Nächtliches Licht, Lärm und Wohnumfeld · Kapitel 4 von 20

Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Dieser Abschnitt stellt jede aufgefundene Metaanalyse, systematische Übersicht, jeden Umbrella-Review, jede narrative Übersicht und jede Leitlinie einzeln vor, soweit sie für das Thema (nächtliches Licht, Lärm, Grünflächen, Wohnort und Spermienqualität) einschlägig ist oder erkennbar als Hintergrund dient. Zwei Vorbemerkungen gelten für alle Einträge. Erstens beruhen die Angaben auf den abgerufenen Zusammenfassungen (Abstracts) und, wo ausdrücklich vermerkt, auf Volltexten; Aussagen zu Stärken und Schwächen sind Einordnungen aus der beschriebenen Methodik, keine Volltextbewertung. Zweitens zeigt sich bereits auf der Ebene der Zusammenfassungen ein auffälliger Befund: Keine einzige Metaanalyse hat Lärm, nächtliches Außenlicht, Bildschirmlicht oder Wohngrün in Bezug auf Samenparameter beim Menschen mit einem gepoolten Schätzer untersucht. Die gepoolten Schätzer betreffen stattdessen Nachbarthemen (Schichtarbeit, Schlafstörungen, Mobiltelefone, Luftschadstoffe) oder Tierversuche.

Metaanalysen mit gepoolten Schätzern

Majdi et al. (2026): Feinstaub, Stickstoffdioxid, Bisphenol A und Phthalate sowie Fruchtbarkeitsmaße [s11]. Titel: „Association between Particulate Matter (PM₂.₅), Nitrogen Dioxide (NO₂), Bisphenol A (BPA), and Phthalates and Infertility Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 (PROSPERO CRD420251066799). Durchsucht wurden PubMed, Scopus, Web of Science und Embase von Januar 2008 bis Dezember 2024; zwei Gutachter sichteten 2.478 Treffer unabhängig, die Qualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala (Schwelle mindestens 7) und dem Instrument ROBINS-I V2 (2024) bewertet. Population: 38 Studien, als „hochwertig“ eingestuft, zusammen n = 55.620. Exposition und Endpunkte: Außenluftmessungen oder Biomarker; Endpunkte waren Samenqualität, ovarielle Reserve, Eizellausbeute, klinische Schwangerschaftsrate und Zeit bis zur Schwangerschaft. Methodik: Random-Effects-Modelle (R-Paket metafor), Subgruppen, Heterogenität (I²), Publikationsbias (Trichterdiagramme, Egger-Test). Ergebnisse: PM₂.₅ je 10 µg/m³ senkte die Spermienkonzentration um 5,5 Millionen/ml (95-%-Konfidenzintervall −6,05 bis −5,11; p < 0,001; I² = 72 %). NO₂ je 10 ppb senkte die Beweglichkeit um 4,3 Prozentpunkte (−4,52 bis −4,11; p < 0,001; I² = 65 %). Für die weibliche Seite nennt der Abstract: BPA und Anti-Müller-Hormon, standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) −0,42 (−0,46 bis −0,37; I² = 69 %); Phthalate und Antralfollikelzahl −0,38 (−0,42 bis −0,33; I² = 67 %); PM₂.₅ und Eizellausbeute −0,33 (−0,38 bis −0,28; I² = 62 %); BPA und klinische Schwangerschaftsrate OR 0,83 (0,81 bis 0,85; p = 0,001; I² = 58 %). Für die Zeit bis zur Schwangerschaft zeigte sich kein signifikanter Effekt (SMD 0,10; −0,09 bis 0,29; p = 0,30; I² = 85 %). Die Autoren schreiben, die hohe Heterogenität sei in Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen untersucht worden (Variabilität nach Region und Expositionsdauer), ohne dass sich an der Gesamtaussage etwas geändert habe. Stärken: zwei unabhängige Gutachter, registriertes Protokoll, Qualitätsfilter, Prüfung auf Publikationsbias. Schwächen: Die Arbeit betrifft Luftschadstoffe und Chemikalien, nicht Lärm, Licht oder Grün; sie ist hier relevant, weil Luftschadstoffe in den Grünflächen- und Wohnortstudien als Störgröße und als Mediator auftreten. Die Konfidenzintervalle sind bei einer Heterogenität von 65 bis 72 % auffallend schmal; die Arbeit liegt nur als Abstract vor, Einzelstudien und Zahlen sind nicht nachprüfbar, und die Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Die im Abstract behauptete Dosisabhängigkeit wird dort nicht durch eine beschriebene Dosis-Wirkungs-Analyse belegt (Einordnung der Bearbeitung).

Viramgami et al. (2025): Nachtschichtarbeit und männliche Reproduktionsfunktion [s41]. Titel: „Study on the association between night shift work and reproductive functions among male workers: a systematic review and meta-analysis“. Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse nach PRISMA 2020 (PROSPERO CRD42022379770); Suche in PubMed, Scopus und EMBASE. Population: Studien, die männliche Reproduktionsparameter (Samenprofil, Testosteron, FSH, LH) zwischen Nachtschichtarbeitern und Nichtschichtarbeitern verglichen; acht Studien aus 6.397 gesichteten Treffern. Methodik: Heterogenität (I² und Cochran-Q-Test), Verzerrungsrisiko mit der Newcastle-Ottawa-Skala und Trichterdiagrammen, Sensitivitätsanalysen. Ergebnisse: gepoolte mittlere Differenz der Spermienzahl −18,38 × 10⁶ (95-%-KI −59,82 bis 23,07; n = 3 Studien; I² = 85,12 %); Serumtestosteron +15 ng/dl (−19,3 bis 49,39; n = 5 Studien; I² = 63 %). Die Autoren formulieren, Schichtarbeiter hätten niedrigere Spermienzahlen, aber geringfügig höheres Testosteron; beide Konfidenzintervalle schließen jedoch null ein, sodass statistisch kein belegter Unterschied vorliegt. Die meisten Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko bei Teilnehmerauswahl, Vergleichbarkeit der Gruppen und Expositionsmessung. Stärken: registriertes Protokoll, getrennte Betrachtung von Samenparametern und Hormonen. Schwächen: nur drei Studien für die Spermienzahl, sehr hohe Heterogenität; Schichtarbeit ist kein Lichtmaß (Schlaf, Stress, Ernährung und Bewegung sind vermengt); die Definition „Nachtschicht“ ist nicht einheitlich. Einordnung: Die einzige Metaanalyse zu Schichtarbeit liefert keinen belastbaren gepoolten Effekt; sie steht in Kontrast zu einzelnen Studien im Abschnitt „Beobachtungsstudien“.

