# Berufsgruppen und die Spermienqualität: Eine Gesamtstudie zur Literatur über weitere Berufe und Arbeitsplatzbelastungen

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/weitere-berufe.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 69.140 Wörter, 216 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage zu Berufsgruppen und Spermienqualität ist breit, aber dünn. Am besten gestützt sind Blei bei hoher Belastung, Lösungsmittel und rotierende Wechselschicht. Für Hitze, Fahrerberufe, Bildschirmarbeit, Arbeitsstress und Strahlung gibt es überwiegend kleine, widersprüchliche Einzelbefunde. Fast alle Arbeiten sind Beobachtungsstudien und belegen keine Ursache. Die Evidenz ist meist niedrig bis sehr niedrig, die Aussagen gelten für Gruppen, nicht für einzelne Männer.

## Häufige Fragen

### Beeinflusst der Beruf die Spermienqualität?

Für einzelne Belastungen gibt es Hinweise, für Berufe als Ganzes kaum belastbare Befunde. Die Literatur umfasst 216 Quellen, ist aber überwiegend aus kleinen Beobachtungsstudien aufgebaut. Berufsklassen liefern wechselnde und nicht wiederholte Ergebnisse. Ein Beruf ist, wenn überhaupt, nur eine von vielen möglichen Ursachen eines auffälligen Samenbefunds.

### Schadet Schichtarbeit der Fruchtbarkeit?

Die größte Kohorte mit 3425 Männern fand bei rotierender Wechselschicht eine um 16 Prozent niedrigere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im ersten Jahr, bei fester Schicht keinen Unterschied. Eine Metaanalyse zur Nachtschicht konnte die Spermienzahl dagegen nicht von null unterscheiden, eine weitere Kohorte fand keinen Zusammenhang. Die Gewissheit ist mäßig für Wechselschicht, gering für Nachtarbeit allgemein.

### Welche Arbeitsstoffe sind am besten belegt?

Blei gilt als die am besten bestätigte Einzelbelastung, vor allem bei hoher Exposition: Eine Metaanalyse fand niedrigere Konzentration und Beweglichkeit. Auch bei Lösungsmitteln wie Glykolethern und Benzol weisen mehrere Studien in dieselbe Richtung. Viele Benzolstudien stammen jedoch aus denselben Betrieben und sind keine unabhängigen Bestätigungen.

### Verschlechtert langes Sitzen die Spermienqualität?

Sitzen erhöht nachweislich die Temperatur des Hodensacks, in einer Messstudie von 33,1 auf 34,7 Grad bei mehr als sechs Stunden. Eine Analyse von 1747 Männern fand jedoch keinen signifikanten Zusammenhang mit der Spermienkonzentration. Zwei Studien berichten eine höhere Spermien-DNA-Fragmentation bei viel Sitzen. Die Evidenz ist niedrig, die Gewissheit gering.

### Wie ist die Lage bei Fahrern und Bildschirmarbeit?

Bei Fahrerberufen berichten sieben von acht kleinen Studien Nachteile bei mindestens einem Wert, doch Sitzen, Vibration, Abgase und Stress lassen sich nicht trennen. Bei Computerarbeit reichen die Befunde von Nachteilen bis zu keinem Unterschied. Starke Effekte stammen eher aus Patientenstichproben mit schwacher Kontrollgruppe. Die Evidenz ist sehr niedrig.

### Gibt es Belastungen ohne erkennbaren Effekt?

Ja. Für Bor fand eine türkische Arbeitsgruppe auch bei sehr hoher Exposition keine Wirkung auf Samenparameter und Hormone. Allerdings stammen diese Studien aus einer Arbeitsgruppe und sind nicht unabhängig. Auch für Jobstrain fand eine prospektive dänische Kohorte keinen Zusammenhang. Studien ohne Befund sind vermutlich seltener veröffentlicht.

### Warum sind die Ergebnisse so widersprüchlich?

Es gibt mehrere erkennbare Gründe: Fast alle Studien sind Beobachtungsstudien, die Exposition wird oft nur erfragt oder aus der Berufsbezeichnung abgeleitet, viele Gruppen umfassen weniger als 100 Männer, und die Teilnehmer stammen oft aus Kinderwunschkliniken. Hinzu kommen überlappende Stichproben, verschiedene Messmaßstäbe und Zahlen aus Abstracts, die teils Unstimmigkeiten enthalten.

### Was sagen die Leitlinien zu Berufsfaktoren?

Die US-Leitlinie von AUA und ASRM hält fest, dass Ärzte berufliche Expositionen besprechen dürfen, und weist darauf hin, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind. Das Kapitel der europäischen Urologenleitlinie enthält nach der Durchsicht keine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen. Diese Studie gibt keine Behandlungs- oder Verhaltensempfehlung.

*Stand 5. Oktober 2026*

## Kurzfassung

Diese Studie fragt, was die veröffentlichte Forschung über den Zusammenhang zwischen Berufsgruppen, Arbeitsplatzbedingungen und der Spermienqualität von Männern aussagt. Ausgenommen sind die Berufsgruppen Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte, die an anderer Stelle behandelt werden. Studien, in denen diese Gruppen nur als Teilgruppe neben anderen vorkommen, werden erwähnt, aber nicht vertieft.

Die Grundlage bilden 216 Quellen aus den Jahren 1984 bis 2026, die in drei Rechercheläufen über elf Sprachen gesammelt wurden: Englisch (165 Nennungen), Russisch (23), Chinesisch (17), Französisch (8), Türkisch (5), Japanisch (4), Deutsch (2), Polnisch (2) sowie je eine Quelle auf Arabisch, Spanisch und Bulgarisch. Italienisch und Portugiesisch sind im Verzeichnis nicht vertreten. Das Verzeichnis enthält acht Leitlinien, sieben eigenständige Metaanalysen, sechs weitere systematische Übersichten, rund 95 Querschnittsstudien, 15 Fall-Kontroll-Studien und 11 Kohortenstudien. Fast alle Zahlen stammen aus Abstracts; Volltexte wurden nur in Ausnahmefällen gelesen.

Das Gesamtbild ist breit, aber dünn. Für einige Belastungen weisen mehrere, überwiegend kleine Studien in dieselbe Richtung: rotierende Schichtarbeit (in der größten Kohorte mit 3425 Männern eine um 16 % niedrigere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im ersten Jahr, Hazard Ratio 0.84 [s09]), anorganisches Blei (Metaanalyse mit niedrigerer Spermienkonzentration, -0.63 × 10^6/ml [s39]), Lösungsmittel (Metaanalyse, standardisierte Mittelwertdifferenz -0.36 für die Konzentration [s78]), Glykolether, Benzol, Formaldehyd, Kokerei-Emissionen sowie Hitze am Arbeitsplatz (adjustierte Odds Ratio 4.188, bei nur 25 exponierten Männern [s05]). Für viele andere Gruppen, etwa Fahrer, Büro- und Bildschirmarbeit, Lehrer, Finanzberufe oder Beschäftigte im Gesundheitswesen mit Strahlenkontakt, liegen kleine, widersprüchliche oder nicht wiederholte Einzelbefunde vor. Für Bor ist der Befund ausdrücklich negativ: Eine türkische Arbeitsgruppe fand bei sehr hoher Exposition keine Wirkung auf Spermien oder Hormone [s75].

Mehrere Gegenbefunde gehören zum Gesamtbild: Die Metaanalyse zur Nachtschicht kann die Spermienzahl nicht von null unterscheiden (-18.38 × 10^6, Konfidenzintervall -59.82 bis 23.07 [s23]), die prospektive LIFE-Kohorte fand für Schicht-, Nacht- und Vibrationsarbeit keinen Zusammenhang [s101], und die EAU-Leitlinie enthält nach der Durchsicht keine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen [s216].

Gravierend sind die methodischen Grenzen. Fast alle Studien sind Beobachtungsstudien und tragen keine Kausalaussage. Expositionen werden häufig nur erfragt oder aus Berufsbezeichnungen abgeleitet, Probanden stammen oft aus Kinderwunschkliniken, viele Gruppen umfassen weniger als 100 Männer, und mehrere Arbeiten stammen aus denselben Arbeitsgruppen oder Betrieben, sind also keine unabhängigen Bestätigungen. Mehrere Abstracts enthalten erkennbare Unstimmigkeiten, die in den Fachkapiteln benannt werden.

Für Feuerwehr, Piloten und Friseure fand sich im ostasiatischen Raum keine einzige Studie; auch für Köche, Bäcker, Bauarbeiter, zahnmedizinisches Personal, Pflegepersonal und Ärzte (außer in Fragen der Strahlenbelastung) wurde mit den eingesetzten Suchbegriffen kein verwertbarer Humanbefund gefunden. Das ist eine Aussage über die abgerufenen Quellen, kein Beweis, dass es keine Studien gibt: Mehrere große Datenbanken waren nicht erreichbar.

Die Studie fasst Befunde zusammen. Sie gibt keine Behandlungs- oder Verhaltensempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ein auffälliger Samenbefund hat viele mögliche Ursachen; ein Beruf ist, wenn überhaupt, nur eine davon.

## Das Wichtigste in Kürze

**Lesehilfe.** *Evidenzstärke* beschreibt, wie belastbar die vorliegenden Studien nach Design, Größe, Messung der Exposition und Wiederholung durch unabhängige Gruppen sind (hoch, mäßig, niedrig, sehr niedrig). *Gewissheit* beschreibt, wie sicher die Richtung der Aussage ist (hoch, mäßig, gering, nicht beurteilbar). Beides ist eine zusammenfassende Einschätzung der Autorenschaft dieser Studie nach Sichtung überwiegend der Abstracts und keine formale GRADE-Bewertung. Keine Stufe heißt, dass ein einzelner Mann betroffen ist oder nicht; alle Aussagen betreffen Gruppen.

1. **Rotierende Wechselschicht hängt mit schlechterer Fruchtbarkeit zusammen, Festschicht nicht.** In der prospektiven PREBIC-Kohorte (3425 Männer, 24 Monate) hatten rotierende Schichtarbeiter eine um 16 % niedrigere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im ersten Jahr (HR 0.84; 95 %-KI 0.70 bis 0.99), bei Spermienkonzentration -10.77 %, Gesamtzahl -11.63 % und Vitalität -3.86 %; zwischen fester Tag- und fester Schichtarbeit gab es keinen Unterschied [s09]. Eine chinesische Querschnittsstudie fand für Wechselschicht eine Odds Ratio von 1.26 für niedrige Spermienzahl [s62]. Dem stehen die nicht signifikante Metaanalyse [s23] und die LIFE-Kohorte ohne Zusammenhang [s101] gegenüber. *Evidenzstärke:* niedrig bis mäßig. *Gewissheit:* mäßig für Wechselschicht, gering für Nachtarbeit allgemein.

2. **Hitze und Hodentemperatur sind biologisch plausibel, der Beruf als Hitzequelle ist schwach belegt.** Direkte Messungen der Hodensacktemperatur zeigen Zusammenhänge mit der Spermienkonzentration (-40 % je 1 °C Anstieg der medianen Tagestemperatur [s173]); in einer Klinikstichprobe war berufliche Hitzeexposition der stärkste Risikofaktor (OR 4.188; 95 %-KI 1.527 bis 11.484; nur 25 Exponierte [s05]). Die AUA/ASRM-Leitlinie fand keine systematische Übersicht zu Hitzeexposition, die ihre Einschlusskriterien erfüllte [s27]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* gering bis mäßig.

3. **Lange sitzende Tätigkeit erhöht die Hodentemperatur, verschlechtert aber die Routineparameter nicht verlässlich.** Sitzen verlängert die Zeit mit erhöhter Skrotaltemperatur (Median 33.1 °C bei unter 1 Stunde, 34.7 °C bei über 6 Stunden [s174]); eine Analyse von 1747 Männern fand keinen signifikanten Zusammenhang mit der Spermienkonzentration [s159]. Zwei Studien berichten eine höhere Spermien-DNA-Fragmentation bei viel Sitzen [s66, s109]. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* gering.

4. **Fahrerberufe: überwiegend Nachteile in kleinen Studien, nicht trennbar von Sitzen, Vibration, Abgasen und Stress.** Sieben von acht Studien berichten Verschlechterungen mindestens eines Parameters (zum Beispiel normale Formen bei Taxifahrern in Rom 45.8 % gegen 64.0 % [s202]); eine polnische Laborauswertung fand keinen Unterschied [s199]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* gering.

5. **Blei ist die am besten bestätigte Einzelbelastung, vor allem bei hoher Exposition.** Die Metaanalyse mit zehn Studien findet niedrigeres Volumen (-0.76 ml), niedrigere Konzentration (-0.63 × 10^6/ml), Gesamtzahl (-1.94 × 10^6), Vitalität (-2.18 %) und Gesamtbeweglichkeit (-1.31 %) [s39]; eine Dreiländerstudie nennt einen Schwellenbereich um 44 µg/dl Blutblei [s171]. Eine französische Kohorte fand keine verminderte Fertilität [s213]. *Evidenzstärke:* mäßig. *Gewissheit:* mäßig bis hoch bei hoher Exposition, gering bei niedriger.

6. **Lösungsmittel (Glykolether, aromatische Lösungsmittel, Benzol) zeigen in mehreren Designs in dieselbe Richtung.** Metaanalyse aus sieben Studien: Volumen SMD -0.35, Konzentration SMD -0.36 [s78]; Glykolether adjustiert OR 2.25 bei hoher Exposition [s131]; Benzol mit mehr Chromosomenabweichungen in Spermien [s117]. Mehrere Benzolstudien stammen aus denselben Betrieben. *Evidenzstärke:* mäßig bis niedrig. *Gewissheit:* mäßig.

7. **Formaldehyd und Kokerei-Emissionen (PAK): Hinweise, überwiegend aus je einer Arbeitsgruppe.** Formaldehyd mit niedrigerer Beweglichkeit in zwei Xi'an-Studien [s49, s104]; PAK mit Schäden am Spermienerbgut, während Standardparameter uneinheitlich bleiben [s95, s41, s46]. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* gering bis mäßig.

8. **Bor: kein Effekt auf die Spermien, trotz sehr hoher Exposition.** Bei Arbeitern mit mittlerer Tagesaufnahme von 47.17 mg Bor fanden sich weder auf Samenparameter noch auf FSH, LH und Testosteron Effekte [s75]; auch das Y:X-Verhältnis blieb unverändert [s65, s69]. Die Studien stammen aus einer Arbeitsgruppe. *Evidenzstärke:* niedrig bis mäßig (beste Expositionsmessung der Literatur). *Gewissheit:* mäßig.

9. **Strahlung: kleine Einzelstudien, hochfrequente Felder unsicher.** Radiologiebeschäftigte hatten niedrigere Konzentration und mehr Formabweichungen (30 gegen 30 Männer [s02]); die Dosis-Wirkungs-Metaanalyse zu Radiofrequenz bewertet die Evidenz als sehr unsicher [s31]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* nicht beurteilbar bis gering.

10. **Psychischer Arbeitsstress und Bildschirmarbeit: widersprüchlich.** Hoher Arbeitsstress mit OR 2.14 für eine Konzentration unter der WHO-Schwelle, aufgehoben bei hoher sozialer Unterstützung [s71]; zwei andere Studien fanden keinen Zusammenhang mit Jobstrain [s108, s157]. Computerarbeit: Nachteile [s42, s133, s120], kein Unterschied [s152]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* gering.

11. **Berufsklassen als solche (Technik, Finanz, Lehrer) liefern wechselnde und nicht wiederholte Befunde.** Singapurer Fall-Kontroll-Daten nennen für Lehrer OR 7.72 (KI 1.86 bis 32.10) [s179], Samenspender in Ostchina erhöhte Risiken für Finanzberufe [s53]; Replikation und Erklärung fehlen. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* nicht beurteilbar.

12. **Schwere körperliche Arbeit ist ein konsistenterer Hinweis als sitzende Arbeit, aber nur in zwei Studien.** In der LIFE-Kohorte hatten 13 % der Männer mit schwerer Anstrengung eine Oligospermie gegenüber 6 % [s101]; Müdigkeit und Schwitzen bei der Arbeit korrelierten schwach negativ mit Konzentration und Morphologie [s04]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* gering.

13. **Leitlinien bewerten Berufsfaktoren nur allgemein.** AUA/ASRM: Ärzte „may discuss“ berufliche Expositionen und weisen dabei darauf hin, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind (Conditional Recommendation, Evidenzgrad C) [s27]; EAU-Kapitel ohne eigene Empfehlung zu Berufsgruppen [s216]. *Evidenzstärke:* nicht anwendbar. *Gewissheit:* hoch (für die Aussage, dass die Leitlinien so formulieren).

14. **Die Evidenz ist durch Auswahl, Messfehler und Überlappung begrenzt.** Querschnittsdesign, Kinderwunschpatienten, Selbstauskunft, Mehrfachtests und überlappende Stichproben sind die Regel; die Lücken (Feuerwehr, Piloten, Friseure im ostasiatischen Raum) sind teils Recherchelücken. *Evidenzstärke:* überwiegend niedrig bis sehr niedrig (Ausnahme Blei: mäßig). *Gewissheit:* hoch für diese Gesamteinschätzung.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Abgrenzung

Untersucht wird, ob und in welcher Form Berufsgruppen, berufliche Tätigkeiten und Arbeitsplatzbelastungen mit Veränderungen der Spermienqualität und der männlichen Fruchtbarkeit zusammenhängen. Ausgenommen sind laut Auftrag die Berufsgruppen Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte. Das hat Folgen für die Darstellung: Reine Pestizidstudien an landwirtschaftlich Tätigen wurden nicht aufgenommen. Arbeiten, in denen ausgenommene Gruppen nur eine Untergruppe bilden, werden als Kontext erwähnt. Ein Beispiel ist die Auswertung von 2054 infertilen Männern in Münster, in der Landwirte und Maler und Lackierer häufiger verminderte Spermienzahlen hatten und Metallarbeiter und Schweißer häufiger verminderte Beweglichkeit [s180]. Ein weiteres Beispiel sind chinesische Samenspender, bei denen Soldaten und Polizisten die niedrigste Konzentration zeigten [s53]. Die Radar- und Panzerstudien aus der Volksbefreiungsarmee [s140, s156, s166, s164] gehören streng genommen zum ausgenommenen Militär und dienen hier nur als Kontext für Strahlenbelastung. Die Tschernobyl-Aufräumarbeiter [s210, s211, s155] sind ein Grenzfall, weil ihre Dosisangaben aus Wehrpässen stammen [s211].

Unter „Spermienqualität“ werden in dieser Studie die Routineparameter des Spermiogramms verstanden (Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie), dazu erweiterte Marker (Spermien-DNA-Fragmentation, Chromatinstruktur, Chromosomenabweichungen, oxidative Schäden) sowie, wo nichts anderes vorliegt, Hilfsgrößen der Fruchtbarkeit (Zeit bis zur Schwangerschaft, Schwangerschaftsrate, Geschlechterverhältnis der Kinder). Diese Hilfsgrößen sind ausdrücklich indirekt und werden im Text so gekennzeichnet.

### Wie recherchiert wurde

Die Recherche lief am 5. Oktober 2026 in drei Teilen, getrennt nach Sprachgruppen. Die PubMed-Webseite war für den Auftrag gesperrt; als Hauptquelle diente die REST-Schnittstelle von Europe PMC, die PubMed, MEDLINE, PMC und die Chinese Biological Abstracts umfasst, dazu die E-utilities des NCBI, soweit nötig.

**Gruppe a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch).** Durchsucht wurden Europe PMC, die NCBI-Schnittstelle, die französische Archivplattform HAL (Hochschulschriften), Dialnet (spanischsprachig), die Webseiten der Leitlinien von AUA/ASRM und EAU sowie das Cochrane-Verzeichnis über Europe PMC. Aus mehreren tausend Treffern wurden 130 Quellen mit abgerufenem Abstract oder Online-Text aufgenommen. Der Bericht dieser Gruppe nennt acht Leitlinien beziehungsweise Leitlinienvergleiche (darunter zwei Online-Volltexte), rund 30 Übersichtsarbeiten, systematische Übersichten und Metaanalysen, drei Tierversuche und im Übrigen Primärstudien am Menschen.

**Gruppe b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch).** Über 20 Abfragen in Europe PMC mit Länderfilter (China, Japan, Korea, Taiwan, Hongkong) und mit Berufs- und Expositionsbegriffen, dazu Titelsuchen zu den einzelnen Berufsgruppen sowie Suchen in chinesischer, japanischer und koreanischer Schrift, ferner J-STAGE, CiNii, KCI und KoreaMed. 67 Quellen wurden abgerufen, davon 63 aus dem Zielraum und vier Randfälle aus anderen Ländern. Die Datenbanken CNKI, Wanfang und DBpia waren nicht auswertbar erreichbar. Was über chinesischsprachige Originalartikel berichtet wird, beruht auf den englischsprachigen PubMed-Abstracts.

**Gruppe c (Russisch, Arabisch, Türkisch).** Europe PMC mit Länder- und Sprachfiltern, NCBI-efetch für die Originaltitel russischer Einträge, CyberLeninka (52 russischsprachige Volltexte gelesen, 16 aufgenommen), der türkische Zitationsindex TR Dizin sowie e-Marefa als arabischer Index. Aufgenommen sind 44 Quellen. eLIBRARY.ru, DergiPark, Arab World Research Source, ASJP und ägyptische Universitätsportale waren nicht nutzbar.

Die drei Berichte nannten zusammen 130, 67 und 44 Quellen. Nach der Zusammenführung enthält das Verzeichnis 216 Quellen; die Differenz erklärt sich überwiegend durch Doppelnennungen derselben Arbeit in mehreren Berichten, eine genaue Aufschlüsselung liegt nicht vor. Im Text wird ausschließlich mit den Kennungen des zusammengeführten Verzeichnisses zitiert (s01 bis s216).

### Zusammensetzung der Quellenbasis

Die folgenden Zahlen stammen aus einer Auszählung des Verzeichnisses. Die Zuordnung nach Studiendesign erfolgte anhand des Designfeldes der Einträge und ist deshalb grob; einzelne Arbeiten lassen sich mehreren Kategorien zuordnen.

| Kategorie | Anzahl (ungefähr) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Leitlinien und Leitlinienvergleiche | 8 | AUA/ASRM [s27, s28], EAU [s19, s216], WHO-Vergleich [s01], Australien [s18], Frankreich [s32, s59] |
| Metaanalysen | 8 Einträge, 7 eigenständige | Nachtschicht [s23], Lösungsmittel [s78, dieselbe Arbeit als Masterarbeit s77], Blei [s39], Cadmium [s38], Radiofrequenz [s31], Mobiltelefon [s61], körperliche Aktivität [s67] |
| Weitere systematische Übersichten | 6 | zum Beispiel Nickel [s33], Schichtarbeit und Urogenitalerkrankungen [s74], Gesamtübersichten [s37, s43] |
| Narrative Übersichten, Scoping Reviews | rund 35 | deutsch, französisch, japanisch, russisch, türkisch und englisch |
| Kohortenstudien | 11 | zum Beispiel PREBIC [s09], LIFE [s101], dänische Kohorten [s157, s187] |
| Fall-Kontroll-Studien | 15 | zum Beispiel Singapur [s179, s185], Libanon [s134] |
| Querschnittsstudien | rund 95 | die häufigste Bauart |
| Tierversuche | 7 | Ratte, Maus |
| Übrige (Vergleichsstudien, Fallserien, Fallberichte, Laborauswertungen) | rund 30 | meist kleine Gruppen |

Nach Erscheinungsjahr verteilen sich die Quellen so: 2 vor 1990, 24 aus den 1990er Jahren, 65 aus den Jahren 2000 bis 2009, 61 aus den Jahren 2010 bis 2019 und 63 aus den Jahren ab 2020. Die ältesten Einträge sind eine Fall-Kontroll-Studie von 1984 [s215] und eine Vergleichsstudie an Bleiarbeitern von 1987 [s214]; die jüngsten stammen aus 2026, darunter die PREBIC-Kohorte [s09].

Nach Veröffentlichungssprache: 165 Einträge tragen Englisch als Sprachangabe, 23 Russisch, 17 Chinesisch, 8 Französisch, 5 Türkisch, 4 Japanisch, 2 Deutsch, 2 Polnisch und je 1 Arabisch, Spanisch und Bulgarisch (Mehrfachangaben zählen mehrfach, etwa türkisch und englisch bei zweisprachigen Abstracts). Polnisch und Bulgarisch liegen außerhalb der Zielsprachen und sind Zusatzfunde mit englischem Abstract.

### Was die Sprachräume beitragen

Die quantitative Evidenz liegt fast vollständig auf Englisch: alle Metaanalysen und alle großen Kohorten. Das Chinesische liefert zwei Generationen von Arbeiten: kleine, meist chinesischsprachige Betriebsstudien aus den Jahren 1995 bis 2009 (Benzol, Lösungsmittel, Pestizide, Metalle) und größere, englischsprachige, die sich seit etwa 2015 auf Lebensstil, Schichtarbeit, Stress und sitzende Tätigkeit richten [s09, s53, s42, s34, s71, s05]. Aus Taiwan stammen Arbeiten mit personenbezogener Luftmessung (PAK, DEHP, Dimethylformamid). Koreanisch geprägt ist die Literatur durch ein einziges Ereignis, die 2-Brompropan-Vergiftung von 1995 in einer Elektronikfabrik [s203, s192, s123]. Die japanische Literatur besteht überwiegend aus Übersichten und Tierversuchen; ein Beitrag von 2005 hält fest, dass in Japan bisher nur sehr wenige Samenindex-Studien an Arbeitsplätzen durchgeführt wurden [s147], und eine Studie von 2026 zeigt, warum: Von rund 2000 eingeladenen Beschäftigten schlossen nur 6 das Protokoll einer betrieblichen Samenanalyse ab [s07]. Die russischsprachige Literatur kommt aus der Arbeitsmedizin (Metallurgie, Erzbergbau, Erdöl und Gas) und arbeitet mit eigenen Konventionen, etwa Gefährdungsklassen und dem relativen Risiko mit ätiologischem Anteil, meist ohne Konfidenzintervalle [s130, s72]. Die türkische Literatur hat mit der Borforschung den größten Einzelblock zu einer Berufs- und Expositionsgruppe [s75, s65, s69, s64, s115, s119, s92, s184]. Aus dem arabischen Raum stammen vier englischsprachige Arbeiten, vor allem aus Marokko und Tunesien [s21, s86, s14, s87]; arabischsprachige Berufsstudien mit Samenanalyse wurden nicht gefunden. Aus dem deutschen Sprachraum gibt es zwei Übersichten aus der Urologie [s52, s96], aber keine Primärstudie zu Berufsgruppen; die Treffer aus der Arbeitsmedizin betreffen Grenzwertbegründungen für einzelne Stoffe. Französisch ist durch eine arbeitsmedizinische Tradition mit Berufsfragebögen in der Andrologie [s125, s91, s97] sowie durch Hochschulschriften geprägt [s77, s29].

### Grenzen dieser Studie

**Überwiegend Abstracts.** Für fast alle Quellen wurde nur das Abstract gelesen. Volltexte lagen vor für die Leitlinienseiten von AUA/ASRM [s27] und EAU [s216], für Teile von sechs Arbeiten aus der ostasiatischen Gruppe [s05, s53, s42, s117, s49, s104] und für 16 russischsprachige Artikel aus CyberLeninka. Stärken und Schwächen der Studien sind deshalb nur so weit beurteilbar, wie das Abstract es zeigt. Fehlende Angaben, etwa zur Kontrolle von Störfaktoren, bedeuten nicht, dass sie in der Arbeit fehlen.

**Zahlen aus Abstracts, mit Widersprüchen.** Mehrere Abstracts enthalten erkennbare Unstimmigkeiten, die in den Fachkapiteln einzeln benannt werden. Beispiele: Bei Taxifahrern in Teheran wird eine negative Wirkung der Vibration mit P > 0.05 behauptet [s55]; bei Fahrradtaxi-Fahrern in Malawi sind die Werte der Gesamtbeweglichkeit in beiden Gruppen identisch angegeben [s102]; in einer Studie zu Wohn- und Berufsumfeld erscheint die Nähe zu einer Chemiefabrik als „schützend“ [s42]; in einer Arbeit zu Borarbeitern stehen p-Werte größer als 1 [s64]; in einer türkischen Arbeit passen Konfidenzintervall und p-Wert nicht zueinander [s54]. Solche Zahlen werden nur wörtlich und mit Warnhinweis wiedergegeben.

**Überschneidungen.** Viele Arbeiten stammen aus denselben Arbeitsgruppen oder Betrieben und sind keine unabhängigen Bestätigungen. Dazu gehören die Metallurgen-Studien aus Wolgograd (drei nahezu wortgleiche Veröffentlichungen desselben Datensatzes [s142, s141, s136]), die Kokerei-Studien einer taiwanischen Arbeitsgruppe [s95, s112, s79, s41, s46], die Benzolstudien aus Südchina [s188, s181, s167, s161], die Fenvalerat-Studie in zwei Sprachfassungen [s177, s144] mit teils gemeinsamen Kontrollen [s153], die zwei Formaldehyd-Studien aus Xi'an [s49, s104], die beiden Singapurer Fall-Kontroll-Studien mit jeweils 218 Fällen [s179, s185] und die Borstudien aus Bandırma. Die Metaanalyse zu Lösungsmitteln [s78] und die französische Masterarbeit [s77] sind dieselbe Arbeit.

**Selektion.** Kinderwunschkliniken, Männerkliniken und Samenspenderprogramme sind selektierte Populationen. In Studien mit Patienten und gesunden Kontrollen vermischt sich der Berufsvergleich mit dem Gesundheitszustand [s11]. Ein Vorteil der Studie an Männern mit nachgewiesener Fruchtbarkeit ist, dass der Befund nicht durch Infertilitätsauswahl entsteht [s50].

**Expositionserfassung.** In der Mehrzahl der Studien wird Exposition erfragt oder aus der Berufsbezeichnung abgeleitet. Gemessene Expositionen (Blutblei, Urin-Benzol, Bor in Blut und Samen, personenbezogene Luftmessung, Hodensacktemperatur) sind die Ausnahme.

**Mehrfachtests und Publikationsverzerrung.** Viele Studien vergleichen sehr viele Berufe oder Parameter ohne Korrektur für mehrfaches Testen; nur wenige korrigieren [s109]. Studien mit Befund werden vermutlich häufiger veröffentlicht als Studien ohne.

**Fehlende Datenbanken.** Nicht erreichbar waren unter anderem CNKI, Wanfang, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, Cairn, SciELO und LILACS/BVS. Für Spanisch, Portugiesisch und Italienisch besteht deshalb eine echte Lücke der Recherche, die nicht mit der Abwesenheit von Studien gleichzusetzen ist. Dissertationen wurden nicht durchsucht.

**Keine Handlungsempfehlungen.** Die Studie enthält keine Therapie-, Schutz- oder Verhaltensempfehlung. Wo Originalarbeiten Vorschläge machen, werden diese als Aussage der Autoren dieser Arbeiten wiedergegeben, nicht als Aussage dieser Studie.


**Hinweis zur Übertragbarkeit.** Befunde gelten für die jeweilige Arbeitsplatzumgebung, den Betrieb und den Zeitpunkt. Viele Studien sind 15 bis 30 Jahre alt und spiegeln frühere Expositionsniveaus. Die Beobachtungen erlauben keine Aussage über einzelne Männer oder über einen Beruf insgesamt.

## Hintergrund

### Biologie: Was an den Spermien berufsbedingt gestört werden könnte

Die Bildung reifer Spermien (Spermatogenese) findet in den Hodenkanälchen statt, die Reifung und Speicherung im Nebenhoden. Dieser Prozess ist an mehreren Stellen störbar, und die Studien dieser Literatur setzen an unterschiedlichen Punkten an. Die folgende Übersicht ordnet die in den Quellen beschriebenen Angriffspunkte, ohne damit zu behaupten, dass sie für eine Berufsgruppe nachgewiesen wären.

**Temperatur.** Die Hoden liegen außerhalb des Körpers im Hodensack, und mehrere Quellen gehen davon aus, dass ihre Wärmeregulation für die Spermienbildung wichtig ist. In einer Übersicht zur genitalen Hitzebelastung heißt es, dass die Sitzdauer bei der Arbeit positiv mit der Hodensacktemperatur am Tag korreliert und die Tagestemperatur negativ mit der Spermienqualität; eine unmittelbare negative Korrelation zwischen Sitzdauer und Spermienqualität ließ sich in den verfügbaren Studien jedoch nicht zeigen [s137]. Das ist die Kernspannung des Themas. Die Messstudien stützen den ersten Teil: In einer Studie an 101 Männern lag die mediane Hodensack-Hauttemperatur über 24 Stunden bei 33.1 °C, wenn weniger als eine Stunde gesessen wurde, und bei 34.7 °C bei mehr als sechs Stunden Sitzen; die Variation der sitzenden Arbeit erklärte 31.5 % der Variation der Mediantemperatur [s174]. Bei 99 gesunden Männern sank die Spermienkonzentration um 40 % je 1 °C Anstieg der medianen Tagestemperatur (95 %-KI 8 bis 71 %), während zwischen sitzender Position und Samenqualität nur schwache und inkonsistente Zusammenhänge bestanden [s173]. In einer dänischen Kohorte lag die mediane Konzentration bei Männern mit mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C bei 33.4 × 10^6/ml, bei Männern mit weniger als der Hälfte der Werte über 35 °C bei 91.8 × 10^6/ml [s187]. Wie schnell sich Hitzeschäden zurückbilden, beschreibt eine russische Übersicht mit dem Hinweis, in Freiwilligenversuchen mit leicht erhöhter Hodentemperatur seien morphologische Spermienanomalien erst nach 73 Tagen zur Norm zurückgekehrt [s45]; Spermienbefunde können demnach auf Ereignisse reagieren, die Wochen bis Monate zurückliegen. Die chinesische Radarstudie mit Rückbildungsgruppe (sechs Monate ohne Exposition, Morphologie und Beweglichkeit besser, aber gegenüber Kontrollen noch verändert) zeigt ein ähnliches Muster [s140].

**Hormonelle Steuerung.** Die Spermienbildung wird über die Achse aus Hypothalamus, Hypophyse und Hoden gesteuert (GnRH, LH, FSH, Testosteron). Mehrere Arbeitsplatzstudien untersuchen deshalb Hormone neben dem Spermiogramm. Bei manganexponierten Arbeitern waren GnRH und LH erhöht und Testosteron erniedrigt [s70]; bei Beschäftigten mit Schwefelkohlenstoff-Exposition waren FSH und LH erhöht und Testosteron erniedrigt [s93]; in einer großen chinesischen Querschnittsstudie an 1573 bleiexponierten Arbeitern fand sich ein linearer Zusammenhang zwischen Blutblei und Testosteron, ohne dass Spermienparameter erhoben wurden [s24]. Die Metaanalyse zur Nachtschicht fand ein um 15 ng/dl höheres Testosteron bei Schichtarbeitern, mit einem Konfidenzintervall von -19.3 bis 49.39 [s23]. Der Zusammenhang zwischen Hormonbefund und Spermienbefund ist also nicht eindeutig.

**Oxidativer Stress und Erbgutschäden.** Spermien sind für oxidative Schäden anfällig, und viele neuere Studien messen deshalb Marker dafür: bei Nachtarbeitern erhöhte d-ROMs-Werte (Median 340 gegen 280 U.CARR [s13]), erhöhtes Malondialdehyd im Seminalplasma bei Blei [s135], erhöhte reaktive Sauerstoffspezies bei Beschäftigten mit Lösungsmitteln und Schwermetallen [s06]. Erbgutschäden werden über Chromatinstruktur, Fragmentation, DNA-Addukte und den Comet-Test erfasst [s60, s95, s64]. Chromosomenabweichungen in Spermien (FISH) wurden vor allem bei Benzol [s117, s188] und Styrol [s169] untersucht. Diese Marker können auch dann verändert sein, wenn die Standardwerte im Normbereich liegen (zum Beispiel bei der Kokerei [s95]).

**Weitere Mechanismen.** Für Cadmium wird eine Wirkung auf die Blut-Hoden-Schranke beschrieben [s15], für Organophosphate im Tierversuch eine Schädigung des Nebenhodenepithels mit gebrochenen Spermien und Zytoplasmatropfen [s128]. Zirkadiane Störungen führten im Mausmodell zu Spermien-DNA-Schäden über eine Beeinträchtigung der homologen Rekombination [s10] und bei Ratten zu verminderter Beweglichkeit und Akrosomreaktion bei unveränderter Spermienzahl [s44]. Tierdaten stützen die Plausibilität, sagen aber nichts über das Ausmaß beim Menschen.

**Verhaltens- und Lebensstilfaktoren.** Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Alter und Varikozele beeinflussen die Spermienqualität unabhängig vom Beruf und sind mit Berufsgruppen verknüpft. Blaukragen- und Weißkragen-Beschäftigte unterscheiden sich in Rauchen, Alkohol, Hitze, chemischer Exposition, Stress und sitzendem Lebensstil [s03]. In einer Querschnittsstudie mit 826 Männern blieben in der multivariaten Analyse laut Abstract nur Lebensstilfaktoren als unabhängig übrig, berufliche Faktoren nicht [s34]. Das erklärt, warum Berufsvergleiche ohne sorgfältige Adjustierung schwer zu deuten sind.

### Definitionen und Messgrößen

**Das Spermiogramm.** Die Routineuntersuchung des Ejakulats umfasst Volumen (in Millilitern), Spermienkonzentration (Millionen je Milliliter), Gesamtzahl (Millionen je Ejakulat), Beweglichkeit (Anteil beweglicher Spermien, getrennt nach progressiver und Gesamtbeweglichkeit), Vitalität (Anteil lebender Spermien) und Morphologie (Anteil normal geformter Spermien). Die Probe wird nach einer Karenzzeit gewonnen; unterschiedliche Karenzzeiten sind eine bekannte Störgröße, die in einigen Arbeiten ausdrücklich genannt wird [s147, s166]. Mit computergestützter Analyse (CASA) werden zusätzlich Bewegungsgrößen wie VCL, VSL und VAP bestimmt [s104].

**Begriffe aus den Studien.** Viele Arbeiten dieser Literatur nutzen die klassischen Bezeichnungen: Oligozoospermie (zu niedrige Konzentration), Asthenozoospermie (zu niedrige Beweglichkeit), Teratozoospermie (zu geringer Anteil normaler Formen), Nekrozoospermie (zu hoher Anteil toter Spermien), Azoospermie (keine Spermien im Ejakulat) und die Kombination Oligoasthenoteratozoospermie. Das Handbuch der WHO von 2021 benutzt diese Begriffe nach Darstellung einer Übersicht nicht mehr: Die Begriffe „Normozoospermie“, „Asthenozoospermie“, „Nekrozoospermie“ und „Teratozoospermie“ kommen in den rund 280 Seiten der Ausgabe nicht vor, weil Referenzwerte allein für die Diagnose nicht ausreichen (Boitrelle und Kollegen 2021). Die Studien dieser Studie verwenden die Begriffe dennoch, weil sie überwiegend aus der Zeit davor stammen.

**Erweiterte Marker.** Die Spermien-DNA-Fragmentation (DNA-Fragmentationsindex, DFI) wird mit Verfahren wie dem Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA), dem Halosperm-Test oder dem Comet-Test gemessen. Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) zählt Chromosomen in Spermienkernen. Hinzu kommen Oxidationsmarker (zum Beispiel Malondialdehyd), Hormone im Blut und Biomarker der Exposition (Blutblei, Urin-Muconsäure als Benzol-Marker, Bor in Blut und Samen, 1-Hydroxypyren im Urin als PAK-Marker [s95]).

**Hilfsgrößen der Fruchtbarkeit.** Einige Studien messen keine Spermien, sondern die Zeit bis zur Schwangerschaft oder die Hazard Ratio für eine Schwangerschaft [s09, s157], die Gesamtfruchtbarkeitsrate eines Landes [s58] oder das Geschlechterverhältnis der Kinder als indirekten Marker für Schäden an Y-tragenden Spermien [s17, s54, s65]. Diese Größen hängen von vielen Faktoren außer der Spermienqualität ab und werden in dieser Studie nur als indirekte Hinweise gelesen. Befragungen zu Partnerinnen beschäftigter Männer (Fehlgeburten, Zeit bis zur Schwangerschaft) sagen nichts direkt über Spermien aus [s83, s84, s184].

**Schwelle und Dichotomisierung.** Mehrere Studien dichotomisieren die Befunde (unter oder über einer Schwelle) und berichten Odds Ratios. Eine Arbeit zeigt, dass die dichotome Analyse keine Zusammenhänge zwischen Berufsfaktoren und Fallstatus fand, die Analyse kontinuierlicher Variablen jedoch schon [s198]. Die Wahl der Auswertung beeinflusst also das Ergebnis.

### Die WHO-Referenzwerte 2021

Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte die sechste Ausgabe ihres Laborhandbuchs zur Untersuchung und Aufbereitung menschlichen Ejakulats im Juli 2021. Die darin genannten Werte sind die unteren fünften Perzentile von Männern, deren Partnerinnen innerhalb von zwölf Monaten auf natürlichem Weg schwanger wurden. Sie beruhen nach der Analyse von Campbell und Kollegen auf Daten von mehr als 3500 Männern aus zwölf Ländern auf fünf Kontinenten; die Autoren betonen, dass diese Werte keine scharfen Grenzen zwischen fruchtbaren und subfertilen Männern darstellen (Campbell und Kollegen 2021). Die folgende Tabelle gibt die Werte der fünften und der sechsten Ausgabe nach der Übersicht von Boitrelle und Kollegen (2021) wieder, jeweils mit 95 %-Konfidenzintervall; für die Konzentration sind die Angaben aus der Arbeit von Campbell und Kollegen und aus Studien des Verzeichnisses ergänzt.

| Größe | WHO 2010 (5. Ausgabe) | WHO 2021 (6. Ausgabe) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1.5 (1.4 bis 1.7) | 1.4 (1.3 bis 1.5) |
| Spermienkonzentration (Mio./ml) | 15 (in Studien des Verzeichnisses als WHO-Untergrenze genannt [s109, s99]) | 16 (Campbell und Kollegen 2021) |
| Gesamtzahl je Ejakulat (Mio.) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normalformen (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3.9 bis 4) |

Drei Einschränkungen gehören zu diesen Werten. Erstens benennt das Handbuch von 2021 diese Werte nicht mehr als Referenzgrenzen, sondern verweist auf „Entscheidungsgrenzen“, ohne selbst welche vorzuschlagen (Boitrelle und Kollegen 2021). Zweitens wurde die Datengrundlage kritisch hinterfragt: Eine Reanalyse kam zu dem Schluss, dass die Voraussetzungen für gemeinsame Referenzintervalle aus Daten mehrerer Zentren größtenteils nicht erfüllt seien und keine der zehn Teilpopulationen durch die gepoolten Perzentile vollständig korrekt beschrieben werde (Paffoni und Kollegen 2022). Drittens liegen die Perzentile für fruchtbare Männer; ein Wert unter der Grenze besagt nicht, dass ein Mann unfruchtbar ist, und ein Wert darüber nicht, dass er es nicht sein kann.

**Welche Maßstäbe die Studien benutzen.** Die Studien dieser Literatur messen keineswegs durchgehend nach der Ausgabe von 2021. Sie beziehen sich auf WHO-Kriterien von 1997 [s142], 1999 [s163], 2010 [s03, s66] und 2021 [s02, s21]; die klinikbasierte Studie aus Xinjiang nutzt die sechste Ausgabe und definiert niedrige Qualität als Konzentration unter 16 × 10^6/ml oder progressive Beweglichkeit unter 30 % [s05]. Eine chinesische Studie legt als Schwelle eine Gesamtzahl unter 120 × 10^6 nach den Kriterien des Gesundheitsministeriums zugrunde [s62]. Ein extremes Beispiel liefert eine Moskauer Klinikstudie, die bei Kontrollen 90.56 % morphologisch normale Spermien berichtet [s11], was sich schwer mit den strengen Normalform-Kriterien vereinbaren lässt, für die eine andere Moskauer Klinikstudie die WHO-Untergrenze von 4 % nennt [s99]; es deutet auf ein anderes Bewertungsverfahren hin. Die Zahlen verschiedener Studien sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar. Zur Einordnung: In einer marokkanischen Klinikstudie mit 3025 Männern lagen 25.60 % unter dem WHO-2021-Referenzwert für die Konzentration, 34.13 % für die Morphologie, 32.29 % für die Gesamtbeweglichkeit und 62.46 % für die Vitalität [s21]. Diese Männer waren Patienten einer Kinderwunschpraxis; die Anteile dürfen nicht auf Beschäftigte oder die Allgemeinbevölkerung übertragen werden.

### Geschichte der Forschungsfrage

**Frühe Warnsignale.** Die Frage nach beruflichen Ursachen verminderter männlicher Fruchtbarkeit entstand aus Beobachtungen an einzelnen Stoffen. Als frühe Hinweise werden Blei bei Arbeitern in Rumänien (1975) und Dibromchlorpropan (1977) genannt [s110]; die Dibromchlorpropan-Ausbrüche der 1960er und 1970er Jahre erwähnt auch ein japanischer Beitrag [s100]. Die Berufsfrage weitete sich von einzelnen Stoffen auf Berufsgruppen insgesamt aus, als Fall-Kontroll-Studien in Kliniken Berufsangaben auswerteten: Eine Studie von 1984 fand bei 112 azoo- oder oligospermischen Männern und 127 Kontrollen keinen Berufsfaktor, der mit Azoospermie oder Oligospermie verbunden war [s215]; eine Studie von 1987 verglich 18 Batteriearbeiter mit 18 Zementarbeitern und fand die mediane Spermienzahl niedriger (45 gegen 73 Millionen Zellen/cc) ohne Hormonveränderung [s214]; eine Kohorte von 354 Bleiarbeitern erschien 1991 [s213].

**1990er Jahre: Ereignisse und Berufsklassen.** Die frühen 1990er Jahre brachten Studien an Aufräumarbeitern nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl [s210, s211] und eine Untersuchung in Singapur, die Berufs- und Branchenklassen mit der Spermienqualität verglich [s208]. 1995 erkrankten in einer koreanischen Elektronikfabrik Beschäftigte nach dem Einsatz von 2-Brompropan als Ersatz für Fluorchlorkohlenwasserstoffe; unter den acht betroffenen Männern hatten zwei eine Azoospermie und vier eine Oligospermie oder verminderte Beweglichkeit [s203, s192]. Dieser Fall prägt die koreanische Literatur und wird in japanischen Übersichten aufgegriffen [s145, s146, s100]; die Autoren der Fallbeschreibung mahnen, unbekannte Ersatzstoffe nicht mit ungefährlichen zu verwechseln [s192]. Daneben entstanden große Fall-Kontroll-Studien wie die niederländische mit 899 Männern [s195].

**2000 bis 2013: Messung statt Erfragung.** Ab 2000 treten gemessene Größen in den Vordergrund: Hodensacktemperatur über 24 Stunden [s187, s173, s174], Biomarker bei Benzol, Blei und Styrol und Chromosomenanalysen in Spermien [s188, s117]. Übersichten ziehen Bilanz. Jensen und Kollegen (2006) sehen den Einfluss von Hitze, ionisierender Strahlung, anorganischem Blei, Dibromchlorpropan, Ethylendibromid, einigen Ethylenglykolethern, Schwefelkohlenstoff und Schweißarbeiten in gut gestalteten epidemiologischen Studien als „strongly supported“ [s143]. Bonde und Storgaard (2002) halten berufliche Gefahren für bekannt, aber für zu selten, um den Rückgang der Spermienzahl in der Allgemeinbevölkerung zu erklären; eine Ausnahme könne sitzende Arbeit sein [s172]. Kamijima stellt 2005 fest, dass Arbeitsplatzstudien zu Samenindizes in Japan selten sind und viele methodische Fragen aufwerfen, etwa Einwilligung, Karenzzeit und die Mitteilung niedriger Befunde an eine exponierte Gruppe [s147]. Die britische Glykolether-Studie mit 2118 beschäftigten Männern erscheint 2008 [s131]; eine Übersicht von Bonde (2013) hält fest, dass für Bor keine Hinweise auf Toxizität für die menschliche Spermatogenese vorliegen, während Benzol selbst bei sehr niedriger Exposition Chromosomenabweichungen in Spermien verursachen könne [s111]. Schrader und Marlow (2014) geben einen Überblick über die Methoden der Untersuchung beruflich Exponierter [s110].

**2014 bis 2026: Schichtarbeit, Stress, Biomarker.** Die jüngere Literatur konzentriert sich auf Wechselschicht, oxidativen Stress, Spermien-DNA-Fragmentation und Biomarker. Zu den wichtigen Arbeiten gehören die LIFE-Kohorte [s101], die chinesische Querschnittsstudie zu zirkadianer Desynchronisation [s62], die ökologische Studie zu Wechselschicht und Gesamtfruchtbarkeitsrate in 35 europäischen Ländern [s58], die Metaanalyse zu Nachtschichtarbeit [s23] und schließlich die PREBIC-Kohorte mit 3425 Männern [s09]. Ein zweiter Strang sind Methodenfragen: Eine japanische Studie von 2026 beschreibt, dass von rund 2000 eingeladenen Beschäftigten nur 6 das Protokoll einer betrieblichen Samenanalyse abschlossen, und nennt als Gründe unter anderem Verlegenheit, Sorge vor ungünstigen Ergebnissen und Sorge um die Privatsphäre [s07]; ein Protokoll zur Verbindung von Spermienmikroskopie, Umweltexposition und Lebensstil rekrutierte 124 Personen und erwartet Ergebnisse bis März 2028 [s08].

**Leitlinien.** Die AUA/ASRM-Leitlinie hält in Statement 8 als Conditional Recommendation (Evidenzgrad C) fest, dass Ärzte Risikofaktoren einschließlich beruflicher Expositionen besprechen dürfen („may discuss“) und dabei darauf hinweisen, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind; für Hitzeexposition, Schlaf und Sport erfüllte keine systematische Übersicht die Einschlusskriterien [s27]. Das EAU-Kapitel nennt Umweltgifte und die Exposition gegenüber Strahlung oder zytotoxischen Stoffen in der Anamnese und hält fest, dass Umwelt- und Lebensstilfaktoren auf einem anfälligen genetischen Hintergrund additiv wirken könnten; eine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen enthält es nach der Durchsicht nicht [s216]. Ein Vergleich der WHO-Leitlinie von 2025 mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE beschreibt die WHO-Perspektive als Prävention auf der Ebene der öffentlichen Gesundheit [s01]. Die australische Leitlinie von 2025 empfiehlt, Männer über potenziell veränderbare Risikofaktoren zu beraten [s18].

**Der Bezug zur Bevölkerungsdebatte.** Seit der Auswertung von Carlsen und Kollegen (1992), die für Männer ohne Infertilitätsvorgeschichte einen Rückgang der mittleren Spermiendichte von 113 × 10^6/ml im Jahr 1940 auf 66 × 10^6/ml im Jahr 1990 beschrieb (61 Arbeiten, 14947 Männer), wird diskutiert, ob Umwelt- und Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen. Neuere Metaregressionen sehen für Männer ohne Auswahl nach Fruchtbarkeit in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland einen Rückgang der Konzentration um 52.4 % zwischen 1973 und 2011 (Levine und Kollegen 2017) und über alle Kontinente um 51.6 % zwischen 1973 und 2018 (Levine und Kollegen 2023); die Frage bleibt umstritten, wie die Autoren selbst im Abstract von 2017 festhalten. Für die hier untersuchte Frage ist wichtig: Bonde und Storgaard halten berufliche Gefahren für zu selten, um den Rückgang in der Allgemeinbevölkerung zu erklären [s172]; eine französische Übersicht schreibt, die Spermienqualität verschlechtere sich seit 40 Jahren und Umwelteinflüsse wirkten vor allem über epigenetische und hormonelle Veränderungen, ohne Berufsgruppen zu nennen [s81].

### Zusätzlich abgerufene Hintergrundquellen

Die folgenden sechs Arbeiten stehen nicht im Quellenverzeichnis der Studie (s01 bis s216). Ihre Abstracts wurden am 5. Oktober 2026 über Europe PMC abgerufen, für Boitrelle und Kollegen zusätzlich der frei zugängliche Volltext. Im Hintergrundkapitel stehen sie als Autor und Jahr, nicht mit einer s-Kennung; sie sollten bei der Zusammenführung in das Verzeichnis aufgenommen werden.

- Carlsen E, Giwercman A, Keiding N, Skakkebaek NE. Evidence for decreasing quality of semen during past 50 years. BMJ 1992 (PMID 1393072; DOI 10.1136/bmj.305.6854.609).
- Levine H, Jørgensen N, Martino-Andrade A, Mendiola J, Weksler-Derri D, Mindlis I, Pinotti R, Swan SH. Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis. Human Reproduction Update 2017 (PMID 28981654; DOI 10.1093/humupd/dmx022).
- Levine H, Jørgensen N, Martino-Andrade A, Mendiola J, Weksler-Derri D, Jolles M, Pinotti R, Swan SH. Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis of samples collected globally in the 20th and 21st centuries. Human Reproduction Update 2023 (PMID 36377604; DOI 10.1093/humupd/dmac035).
- Campbell MJ, Lotti F, Baldi E, Schlatt S, Festin MPR, Björndahl L, Toskin I, Barratt CLR. Distribution of semen examination results 2020 - A follow up of data collated for the WHO semen analysis manual 2010. Andrology 2021 (PMID 33528873; DOI 10.1111/andr.12983).
- Boitrelle F, Shah R, Saleh R, Henkel R, Kandil H, Chung E, Vogiatzi P, Zini A, Arafa M, Agarwal A. The Sixth Edition of the WHO Manual for Human Semen Analysis: A Critical Review and SWOT Analysis. Life 2021 (PMID 34947899; DOI 10.3390/life11121368).
- Paffoni A, Somigliana E, Boeri L, Viganò P. The statistical foundation of the reference population for semen analysis included in the sixth edition of the WHO manual: a critical reappraisal of the evidence. Human Reproduction 2022 (PMID 35849333; DOI 10.1093/humrep/deac161).

# Kapitel 02: Studienlage zu weiteren Berufsgruppen und Arbeitsplatzexpositionen

### Vorbemerkung zu Umfang, Zitierweise und Grenzen

Dieses Kapitel stellt die einschlägigen Arbeiten zu Berufsgruppen und Arbeitsplatzexpositionen im Zusammenhang mit der Spermienqualität einzeln vor. Ausgenommen sind, wie in der Aufgabenstellung festgelegt, Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte; diese Gruppen werden in anderen Kapiteln behandelt. Arbeiten, in denen sie nur als Untergruppe oder als Vergleichsgruppe vorkommen, werden hier nur so weit erwähnt, wie es zum Verständnis nötig ist; eine kurze Abgrenzung steht am Ende des Kapitels. Die Quellen sind ausschließlich mit den Kennungen der Quellenliste in eckigen Klammern zitiert, etwa [s05] oder [s05, s12].

Zwei Hinweise zur Belastbarkeit gelten für das ganze Kapitel. Erstens beruhen die Zahlen fast durchweg auf den abgerufenen Zusammenfassungen (Abstracts) der Arbeiten; Volltexte wurden nur für einzelne Arbeiten und die Online-Fassungen zweier Leitlinien ausgewertet. Wo ein Abstract keine Angabe zu Störgrößen, Gruppengrößen oder Konfidenzintervallen enthält, bedeutet das nicht, dass die Arbeit sie nicht enthält. Zweitens sind fast alle Arbeiten Beobachtungsstudien. Sie können Zusammenhänge beschreiben, aber keine Ursache belegen. Dieses Kapitel enthält keine Handlungs- oder Therapieempfehlung; es gibt Befunde wieder und ordnet sie ein.

Zahlen werden mit Dezimalkomma wiedergegeben; Einheiten und Schreibweisen folgen der jeweiligen Quelle (etwa „Mio./ml“ oder „× 10⁶/ml“). Konfidenzintervalle stehen als „95 %-KI a bis b“. Wo ein Abstract erkennbare Unstimmigkeiten enthält (widersprüchliche p-Werte, identische Gruppenwerte), ist das beim jeweiligen Eintrag benannt und am Kapitelende gesammelt. Arbeiten, die in zwei Fassungen vorliegen (zum Beispiel eine Zeitschriftenfassung und eine Masterarbeit oder eine chinesische und eine englische Fassung), werden gemeinsam besprochen.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Dieser Abschnitt ordnet die Arbeiten von der höchsten Evidenzstufe zur niedrigsten: zuerst quantitative Metaanalysen, dann systematische Übersichten und Scoping Reviews ohne gepoolte Effektschätzung, danach erzählende (narrative) Übersichten, schließlich Leitlinien. Für Berufsgruppen im engeren Sinn gibt es keine einzige Metaanalyse, die Berufe als solche vergleicht. Die vorhandenen Metaanalysen betreffen Einzelexpositionen (Nachtschicht, Lösungsmittel, Blei, Cadmium, Radiofrequenzstrahlung, Mobiltelefone), die in verschiedenen Berufen vorkommen.

### Quantitative Metaanalysen

**Nachtschichtarbeit und männliche Fortpflanzungsparameter [s23].** Viramgami und Mitarbeiter (Indien, Zeitschrift Endocrine, 2025) legten eine systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 vor (Protokoll PROSPERO CRD42022379770). Durchsucht wurden PubMed, Scopus und EMBASE; von 6397 Zitaten wurden acht Studien eingeschlossen. Der gepoolte Mittelwertunterschied der Spermienzahl betrug −18,38 × 10⁶ Spermien (95 %-KI −59,82 bis 23,07; drei Studien; I² = 85,12 %). Für das Serum-Testosteron ergaben fünf Studien einen Unterschied von 15 ng/dl (95 %-KI −19,3 bis 49,39; I² = 63 %). Die Autoren deuten dies als niedrigere Spermienzahlen und geringfügig höheres Testosteron bei Schichtarbeitern. Beide Konfidenzintervalle schließen null ein; der gepoolte Effekt ist also statistisch nicht gesichert. Stärken sind das registrierte Protokoll sowie die Prüfung von Heterogenität und Verzerrung. Schwächen sind die sehr hohe Heterogenität, die geringe Zahl der Studien in der Spermienzahl-Analyse (nur drei) und die Einstufung der Mehrzahl der Studien mit hohem Verzerrungsrisiko bei Auswahl der Teilnehmer, Vergleichbarkeit der Gruppen und Expositionserfassung. Das Abstract nennt nicht, aus welchen Ländern die Primärstudien stammen. Einordnung: Die einzige quantitative Zusammenfassung zur Nachtschicht kann einen Effekt auf die Spermienzahl weder belegen noch ausschließen; die einzelnen Schichtstudien dieses Kapitels (siehe Abschnitt Schichtarbeit) zeigen dennoch überwiegend in eine Richtung.

**Berufliche Lösungsmittelexposition [s78, s77].** Die Metaanalyse von Ianos und Mitarbeitern (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2018) fasste sieben Studien aus PubMed zusammen, die exponierte Arbeiter mit nicht exponierten Kontrollen verglichen. Sie fand eine signifikante Abnahme des Ejakulatvolumens (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, −0,35; 95 %-KI −0,63 bis −0,07) und der Spermienkonzentration (SMD −0,36; 95 %-KI −0,64 bis −0,08). Die zugrunde liegende französische Masterarbeit derselben Autorin bzw. desselben Autors [s77] nennt zusätzlich die Zusammensetzung des Kollektivs (272 exponierte und 247 nicht exponierte Arbeiter; Exposition gegenüber Glykolethern, Perchlorethylen, aromatischen Kohlenwasserstoffen, N,N-Dimethylformamid und Schwefelkohlenstoff) und berichtet, Morphologie, Beweglichkeit und Vitalität seien „également diminuées mais de façon non statistiquement significative“ (ebenfalls vermindert, aber nicht statistisch signifikant). Diese Aussage fehlt im Zeitschriftenabstract; die Befunde beschränken sich also auf Volumen und Konzentration. Stärken: erste Metaanalyse zu dieser Frage. Schwächen: nur eine Datenbank, nur sieben Studien, gemischte Lösungsmittel, keine Angaben zur Heterogenität im Abstract. Die Masterarbeit ist nicht begutachtet.

**Bleiexposition [s39].** Giulioni und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2023) werteten zehn Beobachtungsstudien an Männern mit Umwelt- oder Berufsexposition gegenüber Blei aus (Recherche am 12. November 2022 in MEDLINE, Scopus und Embase; Random-Effects-Modell, Cochran-Mantel-Haenszel, gewichtete Mittelwertdifferenz, WMD). Das Ejakulatvolumen war um −0,76 ml vermindert (95 %-KI −1,47 bis −0,05; p = 0,04), die Spermienkonzentration um −0,63 × 10⁶/ml (95 %-KI −1,15 bis −0,12; p = 0,02), die Gesamtspermienzahl um −1,94 × 10⁶ (95 %-KI −3,77 bis −0,11; p = 0,04), die Vitalität um −2,18 % (95 %-KI −3,92 bis −0,45; p = 0,01) und die Gesamtbeweglichkeit um −1,31 % (95 %-KI −2,33 bis −0,30; p = 0,01). Kein Unterschied zeigte sich bei normaler Morphologie, progressiver Beweglichkeit und Viskosität. Stärken: einheitliches Effektmaß für mehrere Parameter. Schwächen: Alle Intervalle liegen knapp unterhalb von null, die absoluten Unterschiede sind klein; Umwelt- und Berufsexposition sind vermischt; die Studienqualität wird im Abstract nicht ausgewiesen.

**Cadmium, Umwelt und Beruf [s38].** Gao und Mitarbeiter (Environmental Geochemistry and Health, 2023) durchsuchten PubMed, Embase und Web of Science über drei Jahrzehnte und poolten Korrelationskoeffizienten. Cadmium war negativ mit Spermienparametern korreliert (r = −0,122; 95 %-KI −0,151 bis −0,092) und positiv mit Serum-Sexualhormonen (r = 0,104; 95 %-KI 0,060 bis 0,147). In Untergruppen war Blut-Cadmium negativ mit Samendichte, Beweglichkeit, Morphologie und Spermienzahl korreliert, Cadmium im Samen negativ mit der Konzentration und mit Testosteron. Das Abstract beschreibt große Heterogenität. Schwächen: sehr kleine Effektstärke; Umwelt und Beruf nicht getrennt; die Zahl der Studien ist im Abstract nicht genannt; Berufsgruppen werden nicht aufgeschlüsselt. Eine türkische Übersicht zu Cadmium [s88] kommt ohne Zahlen zu einer ähnlichen Richtung (siehe unten).

**Radiofrequenzstrahlung, Dosis-Wirkungs-Metaanalyse [s31].** Kenny und Mitarbeiter (Environment International, 2024; im Auftrag der WHO) werteten humane Beobachtungsstudien aus (Protokoll PROSPERO CRD42021265401; OHAT-Werkzeug zur Verzerrungsbewertung und OHAT-GRADE). Eingeschlossen waren neun Studien, davon sieben in der Allgemeinbevölkerung und zwei berufsbezogen (Techniker mit Mikrowellenexposition, Seeleute mit Radargeräten). Pro Stunde täglicher Mobiltelefonnutzung ergaben sich für die Spermienkonzentration eine Mittelwertdifferenz (MD) von 1,6 × 10⁶/ml (95 %-KI −1,7 bis 4,9; drei Studien), für die Morphologie 0,15 Prozentpunkte (95 %-KI −0,21 bis 0,51; drei Studien), für die progressive Beweglichkeit −0,46 Prozentpunkte (95 %-KI −1,04 bis 0,13; zwei Studien) und für die Gesamtzahl −0,44 × 10⁶/Ejakulat (95 %-KI −2,59 bis 1,7; zwei Studien). Alle Intervalle schließen null ein; die Sicherheit der Evidenz wird als „very uncertain“ (sehr unsicher) eingestuft. Für die berufliche Exposition war wegen unterschiedlicher Strahlungsquellen keine Zusammenfassung möglich; beide Berufsstudien hatten in mehreren Bereichen ein hohes Verzerrungsrisiko. Stärken: Doppelscreening, formale Bewertung der Evidenzsicherheit. Schwäche: sehr wenige berufsbezogene Studien.

**Mobiltelefonstrahlung bei Mensch und Tier [s61].** Yu und Mitarbeiter (Environmental Pollution, 2021) aktualisierten eine systematische Übersicht mit Metaanalyse (39 Studien, Mensch und Tier). In den gepoolten humanen Querschnittsstudien fand sich kein Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und verminderter Spermienqualität; bei reifen Spermien in vitro und im Tierversuch war dagegen die Beweglichkeit und Vitalität vermindert. Berufsgruppen sind nicht das Thema; die Arbeit ist hier der Vollständigkeit halber aufgeführt, weil Vielnutzer (zum Beispiel in Gesprächsberufen) damit nur indirekt angesprochen werden.

**Körperliche Aktivität, Übersicht mit Metaanalyse [s67].** Ibañez-Perez und Mitarbeiter (Archives of Gynecology and Obstetrics, 2019) werteten 32 Manuskripte aus. Überwiegend zeigten sich keine großen Effekte; Freizeitaktivität konnte Konzentration und progressive Beweglichkeit begünstigen, Leistungssport einzelne Parameter wie die progressive Beweglichkeit verschlechtern, bei Radfahren deutete sich ein negativer Effekt auf die Konzentration an. Die Arbeit betrifft Freizeit- und Leistungssport, nicht berufliche Belastung; sie liefert aber den Hintergrund für die Studien zu schwerer körperlicher Arbeit.

### Systematische Übersichten und Scoping Reviews ohne gepoolte Schätzung

**Intensives Training bei Berufs- und Nichtberufssportlern [s16].** Greco und Mitarbeiter (Journal of Clinical Medicine, 2025) schlossen vier Studien mit 156 Teilnehmern ein (Qualitätsbewertung mit den NHLBI-Instrumenten). Sechzehn Wochen intensives Radtraining hatten Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie signifikant gesenkt; nach mindestens einer Woche Pause kehrten die Werte auf den Ausgangswert zurück, außer Morphologie und Konzentration. Die Sicherheit der Evidenz wird als „very low“ eingestuft. Schwächen: vier Studien, kleine Gruppen, Leistungssport als Sondersituation.

**Nicht ionisierende Strahlung [s20].** Motchidlover und Mitarbeiter (French Journal of Urology, 2025) wählten zwölf Studien aus. Die Mehrzahl der Humanstudien in vivo und der Tierstudien in vitro zeige Effekte auf Zahl, Beweglichkeit und Vitalität, wobei Beweglichkeit und Vitalität am regelmäßigsten betroffen seien. Zahlenwerte nennt das Abstract nicht. Die Übersicht stammt aus der Autorengruppe, die auch weitere französische Arbeiten zum Thema vorgelegt hat [s97].

**Biomonitoring von Umwelt- und Berufsschadstoffen [s37].** Cofone und Mitarbeiter (Annali di Igiene, 2023) fassten 21 Artikel (Recherche bis 11. Mai 2023; Newcastle-Ottawa-Skala; PROSPERO CRD42023405607) zusammen, die Schadstoffe in Urin und Blut maßen (Bisphenole, Phthalate, Pestizide, PCB, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle). Die Autoren berichten eine signifikante positive Korrelation zwischen Schadstoffspiegeln und einzelnen Veränderungen der Spermienqualität (verminderte Beweglichkeit, Konzentration, Morphologie). Schwäche: Berufsgruppen werden im Abstract nicht getrennt ausgewiesen; es sind nur Biomonitoring-Studien einbezogen.

**Physikalische und chemische Risikofaktoren am Arbeitsplatz [s43].** Ramezanifar und Mitarbeiter (Safety and Health at Work, 2023) werteten nach PRISMA 2020 insgesamt 57 Artikel aus (34 Feldstudien, 23 klinische Studien; 43 zu chemischen, sechs zu physikalischen, acht zu physikochemischen Faktoren; veröffentlicht 2000 bis 2021). Als auf die Fortpflanzungsorgane wirksam benannt werden Lärm, Hitze und Radiofrequenzstrahlung sowie Carbamat- und Organophosphat-Pestizide, Benzol, Toluol, Xylol, Formaldehyd, Stickstoffdioxid, Schwefelkohlenstoff, Mangan, Blei, Nickel und n-Hexan. Männer und Frauen werden gemeinsam ausgewertet; Zahlen nennt das Abstract nicht.

**Schichtarbeit und urogenitale Erkrankungen [s74].** Deng und Mitarbeiter (Current Urology Reports, 2018) berichten in einer systematischen Übersicht, Nichtstandard-Schichtarbeit sei mit schlechteren Spermaparametern und geringerer Fertilität, häufigerem Prostatakrebs, stärkerer erektiler Dysfunktion, Beschwerden der unteren Harnwege und hypogonadalen Symptomen verbunden; die Assoziationen seien bei der Schichtarbeits-Schlafstörung (bis zu 20 % der Schichtarbeiter) stärker. Zahlen zu Spermienparametern enthält das Abstract nicht.

**Psychosoziale Arbeitsfaktoren [s12].** Das Scoping Review von Ansah und Mitarbeitern (Reproductive Biology and Endocrinology, 2025) schloss 18 Volltexte aus 1322 Datensätzen ein (Zeitraum Januar 1990 bis Januar 2024, nur englischsprachig; Datenbanken JSTOR, Central, PubMed, Web of Science sowie Google und Google Scholar). Die Befunde zu Schichtarbeit, langen Arbeitszeiten und Jobstrain seien „inconclusive“ (nicht schlüssig); Jobstress und kognitive Erschöpfung verminderten die Fertilität über eine geringere Spermienqualität; soziale Unterstützung am Arbeitsplatz puffere den Effekt hoher Anforderungen. Rauchen, schlechte Schlafqualität, Depression und Diabetes in der Vorgeschichte gingen mit schlechterer Spermienqualität einher. Das Abstract formuliert zudem Forderungen nach Interventionen am Arbeitsplatz; das sind Aussagen der Autoren, keine Befunde dieses Kapitels.

**Schwermetalle, Scoping Review [s15].** Giulioni und Mitarbeiter (2025) identifizierten 1709 Studien und schlossen 21 ein (PRISMA 2020). Berichtet werden negative Effekte von Blei auf Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie, von Cadmium auf die Blut-Hoden-Schranke und von Arsen auf die Beweglichkeit. Es gibt keine quantitative Zusammenfassung.

