Metallurgie und Bergbau (russischsprachiger Raum)
- Stahlwerk Wolgograd [s142, s141, s136]: 218 Männer von 21 bis 37 Jahren, 110 Exponierte (Stahlkocher, Gehilfen, Hochofenreparaturkräfte, Putzer) und 108 Kontrollen. Samenbefunde (Prozent der Untersuchten ± Standardfehler, Exponierte gegen Kontrollen): Normozoospermie 5,5 ± 5,3 gegen 23,5 ± 10,3; Asthenoteratozoospermie 50 ± 11,8 gegen 17,6 ± 9,24; Azoospermie 5,5 gegen 0; Agglutination 61,1 ± 11,5 gegen 36,3 ± 11,7. Nur 27,2 % der Exponierten hatten Hormonwerte im Normbereich (Kontrollen 88,2 %). Die Teilstichproben mit Spermiogramm sind nicht genannt; zurückgerechnet (eigene Rechnung des Rechercheberichts) etwa 18 Exponierte und 17 Kontrollen. Drei nahezu wortgleiche Veröffentlichungen desselben Datensatzes, keine unabhängige Bestätigung.
- Eisenmetallurgie, Egorova [s126, s130]: 100 Metallurgen gegen 80 Arbeiter: eine Pathologie bei 44 % gegen 18,5 % (p < 0,001), relatives Risiko 1,6 bis 2,9 [s126]. 200 Metallurgen gegen 190 Verwaltungsmitarbeiter, Alter 20 bis 65: erhöhte Viskosität 61 %, verminderte Spermienzahl 7 %, verminderte Beweglichkeit 6 %; Testosteron schon bei bis zu 5 Jahren Beschäftigung unter 13,8 nmol/l; relatives Risiko männlicher Unfruchtbarkeit nach Beruf: Walzer Warmwalzwerk 2,9, Beschickungsmaschinist 2,8, Walzer Rohrwalzwerk 2,71, Stahlkocher 2,5, Steuerstand 1,97, Stranggussanlage 1,62 [s130]. Keine Konfidenzintervalle, die Diagnosekriterien sind nicht erklärt.
- Bergbau [s72, s106]: 142 Männer aus Erzbergbau (Südural, Westkasachstan), ohne Kontrollgruppe: normales Spermiogramm bei 33,6 %, Asthenozoospermie 28,5 %, Oligozoospermie 1. Grades 15,7 %, 2. Grades 15,7 %, 3. Grades 5,5 % (die Summe ergibt 99,0 %) [s72]. 186 Untertagebergleute gegen 84 Kontrollen: Beschwerden im Damm und Dysurie 50,0 % gegen 22,4 %, erektile Dysfunktion 18,75 % gegen 7,6 %; Samenuntersuchung nur bei 30 vorselektierten Männern [s106]. Beide ohne Kontrollsamen und damit ohne Aussage über einen Berufseffekt.
- Registerdaten Chanty-Mansijsk [s25]: 627 Männer; berufliche Schädlichkeiten bei 9 (1,4 %), Rauchen bei 258 (41,1 %), Adipositas bei 123 (19,6 %), metabolisches Syndrom bei 84 (13,4 %). Die Zahl sagt nur etwas über die Häufigkeit der Erfassung.
Pestizide, Insektizide und ähnliche Stoffe (Randbefunde)
Reine Landwirtschaftsstudien sind nicht Gegenstand dieses Kapitels. Als Randbefunde zu Beschäftigten in Herstellung und Anwendung: Carbaryl-Produktion (31 Exponierte, 46 interne, 22 externe Kontrollen): Volumen 2,39 ± 1,44 ml und Beweglichkeit niedriger als bei externen Kontrollen (p < 0,05) [s153]; Fenvalerat-Produktion (dieselben Kontrollen, eine Studie in zwei Sprachfassungen) [s177, s144]; Insektizid-Sprüher in Japan (18 gegen 18): Spermienzahl und Vitalität vergleichbar, im Sommer doppelt so hohe Anteile langsam progressiver und nichtprogressiver Spermien (p < 0,05) [s158]; Cholinesterasehemmer-Exponierte in Spanien (29 gegen 30; p < 0,05 bei Spermienzahl pro mL und Anteilen beweglicher und lebender Spermien) [s168]; Pestizidexposition über alle Berufe in Bordeaux: nicht signifikante Abwärtstendenzen für Konzentration (OR 0,5) und Vitalität (OR 0,31) [s29].
2-Brompropan (Korea, Japan)
Das koreanische Ereignis von 1995 [s203, s192, s123]: 33 Beschäftigte (8 Männer, 25 Frauen) beim Zusammenbau von Tastschaltern; von den 8 Männern zwei mit Azoospermie und vier mit Oligospermie (Normwert über 20 Millionen/ml) oder verminderter Beweglichkeit (Normwert über 50 %); von den 25 Frauen 16 mit sekundärer Amenorrhoe, in der Zusammenfassung 17 (68 %) mit Ovarialinsuffizienz [s203, s192]. Außer der Reinigungslösung mit 97,4 % 2-Brompropan konnten keine anderen bekannten Stoffe als Ursache identifiziert werden; die Autoren schließen vorsichtig, 2-Brompropan sei „möglicherweise“ der Auslöser [s203]. Fallserie ohne Kontrollgruppe, 8 Männer, Exposition rekonstruiert. Die drei Arbeiten beschreiben dasselbe Ereignis, nicht drei Ereignisse. Bei niedriger Exposition in einer anderen Fabrik (11 Männer) [s190] wurden unterhalb von 10 ppm (TWA) keine schweren Störungen gefunden; andere Indizes einschließlich der Spermienindizes standen nicht im Zusammenhang mit der TWA; für Spermienparameter bestand keine Teststärke.
Betriebliche Samenanalyse als Forschungsproblem (Japan)
Eine Elternstudie lud von November 2024 bis Januar 2025 rund 2000 männliche Beschäftigte aus drei Firmen ein; nur 6 schlossen das Protokoll ab [s07]. In der Nachbefragung von 108 Beschäftigten kannten 74 (68,5 %; 95-%-KI 59,3 bis 76,5) die Studie nicht; Sorge vor ungünstigen Ergebnissen nannten 52 von 83 (62,7 %), Sorge um Ort oder Privatsphäre 48 von 83 (57,8 %), eigenen Widerstand 42 von 83 (50,6 %); bei vereinfachten Bedingungen wären 36 von 83 (43,4 %) bereit [s07]. Das Protokoll der N-SEED-Studie [s08] (124 Personen rekrutiert, Zielgröße DNA-Fragmentierungsindex, Ergebnisse bis März 2028 erwartet) enthält noch keine Ergebnisse. Für die Deutung der gesamten Literatur ist das bedeutsam: Wo Beschäftigte kaum teilnehmen, entstehen Stichproben, die die Belegschaft nicht abbilden.
Fragebogenstudien zur Fruchtbarkeit ohne Samenanalyse
Zementwerker (70 gegen 70 Büroangestellte) und Kernbohrungs-Operatoren (75 gegen 75) in der Türkei [s83, s84]: signifikante Unterschiede (p < 0,05) bei Fehlbildungen, Totgeburten, Frühgeburten, Fehlgeburten und Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin; keine Samenanalyse, keine Zahlen im Abstract; die Aussagen betreffen die Partnerin. Fehlgeburtspaare in Changchun [s114] (68 gegen 63 Paare): signifikant niedrigere Vitalität, weniger Normalformen und niedrigere progressive Gesamtbeweglichkeit beim Mann; berufliche Exposition zusammen mit ungesunden Gewohnheiten OR 11,965 (p = 0,005); Art der Exposition nicht benannt. Muhammad und Kollegen [s87] (3 × 10 Männer): Gesamtdisomie in den Gruppen nicht verschieden, aber positiv mit der Zahl der Umweltfaktoren korreliert.