leitlinien und Register: Es wurde weder eine portugiesischsprachige Leitlinie noch ein Register zum Thema gefunden, aber die dafür nötigen Portale waren auch nicht erreichbar.

Spanisch

Keine Primärstudie in der Landessprache. Auch für den spanischsprachigen Raum wurde keine Primärstudie in spanischer Sprache abgerufen; keine Quelle trägt das Kennzeichen Spanisch. Die Suche in Europe PMC mit spanischen Begriffen (unter anderem Benceno, Tolueno, Estireno und Xileno in Kombination mit Begriffen für Spermien und Infertilität) und Sprachfilter lieferte nur themenfremde Treffer. Dialnet war zwar erreichbar, lieferte aber statt der Trefferliste einen Hinweis auf überschrittene Abfragegrenzen des Netzwerks; SciELO und LILACS waren wie beim Portugiesischen blockiert (HTTP 403).

Lateinamerikanische und spanische Gruppen auf Englisch. Was aus dem Sprachraum auffindbar war, erscheint auf Englisch.

  • Mexiko. Die Vergleichsstudie an Beschäftigten einer Gummiindustrie mit 48 exponierten (2 bis 24 Jahre) und 42 nicht exponierten Arbeitern, publiziert von einem Institut der mexikanischen Sozialversicherung, stützt sich auf Dauermessungen der Luft: Ethylbenzol 220,7 bis 234 mg/m³, Benzol 31,9 bis 47,8 mg/m³, Toluol 189,7 bis 212,5 mg/m³, Xylol 47 bis 56,4 mg/m³. Der Anteil der Männer mit normalem Ejakulat betrug 76 % bei Nichtexponierten und 17 % bei Exponierten; verändert waren Viskosität, Verflüssigung, Spermienzahl, Beweglichkeit und der Anteil normaler Formen, teils korreliert mit der Expositionsdauer [s157]. Die Luftkonzentrationen sind hoch, die Studie ist nicht auf niedrige Expositionen übertragbar. In der Metaanalyse hat sie für die Spermienkonzentration eine standardisierte Mittelwertdifferenz von −0,98 (−1,42 bis −0,54) und ist damit eine der beiden einzeln signifikanten Studien [s35].
  • Argentinien. In einer andrologischen Einheit in Rosario wurden 225 Partner aus Paaren der ersten Infertilitätsberatung (1995 bis 1998) in einer Agrarregion untersucht. In der multivariablen logistischen Regression waren Pestizid- und Lösungsmittelexposition signifikant mit Spermiengrenzwerten deutlich unter der Fruchtbarkeitsgrenze verbunden; Lösungsmittelexponierte hatten niedrigere LH-Werte, und die Effekte waren bei primärer Infertilität stärker. Die Zusammenfassung nennt keine Effektzahlen [s150].
  • Spanien. Eine Arbeitsgruppe aus Barcelona (Hospital Materno-Infantil Vall d'Hebron) zeigte an Ratten, dass Methoxyessigsäure, der wirksame Metabolit von 2-Methoxyethanol, stadienspezifisch die Expression des Androgenrezeptors in Sertoli-Zellen und die mRNA des androgenbindenden Proteins veränderte; in Fibroblasten verstärkte sie die Aktivierung des Androgenrezeptors durch Dihydrotestosteron um das 2- bis 4-Fache. Die Autoren sehen einen direkten Sertoli-Zell-Effekt [s134]. Das ist ein Mechanismusbefund im Tierversuch und kein Humanbefund.

Einordnung. Die drei Einzelstudien sind für die Region nicht repräsentativ und erlauben keine Aussage über Spanien oder Lateinamerika als Ganzes. Offen ist, ob die einheimische Fachliteratur, etwa Beschäftigtenstudien aus Brasilien, Chile oder Spanien, einschlägige Arbeiten enthält; für sie war kein Zugang möglich. Spanische oder lateinamerikanische Leitlinien zum Thema wurden nicht gefunden, ebenso kein Hinweis auf nationale Register.