Zhong et al. (2022): Schlafstörungen und zirkadiane Veränderungen bei männlicher Reproduktionsgesundheit [s98]. Titel: „Effects of Sleep Disorders and Circadian Rhythm Changes on Male Reproductive Health: A Systematic Review and Meta-analysis“. Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse; Suche in PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science und Scopus von Beginn der Datenbanken bis 24. Februar 2022; Auswertung mit RevMan 5.4, Publikationsbias mit Stata 16. Ergebnisse (gepoolte mittlere Differenzen mit 95-%-KI): Schlafstörungen waren mit geringerer Gesamtspermienzahl (−27,91; −37,82 bis −18,01; p < 0,001), geringerer Konzentration (−5,16; −9,67 bis −0,65; p = 0,02), geringerer progressiver Beweglichkeit (−2,94; −5,28 bis −0,59; p = 0,01) und geringerer normaler Morphologie (−0,52; −0,80 bis −0,24; p < 0,001) verbunden. Kein Zusammenhang bestand mit Samenvolumen und Reproduktionshormonen. Eine ergänzende bioinformatische Auswertung zeigte, dass die Uhrengene PER1, PER2, CRY2, NR1D1 und NPAS2 bei Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie herunterreguliert waren. Die Autoren verweisen auf begrenzte Zahl und Qualität der Studien. Schwächen: Der Abstract nennt weder die Zahl der eingeschlossenen Studien noch die Heterogenität (I²) noch die Einheiten der Mittelwertdifferenzen; Schlafstörung ist nicht gleich Lichtexposition, ein Weg von nächtlichem Licht über Schlaf zur Spermienqualität wird nicht untersucht. Einordnung: Die Arbeit ist die Metaanalyse mit den deutlichsten Effekten im Umfeld des Themas; sie betrifft aber Schlafstörungen (verschiedener Definition), nicht Licht, und die Deutung als „zirkadian“ beruht auf der Hypothese der Autoren.

Kim et al. (2021): Mobiltelefon-Nutzung und Spermienqualität, Metaanalyse [s109]. Titel: „Effects of mobile phone usage on sperm quality - No time-dependent relationship on usage: A systematic review and updated meta-analysis“ (Autorengruppe aus Korea). Design: systematische Übersicht mit aktualisierter Metaanalyse nach PRISMA; Endpunkte Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration. Population: 18 Studien mit zusammen 4.280 Proben (In-vitro- und In-vivo-Studien). Exposition: Hochfrequenzstrahlung (RF-EMW) von Mobiltelefonen. Ergebnisse: Die Exposition war mit verminderter Beweglichkeit, Vitalität und Konzentration verbunden; die Abnahme der Spermienqualität wurde auch bei steigender Nutzungsdauer nicht signifikant größer, es fand sich also kein Zeit-Dosis-Zusammenhang. Der Befund war in experimentellen In-vitro- wie in beobachtenden In-vivo-Studien gleich. Die Autoren halten fest, die In-vivo-Daten zeigten eine Schädlichkeit der Mobiltelefon-Nutzung für die Spermienqualität, und fordern Studien zu neueren Geräten. Schwächen: Gepoolte Zahlen stehen nicht im Abstract; ohne Dosisbezug ist die kausale Deutung schwerer zu stützen (Einordnung der Bearbeitung); In-vitro-Bestrahlung ist mit dem Tragen eines Telefons am Körper nicht gleichzusetzen. Einordnung: Die Arbeit betrifft Funkstrahlung, nicht das Licht des Bildschirms; sie ist nur aufgeführt, weil „Gerätenutzung“ in der Literatur häufig mit „Bildschirmlicht“ gleichgesetzt wird.

Dzhambov und Dimitrova (2015): chronische Lärmbelastung und Testosteron bei Nagern, Metaanalyse und Metaregression [s154]. Titel: „Chronic noise exposure and testosterone deficiency -- meta-analysis and meta-regression of experimental studies in rodents“. Design: systematische Übersicht mit Metaanalyse von Tierversuchen; Suche in MEDLINE, EMBASE und im Internet; sieben Studien. Methodik: „Quality-effects“-Modell zur Berechnung eines gepoolten Hedges' g; Metaregression. Ergebnisse: gepooltes Hedges' g = −2,41 (95-%-KI −3,28 bis −1,54), also ein sehr großer Effekt auf das Serumtestosteron. Die Gesamtdauer der Exposition erklärte einen signifikanten Anteil der Varianz zwischen den Studien (Q(1) = 3,95; p = 0,047). Die Heterogenität war erheblich (I² = 82 %), außerdem bestand Publikationsbias (p = 0,016). Nach Einfügen zweier zuvor als fehlend angenommener Studien sank der gepoolte Effekt auf g = −1,53 (−3,01 bis −0,05). Die Autoren schließen, chronischer Lärm von etwa 100 dB senke das Serumtestosteron männlicher Nager signifikant, und fordern Humanstudien. Stärken: transparente Zusammenfassung verstreuter Tierdaten, Prüfung auf Publikationsbias, Sensitivitätsanalyse. Schwächen: nur sieben Studien; I² = 82 %; nachgewiesener Publikationsbias; nach der Korrektur reicht das Intervall fast bis null (−0,05); Pegel um 100 dB entsprechen keiner Wohnumgebung; Testosteron ist kein Samenparameter; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist offen. Einordnung: die einzige Metaanalyse im Themenfeld Lärm; sie zeigt die Richtung im Tierversuch, aber keine Humandaten.

Fathi Najafi et al. (2015): Luftverschmutzung und Spermienqualität, Metaanalyse [s155]. Titel: „Air pollution and quality of sperm: a meta-analysis“ (Autorengruppe aus dem Iran). Design: Metaanalyse; Suche in Medline, PubMed, Scopus, Google Scholar, Cochrane Library und Elsevier für 1978 bis 2013; zunächst wurden 76 Artikel ausgewählt (ökologische Korrelationsstudien, Kohorten-, retrospektive, Querschnitt- und Fall-Kontroll-Studien), 11 Artikel gingen in die Metaanalyse ein. Methodik: Extraktion von Mittelwert und Standardabweichung der Spermienparameter; die Konfidenzintervalle der gepoolten Mittelwerte wurden mit denen von Standardparametern verglichen. Ergebnisse (gepoolte Mittelwerte ± Intervall): Volumen 2,68 ± 0,32 ml, Konzentration 62,1 ± 15,88 Millionen/ml, Beweglichkeit 39,4 ± 5,52 %, Morphologie 23,91 ± 13,43 %, Gesamtzahl 49,53 ± 11,08. Die Autoren schließen, Luftverschmutzung senke die Beweglichkeit, habe aber auf die übrigen Parameter keinen Einfluss. Schwächen (Bewertung aus dem Recherchebericht, hier übernommen): Es werden Intervalle gepoolter Mittelwerte mit Normwerten verglichen, nicht exponierte mit nicht exponierten Männern; ein Effektschätzer im üblichen Sinn fehlt, daher ist die Schlussfolgerung so nicht belegt. Die sehr unterschiedlichen Designs und die Zahl von nur 11 aus 76 Artikeln begrenzen die Aussage zusätzlich. Einordnung: Hintergrund zur Luftbelastung, kein Beleg zu Lärm, Licht oder Grün.

Systematische Übersichten und Umbrella-Review ohne Pooling

Wang Q.-H. et al. (2026): Umbrella-Review zu Risikofaktoren männlicher Infertilität [s17]. Titel: „Current risk factors for male infertility and semen parameters: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses“. Design: Umbrella-Review; Suche in Web of Science, MEDLINE und Embase von Januar 2000 bis Februar 2025; Endpunkte waren Infertilität, Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Morphologie, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit. Umfang: 43 Studien mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen; nach GRADE wurden 136 (54,6 %) als „sehr niedrig“, 59 (23,7 %) als „niedrig“ und 54 (21,7 %) als „moderat“ eingestuft. Befunde: Mit verminderter Samenqualität werden Adipositas, Schlafstörungen und Rauchen sowie Schadstoffe und mehrere Verbindungen (Schwefelkohlenstoff, Organophosphate, Blei), bestimmte Medikamente und einzelne Virusinfektionen genannt; körperliche Bewegung, Nussverzehr und ein gesundes Ernährungsmuster werden als möglicherweise gegenläufig geführt. Die Autoren betonen, dass einigen Befunden die Prüfung der Kausalität fehlt. Einordnung: Lärm, nächtliches Licht und Grünflächen kommen im Abstract nicht vor; über mehr als die Hälfte aller Effektgrößen urteilt GRADE „sehr niedrig“. Das ist ein wichtiger Kontext: Selbst für die bekannten Risikofaktoren ist die Evidenz überwiegend schwach, und für die hier untersuchten Expositionen gibt es keine eingeschlossene Übersicht. Schwächen: Es handelt sich um eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen; überlappende Primärstudien sind möglich; Einzelheiten der Auswertung liegen im Abstract nicht vor.

Sterpi et al. (2025): „The sitting men“, Sitzzeiten und Samenparameter [s38]. Titel: „The sitting men: A systematic review of spare and working time exposure to sedentariness in relation to semen parameters“. Design: systematische Übersicht nach PRISMA; Embase und PubMed bis Mai 2023, nur englischsprachige Beobachtungsstudien im Volltext. Population: 16 Beobachtungsstudien (6 an gesunden Männern, 10 an Männern aus Fertilitätskliniken) mit zusammen 13.509 Männern (9.877 gesunde, 3.632 Klinikmänner). Ergebnisse: Beim Volumen fand sich in den sechs Studien an gesunden Männern kein Zusammenhang; bei Klinikmännern überwiegend ebenfalls keiner (eine Studie mit Abnahme, eine mit höherem Volumen). Zwölf Studien fanden keine Unterschiede der Konzentration; eine Klinikstudie und zwei Studien an Gesunden fanden mit zunehmender Fernsehzeit oder sitzender Haltung in der Freizeit eine Abnahme. Die Gesamtzahl war ähnlich, mit einer Ausnahme bei Klinikmännern mit mehr Fernsehzeit. Bei der Beweglichkeit gab es in keiner Studie signifikante Unterschiede; unter den Studien zur Morphologie fand eine weniger normale Formen bei mehr als drei Stunden Fernsehen täglich. Drei Klinikstudien untersuchten die DNA-Fragmentierung; zwei davon fanden höhere Indizes bei längerem Sitzen. Fazit der Autoren: schwacher, aber inkonsistenter Zusammenhang zwischen Freizeitsitzen und Konzentration. Schwächen: kein Pooling, heterogene Expositionsmaße; Fernsehzeit steht für Bewegungsmangel, Wärme und Ernährung, nicht für Licht. Der Abstract trennt nicht zwischen Fernsehen und anderem Sitzen.