**Nickel [s33].** Die systematische Übersicht von Vinnikov und Syurin (BMC Public Health, 2024; PRISMA; PubMed, Scopus, Embase ohne Zeit- und Sprachgrenze) umfasst 19 Studien aus 23 Veröffentlichungen aus zwölf Ländern. Nickel wurde in Blut, Samenplasma, Spermien und Urin bestimmt. Es waren 16 Querschnittsstudien von akzeptabler Qualität und drei Fall-Kontroll-Berichte von schlechter Qualität; multivariate Modelle gab es nur in acht Studien. Eine Metaanalyse war wegen uneinheitlicher Effekte nicht möglich. In acht Studien fand sich keine Assoziation, in elf eine Assoziation (neun mit erhöhtem Risiko, zwei mit schützendem Effekt). Nur eine Studie betraf eine beruflich exponierte Population (Defekte des Flagellums, aber bei Schweißern und Kontrollen gleichermaßen). Die Autoren schließen, die Evidenz sei widersprüchlich und ein klarer Beleg für nachteilige Wirkungen höherer Nickelwerte fehle. Die Arbeit zeigt auch, dass für einen häufigen Arbeitsstoff nur eine einzige Berufsstudie vorliegt.

**Berufsfaktoren in Fall-Kontroll-Studien, französischsprachige Übersicht [s97].** Ould Hamouda und Mitarbeiter (Journal de Gynécologie Obstétrique et Biologie de la Reproduction, 2016) wählten 13 PubMed-Artikel aus, deren Teilnehmerzahlen von 61 bis 2619 reichten; die methodische Heterogenität, insbesondere bei der Expositionserfassung, war groß. Signifikant mit veränderten Spermaparametern verbunden waren die Berufe „workmen, painters, farmers, welders, plumbers and technicians“; bei den Expositionen waren es Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nicht ionisierende Strahlung. „None of the selected studies has found a link with exposure to pesticides.“ Von den genannten Berufen sind einige in anderen Kapiteln behandelt.

**Kritische Übersicht zu physikalischen Agenzien [s40].** Giulioni und Mitarbeiter (Archivio Italiano di Urologia e Andrologia, 2023) berücksichtigten die letzten zwanzig Jahre (MEDLINE, Scopus, Web of Science). Strahlung beeinträchtige insgesamt die Spermien; Konzentrationsänderungen seien nach psychischem Stress und sitzender Arbeit beschrieben; Zusammenhänge zwischen körperlicher Anstrengung und Hormonprofil (Hypophysenhormone, Testosteron) bestünden. Das Evidenzniveau sei, außer für körperliche Belastung, „not adequate“.

### Narrative Übersichten

**Genitale Hitzebelastung [s137].** Jung und Schuppe (Andrologia, 2007) halten fest: Die Sitzdauer bei der Arbeit korreliere positiv mit der Hodensacktemperatur am Tag, die Tagestemperatur negativ mit der Spermienqualität; eine unmittelbare negative Korrelation zwischen Sitzdauer und Spermienqualität habe sich in den verfügbaren Studien jedoch nicht zeigen lassen. Bei Berufskraftfahrern mit langen Sitzzeiten seien Fertilitätsparameter beeinträchtigt gewesen, bei Fahrern von Lieferwagen, Lastwagen oder schweren Maschinen müssten aber Störfaktoren berücksichtigt werden; Studien zu beruflicher Hitze hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert; Saunabesuche seien nicht hinreichend belegt.

**Berufliche Exposition und männliche Fortpflanzungsfunktion [s143, s172, s111, s110].** Jensen, Bonde und Joffe (Occupational Medicine, 2006) sehen den Einfluss von Hitze, ionisierender Strahlung, anorganischem Blei, Dibromchlorpropan, Ethylendibromid, einigen Ethylenglykolethern, Schwefelkohlenstoff und Schweißarbeiten in gut gestalteten epidemiologischen Studien als „strongly supported“ (stark gestützt); bei anderen Stoffen sei der Zusammenhang nur vermutet [s143]. Bonde und Storgaard (International Journal of Andrology, 2002) nennen berufliche Gefahren bekannt, aber mit zu geringer Expositionshäufigkeit, um den Rückgang der Spermienzahl in der Allgemeinbevölkerung zu erklären; eine Ausnahme könne die sitzende Arbeit sein, bei der die Hodenwärmeregulation erschöpft werden könnte [s172]. Bonde (Current Opinion in Endocrinology, Diabetes and Obesity, 2013) fasst zusammen, dass für Bor bei hoher beruflicher Exposition keine Hinweise auf Toxizität für die menschliche Spermatogenese vorliegen, während Benzol selbst in sehr niedrigen Expositionen Chromosomenaberrationen in Spermien verursachen könne; die Befunde zu Bisphenol A und Phthalaten bei Beschäftigten seien uneinheitlich [s111]. Schrader und Marlow (Asian Journal of Andrology, 2014) geben einen Überblick über Methoden zur Untersuchung beruflicher Expositionen und nennen frühe Beobachtungen (Blei bei Arbeitern in Rumänien 1975, Dibromchlorpropan 1977) [s110].

**Vibration [s194].** Penkov und Tzvetkov (Central European Journal of Public Health, 1999) fassen Tier-, klinische und epidemiologische Studien zusammen: Bei männlichen Ratten waren Spermienzahl, Spermatogeneseindex und Hodengröße vermindert; bei Arbeitern mit Vibrationsbelastung in Transport und Industrie war die Prävalenz von Oligozoospermie, Asthenozoospermie und Teratozoospermie erhöht.

**Quecksilber [s48].** Die Übersicht von Kumar und Mitarbeitern (Journal of the Turkish German Gynecological Association, 2022) beschreibt negative Effekte auf Spermienzahl, Beweglichkeit und Morphologie nach Umwelt-, Berufs- und amalgambedingter Exposition, ohne Zahlenangaben im Abstract; die Autoren sehen eine mögliche Toxizität für das Fortpflanzungspotenzial, „especially in males“. Eine zugehörige Primärstudie aus China [s206] ist weiter unten besprochen.

**Deutschsprachige Übersichten [s96, s52].** Köhn (Der Urologe, 2016) und Schuppe (Die Urologie, 2022) halten übereinstimmend fest, dass neben Medikamenten und Lebensstilfaktoren (Alkohol, Tabakrauch) „various environmental and occupational agents, both chemical and physical“ die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können; die Informationslage zu einzelnen exogenen Faktoren und ihren Wirkmechanismen beim Menschen sei begrenzt, die Übertragung aus Tier- und In-vitro-Versuchen schwierig; relevante Expositionen sollten in der andrologischen Diagnostik sorgfältig erfasst werden. Die jüngere Fassung [s52] benennt Störungen auf hypothalamisch-hypophysärer, testikulärer und posttestikulärer Ebene. Beide Abstracts enthalten keine Zahlen und keine berufsgruppenspezifischen Aussagen. Eine deutschsprachige Primärstudie zum Thema wurde nicht gefunden; die deutschen Treffer mit „Beruf“ und „Arbeit“ waren überwiegend MAK-Begründungen zu Einzelstoffen und wurden nicht als Studien zu Berufsgruppen gewertet.

**Französischsprachige Übersichten [s73, s81, s176, s47].** Bendayan und Mitarbeiter (Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie, 2018) nennen als Umwelt- und Lebensstilfaktoren mit möglichem negativem Einfluss auf die Spermienqualität Tabak, Marihuana, Gewicht und BMI, Hitze, Ernährungszustand, elektromagnetische Wellen und Höhenlage (ohne Zahlen im Abstract) [s73]. Lamothe und Mitarbeiter (Annales d'Endocrinologie, 2018) beschreiben, die Spermienqualität verschlechtere sich seit 40 Jahren, über 35 % der Ursachen männlicher Infertilität seien idiopathisch, und Umwelteinflüsse wirkten vor allem über epigenetische und hormonelle Veränderungen; Berufsgruppen werden nicht genannt [s81]. Pilliere (2002) ist ein Dossier der Zeitschrift „Références en santé au travail“ zu endokrinen Disruptoren bei beruflicher Exposition; erwähnt wird eine beschriebene Abnahme der Spermienqualität „dans certaines régions agricoles“ [s176]. Bansal und Cheema (Buchkapitel, 2022) geben einen Überblick zu Lebensstilfaktoren (unter anderem extreme Hitze), Umweltstress und beruflichen Expositionen und deren Zusammenhang mit sinkender Samenqualität, oxidativem Stress und Spermien-DNA-Schäden; das Abstract enthält keine Zahlen und fordert genauere Studien, etwa zu intensiver Mobiltelefonnutzung und mentalem Stress [s47].

**Übersichten aus dem östlichen Mittelmeerraum [s14].** Fares und Mitarbeiter (International Journal of Reproductive Biomedicine, 2025) werteten in einer narrativen Übersicht 63 Studien aus (PubMed und Scopus, Januar 2012 bis Juni 2024), davon etwa 59 % (n = 37) zu männlichen und 36 % (n = 23) zu weiblichen Faktoren. Ein Rückgang von Samenparametern korreliere mit hohen Temperaturen, Bisphenol A und Luftstaub; Phthalate und Pestizide beeinträchtigten das männliche endokrine Fortpflanzungssystem; starke Raucher hätten schlechtere Samenqualität als normale Raucher. Die Evidenz zu Umwelteinflüssen und assistierter Reproduktion sei begrenzt und regional ungleich verteilt. Es fehlt eine systematische Methodik im Abstract, und die Arbeit ist nicht auf Berufsgruppen ausgerichtet.

**Russischsprachige Übersichten [s45, s36, s26, s139].** Fesenko und Mitarbeiter (Izmerov-Institut für Arbeitsmedizin) fassen in zwei analytischen Literaturübersichten zusammen: [s45] (2023, physikalische Faktoren): Hitze und Kälte könnten die Fortpflanzungsfunktion stören; für Bäckereien, Keramik, Stahlindustrie und andere heiße Arbeitsplätze seien Störungen beschrieben; bei Männern unter erhöhter Temperatur beginne die Störung der Spermatogenese schon in den ersten Stunden (Degeneration des Keimepithels); ein referenzierter Querschnitt in der Stahlindustrie (2000 bis 2021) habe Veränderungen von Volumen, Morphologie, Zahl und Beweglichkeit gefunden; in Freiwilligenversuchen mit leicht erhöhter Hodentemperatur seien morphologische Spermienanomalien erst nach 73 Tagen zur Norm zurückgekehrt. Untersuchungen zu Lärm und Vibration seien selten, zu Ultra- und Infraschall nur vereinzelt; ionisierende Strahlung gilt als „belegter Faktor“, elektromagnetische Felder (Mobiltelefone, Mikrowellenherde, Laptops, WLAN) könnten Spermatogenese und DNA verändern. [s36] (2024, chemische Faktoren): für organische Lösungsmittel Störungen von Beweglichkeit und Morphologie (Glykolether, Aceton), verlängerte Zeit bis zur Schwangerschaft bei Partnerinnen von Beschäftigten mit Trichlor- und Tetrachlorethylen, gesteigerter Zelltod bei Benzol; bei Phthalaten ein Zusammenhang zwischen Spiegel im Körper und verminderter Spermienqualität; zu Blei „viele Arbeiten“, zu Cadmium, Quecksilber, Bor, Mangan, sechswertigem Chrom und Aluminium Einzelbefunde. Zemlyanova und Mitarbeiter (Gigiena i Sanitariia, 2025) werteten 160 Publikationen aus (eLIBRARY, PubMed, Google Scholar, Web of Science, Scopus): Direkte und indirekte Wirkungen chemischer und physikalischer Faktoren auf die männliche reproduktive Gesundheit verliefen über morphologische und funktionelle Störungen oder über Kaskaden aus oxidativen und entzündlichen Reaktionen und über die endokrine, immunologische, nervöse und kardiovaskuläre Regulation; Lebensstil, Gewohnheiten, Infektionen und chronische Krankheiten erschwerten die Zuordnung [s26]. Potemina und Mitarbeiter (2007, nur Abstract) halten fest, dass die meisten in Luft und Boden von Industriestädten gefundenen Chemikalien Reproduktionstoxika seien und einige berufliche Schadstoffe gonadotrop wirken könnten [s139]. Alle vier Arbeiten sind narrativ; Effektgrößen werden im Abstract nicht berichtet, und eine systematische Qualitätsbewertung der Primärstudien ist nicht erkennbar.

**Türkischsprachige Übersichten [s85, s88].** Yılmaz und Mitarbeiter (Androloji Bülteni, 2017) beschreiben, Männer arbeiteten überwiegend in Bereichen mit physikalischen und chemischen Risiken, und die Wirkung des Arbeitslebens auf die männliche Fertilität werde übersehen [s85]. Kavlak und Güner (Androloji Bülteni, 2017) fassen Hinweise aus Experiment und Berufsstudien auf nachteilige Wirkungen niedriger Cadmiumspiegel auf Spermienqualität und Hormone zusammen, bei begrenzten und unzureichenden Informationen [s88]. Beide Abstracts enthalten keine Zahlen.

**Reproduktionstoxische Stoffe am Arbeitsplatz in Korea [s63, s89, s123].** Park (Yeungnam University Journal of Medicine, 2020) hält die Humandaten für unzureichend und betont die relativ kurze Latenz bis zu Fortpflanzungsschäden [s63]. Rim (Safety and Health at Work, 2017) wertete von 100 gewählten Artikeln 47 aus (überwiegend deskriptiv), sieht Regelungslücken in Korea außer dem Sicherheitsdatenblatt und nennt als Vorschläge zum Arbeitsschutz unter anderem Gefährdungsüberwachung, Vermeidung, Ersatz, Lüftung und Schutzausrüstung [s89]; das sind Vorschläge der Arbeit, keine Aussagen dieses Kapitels. Park, Shin und Kim (Journal of Korean Medical Science, 2010) berichten in einer Übersicht über Störungen der Fortpflanzungsfunktion und Blasenkrebs, dass 1995 beim Zusammenbau von Tastschaltern 23 von 33 Beschäftigten (25 Frauen, 8 Männer) an Fortpflanzungs- oder Blutbildungsstörungen erkrankten, 17 (68 %) mit Ovarialinsuffizienz; zwei der acht Männer hatten eine Azoospermie, vier eine Oligospermie oder verminderte Beweglichkeit; die Prognose der Fortpflanzungsstörung sei schlecht gewesen [s123]. Das ist derselbe Fall, der als Primärstudie [s203, s192] weiter unten besprochen ist.

**Japanische Übersichten und Methodenbeiträge [s147, s145, s146, s160, s80, s100].** Sechs japanische Beiträge liefern keine Studienergebnisse, aber den Rahmen. Kamijima (2005) stellt fest, dass in Japan bisher nur sehr wenige Studien zu Samenindizes an Arbeitsplätzen existieren, und erörtert Studiendesign, Einwilligung von Arbeitgeber und Beschäftigten, Teilnahmesteigerung, Störgrößen (Karenzzeit, Krankengeschichte), Standardisierung und Vorsicht bei der Mitteilung niedriger Samenqualität an eine exponierte Gruppe [s147]. Ichihara (2005, japanisch und englisch) fasst zusammen: 1995 zeigten Beschäftigte einer koreanischen Elektronikfabrik Oligospermie oder Amenorrhoe; japanische Tierversuche belegten, dass 2-Brompropan Spermatogenesezellen und Oozyten erschöpft, während 1-Brompropan stärker neurotoxisch ist und die Spermiation hemmt; die Dosis-Wirkung beim Menschen sei unbekannt [s145, s146]. Takahashi, Hanaoka und Pan (Journal of UOEH, 2004) halten fest, dass epidemiologische Befunde zu beruflicher Exposition und männlicher Reproduktion durch Schwierigkeiten bei der Bestimmung exponierter Gruppen und der Expositionsbeurteilung begrenzt bleiben [s160]. Kamijima (2018) beschreibt, dass Japan den Schutz Schwangerer vor Reproduktionsgefahren am Arbeitsplatz verstärkt hat, männliche Beschäftigte über die Risikobewertung nach dem Arbeitssicherheits- und Gesundheitsgesetz geschützt werden könnten und aus Sicherheitsdatenblättern oft nicht erkennbar sei, ob keine Reproduktionstoxizität vorliegt oder nur Daten fehlen [s80]. Otani und Miura (2016) erinnern an Schwermetalle, die Dibromchlorpropan-Ausbrüche der 1960er und 1970er Jahre und den Fall von 1995 und beschreiben die Entwicklung einfacher Spermientoxizitätstests, weil konventionelle Methoden (Zahl, Beweglichkeit, Kopfmorphologie) teuer oder nicht einfach seien [s100]. Grenzwerte oder Spermienparameter nennt keine dieser Arbeiten.

### Leitlinien und Leitlinien-Vergleiche

Leitlinien sind keine Studien; sie werden hier nur zur Einordnung kurz wiedergegeben. Die **AUA/ASRM-Leitlinie** (Online-Volltext, Stand „Amended 2024“) [s27] hält in Statement 8 fest, Ärztinnen und Ärzte könnten Risikofaktoren (Lebensstil, Medikamente, Umweltexpositionen, berufliche Expositionen) besprechen und darauf hinweisen, dass die aktuellen Daten zur Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt seien (Conditional Recommendation, Evidenzgrad C). Im Abschnitt zu Umweltfaktoren heißt es, der Zusammenhang sei für einige Schwermetalle und Pestizide „conclusive“, für Bisphenol A, Benzophenone, chlorierte antimikrobielle Stoffe, Parabene und Luftverschmutzung „inconclusive“. Wörtlich festgehalten ist: „No systematic reviews met inclusion criteria for the following risk factors: recreational drug use, sleep, sports/exercise, heat exposure, type of underwear, or anatomic abnormalities of genitalia.“ Berufsgruppen im Sinne von Tätigkeiten (Fahrer, Büroarbeit, Schichtarbeit) werden nicht einzeln bewertet. Die Aktualisierung 2024 [s28] nahm 22 Studien in die Evidenzbasis auf (4093 neue Abstracts, nach Screening 125 geeignet); berufliche Exposition wird im Abstract nicht erwähnt. Das **EAU-Kapitel** zur männlichen Infertilität (abgerufen am 05.10.2026) [s216] nennt als Anamnesepunkte „exposure to environmental toxins“ sowie „exposure to radiation or cytotoxic agents“ und hält als Evidenzaussage (Level 2a) fest, dass bei infertilen Männern Lebensstilfaktoren wie Adipositas, geringe körperliche Aktivität, Rauchen und hoher Alkoholkonsum mit verminderter Spermienqualität verbunden sind; eine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen ist nach der Durchsicht nicht enthalten. Die EAU-Kurzfassung 2025 [s19] nennt im Abstract die gründliche urologische Abklärung, die parallele Abklärung der Partnerin und die Beratung zu Gesundheitsrisiken; berufliche Faktoren werden nicht genannt. Der Vergleich von WHO 2025, AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE [s01] stellt fest, die WHO-Leitlinie verfolge eine Public-Health-Perspektive mit Betonung der Prävention, AUA/ASRM und EAU seien spezialistisch ausgerichtet, ESHRE und NICE paarzentriert „with limited focus on male-specific pathways“. Die australische Leitlinie [s18] empfiehlt laut Abstract, Männer über „potentially modifiable risk factors“ zu beraten; Berufe werden nicht erwähnt. Die französischen Leitlinien von AFU und SALF [s59] verlangen eine systematische Anamnese einschließlich „lifestyle habits“ und „treatments“, zwei Spermiogramme, eine Skrotalsonographie, Hormonbestimmung (mindestens Testosteron und FSH) und einen Karyotyp bei einer Spermienkonzentration ≤ 10 × 10⁶/ml; die CNGOF-Leitlinie 2022 [s32] enthält unter fünf Themenblöcken die „prevention of exposure to environmental factors“, ohne berufsbezogene Empfehlung im Abstract. Eine deutschsprachige AWMF-Leitlinie mit Aussagen zu Berufsgruppen und Spermienqualität konnte nicht abgerufen werden.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

Der folgende Abschnitt ist nach Berufsgruppen und Expositionen gegliedert. Innerhalb jeder Gruppe stehen zuerst die größeren und methodisch besseren Arbeiten. Alle Arbeiten sind Beobachtungsstudien (Querschnitt, Fall-Kontroll, Kohorte), sofern nichts anderes genannt ist. Tierversuche, Zellversuche und rein beschreibende Arbeiten sind am Ende des Abschnitts kurz zusammengefasst.

### Berufsklassen, Berufsvergleiche und Arbeitsplatzfragebögen

Dieser Block fasst Studien zusammen, die mehrere Berufe oder Arbeitsplatzfaktoren gleichzeitig untersuchen. Sie sind für die Frage, welche Berufsgruppen betroffen sind, am direktesten einschlägig, aber methodisch am anfälligsten: Berufsbezeichnungen sind grobe Expositionsmaße, Klinikpopulationen sind selektiert, und viele Studien testen sehr viele Berufe und Parameter gleichzeitig.

**12 301 Samenspender in Ostchina [s53].** Tang und Mitarbeiter (Zhejiang, BMJ Open, 2022) werteten eine Querschnittsstudie an Freiwilligen einer Spermabank aus (2006 bis 2020; Einschluss: Bildung auf „Junior-College“-Niveau oder höher; Ausschluss bei Infektion, Karenz unter drei Tagen oder Fieber; 14 636 Spender begonnen, 12 301 ausgewertet). Der Beruf wurde selbst berichtet; Referenzgruppe waren Studierende (n = 4450). Die Auswertung folgte den WHO-Methoden; logistische Regression, adjustiert für Alter, Bildung, Familienstand und Kinderzahl. 36,2 % der Spender waren Studierende, 81,3 % zwischen 18 und 30 Jahre alt. Soldaten und Polizisten hatten das höchste Ejakulatvolumen (Median 3,8 ml), aber die niedrigste Spermienkonzentration (53,6 × 10⁶/ml) und niedrigste Beweglichkeit (45,5 %); die Autoren betonen, dass diese Gruppe klein war, und verweisen auf eine frühere chinesische Studie, in der 62,5 % der Soldaten mindestens einen Parameter unter den WHO-Grenzwerten hatten. Beschäftigte im Finanz- oder Versicherungswesen hatten erhöhte Chancen für niedriges Volumen, niedrige Konzentration und niedrige Gesamtzahl (OR 1,43; 1,57 bzw. 1,98; für die Gesamtzahl 95 %-KI 1,24 bis 3,03; für Volumen und Konzentration verfehlten die adjustierten Werte die Signifikanz, p = 0,08). Arbeitslose hatten OR 1,84 (95 %-KI 1,18 bis 2,77) für niedrige Konzentration und 1,58 (95 %-KI 1,02 bis 2,37) für niedrige Gesamtzahl. Beschäftigte in der Informationstechnologie hatten OR 1,27 (95 %-KI 1,03 bis 1,57) für verminderte progressive Beweglichkeit; Unterhaltung und Sport OR 1,86 für niedrige Konzentration (p = 0,04). Abweichende Werte lagen bei 4 % (Volumen), 3,3 % (Konzentration), 3,6 % (Gesamtzahl) und 11,6 % (progressive Beweglichkeit); bei 0,8 % von 5510 untersuchten Spendern fand sich eine Chromosomenstörung. Als mögliche Erklärungen nennen die Autoren sitzende Tätigkeit (Hodentemperatur), Arbeitsstress und intensiven Sport. Stärken: sehr große Stichprobe, einheitliches Labor, WHO-Methoden, vorselektierte gesunde Männer. Schwächen: Spender sind eine junge, gebildete Auswahl und keine repräsentative Bevölkerung; Beruf nur selbst berichtet; Studierende als Vergleichsgruppe (jünger, anderer Lebensstil); Morphologie und DNA-Fragmentierung nicht erhoben; viele Berufsgruppen und damit Mehrfachvergleiche; Rauchen und Alkohol wegen geringer Fallzahl nicht im Modell.

**Weiß- und Blaukragen-Beschäftigte [s03].** Anand und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2026) verglichen retrospektiv 2555 Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren (1383 Weißkragen, 1172 Blaukragen; Spermienparameter nach WHO 2010). Rauchen, Alkohol, Hitze und chemische Exposition waren bei Blaukragen häufiger, Stress und sitzender Lebensstil bei Weißkragen. Progressive Beweglichkeit und Morphologie hatten hohe Trennschärfe für hohen Stress bei Weißkragen (Fläche unter der Kurve 0,924 bzw. 0,878). Ein direkter Vergleich der Spermienqualität zwischen den Berufsgruppen wird im Abstract nicht beziffert; die sehr hohen AUC-Werte sollten im Volltext geprüft werden.

**Lebensstil und berufliche Exposition, 826 Teilnehmer [s34].** Yang und Mitarbeiter (Anhui, Systems Biology in Reproductive Medicine, 2024) werteten eine Querschnittsstudie mit Online-Fragebogen aus (1060 eingeladen, 826 auswertbar; Befragung direkt vor oder nach der Samenanalyse). In der univariaten Analyse hingen niedrige Samenqualität und unter anderem häufige Hitze- und Chemikalienexposition am Arbeitsplatz zusammen (p < 0,05), ebenso Alter, BMI, Rauchen, Alkohol und unregelmäßiger Schlaf. In der multivariablen Analyse nennt das Abstract Alkoholkonsum (OR 0,60; 95 %-KI 0,36 bis 0,99; p = 0,045 für die Konzentration; als „positiver Faktor“ gewertet), einen BMI von 24 bis unter 28 kg/m² (OR 0,63; 95 %-KI 0,46 bis 0,87; p = 0,005 für die progressive Beweglichkeit) und seltenen Grüntee-Konsum (OR 1,52; 95 %-KI 1,05 bis 2,2 bei weniger als einmal pro Woche; OR 1,61; 95 %-KI 1,02 bis 2,54 bei ein- bis viermal pro Woche) mit erhöhter DNA-Fragmentierung. Berufliche Faktoren werden unter den multivariablen Ergebnissen nicht aufgeführt; sie hielten der Adjustierung also im Abstract nicht stand oder werden nicht berichtet. Schwächen: Selbstangabe per Online-Fragebogen; vermutlich Patienten eines reproduktionsmedizinischen Zentrums; der „positive“ Alkoholeffekt ist schwer deutbar.

**Wohn- und Berufsumfeld, 465 Männer [s42].** Mai und Mitarbeiter (Guangzhou, Scientific Reports, 2023) untersuchten 465 Männer (25 bis 45 Jahre, weder adipös noch untergewichtig, ohne Langzeiterkrankung oder Medikation, mit fester Arbeitsstelle; Rekrutierung Juni 2020 bis Juli 2021; mittleres Alter 37,5 Jahre; Mediane: Volumen 4,2 ml, Konzentration 80,5 × 10⁶/ml, Gesamtzahl 341,6 × 10⁶, progressive Beweglichkeit 36,0 %, Gesamtbeweglichkeit 54,3 %). Wohnen innerhalb von zwei Kilometern einer Hochspannungsleitung war mit niedrigerer Gesamtzahl verbunden (283,4 gegenüber 219,8 × 10⁶; p = 0,030; Cohen d = 0,116), Wohnen nahe einem Umspannwerk ebenso (309,1 gegenüber 222,4 × 10⁶; p = 0,015), Renovierung der Wohnung in den letzten sechs Monaten gleichfalls (194,2 gegenüber 261,0 × 10⁶; p = 0,025); Computernutzung war mit verminderter progressiver Beweglichkeit (36,0 % gegenüber 28,1 %; p = 0,006) und Gesamtbeweglichkeit (57,0 % gegenüber 41,0 %; p = 0,009) verbunden. Bereinigt blieben Computerzeit und Gesamtbeweglichkeit (OR 2,29; 95 %-KI 1,11 bis 4,73; p = 0,025) sowie Hochspannungsleitung und Konzentration (OR 4,03; 95 %-KI 1,15 bis 14,18; p = 0,030). Wohnen nahe einer Chemiefabrik erschien „schützend“ für Konzentration (OR 0,15; 95 %-KI 0,05 bis 0,46) und Gesamtzahl (OR 0,36; 95 %-KI 0,13 bis 0,99). Einordnung: Die Effektgrößen sind sehr klein (Cohen d 0,033 bis 0,181), es gab viele Einzelvergleiche ohne Korrektur, und die „schützende“ Wirkung der Chemiefabrik-Nähe ist biologisch unplausibel; sie spricht für Zufall oder verbleibende Störgrößen. Die Zuordnung der Gruppenmittelwerte ist im Abstract nicht überall eindeutig. Die Autoren nennen fehlende Erfassung von Schlafdauer, Ernährung, Einkommen und Dosis. Die Ergebnisse sind nicht als belastbar zu werten.

**Ostmarokko, 3025 Männer mit Kinderwunschproblem [s21].** Rochdi und Mitarbeiter (Obstetrics & Gynecology Science, 2025) werteten Daten eines Fertilitätszentrums aus (September 2021 bis Juli 2023; 3025 Männer, mittleres Alter 40 Jahre, mittlere Dauer des Kinderwunsches 5,5 Jahre; WHO-Kriterien 2021). Die Arbeit ist als „Kohortenstudie“ bezeichnet, tatsächlich aber eine beschreibende Querschnittsauswertung. Primäre Infertilität bestand bei 2736 Patienten (angegeben 88,97 %; rechnerisch ergeben 2736 von 3025 jedoch 90,4 %, die Abweichung ist im Abstract nicht erklärt). Häufigster Risikofaktor war „occupational exposure“, danach die Varikozele; Rauchen 24,29 %, Alkohol 12,49 %, Hitzeexposition 30,08 %. Das Spermiogramm war bei 78,71 % auffällig, das Spermozytogramm bei 63,1 %. Unter den Referenzwerten der WHO 2021 lagen Konzentration bei 25,60 %, Morphologie bei 34,13 %, Gesamtbeweglichkeit bei 32,29 % und Vitalität bei 62,46 %; Oligozoospermie 29,07 %, Asthenozoospermie 24,68 %, Azoospermie 17,56 %, Oligo-Astheno-Nekrozoospermie 10,0 %. Stärke: sehr große Stichprobe, WHO-2021-Verfahren. Schwächen: keine Vergleichsgruppe, keine Odds Ratios; „Berufsexposition“ wird nicht definiert und nicht nach Berufen aufgeschlüsselt; die Prävalenz der Berufsexposition ist im Abstract nicht beziffert. Die Studie belegt Häufigkeiten in einer Klinikpopulation, keinen Zusammenhang.

**Fragebogen zu Berufsexpositionen, Sfax, Tunesien, 2122 Männer [s86].** Daoud und Mitarbeiter (Turkish Journal of Medical Sciences, 2017) werteten einen Fragebogen zur Berufsexposition bei Männern in andrologischer Abklärung aus. Pestizidexposition war mit einem höheren Risiko für Asthenozoospermie (adjustiertes OR 1,6; 95 %-KI 1,0 bis 2,4) und Nekrozoospermie (OR 2,6; 95 %-KI 1,4 bis 4,7) verbunden; für Zementexposition wird ein höheres Oligozoospermie-Risiko genannt (OR 1,1; 95 %-KI 0,9 bis 1,4), das Intervall schließt aber 1 ein, die Formulierung „korreliert“ im Abstract überzeichnet also. Kein Zusammenhang bestand mit Lösungsmitteln, übermäßiger Hitze und mechanischen Vibrationen. Stärken: große Stichprobe, adjustierte Odds Ratios, mehrere Expositionen gleichzeitig. Schwächen: Selbstangabe (Erinnerungsfehler), Pestizidexposition ohne Berufsbezug (landwirtschaftliche Berufe sind möglicherweise enthalten, was das Abstract nicht aufschlüsselt), Klinikpopulation, das untere Intervallende bei Asthenozoospermie liegt bei 1,0.

**Fragebogen zu physikalischen und chemischen Expositionen, 402 Männer [s125].** De Fleurian und Mitarbeiter (Journal of Andrology, 2009) verglichen 314 Männer mit Oligo-, Astheno- oder Teratozoospermie mit 88 Männern mit normalem Samen. Schwermetalle (adjustiertes OR 5,4; 95 %-KI 1,6 bis 18,1), Lösungsmittel (OR 2,5; 95 %-KI 1,4 bis 4,4), Rauch bzw. Dämpfe (OR 1,9; 95 %-KI 1,1 bis 3,4) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (OR 1,9; 95 %-KI 1,1 bis 3,5) waren mit Samenbeeinträchtigung assoziiert; Pestizide (OR 3,6; 95 %-KI 0,8 bis 15,8) und Zement (OR 2,5; 95 %-KI 0,95 bis 6,5) knapp nicht signifikant. Mechanische Vibrationen waren mit Oligo- und Teratozoospermie assoziiert, übermäßige Hitze und langes Sitzen mit eingeschränkter Beweglichkeit; ionisierende Strahlung und elektromagnetische Felder nicht, wobei „very few subjects reported such exposure“. Stärken: breite Expositionspalette, klinisch einsetzbarer Kurzfragebogen. Schwächen: Selbstangabe, sehr weite Konfidenzintervalle, Fall-Kontroll-Aufbau innerhalb einer Klinikpopulation.

**Fragebogen zu Berufsexposition bei Männern mit normaler Konzentration, 336 Männer [s109].** Jurewicz und Mitarbeiter (Systems Biology in Reproductive Medicine, 2014) werteten einen Fragebogen bei 336 Männern einer Kinderwunschklinik mit Spermienkonzentration ≥ 15 Mio./ml aus. Lärm am Arbeitsplatz war mit verminderter Beweglichkeit (p = 0,005) und erhöhtem DNA-Schaden (p = 0,02) assoziiert, PVC-Exposition mit verminderter Konzentration (p = 0,02) und Beweglichkeit (p = 0,03); hohe Temperaturen (p = 0,03) und Sitzen von mehr als 6 Stunden (p = 0,001) mit dem DNA-Fragmentationsindex (DFI). Nach Korrektur für multiples Testen blieben nur Lärm (verminderte Beweglichkeit) und Sitzen ≥ 6 Stunden (erhöhter DFI) bestehen. Stärke: Korrektur für multiples Testen. Schwächen: Selbstangabe; nur Männer mit normaler Konzentration.

**Singapur, Klinikpopulation, 614 Männer [s208].** Chia und Mitarbeiter (Annals of the Academy of Medicine, Singapore, 1994) klassifizierten die Tätigkeiten von 614 Männern einer andrologischen Klinik nach der Singapore Standard Occupational Classification und Industrial Classification. „Plant and machine operators“ hatten ein höheres Oligozoospermie-Risiko (adjustiertes OR 1,93; 95 %-KI 1,12 bis 3,30); „Senior officials and managers“ ein geringeres (OR 0,52; 95 %-KI 0,32 bis 0,84). Beschäftigte der Branche „transport and communication“ hatten ein höheres Risiko für abnorme Beweglichkeit (OR 1,80; 95 %-KI 1,08 bis 3,00), das sich nicht durch Lärm, Hitze oder Lösungsmittel erklären ließ; Hitze wird als möglicher Faktor für die schlechtere Spermienzahl genannt. Stärke: Adjustierung für Alter, Rauchen, Krankengeschichte und Hodengröße. Schwächen: grobe Berufsklassen, viele Vergleiche.

**Singapur, zwei Fall-Kontroll-Studien zu ungeklärter Infertilität [s185, s179].** Die ältere Arbeit (Chia und Mitarbeiter, BJOG, 2000) verglich 218 infertile mit 240 fertilen Männern (deren Frauen schwanger waren) und fand ein höheres Infertilitätsrisiko bei Technikern (adjustiertes OR 2,81; 95 %-KI 1,51 bis 4,24) sowie bei „professional, senior officials and managers“ (OR 2,36; 95 %-KI 1,26 bis 4,40) gegenüber Dienstleistungs- und Bürokräften; Rauchen war ebenfalls mit Infertilität assoziiert (OR 2,96; 95 %-KI 1,98 bis 4,42) [s185]. Die Folgearbeit (Chia und Mitarbeiter, Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2001; 218 infertile und 227 fertile Männer) kommt zu dem Schluss, Arbeit sei „independently“ kein Risikofaktor für Infertilität, nennt aber höhere Risiken bei Ingenieur-Technikern (OR 2,75; 95 %-KI 1,36 bis 5,54), Finanzanalysten (OR 4,66; 95 %-KI 1,90 bis 11,40), Unternehmens- und Computermanagern (OR 2,49; 95 %-KI 1,04 bis 5,98) und Lehrern (OR 7,72; 95 %-KI 1,86 bis 32,10); die Autoren vermuten höhere Arbeitsanforderungen und mögliche elektromagnetische Felder als Beiträge. Die Spermienparameter der Fälle waren signifikant schlechter als die der Kontrollen (Dichte, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie) [s179]. Schwächen: Die Kontrollen waren Männer, deren Frauen gerade schwanger waren; die Intervalle sind teils sehr weit (1,86 bis 32,10 bei Lehrern); beide Arbeiten stammen von denselben Autoren und weisen jeweils 218 Fälle aus, eine Überschneidung ist wahrscheinlich, sie sind daher nicht als unabhängig zu zählen.

**Fall-Kontroll-Studie zu Arbeitsplatzexposition, Ägypten [s120].** El-Helaly und Mitarbeiter (International Journal of Occupational Medicine and Environmental Health, 2010) verglichen 255 infertile mit 267 fertilen Männern anhand von Selbstauskünften zu chemischen, physikalischen und psychologischen Gefährdungen. Adjustierte Odds Ratios: Lösungsmittel und Malermaterialien 3,88 (95 %-KI 1,50 bis 10,03), Blei 5,43 (95 %-KI 1,28 bis 23,13), Bildschirmgeräte und Computer 8,01 (95 %-KI 4,03 bis 15,87), Schichtarbeit 3,60 (95 %-KI 1,12 bis 11,57), arbeitsbezogener Stress („fairly present“ 3,11; 95 %-KI 1,85 bis 5,24; „often present“ 3,76; 95 %-KI 1,96 bis 7,52). Wichtigste Schwäche: Eine Samenanalyse erfolgte nur bei den infertilen Fällen, da die fertilen Kontrollen die Abgabe verweigerten; die Zielgröße ist daher die Infertilitätsdiagnose, nicht die gemessene Spermienqualität. Die Expositionen beruhen auf Selbstauskunft; die Odds Ratios sind sehr hoch und die Intervalle breit.

**Niederlande, Lösungsmittel, Metalle, Pestizide [s195].** Tielemans und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 1999) führten eine Fall-Kontroll-Studie in zwei Universitätskliniken mit 899 Männern bei der ersten Konsultation durch (drei Falldefinitionen mit unterschiedlichen Schwellen und eine Referenzgruppe). Die Exposition wurde über berufsspezifische Fragebögen, eine Job-Exposure-Matrix sowie Messung von Metallen und Lösungsmittel-Metaboliten im Urin erfasst. Ein Zusammenhang zwischen aromatischen Lösungsmitteln und verminderter Samenqualität zeigte sich unabhängig von der Expositionsmethode und war bei strengeren Schwellen und bei primärer Infertilität stärker; andere Schadstoffe waren nicht mit verminderter Samenqualität assoziiert. Stärken: drei unabhängige Expositionsmethoden, Dosis-Wirkungs-Muster über Schwellenwerte. Schwächen: Klinikpopulation (Selektion), keine Effektzahlen im Abstract.

**Kontinuierliche und dichotome Auswertung [s198].** Bigelow und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 1998) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie an einer Universitätsklinik die dichotome Auswertung (keine signifikanten Assoziationen zwischen Berufsfaktoren und Fallstatus) mit der Analyse kontinuierlicher Variablen (Zusammenhänge vorhanden). Bei Schweißern war der Anteil progressiver Spermien reduziert und der Anteil der Spermien mit aufgerolltem Flagellum erhöht (Schweißer sind in anderen Kapiteln behandelt). Es gab signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehungen zwischen wahrgenommenem Arbeitsstress und dem Anteil progressiver Spermien, der Gesamtzahl beweglicher Spermien, der Morphologie, abnormen Köpfen und aufgerollten Flagellen. Aussage: Feine Veränderungen sind nur mit parametrischen Analysen kontinuierlicher Variablen erkennbar. Schwäche: keine Zahlen im Abstract.

**Norwegen, Kinderwunschpaare [s191].** Irgens und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 1999) verknüpften die erste Samenanalyse mit selbst ausgefüllten Fragebögen zur Berufsexposition. Verminderte Samenqualität fand sich bei Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (OR 3,22; 95 %-KI 1,46 bis 7,09); Tendenzen bei Pendlern (OR 1,52; 95 %-KI 0,89 bis 2,59), Schichtarbeitern (OR 1,46; 95 %-KI 0,89 bis 2,40) und Schwermetall-Exponierten (OR 1,47; 95 %-KI 0,76 bis 2,87). Die Autoren werten den Einfluss beruflicher Exposition bei infertilen Paaren in Norwegen als „minor“.

**Libanon [s134].** Inhorn und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2008) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie 74 infertile Männer und 76 fertile Kontrollen aus zwei Zentren in Beirut. Männer mit berichteter beruflicher Exposition hatten ein doppelt so hohes Infertilitätsrisiko; die Blutkonzentrationen von Schwermetallen waren in keiner Untergruppe höher als bei Kontrollen und lagen im Referenzbereich gesunder Populationen. Die Autoren schließen, Metallexposition sei dort kein wichtiger Risikofaktor. Schwächen: kleine Gruppen; die Berufsangaben sind nicht aufgeschlüsselt.

**Fall-Kontroll-Studie 1984 [s215].** Buiatti und Mitarbeiter (Archives of Environmental Health, 1984) interviewten 112 azoo- oder oligospermische Männer und 127 Kontrollen vor Kenntnis der Spermienzahl: Kein Berufsfaktor war mit Azoospermie oder Oligospermie verbunden; ein hohes relatives Risiko (nicht signifikant) bestand für Radio-Elektrik-Industrie, nicht sitzende Büroberufe, Büroarbeit in der Druckindustrie und Textilindustrie.

**Sozialklasse und Samenanalyse [s162].** Coughlin und Mitarbeiter (Journal of Obstetrics and Gynaecology, 2003) untersuchten 207 Männer einer Kinderwunschklinik: Azoosperme Männer gehörten häufiger der Sozialklasse 3m (angelernte Handarbeit) und darunter an; auch Männer, die keine Probe abgaben, waren häufiger 3m; zwischen Männern mit normaler und niedriger Spermienzahl gab es keinen statistischen Berufsunterschied. Die Autoren vermuten, nicht der Beruf allein, sondern Lebensstilunterschiede der Sozialklassen könnten die Spermienparameter beeinflussen.

**Junge chinesische Männer [s68].** Pokhrel und Mitarbeiter (Andrologia, 2019) werteten in einer Querschnittsstudie Soziodemographie, Lebensstil, Arbeitsexposition und Krankengeschichte aus: Das Samenvolumen war bei Handarbeitern erhöht (p = 0,050); Varikozele senkte mehrere Parameter (p-Werte 0,041 bis 0,002). Zu Berufen sonst keine Befunde im Abstract.

**Kohorte nachweislich fertiler Männer, Study for Future Families [s50].** Meyer und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2022) verknüpften berufliche Faktoren mit verallgemeinerten linearen Modellen mit Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie. Niedrigere Konzentration und Beweglichkeit fanden sich bei Berufen in Installation, Wartung und Reparatur; höhere Exposition gegenüber Blei und anderen Giftstoffen fand sich in Berufen mit niedrigerer mittlerer Konzentration (Prävalenzverhältnis Blei 4,1, Pestizide/Insektizide 1,6, Lösungsmittel 1,4); Arbeit mit Blei über mehr als drei Monate war mit niedrigerer Konzentration verbunden, ebenso Bleiexposition außerhalb der Arbeit. Stärke: Die Männer waren nachweislich fertil (Vaterschaft), sodass der Befund unabhängig von Infertilitätsselektion ist. Schwäche: keine Effektgrößen mit Intervallen im Abstract.

**Münster, Klinikpopulation [s180].** Kenkel und Mitarbeiter (International Journal of Andrology, 2001) analysierten retrospektiv 2054 infertile Männer, eingeteilt in 29 Berufsgruppen, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung des Kreises. Landwirte waren überrepräsentiert; Landwirte sowie Maler und Lackierer hatten häufiger verminderte Spermienzahlen (OR 2,13 bzw. 2,17; 95 %-KI 1,18 bis 3,88 bzw. 1,02 bis 4,65); Metallarbeiter und Schweißer zeigten häufiger verminderte Beweglichkeit (OR 5,99; 95 %-KI 1,38 bis 26,00). Landwirte, Maler und Schweißer sind in anderen Kapiteln behandelt; berichtet wird hier der Kontext: Bestimmte Berufe sind in einer Spezialsprechstunde bevorzugt vertreten. Schwäche: Der Vergleich erfolgte innerhalb Infertiler, mit Selektion in die Spezialklinik.

**Weitere Klinik- und Registerstudien.** Perova und Starikova (Moskau, 2016) beschreiben 54 „gesunde Männer“ einer privaten Klinik, deren Berufe in Gruppen von 0 bis 5 kodiert wurden [s99]. Alle Werte stammen aus Abbildungen und Text, ohne Gruppengrößen, Streuung oder Test. Das Ejakulatvolumen war am niedrigsten bei Leitern (2 ml), am höchsten bei Fahrern und Bauarbeitern (3 ml); die Spermienkonzentration lag bei Leitern bei 64 Mio./ml, bei Mechanikern, Ingenieuren und Bauleitern bei 61, bei Bauarbeitern und Fahrern bei 48, bei Büro-, Bank-, Lehr- und Managementberufen bei 46, bei Ladern bei 23 und bei Arbeitslosen bei 15 Mio./ml; der Anteil normaler Formen reichte von 30 % bei Ladern bis 48 % bei Leitern; progressiv bewegliche Spermien bei Ladern nur 3,5 %, unbewegliche 60 %. Die Autoren schließen, Männer mit überwiegend geistiger Arbeit hätten bessere Werte als Männer mit überwiegend körperlicher Arbeit. Die Arbeit ist ohne Gruppengrößen, Statistik und Kontrolle für Alter, Rauchen und Übergewicht allenfalls als Anregung zu lesen. Belik und Korchin (Chanty-Mansijsk, 2025) werteten retrospektiv die Akten von 627 Patienten mit männlicher Unfruchtbarkeit in einer Abteilung für assistierte Reproduktion aus (2020 bis 2023; 394 monoätiologische, 72 polyätiologische, 161 idiopathische Fälle) [s25]. „Berufliche Schädlichkeiten“ wurden bei 9 Männern (1,4 %) dokumentiert (3 bzw. 0,8 % monoätiologisch, 1 bzw. 1,4 % polyätiologisch, 5 bzw. 3,1 % idiopathisch); zum Vergleich Rauchen 258 (41,1 %), Adipositas 123 (19,6 %), metabolisches Syndrom 84 (13,4 %). Die Autoren schreiben, Berufsschädlichkeiten führten seltener zu Pathospermie als allgemein anerkannte Faktoren. Die Zahl 9 von 627 sagt aber nur etwas über die Häufigkeit der Erfassung in der Akte, nicht über das Risiko; es fehlen Messung und Kontrollgruppe. Die Arbeit von Sánchez-Resino und Mitarbeitern zu Metallen in einem petrochemischen Komplex [s22] ist im Abschnitt Metalle besprochen.

**Pestizidexposition über alle Berufe hinweg, Bordeaux [s29].** Eine französische Masterarbeit (HAL/DUMAS, 2024) wertete Daten von Patienten des Artemis-Zentrums am Universitätsklinikum Bordeaux (2016 bis 2021) mit der Job-Expositions-Matrix PESTIPOP aus, „toutes professions confondues“ (alle Berufe zusammen). Es zeigten sich nicht signifikante Abwärtstendenzen für Spermienkonzentration (OR = 0,5) und Vitalität (OR = 0,31); die Verfasserin bzw. der Verfasser fordert größere Studien. Fallzahl und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract. Die Arbeit ist nicht begutachtet und eine der wenigen, die Pestizidexposition über alle Berufe statt nur für die Landwirtschaft betrachtet.

**Wissen und Interview, Pilotstudie [s91].** Christiaens und Mitarbeiter (Basic and Clinical Andrology, 2016) prüften in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein vom Arbeitsmediziner durchgeführtes Interview vor der Samenanalyse. Der mittlere Wissenswert über Reprotoxika betrug 9,6 ± 2,7 von 16; am häufigsten unterschätzt wurde übermäßige Hitze (34,7 % richtige Antworten). Bei Auffälligkeit und erkannter Exposition gaben 63,2 % an, persönliche Schutzmittel zu nutzen, 55,1 % wollten den Arbeitsplatz zeitweise anpassen; 80,7 % hielten das Interview für mäßig bis sehr nützlich; 46,2 % hatten nach zwei Monaten Lebensgewohnheiten geändert, 88,5 % waren zufrieden. Dies ist eine Befragung zur Akzeptanz, keine Studie zur Spermienqualität.

### Fahrer und Verkehrsberufe

Die Literatur zu Fahrerberufen besteht aus acht kleinen bis mittelgroßen Vergleichs- und Fall-Kontroll-Studien aus den Jahren 1993 bis 2022. Als mögliche Wirkpfade werden Ganzkörpervibration, langes Sitzen mit erhöhter Hodentemperatur, psychischer Stress, Schlafqualität, Abgase und Schwermetalle diskutiert; keine der Studien kann diese Pfade trennen.

**Taxifahrer in Rom [s202].** Figà-Talamanca und Mitarbeiter (American Journal of Industrial Medicine, 1996) interviewten 201 Taxifahrer zu Arbeits- und Fortpflanzungsanamnese; bei 72 wurden Speicheltestosteron, Spermienkonzentration, -morphologie und -beweglichkeit sowie die Fertilitätsanamnese einschließlich Zeit bis zur Schwangerschaft erhoben und mit 50 gesunden Kontrollen ähnlichen Alters und Rauchverhaltens verglichen. Der Anteil normaler Spermienformen war bei Taxifahrern signifikant niedriger (45,8 % gegenüber 64,0 %), besonders bei längerer Berufsdauer; die übrigen Spermienparameter unterschieden sich nicht. Das Ergebnis blieb in einer multivariaten Analyse mit Kontrolle von Alter, Rauchen und Alkohol bestehen. Rauchen war mit schlechterer Morphologie assoziiert, mäßiger Alkoholkonsum mit besserem Befund; bei Männern mit schlechter Samenqualität dauerte die Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin häufiger länger. Stärken: multivariate Anpassung, Berufsdauer als Dosisindikator. Schwächen: Biomarker nur bei 72 von 201 Fahrern, kleine Kontrollgruppe; die Autoren verlangen selbst eine Bestätigung.

**Berufskraftfahrer in Bulgarien [s212].** Moskova und Mitarbeiter (Akusherstvo i Ginekologiia, 1993; bulgarisch, englisches Abstract) verglichen 80 Berufskraftfahrer mit 159 Männern aus Berufen ohne bekannte Berufsschäden. Der Anteil der Fahrer mit gestörter „inseminativer Fähigkeit“ betrug 66,25 % gegenüber 35,85 % in der Kontrollgruppe (P < 0,001); Pyospermie 28,75 % gegenüber 16,98 % (P < 0,05). Zwischen Rauchern, Prostata- und Varikozele-Erkrankten und Keimträgern gab es keine statistisch gesicherten Unterschiede, aber in allen Fällen eine „unfavourable tendency“ für die Fahrer. Das Abstract nennt weder Adjustierung noch die genauen Definitionen der gestörten Fruchtbarkeit.

**Arbeiter mit Vibrationsbelastung [s204].** Penkov und Mitarbeiter (Central European Journal of Public Health, 1996) verglichen Berufsgruppen wie Berufskraftfahrer, Bergleute und Lokführer („professional drivers, miners, engine drivers, etc.“). Untersucht wurden Ejakulat-pH, Volumen, Trübung, Spermiendichte, -zahl und -morphologie. Berichtet werden eine erhöhte Prävalenz von Oligospermie und Azoospermie sowie ein signifikant vermindertes Volumen, ein verminderter Anteil beweglicher Spermien und mehr Fehlbildungen bei den Exponierten. Das Abstract enthält keine Zahlen und keine Fallzahlen.

**Taxifahrer in Teheran, Ganzkörpervibration [s55].** Zarei und Mitarbeiter (Journal of Occupational Medicine and Toxicology, 2022) untersuchten in einer Querschnittsstudie 70 Taxifahrer und 70 Büroangestellte, die in den vergangenen zwölf Monaten Kinderwunschkliniken zur Abklärung aufgesucht hatten. Datenquellen waren Fragebögen, ein Spermiogramm nach Standard und die 8-Stunden-Zeitgewichtung (TWA) der Ganzkörpervibration nach ISO 2631-1. Die TWA betrug 0,697 ± 0,13 m/s² bei Taxifahrern gegenüber 0,068 ± 0,09 m/s² bei Büroangestellten (P < 0,05); signifikant unterschiedlich waren laut Recherchebericht (im bei Europe PMC abgerufenen Abstract nicht aufgeführt) Gesamtzahl, progressive, nicht progressive und Gesamtbeweglichkeit (P < 0,05). Im abgerufenen Abstract steht für die Varianzanalyse, die Vibration habe einen größeren Effekt (B) auf Spermienparameter als die demographischen Variablen, und Taxifahrer zu sein erhöhe die Chance auf verminderte Samenqualität, jeweils aber mit „(P > 0.05)“; diese p-Werte widersprechen der behaupteten Wirkung und werden hier nur wörtlich wiedergegeben. Die Autoren betonen selbst, dass Störfaktoren wie psychischer Stress, Schlafqualität, Schwermetalle und Sitzhaltung eine endgültige Aussage verhindern. Stärke: gemessene statt nur erfragte Vibrationsexposition. Schwächen: Klinikpopulation (beide Gruppen suchten wegen Fruchtbarkeitsfragen eine Klinik auf), kleine Stichprobe, genannte Störfaktoren.

**Fahrradtaxi-Fahrer in Mangochi, Malawi [s102].** Kipandula und Mitarbeiter (Malawi Medical Journal, 2015) führten eine Fall-Kontroll-Studie an jungen Fahrradtaxi-Fahrern und gesunden Kontrollen (Männer ohne Fahrradtaxi-Beruf) durch; die Proben wurden nach zwei bis drei Tagen Karenz gewonnen und im Lichtmikroskop untersucht. Werte (Fahrer gegenüber Kontrollen, Mittelwert ± Fehlerangabe wie im Abstract): Volumen 1,66 ± 0,18 ml gegenüber 3,64 ± 0,17 ml (p = 0,0001); Konzentration 28,31 ± 4,33 × 10⁶/ml gegenüber 54,95 ± 5,93 × 10⁶/ml (p = 0,02); Gesamtbeweglichkeit 56,98 % ± 8,22 % gegenüber 56,98 % ± 8,22 % (p = 0,03); progressive Beweglichkeit 22,57 % ± 3,35 % gegenüber 59,69 % ± 4,82 % (p = 0,004); Morphologie 6,98 % ± 3,23 % gegenüber 19,73 % ± 2,32 % (p = 0,006). Die Gesamtbeweglichkeit ist im Abstract, auch in der bei Europe PMC abgerufenen Fassung, in beiden Gruppen mit identischen Werten angegeben (offenbar ein Schreibfehler), sodass dieser Wert nicht verwertbar ist. Stärken: deutliche Effekte, standardisierte Karenzzeit. Schwächen: Teilnehmerzahl und Kontrolle von Störfaktoren (Rauchen, Alkohol, Alter) im Abstract nicht angegeben; Verkehrs-, Sitz- und Hitzebelastung sind nicht von der körperlichen Anstrengung des Radfahrens zu trennen.

**Berufskraftfahrer in China, Luoyang [s170].** Zhao und Mitarbeiter (Zhonghua nan ke xue, 2003) untersuchten 1223 Männer mit Unfruchtbarkeit (78 Fahrer, 1145 Nichtfahrer) und 100 Normalmänner. Die Quote abnormer Samenbefunde war bei unfruchtbaren Fahrern höher als bei Nichtfahrern (p < 0,05) und Normalmännern (p < 0,01); bei mehr als acht Jahren Fahrpraxis höher als bei weniger als acht Jahren (p < 0,05). Die Quoten selbst nennt das Abstract nicht. Schwächen: nur 78 Fahrer, rein klinische Population, keine Expositionsmessung, keine Angaben zu Störgrößen.

**Mautstellenpersonal an Autobahnen, Düzce [s132].** Guven und Mitarbeiter (Andrologia, 2008) verglichen 38 Mautstellenbeschäftigte mit 35 Büroangestellten (Ausschluss: Varikozele und chronische Krankheiten mit möglicher Wirkung auf die Spermienproduktion; Rauchen nicht verschieden). In der Mautgruppe war die Beweglichkeit bei 8 Männern vermindert, die Zahl bei 7 niedrig, beides kombiniert bei einem Mann; in der Kontrollgruppe bestand ein leichter Beweglichkeitsdefekt bei zwei und niedrige Zahl bei einem. Unterschiede bei abnormaler Zahl (p = 0,002) und Beweglichkeit (p = 0,003); der Anteil normal geformter Spermien war in der Mautgruppe niedriger (p = 0,001). Die Autoren sehen Luftverschmutzung, vor allem Dieselabgase, als mögliche Ursache. Stärken: Kontrollgruppe aus derselben Region, definierte Ausschlusskriterien. Schwächen: kleine Stichprobe, Exposition nicht gemessen (nur der Arbeitsort als Ersatz), Rauchen nur als „kein Unterschied“ erfasst, keine Angabe zur Abstinenzzeit im Abstract.

**Soldaten, Kraftfahrer und Allgemeinbevölkerung, Polen [s199].** Kurzawa und Mitarbeiter (Ginekologia Polska, 1998; polnisch, englisches Abstract) werteten retrospektiv 473 Spermiogramme der Jahre 1995 bis 1997 aus und verglichen mittlere Spermienzahl und Anteil beweglicher Spermien der Allgemeinbevölkerung mit denen von Kraftfahrern und Soldaten. Es gab keine Unterschiede; die Mittelwerte lagen über den WHO-Grenzwerten, und es fand sich kein Hinweis auf eine Verschlechterung der Spermienqualität in Abhängigkeit von Alter und Beruf. Schwächen: Laborregister ohne Angaben zu Expositionsdauer und Auswahl; vermutlich selektierte Patienten.

Einordnung: Sieben der acht Studien berichten Verschlechterungen mindestens eines Parameters, eine (Polen) nicht; die Effekte betreffen je nach Studie Morphologie, Beweglichkeit, Konzentration oder Volumen und sind nicht konsistent. Alle Studien sind klein bis mittelgroß, mehrere beruhen auf Klinikpopulationen.

### Schicht-, Nacht- und Wechselschichtarbeit

**PREBIC-Kohorte, 24 Monate Nachbeobachtung [s09].** Wang und Mitarbeiter (Andrology, 2026) analysierten in einer prospektiven Kohortenstudie 3425 Männer; die Arbeitsform (rotierende Schichtarbeit, feste Tagarbeit, feste Schichtarbeit) wurde selbst angegeben, sieben Spermienparameter wurden gemessen, und der Schwangerschaftsstatus der Partnerin wurde alle drei Monate bis 24 Monate oder zur Konzeption erfragt (Cox-Regression, lineare Regression, Mediationsanalyse). Rotierende Schichtarbeiter hatten nach Adjustierung ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 95 %-KI 0,70 bis 0,99; p = 0,04) und ein um 14 % niedrigeres innerhalb von zwei Jahren (HR 0,86; 95 %-KI 0,74 bis 1,01; p = 0,06) gegenüber Männern mit fester Tagarbeit. Die Spermienkonzentration war um 10,77 % niedriger (95 %-KI −18,89 bis −2,55 %; p = 0,01), die Gesamtspermienzahl um 11,63 % (95 %-KI −21,25 bis −2,02 %; p = 0,02), die Vitalität um 3,86 % (95 %-KI −7,00 bis −0,72 %; p = 0,02). Zwischen fester Tagarbeit und fester Schichtarbeit fand sich kein signifikanter Unterschied. Die Spermienkonzentration erklärte 33,46 % (ein Jahr) und 31,12 % (zwei Jahre) der Gesamtwirkung auf die Schwangerschaftsrate, die Vitalität 30,79 % und 23,59 %. Stärken: prospektives Design, große Stichprobe, Trennung von rotierender und fester Schichtarbeit (in früheren Studien oft vermischt), Mediationsanalyse. Schwächen: Das Zwei-Jahres-Ergebnis verfehlt knapp die Signifikanz (p = 0,06); die Arbeitsform war selbst berichtet; die Mediationsanteile addieren sich nicht eindeutig, weil die Mediatoren zusammenhängen; welche Berufe und Schichtmodelle vorlagen, nennt das Abstract nicht; die Teilnehmer sind Paare mit Kinderwunsch.

**Zirkadiane Desynchronisation, Mensch und Maus [s62].** Liu und Mitarbeiter (Human Reproduction, 2020) kombinierten eine Querschnittsstudie an 1346 chinesischen Männern (Wechselschicht, Dauerschicht gegen Nicht-Schicht), eine Kohorte von 796 Studierenden 2013/2014 (nichtberuflicher „sozialer Jetlag“ nach dem Munich Chronotype Questionnaire) und ein Mausmodell (C57BL/6J, Photoperiodenverschiebung). Verglichen wurden 17 Biomarker. Wechselschichtarbeiter hatten ein höheres Risiko für eine niedrige Spermienzahl (Gesamtzahl < 120 × 10⁶ nach dem chinesischen Gesundheitsministerium) als Nicht-Schichtarbeiter (OR 1,26; 95 %-KI 1,05 bis 1,52). In der Studierendenkohorte war jede Stunde Desynchronisation mit 1,16-fachen Chancen (95 %-KI 1,02 bis 1,31) für niedrige Spermienzahl verbunden; die Spermienzahl stieg 2014 bei Männern, die die Desynchronisation verringert hatten. Im Mausmodell sank die Spermienzahl bei Asynchronie und erholte sich nach deren Aufhebung; es gab vermehrte Apoptose in den Samenkanälchen und herunterregulierte Markergene postmeiotischer Zellen, am stärksten angereichert war der Funktionsweg der homologen Rekombination. Stärken: Konvergenz dreier Ebenen, Erholung nach Beendigung. Schwächen: beobachtend; Tiermodell mit anderer Exposition und Speziessensibilität (von den Autoren genannt); Studierende sind keine Berufsgruppe.

**Wechselschicht und Gesamtfruchtbarkeitsrate in 35 europäischen Ländern [s58].** He und Mitarbeiter (Chronobiology International, 2021) werteten ökologisch (gemischtes lineares Modell) den European Working Conditions Survey 2000 bis 2015 aus (54 734 Männer, 52 457 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren). Die durchschnittliche Prävalenz der Wechselschicht sank von 15,6 % (2000) auf 9,8 % (2010) und stieg bis 2015 auf 11,1 %; die Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) stieg von 1,45 (2000) auf 1,60 (2010) und fiel auf 1,56 (2015). Ein Anstieg der Wechselschicht-Prävalenz um 10 % ging mit einem Rückgang der TFR um 0,114 einher (95 %-KI −0,167 bis −0,061). Für Dauerschicht (β = −0,011; 95 %-KI −0,094 bis 0,073; p = 0,801) und geteilte Schichten (β = 0,357; 95 %-KI −0,171 bis 0,884; p = 0,189) gab es keinen Zusammenhang. Schwächen: ökologischer Fehlschluss möglich; keine Spermiendaten, nur die Fertilitätsrate des Landes. Die Studie liefert nur indirekte Evidenz zur Spermienqualität.

**Nacht- und Tagschicht, oxidativer Stress [s13].** Boeri und Mitarbeiter (Antioxidants, 2025) untersuchten retrospektiv in einer Querschnittsstudie 96 weiße europäische Männer (18 bis 45 Jahre) eines Zentrums mit Fruchtbarkeitsabklärung. Die d-ROMs-Werte waren bei Nachtarbeitern höher (Mediane 340 gegenüber 280 U.CARR; p = 0,01); der Anteil über der Schwelle betrug 74,4 % gegenüber 24,4 % (p = 0,01); Nachtarbeit war ein unabhängiger Prädiktor erhöhten oxidativen Stresses (OR 2,1; p = 0,001), auch nach Adjustierung für Alter und Rauchen. Eine Untergruppe von 40 Patienten (je 20 pro Gruppe) wurde zusätzlich drei Monate mit einem Antioxidans-Präparat behandelt; das Abstract berichtet Verbesserungen, die hier nur als Studieninhalt erwähnt sind und keine Aussage zur Berufsgruppe machen. Schwächen: kleine, selektierte Klinikpopulation, unkontrollierte Untergruppe; Spermienparameter werden im Abstract nicht als Unterschied zwischen den Schichtgruppen beziffert.

**Schichtarbeit und Schlafqualität bei Fruchtbarkeitspatienten [s57].** Demirkol und Mitarbeiter (Andrologia, 2021) verglichen in einer Kinderwunschambulanz in Kahramanmaraş 104 Schichtarbeiter mit 116 Nicht-Schichtarbeitern (Samenanalyse; DASS-21 für Depression, Angst und Stress; Pittsburgh Sleep Quality Index, PSQI). Schichtarbeiter hatten häufiger Oligozoospermie (p = 0,006) und schlechtere Schlafqualität (p = 0,039) sowie einen geringeren Anteil normal geformter Spermien (p = 0,036). Die Konzentration korrelierte positiv mit der Schlafdauer, die Einschlaflatenz negativ mit der Gesamtspermienzahl. Im Modell mit Alter, Gesamttestosteron, DASS-21-Stresswert, Rauchen und Varikozele blieben Schichtarbeit (OR 2,11; 95 %-KI 1,03 bis 4,34) und hoher PSQI-Wert (OR 1,18; 95 %-KI 1,01 bis 1,39) mit Oligozoospermie assoziiert. Stärken: Adjustierung für wichtige Störgrößen, validierte Fragebögen, zwei Gruppen vergleichbarer Größe. Schwächen: Alle Teilnehmer sind Männer einer Kinderwunschambulanz (Selektion), Schichtsystem und Dauer sind im Abstract nicht beschrieben, eine einzelne Klinik, Querschnitt; die unteren Konfidenzgrenzen liegen nahe 1 (1,03 und 1,01), die Schätzung ist also unsicher; Schichtarbeit und Schlafqualität lassen sich nicht sicher trennen.

**Urinäre 5-Hydroxyindolessigsäure [s122].** Ortiz und Mitarbeiter (Reproductive Biology and Endocrinology, 2010) führten eine Korrelationsstudie an 40 Männern durch: 20 Freiwillige (Korrelation des Urinmetaboliten mit Spermienparametern) und 20 Nachtschichtarbeiter (10 bewiesene Väter gegenüber 10 infertilen Männern). Der Urinwert korrelierte negativ mit Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, normaler Morphologie und Vitalität; bei den Nachtschichtarbeitern lagen die Werte der frisch bewiesenen Väter signifikant niedriger als die der infertilen Männer. Schwächen: sehr kleine Gruppen; eine Kontrolle ohne Schichtarbeit fehlt, die Aussage zur Schichtarbeit selbst ist daher begrenzt.

Einordnung: Alle Humanstudien dieses Abschnitts berichten Nachteile bei Wechselschicht oder Nachtarbeit, allerdings mit sehr unterschiedlichen Endpunkten (Spermienparameter, Schwangerschaftsrate, Fruchtbarkeitsrate des Landes, oxidativer Stress, Serotonin-Metabolit). Die Metaanalyse [s23] zeigt dagegen keinen signifikanten gepoolten Effekt, die LIFE-Kohorte [s101] (siehe Abschnitt körperliche Belastung) fand für Schicht- und Nachtarbeit keine Assoziation, und die norwegische Studie [s191] nur Tendenzen (OR 1,46; 95 %-KI 0,89 bis 2,40). Am ehesten konsistent ist die Evidenz für Wechselschicht, nicht für Festschicht. Tierversuche zur zirkadianen Störung stehen im Abschnitt Tierversuche und Zellversuche.

### Sitzende Tätigkeit, Hitze und Hodentemperatur

**Sitzende Arbeit und Spermien-DNA-Integrität [s66].** Gill und Mitarbeiter (Folia Histochemica et Cytobiologica, 2019) verglichen in einer Querschnittsstudie Männer, die mindestens 50 % der Arbeitszeit saßen (≥ 17,5 Stunden pro Woche, n = 152), mit Männern mit weniger als 50 % (n = 102); untersucht wurden die WHO-2010-Standardparameter und die Spermien-DNA-Fragmentation (SDF) mit dem Halosperm-Test. Die Standardparameter unterschieden sich nicht; der SDF-Median betrug 21,00 % gegenüber 16,50 %; niedrige SDF (0 bis 15 %) fand sich seltener (27,63 % gegenüber 45,10 %), hohe SDF (> 30 %) häufiger (30,92 % gegenüber 16,67 %); das OR für „nicht niedrige SDF“ betrug 0,4648, das OR für hohe SDF 2,2381. Stärken: Messung des Chromatinschadens statt nur der Routineparameter. Schwächen: Klinikpopulation; Adjustierung im Abstract nicht beschrieben; Expositionserfassung nur über Selbstangabe.

**Sitzende Arbeitsposition in dänischen Fertilitätszentren [s159].** Støy und Mitarbeiter (International Journal of Andrology, 2004) analysierten Proben von 3119 Männern aus vier Zentren (1981 bis 1983); 2517 beantworteten einen Fragebogen, 1747 Männer (18 bis 39 Jahre, mehr als 30 Stunden Arbeit pro Woche) gingen in die Analyse ein. Der Anteil sitzender Arbeit wurde den Berufsbezeichnungen über die Danish Work Environment Cohort Study 1990 zugeordnet. Die Spermienkonzentration betrug 30,6 Millionen/ml im Quintil mit dem niedrigsten Anteil sitzender Arbeit gegenüber 40,5 Millionen/ml im höchsten; der Unterschied war nicht signifikant. Fazit der Autoren: keine Hinweise auf sitzende Arbeit als Risikofaktor für abnorme Samencharakteristika. Stärken: große Fallzahl, berufsbezogene Expositionszuordnung unabhängig von individueller Erinnerung. Schwächen: Zuordnung auf Berufsebene (individuelle Fehlklassifikation möglich); die Proben stammen aus den Jahren 1981 bis 1983, also aus einer anderen Arbeitswelt als heute.

**Organochlorverbindungen, sitzende Berufe, Adipositas [s149].** Magnusdottir und Mitarbeiter (Human Reproduction, 2005) verglichen drei Gruppen (25 Männer mit schlechter Samenqualität, 20 mit normaler Samenqualität und idiopathischer Subfertilität, 27 mit normaler Samenqualität und weiblicher Subfertilität). Die Organochlorspiegel unterschieden sich nicht; Männer mit schlechter Samenqualität waren dreimal so häufig adipös; „the prevalence of sedentary work was lowest among men with the best semen quality“. Schwächen: kleine Gruppen, Berufszuordnung nicht näher beschrieben.

**Skrotaltemperatur über 24 Stunden, 99 gesunde Männer [s173].** Hjollund und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2002) maßen kontinuierlich die Haut-Skrotaltemperatur über 24 Stunden und erhoben mit Fragebogen die sitzende Position. Die Spermienkonzentration sank um 40 % pro 1 °C Anstieg der medianen Tagestemperatur (95 %-KI 8 bis 71 %); ähnliche Ergebnisse zeigten sich für Gesamtzahl, FSH und Inhibin B; Beweglichkeit, Morphologie, pH und Testosteron waren nicht signifikant. Zwischen sitzender Position und Samenqualität fanden sich nur „weak and inconsistent associations“. Die Studie schließt ausdrücklich, dass sitzende Arbeit, obwohl „a strong determinant of scrotal temperature“, keinen Effekt auf die Samenqualität zu haben scheine.

**Dänische Pregnancy-Planner-Kohorte, Skrotaltemperatur [s187].** Hjollund und Mitarbeiter (International Journal of Andrology, 2000) maßen bei 60 Männern drei Tage lang die Skrotaltemperatur; die mediane Tagestemperatur betrug 33,3 °C, nachts 34,8 °C; in Phasen sitzender Arbeit lag die mediane Temperatur im Schnitt um 0,7 °C höher (SE = 0,2 °C). Die mediane Spermienkonzentration bei Männern mit mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C betrug 33,4 × 10⁶/ml gegenüber 91,8 × 10⁶/ml bei Männern mit weniger als der Hälfte der Werte über 35 °C (Differenz 58,4; 95 %-KI 25,9 bis 77,8 × 10⁶/ml).

**Aktivitäten und Skrotaltemperatur, 101 Männer [s174].** Hjollund und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2002) fanden, dass die Temperatur stark mit sitzender Arbeitsposition mit Dosis-Wirkungs-Beziehung korrelierte (weniger als 1 Stunde sitzend: 33,1 °C, mehr als 6 Stunden sitzend: 34,7 °C, jeweils Median); die Variation der sitzenden Arbeit erklärte 31,5 % der Variation der Mediantemperatur über 24 Stunden; sitzende Position in der Freizeit korrelierte nicht. Stärken dieser drei Temperaturstudien: objektive Messung, Dosis-Wirkung. Schwächen: kleine Stichproben; die Temperatur ist ein Zwischenparameter, die direkte Verbindung zwischen sitzender Arbeit und Spermienkonzentration ist in diesen Studien schwach oder fehlt.

**Hodenhyperthermie bei berufs- oder varikozelebedingter Hitze [s163].** Dada und Mitarbeiter (Teratogenesis, Carcinogenesis, and Mutagenesis, 2003) untersuchten in einer Querschnittsstudie 122 infertile Männer und 25 fertile Kontrollen (WHO 1999): Azoospermie bei 106, Oligozoospermie bei 16 Männern; 20 azoosperme und 14 oligozoosperme Männer hatten hohe testikulo-epididymale Temperaturen, „either due to occupational exposure to high temperature or varicocele“; alle 14 oligozoospermen Männer hatten einen sehr hohen Anteil morphologisch abnormaler Spermien und eingeschränkte Beweglichkeit (OAT-Gruppe). Das Abstract nennt als bekanntermaßen betroffen Färber, Köche und Hochofenarbeiter. Schwächen: Berufsbedingte und varikozelebedingte Hitze sind nicht getrennt; die Berufe der Probanden werden nicht aufgeschlüsselt; die Aussage zu Köchen und Hochofenarbeitern ist eine Hintergrundannahme der Autoren, kein Studienergebnis.

**Hitzearbeit in der Stahlindustrie, Iran [s76].** Hamerezaee und Mitarbeiter (Safety and Health at Work, 2018) verglichen in einem Querschnitt 30 hitzeexponierte und 14 nicht exponierte Arbeiter eines Stahlwerks. Gemessen wurden Skrotal- und Oraltemperatur, Umweltparameter, der Wet-Bulb-Globe-Temperature-Index (WBGT, ISO 7243) und der Predicted-Heat-Strain-Index (PHS, ISO 7933), dazu eine WHO-Spermaanalyse. Die zeitgewichteten Mittelwerte von WBGT und PHS lagen mit 35,76 °C bzw. 491,56 W/m² über den Grenzwerten. Die Unterschiede zwischen den Gruppen bei Umwelt-, physiologischen und Spermienparametern (Ausnahme: pH) waren signifikant; die Spermienparameter der Exponierten lagen noch im Grenzbereich des normozoospermen Bereichs und waren signifikant niedriger als die der Kontrollen. Der Recherchebericht nennt zusätzlich negative Korrelationen von WBGT und PHS mit Volumen, Morphologie, Beweglichkeit und Zahl (p < 0,05) sowie eine „negative“ Korrelation mit Skrotal- und Oraltemperatur; im bei Europe PMC abgerufenen Abstract sind die p-Werte und Richtungen dieser Sätze abgeschnitten und nicht prüfbar. Die Aussage zur Korrelation mit der Körpertemperatur ist vermutlich ungenau wiedergegeben (physiologisch wäre eine positive Korrelation zu erwarten) und sollte im Volltext geprüft werden. Stärke: gemessene Hitzeindizes. Schwächen: sehr kleine Gruppen. Das Abstract empfiehlt den WBGT als nützlichen Index.

**Berufliche Hitzeexposition und Fertilitätsstress, Xinjiang [s05].** Han und Mitarbeiter (American Journal of Men's Health, 2026) rekrutierten in einer klinikbasierten Querschnittsstudie von Mai 2021 bis April 2023 in der Kinderwunschabteilung eines Universitätskrankenhauses 485 Männer (Paare mit unerfülltem Kinderwunsch seit zwölf Monaten, männlicher Faktor vermutet). Gruppen nach dem WHO-Handbuch (6. Auflage): „niedrige Spermienqualität“ (n = 229; Konzentration unter 16 × 10⁶/ml oder progressive Beweglichkeit unter 30 %) und „normal“ (n = 256). Erhoben wurden soziale Unterstützung (SSRS), fertilitätsbezogene Lebensqualität (FertiQoL) und Fertilitätsstress (FPI); rückwärtsschrittweise logistische Regression. Berufliche Hitzeexposition war in der Gruppe mit niedriger Spermienqualität häufiger (8,73 % gegenüber 1,95 %; p = 0,002; 20 von 25 Exponierten gehörten zur Gruppe mit niedriger Qualität) und in der multivariablen Analyse der stärkste Risikofaktor (bereinigtes OR 4,188; 95 %-KI 1,527 bis 11,484; p = 0,005). Höhere Bildung war schützend (OR 0,624; 95 %-KI 0,415 bis 0,937; p = 0,023); Fertilitätsstress zeigte einen Trend (OR 1,005 pro Punkt; 95 %-KI 1,000 bis 1,011; p = 0,068). Lärmexposition (12,99 % insgesamt; p = 0,456) und Kontakt mit Gefahrstoffen (10,10 % insgesamt; p = 0,476) unterschieden die Gruppen nicht. Gesamtwert des Fertilitätsstresses 168,22 ± 33,85 gegenüber 161,30 ± 34,37 (p = 0,026); FertiQoL-Gesamtwert im Median 68,38 gegenüber 70,59 (p = 0,044); hohe soziale Unterstützung bei 17,03 % gegenüber 26,56 % (p für die Stufenverteilung 0,032). Stärken: validierte Skalen, WHO-Kriterien, multivariable Auswertung. Schwächen: Das Konfidenzintervall der Hitzeexposition ist sehr weit, weil nur 25 Männer exponiert waren (Hinweis der Autoren); Querschnitt, keine Kausalaussage; eine einzige Probe pro Mann; ein einziges Zentrum; Männer einer Kinderwunschambulanz sind eine Auswahl; wie die Hitzeexposition erfasst wurde, beschreibt das Abstract nicht.

Einordnung: Hodentemperatur und Spermienkonzentration hängen in Studien mit direkter Messung zusammen [s173, s187]. Ob lange sitzende Berufstätigkeit die konventionellen Spermienparameter tatsächlich verschlechtert, ist widersprüchlich: kein Zusammenhang in [s159] und [s173]; Hinweise auf Nachteile für die Beweglichkeit in [s109] und [s125] und für die progressive Beweglichkeit in der IT-Branche in [s53]. Für den DNA-Fragmentationsindex zeigen zwei Studien [s66, s109] eine Verschlechterung. Die AUA/ASRM-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass für Hitzeexposition keine systematische Übersicht die Einschlusskriterien erfüllte [s27].

### Bildschirm- und Computerarbeit

**Computerexposition, Shanghai [s152].** Sun und Mitarbeiter (Asian Journal of Andrology, 2005) verglichen 91 Männer mit Computerexposition (mindestens 20 Stunden pro Woche in den letzten zwei Jahren) mit 87 Kontrollen. Es gab keine Unterschiede in Volumen, Dichte, progressivem Anteil, Vitalität und normaler Morphologie; Computerexposition war nach Adjustierung (Karenzzeit, Hodengröße, Beruf, Toxinexposition) kein Risikofaktor.

**Computerberufe in Urumqi [s133].** He und Mitarbeiter (Zhonghua nan ke xue, 2008; chinesischsprachig, englisches Abstract) untersuchten 224 Männer einer Männerklinik (118 in Computerberufen, 106 ohne) und 125 normale fertile Kontrollen. Gegenüber den Normalkontrollen waren Volumen, Konzentration, Vitalität und Beweglichkeit in beiden Patientengruppen signifikant niedriger (p < 0,05 bis 0,01) und die Verflüssigungszeit länger. Bei Computerbeschäftigten waren Volumen, Vitalität und Beweglichkeit niedriger als bei Patienten ohne Computerberuf (p < 0,05). In den Nutzungsgruppen von 0 bis 5, 6 bis 10 und über 10 Stunden pro Tag waren diese Parameter jeweils abgesenkt; bei mehr als zehn Stunden täglich waren Konzentration, Vitalität und Beweglichkeit niedriger als in den beiden anderen Gruppen (p < 0,05 bis 0,01). Schlussfolgerung der Autoren: Computerberuf sei mit abnormer Spermienqualität verbunden. Schwächen: Der Vergleich Patienten gegen Gesunde ist wenig aussagekräftig, der Vergleich zwischen den Patientengruppen aussagekräftiger; Alter, Rauchen und Hodentemperatur werden im Abstract nicht genannt; die Nutzungsdauer ist selbst berichtet; Effektgrößen fehlen.

**Polnische Computeroperateure [s209].** Fracki und Mitarbeiter (Ginekologia Polska, 1994; polnisch, englisches Abstract) wählten aus 2376 infertilen Patienten (1986 bis 1991) 20 professionelle Computeroperateure (26 bis 40 Jahre, mindestens 5 Stunden täglich, 2 bis 12 Jahre; 0,8 % der Patienten). Mittlere Zahl 45,5 ± 23,7 × 10⁶/ml, Anteil normal beweglicher Spermien 21,5 ± 12,2 %, pathologischer Formen 26,6 ± 6,1 %; der Anteil normal beweglicher Spermien war bei allen vermindert; der Anteil pathologischer Formen nahm signifikant mit den Arbeitsjahren zu. Schwächen: Fallserie ohne Kontrollgruppe, Klinikselektion.

Einordnung: Gemeinsam mit [s42] (Computerzeit und Gesamtbeweglichkeit) und [s120] (Bildschirmarbeit, OR 8,01) ist die Evidenz zur Bildschirmarbeit uneinheitlich: Die adjustierte Vergleichsstudie [s152] findet keinen Zusammenhang, die Klinikstudien [s133, s209, s42, s120] sehen Nachteile.

### Schwere körperliche Arbeit

**LIFE-Studie [s101].** Eisenberg und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 2015) beobachteten prospektiv 501 Paare nach Absetzen der Verhütung bis zu einem Jahr; 473 Männer (94 %) gaben eine Samenprobe, 80 % eine zweite (Heimsammlung mit Analyse am Folgetag); 456 Männer mit vollständigen Daten (mittleres Alter 31,8 Jahre). Schwere körperliche Anstrengung bei der Arbeit war konsistent mit niedrigerer Konzentration und Gesamtzahl assoziiert; 13 % der Männer mit schwerer Anstrengung hatten eine Oligospermie gegenüber 6 % der Männer ohne Anstrengung. Schichtarbeit, Nachtarbeit, Vibration, Lärm, Hitze und langes Sitzen waren nicht mit der Samenqualität assoziiert. Hoher Blutdruck war mit niedrigeren Morphologiewerten verbunden (17 % gegenüber 21 %). Stärken: prospektive Kohorte, Männer mit Kinderwunsch ohne Infertilitätsselektion, hohe Teilnahme. Schwächen: Exposition per Selbstauskunft; Fallzahlen je Expositionsgruppe im Abstract nicht ausgewiesen.

**Körperliche Arbeitsbelastung, Spermalabor [s04].** Efrat und Mitarbeiter (Andrology, 2026) untersuchten in einer Querschnittsstudie 280 Männer (von 593) einer Spermalabor-Population nach WHO-Kriterien mit validierten Fragebögen. Alle Merkmale beruflicher körperlicher Aktivität außer Sitzen waren signifikant mit Spermienparametern assoziiert. Schwitzen bei der Arbeit war negativ assoziiert mit Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit (Spearman r = −0,14 bis −0,18, alle p < 0,05); körperliche Müdigkeit bei der Arbeit mit Gesamtzahl, Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit (r = −0,15 bis −0,26, alle p < 0,05). In der hierarchischen Regression sagte körperliche Müdigkeit niedrigere Konzentration und Morphologie unabhängig voraus (β = −0,17 bzw. −0,29; p < 0,01). Stärken: validierte Fragebögen, Adjustierung. Schwächen: sehr kleine Korrelationen; Selektion durch Ausschlusskriterien (280 von 593); kein Berufsbezug im engeren Sinn. Zusammen mit [s101] stützt dies, dass schwere körperliche Arbeit ein konsistenterer Hinweis ist als sitzende Arbeit.

### Psychosozialer Arbeitsstress

**Arbeitsstress und soziale Unterstützung, 384 chinesische Beschäftigte [s71].** Zou und Mitarbeiter (Chongqing, Journal of Psychosomatic Research, 2019) führten von April 2014 bis Dezember 2015 eine Querschnittsstudie an 384 erwachsenen männlichen Beschäftigten durch (chinesische Fassung des Job Content Questionnaire, 22 Items). Hoher Arbeitsstress ging mit einem höheren Risiko einher, unter die WHO-Grenzwerte zu fallen: Konzentration OR 2,14 (95 %-KI 1,24 bis 3,68; p = 0,006), Gesamtzahl OR 1,95 (95 %-KI 1,13 bis 3,36; p = 0,02). Bei hoher sozialer Unterstützung zeigte sich kein Zusammenhang (p = 0,80 bzw. 0,39); Interaktion für Konzentration p = 0,002 und Gesamtzahl p = 0,02. Stärken: validiertes Instrument, Effektmodifikation geprüft. Schwächen: Querschnitt; Selbstauskunft; Berufe nicht aufgeschlüsselt; Stress und Fertilitätsgedanken können sich gegenseitig beeinflussen, umgekehrte Kausalität ist nicht auszuschließen.

**Kalifornien, Arbeits- und Lebensstress [s108].** Janevic und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 2014) untersuchten 193 Männer der Child Health and Development Studies (2005 bis 2008): Wahrgenommener Stress war invers mit der Konzentration (b = −0,09 × 10³/ml; 95 %-KI −0,18 bis −0,01), der Beweglichkeit (b = −0,39; 95 %-KI −0,79 bis 0,01) und der Morphologie (b = −0,14; 95 %-KI −0,25 bis −0,04) assoziiert; zwei oder mehr belastende Lebensereignisse mit geringerer Beweglichkeit (b = −8,22; 95 %-KI −14,31 bis −2,13). Jobstrain war nicht mit Spermienparametern assoziiert.

**Dänemark, Jobstrain und Fruchtbarkeit [s157].** Hjollund und Mitarbeiter (Epidemiology, 2004) verfolgten prospektiv 399 Paare bei der ersten Schwangerschaftsplanung (bis zu sechs Zyklen): Nach Adjustierung gab es keine Assoziation zwischen irgendeinem Jobstrain-Merkmal und Samenmerkmalen oder Sexualhormonen; auch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit war nicht verändert. Fazit: Psychischer Jobstrain in normalen dänischen Berufen scheine die männliche Fortpflanzungsfunktion nicht zu beeinflussen. Zusammen mit [s108] stehen sich Studien ohne und Studien mit Stressassoziation gegenüber.

**Produktionsstress, Moskau [s11].** Tkachev und Tkacheva (Moskau, 2026) verglichen in einer privaten Reproduktionsklinik (2020 bis 2025) 56 Männer mit mehr als einem Jahr „Produktionsstress“ (Mittel 9,8 Jahre), die wegen Fertilitätsstörungen kamen, mit 25 „praktisch gesunden“ Kontrollen (25 bis 45 Jahre; Ausschluss urogenitaler Diagnosen und Hormonersatz). Mittelwerte ± Fehlerangabe (Stress gegenüber Kontrollen): Gesamtzahl 18,90 ± 1,02 gegenüber 42,48 ± 2,33 Mio.; Konzentration 13,92 ± 0,52 gegenüber 35,88 ± 1,99 Mio./ml; progressiv bewegliche Spermien 22,13 ± 1,01 gegenüber 38,72 ± 1,09 %; tote Spermien 41,40 ± 0,74 gegenüber 20,16 ± 0,62 %; morphologisch normal 28,17 ± 0,86 gegenüber 90,56 ± 0,85 %; Gesamttestosteron 13,24 ± 0,44 gegenüber 23,80 ± 0,69 nmol/l; freies Testosteron 7,24 ± 0,35 gegenüber 12,32 ± 0,33 ng/ml; Östradiol 0,27 ± 0,01 gegenüber 0,17 ± 0,01 nmol/l; Prolaktin 551,04 ± 9,53 gegenüber 231,33 ± 4,10 mIE/l; Cortisol 288,05 ± 4,26 gegenüber 205,62 ± 2,58 nmol/l; Insulin 31,46 ± 0,76 gegenüber 20,76 ± 0,79 µIE/ml; LH 3,82 ± 0,15 gegenüber 3,53 ± 0,16 mIE/ml; FSH 4,88 ± 0,21 gegenüber 4,61 ± 0,20 mIE/ml. Die Autoren berichten p < 0,001 für Gesamtzahl, Konzentration, progressive Beweglichkeit, Nekrospermie, normale Morphologie, Testosteron (gesamt und frei), Östradiol, Prolaktin, Cortisol und Insulin; LH und FSH lagen im Referenzbereich; berichtet werden außerdem mehr Akrosomdefekte und um 6,97 Prozentpunkte mehr Defekte des Flagellums (p < 0,001). Stärken: Hormone und Samen in derselben Stichprobe, Ausschluss urogenitaler Erkrankungen. Schwächen: Selektionsfehler (Patienten mit Fertilitätsproblem gegenüber „praktisch gesunden“ Kontrollen); „Produktionsstress“ ist nicht quantifiziert, Beruf und Branche sind nicht genannt; die Fehlerangaben sind sehr klein (vermutlich Standardfehler, im Text nicht erklärt); der Anteil morphologisch normaler Spermien bei den Kontrollen (90,56 %) ist mit der Bewertung nach WHO-Kriterien kaum vereinbar, was auf ein weiter gefasstes Morphologiekriterium hindeutet und den Vergleich mit internationalen Studien unmöglich macht.

Einordnung: Der psychische Arbeitsstress ist nur in Querschnitt- und Klinikstudien mit Nachteilen verbunden [s71, s108, s11, s120, s198]; die einzige größere prospektive Studie ohne Fertilitätsselektion [s157] findet nichts. Das Scoping Review [s12] stuft die Befunde zu Jobstrain als nicht schlüssig ein.

### Lösungsmittel, Glykolether und Benzol

**Glykolether, Pariser Stadtverwaltung [s138].** Multigner und Mitarbeiter (Occupational and Environmental Medicine, 2007) untersuchten in einer Querschnittsstudie 109 Männer der Pariser Stadtverwaltung (Berufs- und Produktzuordnung für 1990 bis 2000; sechs Urinmetaboliten). Frühere Glykolether-Exposition war mit erhöhtem Risiko für Konzentration, schnelle progressive Beweglichkeit und morphologisch normale Spermien unter den WHO-Referenzwerten verbunden; die aktuelle Exposition war niedrig und nicht mit Samenqualität oder Hormonen korreliert. Die Autoren folgern, die heute verbreiteten Glykolether wirkten wahrscheinlich nicht, die früher häufigeren möglicherweise langfristig.

**Glykolether in Großbritannien, CHAPS-UK [s131].** Cherry und Mitarbeiter (Occupational and Environmental Medicine, 2008) werteten eine Fall-Referenz-Studie an 14 Kliniken (1999 bis 2002) aus: Unter 2118 beschäftigten Männern waren 874 (41,3 %) Fälle (niedrige motile Spermienkonzentration). Die unadjustierte OR für mäßige und hohe Glykolether-Exposition betrug 1,70 (95 %-KI 1,11 bis 2,61) und 2,54 (95 %-KI 1,24 bis 5,21); nach Adjustierung mäßig 1,46 (95 %-KI 0,93 bis 2,28), hoch 2,25 (95 %-KI 1,08 bis 4,69). Kein anderer beruflicher Risikofaktor wurde identifiziert. Stärken: Fallzahl, Bewertung durch verblindete Arbeitshygieniker, Spermienbeweglichkeit zentral aus Videos beurteilt. Schwächen: Klinikpopulation; Expositionsbewertung relativ zu britischen Normen.

**Benzol in der Arzneimittelindustrie, Indien [s116].** Katukam und Mitarbeiter (Genetic Testing and Molecular Biomarkers, 2012) verglichen 160 exponierte Industriearbeiter mit 200 Kontrollen. Die makroskopischen Parameter blieben unverändert; dauerabhängig nahmen Gesamtzahl und Beweglichkeit ab (p < 0,05), abnorme Morphologie zu (p < 0,01), und die Komet-Schweiflänge im Comet-Assay war länger (p < 0,01). Die Gruppenunterschiede werden nur als Dauerabhängigkeit berichtet; eine Kontrolle von Störgrößen ist im Abstract nicht beschrieben.

**Benzol, Toluol, Xylol in Ningbo [s196, s183].** Xiao und Mitarbeiter (Chinese Medical Journal, 1999; Industrial Health, 2001) untersuchten 24 verheiratete Arbeiter aus Schuhherstellung, Spritzlackierung oder Farbenfabriken. Benzol, Toluol und Xylol wurden per Headspace-Chromatographie in Blut und Samen bestimmt; hinzu kamen Routinesamenanalyse und Akrosin-Aktivität. In Blut und Samen einiger (auch ehemaliger) Arbeiter fanden sich die Lösungsmittel an Arbeitsplätzen, an denen die Luftkonzentration den höchsten zulässigen Wert überschritt; bei den Kontrollen nicht. Der Anteil des Samens mit einer Verflüssigungszeit über 30 Minuten war erhöht; Vitalität, Beweglichkeit und Akrosin-Aktivität waren niedriger; die Verflüssigungszeit korrelierte positiv mit dem Toluolgehalt im Samen, Vitalität, Beweglichkeit und Akrosin-Aktivität korrelierten negativ mit der Beschäftigungsdauer [s196]. Die zweite Arbeit [s183] ergänzte die Laktatdehydrogenase C4 (LDH-C4): Mittlere Akrosin-Aktivität, Gamma-GT-Aktivität und relative LDH-C4-Aktivität waren bei den Exponierten niedriger, die Fruktosekonzentration höher; negative Korrelationen bestanden zwischen Vitalität, Beweglichkeit, Akrosin-Aktivität oder LDH-C4-Aktivität und der Beschäftigungsdauer. Es handelt sich wahrscheinlich um dieselben 24 Arbeiter (gleiche Autoren, gleiche Zahl; ein Abgleich war anhand der Abstracts nicht möglich); beide Texte sind daher nicht als zwei unabhängige Belege zu behandeln. Schwächen: 24 Exponierte, Kontrollgruppen und Einzelwerte nicht beschrieben, drei Gewerke ohne Aufschlüsselung. Diese Arbeiten sind die einzigen, in denen Spritzlackierer erwähnt sind; Maler und Lackierer insgesamt werden in einem anderen Kapitel behandelt, die Befunde betreffen hier benzol- und lösungsmittelbelastete Arbeitsplätze.

**Niedrig konzentrierte Benzolgemische, Nanjing [s189].** Wang und Mitarbeiter (Zhonghua yu fang yi xue za zhi, 2000) führten Umwelt- und Biomonitoring bei 126 exponierten und 60 nicht exponierten Beschäftigten eines großen petrochemischen Konzerns und eines Chemiefaserkonzerns durch; Samenanalysen gab es bei 70 exponierten Männern, 90 internen und 132 externen Kontrollen; bei Frauen wurde das Urin-β-hCG bestimmt. Die Benzolkonzentration lag bei 0,7 bis 27,0 mg/m³; die Urin-Muconsäure korrelierte mit der Luftkonzentration (r = 0,64; p = 0,03). Progression und Beweglichkeit der Spermien waren in der exponierten Gruppe (1,97 ± 0,63 und 0,55 ± 0,16) und der internen Kontrolle (1,97 ± 0,69 und 0,55 ± 0,17) niedriger als in der externen Kontrolle (2,56 ± 0,61 und 0,60 ± 0,13; p < 0,05); Fehlformraten waren höher (p < 0,01); Gesamtanomalie 85,71 % (exponiert), 70,00 % (intern), 76,51 % (extern; p < 0,05). Sehr früher Fruchtverlust bei Frauen: 10,42 % und 9,60 % in der exponierten und internen Kontrollgruppe gegenüber 5,09 % extern (p < 0,05). Stärken: externe und interne Kontrollgruppen, Biomonitoring. Schwächen: Die interne Kontrolle (vermutlich Beschäftigte derselben Betriebe ohne Benzol-Exposition) war im Samen genauso verändert wie die Exponierten; das spricht für andere gemeinsame Betriebsfaktoren oder Unterschiede zur externen Kontrolle und gegen eine Benzolwirkung allein. Die Autoren schreiben nur, die Exposition „möge korreliert sein“.

**Benzol und Spermien-DNA, Shenzhen [s151].** Song und Mitarbeiter (Zhonghua nan ke xue, 2005) untersuchten 27 Arbeiter mit mehr als zwei Jahren Benzolexposition und 35 Kontrollen. Benzol in der Arbeitsplatzluft betrug 86,49 ± 2,83 mg/m³, nach Angabe der Autoren das Doppelte des nationalen Höchstwerts; Muconsäure im Urin 1,40 ± 0,62 mg/l gegenüber 0,82 ± 0,16 mg/l. Nach Einzelzell-Gelelektrophorese betrug der Anteil der DNA im Kopf 70,18 ± 7,36 % bei den Exponierten (n = 13) gegenüber 90,62 ± 2,94 % bei den Kontrollen (n = 16; p < 0,001). Schwächen: nur 13 und 16 Proben analysiert; sehr hohe Exposition; Rauchen und Alter nicht genannt.

**Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) an Spermien bei Benzolarbeitern [s188, s181, s167, s161, s117].** Fünf Arbeiten aus Guangzhou, Zhongshan, Tianjin und Berkeley untersuchten Chromosomenzahl und -struktur in Spermienkernen. Zwei nennen dieselbe zeitgewichtete Benzolkonzentration (42,29 mg/m³ [s167, s161]), zwei eine andere (86,49 mg/m³ [s151, s181]); die Kollektive sind daher wahrscheinlich teilweise identisch oder stammen aus demselben Betrieb und sind nicht als unabhängige Replikationen zu werten.
- [s188] (Liu und Mitarbeiter, 2000, Geschlechtschromosomen): Benzol im Geometrischen Mittel 83,95 mg/m³; 74 517 Spermienkerne von 13 Exponierten, 89 662 von 13 Kontrollen. Disome Spermien für X, Y und XY: 0,15 ± 0,05 %, 0,13 ± 0,05 %, 0,20 ± 0,11 % gegenüber 0,10 ± 0,04 %, 0,10 ± 0,04 %, 0,13 ± 0,06 %. Statistisch verschieden waren die X-Disomie (0,15 % gegenüber 0,10 %) und die gesamte Disomie (0,48 % gegenüber 0,33 %).
- [s181] (Li und Mitarbeiter, 2001, Chromosomen 9 und 18): Benzol 86,49 mg/m³; 14 Exponierte (136 401 Spermien) und 16 Kontrollen (156 955). Disomie Chromosom 9: 0,168 ± 0,063 % gegenüber 0,050 ± 0,030 %; Chromosom 18: 0,055 ± 0,031 % gegenüber 0,033 ± 0,025 %; Diploidie 0,073 ± 0,045 % gegenüber 0,040 ± 0,036 %; Nullisomie Chromosom 9: 0,206 ± 0,047 % gegenüber 0,067 ± 0,037 %, Chromosom 18: 0,068 ± 0,044 % gegenüber 0,048 ± 0,034 %; alle numerischen Aberrationen zusammen 0,570 ± 0,144 % gegenüber 0,218 ± 0,071 %.
- [s167] (Liu und Mitarbeiter, 2003, Chromosomen 1 und 18, numerisch und strukturell): Benzol 42,29 mg/m³; 15 Exponierte (144 282 Spermien) und 14 Kontrollen (135 937). Disomie Chromosom 1: 0,088 ± 0,041 % gegenüber 0,045 ± 0,024 %; Chromosom 18: 0,087 ± 0,049 % gegenüber 0,035 ± 0,028 %; Nullisomie Chromosom 1: 0,11 ± 0,059 % gegenüber 0,048 ± 0,018 %; Chromosom 18: 0,075 ± 0,035 % gegenüber 0,045 ± 0,024 %. Terminale Duplikation und Deletion von 1p: 0,16 ± 0,037 % und 0,14 ± 0,053 % gegenüber 0,082 ± 0,023 % und 0,069 ± 0,028 %; zentromerische Duplikation und Deletion: 0,10 ± 0,035 % und 0,10 ± 0,041 % gegenüber 0,075 ± 0,023 % und 0,060 ± 0,029 %. Diploidie unverändert.
- [s161] (Zhao und Mitarbeiter, 2004, Chromosomen 7 und 8): Benzol 42,29 mg/m³; 15 Exponierte (155 721 Kerne) und 12 Kontrollen (123 771). Diploidie 0,129 % gegenüber 0,055 %; Disomie Chromosom 7: 0,170 % gegenüber 0,053 %, Chromosom 8: 0,078 % gegenüber 0,033 %; Nullisomie Chromosom 7: 0,165 % gegenüber 0,056 %, Chromosom 8: 0,088 % gegenüber 0,029 %; alle numerischen Aberrationen 0,745 % gegenüber 0,289 %.
- [s117] (Marchetti und Mitarbeiter, Tianjin, Environmental Health Perspectives, 2012; China Benzene and Sperm Study): 30 benzolexponierte und 11 nicht exponierte Arbeiter; Exposition nach Urinbenzol (Mediane 2,9, 11,0 und 110,6 µg/l) in niedrig, mäßig, hoch; Mediane der Luftkonzentration 1,2, 3,7 und 8,4 ppm. Adjustierte Inzidenzratenverhältnisse (IRR) für alle strukturellen Aberrationen zusammen: 1,42 (95 %-KI 1,10 bis 1,83), 1,44 (1,12 bis 1,85) und 1,75 (1,36 bis 2,24) in der niedrigen, mäßigen und hohen Gruppe; für die Deletion 1p36.3 allein 4,31 (1,18 bis 15,78), 6,02 (1,69 bis 21,39) und 7,88 (2,21 bis 28,05); Chromosomenbrüche nur in der hohen Gruppe erhöht (IRR 1,49; 1,10 bis 2,02). Stärken: abgestufte Expositionsgruppen, Dosis-Wirkungs-Muster, Konfidenzintervalle, Biomarker der Exposition. Schwächen laut Volltext: Exposition nur zweimal innerhalb von etwa einem Monat vor der Probe erfasst; viele Einzeltests ohne Korrektur; Healthy-Worker-Effekt; sehr kleine Gruppen (11 Unexponierte); Verzerrung durch Unterschiede zwischen exponierten und nicht exponierten Betrieben möglich.

Gemeinsame Bewertung der Benzolstudien: Alle zeigen in die gleiche Richtung (mehr Chromosomenabweichungen, geringere Beweglichkeit, mehr DNA-Strangbrüche), bei jeweils wenigen Dutzend Beschäftigten und mit Expositionen, die nach den Abstracts über den damaligen nationalen Höchstwerten lagen (bei 42,29 mg/m³ wird ein Höchstwert von 6 mg/m³ gegenübergestellt; bei 86,49 mg/m³ ist vom Doppelten des Höchstwerts die Rede, mit unterschiedlichen Bezugsgrößen, sodass die Höchstwerte nicht abgeglichen werden konnten). Die Aussagekraft für heutige Arbeitsplätze ist gering, die Konsistenz der Richtung dagegen auffällig.

**N,N-Dimethylformamid in der Kunstlederindustrie [s154].** Chang und Mitarbeiter (Tainan, Fertility and Sterility, 2004) untersuchten 12 DMF-exponierte Arbeiter einer Kunstlederfabrik und 8 sozioökonomisch angeglichene Kontrollen aus einem Nachbarbetrieb (Atemzonenmessung über die ganze Schicht, Urin-N-Methylformamid, NMF). Die Beweglichkeit war sowohl mikroskopisch als auch per CASA signifikant erniedrigt; die Bewegungsparameter hingen dosisabhängig mit NMF im Urin zusammen, aber nicht mit DMF in der Luft. Die Autoren vermuten den aktiven Metaboliten NMF als verantwortlich. Schwächen: 20 Männer insgesamt, Zahlenwerte fehlen im Abstract, Kontrolle aus anderem Betrieb.

**Fallbericht Laborarbeiter, Lösungsmittel [s178].** Chang und Mitarbeiter (Environmental Health Perspectives, 2001) beschreiben einen 34-jährigen Laborarbeiter mit Asthenozoospermie; nach Ausfall der Lüftung von August 1996 bis April 1997 wurde seine mögliche Chloroformexposition auf das 10- bis 50-fache des zulässigen Grenzwerts rekonstruiert. Der Fall belegt keine Kausalität; ein Einfluss von Chloroform lasse sich nicht ausschließen.

**Textilarbeiter, Lösungsmittel und Metalle [s06].** Madhan Kumar und Mitarbeiter (Journal of Biochemical and Molecular Toxicology, 2026) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie 60 teratozoosperme Männer mit beruflicher Exposition gegenüber Lösungsmitteln und Schwermetallen mit 30 normozoospermen Kontrollen ohne bekannte Exposition. Die Exponierten hatten erhöhte reaktive Sauerstoffspezies (32,0 ± 9,0 gegenüber 15,0 ± 5,0) und Malondialdehyd (4,8 ± 1,1 gegenüber 2,1 ± 0,6 nmol/ml), niedrigere Antioxidantien (p < 0,05), weniger akrosomintakte Spermien (38,3 % ± 9,2 % gegenüber 62,4 % ± 10,1 %), mehr DNA-Fragmentation und höhere Cadmium-, Blei- und Chromwerte. Wichtigste Schwäche: Die Gruppen unterscheiden sich schon durch die Auswahl (teratozoosperm gegenüber normozoosperm); die Studie zeigt Mechanismen bei bereits erkrankten Männern, belegt aber keinen Effekt der Exposition auf die Spermienqualität.

**Einordnung.** Die Metaanalyse [s78] stützt die Befunde für Volumen und Konzentration bei Lösungsmitteln, die Fall-Kontroll-Studien [s195, s125, s120] sehen einen Zusammenhang, die tunesische Fragebogenstudie [s86] sieht keinen. Die Datenlage ist am dichtesten bei Benzol und Glykolethern, bleibt aber auf kleine Gruppen und teils hohe, nicht mehr aktuelle Expositionen beschränkt.

### Kunststoffherstellung, Weichmacher und Bisphenol A

**Styrol in der Kunststoffverarbeitung [s193, s175, s169].** In der ASCLEPIOS-Studie [s193] (Kolstad und Mitarbeiter, 1999) wurden Proben von 23 Arbeitern bei der Einstellung und nach 6 Monaten Styrolexposition in der Herstellung glasfaserverstärkter Kunststoffe mit 21 nicht exponierten Männern verglichen (die Vergleichsgruppe bestand aus Landwirten und dient hier nur als Kontrolle). Die Spermiendichte sank von 63,5 auf 46,0 Millionen/ml, die Gesamtzahl wurde nahezu halbiert (Ausgangswert 175 Millionen pro Ejakulat); bei internen Expositionswerten (Mandelsäure im Urin) zeigte sich jedoch kein Zusammenhang, wohl aber für DNA-Denaturierungsmuster bei kleinen Zahlen; die Autoren stufen die Befunde als vorläufig und inkonsistent ein. In der Studie [s175] (Migliore und Mitarbeiter, 2002; 46 exponierte Arbeiter, 27 Kontrollen) gab es keine Unterschiede in Standardparametern, aber einen deutlichen Unterschied im Comet-Assay (P < 0,001). Die Sperma-FISH-Analyse [s169] (Naccarati und Mitarbeiter, 2003; 18 Exponierte, 13 Kontrollen, Proben mit normalen Parametern) zeigte keinen signifikanten Unterschied in Aneuploidie und Diploidie; bei Nichtrauchern war die Nullisomie der Geschlechtschromosomen erhöht (kleine Untergruppe), und Rauchen sowie Alter hatten größeren Einfluss als Styrol.

**PVC-Granulat und Weichmacher DEHP [s118].** Huang und Mitarbeiter (Kaohsiung, Fertility and Sterility, 2011) untersuchten 45 Arbeiter zweier taiwanischer PVC-Werke und teilten sie nach der medianen persönlichen DEHP-Konzentration in der Atemluft (23,7 µg/m³) ein. In der hoch exponierten Gruppe waren die Neigung zur DNA-Denaturierung (αT), der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) und der Kaffeekonsum erhöht. Nach Adjustierung für Kaffee, Rauchen und Alter bestanden positive Assoziationen von DEHP mit αT (β = 0,038) und DFI (β = 0,140) und eine negative mit der Beweglichkeit (β = −0,227). Stärken: personenbezogene Luftmessung, Adjustierung für Störgrößen. Schwächen: 45 Männer, keine Konfidenzintervalle im Abstract, Stoffgemisch in PVC-Werken.

**Bisphenol A, Pilotstudie [s129].** Xiao und Mitarbeiter (Ningbo, Zhonghua lao dong wei sheng zhi ye bing za zhi, 2009; chinesischsprachig) verglichen 20 BPA-exponierte mit 16 Kontrollarbeitern ähnlichen Alters und ähnlicher körperlicher Aktivität. BPA im Blut fand sich bei 94,4 % der Exponierten (Median 101,94 µg/l) und bei 18,8 % der Kontrollen (Median 0 µg/l). Die Spermiendichte der Exponierten betrug (68,65 ± 44,00) × 10⁶/ml gegenüber (118,56 ± 98,36) × 10⁶/ml bei den Kontrollen. Zwischen schnell vorwärts beweglichen Spermien und BPA im Blut bestand ein positiver Zusammenhang (r = 0,44; p < 0,01), zwischen dem Anteil normaler Spermien und BPA ein negativer (r = −0,62; p = 0,01). Schwächen: Pilotstudie mit 36 Männern; breite Streuung (Standardabweichung der Kontrollen 98,36); der positive Zusammenhang mit der Vorwärtsbeweglichkeit widerspricht der Hauptaussage und wird im Abstract nicht erklärt; ein p-Wert zur Dichte-Differenz fehlt.

**Schwefelkohlenstoff in einer Chemiefaserfabrik [s93].** Guo und Mitarbeiter (Shenzhen, Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2016) verglichen 76 exponierte Arbeiter (Schwefelkohlenstoff 9,73 ± 2,76 mg/m³) mit 94 nicht exponierten. FSH und LH waren bei den Exponierten signifikant erhöht, Testosteron erniedrigt; Vitalität, Beweglichkeit, Chromatin, antioxidative Kapazität, mitochondriales Membranpotenzial, Öffnung der mitochondrialen Permeabilitätstransitionspore und die Atmungskettenkomplexe II und IV waren signifikant vermindert. Das Abstract nennt keine weiteren Zahlenwerte; die Autoren schreiben der mitochondrialen Funktionsstörung eine wichtige Rolle zu. Stärke: Mechanismus-Biomarker. Schwäche: Querschnitt, fehlende Effektgrößen.

### Formaldehyd

**Xi'an, Holzwerkstoffindustrie [s49].** Lv und Mitarbeiter (JAMA Network Open, 2022) bezeichnen ihre Arbeit als populationsbasierte Kohortenstudie (Juni 2021); nach den Angaben handelt es sich eher um einen Querschnittsvergleich. Eingeschlossen waren 205 Männer im Alter von 23 bis 40 Jahren (mittleres Alter 29,49 ± 3,64 Jahre), 124 mit Formaldehyd-Exposition (mittlerer Expositionsindex FEI 73,72 ± 54,86) und 81 altersgleiche Kontrollen. Der FEI ergibt sich aus Konzentration (mg/m³) × Arbeitszeit pro Tag (Stunden) × kumulierte Arbeitstage (Jahre); gemessen wurde mit einem Formaldehyd-Detektor. Das Ejakulat wurde nach 3 bis 7 Tagen Karenz computergestützt (CASA), mit Baso-Papanicolaou-Färbung und mit SCSA untersucht. Je Einheit FEI-Anstieg veränderte sich die Gesamtbeweglichkeit um −0,99 % (95 %-KI −1,00 bis −0,98 %), die progressive Beweglichkeit um −0,99 % (−0,99 bis −0,97 %), die Kurvenliniengeschwindigkeit um −0,05 % (−0,08 bis −0,02 %), die gradlinige Geschwindigkeit um −0,07 % (−0,10 bis −0,04 %), die mittlere Geschwindigkeit um −0,07 % (−0,10 bis −0,04 %), die normale Morphologie um −0,98 % (−0,99 bis −0,93 %), die neutrale Glukosidase um −0,24 % (−0,35 bis −0,11 %), das Zink im Seminalplasma um −0,61 % (−0,66 bis −0,56 %); die Schlagfrequenz stieg um 0,52 % (0,15 bis 1,02 %) und der DNA-Fragmentierungsindex um 0,10 % (0,06 bis 0,14 %). Die Zusammenhänge blieben nach Adjustierung bestehen und waren bei hohem oxidativem Stress stärker; die Autoren sprechen von Dosis- und Zeitabhängigkeit. Einordnung: Eine Änderung von nahezu −1 % je FEI-Einheit bei einem Mittelwert von 73,72 ist so groß, dass die Skala (vermutlich relative Änderung pro Einheit auf logarithmierter Skala) aus dem Abstract nicht eindeutig hervorgeht; die sehr schmalen Konfidenzintervalle bei einer Stichprobe von 205 sind erklärungsbedürftig. Die Zahlen sind hier deshalb nur zitierend wiedergegeben und sollten im Volltext geprüft werden. Stärken: quantitativer Expositionsindex, CASA und SCSA, Kontrollen aus demselben Wohnort. Schwächen laut Volltext: Hintergrundbelastung und individueller Stoffwechsel nicht gemessen; nur eine Region, begrenzte Stichprobe, mögliche Auswahlverzerrung.

**Xi'an, frühere Studie [s104].** Wang und Mitarbeiter (Scientific Reports, 2015) verglichen 114 exponierte Arbeiter mit 76 Referenzpersonen. Progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und die Geschwindigkeitsparameter VCL, VSL und VAP waren bei den Exponierten signifikant niedriger. Der Formaldehyd-Expositionsindex war negativ mit der progressiven Beweglichkeit (β = −0,19; p = 0,01) und der Gesamtbeweglichkeit (β = −0,23; p = 0,004) assoziiert. Odds Ratios für abnorme progressive Beweglichkeit: 2,58 (95 %-KI 1,11 bis 5,97) in der niedrig und 3,41 (1,45 bis 7,92) in der hoch exponierten Gruppe; für abnorme Gesamtbeweglichkeit 3,21 (1,24 bis 8,28) und 4,84 (1,83 bis 12,81). Stärken: abgestufte Exposition, Dosis-Wirkungs-Muster, CASA-Kinematik. Schwächen laut Volltext: nur Formaldehyd gemessen, in der Holzverarbeitung sind aber Phenole und andere Lösungsmittel möglich; Messung an drei Zeitpunkten eines Arbeitstages ohne Spitzenwerte; Querschnitt. Beide Studien [s49, s104] stammen aus derselben Arbeitsgruppe; Überschneidungen der Beschäftigten sind nicht ausgeschlossen. Sie stimmen in der Beweglichkeit überein.

### Pestizid-Herstellung und Bromverbindungen

Reine Pestizid-Studien an landwirtschaftlich Tätigen sind in einem anderen Kapitel behandelt. Hier stehen Herstellungsbetriebe und Verfahren, in denen die berufliche Tätigkeit nicht die Landwirtschaft ist.

**Carbaryl-Herstellung [s153].** Tan und Mitarbeiter (Changzhou, Zhonghua lao dong wei sheng zhi ye bing za zhi, 2005) untersuchten 31 exponierte Arbeiter, 46 interne Kontrollen (Büroangestellte desselben Pestizidwerks) und 22 externe Kontrollen. Carbaryl in der Luft betrug 52,41 mg/m³, die Hautkontamination im Geometrischen Mittel 862,47 mg/m². Samenvolumen (2,39 ± 1,44 ml) und Beweglichkeit (Grad 1,77 ± 0,61) waren gegenüber der externen Kontrolle niedriger (p < 0,05); die Bewegungsparameter LIN (39,89 ± 6,00 %), STR (71,51 ± 11,22 %), VSL (26,29 ± 7,84 µm/s) und BCF (3,99 ± 1,55 Hz) lagen unter denen beider Kontrollgruppen (p < 0,05); die Gesamtaberrationsrate war höher. Stärken: CASA, interne und externe Kontrollen, Messung von Luft und Haut. Schwächen: kleine Gruppen; mehrere Stoffe (Carbaryl, Phenol, Methylisocyanat, Ammoniak) gleichzeitig; Querschnitt.

**Fenvalerat-Herstellung [s177, s144].** Dieselben 46 internen und 22 externen Kontrollen wie bei [s153], dazu 32 Fenvalerat-Exponierte in derselben Fabrik. Die chinesischsprachige Fassung (Tan und Mitarbeiter, 2002) [s177] berichtet, dass Bewegungsparameter wie LIN und STR sowie die Spermienzahl signifikant sanken und die Abnormitätsrate von Viskosität und Gerinnung sowie der Spermienzahl-Abnormität stieg (p < 0,05); die Fenvalerat-Konzentration war signifikant höher, Toluol und Xylol unterschieden sich nicht. Die englische Fassung (Lifeng und Mitarbeiter, Contraception, 2006) [s144] nennt Fenvalerat in der Luft mit 21,55 × 10⁻⁴ mg/m³, in der Einzelprobe mit 0,11 mg/m³ und die Hautkontamination mit 0,05 mg/m³; BCF 4,20 ± 1,68 Hz und die Progression waren gegenüber der externen Kontrolle erniedrigt (p < 0,05). Die Autoren warnen, die Schlussfolgerung bedürfe weiterer vollständiger Untersuchungen wegen Einschränkungen der Studie. Beide Texte sind eine Studie, keine zwei Belege.

**Cholinesterasehemmer, spanischsprachige Studie [s168].** Mármol-Maneiro und Mitarbeiter (Investigación Clínica, 2003; spanisch, englisches Abstract) verglichen 29 Männer, die vier Stunden täglich für mindestens ein Jahr gegenüber Insektiziden aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer exponiert waren, mit 30 Nicht-Exponierten. Signifikante Unterschiede (p < 0,05) gab es bei der Spermienzahl pro ml, beim Anteil schneller, beweglicher und unbeweglicher sowie lebender und toter Spermien; die Morphologie lag innerhalb der WHO-Grenzen, aber Anteile von Spermien mit großem Kopf und amorphe Formen unterschieden sich signifikant. Die Berufsbezeichnungen nennt das Abstract nicht; ob Landwirte darunter sind, ist unklar.

**Insektizid-Sprüher, Japan [s158].** Kamijima und Mitarbeiter (Journal of Occupational Health, 2004) untersuchten 18 männliche Sprüher (von 54 Beschäftigten in neun Firmen in Zentraljapan) und 18 altersgleiche Studierende oder Ärzte im Sommer (Hochsaison) und im folgenden Winter. Die Sprüher waren im Sommer stärker exponiert (p < 0,05); die Cholinesterase-Aktivität der Erythrozyten war im Sommer niedriger (p < 0,05); Hodenvolumen tendenziell kleiner (p = 0,06); Testosteron im Winter höher (p < 0,05); LH und FSH ohne Unterschied. Spermienzahl und Vitalität waren vergleichbar; die detaillierte Beweglichkeitsanalyse im Sommer ergab doppelt so hohe Anteile langsam progressiver und nichtprogressiver Spermien (p < 0,05), der Anteil schnell progressiver Spermien war tendenziell niedriger (p = 0,06); die Morphologie zeigte im Sommer eine signifikante Wechselwirkung von Gruppe und Karenz bei Normalformen und Kopfdeformitäten. Die Autoren schließen, die niedrigere Samenqualität sei mit der Sprühtätigkeit verbunden, auch wenn inhärente Unterschiede zwischen den Gruppen möglich seien. Stärken: Messung in zwei Jahreszeiten, Cholinesterase als Biomarker. Schwächen: 18 gegenüber 18; Kontrollen mit anderem Beruf; Teilnahme von nur 18 aus 54 (Selektion). Pestizidsprüher zählen zu den landwirtschaftlichen oder schädlingsbekämpfenden Berufen und sind nur als Randbefund zu lesen.

**2-Brompropan, Korea 1995 [s203, s192, s123].** Kim und Mitarbeiter (Incheon, Scandinavian Journal of Work, Environment & Health, 1996) beschrieben als Fallserie 33 Beschäftigte (8 Männer, 25 Frauen) einer Elektronikfabrik (ausführliche Anamnese, Untersuchung, Laborwerte, Expositionserfassung durch Arbeitshygieniker). Von den 25 Frauen hatten 16 eine sekundäre Amenorrhoe mit hohem FSH, acht davon zugleich eine Panzytopenie. Von den acht Männern zeigten zwei eine Azoospermie und vier eine Oligospermie (Normwert über 20 Millionen/ml) oder verminderte Beweglichkeit (Normwert über 50 %). Außer der Reinigungslösung mit 97,4 % 2-Brompropan konnten keine anderen bekannten Stoffe (ionisierende Strahlung, Blei, Glykolether, Benzol, Dibromchlorpropan) als Ursache identifiziert werden; die Autoren schließen vorsichtig, 2-Brompropan sei „möglicherweise“ der Auslöser [s203]. Kim, Park und Moon (Toxicology Letters, 1999) fassen das Ereignis zusammen: Ein großer koreanischer Konzern ersetzte Fluorchlorkohlenwasserstoffe durch 2-Brompropan; dadurch wurden 23 koreanische Arbeiter zu den weltweit ersten Opfern einer 2-Brompropan-Vergiftung; von 25 Frauen in der Montageabteilung für Tastschalter wurden 17 (68 %) mit Ovarialinsuffizienz diagnostiziert, zwei mit ausgeprägter Panzytopenie; die Toxizität wurde im Tierversuch reproduziert; die Autoren betonen, unbekannte Ersatzstoffe dürften nicht mit ungefährlichen verwechselt werden [s192]. Dieselben Zahlen wiederholt eine spätere Übersicht [s123]; es handelt sich um denselben Fall, nicht um neue Fälle. Stärken: sehr klarer, starker Effekt bei kleiner Fallzahl; Ausschluss anderer Ursachen. Schwächen: acht Männer, keine Kontrollgruppe, Fallserie nach einem Ereignis (Erfassungsverzerrung), rekonstruierte Exposition. In einer Erhebung bei Beschäftigten mit niedriger 2-Brompropan-Exposition [s190] (Ichihara und Mitarbeiter, American Journal of Industrial Medicine, 1999; 25 Beschäftigte, 11 Männer und 14 Frauen; Zielgrößen regressiert gegen die zeitgewichtete Durchschnittsexposition) trat Amenorrhoe oder Polymenorrhoe nur bei älteren Frauen auf; hämatologische Indizes standen bei Frauen mit normaler Menstruation im signifikanten Zusammenhang mit der Exposition, andere Indizes (einschließlich der Spermienindizes) nicht; unterhalb von 10 ppm wurden keine schweren Störungen gefunden, eine mögliche Wirkung auf die Blutbildung konnte nicht ausgeschlossen werden. Schwäche: elf Männer, keine Teststärke für Spermienparameter.

### Blei und Batterieherstellung

Neben der Metaanalyse [s39] liegen mehrere Kohorten und Vergleichsstudien vor, mit uneinheitlichem Bild.

**Multizentrische Querschnittsstudie in drei Ländern [s171].** Bonde und Mitarbeiter (Occupational and Environmental Medicine, 2002) untersuchten 503 Männer, davon 362 Bleiexponierte (mittleres Blutblei 31,0 µg/dl) und 141 Referenzen (4,4 µg/dl). Die mediane Spermienkonzentration war bei einem Blutblei über 50 µg/dl um 49 % reduziert; ein wahrscheinlicher Schwellenwert lag bei 44 µg/dl; Chromatinänderungen fanden sich nicht; unterhalb von 45 µg/dl seien Effekte unwahrscheinlich.

**Bleihütte [s197].** Alexander und Mitarbeiter (American Journal of Industrial Medicine, 1998) untersuchten 81 Bleihütten-Arbeiter: Gesamtzahl und Konzentration sanken mit steigendem Blutblei (p für Trend 0,003 bzw. 0,009); Semenblei war mit Gesamtzahl (p = 0,05), Volumen (p = 0,001) und Testosteron (p = 0,004) invers assoziiert, die Assoziation mit der Zahl entfiel nach Berücksichtigung des Volumens.

**Thailand [s201].** Aribarg und Mitarbeiter (Journal of the Medical Association of Thailand, 1996) fanden in einer prospektiven Kohorte mit kurzfristiger Bleiexposition keine konsistenten Veränderungen der Spermatogenese.

**Französische Batteriefabrik [s213].** Coste und Mitarbeiter (European Journal of Epidemiology, 1991) analysierten als Kohorte 354 Arbeiter (229 Bleiexponierte, 125 Nicht-Exponierte; Personenjahre-Analyse): Bleiexposition war auf keinem Niveau signifikant mit verminderter Fertilität assoziiert.

**Batteriearbeiter und Zementarbeiter [s214].** Assennato und Mitarbeiter (Archives of Environmental Health, 1987) verglichen 18 Batteriearbeiter mit 18 Zementarbeitern: Die Spermienzahl war signifikant niedriger (Median 45 gegenüber 73 × 10⁶ Zellen/cc; p < 0,025), ohne Unterschiede in FSH, Testosteron, Prolaktin und LH.

**Bleisäure-Batteriefabrik, Indien [s150].** Naha und Mitarbeiter (Indian Journal of Physiology and Pharmacology, 2005) untersuchten 80 Arbeiter und 40 Kontrollen: Abnahme von Zahl, Dichte, Beweglichkeit und Volumen (P < 0,001).

**Zink- und Bleihütte [s135].** Kasperczyk und Mitarbeiter (Toxicology and Applied Pharmacology, 2008) untersuchten 63 Arbeiter: In der Gruppe mit Blutblei über 40 µg/dl war Malondialdehyd im Seminalplasma um 56 % erhöht und der Anteil beweglicher Spermien um 34 % verringert.

**Batteriewerk, Taiwan, Rauchen und Chromatin [s127].** Hsu und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 2009) untersuchten 80 männliche Beschäftigte eines Batteriewerks (WHO-Samenanalyse, Blutblei, Chromatinstruktur, reaktive Sauerstoffspezies). Raucher hatten deutlich höhere Blutbleiwerte als Nichtraucher. Bei mittleren Blutbleiwerten (25 µg/dl und mehr) waren die DNA-Denaturierbarkeit (αT) und der Anteil von Spermien mit erhöhter Denaturierbarkeit (COMP αT) signifikant verändert; nach Adjustierung für das Rauchen bestand eine positive Korrelation zwischen Blutblei und αT, COMP αT sowie morphologischer Abnormität; αT und COMP αT korrelierten positiv mit der Superoxidbildung der Spermien. Stärken: Chromatinparameter, Rauchen als Störgröße berücksichtigt. Schwächen: Querschnitt, Zahlenwerte und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract, keine unexponierte Vergleichsgruppe genannt.

**Vorstudie in Taiwan [s200].** Kuo und Mitarbeiter (Science of the Total Environment, 1997) verglichen fünf Arbeiter einer Bleibatteriefabrik mit acht nicht exponierten Männern (angeglichen nach Alter, Familienstand und Ehedauer). Blei in Blut und Samen war bei den Exponierten signifikant höher; Spermienzahl, Beweglichkeit und Viskosität unterschieden sich nicht signifikant; in der exponierten Gruppe bestand ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen Beweglichkeit und Blut- sowie Samenblei, für die Spermienzahl war er nicht signifikant. Mit fünf und acht Männern ist die Studie ein Vorversuch ohne Aussagekraft für Wirkungen; die Autoren bezeichnen sie selbst als vorläufig.

**Umwelt- und Berufsgifte bei infertilen Männern, Sri Lanka [s105].** Wijesekara und Mitarbeiter (Ceylon Medical Journal, 2015) fanden in einer Querschnittsstudie an 300 wegen Infertilität untersuchten Männern (54,6 % mit Exposition gegenüber Giftstoffen aus Umwelt oder Beruf) bei Exponierten alle Spermienparameter niedriger; Blei und Cadmium waren im Seminalplasma bei 38,3 % bzw. 23 % nachweisbar.

**Sexualhormone bei 1573 bleiexponierten Beschäftigten [s24].** Wang und Mitarbeiter (Shanxi, Toxics, 2025) untersuchten in einem Querschnitt 1573 bleiexponierte Arbeiter (712 davon im Vorjahr schon befragt) sowie 35 Patienten mit Bleivergiftung, die vor und nach einer Chelattherapie untersucht wurden. Zielgrößen waren Hormone, keine Spermienparameter. Es zeigte sich ein nichtlinearer Zusammenhang zwischen Blutblei und LH beziehungsweise FSH und ein linearer Zusammenhang zwischen Blutblei und Testosteron. Bei den 35 Patienten sank das Blutblei von 61,7 auf 36,3 µg/dl; Testosteron und FSH sanken signifikant (p < 0,001), LH sank ohne signifikante Änderung, Prolaktin und Progesteron stiegen signifikant (p < 0,01). Die Studie liefert die größte hormonelle Datenlage bei beruflich Bleiexponierten im chinesischen Sprachraum, ist aber für die Spermienqualität nicht aussagekräftig; die Untersuchung vor und nach einer Behandlung ist ohne Kontrollgruppe nicht als Beleg für eine Wirkung zu lesen.

Einordnung: Blei ist die am besten untersuchte Metallexposition. Die Metaanalyse und mehrere Studien zeigen Nachteile bei hoher Exposition, die französische Kohorte [s213] keinen Fertilitätsverlust; für Blutbleiwerte unter etwa 45 µg/dl sind Effekte nach [s171] unwahrscheinlich.

### Mangan, Chrom, Quecksilber und weitere Metalle

**Mangan [s70].** Yang und Mitarbeiter (Shenyang, Toxicology and Industrial Health, 2019) untersuchten 84 manganexponierte Arbeiter und 92 Referenzpersonen (Mangan im Urin, Samenanalyse, Hormone; multiple lineare Regression). Urin-Mangan der Exponierten lag bei 0,56 bis 34,25 µg/l, im Mittel bei 15,92 ± 8,49 µg/l. Im Vergleich zur Kontrolle waren GnRH und LH signifikant erhöht und Testosteron signifikant erniedrigt; Urin-Mangan korrelierte positiv linear mit GnRH und LH und negativ mit Testosteron. Progressive und Gesamtbeweglichkeit der Spermien waren in der Mangan-Gruppe signifikant niedriger, mit negativem linearem Zusammenhang zum Urin-Mangan. Stärken: Biomonitoring statt reiner Selbstauskunft. Schwächen: Querschnitt, keine Effektgrößen mit Konfidenzintervallen im Abstract, Arbeitsplatztyp (Schweißen oder andere Mangan-Tätigkeit) nicht genannt.

**Chrom [s148].** Kumar und Mitarbeiter (Journal of Occupational Health, 2005; indische Studie in einer japanischen Fachzeitschrift) untersuchten 61 Arbeiter einer Chromsulfat-Herstellung und 15 Kontrollen. Blut-Chrom war bei den Exponierten höher; sie hatten signifikant mehr morphologisch abnorme Spermien (etwa 53 % der Exponierten mit weniger als 30 % Normalformen gegenüber 10 % der Kontrollen); keine signifikanten Änderungen bei Volumen, Verflüssigungszeit, pH, Vitalität, Konzentration und Beweglichkeit. Nach Zusammenfassung beider Gruppen bestand eine Korrelation von r = 0,301 (p = 0,016) zwischen dem Anteil abnormer Formen und Blut-Chrom.

**Quecksilberdampf [s206].** Li und Mitarbeiter (Zhengzhou, Zhonghua yu fang yi xue za zhi, 1995) untersuchten 38 exponierte Männer und 18 Kontrollen. Transferrin, Gesamtfruktose und die auf die Spermiendichte bezogene Fruktose im Seminalplasma waren bei den Exponierten signifikant niedriger, die Fruktose sank mit zunehmender Exposition; Zitronensäure, Zink und Kupfer unterschieden sich nicht. Die Autoren deuten dies als mögliche Schädigung der Sertoli-Zellen und der Bläschendrüse. Schwächen: keine Spermienparameter im Abstract, kleine Gruppen, sehr alte Studie.

**Petrochemischer Komplex, Metalle im Blut [s22].** Sánchez-Resino und Mitarbeiter (Environmental Science and Pollution Research, 2025) untersuchten in einer Pilotstudie 176 Personen (22 Arbeiter, 154 Kontrollen; Blutwerte von Arsen, Chrom, Blei, Zinn, Thallium). Die Expositionen waren niedrig; Arbeiter hatten niedrigere Blutwerte für Chrom, Zinn und Blei als Kontrollen, nicht signifikant höhere Gesamtzahl, normale Morphologie und Vitalität, signifikant höhere Konzentration, nicht signifikant niedrigere Gesamtbeweglichkeit und Volumen; Blei war positiv mit der Gesamtbeweglichkeit assoziiert (β 3,58 %; 95 %-KI 1,01 bis 6,15). Die Autoren betonen, Lebensstil und andere Faktoren könnten die Samenqualität beeinflussen. Schwächen: nur 22 Arbeiter bei 154 Kontrollen; das Abstract nennt für die Detektionshäufigkeit „(p > 0.05)“ in einem Satz, der einen Unterschied behauptet (Widerspruch im Abstract).

### Bor in Produktion und Bergbau (Türkei)

Die Borarbeiter-Forschung der Ankara-Gruppe um Duydu, Başaran und Bolt ist der umfangreichste Block zu einer einzigen Berufs- und Expositionsgruppe. Hintergrund ist die Einstufung von Borsäure und Boraten in der EU als „reproduktionstoxisch Kategorie 1B“ (H360FD) aufgrund von Tierversuchen [s75, s92]. Sämtliche hier berichteten Humanstudien finden keine Wirkung auf die Samenparameter.

**Samenparameter und Hormone bei extremer Exposition [s75].** Duydu und Mitarbeiter (Archives of Toxicology, 2018) untersuchten in einer Querschnittsstudie 212 Arbeiter unter verschiedenen Borexpositionsbedingungen. Die Gruppe mit „extremer“ Exposition (n = 98) hatte eine mittlere tägliche Borzufuhr von 47,17 ± 17,47 mg B pro Tag (Spanne 7,95 bis 106,8) und eine Blutborkonzentration von 570,6 ± 160,1 ng B/g (402,6 bis 1100). Weder bei den Samenparametern noch bei FSH, LH und Gesamttestosteron wurden borassoziierte nachteilige Effekte gefunden; die Autoren schließen auf fehlende Relevanz für den Menschen unter realistischen Expositionsbedingungen.

**Y:X-Spermienverhältnis [s65, s69].** Duydu und Mitarbeiter (Archives of Toxicology, 2019) maßen bei 304 Arbeitern aus Bandırma und Bigadiç Bor in Blut, Urin und Samen (Gruppeneinteilung nach Blutbor). Die höchste Expositionsgruppe (n = 69) hatte 44,91 ± 18,32 mg B pro Tag, Samenbor 1643,23 ± 965,44 ng B/g Samen und Blutbor 553,83 ± 149,52 ng B/g. Es gab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Borexposition und dem Verhältnis Y- zu X-tragender Spermien (p > 0,05), paarweise Vergleiche waren ebenfalls nicht signifikant, und es fand sich keine Verschiebung des Geschlechterverhältnisses bei Geburt zugunsten weiblicher Nachkommen [s65]. Yalçın, Üstündağ und Duydu (Turkish Journal of Pharmaceutical Sciences, 2019) untersuchten 163 männliche Arbeiter in der Borsäureproduktion in Bandırma (86 Exponierte, 77 Kontrollen aus Dampfkraftwerk, Energieversorgung, Wasseraufbereitung und mechanischer Werkstatt; Bor in Samen und Blut per ICP-MS, Y:X-Verhältnis per FISH): keine borvermittelte Wirkung auf das Y:X-Verhältnis, auch nicht bei extremer Exposition; die Studie widerlege nach Aussage der Autoren eine frühere Studie aus chinesischen Borbergbaugebieten [s69].

**DNA-Schäden [s64, s115].** Başaran und Mitarbeiter (Mutation Research, 2019) untersuchten 212 Arbeiter (102 aus Bandırma beruflich exponiert, 110 aus Bigadiç beruflich und umweltbedingt exponiert) auf DNA-Schäden in Blut, Spermien und Mundschleimhaut (Comet-Test, Mikrokerntest). Es gab keine signifikante Zunahme der DNA-Schäden; Comet-Test in Spermien p = 0,861, in Lymphozyten p = 0,116. Zwei Befunde im Abstract sind auffällig: Für den Mikrokerntest steht p = 0,042 neben dem Satz, es sei keine signifikante Zunahme beobachtet worden, und mehrere p-Werte sind größer als 1 (1,486 bei kondensiertem Chromatin, 1,057 bei pyknotischen Zellen); wahrscheinlich Fehler in der Wiedergabe der Statistik, für die Aussage zum Mikrokerntest ist das Abstract unbrauchbar [s64]. Die Erweiterung der Bandırma-Studie (Duydu und Mitarbeiter, 2012) [s115] untersuchte mit dem Comet-Test (neutrale und alkalische Version) die Spermien: Die Korrelation zwischen Blutbor und mittleren DNA-Strangbrüchen war schwach, der Unterschied zwischen Exponierten und Kontrollen nicht signifikant; zwischen DNA-Strangbrüchen und Beweglichkeit sowie Morphologie bestanden schwache, aber signifikante Korrelationen in der neutralen Variante, in der alkalischen nicht signifikant. Die Autoren begründen das Ausbleiben von Effekten damit, dass die tierexperimentellen Dosen viel höher waren als jede beim Menschen mögliche Exposition.

**Wohnbevölkerung im Borbergbaugebiet [s119].** Korkmaz und Mitarbeiter (Biological Trace Element Research, 2011) verglichen Männer, die im Borbergbaugebiet leben (Exposition 6,5 mg/Tag nach Urinanalyse), mit Männern aus demselben geografischen Raum außerhalb der Borregion (1,4 mg/Tag); der Borgehalt im Wasser betrug 1,4 bis 6,5 mg/l gegenüber weniger als 0,01 mg/l. Die Samenanalyse nach WHO ergab keine negativen Effekte. Hier ist die Exposition über Trinkwasser und Wohnort definiert, nicht über die Arbeit; die Gruppengröße steht nicht im Abstract.

**Übersicht über Tierdaten und Epidemiologie [s92].** Duydu und Mitarbeiter (Current Drug Delivery, 2016) beschreiben, in der Bandırma-Studie (204 freiwillige männliche Beschäftigte) seien Samenparameter, FSH, LH und Testosteron bestimmt worden; auch bei sehr hoher Tagesexposition (0,21 mg B/kg Körpergewicht/Tag) fanden sich keine borvermittelten Fortpflanzungseffekte. Der NOAEL für die Reproduktionstoxizität bei der Ratte entspricht einem Blutborwert von 2020 ng/g; der mittlere Blutborwert der hochexponierten Beschäftigten betrug 223,89 ± 69,49 ng/g, ein Abstand um den Faktor 9. Die Autoren halten eine Einstufung in die Kategorie 1B nicht für wissenschaftlich begründet; das ist ihre Meinung, kein Befund.

**Fertilitätsbefragung, Borarbeiter [s184].** Keklik und Mitarbeiter (Türkiye Klinikleri Journal of Medical Research, 2000) befragten verheiratete Borarbeiter in drei Regionen (Bigadiç, Emet-Hisarcık, Kırka; 850 Zufallsgezogene, 799 erreicht), ohne Samenanalyse. Infertilitätsraten 1,2 % (328 Arbeiter), 1,1 % (298) und 4,1 % (173); gesamt 1,8 %. Verhältnis Jungen zu Mädchen 1,12 (englisches Abstract; die türkische Fassung nennt 1,2) und damit keine Zunahme von Mädchen. Kein Unterschied zwischen Produktionsarbeitern und Büroarbeitern bei Infertilität, Geschlechterverhältnis und Entwicklungsparametern; Totgeburten, Fehlgeburten, Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht nicht häufiger als im Landesdurchschnitt.

Einordnung: Stärken des Blocks sind die Messung der Exposition im Körper (Bor in Blut, Urin, Samen) statt bloßer Berufsangabe, Samenparameter nach WHO, extreme Expositionsgruppen mit Dosisangabe und Kontrollen aus demselben Betrieb. Schwächen: Mehrere Arbeiten stammen aus derselben Gruppe; der Standort Bandırma kehrt in [s65, s69, s64, s115, s92] wieder, und die Gruppengröße 212 steht sowohl in [s75] als auch in [s64]; ob und wie stark sich die Stichproben überlappen, ist nicht ausgewiesen, die Arbeiten sind deshalb nicht als unabhängige Studien zu zählen. Das Design ist durchweg querschnittlich mit freiwilliger Teilnahme (Healthy-Worker-Effekt möglich); die Abstracts nennen fast nie die Zahlenwerte der Samenparameter selbst; mehrere Veröffentlichungen argumentieren ausdrücklich gegen die EU-Einstufung. Der Befund ist nicht auf andere Expositionen übertragbar. Auch Bonde [s111] hält Toxizität für die menschliche Spermatogenese bei hoher beruflicher Borexposition nicht für belegt.

### Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Kokerei und Petrochemie

**Kokerei, Südtaiwan [s95, s112, s79, s41, s46].** Vier bis fünf Veröffentlichungen einer Arbeitsgruppe (Old Dominion University mit taiwanischen Partnern) zu Kokerei-Arbeitern eines Stahlkonzerns; die Abstracts erlauben nicht zu klären, wie stark sich die Kollektive überschneiden, sie sind daher nicht als unabhängige Studien zu zählen.
- [s95] (Jeng und Mitarbeiter, International Journal of Occupational Medicine and Environmental Health, 2016): 52 Kokereiarbeiter gegenüber 35 Verwaltungsangestellten des Stahlwerks; Exposition über Urin-1-Hydroxypyren; Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie; DNA-Fragmentierung, Denaturierung, sperrige DNA-Addukte und 8-oxo-dGuo. Die Kokereiarbeiter hatten niedrigere Anteile beweglicher, vitaler und normal geformter Spermien, jedoch nicht signifikant. Die DNA-Integrität war schlechter: signifikant mehr sperrige DNA-Addukte (p = 0,009) und 8-oxo-dGuo (p = 0,048); die DNA-Fragmentierung war nicht signifikant erhöht (p = 0,232). Zwischen Spermienqualität und DNA-Integritätsparametern bestand keine Korrelation. Stärken: Biomonitoring, interne Vergleichsgruppe aus demselben Betrieb. Schwächen: Spermienparameter ohne signifikante Unterschiede; nur eine Fabrik; Störgrößen nur per Fragebogen.
- [s112] (Jeng und Mitarbeiter, Journal of Hazardous Materials, 2013, nichtrauchende Arbeiter; hohe und niedrige Exposition gegenüber Verwaltung und Wachpersonal): Nur in der Hochexpositionsgruppe war der Anteil normaler Morphologie niedriger (p = 0,0001) und waren sperrige DNA-Addukte erhöht (p = 0,04).
- [s79] (Jeng und Mitarbeiter, Journal of Environmental Science and Health Part A, 2018): 106 Teilnehmer eines Kokereibetriebs bei der jährlichen Gesundheitsuntersuchung, gruppiert in hohe und niedrige Exposition (nach Arbeitsplatzkonzentration) und Kontrolle. Die Gruppe mit hoher Exposition hatte signifikant niedrigere Beweglichkeit (p = 0,046) und weniger normale Morphologie (p = 0,049) als die Kontrolle sowie höhere 8-oxoGuo-Konzentrationen in den Spermien (p = 0,027); Urin-1-OHP war mit geringerer Beweglichkeit und weniger Normalformen sowie mehr oxidativem Spermienschaden und reaktiven Sauerstoffspezies verbunden. Schwächen: p-Werte nur knapp unter 0,05 bei mehreren Tests; keine Effektgrößen im Abstract.
- [s41] (Jeng und Mitarbeiter, Archives of Environmental & Occupational Health, 2023; Bayessche Kernel-Maschinen-Regression): Die PAK-Mischung war umgekehrt mit der Spermienvitalität assoziiert (Hauptprädiktor Benzo(b)fluoranthen) und zeigte einen positiven Trend mit der DNA-Fragmentierung (Benzo(b)fluoranthen und Benzo(a)anthracen als Einzelverbindungen). Gruppengrößen und Zahlenwerte nennt das Abstract nicht.
- [s46] (Jeng und Mitarbeiter, Annals of Work Exposures and Health, 2022): 38 Kokereiarbeiter und 24 Kontrollen; 16 PAK in der Atemzone per Gaschromatographie-Massenspektrometrie. Die PAK-Mischung zeigte einen positiven Trend mit 8-oxodGuo in den unteren Perzentilen (25. bis 50.) und war mit höheren Malondialdehyd-Werten in den Spermien assoziiert; bucht- und buchtähnliche Regionen der PAK waren die wichtigste Gruppe, Benzo[a]anthracen der wichtigste Einzelstoff für MDA. Die Autoren sprechen von „suggestiven“ Zusammenhängen. Schwächen: nur 62 Teilnehmer, keine Punktschätzer im Abstract, der „Trend“ in niedrigen Perzentilen erschwert die Deutung.

**Solarthermisches Kraftwerk [s30].** Peña-García und Mitarbeiter (Antioxidants, 2024) untersuchten in einer Fall-Kontroll-Studie 32 exponierte und 29 nicht exponierte Männer; nach einem Jahr PAK-Exposition fanden sich keine Änderungen von Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie oder DNA-Fragmentation, aber eine höhere seminale Leukozyteninfiltration und eine niedrigere Superoxiddismutase-Aktivität und ein niedrigeres GSH/GSSG-Verhältnis.

**Petrochemie [s182, s121].** Wang und Mitarbeiter (Journal of Andrology, 2001) untersuchten 68 Petrochemie-Arbeiter (davon 23 Nichtraucher) und 130 Nicht-Exponierte: Exponierte Nichtraucher hatten eine niedrigere Vorwärtsbeweglichkeitsrate (P < 0,05); exponierte Raucher hatten signifikant schlechtere Dichte, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als nicht exponierte Nichtraucher (P < 0,01); die Autoren schließen, Petrochemikalien könnten die Wirkung des Rauchens verstärken [s182]. Die Elektronenmikroskopie-Studie von Kim und Mitarbeitern (Seoul, Fertility and Sterility, 2010; Petrochemie-Arbeiter gegenüber Beamten in einem nicht industrialisierten Gebiet) berichtet in ihrem Abstract nur die Schlussfolgerung, die berufliche Exposition scheine die Beweglichkeit und die ultrastrukturelle Anordnung zu verschlechtern; Zahlen, Gruppengrößen und Methodik fehlen, und die Vergleichsgruppe unterscheidet sich in Wohnort und vermutlich Lebensstil, sodass die Quelle nur als Hinweis auf die Existenz der Studie taugt [s121].

**Stadtpolizisten und Luftverschmutzung, Ostrava [s60].** Rubes und Mitarbeiter (International Journal of Hygiene and Environmental Health, 2021) untersuchten in einer Kohorte 54 nichtrauchende Stadtpolizisten mit Probenentnahme am Ende des Winters (hohe Schadstoffbelastung) und im Sommer. Die Konzentrationen aller Schadstoffe waren im Winter signifikant höher (p < 0,001; Ozon im Sommer). Volumen, Konzentration, Vitalität, Morphologie und Akrosom-Intaktheit unterschieden sich nicht; Gesamt- und progressive Beweglichkeit waren am Ende des Winters höher (p = 0,001); der SCSA-Chromatinschaden stieg im Winter (Median 22,6 gegenüber 18,6 %; p = 0,003), ebenso der Anteil unreifer Spermien (11,2 gegenüber 9,9 %; p = 0,001). Stärken: Eigenkontrolle derselben Männer. Schwächen: Die Saison vermengt Luftschadstoffe mit Temperatur und Lebensstil; Polizeiarbeit ist hier ein Expositionsrahmen, kein Berufsvergleich.

Einordnung: Bei PAK sind die Standardparameter uneinheitlich betroffen, das Chromatin- und DNA-Adduktsignal ist konsistenter; die Befunde stammen überwiegend aus einer Arbeitsgruppe mit kleinen, möglicherweise überlappenden Kollektiven.

### Metallurgie, Bergbau, Erdöl, Erdgas und Maschinenbau (russischsprachiger Raum)

Die russischsprachige Literatur stammt überwiegend aus arbeitsmedizinischen und hygienischen Zeitschriften und aus Urologie-Zeitschriften. Typisch sind Prozentangaben mit Standardfehler statt Konfidenzintervallen, Teilgruppen ohne Größenangabe und eine Einteilung der Arbeitsbedingungen in Klassen („schädlich“, 3.1 bis 3.4). Mehrfachveröffentlichung desselben Datensatzes in verschiedenen Zeitschriften kommt vor.

**Stahlwerk in Wolgograd [s142, s141, s136].** Latyshevskaya und Bessarabov (2007, Zeitschrift Meditsina truda i promyshlennaya ekologiya) verglichen im Stahlwerk „Krasny Oktyabr“ 218 Männer im Alter von 21 bis 37 Jahren: 110 Exponierte (Stahlkocher, Gehilfen der Stahlkocher, Hochofenreparaturkräfte, Putzer) und 108 Kontrollen (Ingenieure und technische Kräfte, Mechaniker, Arbeiter der Reparaturwerkstätten). Es wurden Mikroklima, elektromagnetische Felder, Vibration und Lärm in einer Werkshalle bewertet; die ärztliche Untersuchung folgte dem WHO-Handbuch (1997) einschließlich Spermiogramm und Hormonen (Testosteron, LH, FSH, Prolaktin, Östradiol). Die allgemeine Morbidität je 100 Untersuchte betrug 415,40 ± 46,98 bei den Exponierten gegenüber 183,30 ± 37,23 bei den Kontrollen (p < 0,01); Erkrankungen des Urogenitalsystems 72,73 ± 4,25 gegenüber 38,89 ± 4,69 (p < 0,01). Samenbefunde (Prozent der Untersuchten ± Standardfehler, Exponierte gegenüber Kontrollen): Normozoospermie 5,5 ± 5,3 gegenüber 23,5 ± 10,3; Oligozoospermie 5,5 ± 5,3 gegenüber 5,9 ± 5,7; Asthenozoospermie 11,1 ± 7,4 gegenüber 17,6 ± 9,24; Teratozoospermie 11,1 ± 7,4 gegenüber 23,5 ± 10,3; Asthenoteratozoospermie 50 ± 11,8 gegenüber 17,6 ± 9,24; Oligoasthenoteratozoospermie 11,1 ± 7,4 gegenüber 5,9 ± 5,7; Azoospermie 5,5 ± 5,3 gegenüber 0; Agglutination 61,1 ± 11,5 gegenüber 36,3 ± 11,7. Nur bei 27,2 % der Exponierten lagen die Hormonwerte im Normbereich (Kontrollen 88,2 %); bei 11,1 % war LH erniedrigt, bei 5,9 % FSH und Prolaktin erhöht, bei 5,9 % Testosteron erniedrigt; bei 44,4 % lagen LH und FSH zwar im Normbereich, aber nahe der unteren Grenze. Stärken: gleiche Altersgruppe, definierte Expositionsgruppen, Standardverfahren, Hormone zusätzlich. Schwächen: Der Text nennt die Größe der Teilgruppen mit Samenanalyse nicht; aus den Prozentwerten lässt sich zurückrechnen (eigene Rechnung des Rechercheberichts, nicht im Text), dass nur etwa 18 Exponierte und etwa 17 Kontrollen ein Spermiogramm hatten. Die Kennzeichnung der Signifikanz ist zwischen den Fassungen uneinheitlich; es gibt keine Angabe zur Expositionshöhe in Zahlen, zu Rauchen oder Infektionen als Störgrößen und keine Ausschlusskriterien. Die Studie ist in drei Zeitschriften nahezu wortgleich erschienen [s142, s141, s136]; die Fassung von 2008 [s136] ersetzt „Metallurgen“ durch „Industriearbeiter“ bei unverändertem Datensatz. Das ist keine unabhängige Bestätigung.

**Metallurgen, Wolgograd und Wolschski [s126, s130].** Egorova (2009, Urologiia) [s126] verglich 100 Metallurgen mit 80 Arbeitern ohne Eisenmetallurgie (Samen und Hormone): Eine Pathologie bestand bei 44 % der Metallurgen gegenüber 18,5 % der Kontrollen (p < 0,001); bei den Metallurgen waren Agglutination, Asthenozoospermie, erhöhte Viskosität, Oligospermie, Teratospermie, Asthenoteratospermie und männliche Sterilität häufiger (p < 0,001); das relative Risiko (RR) einer Störung der Fortpflanzungsfunktion betrug 1,6 bis 2,9. In der Volltextarbeit [s130] (Gigiena i Sanitariia, 2009) wurden 200 Metallurgen (Walzer, Stahlkocher, Metallerhitzer, Operatoren, Maschinisten) mit 190 Verwaltungsmitarbeitern ohne Kontakt zu Schadfaktoren verglichen (Alter 20 bis 65 Jahre, Mittel 40,2; Beschäftigungsdauer 3 bis 25,5 Jahre, Mittel 18,5; vergleichbar nach Alter, Geschlecht und Dauer). Im Samenbefund der Exponiertengruppe fanden sich erhöhte Viskosität bei 61 %, verminderte Spermienzahl bei 7 % und verminderte Beweglichkeit bei 6 %. Testosteron lag schon bei Beschäftigten bis 5 Jahren unter 13,8 nmol/l; die Autorin führt dies auf die Hitze und auf Manganverbindungen zurück. Relative Risiken mit ätiologischem Anteil (EF) für männliche Unfruchtbarkeit nach Beruf: Stahlkocher RR 2,5 (EF 55,4 %); Walzer im Warmwalzwerk 2,9 (62,1 %); Walzer im Rohrwalzwerk 2,71 (59,9 %); Maschinist der Beschickungsmaschine 2,8 (60,1 %); Operator der Stranggussanlage 1,62 (37,1 %); Operator am Steuerstand (Putzen heißen Metalls) 1,97 (51,4 %). Stärken: größere Stichprobe, Beschäftigungsdauer erfasst, RR und EF nach Miettinen. Schwächen: keine Konfidenzintervalle; die Kriterien für die Diagnose „männliche Unfruchtbarkeit“ in der RR-Berechnung sind im abgerufenen Text nicht erklärt; die Altersspanne (20 bis 65) ist breit, Alter wurde nur über „Vergleichbarkeit“ behandelt; keine Angaben zu Rauchen, Alkohol, Übergewicht. Beide Arbeiten stammen von derselben Autorin aus derselben Region; ob Beschäftigte in beiden Stichproben vorkommen, ist nicht zu entscheiden. Einordnung: Sechs Veröffentlichungen aus zwei Arbeitsgruppen in Wolgograd stützen sich im Kern auf zwei Datensätze; die Richtung ist einheitlich (schlechtere Samenbefunde bei Beschäftigten in heißen, lauten, metallbelasteten Bereichen), die Stichproben für das Spermiogramm sind klein oder nicht genannt, Störgrößen kaum kontrolliert.

**Erzbergbau, Südural und Westkasachstan [s72].** Teregulov und Mitarbeiter (2019) untersuchten in einem Querschnitt ohne Kontrollgruppe 142 Männer im Alter von 34 bis 50 Jahren aus Erzbergbau im Südural (Uchaly, Kupfer-Zink) und Chromitbergbau in Westkasachstan; die Arbeit fand unter schädlichen Bedingungen der Klasse 3.3 bis 3.4 statt, im Dreischichtbetrieb, ohne Tageslicht, mit Metallaerosolen (Cadmium, Chrom, Blei, Kupfer) und Vibration (Fragebogen zur Selbsteinschätzung, Samenanalyse nach WHO 2010). Das Spermiogramm war bei 33,6 % normal, Asthenozoospermie fand sich bei 28,5 %, Oligozoospermie 1. Grades bei 15,7 %, 2. Grades bei 15,7 %, 3. Grades bei 5,5 %. Die Autoren fassen zusammen, nur jeder Dritte habe ein relativ zufriedenstellendes Spermiogramm, mäßige Störungen fänden sich bei 44,2 %, grobe Störungen (Oligozoospermie 2. und 3. Grades) bei 21,3 %. Aus dem Fragebogen: 60 % berichten weniger Geschlechtsverkehr (nach den Autoren vor allem wegen Dreischichtbetrieb und Müdigkeit), etwa jeder Fünfte erektile Dysfunktion, knapp 7 % Kinderlosigkeit in der Ehe über ein Jahr. Schwächen: keine Kontrollgruppe, damit keine Aussage über einen Effekt des Berufs; die Prozentwerte summieren sich zu 99,0 % (die Tabelle nennt 100,0 %); die Teilstichprobe für die Samenanalyse ist nicht genannt; Aussagen wie „reprotoxische Wirkung“ sind aus den Daten nicht ableitbar.

**Untertagebergleute [s106].** Pavlov und Teregulov (2015) verglichen 186 Bergleute im Untertagebau mit 84 Kontrollen; zusätzlich wurde bei 30 Arbeitern, die im Fragebogen als unfruchtbar auffielen, das Ejakulat untersucht. Nach Selbstangabe (Bergleute gegenüber Kontrollen): Beschwerden im Damm und Dysurie 50,0 % gegenüber 22,4 %; verminderte Zahl der Geschlechtsakte 60,0 % gegenüber 19,3 %; erektile Dysfunktion 18,75 % gegenüber 7,6 %; verminderte Libido 13,7 % gegenüber 11,8 %. Erektile Dysfunktion nach Dauer unter Tage: 6,7 % bei 5 bis 10 Jahren, 11,4 % bei 10 bis 15 Jahren. Bei den 30 Männern zeigten sich Oligoasthenozoospermien unterschiedlicher Ausprägung; bei zwei Dritteln der Beobachtungsgruppe gab es irgendeine Spermiogrammpathologie. Schwächen: Die Samenanalyse betrifft nur Vorselektierte (Fragebogenverdacht auf Unfruchtbarkeit), eine Kontrollgruppe mit Samenanalyse fehlt; die Tabelle mit den Samendaten ist im abgerufenen Text nicht lesbar.

**Erdölförderbetrieb, In-vitro-Versuch [s56].** Alikina und Dolgikh (Perm, 2022) untersuchten an Ejakulat von 50 Beschäftigten (26 bis 49 Jahre) eines Erdölförderbetriebs, die wegen Fertilitätsstörungen in Behandlung waren, ohne unexponierte Kontrollgruppe, Samenproben zur Hälfte spontan, zur Hälfte mit Benzol (0,001 µg/ml, „experimentell gewählt“) 72 Stunden inkubiert (Durchflusszytometrie für Apoptose-Marker: CD25, CD95, Bax, p53, Annexin V, Caspase-3). Die intrazellulären Apoptose-Marker wichen nicht signifikant ab; unter Benzol unterschieden sich die Membranproteine CD95 und CD25 um 20 % und 10 % gegenüber dem spontanen Niveau (p < 0,05); bei 30 % der Proben fand sich übermäßige CD95-Expression im spontanen Ansatz; Annexin-V-negative Zellen waren bei Belastung um 15 % vermindert (nicht signifikant), p53 um 13 % (nicht signifikant). Die Dosis ist aus Literaturdaten zur Benzol-Konzentration in Samen begründet (0,17 bis 8,54 µmol/l). Schwächen: Ein Zusammenhang von Berufsexposition und Spermienqualität wird nicht geprüft; weder die tatsächliche Benzolbelastung der Männer wurde gemessen noch eine unexponierte Vergleichsgruppe untersucht; die aus den Daten gezogenen Aussagen zur „Überstimulation des Zelltods“ gehen über die Daten hinaus.

**Männer unter schwierigen Umweltbedingungen [s103].** Nikolaev und Loginov (Urologiia, 2015; nur Abstract) beschreiben eine Fallserie mit 40 Männern, die wegen Kinderlosigkeit nach 2 bis 3 Jahren Ehe vorstellig wurden, in vier Gruppen nach Belastung (Erdöl- und Erdgasarbeiter; Beschäftigte von Funkortung und Rundfunk; „kreative Berufe“; Arbeitslose und Geringverdiener) und eine Kontrollgruppe gesunder Männer mit Kindern; bestimmt wurden Malondialdehyd im Ejakulat und die Morphokinetik der Spermien. Aussagen im Abstract (ohne Zahlen): Erdgas und erdölgelöstes Gas seien am stärksten toxisch gewesen, mit starkem Rückgang von Konzentration und Beweglichkeit bei Erdöl- und Gasarbeitern; bei Radar- und Rundfunkbeschäftigten Veränderungen der Spermienmorphologie durch Mikrowellen; bei kreativ Tätigen Hemmung der Spermatogenese durch gesteigerte Radikalbildung; bei Arbeitslosen Mangelernährung. Schwächen: Zahlen und Gruppengrößen fehlen; die Kontrollgruppe ist weder in Größe noch Auswahl beschrieben; die kausalen Aussagen zu Mikrowellen sind nicht durch Messungen belegt; die Stichprobe (nur Männer mit Kinderwunschproblem) schließt Aussagen zur allgemeinen Beschäftigtenschaft aus.

**Erdölfelder in Nordsibirien, Varikozele [s94].** Ilyinskikh und Mitarbeiter (Urologiia, 2016; nur Abstract) untersuchten im Querschnitt 139 Männer in vier Gruppen (Bohrarbeiter mit und ohne Varikozele, Verwaltungsmitarbeiter mit und ohne Varikozele; Ejakulat und Urogenitalepithelzellen). Teratozoospermie und karyopathologische Veränderungen waren bei Arbeitern mit Varikozele signifikant häufiger als in allen anderen Gruppen; bei Bohrarbeitern mit Varikozele höher als bei Verwaltungsmitarbeitern mit Varikozele; es gab Korrelationen zwischen Zellveränderungen und Teratozoospermie in beiden Varikozele-Gruppen. Die Autoren sehen eine Kombination aus der Krankheit selbst und genotoxischen Arbeitsbedingungen. Zahlen nennt das Abstract nicht. Der Befund zeigt, dass Berufseffekt und Vorerkrankung getrennt betrachtet werden müssen; bei Männern ohne Varikozele wird kein Unterschied zwischen Bohrarbeitern und Verwaltung berichtet.

**Gaskondensat-Gewinnung, Aktobe (Kasachstan) [s107].** Sarkulov und Kumaev (2015, russischsprachig) verglichen 30 Arbeiter der Gaskondensat-Gewinnung (Kontakt „innerhalb der Grenzwerte“) mit 20 Arbeitern anderer Industriebetriebe (Samenanalyse nach WHO). Mittelwert ± Streuung (Kontrollen gegenüber Beschäftigten 3 bis 9 Jahre gegenüber über 10 Jahre): Ejakulatvolumen 3,3 ± 1,2, 3,8 ± 0,8 und 4,0 ± 1,2 ml; Spermien je ml 45,2 ± 8,8, 32,1 ± 20,6 und 20,4 ± 8,5 Mio.; bewegliche Formen 40,2 ± 1,2, 28,3 ± 18,6 und 38,5 ± 20,7 %; morphologisch normale Formen 52,2 ± 3,4, 42,8 ± 7,4 und 37,2 ± 10,5 %; veränderte Formen 18,6 ± 2,4, 37,5 ± 14,5 und 42,5 ± 11,2 %; Zellen der Spermatogenese 0,8 ± 0,2, 33,6 ± 4,6 und 40,5 ± 6,2 %. Die Autoren schließen auf Oligo-Terato-Asthenozoospermie bei Beschäftigten über 10 Jahre mit täglicher Schwefelwasserstoff-Belastung und auf eine Abhängigkeit von der Beschäftigungsdauer. Schwächen: Die Aufteilung der 30 Arbeiter auf die beiden Dauergruppen ist nicht genannt; die Streuungen sind teils größer als die Mittelwertunterschiede; die Beweglichkeit sinkt nicht stetig mit der Dauer; die Angabe „Hypospermie“ in den Schlussfolgerungen passt nicht zum Volumen (3,8 und 4,0 ml gegenüber 3,3 ml bei den Kontrollen); das Sternchen „p < 0,05“ steht als allgemeine Fußnote ohne Zuordnung; Tests werden nicht benannt; der Beitrag von Schwefelwasserstoff wird nicht gemessen, sondern angenommen.

**Maschinenbau [s90].** Balabanova und Mitarbeiter (2017) verglichen 318 Männer in Maschinenbau-Arbeitsbereichen mit schädlichen Faktoren mit 148 ohne Kontakt (ohne Samenanalyse). Chemischer Kontakt bestand bei 70 %, Lärm bei zwei Dritteln, lokale Vibration bei 40 % der Befragten; Grenzwerte für Lärm, lokale Vibration und Chemikalien am Arbeitsplatz wurden überschritten; Abweichungen von Testosteron, Lutropin und Follitropin fanden sich bei 25,5 % der Beschäftigten, Lärm beeinflusse den Testosteronspiegel signifikant. Die Arbeit liefert Hormonstatus, aber keine Spermienwerte.

### Ionisierende Strahlung und elektromagnetische Felder

**Radiologiebeschäftigte [s02].** Aksak und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2026) führten eine Fall-Kontroll-Studie mit 60 Männern durch: 30 Radiologiebeschäftigte mit beruflicher Exposition und 30 Kontrollen (Samenanalyse nach WHO 2021; CD56-positive Natürliche Killerzellen per Immunzytochemie; mRNA für TNP1, TNP2 und CD56 per qPCR). Bei den Exponierten waren Spermienkonzentration signifikant niedriger und morphologische Abweichungen häufiger (p < 0,05); die NK-Zell-Konzentration war erhöht (p < 0,001), TNP1 vermindert (p < 0,001), TNP2 nicht signifikant vermindert; es bestanden schwache bis mäßige Korrelationen zwischen Genexpression und Samenparametern. Stärken: aktuelle Methodik, zusätzliche molekulare Marker. Schwächen: nur 30 gegenüber 30; keine Effektgrößen; im Abstract keine Angabe zur individuellen Strahlendosis, zu Alter, Rauchen und Varikozele als Störgrößen; ob für Mehrfachvergleiche korrigiert wurde, ist nicht zu entnehmen.

**Gesundheitsberufe mit ionisierender Strahlung, Indien [s113].** Kumar und Mitarbeiter (PLoS ONE, 2013) untersuchten in einer Querschnittsstudie 134 Männer (83 beruflich ionisierender Strahlung exponiert, 51 nicht exponiert): signifikante Unterschiede in Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie (P < 0,05 bis 0,0001), höhere DNA-Fragmentation (P < 0,05 bis 0,0001), keine Unterschiede bei Aneuploidie und mehr hypermethylierte Spermien (P < 0,05). Schwächen: kleine Gruppen, keine Dosimetrie im Abstract.

**Ionisierende Strahlung, Provinz Jilin [s98].** Zhou und Mitarbeiter (Genetics and Molecular Research, 2016) berichten im Abstract, Beweglichkeit und normale Morphologie seien bei den Exponierten signifikant niedriger, der Unterschied der Konzentration nicht signifikant, der DNA-Fragmentierungsindex signifikant höher gewesen; Zahlenwerte, Gruppengrößen und Dosis fehlen. Die Autoren schließen, chronische niedrig dosierte Strahlung könne Beweglichkeit, Morphologie und DFI beeinflussen. Bewertung: Querschnitt ohne verfügbare Angaben zu Kontrollgruppe, Dosis und Störgrößen.

**Ärzte und Durchleuchtung, Geschlechterverhältnis der Kinder [s54].** Die Querschnittsbefragung von 177 Ärzten (Orthopäden, Gynäkologen, Kinderärzte; Archives of Basic and Clinical Research, 2022) nutzte das Geschlechterverhältnis der Kinder als indirekten Marker für Schäden an Spermien mit Y-Chromosom. Der Töchteranteil in den drei Gruppen war nicht verschieden (p > 0,05); Orthopäden hatten signifikant weniger Söhne als Gynäkologen und Kinderärzte (p = 0,002). Logistische Regression: Kinderarzt gegenüber Orthopäde OR für einen Sohn 3,813 (95 %-KI 1,682 bis 8,642; p = 0,001); Kinderarzt gegenüber Gynäkologe 0,962 (0,385 bis 2,408; p = 0,935). Unter den Orthopäden senkten mehr als 50 Durchleuchtungsaufnahmen pro Woche die Wahrscheinlichkeit eines Sohnes (OR 0,353; 0,178 bis 0,703; p = 0,030; im Abstract steht die obere Grenze als „0703“ und wurde als 0,703 gelesen). Die Autoren vermuten, dass Durchleuchtung Y-tragende Spermien schädigen könnte, und fordern Samenanalysen. Schwächen: Es wurde kein Samen untersucht; der Marker „Sohnanteil“ ist ein indirekter Hilfsparameter mit vielen Einflüssen; Erinnerungs- und Selektionsfehler sind möglich; die Dosis ist nur über die Anzahl der Aufnahmen pro Woche und die Stunden im Operationssaal erfasst. Auffällig ist die Kombination aus einem Konfidenzintervall von 0,178 bis 0,703 und p = 0,030: Aus dem Intervall lässt sich näherungsweise ein p-Wert von etwa 0,003 zurückrechnen (eigene Rechnung des Rechercheberichts unter Annahme der Normalverteilung auf der logarithmischen Skala); ob ein Tippfehler im Abstract vorliegt, lässt sich ohne Volltext nicht klären.

**Wirbelsäulenchirurgen, Hodenstrahlenbelastung [s17].** Hijikata und Mitarbeiter (Kyoto, Annals of Work Exposures and Health, 2025) befragten im Oktober 2020 über die Minimally Invasive Spine Treatment Society in Japan 209 männliche Wirbelsäulenchirurgen zu 436 Kindern (308 in der Gruppe mit hoher, 128 mit niedriger Strahlenbelastung nach Art der Bleischürze zur Zeit der Zeugung; Schürzentyp = hoch, Mantelschutz oder keine Strahlung = niedrig; verallgemeinerte Schätzgleichungen mit Log-Link). Zielgröße war nicht die Spermienqualität, sondern das Geschlecht der Kinder: Mehr Mädchen in der Gruppe mit hoher Belastung (53 % gegenüber 39 %); bereinigtes Risikoverhältnis für ein weibliches Kind bei hoher Belastung 1,35 (95 %-KI 1,04 bis 1,73); Dosis-Wirkung: 1,36 (1,04 bis 1,78) mit expositionsförderlicher Körperhaltung, 1,30 (0,96 bis 1,78) ohne. Stärken: Berufsbezug und abgestufte Exposition; die Schätzgleichungen berücksichtigen mehrere Kinder pro Vater. Schwächen: Selbstauskunft und Erinnerungsverzerrung (Schutzkleidung Jahre zuvor); keine Dosimetrie; Auswahl durch freiwillige Teilnahme; eine Verschiebung des Geschlechterverhältnisses ist ein indirekter und umstrittener Marker; keine Spermienparameter.

**Tschernobyl-Aufräumarbeiter (Grenzfall zum Militär) [s210, s211, s155].** Diese Arbeiten sind ein Grenzfall, weil sich die Gruppe teilweise mit dem anderweitig behandelten Militär überschneidet (Dosisangaben aus Wehrpässen); sie sind hier wegen des Strahlenbezugs aufgenommen. Cheburakov und Cheburakova (1993; nur Abstract) beschreiben eine Querschnittsserie ohne Kontrollgruppe mit 125 Männern, die 1986 und 1987 an der Beseitigung der Unfallfolgen beteiligt waren (Dosen bis 25 rem): bei allen Untersuchten verringertes Ejakulatvolumen und verringerte Spermienzahl, mit erhöhtem Anteil unbeweglicher und degenerierter Formen; die stärksten Veränderungen bei Männern, die 1986 am Kraftwerk waren und mehr als 10 rem erhielten; bei der Mehrzahl Asthenooligozoospermie 1. Grades, bei der Mehrzahl der Männer mit mehr als 1 rem Teratozoospermie; zwei Männer mit mehr als 10 rem hatten eine Azoospermie [s210]. Evdokimov und Mitarbeiter (1993; nur Abstract) untersuchten 164 Männer von 22 bis 50 Jahren (Dosis nach Wehrpass höchstens 25 cGy; bei 125 Männern Samenanalyse): ein Drittel mit sexueller Dysfunktion, nicht dosisabhängig; pathologische Veränderungen im Samen; im Ultraschall von Prostata und Samenblasen Veränderungen wie bei chronischer Prostatitis und Vesikulitis, aber keine „typischen strahlungsbedingten Läsionen“; die Autoren schlagen vor, Unfruchtbarkeit und Impotenz in die Liste der durch die Aufräumarbeiten aufgetretenen oder verschlimmerten Erkrankungen aufzunehmen [s211]. Cheburakov und Mitarbeiter (2004; histologische Serie an Hodengewebe, nur Abstract) fanden keine pathomorphologischen Veränderungen bei Ganzkörperdosen von 1 bis 10 cGy; Veränderungen der Hodenkanälchen bei 10 bis 20 cGy; lymphoide Infiltration der Hodenkanälchen 5 Jahre nach dem Unfall und des Interstitiums nach 10 bis 15 Jahren bei 20 bis 30 cGy; bei 30 bis 50 cGy lymphoide Infiltration der Kanälchen nach 5 Jahren, Sklerose von 50 % der Kanälchen, Regenerationsherde der Leydig-Zellen mit lymphoider Infiltration und interstitielle Fibrose 10 bis 15 Jahre nach der Bestrahlung; Autoimmunorchitis beeinträchtige die Spermatogenese früh nach der Bestrahlung [s155]. Schwächen aller drei: keine Kontrollgruppe, keine Vergleichswerte und keine Zahlen zu den Samenbefunden; die Zahl der Untersuchten und die Zuordnung der Dosen sind bei [s155] nicht genannt; gerade die Abwesenheit typischer Strahlenschäden spricht in [s211] gegen eine einfache Dosisdeutung.

**Heizgeräte-Bediener mit Radiofrequenz [s186].** Grajewski und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2000) verglichen 12 Bediener mit 34 Nicht-Exponierten (33 Spermien- und vier Hormonparameter). Die Expositionen lagen unter den Richtwerten; es gab nur geringe Unterschiede, darunter ein etwas höheres FSH (7,6 gegenüber 5,8 mIU/ml).

**Niederfrequente elektrische Felder, Automobilteilewerk [s51].** Mohammadi und Mitarbeiter (American Journal of Men's Health, 2022) führten eine randomisierte, doppelblinde Supplementationsstudie mit Messung niederfrequenter Felder durch; die Exposition gegenüber elektrischen Feldern hatte einen signifikanten Effekt auf Spermienzahl, Morphologie und Beweglichkeit. Die Supplementation ist nicht Gegenstand dieses Kapitels.

**Magnetfelder am Arbeitsplatz, USA [s207].** Lundsberg und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 1995) führten eine verschachtelte Fall-Kontroll-Studie durch (Fälle: Motilität n = 177, Morphologie n = 135, Konzentration n = 172; 304 Kontrollen). Die Wahrscheinlichkeit hoher Berufsexposition (> 3 mG) war nicht erhöht (OR 0,6 für Morphologie, 1,1 für Motilität, 1,0 für Konzentration); mittlere Exposition (> 2 bis 3 mG) war ohne signifikante Assoziation; multivariate Adjustierung änderte wenig. Die Autoren sehen keine Stützung für schädliche Wirkungen von Magnetfeldern auf die männliche Fortpflanzungsgesundheit.

Einordnung: Zu ionisierender Strahlung berichten mehrere kleine Studien Nachteile bei Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Fragmentation [s02, s113, s98], jeweils ohne Dosimetrie im Abstract; die Chirurgenstudien nutzen das Geschlechterverhältnis als indirekten Marker [s17, s54]. Zu elektromagnetischen Feldern ist das Bild uneinheitlich [s31, s191, s207, s186, s51].

### Zement und Kernbohrung (Türkei)

**Zementwerk und Kernbohrung [s83, s84].** Kanbur und Eyüboğlu (2018) führten zwei parallele Querschnittsbefragungen mit Chi-Quadrat-Tests ohne Samenanalyse durch: 70 verheiratete Zementwerker gegenüber 70 Büroangestellten [s83] und 75 Kernbohrungs-Operatoren im Bergbau und Bauwesen (Marmararegion) gegenüber 75 Büroangestellten [s84]. Berichtet werden signifikante Unterschiede (p < 0,05) bei der Vorgeschichte von Fehlbildungen, Totgeburten, Frühgeburten und der Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin [s83] beziehungsweise bei Fehlgeburten, Totgeburten und der Zeit bis zur Schwangerschaft [s84]; zusätzlich wurden BMI, Alkohol, Rauchen und chronische Krankheiten untersucht. Stärken: Berufsgruppen mit Lärm, Staub und Hitze, die sonst selten untersucht werden. Schwächen: keine Samenanalyse, keine Zahlen im Abstract, keine Effektgrößen oder Konfidenzintervalle, Selbstangaben, kleine Stichproben; die Aussagen betreffen die Partnerin und damit nur indirekt die männliche Fertilität. Beide Arbeiten haben dieselben Autoren und denselben Aufbau.

### Weitere Beobachtungsstudien

**Wiederholte Fehlgeburten [s114].** Ruixue und Mitarbeiter (Changchun, Journal of Assisted Reproduction and Genetics, 2013) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie 68 Paare mit wiederholten Fehlgeburten mit 63 Kontrollpaaren (Fragebogen zu beruflicher Exposition und Lebensstil; Samenanalyse per CASA; Spermienkernstatus per Anilinblau-Färbung). Die Fehlgeburtsgruppe hatte signifikant niedrigere Vitalität, weniger Normalformen, niedrigere progressive Gesamtbeweglichkeit und mehr anilinblaupositive Spermien (p < 0,05); Konzentration und Beweglichkeit unterschieden sich nicht. Das Zusammentreffen von beruflicher Exposition und ungesunden Gewohnheiten ergab ein Odds Ratio von 11,965 (p = 0,005). Schwächen: kleine Gruppen; Konfidenzintervall im Abstract nicht angegeben; die Art der beruflichen Exposition wird nicht benannt.

**Disomie der Geschlechtschromosomen, Kairo [s87].** Muhammad und Mitarbeiter (Journal of Environmental Science, Ain-Shams-Universität, 2017) verglichen in einer kleinen Studie drei Gruppen zu je 10 Männern: schwere idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, idiopathisch infertile Männer mit normalem Samen und fertile Kontrollen; die beiden ersten Gruppen waren verschiedenen Gefahren ausgesetzt (physikalisch, chemisch, Gewohnheiten; in der Einleitung genannt: berufliche Exposition gegenüber Chemikalien, Hitze, Strahlung, Schwermetallen, Pestiziden). Chromosomenanalyse und FISH an Spermien mit X- und Y-Sonden: Die Gesamtdisomie unterschied sich zwischen den drei Gruppen nicht signifikant; sie korrelierte signifikant positiv mit der Zahl der Umweltfaktoren bei den schweren OAT-Patienten und bei den idiopathisch infertilen Männern; Alter korrelierte nicht signifikant. Schwächen: n = 30; die Exposition wird als Zahl „Umweltfaktoren“ gezählt, nicht nach Beruf getrennt; berufliche und Lebensstilfaktoren sind nicht getrennt; keine Zahlenwerte im Abstract.

**Beteiligung an betrieblicher Samenanalyse-Forschung, Japan [s07, s08].** Nakazono und Mitarbeiter (JMIR Formative Research, 2026) beschreiben, wie die Elternstudie von November 2024 bis Januar 2025 rund 2000 männliche Beschäftigte aus drei Firmen einlud und nur 6 das Protokoll abschlossen. Die anonyme Nachbefragung (April und Mai 2025; etwa 900 männliche Beschäftigte einer Firma; 108 analysierte Fragebögen, 83 beantworteten Teil 2; deskriptive Auswertung mit Wilson-Konfidenzintervallen) ergab: 74 von 108 (68,5 %; 95 %-KI 59,3 bis 76,5) kannten die Elternstudie nicht; unter diesen 74 gaben 68 (91,9 %; 83,4 bis 96,2) an, nicht gewusst zu haben, dass es die Studie gab. Gründe der 34 informierten Nichtteilnehmer: wahrgenommene Irrelevanz 9 von 34 (26,5 %; 14,6 bis 43,1), Widerstand gegen die Samengewinnung 9 von 34 (26,5 %), Verlegenheit oder Zurückhaltung 8 von 34 (23,5 %; 12,4 bis 40), Aufwand 7 von 34 (20,6 %; 10,3 bis 36,8). In Teil 2: Sorge vor ungünstigen Ergebnissen 52 von 83 (62,7 %; 51,9 bis 72,3), Sorge um Ort oder Privatsphäre 48 von 83 (57,8 %; 47,1 bis 67,9), eigener Widerstand 42 von 83 (50,6 %; 40,1 bis 61,1); bei vereinfachten Bedingungen wären 36 von 83 (43,4 %; 33,2 bis 54,1) zur Samenanalyse bereit. Die Autoren deuten die Beteiligung nicht als einen einzigen Mechanismus, sondern vor allem als begrenzte Reichweite der Rekrutierung (fehlende Kenntnis). Schwächen: nicht repräsentative Stichprobe von 108 Antwortenden; Selbstauskunft; Aussagen über Ursachen ausdrücklich nicht möglich. Das zugehörige Protokoll der N-SEED-Querschnittsstudie [s08] (Oguri und Mitarbeiter, JMIR Research Protocols, 2026; 124 Personen vom 18. Januar bis 21. Februar 2026 rekrutiert, Gruppe 1: 25, Gruppe 2: 103, beide: 4; primäre Analysen bis März 2028 erwartet; Zielgröße DNA-Fragmentierungsindex per SCSA) enthält noch keine Ergebnisse; Berufsgruppen sind nicht der Fokus. Beide Arbeiten zeigen, warum die Datenlage in Japan so dünn ist: Kamijima stellte bereits 2005 fest, dass dort nur sehr wenige Studien zu Samenindizes an Arbeitsplätzen existieren [s147].

### Tierversuche und Zellversuche mit Arbeitsplatzbezug

Tierdaten stützen die Plausibilität, sagen aber nichts über das menschliche Ausmaß aus.

**Zirkadiane Störung, Ratte und Maus [s44, s10].** Bei Ratten, die zwei Monate lang unter gestörten Lichtbedingungen lebten, die Schichtarbeit nachahmen sollten (zwei Tage Dauerlicht, zwei Tage Dauerdunkel, drei Tage 14:10-Stunden-Hell-Dunkel), blieb die Spermienzahl der Nebenhoden unverändert, doch waren Beweglichkeit und Progesteron-induzierte Akrosomreaktion vermindert, mit Veränderungen mitochondrialer Biogenese-Marker, verringerter mitochondrialer DNA-Kopienzahl und verringertem ATP-Gehalt [s44]. Bei Mäusen führte eine wöchentliche 12-Stunden-Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus über 8 Wochen zu erheblichen Spermien-DNA-Schäden; die Transkriptomanalyse zeigte eine Beeinträchtigung des Reparaturwegs der homologen Rekombination; in 40 menschlichen Spermaproben war die CREB1-mRNA bei Patienten mit hohem Spermien-DNA-Schaden niedriger als in der Kontrollgruppe [s10].

**Narkosegas [s35].** Zanin und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2024) setzten Mäuse einer beruflichen Narkosegasexposition aus (50 ppm Isofluran, 5 Stunden täglich über 30 Tage): Spermienkinetik und Vitalität waren beeinträchtigt, mit oxidativem Stress, mitochondrialer Dysfunktion und Genomschäden; diese Effekte kehrten nach Ende der Exposition nicht sicher zurück. Zu Narkosegasen beim Menschen wurde in der Recherche kein verwertbarer Befund gefunden.

**Mobilfunkstrahlung, Ratte [s82].** Oh und Mitarbeiter (Seoul, BioMed Research International, 2018) untersuchten 20 Sprague-Dawley-Ratten in vier Gruppen (Schein; 3 cm Abstand und 6 Stunden täglich; 10 cm und 18 Stunden; 3 cm und 18 Stunden; ein Monat). Spermatiden-Zahl (× 10⁶/ml): 398,6, 365,40, 354,60 und 298,60 (p = 0,041); Spermatogonien in Gruppe 4 43,00 gegenüber 57,00 (Gruppe 1) und 53,40 (Gruppe 2); die Gesamtzahl der Keimzellen in Gruppe 4 war niedriger (p = 0,032); Leydig-Zellen in Gruppe 4 signifikant vermindert. Der Bezug zu Berufsgruppen ist indirekt (Vielnutzer, Gesprächsberufe); Übertragbarkeit auf den Menschen ist nicht belegt.

**Organophosphat-Pestizide, Ratte [s128].** Okamura und Mitarbeiter (Journal of Occupational Health, 2009) gaben zehn Wochen alten Wistar-Ratten (vier Gruppen, n = 10) Maisöl, Dichlorvos (5 und 10 mg/kg) oder Diazinon (3 mg/kg), sechs Tage pro Woche über neun Wochen. Beide Wirkstoffe senkten die Beweglichkeit und erhöhten den Anteil gebrochener Spermien; Dichlorvos erhöhte zusätzlich die Zytoplasmatropfen; in den Nebenhodenepithelien nahmen Zytoplasma-Vakuolisierung und Kernschrumpfung zu, während der Hoden keine signifikanten histopathologischen Veränderungen zeigte. Der Versuch begründet die Beweglichkeits- und Morphologieparameter, die in [s158] beim Menschen untersucht wurden.

**Vibration, Ratte [s124].** Balicheva (2010) untersuchte an 1119 Ratten Vibration (vertikal sinusförmig, 20 Hz, 126 dB, 6 Stunden täglich über 5 Tage). Es zeigten sich eine Verzögerung der Spermienbildung mit Auflockerung des Keimepithels durch Degeneration von Sertoli-Zellen, degenerierte Spermatozyten, mehrkernige Spermatiden und atypische Spermien sowie eine stark verminderte Fertilität der Männchen am 30. Tag. Dominante Letalmutationen: Verlust von Embryonen vor der Einnistung bei Paarung der vibrationsexponierten Männchen am Tag 1, 8, 16 und 30 nach Exposition mit 55,1 %, 49,3 %, 30,0 % und 14,3 %; das Überleben der Embryonen sank bis auf 39,2 %. Die Arbeit ist ein Tierversuch mit sehr hoher Dosis, der Text gibt keine Kontrollwerte in Zahlen an; eine Übertragung auf Beschäftigte unter Ganzkörpervibration ist nicht möglich.

### Abgrenzung: anderweitig behandelte Berufsgruppen

Folgende Arbeiten betreffen Gruppen, die in anderen Kapiteln behandelt werden, und sind hier nur zur Abgrenzung genannt, ohne Zahlen. Zum **Militär** und zu militärnahen Kollektiven liegen aus China vier Studien vor: Seeleute mit Radarexposition [s140], Radarpersonal mit nichtionisierender Strahlung [s156] und SCSA-Messungen [s166] sowie Panzersoldaten [s164]; alle sind Querschnittsstudien mit erheblichen Verzerrungsrisiken, teils mit unvollständigen Abstracts. Die Spenderstudie [s53] weist Soldaten und Polizisten als Untergruppe aus. Zu **Schweißern** liegen Studien zu Mangan und Elektroschweißen [s205] und aus Indien [s165] vor; Schweißer erscheinen ferner als Untergruppe in [s198], [s180], [s33] und [s97]. Zu **Malern und Lackierern** finden sich nur Mischgruppen [s196, s183] sowie die Münsteraner Klinikanalyse [s180]. **Landwirte** erscheinen als Kontroll- oder Untergruppe in [s193], [s180] und [s97]. Zu **Feuerwehr, Piloten und Friseuren** wurden in den durchsuchten Quellen keine Studien mit Spermienparametern gefunden; das ist eine Aussage über die abgerufenen Quellen und kein Beleg, dass keine solchen Studien existieren.

### Einordnung der Evidenz im Überblick

**Gruppenweise Zusammenschau.** Die folgende qualitative Übersicht bezieht sich auf die in diesem Kapitel gesichteten Studien, nicht auf die gesamte Weltliteratur.

| Gruppe oder Exposition | Studien | Richtung der Befunde | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Fahrer | [s202, s212, s204, s55, s102, s170, s132, s199] | überwiegend Nachteile (Morphologie, Beweglichkeit, Konzentration), eine Studie ohne Unterschied | kleine Studien; Sitzen, Vibration, Stress, Abgase nicht trennbar |
| Wechsel- und Nachtschicht | [s09, s62, s57, s13, s58, s23] | Nachteile bei Wechselschicht; Metaanalyse mit nicht signifikantem Pool; LIFE ohne Zusammenhang | am ehesten Wechselschicht; hohe Heterogenität, hohes Verzerrungsrisiko |
| Sitzende Arbeit, Bildschirmarbeit | [s66, s159, s173, s109, s152, s133] | gemischt; DNA-Fragmentation häufiger, konventionelle Parameter uneinheitlich | Hodentemperatur gesichert verknüpft, Berufswirkung unklar |
| Hitzearbeit | [s76, s05, s125, s101] | Nachteile in zwei Studien, keine in zwei | kleine Gruppen, Messmethoden verschieden |
| Schwere körperliche Arbeit | [s101, s04] | Nachteile (Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie) | zwei Studien, kleine Korrelationen |
| Blei | [s39, s171, s197, s213] | Nachteile in Metaanalyse und mehreren Studien, eine Kohorte ohne Fertilitätsminderung | relativ konsistent bei hoher Exposition |
| Formaldehyd | [s49, s104] | Nachteile (Beweglichkeit, DNA-Fragmentation) | zwei Studien derselben Arbeitsgruppe |
| Lösungsmittel (Glykolether, aromatische) | [s78, s138, s131, s195] | Nachteile bei Konzentration, Volumen, Beweglichkeit | Metaanalyse mit sieben Studien |
| PAK (Kokerei) | [s95, s112, s41, s46] | Standardparameter uneinheitlich, DNA-Schäden erhöht | einheitliche Arbeitsgruppe |
| Ionisierende Strahlung (Gesundheitswesen) | [s02, s113] | Nachteile bei Beweglichkeit, Morphologie, DNA-Fragmentation | kleine Studien |
| Elektromagnetische Felder | [s31, s207, s191, s186] | uneinheitlich | „very uncertain“ nach Übersicht |
| Psychischer Arbeitsstress | [s71, s108, s157, s12] | gemischt; Moderation durch soziale Unterstützung | Querschnitt und prospektive Studie unterschiedlich |
| Bor | [s75, s65, s69, s64, s115, s119, s92] | kein Effekt | beste Expositionsmessung, überlappende Stichproben |
| Berufsklassen (Technik, Finanz, Lehrer, Installation) | [s179, s185, s53, s50, s208] | wechselnde Berufe mit Nachteilen | nicht replizierend, viele Einzeltests |

**Auffälligkeiten in den Quellen.** Mehrere Abstracts enthalten erkennbare Unstimmigkeiten, die oben benannt sind und hier gesammelt stehen: identische Gesamtbeweglichkeitswerte in beiden Gruppen bei den Fahrradtaxi-Fahrern [s102] (an der bei Europe PMC abgerufenen Fassung bestätigt); p-Werte größer als 0,05 neben behaupteten Effekten bei den Taxifahrern in Teheran [s55] (ebenfalls an der abgerufenen Fassung bestätigt); abgeschnittene Statistik und eine unsichere Korrelationsrichtung bei der iranischen Stahlstudie [s76]; die unplausible „schützende“ Chemiefabrik-Nähe [s42]; die nicht eindeutige Skala der Formaldehyd-Effekte je FEI-Einheit [s49] (Wortlaut an Europe PMC bestätigt); die Diskrepanz zwischen Konfidenzintervall und p-Wert bei den Ärzten [s54]; p-Werte größer als 1 bei der Bor-DNA-Studie [s64]; die Prozentangabe 88,97 % gegenüber rechnerisch 90,4 % in Marokko [s21]; ein Morphologieanteil von 90,56 % bei den Kontrollen in Moskau [s11]; ein Widerspruch zwischen p-Wert und Aussage in der petrochemischen Pilotstudie [s22]; eine Summe von 99,0 % bei den Bergleuten [s72]. Die Hauptaussagen der Berichte für [s05] und [s49] stimmen mit den bei Europe PMC abgerufenen Abstracts überein.

**Was sich belastbar sagen lässt.** Erstens sind fast alle Arbeiten Beobachtungsstudien; Ursachen lassen sich nicht ableiten. Zweitens sind Expositionen häufig Selbstangaben oder grobe Berufsbezeichnungen; gemessene Expositionen gibt es vor allem bei Bor, Formaldehyd, PAK, Benzol, Blei und Vibration. Drittens sind Klinikpopulationen selektiert, Spender- und Fertilitätskohorten seltener. Viertens haben viele Studien weniger als 100 Teilnehmer, und Mehrfachtests ohne Korrektur sind häufig (Korrektur zum Beispiel in [s109]). Fünftens gibt es für mehrere häufige Berufsgruppen mit den eingesetzten Suchbegriffen keinen verwertbaren Humanbefund: Köche und Bäcker (nur die Hintergrundannahme in [s163]), Bauarbeiter, zahnmedizinisches Personal, Pflegepersonal und Ärzte (mit Ausnahme der Durchleuchtungsstudien); für Narkosegase liegt nur ein Mausversuch [s35] vor, für Lehrer und Finanzberufe nur Fall-Kontroll- bzw. Spenderstudien aus Singapur und Ostchina. Sechstens ist die Literatur nach Sprachräumen ungleich: Englisch trägt praktisch die gesamte quantitative Evidenz; aus dem russischsprachigen, türkischen und arabischen Raum gibt es keine Metaanalyse und keine Kohortenstudie mit Samenanalyse; im japanischen und koreanischen Raum sind es überwiegend Übersichten, Tierversuche und das Ereignis von 1995 (2-Brompropan). Einige Datenbanken (CNKI, Wanfang, DBpia, eLIBRARY, SciELO, LILACS und weitere) waren nicht abrufbar; das Fehlen von Studien ist daher auch eine Aussage über die Erreichbarkeit der Quellen. Die gesundheitliche Bedeutung einzelner Befunde für Einzelpersonen lässt sich aus diesen Gruppenvergleichen nicht ableiten; Empfehlungen werden in diesem Kapitel nicht gegeben.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Vorbemerkung: Was „klinische Studie“ in diesem Feld bedeutet

Zu Berufsgruppen außerhalb der in anderen Kapiteln behandelten Gewerke (Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer, Landwirte) gibt es in der gesichteten Literatur keine einzige randomisierte Studie, die eine berufliche Exposition zuteilt. Das ist aus ethischen Gründen auch nicht zu erwarten. Die einzige Arbeit mit randomisiertem Element stammt aus einem Automobilteilewerk; dort wurde randomisiert, doppelblind eine Nahrungsergänzung geprüft, während die Messung niederfrequenter Felder nur die Exposition beschrieb, sodass sie keine Wirkung einer Berufsexposition prüft [s51]. Alles, was im Folgenden „Studienlage am Menschen“ heißt, sind Beobachtungsstudien: Querschnitte, Fall-Kontroll-Studien, wenige prospektive Kohorten, Fallserien und Fallberichte. Eine Kausalaussage tragen sie einzeln nicht. Das gilt auch dort, wo die Autoren selbst von „Wirkung“ sprechen.

Die Recherche (Stand 05.10.2026) umfasste Europe PMC und die NCBI-E-utilities, dazu für einzelne Sprachräume HAL, Dialnet, J-STAGE, CiNii, KoreaMed, CyberLeninka, TR Dizin und e-Marefa. Für die ausgewerteten 216 Quellen lag mindestens das Abstract vor; Volltexte wurden nur teilweise gelesen (unter anderem die Leitlinien-Webseiten von AUA und EAU). Alle Stärken und Schwächen, die unten genannt werden, beziehen sich deshalb auf das, was aus Abstract oder gelesenem Text erkennbar ist. Fehlende Angaben, etwa zur Kontrolle von Störgrößen, bedeuten nicht, dass sie in der Originalarbeit fehlen. Mehrere Datenbanken waren nicht erreichbar (CNKI, Wanfang, DBpia, SciELO, LILACS, Cairn, eLIBRARY.ru, DergiPark); das Fehlen von Studien in einzelnen Sprachräumen ist daher eine Aussage über die abgerufenen Quellen und kein Beleg, dass keine Studien existieren.

Ein Punkt vorweg, der alle folgenden Abschnitte betrifft: Viele Veröffentlichungen sind keine unabhängigen Belege. Dieselbe Datengrundlage erscheint mehrfach (zwei und mehr Zeitschriften, zwei Sprachfassungen, Folgearbeiten derselben Arbeitsgruppe an derselben Belegschaft). Wo das erkennbar ist, wird es unten benannt. Titel in der Originalsprache stehen im Original; bei Titeln in anderen Sprachen als Englisch und Deutsch folgt die deutsche Übersetzung in Klammern.

### Leitlinien und Empfehlungen

Keine der gesichteten Leitlinien enthält eine eigene Empfehlung für einzelne Berufsgruppen oder konkrete Arbeitsplatzexpositionen. Berufliche Faktoren kommen als Teil der Anamnese und der Beratung vor, nicht als eigenständig bewertete Risikofaktoren. Im Einzelnen:

**AUA/ASRM-Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der männlichen Infertilität (Online-Volltext, Stand „Amended 2024“) [s27].** Statement 8 lautet im Wortlaut: „Clinicians may discuss risk factors (i.e., lifestyle, medication usage, environmental exposures, occupational exposures) associated with male infertility, and counsel the patients that the current data on the majority of risk factors are limited.“ Die Einstufung ist eine bedingte Empfehlung (Conditional Recommendation) mit Evidenzgrad C. Der Abschnitt zu Umweltfaktoren begründet die schwache Evidenz damit, dass viele Chemikalien allgegenwärtig seien, die Expositionsmessung unzureichend sei, wenige Toxizitätsbiomarker validiert seien und Störfaktoren die Deutung erschwerten. Der Zusammenhang zwischen Exposition und männlicher Infertilität sei „conclusive for some heavy metals and pesticides“; bei Bisphenol A, Benzophenonen, chlorierten antimikrobiellen Stoffen, Parabenen und Luftverschmutzung gilt die Evidenz als „inconclusive“. Für Blei wird festgehalten, dass Umwelt- und Berufsexposition gegenüber toxischen Bleiwerten in einer Reihe von Industrien mit Bleiverwendung weiter vorkommt. Wörtlich heißt es außerdem: „No systematic reviews met inclusion criteria for the following risk factors: recreational drug use, sleep, sports/exercise, heat exposure, type of underwear, or anatomic abnormalities of genitalia.“ Für Hitzeexposition, Bewegung und Schlaf floss also keine systematische Übersicht in die Bewertung ein; die unten besprochenen Einzelstudien zu Hitze, Schichtarbeit und körperlicher Arbeit sind damit von der Leitlinienbewertung nicht erfasst. Tätigkeiten wie Fahren, Büroarbeit oder Schichtarbeit werden auf der Seite nicht einzeln bewertet.

**AUA/ASRM-Aktualisierung 2023/2024 (Abstract) [s28].** Die Aktualisierung nahm 22 Studien in die Evidenzbasis auf (4093 neue Abstracts gesichtet, nach Screening 125 geeignet). Genannte Neuerungen betreffen Schwellen für Tests auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Indikationen für die Beckenbildgebung mit MRT und Hinweise zu testikulären Spermien bei Nicht-Azoospermie. Berufliche Exposition wird im Abstract nicht erwähnt.

**EAU-Leitlinie Männliche Infertilität (Online-Kapitel, Volltext am 05.10.2026 abgerufen) [s216].** In der Anamnese erscheinen als typische Befunde „exposure to environmental toxins“ sowie „exposure to radiation or cytotoxic agents“; die Ursachentabelle führt „Environmental toxins“. Im Abschnitt Lebensstil heißt es: „Environmental and lifestyle factors may contribute to male infertility, acting additively on a susceptible genetic background.“ Als Evidenzaussage (Evidenzgrad LE 2a) steht: „In infertile males, lifestyle factors including obesity, low physical activity, smoking and high alcohol intake are associated with decreased sperm quality.“ Der Begriff „occupational“ kommt im gesamten Kapitel nur einmal vor, und zwar in einem unverwandten Zusammenhang (Beeinträchtigung des „social or occupational life“ bei psychischen Störungen). Eine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen oder Arbeitsplatzexposition enthält das Kapitel nach dieser Durchsicht nicht. Die EAU-Kurzfassung 2025 [s19] nennt im Abstract als Kernempfehlungen die gründliche urologische Abklärung, die parallele Abklärung der Partnerin und die Beratung zu Gesundheitsrisiken; die neuen Abschnitte betreffen Exom-Sequenzierung und Probiotika. Berufliche Faktoren werden im Abstract nicht genannt.

**Vergleich WHO 2025, AUA/ASRM, EAU, ESHRE, NICE [s01].** Die Übersicht stellt fest, dass die WHO-Leitlinie eine Public-Health-Perspektive mit Betonung der Prävention einnimmt, AUA/ASRM und EAU spezialistisch ausgerichtet sind und ESHRE sowie NICE paarzentriert vorgehen, „with limited focus on male-specific pathways“. Berufliche Faktoren werden im Abstract nicht gesondert angesprochen. Die ESHRE-Webseite war erreichbar, ihre Leitlinien wurden aber nicht im Volltext ausgewertet.

**Australische Leitlinie [s18].** Das Abstract empfiehlt, im Rahmen der Behandlung Männer über „potentially modifiable risk factors“ zu beraten. Berufe oder Arbeitsplatzfaktoren werden im Abstract nicht erwähnt.

**Französische Leitlinien.** Die gemeinsame Empfehlung von AFU und SALF zur Abklärung der männlichen Infertilität [s59] fordert eine systematische Anamnese, die auch Lebensgewohnheiten und Behandlungen umfasst, zwei Spermiogramme nach WHO-Vorgaben, wenn das erste auffällt, eine Skrotalsonographie, eine Hormonbestimmung mit mindestens Testosteron und FSH und einen Karyotyp bei einer Spermienkonzentration von höchstens 10 × 10^6/mL. Die CNGOF-Leitlinie 2022 zur Erstabklärung des infertilen Paares [s32] enthält fünf Themenblöcke, darunter die „prevention of exposure to environmental factors“; die im Abstract genannten Empfehlungen betreffen Spermiogramm, Spermozytogramm und Spermakultur als erste Tests, mediterrane Ernährung, Bewegung, Rauch- und Cannabisverzicht sowie die Begrenzung des Alkohols auf weniger als 5 Gläser pro Woche. Eine berufsbezogene Empfehlung steht nicht im Abstract.

**Deutschsprachiger Raum.** Eine AWMF-Leitlinie mit Aussagen zu Berufsgruppen und Spermienqualität konnte nicht abgerufen werden (die Leitliniensuche war erreichbar, lieferte aber keine auswertbare Trefferliste). Zwei urologische Übersichten [s96, s52] halten übereinstimmend fest, dass neben Medikamenten und Lebensstilfaktoren wie Alkohol und Tabakrauch „various environmental and occupational agents, both chemical and physical“ die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können; die Informationslage zu einzelnen exogenen Faktoren und ihren Wirkmechanismen beim Menschen sei begrenzt, die Übertragung aus Tier- und In-vitro-Versuchen schwierig, relevante Expositionen sollten in der andrologischen Diagnostik sorgfältig erfasst werden. Die jüngere Fassung [s52] benennt Störungen auf hypothalamisch-hypophysärer, testikulärer und posttestikulärer Ebene. Beide Abstracts enthalten keine Zahlen und keine berufsgruppenspezifischen Aussagen. Die in Europe PMC gefundenen deutschen Treffer zu „Beruf“ und „Arbeit“ waren überwiegend MAK-Begründungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Einzelstoffen (zum Beispiel 2-Methoxyethanol, 2-Butoxyethanol, Xylol, Cadmium); sie betreffen Grenzwerte einzelner Stoffe und wurden nicht als Studien zu Berufsgruppen gewertet. Eine deutschsprachige Primärstudie zum Thema wurde nicht gefunden.

**Cochrane.** Die Suche über Europe PMC ergab 465 Treffer zu Sperma und männlicher Subfertilität, darunter „Antioxidants for male subfertility“ (Fassungen von 2019 und 2022) und „Surgical or radiological treatment for varicoceles in subfertile men“. Ein Cochrane-Review zu Berufsgruppen oder Arbeitsplatzexposition und Spermienqualität wurde nicht gefunden.

**Japan und Korea (Rahmenwerke statt Leitlinien).** Aus Japan stammen Beiträge, die Rahmenbedingungen beschreiben, aber keine Grenzwerte für Spermienparameter nennen: Kamijima [s80] beschreibt, dass Japan den Schutz Schwangerer vor Reproduktionsgefahren am Arbeitsplatz verstärkt hat, männliche Beschäftigte über die Risikobewertung nach dem Arbeitssicherheits- und Gesundheitsgesetz geschützt werden könnten und aus Sicherheitsdatenblättern oft nicht erkennbar sei, ob keine Reproduktionstoxizität vorliegt oder nur Daten fehlen. Otani und Miura [s100] (労働安全衛生分野における精子分析法の活用; Anwendung der Spermienanalyse im Arbeitsschutz) erinnern an Schwermetalle, die Dibromchlorpropan-Ausbrüche und den Fall von 1995 und beschreiben einfache Spermientoxizitätstests, weil konventionelle Methoden teuer oder nicht einfach seien. Kamijima [s147] stellt 2005 fest, dass in Japan bisher nur sehr wenige Samenindex-Studien an Arbeitsplätzen existieren, und erörtert Studiendesign, Einwilligung von Arbeitgeber und Beschäftigten, Störgrößen wie Karenzzeit sowie Vorsicht bei der Mitteilung niedriger Samenqualität an eine exponierte Gruppe. Takahashi und Kollegen [s160] halten fest, dass epidemiologische Befunde durch Schwierigkeiten bei der Bestimmung exponierter Gruppen und der Expositionsbeurteilung begrenzt bleiben. Aus Korea nennen Park [s63] und Rim [s89] Übersichten zu fortpflanzungsgiftigen Stoffen am Arbeitsplatz: Park hält die Humandaten für unzureichend und betont die relativ kurze Latenz bis zu Fortpflanzungsschäden; Rim wertete von 100 gewählten Artikeln 47 aus (überwiegend deskriptiv), sieht Regelungslücken in Korea außer dem Sicherheitsdatenblatt und nennt als Vorschläge der Arbeit Gefährdungsüberwachung, Vermeidung, Ersatz, Lüftung und Schutzausrüstung. Das sind Vorschläge der Autoren, keine Aussagen dieses Kapitels.

**Bor in der EU-Einstufung.** Die türkische Borarbeiter-Forschung bezieht sich auf die Einstufung von Borsäure und Boraten in der EU als „reproduktionstoxisch Kategorie 1B“ (H360FD), die auf Tierversuchen beruht [s75, s92]. Die Autoren halten die Einstufung nicht für wissenschaftlich begründet und sehen ihre Studien als Stütze für eine Herabstufung auf Kategorie 2 [s92]. Das ist die Meinung der Autoren, kein Befund dieses Kapitels.

**Zusammenfassung zu den Leitlinien.** Die zwei Leitlinien, die berufliche Exposition ausdrücklich nennen (AUA/ASRM, EAU), behandeln sie als Anamnese- und Beratungsthema mit geringer Evidenzsicherheit. Die einzige konkrete Evidenzaussage der EAU betrifft Lebensstilfaktoren (Adipositas, geringe körperliche Aktivität, Rauchen, hoher Alkoholkonsum), nicht Berufe. Aus den Leitlinien lässt sich daher weder ablesen, dass eine bestimmte Berufsgruppe gesichert gefährdet ist, noch, dass sie es nicht ist.

### Systematische Übersichten und Metaanalysen

Die folgenden Arbeiten fassen Primärstudien zusammen. Sie sind die belastbarste Ebene der Literatur, verbinden aber fast durchgehend Umwelt- und Berufsexposition und beruhen auf kleinen, heterogenen Beobachtungsstudien.

**Nachtschichtarbeit und männliche Reproduktion [s23].** Systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 (PROSPERO CRD42022379770); durchsucht wurden PubMed, Scopus und EMBASE, 6397 Zitate gesichtet, 8 Studien eingeschlossen. Der gepoolte Mittelwertunterschied der Spermienzahl betrug -18,38 × 10^6 Spermien (95-%-KI -59,82 bis 23,07; 3 Studien; I² = 85,12 %), der des Serum-Testosterons 15 ng/dL (-19,3 bis 49,39; 5 Studien; I² = 63 %). Die Autoren deuten dies als niedrigere Spermienzahlen und geringfügig höheres Testosteron bei Schichtarbeitern. Stärken: registriertes Protokoll, Heterogenitäts- und Bias-Analysen. Schwächen: Beide Konfidenzintervalle schließen null ein, die Heterogenität ist hoch, die Mehrzahl der Studien hatte ein hohes Verzerrungsrisiko bei Teilnehmerauswahl, Vergleichbarkeit der Gruppen und Expositionserfassung, und nur drei Studien gingen in die Spermienzahl ein. Ob chinesische, japanische oder koreanische Studien eingeschlossen waren, nennt das Abstract nicht.

**Berufliche Lösungsmittelexposition [s78].** Metaanalyse aus PubMed mit sieben Studien, Vergleich exponierter Arbeiter mit nicht exponierten Kontrollen. Das Ejakulatvolumen war signifikant vermindert (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, -0,35; 95-%-KI -0,63 bis -0,07), ebenso die Spermienkonzentration (SMD -0,36; -0,64 bis -0,08). Stärke: erste Metaanalyse zu dieser Frage. Schwächen: nur eine Datenbank, nur sieben Studien. Eine französische Masterarbeit zur selben Metaanalyse [s77] nennt zusätzlich die Zusammensetzung (272 exponierte und 247 nicht exponierte Arbeiter; Exposition gegenüber Glykolethern, Perchlorethylen, aromatischen Kohlenwasserstoffen, N,N-Dimethylformamid und Schwefelkohlenstoff) und berichtet, Morphologie, Beweglichkeit und Vitalität seien „également diminuées mais de façon non statistiquement significative“. Der Befund ist im englischen Zeitschriftenabstract nicht enthalten und zeigt, dass die gesicherte Aussage auf Volumen und Konzentration beschränkt bleibt.

**Bleiexposition [s39].** Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Random-Effects, gewichtete Mittelwertdifferenz, WMD), Recherche am 12. November 2022 in MEDLINE, Scopus und Embase; zehn Beobachtungsstudien an Männern mit Umwelt- oder Berufsexposition gegenüber Blei. Semenvolumen WMD -0,76 ml (95-%-KI -1,47 bis -0,05; p = 0,04), Spermienkonzentration WMD -0,63 × 10^6/ml (-1,15 bis -0,12; p = 0,02), Gesamtspermienzahl WMD -1,94 × 10^6 (-3,77 bis -0,11; p = 0,04), Vitalität WMD -2,18 % (-3,92 bis -0,45; p = 0,01), Gesamtbeweglichkeit WMD -1,31 % (-2,33 bis -0,30; p = 0,01). Kein Unterschied bei normaler Morphologie, progressiver Beweglichkeit und Viskosität. Schwächen: Die Intervalle liegen knapp unterhalb von null, Umwelt- und Berufsexposition sind vermischt, die Studienqualität ist im Abstract nicht ausgewiesen.

**Cadmium (Umwelt und Beruf) [s38].** Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, Web of Science, drei Jahrzehnte). Gepoolter Korrelationskoeffizient zwischen Cadmium und Spermienparametern r = -0,122 (95-%-KI -0,151 bis -0,092), mit Sexualhormonen r = 0,104 (0,060 bis 0,147). Blut-Cadmium korrelierte negativ mit Samendichte, Beweglichkeit, Morphologie und Spermienzahl, Sperma-Cadmium negativ mit der Konzentration und mit Testosteron. Schwächen: sehr kleine Effektstärke, große Heterogenität, Umwelt und Beruf nicht getrennt.

**Quecksilber und Schwermetalle (narrativ) [s48, s15].** Die Übersicht zu Quecksilber [s48] beschreibt negative Effekte auf Spermienzahl, Beweglichkeit und Morphologie nach Umwelt-, Berufs- und amalgambedingter Exposition ohne Zahlen im Abstract; die Autoren sehen eine mögliche Toxizität für das Fortpflanzungspotenzial, „especially in males“. Das Scoping Review zu Schwermetallen [s15] (1709 Studien identifiziert, 21 eingeschlossen; PRISMA 2020) berichtet negative Effekte von Blei auf Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie, von Cadmium auf die Blut-Hoden-Schranke und von Arsen auf die Beweglichkeit. Beide sind rein narrativ.

**Nickel [s33].** Die einzige formale systematische Übersicht aus dem russischsprachigen Autorenkreis (PRISMA; PubMed, Scopus, Embase ohne Zeit- und Sprachgrenze): 19 Studien aus 23 Veröffentlichungen aus 12 Ländern, 16 Querschnittsstudien akzeptabler Qualität und 3 Fall-Kontroll-Berichte schlechter Qualität; multivariate Modelle nur in 8 Studien. Eine Metaanalyse war wegen uneinheitlicher Effekte nicht möglich: In 8 Studien keine Assoziation, in 11 eine Assoziation (9 erhöhtes Risiko, 2 schützender Effekt). Nur eine Studie betraf eine beruflich exponierte Population (Defekte des Flagellums, aber in Schweißern und Kontrollen gleichermaßen). Schluss der Autoren: widersprüchliche Evidenz, kein klarer Beleg für nachteilige Wirkung höherer Nickelwerte auf die Spermienqualität.

**Radiofrequenz-Strahlung [s31].** Systematische Übersicht humaner Beobachtungsstudien mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse im Auftrag der WHO (PROSPERO CRD42021265401; OHAT-Werkzeuge). Neun Studien, davon sieben in der Allgemeinbevölkerung und zwei berufsbezogen (Techniker mit Mikrowellenexposition, Seeleute mit Radargeräten). Pro Stunde täglicher Mobiltelefonnutzung: Spermienkonzentration MD 1,6 × 10^6/mL (95-%-KI -1,7 bis 4,9; 3 Studien), Morphologie MD 0,15 Prozentpunkte (-0,21 bis 0,51; 3 Studien), progressive Beweglichkeit MD -0,46 Prozentpunkte (-1,04 bis 0,13; 2 Studien), Gesamtzahl MD -0,44 × 10^6/Ejakulat (-2,59 bis 1,7; 2 Studien); die Sicherheit der Evidenz sei „very uncertain“. Für berufliche Exposition war wegen unterschiedlicher Quellen keine Zusammenfassung möglich, beide Studien hatten in mehreren Domänen ein hohes Verzerrungsrisiko. Die Übersicht zu nichtionisierender Strahlung [s20] (12 Studien) berichtet, die Mehrzahl der Humanstudien in vivo und der Tierstudien in vitro zeige Effekte auf Zahl, Beweglichkeit und Vitalität, wobei Beweglichkeit und Vitalität am regelmäßigsten betroffen seien. Die Metaanalyse zur Mobiltelefonstrahlung [s61] (39 Studien, Mensch und Tier) fand in gepoolten humanen Querschnittsstudien keinen Zusammenhang zwischen Nutzung und Spermienqualität, aber eine Verminderung von Beweglichkeit und Vitalität reifer Spermien in vitro und bei Tieren.

**Humanes Biomonitoring [s37].** Systematische Übersicht (21 Artikel, Recherche bis 11. Mai 2023, Newcastle-Ottawa-Skala, PROSPERO CRD42023405607) zu Bisphenolen, Phthalaten, Pestiziden, PCB, PAK und Schwermetallen in Urin und Blut. Berichtet wird eine signifikante positive Korrelation zwischen Schadstoffspiegeln und einzelnen Veränderungen der Spermienqualität (verminderte Beweglichkeit, Konzentration, Morphologie); Berufsgruppen werden im Abstract nicht getrennt ausgewiesen.

**Physikalische und chemische Risikofaktoren am Arbeitsplatz [s43].** Systematische Übersicht (PRISMA 2020), 57 Artikel (34 Feldstudien, 23 klinische Studien; 43 zu chemischen, 6 zu physikalischen, 8 zu physikochemischen Faktoren), veröffentlicht 2000 bis 2021. Als wirksam auf die Fortpflanzungsorgane benannt werden Lärm, Hitze und Radiofrequenzstrahlung sowie Carbamat- und Organophosphat-Pestizide, Benzol, Toluol, Xylol, Formaldehyd, NO2, CS2, Mangan, Blei, Nickel und n-Hexan. Männer und Frauen werden gemeinsam ausgewertet, ohne Zahlen im Abstract.

**Schichtarbeit und urogenitale Erkrankungen [s74].** Systematische Übersicht: Nichtstandard-Schichtarbeit ist mit schlechteren Spermaparametern und Fertilität, häufigerem Prostatakrebs, stärkerer erektiler Dysfunktion, Beschwerden der unteren Harnwege und hypogonadalen Symptomen verbunden; die Assoziationen seien bei Schichtarbeits-Schlafstörung (bis zu 20 % der Schichtarbeiter) stärker. Zahlen zu Spermienparametern nennt das Abstract nicht.

**Psychosoziale Arbeitsfaktoren [s12].** Scoping Review (18 Volltexte aus 1322 Datensätzen, Januar 1990 bis Januar 2024, nur englischsprachig). Die Befunde zu Schichtarbeit, langen Arbeitszeiten und Jobstrain seien „inconclusive“; Jobstress und kognitive Erschöpfung verminderten die Spermienqualität; soziale Unterstützung am Arbeitsplatz puffere den Effekt hoher Anforderungen.

**Bewegung, Training, physikalische Faktoren [s67, s16, s40].** Die Übersicht zu körperlicher Aktivität [s67] (32 Manuskripte) fand überwiegend keine großen Effekte; Freizeitaktivität könne Konzentration und progressive Beweglichkeit begünstigen, Leistungssport einzelne Parameter wie die progressive Beweglichkeit verschlechtern, beim Radfahren sei ein negativer Effekt auf die Konzentration angedeutet. Die systematische Übersicht zu intensivem Training bei Berufs- und Nichtberufssportlern [s16] (4 Studien, 156 Teilnehmer) berichtet, 16 Wochen intensives Radtraining habe Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie signifikant gesenkt, mit Rückkehr auf Ausgangswerte (außer Morphologie und Konzentration) nach mindestens einer Woche Pause; die Sicherheit der Evidenz wird als „very low“ eingestuft. Die kritische Übersicht zu physikalischen Faktoren [s40] (letzte zwanzig Jahre; MEDLINE, Scopus, Web of Science) hält fest, Strahlung beeinträchtige insgesamt die Spermien, Konzentrationsänderungen seien nach psychischem Stress und sitzender Arbeit beschrieben, Zusammenhänge zwischen körperlicher Anstrengung und Hormonprofil bestünden; das Evidenzniveau sei außer für körperliche Belastung „not adequate“.

**Berufsfaktoren in Fall-Kontroll-Studien (französisch) [s97].** 13 PubMed-Artikel (Teilnehmerzahlen 61 bis 2619, große methodische Heterogenität, insbesondere bei der Expositionserfassung). Signifikant mit veränderten Spermaparametern verbunden waren die Berufe „workmen, painters, farmers, welders, plumbers and technicians“; bei den Expositionen Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung. „None of the selected studies has found a link with exposure to pesticides.“

**Narrative Übersichten zu Hitze, Vibration und Methodik [s137, s143, s172, s111, s110, s194].** Die Übersicht von Jung und Schuppe [s137] hält fest: Die Sitzdauer bei der Arbeit korreliere positiv mit der Hodensacktemperatur am Tag, die Tagestemperatur negativ mit der Spermienqualität; eine unmittelbare negative Korrelation zwischen Sitzdauer und Spermienqualität habe sich in den verfügbaren Studien nicht zeigen lassen. Bei Berufskraftfahrern mit langen Sitzzeiten seien Fertilitätsparameter beeinträchtigt gewesen, doch müssten bei Fahrern von Lieferwagen, Lastwagen oder schweren Maschinen mögliche Störfaktoren berücksichtigt werden; Studien zu beruflicher Hitze hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert; Saunabesuche seien nicht hinreichend belegt. Jensen, Bonde und Joffe [s143] sehen den Einfluss von Hitze, ionisierender Strahlung, anorganischem Blei, Dibromchlorpropan, Ethylendibromid, einigen Ethylenglykolethern, Schwefelkohlenstoff und Schweißarbeiten in gut gestalteten epidemiologischen Studien als „strongly supported“; bei anderen Stoffen sei der Zusammenhang nur vermutet. Bonde und Storgaard [s172] halten berufliche Gefahren für bekannt, aber mit zu geringer Expositionshäufigkeit, um den Rückgang der Spermienzahl in der Allgemeinbevölkerung zu erklären; eine Ausnahme könne sitzende Arbeit sein, bei der die Hodenwärmeregulation erschöpft werden könnte. Bonde [s111] fasst zusammen, dass für Bor bei hoher beruflicher Exposition keine Hinweise auf Toxizität für die menschliche Spermatogenese vorliegen, während Benzol selbst bei sehr niedrigen Expositionen Chromosomenaberrationen in Spermien verursachen könne; Befunde zu Bisphenol A und Phthalaten bei Beschäftigten seien uneinheitlich. Schrader und Marlow [s110] überblicken Methoden zur Untersuchung beruflicher Expositionen und nennen frühe Beobachtungen (Blei bei Arbeitern in Rumänien 1975, Dibromchlorpropan 1977). Penkov und Tzvetkov [s194] fassen Tier-, klinische und epidemiologische Studien zur Vibration zusammen: Bei männlichen Ratten waren Spermienzahl, Spermatogeneseindex und Hodengröße vermindert; bei vibrationsexponierten Arbeitern (Transport und Industrie) sei die Prävalenz von Oligozoospermie, Asthenozoospermie und Teratozoospermie erhöht gewesen.

**Weitere Übersichten.** Die französischen Übersichten [s73, s81] nennen Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährungszustand, elektromagnetische Wellen und Höhenlage als Faktoren mit möglichem negativem Einfluss (ohne Zahlen) beziehungsweise führen die seit 40 Jahren beschriebene Verschlechterung der Spermienqualität auf Umwelteinflüsse zurück, die vor allem über epigenetische und hormonelle Veränderungen wirkten; Berufsgruppen werden nicht genannt. Das Buchkapitel von Bansal und Cheema [s47] gibt eine Übersicht zu Lebensstil, Umweltstress und beruflichen Expositionen im Zusammenhang mit sinkender Samenqualität, oxidativem Stress und Spermien-DNA-Schäden und fordert genauere Studien. Die russischsprachigen Übersichten des Izmerov-Instituts für Arbeitsmedizin [s45, s36] sind narrativ: Zu physikalischen Faktoren [s45] heißt es, Hitze und Kälte könnten die Fortpflanzungsfunktion stören; bei erhöhter Temperatur beginne die Störung der Spermatogenese schon in den ersten Stunden (Degeneration des Keimepithels); in Freiwilligenversuchen mit leicht erhöhter Hodentemperatur seien morphologische Spermienanomalien erst nach 73 Tagen zur Norm zurückgekehrt; zu Lärm und Vibration seien Untersuchungen selten, ionisierende Strahlung gelte als „belegter Faktor“. Zu chemischen Faktoren [s36] werden für organische Lösungsmittel Störungen von Beweglichkeit und Morphologie (Glykolether, Aceton), verlängerte Zeit bis zur Schwangerschaft bei Partnerinnen von Beschäftigten mit Trichlor- und Tetrachlorethylen, gesteigerter Zelltod bei Benzol, bei Phthalaten ein Zusammenhang zwischen Körperspiegel und verminderter Spermienqualität sowie zu Blei „viele Arbeiten“ genannt. Zemlyanova und Kollegen [s26] überblicken 160 Publikationen und beschreiben Wirkungen über morphologische und funktionelle Störungen oder über Kaskaden aus oxidativen und entzündlichen Reaktionen und die endokrine, immunologische, nervöse und kardiovaskuläre Regulation; Lebensstil, Gewohnheiten, Infektionen und chronische Krankheiten erschwerten die Zuordnung. Das türkische Übersichtspaar [s85, s88] und die Übersicht zum östlichen Mittelmeerraum [s14] (63 Studien, Januar 2012 bis Juni 2024; ein Rückgang von Samenparametern korreliere mit hohen Temperaturen, Bisphenol A und Luftstaub; die Evidenz sei begrenzt und regional ungleich verteilt) liefern keine berufsgruppenspezifischen Zahlen.

### Humanstudien einzeln, nach Tätigkeit und Exposition

Die Einzelstudien sind nach der Art der Belastung geordnet. Zahlen stehen so, wie sie in den abgerufenen Abstracts oder Texten stehen; offensichtliche Unstimmigkeiten sind benannt.

#### Fahrer und Verkehrsberufe

Acht kleine bis mittelgroße Studien aus den Jahren 1993 bis 2022. Als mögliche Wirkpfade werden Ganzkörpervibration, langes Sitzen mit erhöhter Hodentemperatur, psychischer Stress, Schlafqualität, Abgase und Schwermetalle diskutiert; keine Studie trennt sie.

- **Taxifahrer in Rom [s202]**, Vergleichsstudie: 201 Fahrer wurden zu Arbeits- und Fortpflanzungsanamnese befragt, bei 72 wurden Speicheltestosteron, Spermienkonzentration, -morphologie und -beweglichkeit erhoben, verglichen mit 50 gesunden Kontrollen ähnlichen Alters und Rauchverhaltens. Der Anteil normaler Spermienformen war bei Fahrern signifikant niedriger (45,8 % gegenüber 64,0 %), besonders bei längerer Berufsdauer; die übrigen Parameter unterschieden sich nicht. Das Ergebnis blieb nach Kontrolle von Alter, Rauchen und Alkohol bestehen. Schwächen: Biomarker nur bei 72 von 201 Fahrern, kleine Kontrollgruppe; die Autoren verlangen selbst eine Bestätigung.
- **Berufskraftfahrer in Bulgarien [s212]**: 80 Fahrer, 159 Männer aus Berufen ohne bekannte Berufsschäden. Anteil mit gestörter „inseminativer Fähigkeit“ 66,25 % gegenüber 35,85 % (P < 0,001); Pyospermie 28,75 % gegenüber 16,98 % (P < 0,05). Das Abstract nennt weder Adjustierung noch Definitionen.
- **Vibrationsbelastete Arbeiter [s204]** (Berufskraftfahrer, Bergleute, Lokführer u. a.): erhöhte Prävalenz von Oligospermie und Azoospermie, vermindertes Volumen und verminderter Anteil beweglicher Spermien, mehr Fehlbildungen; keine Zahlen und Fallzahlen im Abstract.
- **Taxifahrer in Teheran, Ganzkörpervibration [s55]**: 70 Taxifahrer, 70 Büroangestellte, beide aus Kinderwunschkliniken. Gemessene 8-Stunden-Vibrationsexposition (TWA, ISO 2631-1) 0,697 ± 0,13 m/s² gegenüber 0,068 ± 0,09 m/s² (P < 0,05); signifikant verschieden waren Gesamtzahl, progressive, nicht progressive und Gesamtbeweglichkeit (P < 0,05). Im Abstract steht für die Varianzanalyse, die Vibration habe negative Wirkung auf Konzentration, progressive Beweglichkeit und normale Morphologie, jeweils mit „(P > 0,05)“, was der behaupteten Wirkung widerspricht. Die Autoren betonen selbst, dass psychischer Stress, Schlafqualität, Schwermetalle und Sitzhaltung eine endgültige Aussage verhindern.
- **Fahrradtaxi-Fahrer in Malawi [s102]**, Fall-Kontroll-Studie: Volumen 1,66 ± 0,18 mL gegenüber 3,64 ± 0,17 mL (p = 0,0001); Konzentration 28,31 ± 4,33 gegenüber 54,95 ± 5,93 × 10^6/mL (p = 0,02); progressive Beweglichkeit 22,57 ± 3,35 % gegenüber 59,69 ± 4,82 % (p = 0,004); Morphologie 6,98 ± 3,23 % gegenüber 19,73 ± 2,32 % (p = 0,006). Die Gesamtbeweglichkeit ist im Abstract in beiden Gruppen mit identischen Werten (56,98 % ± 8,22 %) angegeben, offenbar ein Schreibfehler; der Wert ist nicht verwertbar. Teilnehmerzahl und Störgrößenkontrolle fehlen im Abstract; Verkehrs-, Sitz- und Hitzebelastung sind nicht von der körperlichen Anstrengung des Radfahrens zu trennen.
- **Berufskraftfahrer in Luoyang (China) [s170]**: 1223 Männer mit Unfruchtbarkeit (78 Fahrer, 1145 Nichtfahrer) und 100 Normalmänner. Die Quote abnormer Samenbefunde war bei unfruchtbaren Fahrern höher als bei Nichtfahrern (p < 0,05) und Normalmännern (p < 0,01) sowie bei mehr als acht Jahren Fahrpraxis höher als bei weniger als acht Jahren (p < 0,05); die Quoten selbst nennt das Abstract nicht.
- **Mautstellenpersonal in Düzce (Türkei) [s132]**: 38 Mautstellenbeschäftigte gegen 35 Büroangestellte; Varikozele und chronische Krankheiten ausgeschlossen, Rauchen nicht verschieden. Verminderte Beweglichkeit bei 8, niedrige Spermienzahl bei 7, beides bei einem Mann; Kontrollen: leichter Beweglichkeitsdefekt bei zwei, niedrige Zahl bei einem. Unterschiede bei abnormaler Zahl (p = 0,002) und Beweglichkeit (p = 0,003); normale Morphologie in der Mautgruppe niedriger (p = 0,001). Die Autoren vermuten Dieselabgase; die Exposition wurde nicht gemessen.
- **Soldaten, Kraftfahrer und Allgemeinbevölkerung (Polen) [s199]**: 473 Spermiogramme 1995 bis 1997; keine Unterschiede, Mittelwerte über den WHO-Grenzwerten. Laborregister ohne Angaben zu Expositionsdauer und Auswahl.

Sieben der acht Studien berichten Nachteile bei mindestens einem Parameter; die polnische Registerauswertung [s199] nicht, und die Angaben zur Vibration in [s55] sind im Abstract widersprüchlich. Die Effekte betreffen je nach Studie Morphologie, Beweglichkeit, Konzentration oder Volumen und sind nicht konsistent.

#### Schicht-, Nacht- und Wechselschichtarbeit

- **PREBIC-Kohorte, 24 Monate [s09]**: prospektive Kohorte mit 3425 Männern. Wechselschichtarbeiter hatten nach Adjustierung ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 95-%-KI 0,70 bis 0,99; p = 0,04) und um 14 % innerhalb von zwei Jahren (HR 0,86; 0,74 bis 1,01; p = 0,06) als feste Tagarbeiter. Konzentration β = -10,77 % (-18,89 bis -2,55 %; p = 0,01), Gesamtzahl β = -11,63 % (-21,25 bis -2,02 %; p = 0,02), Vitalität β = -3,86 % (-7,00 bis -0,72 %; p = 0,02). Kein Unterschied zwischen festen Tag- und festen Schichtarbeitern. Die Konzentration erklärte 33,46 % beziehungsweise 31,12 % des Gesamteffekts (ein und zwei Jahre), die Vitalität 30,79 % beziehungsweise 23,59 %. Stärken: prospektiv, große Kohorte, Trennung von rotierender und fester Schicht. Schwächen: Zwei-Jahres-Ergebnis verfehlt knapp die Signifikanz, Arbeitsform per Selbstangabe, Paare mit Kinderwunsch.
- **Zirkadiane Desynchronisation, Mensch und Maus [s62]**: Querschnitt an 1346 chinesischen Männern, Kohorte von 796 Studierenden, Mausmodell. Wechselschichtarbeiter hatten ein höheres Risiko einer niedrigen Spermienzahl (< 120 × 10^6 pro Ejakulat) als Nicht-Schichtarbeiter (OR 1,26; 95-%-KI 1,05 bis 1,52). Bei Studierenden war jede Stunde „sozialer Jetlag“ mit 1,16-fachen Chancen (1,02 bis 1,31) für eine niedrige Spermienzahl verbunden; die Spermienzahl stieg 2014 bei Männern, die die Desynchronisation verringert hatten.
- **Wechselschicht und Gesamtfruchtbarkeitsrate in 35 europäischen Ländern [s58]**, ökologische Studie (European Working Conditions Survey 2000 bis 2015; 54734 Männer, 52457 Frauen): Die durchschnittliche Wechselschicht-Prävalenz sank von 15,6 % (2000) auf 9,8 % (2010) und stieg bis 2015 auf 11,1 %; die Fertilitätsrate stieg von 1,45 auf 1,60 und fiel auf 1,56. Ein Anstieg der Wechselschicht um 10 % ging mit einem Rückgang der Rate um 0,114 einher (95-%-KI -0,167 bis -0,061); für Dauerschicht (β = -0,011; p = 0,801) und geteilte Schichten (β = 0,357; p = 0,189) kein Zusammenhang. Keine Spermiendaten, ökologischer Fehlschluss möglich; nur indirekte Evidenz.
- **Nacht- und Tagschicht, oxidativer Stress [s13]**: 96 Männer eines Fruchtbarkeitszentrums; höherer oxidativer Stress bei Nachtarbeitern (mediane d-ROMs-Werte 340 gegenüber 280 U.CARR, p = 0,01; Anteil über der Schwelle 74,4 % gegenüber 24,4 %, p = 0,01); Nachtarbeit als unabhängiger Prädiktor (OR 2,1; p = 0,001). Kleine, selektierte Klinikpopulation; Spermienunterschiede zwischen den Schichtgruppen werden im Abstract nicht beziffert.
- **Schichtarbeit und Schlafqualität [s57]** (Kinderwunschambulanz in Kahramanmaraş, 104 Schichtarbeiter, 116 Nicht-Schichtarbeiter): häufiger Oligozoospermie, schlechtere Schlafqualität und weniger normale Morphologie (p = 0,006; 0,039; 0,036). Adjustiert für Alter, Gesamttestosteron, DASS-21-Stress, Rauchen und Varikozele: Schichtarbeit OR 2,11 (1,03 bis 4,34), hoher PSQI-Wert OR 1,18 (1,01 bis 1,39) für Oligozoospermie. Die unteren Intervallgrenzen liegen dicht an 1.
- **Urinäre 5-Hydroxyindolessigsäure [s122]**: 40 Männer, davon 20 Nachtschichtarbeiter (10 bewiesene Väter, 10 infertile). Der Urinwert korrelierte negativ mit Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, Morphologie und Vitalität; bei Nachtschichtarbeitern lagen die Werte der Väter niedriger. Kontrolle ohne Schichtarbeit fehlt.
- **Gegenbefund:** Die LIFE-Kohorte [s101] fand keine Assoziation von Schicht- oder Nachtarbeit mit der Samenqualität, und die Metaanalyse [s23] hat ein nicht signifikantes Pool-Ergebnis. Am ehesten konsistent ist die Evidenz für Wechselschicht, nicht für Festschicht.

#### Sitzende Tätigkeit, Hitze und Hodentemperatur

- **Sitzende Arbeit und DNA-Integrität [s66]**: Männer mit mindestens 50 % der Arbeitszeit im Sitzen (≥ 17,5 h pro Woche, n = 152) gegenüber n = 102. Keine Unterschiede in Standardparametern; Spermien-DNA-Fragmentation (Halosperm) im Median 21,00 % gegenüber 16,50 %; niedrige Fragmentation (0 bis 15 %) seltener (27,63 % gegenüber 45,10 %), hohe (> 30 %) häufiger (30,92 % gegenüber 16,67 %). Klinikpopulation, Adjustierung im Abstract nicht beschrieben.
- **Dänische Fertilitätszentren [s159]**: 1747 Männer (Proben 1981 bis 1983); Anteil sitzender Arbeit aus der Berufsbezeichnung zugeordnet. Spermienkonzentration 30,6 Millionen/mL im Quintil mit dem niedrigsten sitzenden Arbeitsanteil gegenüber 40,5 Millionen/mL im höchsten, nicht signifikant. Kein Hinweis auf sitzende Arbeit als Risikofaktor. Expositionszuordnung auf Berufsebene; Proben aus einer anderen Arbeitswelt.
- **Skrotaltemperatur und Samenqualität [s173, s187, s174]**: Bei 99 gesunden Männern sank die Spermienkonzentration um 40 % pro 1 °C Anstieg der medianen Tagestemperatur (95-%-KI 8 bis 71 %), ähnlich Gesamtzahl, FSH und Inhibin B; Beweglichkeit, Morphologie, pH und Testosteron nicht signifikant; zwischen sitzender Position und Samenqualität nur „weak and inconsistent associations“ [s173]. In einer Kohorte von 60 Männern (Paare mit erster Schwangerschaftsplanung) lag die mediane Tagestemperatur bei 33,3 °C, nachts bei 34,8 °C, in Phasen sitzender Arbeit im Mittel 0,7 °C höher (SE 0,2 °C); die mediane Konzentration bei Männern mit mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C betrug 33,4 × 10^6/mL gegenüber 91,8 × 10^6/mL bei Männern mit weniger als der Hälfte der Werte über 35 °C (Differenz 58,4; 95-%-KI 25,9 bis 77,8) [s187]. Bei 101 Männern korrelierte die Temperatur stark mit sitzender Arbeitsposition mit Dosis-Wirkungs-Beziehung (6 h sitzend: 34,7 °C, Median); die Variation der sitzenden Arbeit erklärte 31,5 % der Variation der Mediantemperatur über 24 Stunden, sitzende Freizeitposition nicht [s174]. Die Temperatur ist ein Zwischenparameter; die direkte Verbindung sitzende Arbeit und Konzentration ist in diesen Studien schwach oder fehlt.
- **Hitzearbeit in der Stahlindustrie (Iran) [s76]**: 30 hitzeexponierte, 14 nicht exponierte Arbeiter. Zeitgewichtete Mittelwerte von WBGT und PHS 35,76 °C beziehungsweise 491,56 W/m² über den Grenzwerten; Gruppenunterschiede bei Umwelt-, physiologischen und Spermienparametern (außer pH) signifikant (p < 0,05); WBGT und PHS korrelierten laut Abstract „negativ“ mit Skrotal- und Oraltemperatur, was physiologisch unplausibel wirkt (vermutlich ungenaue Wiedergabe, Volltext prüfen), und mit den meisten Spermienparametern (p < 0,05); die Mittelwerte lagen noch im normozoospermen Bereich.
- **Berufliche Hitzeexposition und Fertilitätsstress (Xinjiang) [s05]**: 485 Männer (256 normale, 229 niedrige Samenqualität nach WHO, 6. Auflage; niedrig definiert als Konzentration unter 16 × 10^6/ml oder progressive Beweglichkeit unter 30 %). Hitzeexposition in der Gruppe mit niedriger Qualität häufiger (8,73 % gegenüber 1,95 %; p = 0,002; 20 von 25 Exponierten gehörten zur Gruppe mit niedriger Qualität); adjustierte OR 4,188 (95-%-KI 1,527 bis 11,484; p = 0,005). Höhere Bildung schützend (OR 0,624; 0,415 bis 0,937); Fertilitätsstress als Trend (OR 1,005 pro Punkt; p = 0,068). Lärm (12,99 % insgesamt; p = 0,456) und Gefahrstoffe (10,10 %; p = 0,476) unterschieden die Gruppen nicht. Das Intervall ist sehr weit, weil nur 25 Männer exponiert waren; Art der Hitzeexposition nicht beschrieben.
- **Hodenhyperthermie bei Berufs- oder Varikozele-bedingter Hitze [s163]**: 122 infertile Männer, 25 fertile Kontrollen; 20 azoosperme und 14 oligozoosperme Männer hatten hohe testikulo-epididymale Temperaturen „either due to occupational exposure to high temperature or varicocele“; alle 14 oligozoospermen hatten einen sehr hohen Anteil abnormer Formen und eingeschränkte Beweglichkeit. Beruf und Varikozele nicht getrennt; die Nennung von Färbern, Köchen und Hochofenarbeitern ist eine Hintergrundannahme der Autoren.
- **Fragebogen, 336 Männer mit Konzentration ≥ 15 Mio/ml [s109]**: Lärm mit verminderter Beweglichkeit (p = 0,005) und erhöhtem DNA-Schaden (p = 0,02), PVC mit verminderter Konzentration (p = 0,02) und Beweglichkeit (p = 0,03), hohe Temperaturen (p = 0,03) und Sitzen > 6 Stunden (p = 0,001) mit dem DNA-Fragmentationsindex. Nach Korrektur für multiples Testen blieben nur Lärm (Beweglichkeit) und Sitzen ≥ 6 Stunden (DFI) bestehen.
- **Organochlorverbindungen, sitzende Berufe [s149]**: 25 Männer mit schlechter Samenqualität, 20 normal und idiopathisch subfertil, 27 normal bei weiblicher Subfertilität; Organochlorspiegel unterschieden sich nicht, Männer mit schlechter Samenqualität waren dreimal so häufig adipös, „the prevalence of sedentary work was lowest among men with the best semen quality“.

Zusammenschau: Hodentemperatur und Spermienkonzentration hängen in Studien mit direkter Messung zusammen. Ob lange sitzende Berufstätigkeit die konventionellen Parameter verschlechtert, ist widersprüchlich (kein Zusammenhang in [s159, s173]); für den DNA-Fragmentationsindex zeigen zwei Studien eine Verschlechterung [s66, s109].

#### Körperliche Arbeitsbelastung

- **LIFE-Studie [s101]**: prospektive Kohorte von 501 Paaren nach Absetzen der Verhütung; 456 Männer mit vollständigen Daten (mittleres Alter 31,8 Jahre). Schwere körperliche Anstrengung bei der Arbeit war konsistent mit niedrigerer Konzentration und Gesamtzahl assoziiert; 13 % der Männer mit schwerer Anstrengung hatten eine Oligospermie gegenüber 6 % ohne Anstrengung. Schichtarbeit, Nachtarbeit, Vibration, Lärm, Hitze und langes Sitzen waren nicht mit der Samenqualität assoziiert. Hoher Blutdruck war mit niedrigeren Morphologiewerten verbunden (17 % gegenüber 21 %).
- **Körperliche Arbeitsbelastung bei 280 Männern [s04]**: Schwitzen bei der Arbeit negativ mit Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit (Spearman r = -0,14 bis -0,18, p < 0,05); körperliche Müdigkeit bei der Arbeit mit Gesamtzahl, Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit (r = -0,15 bis -0,26); in der Regression sagte Müdigkeit niedrigere Konzentration (β = -0,17) und Morphologie (β = -0,29) unabhängig voraus (p < 0,01). Sehr kleine Korrelationen; 280 von 593 Männern ausgewählt.
- **Weißkragen- und Blaukragen-Beschäftigte [s03]**: 2555 Männer (1383 Weißkragen, 1172 Blaukragen). Rauchen, Alkohol, Hitze und chemische Exposition waren bei Blaukragen häufiger, Stress und sitzender Lebensstil bei Weißkragen; progressive Beweglichkeit und Morphologie hatten hohe Trennschärfe für hohen Stress bei Weißkragen (AUC 0,924 und 0,878). Ein direkter Vergleich der Spermienqualität zwischen den Gruppen wird im Abstract nicht beziffert, die hohen AUC-Werte sollten im Volltext geprüft werden.
- **Berufsklassen in einer Moskauer Klinik [s99]**: 54 „gesunde“ Männer; Konzentration bei Leitern 64, bei Mechanikern, Ingenieuren und Bauleitern 61, bei Bauarbeitern und Fahrern 48, bei Büro-, Bank-, Lehr- und Managementberufen 46, bei Ladern 23 und bei Arbeitslosen 15 Mio./ml; ohne Gruppengrößen, Streuung und Statistik.

#### Psychosozialer Arbeitsstress und Bildschirmarbeit

- **384 chinesische Arbeiter [s71]**: Hoher Arbeitsstress ging mit höherem Risiko einher, unter die WHO-Schwellen zu fallen (Konzentration OR 2,14; 1,24 bis 3,68; p = 0,006; Gesamtzahl OR 1,95; 1,13 bis 3,36; p = 0,02); bei hoher sozialer Unterstützung kein Zusammenhang (p = 0,80 und 0,39); Interaktion p = 0,002 und 0,02. Querschnitt, reverse Kausalität nicht ausschließbar.
- **Kalifornien, 193 Männer [s108]**: wahrgenommener Stress invers mit Konzentration (b = -0,09), Beweglichkeit (b = -0,39; Intervall schließt null ein) und Morphologie (b = -0,14; -0,25 bis -0,04); „Jobstrain war nicht mit Spermienparametern assoziiert.“
- **Dänemark, 399 Paare [s157]**: Nach Adjustierung keine Assoziation zwischen Jobstrain und Samenmerkmalen, Sexualhormonen oder Schwangerschaftswahrscheinlichkeit.
- **Moskau, langdauernder Produktionsstress [s11]**: 56 Männer mit mehr als einem Jahr „Produktionsstress“ (Mittel 9,8 Jahre) gegen 25 „praktisch gesunde“ Kontrollen. Gesamtzahl 18,90 ± 1,02 gegenüber 42,48 ± 2,33 Mio., Konzentration 13,92 ± 0,52 gegenüber 35,88 ± 1,99 Mio./ml, progressiv bewegliche 22,13 ± 1,01 gegenüber 38,72 ± 1,09 %, normale Morphologie 28,17 ± 0,86 gegenüber 90,56 ± 0,85 %, Gesamttestosteron 13,24 ± 0,44 gegenüber 23,80 ± 0,69 nmol/l (p < 0,001); LH und FSH im Referenzbereich. Klassischer Selektionsfehler (Patienten gegen Gesunde); Stress nicht quantifiziert; 90,56 % normale Formen bei Kontrollen sind mit WHO-Kriterien kaum vereinbar, eine andere Morphologiedefinition ist wahrscheinlich.
- **Chinesische Computerberufe [s133]**: 224 Männer einer Männerklinik (118 in Computerberufen) und 125 fertile Kontrollen; bei Computerbeschäftigten Volumen, Vitalität und Beweglichkeit niedriger als bei Patienten ohne Computerberuf (p < 0,05); bei mehr als zehn Stunden täglich Konzentration, Vitalität und Beweglichkeit niedriger als in den Gruppen mit 0 bis 5 und 6 bis 10 Stunden.
- **Shanghai [s152]**: 178 Männer, 91 mit Computerexposition (≥ 20 Stunden pro Woche): keine Unterschiede, nach Adjustierung kein Risikofaktor. **Polnische Computeroperateure [s209]**: 20 Operateure aus 2376 infertilen Patienten, Fallserie ohne Kontrolle; Anteil pathologischer Formen nahm mit den Arbeitsjahren zu.
- **Guangzhou, 465 Männer [s42]**: Computerzeit mit Gesamtbeweglichkeit (adjustiert OR 2,29; 1,11 bis 4,73; p = 0,025); Wohnen nahe einer Hochspannungsleitung mit Konzentration (OR 4,03; 1,15 bis 14,18); Nähe zu einer Chemiefabrik erschien „schützend“ (OR 0,15; 0,05 bis 0,46), biologisch unplausibel; Effektgrößen sehr klein (Cohen d 0,033 bis 0,181), viele Einzeltests; nicht als belastbar zu werten.

Die Evidenz zu Bildschirmarbeit insgesamt ist uneinheitlich, auch mit Blick auf den Fall-Kontroll-Befund OR 8,01 für Bildschirmgeräte bei infertilen Männern [s120].

#### Berufsübergreifende Studien: Berufsbezeichnungen als Expositionsmaß

- **12301 Samenspender in Ostchina [s53]**: Soldaten und Polizisten hatten das höchste Volumen (Median 3,8 mL), aber die niedrigste Konzentration (53,6 × 10^6/ml) und Beweglichkeit (45,5 %). Finanz- oder Versicherungsberufe: erhöhte Risiken für niedriges Volumen, niedrige Konzentration, niedrige Gesamtzahl (OR 1,43; 1,57; 1,98; für die Gesamtzahl Intervall 1,24 bis 3,03; für Volumen und Konzentration verfehlten die adjustierten Werte die Signifikanz, p = 0,08). Arbeitslose: OR 1,84 (1,18 bis 2,77) für niedrige Konzentration, 1,58 (1,02 bis 2,37) für niedrige Gesamtzahl. IT: OR 1,27 (1,03 bis 1,57) für verminderte progressive Beweglichkeit. Unterhaltung und Sport: OR 1,86 für niedrige Konzentration (p = 0,04). Referenzgruppe Studierende (n = 4450); Beruf selbst berichtet; sehr viele Vergleiche; die Autoren betonen, dass die Soldaten- und Polizistengruppe klein war.
- **Singapur [s208, s185, s179]**: Bei 614 Männern einer andrologischen Klinik hatten „Plant and machine operators“ ein höheres Oligozoospermie-Risiko (OR 1,93; 1,12 bis 3,30), „Senior officials and managers“ ein niedrigeres (OR 0,52; 0,32 bis 0,84); Beschäftigte in „transport and communication“ ein höheres Risiko abnormer Beweglichkeit (OR 1,80; 1,08 bis 3,00) [s208]. In einer Fall-Kontroll-Studie (218 Fälle, 240 Kontrollen, deren Frauen schwanger waren) hatten Techniker OR 2,81 (1,51 bis 4,24) und „professional, senior officials and managers“ OR 2,36 (1,26 bis 4,40) [s185]; die Folgearbeit (218 Fälle, 227 Kontrollen) nennt Ingenieur-Techniker OR 2,75 (1,36 bis 5,54), Finanzanalysten OR 4,66 (1,90 bis 11,40), Unternehmens- und Computermanager OR 2,49 (1,04 bis 5,98) und Lehrer OR 7,72 (1,86 bis 32,10) [s179]. Beide Arbeiten stammen von denselben Autoren mit je 218 Fällen, eine Überschneidung ist wahrscheinlich. Das Intervall bei Lehrern ist extrem weit.
- **Fall-Kontroll-Studie mit 255 infertilen und 267 fertilen Männern [s120]**: adjustierte OR Lösungsmittel und Malermaterialien 3,88 (1,50 bis 10,03), Blei 5,43 (1,28 bis 23,13), Bildschirmgeräte 8,01 (4,03 bis 15,87), Schichtarbeit 3,60 (1,12 bis 11,57), Arbeitsstress „fairly present“ 3,11 (1,85 bis 5,24), „often present“ 3,76 (1,96 bis 7,52). Samenanalyse nur bei den Fällen, da die fertilen Kontrollen sie verweigerten; Zielgröße ist die Infertilitätsdiagnose, Expositionen sind Selbstauskunft.
- **402 Männer, Fragebogen [s125]**: Schwermetalle OR 5,4 (1,6 bis 18,1), Lösungsmittel OR 2,5 (1,4 bis 4,4), Rauch oder Dämpfe OR 1,9 (1,1 bis 3,4), PAK OR 1,9 (1,1 bis 3,5); Pestizide OR 3,6 (0,8 bis 15,8) und Zement OR 2,5 (0,95 bis 6,5) knapp nicht signifikant; mechanische Vibrationen mit Oligo- und Teratozoospermie, übermäßige Hitze und langes Sitzen mit eingeschränkter Beweglichkeit; ionisierende Strahlung und elektromagnetische Felder nicht, wobei „very few subjects reported such exposure“.
- **2122 Männer in Sfax (Tunesien) [s86]**: Pestizide mit Asthenozoospermie (adjustierte OR 1,6; 1,0 bis 2,4) und Nekrozoospermie (OR 2,6; 1,4 bis 4,7); Zement mit Oligozoospermie (OR 1,1; 0,9 bis 1,4, Intervall schließt 1 ein); kein Zusammenhang mit Lösungsmitteln, übermäßiger Hitze und mechanischen Vibrationen.
- **Niederlande [s195, s198]**: 899 Männer, drei Falldefinitionen; ein Zusammenhang zwischen aromatischen Lösungsmitteln und verminderter Samenqualität zeigte sich unabhängig von der Expositionsmethode (Fragebogen, Job-Exposure-Matrix, Urinmessung), war bei strengeren Schwellen und primärer Infertilität stärker; andere Schadstoffe nicht [s195]. Eine weitere Fall-Kontroll-Studie fand dichotom keine Assoziationen, bei kontinuierlicher Auswertung aber Dosis-Wirkungs-Beziehungen zwischen wahrgenommenem Arbeitsstress und progressiven Spermien, Gesamtzahl beweglicher Spermien, Morphologie, abnormen Köpfen und aufgerollten Flagellen [s198].
- **Norwegen und USA [s191, s207]**: Verminderte Samenqualität bei Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (OR 3,22; 1,46 bis 7,09); Tendenzen bei Pendlern (OR 1,52; 0,89 bis 2,59), Schichtarbeitern (1,46; 0,89 bis 2,40), Schwermetall-Exponierten (1,47; 0,76 bis 2,87); die Autoren werten den Einfluss beruflicher Exposition bei infertilen Paaren als „minor“ [s191]. In den USA war die Wahrscheinlichkeit hoher Magnetfeldexposition (> 3 mG) nicht erhöht (OR 0,6 für Morphologie, 1,1 für Motilität, 1,0 für Konzentration) [s207].
- **Weitere Berufsstudien:** Libanon [s134] (74 infertile, 76 fertile Männer): berichtete Berufsexposition mit doppeltem Infertilitätsrisiko, Blutmetalle im Referenzbereich. Fall-Kontroll-Studie von 1984 [s215] (112 azoo-/oligospermische, 127 Kontrollen): kein Berufsfaktor signifikant. Sozialklasse [s162] (207 Männer): Azoospermie häufiger in Sozialklasse 3m (angelernte Handarbeit), die Autoren vermuten Lebensstilunterschiede. Junge chinesische Männer [s68]: Volumen bei Handarbeitern erhöht (p = 0,050). Study for Future Families [s50]: niedrigere Konzentration und Beweglichkeit bei Berufen in Installation, Wartung und Reparatur; höhere Prävalenzverhältnisse für Blei (4,1), Pestizide (1,6) und Lösungsmittel (1,4) in Berufen mit niedrigerer mittlerer Konzentration; die Männer waren nachweislich fertil. Münster [s180]: 2054 infertile Männer in 29 Berufsgruppen; Landwirte und Maler/Lackierer hatten häufiger verminderte Spermienzahlen, Metallarbeiter/Schweißer verminderte Beweglichkeit (hier nur als Kontext, diese Gruppen werden in anderen Kapiteln behandelt). Anamnese-Studien: Marokko, 3025 Patienten, „occupational exposure“ als häufigster Risikofaktor ohne Aufschlüsselung, Hitzeexposition 30,08 % [s21]; in der Studie mit 826 Teilnehmern hielten berufliche Faktoren der multivariaten Adjustierung im Abstract nicht stand [s34].

#### Lösungsmittel, Glykolether, Benzol, Kunststoffe, Bisphenol A

- **Glykolether [s138, s131]**: In der Pariser Stadtverwaltung (109 Männer) war frühere Glykolether-Exposition mit erhöhtem Risiko für Konzentration, schnelle progressive Beweglichkeit und normale Morphologie unter WHO-Referenzwerten verbunden, aktuelle Exposition (niedrig) nicht [s138]. In Großbritannien (CHAPS-UK; 2118 beschäftigte Männer, 874 Fälle = 41,3 %) war die unadjustierte OR für mäßige und hohe Exposition 1,70 (1,11 bis 2,61) und 2,54 (1,24 bis 5,21); adjustiert mäßig 1,46 (0,93 bis 2,28), hoch 2,25 (1,08 bis 4,69) [s131]. Stärken: Bewertung durch verblindete Arbeitshygieniker, Beweglichkeit zentral aus Videos beurteilt.
- **Benzol in China, nicht unabhängige Studien.** Spermien-DNA bei 27 Arbeitern mit mehr als zwei Jahren Benzolexposition und 35 Kontrollen: Benzol in der Luft 86,49 ± 2,83 mg/m³ (nach Angabe der Autoren das Doppelte des Höchstwerts), Anteil der DNA im Kopf nach Einzelzell-Gelelektrophorese 70,18 ± 7,36 % (n = 13) gegenüber 90,62 ± 2,94 % (n = 16; p < 0,001) [s151]. Vier FISH-Arbeiten zu Chromosomenzahl und -struktur (Kollektive teilweise identisch): Gesamtdisomie 0,48 % gegenüber 0,33 % bei 13 Exponierten und 13 Kontrollen [s188]; alle numerischen Aberrationen 0,570 ± 0,144 % gegenüber 0,218 ± 0,071 % (14 gegen 16) [s181]; Chromosomen 1 und 18 (15 gegen 14) mit erhöhter Disomie und Nullisomie sowie strukturellen Abweichungen von 1p [s167]; alle numerischen Aberrationen 0,745 % gegenüber 0,289 % (15 gegen 12) [s161]. Das Benzol-Kollektiv aus Nanjing [s189] (Benzol 0,7 bis 27,0 mg/m³; Samenanalyse bei 70 Exponierten, 90 internen, 132 externen Kontrollen) zeigte eine Gesamtanomalie von 85,71 % (exponiert), 70,00 % (intern), 76,51 % (extern; p < 0,05), wobei die interne Kontrolle im Samen ähnlich verändert war wie die Exponierten, was gegen eine Benzolwirkung allein spricht. Die Studie zu Benzol, Toluol, Xylol [s196, s183] (24 Arbeiter aus Schuhherstellung, Spritzlackierung oder Farbenfabriken; vermutlich dieselben in beiden Arbeiten) fand Lösungsmittel in Blut und Samen; Vitalität, Beweglichkeit und Akrosin-Aktivität waren niedriger und korrelierten negativ mit der Beschäftigungsdauer. Die **China Benzene and Sperm Study [s117]** (30 exponierte, 11 nicht exponierte Arbeiter in Tianjin) ist die am besten beschriebene: adjustierte Inzidenzratenverhältnisse (IRR) für alle strukturellen Aberrationen 1,42 (1,10 bis 1,83), 1,44 (1,12 bis 1,85) und 1,75 (1,36 bis 2,24) in der niedrigen, mäßigen und hohen Gruppe; für die Deletion 1p36.3 4,31 (1,18 bis 15,78), 6,02 (1,69 bis 21,39), 7,88 (2,21 bis 28,05). In der Arzneimittelindustrie [s116] (160 Exponierte, 200 Kontrollen) nahmen mit der Expositionsdauer Gesamtzahl und Beweglichkeit ab (p < 0,05) und abnorme Morphologie zu (p < 0,01). Die Richtung ist über alle Studien gleich, die Gruppen sind klein, die Expositionen lagen nach den Abstracts über damaligen Höchstwerten.
- **Styrol [s193, s175, s169]**: ASCLEPIOS-Studie, 23 Arbeiter bei Einstellung und nach 6 Monaten Styrolexposition: Spermiendichte von 63,5 auf 46,0 Millionen/ml, Gesamtzahl nahezu halbiert (Ausgangswert 175 Millionen pro Ejakulat); bei internen Expositionswerten (Mandelsäure) kein Zusammenhang; die Autoren stufen die Befunde als vorläufig und inkonsistent ein [s193]. 46 Exponierte gegen 27 Kontrollen: keine Unterschiede in Standardparametern, deutlicher Unterschied im Comet-Verfahren (P < 0,001) [s175]; Sperma-FISH an 18 Exponierten und 13 Kontrollen: kein signifikanter Unterschied in Aneuploidie und Diploidie, Rauchen und Alter wichtiger als Styrol [s169].
- **PVC und Weichmacher, DMF, Schwefelkohlenstoff, Bisphenol A [s118, s154, s93, s129]**: 45 Arbeiter in zwei taiwanischen PVC-Werken, geteilt am Median der DEHP-Luftkonzentration (23,7 µg/m³): DEHP positiv mit DNA-Denaturierungsneigung (β = 0,038) und DFI (β = 0,140), negativ mit Beweglichkeit (β = -0,227) nach Adjustierung für Kaffee, Rauchen und Alter [s118]. 12 DMF-exponierte Arbeiter einer Kunstlederfabrik und 8 Kontrollen: Beweglichkeit signifikant erniedrigt, dosisabhängig mit dem Urin-Metaboliten NMF, nicht mit DMF in der Luft [s154]. Schwefelkohlenstoff in einer Chemiefaserfabrik (76 Exponierte bei 9,73 ± 2,76 mg/m³, 94 Nicht-Exponierte): höheres FSH und LH, niedrigeres Testosteron, geringere Vitalität und Beweglichkeit, Chromatin, antioxidative Kapazität und mitochondriales Membranpotenzial [s93]. Bisphenol-A-Pilotstudie (20 Exponierte, 16 Kontrollen): Spermiendichte (68,65 ± 44,00) gegenüber (118,56 ± 98,36) × 10^6/ml; BPA im Blut bei 94,4 % gegenüber 18,8 %; Anteil normaler Spermien mit BPA r = -0,62 (P = 0,01), schnell vorwärts bewegliche Spermien dagegen positiv mit BPA (r = 0,44), was der Hauptaussage widerspricht [s129]. Ein Fallbericht zu einem Laborarbeiter (Chloroform nach Lüftungsausfall auf das 10- bis 50-Fache des Grenzwerts rekonstruiert) belegt keine Kausalität [s178].
- **Textilarbeiter [s06]**: 60 teratozoosperme Männer mit Lösungsmittel- und Schwermetallexposition gegen 30 normozoosperme Kontrollen: ROS 32,0 ± 9,0 gegenüber 15,0 ± 5,0, MDA 4,8 ± 1,1 gegenüber 2,1 ± 0,6 nmol/mL, akrosomintakte Spermien 38,3 ± 9,2 % gegenüber 62,4 ± 10,1 %. Die Gruppen unterscheiden sich schon durch die Auswahl (teratozoosperm gegen normozoosperm); die Studie zeigt Mechanismen bei bereits erkrankten Männern, belegt aber keinen Expositionseffekt.

#### Formaldehyd

Zwei Studien einer Xi'an-Arbeitsgruppe (Überschneidung nicht ausgeschlossen). Die erste [s104] (114 Exponierte, 76 Referenzen): progressive und Gesamtbeweglichkeit sowie VCL, VSL, VAP bei Exponierten niedriger; Formaldehyd-Expositionsindex (FEI) negativ mit progressiver (β = -0,19; P = 0,01) und Gesamtbeweglichkeit (β = -0,23; P = 0,004); OR für abnorme progressive Beweglichkeit 2,58 (1,11 bis 5,97) in der niedrigen und 3,41 (1,45 bis 7,92) in der hohen Gruppe; für abnorme Gesamtbeweglichkeit 3,21 (1,24 bis 8,28) und 4,84 (1,83 bis 12,81). Die zweite [s49] (205 Männer, 124 Exponierte mit mittlerem FEI 73,72 ± 54,86, 81 Kontrollen; FEI = Konzentration in mg/m³ × Arbeitszeit pro Tag in Stunden × kumulierte Arbeitstage in Jahren): je 1 Einheit FEI veränderten sich nach dem Abstract Gesamtbeweglichkeit um -0,99 % (-1,00 bis -0,98 %), progressive Beweglichkeit um -0,99 % (-0,99 bis -0,97 %), normale Morphologie um -0,98 % (-0,99 bis -0,93 %), Seminalplasma-Zink um -0,61 % (-0,66 bis -0,56 %) und der DNA-Fragmentierungsindex um +0,10 % (0,06 bis 0,14 %); die Zusammenhänge blieben nach Adjustierung bestehen, bei hohem oxidativem Stress waren sie stärker, und die Autoren sprechen von Dosis- und Zeitabhängigkeit. Die Skala der Änderungen (nahe -1 % je Einheit bei einem Mittelwert von 73,72) geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor; die Zahlen werden daher nur zitierend wiedergegeben. Nach dem Volltext von [s104] wurden nur Formaldehyd selbst gemessen und Messungen an drei Zeitpunkten eines Arbeitstages ohne Spitzen vorgenommen.

#### Petrochemie, Kokerei und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

- **Kokerei in Südtaiwan, mehrere Arbeiten derselben Gruppe (Überschneidung möglich) [s95, s112, s79, s41, s46]**: 52 Kokereiarbeiter gegen 35 Verwaltungsangestellte: nicht signifikant niedrigere Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie, aber signifikant mehr sperrige DNA-Addukte (p = 0,009) und 8-oxo-dGuo (p = 0,048), DNA-Fragmentation nicht erhöht (p = 0,232) [s95]. Bei nichtrauchenden Arbeitern war nur in der Hochexpositionsgruppe der Anteil normaler Morphologie niedriger (p = 0,0001), sperrige Addukte erhöht (p = 0,04) [s112]. 106 Teilnehmer: hohe Exposition mit niedrigerer Beweglichkeit (p = 0,046) und weniger normaler Morphologie (p = 0,049) sowie höheren 8-oxoGuo-Werten (p = 0,027) [s79]. Mischungsanalysen (38 Arbeiter, 24 Kontrollen): inverse Assoziation der PAK-Mischung mit der Vitalität (Hauptprädiktor Benzo(b)fluoranthen), positive Trends für DNA-Fragmentation und MDA, von den Autoren als „suggestiv“ bezeichnet [s41, s46]. Solarthermisches Kraftwerk [s30]: 32 Exponierte, 29 Nicht-Exponierte, nach einem Jahr keine Änderung der Standardparameter, aber höhere seminale Leukozyteninfiltration und niedrigere Superoxiddismutase-Aktivität. Die Standardparameter sind inkonsistent betroffen, das DNA-Adduktsignal ist konsistenter.
- **Petrochemie [s22, s182, s121]**: In einer Pilotstudie (22 Arbeiter, 154 Kontrollen) waren die Expositionen niedrig, die Konzentration bei Arbeitern signifikant höher; Blei war positiv mit der Gesamtbeweglichkeit assoziiert (β 3,58 %; 1,01 bis 6,15) [s22]. Eine ältere Studie (68 Arbeiter, davon 23 Nichtraucher, 130 Nicht-Exponierte): exponierte Raucher hatten signifikant schlechtere Dichte, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als nicht exponierte Nichtraucher (P < 0,01), exponierte Nichtraucher eine niedrigere Vorwärtsbeweglichkeitsrate (P < 0,05) [s182]. Die elektronenmikroskopische Studie [s121] (Abstract nur mit Schlussfolgerung) berichtet, die berufliche Exposition scheine Beweglichkeit und Ultrastruktur zu verschlechtern.
- **Erdöl, Erdgas, Kondensat (Russland, Kasachstan) [s56, s103, s94, s107]**: In vitro mit 0,001 µg/ml Benzol inkubiertes Ejakulat von 50 Erdölbeschäftigten zeigte Unterschiede der Membranproteine CD95 und CD25 um 20 % und 10 % (p < 0,05), intrazelluläre Apoptosemarker nicht; keine unexponierte Kontrolle, Konzentration vom Autor gewählt [s56]. Fallserie mit 40 Männern: stärkster Konzentrations- und Beweglichkeitsrückgang bei Erdöl- und Gasarbeitern, Morphologieveränderungen bei Radar- und Rundfunkbeschäftigten, keine Zahlen im Abstract [s103]. Bei 139 Männern auf nordsibirischen Erdölfeldern waren Teratozoospermie und Zellkernveränderungen bei Arbeitern mit Varikozele signifikant häufiger als in allen anderen Gruppen, bei Männern ohne Varikozele wird kein Unterschied zwischen Bohrarbeitern und Verwaltung berichtet [s94]. Gaskondensat-Arbeiter in Aktobe (30 gegen 20): Spermien je ml 45,2 ± 8,8 (Kontrollen), 32,1 ± 20,6 (3 bis 9 Jahre), 20,4 ± 8,5 Mio. (über 10 Jahre) [s107]; die Aufteilung der 30 Arbeiter ist nicht genannt, die Beweglichkeit fällt nicht stetig.

#### Metalle und Halbmetalle

- **Blei:** Neben der Metaanalyse [s39] liegen mehrere Studien mit uneinheitlichem Bild vor. Multizentrische Querschnittsstudie in drei Ländern (503 Männer, 362 Bleiexponierte mit mittlerem Blutblei 31,0 µg/dl, 141 Referenzen mit 4,4 µg/dl): mediane Konzentration um 49 % reduziert bei Blutblei über 50 µg/dl, wahrscheinliche Schwelle bei 44 µg/dl, keine Chromatinänderungen; unterhalb von 45 µg/dl seien Effekte unwahrscheinlich [s171]. 81 Bleihütten-Arbeiter: Gesamtzahl und Konzentration sanken mit steigendem Blutblei (p für Trend 0,003 und 0,009); Semenblei invers mit Gesamtzahl (p = 0,05), Volumen (p = 0,001) und Testosteron (p = 0,004), die Assoziation mit der Zahl entfiel nach Berücksichtigung des Volumens [s197]. Thailand [s201]: keine konsistenten Veränderungen der Spermatogenese bei kurzfristiger Exposition. 18 Batteriearbeiter gegen 18 Zementarbeiter: Median 45 gegen 73 × 10^6 Zellen/cc (p < 0,025), ohne Unterschiede bei FSH, Testosteron, Prolaktin und LH [s214]. Französische Batteriefabrik (229 Exponierte, 125 Nicht-Exponierte): Bleiexposition auf keinem Niveau signifikant mit verminderter Fertilität assoziiert [s213]. Batteriefabrik (80 gegen 40; Abnahme von Zahl, Dichte, Beweglichkeit, Volumen, P < 0,001) [s150]; Zink- und Bleihütte (63 Arbeiter): MDA im Seminalplasma um 56 % höher und Anteil beweglicher Spermien um 34 % niedriger bei Blutblei > 40 µg/dl [s135]. Taiwanische Batteriearbeiter [s127]: Raucher mit deutlich höheren Blutbleiwerten; nach Adjustierung für Rauchen positive Korrelation zwischen Blutblei und DNA-Denaturierbarkeit (αT, COMP αT) und morphologischer Abnormität. Vorstudie mit 5 gegen 8 Männern [s200]: Blei in Blut und Samen höher, Spermienzahl, Beweglichkeit und Viskosität nicht verschieden; ohne Aussagekraft für Wirkungen. Größte Hormondatenlage (1573 Arbeiter): nichtlinearer Zusammenhang Blutblei–LH/FSH, linearer mit Testosteron; bei 35 Patienten mit Bleivergiftung sank das Blutblei von 61,7 auf 36,3 µg/dl, Testosteron und FSH sanken signifikant (p < 0,001) [s24]; ohne Kontrollgruppe und ohne Spermienparameter, daher kein Beleg für eine Wirkung.
- **Mangan:** 84 Exponierte, 92 Referenzen, Urin-Mangan 15,92 ± 8,49 µg/l: GnRH und LH erhöht, Testosteron erniedrigt, progressive und Gesamtbeweglichkeit vermindert mit negativem linearem Zusammenhang zum Urin-Mangan [s70]. Die einzige Studie des chinesischen Sprachraums, die Elektroschweißer einschließt [s205] (310 Arbeiter, 211 exponiert; Mangan 0,14 bis 5,5 mg/m³, Schweißrauch 6,5 bis 82,3 mg/m³), fand höhere Metallgehalte im Samen sowie niedrigere Zahl und Vitalität; Schweißer werden in einem anderen Kapitel behandelt, die Studie ist drei Jahrzehnte alt.
- **Chrom [s148]:** 61 Arbeiter einer Chromsulfat-Herstellung und 15 Kontrollen; etwa 53 % der Exponierten mit weniger als 30 % Normalformen gegenüber 10 % der Kontrollen, keine signifikanten Änderungen von Volumen, Konzentration, Beweglichkeit; r = 0,301 (p = 0,016) zwischen abnormer Morphologie und Blut-Chrom.
- **Quecksilber [s206]:** 38 exponierte Männer, 18 Kontrollen; Transferrin und Fruktose im Seminalplasma signifikant niedriger, keine Spermienparameter im Abstract.
- **Cadmium und Nickel:** siehe Metaanalyse [s38] und Nickelübersicht [s33]. Die Querschnittsstudie an 300 wegen Infertilität untersuchten Männern [s105] fand bei Exponierten (54,6 %) alle Parameter niedriger; Blei und Cadmium waren im Seminalplasma bei 38,3 % und 23 % nachweisbar.
- **Bor (Türkei), der methodisch am besten ausgeführte Block [s75, s65, s69, s64, s115, s119, s92, s184]:** 212 Arbeiter, extreme Gruppe (n = 98) mit mittlerer täglicher Borzufuhr 47,17 ± 17,47 mg B/Tag (Spanne 7,95 bis 106,8) und Blutbor 570,6 ± 160,1 ng B/g (402,6 bis 1100): keine borassoziierten Effekte auf Samenparameter oder FSH, LH, Testosteron [s75]. 304 Arbeiter: höchste Gruppe (n = 69) 44,91 ± 18,32 mg B/Tag, Samenbor 1643,23 ± 965,44 ng B/g; keine Verschiebung des Y:X-Verhältnisses der Spermien [s65], ebenso bei 163 Arbeitern (86 Exponierte, 77 Kontrollen) [s69]. DNA-Schäden: Comet-Test in Spermien p = 0,861 [s64] (die Statistik im Abstract ist auffällig: p-Werte über 1 und p = 0,042 neben dem Satz, es sei keine Zunahme beobachtet worden; für den Mikrokerntest ist das Abstract unbrauchbar); schwache Korrelation zwischen Blutbor und DNA-Strangbrüchen [s115]. Bor im Wohngebiet (Trinkwasser 1,4 bis 6,5 mg/l, 6,5 mg/Tag nach Urinanalyse) ohne negative Effekte [s119]. Übersicht [s92]: bei 204 Beschäftigten auch bei 0,21 mg B/kg Körpergewicht/Tag keine borvermittelten Effekte; der NOAEL der Ratte entspricht 2020 ng/g Blutbor, der mittlere Blutborwert der Hochexponierten betrug 223,89 ± 69,49 ng/g, ein Abstand um den Faktor 9. Befragung von 799 Borarbeitern [s184] ohne Samenanalyse: Infertilitätsraten 1,2 %, 1,1 % und 4,1 %, gesamt 1,8 %; Verhältnis Jungen zu Mädchen 1,12. Ob und wie stark sich die Stichproben überlappen (Standort Bandırma, Gruppengröße 212), ist nicht ausgewiesen; die Studien sind nicht als unabhängig zu zählen. Zusammen mit der Übersicht von Bonde [s111] ist dies der klarste Befund ohne Effekt in der gesichteten Literatur.

#### Strahlung, elektromagnetische Felder, Luftschadstoffe

- **Ionisierende Strahlung im Gesundheitswesen:** Fall-Kontroll-Studie (30 Radiologie-Beschäftigte, 30 Kontrollen, WHO 2021): niedrigere Konzentration und mehr morphologische Anomalien (p < 0,05), mehr NK-Zellen (p < 0,001), niedrigere TNP1-Expression (p < 0,001) [s02]. Querschnitt mit 134 Männern (83 exponiert): signifikante Unterschiede bei Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie, höhere DNA-Fragmentation, mehr hypermethylierte Spermien, keine Unterschiede bei Aneuploidie [s113]. Jilin [s98]: niedrigere Beweglichkeit und Morphologie, höherer DFI, keine Zahlen im Abstract. Japanische Wirbelsäulenchirurgen [s17]: 209 Chirurgen, 436 Kinder; weibliches Kind adjustiert RR 1,35 (1,04 bis 1,73), 53 % gegenüber 39 %; mit expositionsförderlicher Körperhaltung 1,36 (1,04 bis 1,78), ohne 1,30 (0,96 bis 1,78); Zielgröße ist das Geschlecht der Kinder, keine Spermienparameter. Türkische Ärzte [s54] (177): Orthopäden hatten signifikant weniger Söhne als Gynäkologen und Kinderärzte (p = 0,002); Kinderarzt gegenüber Orthopäde OR für einen Sohn 3,813 (1,682 bis 8,642); mehr als 50 Durchleuchtungen pro Woche OR 0,353 (0,178 bis 0,703; p = 0,030). Das Intervall passt rechnerisch nicht zu p = 0,030 (Rückrechnung des Rechercheberichts: etwa 0,003), möglicherweise ein Fehler im Abstract. Kein Samen untersucht.
- **Radar und Seeleute (China) [s140, s156, s166]:** 348 Seeleute mit Unfruchtbarkeit, gestaffelt nach Expositionsdauer (12 bis über 109 Monate), gegen 35 gesunde Männer: Konzentration, Beweglichkeit und Klasse-a-Anteil niedriger, Fehlformen höher (p < 0,01) [s140]. Radarpersonal [s156]: Dosis-Wirkungs-Beziehung, abnorme Formen spielten die Hauptrolle; die Autoren schließen, dass bei langer Exposition und schlechter Abschirmung subklinische Spermienschäden auftreten, die männliche Fortpflanzungsfunktion insgesamt aber nicht beeinträchtigt sei. Radarbediener [s166]: 88 stark, 143 gering Exponierte, 39 Kontrollen; Beweglichkeit und Vitalität bei stark Exponierten vermindert, COMPα erniedrigt, tägliche Arbeitszeit Risikofaktor für abnorme Spermien. Panzersoldaten [s164]: Normalformen 81,28 ± 11,18 % gegenüber 93,56 ± 5,03 % (p < 0,01), Vitalität 36,4 % gegenüber 43,5 %; die Autoren geben an, alle Werte lägen im Normalbereich, was der Aussage zur Vitalität widerspricht; Comet-Test und SCSA ohne Änderung. Militärische Gruppen werden in einem anderen Kapitel behandelt; die Studien sind hier nur als Strahlenexpositionen aufgeführt.
- **Tschernobyl-Liquidatoren [s210, s211, s155]:** 125 Männer (Dosen bis 25 rem): bei allen verringertes Volumen und verringerte Spermienzahl, zwei Männer mit mehr als 10 rem mit Azoospermie [s210]; 164 Männer, bei 125 Samenanalyse, ein Drittel mit sexueller Dysfunktion, nicht dosisabhängig, keine „typischen strahlungsbedingten Läsionen“ [s211]; histologisch keine Veränderungen bei 1 bis 10 cGy, Veränderungen der Hodenkanälchen bei 10 bis 20 cGy, Sklerose von 50 % der Kanälchen bei 30 bis 50 cGy nach 10 bis 15 Jahren [s155]. Ohne Kontrollgruppen, nur Abstracts; die Gruppe überschneidet sich teilweise mit dem anderweitig behandelten Militär.
- **Elektromagnetische Felder [s186, s51, s191, s207]:** 12 Exponierte, 34 Nicht-Exponierte bei Heizgeräte-Bedienern, nur geringe Unterschiede (FSH 7,6 gegenüber 5,8 mIU/mL) [s186]; im Automobilteilewerk hatte die Exposition gegenüber elektrischen Feldern einen signifikanten Effekt auf Spermienzahl, Morphologie und Beweglichkeit [s51]. Insgesamt uneinheitlich; nach der Übersicht „very uncertain“ [s31].
- **Stadtpolizisten und Luftverschmutzung [s60]:** 54 nichtrauchende Polizisten in Ostrava, Eigenkontrolle Winter und Sommer: SCSA-Chromatinschaden im Winter höher (Median 22,6 gegenüber 18,6 %, p = 0,003), unreife Spermien 11,2 gegenüber 9,9 % (p = 0,001), Gesamt- und progressive Beweglichkeit im Winter höher (p = 0,001). Die Saison vermengt Schadstoffe mit Temperatur und Lebensstil.
- **Maschinenbau (Russland) [s90]:** 318 Männer in Maschinenbau-Arbeitsbereichen gegen 148 ohne Kontakt; Abweichungen von Testosteron, Lutropin und Follitropin bei 25,5 %; Lärm beeinflusse den Testosteronspiegel; keine Spermiendaten.

#### Metallurgie und Bergbau (russischsprachiger Raum)

- **Stahlwerk Wolgograd [s142, s141, s136]:** 218 Männer von 21 bis 37 Jahren, 110 Exponierte (Stahlkocher, Gehilfen, Hochofenreparaturkräfte, Putzer) und 108 Kontrollen. Samenbefunde (Prozent der Untersuchten ± Standardfehler, Exponierte gegen Kontrollen): Normozoospermie 5,5 ± 5,3 gegen 23,5 ± 10,3; Asthenoteratozoospermie 50 ± 11,8 gegen 17,6 ± 9,24; Azoospermie 5,5 gegen 0; Agglutination 61,1 ± 11,5 gegen 36,3 ± 11,7. Nur 27,2 % der Exponierten hatten Hormonwerte im Normbereich (Kontrollen 88,2 %). Die Teilstichproben mit Spermiogramm sind nicht genannt; zurückgerechnet (eigene Rechnung des Rechercheberichts) etwa 18 Exponierte und 17 Kontrollen. Drei nahezu wortgleiche Veröffentlichungen desselben Datensatzes, keine unabhängige Bestätigung.
- **Eisenmetallurgie, Egorova [s126, s130]:** 100 Metallurgen gegen 80 Arbeiter: eine Pathologie bei 44 % gegen 18,5 % (p < 0,001), relatives Risiko 1,6 bis 2,9 [s126]. 200 Metallurgen gegen 190 Verwaltungsmitarbeiter, Alter 20 bis 65: erhöhte Viskosität 61 %, verminderte Spermienzahl 7 %, verminderte Beweglichkeit 6 %; Testosteron schon bei bis zu 5 Jahren Beschäftigung unter 13,8 nmol/l; relatives Risiko männlicher Unfruchtbarkeit nach Beruf: Walzer Warmwalzwerk 2,9, Beschickungsmaschinist 2,8, Walzer Rohrwalzwerk 2,71, Stahlkocher 2,5, Steuerstand 1,97, Stranggussanlage 1,62 [s130]. Keine Konfidenzintervalle, die Diagnosekriterien sind nicht erklärt.
- **Bergbau [s72, s106]:** 142 Männer aus Erzbergbau (Südural, Westkasachstan), ohne Kontrollgruppe: normales Spermiogramm bei 33,6 %, Asthenozoospermie 28,5 %, Oligozoospermie 1. Grades 15,7 %, 2. Grades 15,7 %, 3. Grades 5,5 % (die Summe ergibt 99,0 %) [s72]. 186 Untertagebergleute gegen 84 Kontrollen: Beschwerden im Damm und Dysurie 50,0 % gegen 22,4 %, erektile Dysfunktion 18,75 % gegen 7,6 %; Samenuntersuchung nur bei 30 vorselektierten Männern [s106]. Beide ohne Kontrollsamen und damit ohne Aussage über einen Berufseffekt.
- **Registerdaten Chanty-Mansijsk [s25]:** 627 Männer; berufliche Schädlichkeiten bei 9 (1,4 %), Rauchen bei 258 (41,1 %), Adipositas bei 123 (19,6 %), metabolisches Syndrom bei 84 (13,4 %). Die Zahl sagt nur etwas über die Häufigkeit der Erfassung.

#### Pestizide, Insektizide und ähnliche Stoffe (Randbefunde)

Reine Landwirtschaftsstudien sind nicht Gegenstand dieses Kapitels. Als Randbefunde zu Beschäftigten in Herstellung und Anwendung: Carbaryl-Produktion (31 Exponierte, 46 interne, 22 externe Kontrollen): Volumen 2,39 ± 1,44 ml und Beweglichkeit niedriger als bei externen Kontrollen (p < 0,05) [s153]; Fenvalerat-Produktion (dieselben Kontrollen, eine Studie in zwei Sprachfassungen) [s177, s144]; Insektizid-Sprüher in Japan (18 gegen 18): Spermienzahl und Vitalität vergleichbar, im Sommer doppelt so hohe Anteile langsam progressiver und nichtprogressiver Spermien (p < 0,05) [s158]; Cholinesterasehemmer-Exponierte in Spanien (29 gegen 30; p < 0,05 bei Spermienzahl pro mL und Anteilen beweglicher und lebender Spermien) [s168]; Pestizidexposition über alle Berufe in Bordeaux: nicht signifikante Abwärtstendenzen für Konzentration (OR 0,5) und Vitalität (OR 0,31) [s29].

#### 2-Brompropan (Korea, Japan)

Das koreanische Ereignis von 1995 [s203, s192, s123]: 33 Beschäftigte (8 Männer, 25 Frauen) beim Zusammenbau von Tastschaltern; von den 8 Männern zwei mit Azoospermie und vier mit Oligospermie (Normwert über 20 Millionen/ml) oder verminderter Beweglichkeit (Normwert über 50 %); von den 25 Frauen 16 mit sekundärer Amenorrhoe, in der Zusammenfassung 17 (68 %) mit Ovarialinsuffizienz [s203, s192]. Außer der Reinigungslösung mit 97,4 % 2-Brompropan konnten keine anderen bekannten Stoffe als Ursache identifiziert werden; die Autoren schließen vorsichtig, 2-Brompropan sei „möglicherweise“ der Auslöser [s203]. Fallserie ohne Kontrollgruppe, 8 Männer, Exposition rekonstruiert. Die drei Arbeiten beschreiben dasselbe Ereignis, nicht drei Ereignisse. Bei niedriger Exposition in einer anderen Fabrik (11 Männer) [s190] wurden unterhalb von 10 ppm (TWA) keine schweren Störungen gefunden; andere Indizes einschließlich der Spermienindizes standen nicht im Zusammenhang mit der TWA; für Spermienparameter bestand keine Teststärke.

#### Betriebliche Samenanalyse als Forschungsproblem (Japan)

Eine Elternstudie lud von November 2024 bis Januar 2025 rund 2000 männliche Beschäftigte aus drei Firmen ein; nur 6 schlossen das Protokoll ab [s07]. In der Nachbefragung von 108 Beschäftigten kannten 74 (68,5 %; 95-%-KI 59,3 bis 76,5) die Studie nicht; Sorge vor ungünstigen Ergebnissen nannten 52 von 83 (62,7 %), Sorge um Ort oder Privatsphäre 48 von 83 (57,8 %), eigenen Widerstand 42 von 83 (50,6 %); bei vereinfachten Bedingungen wären 36 von 83 (43,4 %) bereit [s07]. Das Protokoll der N-SEED-Studie [s08] (124 Personen rekrutiert, Zielgröße DNA-Fragmentierungsindex, Ergebnisse bis März 2028 erwartet) enthält noch keine Ergebnisse. Für die Deutung der gesamten Literatur ist das bedeutsam: Wo Beschäftigte kaum teilnehmen, entstehen Stichproben, die die Belegschaft nicht abbilden.

#### Fragebogenstudien zur Fruchtbarkeit ohne Samenanalyse

Zementwerker (70 gegen 70 Büroangestellte) und Kernbohrungs-Operatoren (75 gegen 75) in der Türkei [s83, s84]: signifikante Unterschiede (p < 0,05) bei Fehlbildungen, Totgeburten, Frühgeburten, Fehlgeburten und Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin; keine Samenanalyse, keine Zahlen im Abstract; die Aussagen betreffen die Partnerin. Fehlgeburtspaare in Changchun [s114] (68 gegen 63 Paare): signifikant niedrigere Vitalität, weniger Normalformen und niedrigere progressive Gesamtbeweglichkeit beim Mann; berufliche Exposition zusammen mit ungesunden Gewohnheiten OR 11,965 (p = 0,005); Art der Exposition nicht benannt. Muhammad und Kollegen [s87] (3 × 10 Männer): Gesamtdisomie in den Gruppen nicht verschieden, aber positiv mit der Zahl der Umweltfaktoren korreliert.

### Tierversuche und Experimente an Zellen

Tierdaten stützen die biologische Plausibilität, sagen aber nichts über das menschliche Ausmaß aus; die Dosen liegen meist weit über beruflichen Expositionen.

- **Zirkadiane Störung, Ratte [s44]:** Ratten, die zwei Monate unter gestörten Lichtbedingungen lebten, die Schichtarbeit nachahmen sollten (zwei Tage Dauerlicht, zwei Tage Dauerdunkel, drei Tage 14:10-Stunden-Hell-Dunkel), behielten ihre Nebenhoden-Spermienzahl, aber Beweglichkeit und Progesteron-induzierte Akrosomreaktion waren vermindert; mitochondriale Biogenese-Marker, mitochondriale DNA-Kopienzahl und ATP-Gehalt waren verändert.
- **Zirkadiane Störung, Maus [s10, s62]:** Eine wöchentliche 12-Stunden-Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus über 8 Wochen führte zu erheblichen Spermien-DNA-Schäden, die Transkriptomanalyse zeigte eine Beeinträchtigung des Reparaturwegs der homologen Rekombination; in 40 menschlichen Spermaproben war die CREB1-mRNA bei Patienten mit hohem Spermien-DNA-Schaden niedriger als in der Kontrollgruppe [s10]. Im Mausmodell der Studie [s62] sank die Spermienzahl bei Asynchronie und erholte sich nach deren Aufhebung; vermehrte Apoptose in den Samenkanälchen, herunterregulierte Markergene postmeiotischer Zellen, am stärksten angereicherter Funktionsweg war die homologe Rekombination.
- **Narkosegas, Maus [s35]:** 50 ppm Isofluran, 5 Stunden täglich über 30 Tage: Spermienkinetik und Vitalität beeinträchtigt, mit oxidativem Stress, mitochondrialer Dysfunktion und Genomschäden; die Effekte kehrten nach Ende der Exposition nicht sicher zurück. Für Narkosegase beim Menschen liegt in der gesichteten Literatur nur dieser Mausversuch vor.
- **Vibration, Ratte [s124, s194]:** In Versuchen an 1119 Ratten (vertikale sinusförmige Vibration, 20 Hz, 126 dB, 6 Stunden täglich über 5 Tage) fanden sich Verzögerung der Spermienbildung mit Auflockerung des Keimepithels durch Degeneration von Sertoli-Zellen, degenerierte Spermatozyten, mehrkernige Spermatiden und atypische Spermien sowie stark verminderte Fertilität der Männchen am 30. Tag; der Verlust von Embryonen vor der Einnistung bei Paarung am Tag 1, 8, 16 und 30 nach Exposition betrug 55,1 %, 49,3 %, 30,0 % und 14,3 % [s124]. Sehr hohe Dosis, Kontrollwerte im Text nicht in Zahlen; Übertragung auf Beschäftigte nicht möglich. Die Übersicht [s194] nennt bei vibrationsexponierten Ratten verminderte Spermienzahl, Spermatogeneseindex und Hodengröße.
- **Mobilfunkstrahlung, Ratte [s82]:** 20 Sprague-Dawley-Ratten in vier Gruppen (Schein; 3 cm Abstand und 6 Stunden täglich; 10 cm und 18 Stunden; 3 cm und 18 Stunden), ein Monat: Spermatiden-Zahl (× 10^6/ml) 398,6, 365,40, 354,60 und 298,60 (p = 0,041); Gesamtzahl der Keimzellen in der letzten Gruppe niedriger (p = 0,032), Leydig-Zellen vermindert. Bezug zu Berufsgruppen indirekt (Vielnutzer).
- **Organophosphate, Ratte [s128]:** Wistar-Ratten (je n = 10), Dichlorvos (5 und 10 mg/kg) oder Diazinon (3 mg/kg) sechs Tage pro Woche über neun Wochen: beide Wirkstoffe senkten die Beweglichkeit und erhöhten den Anteil gebrochener Spermien; Dichlorvos erhöhte zusätzlich Zytoplasmatropfen; in den Nebenhodenepithelien nahmen Vakuolisierung und Kernschrumpfung zu, der Hoden zeigte keine signifikanten histopathologischen Veränderungen.
- **2-Brompropan und 1-Brompropan [s145, s146]:** Japanische Tierversuche belegen, dass 2-Brompropan Spermatogenesezellen und Oozyten erschöpft, während 1-Brompropan stärker neurotoxisch ist und die Spermiation hemmt; die Dosis-Wirkung beim Menschen sei unbekannt. Die Hodentoxizität des koreanischen Falls wurde im Tierversuch reproduziert [s192].
- **Tier-NOAEL für Bor [s92]:** Der NOAEL der Ratte für die Reproduktionstoxizität entspricht einem Blutborwert von 2020 ng/g (siehe oben, Abstand zum Menschen um den Faktor 9).
- **Zellversuch (Benzol, in vitro) [s56]:** siehe oben unter Erdöl; die Konzentration von 0,001 µg/ml wurde vom Autor gewählt.

### Was in der Literatur fehlt

Für mehrere häufige Berufsgruppen fand sich mit den eingesetzten Suchbegriffen kein verwertbarer Humanbefund: Köche und Bäcker (nur die Hintergrundannahme in [s163]), Bauarbeiter, zahnmedizinisches Personal, Pflegepersonal und Ärzte (außer den Durchleuchtungsstudien); für Lehrer und Finanzberufe liegen nur Fall-Kontroll- beziehungsweise Spenderstudien aus Singapur und Ostchina vor [s179, s53]. Aus dem chinesischen, japanischen und koreanischen Raum wurde keine Studie zu Feuerwehr, Piloten oder Friseuren abgerufen, und aus Japan und Korea keine zu Soldaten oder Schweißern; das ist eine Aussage über die abgerufenen Quellen, nicht über die Weltliteratur. Aus den russisch-, türkisch- und arabischsprachigen Räumen liegt (mit Ausnahme der Nickelübersicht [s33]) keine Metaanalyse und keine Kohortenstudie mit Samenanalyse, die einen Beruf mit der Spermienqualität verknüpft. Von 44 Quellen dieser Räume berichten nur drei Konfidenzintervalle für Berufseffekte auf Samenparameter oder Fertilitätsmarker [s57, s54, s86]. Die Studie mit bester Expositionsmessung, die türkische Borforschung, findet keinen Effekt.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

### Maßstab der Einstufung

Die Einordnung in „bewiesen“, „plausibel“ und „spekulativ“ ist die Bewertung dieses Kapitels auf Grundlage der abgerufenen Quellen; sie ist keine formale GRADE-Bewertung. Gemeint ist:

- **Bewiesen:** Der Zusammenhang oder Mechanismus ist beim Menschen mit gemessener Größe (Temperatur, Biomarker, Dosis) gezeigt und wird durch Tierversuch, Ereignisbeleg oder mehrere Studien in gleicher Richtung gestützt. „Bewiesen“ gilt dann nur für das genannte Glied der Kette, nicht automatisch für die ganze Kette bis zur verminderten Fruchtbarkeit eines Berufsstandes.
- **Plausibel:** Biomarker- oder Tierbefunde sprechen für den Weg, aber die Humandaten sind klein, querschnittlich, uneinheitlich oder stammen aus wenigen Arbeitsgruppen.
- **Spekulativ:** Der Weg ist Hypothese der Autoren oder folgt aus indirekten Markern, ohne dass er gemessen wurde.

### Mechanismen im Überblick

| Weg | Berufliche Exposition (Beispiele) | Stützende Befunde | Einstufung | Quellen |
|---|---|---|---|---|
| Hodentemperatur (Wärmebelastung des Hodens) | Sitzende Arbeit, Hitzearbeit | Skrotaltemperatur korreliert mit sitzender Arbeitsposition (Dosis-Wirkung); Spermienkonzentration sinkt mit steigender Temperatur; hohe testikulo-epididymale Temperaturen bei Berufshitze oder Varikozele | Temperatur–Konzentration und Arbeitshaltung–Temperatur: bewiesen. Arbeitshaltung–Spermienqualität: nicht bewiesen, in zwei Studien kein Zusammenhang | [s173, s174, s187, s163, s159] |
| Oxidativer Stress | Nachtarbeit, Lösungsmittel und Metalle, Formaldehyd, PAK, CS2, Narkosegase | Höhere d-ROMs bei Nachtarbeit; ROS und MDA, niedrigere Antioxidantien bei Textilarbeitern; 8-oxo-dGuo bei Kokereiarbeitern; stärkere Formaldehyd-Assoziation bei hohem oxidativem Stress; Isofluran-Maus | Plausibel | [s13, s06, s95, s79, s41, s46, s49, s93, s35] |
| Mitochondriale Funktion | CS2, zirkadiane Störung, Isofluran | Vermindertes mitochondriales Membranpotenzial, Atmungskettenkomplexe II und IV, Porenöffnung (Menschen, CS2); verminderte mtDNA-Kopienzahl und ATP (Ratte, zirkadiane Störung); mitochondriale Dysfunktion (Maus, Isofluran) | Plausibel | [s93, s44, s35] |
| DNA-Schäden, Chromatin und Chromosomen in Spermien | Benzol, PAK, ionisierende Strahlung, Formaldehyd, Blei, sitzende Arbeit | Chromosomenaberrationen mit Dosisgradient (Benzol); sperrige DNA-Addukte (PAK); DFI erhöht (Strahlung, sitzende Arbeit, DEHP, Formaldehyd); DNA-Reparaturweg der homologen Rekombination beeinträchtigt (Maus) | Benzol-Aberrationen als Biomarker: bewiesen. Folge für die Fruchtbarkeit: spekulativ. Übrige: plausibel | [s117, s151, s188, s181, s167, s161, s95, s112, s113, s98, s66, s109, s118, s49, s62, s10] |
| Hormonelle Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Hoden) | Mangan, Blei, CS2, Lärm, Stress, Metallurgie | Urin-Mangan: GnRH und LH höher, Testosteron niedriger; Blutblei linear mit Testosteron; Semenblei invers mit Testosteron; FSH und LH höher, Testosteron niedriger bei CS2; Testosteron bei Metallurgen; Cortisol, Prolaktin, Insulin bei langem Arbeitsstress | Plausibel; Richtung nicht einheitlich (Testosteron in der Nachtschicht-Metaanalyse geringfügig höher) | [s70, s24, s197, s93, s130, s11, s23, s90] |
| Zirkadiane Desynchronisation und Schlaf | Wechsel- und Nachtschicht | Wechselschicht niedrigere Spermienzahl (Mensch); Erholung nach Aufhebung der Asynchronie (Maus, Studierende); DNA-Schäden und Reparaturweg (Maus); verminderte Beweglichkeit und Akrosomreaktion (Ratte); Schlafdauer positiv, Einschlaflatenz negativ mit Spermienparametern | Plausibel; die Tiermodelle ahmen die Schichtarbeit nur nach | [s09, s62, s10, s44, s57, s122] |
| Direkte Toxizität am Keimepithel und Sertoli-Zellen | Vibration, 2-Brompropan, Organophosphate, Mobilfunkfelder | Degeneration von Sertoli-Zellen, mehrkernige Spermatiden (Vibration, Ratte); Erschöpfung von Spermatogenesezellen (2-Brompropan, Tier); Zahl der Keimzellen und Leydig-Zellen niedriger (Mobilfunk, Ratte); Nebenhodenveränderungen (Organophosphate, Ratte) | Im Tier: bewiesen. Übertragung auf berufliche Expositionen: plausibel (2-Brompropan: Ereignis beim Menschen), sonst spekulativ | [s124, s194, s145, s146, s192, s203, s82, s128] |
| Ionisierende Strahlung | Radiologie, Durchleuchtung, Strahlenunfall | Niedrigere Konzentration, mehr Anomalien, TNP1 vermindert, NK-Zellen erhöht; DFI höher, mehr hypermethylierte Spermien; Hodenhistologie dosisabhängig verändert | Plausibel | [s02, s113, s98, s155, s210] |
| Geschlechterverhältnis der Kinder als Marker für Y-Spermien | Strahlenberufe | Weniger Söhne bei Orthopäden; mehr Töchter bei hoher Hodenstrahlenbelastung von Wirbelsäulenchirurgen | Spekulativ (indirekter Marker, keine Samenanalyse) | [s54, s17] |
| Nichtionisierende Felder (Radar, Hochfrequenz, Niederfrequenz) | Radarpersonal, Seeleute, Anlagenbediener | Radar: Fehlformen, Beweglichkeit, SCSA; Gesamtbild der Übersichten uneinheitlich, Sicherheit der Evidenz „very uncertain“ | Plausibel für Radar bei hoher Dauer und schlechter Abschirmung, sonst spekulativ | [s140, s156, s166, s31, s20, s61, s207, s191] |
| Akzessorische Drüsen und Seminalplasma | Quecksilber, Benzol, Toluol, Xylol, Formaldehyd | Fruktose und Transferrin niedriger (Quecksilber); Gamma-GT, Akrosin und LDH-C4 niedriger, Fruktose höher (Benzol, Toluol, Xylol); Seminalplasma-Zink und neutrale Glukosidase niedriger (Formaldehyd) | Spekulativ bis plausibel; Gruppen klein | [s206, s183, s49] |
| Entzündung und Immunreaktion | PAK, Strahlung | Höhere Leukozyteninfiltration und niedrigere SOD-Aktivität im Samen; erhöhte NK-Zellen; Autoimmunorchitis in Hodengewebe nach Bestrahlung | Spekulativ | [s30, s02, s155] |
| Epigenetische Veränderungen | Strahlung, allgemeine Umweltexposition | Mehr hypermethylierte Spermien bei Strahlenexponierten; Umwelteinflüsse „vor allem über epigenetische und hormonelle Veränderungen“ (Übersicht) | Spekulativ | [s113, s81] |
| Psychischer Stress | Arbeitsstress, Produktionsstress | Konzentration und Gesamtzahl unter WHO-Schwelle bei hohem Arbeitsstress, durch soziale Unterstützung modifiziert; Stressachse (Cortisol, Prolaktin, Insulin) verändert; dagegen keine Assoziation von Jobstrain in zwei Studien | Spekulativ bis plausibel; Befunde widersprüchlich | [s71, s198, s11, s108, s157, s12] |
| Körperliche Anstrengung | Schwere körperliche Arbeit | Schwitzen und Müdigkeit negativ mit Konzentration, Morphologie, Beweglichkeit; Oligospermie 13 % gegenüber 6 %; Hormonprofil | Spekulativ (Mechanismus nicht gemessen) | [s101, s04, s40] |

### Gut belegt: die Wärmekette

Am besten abgesichert ist das erste und das zweite Glied einer Kette: Sitzende Arbeit erhöht die Skrotaltemperatur mit Dosis-Wirkung (6 Stunden sitzend: Median 34,7 °C; die Variation der sitzenden Arbeit erklärte 31,5 % der Variation der Mediantemperatur über 24 Stunden [s174]), und höhere Skrotaltemperatur geht mit niedrigerer Spermienkonzentration einher (minus 40 % pro 1 °C Anstieg der Tagestemperatur [s173]; 33,4 gegenüber 91,8 × 10^6/mL bei mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C gegenüber weniger als der Hälfte [s187]). Das dritte Glied, dass die Arbeitshaltung selbst die Samenqualität senkt, ist nicht bewiesen: In der Studie, die beides gleichzeitig maß, fanden sich nur schwache und uneinheitliche Zusammenhänge, und die Autoren schließen, sitzende Arbeit sei „a strong determinant of scrotal temperature“, scheine aber keinen Effekt auf die Samenqualität zu haben [s173]. Die dänische Studie mit 1747 Männern fand ebenfalls keinen signifikanten Zusammenhang [s159]. Für Hitzearbeit mit gemessener Belastung (WBGT, PHS) fand eine iranische Stahlindustriestudie Unterschiede in Spermienparametern bei 30 gegen 14 Männern [s76]; die Aussage zu den Temperaturkorrelationen ist im Abstract mutmaßlich fehlerhaft wiedergegeben. In Freiwilligenversuchen mit leicht erhöhter Hodentemperatur seien morphologische Anomalien nach einer Übersicht erst nach 73 Tagen zur Norm zurückgekehrt [s45]; diese Quelle ist eine narrative Übersicht, die Einzelversuche werden im Abstract nicht ausgewiesen.

Die Wärmekette erklärt zugleich, warum im DNA-Fragmentationsindex Unterschiede bei sitzender Arbeit auftreten können, ohne dass die Standardparameter abweichen [s66, s109]. Das ist eine Beobachtung, keine bewiesene Erklärung.

### Gut belegt im Biomarker, offen in der Folge: Benzol

Beim Benzol liegen Chromosomenaberrationen in Spermien mit abgestufter Dosis vor [s117]; die Autoren verweisen im Abstract auf die Möglichkeit, dass solche Aberrationen aus defekten Stamm- oder Spermatogonienzellen entstehen und deshalb bei früher Exponierten fortbestehen könnten [s117]. Mehrere kleinere chinesische Arbeiten zeigen gleichgerichtet erhöhte numerische Aberrationen und DNA-Schäden [s188, s181, s167, s161, s151]. Was fehlt, ist die Verbindung zur klinisch messbaren Fruchtbarkeit: Die Studie mit interner Kontrollgruppe fand im Samen die internen Kontrollen ähnlich verändert wie die Exponierten [s189]. Biologisch ist der Befund plausibel und als Biomarker gut belegt; wie viel er für die Zeugungsfähigkeit der Arbeiter bedeutet, bleibt aus diesen Studien offen. Die Expositionen lagen nach den Abstracts über den damaligen nationalen Höchstwerten, mit Ausnahme der Tianjin-Studie, deren Medianwerte der Luft bei 1,2, 3,7 und 8,4 ppm lagen und die ihre Ausgangsfrage ausdrücklich auf Expositionen „near 1 ppm“ bezieht [s117].

### Blei: Dosisschwelle und Plausibilität

Für Blei sind die Mechanismen im Detail nicht Gegenstand der gesichteten Abstracts; die Dosis-Wirkung ist dafür am besten beschrieben (Abschnitt „Dosis-Wirkung“). Hinweise auf den Weg liefern die Chromatindaten (nach Adjustierung für das Rauchen positive Korrelation zwischen Blutblei und DNA-Denaturierbarkeit; αT und COMP αT korrelierten mit der Superoxidbildung der Spermien [s127]) und der Befund von MDA im Seminalplasma bei Blutblei über 40 µg/dl [s135]. Gegen einen einfachen Chromatinmechanismus bei niedriger Exposition spricht die multizentrische Studie, die bei Blutblei unter 45 µg/dl keine Wirkung auf Konzentration und Chromatin fand [s171]. Hormonell fanden sich ein linearer Zusammenhang Blutblei–Testosteron und ein nichtlinearer mit LH und FSH [s24] sowie ein inverser Zusammenhang zwischen Semenblei und Testosteron [s197]. Jensen, Bonde und Joffe nennen Blei zusammen mit Hitze, ionisierender Strahlung, Dibromchlorpropan, Ethylendibromid, einigen Glykolethern und Schwefelkohlenstoff als gut gestützt in epidemiologischen Studien [s143].

### Plausibel: oxidativer Stress als gemeinsamer Nenner

Oxidativer Stress taucht in sehr verschiedenen Expositionen als Biomarker auf. Bei Nachtarbeitern waren die d-ROMs höher (340 gegenüber 280 U.CARR; Nachtarbeit als unabhängiger Prädiktor, OR 2,1) [s13]; bei Textilarbeitern ROS und MDA höher und Antioxidantien niedriger [s06], bei PAK-Exponierten 8-oxo-dGuo und MDA [s95, s79, s41, s46], bei CS2 die antioxidative Kapazität niedriger [s93], bei Formaldehyd waren die Assoziationen bei hohem oxidativem Stress stärker [s49], bei Isofluran im Mausmodell oxidativer Stress mit mitochondrialer Dysfunktion [s35]. Gegen eine Überinterpretation spricht, dass oxidativer Stress in diesen Studien als Biomarker gemessen, nicht als Ursache nachgewiesen wird; die Querschnittsdesigns lassen die Richtung offen, und in der Textilstudie unterscheiden sich die Gruppen schon durch die Auswahl [s06]. Zugleich zeigt die Kokerei-Studie, dass das DNA-Adduktsignal (8-oxo-dGuo) konsistenter ist als das Signal der Standardparameter [s95, s112, s79].

### Zirkadiane Desynchronisation: Konvergenz von Mensch und Tier

Die Wechselschicht-Befunde ruhen auf drei Ebenen. Beim Menschen erhöhten rotierende Schichten die Wahrscheinlichkeit einer niedrigen Spermienzahl (OR 1,26) und senkten in einer prospektiven Kohorte Konzentration, Gesamtzahl und Vitalität sowie die Schwangerschaftsrate [s62, s09]; in der Studierendenkohorte ging jede Stunde Desynchronisation mit höheren Chancen für niedrige Spermienzahl einher (OR 1,16), und die Zahl stieg, als die Desynchronisation verringert wurde [s62]. In Mäusen sank die Spermienzahl bei Asynchronie und erholte sich nach deren Aufhebung, mit vermehrter Apoptose und beeinträchtigtem Reparaturweg der homologen Rekombination [s62, s10]; in Ratten waren Beweglichkeit und Akrosomreaktion vermindert, ohne Änderung der Nebenhoden-Spermienzahl [s44]. Einschränkend: Die Tiermodelle verschieben Lichtphasen und sind keine Schichtarbeit, die Studierendenkohorte ist keine Berufsgruppe, die Metaanalyse findet keinen signifikanten gepoolten Effekt [s23], und die LIFE-Kohorte findet keinen Zusammenhang [s101]. Zudem sind Schlafqualität und Schichtarbeit nicht sicher trennbar [s57]. Einstufung: plausibel.

### Spekulativ: Y-Spermien, Epigenetik, Stress, akzessorische Drüsen

Das Geschlechterverhältnis der Kinder als Marker für eine Schädigung Y-tragender Spermien beruht auf Selbstauskünften und indirekten Annahmen; die Autoren selbst führen die Frage als umstritten [s17], und in der türkischen Ärztestudie passt das Konfidenzintervall nicht zum angegebenen p-Wert [s54]. Bor, für das eine Verschiebung des Y:X-Verhältnisses in einer früheren Studie berichtet worden war, zeigte in der Türkei keine Verschiebung [s65, s69]. Epigenetische Wege werden für Strahlung (mehr hypermethylierte Spermien bei 83 Exponierten [s113]) und allgemein für Umwelteinflüsse [s81] genannt, ohne berufsspezifische Messung. Für akzessorische Drüsen (Seminalplasma-Fruktose, -Zink, Gamma-GT, LDH-C4) liegen nur kleine Gruppenvergleiche vor [s206, s183, s49]. Psychischer Stress wirkt in den Studien je nach Design (Jobstrain-Skalen, Selbstwahrnehmung, Produktionsstress) unterschiedlich [s71, s108, s157, s11].

### Mechanismen, die in den Daten nicht bestätigt wurden

| Behauptete Wirkung | Befund | Quellen |
|---|---|---|
| Bor vermindert Spermienparameter oder Hormone | Bei bis zu 47,17 mg B pro Tag keine borassoziierten Effekte auf Samenparameter, FSH, LH, Testosteron; keine Y:X-Verschiebung; keine Zunahme von DNA-Schäden im Comet-Test der Spermien (p = 0,861) | [s75, s65, s69, s64, s92] |
| Magnetfelder am Arbeitsplatz senken Spermienparameter | OR 0,6 (Morphologie), 1,1 (Motilität), 1,0 (Konzentration) bei mehr als 3 mG; keine Stützung für schädliche Wirkungen | [s207] |
| Jobstrain senkt Spermienparameter | Keine Assoziation nach Adjustierung (399 Paare); keine Assoziation von Jobstrain (193 Männer) | [s157, s108] |
| Computerarbeit als Risikofaktor | In Shanghai nach Adjustierung kein Risikofaktor | [s152] |
| Organochlor-Belastung erklärt Unterschiede bei schlechter Samenqualität | Organochlorspiegel unterschieden sich nicht | [s149] |
| Schichtarbeit senkt Fruchtbarkeit der Männer in der LIFE-Kohorte | Keine Assoziation von Schicht-, Nachtarbeit, Vibration, Lärm, Hitze und Sitzen mit der Samenqualität | [s101] |
| Metallbelastung erklärt Infertilität in Beirut | Blutmetalle im Referenzbereich gesunder Populationen | [s134] |

### Alternative Erklärungen, die in fast allen Studien mitzudenken sind

Selektion (Männer in Kinderwunschkliniken gegen gesunde Kontrollen: [s11, s57, s133]), Auswahl über Berufsgruppen innerhalb einer Spezialklinik [s180], Lebensstil und soziale Klasse [s162, s60], Rauchen, das die Wirkung beruflicher Stoffe verstärken oder selbst den Stoffspiegel erhöhen kann (Petrochemie: exponierte Raucher schlechter als nicht exponierte Nichtraucher [s182]; Blutblei bei Rauchern deutlich höher [s127]), Varikozele als Vorerkrankung, die den Berufseffekt überdeckt oder mit ihm verschmilzt [s94, s163], Mehrfachtestung (nur zwei Befunde der Fragebogenstudie mit 336 Männern blieben nach Korrektur bestehen [s109]), die Möglichkeit, dass die Vergleichsgruppe im Betrieb selbst belastet ist [s189], Auswertungsfehler in Abstracts [s55, s102, s64, s54] und der Healthy-Worker-Effekt [s117]. Hinzu kommt, dass in Japan eine Teilnahme von 6 von rund 2000 eingeladenen Beschäftigten an einer betrieblichen Samenanalyse-Studie dokumentiert ist [s07]; wo Beschäftigte so selten teilnehmen, ist unklar, wen die Stichprobe repräsentiert.

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

### Dosis-Wirkung: Studien mit abgestufter Exposition

Die meisten Studien vergleichen nur „exponiert gegen nicht exponiert“. Nur ein Teil gibt Stufen an. Die folgende Tabelle führt die Studien auf, bei denen eine Abstufung nach Messwert, Dauer oder Kategorie vorliegt.

| Exposition | Stufen und Befund | Gruppen, Design | Quelle |
|---|---|---|---|
| Skrotaltemperatur | Konzentration minus 40 % pro 1 °C (95-%-KI 8 bis 71 %); Konzentration 33,4 gegenüber 91,8 × 10^6/mL bei mehr als 75 % gegenüber weniger als 50 % der Tageswerte über 35 °C | 99 und 60 Männer, Messung der Hauttemperatur | [s173, s187] |
| Sitzende Arbeit | 6 Stunden sitzend: Median 34,7 °C; Variation sitzender Arbeit erklärt 31,5 % der Variation der Mediantemperatur | 101 Männer | [s174] |
| Blei | Blutblei über 50 µg/dl: mediane Konzentration minus 49 %; wahrscheinliche Schwelle 44 µg/dl; unter 45 µg/dl Effekte unwahrscheinlich | 503 Männer, drei Länder | [s171] |
| Blei | Gesamtzahl und Konzentration sinken mit steigendem Blutblei (p für Trend 0,003 und 0,009); mittleres Blutblei 22,8 µg/dl | 81 Bleihütten-Arbeiter | [s197] |
| Blei | Blutblei über 40 µg/dl: MDA im Seminalplasma plus 56 %, bewegliche Spermien minus 34 % | 63 Arbeiter, Zink- und Bleihütte | [s135] |
| Benzol (Tianjin) | Alle strukturellen Aberrationen IRR 1,42 / 1,44 / 1,75; Deletion 1p36.3 IRR 4,31 / 6,02 / 7,88 (niedrig / mäßig / hoch; Luft 1,2 / 3,7 / 8,4 ppm; Urinbenzol 2,9 / 11,0 / 110,6 µg/L); Brüche nur in der hohen Gruppe (IRR 1,49) | 30 Exponierte, 11 Unexponierte | [s117] |
| Benzol, Toluol, Xylol | Vitalität, Beweglichkeit, Akrosin negativ mit Beschäftigungsdauer korreliert | 24 Arbeiter | [s196, s183] |
| Benzol (Arzneimittelindustrie) | Dauerabhängig Gesamtzahl und Beweglichkeit niedriger, abnorme Morphologie höher | 160 Exponierte, 200 Kontrollen | [s116] |
| Formaldehyd | OR abnorme progressive Beweglichkeit 2,58 (niedrig) und 3,41 (hoch); abnorme Gesamtbeweglichkeit 3,21 und 4,84; β pro Einheit FEI minus 0,19 (progressiv) und minus 0,23 (gesamt) | 114 Exponierte, 76 Referenzen | [s104] |
| Formaldehyd | Je 1 Einheit FEI Gesamtbeweglichkeit minus 0,99 % u. a. (Skala im Abstract nicht erläutert); „dose and time dependent“ | 205 Männer | [s49] |
| Glykolether | Adjustierte OR mäßig 1,46 (0,93 bis 2,28), hoch 2,25 (1,08 bis 4,69); unadjustiert 1,70 und 2,54 | 2118 Männer | [s131] |
| Vibration (Ganzkörper) | TWA 0,697 m/s² (Taxifahrer) gegenüber 0,068 m/s² (Büro): Gesamtzahl, progressive und Gesamtbeweglichkeit verschieden (P < 0,05); Varianzanalyse im Abstract widersprüchlich | 70 gegen 70 | [s55] |
| Radar | Gruppen nach Expositionsdauer (12 bis 36, 37 bis 72, 73 bis 108, ab 109 Monate); Konzentration, Beweglichkeit, Klasse a niedriger (p < 0,01) gegenüber Gesundenkontrolle | 348 Seeleute | [s140] |
| Radar | Veränderungen mit Frequenzabstand, Intensität, Dauer, Abschirmung; Dosis-Wirkungs-Beziehung | Radarpersonal | [s156] |
| Radar | Starke gegen geringe Exposition: Beweglichkeit und Vitalität vermindert, COMPα erniedrigt; tägliche Arbeitszeit Risikofaktor | 88 stark, 143 gering, 39 Kontrollen | [s166] |
| Gaskondensat | Spermien je ml 45,2 (Kontrollen), 32,1 (3 bis 9 Jahre), 20,4 Mio. (über 10 Jahre); Beweglichkeit nicht stetig | 30 gegen 20 | [s107] |
| Eisenmetallurgie | Relatives Risiko männlicher Unfruchtbarkeit: Walzer Warmwalzwerk 2,9; Beschickungsmaschinist 2,8; Walzer Rohrwalzwerk 2,71; Stahlkocher 2,5; Steuerstand 1,97; Stranggussanlage 1,62; Testosteron unter 13,8 nmol/l schon bis 5 Jahre Beschäftigung | 200 gegen 190 | [s130] |
| Taxifahrer, Fahrer | Normale Formen 45,8 % gegenüber 64,0 %, besonders bei längerer Berufsdauer; abnorme Befunde bei mehr als 8 Jahren Fahrpraxis häufiger als bei weniger | 72 gegen 50; 78 Fahrer | [s202, s170] |
| Polnische Computeroperateure | Anteil pathologischer Formen nimmt mit den Arbeitsjahren zu | 20 Männer, ohne Kontrolle | [s209] |
| Computerzeit | Mehr als 10 Stunden täglich: Konzentration, Vitalität, Beweglichkeit niedriger als bei 0 bis 5 und 6 bis 10 Stunden | 118 Computerbeschäftigte | [s133] |
| PAK (Kokerei) | Nur in der Hochexpositionsgruppe niedrigere Normalformen (p = 0,0001) und mehr sperrige Addukte (p = 0,04) bei Nichtrauchern; hohe Exposition niedrigere Beweglichkeit (p = 0,046) | 106 Teilnehmer; Nichtraucher | [s112, s79] |
| DEHP (PVC) | Oberhalb des Medians von 23,7 µg/m³: Denaturierungsneigung β = 0,038, DFI β = 0,140, Beweglichkeit β = -0,227 | 45 Arbeiter | [s118] |
| Mangan | Urin-Mangan (15,92 ± 8,49 µg/l): negativer linearer Zusammenhang mit progressiver und Gesamtbeweglichkeit, positiver mit GnRH und LH | 84 gegen 92 | [s70] |
| Chrom | r = 0,301 (p = 0,016) zwischen abnormer Morphologie und Blut-Chrom | 61 gegen 15 | [s148] |
| Bor | Bis 47,17 ± 17,47 mg B/Tag und Blutbor 570,6 ± 160,1 ng B/g keine Effekte; Tier-NOAEL-Äquivalent 2020 ng/g gegen mittleren Blutborwert der Hochexponierten 223,89 ± 69,49 ng/g (Faktor 9) | 212 und 204 Arbeiter | [s75, s92] |
| 2-Brompropan | Unter 10 ppm (TWA) keine schweren Störungen; Ereignis mit 97,4 % 2-Brompropan in der Reinigungslösung: zwei von acht Männern mit Azoospermie, vier mit Oligospermie oder verminderter Beweglichkeit | 11 Männer; 8 Männer | [s190, s203] |
| Ionisierende Strahlung | Hodenhistologie: keine Veränderungen bei 1 bis 10 cGy, Veränderungen bei 10 bis 20 cGy, Sklerose von 50 % der Kanälchen bei 30 bis 50 cGy nach 10 bis 15 Jahren; Azoospermie bei zwei Männern mit mehr als 10 rem | Liquidatoren, ohne Kontrollen | [s155, s210] |
| Durchleuchtung | Mehr als 50 Aufnahmen pro Woche: OR für einen Sohn 0,353 (0,178 bis 0,703) | 177 Ärzte | [s54] |
| Strahlenhaltung | Hohe Exposition mit expositionsförderlicher Haltung RR 1,36 (1,04 bis 1,78), ohne 1,30 (0,96 bis 1,78) für ein weibliches Kind | 209 Chirurgen | [s17] |
| Arbeitsstress | Dosis-Wirkungs-Beziehungen zwischen wahrgenommenem Arbeitsstress und progressiven Spermien, Gesamtzahl beweglicher Spermien, Morphologie, abnormen Köpfen und aufgerollten Flagellen (kontinuierliche Analyse); dichotom keine Assoziation | Fall-Kontroll, Universitätsklinik | [s198] |
| Arbeitsstress | Hoher Stress gegen niedrig: Konzentration OR 2,14, Gesamtzahl OR 1,95; kein Effekt bei hoher sozialer Unterstützung | 384 Arbeiter | [s71] |
| Zirkadiane Desynchronisation | Je Stunde Desynchronisation OR 1,16 (1,02 bis 1,31) für niedrige Spermienzahl | 796 Studierende | [s62] |
| Schwere körperliche Arbeit | Oligospermie 13 % gegenüber 6 % | 456 Männer | [s101] |
| Mobilfunk (Ratte) | Spermatiden (× 10^6/ml) 398,6 (Schein), 365,40, 354,60 und 298,60 bei zunehmender Nutzungsdauer und Nähe (p = 0,041) | 20 Ratten | [s82] |
| Vibration (Ratte) | Embryonenverlust vor Einnistung bei Paarung am Tag 1, 8, 16, 30 nach Exposition: 55,1 %, 49,3 %, 30,0 %, 14,3 % | 1119 Ratten | [s124] |

Befunde zur Dosis-Wirkung im engeren Sinn (abgestufte Messung und konsistenter Gradient) sind selten und betreffen vor allem Wärme, Blei, Benzol, Formaldehyd, Glykolether und Radar. Bei Blei liegt zusätzlich eine Schwelle vor (44 µg/dl), bei Bor ein Sicherheitsabstand zum Tier-NOAEL (Faktor 9). Keine der Studien erlaubt es, aus der Dosis eine Gefährdungsschwelle für eine Berufsgruppe abzuleiten. Insbesondere ist die Skala der Formaldehyd-Schätzer in [s49] aus dem Abstract nicht nachvollziehbar, und die Benzol-Expositionen der chinesischen Studien sind nicht mit den Luftwerten der Tianjin-Studie vergleichbar (unterschiedliche Bezugsgrößen).

### Subgruppen und Effektmodifikation

| Subgruppe oder Modifikator | Befund | Quelle |
|---|---|---|
| Rauchen | Petrochemie: exponierte Raucher hatten schlechtere Dichte, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als nicht exponierte Nichtraucher (P < 0,01), exponierte Nichtraucher eine niedrigere Vorwärtsbeweglichkeit (P < 0,05). Blutblei bei Rauchern deutlich höher. Taxifahrer: Rauchen mit schlechterer Morphologie. Styrol: Rauchen und Alter wichtiger als Styrol | [s182, s127, s202, s169] |
| Alkohol | Taxifahrer: mäßiger Alkoholkonsum mit besserem Befund; im Abstract der 826er-Studie Alkohol als „positiver Faktor“ für die Konzentration (OR 0,60; 0,36 bis 0,99), vom Recherchebericht als schwer deutbar eingestuft | [s202, s34] |
| Varikozele | Teratozoospermie und Zellkernveränderungen nur bei Arbeitern mit Varikozele häufiger; Berufs- und Varikozele-bedingte Hitze nicht trennbar | [s94, s163] |
| Primäre gegenüber sekundärer Infertilität | Zusammenhang aromatischer Lösungsmittel bei primärer Infertilität und strengeren Schwellen stärker | [s195] |
| Oxidativer Stress | Formaldehyd-Assoziationen bei hohem oxidativem Stress stärker | [s49] |
| Soziale Unterstützung | Kein Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und Spermien bei hoher sozialer Unterstützung (p = 0,80 und 0,39); Interaktion p = 0,002 und 0,02 | [s71] |
| Schichtform | Wechselschicht: niedrigeres Hazard für Schwangerschaft; kein Unterschied zwischen fester Tag- und fester Schichtarbeit; im europäischen Vergleich kein Zusammenhang für Dauerschicht und geteilte Schichten | [s09, s58] |
| Schlafqualität | Schichtarbeit zusammen mit hohem PSQI-Wert mit Oligozoospermie assoziiert; Schlafdauer positiv mit Konzentration | [s57] |
| Bildung | Höhere Bildung schützend (OR 0,624; 0,415 bis 0,937) in der Xinjiang-Klinikstudie | [s05] |
| Berufsdauer | Taxifahrer, Benzol, Gas, Computeroperateure, Metallurgie: stärkere Befunde bei längerer Dauer | [s202, s196, s107, s209, s130] |
| Aktuelle gegenüber früherer Exposition | Glykolether: frühere Exposition mit Auffälligkeiten, aktuelle niedrige Exposition nicht korreliert; die Autoren vermuten, früher übliche Glykolether könnten langfristig gewirkt haben | [s138] |
| Rauchende Kokereiarbeiter gegenüber nichtrauchenden | Nichtraucher-Analyse: nur Hochexposition mit niedrigeren Normalformen | [s112] |
| Jahreszeit | Stadtpolizisten, Eigenkontrolle: Chromatinschaden im Winter höher (Median 22,6 gegenüber 18,6 %, p = 0,003), Beweglichkeit im Winter höher | [s60] |

Zusätzlich verschiebt die Art der Population die Effektschätzung. Bei gesunden Samenspendern (12301 Männer) liegen die Odds Ratios für einzelne Berufe bei etwa 1,3 bis 2,0 [s53]; in Klinikpopulationen von Infertilitätsfällen oder in Fall-Kontroll-Studien mit Infertilitätsdiagnose als Zielgröße finden sich Odds Ratios von 2 bis über 7 (Blei 5,43, Bildschirmgeräte 8,01, Lehrer 7,72 [s120, s179]); bei nachweislich fertilen Männern (Study for Future Families) sind niedrigere Konzentration und Beweglichkeit in bestimmten Berufen beschrieben [s50]; die prospektiven Kohorten (LIFE, dänische Schwangerschaftsplaner), die kalifornische Studie und die dänische Zentrenstudie fanden für Jobstrain, Sitzen, Schicht, Vibration, Lärm und Hitze meist keinen Zusammenhang [s157, s108, s159, s101]. Dieses Muster, größere Effekte in selektierten und kleineren Populationen, ist typisch für Verzerrung durch Selektion und Mehrfachtestung und spricht dafür, die großen Odds Ratios nicht als Risikoschätzer für Beschäftigte zu lesen.

### Reversibilität

| Befund | Ergebnis | Evidenz | Quelle |
|---|---|---|---|
| Radarexposition, Seeleute | Nach mindestens 48 Monaten Exposition und seit sechs Monaten ohne Exposition besserten sich Morphologie (p < 0,01) und Beweglichkeit (p < 0,05), blieben aber gegenüber Gesunden verändert (Konzentration p < 0,05; Beweglichkeit, Klasse a und b, abnorme Formen p < 0,01) | Querschnittsvergleich, kein Verlauf | [s140] |
| Zirkadiane Desynchronisation | Spermienzahl der Maus erholte sich nach Aufhebung der Asynchronie; bei Studierenden stieg die Spermienzahl 2014 bei Verringerung der Desynchronisation | Maus; Kohorte | [s62] |
| Intensives Radtraining | Nach mindestens einer Woche Pause Rückkehr auf Ausgangswerte (außer Morphologie und Konzentration) | Systematische Übersicht, 4 Studien, Sicherheit „very low“ | [s16] |
| Leichte Erhöhung der Hodentemperatur | Morphologische Anomalien erst nach 73 Tagen wieder normal | Freiwilligenversuche, nach narrativer Übersicht | [s45] |
| Benzol, Spermien-Chromosomen | Aberrationen können aus Stamm- oder Spermatogonienzellen stammen; Sorge vor bleibenden Wirkungen bei früher Exponierten | Aussage der Autoren im Abstract, keine Verlaufsstudie | [s117] |
| Glykolether | Frühere Exposition mit erniedrigter Konzentration und Beweglichkeit assoziiert, aktuelle niedrige Exposition nicht | Querschnitt (109 Männer) | [s138] |
| Isofluran (Maus) | Effekte kehrten nach Ende der Exposition nicht sicher zurück | Mausmodell | [s35] |
| 2-Brompropan (Korea) | Die Prognose der Fortpflanzungsstörung sei schlecht gewesen | Übersicht | [s123] |
| Tschernobyl-Liquidatoren | Sklerose von 50 % der Kanälchen 10 bis 15 Jahre nach Bestrahlung bei 30 bis 50 cGy; lymphoide Infiltration 5 Jahre nach dem Unfall | Histologische Serie, Abstract | [s155] |
| Vibration (Ratte) | Embryonenverlust sinkt von 55,1 % (Tag 1) auf 14,3 % (Tag 30), zugleich stark verminderte Fertilität der Männchen am Tag 30 | Tierversuch | [s124] |
| Stadtpolizisten | Chromatinschaden höher im Winter als im Sommer bei denselben Männern | Eigenkontrolle, Saison vermengt | [s60] |
| Blei, Chelatbehandlung | Nach Behandlung sinkt Blutblei von 61,7 auf 36,3 µg/dl; Testosteron und FSH sinken, Prolaktin und Progesteron steigen | 35 Patienten ohne Kontrolle, keine Spermienparameter | [s24] |

Reversibilität ist damit am besten für Wärme- und Zirkadian-Modelle gezeigt (Rückbildung im Mausmodell, nach Pausen von mindestens einer Woche beim Radtraining und nach 73 Tagen in den Wärmeversuchen), schlechter für Radar (nur teilweise Besserung im Querschnitt) und unklar oder ungünstig für Benzol-Aberrationen, Strahlung und 2-Brompropan. Keine der Quellen berichtet eine prospektive Beobachtung einer Berufsgruppe nach Beendigung der Exposition mit wiederholten Samenanalysen. Die Rückbildung beim Radtraining und die Wärmeversuche betreffen Sport und Experiment, nicht den Beruf.

### Gesamtbild nach Exposition (Einschätzung dieses Kapitels)

| Exposition | Richtung der Befunde | Konsistenz | Dosis-Wirkung | Reversibilität | Sicherheit der Evidenz |
|---|---|---|---|---|---|
| Wechselschicht | Nachteil (Zahl, Konzentration, Vitalität, Schwangerschaftsrate) | Mäßig: Kohorte und Querschnitte ja, Metaanalyse und LIFE nein | Nur Desynchronisation je Stunde | Tier und Studierende ja | Niedrig bis mäßig |
| Sitzende Arbeit | Temperatur ja, Standardparameter uneinheitlich, DFI höher | Gering | Temperatur: ja | Wärmeversuche nach 73 Tagen | Niedrig |
| Fahrer | Meist Nachteile | Gering (Confounding) | Berufsdauer | Unbekannt | Sehr niedrig |
| Hitzearbeit | Nachteile in Stahl und Klinik, nicht in Sfax und LIFE | Gering | Nicht stetig | Unbekannt | Sehr niedrig |
| Schwere körperliche Arbeit | Nachteile (Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie) | Zwei Studien | Nicht belegt | Unbekannt | Sehr niedrig |
| Blei | Nachteile bei hoher Exposition, nicht bei niedriger | Mäßig | Ja, mit Schwelle | Unbekannt | Mäßig |
| Benzol und aromatische Lösungsmittel | Aberrationen, DNA-Schäden, Beweglichkeit | Hoch in der Richtung, geringe Unabhängigkeit | Ja (Tianjin) | Fraglich | Niedrig |
| Glykolether | Nachteile | Mäßig | Ja | Fraglich (frühere Exposition) | Niedrig |
| Formaldehyd | Beweglichkeit, DFI | Eine Arbeitsgruppe | Ja | Unbekannt | Niedrig |
| PAK (Kokerei) | DNA-Addukte; Standardparameter uneinheitlich | Eine Arbeitsgruppe | Teilweise | Unbekannt | Niedrig |
| Ionisierende Strahlung | Nachteile, aber kleine Studien | Mäßig | Histologie ja | Ungünstig | Sehr niedrig |
| Radar, Hochfrequenz | Radar Nachteile; Hochfrequenz „very uncertain“ | Gering | Radar ja | Teilweise | Sehr niedrig |
| Bor | Kein Effekt | Hoch (aber überlappende Stichproben) | Kein Gradient bis hohe Dosis | nicht anwendbar | Niedrig bis mäßig für „kein Effekt“ |
| Arbeitsstress | Gemischt | Gering | Kontinuierlich ja | Unbekannt | Sehr niedrig |
| Bildschirm- und Computerarbeit | Gemischt | Gering | Stunden pro Tag in einer Studie | Unbekannt | Sehr niedrig |
| Pestizide in Herstellung und Anwendung | Nachteile in kleinen Studien | Gering | Nicht belegt | Unbekannt | Sehr niedrig |

Dieses Kapitel enthält keine Handlungsempfehlungen. Alle Einstufungen beschreiben die Aussagekraft der gesichteten Studien, nicht das Risiko einzelner Beschäftigter.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Frage dieses Kapitels lautet nicht, welche Berufsgruppe welchen Befund hat (das behandeln die Fachkapitel), sondern wo die Literatur zu den weiteren Berufsgruppen eigentlich entsteht, in welcher Sprache sie erscheint, welche eigenen Kohorten und Register es gibt, was Leitlinien dazu sagen und wie gut man die jeweilige Literatur überhaupt erreicht. Das ist keine Nebensache. Wer nur in englischsprachigen Datenbanken sucht, sieht ein verzerrtes Bild: Manche Räume erscheinen leer, obwohl sie nur anders publizieren, und in anderen steht ein einziger Befund so oft in der Literatur, dass er wie eine Bestätigung aussieht, obwohl es immer dieselbe Arbeitsgruppe oder derselbe Betrieb ist.

**Reichweite und Grenzen.** Ausgeschlossen sind laut Auftrag Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte; wo eine Studie diese Gruppen nur als Teilgruppe enthält, steht das jeweils dabei. Alle Zahlen stammen aus den abgerufenen Abstracts oder Online-Texten der Rechercheberichte; Volltexte wurden nur in wenigen Fällen gelesen (Leitlinien-Webseiten von AUA und EAU, einzelne chinesische Arbeiten, die in den Berichten ausdrücklich genannt sind, sowie russischsprachige Volltexte aus CyberLeninka). Was ein Abstract nicht nennt, etwa die Kontrolle von Störgrößen, ist daher nicht als Mangel der Studie zu lesen, sondern als Lücke in dem, was hier gesichtet werden konnte. Nirgends wird in diesem Kapitel eine Therapie- oder Verhaltensempfehlung ausgesprochen.

**Verteilung nach Sprache.** Von 130 Quellen des Teils A (Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch) sind 115 englischsprachig, 8 französisch, 2 deutsch, 1 spanisch, 2 polnisch, 1 bulgarisch und 1 chinesisch; Italienisch und Portugiesisch sind nicht vertreten. Gezählt ist die Veröffentlichungssprache, nicht die Herkunft der Autoren. Im Teil B (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) stammen 63 Quellen aus den Zielländern, vier weitere sind Randfälle; im Teil C (Russisch, Arabisch, Türkisch) sind es 44 Quellen, davon 23 russischsprachig (16 Volltexte, 7 PubMed-Einträge), 16 aus der Türkei, 4 aus dem arabischen Raum und eine Übersicht aus russischer Autorenschaft mit internationaler Studienbasis. Als grobe Gegenprobe wurde am 05.10.2026 bei Europe PMC eine sehr weit gefasste Abfrage (Spermien- oder Samenbegriffe verbunden mit Berufs- oder Arbeitsbegriffen) nach Sprachfilter ausgezählt. Sie lieferte rund 26 600 Treffer für Englisch, 102 für Chinesisch, 32 für Deutsch, 26 für Spanisch, 20 für Russisch, 17 für Französisch, 5 für Japanisch, 3 für Italienisch, 2 für Portugiesisch, 2 für Koreanisch und keinen für Arabisch und Türkisch. Diese Zahlen sind ungeprüfte Rohtreffer einer breiten Abfrage, enthalten viel Unpassendes und sagen nichts über die tatsächliche Zahl einschlägiger Studien. Sie zeigen aber das Größenverhältnis, mit dem man rechnen muss: Die Literatur ist praktisch ein englischsprachiges Feld mit einzelnen Inseln.

**Ein wiederkehrendes Muster.** Quer durch alle Räume gilt, dass Studien an Beschäftigten selten groß, selten prospektiv und selten mit gemessener Exposition sind. Die großen Einzelstudien (eine prospektive Kohorte mit 3425 Männern [s09], 12 301 Samenspender [s53], 2555 Männer in einem indischen Vergleich von Weiß- und Blaukragen-Berufen [s03], 3025 Patienten in Ostmarokko [s21]) sind meist Klinik- oder Spenderpopulationen mit selbst berichteter Berufsangabe. Die Studien mit gemessener Exposition (Biomonitoring, Atemzonenmessung) haben dagegen oft nur wenige Dutzend Männer. Was die Sprachräume voneinander unterscheidet, ist daher weniger das Ergebnis als die Art, wie das Thema bearbeitet wird: als arbeitsmedizinische Betriebsstudie, als Kinderwunschklinik-Auswertung, als Übersicht ohne eigene Daten oder als Ereignis, das einmal Aufsehen erregte und seither zitiert wird.

### Englisch

**Rolle.** Der englischsprachige Raum trägt praktisch die gesamte quantitative Evidenz. Alle Metaanalysen und dosisbezogenen Auswertungen der gesichteten Literatur sind englisch publiziert: zu beruflicher Lösungsmittelexposition (sieben Studien; standardisierte Mittelwertdifferenz für das Ejakulatvolumen -0.35, 95 %-KI -0.63 bis -0.07, und für die Spermienkonzentration -0.36, -0.64 bis -0.08) [s78], zu Blei (zehn Beobachtungsstudien; Semenvolumen -0.76 ml, Spermienkonzentration -0.63 × 10^6/ml, Vitalität -2.18 Prozentpunkte, Gesamtbeweglichkeit -1.31 Prozentpunkte, jeweils mit Konfidenzintervallen knapp unterhalb von null) [s39], zu Cadmium (gepoolter Korrelationskoeffizient mit Spermienparametern r = -0.122) [s38], zu Nachtschichtarbeit (acht Studien, davon drei für die Spermienzahl; gepoolte Differenz -18.38 × 10^6 mit einem Konfidenzintervall von -59.82 bis 23.07, also ohne statistisch gesicherten Unterschied) [s23] und zu Radiofrequenzstrahlung (neun Studien, nur zwei davon berufsbezogen; Sicherheit der Evidenz „very uncertain“) [s31]. Hinzu kommen systematische Übersichten zu Nickel [s33], zu physikalischen und chemischen Arbeitsplatzfaktoren (57 Artikel) [s43], zu psychosozialen Arbeitsfaktoren (Scoping Review, 18 Volltexte) [s12], zu Schichtarbeit und urogenitalen Erkrankungen [s74], zu körperlicher Aktivität (32 Manuskripte) [s67] und zu Mobiltelefonstrahlung (39 Studien aus Mensch und Tier) [s61].

**Eigene Kohorten und Register.** Die englischsprachige Literatur hat mehrere eigene, nach Ländern geordnete Datengrundlagen, die in anderen Räumen fehlen:

- *USA.* Die LIFE-Studie [s101] ist eine prospektive Kohorte von 501 Paaren nach Absetzen der Verhütung mit bis zu einem Jahr Nachbeobachtung; 473 Männer (94 %) gaben eine Samenprobe, 456 Männer lieferten vollständige Daten. Schwere körperliche Anstrengung bei der Arbeit war mit niedrigerer Konzentration und Gesamtzahl verbunden (13 % der Männer mit schwerer Anstrengung hatten eine Oligospermie gegenüber 6 % ohne), Schichtarbeit, Nachtarbeit, Vibration, Lärm, Hitze und langes Sitzen dagegen nicht. Die Study for Future Families [s50] untersuchte nachweislich fertile Männer und fand niedrigere Konzentration und Beweglichkeit in Installations-, Wartungs- und Reparaturberufen; ein Vorzug ist, dass die Männer wegen der Vaterschaft nicht auf Infertilität ausgewählt sind. Aus Kalifornien stammen 193 Männer der Child Health and Development Studies [s108]: Wahrgenommener Stress hing umgekehrt mit Konzentration und Morphologie zusammen, Jobstrain nicht. Eine verschachtelte Fall-Kontroll-Studie zu Magnetfeldern am Arbeitsplatz fand keine erhöhte Wahrscheinlichkeit hoher Exposition bei Männern mit Auffälligkeiten [s207]. Für Blei liegen Daten von 81 Bleihütten-Arbeitern aus einer Arbeitsgruppe der University of Washington (Seattle) vor, mit sinkender Gesamtzahl und Konzentration bei steigendem Blutblei [s197].
- *Dänemark.* Die dänischen Gruppen um Bonde und Hjollund (Aarhus) bilden eine eigene Linie: eine Pregnancy-Planner-Kohorte mit Messung der Skrotaltemperatur, in der Männer mit mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C eine mediane Konzentration von 33.4 × 10^6/ml hatten gegenüber 91.8 × 10^6/ml bei Männern mit weniger als der Hälfte der Werte darüber [s187]; die Beobachtung, dass sitzende Arbeit die Skrotaltemperatur erhöht, ohne die Spermienqualität erkennbar zu verändern [s173, s174]; eine prospektive Kohorte von 399 Paaren ohne Zusammenhang zwischen Jobstrain und Samenmerkmalen [s157]; eine Auswertung von 1747 Männern aus vier Fertilitätszentren mit Proben aus den Jahren 1981 bis 1983, in der sitzende Arbeit nicht mit abnormen Samenmerkmalen zusammenhing [s159]; und die multizentrische Bleistudie in drei Ländern mit 503 Männern, die eine um 49 % geminderte mediane Konzentration erst bei Blutblei über 50 µg/dl fand [s171].
- *Singapur.* Drei Arbeiten aus Singapur mit Berufsklassifikation (Fall-Kontroll-Studien mit je 218 Fällen und eine klinische Querschnittsstudie mit 614 Männern) nennen Technikberufe, Manager, Finanzanalysten und Lehrer als Gruppen mit erhöhtem Risiko, teils mit sehr weiten Intervallen (Lehrer OR 7.72, 95 %-KI 1.86 bis 32.10); die beiden Fall-Kontroll-Arbeiten stammen von denselben Autoren und überlappen wahrscheinlich [s185, s179, s208].
- *Großbritannien, Niederlande, Norwegen, Kanada.* CHAPS-UK (2118 beschäftigte Männer aus 14 Kliniken) fand für hohe Glykolether-Exposition nach Adjustierung eine OR von 2.25 (1.08 bis 4.69) [s131]; eine niederländische Fall-Kontroll-Studie an 899 Männern fand einen Zusammenhang mit aromatischen Lösungsmitteln, unabhängig von der Methode der Expositionserfassung [s195]; in Norwegen war der Einfluss beruflicher Exposition bei infertilen Paaren nach Einschätzung der Autoren gering [s191]; eine Fall-Kontroll-Studie aus einer Arbeitsgruppe in Calgary (Kanada) zeigte, dass sich feine Veränderungen nur mit kontinuierlichen statt dichotomen Auswertungen erkennen ließen [s198]. Aus Island liegt ein kleiner Vergleich mit Organochlorverbindungen vor [s149], aus Großbritannien eine Auswertung nach Sozialklasse an 207 Männern [s162].

**Leitlinien.** Die AUA/ASRM-Leitlinie [s27, s28] empfiehlt in Statement 8 (Conditional Recommendation, Evidenzgrad C), dass Behandelnde Risikofaktoren einschließlich beruflicher Exposition besprechen dürfen und darauf hinweisen, dass die Datenlage für die Mehrzahl der Risikofaktoren begrenzt sei. Im Volltext heißt es ausdrücklich, für Hitzeexposition, Schlaf und Sport habe keine systematische Übersicht die Einschlusskriterien erfüllt; für Blei und Pestizide gilt die Evidenz als „conclusive for some heavy metals and pesticides“. Berufsgruppen im Sinne von Tätigkeiten (Fahrer, Büroarbeit, Schichtarbeit) werden nicht einzeln bewertet. Die Aktualisierung 2024 stützt sich auf 22 neue Studien und erwähnt im Abstract keine berufliche Exposition [s28]. Die EAU-Leitlinie führt im Online-Kapitel Umwelttoxine und Strahlung als Anamnesepunkte auf, formuliert als Evidenzaussage (LE 2a) nur Lebensstilfaktoren wie Adipositas, geringe Bewegung, Rauchen und hohen Alkoholkonsum und enthält nach der Durchsicht keine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen [s216]; die Kurzfassung 2025 nennt im Abstract ebenfalls keine berufliche Exposition [s19]. Die erste australische evidenzbasierte Leitlinie rät, Männer über „potentially modifiable risk factors“ zu beraten, ohne im Abstract Berufe zu nennen [s18]. Ein Vergleich der WHO-Leitlinie 2025 mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE hält fest, dass die WHO eine Public-Health-Perspektive mit Betonung der Prävention einnimmt, ESHRE und NICE dagegen paarzentriert mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Wege vorgehen [s01]. Ein Cochrane-Review zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht gefunden; die 465 Cochrane-Treffer zu Sperma und männlicher Subfertilität betrafen Antioxidantien und Varikozelenbehandlung.

**Fachzeitschriften.** Die Arbeiten erscheinen in arbeitsmedizinischen Blättern (Journal of Occupational and Environmental Medicine, American Journal of Industrial Medicine, Occupational and Environmental Medicine, Annals of Work Exposures and Health, Archives of Environmental & Occupational Health) und in reproduktionsmedizinischen und andrologischen Zeitschriften (Fertility and Sterility, Human Reproduction, Andrology, Journal of Andrology). Das erklärt, warum Arbeitsplatzstudien in der Andrologie leicht übersehen werden und umgekehrt.

**Regionale Besonderheiten.** Unter den englischsprachig publizierten Arbeiten sind viele aus Ländern, in denen Englisch nur die Publikationssprache ist: eine indische Auswertung mit 2555 Männern (Weißkragen 1383, Blaukragen 1172) [s03], indische Studien zu Textilarbeitern (60 teratozoosperme Männer mit Lösungsmittel- und Schwermetallexposition, 30 Kontrollen) [s06] und zu Blei in Batteriewerken [s150], eine Studie aus Sri Lanka mit 300 wegen Infertilität untersuchten Männern, von denen 54.6 % Giftstoffen aus Umwelt oder Beruf ausgesetzt waren [s105], eine Fall-Kontroll-Studie an Fahrradtaxi-Fahrern in Malawi [s102], eine ägyptische Fall-Kontroll-Studie mit 255 infertilen und 267 fertilen Männern [s120] und ein Scoping Review zu psychosozialen Arbeitsfaktoren von Autoren aus Ghana [s12].

**Erreichbarkeit.** Europe PMC (REST-Schnittstelle) und die NCBI-E-utilities waren erreichbar und lieferten Abstracts und Metadaten; die PubMed-Webseite war nach Vorgabe gesperrt und wurde nicht ausgewertet. Die Cochrane-Library-Seite lieferte dynamische Inhalte, sodass Cochrane-Reviews nur indirekt über Europe PMC gesucht werden konnten. Die AUA- und die EAU-Webseite waren im Volltext erreichbar.

**Belastbarkeit.** Auch in diesem Raum bleibt die Evidenz überwiegend beobachtend. Die Metaanalysen beruhen auf wenigen Studien (sieben bei Lösungsmitteln, drei für die Spermienzahl bei Nachtschicht), mischen Umwelt- und Berufsexposition (Blei, Cadmium) oder haben Konfidenzintervalle, die null berühren oder einschließen. Die Studien mit den klarsten Ergebnissen für schwere körperliche Arbeit [s101, s04] und für Hodentemperatur [s187, s173, s174] liefern zugleich das Gegenbeispiel: Sitzende Arbeit erhöht die Skrotaltemperatur, ohne dass sich die konventionellen Spermienparameter in denselben Studien verlässlich verschlechtern.


### Deutsch

**Eigene Literatur: dünn.** Eine deutschsprachige Primärstudie zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht gefunden. Was es gibt, sind zwei Übersichtsartikel aus der Urologie und eine Klinikauswertung, die zwar aus Deutschland stammt, aber auf Englisch erschienen ist.

**Übersichten.** Köhn und Schuppe haben 2016 in „Der Urologe“ den Aufsatz „[Environmental factors and male fertility]“ (Umweltfaktoren und männliche Fruchtbarkeit) veröffentlicht [s96], Schuppe und Köhn 2022 in „Urologie“ „[Impact of lifestyle and environmental factors on male reproductive health]“ (Einfluss von Lebensstil- und Umweltfaktoren auf die männliche Reproduktionsgesundheit) [s52]. Beide halten übereinstimmend fest, dass neben Medikamenten und Lebensstilfaktoren wie Alkohol und Tabakrauch „various environmental and occupational agents, both chemical and physical“ die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können, dass die Informationslage zu einzelnen Faktoren und ihren Wirkmechanismen beim Menschen begrenzt und die Übertragung aus Tier- und In-vitro-Versuchen schwierig sei und dass relevante Expositionen in der andrologischen Diagnostik sorgfältig erfasst werden sollten. Die jüngere Fassung unterscheidet Störungen auf hypothalamisch-hypophysärer, testikulärer und posttestikulärer Ebene [s52]. Zahlen und berufsgruppenspezifische Aussagen enthalten die Abstracts nicht. Die Texte sind damit eher ein Indiz dafür, dass das Thema in der deutschen Urologie als Teil der Umwelt- und Lebensstildiskussion geführt wird, als dass sie eine eigene Berufsliteratur wiedergäben.

**Die Münsteraner Klinikauswertung.** Die einzige größere Datengrundlage aus Deutschland ist die Analyse von Kenkel, Rolf und Nieschlag aus dem Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster, „Occupational risks for male fertility: an analysis of patients attending a tertiary referral centre“ (Berufsrisiken für die männliche Fruchtbarkeit: eine Analyse von Patienten eines tertiären Zentrums) [s180]. Ausgewertet wurden retrospektiv 2054 infertile Männer, eingeteilt in 29 Berufsgruppen und verglichen mit der Gesamtbevölkerung des Einzugsgebiets. Berichtet wird, dass Landwirte überrepräsentiert waren, dass Landwirte und Maler und Lackierer häufiger verminderte Spermienzahlen hatten (OR 2.13 und 2.17; 95 %-KI 1.18 bis 3.88 und 1.02 bis 4.65) und dass Metallarbeiter und Schweißer häufiger eine verminderte Beweglichkeit zeigten (OR 5.99; 1.38 bis 26.00). Diese Berufsgruppen sind in der vorliegenden Studie anderweitig behandelt; hier interessiert die Datenart: Es ist ein Vergleich innerhalb einer Spezialsprechstunde, also eine Auswahl, in der bestimmte Berufe schon deshalb häufiger vertreten sein können, weil sie ein Zentrum häufiger aufsuchen. Für die hier betrachteten weiteren Berufe liefert die Auswertung nach den vorliegenden Angaben keine Ergebnisse.

**Leitlinien.** Eine AWMF-Leitlinie mit Aussagen zu Berufsgruppen und Spermienqualität konnte nicht abgerufen werden. Die AWMF-Leitliniensuche antwortete zwar mit HTTP 200, lieferte im abgerufenen Antworttext aber keine auswertbare Trefferliste. Das ist ausdrücklich keine Aussage, dass es keine einschlägige Leitlinie gibt, sondern eine Lücke der Recherche. Berufliche Reproduktionsgefahren erscheinen in Deutschland ohnehin in einer anderen Form, nämlich als Stoffbegründungen der Kommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (MAK-Begründungen). Unter den deutschen Europe-PMC-Treffern zu „Beruf“ und „Arbeit“ fanden sich überwiegend solche Begründungen zu Einzelstoffen (genannt wurden 2-Methoxyethanol, 2-Butoxyethanol, Xylol und Cadmium); sie betreffen Grenzwerte einzelner Stoffe und wurden nicht als Studien zu Berufsgruppen gewertet und nicht in die Quellenliste aufgenommen.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC lieferte deutsch gefilterte Treffer mit Abstract; bei der groben Auszählung am 05.10.2026 ergab ein Sprachfilter für Deutsch 32 Rohtreffer, die nicht geprüft wurden. Die AWMF-Seite war erreichbar, aber ohne auswertbare Liste. Weitere deutschsprachige Datenbanken wurden nicht durchsucht.

**Belastbarkeit.** Für den deutschen Raum lässt sich daher nur sagen, dass er das Thema in Übersichten und Stoffbewertungen behandelt, aber in den abgerufenen Quellen keine eigene Kohorte, kein Register und keine Studie an Beschäftigten hat; die Klinikauswertung aus Münster ist die einzige Ausnahme. Warum das so ist, geben die Quellen nicht her. Die japanischen Erfahrungen (siehe dort) zeigen immerhin, wie schwierig es ist, Beschäftigte zur Abgabe einer Samenprobe zu gewinnen.

### Französisch

**Eigene Literatur: klein, aber mit erkennbarem Profil.** Der französische Raum hat eine arbeitsmedizinisch geprägte Tradition, die sich um die Marseiller Gruppe um Perrin und Sari-Minodier gruppiert, ergänzt durch urologisch-reproduktionsmedizinische Leitlinien und durch Hochschulschriften, die nur über das Archiv HAL (DUMAS) greifbar sind.

**Eigene Studien und Übersichten.** Die Gruppe um Perrin hat mehrere Bausteine geliefert. Eine Übersicht in französischer Sprache zu Berufsfaktoren in Fall-Kontroll-Studien („[Association between sperm abnormalities and occupational environment among male consulting for couple infertility]“, Zusammenhang zwischen Spermienanomalien und beruflichem Umfeld bei Männern in der Kinderwunschabklärung) wählte 13 PubMed-Artikel mit 61 bis 2619 Teilnehmern aus. Signifikant mit veränderten Spermaparametern verbunden waren demnach die Berufe Arbeiter, Maler, Landwirte, Schweißer, Klempner und Techniker sowie die Expositionen Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung; zu Pestiziden fand keine der ausgewählten Studien einen Zusammenhang [s97]. Hinzu kommt ein Fragebogen zur Erfassung beruflicher Exposition in der klinischen Praxis an 402 Männern, in dem Schwermetalle (adjustierte OR 5.4; 95 %-KI 1.6 bis 18.1), Lösungsmittel (OR 2.5; 1.4 bis 4.4), Rauch und Dämpfe (OR 1.9; 1.1 bis 3.4) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (OR 1.9; 1.1 bis 3.5) mit Samenbeeinträchtigung zusammenhingen, Pestizide (OR 3.6; 0.8 bis 15.8) und Zement (OR 2.5; 0.95 bis 6.5) knapp nicht [s125]. Dieser Fragebogen erschien auf Englisch. Eine Pilotstudie prüfte ein vom Arbeitsmediziner geführtes Interview vor der Samenanalyse: Der mittlere Wissenswert über reproduktionstoxische Stoffe lag bei 9.6 ± 2.7 von 16 Punkten, am häufigsten unterschätzt wurde übermäßige Hitze (34.7 % richtige Antworten) [s91]. Das ist eine Akzeptanzstudie, keine Studie zur Spermienqualität. Aus derselben Gruppe stammen die Metaanalyse zu Lösungsmitteln [s78] und die systematische Übersicht zu nichtionisierender Strahlung mit 12 Studien [s20].

Zwei Beschäftigtenstudien mit Samenanalyse liegen aus dem französischen Umfeld vor. Die Studie an der Pariser Stadtverwaltung mit 109 Männern fand für frühere Glykolether-Exposition ein erhöhtes Risiko für Konzentration, schnelle progressive Beweglichkeit und normale Morphologie unter den WHO-Referenzwerten, während die aktuelle, niedrige Exposition nicht mit Samenqualität oder Hormonen zusammenhing [s138]. Eine französische Batteriefabrik lieferte eine Personenjahre-Analyse mit 229 Bleiexponierten und 125 Nichtexponierten, in der Bleiexposition auf keinem Niveau signifikant mit verminderter Fertilität verbunden war [s213].

**Hochschulschriften über HAL.** Zwei Masterarbeiten sind nur dort greifbar. Die Arbeit von Ianos zur Lösungsmittel-Metaanalyse [s77] nennt die Zusammensetzung (sieben Studien mit 272 exponierten und 247 nicht exponierten Arbeitern; Exposition gegenüber Glykolethern, Perchlorethylen, aromatischen Kohlenwasserstoffen, N,N-Dimethylformamid und Schwefelkohlenstoff) und berichtet, dass Morphologie, Beweglichkeit und Vitalität „également diminuées mais de façon non statistiquement significative“ seien. Diese Angabe fehlt im englischen Zeitschriftenabstract [s78] und zeigt, dass die Aussage auf Volumen und Konzentration beschränkt bleibt. Die zweite Arbeit [s29] wertete Daten des Artemis-Zentrums am Universitätsklinikum Bordeaux (2016 bis 2021) mit der Job-Expositions-Matrix PESTIPOP „toutes professions confondues“ aus; es zeigten sich nicht signifikante Abwärtstendenzen für Konzentration (OR 0.5) und Vitalität (OR 0.31). Fallzahl und Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht. Beide Arbeiten sind keine begutachteten Zeitschriftenartikel.

**Übersichten in Französisch.** Bendayan und Mitarbeiter nennen Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährungszustand, elektromagnetische Wellen und Höhenlage als Umwelt- und Lebensstilfaktoren mit möglichem negativem Einfluss [s73]. Lamothe und Mitarbeiter beschreiben, dass die Spermienqualität sich seit 40 Jahren verschlechtere, dass mehr als 35 % der Ursachen männlicher Infertilität idiopathisch seien und dass Umwelteinflüsse vor allem über epigenetische und hormonelle Veränderungen wirkten; Berufsgruppen werden nicht genannt [s81]. Ein Dossier der Zeitschrift „Références en santé au travail“ aus dem Jahr 2002 behandelt endokrine Disruptoren bei beruflicher Exposition und erwähnt eine beschriebene Abnahme der Spermienqualität „dans certaines régions agricoles“ [s176].

**Leitlinien.** Die gemeinsame Empfehlung von AFU und SALF zur Abklärung der männlichen Infertilität fordert eine systematische Anamnese einschließlich „lifestyle habits“ und „treatments“, zwei Spermiogramme nach WHO-Vorgaben, wenn das erste auffällig ist, eine Skrotalsonographie, Hormonbestimmung mit mindestens Testosteron und FSH und einen Karyotyp bei einer Konzentration von höchstens 10 × 10^6/ml [s59]. Die CNGOF-Leitlinie 2022 zur Erstabklärung des infertilen Paares (28 Fragen im PICO-Format, erschienen 2024) hat unter ihren fünf Themenblöcken die „prevention of exposure to environmental factors“; die im Abstract genannten Empfehlungen betreffen aber Spermiogramm, Spermozytogramm, Spermakultur, Ernährung, Bewegung sowie Rauch- und Cannabisverzicht und Alkoholbegrenzung. Eine berufsbezogene Empfehlung steht im Abstract nicht [s32]. Berufliche Exposition erscheint in den französischen Leitlinien also höchstens am Rand.

**Erreichbarkeit.** HAL (api.hal.science) war erreichbar; einfache Suchbegriffe funktionierten, einzelne Abfragen mit Akzenten oder bestimmten Phrasen lieferten „Error. See help“. Cairn war im Rechercheprotokoll mit HTTP 403 vermerkt und damit nicht nutzbar. Die Literatur des Maghreb, die ebenfalls teils auf Französisch erscheint, wurde nicht gesondert durchsucht. Im Europe-PMC-Rohzähler lagen 17 Treffer für Französisch (ungeprüft).

**Belastbarkeit.** Die französischen Arbeiten sind überwiegend Übersichten, Fragebögen und Hochschulschriften; Primärstudien mit Samenanalyse an Beschäftigtengruppen sind selten (Pariser Stadtverwaltung, Batteriefabrik). Der eigentliche Beitrag liegt in der Methode, nämlich in der Frage, wie man berufliche Exposition in der Klinik strukturiert erfasst, nicht in großen Effektschätzungen.

### Italienisch

**Eigene Literatur: keine italienischsprachige Primärstudie.** Primärstudien zu Berufsgruppen und Spermienqualität in italienischer Sprache wurden nicht gefunden. Ein italienischsprachiger Übersichtsartikel von 1982 („Male infertility and occupational exposure to chemical agents: a review“) ist in der Datenbank ohne Abstract verzeichnet und wurde deshalb nicht aufgenommen. Die Società Italiana di Andrologia hat eine erreichbare Startseite (HTTP 200 im Rechercheprotokoll), aber es konnte kein Leitlinien- oder Positionspapier zu Berufsgruppen abgerufen werden. Im Europe-PMC-Rohzähler lagen 3 Treffer für Italienisch (ungeprüft).

**Italienische Gruppen schreiben auf Englisch.** Dennoch ist Italien in der Literatur gut vertreten, nur nicht in der Landessprache. Die Gruppe um Giulioni (Ancona) veröffentlichte die Metaanalyse zu Blei (zehn Arbeiten) [s39], eine kritische Übersicht zur Exposition gegenüber physikalischen Agenzien (Strahlung beeinträchtige insgesamt die Spermien; Konzentrationsänderungen seien nach psychischem Stress und sitzender Arbeit beschrieben; das Evidenzniveau sei außer für körperliche Belastung „not adequate“) [s40] und ein Scoping Review zu Schwermetallen (1709 Studien identifiziert, 21 eingeschlossen) [s15]. Cofone und Mitarbeiter aus Rom legten eine systematische Übersicht zu Umwelt- und Berufsexposition mit 21 Artikeln vor, die in Urin und Blut gemessene Schadstoffe (Bisphenole, Phthalate, Pestizide, PCB, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle) mit einzelnen Veränderungen der Spermienqualität verband, ohne Berufsgruppen getrennt auszuweisen [s37]. Aus Mailand stammt eine retrospektive Querschnittsstudie an 96 Männern einer Fruchtbarkeitsabklärung, die bei Nachtarbeitern höheren oxidativen Stress fand (mediane d-ROMs-Werte 340 gegenüber 280 U.CARR, p = 0.01; Nachtarbeit als unabhängiger Prädiktor, OR 2.1) [s13]. Aus Catanzaro kommt die systematische Übersicht zu intensivem Training bei Berufs- und Nichtberufssportlern (vier Studien, 156 Teilnehmer; 16 Wochen intensives Radtraining senkten Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie, Sicherheit der Evidenz „very low“) [s16].

**Ältere eigene Studien.** Aus Pisa stammen zwei Studien an Beschäftigten der Styrolverarbeitung: eine mit 46 Exponierten und 27 Kontrollen, die keine Unterschiede in den Standardparametern, aber einen deutlichen Unterschied im Comet-Assay fand (P < 0.001) [s175], und eine Spermien-FISH-Studie mit 18 Exponierten und 13 Kontrollen, die keinen signifikanten Unterschied in Aneuploidie und Diploidie zeigte und bei der Rauchen und Alter größeren Einfluss hatten als Styrol [s169]. Eine römische Vergleichsstudie an Taxifahrern interviewte 201 Fahrer und untersuchte bei 72 Speicheltestosteron und Samen; der Anteil normaler Spermienformen war mit 45.8 % gegenüber 64.0 % bei 50 Kontrollen signifikant niedriger und blieb in der multivariaten Analyse mit Alter, Rauchen und Alkohol bestehen, besonders bei längerer Berufsdauer [s202]. Zwei weitere Arbeiten aus den Jahren 1984 und 1987 betreffen eine Fall-Kontroll-Befragung (112 azoo- oder oligospermische Männer, 127 Kontrollen; kein Berufsfaktor war mit Azoo- oder Oligospermie verbunden) [s215] und den Vergleich von 18 Batteriearbeitern mit 18 Zementarbeitern (Spermienzahl median 45 gegenüber 73 × 10^6, p < .025) [s214]; die Abstracts nennen das Herkunftsland nicht, sodass sie hier nur der Vollständigkeit halber stehen.

**Fachzeitschriften.** Zwei italienische Zeitschriften sind in den Quellen vertreten, beide mit englischen Beiträgen: die „Annali di igiene“ (Cofone et al.) [s37] und das „Archivio italiano di urologia, andrologia“ (Giulioni et al.) [s40].

**Belastbarkeit.** Italien liefert Übersichten und Metaanalysen mit englischem Titel und einige kleine Beschäftigtenstudien; eine italienische Berufskohorte oder ein Register zur Spermienqualität kommt in den Quellen nicht vor.

### Portugiesisch

**Eigene Literatur: in den zugänglichen Quellen nicht auffindbar.** Portugiesischsprachige Primärstudien wurden nicht gefunden, und das ist der klarste Fall einer Lücke der Recherche, nicht des Forschungsstandes. Die dafür zuständigen Verzeichnisse SciELO und LILACS/BVS waren im Rechercheprotokoll mit HTTP 403 vermerkt; bei einer erneuten Prüfung am 05.10.2026 antwortete die BVS-Suche (pesquisa.bvsalud.org) ebenfalls mit HTTP 403. Ohne diese Datenbanken ist keine Aussage darüber möglich, ob es brasilianische oder portugiesische Beschäftigtenstudien gibt. Im Europe-PMC-Rohzähler lagen zwei Treffer für Portugiesisch (ungeprüft).

**Brasilianische Beiträge in englischer Sprache.** Zwei Arbeiten mit brasilianischer Herkunft sind in den Quellen. Achermann, Pereira und Esteves (Campinas) verglichen die WHO-Infertilitätsleitlinie 2025 mit den Leitlinien von AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE; berufliche Faktoren werden im Abstract nicht gesondert angesprochen [s01]. Zanin und Mitarbeiter (Rio Grande) untersuchten an Mäusen die berufliche Exposition gegenüber dem Narkosegas Isofluran (50 ppm, 5 Stunden täglich über 30 Tage): Spermienkinetik und Vitalität waren beeinträchtigt, mit oxidativem Stress, mitochondrialer Dysfunktion und Genomschäden, und die Effekte kehrten nach Ende der Exposition nicht sicher zurück [s35]. Das ist ein Tierversuch und für Beschäftigte in Operationssälen höchstens ein Hinweis auf Plausibilität; eine Humanstudie zu Narkosegasen wurde in den gesichteten Quellen nicht gefunden.

**Leitlinien.** Eine portugiesischsprachige Leitlinie mit Berufsbezug wurde nicht abgerufen.

**Belastbarkeit.** Für den portugiesischen Sprachraum ist die Aussage „keine Literatur“ nicht zulässig; zulässig ist nur „in den erreichbaren Quellen nichts gefunden“.

### Spanisch

**Eigene Literatur: eine kleine Studie aus Venezuela, dazu spanische Gruppen auf Englisch.** Spanischsprachig gefunden wurde eine kleine Vergleichsstudie zu Beschäftigten mit Cholinesterasehemmern in Insektiziden („[Seminal profile in workers exposed to cholinesterase inhibitor insecticides]“, Samenprofil bei Beschäftigten mit Exposition gegenüber Cholinesterasehemmer-Insektiziden), erschienen 2003 in „Investigacion clinica“ aus dem Institut für Arbeitsmedizin und Industriehygiene der Universität Zulia in Maracaibo, Venezuela [s168]. Verglichen wurden 29 Männer, die vier Stunden täglich seit mindestens einem Jahr exponiert waren, mit 30 Nichtexponierten. Signifikante Unterschiede (p < 0.05) gab es bei Spermienzahl pro ml, Anteil schneller, beweglicher und unbeweglicher sowie lebender und toter Spermien; die Morphologie lag innerhalb der WHO-Grenzen, aber Anteile von Spermien mit großem Kopf und amorphe Formen unterschieden sich signifikant. Berufsbezeichnungen nennt das Abstract nicht; ob Landwirte darunter sind, ist unklar, weshalb die Studie hier aufgeführt wird.

**Spanische Gruppen schreiben auf Englisch.** Aus Reus (Universitat Rovira i Virgili) stammt eine Pilotstudie in einem petrochemischen Komplex: 176 Personen, davon 22 Arbeiter und 154 Kontrollen, mit Blutwerten von Arsen, Chrom, Blei, Zinn und Thallium. Die Expositionen waren niedrig, Arbeiter hatten niedrigere Blutwerte für Chrom, Zinn und Blei als Kontrollen, und die Autoren betonen, dass Lebensstil und andere Faktoren die Samenqualität beeinflussen können; im Abstract steht ein p-Wert über 0.05 in einem Satz, der einen Unterschied behauptet, ein erkennbarer Widerspruch [s22]. Aus Córdoba (Reina-Sofía-Universitätsklinikum) kommt eine Fall-Kontroll-Studie in einem solarthermischen Kraftwerk mit 32 exponierten und 29 nicht exponierten Männern: Nach einem Jahr Exposition gegenüber polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen änderten sich Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie und DNA-Fragmentation nicht, aber seminale Leukozyteninfiltration, Superoxiddismutase-Aktivität und GSH/GSSG-Verhältnis waren ungünstiger [s30]. Aus Badajoz (Extremadura Centre for Human Assisted Reproduction) stammt eine Korrelationsstudie mit 40 Männern zur Ausscheidung von 5-Hydroxyindolessigsäure im Urin, bei der 20 Nachtschichtarbeiter eingeschlossen waren (zehn bewiesene Väter gegenüber zehn infertilen Männern); der Urinwert korrelierte negativ mit Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, normaler Morphologie und Vitalität, aber eine Kontrolle ohne Schichtarbeit fehlte [s122]. Die baskische Gruppe an der Universität des Baskenlandes beteiligte sich mit einer systematischen Übersicht und Metaanalyse zu körperlicher Aktivität und Samenqualität (32 Manuskripte; überwiegend keine großen Effekte) [s67].

**Datenbanken.** Dialnet war erreichbar (HTTP 200, Trefferliste lesbar); ein einziger passender Titel („Calidad seminal y toxicidad de metales pesados y plaguicidas“) wurde gefunden, seine Zusammenfassung konnte aber nicht abgerufen werden, weshalb er nicht in der Quellenliste steht. SciELO und LILACS/BVS waren nicht abrufbar (HTTP 403). Im Europe-PMC-Rohzähler lagen 26 Treffer für Spanisch (ungeprüft). Spanische oder lateinamerikanische Leitlinien mit Berufsbezug wurden nicht abgerufen.

**Belastbarkeit.** Die spanischsprachige Literatur ist in den frei zugänglichen Verzeichnissen kaum auffindbar. Die Einzelstudie aus Venezuela ist klein (29 gegen 30), hat im Abstract keine Berufsangabe und ist damit nur ein Hinweis. Wie bei Portugiesisch gilt: Die Lücke ist eine Lücke des Zugangs.

### Chinesisch

**Rolle.** Der chinesische Sprachraum ist nach dem englischen der größte in den Quellen: 35 der 63 Quellen aus China, Taiwan, Korea und Japan stammen aus China. Dazu gehören Festlandchina und Taiwan, die sich in Sprache, Zeitschriften und Methodik deutlich unterscheiden. Alle Angaben zu den älteren chinesischsprachigen Arbeiten beruhen auf den englischen PubMed-Abstracts; Originaltabellen und Methodenteile wurden nicht gesehen, weil CNKI und Wanfang nicht auswertbar erreichbar waren. Die Titel stehen in PubMed in englischer Übersetzung, die chinesischen Originaltitel wurden nicht abgerufen.

**Zwei Generationen von Studien.** Die Arbeiten der Jahre 1995 bis 2009 sind überwiegend chinesischsprachig und nur mit englischem Abstract auffindbar (Zeitschriften wie Zhonghua nan ke xue, Zhonghua yu fang yi xue za zhi und Acta Genetica Sinica). Sie untersuchen kleine Beschäftigtengruppen an benzol-, lösungsmittel-, pestizid- oder metallbelasteten Arbeitsplätzen. Die Arbeiten ab etwa 2015 sind überwiegend englischsprachig, größer und beschäftigen sich mit Lebensstil, sitzender Tätigkeit, Schichtarbeit und Stress.

**Die neuen, großen Studien.** Die größte ist die prospektive PREBIC-Kohorte mit 3425 Männern und 24 Monaten Nachbeobachtung: Rotierende Schichtarbeiter hatten gegenüber festen Tagarbeitern ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0.84; 95 %-KI 0.70 bis 0.99), innerhalb von zwei Jahren verfehlte der Unterschied knapp die Signifikanz (HR 0.86; 0.74 bis 1.01), und Konzentration (-10.77 %), Gesamtzahl (-11.63 %) und Vitalität (-3.86 %) waren niedriger; zwischen festen Tag- und festen Schichtarbeitern gab es keinen Unterschied [s09]. Dazu passt eine kombinierte Studie aus Mensch und Maus mit 1346 Männern, in der Wechselschichtarbeiter ein höheres Risiko einer niedrigen Spermienzahl hatten (OR 1.26; 1.05 bis 1.52) [s62], sowie eine ökologische Studie mit überlappender Autorenschaft zu Wechselschicht und Fruchtbarkeitsrate in 35 europäischen Ländern [s58]. Eine zweite Linie sind Spenderstudien: 12 301 Samenspender in Zhejiang (Referenzgruppe Studierende), in denen Informationstechnik-Berufe eine OR von 1.27 (1.03 bis 1.57) für verminderte progressive Beweglichkeit und Finanz- und Versicherungsberufe Risiken für niedriges Volumen, niedrige Konzentration und niedrige Gesamtzahl (OR 1.43, 1.57 und 1.98) zeigten [s53]. Hinzu kommen 465 Männer in Guangzhou, bei denen Computerzeit mit der Gesamtbeweglichkeit zusammenhing (OR 2.29; 1.11 bis 4.73), während Effektgrößen (Cohen d) überwiegend sehr klein waren und eine „schützende“ Wirkung der Nähe zu einer Chemiefabrik für Zufall oder Störgrößen spricht [s42], 826 auswertbare Teilnehmer einer Online-Befragung in Anhui, bei denen berufliche Hitze und Chemikalien nur in der univariaten Analyse eine Rolle spielten [s34], 384 Beschäftigte in Chongqing mit Arbeitsstress (OR 2.14 für niedrige Konzentration; 1.24 bis 3.68), der bei hoher sozialer Unterstützung keinen Zusammenhang zeigte [s71], und eine klinikbasierte Studie in Xinjiang mit 485 Männern, in der berufliche Hitzeexposition der stärkste Risikofaktor war (adjustierte OR 4.188; 1.527 bis 11.484), allerdings bei nur 25 exponierten Männern und deshalb mit sehr weitem Intervall [s05]. Eine ältere Urumqi-Studie fand bei Patienten einer Männerklinik niedrigere Werte bei Computerberufen, besonders bei mehr als zehn Stunden Nutzung täglich [s133].

**Eigene Kohorten und Register.** Ein Register im engeren Sinn gibt es in den Quellen nicht. Die PREBIC-Kohorte [s09] und die Spendergrundlage der Samenbank in Zhejiang [s53] kommen einem Register am nächsten; beide enthalten Berufsangaben nur als Selbstangabe. Auf der Ebene einzelner Betriebe gibt es dichte Datensätze: das benzolexponierte Kollektiv, in dem Chromosomenfehler per Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung gemessen wurden. Fünf Arbeiten aus Guangzhou, Zhongshan und Tianjin nennen teils dieselben zeitgewichteten Benzolkonzentrationen (42.29 und 86.49 mg/m³), sodass die Kollektive wahrscheinlich teilweise identisch oder aus demselben Betrieb sind; sie sind keine unabhängigen Replikationen [s188, s181, s167, s161, s117]. Die jüngste dieser Arbeiten, die „China Benzene and Sperm Study“ mit 30 benzolexponierten und 11 nicht exponierten Arbeitern, fand abgestufte, auf Biomarkern beruhende Zusammenhänge (adjustierte Inzidenzratenverhältnisse für alle strukturellen Aberrationen 1.42, 1.44 und 1.75 in niedriger, mäßiger und hoher Gruppe) [s117].

**Weitere Studien aus China nach Exposition.** Auffällig sind die Betriebsstudien: Formaldehyd in der Holzwerkstoffindustrie in Xi'an (124 Exponierte, 81 Kontrollen; ein quantitativer Expositionsindex, aber sehr schmale Konfidenzintervalle, deren Skala im Abstract nicht erklärt ist) [s49] und eine frühere Studie derselben Arbeitsgruppe (114 gegen 76; Odds Ratios für abnorme Beweglichkeit bis 4.84) [s104], Schwefelkohlenstoff in einer Chemiefaserfabrik (76 gegen 94 Männer, mit niedrigerer Vitalität und Beweglichkeit und veränderten Hormonen) [s93], eine Pilotstudie zu Bisphenol A (20 gegen 16 Arbeiter) [s129], Carbaryl (31 Exponierte, 46 interne und 22 externe Kontrollen) [s153] und Fenvalerat in chinesischer und englischer Fassung derselben Studie [s177, s144], Mangan im Urin (84 gegen 92) [s70] und Quecksilberdampf (38 gegen 18; Seminalplasma) [s206]. Bei Blei liegt die größte Datenlage zu Hormonen: 1573 bleiexponierte Arbeiter in Shanxi mit Testosteron und FSH, aber ohne Spermienparameter [s24]. Eine Fall-Kontroll-Studie in Changchun an 68 Paaren mit wiederholten Fehlgeburten fand schlechtere Spermienmerkmale und eine OR von 11.965 für das Zusammentreffen von beruflicher Exposition und ungesunden Gewohnheiten, ohne die Art der Exposition zu benennen [s114]. In derselben Linie stehen Berufsgruppenstudien zu Fahrern: Bei 78 unfruchtbaren Berufskraftfahrern aus Luoyang war die Quote abnormer Samenbefunde höher als bei Nichtfahrern, besonders bei mehr als acht Jahren Fahrpraxis, aber die Quoten nennt das Abstract nicht [s170].

**Taiwan.** Alle taiwanischen Studien sind englischsprachig und stammen aus wenigen Arbeitsgruppen. Themen sind Kokerei und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in vier Arbeiten derselben Gruppe mit teils überlappenden Kollektiven (52 Kokereiarbeiter gegen 35 Verwaltungsangestellte; Mischungsanalysen mit 38 gegen 24) [s95, s79, s46, s41], Blei in Batteriewerken (80 Arbeiter; bei Blutblei ab 25 µg/dl Veränderungen der DNA-Denaturierbarkeit) [s127] und eine Vorstudie mit fünf Exponierten und acht Kontrollen [s200], DEHP in PVC-Werken (45 Arbeiter, personenbezogene Luftmessung) [s118], Dimethylformamid in der Kunstlederherstellung (12 gegen 8) [s154] und ein Fallbericht zu Lösungsmitteln [s178]. Die taiwanischen Studien messen die Exposition häufiger personenbezogen als die Festlandstudien und adjustieren für Rauchen und Kaffee, haben dafür aber meist nur 12 bis 106 Teilnehmer.

**Leitlinien.** Eine chinesische Leitlinie mit Grenzwerten für Spermienparameter bei Berufsgruppen wurde nicht abgerufen. In der Studie zur zirkadianen Desynchronisation dient ein chinesischer Referenzwert (niedrige Spermienzahl unter 120 × 10^6 pro Ejakulat nach den Kriterien des chinesischen Gesundheitsministeriums) als Maßstab [s62].

**Fachzeitschriften.** Zhonghua nan ke xue (National Journal of Andrology), Zhonghua yu fang yi xue za zhi, Zhonghua lao dong wei sheng zhi ye bing za zhi (Chinese Journal of Industrial Hygiene and Occupational Diseases) und Acta Genetica Sinica prägen die ältere Literatur; die neuere erscheint in internationalen Titeln (Andrology, Scientific Reports, BMJ Open, JAMA Network Open). Die Formaldehyd-Studie in JAMA Network Open [s49] ist ein Beispiel dafür, dass eine chinesische Berufsstudie inzwischen in einer allgemeinen medizinischen Zeitschrift erscheint.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC (mit PubMed, PMC und den Chinese Biological Abstracts) war die Hauptquelle. CNKI (kns.cnki.net) lieferte im Rechercheprotokoll keinen Verbindungsaufbau, Wanfang antwortete mit HTTP 200, aber nur mit dem Gerüst einer Skriptanwendung ohne Ergebnisdaten. Es ist daher wahrscheinlich, dass in CNKI und Wanfang weitere chinesischsprachige Arbeiten (Dissertationen, nicht PubMed-indizierte Zeitschriften) existieren, die nicht geprüft werden konnten. Im Europe-PMC-Rohzähler lagen 102 Treffer mit Sprachfilter Chinesisch (ungeprüft); das ist der höchste Wert nach Englisch.

**Belastbarkeit und Überschneidungen.** Mehrere Befunde sind keine unabhängigen Belege: die Benzol-FISH-Arbeiten, die Kokerei-Arbeiten, die Carbaryl- und Fenvalerat-Studien (gemeinsame Kontrollen; die chinesische und die englische Fassung sind eine Studie) und die zwei Formaldehyd-Studien derselben Gruppe. Die Richtung der Befunde ist überwiegend einheitlich ungünstig; zugleich ist die Wahrscheinlichkeit einer Publikationsverzerrung hoch, weil Studien mit Befund häufiger publiziert und indexiert werden als solche ohne.

### Japanisch

**Eigene Literatur: methodisch zurückhaltend, überwiegend Übersichten und Methodenarbeiten.** Japanische Primärstudien am Menschen zum Thema sind selten und klein. Kamijima stellte 2005 fest, dass in Japan bisher nur sehr wenige Samenindex-Studien an Arbeitsplätzen durchgeführt wurden, und beschrieb die Gründe: Einwilligung von Arbeitgeber und Beschäftigten, Teilnahmesteigerung, Störgrößen wie Karenzzeit und Krankengeschichte, Standardisierung und Vorsicht bei der Mitteilung niedriger Samenqualität an eine exponierte Gruppe [s147].

**Das Teilnahmeproblem.** Wie berechtigt diese Vorsicht ist, zeigen Nakazono und Kollegen 2026 [s07]: Die Elternstudie lud von November 2024 bis Januar 2025 rund 2000 männliche Beschäftigte aus drei Firmen ein; nur 6 schlossen das Protokoll ab. In der anonymen Nachbefragung (April und Mai 2025, etwa 900 Eingeladene einer Firma, 108 ausgewertet) kannten 74 von 108 (68.5 %; 95 %-KI 59.3 bis 76.5) die Studie nicht. Gründe der 34 informierten Nichtteilnehmer waren wahrgenommene Irrelevanz (9 von 34), Widerstand gegen die Samengewinnung (9 von 34), Verlegenheit oder Zurückhaltung (8 von 34) und Aufwand (7 von 34); im zweiten Teil nannten 52 von 83 die Sorge vor ungünstigen Ergebnissen, 48 von 83 die Sorge um Ort oder Privatsphäre, und 36 von 83 (43.4 %) wären unter vereinfachten Bedingungen zur Samenanalyse bereit. Die Autoren deuten die niedrige Beteiligung vor allem als begrenzte Reichweite der Rekrutierung; Aussagen über Ursachen sind ausdrücklich nicht möglich. Die Nachfolge-Studie N-SEED (Protokoll) soll den DNA-Fragmentationsindex mit Umwelt- und Lebensstilfaktoren verbinden: 124 Personen wurden vom 18. Januar bis 21. Februar 2026 rekrutiert, erste Analysen werden bis März 2028 erwartet; Berufsgruppen sind nicht der Fokus [s08].

**Eigene Primärstudien.** Eine Erhebung bei 18 männlichen Insektizid-Sprühern in Zentraljapan (von 54 Beschäftigten; 18 Kontrollen, Messung im Sommer und im folgenden Winter) fand vergleichbare Spermienzahl und Vitalität, aber in der Sommeruntersuchung doppelt so hohe Anteile langsam progressiver und nichtprogressiver Spermien; die Autoren schließen auf eine mit der Sprühtätigkeit verbundene niedrigere Samenqualität, auch wenn Unterschiede zwischen den Gruppen inhärent sein könnten [s158]. Diese Gruppe liegt im Grenzbereich der hier ausgenommenen landwirtschaftlichen Berufe. Eine zweite Erhebung betraf 25 Beschäftigte (elf Männer) einer 2-Brompropan-Fabrik mit niedriger Exposition; Spermienindizes standen nicht im Zusammenhang mit der zeitgewichteten Exposition, unterhalb von 10 ppm wurden keine schweren Störungen gefunden [s190]. Eine einzige japanische Studie betrifft einen Strahlenberuf, zielt aber nicht auf Spermien: Bei 209 Wirbelsäulenchirurgen mit 436 Kindern war das Risikoverhältnis für ein weibliches Kind bei hoher Strahlenbelastung nach Art der Bleischürze 1.35 (1.04 bis 1.73); das Geschlechterverhältnis ist ein indirekter und von den Autoren selbst als umstritten bezeichneter Marker [s17]. Dieselbe Frage wurde in der Türkei an Ärzten mit ähnlichem Aufbau untersucht (siehe dort).

**Übersichten, Methodik und Recht.** Ichihara fasste 2005 den koreanischen Fall von 1995 und die japanischen Tierversuche zu 2-Brompropan in japanischer und englischer Sprache zusammen [s145, s146]. Takahashi und Mitarbeiter halten fest, dass epidemiologische Befunde zu beruflichen Expositionen und männlicher Reproduktion durch Schwierigkeiten bei der Bestimmung exponierter Gruppen und der Expositionsbeurteilung begrenzt bleiben [s160]. Kamijima beschrieb 2018 in japanischer Sprache, dass Japan den Schutz Schwangerer vor Reproduktionsgefahren am Arbeitsplatz verstärkt hat, männliche Beschäftigte über die Risikobewertung nach dem Arbeitssicherheits- und Gesundheitsgesetz geschützt werden könnten und aus Sicherheitsdatenblättern oft nicht erkennbar sei, ob keine Reproduktionstoxizität vorliegt oder nur Daten fehlen; Grenzwerte für Spermienparameter nennt die Arbeit nicht [s80]. Otani und Miura (2016, japanischsprachig, nur J-STAGE-Metadaten) erinnern an Schwermetalle, die Dibromchlorpropan-Ausbrüche der 1960er und 1970er Jahre und den Fall von 1995 und beschreiben die Entwicklung einfacher Spermientoxizitätstests, weil konventionelle Methoden (Zahl, Beweglichkeit, Kopfmorphologie) teuer oder nicht einfach seien [s100]. Als Tierversuch mit Arbeitsplatzbezug dient die Wistar-Ratten-Studie zu Organophosphat-Pestiziden (verminderte Beweglichkeit, mehr gebrochene Spermien) [s128].

**Leitlinien.** Eine japanische Leitlinie mit Grenzwerten für Spermienparameter bei Berufsgruppen wurde nicht abgerufen. Ein Beitrag des Komitees der Japanischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin zu reproduktionstoxischen Stoffen (2015) wurde über J-STAGE gefunden, hat dort aber kein Abstract und wurde deshalb nicht ausgewertet.

**Erreichbarkeit.** J-STAGE war über seine Such-Schnittstelle (Atom-XML) erreichbar, lieferte aber Treffer ohne Abstracts; Abstracts mussten von der Artikelseite geholt werden, und viele Treffer waren Tagungsbeiträge ohne Relevanz. CiNii war über die OpenSearch-Schnittstelle erreichbar; fünf japanische Suchen ergaben nur wenige Treffer (drei für „精子 職業“), eine Abfrage über eine andere Adresse lieferte nur HTTP 202 ohne Inhalt. Im Europe-PMC-Rohzähler lagen fünf Treffer für Japanisch (ungeprüft). Hochschulschriften, die nicht über J-STAGE oder CiNii erschlossen sind, konnten nicht geprüft werden.

**Belastbarkeit.** Japan liefert für das Thema vor allem methodische Einsicht, nämlich dass die Beschäftigtenstudie mit Samenanalyse an Betriebsbedingungen und Teilnahmebereitschaft scheitern kann, und weniger Befunde. Eine japanische Studie zu einer der hier betrachteten Berufsgruppen mit Spermienparametern fehlt.

### Koreanisch

**Eigene Literatur: ein Ereignis, kaum Primärstudien.** Prägend ist ein einziges Ereignis, die 2-Brompropan-Vergiftung von 1995 in einer Elektronikfabrik. Kim und Mitarbeiter beschrieben 33 Beschäftigte (8 Männer, 25 Frauen): 16 der 25 Frauen hatten eine sekundäre Amenorrhoe mit hohem FSH, von den acht Männern zeigten zwei eine Azoospermie und vier eine Oligospermie (Normwert über 20 Millionen/ml) oder verminderte Beweglichkeit (Normwert über 50 %); als mögliche Ursache blieb nach Ausschluss anderer bekannter Stoffe die Reinigungslösung mit 97.4 % 2-Brompropan [s203]. Spätere Übersichten geben dieselben Zahlen wieder, nämlich 23 betroffene Beschäftigte, davon 17 (68 %) von 25 Frauen mit Ovarialinsuffizienz [s192, s123]; es handelt sich um denselben Fall, nicht um neue Fälle. Die Ereignisliteratur liegt auf Englisch vor und wird von japanischen Gruppen mit Tierversuchen weitergeführt [s145, s146].

**Weitere Studien.** Die einzige weitere empirische Studie ist eine Licht- und elektronenmikroskopische Untersuchung bei Petrochemie-Beschäftigten im Vergleich zu Beamten in einem nicht industrialisierten Gebiet; das PubMed-Abstract besteht nur aus der Schlussfolgerung, die Exposition scheine die Beweglichkeit und die Ultrastruktur der Spermien zu verschlechtern; Zahlen, Gruppengrößen und Methodik liegen nicht vor, und die Vergleichsgruppe unterscheidet sich im Wohnort [s121]. Ein Tierversuch an 20 Ratten (Seoul) fand bei langer Exposition gegenüber Mobiltelefonstrahlung (4G-LTE) niedrigere Spermatiden-Zahlen (398.6, 365.40, 354.60 und 298.60 × 10^6/ml in den vier Gruppen; p = 0.041) [s82]. Eine Arbeit zur Hitzebelastung in der Stahlindustrie (30 Exponierte, 14 Nichtexponierte) erschien in einer koreanischen Fachzeitschrift (Safety and Health at Work), stammt aber aus dem Iran [s76].

**Übersichten.** Zwei koreanische Übersichten zum Arbeitsschutz stellen fest, dass belastbare Humandaten fehlen: Park hält die Humandaten für unzureichend und betont die relativ kurze Latenz bis zu Fortpflanzungsschäden [s63]; Rim wertete von 100 gewählten Artikeln 47 aus (überwiegend deskriptiv) und sieht Regelungslücken in Korea außer dem Sicherheitsdatenblatt [s89]. Beide enthalten keine Spermien-Einzelwerte; ihre Vorschläge zum Arbeitsschutz sind Vorschläge der Autoren, keine Aussagen dieses Kapitels.

**Leitlinien.** Eine koreanische Leitlinie zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht abgerufen. Koreanischsprachige Primärliteratur zu Beruf und Spermienqualität wurde über KCI nicht gefunden.

**Erreichbarkeit.** KCI war als Portal erreichbar; acht koreanische Suchen ergaben null bis einen Treffer (der eine, „정자 직업“, betraf einen bildungswissenschaftlichen Beitrag ohne Bezug), und eine ältere Direkt-URL der Artikelliste ergab HTTP 404. KoreaMed war erreichbar („sperm occupational“ 11 Treffer, „semen workers“ 4; relevant waren nur zwei). DBpia war nicht erreichbar (keine Antwort). Im Europe-PMC-Rohzähler lagen zwei Treffer für Koreanisch (ungeprüft).

**Belastbarkeit.** Dass keine koreanische Studie zu Soldaten, Schweißern, Feuerwehr, Piloten oder Friseuren gefunden wurde, kann mit der eingeschränkten Zugänglichkeit der koreanischen Datenbanken zusammenhängen und ist keine Aussage, dass es sie nicht gibt.

### Russisch

**Rolle.** Der russischsprachige Raum (Russland, Kasachstan und russischsprachige Zeitschriften) hat die eigenständigste Literatur der drei Räume des Teils C: 23 der 44 dort aufgenommenen Quellen sind russischsprachig (16 Volltexte aus CyberLeninka, 7 PubMed-Einträge nur mit Abstract). Sie ist arbeitsmedizinisch und hygienisch geprägt und orientiert sich an einem eigenen Regelwerk: Arbeitsbedingungen werden in Klassen (3.1 bis 3.4 „schädlich“) eingeteilt, Grenzwerte (PDK) und das relative Risiko samt ätiologischem Anteil nach Miettinen sind üblich [s130, s72]. Typisch sind Prozentangaben mit Standardfehler statt Konfidenzintervallen, Teilgruppen ohne Größenangabe und auffallend viele Arbeiten, die sich an Frauen richten (diese wurden gesichtet und ausgeschlossen). Die Rohstoffwirtschaft dominiert (Metallurgie, Erzbergbau, Erdöl und Gas), was die Auswahl der untersuchten Berufe erklärt.

**Metallurgie (Wolgograd).** Latyshevskaya und Bessarabov untersuchten im Stahlwerk „Krasny Oktyabr“ 218 Männer im Alter von 21 bis 37 Jahren, davon 110 Exponierte (Stahlkocher, Gehilfen, Hochofenreparaturkräfte, Putzer) und 108 Kontrollen. Allgemeine Morbidität je 100 Untersuchte: 415.40 ± 46.98 gegenüber 183.30 ± 37.23 (p < 0.01). Im Spermiogramm hatten nur 5.5 ± 5.3 % der Exponierten normale Werte gegenüber 23.5 ± 10.3 % der Kontrollen; Asthenoteratozoospermie 50 ± 11.8 % gegenüber 17.6 ± 9.24 % [s142]. Die Teilgruppen mit Samenanalyse sind nicht genannt; aus den Prozentwerten lässt sich zurückrechnen (eigene Rechnung des Berichts), dass es nur etwa 18 Exponierte und etwa 17 Kontrollen waren. Dieselbe Studie ist in drei Zeitschriften nahezu wortgleich erschienen [s142, s141, s136]; die Fassung von 2008 ersetzt „Metallurgen“ durch „Industriearbeiter“ bei unverändertem Datensatz, was keine unabhängige Bestätigung ist. Egorova verglich 100 Metallurgen mit 80 Arbeitern ohne Eisenmetallurgie (eine Pathologie bei 44 % gegenüber 18.5 %; relatives Risiko einer Störung der Fortpflanzungsfunktion 1.6 bis 2.9) [s126] und in einer größeren Arbeit 200 Metallurgen mit 190 Verwaltungsmitarbeitern, mit relativen Risiken für männliche Unfruchtbarkeit zwischen 1.62 (Operator einer Stranggussanlage) und 2.9 (Walzer im Warmwalzwerk) und einem Testosteronwert unter 13.8 nmol/l schon bei Beschäftigten bis 5 Jahre; ohne Konfidenzintervalle und ohne Erklärung der Diagnosekriterien [s130]. Sechs Veröffentlichungen aus zwei Arbeitsgruppen stützen sich im Kern auf zwei Datensätze; die Richtung ist einheitlich ungünstig, die Teilstichproben sind klein oder nicht genannt.

**Bergbau.** Teregulov und Mitarbeiter beschrieben 142 Männer im Erzbergbau (Südural, Westkasachstan; Klasse 3.3 bis 3.4, Dreischichtbetrieb, ohne Tageslicht, Metallaerosole): normales Spermiogramm bei 33.6 %, Asthenozoospermie bei 28.5 %, Oligozoospermie 1. Grades bei 15.7 %. Eine Kontrollgruppe fehlt, die Prozentwerte summieren sich zu 99.0 % (die Tabelle nennt 100.0 %), und die Teilstichprobe für die Samenanalyse ist nicht genannt [s72]. Pavlov und Teregulov verglichen 186 Untertagebergleute mit 84 Kontrollen anhand von Selbstangaben (verminderte Zahl der Geschlechtsakte 60.0 % gegenüber 19.3 %); bei 30 vorselektierten Männern zeigten sich Oligoasthenozoospermien, eine Kontrollgruppe mit Samenanalyse fehlt [s106].

**Erdöl, Erdgas und chemische Exposition.** Nikolaev und Loginov (nur Abstract) beschrieben 40 Männer mit unerfülltem Kinderwunsch in vier Berufsgruppen und eine Kontrollgruppe; Erdgas und erdölgelöstes Gas seien am stärksten toxisch gewesen; Zahlen und Gruppengrößen fehlen im Abstract [s103]. Ilyinskikh und Mitarbeiter fanden in nordsibirischen Erdölfeldern bei 139 Männern in vier Gruppen Teratozoospermie und karyopathologische Veränderungen nur bei Arbeitern mit Varikozele signifikant häufiger, bei Bohrarbeitern mit Varikozele mehr als bei Verwaltungsmitarbeitern mit Varikozele; für Männer ohne Varikozele wird kein Unterschied berichtet. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass Berufseffekt und Vorerkrankung getrennt betrachtet werden müssen [s94]. Sarkulov und Kumaev (Aktobe, Kasachstan) verglichen 30 Arbeiter der Gaskondensat-Gewinnung mit 20 Arbeitern anderer Betriebe: Spermien je ml 45.2 ± 8.8 Mio. in der Kontrollgruppe gegenüber 32.1 ± 20.6 Mio. nach 3 bis 9 und 20.4 ± 8.5 Mio. nach mehr als 10 Jahren Beschäftigung; die Aufteilung der 30 Arbeiter ist nicht genannt, die Streuungen sind teils größer als die Mittelwertunterschiede, die Beweglichkeit sinkt nicht stetig mit der Dauer, und der Beitrag von Schwefelwasserstoff wird angenommen, nicht gemessen [s107]. Alikina und Dolgikh setzten Ejakulat von 50 Beschäftigten eines Erdölförderbetriebs mit Fertilitätsstörung 72 Stunden lang Benzol (0.001 µg/ml, „experimentell gewählt“) aus; ein Zusammenhang von Berufsexposition und Spermienqualität wird damit nicht geprüft, weil weder die tatsächliche Benzolbelastung gemessen noch eine unexponierte Vergleichsgruppe untersucht wurde [s56].

**Arbeitsstress, Berufswahl und Registerdaten.** Tkachev und Tkacheva (Moskau, 2026) verglichen in einer privaten Reproduktionsklinik 56 Männer mit mehr als einem Jahr „Produktionsstress“ (Mittel 9.8 Jahre) und 25 „praktisch gesunde“ Kontrollen: Gesamtzahl 18.90 ± 1.02 gegenüber 42.48 ± 2.33 Mio., morphologisch normale Spermien 28.17 ± 0.86 gegenüber 90.56 ± 0.85 %, Gesamttestosteron 13.24 ± 0.44 gegenüber 23.80 ± 0.69 nmol/l (p < 0.001 für die meisten Parameter) [s11]. Das Design ist ein klassischer Selektionsfehler (Patienten gegen Gesunde); „Produktionsstress“ ist nicht quantifiziert, und ein Normalanteil von 90.56 % bei den Kontrollen ist mit WHO-Kriterien kaum vereinbar, was auf ein anderes Morphologiekriterium deutet und internationale Vergleiche unmöglich macht. Perova und Starikova (private Klinik, Moskau; 54 „gesunde“ Männer) fanden Konzentrationen von 64 Mio./ml bei Leitern, 46 bei Büro-, Bank- und Lehrberufen, 23 bei Ladern und 15 bei Arbeitslosen, ohne Gruppengrößen, Streuung und Test [s99]. Ein Register ist die Aktenanalyse von Belik und Korchin aus Chanty-Mansijsk: Von 627 Patienten mit männlicher Unfruchtbarkeit in einer Abteilung für assistierte Reproduktion (2020 bis 2023) waren bei 9 (1.4 %) berufliche Schädlichkeiten dokumentiert, gegenüber Rauchen bei 258 (41.1 %), Adipositas bei 123 (19.6 %) und metabolischem Syndrom bei 84 (13.4 %); das sagt nichts über das Risiko, nur über die Häufigkeit der Erfassung [s25]. Aus dem Maschinenbau stammt eine Hormonstudie an 318 Männern gegenüber 148 ohne Kontakt (Abweichungen von Testosteron, Lutropin und Follitropin bei 25.5 %), aber ohne Samenanalyse [s90]; an 1119 Ratten ergab ein Vibrationsversuch bei 20 Hz Verzögerung der Spermienbildung, mit sehr hoher Dosis und ohne Kontrollwerte in Zahlen im Text [s124].

**Ionisierende Strahlung nach dem Reaktorunfall.** Drei Arbeiten aus den Jahren 1993 und 2004 betreffen die Aufräumkräfte von Tschernobyl, eine teils mit dem ausgenommenen Militär überlappende Gruppe, die hier wegen des Strahlenbezugs als Grenzfall aufgenommen ist: 125 Männer mit verringertem Ejakulatvolumen und verringerter Spermienzahl bei Dosen bis 25 rem [s210], 164 Männer, von denen bei 125 eine Samenanalyse erfolgte, mit Befunden wie bei chronischer Prostatitis und ohne „typische strahlungsbedingte Läsionen“ [s211] und eine histologische Serie an Hodengewebe [s155]. Alle drei sind nur als Abstract bekannt, haben keine Kontrollgruppe und keine Vergleichswerte im Abstract.

**Übersichten.** Fesenko und Mitarbeiter vom Izmerov-Institut für Arbeitsmedizin schrieben zwei analytische Literaturübersichten zu physikalischen und chemischen Produktionsfaktoren [s45, s36], Zemlyanova und Mitarbeiter eine Übersicht über 160 Publikationen [s26] und Potemina und Mitarbeiter (nur Abstract) halten fest, dass die meisten in Luft und Boden von Industriestädten gefundenen Chemikalien Reproduktionstoxika seien [s139]. Alle sind narrativ, ohne Effektgrößen im Abstract.

**Leitlinien.** Eine russische Leitlinie mit Aussagen zu Berufsgruppen wurde nicht abgerufen; die Rechercheberichte nennen keine.

**Fachzeitschriften und Regionales.** Die Literatur stammt überwiegend aus „Meditsina truda i promyshlennaya ekologiya“, „Gigiena i sanitariia“ und „Meditsina truda i ekologiya cheloveka“ sowie aus „Urologiia“. Kasachstan veröffentlicht auf Russisch und gehört deshalb zum selben Sprachraum [s107]. PubMed führt viele dieser Arbeiten nur mit englischer Titelübersetzung und transliterierter Fassung des Originaltitels; in CyberLeninka sind sie dagegen mit kyrillischem Titel und vollem Text erreichbar.

**Erreichbarkeit.** CyberLeninka war über die interne Such-Schnittstelle erreichbar (Trefferzahl je Suche auf 1000 begrenzt; bei schneller Abfolge zeitweise HTTP 503, nach Wartezeit abrufbar). eLIBRARY.ru lieferte nur eine kleine Fehlerseite, DergiPark leitet auf eine Bot-Prüfung um und ist nicht automatisiert nutzbar. Dissertationen (russische Kandidatendissertationen) wurden nicht durchsucht. 52 CyberLeninka-Volltexte wurden gelesen, 16 davon aufgenommen; im Europe-PMC-Rohzähler lagen 20 Treffer für Russisch (ungeprüft), in einer anderen Abfrage des Teils C mehrere hundert.

**Belastbarkeit.** Die Richtung der russischsprachigen Querschnitte ist einheitlich (schlechtere Samenbefunde bei Hitze, Metallen, Gas, Stress), die Aussagekraft ist aber durch kleine Teilstichproben, fehlende Adjustierung und Mehrfachveröffentlichung desselben Datensatzes begrenzt. Es gibt keine Kohortenstudie mit Samenanalyse, keine klinische Studie am Beschäftigten und, mit Ausnahme der Nickelübersicht, keine systematische Übersicht aus diesem Raum.

### Arabisch

**Eigene Literatur: keine arabischsprachige Berufsstudie mit Samenanalyse.** Im gesamten durchsuchten arabischsprachigen Raum wurde keine Studie gefunden, die bei Berufsgruppen Samenparameter misst und arabisch publiziert ist. Die arabischen Datensätze im Index e-Marefa bestehen bei der Suche nach Spermien und männlicher Unfruchtbarkeit überwiegend aus Tierversuchen und veterinärmedizinischen Arbeiten (Samen von Ziegen, Rindern, Geflügel), Arbeiten zu Strahlung bei Insekten und Pflanzenextrakten im Tierversuch. Ein Datensatz zu Schwermetallen in Blut, Urin und Speichel von Tankstellenarbeitern in Riad (2016) erfasst keine Spermienparameter und wurde deshalb nicht aufgenommen. Die vier im Teil C aufgenommenen Quellen des Raumes sind englischsprachig, mit Herkunft in Marokko, Tunesien und Ägypten sowie eine Übersicht aus dem Libanon zum östlichen Mittelmeerraum; aus dem Teil A kommt eine Fall-Kontroll-Studie aus Beirut hinzu.

**Eigene Kohorten und Register.** Das größte Kollektiv ist eine Auswertung aus einem Fertilitätszentrum in Ostmarokko (September 2021 bis Juli 2023): 3025 Männer mit Unfruchtbarkeit in der Partnerschaft, mittleres Alter 40 Jahre, mittlere Dauer des Kinderwunsches 5.5 Jahre. Der häufigste Risikofaktor war „berufliche Exposition“, danach Varikozele; Rauchen 24.29 %, Alkohol 12.49 %, Hitzeexposition 30.08 %; ein auffälliges Spermiogramm bei 78.71 %. Die Studie nennt sich Kohorte, ist aber eine beschreibende Querschnittsauswertung ohne Vergleichsgruppe und ohne Maß für den Zusammenhang; „berufliche Exposition“ wird nicht definiert, und die Prozentangabe 88.97 % für 2736 von 3025 Patienten ergibt rechnerisch 90.4 %, ohne dass der Abstract die Abweichung erklärt [s21]. Aus Sfax (Tunesien) kommt ein Fragebogen zur Berufsexposition bei 2122 Männern in andrologischer Abklärung: Pestizidexposition war mit einem höheren Risiko für Asthenozoospermie (adjustierte OR 1.6; 95 %-KI 1.0 bis 2.4) und Nekrozoospermie (OR 2.6; 1.4 bis 4.7) verbunden, Zementexposition nur mit einem Intervall, das 1 einschließt (OR 1.1; 0.9 bis 1.4); kein Zusammenhang mit Lösungsmitteln, übermäßiger Hitze und mechanischen Vibrationen. Das ist ein seltenes Beispiel adjustierter Zusammenhänge mit Konfidenzintervallen aus dem Maghreb; die Pestizidgruppe kann landwirtschaftliche Berufe enthalten, was der Abstract nicht aufschlüsselt [s86]. Aus Beirut stammt eine Fall-Kontroll-Studie mit 74 infertilen Männern und 76 fertilen Kontrollen: Männer mit berichteter beruflicher Exposition hatten ein doppelt so hohes Infertilitätsrisiko, die Blutkonzentrationen von Schwermetallen waren aber in keiner Untergruppe höher als bei Kontrollen [s134]. Eine kleine Studie aus Kairo mit drei Gruppen zu je zehn Männern (schwere idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, idiopathisch infertile Männer mit normalem Samen, fertile Kontrollen) fand mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung keinen signifikanten Unterschied der Gesamtdisomie, aber eine positive Korrelation mit der Zahl der Umweltfaktoren; Beruf und Lebensstil sind darin nicht getrennt [s87]. Eine narrative Übersicht zum östlichen Mittelmeerraum (63 Studien, Januar 2012 bis Juni 2024; etwa 59 % zu männlichen, 36 % zu weiblichen Faktoren) berichtet, ein Rückgang von Samenparametern korreliere mit hohen Temperaturen, Bisphenol A und Luftstaub; die Evidenz sei begrenzt und regional ungleich verteilt [s14].

**Leitlinien.** Eine arabischsprachige Leitlinie zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurde nicht gefunden.

**Fachzeitschriften und Regionales.** Die Studien erscheinen in internationalen englischsprachigen Titeln (zum Beispiel Obstetrics & Gynecology Science, International Journal of Reproductive Biomedicine) und, im Fall des Kairoer Datensatzes, über einen arabischen Index mit Abstract in Arabisch und Englisch. Die Maghreb-Länder publizieren zusätzlich auf Französisch, was in dieser Recherche nicht gesondert durchsucht wurde.

**Erreichbarkeit.** Europe PMC lieferte mit dem Sprachfilter Arabisch keine Treffer (auch im Rohzähler vom 05.10.2026 null). e-Marefa war ohne Anmeldung als HTML-Suche und mit Detailseiten (Abstract arabisch und englisch) erreichbar, Volltext nur mit Abonnement, Trefferliste schwer filterbar. Arab World Research Source (EBSCO) ist ein kostenpflichtiges Produkt, zu dem kein Zugang bestand; die algerische Plattform ASJP ließ keinen Verbindungsaufbau zu, und ägyptische Universitätsportale zeigten eine Bot-Erkennungsseite.

**Belastbarkeit.** Offen bleibt, ob es arabischsprachige Berufsstudien in den nicht erreichbaren Datenbanken gibt. Aus den vorliegenden englischen Studien lässt sich nur sagen, dass Berufsexposition in nordafrikanischen und libanesischen Klinikpopulationen als Risikofaktor genannt wird, ohne dass Berufsgruppen aufgeschlüsselt werden.

### Türkisch

**Rolle.** Der türkische Raum hat in den Quellen einen großen Einzelblock, die Borarbeiter-Forschung, und sonst überwiegend Übersichten und Fragebogenstudien. Berufsbezogene Studien mit Samenanalyse erscheinen überwiegend in englischsprachigen internationalen Zeitschriften (Andrologia, Archives of Toxicology) [s57, s132, s75, s65]; in türkischen Zeitschriften (Androloji Bülteni, Van Tıp Dergisi, Zeynep Kamil Tıp Bülteni) finden sich Übersichten und Fragebogenstudien ohne Samenanalyse [s83, s84, s85, s88]. Von den 16 Quellen aus der Türkei wurden 10 über Europe PMC und 6 über TR Dizin gefunden.

**Bor.** Hintergrund der Fragestellung ist die Einstufung von Borsäure und Boraten in der EU als reproduktionstoxisch Kategorie 1B aufgrund von Tierversuchen [s75, s92]. Die Ankara-Gruppe um Duydu, Başaran und Bolt untersuchte Arbeiter in Bandırma und Bigadiç, wo die Türkei große Boratvorkommen und Produktionsstätten hat [s184]. Eine Querschnittsstudie an 212 Arbeitern hatte eine „extreme“ Gruppe (n = 98) mit mittlerer täglicher Borzufuhr von 47.17 ± 17.47 mg und fand weder bei den Samenparametern noch bei FSH, LH und Gesamttestosteron nachteilige Effekte [s75]. 304 Arbeiter aus Bandırma und Bigadiç zeigten keinen Zusammenhang zwischen Borexposition und dem Verhältnis von Y- zu X-tragenden Spermien und keine Verschiebung des Geschlechterverhältnisses bei der Geburt [s65]; 163 Arbeiter der Borsäureproduktion in Bandırma (86 Exponierte, 77 Kontrollen) bestätigten das und widerlegen nach Aussage der Autoren eine frühere Studie aus chinesischen Borbergbaugebieten [s69]. Weitere Arbeiten betrafen DNA-Schäden (der Abstract nennt Comet-Test in Spermien p = 0.861, enthält aber p-Werte über 1 und ist für den Mikrokerntest unbrauchbar) [s64, s115], Männer im Borbergbaugebiet, definiert über Wohnort und Trinkwasser statt Arbeit [s119], eine Übersicht mit einem Abstand von etwa dem Faktor 9 zwischen dem Blutborwert der hochexponierten Beschäftigten (223.89 ± 69.49 ng/g) und dem Blutwert, der bei der Ratte dem NOAEL entspricht (2020 ng/g) [s92], und eine Befragung von 799 erreichten Borarbeitern ohne Samenanalyse, mit Infertilitätsraten von 1.2 %, 1.1 % und 4.1 % in drei Regionen und 1.8 % insgesamt [s184]. Das ist die methodisch am besten ausgeführte Gruppe, weil sie die innere Dosis misst, und sie findet durchgehend keinen Effekt. Die Arbeiten stammen aber aus derselben Gruppe, der Standort Bandırma kehrt wieder, die Gruppengröße 212 steht in zwei Arbeiten, und mehrere Veröffentlichungen argumentieren ausdrücklich gegen die EU-Einstufung; sie sind daher nicht als unabhängige Studien zu zählen, und der Befund ist nicht auf andere Expositionen übertragbar.

**Weitere Berufsstudien.** In einer Kinderwunschambulanz in Kahramanmaraş hatten unter 220 Männern die 104 Schichtarbeiter häufiger Oligozoospermie (p = 0.006), und im Modell mit Alter, Testosteron, Stresswert, Rauchen und Varikozele blieben Schichtarbeit (OR 2.11; 95 %-KI 1.03 bis 4.34) und ein hoher Schlafqualitäts-Index (OR 1.18; 1.01 bis 1.39) mit Oligozoospermie assoziiert; die Intervalle liegen nahe an 1 [s57]. Bei 38 Mautstellenbeschäftigten an Autobahnen im Vergleich zu 35 Büroangestellten waren Beweglichkeit und Zahl häufiger vermindert und der Anteil normaler Formen niedriger (p = 0.001); die Exposition wurde nicht gemessen, nur der Arbeitsort als Ersatz [s132]. Eine Fall-Kontroll-Studie an 30 Radiologie-Beschäftigten und 30 Kontrollen (Mersin; Samenanalyse nach WHO 2021) fand niedrigere Konzentration und häufigere morphologische Abweichungen (p < 0.05), erhöhte NK-Zellen und niedrigere TNP1-Expression [s02]. Eine Befragung von 177 Ärzten (Orthopäden, Gynäkologen, Kinderärzte) nutzte das Geschlechterverhältnis der Kinder als indirekten Marker: Orthopäden hatten signifikant weniger Söhne (p = 0.002), und unter ihnen senkten mehr als 50 Durchleuchtungsaufnahmen pro Woche die Wahrscheinlichkeit eines Sohnes (OR 0.353; 0.178 bis 0.703); das im Abstract angegebene p = 0.030 passt nicht zu diesem Intervall (eigene Rückrechnung etwa 0.003), ob ein Tippfehler vorliegt, lässt sich ohne Volltext nicht klären [s54]. Zwei parallele Fragebogenstudien mit Chi-Quadrat-Tests ohne Samenanalyse an 70 Zementwerkern gegenüber 70 Büroangestellten und an 75 Kernbohrungs-Operatoren gegenüber 75 Büroangestellten berichten signifikante Unterschiede bei Fehlbildungen, Fehl-, Tot- und Frühgeburten und der Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin; sie sagen nichts über die Spermienqualität aus [s83, s84]. Zwei türkischsprachige Übersichten behandeln das Arbeitsleben und die männliche reproduktive Gesundheit [s85] und Cadmium [s88]; beide Abstracts enthalten keine Zahlen.

**Leitlinien.** Eine türkische Leitlinie zu Berufsgruppen wurde nicht abgerufen.

**Erreichbarkeit.** TR Dizin ist eine Skript-Anwendung; die JSON-Schnittstelle lieferte Titel, Abstracts, DOI und Zeitschrift, aber keinen Volltext. DergiPark leitete auf eine Bot-Prüfung um und war nicht automatisiert nutzbar. Der Europe-PMC-Sprachfilter für Türkisch lieferte im Rechercheprotokoll 3 Treffer, im Rohzähler vom 05.10.2026 keinen. Türkische Hochschulschriften (Tezler) wurden nicht durchsucht.

**Belastbarkeit.** Von den 44 Quellen des Teils C berichten nur drei Konfidenzintervalle für Berufseffekte auf Samenparameter oder Fertilitätsmarker [s57, s54, s86]. Die türkische Literatur liefert damit einen sehr gut gemessenen Nullbefund (Bor) und mehrere kleine Studien mit Hinweisen (Schichtarbeit, Mautstellen, Radiologie), aber keine Kohorte.

# Kapitel 05: Einordnung, Grenzen und offene Fragen

Dieses Kapitel schließt die Gesamtstudie zu weiteren Berufsgruppen und der Spermienqualität ab. Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer sowie Landwirte werden in anderen Teilen der Studie behandelt und hier nur dort erwähnt, wo eine Studie sie als Untergruppe einschließt. Grundlage sind die 216 Quellen aus der Quellenzuordnung der Synthese, die Rechercheberichte der drei Sprachgruppen (en/de/fr/it/pt/es, zh/ja/ko, ru/ar/tr) und, bei Zweifelsfällen, ein erneuter Abruf des Abstracts über die Europe-PMC-Schnittstelle. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen der Synthese, zum Beispiel [s09] oder [s09, s62].

Ein Hinweis zur Lesart gleich vorweg: Die weitaus meisten Zahlen dieser Studie stammen aus Abstracts, nicht aus Volltexten. Wo ein Abstract erkennbar fehlerhafte oder widersprüchliche Angaben enthält, ist das in den Fachkapiteln und hier ausdrücklich vermerkt. Dieses Kapitel gibt Studienlage wieder. Es enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Wer die Literatur zu Berufen und Spermienqualität nebeneinanderlegt, findet selten eine Frage, auf die alle Studien in dieselbe Richtung antworten. Das ist kein Zeichen von Nachlässigkeit der Forschenden, sondern hat meist erkennbare Gründe: unterschiedliche Fragestellungen hinter gleich klingenden Begriffen, unterschiedliche Auswahl der Männer, unterschiedliche Messverfahren und schlicht zu kleine Gruppen. Die folgenden Abschnitte gehen die wichtigsten Widersprüche einzeln durch und nennen jeweils die plausibelsten Erklärungen, soweit sie sich aus den Quellen selbst ergeben. Wo eine Erklärung nur eine Vermutung ist, steht das dabei.

### Wechselschicht und Nachtarbeit: Kohorte und Metaanalyse sagen Verschiedenes

Die größte Einzelstudie zur Schichtarbeit ist die prospektive PREBIC-Kohorte mit 3425 Männern [s09]. Rotierende Schichtarbeiter hatten gegenüber festen Tagarbeitern nach Adjustierung ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 95-%-KI 0,70 bis 0,99; p = 0,04), und ihre Spermienkonzentration lag um 10,77 % niedriger (KI −18,89 % bis −2,55 %). Zwischen festen Tag- und festen Schichtarbeitern fand sich dagegen kein Unterschied [s09]. Ähnlich geht eine chinesische Querschnittsstudie an 1346 Männern in dieselbe Richtung: Wechselschichtarbeiter hatten ein höheres Risiko für eine niedrige Gesamtspermienzahl (OR 1,26; KI 1,05 bis 1,52) [s62]. In einer türkischen Kinderwunschambulanz waren Schichtarbeit und schlechte Schlafqualität nach Adjustierung mit Oligozoospermie verbunden (OR 2,11; KI 1,03 bis 4,34 bzw. OR 1,18; KI 1,01 bis 1,39) [s57], und in einer europäischen Klinikstichprobe war Nachtarbeit ein unabhängiger Prädiktor erhöhten oxidativen Stresses (OR 2,1) [s13].

Dem steht die Metaanalyse zur Nachtschichtarbeit gegenüber, die acht Studien einschließt: Der gepoolte Unterschied der Spermienzahl betrug −18,38 × 10^6 mit einem Konfidenzintervall von −59,82 bis 23,07 (drei Studien, I² = 85,12 %), das die Null einschließt [s23]. Die prospektive LIFE-Kohorte, in der Männer nach dem Absetzen der Verhütung beobachtet wurden, fand für Schicht- und Nachtarbeit überhaupt keinen Zusammenhang mit der Samenqualität [s101].

Mögliche Erklärungen, soweit aus den Quellen ableitbar:

- **Trennung von Wechsel- und Festschicht.** Nur die PREBIC-Kohorte trennt rotierende von fester Schichtarbeit sauber, und nur dort fehlt bei fester Schicht der Effekt [s09]. Wo beide Formen unter „Schichtarbeit“ zusammengefasst werden, kann ein Effekt der Wechselschicht verdünnt werden. Das ist eine Vermutung, die zur Datenlage passt, aber nicht bewiesen ist.
- **Zu wenig Datengrundlage in der Metaanalyse.** In die Spermienzahl gingen nur drei Studien ein, die Heterogenität war hoch, und die Mehrzahl der Studien hatte ein hohes Verzerrungsrisiko bei Teilnehmerauswahl und Expositionserfassung [s23]. Ein nicht signifikanter Pool aus drei heterogenen Studien widerlegt keinen Effekt, er bestätigt ihn aber auch nicht.
- **Unterschiedliche Zielgrößen.** Schwangerschaftsrate [s09], Spermienzahl unter einem Schwellenwert [s62], Oligozoospermie [s57], oxidativer Stress [s13] und ein Urin-Metabolit des Serotonins [s122] sind verschiedene Endpunkte. Dass sie nicht in jeder Studie gemeinsam auffällig werden, ist nicht überraschend.
- **Selektion.** Die positiven Querschnittsstudien stammen überwiegend aus Kinderwunschambulanzen [s57, s13], also von Männern, die ohnehin wegen Fruchtbarkeitsfragen vorstellig wurden. LIFE rekrutierte Paare mit Kinderwunsch ohne Infertilitätsselektion [s101].
- **Schlaf als gemeinsamer Nenner.** In [s57] ließen sich Schichtarbeit und Schlafqualität nicht sicher trennen; die Schlafdauer korrelierte positiv mit der Konzentration. Ob die Schicht selbst oder der Schlafmangel wirkt, bleibt offen.
- **Tiermodelle stützen die Plausibilität, nicht das Ausmaß.** Bei Mäusen verursachte eine wöchentliche Umkehr des Hell-Dunkel-Zyklus Schäden an der Spermien-DNA [s10]; bei Ratten blieb die Spermienzahl unter gestörtem Lichtrhythmus unverändert, aber Beweglichkeit und Akrosomreaktion waren vermindert [s44]. Beides ist ein Hinweis auf einen möglichen Mechanismus, aber kein Maß für den Menschen.

Eine ökologische Studie über 35 europäische Länder passt zur Kohorte, sagt aber nichts über einzelne Männer: Ein Anstieg der Wechselschicht-Prävalenz um 10 % ging mit einem Rückgang der Gesamtfruchtbarkeitsrate um 0,114 einher [s58]. Spermiendaten enthält sie nicht.

### Sitzende Tätigkeit: Die Temperatur steigt, die Spermienzahl folgt nicht sicher

Hier liegt einer der lehrreichsten Widersprüche. Messungen der Hodensack-Hauttemperatur zeigen übereinstimmend, dass langes Sitzen die Temperatur erhöht: In einer Studie mit 101 Männern erklärte die Variation der sitzenden Arbeit 31,5 % der Variation der Median-Temperatur über 24 Stunden (unter 1 Stunde sitzend: 33,1 °C, über 6 Stunden sitzend: 34,7 °C) [s174]; in einer Kohorte mit 60 Männern lag die Temperatur in Sitzphasen im Mittel um 0,7 °C höher [s187]. Und die Temperatur hängt mit der Spermienkonzentration zusammen: Pro 1 °C höherer Median-Tagestemperatur sank die Konzentration um 40 % (KI 8 bis 71 %) [s173]; Männer mit mehr als 75 % der Tageswerte über 35 °C hatten eine mediane Konzentration von 33,4 × 10^6/mL gegenüber 91,8 × 10^6/mL bei Männern mit weniger als der Hälfte der Werte über 35 °C [s187].

Direkt zwischen Sitzen und Samenqualität fanden sich in denselben Arbeiten jedoch nur schwache und uneinheitliche Zusammenhänge; die Autoren von [s173] schließen, dass sitzende Arbeit trotz ihres starken Einflusses auf die Skrotaltemperatur keinen Effekt auf die Samenqualität zu haben scheine. Bei 1747 Männern aus dänischen Fertilitätszentren war die Konzentration im Quintil mit dem geringsten Sitzanteil 30,6 und im höchsten 40,5 Millionen/mL, ein nicht signifikanter Unterschied [s159]. In der Studie an 152 überwiegend sitzend Arbeitenden gab es keine Unterschiede bei den Standardparametern, wohl aber eine höhere Spermien-DNA-Fragmentation (Median 21,00 % gegenüber 16,50 %) [s66]; auch in [s109] blieben nach Korrektur für Mehrfachtests Lärm (verminderte Beweglichkeit) und Sitzen von mindestens 6 Stunden (erhöhter DNA-Fragmentationsindex) bestehen.

Mögliche Erklärungen:

- **Zwischengröße statt Endpunkt.** Die Hodentemperatur ist ein Zwischenparameter. Dass sie steigt, bedeutet nicht, dass sie in dem Bereich liegt, in dem die Spermienbildung leidet, und Freizeit-Sitzen korrelierte in [s174] nicht mit der Temperatur.
- **Unterschiedliche Endpunkte.** Zwei Studien sehen die Folgen eher im DNA-Fragmentationsindex als in Zahl und Beweglichkeit [s66, s109]. Wer nur die Routineparameter betrachtet, übersieht sie.
- **Zeit und Zuordnung.** Die dänische Kohorte stammt aus den Jahren 1981 bis 1983 und ordnete die Sitzzeit über die Berufsbezeichnung zu, nicht über individuelle Angaben [s159]. Eine Arbeitswelt mit anderer Bildschirm- und Sitzintensität lässt sich daraus nur eingeschränkt ablesen.
- **Verwechslung mit anderen Faktoren.** In der großen Samenspender-Studie war Tätigkeit in der Informationstechnologie mit ungünstiger progressiver Beweglichkeit verbunden (OR 1,27; KI 1,03 bis 1,57) [s53], doch Stress, Bewegungsmangel und Lebensstil sind davon nicht zu trennen.

### Hitze am Arbeitsplatz: ein starker Wert aus einer kleinen Gruppe

In einer klinikbasierten Querschnittsstudie aus Xinjiang war berufliche Hitzeexposition der stärkste Risikofaktor für niedrige Spermienqualität (adjustierte OR 4,188; KI 1,527 bis 11,484; p = 0,005); nur 25 Männer waren exponiert, und das Intervall ist entsprechend breit [s05]. In der Studie an Stahlarbeitern im Iran unterschieden sich 30 Hitzeexponierte von 14 Nichtexponierten in den meisten Parametern, wobei die Mittelwerte noch im normozoospermen Bereich lagen; eine Aussage des Abstracts zur Korrelation von Hitzeindizes und Körpertemperatur ist nach Einschätzung der Recherche physiologisch unplausibel formuliert [s76]. In der tunesischen Fragebogenstudie mit 2122 Männern fand sich dagegen kein Zusammenhang mit übermäßiger Hitze [s86], und in LIFE ebenfalls nicht [s101]; in [s125] war übermäßige Hitze mit eingeschränkter Beweglichkeit verbunden.

Die naheliegende Erklärung ist die Unschärfe des Begriffs: „Hitzeexposition“ meint in jeder Studie etwas anderes (gemessener Hitzeindex, Selbstangabe, Branche), und die starken Befunde stammen aus kleinen Gruppen. Hinzu kommt, dass für die AUA/ASRM-Leitlinie keine systematische Übersicht zu Hitzeexposition die Einschlusskriterien erfüllte [s27]; die Leitlinie konnte sich also auf keine Zusammenfassung stützen.

### Fahrer: gleiche Berufsbezeichnung, verschiedene Belastungen

Bei Fahrerberufen berichten sieben von acht Studien Nachteile bei mindestens einem Parameter, eine nicht. Bei Taxifahrern in Rom war der Anteil normaler Spermienformen niedriger (45,8 % gegenüber 64,0 %), die übrigen Parameter unterschieden sich nicht [s202]; bei bulgarischen Berufskraftfahrern war der Anteil mit gestörter „inseminativer Fähigkeit“ höher (66,25 % gegenüber 35,85 %) [s212]; bei Fahrradtaxi-Fahrern in Malawi lagen Volumen, Konzentration und Morphologie deutlich niedriger [s102]; in einer polnischen Laborauswertung zeigten Kraftfahrer und Soldaten dagegen keinen Unterschied zur Allgemeinbevölkerung [s199]. Betroffen sind also je nach Studie Morphologie, Beweglichkeit, Konzentration oder Volumen, nicht durchgängig derselbe Parameter.

Mögliche Erklärungen: Als Wirkpfade werden Ganzkörpervibration, langes Sitzen mit erhöhter Hodentemperatur, Stress, Schlafqualität, Abgase und Schwermetalle diskutiert, und keine Studie kann diese trennen [s55]. Die iranische Taxifahrer-Studie selbst nennt diese Störfaktoren als Grund, keine endgültige Aussage zu treffen; zudem steht im Abstract für die Varianzanalyse, die Vibration habe eine negative Wirkung, jeweils ein p-Wert über 0,05, was der Aussage widerspricht [s55]. Bei den malawischen Fahrradtaxis ist die körperliche Anstrengung des Radfahrens nicht von der Verkehrsbelastung zu trennen, und die Gesamtbeweglichkeit ist im Abstract in beiden Gruppen mit identischen Werten angegeben, offenbar ein Schreibfehler [s102]. Bei Mautstellenpersonal an Autobahnen wird Dieselabgas als mögliche Ursache angeführt, gemessen wurde sie nicht [s132]. Beim Vibrations-Thema stützen Tierdaten die Plausibilität: Bei Ratten waren unter Vibration Spermienzahl und Spermatogeneseindex vermindert [s194], und in einem russischen Tierversuch kam es zu atypischen Spermien und Embryonenverlust bei Paarung mit exponierten Männchen [s124]; die Dosen waren hoch und nicht auf Beschäftigte übertragbar.

### Psychischer Arbeitsstress: Ja, Nein und „kommt darauf an“

Eine Querschnittsstudie an 384 chinesischen Beschäftigten fand bei hohem Arbeitsstress ein höheres Risiko für eine Konzentration (OR 2,14; KI 1,24 bis 3,68) und eine Gesamtzahl (OR 1,95; KI 1,13 bis 3,36) unter den WHO-Schwellen, nicht aber bei hoher sozialer Unterstützung [s71]. In Kalifornien war wahrgenommener Stress mit niedrigerer Konzentration und Morphologie verbunden, Jobstrain dagegen nicht [s108]. In einer prospektiven dänischen Kohorte mit 399 Paaren zeigte sich nach Adjustierung kein Zusammenhang zwischen Jobstrain und Samenmerkmalen, Sexualhormonen oder Schwangerschaftswahrscheinlichkeit [s157]. Das Scoping Review wertet die Befunde zu Schichtarbeit, langen Arbeitszeiten und Jobstrain als nicht eindeutig, sieht aber Hinweise darauf, dass Jobstress und kognitive Erschöpfung die Spermienqualität vermindern und soziale Unterstützung puffert [s12].

Die Erklärung liegt zu einem guten Teil in den Begriffen. „Wahrgenommener Stress“, „Jobstrain“ (hohe Anforderungen bei geringem Entscheidungsspielraum) und „Arbeitsstress“ nach einem Fragebogen sind verschiedene Konstrukte. Hinzu kommen Designunterschiede: Die beiden positiven Studien sind querschnittlich, wodurch sich eine umgekehrte Richtung (Sorgen um die Fruchtbarkeit erhöhen das Stressempfinden) nicht ausschließen lässt [s71]; die negative ist prospektiv [s157]. Die Moderation durch soziale Unterstützung [s71] kann zudem erklären, warum Studien in verschiedenen Arbeitskulturen verschieden ausfallen. Ein extremer Befund aus Moskau (Konzentration 13,92 gegenüber 35,88 Mio./mL bei Männern mit langjährigem „Produktionsstress“ gegenüber „praktisch gesunden“ Kontrollen) vergleicht Patienten einer Reproduktionsklinik mit Gesunden, quantifiziert den Stress nicht und nennt als Normalformanteil der Kontrollen 90,56 %, was mit einer Bewertung nach WHO-Kriterien kaum vereinbar ist [s11]. Er trägt zur Frage kaum bei.

### Bildschirm- und Computerarbeit

Hier reicht die Spanne von „kein Zusammenhang“ bis zu einer sehr hohen Odds Ratio. In Shanghai unterschieden sich 91 Männer mit mindestens 20 Wochenstunden Computerexposition in keinem Parameter von 87 Kontrollen [s152]. Eine chinesische Studie an Männern einer Männerklinik berichtet dagegen bei Computerberufen niedrigere Volumina, Vitalität und Beweglichkeit als bei Patienten ohne Computerberuf, besonders bei mehr als zehn Stunden täglich [s133]. In einer Fall-Kontroll-Studie lag die adjustierte OR für Bildschirmgeräte und Computer bei 8,01 (KI 4,03 bis 15,87), doch die fertilen Kontrollen verweigerten die Samenabgabe, sodass nur die Diagnose „infertil“ als Zielgröße diente [s120]. In Guangzhou war Computernutzung mit verminderter Beweglichkeit verbunden (OR 2,29; KI 1,11 bis 4,73), bei sehr kleinen Effektgrößen und vielen Einzeltests [s42]; eine polnische Fallserie ohne Kontrollgruppe fand verminderte Beweglichkeit bei 20 Computeroperateuren [s209].

Mögliche Erklärung: Die großen Effekte stammen aus Patientenstichproben und Studien mit schwacher Kontrollgruppe [s133, s120, s209], die Studie mit Vergleichsgruppe aus der Allgemeinbevölkerung findet keinen Unterschied [s152], und die adjustierte Analyse bei Männern ohne Vorerkrankung findet einen kleinen Effekt bei vielen Einzeltests [s42]. Das passt zu dem Muster, dass berichtete Effektstärke und Designqualität hier gegenläufig erscheinen; belegt ist das nicht.

### Blei: Ein relativ konsistenter Stoff mit uneinheitlichen Schwellen

Bei Blei ist die Evidenz vergleichsweise dicht, aber nicht widerspruchsfrei. Die Metaanalyse mit zehn Studien findet signifikante, aber kleine Abnahmen (zum Beispiel Konzentration −0,63 × 10^6/mL; KI −1,15 bis −0,12), mit Intervallen knapp unterhalb von null und vermischter Umwelt- und Berufsexposition [s39]. Die multizentrische Studie mit 503 Männern fand die Konzentration erst oberhalb eines Blutbleis von 50 µg/dl um 49 % reduziert, mit einem wahrscheinlichen Schwellenwert bei 44 µg/dl; unterhalb von 45 µg/dl seien Effekte unwahrscheinlich [s171]. Kleine Vergleichsstudien berichten dagegen deutlich stärkere Effekte bei Batteriearbeitern (Spermienzahl, Dichte, Beweglichkeit und Volumen mit P < 0,001) [s150] und in einer Zink- und Bleihütte [s135]. Eine französische Kohorte (229 Bleiexponierte, 125 Nichtexponierte) fand auf keinem Expositionsniveau eine verminderte Fertilität [s213], und eine Kohorte aus Thailand zeigte bei kurzfristiger Exposition keine konsistenten Veränderungen [s201]. Die große chinesische Studie mit 1573 Arbeitern betrifft Sexualhormone, nicht Spermienparameter [s24].

Mögliche Erklärungen sind die Dosis (Schwelle nach [s171]), der Endpunkt (tatsächlich eingetretene Schwangerschaften [s213] gegenüber Laborwerten) und die Studiengröße: Die auffälligsten Effekte stammen aus Gruppen von 5 gegen 8 [s200], 18 gegen 18 [s214] oder 80 gegen 40 Männern [s150]. Wichtig für die Einordnung der Metaanalyse: Sie mischt Umwelt- und Berufsexposition und weist die Studienqualität im Abstract nicht aus [s39].

### Bor: die Ausnahme mit „kein Effekt“

Die türkische Borforschung ist methodisch der am besten ausgeführte Block einer einzelnen Beschäftigtengruppe, weil Bor in Blut, Urin und Samen gemessen wurde, und sie findet durchgehend keinen Effekt auf Samenparameter und Hormone, auch nicht in der Extremgruppe mit 47,17 ± 17,47 mg Bor pro Tag [s75]. Auch das Verhältnis Y- zu X-tragender Spermien blieb unverändert [s65, s69], die DNA-Schäden nahmen nicht zu [s64, s115], und bei Männern im Borbergbaugebiet mit Exposition über das Trinkwasser fand eine andere Gruppe keine nachteiligen Effekte [s119]. Dem gegenüber steht die Einstufung von Borsäure als reproduktionstoxisch in der EU auf Grundlage von Tierversuchen; die Autoren der Übersicht [s92] verweisen darauf, dass der Blutborwert, bei dem die Ratte keine Wirkung zeigt, um den Faktor 9 über dem mittleren Wert hochexponierter Beschäftigter liegt, und halten die Einstufung für nicht wissenschaftlich begründet. Das ist die Meinung der Autoren, kein Befund [s92]. Zu beachten: Mehrere dieser Arbeiten stammen aus derselben Gruppe, der Standort Bandırma kehrt wieder, und die Gruppengröße 212 steht sowohl in [s75] als auch in [s64]; die Stichproben sind deshalb nicht als unabhängig zu zählen. Der Widerspruch zwischen Tier und Mensch ist vor allem ein Dosisunterschied; er ist kein Beleg dafür, dass Tierversuche generell nicht übertragbar wären.

### Benzol, Lösungsmittel und Glykolether

Alle Benzolstudien weisen in dieselbe Richtung, aber sie sind keine unabhängigen Wiederholungen. Fünf Arbeiten aus Guangzhou, Zhongshan und Tianjin mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung an Spermien berichten mehr Chromosomenabweichungen bei Benzolexponierten [s188, s181, s167, s161, s117]; zwei nennen dieselbe zeitgewichtete Benzolkonzentration von 42,29 mg/m³ [s167, s161], zwei dieselbe andere von 86,49 mg/m³ [s151, s181]. Die einzige Studie mit abgestuften Expositionsgruppen und Biomarkern zeigte für strukturelle Aberrationen insgesamt adjustierte Inzidenzratenverhältnisse von 1,42, 1,44 und 1,75 in niedriger, mäßiger und hoher Gruppe, bei nur 11 Nichtexponierten [s117]. Eine Studie in einem petrochemischen und einem Chemiefaserbetrieb fand Progression und Beweglichkeit der Spermien in der exponierten (1,97 und 0,55) und in der internen Kontrollgruppe (1,97 und 0,55) gleichermaßen niedriger als in der externen Kontrollgruppe (2,56 und 0,60) [s189]; das spricht eher für gemeinsame Betriebsfaktoren als für eine Benzolwirkung allein. In der Arzneimittelindustrie blieben die makroskopischen Parameter unverändert, doch Gesamtzahl und Beweglichkeit nahmen dauerabhängig ab [s116]. Die Expositionen lagen nach den Abstracts über den damaligen nationalen Höchstwerten; die Aussagekraft für heutige Arbeitsplätze ist gering, die Richtungskonsistenz auffällig.

Für Lösungsmittel insgesamt fand eine Metaanalyse mit sieben Studien signifikante Abnahmen von Ejakulatvolumen (SMD −0,35; KI −0,63 bis −0,07) und Spermienkonzentration (SMD −0,36; KI −0,64 bis −0,08) [s78]; die französische Masterarbeit zur selben Analyse berichtet, dass Morphologie, Beweglichkeit und Vitalität ebenfalls vermindert, aber nicht signifikant seien [s77]. Eine niederländische Fall-Kontroll-Studie mit 899 Männern fand einen Zusammenhang für aromatische Lösungsmittel unabhängig von der Expositionsmethode [s195]. Die Fragebogenstudie aus Tunesien (2122 Männer) fand dagegen keinen Zusammenhang mit Lösungsmitteln [s86], die französische Studie mit 402 Männern eine adjustierte OR von 2,5 (KI 1,4 bis 4,4) [s125]. Bei Glykolethern war in Paris nur frühere Exposition mit erhöhtem Risiko verbunden, nicht die aktuelle [s138]; in Großbritannien lag die adjustierte OR für mäßige Exposition bei 1,46 (KI 0,93 bis 2,28), für hohe bei 2,25 (KI 1,08 bis 4,69) [s131]. Das Intervall der mäßigen Exposition schließt die 1 ein, und bei den Pariser Stadtarbeitern spricht der Befund nach Aussage der Autoren dafür, dass früher gebräuchliche Glykolether möglicherweise langfristig wirkten, heutige dagegen wahrscheinlich nicht [s138]. Auch hier liegt ein Teil der Erklärung in der Stoffgruppe (aromatische gegenüber anderen Lösungsmitteln), ein Teil in Zeitraum und Expositionsmessung.

### Berufsbezeichnungen: die Singapur-Frage und der Kragenvergleich

Am wenigsten konsistent sind die Studien, die Berufsklassen vergleichen. In Singapur hatten „Plant and machine operators“ ein höheres Risiko für Oligozoospermie (OR 1,93; KI 1,12 bis 3,30), „Senior officials and managers“ ein geringeres (OR 0,52; KI 0,32 bis 0,84) [s208]. Zwei Fall-Kontroll-Studien derselben Region fanden dagegen höhere Infertilitätsrisiken bei Technikern (OR 2,81) und bei „professional, senior officials and managers“ (OR 2,36) [s185] beziehungsweise bei Ingenieur-Technikern (OR 2,75), Finanzanalysten (OR 4,66), Unternehmens- und Computermanagern (OR 2,49) und Lehrern (OR 7,72; KI 1,86 bis 32,10) [s179]. Manager hätten demnach in der einen Studie das niedrigste, in den anderen ein erhöhtes Risiko. In der Samenspender-Studie aus Ostchina war eine Tätigkeit im Finanz- oder Versicherungswesen mit niedrigem Volumen, niedriger Konzentration und niedriger Gesamtzahl verbunden [s53]; in einer Moskauer Beobachtung hatten Leiter die höchste Konzentration (64 Mio./mL) und Lader die niedrigste unter den Berufen (23 Mio./mL), ohne Gruppengrößen und Statistik [s99]. Der Vergleich von Weiß- und Blaukragen-Beschäftigten ergibt ein Mischbild: Rauchen, Alkohol, Hitze und chemische Exposition waren bei Blaukragen häufiger, Stress und sitzender Lebensstil bei Weißkragen [s03].

Erklärungen: Die Kontrollgruppe der beiden Singapur-Studien bestand aus Männern, deren Frauen gerade schwanger waren, die Intervalle sind teilweise sehr weit, und beide Arbeiten stammen von denselben Autoren mit je 218 Fällen, eine Überlappung ist wahrscheinlich [s179, s185]. Berufsklassen sind grobe Expositionsmaße: Hinter „Techniker“ oder „Lehrer“ stehen sehr verschiedene Belastungen. Wer viele Berufe und viele Parameter gleichzeitig testet, findet zufällig einzelne Auffälligkeiten (Mehrfachtests); nur wenige Arbeiten korrigieren dafür [s109]. Und die Studienpopulationen unterscheiden sich in Auswahl und Zeit. In einer Analyse nach Sozialklassen waren azoosperme Männer häufiger in der Klasse der angelernten Handarbeit, doch zwischen Männern mit normaler und niedriger Spermienzahl gab es keinen Berufsunterschied; die Autoren vermuten Lebensstilunterschiede der Sozialklassen als Ursache [s162].

### Körperliche Arbeit und Bewegung

Schwere körperliche Anstrengung bei der Arbeit war in der prospektiven LIFE-Kohorte konsistent mit niedrigerer Konzentration und Gesamtzahl verbunden (13 % Oligospermie bei Männern mit schwerer Anstrengung gegenüber 6 % ohne) [s101]; in einer Querschnittsstudie mit 280 Männern waren Schwitzen und körperliche Müdigkeit bei der Arbeit negativ mit Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit assoziiert (Korrelationen −0,14 bis −0,26) [s04]. Die Metaanalyse zur körperlichen Aktivität fand dagegen überwiegend keine großen Effekte; Freizeitaktivität könne Konzentration und progressive Beweglichkeit begünstigen, Leistungssport einzelne Parameter verschlechtern [s67]. Intensives Radtraining senkte in einer Übersicht von vier Studien Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie, mit Rückkehr auf Ausgangswerte nach mindestens einer Woche Pause (außer Morphologie und Konzentration), bei sehr niedriger Sicherheit der Evidenz [s16].

Die Erklärung dürfte in der Unterscheidung von Beruf und Freizeit liegen sowie in der Hitze und mechanischen Belastung, die schwere Arbeit begleiten. Die Korrelationen in [s04] sind sehr klein, und 280 von 593 Männern gingen nach Ausschlusskriterien in die Auswertung ein. Die AUA/ASRM-Leitlinie hielt fest, dass für Sport und Bewegung keine systematische Übersicht die Einschlusskriterien erfüllte [s27]; die EAU hält als Evidenzaussage fest, dass bei infertilen Männern Lebensstilfaktoren einschließlich geringer körperlicher Aktivität mit verminderter Spermienqualität assoziiert sind [s216]. Zu beachten ist: Dort geht es um zu wenig, in den Berufsstudien dagegen um zu viel Bewegung.

### Strahlung und elektromagnetische Felder

Bei ionisierender Strahlung im Gesundheitswesen berichten zwei kleine Studien Nachteile: niedrigere Konzentration und mehr morphologische Anomalien bei 30 Radiologiebeschäftigten gegenüber 30 Kontrollen [s02]; Unterschiede in Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie und DNA-Fragmentation bei 83 beruflich Exponierten gegenüber 51 Nichtexponierten [s113]. Zwei Befragungen von Ärzten nutzen das Geschlecht der Kinder als indirekten Marker: In Japan hatten Wirbelsäulenchirurgen mit hoher Strahlenbelastung nach Bleischürzentyp häufiger Töchter (53 % gegenüber 39 %; bereinigtes Risikoverhältnis 1,35; KI 1,04 bis 1,73) [s17]; in der Türkei hatten Orthopäden weniger Söhne als Gynäkologen und Kinderärzte (p = 0,002); bei mehr als 50 Durchleuchtungsaufnahmen pro Woche lag die Odds Ratio für einen Sohn bei 0,353 (KI 0,178 bis 0,703), was nicht zu dem angegebenen p-Wert von 0,030 passt [s54]. Das Geschlechterverhältnis ist ein indirekter und umstrittener Marker mit vielen Einflüssen; beide Studien untersuchten keinen Samen [s17, s54]. Bei den Aufräumarbeitern von Tschernobyl lauten die Befunde in den Abstracts auf verminderte Spermienzahl [s210], aber auch auf das Fehlen „typischer strahlungsbedingter Läsionen“ [s211], jeweils ohne Kontrollgruppe.

Bei Radarpersonal in China sanken Beweglichkeit und Vitalität und stiegen Fehlformen, teils mit Dosis-Wirkungs-Beziehung, aber ohne gemessene Dosis [s140, s156, s166]; bei Heizgeräte-Bedienern lagen die Expositionen unter den Richtwerten und es gab nur geringe Unterschiede [s186]. Eine verschachtelte Fall-Kontroll-Studie fand keine erhöhte Wahrscheinlichkeit beruflicher Magnetfeld-Exposition bei Männern mit schlechter Samenqualität [s207], eine norwegische Studie dagegen erniedrigte Samenqualität bei Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (OR 3,22; KI 1,46 bis 7,09) und wertete den Einfluss beruflicher Exposition insgesamt als gering [s191]. Die WHO-nahe systematische Übersicht zu Radiofrequenz kommt zu „very uncertain“ und konnte berufliche Studien wegen verschiedener Quellen nicht zusammenfassen; beide beruflichen Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko [s31]. Mobiltelefonstrahlung zeigte in gepoolten Humanstudien keinen Zusammenhang, wohl aber in vitro und im Tierversuch eine Verminderung von Beweglichkeit und Vitalität [s61].

Der Widerspruch lässt sich zum Teil erklären: Radar, Magnetfeld, Radiofrequenz und Mobilfunk sind physikalisch verschiedene Expositionen, die unter „Strahlung“ zusammengefasst werden; die Dosis wurde in den chinesischen Studien nicht gemessen; und Tierversuche verwenden andere Expositionsmuster als der Alltag. Eine pauschale Aussage „Strahlung schadet“ oder „Strahlung schadet nicht“ tragen die Daten nicht.

### Kokerei-PAK und Polizisten: Wenn die Standardparameter nicht reagieren

Bei Kokereiarbeitern waren die klassischen Parameter nicht signifikant verändert, die Spermien-DNA aber schon: mehr sperrige DNA-Addukte (p = 0,009) und mehr 8-oxo-dGuo (p = 0,048), bei nicht signifikanter DNA-Fragmentierung (p = 0,232) [s95]. In einer Studie an nichtrauchenden Arbeitern war nur die Hochexpositionsgruppe in der Morphologie auffällig [s112]; die Mischungsanalysen fanden eine inverse Assoziation der PAK-Mischung mit der Vitalität [s41, s46]. Nach einem Jahr PAK-Exposition im solarthermischen Kraftwerk änderten sich Zahl, Beweglichkeit und DNA-Fragmentation nicht, wohl aber Leukozyteninfiltration und antioxidative Marker [s30]. Bei Stadtpolizisten stieg im schadstoffreichen Winter der Chromatinschaden, während die Beweglichkeit paradoxerweise höher war [s60].

Das Muster: Die DNA-Marker reagieren früher oder konsistenter als Zahl, Beweglichkeit und Morphologie; wer nur nach Letzteren schaut, sieht „keinen Effekt“. Hinzu kommt, dass vier Kokerei-Veröffentlichungen aus einer Arbeitsgruppe stammen und die Stichproben sich wahrscheinlich überschneiden [s95, s112, s46, s41]. Beim Polizistenvergleich vermengt die Jahreszeit Luftschadstoffe mit Temperatur und Lebensstil [s60].

### Styrol

In der Studie mit Proben bei Einstellung und nach sechs Monaten sank die Spermiendichte von 63,5 auf 46,0 Millionen/mL, ohne Zusammenhang mit der Mandelsäure im Urin als innerem Expositionsmaß; die Autoren stuften die Befunde als vorläufig und inkonsistent ein [s193]. Eine zweite Studie fand keine Unterschiede in Standardparametern, wohl aber im Comet-Test (P < 0,001) [s175], eine dritte keinen signifikanten Unterschied in Aneuploidie und Diploidie, wobei Rauchen und Alter größeren Einfluss hatten als Styrol [s169]. Auch hier unterscheiden sich die Endpunkte, und die Gruppen umfassen 18 bis 46 Exponierte.

### Berufsexposition: häufigster Risikofaktor oder Randerscheinung?

Zwei klinische Auswertungen stehen scheinbar im Widerspruch. In Ostmarokko war bei 3025 Männern mit unerfülltem Kinderwunsch „berufliche Exposition“ der häufigste Risikofaktor, vor der Varikozele [s21]. Im Register aus Chanty-Mansijsk wurden „berufliche Schädlichkeiten“ nur bei 9 von 627 Männern (1,4 %) dokumentiert, Rauchen dagegen bei 41,1 % [s25]. Beide haben keine Vergleichsgruppe, beide sagen nichts über ein Risiko, sondern über die Häufigkeit der Erfassung. Was als „berufliche Exposition“ gilt, ist in [s21] nicht definiert und wurde in [s25] offenbar nur aus der Akte entnommen. In Münster waren unter 2054 infertilen Männern bestimmte Berufe überrepräsentiert [s180]; ob das ein Risiko oder die Zuweisungspraxis einer Spezialsprechstunde abbildet, lässt sich aus dem Design nicht entscheiden.

### Zahlen, die in den Abstracts nicht zusammenpassen

Nicht jeder Widerspruch ist ein inhaltlicher. In einer Reihe von Abstracts stehen Angaben, die sich selbst widersprechen, und sie sind in den Fachkapiteln einzeln vermerkt. Beispiele: ein Mikrokerntest-p-Wert von 0,042 neben dem Satz, es sei keine signifikante Zunahme beobachtet worden, sowie p-Werte über 1 [s64]; eine Odds Ratio mit einem Konfidenzintervall, das einen p-Wert von etwa 0,003 statt der genannten 0,030 nahelegt (eigene Rückrechnung des Berichts) [s54]; ein Anteil normaler Spermien von 90,56 % bei den Kontrollen [s11]; die Prozentangabe 88,97 % für 2736 von 3025 Patienten, rechnerisch 90,4 % [s21]; eine „schützende“ Wirkung der Nähe zu einer Chemiefabrik [s42]; ein positiver Zusammenhang zwischen Bisphenol A und schneller Vorwärtsbeweglichkeit neben der Hauptaussage einer Schädigung [s129]. Der erneute Abruf der Abstracts von [s55], [s64] und [s49] bestätigte jeweils den Wortlaut. Wer solche Studien zitiert, sollte sie als Hinweise und nicht als Messwerte behandeln. Das Abstract von [s49] zur Formaldehydexposition enthält extrem schmale Konfidenzintervalle (zum Beispiel −1,00 % bis −0,98 % je Einheit des Expositionsindex); der erneute Abruf bestätigt, dass die Zahlen so im Abstract stehen, die zugrunde liegende Skala geht daraus aber nicht eindeutig hervor, und der Volltext ist zur Prüfung heranzuziehen [s49].

### Zusammenfassende Gegenüberstellung

| Thema | Stützende Befunde | Gegenläufige oder neutrale Befunde | Wahrscheinlichste Erklärung des Widerspruchs |
|---|---|---|---|
| Wechselschicht | [s09, s62, s57, s13] | [s23] Pool nicht signifikant; [s101] kein Zusammenhang | Wechsel- gegenüber Festschicht, wenige Studien im Pool, Endpunkte, Selektion |
| Sitzen | [s66, s109] DNA-Marker; [s174, s187] Temperatur | [s159, s173] kein Zusammenhang mit Samenqualität | Zwischengröße Temperatur, Endpunkt DNA, Zeitraum, Zuordnung nach Beruf |
| Hitze | [s05, s76] | [s86, s101] | Definition und Messung, kleine Gruppen |
| Fahrer | [s202, s212, s102, s55, s170] | [s199] | gemischte Belastungen, Stichprobenfehler |
| Arbeitsstress | [s71, s108 (wahrgenommener Stress)] | [s157, s108 (Jobstrain)] | verschiedene Konstrukte, Querschnitt gegenüber prospektiv |
| Computerarbeit | [s133, s42, s120, s209] | [s152] | Selektion, Kontrollgruppen, Effektgröße |
| Blei | [s39, s171, s150, s135] | [s213, s201, s134] | Dosisschwelle, Endpunkt, Gruppengröße |
| Bor | Tierversuche (nach [s92]) | [s75, s65, s69, s64, s115, s119] | Dosisabstand, überlappende Stichproben |
| Berufsklassen | [s208, s185, s179, s53, s50] | [s162] sowie gegenläufige Befunde zu Leitenden und Managern [s208, s185] | grobe Klassen, Mehrfachtests, Kontrollauswahl |
| Magnetfelder und Radiofrequenz | [s191, s166] | [s207, s31, s186] | verschiedene Expositionen, fehlende Dosismessung |

## Limitationen der Evidenz

### Was die Quellenbasis ist

Die Synthese umfasst 216 Quellen aus den Jahren 1984 bis 2026. Nach der Auswertung der Quellenliste stammen 26 aus der Zeit vor 2000, 65 aus den Jahren 2000 bis 2009, 61 aus 2010 bis 2019 und 63 aus 2020 oder später; eine Quelle ist ohne Jahr geführt [s216]. 152 Quellen sind ausschließlich englischsprachig markiert, daneben stehen unter anderem Russisch (23 Markierungen), Chinesisch (17), Französisch (8), Türkisch (5), Japanisch (4), Deutsch (2), Polnisch (2), Arabisch, Spanisch und Bulgarisch (je 1); Quellen mit englischem Abstract zu einer fremdsprachigen Arbeit tragen mehrere Markierungen. Nach den Studienbeschreibungen der Quellenliste sind acht Quellen Metaanalysen mit Meta-Analyse-Methodik [s23, s31, s38, s39, s61, s67, s77, s78], acht Leitlinien oder Leitlinienvergleiche [s01, s18, s19, s27, s28, s32, s59, s216], sieben Tierversuche oder tierexperimentelle Anteile [s10, s35, s44, s62, s82, s124, s128], dazu zwölf Quellen, die als Kohorte beschrieben sind [s09, s21, s49, s50, s60, s62, s101, s157, s159, s187, s201, s213]; alles Übrige sind Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Vergleichsstudien, Fallserien und Übersichtsarbeiten. Die Zuordnung ist grob und folgt den Selbstbeschreibungen in den Abstracts.

### Kein Beleg für Ursache und Wirkung

Fast alle Studien sind Beobachtungsstudien. Das hat Folgen: Ein Zusammenhang kann auf Störgrößen beruhen (Rauchen, Alkohol, Alter, Körpergewicht, Varikozele, Karenzzeit), auf umgekehrter Verursachung (ein Mann mit Fruchtbarkeitssorgen empfindet seine Arbeit als belastender [s71]) oder auf Selektion (Healthy-Worker-Effekt). Randomisierte Studien gibt es zu Berufsexpositionen nicht; die einzige herangezogene randomisierte Studie betrifft eine Nahrungsergänzung bei Beschäftigten mit Messung niederfrequenter Felder [s51] und gehört thematisch nicht zur Frage. Selbst die beste Konstellation, die prospektive Kohorte, zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen [s09].

### Expositionserfassung

In vielen Studien wird Exposition erfragt oder aus der Berufsbezeichnung abgeleitet, nicht gemessen. Das betrifft die großen Fragebogenstudien [s86, s125, s34, s109], die Spenderstudie [s53] und die LIFE-Kohorte [s101]. Berufsbezeichnungen sind grobe Expositionsmaße; Erinnerungsfehler sind möglich. Gemessene oder biologisch überwachte Expositionen gibt es für Bor [s75, s65, s69], Blei [s171, s197], Benzol [s117], Formaldehyd [s49, s104], PAK [s95], DEHP [s118] und Mangan [s70]; dort sind die Gruppen meist klein. Bei Strahlung fehlen in vielen Abstracts Dosisangaben [s98, s140, s156, s166, s02]. Hinzu kommt zeitliche Verzerrung: Ein Teil der Studien (1990er, frühe 2000er Jahre) beschreibt Expositionen, die über den damaligen Höchstwerten lagen [s189, s151]; was sie für heutige Arbeitsplätze bedeuten, ist offen.

### Zielgrößen und Messmethodik

Die Studien verwenden verschiedene Fassungen der WHO-Vorgaben zur Samenanalyse (genannt werden WHO 1999 [s163], WHO 2010 [s66, s72] und WHO 2021 [s02, s21], das 6. Handbuch [s05]). Normalbereiche und Bewertung der Morphologie unterscheiden sich damit zwischen den Arbeiten. Ein Anteil morphologisch normaler Spermien von 90,56 % [s11] zeigt, wie weit die Kriterien auseinander liegen können. Die meisten Studien beruhen auf einer einzigen Probe je Mann. Ein japanisches Methodenpapier nennt Karenzzeit, Krankengeschichte und Standardisierung als Störgrößen betrieblicher Samenindex-Studien [s147]. Spermien-DNA-Marker (SCSA, Comet-Test, Halosperm, 8-oxo-dGuo) werden mit verschiedenen Verfahren erhoben und sind zwischen Studien schwer vergleichbar. Die Endpunkte reichen von Laborwerten über Hormone [s24] und Schwangerschaftsraten [s09] bis zum Geschlecht der Kinder [s17, s54] und zu Fragebogenangaben der Partnerinnen [s83, s84, s184]; eine Vielzahl dieser Endpunkte sagt nichts über Spermienqualität im engeren Sinn.

### Auswahl der Männer

Die Stichproben sind häufig selektiert. Kinderwunschambulanzen und Männerkliniken ([s05, s57, s13, s133, s11, s99, s21, s86]) liefern Männer, die ohnehin wegen Fruchtbarkeitsfragen vorstellig wurden; Vergleiche dort verzerren, wenn Fälle Patienten und Kontrollen „gesunde“ Männer sind [s11]. Samenspender sind jung, gebildet und vorselektiert, viele sind Studierende [s53]. Männer nachweislich fertiler Kohorten [s50] sind dagegen ein seltener Glücksgriff. Die Beteiligungsrate in betrieblichen Studien ist niedrig: In einer japanischen Elternstudie schlossen von rund 2000 eingeladenen Beschäftigten nur 6 das Protokoll ab [s07]; in der Nachbefragung kannten 68,5 % der 108 Antwortenden die Studie nicht, und unter den informierten Nichtteilnehmern nannten 26,5 % wahrgenommene Irrelevanz, 26,5 % Widerstand gegen die Samengewinnung, 23,5 % Verlegenheit und 20,6 % Aufwand [s07]. Wer aber teilnimmt, unterscheidet sich vermutlich systematisch von denen, die es nicht tun; die Richtung der Verzerrung ist unbekannt.

### Stichprobengröße und Teststärke

Viele Studien haben weniger als 100 Teilnehmer. Beispiele: fünf exponierte gegen acht nicht exponierte Männer [s200], 12 gegen 8 [s154], 17 Schweißer ohne eigene Kontrollgruppe [s165], 18 gegen 18 [s158, s214], 25 Beschäftigte mit 2-Brompropan, darunter nur 11 Männer [s190], ein Einzelfall [s178]. Solche Studien können bestenfalls Hinweise liefern; Nulleffekte aus ihnen sind wegen fehlender Teststärke nicht belastbar, und Effekte sind unsicher. Das gilt auch umgekehrt für die großen Studien: Hohe Fallzahlen (3425 [s09], 12301 [s53], 3025 [s21]) schützen nicht vor Messfehlern der Exposition.

### Mehrfachtests und Konfidenzintervalle

Viele Arbeiten prüfen sehr viele Berufe und Parameter, ohne zu korrigieren; nur wenige korrigieren für Mehrfachtests (Beispiel [s109], wo nach der Korrektur nur zwei von mehreren Zusammenhängen bestehen blieben). Zahlreiche Abstracts enthalten keine Konfidenzintervalle oder keine Zahlenwerte; für die russischen, türkischen und arabischen Quellen nennt der zuständige Rechercheteil, dass nur drei von 44 Quellen Konfidenzintervalle für Berufseffekte auf Samenparameter oder Fertilitätsmarker berichten [s57, s54, s86]. Wo Intervalle angegeben sind, schließen sie häufig die 1 beinahe oder tatsächlich ein (zum Beispiel OR 1,1 mit KI 0,9 bis 1,4 [s86]; OR 2,11 mit unterer Grenze 1,03 [s57]) oder sind sehr weit (OR 7,72 mit KI 1,86 bis 32,10 bei Lehrern [s179]).

### Mehrfachveröffentlichung und überlappende Stichproben

Die Zahl der Quellen überschätzt die Zahl unabhängiger Belege. Sicher oder wahrscheinlich dieselben Datensätze stehen in:

- drei Veröffentlichungen zur Metallurgie in Wolgograd mit 218 Männern, in der Zweit- und Drittfassung nahezu wortgleich [s142, s141, s136];
- zwei Veröffentlichungen mit je 218 Fällen aus Singapur mit demselben Autorenteam [s179, s185];
- mehreren Kokerei-Veröffentlichungen aus Südtaiwan [s95, s112, s46, s41, s79];
- zwei Formaldehyd-Studien derselben Xi'aner Gruppe [s49, s104];
- zwei Benzol-Veröffentlichungen mit wahrscheinlich denselben 24 Arbeitern [s196, s183] und FISH-Arbeiten mit gleicher Benzolkonzentration [s167, s161, s151, s181];
- der chinesischen und englischen Fassung der Fenvalerat-Studie mit denselben Kontrollen wie die Carbaryl-Studie [s177, s144, s153];
- der Borforschung aus Bandırma mit identischer Gruppengröße 212 in mehreren Arbeiten [s75, s64];
- dem Ereignis der 2-Brompropan-Vergiftung von 1995, das in drei Veröffentlichungen mit denselben Zahlen erscheint [s203, s192, s123];
- der Metaanalyse zu Lösungsmitteln und der französischen Masterarbeit zur selben Analyse [s78, s77].

Wer zählt, wie viele Studien einen Effekt „bestätigen“, sollte diese Gruppen jeweils als einen Beleg oder zumindest nicht als unabhängige Replikationen zählen. Bei den Benzolarbeiten sind die Kollektive nach den Rechercheberichten wahrscheinlich teilweise identisch oder stammen aus demselben Betrieb.

### Publikationsverzerrung

Vermutlich werden Studien mit Befund häufiger publiziert und in Datenbanken erschlossen als solche ohne. Die Studien ohne Effekt (zum Beispiel Bor [s75], Magnetfelder [s207], Jobstrain [s157], sitzende Arbeit [s159]) sind in der Minderheit. Ein formaler Test auf Publikationsverzerrung ist bei der heterogenen Quellenlage nicht möglich.

### Lücken der Recherche

Die Recherche stützt sich überwiegend auf Europe PMC, die NCBI-Schnittstelle und einzelne Fachindizes. Mehrere Datenbanken waren nicht oder nur eingeschränkt nutzbar: Cairn, SciELO und LILACS/BVS lieferten HTTP 403, CNKI, DBpia und ASJP lieferten keine Antwort, Wanfang lieferte nur das Gerüst einer Skriptanwendung, eLIBRARY.ru, DergiPark und ägyptische Universitätsportale waren nicht automatisiert erreichbar, und die kostenpflichtige Arab World Research Source war nicht zugänglich. Für Spanisch, Portugiesisch und Italienisch wurden praktisch keine Primärstudien zu Berufsgruppen gefunden (eine spanischsprachige Vergleichsstudie ausgenommen [s168]); das ist keine Aussage über die Wirklichkeit, sondern über die Zugänglichkeit. Dasselbe gilt für Studien zu Feuerwehr, Piloten und Friseuren im chinesischen, japanischen und koreanischen Raum, die nicht gefunden wurden. In den Rechercheberichten ist ausdrücklich vermerkt, dass das Fehlen ein Befund über die abgerufenen Quellen und kein Beleg ist, dass es keine Studien gibt. Auch Dissertationen und nicht indexierte Zeitschriften wurden nicht systematisch durchsucht. Deutsche Primärstudien zu Berufsgruppen und Spermienqualität wurden nicht gefunden; die deutschsprachigen Treffer waren zwei urologische Übersichten [s52, s96] und Begründungen von Grenzwerten einzelner Stoffe.

### Nur Abstracts

Für die meisten Quellen standen nur Abstracts zur Verfügung; Volltexte wurden für die Leitlinien-Webseiten der AUA und der EAU [s27, s216] und für einige chinesische und andere Arbeiten ausgewertet. Aus Abstracts lassen sich Confounder-Kontrolle, Teilnehmerzahlen je Gruppe und Methodik oft nicht erkennen. Fehlende Angaben bedeuten nicht, dass sie in der Arbeit fehlen. Bei chinesischsprachigen Arbeiten lagen nur die englischen PubMed-Abstracts vor, und die Titel sind in PubMed in englischer Übersetzung geführt.

### Lücken bei Berufsgruppen und Fragestellungen

Für mehrere häufige Berufe wurde mit den eingesetzten Suchbegriffen kein verwertbarer Humanbefund gefunden: Köche und Bäcker (nur die Hintergrundannahme in [s163] und die Erwähnung von Bäckereien als heißem Arbeitsplatz in [s45]), Bauarbeiter, zahnmedizinisches Personal, Pflegepersonal und Ärzte ohne Strahlenbezug; für Narkosegase liegt nur ein Mausversuch mit 50 ppm Isofluran vor [s35]; für Lehrer und Finanzberufe nur Fall-Kontroll- beziehungsweise Spenderstudien aus Singapur und Ostchina [s179, s53]. Die Studien betreffen nur Männer als Beschäftigte; Wechselwirkungen mit der Partnerin sind nicht Gegenstand. Auch Dauer und Rückbildung sind selten untersucht: Eine Studie an Seeleuten sah nach sechs Monaten ohne Radar eine Besserung von Morphologie und Beweglichkeit, aber keine Normalisierung, als Querschnittsvergleich ohne Verlaufsbeobachtung [s140].

### Leitlinien als Einordnung und als Grenze

Die Leitlinien bestätigen die Lage mehr, als dass sie sie auflösen. Die AUA/ASRM-Leitlinie empfiehlt in Statement 8, Risikofaktoren einschließlich beruflicher Exposition zu besprechen und darauf hinzuweisen, dass die Datenlage zu den meisten Risikofaktoren begrenzt ist (Conditional Recommendation, Evidenzgrad C) [s27]. Die EAU-Online-Fassung enthält nach der Durchsicht der Rechercheberichte keine eigene Empfehlung zu Berufsgruppen oder Arbeitsplatzexposition [s216]; die EAU-Kurzfassung 2025 nennt als Kernempfehlungen die urologische und partnerseitige Abklärung und die Beratung zu Gesundheitsrisiken [s19]. Die Vergleichsarbeit zur WHO-Leitlinie 2025 stellt fest, dass ESHRE und NICE paarzentriert vorgehen mit begrenztem Fokus auf männerspezifische Wege [s01]. Berufe als solche werden in diesen Dokumenten nicht einzeln bewertet; sie sind also keine Instanz, die den Widerspruch der Primärliteratur entscheiden könnte.

## Offene Forschungsfragen

Aus den Widersprüchen und Lücken ergeben sich Fragen, die die vorhandene Literatur nicht beantwortet. Sie sind hier als Forschungsfragen formuliert, nicht als Handlungsempfehlungen.

1. **Wechselschicht gegenüber Festschicht.** Wirkt Wechselschicht anders als feste Nacht- oder Spätschicht, und über welchen Weg? Die PREBIC-Kohorte legt einen Unterschied nahe [s09], die Metaanalyse kann ihn wegen weniger Studien nicht stützen [s23]. Offen ist, ob Schlaf [s57], zirkadiane Störung [s62] oder soziale Faktoren der entscheidende Pfad sind. Tierdaten sprechen für Schäden der Spermien-DNA [s10], aber das menschliche Ausmaß ist unbekannt. Hilfreich wären prospektive Kohorten, die Schichtmodell, Chronotyp und Schlaf erfassen und Spermien-DNA-Marker einschließen.
2. **Sitzen und Hodentemperatur.** Warum bleibt der Zusammenhang zwischen Sitzarbeit und Spermienparametern so schwach, obwohl die Skrotaltemperatur klar mit dem Sitzen zusammenhängt [s173, s174]? Offen ist der Bereich, in dem die Temperatur ein Risiko wird, und ob Bildschirmarbeit, Fahrzeugsitz, Hitzearbeit und Freizeit-Sitzen unterschiedlich wirken. Nötig wären Studien mit kontinuierlicher Temperaturmessung und modernen Sitz- und Aktivitätsmessgeräten in heutigen Arbeitswelten, nicht nur Daten aus 1981 bis 1983 [s159].
3. **DNA-Marker gegenüber Routineparametern.** Mehrere Studien finden die Auffälligkeit nur in DNA-Fragmentation, Addukten oder oxidativen Schäden [s66, s95, s60, s30]. Offen ist, ob diese Marker die empfindlicheren Frühindikatoren sind und wie sie mit tatsächlicher Fruchtbarkeit zusammenhängen. Gebraucht werden standardisierte Verfahren und Studien, die Marker, Routineparameter und Schwangerschaftsraten gemeinsam erfassen.
4. **Dosis-Wirkungs-Beziehungen und Schwellen.** Für Blei wurde eine Schwelle von 44 µg/dl diskutiert [s171]; für die meisten Stoffe fehlen belastbare Schwellen. Für Benzol zeigen abgestufte Gruppen ein Muster [s117], doch mit wenigen Männern. Wo liegen heutige Arbeitsplatzbelastungen im Verhältnis zu den untersuchten Spannen? Für viele Studien aus den 1990er Jahren liegen die Expositionen über den damaligen Höchstwerten [s189].
5. **Mischungen statt Einzelstoffe.** Arbeitsplätze mit Mischexpositionen (Kokerei, Schweißrauch, Lacke, Kunststoffwerke) sind die Regel. Mischungsanalysen existieren erst in Ansätzen [s41, s46]. Offen ist, ob sich daraus robuste Aussagen ableiten lassen und ob die Methoden bei größeren Stichproben dieselben Ergebnisse liefern.
6. **Reversibilität.** Erholt sich die Spermienqualität nach Ende der Exposition? Hinweise gibt es aus dem Mausmodell zur zirkadianen Störung (Erholung nach Aufhebung) [s62], aus der Radar-Studie (teilweise Besserung) [s140] und aus dem Tiermodell zu Narkosegas (nicht sichere Rückkehr) [s35]. Beim Menschen fehlen Längsschnittstudien, die dieselben Männer vor, während und nach einer Exposition begleiten, wie es für Styrol ansatzweise versucht wurde [s193].
7. **Bisher kaum untersuchte Berufe.** Köche, Bäcker, Bauarbeiter, Zahnmedizin, Pflege, Lehrer und Finanzberufe sind unzureichend belegt [s179, s53]. Für Narkosegase gibt es nur Tierdaten [s35]. Auch der Einfluss von Arbeitslosigkeit, die in zwei Studien mit niedrigeren Parametern verbunden war [s53, s99], ist ungeklärt.
8. **Pestizide über alle Berufe hinweg.** Eine französische Masterarbeit untersuchte Pestizidexposition über eine Job-Expositions-Matrix in allen Berufen mit nicht signifikanten Abwärtstendenzen [s29]; die Fragebogenstudie aus Tunesien fand Zusammenhänge mit Asthenozoospermie und Nekrozoospermie [s86]. Die Frage jenseits der Landwirtschaft ist offen.
9. **Strahlung nach Quelle und Dosis.** Für Radar, Magnetfelder, Radiofrequenz und ionisierende Strahlung im medizinischen Bereich fehlt in vielen Abstracts die Dosis [s98, s140, s156, s166]. Zu klären wäre, ob die Befunde bei gemessener Dosis tragen, und ob das Geschlechterverhältnis der Kinder [s17, s54] ein brauchbarer Marker ist; direkte Samenanalysen bei Strahlenberufen mit Dosimetrie wären der nächste Schritt.
10. **Methodische Harmonisierung.** Einheitliche Berufsklassifikation, einheitliche WHO-Auflage, wiederholte Proben, standardisierte Karenzzeit, vorab festgelegte Hypothesen und Korrektur für Mehrfachtests würden Vergleiche zwischen Studien erst möglich machen. Das Methodenpapier zu Samenindex-Studien am Arbeitsplatz diskutiert Design, Einwilligung, Teilnahmesteigerung und die Vorsicht bei der Mitteilung niedriger Samenqualität an eine exponierte Gruppe [s147]; die Arbeit zur Anwendung der Spermienanalyse im Arbeitsschutz beschreibt die Entwicklung einfacher Spermientoxizitätstests [s100].
11. **Teilnahmebereitschaft.** Die japanische Beteiligungsstudie zeigt, dass ohne bessere Wege (Information, Privatsphäre, Umgang mit ungünstigen Ergebnissen) betriebliche Samenstudien kaum durchführbar sind: Von 83 Befragten sorgten sich 52 (62,7 %) vor ungünstigen Ergebnissen, 48 (57,8 %) um Ort oder Privatsphäre, und bei vereinfachten Bedingungen wären 36 (43,4 %) bereit [s07]. Ein laufendes Studienprotokoll (N-SEED) kombiniert Spermienmikroskopie mit Umwelt- und Lebensstilfaktoren, zeigt aber noch keine Ergebnisse [s08]. Offen ist, wie Studien gestaltet werden können, damit Beschäftigte teilnehmen, ohne dass die Teilnahme selbst zur Auswahl wird.
12. **Beitrag der Partnerin und des Paares.** Die männerzentrierte Literatur sagt wenig dazu, wie Berufsfaktoren auf Paarebene wirken; ESHRE und NICE gehen paarzentriert vor [s01]. Einzelne Studien wählen daher Endpunkte wie Fehlgeburt [s114] oder Zeit bis zur Schwangerschaft [s83, s84], deren Verbindung zur Spermienqualität ungeklärt ist.
13. **Replikation durch unabhängige Gruppen.** Für Formaldehyd [s49, s104], PAK [s95, s112], Benzol-FISH und Bor stammen die dichtesten Befunde aus einzelnen Arbeitsgruppen. Unabhängige Wiederholungen in anderen Ländern und mit heutigen Expositionen würden zeigen, ob die Ergebnisse übertragbar sind.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ordnet ein, was die Studienlage für Leserinnen und Leser bedeutet. Er enthält ausdrücklich keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Für die Beurteilung eines einzelnen Mannes ist weder eine Berufsbezeichnung noch eine der hier besprochenen Studien geeignet; dafür sind Anamnese, körperliche Untersuchung und Spermiogramm in ärztlicher Hand vorgesehen [s59, s27].

**1. Berufe sind keine Urteile.** Die Studien vergleichen Gruppen, nicht Personen. Selbst wo ein Zusammenhang berichtet wird, ist die Aussage ein Unterschied im Gruppenmittel oder ein erhöhtes statistisches Risiko, kein Schicksal. Berufsbezeichnungen sind grobe Maße; hinter derselben Bezeichnung stehen sehr verschiedene Belastungen [s208, s185, s179]. Die Befunde gelten für die jeweilige Arbeitsplatzumgebung und die jeweilige Zeit und erlauben keine Aussage über einzelne Personen oder einen Beruf insgesamt. Ein Beruf, der in einer Studie mit schlechteren Werten auffiel, ist deshalb nicht „riskant“, und ein Beruf ohne Studie ist nicht „unbedenklich“.

**2. Was relativ am besten gestützt ist, und wie stark.** Mit allen genannten Einschränkungen sind es folgende Expositionen, für die mehrere übereinstimmende Studien vorliegen: hohe Bleibelastung [s39, s171, s150], Lösungsmittel einschließlich aromatischer Lösungsmittel und früher gebräuchlicher Glykolether [s78, s195, s138, s131], Formaldehyd (zwei Studien einer Gruppe) [s49, s104], Benzol in hohen Konzentrationen (kleine Gruppen, überlappende Datensätze) [s117, s189], Kokerei-Emissionen mit Schäden an der Spermien-DNA [s95, s112], Wechselschichtarbeit [s09, s62] sowie schwere körperliche Belastung [s101, s04]. Die Effekte sind in den größeren Studien überwiegend klein bis mäßig: eine um 16 % niedrigere Schwangerschaftshazard bei Wechselschicht [s09], eine um rund 11 % niedrigere Konzentration [s09], kleine standardisierte Mittelwertdifferenzen bei Lösungsmitteln [s78], Intervalle knapp unter null bei Blei [s39]. Die Evidenzsicherheit ist, wo sie formal bewertet wurde, sehr niedrig [s31, s16].

**3. Was gut geprüft wurde und keinen Effekt zeigte.** Für Bor in realistischen Arbeitsplatzbedingungen fand die türkische Forschung keinen Effekt auf Samenparameter und Hormone [s75, s65, s69]; für psychischen Jobstrain in normalen dänischen Berufen ebenfalls nicht [s157]; Magnetfelder am Arbeitsplatz zeigten in einer verschachtelten Fall-Kontroll-Studie keinen Zusammenhang [s207]; die Bleistudie in einer französischen Batteriefabrik fand auf keinem Niveau eine verminderte Fertilität [s213]. Auch das gehört zum Gesamtbild: Nicht jede Belastung wirkt, und nicht jede kleine Studie mit einem Effekt ist ein Beleg.

**4. Was offen ist.** Für die meisten Berufsgruppen außerhalb der gut untersuchten Industrien fehlen belastbare Daten (Abschnitt „Limitationen“). Das gilt für Köche und Bäcker, Bauarbeiter, Pflege, Zahnmedizin, Lehrer und viele Dienstleistungsberufe. Aussagen wie „der Beruf X senkt die Spermienqualität“ sind in den meisten Fällen weder belegt noch widerlegt.

**5. Was Leitlinien dazu sagen.** Die AUA/ASRM-Leitlinie sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte Risikofaktoren einschließlich beruflicher Exposition besprechen können und dabei darauf hinweisen, dass die Daten zu den meisten Risikofaktoren begrenzt sind [s27]. Die französische Leitlinie von AFU und SALF fordert eine systematische Anamnese einschließlich Lebensgewohnheiten und Behandlungen, zwei Spermiogramme nach WHO-Vorgaben, wenn das erste auffällig ist, Skrotalsonographie und Hormonbestimmung [s59]; die australische Leitlinie empfiehlt Beratung zu potenziell veränderbaren Risikofaktoren [s18]; die CNGOF-Leitlinie nennt die Vorbeugung von Umweltexposition als Themenblock [s32]. Die EAU-Online-Fassung führt Umweltgifte und Strahlenexposition als Anamnese- und Ursachenpunkte [s216]. Wie gesagt: Sie bewerten Berufe nicht einzeln. Wer sich zu seinem eigenen Fall informieren will, bekommt dort Rahmen und Fragen, keine Berufsliste.

**6. Beitrag der Arbeitsmedizin.** Eine französische Pilotstudie prüfte ein vom Arbeitsmediziner geführtes Interview vor der Samenanalyse bei Männern in andrologischer Abklärung: Der mittlere Wissenswert über Reprotoxika betrug 9,6 ± 2,7 von 16, am häufigsten unterschätzt wurde übermäßige Hitze (34,7 % richtige Antworten); 80,7 % hielten das Interview für mäßig bis sehr nützlich [s91]. Das ist eine Befragung zur Akzeptanz, keine Studie zur Spermienqualität, und sie belegt keinen Nutzen für die Fruchtbarkeit. Auch die japanischen Beiträge weisen darauf hin, dass aus Sicherheitsdatenblättern oft nicht erkennbar sei, ob keine Reproduktionstoxizität vorliegt oder nur Daten fehlen [s80], und dass bei Mitteilung niedriger Samenqualität an eine exponierte Gruppe Vorsicht geboten ist [s147]. Die Studien selbst enthalten Vorschläge zum Arbeitsschutz (etwa Gefährdungsüberwachung, Ersatz, Lüftung, Schutzausrüstung [s89]); das sind Vorschläge der jeweiligen Arbeiten, keine Aussagen dieser Studie.

**7. Wie ein Spermiogramm zu lesen ist.** Die Studien zeigen, wie leicht Ergebnisse von Methodik und Bezugsgröße abhängen (WHO-Auflage, Karenzzeit, Probe, Labor). Ein einzelner Messwert ist Teil eines Befundes, der ärztlich eingeordnet werden muss; die genannte Leitlinie sieht zur Absicherung eine zweite Untersuchung bei auffälligem Erstbefund vor [s59]. Wer ein Ergebnis kennt und eine Veränderung am Arbeitsplatz vermutet, kann daraus allein keine Ursache ableiten: Rauchen, Alkohol, Körpergewicht, Varikozele, Infektionen und viele andere Faktoren beeinflussen dieselben Werte und sind in vielen Studien nicht ausreichend kontrolliert [s202, s34, s57].

**8. Maßstab für die Berichterstattung.** Für die Einordnung neuer Meldungen zum Thema „Beruf X schadet den Spermien“ sind folgende Fragen nützlich, die aus den Schwächen der vorhandenen Studien folgen: Wurde ein Vergleich mit einer geeigneten Gruppe gemacht oder nur Patienten untersucht? Wurde die Exposition gemessen oder erfragt? Wie viele Männer wurden untersucht? Wurde für Rauchen, Alter und Karenzzeit angepasst? Wurden Konfidenzintervalle berichtet? Ist die Studie unabhängig bestätigt, oder stammt sie aus derselben Gruppe wie die bisherigen? Wurde für Mehrfachtests korrigiert?

**9. Worüber diese Studie nichts aussagt.** Sie gibt keine Auskunft darüber, ob ein bestimmter Mann, dessen Beruf in den Fachkapiteln erwähnt wird, Probleme hat oder bekommt. Sie bewertet keine Maßnahmen und Behandlungen. Sie ersetzt weder Untersuchung noch Beratung durch Urologie, Andrologie, Reproduktionsmedizin oder Arbeitsmedizin. Und sie macht keine Aussage zu den in anderen Teilen behandelten Gruppen (Feuerwehr, Piloten, Militär, Schweißer, Friseure, Maler und Lackierer, Landwirte), außer wo ein Studienergebnis diese als Untergruppe einschloss.

## Glossar

**Akrosom:** kappenartige, enzymhaltige Struktur am Kopf der Samenzelle, die bei der Befruchtung freigesetzt wird; die Akrosomreaktion wird bei Tierversuchen als Funktionsmaß verwendet [s44].

**Asthenozoospermie:** verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

**Azoospermie:** keine Spermien im Ejakulat nachweisbar.

**Biomonitoring:** Messung von Schadstoffen oder ihren Abbauprodukten in Körperflüssigkeiten (Blut, Urin, Samen) statt bloßer Erfragung der Exposition, zum Beispiel Bor im Blut [s75] oder 1-Hydroxypyren im Urin [s95].

**CASA (Computer-Assisted Sperm Analysis):** computergestützte Spermienanalyse, die neben Zahl und Beweglichkeit Bewegungsparameter wie VCL, VSL, VAP und BCF liefert [s49, s104].

**Comet-Test (Einzelzell-Gelelektrophorese):** Verfahren zum Nachweis von DNA-Strangbrüchen in einzelnen Zellen, auch in Spermien [s115, s175].

**DFI (DNA-Fragmentationsindex):** Anteil von Spermien mit geschädigter DNA, im SCSA gemessen [s49, s109].

**Disomie, Nullisomie, Diploidie, Aneuploidie:** Abweichungen der Chromosomenzahl in einer Samenzelle (zwei Kopien statt einer, keine Kopie, doppelter Chromosomensatz bzw. allgemein falsche Zahl) [s188, s167].

**Ejakulatvolumen:** Menge der abgegebenen Samenflüssigkeit.

**Ereignisbezogene Fallserie:** Beschreibung von Erkrankten nach einem Ereignis ohne Vergleichsgruppe, zum Beispiel die 2-Brompropan-Vergiftung 1995 [s203].

**Fekundität / Fruchtbarkeitsrate:** Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft je Zeiteinheit beziehungsweise Zahl der Geburten je Frau; in [s09] als Hazard einer Schwangerschaft gemessen, in [s58] als Gesamtfruchtbarkeitsrate eines Landes.

**FISH (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung):** Verfahren, bei dem Chromosomen mit fluoreszierenden Sonden markiert werden, um Zahl und Struktur in Spermienkernen zu bestimmen [s117, s188].

**Flagellum:** Geißel der Samenzelle, die für den Vortrieb sorgt; Defekte des Flagellums sind ein morphologisches Merkmal [s33, s11].

**Glykolether:** Gruppe organischer Lösungsmittel, die in Farben, Reinigern und Lacken vorkommt [s138, s131].

**Healthy-Worker-Effekt:** Verzerrung, weil Beschäftigte im Mittel gesünder sind als die Allgemeinbevölkerung, da Kranke den Beruf seltener ausüben oder aufgeben.

**Hazard Ratio (HR):** Verhältnis der Ereignisraten in zwei Gruppen im Zeitverlauf; bei [s09] HR 0,84 für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres.

**I²:** Maß für die Heterogenität in einer Metaanalyse, in Prozent; hohe Werte (zum Beispiel 85,12 % in [s23]) zeigen, dass die Einzelstudien sehr unterschiedliche Ergebnisse haben.

**Job-Expositions-Matrix:** Tabelle, die Berufen typische Expositionen zuordnet, um Exposition ohne individuelle Messung abzuschätzen [s29, s195].

**Karenzzeit:** Zeitraum ohne Samenerguss vor der Probenabgabe; beeinflusst Volumen und Zahl und muss standardisiert werden [s147].

**Konfidenzintervall (KI):** Spanne, in der der wahre Wert mit der gewählten Sicherheit (meist 95 %) liegt; schließt das Intervall bei einer Odds Ratio die 1 ein, ist der Zusammenhang statistisch nicht gesichert.

**Malondialdehyd (MDA):** Abbauprodukt der Lipidperoxidation, Marker für oxidativen Stress [s06, s46].

**Metaanalyse:** statistische Zusammenfassung mehrerer Studien zur selben Frage [s23, s78].

**Mischungsanalyse:** statistisches Verfahren, das die gemeinsame Wirkung mehrerer gleichzeitiger Stoffe untersucht, statt jeden einzeln zu betrachten [s41, s46].

**Morphologie:** Form der Spermien; als Anteil normal geformter Spermien angegeben. Die Bewertungskriterien unterscheiden sich zwischen Studien [s11].

**Nekrozoospermie:** hoher Anteil toter Spermien im Ejakulat [s86].

**Normozoospermie:** Samenparameter im Normbereich der jeweiligen Referenz.

**Odds Ratio (OR):** Verhältnis der Chancen für ein Ereignis in zwei Gruppen; größer als 1 bedeutet erhöhte Chance in der untersuchten Gruppe.

**Oligozoospermie, OAT:** erniedrigte Spermienkonzentration; Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie bezeichnet die Kombination aus niedriger Zahl, verminderter Beweglichkeit und veränderter Form.

**Oxidativer Stress:** Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffverbindungen und antioxidativer Abwehr, das Spermien und ihre DNA schädigen kann [s13, s06]; Marker sind unter anderem ROS, MDA und 8-oxo-dGuo.

**PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe):** Stoffgruppe aus unvollständiger Verbrennung, etwa in Kokereien [s95].

**Progressive Beweglichkeit:** Anteil der Spermien, die sich vorwärts bewegen.

**Prospektive Kohorte:** Studie, in der eine Gruppe in die Zukunft verfolgt wird; das Gegenstück zum Querschnitt [s09, s101].

**Pyospermie:** Leukozyten im Ejakulat in erhöhter Zahl, Hinweis auf Entzündung [s212].

**Querschnittsstudie:** Untersuchung zu einem einzigen Zeitpunkt; erlaubt keine Aussage über zeitliche Abfolge.

**Reproduktionstoxikum (reprotoxisch):** Stoff, der die Fortpflanzung schädigen kann.

**SCSA (Sperm Chromatin Structure Assay):** Verfahren zur Messung der Chromatin- und DNA-Integrität der Spermien [s49, s166].

**SMD / WMD:** standardisierte beziehungsweise gewichtete Mittelwertdifferenz, Effektmaß in Metaanalysen [s78, s39].

**Sperm-FISH:** siehe FISH.

**Spermiogramm:** Laborbefund der Samenanalyse mit Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie und weiteren Parametern.

**Störgröße (Confounder):** Faktor, der sowohl mit der Exposition als auch mit dem Ergebnis zusammenhängt und einen Zusammenhang vortäuschen kann (zum Beispiel Rauchen).

**Teratozoospermie:** erhöhter Anteil fehlgeformter Spermien.

**TWA (zeitgewichteter Mittelwert):** über eine Schicht gemittelte Exposition, etwa Vibration nach ISO 2631-1 [s55].

**Varikozele:** Venenerweiterung im Hodensack; häufiger Störfaktor in Fruchtbarkeitsstudien [s94, s57].

**Vitalität:** Anteil lebender Spermien im Ejakulat.

**WBGT:** Hitzeindex, der Temperatur, Feuchte und Strahlung zusammenfasst [s76].

**WHO-Handbuch:** Standardwerk für die Samenanalyse; die Auflagen (1999, 2010, 2021) unterscheiden sich in Verfahren und Referenzbereichen [s163, s66, s02].

**8-oxo-dGuo:** oxidatives DNA-Schadensprodukt, in Spermien als Marker verwendet [s95, s46].


## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste der 216 Quellen der Synthese, sortiert nach Kennung (Jahr absteigend, dann Erstautor). Zitiert wird in dieser Studie ausschließlich mit diesen Kennungen. Titel in eckigen Klammern sind die von PubMed gelieferten englischen Übersetzungen nichtenglischer Originaltitel; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln steht eine deutsche Übersetzung in runden Klammern. Fehlt eine PMID oder DOI, existiert sie in den Quelldaten der Synthese nicht (Hochschulschriften, Zeitschriften ohne PubMed-Indexierung, Online-Leitlinien).

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