Der folgende Abschnitt ist nach Berufsgruppen und Expositionen gegliedert. Innerhalb jeder Gruppe stehen zuerst die größeren und methodisch besseren Arbeiten. Alle Arbeiten sind Beobachtungsstudien (Querschnitt, Fall-Kontroll, Kohorte), sofern nichts anderes genannt ist. Tierversuche, Zellversuche und rein beschreibende Arbeiten sind am Ende des Abschnitts kurz zusammengefasst.
Berufsklassen, Berufsvergleiche und Arbeitsplatzfragebögen
Dieser Block fasst Studien zusammen, die mehrere Berufe oder Arbeitsplatzfaktoren gleichzeitig untersuchen. Sie sind für die Frage, welche Berufsgruppen betroffen sind, am direktesten einschlägig, aber methodisch am anfälligsten: Berufsbezeichnungen sind grobe Expositionsmaße, Klinikpopulationen sind selektiert, und viele Studien testen sehr viele Berufe und Parameter gleichzeitig.
12 301 Samenspender in Ostchina [s53]. Tang und Mitarbeiter (Zhejiang, BMJ Open, 2022) werteten eine Querschnittsstudie an Freiwilligen einer Spermabank aus (2006 bis 2020; Einschluss: Bildung auf „Junior-College“-Niveau oder höher; Ausschluss bei Infektion, Karenz unter drei Tagen oder Fieber; 14 636 Spender begonnen, 12 301 ausgewertet). Der Beruf wurde selbst berichtet; Referenzgruppe waren Studierende (n = 4450). Die Auswertung folgte den WHO-Methoden; logistische Regression, adjustiert für Alter, Bildung, Familienstand und Kinderzahl. 36,2 % der Spender waren Studierende, 81,3 % zwischen 18 und 30 Jahre alt. Soldaten und Polizisten hatten das höchste Ejakulatvolumen (Median 3,8 ml), aber die niedrigste Spermienkonzentration (53,6 × 10⁶/ml) und niedrigste Beweglichkeit (45,5 %); die Autoren betonen, dass diese Gruppe klein war, und verweisen auf eine frühere chinesische Studie, in der 62,5 % der Soldaten mindestens einen Parameter unter den WHO-Grenzwerten hatten. Beschäftigte im Finanz- oder Versicherungswesen hatten erhöhte Chancen für niedriges Volumen, niedrige Konzentration und niedrige Gesamtzahl (OR 1,43; 1,57 bzw. 1,98; für die Gesamtzahl 95 %-KI 1,24 bis 3,03; für Volumen und Konzentration verfehlten die adjustierten Werte die Signifikanz, p = 0,08). Arbeitslose hatten OR 1,84 (95 %-KI 1,18 bis 2,77) für niedrige Konzentration und 1,58 (95 %-KI 1,02 bis 2,37) für niedrige Gesamtzahl. Beschäftigte in der Informationstechnologie hatten OR 1,27 (95 %-KI 1,03 bis 1,57) für verminderte progressive Beweglichkeit; Unterhaltung und Sport OR 1,86 für niedrige Konzentration (p = 0,04). Abweichende Werte lagen bei 4 % (Volumen), 3,3 % (Konzentration), 3,6 % (Gesamtzahl) und 11,6 % (progressive Beweglichkeit); bei 0,8 % von 5510 untersuchten Spendern fand sich eine Chromosomenstörung. Als mögliche Erklärungen nennen die Autoren sitzende Tätigkeit (Hodentemperatur), Arbeitsstress und intensiven Sport. Stärken: sehr große Stichprobe, einheitliches Labor, WHO-Methoden, vorselektierte gesunde Männer. Schwächen: Spender sind eine junge, gebildete Auswahl und keine repräsentative Bevölkerung; Beruf nur selbst berichtet; Studierende als Vergleichsgruppe (jünger, anderer Lebensstil); Morphologie und DNA-Fragmentierung nicht erhoben; viele Berufsgruppen und damit Mehrfachvergleiche; Rauchen und Alkohol wegen geringer Fallzahl nicht im Modell.
Weiß- und Blaukragen-Beschäftigte [s03]. Anand und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2026) verglichen retrospektiv 2555 Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren (1383 Weißkragen, 1172 Blaukragen; Spermienparameter nach WHO 2010). Rauchen, Alkohol, Hitze und chemische Exposition waren bei Blaukragen häufiger, Stress und sitzender Lebensstil bei Weißkragen. Progressive Beweglichkeit und Morphologie hatten hohe Trennschärfe für hohen Stress bei Weißkragen (Fläche unter der Kurve 0,924 bzw. 0,878). Ein direkter Vergleich der Spermienqualität zwischen den Berufsgruppen wird im Abstract nicht beziffert; die sehr hohen AUC-Werte sollten im Volltext geprüft werden.
Lebensstil und berufliche Exposition, 826 Teilnehmer [s34]. Yang und Mitarbeiter (Anhui, Systems Biology in Reproductive Medicine, 2024) werteten eine Querschnittsstudie mit Online-Fragebogen aus (1060 eingeladen, 826 auswertbar; Befragung direkt vor oder nach der Samenanalyse). In der univariaten Analyse hingen niedrige Samenqualität und unter anderem häufige Hitze- und Chemikalienexposition am Arbeitsplatz zusammen (p < 0,05), ebenso Alter, BMI, Rauchen, Alkohol und unregelmäßiger Schlaf. In der multivariablen Analyse nennt das Abstract Alkoholkonsum (OR 0,60; 95 %-KI 0,36 bis 0,99; p = 0,045 für die Konzentration; als „positiver Faktor“ gewertet), einen BMI von 24 bis unter 28 kg/m² (OR 0,63; 95 %-KI 0,46 bis 0,87; p = 0,005 für die progressive Beweglichkeit) und seltenen Grüntee-Konsum (OR 1,52; 95 %-KI 1,05 bis 2,2 bei weniger als einmal pro Woche; OR 1,61; 95 %-KI 1,02 bis 2,54 bei ein- bis viermal pro Woche) mit erhöhter DNA-Fragmentierung. Berufliche Faktoren werden unter den multivariablen Ergebnissen nicht aufgeführt; sie hielten der Adjustierung also im Abstract nicht stand oder werden nicht berichtet. Schwächen: Selbstangabe per Online-Fragebogen; vermutlich Patienten eines reproduktionsmedizinischen Zentrums; der „positive“ Alkoholeffekt ist schwer deutbar.
Wohn- und Berufsumfeld, 465 Männer [s42]. Mai und Mitarbeiter (Guangzhou, Scientific Reports, 2023) untersuchten 465 Männer (25 bis 45 Jahre, weder adipös noch untergewichtig, ohne Langzeiterkrankung oder Medikation, mit fester Arbeitsstelle; Rekrutierung Juni 2020 bis Juli 2021; mittleres Alter 37,5 Jahre; Mediane: Volumen 4,2 ml, Konzentration 80,5 × 10⁶/ml, Gesamtzahl 341,6 × 10⁶, progressive Beweglichkeit 36,0 %, Gesamtbeweglichkeit 54,3 %). Wohnen innerhalb von zwei Kilometern einer Hochspannungsleitung war mit niedrigerer Gesamtzahl verbunden (283,4 gegenüber 219,8 × 10⁶; p = 0,030; Cohen d = 0,116), Wohnen nahe einem Umspannwerk ebenso (309,1 gegenüber 222,4 × 10⁶; p = 0,015), Renovierung der Wohnung in den letzten sechs Monaten gleichfalls (194,2 gegenüber 261,0 × 10⁶; p = 0,025); Computernutzung war mit verminderter progressiver Beweglichkeit (36,0 % gegenüber 28,1 %; p = 0,006) und Gesamtbeweglichkeit (57,0 % gegenüber 41,0 %; p = 0,009) verbunden. Bereinigt blieben Computerzeit und Gesamtbeweglichkeit (OR 2,29; 95 %-KI 1,11 bis 4,73; p = 0,025) sowie Hochspannungsleitung und Konzentration (OR 4,03; 95 %-KI 1,15 bis 14,18; p = 0,030). Wohnen nahe einer Chemiefabrik erschien „schützend“ für Konzentration (OR 0,15; 95 %-KI 0,05 bis 0,46) und Gesamtzahl (OR 0,36; 95 %-KI 0,13 bis 0,99). Einordnung: Die Effektgrößen sind sehr klein (Cohen d 0,033 bis 0,181), es gab viele Einzelvergleiche ohne Korrektur, und die „schützende“ Wirkung der Chemiefabrik-Nähe ist biologisch unplausibel; sie spricht für Zufall oder verbleibende Störgrößen. Die Zuordnung der Gruppenmittelwerte ist im Abstract nicht überall eindeutig. Die Autoren nennen fehlende Erfassung von Schlafdauer, Ernährung, Einkommen und Dosis. Die Ergebnisse sind nicht als belastbar zu werten.
Ostmarokko, 3025 Männer mit Kinderwunschproblem [s21]. Rochdi und Mitarbeiter (Obstetrics & Gynecology Science, 2025) werteten Daten eines Fertilitätszentrums aus (September 2021 bis Juli 2023; 3025 Männer, mittleres Alter 40 Jahre, mittlere Dauer des Kinderwunsches 5,5 Jahre; WHO-Kriterien 2021). Die Arbeit ist als „Kohortenstudie“ bezeichnet, tatsächlich aber eine beschreibende Querschnittsauswertung. Primäre Infertilität bestand bei 2736 Patienten (angegeben 88,97 %; rechnerisch ergeben 2736 von 3025 jedoch 90,4 %, die Abweichung ist im Abstract nicht erklärt). Häufigster Risikofaktor war „occupational exposure“, danach die Varikozele; Rauchen 24,29 %, Alkohol 12,49 %, Hitzeexposition 30,08 %. Das Spermiogramm war bei 78,71 % auffällig, das Spermozytogramm bei 63,1 %. Unter den Referenzwerten der WHO 2021 lagen Konzentration bei 25,60 %, Morphologie bei 34,13 %, Gesamtbeweglichkeit bei 32,29 % und Vitalität bei 62,46 %; Oligozoospermie 29,07 %, Asthenozoospermie 24,68 %, Azoospermie 17,56 %, Oligo-Astheno-Nekrozoospermie 10,0 %. Stärke: sehr große Stichprobe, WHO-2021-Verfahren. Schwächen: keine Vergleichsgruppe, keine Odds Ratios; „Berufsexposition“ wird nicht definiert und nicht nach Berufen aufgeschlüsselt; die Prävalenz der Berufsexposition ist im Abstract nicht beziffert. Die Studie belegt Häufigkeiten in einer Klinikpopulation, keinen Zusammenhang.
Fragebogen zu Berufsexpositionen, Sfax, Tunesien, 2122 Männer [s86]. Daoud und Mitarbeiter (Turkish Journal of Medical Sciences, 2017) werteten einen Fragebogen zur Berufsexposition bei Männern in andrologischer Abklärung aus. Pestizidexposition war mit einem höheren Risiko für Asthenozoospermie (adjustiertes OR 1,6; 95 %-KI 1,0 bis 2,4) und Nekrozoospermie (OR 2,6; 95 %-KI 1,4 bis 4,7) verbunden; für Zementexposition wird ein höheres Oligozoospermie-Risiko genannt (OR 1,1; 95 %-KI 0,9 bis 1,4), das Intervall schließt aber 1 ein, die Formulierung „korreliert“ im Abstract überzeichnet also. Kein Zusammenhang bestand mit Lösungsmitteln, übermäßiger Hitze und mechanischen Vibrationen. Stärken: große Stichprobe, adjustierte Odds Ratios, mehrere Expositionen gleichzeitig. Schwächen: Selbstangabe (Erinnerungsfehler), Pestizidexposition ohne Berufsbezug (landwirtschaftliche Berufe sind möglicherweise enthalten, was das Abstract nicht aufschlüsselt), Klinikpopulation, das untere Intervallende bei Asthenozoospermie liegt bei 1,0.
Fragebogen zu physikalischen und chemischen Expositionen, 402 Männer [s125]. De Fleurian und Mitarbeiter (Journal of Andrology, 2009) verglichen 314 Männer mit Oligo-, Astheno- oder Teratozoospermie mit 88 Männern mit normalem Samen. Schwermetalle (adjustiertes OR 5,4; 95 %-KI 1,6 bis 18,1), Lösungsmittel (OR 2,5; 95 %-KI 1,4 bis 4,4), Rauch bzw. Dämpfe (OR 1,9; 95 %-KI 1,1 bis 3,4) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (OR 1,9; 95 %-KI 1,1 bis 3,5) waren mit Samenbeeinträchtigung assoziiert; Pestizide (OR 3,6; 95 %-KI 0,8 bis 15,8) und Zement (OR 2,5; 95 %-KI 0,95 bis 6,5) knapp nicht signifikant. Mechanische Vibrationen waren mit Oligo- und Teratozoospermie assoziiert, übermäßige Hitze und langes Sitzen mit eingeschränkter Beweglichkeit; ionisierende Strahlung und elektromagnetische Felder nicht, wobei „very few subjects reported such exposure“. Stärken: breite Expositionspalette, klinisch einsetzbarer Kurzfragebogen. Schwächen: Selbstangabe, sehr weite Konfidenzintervalle, Fall-Kontroll-Aufbau innerhalb einer Klinikpopulation.
Fragebogen zu Berufsexposition bei Männern mit normaler Konzentration, 336 Männer [s109]. Jurewicz und Mitarbeiter (Systems Biology in Reproductive Medicine, 2014) werteten einen Fragebogen bei 336 Männern einer Kinderwunschklinik mit Spermienkonzentration ≥ 15 Mio./ml aus. Lärm am Arbeitsplatz war mit verminderter Beweglichkeit (p = 0,005) und erhöhtem DNA-Schaden (p = 0,02) assoziiert, PVC-Exposition mit verminderter Konzentration (p = 0,02) und Beweglichkeit (p = 0,03); hohe Temperaturen (p = 0,03) und Sitzen von mehr als 6 Stunden (p = 0,001) mit dem DNA-Fragmentationsindex (DFI). Nach Korrektur für multiples Testen blieben nur Lärm (verminderte Beweglichkeit) und Sitzen ≥ 6 Stunden (erhöhter DFI) bestehen. Stärke: Korrektur für multiples Testen. Schwächen: Selbstangabe; nur Männer mit normaler Konzentration.
Singapur, Klinikpopulation, 614 Männer [s208]. Chia und Mitarbeiter (Annals of the Academy of Medicine, Singapore, 1994) klassifizierten die Tätigkeiten von 614 Männern einer andrologischen Klinik nach der Singapore Standard Occupational Classification und Industrial Classification. „Plant and machine operators“ hatten ein höheres Oligozoospermie-Risiko (adjustiertes OR 1,93; 95 %-KI 1,12 bis 3,30); „Senior officials and managers“ ein geringeres (OR 0,52; 95 %-KI 0,32 bis 0,84). Beschäftigte der Branche „transport and communication“ hatten ein höheres Risiko für abnorme Beweglichkeit (OR 1,80; 95 %-KI 1,08 bis 3,00), das sich nicht durch Lärm, Hitze oder Lösungsmittel erklären ließ; Hitze wird als möglicher Faktor für die schlechtere Spermienzahl genannt. Stärke: Adjustierung für Alter, Rauchen, Krankengeschichte und Hodengröße. Schwächen: grobe Berufsklassen, viele Vergleiche.
Singapur, zwei Fall-Kontroll-Studien zu ungeklärter Infertilität [s185, s179]. Die ältere Arbeit (Chia und Mitarbeiter, BJOG, 2000) verglich 218 infertile mit 240 fertilen Männern (deren Frauen schwanger waren) und fand ein höheres Infertilitätsrisiko bei Technikern (adjustiertes OR 2,81; 95 %-KI 1,51 bis 4,24) sowie bei „professional, senior officials and managers“ (OR 2,36; 95 %-KI 1,26 bis 4,40) gegenüber Dienstleistungs- und Bürokräften; Rauchen war ebenfalls mit Infertilität assoziiert (OR 2,96; 95 %-KI 1,98 bis 4,42) [s185]. Die Folgearbeit (Chia und Mitarbeiter, Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2001; 218 infertile und 227 fertile Männer) kommt zu dem Schluss, Arbeit sei „independently“ kein Risikofaktor für Infertilität, nennt aber höhere Risiken bei Ingenieur-Technikern (OR 2,75; 95 %-KI 1,36 bis 5,54), Finanzanalysten (OR 4,66; 95 %-KI 1,90 bis 11,40), Unternehmens- und Computermanagern (OR 2,49; 95 %-KI 1,04 bis 5,98) und Lehrern (OR 7,72; 95 %-KI 1,86 bis 32,10); die Autoren vermuten höhere Arbeitsanforderungen und mögliche elektromagnetische Felder als Beiträge. Die Spermienparameter der Fälle waren signifikant schlechter als die der Kontrollen (Dichte, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie) [s179]. Schwächen: Die Kontrollen waren Männer, deren Frauen gerade schwanger waren; die Intervalle sind teils sehr weit (1,86 bis 32,10 bei Lehrern); beide Arbeiten stammen von denselben Autoren und weisen jeweils 218 Fälle aus, eine Überschneidung ist wahrscheinlich, sie sind daher nicht als unabhängig zu zählen.
Fall-Kontroll-Studie zu Arbeitsplatzexposition, Ägypten [s120]. El-Helaly und Mitarbeiter (International Journal of Occupational Medicine and Environmental Health, 2010) verglichen 255 infertile mit 267 fertilen Männern anhand von Selbstauskünften zu chemischen, physikalischen und psychologischen Gefährdungen. Adjustierte Odds Ratios: Lösungsmittel und Malermaterialien 3,88 (95 %-KI 1,50 bis 10,03), Blei 5,43 (95 %-KI 1,28 bis 23,13), Bildschirmgeräte und Computer 8,01 (95 %-KI 4,03 bis 15,87), Schichtarbeit 3,60 (95 %-KI 1,12 bis 11,57), arbeitsbezogener Stress („fairly present“ 3,11; 95 %-KI 1,85 bis 5,24; „often present“ 3,76; 95 %-KI 1,96 bis 7,52). Wichtigste Schwäche: Eine Samenanalyse erfolgte nur bei den infertilen Fällen, da die fertilen Kontrollen die Abgabe verweigerten; die Zielgröße ist daher die Infertilitätsdiagnose, nicht die gemessene Spermienqualität. Die Expositionen beruhen auf Selbstauskunft; die Odds Ratios sind sehr hoch und die Intervalle breit.