Chinesisch

Umfang und Zugang. Mit 45 Quellen mit Kennzeichen Chinesisch ist der chinesische Sprachraum nach dem englischen der am stärksten vertretene, und er liefert fast die gesamte Humanliteratur zu Benzol und Spermien-Chromosomen. Erschlossen ist er aber nur, soweit chinesische Zeitschriften in PubMed indiziert sind: Dort steht der Titel in englischer Übersetzung in eckigen Klammern, der Abstract ist oft kurz und enthält häufig weder Effektgrößen noch Konfidenzintervalle. Wichtige Zeitschriften sind Zhonghua Lao Dong Wei Sheng Zhi Ye Bing Za Zhi (Chinese Journal of Industrial Hygiene and Occupational Diseases), Wei Sheng Yan Jiu (Journal of Hygiene Research), Zhonghua Yu Fang Yi Xue Za Zhi, Zhonghua Nan Ke Xue und Yi Chuan Xue Bao. Die großen chinesischen Portale waren nicht nutzbar: Bei Wanfang waren Start- und Suchseite erreichbar, aber ohne auslesbare Trefferliste (vermutlich dynamisch nachgeladen); bei CNKI lud die Startseite nur eine Weiterleitung, die Suchseite lief in eine Zeitüberschreitung. Dissertationen, Konferenzbände und Fachzeitschriften ohne englischen Abstract fehlen daher. Die chinesischen Berichte arbeiten mit nationalen Höchstwerten (MAC) in mg/m³ und berichten teils Luftkonzentrationen weit darüber; Mehrfachveröffentlichungen aus überlappenden Gruppen sind ein praktisches Risiko.

Benzol und Spermien-Chromosomen (Festland-China). Die Arbeitsgruppe um Zheng und Zhang (Guangzhou, Zhongshan, Shenzhen) veröffentlichte zwischen 2000 und 2005 eine Serie mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) an Spermien benzolexponierter Arbeiter. Mit X- und Y-Sonden ergaben sich bei 13 Exponierten (mittlere Luftkonzentration 83,95 mg/m³) und 13 Kontrollen Disomie X von 0,15 ± 0,05 % gegenüber 0,10 ± 0,04 % und Gesamt-Disomie von 0,48 % gegenüber 0,33 % [s162]. Mit Sonden für die Chromosomen 9 und 18 (14 Exponierte, 16 Kontrollen, 86,49 mg/m³, doppelt so hoch wie der nationale Höchstwert) lag die Gesamtrate numerischer Aberrationen bei 0,570 ± 0,144 % gegenüber 0,218 ± 0,071 % [s148]. Mit Sonden für Chromosom 1 und 18 (15 Exponierte, 14 Kontrollen, 42,29 mg/m³ bei einem Höchstwert von 6 mg/m³) fanden sich auch strukturelle Aberrationen, zum Beispiel terminale Duplikation 0,16 ± 0,037 % gegenüber 0,082 ± 0,023 % [s128]; eine Studie mit Sonden für Chromosom 7 und 8 berichtet eine Gesamtaberration von 0,745 % gegenüber 0,289 % [s126]. Im Comet-Test war der Anteil der Kopf-DNA bei Exponierten mit 70,18 ± 7,36 % (n = 13) deutlich niedriger als bei Kontrollen mit 90,62 ± 2,94 % (n = 16; p < 0,001) [s120]. Alle Berichte weisen in dieselbe Richtung, aber die Gruppen umfassen 13 bis 16 Personen, berichtet werden Mittelwerte mit Standardabweichung statt Inzidenzratenverhältnissen mit Konfidenzintervallen, die Luftkonzentrationen lagen weit über den Grenzwerten, und identische Luftmittelwerte in mehreren Arbeiten sprechen für überlappende Kollektive. Eine Einheitenverwechslung im Abstract von 2005 („40 mg/cm³“ statt mg/m³) steht im Widerspruch zum Wert von 6 mg/m³ im Bericht von 2003 [s120, s128].

Die China Benzene and Sperm Study (Tianjin). Die methodisch stärksten Humandaten stammen aus einer Zusammenarbeit kalifornischer Institute mit Fabriken in Tianjin. Xing und Mitarbeiter untersuchten 33 benzolexponierte und 33 nicht exponierte Männer: Die Luftkonzentration reichte von unter der Nachweisgrenze bis 24 ppm (Median 2,9 ppm), und 27 % der Exponierten (n = 9) hatten höchstens 1 ppm. Die Inzidenzratenverhältnisse für Disomie X lagen bei 2,0 (1,1 bis 3,4) in der Gruppe mit niedriger und 2,8 (1,5 bis 4,9) in der mit hoher Exposition, für Hyperhaploidie bei 1,6 (1,0 bis 2,4) und 2,3 (1,5 bis 3,6); bei den neun Männern mit höchstens 1 ppm betrugen sie 1,8 (1,1 bis 3,0) und 2,0 (1,1 bis 3,9) [s90]. Die Studie zu strukturellen Aberrationen (30 Exponierte, 11 Kontrollen) fand adjustierte Inzidenzratenverhältnisse von 1,42 (1,10 bis 1,83), 1,44 (1,12 bis 1,85) und 1,75 (1,36 bis 2,24) bei niedriger, mäßiger und hoher Exposition und für die Deletion 1p36.3 allein 4,31 (1,18 bis 15,78), 6,02 (1,69 bis 21,39) und 7,88 (2,21 bis 28,05) [s76]; die Autoren sehen Benzol als möglichen Risikofaktor für das de-novo-Deletionssyndrom 1p36. Ji und Mitarbeiter fanden bei denselben 33 plus 33 Arbeitern selektive Wirkungen: Zugewinn von Chromosom 21 in Lymphozyten, von Geschlechtschromosomen in Spermien [s74]. Schwächen sind die kleinen Stichproben (die weiten Intervalle bei 11 Kontrollen), das Querschnittsdesign und die Tatsache, dass Aneuploidie ein Surrogat ist und keine verminderte Fruchtbarkeit belegt.

Weitere Beschäftigtenstudien. Eine Studie aus Ningbo (24 Arbeiter aus Schuhfabriken, Spritzlackierereien und Farbherstellung) fand Benzol, Toluol und Xylol in Blut und Samen einzelner Exponierter bei Überschreitung des Höchstwerts, verminderte Vitalität, Beweglichkeit und Akrosin-Aktivität und eine längere Verflüssigungszeit; zwei Veröffentlichungen betreffen dieselbe Stichprobe und zählen nicht als unabhängige Bestätigung [s177, s153]. Eine Studie in Petrochemie und Chemiefaserindustrie mit niedrigen Benzolkonzentrationen (0,7 bis 27,0 mg/m³; 126 Exponierte, 60 Nichtexponierte) fand bei Exponierten und auch bei betriebsinternen Kontrollen schlechtere Beweglichkeit als bei externen Kontrollen; sehr frühe Fehlgeburten bei Partnerinnen betrugen 10,42 % und 9,60 % gegenüber 5,09 % bei externen Kontrollen. Dass auch die internen Kontrollen betroffen waren, spricht dafür, dass die Wirkung nicht allein dem Benzol zuzuschreiben ist [s166]. Bei 174 Patienten mit Berufskrankheiten (48 Benzolvergiftung) waren Spermienanomalien bei Benzolvergiftung mit 62 ± 14 % höher als bei Silikose (41 ± 7 %), Gasvergiftung (48 ± 8 %) und Kontrollen (27 ± 5 %) [s104]. In einem Polyether-Betrieb mit gleichzeitiger Exposition gegenüber Acrylnitril, Ethylenoxid, Propylenoxid und Styrol war die Spontanabortrate bei Partnerinnen männlicher Arbeiter erhöht (p < 0,01); Spermadaten fehlen, und die Vierfachexposition erlaubt keine Zuordnung zum Styrol [s67]. Eine Elektronenmikroskopie-Studie an Spermien von acht infertilen Malern ohne Kontrollgruppe und ohne Expositionsmessung beschreibt Anomalien des Verbindungsstücks; ein Zusammenhang mit Lösungsmitteln wird nur durch den Beruf nahegelegt [s136].

Taiwan. Taiwan hat eine eigene Gruppe mit Biomonitoring-Designs. In Fabriken für kupferkaschierte Laminate mit Ethylenglykolmonomethylether fanden sich bei 53 Imprägnierarbeitern Blutarmut (26,1 % gegenüber 3,2 % bei 121 Kontrollen), aber bei 14 Exponierten und 13 Kontrollen mit Sperma kein Unterschied in Spermienzahl und Morphologie. Die Autoren sahen die Annahme einer spermatotoxischen Wirkung nicht gestützt; wegen der kleinen Gruppen schließt das einen mäßigen Effekt nicht aus [s164]. Bei 12 Arbeitern mit Dimethylformamid war die Beweglichkeit gegenüber 8 Kontrollen vermindert und stand in Dosis-Wirkungs-Beziehung zum Urinmetaboliten N-Methylformamid [s122]. Eine Studie mit 2-Ethoxyethylacetat in einem Siebdruckbetrieb fand bei Männern keinen Unterschied der Blutwerte und hat keine Spermadaten [s129]. Drei Studien zu Phthalaten (kein Lösungsmittel) in PVC-Werken fanden bei Spermien DNA-Schäden und Beweglichkeitsminderung beziehungsweise Hormonverschiebungen [s80, s60, s48].

Schwefelkohlenstoff und Spender- und Praxisstichproben. Ein Schwerpunkt der chinesischen Literatur ist Schwefelkohlenstoff, der nicht zu den fünf Leitsubstanzen gehört, aber mit Humanbefunden bis zum Mechanismus eine geschlossene Kette bildet [s87, s43, s185, s116, s133]. Zu Spender- und Praxisstichproben: In einer Spermabank (12 301 Samenspender) hatten Soldaten und Polizisten die niedrigste Konzentration (53,6 × 10⁶/ml) und Beweglichkeit (45,5 %) [s22]; in einer Studie mit 826 Männern war häufige Chemikalienexposition in der Univariatanalyse mit schlechter Samenqualität assoziiert, in der Multivariatanalyse nicht mehr [s12]; Wohnen nahe einem Chemiewerk erschien paradoxerweise als „Schutzfaktor“, eine Angabe, deren Zielgröße im Abstract nicht erläutert ist, die biologisch kaum plausibel erscheint und keinesfalls als Hinweis auf Unschädlichkeit zu lesen ist [s15].

Tierversuche. Chinesische Tierstudien betreffen Benzol bei der Maus (150 mg/kg über vier Wochen beziehungsweise Inhalation von 10 und 50 ppm über sieben Wochen: Hodenschäden, verminderte Spermienqualität, Veränderungen der RNA-Methylierung; Schutzstoffe milderten die Schäden im Versuch) [s19, s14], Gemische flüchtiger Verbindungen [s49], Vinylchlorid [s88], Trichlorethylen in vitro [s72] und n-Hexan [s96]. Die Befunde sind Mechanismus- und Schutzstoffstudien und keine Grundlage für Aussagen zu Menschen.

Leitlinien und Register. Leitlinien zum Thema wurden aus dem chinesischen Sprachraum nicht abgerufen; ob es sie gibt, ist ohne Zugang zu CNKI und Wanfang offen.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Glykolether bis Toluol und Xylol
  6. Mischexposition, Berufsgruppen und Kinderwunschpopulationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  7. Vorbemerkung: Was für Studientypen es überhaupt gibt bis Styrol: Tierversuche und Zellversuche
  8. Benzol: Humanstudien zur Samenqualität bis Umweltbezogene Biomonitoring-Studien
  9. Verwandte Industriechemikalien (außerhalb der fünf Leitsubstanzen) bis Einordnung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Chinesisch
  13. Japanisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen s01–s104
  22. Quellen s105–s224
  23. Quellen s225–s225
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle