Nächtliches Licht, Lärm und Wohnumfeld · Kapitel 19 von 20

Glossar

ALAN (Artificial Light at Night): künstliches Licht in der Nacht, hier meist als Außenlicht am Wohnort aus Satellitendaten (Einheit nW/cm²/sr).

dLAN (dim light at night): schwaches Licht in der Nacht, in Tierversuchen verwendet.

Asthenozoospermie: verminderte Spermienbeweglichkeit gemäß WHO-Referenzwerten.

BCF (Beat-Cross Frequency): Schlagfrequenz des Spermienkopfes bei der computergestützten Bewegungsanalyse.

CASA (Computer-Assisted Sperm Analysis): computergestützte Messung der Spermienbewegung. Typische Größen: VCL (kurvilineare Geschwindigkeit), VAP (Durchschnittsgeschwindigkeit des gemittelten Pfades), VSL (geradlinige Geschwindigkeit), LIN (Linearität), STR (Geradlinigkeit), WOB (Wackeln), ALH (seitliche Kopfauslenkung) und BCF.

Chronotyp: individuelle Tageszeitpräferenz (Morgen- oder Abendtyp). Erfasst z. B. mit dem Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ).

Desynchronose (russ. десинхроноз): Störung der Abstimmung zwischen innerer Uhr und äußeren Zeitgebern; in russischen Arbeiten das Modell für Dauer- oder Nachtlicht.

Dunkelheitsentzug (Dauerlicht): Tiermodell mit 24 Stunden Licht, in den Wolgograder Arbeiten als Alterungsmodell verwendet.

EARTH-Studie: Environment and Reproductive Health Study, Kohorte von Männern eines Fertilitätszentrums.

Fekundabilität / Fekundität: Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus (Fekundabilität) bzw. Zeit bis zur Schwangerschaft (Fekundität). Ein Fekundabilitätsverhältnis über 1 bedeutet höhere Wahrscheinlichkeit pro Zyklus; ein Zeitverhältnis über 1 eine längere Zeit bis zur Schwangerschaft. Es sind Paarmaße.

Flagellum: die Geißel (der Fortsatz) der Samenzelle, die für die Beweglichkeit sorgt. Bei der Spermienmorphologie ist die Form von Kopf, Mittelstück und Flagellum von Bedeutung.

Hazard Ratio (HR): Verhältnis der Ereignisraten zweier Gruppen im Zeitverlauf; unter 1 bedeutet geringere Rate des Ereignisses. Bei der Schwangerschaft ist ein Wert unter 1 eine geringere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit, bei der Infertilitätsdiagnose ein Wert über 1 ein höheres Risiko.

Hedges' g: standardisierte Effektgröße, Mittelwertdifferenz geteilt durch die gepoolte Standardabweichung (mit Korrektur für kleine Stichproben). Negative Werte bedeuten niedrigere Werte in der exponierten Gruppe.

Heterogenität (I²): Anteil der Streuung zwischen Studien in einer Metaanalyse, der nicht durch Zufall zu erklären ist. Werte von 63 % bis 85 % in dieser Auswertung sind hoch.

iOAT (idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie): gleichzeitig verminderte Konzentration, verminderte Beweglichkeit und erhöhter Anteil abnormer Formen ohne bekannte Ursache.

Interquartilsabstand (IQR): Abstand zwischen dem 25. und 75. Perzentil einer Verteilung. In vielen Studien ist der Effekt „je IQR-Anstieg“ der Exposition angegeben.

Konfidenzintervall (95-%-KI): Bereich, der den wahren Wert unter den Annahmen des Modells mit 95 % Sicherheit einschließt; ein Intervall, das 1 (bei Verhältnissen) bzw. 0 (bei Differenzen) einschließt, gilt als statistisch nicht signifikant.

Leq / Lden: Äquivalenter Dauerschallpegel (Leq) bzw. Tag-Abend-Nacht-Pegel (Lden) in Dezibel; Maße der Lärmbelastung. Lden gewichtet Abend- und Nachtstunden zusätzlich.

Leydig-Zellen / Sertoli-Zellen: Zellen des Hodens. Leydig-Zellen bilden Testosteron; Sertoli-Zellen stützen und steuern die Samenzellbildung.

Melatonin: Hormon der Zirbeldrüse, dessen Ausschüttung nachts ansteigt und durch Licht unterdrückt werden kann.

Mendelsche Randomisierung: Methode, die genetische Varianten als Stellvertreter einer Exposition nutzt, um Störgrößen und umgekehrte Kausalität zu verringern.

NDVI (Normalized Difference Vegetation Index): Vegetationsindex aus Satellitenbildern; hohe Werte stehen für dichte grüne Vegetation. Er sagt nichts über Zugänglichkeit oder Nutzung von Grünflächen.

Nichtprogressive Beweglichkeit: Spermien, die sich bewegen, aber nicht vorwärts.

Odds Ratio (OR): Chancenverhältnis; ein Wert über 1 bedeutet höhere Chance für das Ereignis in der exponierten Gruppe, bei breitem Konfidenzintervall mit geringer Sicherheit.

Oligozoospermie: verminderte Spermienkonzentration gemäß WHO-Referenzwerten.

Photoperiode: Verhältnis von Licht- zu Dunkelphase pro Tag (zum Beispiel 12:12).

PREBIC: Kohorte in Chongqing (China) zu männlicher Reproduktionsgesundheit.

PSQI (Pittsburgh Sleep Quality Index): Fragebogen zur Schlafqualität.

Querschnittsstudie: Studie, in der Exposition und Ergebnis zum selben Zeitpunkt erfasst werden; sie zeigt Zusammenhänge, aber keine zeitliche Reihenfolge.

Social Jetlag: Abweichung zwischen der Schlafzeit an Arbeits- bzw. Schultagen und freien Tagen.

SCSA (Sperm Chromatin Structure Assay): Test der DNA-Fragmentierung der Spermien.

Spermatogenese: Bildung der Samenzellen im Hoden. Die Humanstudien werten die Exposition meist im Fenster von 0 bis 90 Tagen vor der Probe aus, das als Dauer der Spermatogenese angesetzt wird; mehrere Studien fanden die stärksten Zusammenhänge 70 bis 90 Tage vor der Probe [s50, s43, s23].

TMSC (Total Motile Sperm Count): gesamte Zahl beweglicher Spermien im Ejakulat.

Teratozoospermie: erhöhter Anteil morphologisch abnormer Spermien.

TTP (Time to Pregnancy): Zeit bis zur Schwangerschaft.

Vitalität: Anteil lebender Spermien im Ejakulat.

WHO-Handbuch: Referenzwerke für die Samenanalyse (Ausgaben 2010 bzw. 5. Auflage); die Referenzgrenzen wurden zwischen den Ausgaben angepasst.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp
  6. Schichtarbeit und zirkadiane Störung und Grünflächen
  7. Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten
  9. Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche bis Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe
  10. Leitlinien und Konsensdokumente und Zusammenfassende Bewertung der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Russisch
  14. Arabisch und Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle