Koreanisch
Eigene Literatur: ein Ereignis, kaum Primärstudien. Prägend ist ein einziges Ereignis, die 2-Brompropan-Vergiftung von 1995 in einer Elektronikfabrik. Kim und Mitarbeiter beschrieben 33 Beschäftigte (8 Männer, 25 Frauen): 16 der 25 Frauen hatten eine sekundäre Amenorrhoe mit hohem FSH, von den acht Männern zeigten zwei eine Azoospermie und vier eine Oligospermie (Normwert über 20 Millionen/ml) oder verminderte Beweglichkeit (Normwert über 50 %); als mögliche Ursache blieb nach Ausschluss anderer bekannter Stoffe die Reinigungslösung mit 97.4 % 2-Brompropan [s203]. Spätere Übersichten geben dieselben Zahlen wieder, nämlich 23 betroffene Beschäftigte, davon 17 (68 %) von 25 Frauen mit Ovarialinsuffizienz [s192, s123]; es handelt sich um denselben Fall, nicht um neue Fälle. Die Ereignisliteratur liegt auf Englisch vor und wird von japanischen Gruppen mit Tierversuchen weitergeführt [s145, s146].
Weitere Studien. Die einzige weitere empirische Studie ist eine Licht- und elektronenmikroskopische Untersuchung bei Petrochemie-Beschäftigten im Vergleich zu Beamten in einem nicht industrialisierten Gebiet; das PubMed-Abstract besteht nur aus der Schlussfolgerung, die Exposition scheine die Beweglichkeit und die Ultrastruktur der Spermien zu verschlechtern; Zahlen, Gruppengrößen und Methodik liegen nicht vor, und die Vergleichsgruppe unterscheidet sich im Wohnort [s121]. Ein Tierversuch an 20 Ratten (Seoul) fand bei langer Exposition gegenüber Mobiltelefonstrahlung (4G-LTE) niedrigere Spermatiden-Zahlen (398.6, 365.40, 354.60 und 298.60 × 10^6/ml in den vier Gruppen; p = 0.041) [s82]. Eine Arbeit zur Hitzebelastung in der Stahlindustrie (30 Exponierte, 14 Nichtexponierte) erschien in einer koreanischen Fachzeitschrift (Safety and Health at Work), stammt aber aus dem Iran [s76].
Übersichten. Zwei koreanische Übersichten zum Arbeitsschutz stellen fest, dass belastbare Humandaten fehlen: Park hält die Humandaten für unzureichend und betont die relativ kurze Latenz bis zu Fortpflanzungsschäden [s63]; Rim wertete von 100 gewählten Artikeln 47 aus (überwiegend deskriptiv) und sieht Regelungslücken in Korea außer dem Sicherheitsdatenblatt [s89]. Beide enthalten keine Spermien-Einzelwerte; ihre Vorschläge zum Arbeitsschutz sind Vorschläge der Autoren, keine Aussagen dieses Kapitels.
Leitlinien. Eine koreanische Leitlinie zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht abgerufen. Koreanischsprachige Primärliteratur zu Beruf und Spermienqualität wurde über KCI nicht gefunden.
Erreichbarkeit. KCI war als Portal erreichbar; acht koreanische Suchen ergaben null bis einen Treffer (der eine, „정자 직업“, betraf einen bildungswissenschaftlichen Beitrag ohne Bezug), und eine ältere Direkt-URL der Artikelliste ergab HTTP 404. KoreaMed war erreichbar („sperm occupational“ 11 Treffer, „semen workers“ 4; relevant waren nur zwei). DBpia war nicht erreichbar (keine Antwort). Im Europe-PMC-Rohzähler lagen zwei Treffer für Koreanisch (ungeprüft).
Belastbarkeit. Dass keine koreanische Studie zu Soldaten, Schweißern, Feuerwehr, Piloten oder Friseuren gefunden wurde, kann mit der eingeschränkten Zugänglichkeit der koreanischen Datenbanken zusammenhängen und ist keine Aussage, dass es sie nicht gibt.