Niederlande, Lösungsmittel, Metalle, Pestizide [s195]. Tielemans und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 1999) führten eine Fall-Kontroll-Studie in zwei Universitätskliniken mit 899 Männern bei der ersten Konsultation durch (drei Falldefinitionen mit unterschiedlichen Schwellen und eine Referenzgruppe). Die Exposition wurde über berufsspezifische Fragebögen, eine Job-Exposure-Matrix sowie Messung von Metallen und Lösungsmittel-Metaboliten im Urin erfasst. Ein Zusammenhang zwischen aromatischen Lösungsmitteln und verminderter Samenqualität zeigte sich unabhängig von der Expositionsmethode und war bei strengeren Schwellen und bei primärer Infertilität stärker; andere Schadstoffe waren nicht mit verminderter Samenqualität assoziiert. Stärken: drei unabhängige Expositionsmethoden, Dosis-Wirkungs-Muster über Schwellenwerte. Schwächen: Klinikpopulation (Selektion), keine Effektzahlen im Abstract.
Kontinuierliche und dichotome Auswertung [s198]. Bigelow und Mitarbeiter (Fertility and Sterility, 1998) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie an einer Universitätsklinik die dichotome Auswertung (keine signifikanten Assoziationen zwischen Berufsfaktoren und Fallstatus) mit der Analyse kontinuierlicher Variablen (Zusammenhänge vorhanden). Bei Schweißern war der Anteil progressiver Spermien reduziert und der Anteil der Spermien mit aufgerolltem Flagellum erhöht (Schweißer sind in anderen Kapiteln behandelt). Es gab signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehungen zwischen wahrgenommenem Arbeitsstress und dem Anteil progressiver Spermien, der Gesamtzahl beweglicher Spermien, der Morphologie, abnormen Köpfen und aufgerollten Flagellen. Aussage: Feine Veränderungen sind nur mit parametrischen Analysen kontinuierlicher Variablen erkennbar. Schwäche: keine Zahlen im Abstract.
Norwegen, Kinderwunschpaare [s191]. Irgens und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 1999) verknüpften die erste Samenanalyse mit selbst ausgefüllten Fragebögen zur Berufsexposition. Verminderte Samenqualität fand sich bei Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (OR 3,22; 95 %-KI 1,46 bis 7,09); Tendenzen bei Pendlern (OR 1,52; 95 %-KI 0,89 bis 2,59), Schichtarbeitern (OR 1,46; 95 %-KI 0,89 bis 2,40) und Schwermetall-Exponierten (OR 1,47; 95 %-KI 0,76 bis 2,87). Die Autoren werten den Einfluss beruflicher Exposition bei infertilen Paaren in Norwegen als „minor“.
Libanon [s134]. Inhorn und Mitarbeiter (Reproductive Toxicology, 2008) verglichen in einer Fall-Kontroll-Studie 74 infertile Männer und 76 fertile Kontrollen aus zwei Zentren in Beirut. Männer mit berichteter beruflicher Exposition hatten ein doppelt so hohes Infertilitätsrisiko; die Blutkonzentrationen von Schwermetallen waren in keiner Untergruppe höher als bei Kontrollen und lagen im Referenzbereich gesunder Populationen. Die Autoren schließen, Metallexposition sei dort kein wichtiger Risikofaktor. Schwächen: kleine Gruppen; die Berufsangaben sind nicht aufgeschlüsselt.
Fall-Kontroll-Studie 1984 [s215]. Buiatti und Mitarbeiter (Archives of Environmental Health, 1984) interviewten 112 azoo- oder oligospermische Männer und 127 Kontrollen vor Kenntnis der Spermienzahl: Kein Berufsfaktor war mit Azoospermie oder Oligospermie verbunden; ein hohes relatives Risiko (nicht signifikant) bestand für Radio-Elektrik-Industrie, nicht sitzende Büroberufe, Büroarbeit in der Druckindustrie und Textilindustrie.
Sozialklasse und Samenanalyse [s162]. Coughlin und Mitarbeiter (Journal of Obstetrics and Gynaecology, 2003) untersuchten 207 Männer einer Kinderwunschklinik: Azoosperme Männer gehörten häufiger der Sozialklasse 3m (angelernte Handarbeit) und darunter an; auch Männer, die keine Probe abgaben, waren häufiger 3m; zwischen Männern mit normaler und niedriger Spermienzahl gab es keinen statistischen Berufsunterschied. Die Autoren vermuten, nicht der Beruf allein, sondern Lebensstilunterschiede der Sozialklassen könnten die Spermienparameter beeinflussen.
Junge chinesische Männer [s68]. Pokhrel und Mitarbeiter (Andrologia, 2019) werteten in einer Querschnittsstudie Soziodemographie, Lebensstil, Arbeitsexposition und Krankengeschichte aus: Das Samenvolumen war bei Handarbeitern erhöht (p = 0,050); Varikozele senkte mehrere Parameter (p-Werte 0,041 bis 0,002). Zu Berufen sonst keine Befunde im Abstract.
Kohorte nachweislich fertiler Männer, Study for Future Families [s50]. Meyer und Mitarbeiter (Journal of Occupational and Environmental Medicine, 2022) verknüpften berufliche Faktoren mit verallgemeinerten linearen Modellen mit Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie. Niedrigere Konzentration und Beweglichkeit fanden sich bei Berufen in Installation, Wartung und Reparatur; höhere Exposition gegenüber Blei und anderen Giftstoffen fand sich in Berufen mit niedrigerer mittlerer Konzentration (Prävalenzverhältnis Blei 4,1, Pestizide/Insektizide 1,6, Lösungsmittel 1,4); Arbeit mit Blei über mehr als drei Monate war mit niedrigerer Konzentration verbunden, ebenso Bleiexposition außerhalb der Arbeit. Stärke: Die Männer waren nachweislich fertil (Vaterschaft), sodass der Befund unabhängig von Infertilitätsselektion ist. Schwäche: keine Effektgrößen mit Intervallen im Abstract.