Caetano et al. (2021): Schlaf und weibliche wie männliche Reproduktionsfunktion [s103]. Titel: „Impact of sleep on female and male reproductive functions: a systematic review“. Design: systematische Übersicht nach PRISMA; PubMed und Embase vom 1. Januar 2000 bis 8. Juni 2020. Umfang: 33 Studien, davon zehn zur Ovarfunktion, zwölf zur Spermienfunktion, fünf zur natürlichen Fertilität und sechs zu IVF-Ergebnissen. Befund: Fertilität beider Geschlechter und IVF-Ergebnisse könnten durch kurze Schlafdauer, Abendtyp oder Schicht- und Nachtarbeit beeinflusst werden; die Ergebnisse seien wegen heterogener Methoden kaum vergleichbar. Schwächen: kein Pooling; Zahlen zu den zwölf Spermienstudien nennt der Abstract nicht. Einordnung: Die Arbeit stützt die Frage, ob zirkadiane Faktoren relevant sind, ist aber ein Hinweis auf Forschungsbedarf und kein Wirksamkeitsnachweis.

He M. et al. (2023): Uhrengene und Spermatogenese, systematische Übersicht [s68]. Titel: „An update on the role and potential mechanisms of clock genes regulating spermatogenesis: A systematic review of human and animal experimental studies“ (Human- und Tierstudien). Der Abstract nennt keine Studienzahl und keine Effektschätzer. Die Autoren fassen zusammen, dass es rhythmische Schwankungen von Samenparametern und einigen physiologischen Ereignissen der Spermatogenese gibt, dass die Störung der Uhrengenexpression (durch Mutationen oder Umweltveränderungen) die Spermatogenese deutlich schädigt, dass die Mechanismen aber weitgehend unklar sind; als mögliche Beteiligte nennen sie Gonadenhormone, den Retinsäure-Signalweg, die homologe Rekombination und den Chromatoid-Körper. Einordnung: mechanistische Hintergrundarbeit ohne Zahlen und ohne Aussage zu Licht im Wohnumfeld.

Ramezanifar et al. (2023): berufliche physikalische und chemische Risikofaktoren [s77]. Titel: „Occupational Exposure to Physical and Chemical Risk Factors: A Systematic Review of Reproductive Pathophysiological Effects in Women and Men“ (Autorengruppe aus dem Iran). Design: systematische Übersicht nach PRISMA 2020 (Google Scholar, PubMed, Scopus, Web of Science; Studien von 2000 bis 2021). Umfang: 57 Artikel (34 Feldstudien, 23 klinische Studien); 43 behandelten chemische, sechs physikalische und acht physikochemische Einflüsse. Befund: Physikalische Faktoren (Lärm, Hitze, Hochfrequenzstrahlung) und chemische Stoffe hätten pathophysiologische Wirkungen auf das menschliche Fortpflanzungssystem. Schwächen: Nur sechs Studien betreffen physikalische Faktoren, Lärm ist nur eine davon; Zahlen und Studienqualität stehen nicht im Abstract; Frauen und Männer sind in einer Auswertung vermischt. Die Empfehlung der Autoren zu technischen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ist eine Autorenmeinung und wird hier nicht weitergegeben.

Clark et al. (2020): Umgebungslärm und Gesundheit für das britische Umweltministerium [s115]. Titel: „Evidence for Environmental Noise Effects on Health for the United Kingdom Policy Context: A Systematic Review of the Effects of Environmental Noise on Mental Health, Wellbeing, Quality of Life, Cancer, Dementia, Birth, Reproductive Outcomes, and Cognition“. Design: im Auftrag des britischen Umweltministeriums (Defra) erstellte systematische Übersicht mit GRADE, die den Wissensstand nach den Übersichten zu den WHO-Lärmleitlinien fortschreibt (Veröffentlichungen von Mitte 2015 bis März 2019; für Krebs und Demenz ab Januar 2014). Befunde: Die meiste Evidenz wurde als „niedrige Qualität“ statt zuvor „sehr niedrige Qualität“ eingestuft; es gibt niedrige Evidenz für schädliche Wirkungen von Straßenverkehrslärm auf Medikamentengebrauch und Depression und Angst sowie von Straßen-, Flug- und Schienenlärm auf einige Krebsendpunkte. Viele Schlussfolgerungen der WHO-Übersichten blieben unverändert, begrenzt durch geringe Studienzahlen. Einordnung: Männliche Spermienqualität wird im Abstract nicht genannt. Die Arbeit zeigt, dass selbst für gut untersuchte Lärmendpunkte die Evidenz als „niedrig“ eingestuft wird; für die männliche Fortpflanzung liegt hier nichts vor. Fluglärm erscheint nur im Zusammenhang mit Krebsendpunkten.

Ristovska et al. (2014): Fortpflanzungsergebnisse und Lärm [s158]. Titel: „Reproductive outcomes associated with noise exposure - a systematic review of the literature“. Design: systematische Übersicht; Web of Science, PubMed und Embase für 1970 bis Juni 2014 sowie Hinweise von Fachkollegen; eingeschlossen 14 epidemiologische Studien zu beruflichem und neun zu umweltbezogenem Lärm. Befunde: Es gab Hinweise auf Zusammenhänge zwischen beruflichem Lärm und niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt und geringer Größe für das Gestationsalter, allein oder zusammen mit anderen beruflichen Risiken; fünf von sechs epidemiologischen Studien, darunter die beiden größten, fanden signifikante Zusammenhänge zwischen niedrigerem Geburtsgewicht und höherem Lärm. Zu anderen Endpunkten gab es wenige Studien; Designprobleme könnten in einigen Studien zu Verzerrungen geführt haben. Die Autoren verweisen auf Evidenz aus Tierversuchen und nur wenige Humanstudien mit suggestiven Zusammenhängen, besonders für das Geburtsgewicht. Einordnung: Die Übersicht betrifft Schwangerschaftsausgänge (also vor allem Frauen), nicht die Samenqualität; sie bestätigt, dass Humandaten zu Lärm und männlicher Fortpflanzung schon 2014 als spärlich beschrieben wurden.

Behra et al. (2026): Lebensstil und Samenparameter in ländlichen und städtischen Bevölkerungen von Chhattisgarh [s02]. Titel: „Lifestyle Factors and Semen Parameters in Rural and Urban Populations of Chhattisgarh: A Systematic Review“ (Indien). Design: systematische Übersicht mit vier Berichten zu zwei Studien, zusammen 295 Teilnehmer. Befunde: Rauchen, hohe Mobiltelefonnutzung (über sechs Stunden täglich) und Agrochemikalien zeigten ungünstige Zusammenhänge; keine der Studien habe den Wohnort klassifiziert, sodass ein direkter Stadt-Land-Vergleich nicht möglich war. Die Autoren stufen die Evidenz als „sehr niedrige Sicherheit“ ein. Einordnung: ein offenes Beispiel dafür, dass die Frage nach Stadt und Land in der Literatur oft nicht beantwortbar ist; mit zwei Primärstudien trägt die Arbeit nichts zur Beurteilung von Lärm, Licht oder Grün bei.

Osipov (2023): berufliche psychoorganisatorische Belastungen des Vaters und Fortpflanzungsstörungen [s76]. Titel: „Exposition paternelle à des facteurs de risque professionnels d'ordre psycho-organisationnel et troubles de la reproduction“ (Väterliche Exposition gegenüber psychoorganisatorischen beruflichen Risikofaktoren und Fortpflanzungsstörungen). Design: Abschlussarbeit (Mémoire, HAL/DUMAS) mit systematischer Literaturübersicht, 24 von 502 Treffern eingeschlossen. Befund laut Abstract: Schicht- oder Wechselarbeit sei mit Veränderungen der Sekretion von Steroidhormonen, Cortisol und Testosteron assoziiert; Arbeitsstress und Burn-out schienen mit veränderten Spermienparametern verbunden; die methodische Qualität der erfassten Studien sei oft begrenzt. Schwächen: Abschlussarbeit, keine Begutachtung im Sinn einer Fachzeitschrift; keine Zahlen im Abstract.

Ould Hamouda et al. (2016): Spermienanomalien und berufliches Umfeld [s151]. Titel: „Association entre anomalies spermatiques et environnement professionnel chez les hommes consultant pour infertilité de couple“ (Zusammenhang zwischen Spermienanomalien und beruflichem Umfeld bei Männern, die wegen Paarinfertilität konsultieren; englischer Titel laut Datenbank: Association between sperm abnormalities and occupational environment among male consulting for couple infertility; französischsprachig, Journal de gynécologie, obstétrique et biologie de la reproduction). Design: Übersicht über 13 Fall-Kontroll-Studien aus PubMed mit 61 bis 2.619 Teilnehmern und großer methodischer Heterogenität, besonders bei der Erfassung der Exposition. Befunde: Berufe mit signifikantem Zusammenhang zu veränderten Spermienparametern waren Arbeiter, Maler, Landwirte, Schweißer, Klempner und Techniker; bei den Expositionen fanden sich signifikante Ergebnisse für Lösungsmittel, Schwermetalle, Hitze, Vibrationen und nichtionisierende Strahlung; keine der Studien fand einen Zusammenhang mit Pestiziden. Einordnung: Lärm wird im Abstract nicht erwähnt.

Deng et al. (2018): Schichtarbeit und Männergesundheit [s133]. Titel: „The Relationship Between Shift Work and Men's Health“. Design: narrative Übersicht zu Schichtarbeit und Schichtarbeits-Schlafstörung (SWSD) in Bezug auf allgemeine und urologische Gesundheit. Befunde: Die aktuelle Evidenz stütze Zusammenhänge zwischen nicht standardisierter Schichtarbeit und mehr hypogonadalen Symptomen, schlechteren Samenparametern und verminderter Fertilität (daneben Symptome der unteren Harnwege und Prostatakrebs); diese Zusammenhänge seien bei SWSD verstärkt, die bis zu 20 % der Schichtarbeiter betrifft. Maßnahmen gegen Schläfrigkeit (geplante Nickerchen, zeitlich gesteuerte Lichtexposition, Melatonin, Schlafmittel) seien begrenzt und ohne starke Evidenz. Die Arbeit wird in der Literaturliste der AUA/ASRM-Leitlinie geführt (siehe unten). Schwächen: narrative Übersicht ohne systematische Suche; wenige Studien zur männlichen Urologie, wie die Autoren selbst einräumen.

Narrative Übersichten und Hypothesenpapiere

Die folgenden Übersichten enthalten keine eigenen Daten. Sie sind für das Verständnis der Argumentationslinien wichtig (Licht, Melatonin, zirkadiane Gene, Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse), liefern aber keine Risikoschätzer.

Zirkadiane und Lichtübersichten. Gubin et al. (2026) [s06], „The Circadian-Light-Hygiene Hypothesis: A Potential Modulator of Fertility and Birthrate Trends“ (Biology; Erstautor in Tjumen, Russland): Hypothesenpapier, nach dem künstliches Licht in der Nacht, zu wenig Tageslicht und unregelmäßige Licht-Dunkel-Muster Melatoninsignal, zirkadiane Genregulation und neuroendokrine Rhythmen stören und unter anderem die Spermienqualität beeinflussen könnten; Urbanisierung, Bildschirmnutzung und Schichtarbeit verstärkten dies. Die Autoren räumen selbst ein, dass direkte Kausalbelege am Menschen für mehrere Endpunkte begrenzt sind. Der Abstract nennt keine Zahlen. Liu (2024) [s51], „Light pollution: time to consider testicular effects“ (Frontiers in Toxicology): Die Übersicht argumentiert, die Zunahme künstlichen Lichts in der Nacht sei beispiellos, das Fortpflanzungssystem eng mit Stoffwechsel und zirkadianem System verknüpft, und beide könnten schon durch geringe Lichtmengen gestört werden; Humanstudien hätten die für Melatoninunterdrückung und zirkadiane Neueinstellung zuständigen Photorezeptoren identifiziert. Die Schlussfolgerung ist die Forderung, testikuläre Wirkungen der Lichtverschmutzung zu untersuchen; es ist ein Meinungs- und Mechanismenbeitrag. Behi Shahreza et al. (2026) [s01], „Visible light, oxidative stress, and reproduction: The protective role of melatonin“ (Autorengruppe aus dem Iran): Übersicht zu Melatonin, nach der Licht in der Nacht Melatonin unterdrücke, oxidativen Stress erhöhe und so Spermien- und Eizellqualität beeinträchtige; im Labor der assistierten Reproduktion erzeuge Licht reaktive Sauerstoffspezies. Ohne Zahlen. Wang und Tao (2022) [s94], „[Progress in researches on the effect of artificial light at night on infertility]“ (Fortschritte der Forschung zur Wirkung von Kunstlicht bei Nacht auf Infertilität; chinesischsprachig, Chinese Journal of Preventive Medicine): Kunstlicht bei Nacht könne den zirkadianen Rhythmus und die Melatoninsekretion beeinflussen, und regelmäßige Rhythmen und ausreichend Melatonin seien der Fortpflanzung zuträglich. Karabulut und Oria (2025) [s29], „The effects of circadian rhythm on reproductive functions“ (Zygote): Das Licht-Dunkel-Muster sei der wichtigste äußere Zeitgeber, Störungen könnten die Fruchtbarkeit beider Geschlechter beeinträchtigen, unter anderem die Spermienbildung. Li (2022) [s86], „The potential impacts of circadian rhythm disturbances on male fertility“: Nachtschicht, Schlafmangel und schlechte Schlafqualität beeinträchtigten nach vielen Studien die Spermienqualität; die Forschung zu Licht, Körpertemperatur und zirkadianen beziehungsweise zirkannualen Rhythmen sei vergleichsweise spärlich, die Spermienindizes und Studiendesigns seien uneinheitlich, die Schlussfolgerungen vorläufig inkonsistent. Fusco et al. (2021) [s106], „Impact of Circadian Desynchrony on Spermatogenesis: A Mini Review“: Knock-out oder Knock-down von Uhrengenen sei bei Tier und Mensch mit Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeitswege verbunden, Verkürzung der Schlafdauer oder veränderte Schlafarchitektur könne Sexualhormone und Samenparameter beim Menschen beeinflussen; die Evidenz bleibe wegen der Studienheterogenität niedrig. Ulusu (2026) [s16], „Non-chemical, chemical, and biochemical, endocrine disruptors: biphasic health effects and pathophysiological insights“ (Frontiers in Endocrinology; Istanbul): zählt elektromagnetische Felder, Lärm, künstliches Licht in der Nacht und Wärmestress zu den nichtchemischen Stressoren, deren Wirkungen von Intensität, Dauer und Zeitpunkt abhingen und schädlich oder nützlich sein könnten. Ohne Zahlen im Abstract.

Übersichten zu Uhrengenen und Hormonachse. He M.-C. et al. (2025) [s27], „[Circadian and non-circadian regulation of the male reproductive system and reproductive damage: advances in the role and mechanisms of clock genes]“ (Zirkadiane und nichtzirkadiane Regulation des männlichen Fortpflanzungssystems und Fortpflanzungsschäden: Fortschritte zur Rolle und zu den Mechanismen der Uhrengene; chinesisch, Acta Physiologica Sinica, englischer Abstract): Doppelrolle der Uhrengene (zirkadiane Regulation der Testosteronsynthese über die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden- und die Nebennierenachse; nichtzirkadiane Regulation der Spermatogenese) und mögliche Mechanismen der Schädigung durch zirkadiane Störung. Ning et al. (2025) [s33]: Übersicht zur Regulation der Testosteronsynthese durch Uhrengene und zu deren Rolle bei spät beginnendem Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion, männlicher Infertilität und Prostatakrebs. Alekseeva et al. (2024) [s61], „Роль циркадных ритмов в функционировании мужской репродуктивной системы“ (Die Rolle der zirkadianen Rhythmen im Funktionieren des männlichen Fortpflanzungssystems; Experimentelle und klinische Urologie): narrative Übersicht (Suche in PubMed, Scopus und eLibrary, fünf Jahre), die schwaches Kunstlicht von Bildschirmen, Straßenbeleuchtung und dauerhaft eingeschaltetes Licht im Haus als Störer der Melatoninsynthese anführt. Berichtet werden Zahlen aus Sekundärquellen: In der TriNetX-Datenbank (Männer 40 bis 70 Jahre) war Testosteronmangel häufiger bei obstruktiver Schlafapnoe (OR 1,66), Schlaflosigkeit (OR 1,74) und zirkadianen Störungen (OR 2,63); bei 754 Männern lag der IIEF-EF-Wert bei nächtlich Arbeitenden mit Schlafstörung im Mittel 2,8 Punkte niedriger als ohne Schlafstörung; in einer Studie mit 2.571 Teilnehmern, von denen 24,1 % in Schichten arbeiteten, war der qADAM-Wert bei Schichtarbeitern um 1,12 Punkte, in der Untergruppe mit Schichtarbeits-Schlafstörung um 5,47 Punkte (p < 0,01) niedriger, das Testosteron im Mittel um 100,4 ng/dl (p < 0,01). Konfidenzintervalle stehen im Text nicht; die meisten Zahlen betreffen Testosteron und Erektionsfunktion, nicht Spermienparameter, und die Übersicht ist nicht systematisch. Bukhtiyarov et al. (2016) [s152], „Нарушения репродуктивного здоровья у работников ночных смен (обзор литературы)“ (Störungen der reproduktiven Gesundheit bei Beschäftigten in Nachtschichten; Übersicht): behandelt in den gelesenen Passagen fast nur Frauen; zu Männern nennt der Text lediglich ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko bei langer Schichtarbeit und keine Spermiendaten; die Behauptung, das blaue Licht von Laptops, Tablets und Smartphones hemme die Melatoninbildung lange, wird in den gelesenen Passagen nicht mit Zahlen belegt. Die Arbeit zeigt vor allem die Forschungslücke zu Männern und Nachtarbeit.

Übersichten zu Umwelt, Lebensstil und Beruf. Krzastek et al. (2020) [s119], „Impact of environmental toxin exposure on male fertility potential“ (Translational Andrology and Urology): behandelt unter anderem Pestizide, endokrine Disruptoren, Schwermetalle, Erdgas und Öl, nichtionisierende Strahlung, Luft- und Lärmverschmutzung sowie Lebensstilfaktoren; die Feststellung von Kausalität und des Anteils idiopathischer Infertilität, der Umwelttoxinen zuzuschreiben ist, bleibe schwer. Lärm ist nur eine von vielen Expositionen, und der Abstract nennt dazu keine Zahlen. Köhn und Schuppe (2016) [s149], „Umweltfaktoren und männliche Fertilität“ (Der Urologe, Ausgabe A) und Schuppe und Köhn (2022) [s92], „Umweltfaktoren, Lebensstil und männliche Fertilität“ (Urologie; englischer Titel laut Datenbank: Impact of lifestyle and environmental factors on male reproductive health): Die beiden deutschsprachigen Übersichten betonen, dass chemische und physikalische Umwelt- und Berufsfaktoren die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen können, dass die Datenlage zu einzelnen exogenen Faktoren begrenzt und die Übertragbarkeit von Tier- und In-vitro-Daten schwierig ist und dass Expositionsrisiken in der andrologischen Anamnese erfasst werden sollten; Lärm und Licht werden im Abstract nicht genannt. Methorst et al. (2023) [s73], „Infertilité masculine, environnement et mode de vie“ (Männliche Infertilität, Umwelt und Lebensstil; Progrès en Urologie): nennen einen quantitativen und qualitativen Rückgang der Spermienparameter seit den 1970er-Jahren und führen verringerte Schlafzeit, Bewegungsmangel, Ernährung, Tabak, Drogen und Anabolika als Lebensstilfaktoren mit „nachgewiesenem Einfluss“ auf das Spermiogramm an. Bendayan et al. (2018) [s132], „Toxiques, mode de vie, environnement : quels impacts sur la fertilité masculine ?“ (Giftstoffe, Lebensstil, Umwelt: welche Auswirkungen auf die männliche Fertilität?): nennen Tabak, Marihuana, Gewicht, Hitze, Ernährung, elektromagnetische Wellen und Höhe. Lamothe et al. (2018) [s134], „Qualité du sperme et fertilité : rôle de l’environnement et de la santé“ (Spermienqualität und Fruchtbarkeit: Rolle von Umwelt und Gesundheit; Annales d'endocrinologie): diskutieren epigenetische Veränderungen und Adipositas. Bujan (1998) [s179], „Environnement et spermatogenèse“ (Umwelt und Spermatogenese): behandelt chemische, physikalische und Lebensstilfaktoren sowie regionale Unterschiede. García Pallás et al. (2021) [s107], „Factores ambientales y hábitos de vida que afectan a la fertilidad masculina“ (Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten, die die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen; spanisch, Revista Sanitaria de Investigación): Der Abstract besagt nur, dass eine Übersicht zum Zusammenhang männlicher Infertilität mit Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten erstellt wurde. Meyer et al. (1989) [s180], „Effects of noise and electromagnetic fields on reproductive outcomes“ (Environmental Health Perspectives): kurze Übersichtsarbeit ohne Zahlen im Abstract, mit Überlegungen zu Mechanismen, zur Expositionserfassung und zu Forschungsvorschlägen; ein historischer Beleg, dass die Frage seit Jahrzehnten besteht. Fesenko et al. (2023) [s83], „Влияние вредных производственных физических факторов на репродуктивное здоровье работников-мужчин“ (Einfluss schädlicher physikalischer Produktionsfaktoren auf die reproduktive Gesundheit männlicher Beschäftigter; Medizin der Arbeit und industrielle Ökologie): narrative Übersicht (Volltext gelesen); zu Lärm schreiben die Autoren, Studien zu Betriebslärm und Vibration seien „wenig zahlreich“, solche zu Ultra- und Infraschall „Einzelfälle“; sie zitieren aus zweiter Hand einen Zusammenhang zwischen Betriebslärm und geringerer Spermienbeweglichkeit sowie mehr DNA-Schäden (p = 0,005 und p = 0,02) und eine Arbeit, in der die niedrigsten Testosteronwerte in der Gruppe mit Lärm über 92,69 dBA auftraten (p = 0,001); die beiden letzten Zahlen entsprechen der iranischen Querschnittsstudie an Beschäftigten eines Automobilzulieferers (siehe Abschnitt „Beobachtungsstudien“). Keine systematische Suche, keine Bewertung der Studienqualität. Zemlyanova et al. (2025) [s46], „Гигиенические аспекты воздействия химических и физических факторов среды обитания на репродуктивное здоровье мужчин фертильного возраста (обзор литературы)“ (Hygienische Aspekte der Wirkung chemischer und physikalischer Umweltfaktoren auf die reproduktive Gesundheit von Männern im fertilen Alter; Hygiene und Sanitärwesen): Übersicht über 160 Berichte; zu Lärm schreiben die Autoren, Urbanisierung, Infrastruktur und Verkehr erhöhten die Lärmbelastung, chronischer Lärm führe zu einem Ungleichgewicht von Cortisol und Testosteron, zu Hodenfunktionsstörung und gestörter Spermatogenese (Verweis auf eine einzelne Quelle) und verändere zirkadiane Rhythmen; sie betonen selbst, dass Lebensstil, Gewohnheiten, Infektionen und chronische Krankheiten die Zuordnung eines wahren Einflusses erschweren. Die Lärmaussagen stützen sich auf wenige Einzelquellen, Effektgrößen fehlen. Osadchuk und Osadchuk (2020) [s125], „[Эпидемиологические исследования мужского репродуктивного потенциала: качество спермы как маркер репродуктивного здоровья]“ (Epidemiologische Studien des männlichen reproduktiven Potenzials: Spermienqualität als Marker der reproduktiven Gesundheit; Urologiia): Wohnregion und Ethnizität seien wichtige Determinanten des männlichen reproduktiven Potenzials; keine Zahlen im Abstract. Skerrett-Byrne et al. (2025) [s37], Übersicht zur Westpazifik-Region: Die Weltgesundheitsorganisation weise für den Westpazifik die höchste Infertilitätsprävalenz mit 23,2 % aus (global 17,5 %); die Autoren nennen erhebliche Lücken der regionalen Evidenz; zu Licht, Lärm oder Grün steht im Abstract nichts. Kavoussi und Kavoussi (2025) [s30], „Do mobile phones and laptop computers really impact sperm?“ (Arab Journal of Urology): Die Datenlage sei widersprüchlich, und ob Laptops und Handys die männliche Fertilität schädigen, bleibe „diskutabel“; Licht wird im Abstract nicht behandelt, es geht um Strahlung und Wärme. Die Bemerkung der Autoren, vorsichtige Männer könnten solche Expositionen verringern, ist eine Autorenmeinung und wird hier nicht als Empfehlung übernommen.