Russisch
Rolle. Der russischsprachige Raum (Russland, Kasachstan und russischsprachige Zeitschriften) hat die eigenständigste Literatur der drei Räume des Teils C: 23 der 44 dort aufgenommenen Quellen sind russischsprachig (16 Volltexte aus CyberLeninka, 7 PubMed-Einträge nur mit Abstract). Sie ist arbeitsmedizinisch und hygienisch geprägt und orientiert sich an einem eigenen Regelwerk: Arbeitsbedingungen werden in Klassen (3.1 bis 3.4 „schädlich“) eingeteilt, Grenzwerte (PDK) und das relative Risiko samt ätiologischem Anteil nach Miettinen sind üblich [s130, s72]. Typisch sind Prozentangaben mit Standardfehler statt Konfidenzintervallen, Teilgruppen ohne Größenangabe und auffallend viele Arbeiten, die sich an Frauen richten (diese wurden gesichtet und ausgeschlossen). Die Rohstoffwirtschaft dominiert (Metallurgie, Erzbergbau, Erdöl und Gas), was die Auswahl der untersuchten Berufe erklärt.
Metallurgie (Wolgograd). Latyshevskaya und Bessarabov untersuchten im Stahlwerk „Krasny Oktyabr“ 218 Männer im Alter von 21 bis 37 Jahren, davon 110 Exponierte (Stahlkocher, Gehilfen, Hochofenreparaturkräfte, Putzer) und 108 Kontrollen. Allgemeine Morbidität je 100 Untersuchte: 415.40 ± 46.98 gegenüber 183.30 ± 37.23 (p < 0.01). Im Spermiogramm hatten nur 5.5 ± 5.3 % der Exponierten normale Werte gegenüber 23.5 ± 10.3 % der Kontrollen; Asthenoteratozoospermie 50 ± 11.8 % gegenüber 17.6 ± 9.24 % [s142]. Die Teilgruppen mit Samenanalyse sind nicht genannt; aus den Prozentwerten lässt sich zurückrechnen (eigene Rechnung des Berichts), dass es nur etwa 18 Exponierte und etwa 17 Kontrollen waren. Dieselbe Studie ist in drei Zeitschriften nahezu wortgleich erschienen [s142, s141, s136]; die Fassung von 2008 ersetzt „Metallurgen“ durch „Industriearbeiter“ bei unverändertem Datensatz, was keine unabhängige Bestätigung ist. Egorova verglich 100 Metallurgen mit 80 Arbeitern ohne Eisenmetallurgie (eine Pathologie bei 44 % gegenüber 18.5 %; relatives Risiko einer Störung der Fortpflanzungsfunktion 1.6 bis 2.9) [s126] und in einer größeren Arbeit 200 Metallurgen mit 190 Verwaltungsmitarbeitern, mit relativen Risiken für männliche Unfruchtbarkeit zwischen 1.62 (Operator einer Stranggussanlage) und 2.9 (Walzer im Warmwalzwerk) und einem Testosteronwert unter 13.8 nmol/l schon bei Beschäftigten bis 5 Jahre; ohne Konfidenzintervalle und ohne Erklärung der Diagnosekriterien [s130]. Sechs Veröffentlichungen aus zwei Arbeitsgruppen stützen sich im Kern auf zwei Datensätze; die Richtung ist einheitlich ungünstig, die Teilstichproben sind klein oder nicht genannt.
Bergbau. Teregulov und Mitarbeiter beschrieben 142 Männer im Erzbergbau (Südural, Westkasachstan; Klasse 3.3 bis 3.4, Dreischichtbetrieb, ohne Tageslicht, Metallaerosole): normales Spermiogramm bei 33.6 %, Asthenozoospermie bei 28.5 %, Oligozoospermie 1. Grades bei 15.7 %. Eine Kontrollgruppe fehlt, die Prozentwerte summieren sich zu 99.0 % (die Tabelle nennt 100.0 %), und die Teilstichprobe für die Samenanalyse ist nicht genannt [s72]. Pavlov und Teregulov verglichen 186 Untertagebergleute mit 84 Kontrollen anhand von Selbstangaben (verminderte Zahl der Geschlechtsakte 60.0 % gegenüber 19.3 %); bei 30 vorselektierten Männern zeigten sich Oligoasthenozoospermien, eine Kontrollgruppe mit Samenanalyse fehlt [s106].
Erdöl, Erdgas und chemische Exposition. Nikolaev und Loginov (nur Abstract) beschrieben 40 Männer mit unerfülltem Kinderwunsch in vier Berufsgruppen und eine Kontrollgruppe; Erdgas und erdölgelöstes Gas seien am stärksten toxisch gewesen; Zahlen und Gruppengrößen fehlen im Abstract [s103]. Ilyinskikh und Mitarbeiter fanden in nordsibirischen Erdölfeldern bei 139 Männern in vier Gruppen Teratozoospermie und karyopathologische Veränderungen nur bei Arbeitern mit Varikozele signifikant häufiger, bei Bohrarbeitern mit Varikozele mehr als bei Verwaltungsmitarbeitern mit Varikozele; für Männer ohne Varikozele wird kein Unterschied berichtet. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass Berufseffekt und Vorerkrankung getrennt betrachtet werden müssen [s94]. Sarkulov und Kumaev (Aktobe, Kasachstan) verglichen 30 Arbeiter der Gaskondensat-Gewinnung mit 20 Arbeitern anderer Betriebe: Spermien je ml 45.2 ± 8.8 Mio. in der Kontrollgruppe gegenüber 32.1 ± 20.6 Mio. nach 3 bis 9 und 20.4 ± 8.5 Mio. nach mehr als 10 Jahren Beschäftigung; die Aufteilung der 30 Arbeiter ist nicht genannt, die Streuungen sind teils größer als die Mittelwertunterschiede, die Beweglichkeit sinkt nicht stetig mit der Dauer, und der Beitrag von Schwefelwasserstoff wird angenommen, nicht gemessen [s107]. Alikina und Dolgikh setzten Ejakulat von 50 Beschäftigten eines Erdölförderbetriebs mit Fertilitätsstörung 72 Stunden lang Benzol (0.001 µg/ml, „experimentell gewählt“) aus; ein Zusammenhang von Berufsexposition und Spermienqualität wird damit nicht geprüft, weil weder die tatsächliche Benzolbelastung gemessen noch eine unexponierte Vergleichsgruppe untersucht wurde [s56].
Arbeitsstress, Berufswahl und Registerdaten. Tkachev und Tkacheva (Moskau, 2026) verglichen in einer privaten Reproduktionsklinik 56 Männer mit mehr als einem Jahr „Produktionsstress“ (Mittel 9.8 Jahre) und 25 „praktisch gesunde“ Kontrollen: Gesamtzahl 18.90 ± 1.02 gegenüber 42.48 ± 2.33 Mio., morphologisch normale Spermien 28.17 ± 0.86 gegenüber 90.56 ± 0.85 %, Gesamttestosteron 13.24 ± 0.44 gegenüber 23.80 ± 0.69 nmol/l (p < 0.001 für die meisten Parameter) [s11]. Das Design ist ein klassischer Selektionsfehler (Patienten gegen Gesunde); „Produktionsstress“ ist nicht quantifiziert, und ein Normalanteil von 90.56 % bei den Kontrollen ist mit WHO-Kriterien kaum vereinbar, was auf ein anderes Morphologiekriterium deutet und internationale Vergleiche unmöglich macht. Perova und Starikova (private Klinik, Moskau; 54 „gesunde“ Männer) fanden Konzentrationen von 64 Mio./ml bei Leitern, 46 bei Büro-, Bank- und Lehrberufen, 23 bei Ladern und 15 bei Arbeitslosen, ohne Gruppengrößen, Streuung und Test [s99]. Ein Register ist die Aktenanalyse von Belik und Korchin aus Chanty-Mansijsk: Von 627 Patienten mit männlicher Unfruchtbarkeit in einer Abteilung für assistierte Reproduktion (2020 bis 2023) waren bei 9 (1.4 %) berufliche Schädlichkeiten dokumentiert, gegenüber Rauchen bei 258 (41.1 %), Adipositas bei 123 (19.6 %) und metabolischem Syndrom bei 84 (13.4 %); das sagt nichts über das Risiko, nur über die Häufigkeit der Erfassung [s25]. Aus dem Maschinenbau stammt eine Hormonstudie an 318 Männern gegenüber 148 ohne Kontakt (Abweichungen von Testosteron, Lutropin und Follitropin bei 25.5 %), aber ohne Samenanalyse [s90]; an 1119 Ratten ergab ein Vibrationsversuch bei 20 Hz Verzögerung der Spermienbildung, mit sehr hoher Dosis und ohne Kontrollwerte in Zahlen im Text [s124].
Ionisierende Strahlung nach dem Reaktorunfall. Drei Arbeiten aus den Jahren 1993 und 2004 betreffen die Aufräumkräfte von Tschernobyl, eine teils mit dem ausgenommenen Militär überlappende Gruppe, die hier wegen des Strahlenbezugs als Grenzfall aufgenommen ist: 125 Männer mit verringertem Ejakulatvolumen und verringerter Spermienzahl bei Dosen bis 25 rem [s210], 164 Männer, von denen bei 125 eine Samenanalyse erfolgte, mit Befunden wie bei chronischer Prostatitis und ohne „typische strahlungsbedingte Läsionen“ [s211] und eine histologische Serie an Hodengewebe [s155]. Alle drei sind nur als Abstract bekannt, haben keine Kontrollgruppe und keine Vergleichswerte im Abstract.
Übersichten. Fesenko und Mitarbeiter vom Izmerov-Institut für Arbeitsmedizin schrieben zwei analytische Literaturübersichten zu physikalischen und chemischen Produktionsfaktoren [s45, s36], Zemlyanova und Mitarbeiter eine Übersicht über 160 Publikationen [s26] und Potemina und Mitarbeiter (nur Abstract) halten fest, dass die meisten in Luft und Boden von Industriestädten gefundenen Chemikalien Reproduktionstoxika seien [s139]. Alle sind narrativ, ohne Effektgrößen im Abstract.
Leitlinien. Eine russische Leitlinie mit Aussagen zu Berufsgruppen wurde nicht abgerufen; die Rechercheberichte nennen keine.
Fachzeitschriften und Regionales. Die Literatur stammt überwiegend aus „Meditsina truda i promyshlennaya ekologiya“, „Gigiena i sanitariia“ und „Meditsina truda i ekologiya cheloveka“ sowie aus „Urologiia“. Kasachstan veröffentlicht auf Russisch und gehört deshalb zum selben Sprachraum [s107]. PubMed führt viele dieser Arbeiten nur mit englischer Titelübersetzung und transliterierter Fassung des Originaltitels; in CyberLeninka sind sie dagegen mit kyrillischem Titel und vollem Text erreichbar.
Erreichbarkeit. CyberLeninka war über die interne Such-Schnittstelle erreichbar (Trefferzahl je Suche auf 1000 begrenzt; bei schneller Abfolge zeitweise HTTP 503, nach Wartezeit abrufbar). eLIBRARY.ru lieferte nur eine kleine Fehlerseite, DergiPark leitet auf eine Bot-Prüfung um und ist nicht automatisiert nutzbar. Dissertationen (russische Kandidatendissertationen) wurden nicht durchsucht. 52 CyberLeninka-Volltexte wurden gelesen, 16 davon aufgenommen; im Europe-PMC-Rohzähler lagen 20 Treffer für Russisch (ungeprüft), in einer anderen Abfrage des Teils C mehrere hundert.
Belastbarkeit. Die Richtung der russischsprachigen Querschnitte ist einheitlich (schlechtere Samenbefunde bei Hitze, Metallen, Gas, Stress), die Aussagekraft ist aber durch kleine Teilstichproben, fehlende Adjustierung und Mehrfachveröffentlichung desselben Datensatzes begrenzt. Es gibt keine Kohortenstudie mit Samenanalyse, keine klinische Studie am Beschäftigten und, mit Ausnahme der Nickelübersicht, keine systematische Übersicht aus diesem Raum.
Arabisch
Eigene Literatur: keine arabischsprachige Berufsstudie mit Samenanalyse. Im gesamten durchsuchten arabischsprachigen Raum wurde keine Studie gefunden, die bei Berufsgruppen Samenparameter misst und arabisch publiziert ist. Die arabischen Datensätze im Index e-Marefa bestehen bei der Suche nach Spermien und männlicher Unfruchtbarkeit überwiegend aus Tierversuchen und veterinärmedizinischen Arbeiten (Samen von Ziegen, Rindern, Geflügel), Arbeiten zu Strahlung bei Insekten und Pflanzenextrakten im Tierversuch. Ein Datensatz zu Schwermetallen in Blut, Urin und Speichel von Tankstellenarbeitern in Riad (2016) erfasst keine Spermienparameter und wurde deshalb nicht aufgenommen. Die vier im Teil C aufgenommenen Quellen des Raumes sind englischsprachig, mit Herkunft in Marokko, Tunesien und Ägypten sowie eine Übersicht aus dem Libanon zum östlichen Mittelmeerraum; aus dem Teil A kommt eine Fall-Kontroll-Studie aus Beirut hinzu.
Eigene Kohorten und Register. Das größte Kollektiv ist eine Auswertung aus einem Fertilitätszentrum in Ostmarokko (September 2021 bis Juli 2023): 3025 Männer mit Unfruchtbarkeit in der Partnerschaft, mittleres Alter 40 Jahre, mittlere Dauer des Kinderwunsches 5.5 Jahre. Der häufigste Risikofaktor war „berufliche Exposition“, danach Varikozele; Rauchen 24.29 %, Alkohol 12.49 %, Hitzeexposition 30.08 %; ein auffälliges Spermiogramm bei 78.71 %. Die Studie nennt sich Kohorte, ist aber eine beschreibende Querschnittsauswertung ohne Vergleichsgruppe und ohne Maß für den Zusammenhang; „berufliche Exposition“ wird nicht definiert, und die Prozentangabe 88.97 % für 2736 von 3025 Patienten ergibt rechnerisch 90.4 %, ohne dass der Abstract die Abweichung erklärt [s21]. Aus Sfax (Tunesien) kommt ein Fragebogen zur Berufsexposition bei 2122 Männern in andrologischer Abklärung: Pestizidexposition war mit einem höheren Risiko für Asthenozoospermie (adjustierte OR 1.6; 95 %-KI 1.0 bis 2.4) und Nekrozoospermie (OR 2.6; 1.4 bis 4.7) verbunden, Zementexposition nur mit einem Intervall, das 1 einschließt (OR 1.1; 0.9 bis 1.4); kein Zusammenhang mit Lösungsmitteln, übermäßiger Hitze und mechanischen Vibrationen. Das ist ein seltenes Beispiel adjustierter Zusammenhänge mit Konfidenzintervallen aus dem Maghreb; die Pestizidgruppe kann landwirtschaftliche Berufe enthalten, was der Abstract nicht aufschlüsselt [s86]. Aus Beirut stammt eine Fall-Kontroll-Studie mit 74 infertilen Männern und 76 fertilen Kontrollen: Männer mit berichteter beruflicher Exposition hatten ein doppelt so hohes Infertilitätsrisiko, die Blutkonzentrationen von Schwermetallen waren aber in keiner Untergruppe höher als bei Kontrollen [s134]. Eine kleine Studie aus Kairo mit drei Gruppen zu je zehn Männern (schwere idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, idiopathisch infertile Männer mit normalem Samen, fertile Kontrollen) fand mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung keinen signifikanten Unterschied der Gesamtdisomie, aber eine positive Korrelation mit der Zahl der Umweltfaktoren; Beruf und Lebensstil sind darin nicht getrennt [s87]. Eine narrative Übersicht zum östlichen Mittelmeerraum (63 Studien, Januar 2012 bis Juni 2024; etwa 59 % zu männlichen, 36 % zu weiblichen Faktoren) berichtet, ein Rückgang von Samenparametern korreliere mit hohen Temperaturen, Bisphenol A und Luftstaub; die Evidenz sei begrenzt und regional ungleich verteilt [s14].
Leitlinien. Eine arabischsprachige Leitlinie zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht gefunden.
Fachzeitschriften und Regionales. Die Studien erscheinen in internationalen englischsprachigen Titeln (zum Beispiel Obstetrics & Gynecology Science, International Journal of Reproductive Biomedicine) und, im Fall des Kairoer Datensatzes, über einen arabischen Index mit Abstract in Arabisch und Englisch. Die Maghreb-Länder publizieren zusätzlich auf Französisch, was in dieser Recherche nicht gesondert durchsucht wurde.
Erreichbarkeit. Europe PMC lieferte mit dem Sprachfilter Arabisch keine Treffer (auch im Rohzähler vom 05.10.2026 null). e-Marefa war ohne Anmeldung als HTML-Suche und mit Detailseiten (Abstract arabisch und englisch) erreichbar, Volltext nur mit Abonnement, Trefferliste schwer filterbar. Arab World Research Source (EBSCO) ist ein kostenpflichtiges Produkt, zu dem kein Zugang bestand; die algerische Plattform ASJP ließ keinen Verbindungsaufbau zu, und ägyptische Universitätsportale zeigten eine Bot-Erkennungsseite.
Belastbarkeit. Offen bleibt, ob es arabischsprachige Berufsstudien in den nicht erreichbaren Datenbanken gibt. Aus den vorliegenden englischen Studien lässt sich nur sagen, dass Berufsexposition in nordafrikanischen und libanesischen Klinikpopulationen als Risikofaktor genannt wird, ohne dass Berufsgruppen aufgeschlüsselt werden.
Türkisch
Rolle. Der türkische Raum hat in den Quellen einen großen Einzelblock, die Borarbeiter-Forschung, und sonst überwiegend Übersichten und Fragebogenstudien. Berufsbezogene Studien mit Samenanalyse erscheinen überwiegend in englischsprachigen internationalen Zeitschriften (Andrologia, Archives of Toxicology) [s57, s132, s75, s65]; in türkischen Zeitschriften (Androloji Bülteni, Van Tıp Dergisi, Zeynep Kamil Tıp Bülteni) finden sich Übersichten und Fragebogenstudien ohne Samenanalyse [s83, s84, s85, s88]. Von den 16 Quellen aus der Türkei wurden 10 über Europe PMC und 6 über TR Dizin gefunden.
Bor. Hintergrund der Fragestellung ist die Einstufung von Borsäure und Boraten in der EU als reproduktionstoxisch Kategorie 1B aufgrund von Tierversuchen [s75, s92]. Die Ankara-Gruppe um Duydu, Başaran und Bolt untersuchte Arbeiter in Bandırma und Bigadiç, wo die Türkei große Boratvorkommen und Produktionsstätten hat [s184]. Eine Querschnittsstudie an 212 Arbeitern hatte eine „extreme“ Gruppe (n = 98) mit mittlerer täglicher Borzufuhr von 47.17 ± 17.47 mg und fand weder bei den Samenparametern noch bei FSH, LH und Gesamttestosteron nachteilige Effekte [s75]. 304 Arbeiter aus Bandırma und Bigadiç zeigten keinen Zusammenhang zwischen Borexposition und dem Verhältnis von Y- zu X-tragenden Spermien und keine Verschiebung des Geschlechterverhältnisses bei der Geburt [s65]; 163 Arbeiter der Borsäureproduktion in Bandırma (86 Exponierte, 77 Kontrollen) bestätigten das und widerlegen nach Aussage der Autoren eine frühere Studie aus chinesischen Borbergbaugebieten [s69]. Weitere Arbeiten betrafen DNA-Schäden (der Abstract nennt Comet-Test in Spermien p = 0.861, enthält aber p-Werte über 1 und ist für den Mikrokerntest unbrauchbar) [s64, s115], Männer im Borbergbaugebiet, definiert über Wohnort und Trinkwasser statt Arbeit [s119], eine Übersicht mit einem Abstand von etwa dem Faktor 9 zwischen dem Blutborwert der hochexponierten Beschäftigten (223.89 ± 69.49 ng/g) und dem Blutwert, der bei der Ratte dem NOAEL entspricht (2020 ng/g) [s92], und eine Befragung von 799 erreichten Borarbeitern ohne Samenanalyse, mit Infertilitätsraten von 1.2 %, 1.1 % und 4.1 % in drei Regionen und 1.8 % insgesamt [s184]. Das ist die methodisch am besten ausgeführte Gruppe, weil sie die innere Dosis misst, und sie findet durchgehend keinen Effekt. Die Arbeiten stammen aber aus derselben Gruppe, der Standort Bandırma kehrt wieder, die Gruppengröße 212 steht in zwei Arbeiten, und mehrere Veröffentlichungen argumentieren ausdrücklich gegen die EU-Einstufung; sie sind daher nicht als unabhängige Studien zu zählen, und der Befund ist nicht auf andere Expositionen übertragbar.
Weitere Berufsstudien. In einer Kinderwunschambulanz in Kahramanmaraş hatten unter 220 Männern die 104 Schichtarbeiter häufiger Oligozoospermie (p = 0.006), und im Modell mit Alter, Testosteron, Stresswert, Rauchen und Varikozele blieben Schichtarbeit (OR 2.11; 95 %-KI 1.03 bis 4.34) und ein hoher Schlafqualitäts-Index (OR 1.18; 1.01 bis 1.39) mit Oligozoospermie assoziiert; die Intervalle liegen nahe an 1 [s57]. Bei 38 Mautstellenbeschäftigten an Autobahnen im Vergleich zu 35 Büroangestellten waren Beweglichkeit und Zahl häufiger vermindert und der Anteil normaler Formen niedriger (p = 0.001); die Exposition wurde nicht gemessen, nur der Arbeitsort als Ersatz [s132]. Eine Fall-Kontroll-Studie an 30 Radiologie-Beschäftigten und 30 Kontrollen (Mersin; Samenanalyse nach WHO 2021) fand niedrigere Konzentration und häufigere morphologische Abweichungen (p < 0.05), erhöhte NK-Zellen und niedrigere TNP1-Expression [s02]. Eine Befragung von 177 Ärzten (Orthopäden, Gynäkologen, Kinderärzte) nutzte das Geschlechterverhältnis der Kinder als indirekten Marker: Orthopäden hatten signifikant weniger Söhne (p = 0.002), und unter ihnen senkten mehr als 50 Durchleuchtungsaufnahmen pro Woche die Wahrscheinlichkeit eines Sohnes (OR 0.353; 0.178 bis 0.703); das im Abstract angegebene p = 0.030 passt nicht zu diesem Intervall (eigene Rückrechnung etwa 0.003), ob ein Tippfehler vorliegt, lässt sich ohne Volltext nicht klären [s54]. Zwei parallele Fragebogenstudien mit Chi-Quadrat-Tests ohne Samenanalyse an 70 Zementwerkern gegenüber 70 Büroangestellten und an 75 Kernbohrungs-Operatoren gegenüber 75 Büroangestellten berichten signifikante Unterschiede bei Fehlbildungen, Fehl-, Tot- und Frühgeburten und der Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin; sie sagen nichts über die Spermienqualität aus [s83, s84]. Zwei türkischsprachige Übersichten behandeln das Arbeitsleben und die männliche reproduktive Gesundheit [s85] und Cadmium [s88]; beide Abstracts enthalten keine Zahlen.
Leitlinien. Eine türkische Leitlinie zu Berufsgruppen wurde nicht abgerufen.
Erreichbarkeit. TR Dizin ist eine Skript-Anwendung; die JSON-Schnittstelle lieferte Titel, Abstracts, DOI und Zeitschrift, aber keinen Volltext. DergiPark leitete auf eine Bot-Prüfung um und war nicht automatisiert nutzbar. Der Europe-PMC-Sprachfilter für Türkisch lieferte im Rechercheprotokoll 3 Treffer, im Rohzähler vom 05.10.2026 keinen. Türkische Hochschulschriften (Tezler) wurden nicht durchsucht.
Belastbarkeit. Von den 44 Quellen des Teils C berichten nur drei Konfidenzintervalle für Berufseffekte auf Samenparameter oder Fertilitätsmarker [s57, s54, s86]. Die türkische Literatur liefert damit einen sehr gut gemessenen Nullbefund (Bor) und mehrere kleine Studien mit Hinweisen (Schichtarbeit, Mautstellen, Radiologie), aber keine Kohorte.
Kapitel 05: Einordnung, Grenzen und offene Fragen
Dieses Kapitel schließt die Gesamtstudie zu weiteren Berufsgruppen und der Spermienqualität ab. Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte werden in anderen Teilen der Studie behandelt und hier nur dort erwähnt, wo eine Studie sie als Untergruppe einschließt. Grundlage sind die 216 Quellen aus der Quellenzuordnung der Synthese, die Rechercheberichte der drei Sprachgruppen (en/de/fr/it/pt/es, zh/ja/ko, ru/ar/tr) und, bei Zweifelsfällen, ein erneuter Abruf des Abstracts über die Europe-PMC-Schnittstelle. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen der Synthese, zum Beispiel [s09] oder [s09, s62].
Ein Hinweis zur Lesart gleich vorweg: Die weitaus meisten Zahlen dieser Studie stammen aus Abstracts, nicht aus Volltexten. Wo ein Abstract erkennbar fehlerhafte oder widersprüchliche Angaben enthält, ist das in den Fachkapiteln und hier ausdrücklich vermerkt. Dieses Kapitel gibt Studienlage wieder. Es enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Abklärung.