Münster, Klinikpopulation [s180]. Kenkel und Mitarbeiter (International Journal of Andrology, 2001) analysierten retrospektiv 2054 infertile Männer, eingeteilt in 29 Berufsgruppen, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung des Kreises. Landwirte waren überrepräsentiert; Landwirte sowie Maler und Lackierer hatten häufiger verminderte Spermienzahlen (OR 2,13 bzw. 2,17; 95 %-KI 1,18 bis 3,88 bzw. 1,02 bis 4,65); Metallarbeiter und Schweißer zeigten häufiger verminderte Beweglichkeit (OR 5,99; 95 %-KI 1,38 bis 26,00). Landwirte, Maler und Schweißer sind in anderen Kapiteln behandelt; berichtet wird hier der Kontext: Bestimmte Berufe sind in einer Spezialsprechstunde bevorzugt vertreten. Schwäche: Der Vergleich erfolgte innerhalb Infertiler, mit Selektion in die Spezialklinik.
Weitere Klinik- und Registerstudien. Perova und Starikova (Moskau, 2016) beschreiben 54 „gesunde Männer“ einer privaten Klinik, deren Berufe in Gruppen von 0 bis 5 kodiert wurden [s99]. Alle Werte stammen aus Abbildungen und Text, ohne Gruppengrößen, Streuung oder Test. Das Ejakulatvolumen war am niedrigsten bei Leitern (2 ml), am höchsten bei Fahrern und Bauarbeitern (3 ml); die Spermienkonzentration lag bei Leitern bei 64 Mio./ml, bei Mechanikern, Ingenieuren und Bauleitern bei 61, bei Bauarbeitern und Fahrern bei 48, bei Büro-, Bank-, Lehr- und Managementberufen bei 46, bei Ladern bei 23 und bei Arbeitslosen bei 15 Mio./ml; der Anteil normaler Formen reichte von 30 % bei Ladern bis 48 % bei Leitern; progressiv bewegliche Spermien bei Ladern nur 3,5 %, unbewegliche 60 %. Die Autoren schließen, Männer mit überwiegend geistiger Arbeit hätten bessere Werte als Männer mit überwiegend körperlicher Arbeit. Die Arbeit ist ohne Gruppengrößen, Statistik und Kontrolle für Alter, Rauchen und Übergewicht allenfalls als Anregung zu lesen. Belik und Korchin (Chanty-Mansijsk, 2025) werteten retrospektiv die Akten von 627 Patienten mit männlicher Unfruchtbarkeit in einer Abteilung für assistierte Reproduktion aus (2020 bis 2023; 394 monoätiologische, 72 polyätiologische, 161 idiopathische Fälle) [s25]. „Berufliche Schädlichkeiten“ wurden bei 9 Männern (1,4 %) dokumentiert (3 bzw. 0,8 % monoätiologisch, 1 bzw. 1,4 % polyätiologisch, 5 bzw. 3,1 % idiopathisch); zum Vergleich Rauchen 258 (41,1 %), Adipositas 123 (19,6 %), metabolisches Syndrom 84 (13,4 %). Die Autoren schreiben, Berufsschädlichkeiten führten seltener zu Pathospermie als allgemein anerkannte Faktoren. Die Zahl 9 von 627 sagt aber nur etwas über die Häufigkeit der Erfassung in der Akte, nicht über das Risiko; es fehlen Messung und Kontrollgruppe. Die Arbeit von Sánchez-Resino und Mitarbeitern zu Metallen in einem petrochemischen Komplex [s22] ist im Abschnitt Metalle besprochen.
Pestizidexposition über alle Berufe hinweg, Bordeaux [s29]. Eine französische Masterarbeit (HAL/DUMAS, 2024) wertete Daten von Patienten des Artemis-Zentrums am Universitätsklinikum Bordeaux (2016 bis 2021) mit der Job-Expositions-Matrix PESTIPOP aus, „toutes professions confondues“ (alle Berufe zusammen). Es zeigten sich nicht signifikante Abwärtstendenzen für Spermienkonzentration (OR = 0,5) und Vitalität (OR = 0,31); die Verfasserin bzw. der Verfasser fordert größere Studien. Fallzahl und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract. Die Arbeit ist nicht begutachtet und eine der wenigen, die Pestizidexposition über alle Berufe statt nur für die Landwirtschaft betrachtet.
Wissen und Interview, Pilotstudie [s91]. Christiaens und Mitarbeiter (Basic and Clinical Andrology, 2016) prüften in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein vom Arbeitsmediziner durchgeführtes Interview vor der Samenanalyse. Der mittlere Wissenswert über Reprotoxika betrug 9,6 ± 2,7 von 16; am häufigsten unterschätzt wurde übermäßige Hitze (34,7 % richtige Antworten). Bei Auffälligkeit und erkannter Exposition gaben 63,2 % an, persönliche Schutzmittel zu nutzen, 55,1 % wollten den Arbeitsplatz zeitweise anpassen; 80,7 % hielten das Interview für mäßig bis sehr nützlich; 46,2 % hatten nach zwei Monaten Lebensgewohnheiten geändert, 88,5 % waren zufrieden. Dies ist eine Befragung zur Akzeptanz, keine Studie zur Spermienqualität.
Fahrer und Verkehrsberufe
Die Literatur zu Fahrerberufen besteht aus acht kleinen bis mittelgroßen Vergleichs- und Fall-Kontroll-Studien aus den Jahren 1993 bis 2022. Als mögliche Wirkpfade werden Ganzkörpervibration, langes Sitzen mit erhöhter Hodentemperatur, psychischer Stress, Schlafqualität, Abgase und Schwermetalle diskutiert; keine der Studien kann diese Pfade trennen.
Taxifahrer in Rom [s202]. Figà-Talamanca und Mitarbeiter (American Journal of Industrial Medicine, 1996) interviewten 201 Taxifahrer zu Arbeits- und Fortpflanzungsanamnese; bei 72 wurden Speicheltestosteron, Spermienkonzentration, -morphologie und -beweglichkeit sowie die Fertilitätsanamnese einschließlich Zeit bis zur Schwangerschaft erhoben und mit 50 gesunden Kontrollen ähnlichen Alters und Rauchverhaltens verglichen. Der Anteil normaler Spermienformen war bei Taxifahrern signifikant niedriger (45,8 % gegenüber 64,0 %), besonders bei längerer Berufsdauer; die übrigen Spermienparameter unterschieden sich nicht. Das Ergebnis blieb in einer multivariaten Analyse mit Kontrolle von Alter, Rauchen und Alkohol bestehen. Rauchen war mit schlechterer Morphologie assoziiert, mäßiger Alkoholkonsum mit besserem Befund; bei Männern mit schlechter Samenqualität dauerte die Zeit bis zur Schwangerschaft der Partnerin häufiger länger. Stärken: multivariate Anpassung, Berufsdauer als Dosisindikator. Schwächen: Biomarker nur bei 72 von 201 Fahrern, kleine Kontrollgruppe; die Autoren verlangen selbst eine Bestätigung.
Berufskraftfahrer in Bulgarien [s212]. Moskova und Mitarbeiter (Akusherstvo i Ginekologiia, 1993; bulgarisch, englisches Abstract) verglichen 80 Berufskraftfahrer mit 159 Männern aus Berufen ohne bekannte Berufsschäden. Der Anteil der Fahrer mit gestörter „inseminativer Fähigkeit“ betrug 66,25 % gegenüber 35,85 % in der Kontrollgruppe (P < 0,001); Pyospermie 28,75 % gegenüber 16,98 % (P < 0,05). Zwischen Rauchern, Prostata- und Varikozele-Erkrankten und Keimträgern gab es keine statistisch gesicherten Unterschiede, aber in allen Fällen eine „unfavourable tendency“ für die Fahrer. Das Abstract nennt weder Adjustierung noch die genauen Definitionen der gestörten Fruchtbarkeit.
Arbeiter mit Vibrationsbelastung [s204]. Penkov und Mitarbeiter (Central European Journal of Public Health, 1996) verglichen Berufsgruppen wie Berufskraftfahrer, Bergleute und Lokführer („professional drivers, miners, engine drivers, etc.“). Untersucht wurden Ejakulat-pH, Volumen, Trübung, Spermiendichte, -zahl und -morphologie. Berichtet werden eine erhöhte Prävalenz von Oligospermie und Azoospermie sowie ein signifikant vermindertes Volumen, ein verminderter Anteil beweglicher Spermien und mehr Fehlbildungen bei den Exponierten. Das Abstract enthält keine Zahlen und keine Fallzahlen.
Taxifahrer in Teheran, Ganzkörpervibration [s55]. Zarei und Mitarbeiter (Journal of Occupational Medicine and Toxicology, 2022) untersuchten in einer Querschnittsstudie 70 Taxifahrer und 70 Büroangestellte, die in den vergangenen zwölf Monaten Kinderwunschkliniken zur Abklärung aufgesucht hatten. Datenquellen waren Fragebögen, ein Spermiogramm nach Standard und die 8-Stunden-Zeitgewichtung (TWA) der Ganzkörpervibration nach ISO 2631-1. Die TWA betrug 0,697 ± 0,13 m/s² bei Taxifahrern gegenüber 0,068 ± 0,09 m/s² bei Büroangestellten (P < 0,05); signifikant unterschiedlich waren laut Recherchebericht (im bei Europe PMC abgerufenen Abstract nicht aufgeführt) Gesamtzahl, progressive, nicht progressive und Gesamtbeweglichkeit (P < 0,05). Im abgerufenen Abstract steht für die Varianzanalyse, die Vibration habe einen größeren Effekt (B) auf Spermienparameter als die demographischen Variablen, und Taxifahrer zu sein erhöhe die Chance auf verminderte Samenqualität, jeweils aber mit „(P > 0.05)“; diese p-Werte widersprechen der behaupteten Wirkung und werden hier nur wörtlich wiedergegeben. Die Autoren betonen selbst, dass Störfaktoren wie psychischer Stress, Schlafqualität, Schwermetalle und Sitzhaltung eine endgültige Aussage verhindern. Stärke: gemessene statt nur erfragte Vibrationsexposition. Schwächen: Klinikpopulation (beide Gruppen suchten wegen Fruchtbarkeitsfragen eine Klinik auf), kleine Stichprobe, genannte Störfaktoren.
Fahrradtaxi-Fahrer in Mangochi, Malawi [s102]. Kipandula und Mitarbeiter (Malawi Medical Journal, 2015) führten eine Fall-Kontroll-Studie an jungen Fahrradtaxi-Fahrern und gesunden Kontrollen (Männer ohne Fahrradtaxi-Beruf) durch; die Proben wurden nach zwei bis drei Tagen Karenz gewonnen und im Lichtmikroskop untersucht. Werte (Fahrer gegenüber Kontrollen, Mittelwert ± Fehlerangabe wie im Abstract): Volumen 1,66 ± 0,18 ml gegenüber 3,64 ± 0,17 ml (p = 0,0001); Konzentration 28,31 ± 4,33 × 10⁶/ml gegenüber 54,95 ± 5,93 × 10⁶/ml (p = 0,02); Gesamtbeweglichkeit 56,98 % ± 8,22 % gegenüber 56,98 % ± 8,22 % (p = 0,03); progressive Beweglichkeit 22,57 % ± 3,35 % gegenüber 59,69 % ± 4,82 % (p = 0,004); Morphologie 6,98 % ± 3,23 % gegenüber 19,73 % ± 2,32 % (p = 0,006). Die Gesamtbeweglichkeit ist im Abstract, auch in der bei Europe PMC abgerufenen Fassung, in beiden Gruppen mit identischen Werten angegeben (offenbar ein Schreibfehler), sodass dieser Wert nicht verwertbar ist. Stärken: deutliche Effekte, standardisierte Karenzzeit. Schwächen: Teilnehmerzahl und Kontrolle von Störfaktoren (Rauchen, Alkohol, Alter) im Abstract nicht angegeben; Verkehrs-, Sitz- und Hitzebelastung sind nicht von der körperlichen Anstrengung des Radfahrens zu trennen.
Berufskraftfahrer in China, Luoyang [s170]. Zhao und Mitarbeiter (Zhonghua nan ke xue, 2003) untersuchten 1223 Männer mit Unfruchtbarkeit (78 Fahrer, 1145 Nichtfahrer) und 100 Normalmänner. Die Quote abnormer Samenbefunde war bei unfruchtbaren Fahrern höher als bei Nichtfahrern (p < 0,05) und Normalmännern (p < 0,01); bei mehr als acht Jahren Fahrpraxis höher als bei weniger als acht Jahren (p < 0,05). Die Quoten selbst nennt das Abstract nicht. Schwächen: nur 78 Fahrer, rein klinische Population, keine Expositionsmessung, keine Angaben zu Störgrößen.
Mautstellenpersonal an Autobahnen, Düzce [s132]. Guven und Mitarbeiter (Andrologia, 2008) verglichen 38 Mautstellenbeschäftigte mit 35 Büroangestellten (Ausschluss: Varikozele und chronische Krankheiten mit möglicher Wirkung auf die Spermienproduktion; Rauchen nicht verschieden). In der Mautgruppe war die Beweglichkeit bei 8 Männern vermindert, die Zahl bei 7 niedrig, beides kombiniert bei einem Mann; in der Kontrollgruppe bestand ein leichter Beweglichkeitsdefekt bei zwei und niedrige Zahl bei einem. Unterschiede bei abnormaler Zahl (p = 0,002) und Beweglichkeit (p = 0,003); der Anteil normal geformter Spermien war in der Mautgruppe niedriger (p = 0,001). Die Autoren sehen Luftverschmutzung, vor allem Dieselabgase, als mögliche Ursache. Stärken: Kontrollgruppe aus derselben Region, definierte Ausschlusskriterien. Schwächen: kleine Stichprobe, Exposition nicht gemessen (nur der Arbeitsort als Ersatz), Rauchen nur als „kein Unterschied“ erfasst, keine Angabe zur Abstinenzzeit im Abstract.
Soldaten, Kraftfahrer und Allgemeinbevölkerung, Polen [s199]. Kurzawa und Mitarbeiter (Ginekologia Polska, 1998; polnisch, englisches Abstract) werteten retrospektiv 473 Spermiogramme der Jahre 1995 bis 1997 aus und verglichen mittlere Spermienzahl und Anteil beweglicher Spermien der Allgemeinbevölkerung mit denen von Kraftfahrern und Soldaten. Es gab keine Unterschiede; die Mittelwerte lagen über den WHO-Grenzwerten, und es fand sich kein Hinweis auf eine Verschlechterung der Spermienqualität in Abhängigkeit von Alter und Beruf. Schwächen: Laborregister ohne Angaben zu Expositionsdauer und Auswahl; vermutlich selektierte Patienten.
Einordnung: Sieben der acht Studien berichten Verschlechterungen mindestens eines Parameters, eine (Polen) nicht; die Effekte betreffen je nach Studie Morphologie, Beweglichkeit, Konzentration oder Volumen und sind nicht konsistent. Alle Studien sind klein bis mittelgroß, mehrere beruhen auf Klinikpopulationen.
Schicht-, Nacht- und Wechselschichtarbeit
PREBIC-Kohorte, 24 Monate Nachbeobachtung [s09]. Wang und Mitarbeiter (Andrology, 2026) analysierten in einer prospektiven Kohortenstudie 3425 Männer; die Arbeitsform (rotierende Schichtarbeit, feste Tagarbeit, feste Schichtarbeit) wurde selbst angegeben, sieben Spermienparameter wurden gemessen, und der Schwangerschaftsstatus der Partnerin wurde alle drei Monate bis 24 Monate oder zur Konzeption erfragt (Cox-Regression, lineare Regression, Mediationsanalyse). Rotierende Schichtarbeiter hatten nach Adjustierung ein um 16 % niedrigeres Hazard für eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres (HR 0,84; 95 %-KI 0,70 bis 0,99; p = 0,04) und ein um 14 % niedrigeres innerhalb von zwei Jahren (HR 0,86; 95 %-KI 0,74 bis 1,01; p = 0,06) gegenüber Männern mit fester Tagarbeit. Die Spermienkonzentration war um 10,77 % niedriger (95 %-KI −18,89 bis −2,55 %; p = 0,01), die Gesamtspermienzahl um 11,63 % (95 %-KI −21,25 bis −2,02 %; p = 0,02), die Vitalität um 3,86 % (95 %-KI −7,00 bis −0,72 %; p = 0,02). Zwischen fester Tagarbeit und fester Schichtarbeit fand sich kein signifikanter Unterschied. Die Spermienkonzentration erklärte 33,46 % (ein Jahr) und 31,12 % (zwei Jahre) der Gesamtwirkung auf die Schwangerschaftsrate, die Vitalität 30,79 % und 23,59 %. Stärken: prospektives Design, große Stichprobe, Trennung von rotierender und fester Schichtarbeit (in früheren Studien oft vermischt), Mediationsanalyse. Schwächen: Das Zwei-Jahres-Ergebnis verfehlt knapp die Signifikanz (p = 0,06); die Arbeitsform war selbst berichtet; die Mediationsanteile addieren sich nicht eindeutig, weil die Mediatoren zusammenhängen; welche Berufe und Schichtmodelle vorlagen, nennt das Abstract nicht; die Teilnehmer sind Paare mit Kinderwunsch.
Zirkadiane Desynchronisation, Mensch und Maus [s62]. Liu und Mitarbeiter (Human Reproduction, 2020) kombinierten eine Querschnittsstudie an 1346 chinesischen Männern (Wechselschicht, Dauerschicht gegen Nicht-Schicht), eine Kohorte von 796 Studierenden 2013/2014 (nichtberuflicher „sozialer Jetlag“ nach dem Munich Chronotype Questionnaire) und ein Mausmodell (C57BL/6J, Photoperiodenverschiebung). Verglichen wurden 17 Biomarker. Wechselschichtarbeiter hatten ein höheres Risiko für eine niedrige Spermienzahl (Gesamtzahl < 120 × 10⁶ nach dem chinesischen Gesundheitsministerium) als Nicht-Schichtarbeiter (OR 1,26; 95 %-KI 1,05 bis 1,52). In der Studierendenkohorte war jede Stunde Desynchronisation mit 1,16-fachen Chancen (95 %-KI 1,02 bis 1,31) für niedrige Spermienzahl verbunden; die Spermienzahl stieg 2014 bei Männern, die die Desynchronisation verringert hatten. Im Mausmodell sank die Spermienzahl bei Asynchronie und erholte sich nach deren Aufhebung; es gab vermehrte Apoptose in den Samenkanälchen und herunterregulierte Markergene postmeiotischer Zellen, am stärksten angereichert war der Funktionsweg der homologen Rekombination. Stärken: Konvergenz dreier Ebenen, Erholung nach Beendigung. Schwächen: beobachtend; Tiermodell mit anderer Exposition und Speziessensibilität (von den Autoren genannt); Studierende sind keine Berufsgruppe.
Wechselschicht und Gesamtfruchtbarkeitsrate in 35 europäischen Ländern [s58]. He und Mitarbeiter (Chronobiology International, 2021) werteten ökologisch (gemischtes lineares Modell) den European Working Conditions Survey 2000 bis 2015 aus (54 734 Männer, 52 457 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren). Die durchschnittliche Prävalenz der Wechselschicht sank von 15,6 % (2000) auf 9,8 % (2010) und stieg bis 2015 auf 11,1 %; die Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) stieg von 1,45 (2000) auf 1,60 (2010) und fiel auf 1,56 (2015). Ein Anstieg der Wechselschicht-Prävalenz um 10 % ging mit einem Rückgang der TFR um 0,114 einher (95 %-KI −0,167 bis −0,061). Für Dauerschicht (β = −0,011; 95 %-KI −0,094 bis 0,073; p = 0,801) und geteilte Schichten (β = 0,357; 95 %-KI −0,171 bis 0,884; p = 0,189) gab es keinen Zusammenhang. Schwächen: ökologischer Fehlschluss möglich; keine Spermiendaten, nur die Fertilitätsrate des Landes. Die Studie liefert nur indirekte Evidenz zur Spermienqualität.
Nacht- und Tagschicht, oxidativer Stress [s13]. Boeri und Mitarbeiter (Antioxidants, 2025) untersuchten retrospektiv in einer Querschnittsstudie 96 weiße europäische Männer (18 bis 45 Jahre) eines Zentrums mit Fruchtbarkeitsabklärung. Die d-ROMs-Werte waren bei Nachtarbeitern höher (Mediane 340 gegenüber 280 U.CARR; p = 0,01); der Anteil über der Schwelle betrug 74,4 % gegenüber 24,4 % (p = 0,01); Nachtarbeit war ein unabhängiger Prädiktor erhöhten oxidativen Stresses (OR 2,1; p = 0,001), auch nach Adjustierung für Alter und Rauchen. Eine Untergruppe von 40 Patienten (je 20 pro Gruppe) wurde zusätzlich drei Monate mit einem Antioxidans-Präparat behandelt; das Abstract berichtet Verbesserungen, die hier nur als Studieninhalt erwähnt sind und keine Aussage zur Berufsgruppe machen. Schwächen: kleine, selektierte Klinikpopulation, unkontrollierte Untergruppe; Spermienparameter werden im Abstract nicht als Unterschied zwischen den Schichtgruppen beziffert.
Schichtarbeit und Schlafqualität bei Fruchtbarkeitspatienten [s57]. Demirkol und Mitarbeiter (Andrologia, 2021) verglichen in einer Kinderwunschambulanz in Kahramanmaraş 104 Schichtarbeiter mit 116 Nicht-Schichtarbeitern (Samenanalyse; DASS-21 für Depression, Angst und Stress; Pittsburgh Sleep Quality Index, PSQI). Schichtarbeiter hatten häufiger Oligozoospermie (p = 0,006) und schlechtere Schlafqualität (p = 0,039) sowie einen geringeren Anteil normal geformter Spermien (p = 0,036). Die Konzentration korrelierte positiv mit der Schlafdauer, die Einschlaflatenz negativ mit der Gesamtspermienzahl. Im Modell mit Alter, Gesamttestosteron, DASS-21-Stresswert, Rauchen und Varikozele blieben Schichtarbeit (OR 2,11; 95 %-KI 1,03 bis 4,34) und hoher PSQI-Wert (OR 1,18; 95 %-KI 1,01 bis 1,39) mit Oligozoospermie assoziiert. Stärken: Adjustierung für wichtige Störgrößen, validierte Fragebögen, zwei Gruppen vergleichbarer Größe. Schwächen: Alle Teilnehmer sind Männer einer Kinderwunschambulanz (Selektion), Schichtsystem und Dauer sind im Abstract nicht beschrieben, eine einzelne Klinik, Querschnitt; die unteren Konfidenzgrenzen liegen nahe 1 (1,03 und 1,01), die Schätzung ist also unsicher; Schichtarbeit und Schlafqualität lassen sich nicht sicher trennen.
Urinäre 5-Hydroxyindolessigsäure [s122]. Ortiz und Mitarbeiter (Reproductive Biology and Endocrinology, 2010) führten eine Korrelationsstudie an 40 Männern durch: 20 Freiwillige (Korrelation des Urinmetaboliten mit Spermienparametern) und 20 Nachtschichtarbeiter (10 bewiesene Väter gegenüber 10 infertilen Männern). Der Urinwert korrelierte negativ mit Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, normaler Morphologie und Vitalität; bei den Nachtschichtarbeitern lagen die Werte der frisch bewiesenen Väter signifikant niedriger als die der infertilen Männer. Schwächen: sehr kleine Gruppen; eine Kontrolle ohne Schichtarbeit fehlt, die Aussage zur Schichtarbeit selbst ist daher begrenzt.
Einordnung: Alle Humanstudien dieses Abschnitts berichten Nachteile bei Wechselschicht oder Nachtarbeit, allerdings mit sehr unterschiedlichen Endpunkten (Spermienparameter, Schwangerschaftsrate, Fruchtbarkeitsrate des Landes, oxidativer Stress, Serotonin-Metabolit). Die Metaanalyse [s23] zeigt dagegen keinen signifikanten gepoolten Effekt, die LIFE-Kohorte [s101] (siehe Abschnitt körperliche Belastung) fand für Schicht- und Nachtarbeit keine Assoziation, und die norwegische Studie [s191] nur Tendenzen (OR 1,46; 95 %-KI 0,89 bis 2,40). Am ehesten konsistent ist die Evidenz für Wechselschicht, nicht für Festschicht. Tierversuche zur zirkadianen Störung stehen im Abschnitt Tierversuche und Zellversuche.