Leitlinien und Konsensdokumente

AUA/ASRM-Leitlinie „Diagnosis and Treatment of Infertility in Men“ (Schlegel et al., 2020, geändert 2024; Volltext durchsucht) [s54]. Das Kapitel zum Lebensstil stellt fest, dass Lebensstilfaktoren „sehr schwer zu untersuchen“ seien (fehlende Kontrollen, Erinnerungsverzerrung) und nur wenige ein signifikantes Risiko darstellten. Genannt werden Ernährung, Rauchen, Stress, Mobiltelefone (niedrige Qualität, kein Effekt), anabole Steroide, Koffein, Alkohol und Bewegung. Wörtlich steht dort: „No systematic reviews met inclusion criteria for the following risk factors: recreational drug use, sleep, sports/exercise, heat exposure, type of underwear, or anatomic abnormalities of genitalia.“ Lärm, nächtliches Licht, Bildschirmlicht, Grünflächen und Wohnort kommen im Text nicht als Faktoren vor (Volltextsuche ohne Treffer für noise, night, circadian, laptop, screen, television, rural). Außenluftverschmutzung ist in der Zusammenfassungstabelle mit „Evidence inconclusive“ geführt. Eine Empfehlung zu Lärm, Licht, Grünflächen oder Wohnort gibt es nicht.

EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Webfassung, abgerufen am 4. Oktober 2026) [s183]. Das Kapitel nennt idiopathische männliche Infertilität als möglicherweise mit mehreren nicht identifizierten Faktoren verknüpft, darunter endokrine Störungen durch Umweltverschmutzung, oxidativer Stress und DNA-Schäden sowie genetische und epigenetische Abweichungen; in der Anamnese sollen Lebensstil und Exposition gegenüber Umwelttoxinen erfragt werden. Zu Lärm, Licht, Grünflächen, Wohnort oder Schichtarbeit enthält das Kapitel keine Aussage. Im Kapitel zum Hypogonadismus steht, dass die Testosteronmessung am Morgen (7 bis 10 Uhr, nüchtern) erfolgen soll und dieses Zeitfenster für Nachtschichtarbeiter eventuell nicht geeignet sei, da der Tagesrhythmus der Testosteronsekretion primär durch das Schlafmuster bestimmt werde; das ist eine Messanweisung, kein Fertilitätsbefund.

Leitlinie des französischen Kollegiums der Gynäkologen und Geburtshelfer (CNGOF 2022, publiziert 2024; Sonigo et al.) [s55]. Titel: „Prise en charge de première intention du couple infertile : mise à jour des RPC 2010 du CNGOF“ (Erstmaßnahmen beim infertilen Paar: Aktualisierung der Leitlinien von 2010 des CNGOF; englischer Titel laut Datenbank: First-line management of infertile couple. Guidelines for clinical practice of the French College of Obstetricians and Gynecologists 2022). GRADE-Leitlinie mit 28 PICO-Fragen, darunter ein Thema zur Prävention von Umweltexpositionen. Im Abstract genannt sind für den Mann Spermiogramm, Spermazytogramm und Spermakultur als Ersttests sowie Aussagen zu Ernährung, Bewegung, Rauchen, Cannabis und Alkohol; zu Lärm, Licht, Grün oder Wohnort enthält der Abstract nichts.

Weitere Leitliniensuche. Die Webseiten von ESHRE, AWMF und der Società Italiana di Andrologia lieferten nur Übersichten, keinen durchsuchbaren Leitlinientext zum Thema; eine Cochrane-Suche über PubMed ergab keine einschlägige Übersicht. Die Aussage, dass es dort keine Empfehlung gibt, beruht daher auf fehlender Auffindbarkeit und ist nicht bewiesen.

Zusammenfassung des Abschnitts. Gepoolte Schätzer existieren für Schichtarbeit (nicht signifikant) [s41], für Schlafstörungen (signifikant, aber ohne Angabe von Studienzahl und Heterogenität im Abstract) [s98], für Mobiltelefone (ohne Dosisbezug) [s109], für Luftschadstoffe [s11, s155] und für Lärm im Rattenversuch [s154]. Für Lärm, nächtliches Außenlicht, Bildschirmlicht und Wohngrün in Bezug auf Samenparameter beim Menschen fehlen Metaanalysen und systematische Übersichten vollständig; der Umbrella-Review [s17] enthält diese Faktoren nicht, und die Leitlinien [s54, s183, s55] geben keine Empfehlung.

Alle Kapitel und Anhänge (23)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Lärm und Nächtliches Licht und Chronotyp
  6. Schichtarbeit und zirkadiane Störung und Grünflächen
  7. Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe, Region bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  8. Überblick über die Evidenzlage bis Nächtliches Licht und zirkadiane Störung: Übersichten und Hypothesenarbeiten
  9. Nächtliches Licht und Lichtprotokolle: Tierversuche bis Wohnort, Stadt und Land, Verkehrsnähe
  10. Leitlinien und Konsensdokumente und Zusammenfassende Bewertung der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Russisch
  14. Arabisch und Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen
  23. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle